Zum Inhalt springen

Monat: Dezember 2006

Fummeln bis der Ball weg ist

Hach ja, der Guardian mal wieder. Ich habe heute etwas Nettes fotografiert, rechtlich gesehen bin ich damit zumindest in einer Grauzone, aber so lange kein Hahn kräht, wird mir auch kein Gras aus den Taschen wachsen.

[photopress:guardian1.jpg,full,centered]

Eine detaillierte Auflistung aller Parameter dreier Auftritte von Arsenal-Verteidigern. Bemerkenswert ist nicht so sehr die geringe Zahl an Fehlpässen; etwas, was wir von Verteidigern so natürlich erwarten, da sie viel seltener in eine Situation kommen, in der ein riskanter Pass überhaupt sinnvollerweise zu wagen wäre.

Was mir aber jedes Mal graue Haare bereitet, ist, wenn Spieler nicht verstehen, dass Fußball ein Spiel ist. Das kann man natürlich in zweierlei Hinsicht interpretieren. Einerseits bedeutet es, dass man ein bißchen rumdödeln kann. Andererseits bedeutet es, auch wenn es „nur“ Fußball ist, dass es bestimmte Regeln gibt, die bei der Ausübung des Spieles „Fußball“ zu beachten sinnvoll wäre. Dazu gehört in erster Linie: Verteidiger sollten nicht dribbeln. Warum sollten sie das nicht tun? Nun, ganz einfach, weil das Risiko, bei einem Dribbling den Ball zu verlieren, so immens hoch ist und die Gefahr für das eigene Tor durch einen Ballverlust so kurz vor dem eigenen Tor ebenso immens hoch ist. Das ist die ganz einfache Antwort. Und so sollte kein Verteidiger jemals — in der Nähe des eigenen Tores — dribbeln. Das ist eine der Grundregeln, mit denen man Fußball spielen sollte.

Leider gibt es viele Kleingeister, die das nicht verstehen. Was heißt verstehen, man müsste es ihnen erstmal erklären. Mir erscheint diese Tatsache allerdings so dermaßen simpel und aus jeder Perspektive einsichtig, dass ich mich sehr ärgern muss, wenn jemand das nicht von selbst versteht. Wie dem auch sei, es gibt gerade im unterklassigen Bereich sehr, sehr viele Fußballer, die überhaupt nichts vom Spiel verstehen, sei ihre Ballbehandlung noch so gut. Und so passiert es immer wieder, dass ich richtig sauer werde, weil Leute als letzter Mann, als quasi letzter Mann oder einfach nur in der Nähe des eigenen Tores anfangen, zu dribbeln. Das ist schlimm und da kann man zurecht sauer werden.

[photopress:guardian2.jpg,full,alignleft]

Damit es etwas deutlicher wird, habe ich den entscheidenden Abschnitt hier links noch mal etwas größer dargestellt. Drei Weltklasseverteidiger werden je 90 Minuten beobachtet und wie viele Dribblings legen sie in diesen insgesamt 270 Minuten hin? Richtig, gar keines. Und das ist auch gut so, denn hinten wäre ein Dribbling ohnehin viel zu gefährlich, und vorne, ja, vorne spielt man inzwischen auch so, besonders bei Arsenal, dass man es gar nicht erst nötig hat, ein Dribbling durchzuführen.

So etwas aber dem eigenen Pöbel klarzumachen, ist nahezu unmöglich. Genauso wie wir uns eigentlich darauf geeinigt hatten, Eckbälle nur noch kurz oder flach vors Tor zu spielen, weil alles andere so ausgesprochen erfolglos war in den letzten 9 Jahren. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass sich jeder dran hält, obwohl der Gegner doch nichts anderes erwartet als eine hohe Flanke. Klar. Es gibt Situationen, in denen es sinnvoll ist, vom eigentlichen Plan abzuweichen. Aber meistens weichen die Jungs von allen Plänen ab, weil sie gar keinen Bock haben, sich an irgendwelche Pläne zu halten oder anders gesagt: weil sie sich meist gar nicht so weit erinnern können, dass man überhaupt irgendetwas abgesprochen hätte.

