Zum Inhalt springen

Monat: September 2007

Horoskope und Astrologie

Sollte man Sportjournalisten, die solche Zeilen verfassen, ernsthaft Geld für ihr Werk bezahlen?

„Viel wird davon abhängen, wie die Saison verläuft.“

Oder sollte man ihnen vielleicht doch lieber nahelegen, sich an einer der unzähligen Astrologie-Hotlines (nur 1,89 Euro pro Minute) auf der auskunftgebenden Seite zu versuchen?

6 Kommentare

Portsmouth 7 Reading 4

Da sprachen wir gerade erst vom 7:5 bei der WM 1954, Zangel merkte sein augenbezeugtes Schalker 7:4 an, da gibt’s schon das nächste 7:4, nämlich in der Premier League. Mit 7:4 schlug gerade eben der FC Portsmouth den FC Reading, oder wie der Engländer sagen würde:

Portsmouth 7
Reading 4

11 Tore in einem Spiel, eine immer wieder gern gesehen Sache, die Bundesliga dient heute nur mit 9 Toren in einem Spiel.

Zufällig erfahren wir bei dieser Gelegenheit auch, dass der Spitzname des FC Portsmouth „Pompey“ lautet und wie er entstanden sein könnte. Mehrere Theroien gibt es wohl, die von betrunkenen, traurigen Seefahrern erzählen oder von eroberten Kriegsschiffen handeln, am wahrscheinlichsten sei aber diese:

But there is another more authenticated potential root in Naval folk-lore. In 1781 some Portsmouth-based English sailors scaled Pompey’s Pillar near Alexandria and 98 feet up above Egypt, toasted their ascent in punch. Their feat earned them the Fleet’s tribute as ‚The Pompey Boys‘.

Abgesehen davon ist auch die Webseite des FC Portsmouth ansehnlich, was für britische Mannschaften fast selbstverständlich ist, während Mannschaften Webseiten von deutschen Clubs meist noch aussehen, als wäre es 2002. Auf den Informationsgehalt kann ich die Seite des FC Portsmouth allerdings mangels Detailkenntnissen nicht überprüfen. Da zöge ich schon die Devise „karg, aber aktuell“ dem ganzen Videofirlefanz vor.

[photopress:portsmouth_fc.jpg,full,centered]

Woher der Name „Werder“ stammt, wissen wir ja nun schon länger.

4 Kommentare

sine ferenz

Am vergangenen Mittwoch unternahm ich nach langer Zeit mal wieder einen Selbstversuch in Sachen Premiere und seiner visuellen Konferenzschaltung:

Es lag sicher auch an der unbeteiligten Atmosphäre, die die mehrheitlich Schalker und Dortmunder Mitschauenden ausstrahlten. Gemeinhin bin ich aber in der Lage, an jedem beliebigen Ort mich so weit in mich respektive das Spiel zu versenken, dass ich das Drumherum ausblenden kann: der Tunnelblick beim Passivsporteln. So ist es egal, ob ich in einer finsteren Eckkneipe im Wedding oder auf einer überfüllten WG-Party in Düsseldorf sitze, das Spiel fesselt mich, so es dazu in der Lage ist.

Bei einer Bildkonferenz wie sie bei Premiere üblich ist, kann das leider nicht geschehen. Klar, es ist auch nicht der Sinn der Sache. Sinn der Sache ist, von allen Spielen etwas zu zeigen und bei Toren oder anderen wichtigen Ereignissen jeweils zur Stelle zu sein. Dieses Servieren von kurzen Häppchen schmeckt arg nach Sushi. Man isst und isst und wird nicht satt, bei der Konferenz schaut man und schaut man und wird auch nicht satt. Es wird unmöglich gemacht, die Spannung, die auf anderen Plätzen herrscht, weiterhin zu fühlen, weil das Visuelle so stark ist, dass es zwar einerseits die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht, andererseits aber alle anderen Spiele im Geiste verdrängt.

Wenn man sich schon 90 Minuten plus Pause Zeit nimmt, um einen Spieltag zu verfolgen, sollte man wenigstens satt nach Hause gehen.

