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Monat: Mai 2006

Es gibt keine Ketten im Fußball

Uli Stielikes und Horst Hrubeschs Aufatmen ist bis hierhin zu hören. Urs Siegenthaler stellt im sehr lesenswerten Interview mit der Welt fest:

„Es gibt keine Ketten im Fußball.“

Auch wenn wir alle wissen, dass es auf jedem Kreisligaplatz Ketten und gegelte Frisuren gibt, ist es fußballtaktisch eine beruhigende Erkenntnis. Das ganze Gerede um Vierer-, Dreier, gar Einerketten (im Tor) ist also überflüssig. Ich hoffe schwer, dass Siegenthaler das nicht auf Druck der Sponsoren gesagt hat, damit Frauen weiterhin dem Fußball zugewandt blieben, weil sie nun wissen, dass sie dieses Kettengerede gar nicht verstehen müssen.

Gleichzeitig hoffe ich auch, dass unsere Viererkette hinten rechtzeitig vor der WM versteht, dass sie gar keine Kette ist. Stattdessen muss jetzt wieder jeder selbst denken und kann sich auch unabhängig von seinem Nebenmann bewegen.

Weiter unten sagt Siegenthaler noch:

„Es gibt Stürmer, die stehen schon am Pfosten, wenn die Flanke von außen erst unterwegs ist. Da denke ich: Leck mich, der muß doch den Rhythmus des Flankengebers übernehmen!“

Das ist das Problem, wenn man erst so kurz im deutschen Fußball dabei ist. Jahrelang war doch Christian Ziege in der Nationalmannschaft. Wenn der geflankt hat, musste man schon am Pfosten stehen, um dann später, wenn der Ball runterkommt, 20m weiter hinters Tor gelaufen zu sein, wollte man die Flanke erreichen.

Aber auch Siegenthaler wird noch verstehen, welche Erblasten wir dank Ribbeckscher FOTOscher und Völlerscher Nominierungspraxis noch so mit uns rumschleppen.

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Nowotny mit Hexenschuß

:Kurz vor dem 0:1 im Spiel gegen Japan erlitt Jens Nowotny einen Hexenschuss, mitten auf dem Spielfeld des BayStadions. Anders ist es nicht zu erklären, wieso er fünf Meter von einem Gegenspieler entfernt stehend versucht, diesen abseits zu stellen, indem er zwei Meter nach vorne geht und dann stehen bleibt.

Das macht aber nix, denn so bleibt die Mannschaft der Clinsfornische Devise treu: vorne hui, hinten pfui. Ich wage es auch mal, mich zu der Behauptung zu versteifen versteigen, dass Oliver Kahn gestern „das Spiel ganz alleine verloren“ hätte. Er hätte bei diversen Szenen noch älter ausgesehen als er es mit seinem zerknautschten Gesicht ohnehin schon tut.

Interessant finde ich, dass man selbst mit einem halben Auge auf den Bildschirm sehend sofort Jens Nowotny am Laufstil erkennen kann. Er läuft wie ein altes C64-Sprite, bei denen die Animation noch nicht so ganz rund lief.

Ein anderer läuft etwas runder, es ist David Odonkor, der sich gleich in der ersten Szene seiner Länderspielkarriere eine Gelbe Karte wegen einer Schwalbe abholte. Das kommentierten Delling und Netzer jovial grinsend, als wäre das ein Lausbubenstreich. Ist es auch, aber nur so lange, bis Netzer wieder für die SportFOTO schreiben wird, in der er „den Verfall der Sitten“ beklagt angesichts der „Flut von Betrugsversuchen“. Wahlweise noch ergänzt durch „in England würde es das nicht geben“ und das ebenso obligatorische „zu meiner Zeit“. Hat jemand noch mehr Klischees?

Die Zuschauer scheinen wie immer nicht zu wissen, was sie wollen. Rufen mal Schmähungen und mal Lobpreisungen, gerade so, als wären sie von der Dummschwätzeritis befallen.

Die Zeitungen titeln irgendetwas von „Schweinsteiger rettet Deutschland“ oder „Pleite gerade noch abgewendet“, während ich ein Fußballspiel gesehen habe, in welchem eine Mannschaft zwei Tore schoß und dann die andere zwei Tore schoß. Von einer großen Pleite oder Blamage hab ich da nicht viel gesehen. Es ist nämlich fast immer so, dass, wenn ein Spiel nicht zu Null aus geht, erst die eine Mannschaft ein Tor schießt und dann die andere Mannschaft.

Das ist aber a) sehr schwer zu verstehen und nur den echten Fußballfachleuten einsichtig und b) auch nicht sehr auflagenfördernd, wenn man titelt „2:2 – ein normales Fußballspiel“ oder „Nach Japan trifft auch Deutschland“. Nun gut.

Steht Netzer eigentlich auf einem Höckerchen, wenn er neben Delling moderiert, so wie es früher Kanzler Schröder oft tat?

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Skandal schwappt über die Alpen

In Italien fällt der ganze Fußball auseinander, selbst der Mann, dessen Heiligenschein wir immer erahnten, ihn dann aber doch nie sehen konnten, scheint beteiligt zu sein: Collina.

In Deutschland geht es nun im selben Stile weiter. Beim Heimspiel gegen Japan ist der Schiedsrichter ein Deutscher. Mensch, Clinsfornia, etwas unauffälliger würde es doch auch gehen. Mit einem kleinen Reiseangebot nach Huntington Beach oder vielleicht mit lebenslanger Bierversorgung durch einen der Sponsoren der Nationalmannschaft. Man muss ja nicht gleich die eigenen Leute als „Neutrale“ auf an den Platz schicken.