Um jetzt nicht zu sehr den eigentlichen Faden zu verlieren, kehre ich zurück zu den 0 Dribblings in 270 Minuten und muss sagen: Was gibt es da überhaupt zu diskutieren? Nichts natürlich. Das Problem bleibt, ob beim Zuschauer oder beim unterklassig spielenden Fußballspieler, dass er einfach nicht versteht, dass Dribblings im gesamten Fußball eigentlich überflüssig sind, und als Verteidiger erst recht. Für den gemeinen Zuschauer und den debilen Selbstspieler ist das Dribbling das Wesen des Fußballs. Und ich sage noch mal: Fußball ist ein Spiel. Man muss den Ball spielen, nicht sich selbst.

7 Kommentare

Ausgestoßen wäre er doch!

Boris Becker redet sich wie immer um Kopf und Kragen und beweist seine Ahnungslosigkeit. Eigentlich hatte ich mich ja darauf gefreut, dass der Franz irgendwann für immer schweigen wird. Dabei hatte ich aber nicht bedacht, dass dessen legitimer Nachfolger im Dummschwätzer-Sektor, Boris Becker, ja nur unwesentlich älter ist als ich und er mich somit Zeit meines Lebens begleiten wird. Pest und Cholera, da weiß man wirklich nicht, was man wählen soll.

WELT.de: Muhammad Ali hieß eigentlich Cassius Clay. Er wechselte seinen Namen, nachdem er zum Islam konvertiert war.

Becker: Bewundernswert! Stellen Sie sich vor: Wenn das heute einer machen würde, er wäre doch ausgestoßen von der Gesellschaft. Der würde nirgendwo mehr eingeladen werden. Muhammad aber war das egal. Was er als Sportler aus Überzeugung riskiert hat, das macht ihn als Menschen für mich so einzigartig.

Hat Boris Becker noch nie etwas von Franck Ribéry gehört? Der ist auch konvertiert und seitdem so dermaßen ausgestoßen, dass der FC Bayern nach der WM kurzzeitig Interesse zeigte, Ribéry an die Isar zu verpflichten. Das kann Becker aber nicht wissen, schließlich ist er bei den Bayern nur Mitglied des Beirats.

[Nachtrag: Dass Franck Ribéry aus dem selben Ort stammt wie „Schongpjärpapeng“, ist mir auch neu gewesen: aus Boulogne-sur-Mer im Norden Frankreichs.]

Einen Kommentar hinterlassen

Neues aus Korschenbroich: Nein zu van Lent

Der junge Arie van Lent [Link leider tot], damals noch mit Haaren: Jetzt ist seine Zeit im Profifußball abgelaufen, schade für ihn.

Andere schaffen es, selbst ihr Karriereende zu bestimmen; Arie hingegen wurde bei Rot-Weiß Essen aus dem Kader entfernt — wohl nicht ganz freiwillig. Und nicht mal die drittklassige Fortuna will ihn noch.

Einen Kommentar hinterlassen

Audiobeweis?

Die Ohrenoptiker kommen doch immer wieder auf neue Ideen. Jetzt — sofern man den vergangenen Sommer noch als „jetzt“ durchgehen lässt — mischen sie sich schon in die Regelauslegung beim Fußball ein. Einen „Audiobeweis“ fordern sie anlässlich Materazzis verbaler Provokationen in ihrem Forum.

Bald gibt es auch noch den olfaktorischen Beweis. Schöne neue Welt.

2 Kommentare

Beim Barte des Propheten

Im vorigen Beitrag hatten wir schon einen schönen Propheten im Visier. Der größte aller Propheten ist aber immer der mit dem Barte [Link leider tot]. Und Propheten irren sich schließlich nie. Höchstens mal um zwei Minuten Spielzeit im Halbfinale.

