Zum Inhalt springen

Monat: März 2008

Neues aus Absurdistan

Was seht Ihr auf diesem Bild?

+

Falls sich jemand fragt, wo das Bild ist, das Zeichen hierüber ist das Bild.

Erst nachdenken, dann klicken.

15 Kommentare

Füße aus Malta, Kopp aus Essen

Da der Völler-Bierhoff-Disput immer weiter schwelt, rufen wir uns noch einmal in Erinnerung (und wer es nicht glauben kann, sollte die Statistik bemühen): 1998 wurde Oliver Bierhoff in der italienischen Serie A Torschützenkönig, noch vor einem gewissen Ronaldo Luís Nazário de Lima. (Die Ausrufezeichen, die man hier setzen müsste, verbieten der gute Geschmack und die Huldigung an die Lesbarkeit von Texten, der hier häufig nachzugehen versucht wird.)

Füße aus Malta, aber einen Kopp aus Essen.

2 Kommentare

Volunteer Felix Magath

Und schon wieder Tibet. Felix Magath trug für einige wenige Meter die olympische Fackel, die heute in Griechenland entzündet wurde. Wie kommt man nur an so einen unleugbar begehrten Job? Dass Magaths wichtigstes Tor, jenes zum 1:0 gegen Juventus 1983, in Athen fiel, wird wohl kaum der Grund sein. Ach, VW ist nationaler Sponsor der olympischen Spiele in Peking?

Da hätten wir auf der Vereinsseite eigentlich Schweigen bezüglich Tibet erwartet. Und im Endeffekt ist es dann auch Schweigen, mit dem Magath zitiert wird:

„Gerne hätte ich dieses Erlebnis in einem unbeschwerten Umfeld genossen. Wie viele Verantwortliche beobachte ich die Entwicklung in Tibet mit Sorge. Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit, die China im Umfeld der Spiele erfahren wird, einen Dialog weiter fördern und der Weltöffentlichkeit die notwendigen Druckmittel geben wird, Menschenrechte im Gastgeberland China einzufordern!“

Wie viele Verantwortliche? Ja, natürlich haben die Verantwortlichen Sorgen wegen der Vorfälle in Tibet. Worum sich diese Sorgen drehen, wissen wir allerdings nicht. Und ob Magath das genau so druckreif gesagt hat, wissen wir auch nicht. Und ob Magath.

5 Kommentare

Determiniert?

Macht euch keine Hoffnungen, dieser Beitrag endet sowieso 1:1.

Dennoch — auch wenn man an diesem Spieltag zum Oddsetkönig par excellence hätte aufsteigen können, hätte man das Lieblingsremis von Fortuna getippt — lohnt ein Blick auf den vergangenen Spieltag: Was ist passiert?

In Stuttgart zeigt uns Mario Gomez, dass er ein wirklich guter Kopfballspieler ist, etwas, was einem anderen Ex-Stuttgarter Stürmer, der zur EM möchte, leider gänzlich abgeht. Außerdem beweist Gomez, dass man auch mit Migrationshintergrund einige Sätze geradeaus hinbekommen kann. Scheißfrage aber auch.

In Frankfurt ist etwas Außergewöhnliches passiert: Cottbus ist auswärts in Führung gegangen. Dass das nur mit gütiger Mithilfe von Oka Nikolov gelang, ändert nichts daran, dass Cottbus danach trotzdem verlor, wie eigentlich immer. Und die Eventfans erklärten den Supportern das Spiel. Hurensöhne!

In Duisburg, wo man schon gegen 11 andere Spieler nicht gewinnen kann, wurde es dem MSV besonders schwer gemacht. Der alte Fuchs Mike Hanke ließ bereits nach 5 Minuten die strategische Bombe der dauerhaften Unterzahl platzen. Resultat: ein Remis. Nicht schlecht für Hannover 96, schließlich streitet man dort, auch wenn man es nicht wahrhaben will, mit dem VfL Bochum um den Titel der grauen Maus der Liga. Robert Enke erinnert mit seinem Kopfverband an den Hoeneß’schen Turban und uns daran, dass die T-Frage ja immer noch nicht entschieden ist.

Hertha kann die Saison endgültig abschreiben und sich fragen, wie viele „Aufbaujahre“ man eigentlich braucht, wenn man jeden Tag zusammen trainiert und ob ein Trainer nicht dazu da ist, die vorhandenen Spieler besser zu machen, statt ständig nur das Feinobst des Ex-Vereins zu kaufen.

