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Monat: März 2009

Sonar, Lidar, Radar

Es ist Einiges angefallen in letzter Zeit, was nachgetragen werden muss, weil es zu seiner Zeit keine davon gab:

Probek hatte die schöne Idee, die geballte Fußballkompetenz der zu diesem Thema Schreibenden eine gemeinsame Rangliste erstellen zu lassen. Ranglisten, ob nun computergeneriert oder von Menschenverstand, sind so sinnvoll wie jede Sendung mit JBK, weder kann man anhand dieser Ergebnisse vorhersagen noch haben sie irgendeinen Wert, der dessen, was eigentlich im Fußball zählt, gleichkäme, Titeln nämlich.

Aber unterhaltsam sind sie dennoch.

Und weil ich so ein ausgewiesener Experte des europäischen Clubfußballs bin — besonders in der finnischen, der andorranischen und der rumänischen Liga bin ich zu Hause — habe ich teilgenommen und meine mehr oder minder willkürliche Einschätzung der Spielstärken aller europäischer Vereine abgegeben, bzw. eingeschätzt, welche aus dieser schier unüberschaubaren Menge die zehn Besten sind. Meine eigene Mannschaft habe ich getreu dem Motto, dass man sich niemals selbst wählen sollte, außen vor gelassen, und so kam bei mir natürlich nur ein verfälschtes Bild heraus. Das ist aber nicht allzu tragisch, denn die übrigen 29 Mitstreiter werden meine verfälschte Sicht mit ihrer eigenen verfälschten Sicht schon ausreichend korrigiert haben. Von mir also folgende, vollkommen an den Haaren herbeigezogene Einstufung für den Monat März des Jahres 2009:

1. Manchester United
2. FC Liverpool
3. FC Barcelona
4. Chelsea
5. Arsenal
6. FC Bayern München
7. Real Madrid
8. Olympique Lyon
9. Hertha BSC Berlin
10. Aston Villa

Anderen Amateuren wie meinem einem sei ans Fußballherz gelegt, dass wohl jeder, der Teilhabe an dieser Liste begehrt, auch Einlass finden wird, die Aufnahmekriterien sind so schwammig formuliert wie die Kriterien für passives Abseits. Da Kinder für gewöhnlich einen Namen brauchen, ging Probek mit einigen Vorschlägen vor die Tür, darunter so abschreckende Ungetümer wie „Kraftliste“ und ähnlicher Senf, herein kam er aber mit einer gelungenen Variante, die noch dazu den Vorteil in sich birgt, demnächst, wenn die Liste auf andere europäische Länder und deren Blogbetreiber ausgeweitet wird, nicht geändert werden zu müssen, weil sie international verständlich ist:

Europäisches Fußballradar.

Radar, das ist klar, bedeutet Radio Detection And Range, womit eine vortreffliche Bezeichnung für diese Liste existiert.

Meine werten Mitschreiber einigten sich insgesamt dann auf folgende Gesamtliste, die naturgemäß nicht weit von meiner abweicht, einzig Aston Villa wollte sonst niemand in dieser Liste sehen:

1. Manchester United
2. FC Liverpool
2. FC Barcelona
4. Chelsea
5. FC Bayern München
6. Arsenal
7. Inter Mailand
8. Real Madrid
9. Juventus
10. AC Mailand

Wer sich diese Liste im einzelnen und im Gesamten anschauen möchte, der begebe sich zu diesem Beitrag [Link leider tot] auf der Seite von probek, dessen Arbeit hoffentlich Kontinuität beweisen und Blogschreiber in anderen Ländern begeistern wird, auf dass wir demnächst die erste paneuropäische Fußballbloggeraktion an den Start gebracht haben werden.

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Zahl der Woche — Folge XXVIII

Die Zahl der Woche wird heute aus Anlass der Existenz des riesigen Fundus des „Früher war alles [hier irgendeinen positiven Begriff einsetzen, als Komparativ eines Adjektivs]“-Dezernates ehemaliger Fußballer genannt. Diese — das wissen ja die wenigsten und eigentlich darf es auch nicht verraten werden — haben sich heimlich zu einem die Kommunikationsherrschung im Fußball besitzenden Konglomerat mit unterirdischem Bunkersystem und hochfliegenden, immerwährenden Zielen zusammengetan. Dieses Dezernat besitzt die Kommunikationsherrschung über alles, was zu jedem beliebigen Zeitpunkt im „Jetzt“ des deutschen Fußballs erreicht werden könnte oder erreicht werden kann oder sogar erreicht wird. (Allerdings nicht zu verwechseln mit diesem anderen, dem 0:6-Verlierer, der die Kommunikationsherrschung anstrebte, aber nie erlangte; darum wird es hier noch spätertags gehen. An dieser Stelle geht es um das Konglomerat der Ex-Fußballer.)