Einen Kommentar hinterlassen

Bahrain wie die Bundesliga

Im Interview mit fussballdaten.de [Link leider tot] klärt uns Hans-Peter Briegel auf, wieso sich die Situation als Nationaltrainer von Bahrein nicht viel anders darstellt als jene des Bundestrainers:

„Wie viele aktive Fußballer gibt es eigentlich in Bahrain?

Ich habe sie nicht gezählt. Man muss wissen, dass Formel 1 hier der Volkssport Nummer 1 ist. Erst dann kommt der Fußball. Es gibt 200 ernstzunehmende Spieler, und nur 40 von ihnen kommen für die Nationalmannschaft in Frage.

Einen Kommentar hinterlassen

Malik Fathi im Glück

Malik Fathi war bei der WM im Glück. Er nahm zwar nicht selbst teil. Er musste aber laut Selbstauskunft das WM-Spiel Brasilien gegen Kroatien nicht wie wir alle mit dem meist debil vor sich hin brabbelnden Reinhold Beckmann als Kommentator vor dem Fernseher ertragen. Er sah das Spiel mit seinen eigenen Augen im Stadion. Da werden wir doch noch nachträglich mal eben neidisch.

Was ich nicht wusste, aber diesem Interview entnahm: Fathi — obwohl Halbtürke — spricht kein Türkisch. Sofort muss ich da an den Voll-, nicht nur Halbitaliener, aus meinem Team denken, der, weil hier aufgewachsen, zwar perfektes Deutsch spricht, aber kaum einen Satz Italienisch beherrscht. Schade, wenn Eltern aus welchen Gründen auch immer die Chance zur Zweisprachigkeit ihres Kindes ungenutzt verstreichen lassen. Irgendwann ist das Fenster zu — und zwar ziemlich früh.

Zweisprachig aufgewachsene Menschen haben nachweislich andere Hirnstrukturen als einsprachig Aufgewachsene. Sofern sie beide Sprachen perfekt beherrschen, ist das ein erstrebenswertes Ziel. Es gibt aber auch Fälle, in denen bedauernswerte Zeitgenossen keine ihrer beiden Mutter-/Vatersprachen richtig beherrschen, sondern in beiden Sprachen als nicht perfekt auffallen. Dann doch lieber in einer Sprache perfekt sein als in beiden Sprachen schlecht. So wie Andy Brehme zum Beispiel. Achnee, der kann ja nur eine. Achnee, nicht mal das.

4 Kommentare

Wie wenig komplex

„Jeder, der sich in die Nähe von 1860 begibt und sich dann mit den Tatsachen beschäftigt – und nicht mit den Stammtischparolen –, wird schnell überrascht sein, wie wenig komplex das alles am Ende ist.“

Die Aussage des Geschäftsführers von 1860 gilt wahrscheinlich für die Strukturen von mindestens zwei Dritteln aller Fußballvereine. Und trotzdem wird immer ein Brimborium um das wirtschaftliche Gebaren der Profivereine gemacht, als gäbe es neben den üblichen Handgeldern für Spieler, die nicht versteuert werden, sonst noch großartige Sonderposten, die man mit einkalkulieren müsste; ja, als sei es geradezu Zauberei, einen Bundesligaverein zu managen.

Eigentlich kann jeder, der ein Fußballmanagerspiel bedienen kann, auch im sog. real life einen Verein führen, sofern er sich die nötige rechtliche Beratung verschafft. Dass daran aber schon der eine oder andere Manager im finanziellen Bereich scheiterte, zeigt nur, welch unfähiges Personal in so manchem Bundesligaverein tätig ist.

Zum Glück ist das in Italien und Spanien völlig anders. Dort wird seriös gewirtschaftet, und das sogar, obwohl die Sachlage meist aufgrund diverser lex berlusconi oder sündhaft teuer verkaufter madrilenischer Trainingsanlagen noch viel komplizierter ist.

Einen Kommentar hinterlassen