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Monat: Januar 2007

Allzweckwaffe Alliteration

Neues von den Redakteuren des Herrn kicker, die sich mal wieder zu einer Höchstleistung beim Kleistern von Überschriften aufrafften:

VfB krallt sich Kruppke

Da liest man den Beitrag doch glatt doppelt so gerne. Schade nur, dass man beim kicker allein die Alliteration als Stilmittel kennt und der Rest der Texte teilweise haarsträubend formuliert ist. Aber man muss ja nicht, es zwingt einen ja keiner, abgesehen von der gähnenden Leere im Bereich Fußballzeitungen in Deutschland. Die zwingt einen dann schon ein wenig, aber trotzdem: man muss ja nicht.

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Glückwunsch, Felix

Als 300. Trainer der Bundesligageschichte gefeuert zu werden hat doch auch was. Zwei Trainerentlassungen an einem Tag hab ich auch noch nicht erlebt.

Wenn die Bayern jetzt aber ernsthaft mit Ottmar Hitzfeld als Lösung für den Rest der Saison planen, dann bestätigt sich, was FAZ, allesaussersport und diverse Andere in letzter Zeit konstatierten: Dem FC Bayern ist jegliche Vision, wie ihr Fußball eigentlich aussehen soll, abhanden gekommen. Schlimmer als Fußball Hitzfeld’scher Prägung (der späten Jahre) war das gegen Bochum gestern auch nicht.

Bei Bayern ist es ja fast schon Tradition, die Trainer zwei Mal anzuheuern: nach Lattek, Beckenbauer und Trapattoni nun auch Hitzfeld?

[Nachtrag] Der erste Rauswurf vor Vertragsende bei den Bayern seit dem 27. April 1996, als Otto Rehhagel gefeuert wurde. Seit mehr als 10 Jahren haben wir das Schauspiel namens „Trainerrauswurf bei Bayern“ nicht mehr erlebt. Fast schon bedauerlich, dass es sich nicht etwas länger und etwas deutlicher angekündigt hat.

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Die Schnäuzerfraktion

Seit Peter Neururer mal wieder auf dem Abstellgleis steht, gehen der Bundesliga die Schnäuzer aus. Jetzt wird die Schnäuzerfraktion allerdings wieder aufgestockt: Jos Luhukay wird wohl der Nachfolger von Jupp Heynckes werden.

Ich erwarte viel von ihm. Unter anderem, dass er nicht so komisch spricht wie Jupp Heynckes, was ja in Interviews immer schwer zu ertragen war. Nun ist Luhukay allerdings Holländer und wird wie Rudi Carrell klingen — ob das besser ist, werden wir spätestens heute Abend nach den ersten Interviews mit ihm wissen.

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Bewußt mal anecken

Erlebte Emotionen, der Slogan der EM 2008, das war schon grandios. Jetzt wird es aber noch besser. „Wir leben Zürich“ setzt dem ganzen das i-Tüpfelchen auf. „Wir leben Zürich“ ist der Slogan der EM-Stadt Zürich für die EM 2008, mit dem man mal „bewußt anecken“, ein bißchen Format zeigen, etwas kantiger sein will. Der Slogan ist tatsächlich so kantig, dass ich ihn fast gar nicht hier in dieses Blog reinbekommen hätte. Ständig wollte er aus dem eigentlich doch so schönen „Bleibt alles anders“-Design herauskippen. Dann habe ich irgendwann auf „Veröffentlichen“ geklickt und schon war er nicht mehr ganz so widerspenstig.

Nachdem er jetzt zumindest zu Buchstaben gezähmt wurde, können wir uns diesen aneckenden Slogan auch noch mal in aller Ruhe zu Gemüte führen und wir stellen fest: Ja, er ist wirklich total aneckend. Also, er eckt so sehr an, dass man gar nicht mehr weiß: War es jetzt Zürich, Brüssel oder doch Kopenhagen, wovon dieser Slogan sprach? Verletzt er Bürgerrechte oder wäre es doch nur eine Ordnungsstrafe, ihn zu benutzen? Es poltert in der ganzen Republik, seit dieser Zürcher Slogan veröffentlicht wurde. Angeeckt, halt.