Sobald das nächste, neue, größere Länder-Fußballturnier ansteht oder ein Titel im nationalen oder internationalen Vereinsfußball zu vergeben ist, klöppelt das Dezernat alle seine Mitglieder zusammen, gruppiert sich selbst adrett um sich selbst und um einen Tisch in Form eines runden Balles herum und berät dann kurz in Form eines stummen Insichgehens, während dessen all die zur Legende verklärten Momente ihrer eigenen Karriere vor ihrem geistigen Auge Paroli laufen.

Einstimmig, und, das ist wichtig: in ewiger Eintracht — mit der Betonung auf ewig und der Betonung auf Eintracht — wird das stets selbe Urteil gefällt: Früher war alles [hier den Komparativ eines positiv besetzten Adjektivs einsetzen].

Punkt.

„Da gibt es kein Vertun.“ Das Tolle an diesem Gremium ist für uns Nachgeborene vor allem eins: Dass es sich nie irrt. Immer und immer hat es Recht mit seinen Aussagen und uns stehen die Münder offen, nicht nur vor so viel [positiv besetztes substantiviertes Adjektiv], sondern auch das Ewig Währende dieses Urteils beeindruckt uns dermaßen, dass wir uns kaum noch trauen, nachzufragen, ob das hohe Gremium denn auch alle Faktoren des heutigen „Jetzt“ berücksichtigt hat. Ob die ganzen Veränderungen, die die Zeit zwangsläufig mit sich bringt, genügend gewürdigt wurden und ob piepsmäuschenleise Zweifel nicht vielleicht doch angebracht wären. Fragt keiner, ist auch richtig so, denn das hohe Gremium liegt ja ohnehin immer richtig.

Normalerweise ist das so und normalerweise wissen wir dann auch die Äußerungen ehemaliger Fußballgrößen richtig einzuordnen. Sie stammen halt aus dem Gremium. Irrt sich nie. Ist weise. Ist altklug. Und berücksichtigt keine neuen Entwicklungen.

Heute aber müssen wir dann feststellen, einer der ganz alten Legendenbehafteten gehört gar nicht zu diesem hohen Gremium:

Horst Hrubesch.

Ja, der gute alte Mann, der ein Tränchen verdrückte, als die EM 2000 mit einem Desaster endete, obwohl man doch im letzten Spiel noch weiterkommen konnte. Man wünschte sich ohnehin manches Mal ein wenig mehr Tränen, z. B. von EM-Spielern, die am Tag zuvor ein Finale verloren und dann auf dem Ku‘damm mit diesem unsäglichen Zeugen Jehovas einen Affentanz vollführten, wie er vielleicht einem Qualifikanten aus der unteren Hälfte der Weltrangliste gebührte, wenn er für alle überraschend das Finale erreichte, nicht aber, wenn das Bergsteigerteam antrat, um den Titel zu holen und dann schließlich und endlich eben genau das nicht erreichte. Ein Tränchen, das wäre etwas gewesen, womit man sich ebenfalls in sein Kämmerlein hätte zurückziehen wollen, nicht aber, wie kann man nur, am nächsten Tage noch mit Hunderten (mal Tausend) von Menschen zu feiern. Da gab es nichts zu feiern, da hätten es auch zwei, drei Tränchen mehr sein dürfen. Und sei Michael Ballacks Anblick, wie er immer wieder von Kummer zerfressen Finale um Finale verliert: Was anderes würde man sich denn wünschen, als einen Spieler, der sich dafür zerreisst, dass er den (welchen auch immer) Titel holt. Und wenn das nicht der Fall ist, dass er dann in die Gräben der Trauer springen muss, gar keine andere Wahl hat, weil seine Psyche, die die Ziele definiert und das Handeln bestimmt hat, keine andere Wahl lässt. Was würde man denn da anderes wünschen?

Nun gut, Horst Hrubesch, wie uns geheime Quellen zuspielten, die nicht genannt noch gekannt werden dürfen, gehört diesem Gremium des höchsten aller Güter des deutschen Fußballs, der erlauchten kollektiven Erinnerung gar nicht an. Statt sich in unterirdischen Bunkern mit hochtrabenden Zielen zu treffen, verbringt er seine Zeit mit dem genauen Gegenteil: Er verändert die Gegenwart. Und dass er das als U21- und U19-Trainer sogar ziemlich ordentlich bewerkstelligt, mag den Zufällen guter Jahrgänge geschuldet sein. Eins aber kann man ihm nun mal nicht vorwerfen: Dass er nur von gestern faselt und ansonsten die Hände in den Schoss legt. Und so lautet die aktuelle Zahl der Woche auch:

18.