Nürnberg tut alles dafür, tatsächlich das Abstiegs-Double hinzubekommen und Thomas von Heesen kann einem schon leid tun, wie schnell er seine vormals gute Reputation zerbröselt hat. Ein Trainer macht noch keinen Sommer und Zwetschge ist übrigens der dämlichste Spitzname der ganzen Liga.

Für Borussia Dortmund: siehe Hertha BSC, mit der Einschränkung, dass niemand ernsthaft von Thomas Doll erwartet, dass er seine Spieler besser macht und erst recht niemand erwartet, dass man in Dortmund noch eine solche Adresse wäre, dass man Rafael van der Vaart ins Team holen könnte.

Über den FC Bayern braucht man jetzt nicht mehr zu sprechen, zumindest bis zum Ende dieser Saison. Hitzfeld wird sanft und gemächlich — was ja bei Hitzfeld selbst ohnehin gar nicht anders geht — zu Ende arbeiten können. Wir haben also noch ca. 3 Monate Ruhe, bevor der mediale Sturm mit dem Thema Klinsmann über uns herniederbrausen wird. Kann sogar richtig gut tun, so ein geordneter, klarer Spieltag ohne Sensationen: das Geschrei bleibt aus.

1:1.

5 Kommentare

Wettlauf mit Handikap

Da laufen die Erwachsenen schnell voran und den Kindern sagt man: lauft doch einfach genauso schnell. Hier habt ihr Schuhe, die sind genauso groß wie die der Erwachsenen, und Trikots, die sind genauso groß wie die der Erwachsenen. Die Ausrüstung ist die gleiche. Nun lauft doch auch.

Unbeholfen stolpern sie in ihren viel zu großen Schuhen und durch die Trikots pfeift der Wind. Schon nach ein paar Sekunden wächst der Abstand und er wird immer größer. Wer ist nur auf die Idee gekommen, die Kinder bei den Erwachsenen mitlaufen zu lassen?

4 Kommentare

Wie ich das Internet besser verstehen lernte

Markus Lotter hat jetzt auch endlich seine Lektion gelernt. Oder vielleicht schon ein paar Mal vorher, das ist hier unbekannt. Niemand verfolgt doch ernsthaft die Kommentare in einer FC-Bayern-Kolumne, in denen sich dann die Bayern-Hasser und -Lieber verbal auf die Mütze geben, dass es kracht. Nur kracht es eben jedes Mal auf die gleiche Weise beim Thema FC Bayern, überall dort, wo man kommentieren kann. Und das ist so vorhersagbar wie langweilig, dass es in punkto Langeweile eigentlich nur noch vom Betrachten eines Formel-1-Rennens überboten wird.

Oder von einer Kolumne darüber, dass sich in einer Kolumne über den FC Bayern die Leute anschließend in den Kommentaren die Köpfe einschlagen. Naja, meine Oma hat auch nie verstanden, wie das mit dem Fernsehen technisch eigentlich funktioniert.

2 Kommentare

Wegen Tibet — Boykott der Bundesliga

Tja, liebe Freunde des meist ungepflegten, ungehobelten Fußballsports: Eine traurige Nachricht habe ich heute für Euch zu überbringen. Ich hoffe, ich werde nach dem Überbringen dieser Nachricht nicht gemäß alter Bräuche getötet.

Der kommende Bundesligaspieltag fällt leider aus.

Die ungefähr 400 professionellen Fußballspieler in Deutschlands höchster Liga haben gestern per gemeinsamer Videochat-Konferenz beschlossen, angesichts der Ereignisse rund um Tibets Kampf um Unabhängigkeit und gegen Unterdrückung in den vorerst unbefristeten Boykott zu gehen.

An diesem Wochenende kein Fußball.

Nächste Woche vielleicht auch nicht.

Über die Wirkung sind wir uns alle im Klaren: Der Druck auf die chinesische Regierung und die von ihr für Geld zur Ausübung von Gewalttaten verpflichteten Menschen wird damit enorm erhöht. Eventuell werden sich die Machthaber in diesem bevölkerungsreichsten Land der Erde sogar überlegen, schon um 15.31h am kommenden Samstag eine Erklärung abzugeben, in der sie jetzt und in Zukunft dem Staatsterror gegen tibetanische Terroristen abschwören, auf dass der nächste Bundesligaspieltag doch noch gerettet werde. Zumindest werden gewisse, einflussreiche chinesische Regierungskreise zitiert, in denen blankes Entsetzen darüber herrscht, dass ein Bundesligaspieltag ausfallen könnte. Schließlich gilt nicht nur hierzulande, sondern auch in China: Erst kommt der Sport, dann das Fressen (und die Ressourcen und die Macht und so).