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Anschreien, treten und bescheißen

So stellt sich das der gute Lemmy von Motörhead beim Fußball vor:

„Den Gegner anschreien, bescheißen und auf alles treten, was sich bewegt.“

Das war sein Ratschlag an die Spieler der Jugendmannschaft, die er nun sponsert. Die Toten Hosen lassen grüßen, denn der Sänger ist jetzt mit dem Logo seiner Band ebenfalls auf dem Trikot einer Fußballmannschaft vertreten. Okay, es ist nur eine Jugendmannschaft, aber immerhin tritt diese demnächst gegen die von Steve Harris gesponserte Jugendmannschaft zu einem Benefizspiel an. Wer ebenso wie ich in der Heavyrock-Szene (sagt man das heutzutage noch so? — ich werde alt…) nicht ganz so zu Hause ist, dem sei gesagt: Steve Harris ist der Bassist von Iron Maiden (dass es Iron Maiden überhaupt noch gibt, ist ebenfalls verwunderlich).

Bei Punkt zwei („bescheißen“) liegt Lemmy auf einer Linie mit Maradona, der doch tatsächlich die Chuzpe besitzt, in diesem Gespräch mit seinem damaligen direkten Konkurrenten Gary Lineker auch noch zu behaupten, sein mit der legendären „Hand Gottes“ erzieltes Tor sei kein Betrug gewesen. Der Dolmetscher des Interviews übersetzt Maradonas Äußerung mit cunning

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Die falschen Schuhe an

Wer kennt sie nicht, die allseits beliebte Ausrede, warum man so schlecht gespielt habe. Selbst Karl-Heinz Rummenigge, zu Lebzeiten immerhin ein gar nicht schlechter Fußballspieler, hat sie schon benutzt.

Damit ist jetzt Schluss. Die Schuhe mögen noch so gezwickt, die Ränder gedrückt haben, die Schnürsenkel plötzlich gelöst gewesen sein. Mit diesen Socken sind all diese Ausreden endlich hinfällig:

[Link zur Zeit tot.]

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Zahl der Woche – Folge VIII

Die Zahl der Woche lautet: 17. In 17 (!) verschiedenen Stadien fanden die Spiele der Fußball-WM 1982 statt. Da Barcelona, Sevilla und Madrid mit je zwei Stadien vertreten waren, bleiben immer noch 14 verschiedene Städte, in denen die WM 1982 durchgeführt wurde.

2x Barcelona
2x Madrid
2x Sevilla
Valencia
Bilbao
Elche
Malaga
La Coruna
Saragossa
Vigo
Oviedo
Alicante
Valladolid
Gijon

Für das bevölkerungsbezogen relativ kleine Spanien eine erstaunlich hohe Zahl. Die WM 1978 fand in 6 verschiedenen Stadien in 5 verschiedenen Städten statt.

Klar, dass die WM 2002 in noch mehr Stadien und noch mehr Städten stattfand. Damals waren es aber auch zwei Länder, die die WM ausrichteten: 20 Stadien in 20 Städten.

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Aufsteiger im Ligapokal?

Der Ligapokal ist so überflüssig wie ein Feiertag Anfang Oktober. Trotzdem scheint es noch den einen oder anderen zu geben, der da gerne mitspielen will. Im Interview mit keepersport.at äußert sich Georg Koch folgendermaßen:

„Dein Tipp für die Saison?

Platz eins bis drei, egal. Platz eins wäre geil, denn dann spielen wir im Ligapokal.“

Wenn man bedenkt, dass der MSV bislang noch keinen einzigen Titel gewonnen hat (sieht man von der Deutschen Amateurmeisterschaft ab), ist das für so einen relativ kleinen Verein vielleicht durchaus eine Chance, mal etwas für den Briefkopf zu tun. Mehr aber auch nicht, abgesehen davon, dass der MSV sicher nicht in Folge den VfB Stuttgart, Hertha BSC Berlin und Werder Bremen schlägt. Falls doch, sollte man sich diese Siege lieber für die Liga aufheben, um nicht erneut nach nur einer Saison wieder abzusteigen.

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Ahlen, Meppen, alles ein Brei

Ich muss mich schon fast entschuldigen, dass hier in letzter Zeit so häufig auf Fehlern von Journalisten rumgeritten wird, während Beiträge mit selbst erstelltem Inhalt Mangelware bleiben. Ich bin mir sicher, das wird sich bald ändern, spätestens, wenn Trainer Baade den Klassenerhalt gesichert hat und wieder mehr Zeit zum Schreiben, Nachdenken und Bilden von Meinungen haben wird.