18 von 20 Flanken machte der Trainer Horst Hrubesch beim Training seiner U21 U19 ins Tor rein, als seine Jünger sich noch damit rausredeten, dass die Zuspiele aka Flanken zu ungenau seien:

Dafür steht auch die Anekdote von einer Trainingseinheit während der U19-EM, als Flanken in den Strafraum geschlagen wurden, die Stürmer die Bälle aber einfach nicht verwerteten. Die Zuspiele seien nicht genau genug, meinten die Spieler, woraufhin sich Hrubesch kurzerhand selber ins Sturmzentrum stellte und 18 von 20 Hereingaben versenkte. „Ich tue es einfach“, sagt Hrubesch. „Wenn ich dahin will, dann tue ich es einfach. Ende. Dann werde ich Europameister.“

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Eine Lichtaufgabe

Ah, ein schönes Beispiel dafür, wie man sich selbst vermeintliche Realitäten herbeischreibt, die man hernach noch bedauern oder beklatschen kann. Mario Gomez hat seit ein paar Spielen das Tor nicht mehr getroffen. Diese Aussage ist falsch. Er trifft regelmäßig, für den Club.

Für die Nationalmannschaft hat er eine beschissene EM gespielt und danach im Club wieder zu bekannter Qualität gefunden. Wobei man eben ohnehin nicht davon ausgehen kann, dass ein Spieler, nur weil er 3x oder 5x nicht trifft, gleich seine ganze Qualität verloren hat.

Das wird aber nicht gewürdigt, gesehen, eingeschätzt. Stattdessen wird eine Rechnung aufgemacht, die man wirklich nur mit viel bösem Willem oder aber eben dem Wunsch danach, sich ein Ereignis im Sinne einer Krise herbeizuschreiben, wo keine ist, aufmachen kann.

Das Volk, das von alleine doch niemals darauf gekommen wäre, wie lange der Gomez jetzt schon nicht mehr getroffen hat, liest diese gequirlte, an den Haaren herbeigeschriebene Krise und ist selbstredend nicht dazu in der Lage, seinen eigenen, in Grenzen im Kopfe jedes einzelnen sicher vorhandenen Fußballsachverstand walten zu lassen. Dass nämlich diese Auswahl an Spielen, in denen er nicht getroffen hat, vollkommen willkürlich ist. 23 Pflichtspieltore hat er bislang erzielt, zu müde, es nachzurechnen.

23 Pflichtspieltore hat wahrscheinlich kein anderer der Kandidaten vorzuweisen, und falls doch, dann beweist das doch nur, dass Gomez keinesfalls schlechter als seine mannschaftsinterne Konkurrenz ist.

Da schreibt man also eine vollkommen konstruierte Krise herbei, die einzig einem statistischen Zufall geschuldet ist. Und das Volk ist so blöd, darauf hereinzufallen. Und Bela Rethy redet ab Minute 60 von nichts anderem mehr. Und der Interviewer nach dem Spiel redet von nichts anderem mehr. Und JBK fragt („Ich muss das so fragen“) nach dem Spiel sogar Jogi Löw, was er denn jetzt mit Mario Gomez zu tun gedenke.

All die normalen Aufgaben, die die Berichterstatter hier zu erledigen hätten, das gesamte Spiel zu beleuchten, nachzufragen, warum dies und jenes passierte, wie sich Beck präsentierte und warum Lahm so überraschend uninspiriert spielte, ob Podolski nicht irgendwie überfordert sei damit, dies und jenes und blablabla, das fällt alles unter den Tisch.

Weil irgendein Schlaumeier ein paar Tage vor dem Spiel seine von anderen zurecht gelegte Broschüre gelesen hat und sich dann geifernd über diese Non-Serie hermacht. Und weil die Jungs im Fernsehen auch auf diesen Zug wieder mit Begeisterung aufspringen. Weil es so einfach ist, sich nicht mit dem Spiel zu beschäftigen, weil es so herrlich einfach ist auch für alle potenziellen Empfänger dieser Botschaft: Held oder Arsch. Ex oder hopp. Keine Grautöne, kein Hinterfragen, kein Infragestellen dieser konstruierten Kacke, wie es eigentlich ein Leichtes wäre, wenn man sich oder wenigstens den Zuschauer ernst nähme.