Noch dazu kommen handwerkliche Schnitzer, die sich aber kaum vermeiden lassen: Zwei Mal passierte es, dass gerade umgeschaltet wurde, als sich sichtbar eine Großchance anbahnte. Dazu kommt die scheußliche Gleichförmigkeit aller modernen Stadien, man weiß nicht, ob man sich gerade in München, Bielefeld oder Braunschweig befindet.

Das Einzige, was an diesem Konferenzabend lohnenswert hätte sein können, Stefan „True Love Never Die“ Effenberg in der Pause als „Experten“ zuzuhören, verpasste ich aufgrund dem Fußballschauen immanenter Erledigungen.

Kurzum: Was im Radio besonders gefällt, funktioniert im Fernsehen einfach nicht. Da ist es zufällig schon ein Spieltag mit nur fünf Passionsspielorten, es bleibt trotzdem das Gefühl zurück, weder Fisch noch Fleisch, nichts Halbes und nicht Ganzes und weder Männlein noch Weiblein konsumiert, geschweige denn genossen zu haben.

Heute also wieder Konferenz, allerdings die funktionierende im Radio.

14 Kommentare

„any idiot can score a goal in soccer“

Da hat er nicht ganz unrecht, der Trainer in diesem Spiel, wie wir seit dem Unaussprechlichen wissen.

Nett ist auch seine Reaktion, wenn man gar keine Bälle „kickt“. Und mal so richtig angeraunzt werden, das wollen wir doch alle hin und wieder, die wir mit den hervorragend ausgebildeten Pädagogen des Jugendfußballs groß geworden sind.

Kleiner Tipp: Es ist egal, wie viele von den da rumwabernden Männekens durchkommen, wichtig ist, seine Bälle nicht ohne Treffer zu verschießen — glaub ich jedenfalls.

PS: Unbedingt die „Instructions“ lesen. Endlich beschränkt sich mal jemand aufs Wesentliche.

1 Kommentar

Augenreiben

Ich muss mir doch mal kurz die Augen reiben: An einem Wochentag abends kommen 68.000 Zuschauer in die Allianz-Arena, um eine Partie gegen Energie Cottbus zu sehen?

Und ich sag noch, schafft den Europapokal der Pokalsieger nicht ab, das Pendel schlägt bald um.

4 Kommentare

Schweiz — Österreich revisited

Gestern wurde das 5:7 im WM-Spiel von 1954 zwischen Gastgeber Schweiz und Gast Österreich in der Türkei, damals selbst auch Teilnehmer, von Samsunspor und Orduspor neu aufgelegt.

Wann sieht man schon mal 12 Tore in einem Profispiel (hier in der zweiten türkischen Liga)?

Und jetzt weiter mit Nachrichten, ohne Videos, via 101greatgoals.

Dass einer der Torschützen der Schweiz „Ballaman“ hieß, hat ihn trotzdem nicht ins Halbfinale gebracht. Außerdem machen wir ja keine Witze mit Namen.

5 Kommentare

Kafkaesk

Obwohl sie sich ständiger Einschüsse erwehren müssen, schutzlos im Ganzen und ohne Verbündete, geht der Kelch des Irrsinns an den Toren vorüber — wir sind erleichtert, das zu hören. Ohne sie würde das Spiel nicht funktionieren.

Später hingegen wird eines von ihnen in Madrid zur Unzeit umfallen. Wer danach anderthalb Stunden lang von Marcel Reif und Günter Jauch beschworen wird, muss eigentlich verrückt werden.

Einen Kommentar hinterlassen

Berliner Rohrschachtest

Was sehen Sie?

Man kann es von beiden Seiten sehen.

Die eine ist die, die behauptet, dass innerhalb einer Serie, einer Halbserie, einer ganzen Serie doch immer mal ein Ausrutscher drin sein kann und so ein Heimniederlägchen gar nichts aussagt über die ganz sicher — jetzt neu! — vorhandene und beschworene Qualität.

Man kann es aber auch von der anderen Seite sehen.

Die andere ist die, dass in den paar Spielchen zuvor außer einem Auswärtssieg bei einem Aufsteiger und einem knappen Sieg gegen — man sieht es ja immer wieder — schwache Dortmunder eigentlich nichts passiert ist und es überhaupt keine Indizien dafür gibt, dass der Weg künftig nach oben führen könnte.

Ich sehe in dem Rohrschachbild Hertha BSC vor allem das Letztere.

Was das nun über meine Persönlichkeit aussagt, werde ich meinen Analytiker fragen.