Man erinnere sich an die begeisterten Massen, die einem Freundschaftsspiel Arminia Bielefelds beiwohnten, als jene in China zu Gast war. Klar, dass diesem enormem Druck eine Regierung, sei sie auch noch so gewaltbereit, nicht standhalten kann.

17 Kommentare

Magath, der neue Doll-Meyer

Was soll das, Felix Magath jetzt wegen zweieinhalb in Folge gewonnener Spiele „gute Arbeit“ zu bescheinigen? Bei Bayern hatte er zwei Jahre Zeit, hat nur fürchterlichen Ergebnisfußball spielen lassen, hat sich in der Champions League vom AC Mailand taktisch derart die Lederhosen ausziehen lassen, dass man dort eigentlich die Trikots T-Shirts verkaufen könnte, die der FC Energie Cottbus jetzt anbietet: Lederhosenauszieher. Peinlich jedenfalls für Magath und keineswegs von Erfolg geprägt.

Dennoch: Haben alle schon vergessen, wie kurzlebig der Fußball ist, und zu welch großem Anteil er vom Zufall abhängig ist?

Thomas Doll übernahm den HSV auf einem Abstiegsplatz, führte sein Team mit seinen Methoden in die Tabellenspitze und mit denselben Methoden (und dem Zufall, hier in Form von Pech) wieder zurück in den Tabellenkeller. Nur: Weiß man überhaupt, dass die Erfolge auf seiner Arbeit beruhten? „Der Einfluss eines Trainers wird vollkommen überschätzt“, sagte Hans Meyer in seinen wenigen klugen Momenten mal so oder ähnlich.

Hans Meyer selbst durfte das genauso erfahren, als er das selbe Spiel mit Nürnberg zelebrierte: Vom Abstiegsplatz nach weit oben, und dann wieder zurück, mit der selben Mannschaft, mit dem selben Trainer.

Diese Momentaufnahme der Tabelle sagt noch gar nichts darüber aus, ob Felix Magath gute Arbeit liefert oder nicht. Erst wenn die zufällige Schwankung nach oben nicht bald, in den nächsten 12 Monaten wieder von einer Schwankung nach unten abgelöst wird, wäre es an der Zeit darüber nachzudenken, ob die Arbeit von Magath einen Einfluss auf das hat, was wir in der Tabelle lesen.

Wenn man ganz ehrlich ist, muss man sagen, dass wir alle einem Spiel zuschauen, dessen Erfolgsfaktoren noch nie jemand präzise beschrieben hat, kurz gesagt: Niemand kann Fußball wirklich erklären.

Auch Magath nicht, also lassen wir das mit dem Hochjubeln, bevor Wolfsburg nicht ein paar Mal in Folge im UEFA-Cup gespielt hat.

1 Kommentar

Wie der Schwatte den Arsch vollkricht — zurecht

Heute vor 23 Jahren: das Jahrhundertspiel.

Mir trotz allem pseudovegetarischem Wiederkäuertum und aller Dauerbeschallung rund um dieses Spiel bis heute unbekannt: Auch der „Schwatte“ Ulf Kirsten stand damals in der Startaufstellung von Dynamo Dresden, das sich rühmen kann, die, nun ja, vernichtendste Niederlage aller Niederlagen im deutschen Fußball aufs Parkett gelegt zu haben; sogar noch vor dem 0:12 der Dortmunder und vor dem 1:9 der Ulmer und so weiter, dem 0:10 der Offenbacher Kickers, dem 0:9 der Tasmania ad lib nach gusto.

Der Schwatte, einer der größten Unsympathen der Bundesligahistorie, immer drauf Verlass, dass er ein Arsch ist. Wenigstens an dem Tag hat er genau diesen voll gekriegt. Späte Genugtuung. Hätte ich das damals bei der Live-Übertragung schon gewusst, dass dieser kleine Scheißer mir später im Wedaustadion den Stinkefinger zeigen würde, ich hätte mich sehr gefreut.

So kommt diese Freude also ein wenig nachzüglerisch, aber nicht zu spät.

Einen Kommentar hinterlassen