Und das Publikum fällt drauf rein, pfeift den zur Zeit besten deutschen Stürmer aus, weil er mal dreieinhalb Chancen vergibt. Vergisst, wie viel im Fußball vom Zufall abhängt und vergisst, welche Aufgabe ein Heimpublikum eigentlich hat. Möglicherweise, zugegebenermaßen, würde dieser Text anders ausgehen, wenn es der Unaussprechliche gewesen wäre, der so rumgefuhrwerkt hätte. Bei Gomez in seiner aktuellen Form (das ist positiv gemeint) und bei seinen aktuellen Zahlen verbietet sich eigentlich die Frage danach, wo die vermeintliche Krise herkommt und wie sie sich begründen lässt.

Sie lässt sich dadurch begründen, dass irgendjemand ein Interesse daran hat, aus statistischen Artefakten irgendeine Kacke zu zaubern, auf der man dann rumreiten kann. Weil man ja sonst nicht wüsste, was man dort überhaupt soll. Vielleicht einfach mal von einem Vierzunull berichten, wie ein Vierzunull auch gegen einen Gruppenletzten eben mal nicht so megaspannend sein kann. Keine Emotionen, keine herausragende Action, einfach nur ein schnödes Vierzunull.

Dass Mario Gomez im Anschluss an dieses Spiel zu etwas befragt wird, was gar nicht existiert, wäre das Hanebüchenste an der Sache, wenn es nicht noch viel schlimmerermaßen so wäre, dass — wenn die Bilder nicht trügen — Gomez selbst diesen Plumperquatsch von einer Misserfolgs-Serie oder gar einem „Fluch“ glaubte.

Der Boulevard scheint allgegenwärtig. Und was allgegenwärtig, selbstverständlich ist, nimmt man nicht mehr wahr.

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Gomez‘ „Torlos-Jahr“

Das „Jahr“, das Mario Gomez nun schon ohne Torerfolg ist, wie man überall liest, beläuft sich übrigens auf 574 gespielte Minuten, was genau 6,37 gespielten Partien entspricht. Ganz schön kurz, diese modernen Jahre.

Zugegebenermaßen datiert das letzte Tor allerdings vom 26. März 2008 aus der Partie, die mit 4:0 in der und gegen die Schweiz gewonnen wurde. Somit handelt es sich zeitlich tatsächlich um ein ganzes Jahr.

Und damit ich nicht so verfälsche, wie ich es anderen vorwerfe, füge ich noch an, dass Mario Gomez immerhin in 12 verschiedenen Partien eingesetzt wurde: 5x ausgewechselt, 6x eingewechselt, nur 1x über 90 Minuten gespielt. Jeder, der Fußball gespielt hat, weiß, dass man nicht 66x nach Einwechslung gespielte 10 Minuten mit 660 Minuten durchgespielter Spielzeit vergleichen kann.

Die deutsche Nationalmannschaft (erst stand hier „Deutschland“, aber das klingt komisch) erzielte in diesen 12 Partien seines Mitwirkens 21 Treffer, nimmt man die 6 Treffer aus der Partie gegen Liechtenstein aus, bleiben 15 Treffer über, ein Schnitt von 1,36 selbst erzielten Toren in den dann verbleibenden 11 Spielen. Deutschland gewann 7 dieser Partien, spielte 1x Remis (3:3 gegen Finnland) und verlor 4x (gegen Kroatien, gegen Spanien, gegen England, gegen Norwegen).

Ich kann bei einem zeitlichen Einsatz von sechs und ein paar gequetschten Partien gestreut über 5 Aus- und 6 Einwechslungen und keinem darin erzielten Tor nicht wirklich eine Krise erkennen, wir kennen das schon. Aber erstens spielte Gomez bei der EM tatsächlich nicht von Glück gebeutelt und zweitens: irgendwas muss man ja schreiben, sonst kauft’s ja keiner.

Wetten, dass er seine Serie beendet, werden noch angenommen, obwohl die Quote dafür beim nächsten Gegner Liechtenstein naturgemäß äußerst niedrig ist. Wer also sein Geld bei Trainer Baade einsetzen möchte, bekommt das 1,00-fache zurück, sollte Gomez seine Serie beenden. Für den Fall, dass er sie nicht beendet, liegt die Quote hingegen bei atemraubenden 1,00.