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Wenn der Dummschwätzer Hubschrauber fliegt (XI)

Der Dummschwätzer will bei 48 von 64 WM-Spielen live dabei sein. Wir haben es beim Confed-Cup schon erlebt, wie das geht: mit einem Hubschrauber. Der Dummschwätzer lässt sich mal eben so von Hannover nach Leipzig nach Köln fliegen, nur um überall seine Visage in die Kameras zu halten.

Mir wäre lieber, er würde sich auf die Spiele beschränken, die er ohnehin schon kommentiert. Irgendwann muss auch mal gut sein mit dieser vermeintlichen light form des deutschen Fußballs. Spätestens nach der WM. Oder eben wenn der Hubschrauber abstürzt.

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Unbekanntes aus … dem Fußball-Bälle-Bereich: Telstar

… Telstar:

So hieß der erste Ball einer WM, der auch einen eigenen Namen hatte. Früher hießen die Dinger einfach Fußball, jetzt heißen Sie Teamgeist, Fevernova, Tango oder eben Telstar. Und der Telstar von 1970 verrät auch gleich, warum er so wichtig war: Mit seinen schwarzen Elementen in der ansonsten weißen Hülle war er für die Zuschauer an den Schwarz-Weiß-Fernsehern besser zu sehen als ein komplett weißer Ball. Der „Star for the television“ eben, Telstar.

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Pünktlich um 7

Die Welt über den Alltag im Trainingslager von Trinidad & Tobago:

„Am Mittwoch abend gönnte Beenhakker seinen Schülern Ausgang. Und während das Frühtraining am Donnerstag auch gestrichen war, kehrte Stürmerstar Yorke mit einigen Kollegen von einer Studentenfeier in Graz pünktlich zurück — um 7 Uhr, zum Frühstück.“

Erinnert mich fast an meinen Alltag. Sollte ich doch zum WM-Teilnehmer taugen?

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Grönland kauft mehr Fisch

Wie man sinnverzerrende bis -entstellende Überschriften zusammenzimmert, zeigt dieses schicke Beispiel der „Kleine Zeitung“ aus der Steiermark. Da spricht Ibrahimovic davon, wie stark sein Team seit der EM in Portugal geworden ist. Und der Praktikant macht daraus: „Portugal stark verbessert“. Seine Chancen, später bei der FOTO-Zeitung unterzukommen, sind damit enorm gestiegen.

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Hitler, der Quotenträchtige

Hitler interessiert sich doch für Fußball [Link leider tot]. Das ist neu. Denn eigentlich weiß man doch von ihm, dass er nur ein Mal in seinem Leben bei einem Fußballspiel war. 1936, bei der Olympiade, als Deutschland gegen Norwegen spielte. Deutschland verlor 0:2 und Hitler die Lust am Fußball.

Im Hamburger Schauspielhaus weiß man davon anscheinend nichts, sonst könnte man den Mann mit dem Bart nicht doch noch zum Lederanbeter transformieren. Ich hab es natürlich nicht selbst gesehen; was ich in diesem Beitrag lese, wirkt auf mich allerdings wie die Auswüchse eines ziemlich wirren Hirns. Nein, nicht Adolfs, das ohnehin, aber auch das des Autoren dieses Stückes.

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Da treiben sie sich rum

Wir fragen uns doch alle, wo die ganzen Eintrittskarten bleiben, wenn angeblich noch 13.000-15.000 Karten für Spiele mit deutscher Beteiligung zu haben sind, die FIFA-Ticketbörse aber ständig nur das rote Lämpchen (=keine Karten vorhanden) aufblitzen lässt.

Hier gibt es scheinbar noch unendlich viele Karten. Zwar nicht gerade zu erschwinglichen Preisen, aber eben außerhalb der FIFA-Ticketbörse, die doch — angeblich — der einzige Ort sein soll, an welchem man als Normalsterblicher Karten bestellen kann.

Jetzt tauchen hier an einem mysteriösen Ort Karten auf. Wollte man nicht den Schwarzhandel unterbinden? Was sind Preise von 1.200 Euro sonst als Schwarzhandel, wenn der normale Kartenpreis ein paar hundert Euro in der Vorrunde nicht überschreitet?

Seltsam und auch äußerst fragwürdig, dass jetzt solche Ticketanbieter aus dem Nichts auftauchen.

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Unbekanntes aus … Trinidad: Trinibagonier

… Trinidad.

Wir sind nicht in den unendlichen Weiten des Weltraums angekommen. Die Überschrift ist lediglich die Antwort auf die heiß diskutierte Frage, wie man denn eigentlich einen Einwohner von Trinidad & Tobago nennt.

In Deutschland geborene Türken heißen übrigens in der Türkei „Deutschländer“, welche in Deutschland wiederum Würstchen sind. Wir hatten das schon mal bei der Frage, wie denn Amerikaner in Berlin und Pfannkuchen in Washington heißen. Ihr erinnert Euch.

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Walter-Tor im Walter-Stadion

Im Fritz-Walter-Stadion wurde 2004 ein Eingangstor im Osten nach Ottmar Walter, dem Bruder von Fritz, benannt. Ich weiß nicht, ob ich in einem Gebäude, das komplett nach meinem Bruder benannt ist, ein mickriges Eingangstörchen nach mir benannt wissen möchte; so als wäre ich nur ein kleiner Teil meines großen Bruders.

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Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht

Diese Devise gilt ja für fast alles im Internet. Und siehe da, auch die FAZ macht der ZEIT jetzt etwas nach. Der Versuch bei der ZEIT war schon so naheliegend, so eigentlich-schon-immer-da, man muss es nur aufnehmen, dass es doch schon fast ein bißchen peinlich ist, dass die FAZ erst jetzt mit dieser Idee aus der Konserve kommt.

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