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Monat: Juli 2009

Rin inne Kartoffeln

Hey, der Supercup — ganz dolles Ding, sowas. Muss man unbedingt haben, als anerkannte Fußballnation. Ganz neidisch schauten die ca. 50 Millionen deutschen Fußballinteressierten in den letzten Jahren schon immer, ganz besonders vor Saisonbeginn, in die Nachbarländer, die eine solch tolle Einrichtung ihr eigen nannten. Manche der deutschen Fußballzuschauer reisten sogar während ihrer Ferienzeit in eines jener Länder, welche einen Supercup ihr eigen nennen. Wir als DFL/B haben jetzt länger darüber nachgedacht und uns wohl wissend, dass wir hier eine große Lücke füllen, die der Fan ständig schmerzend in der Sommerpause spürte, dazu entschlossen, auch in Deutschland eine Veranstaltung mit einem solch herausragenden sportlichen Wert bei uns einzuführen.

Ein Spiel nur, da wird die ganze Dramatik des Fußballs, die man sonst nur innerhalb einer kompletten Saison erleben und erfahren kann, noch mal komprimiert auf 90 Minuten zusammengefasst, verdichtet und dann als neues Produkt von uns ausgespuckt, auf dass wir dann doch a) keine Mahner mehr haben, die den Ligapokal als lächerliche Veranstaltung empfunden und b) den Supercup endlich wieder als das wahrnehmen können, was er ist: super nämlich.

Im Kleingedruckten werden wir einweben, dass wir zwar vor Jahren schon mal das Gegenteil behauptet haben, und möglicherweise, falls keine mindestens 50.00 Zuschauer zu diesem neuen, spannenden Wettbewerb innerhalb von 90 Minuten im Rahmen des Vorbereitungsprogramms der beiden jeweiligen Teilnehmermannschaften erscheinen werden, das Ganze auch wieder abblasen. Nicht aber ohne uns das Recht vorzubehalten, das in 10, 20 oder zwölf Jahren dann auch wieder anders zu handhaben. Denn eins das wissen wir genau: Ein Wettbewerb braucht keine Tradition, sondern einzig einen fetten Sponsor und eine möglichst teuer bezahlte Live-Übertragung.

Wo kämen wir da hin, wenn wir plötzlich so etwas wie sportliche Relevanz und Dauerhaftigkeit der erst einmal eingeführten Wettbewerbe in unsere Überlegungen einfliessen lassen würden?

Womöglich noch raus ausse Kartoffeln.

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Kirschtorten dieser Welt

Training, Training, wer braucht noch Training, um in Form zu kommen? Man geht einfach in den nächsten OP, lässt sich das bisschen Fleisch, das die Bewegungsfreiheit zuletzt noch so eingeschränkt hatte, absaugen [Link leider tot.] und dann kann man auch bei der WM 2022 noch fröhlich vor den Ball und selbigen ins Tor treten. Bei der Gelegenheit auch noch ein paar Gelenke austauschen, ein 6-Millionen-Dollar-Auge einbauen lassen und schon wird man unbezwingbar, ohne je auch nur einen Tropfen Schweiß während des Trainings vergossen haben zu müssen.

Hätten die Caios und Ailtons dieser Welt gewusst, wie einfach es ist, ohne Übergewicht aus der Sommerpause zu kommen, sie hätten sich nicht all dieser fiesen Schlagzeilen erwehren müssen, die es immer wieder für sie gibt und sie hätten vielleicht schon im Herbst auf die nächste OP im Sommer gespart.

Kleiner Nebeneffekt: die Zeit, die man sonst mit trainieren, mit den Fahrten vom und zum Trainingsplatz, mit im Stau stehen, duschen, Haare waschen, kämmen ad lib verbracht hat, kann man nun auf diversen Laufstegen verbringen, auf denen man seine neuesten Kreationen darbietet, den einen oder anderen Werbespot mehr drehen und zu guter Letzt sich auch ein wenig mehr um seine Libido kümmern. Jedenfalls sofern diejenigen noch leben, mit denen man das gerne tut.

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Sepp Splatter

Wo wir gerade schon wieder mal dabei sind, einen Thementag zu haben (letztens war es der Zotige, dann sind es die Zwillinge, heute also „Games“), hier der Link zu dem formidablen Flash Game namens Sepp Splatter — und es fällt auf, dass man in anderen Sprachen ganz andere Wortspiele hinzaubern könnte, aber, Bernd, bleib bei deinen Leisten.

Get Seppin‘!

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Die gaaaanzen Bayern sind ein Franz

(Zur Melodie von „Das ganze Leben ist ein Quiz“)

Ich halt mich aus diesem Gedöhns ja normalerweise raus: Aber warum werben die Bayern auf ihrem Trikot für Liga total! und auf der Bandenwerbung läuft die ganze Zeit Werbung für Sky?

Ist das jetzt die neue Beckenbauer’sche Dimension: Der Verein wirbt für Erdinger, der Franz hingegen für Paulaner? Und zwei Jahre später dann wieder umgekehrt?

Und weil der Franz ja bald nicht mehr da ist, muss man schon mal üben, wie man dies intern auch ohne ihn hinbekommt?