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Und überall Konvertiten

Seit ich in der Church of the Flying Spaghetti Monster bin, esse ich vor jedem Spiel einen Teller Kartoffeln. Ohne Soße. Ziemlich trocken. Muss aber sein, weil Fußball so viel mit Religion zu tun hat:

Dazu gehört die Abkehr von einem Ritual. Beim Betreten des Rasens sprang Ebert von einem Bein auf das andere, mit den Händen deutete er das Säubern des Gesichts an. Beides vollführte er in Anlehnung an den islamischen Glauben.

Zum neuen Ebert gehört aber vor allem, dass Patty doch nicht Moslem wird. Er bleibt Christ. „Ich habe mich intensiv mit dem Islam beschäftigt, mich nach langen Gesprächen mit der Familie aber entschieden, doch nicht zu konvertieren und beim christlichen Glauben zu bleiben“, verriet Ebert.

Nach aktuellen Geburtstagsfeiern mit kleinerem Alkoholkonsümchen drängt sich jedoch eher des Eberts Pattys Lust an Selbigem als maßgeblich bei der Entscheidung, Christ zu bleiben, auf.

* „Patty“, das werden seltene Leser von Sportteilen nicht wissen, ist hier der gewisse „Ebert“, der auch zu Beginn des Zitates erwähnt wird. Und nein, es wird auch dann nicht erträglicher, wenn man sich schon hundert Mal drüber geärgert hat, wie Sprache hier verhunzt wird. Die Wohlfühlen-Wochen sind vorbei. Genörgelt wird trotzdem nur noch in Fußnoten.

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Der Ronaldo ist rund

Das „Pummelinho“, wie er einst von JBK tituliert wurde, stapft gerne in Jan Ullrichs Spuren, das weiß man ja schon länger. Wenn er rastet, dann rostet er nicht, legt aber ordentlich auf den Rippen zu. Nun sind endlich auch Zahlen bekannt geworden von dem Manne, der immer noch die WM-Torjägerwertung mit einem Treffer vor Gerd Müller anführt und theoretisch auch noch an seiner fünften WM 2010 in Südafrika teilnehmen und dort seine Position weiter ausbauen könnte:

11kg nahm er in der aktuell letzten Verletzungsphase zu.

Normale Menschen würde man bei einer solch enormen Gewichtszunahme in so kurzer Zeit zum Arzt schicken und sie auf Depressionen, Drogenmissbrauch oder Schilddrüsenstörung untersuchen lassen, doch „il fenomeno“ ist nun mal Teilzeit-Leistungssportler (und somit ohnehin jeden Tag beim Arzt). Da kommt bei Abebben der Trainingsaktivität eben ein solch dickes Stück Bauchfleisch heraus, das für eine ganze Fußballmannschaft beim Grillabend reichte.

8kg dieser 11 soll er angeblich schon wieder verloren haben, Augenzeugen seines Trainings und seiner Auftritte bei Spielen müssen daran aber berechtigte Zweifel haben. Immerhin gibt es Hoffnung für alle nicht ganz austrainierten Amateurfußballer: Auch mit mehr als nur ein paar Gramm zu viel kann man noch in einem Profikader etwas reißen.

Freuen dürfen wir uns auch auf die Zeit nach seinem endgültigen Karriere-Ende, wenn er nicht mehr in Jan Ullrichs, sondern in Diego Maradonas Fußstapfen treten wird. Da werden wir uns an 11kg als kleinen Klacks erinnern, der wie ein bescheidenes Dessert wirkt.

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Janus in der Stadt der Wunder

Es ist mal wieder so weit, der Mann, der aufgrund seiner Verbundenheit zu Fortuna Düsseldorf inzwischen auch die entlegensten Winkel der Republik kennt, janus, berichtet von seinen Reisen und erlebt dabei einige Wunder auf und neben dem Platz:

Zunächst traten wir die Reise bereits am Freitag Vormittag an und rauschten ohne Aufenthalt durch bis zu einer Pause an der Raststätte Jura West in Velburg. Klingt jetzt nicht besonders dolle, hat aber schon eine 9er-Postleitzahl und ist somit Bayern. Dort überraschten die Toiletten. Nicht dass ich an deutschen Raststätten-Toiletten im Laufe der Jahrzehnte noch irgendetwas überraschend finden würde – vielmehr war es die doch eher ungewöhnliche Space-Trance-Musik, die dort aus den Lautsprechern erschallte, die mich zu heftigem Stirnrunzeln veranlasste. Man lief bei diesem Gedudel nämlich akut Gefahr, am Urinal stehend einzupennen. So etwas habe ich noch nicht gehört, und ich warte nunmehr auf die ersten Toiletten mit Walgesängen.

