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Monat: November 2006

„Promis“ bei „Wetten, dass…?“

Max Merkel has left the building. Max Merkel, den kennen die jüngeren Leser nur noch als Inbegriff der inhaltsleeren Phrasendrescherei. Dabei war das mal ganz anders, nämlich zu jenen Zeiten, als Max Merkel bei „Wetten, dass…?“ (links neben dem Saalkandidaten) auf der Bank saß und mit anderen damals „Prominenten“ (Elke Sommer, Volker Lechtenbrink (!)) im damals noch nahezu kabelfernsehfreien Deutschland schnackte. Da der Grandseigneur der intellektuellen Fernsehdiskussionen mit einer Sehkraft noch deutlich unter der von Eike Immel, nämlich ein gewisser Frank Elstner, Gastgeber war, kann die Diskussion gar nicht auf dem Niveau jener Zeitung gewesen sein, für die Merkel bis gestern noch schrieb.

Schade, dass ich davon keine VHS-Aufzeichnung besitze. Ebenso schade, dass wir jetzt den nicht mal bei viel Wohlwollen witzigen Mario Basler an Merkels statt in jener Zeitung seinen Unfug absondern hören müssen. Lesen müssen wir das natürlich nicht, aber als Zitat wird es uns allerorten begegnen.

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Schenk mir noch einen ein

Empfindet man England oder Spanien als „kleine Fußballnationen“? Sicher nicht, obwohl sie beide nur je einen Titel holten. England wurde nur 1966, dann auch noch mit gütiger Mithilfe der Umstände (Heimvorteil, Linienrichtervorteil), Weltmeister und besitzt keinen einzigen weiteren Titel. Spanien wurde 1964 Europameister, dann auch noch mit gütiger Mithilfe der Umstände (Heimvorteil) und besitzt keinen einzigen weiteren Titel. Doch schon allein bezogen auf die Bevölkerungszahl widerstrebt es einem gesunden Geist, diese beiden Nationen als Bestandteile Europas als „klein“ im fußballerischen Sinne zu betrachten. Dazu tragen vor allem die jeweiligen Profiligen zum Image der „großen“ Fußballmacht bei.

Empfindet man Dänemark oder Griechenland als — fußballerisch — „groß“? Nein, obwohl sie beide jeweils immerhin einen Titel errangen (Dänemark 1992 Europameister, Griechenland 2004 Europameister), trägt alleine schon die geringe Bevölkerungszahl der beiden Länder (Dänemark knapp 5,5 Millionen, Griechenland etwas über 10 Millionen) zum Image des eher kleinen Fußballlandes bei. Sicher wird niemand Dänemark seit Beginn der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts in einem Länderspiel unterschätzen, und auch Griechenland ist nicht immer so leicht zu schlagen wie noch bei der WM 1994, als es mit 0:10 Toren aus drei Vorrundenniederlagen wieder nach Hause ging. Die dänische Liga ist kaum der Rede wert, verfügt ohnehin nur wie die kleine schottische Liga über 12 Teilnehmer, während die griechische Liga auch keine Bäume ausreißt, im Europapokal aber immerhin einige Teilerfolge vorzuweisen hat. Nichtsdestotrotz: auch mit je einem großen Titel werden diese Länder weiterhin eher als kleine Nationen betrachtet, während Spanien und England mit ebenfalls je einem Titel als je einer der großen fünf des europäischen Fußballs gelten.

Und da kommt dann ein weiteres Land ins Spiel, das erst einen großen Titel einsacken konnte und seitdem — gerade so wie England und Spanien seit ihren Titelgewinnen — keinen Blumenkübel mehr gewann: Russland.

Schon häufig habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass ein Land mit einer solch großen Bevölkerungszahl so wenige Erfolge im Fußball aufweisen kann. Sicher, sie waren noch als UdSSR (mit damals noch größerer Bevölkerungszahl) mehrere Male in Halbfinals von großen Wettbewerben, 1972 und 1988 gar im Finale der Europameisterschaft. Es gibt weitere Widrigkeiten wie die Tatsache, dass Mannschaftssport in allen sozialistischen/kommunistischen Ländern nicht dieselbe Förderung erhielt wie Einzeldisziplinen, in denen man viel schneller Medaillen gewinnen kann, die ein Land bei einer Olympiade im Medaillenspiegel nach oben katapultieren. Es gab natürlich auch nicht dieselben finanziellen Mittel wie in anderen Ländern und nicht zuletzt hatte zumindest früher Fußball in Russland bei Weitem nicht die Popularität einerseits wie in anderen europäischen Ländern und andererseits nicht wie z. B. Eishockey im eigenen Land.