Gleichzeitig muss ich aber wieder ein Mal auf Schreiberfritzen hinweisen, deren Blick über die Fußballlandschaft offensichtlich nur von der Sportschau bis zur Champions League reicht. Der HSV ist in Abstiegsgefahr, und wie dieser Beitrag behauptet, würde ein tatsächlicher Abstieg ihn direkt in Konfrontation mit Burghausen und Ahlen bringen. Ein verzeihlicher Fehler, würde er nicht gleich zwei Mal in diesem Beitrag gemacht werden. Man kann ja gerne Meppen als Synonym für die zweite Liga verwenden, bei Ahlen ist es noch nicht so weit gediehen. Und zur zweiten Liga gehört Ahlen übrigens auch nicht mehr.

Das ist wohl bei über den HSV berichtenden Journalisten noch nicht so ganz angekommen. Insofern passt das gut zur im Artikel erwähnten Überheblichkeit der HSV-ler. Die Putzerfische sind davon nicht ausgenommen.

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Interpretationen von Romantik

Der brasilianische Bundesligaspieler Dedé sagt im Interview mit Rund/Kicker/11Freunde/Spiegel/Zeit [1] Folgendes:

„Als ich ein Kind war, hatte unser Haus vielleicht 30 Quadratmeter. Da gab es zwei Betten, in denen acht Leute schlafen mussten. Aber trotzdem war immer ein tiefes Gefühl der Liebe da. Wir haben das Positive gefunden. Wenn es geregnet hat, musste man immer vorsichtig sein. Die Decke war kaputt, da kam der Regen rein, aber wir haben sehr fest zusammengehalten. Das ist meine richtige Familie, diese acht Leute.“

Das ist sicher toll, dass diese Familie einen großen Zusammenhalt hatte, auch wenn er möglicherweise nötig war, um überhaupt über die Runden zu kommen. Nicht so toll sind aber die Bedingungen, unter denen Dedés Familie leben musste. Und noch weniger toll ist die Antwort des Journalisten auf Dedés obige Äußerung:

„Das klingt fast ein bisschen romantisch.“

Missverstehe ich da etwas oder hat dieser Journalist einfach kein Gefühl dafür, wovon Dedé ihm gerade erzählt? Man muss schon ein besonderer Ignorant sein, um ein „Haus“ in den Favelas mit kaputter Decke und zwei Betten für acht Personen „romantisch“ zu finden. Und wie romantisch es erst gewesen sein muss, dass Dedé schon als Kind für den Unterhalt der Familie arbeiten musste und sie trotzdem nicht das nötige Geld hatten, um das Dach reparieren zu lassen.

[1] Man kann mittlerweile nicht mehr unterscheiden, von wem für wen ein Interview eigentlich gemacht worden ist. Ein Grund, wieso es sich auch nicht lohnt, RUND oder anderes als Printausgabe zu erwerben. Wenn man Spiegel Online und Artverwandtes regelmäßig verfolgt, hat man ohnehin schon alle lesenswerte Inhalte der Printausgabe gesehen.

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Ganz großes Kino

Der Slogan der EM 2008 ist da und er hat gute Chancen, mir die Lust auf die EM 2008 zu verleiden:

Erlebte Emotionen

Eine Steilvorlage für alle Kerners und Dahlmanns dieser Republik, deren einziges Interesse stets die Emotionen der Beteiligten sind. Für die Taktik ist Kloppo verantwortlich, aber die Frage „Wie fühlt man sich da?“ ist inzwischen von Kerner selbst gar nicht mehr zu unterscheiden. Dazu fällt mir nur der Titel des Pornos in Bang Boom Bang ein: „Frankies Fickparade — echte Emotionen“.

Inzwischen geht man wohl überhaupt nur noch zum Fußball, um große Emotionen zu erleben. Wie wäre es mit weniger großen Emotionen und ein bißchen gutem Fußball? Der kann auch erfreuen, es muss aber nicht jedes Mal das große Drama sein und erst recht muss nicht aus jedem 0:0 gleich eine Katastrophe gemacht werden, nur weil man dabei keine „Emotionen erlebt“ hat.

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