Damit aber nicht genug, gab es während der Reise nach Regensburg noch so einiges Anderes zu erleben, was nur durch höheren Beistand erklärt werden kann:

Da zeigte man uns nämlich, dass man in dieser Stadt auch aus den alltäglichen Dingen des Lebens gar Wundersames zu schöpfen vermag: nämlich wie man ohne eigene Torchance in der 2. Halbzeit ein Tor erzielen kann, wenn auch unter der gütigen Mithilfe unseres Keepers. Michael Melka hatte eine Flanke sicher abgefangen und eilte mit dem Ball in der Hand nach vorne zur Strafraumgrenze, um mit einem seiner bekannt weiten Abschläge Olivier Caillas ins Szene zu setzen, der in der gegnerischen Hälfte so ziemlich alleine stand. Und da Melkas Blick schon in die Ferne auf Caillas gerichtet war, übersah er das bzw. den Naheliegenden: Beim Abschlag ballerte Melka den einen halben Meter vor ihm postierten Regensburger Dennis Grassow den Ball versehentlich an den verlängerten Rücken. Und in jedem anderen Stadion hätte es vielleicht ein wenig Verwirrung im Strafraum gegeben, mehr nicht. Aber hier, in der Stadt mit dem großen klerikalen Hintergrund und den fast schon metaphysischen Erfindungen der Deutschen Bahn – hier flog das Leder schnurstracks ins Netz, und zwar ohne zuvor nochmals den Boden zu berühren. Bedarf es eines weiteren Beweises, dass es sich bei Regensburg um die Stadt der Wunder handeln muss?

Und wer das Tor nicht bereits in Arnd Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs gesehen hat, dem kann hier geholfen werden:

Und danach dann ab zu janus‘ wie immer wesentlich längerem Bericht über Wunder, sächsischen Beton und Pleiten zu Karneval.

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Drakonisch wäre noch untertrieben

Nach Ausschreitungen in den letzten Partien mit Beteiligung des 1. FC Magdeburg hat der DFB eine Strafe verhängt, die jegliches Augenmaß vermissen lässt. Zum nächsten Heimspiel des 1. FC Magdeburg ist das Kontingent für die Fans der Heimmannschaft auf 5.500 begrenzt worden. So weit ja durchaus noch akzeptabel.

Was aber jegliches Maß vermissen lässt, ist die ebenfalls getroffene Regelung, dass nur 500 Fans des VfL Wolfsburg II Karten für diese aus ihrer Sicht Auswärtspartie erwerben dürfen.

Welch skandalösen Ausmaße dieses Urteil erreicht, verdeutlichen die Zuschauerzahlen der letzten Heimpartien eben jenes VfL Wolfsburg II:

70 gegen den SV Wilhelmshaven
200 gegen Sachsen Leipzig
95 gegen Hertha BSC Berlin II
210 gegen den SV Babelsberg 03
295 gegen Hannover 96 II

Ein klarer Fall für ein ordentliches Gericht.

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Was ist eigentlich die IEFA?

Fußballschulen, die modernen Lotto-Annahmestellen. Wer früher nicht viel auf sich hielt oder keine besonderen Möglichkeiten hatte, es vielleicht auch einfach nur versäumt hatte, während der aktiven Karriere die nötigen Kontakte zu knüpfen, der machte nach der Karriere als Fußball-Profi eine Lotto-Annahmestelle auf. Wer darin richtig groß wurde, nahm dann nicht nur an, sondern teilte auch aus. Zum Beispiel Schreibwarenartikel für die Geschäftsstelle des FC Bayern, wo man offensichtlich besonders generös mit diesen Artikeln umging, auf dass Georg Schwarzenbeck ein Leben lang damit zu tun hatte, diesen FC Bayern mit jenen Schreibwarenartikeln zu beliefern. Was man halt so macht, als Weltmeister.

Doch die Zeiten ändern sich. Zwar ist zur Zeit das Online-Abgeben von Lottoscheinen verboten, im Großen und Ganzen aber hat die Onlinewelt die Geschäftsgrundlage von Lotto-Annahmestellen zerstört. Wohin also mit all den überzähligen ehemaligen Profifußballern, wenn die Lotto-Annahmestellen-Branche ohnehin schon unter dem Druck des Netzes zusammengebrochen ist – und das lange vor Eintreffen der Finanzkrise? Docutainments gibt’s nicht so viele, und ganz so interessant ist auch nicht jeder, dass er für eine solche in Frage käme.