Trotz allem bleibt die Frage: Warum kann ein Land mit über 140 Millionen Einwohnern einfach nichts reißen im europäischen Fußball, im Weltfußball?

Eine der Antworten, die ich auch schon angedeutet habe, gibt Wladimir Wladimirowitsch Putin hier:

Was den russischen Fußball angeht, so bemerkte der Präsident, dass in den 16 Fußballklubs der Premier-Liga über 200 Legionäre spielen, und das sei eines der Probleme des russischen Fußballs. ‚Ihre Zahl ist viel zu hoch. Sie ist zu begrenzen, denn für die Aufstellung einer Landeself, haben wir keine Leute… Die überschüssige Zahl der (ausländischen) Legionäre hemmt den Fortschritt der jungen und begabten Fußballer.‘ Ein weiteres Problem sei, wie der Staatschef sagte, dass ‚wir zu wenig gute Felder haben, ihre Zahl macht einen Bruchteil der Felder in den entwickelten Fußballländern aus‘. Außerdem werde in Russland, äußerte der Präsident ‚jungen Menschen, Kindern, die überhaupt Sport treiben und insbesondere Fußball spielen wollen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt‘“.

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Fünf Kurze

Auch wenn andere Teile aus dem Interview mit Simon Rolfes sicher ebenso zitierenswürdig wären, muss ich zugeben, kurz gelacht zu haben, als ich das hier las:

„Was war der letzte Traum, an den Sie sich erinnern können?

Das war heute Nacht. Ich habe geträumt, dass die ganze Kabine rappelvoll war, obwohl trainingsfrei war! Im Traum habe ich mich gewundert und gedacht: Wow, so viele sind da, obwohl gar kein Training ist.“

Das sagt Rolfes im Interview mit der ZEIT, bzw. eigentlich im Interview mit Rund.

So viele sind da, obwohl kein Training ist. Das genaue Gegenteil denke ich immer, wenn Training bei meiner Mannschaft ist: Wow, niemand ist da, obwohl heute Training ist. Aber möglicherweise liegt es daran, dass meine Spieler in bestimmten Situationen anders verfahren als Rolfes, der sich weiter oben folgendermaßen zur Situation äußert, in der seine Freundin eine Überraschungsparty für ihn organisiert hatte, er aber überhaupt nicht in Stimmung kommen wollte:

„Eigentlich hätte ich mir fünf Kurze reinhauen sollen, dann wäre es lockerer gewesen.“

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Unbekanntes aus … Liverpool

Das Hinspiel des Uefa-Cup-Finals (Ihr erinnert Euch, früher wurde der UEFA-Pokal in zwei Spielen entschieden, je ein Spiel zu Hause und eins beim Gegner, nicht wie heute in einem einzigen Finalspiel an neutralem Orte) zwischen dem FC Liverpool und Borussia Mönchengladbach 1973, welches in Liverpool stattfand, wurde für England vollkommen atypisch wegen Regens abgebrochen und am nächsten Tag wiederholt.

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Metropoliten, die Moskowiter

Während sich alle Welt über den Kunstrasen als Belag des Spiels Spartak Moskau gegen Bayern München aufregt, haben die Heimteams manchmal ganz andere Sorgen als den Belag:

„Beim Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand hatte Spartak selbst unangenehme Erfahrungen mit dem Verkehrschaos gemacht. Die Spieler waren letztlich per U-Bahn angereist.“

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Ihr Persönlichkeitsprofil, wir müssen da was diskutieren

„Ich wäre kein guter Fußballprofi, wenn ich nicht spielen wollte.“ — wie oft hören wir diesen Satz aus dem Munde eines Spielers, der gerade auf die Bank verrotiert wurde oder gar auf die Tribüne. Natürlich möchte er mit diesem Satz nicht den Trainer kritisieren, denn dann würde er sich ja aller Chancen berauben, überhaupt noch mal zu spielen. Er möchte ein wenig darauf aufmerksam machen, dass er sich ungerecht behandelt fühlt und seiner Meinung nach eigentlich in die erste Elf gehört.

So sprechen sie seit Jahrzehnten, die aussortierten und zurückgestuften Fußballer. Und auch wenn wir diese Floskel eigentlich nicht mehr hören können: Was erst sollen wir von einem Spieler halten, der sie nicht benutzt? Wer nicht mal den Ehrgeiz hat, überhaupt zu spielen, ja, was ist denn mit dem falsch? Was ist schief gelaufen bei seiner Berufswahl? Erst Profi werden, aber dann nicht spielen wollen…?