8 Kommentare

Benjamin Knoche: Wie gewonnen, so zerronnen

Wie, Ihr kennt Benjamin Knoche nicht? Der Mann hat eine große Bundesligakarriere hinter sich. Um genau zu sein, dauerte sie 79 Minuten, immerhin machte er dieses eine Spiel von Beginn an.

Wie das wohl ist, wenn man genau ein Spiel in der Bundesliga machen durfte? Man kommt zum heiß ersehnten Debüt, hat Lunte gerochen und freut sich auf weitere Spiele vor großer Kulisse, gibt den Freunden schon mal einen auf seinen Einstand aus und dann — nix. Gar nix mehr, man bekommt gar keine zweite Chance, wird aussortiert und bleibt als solch eine Karteiliche bei fussballdaten.de in den Annalen stehen. Klar, man kann seinen Enkeln noch davon erzählen, aber wenn man sich doch eigentlich viel mehr ausgerechnet hatte, muss so kurz vor knapp zu scheitern ganz schön frustrierend sein.

3 Kommentare

Ronaldinho in der Ronaldo-Falle?

Ronaldo, das war mal ein Ausbund an Kraft, Präzision und Sprintstärke. Später war er eher eine Witzfigur, „Pummelinho“ von Beckmann getauft, und selbst der brasilianische Präsident Lula sah sich genötigt, etwas zur Frage abzusondern, ob Ronaldo jetzt übergewichtig sei oder nicht. Er war es offensichtlich. Nach seiner wenig geschmackvollen Ausbootung bei Real Madrid — Tore erzielt hatte er nämlich weiterhin noch — ist er beim AC Mailand jetzt wieder etwas schlanker und scheint begriffen zu haben, dass er in Form sein muss, wenn er Erfolg haben will.

Im bekannten Castelldefels, nicht fern von Barcelona gelegen, residiert ein Herr der gerade im Begriff ist, das zu missachten, ständige Feierei wird ihm nachgesagt. Bei allem Künstlersein hat er wohl vergessen, dass auch Künstler täglich üben müssen, nicht wahr, Herr Horovitz?

„Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich es. Wenn ich zwei Tage nicht übe, merken es meine Kritiker. Wenn ich jedoch drei Tage nicht übe, merkt es mein Publikum.“

Die Quittung fürs seltene Üben bekommt Ronaldinho im Moment: Drei Mal wurde er schon ausgewechselt in der kurzen spanischen Saison, beim letzten Spieltag stand er gar nicht mehr in der Startelf. Über Ronaldinho sagen die Leute jedenfalls etwas, was für einen Berufsfußballer tödlich ist:

„Er kommt einfach an den Gegenspielern nicht mehr vorbei.“

Und Marca schreibt:

Barca spielt ohne Ronaldinho besser.

Vom heimischen Wohnzimmer aus gesehen rief Ronaldinho schon immer das Gefühl hervor, dass er total überhypet ist. Eher ein Mann für eine besondere Einzelaktion, für einen tollen Freistoß oder ein Tor ohne Ansatz mit der Picke als ein großer Spielgestalter, das, was man so gerne „Regisseur“ nennt. Allerdings sehe ich ihn auch außerhalb der Nationalmannschaft geschätzte 210 Minuten im Jahr spielen, was ein bisschen wenig ist, um jemanden beurteilen zu können.

Wie es aber häufig so ist bei der Recherche vom heimischen Rechner aus, weiß man nicht, wem man Glauben schenken darf. Die FAZ schreibt nämlich vor gerade mal 11 Tagen das genaue Gegenteil:

Ronaldinho hat wieder Spaß am Spiel.

5 Kommentare

Ein echtes M

Und gleich noch einen, bei Weltfussball.de.

Zum Abschied von Giovane Elber gab es ein echtes M.

Ist das derselbe, der in der Sesamstraße die Buchstaben verkauft? Und wie dürfen wir uns ein falsches M vorstellen? Etwa so: W?

1 Kommentar

Model Meyer

Was ein kleines l doch für einen Unterschied machen kann. Mir war jedenfalls nicht bekannt, dass Hans Meyer Dressman ist und als Model arbeitet. Da er das nicht tut, kann das Model Meyer auch nicht scheitern.

Einen Kommentar hinterlassen