„Fußballschule“ lautet die Antwort. Wer keine Lotto-Annahmestelle mehr ergattern konnte oder sich des enormen merkantilen Risikos im Wettbewerb mit rund um die Uhr geöffneten virtuellen Annahmestellen bewusst ist, der macht jetzt eben die moderne Form der Lotto-Annahmestelle auf:

eine Fußballschule.

Ob auf Mallorca, im Taunus, in der Sächsischen Schweiz, in der Kieler Förde oder in Florida, egal wo: Man wird garantiert genug Eltern finden, die ihre Kinder dort anmelden, wo nur der Name eines ehemaligen Bundesligaprofis auf dem Plakat steht.

Dass das besonders ehrenrührig noch verwerflich noch minderwertig wäre, kann man an keiner Stelle finden. Weder, dass Eltern ihre Kindern dort anmelden, wo sie dann mit jemandem trainieren, den sie zu ihren Lebzeiten nie selbst (als Profi) spielen sahen, geschenkt: Wozu gibt es youtube, zumal es auch früher schon vhs gab und noch dazu nur mündlich tradierte Legenden viel besser geeignet sind, ein lebendiges Bild vor das Auge der lieben Kleinen zu zaubern.

Und dass ehemalige Bundesligaprofis es versäumt haben, ein Fernstudium abzubrechen oder ihren Trainerschein so rechtzeitig zu machen, dass sie mit Ende der Karriere damit fertig sind: ebenfalls geschenkt. Wer kennt keinen Studienabbrecher oder Dauer-Studienfach-Wechsler, der es am Ende dann doch noch zu Kind und Kegel gebracht hätte? Warum sollen die Ex-Profis nicht das tun, was sie am besten können? In Trainingsanzügen bei jedem Wetter auf einem Ascheplatz gegen ein vermatschten Ball treten und im Anschluss daran anderen erzählen, wie man das jetzt selbst bewerkstelligen sollte. Dass Bundesligaprofis selten echte Pädagogen sind, zumal die meisten jetzt inaktiven noch unter Trainer der Gattung „harter Hund“ groß geworden sind, die Redewendungen faselten, wie dass es keine schlechtes Wetter gäbe, nur schlechte Kleidung oder dass man zum Mittagessen die Pflanze zu sich nehmen solle, die besonders die Engländer zur höchsten Qualität gezüchtet und vertikutiert hätten, das Pädagogiklose an ihnen also: ebenfalls geschenkt.

Und hier kommt dann die IEFA ins Spiel. Nein, sie gründet keine Europa League im nächsten Jahr und sie hat auch keinen Präsidenten, der allen Unkenrufen zum Trotz ein „echter Freund der Deutschen“ ist. Sie bildet kleine Kinder im Fußball aus, ergo ist sie eine dieser Fußballschulen. Und weil jede Fußballschule, die etwas auf sich zählt, den Namen eines Ex-Profis in der Werbung tragen muss, erfahren wir auch gleich die Antwort auf die Frage, was eigentlich Thomas Brdaric mache, von dem man noch nicht mal so wirklich wusste, dass er überhaupt seine Karriere beendet hatte: Er macht in Fußballschulen, in diesem Falle in Langenhagen bei Pusemuckel.

Das heißt, eigentlich macht der bekannte und berühmte Enver Alisic diese Fußballschule (anscheinend aber nur mit ausgemacht blonden Jungen und Mädchen, und auch nur dann, wenn diese ein Trikot einer National- oder Profimannschaft tragen, wie diese Werbung [Link leider tot], nur leider kennt keine Sau diesen Enver Alisic in Deutschland, obwohl er doch ehemaliger bosnischer Nationaltrainer ist. Deshalb muss zumindest ein Name her, den man auch in Deutschland kennt und das ist dann eben „in Kooperation mit Thomas Brdaric (ehem. Nationalspieler Deutschland)“.

Und wie eine solche Kooperation einer Fußballschule mit Thomas Brdaric dann so aussieht, verrät die Schlagzeile, die uns gestern entgegen grinste: „Brdaric wird sportlicher Leiter von Union Solingen“.

In Kooperation. Jetzt ist die große IEFA also wieder allein mit Enver Alisic und es wäre ein Platz frei auf dem Plakat für den nächsten Ex-Profi. Torsten Frings ist ja auch nicht mehr ganz taufrisch und um Mark van Bommel wäre es nicht mal schade. Ganz ohne Kooperation geht es aber nicht, sonst droht der IEFA dasselbe Schicksal wie den Lotto-Annahmestellen.

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Unbekanntes aus … Köln

… Köln.