Ihr glaubt, das gibt es nicht? Doch, der Scheuer Sven hat 11 Jahre bei Bayern zugebracht und in dieser Zeit von alleine in der Bundesliga möglichen 374 satte 20 Spiele selbst gespielt. Das nenn ich Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und den Wunsch danach, seinen Sport auszuüben. Als er dann nach der skurrilen Basler-Pizzeria-Affäre geschasst wurde, ging er nach Saarbrücken, wo er 6 Zweitligaspiele in einer Saison schaffte, danach zum VfL Osnabrück, wo er 8 Zweitligaspiele in einer Saison schaffte. Es gibt wohl kaum einen so lange unter Vertrag gestanden habenden Profi, der weniger Spiele absolviert hat als Sven Scheuer.

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Munch lässt grüßen: Der Schrei

Möchte jemand so [Link leider tot] auf seiner Autogrammkarte erscheinen? Wohlgemerkt ist es die Autogrammkarte für Karl Del‘Haye und somit für den Spieler in rot, nicht für den Spieler in blau.

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Veraltete Stadien

Veraltete Stadien gibt es nicht nur in Italien, sondern auch in der Bundesliga.

Zweite Damen-Bundesliga. Wäre ein schöner Witz gewesen, wenn die SG Lütgendortmund nicht mittlerweile wieder in der Regionalliga West zu Hause wäre. Nichtsdestotrotz: Solche von durchgerosteten Stangen und mürben Betonpöllern herrlich eingerahmten Plätze kennt wohl jeder, der schon mal selbst im Verein aktiv war. Wunderbar auch der Name der Stadions: „Stadion im rauhen Holz“.

Überhaupt ist der Damenfußball, der von Sponsorenverunzierungen (die pösen Sponsoren, auch das wäre mal einen kritischen Beitrag wert…) im Stadionnamen weitestgehend frei ist, ein Tummelplatz für entzückende Bezeichnungen:

„Am Hallo“ — SG Essen-Schönebeck
„Stadion Brentanobad“ — für die Literaturfreunde beim 1. FFC Frankfurt und
„Sportplatz am Bergmattenhof“ — für die Bergmattenfreunde beim SC Freiburg.

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Erwin, Eugen und Heinz

Erwin, Eugen, Heinz und Reinhard, Willibald und Hubert. So und ähnlich hießen die Spieler einer aus Deutsch-Rumänen bestehenden Fußballmannschaft, gegen die wir einst antraten. Lustig wirkte das, wenn Leute, die deutlich jünger waren als ich, Vornamen trugen, deren Hochphase länger her ist als der Muff aus den Talaren gewichen ist.

Und weil ich so selten Sportschau schau, habe ich bislang trotz Alberts recht bewegter Bundesligageschichte auch noch nie Albert Streit im Interview gehört. Der Vorname kam mir nicht allzu „verdächtig“ vor, heutzutage, bzw. vor ca. 20-30 Jahren gaben ja viele Eltern ihren Kindern eigentlich veraltete deutsche Vornamen, wie Max, Richard, Claus oder von mir aus dann eben auch Albert. Albert finde ich bei Weitem nicht so unmöglich wie Eugen oder Hubert. (Auch deren Phase wird allerdings wieder kommen, seid Euch sicher.)

Heute sah/hörte ich dann Albert Streit nach seinen schnellen beiden Toren beim VfL Bochum zum ersten Mal im Interview sprechen. Und sofort wunderte ich mich und dachte: der Mann ist doch kein Muttersprachler! Welch komischen Akzent er spricht! Er sprach zwar wirklich grammatikalisch einwandfreies Deutsch, aber der Akzent, der Akzent…

Kurz ge-wikipedia-t und siehe da: Albert Streit ist auch einer von diesen Deutsch-Rumänen, geboren 1980 in Bukarest. Und ich wette, dass seine Eltern nicht ahnten, dass sie mit der Wahl des uralten Vornamens „Albert“ mitten auf einer in Deutschland zu jener Zeit angesagten Welle surften, sondern einfach aus der Reihe „Erwin, Heinz, Eugen, Willibald, Hubert, Fritz und Albert“ den ihnen am besten gefallenden Namen auswählten.

PS: Möglicherweise müsste man diese oben von mir erwähnte Gruppe auch Rumänien-Deutsche nennen. Ich weiß es nicht.

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