In der Saison 1973/74 spielten mit dem SC Fortuna Köln und dem 1. FC Köln gleich zwei Clubs aus dieser Stadt in der 1. Bundesliga. So weit, so bekannt.

Unbekannt war weiteren, jüngeren, dennoch interessierten Kreisen jedoch bislang, dass beide Clubs zu dieser Zeit ihre Heimspiele im Kölner Radstadion austrugen, und nicht im Müngersdorfer Stadion.

Letzteres sollte zur WM 1974 an alter Stelle neu errichtet werden. Die Entwürfe wurden als zu teuer abgelehnt, weshalb Köln auch kein Austragsungsort bei der WM 1974 wurde. Stattdessen wurde man erst 1975 mit dem neuen Müngersdorfer Stadion, Fassungsvermögen damals 61.000 Zuschauer, fertig. Bis zur Fertigstellung des Neubaus spielten die beiden Kölner Bundesligisten also im Kölner Radstadion, mit einem Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern, wie die Kölner Sportstätten GmbH per Mail informiert.

Allerdings müssten dann einige Daten bei fussballdaten.de nicht stimmen (denen ich nicht mailte, weil sie sowieso nicht antworten), denn erstens sind hier 28.000 Zuschauer als Zuschauerzahl angegeben und zweitens als Spielort das Südstadion, das laut Wikipedia erst 1979 eröffnet wurde. Im zweiten Link hingegen ist es dann richtigerweise das Radrennstadion Müngersdorf, allerdings wieder mit 28.000, ebenso wie im ersten Derby, das der FC Köln vor wiederum 28.000 Zuschauern ebenso gewann wie das zweite, diesmal aber nur vor 22.000 Kölnern.

Bundesligafußball im Kölner Radstadion — aber vor wie vielen Zuschauern denn nun?

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Wie sich „Manager“ über „Manager-Eignungen“ unterhalten

Da sprach der eine blinde Maulwurf zum anderen blinden Maulwurf:

Ich sah da einen, der könnte es machen. Der kann es wirklich, glaub mir. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.

Und Oliver Kahn ward erkoren, von den beiden, zu einem, der es kann.

Ich bin mir sicher, der kann’s. Er wäre eine gute Wahl.

Das kommt dabei raus, wenn man Rudi Völler und Franz Beckenbauer zu einem Thema befragt, das sie selbst noch nie sahen.

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Wenn der Grieche nicht mehr wäre

Das Problem ist: ich weiß gar nicht, ob er Grieche oder Türke ist. Es macht aber für die Geschichte nix.

Er war damals da, bei der WM 2006, er wank mir zu. Ich sagte: Hallo, alter Herr, ich wink Dir zu, und, nein, es war nicht, weil 2006 war. Er wank mir zu, ich wank zurück. Weil er mir zuwinkte, wank ich zurück.

Egal, wer gewann, ob nun Australien oder die Schweiz, er winkte immerzu.

Womöglich war er gar nicht qualifiziert. Ich konnte das nicht Ersehen an seinem Winken, er war begeistert, ob nun Türke oder Grieche, man merkte ganz genau, der Mann war so glücklich wie ich, dass nun WM war und dass nun WM in Deutschland war. Er lebte sicher schon länger hier. 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre. Er hatte eine Frau, sie lebte neben, vielleicht sogar mit ihm. Das war aus der Ferne schwer zu erkennen.

Wir winkten uns zu, immerzu aber erst seit der WM. Ich sah ihn manchmal an der Bude, er hatte die gleiche Garage wie ich, er merkte das früher als ich, ich war immer so wenig dabei, das Garagentor zu schließen. Sein Vorhang war nicht schön, ich wusste dennoch. Mehr als hier wehte. Hier wehte nix, bei ihm wehte die Fahne, das war die XXXXXXX, ich hab’s vergessen, deutsch, griechisch oder gar türkisch. Ich glaube griechisch, das ist aber nicht so wichtig. Ich wohnte oben im Fenster, er wohnte zwei Fenster gegenüber. Vielleicht ist seine Frau wirklich sehr krank, aber so wie er aussieht, ist er eher furchtbar krank. Bei der WM wog er noch zehn bis fünfzehn kg mehr als jetzt. Ich fürchte, er sei bald tot. Mein kleines WM-Symbol, kann nicht einfach so von mir gehen. Als noch WM 2006 war, war er genauso fit wie ich. Und deshalb wank ich ja.

Nun seh ich ihn, schwer abgemagert. Hallo, wink ich, er winkt zurück. Und hab schon Angst, bald winkt keiner mehr zurück.

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