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FIFA INTERNATIONAL SOCCER

Mal wieder Langeweile? Die Sommerpause will nicht enden, das eigene Team kauft nur Gurken ein, droht im Mittelmaß zu versinken oder gar in die zweite Liga abzusteigen? Die elendigen Champions-League-Qualifikations- und Testspiele zermürben bis zur Unkenntlichkeit?

Trainer Baade weiß Abhilfe, und die kommt in knappen 1,5MB daher: FIFA International Soccer als kostenloser Download. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, müsste das Spiel ungefähr von 1995 stammen, somit genau zwischen jener Phase liegen, in der Fußballspiele noch aus der Vogelperspektive im 2D dargestellt waren, und jener, in der man aus diversen Perspektiven in 3D auswählen konnte bzw. kann und die Tricks à la Cristiano Ronaldo, welche damals noch Romário oder Bebeto gewesen sein müssten, auf dem Vormarsch waren.

Eine Reminiszenz medium sozusagen, nicht englisch, wie es z. B. Commodore International Soccer wäre oder das hier ebenfalls schon erwähnte „Peter Shilton’s Handball Maradona“.

Die Steuerung macht nur ganz am Anfang etwas Schwierigkeiten, nach kurzer Eingewöhnung ist der Spielspaß ganz genau wie damals wieder da, vor allem, wenn man ein komplettes WM-Turnier durchspielen kann, mit komplettem Look & Gewinn.

Vorher noch schnell gegen befreundete Nationen testen.

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Sich die eigenen Stärken und Schwächen grafisch darstellen lassen.

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Nach der Auslosung die komplette Gruppenaufteilung und ganz besonders die eigene Gruppe genau studieren, auch wenn die Dinger eigentlich Gruppen und nicht Divisions heißen sollten.

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Sich von einem Mann in Pixeln mit klugen Sprüchen auf die Partie einstimmen lassen. (Anders als bei späteren Versionen muss man hier noch keinen Wolf-Dieter Poschmann mit den immer selben 3,5 Sprüchen pro Spielsituation ertragen.)

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Die Seitenwahl gewinnen oder verlieren (mit animierter Münze!).

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Sich von den Engländern foulen lassen, woraufhin der foulende Engländer ob der Weichheit der Gepflogenheiten des internationalen Schiedsrichtertums völlig verdattert auf die erhaltene Gelbe Karte schaut.

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Siege bejubeln, wie man es früher tat: durch in die Luft hüpfen.

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Auch schon mal doof im Abseits stehen.

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Um dann doch wieder festzustellen, dass man in einem Computerspiel ist, wo Tore noch angemessen auf der Anzeigetafel gewürdigt werden.

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Nach der Vorrunde den weiteren Turnierverlauf verfolgen.

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Schließlich im Finale stehen, um am Ende festzustellen …

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… äußerst realistisch auch damals schon, wurde das bekannte Zitat von Gary Lineker in die Engine des Spiels eingebaut: Am Ende gewinnt immer Deutschland.

Schöne Bilder, wie die Jungs den Pokal in die Höhe recken, sich umarmen und die Fotografenschar alles ablichtet.

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Hier geht’s zum Download von FIFA INTERNATIONAL SOCCER.

(Ich hab nicht mal danach gesucht, es lief mir beim Wilfing so zu.)

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Bek-ken-bau-er

Okay, die Überschrift passt nicht ganz, denn natürlich weiß man, als Deutscher, wie man diesen Namen auszusprechen und zu betonen hat. Nur halbgar gegessen werden kann deshalb die Meldung des sid, dass Energie Cottbus so schlau war und angeblich auch schon länger ist, den Presseheinis die richtige Aussprache der Namen ihrer ausländischen Spieler aufzuschreiben:

Pa-wie-tsche-witsch

kommt dann dabei heraus, wenn es um Savo Pavicevic geht. Welche der insgesamt 16 Möglichkeiten zur Betonung dieses Namens nun die richtige ist, erfährt man allerdings nicht.

Wozu gibt es Akzente auf Buchstaben oder andere Strichelchen, die das deutlich machen würden? In Cottbus wäre das anscheinend keine rhetorische Frage.

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Hagebuttentee (I)

Ich hatte damals noch viel Durst. Es stand 0:0, vielleicht stand es auch 0:2. Öfter mal verloren wir, oft gewannen wir auch. Unentschieden sind selten in den unteren Klassen, müssen Sie wissen. Deshalb schaut ja auch keiner Frauenfußball. Weil man immer schon weiß, wer gewinnt. So schlimm war es bei uns noch nicht, aber zugeschaut hat trotzdem nur, wer Vater oder Onkel war. Mütter gab es sicher auch, die kamen aber nicht wegen des Spiels. Das heißt, wegen des Spiels kamen sie schon, aber nicht wegen des Ergebnisses. Wenn der große Blonde vom Gegner, ausnahmsweise auf Rasen, einen Ball im Tor versenkte, dann schrie sie schon, diese eine Mutter an der Bande. Aber nur weil es ihr Sohn war und nicht weil es um den Sieg ging.

Ich weiß nicht genau, wann das anfing, wann man verstand, dass man nicht mehr nur für Spaß spielte. Man spielte ja schon im Training nicht mehr nur für Spaß. Der Trainer schaute zu und man durfte sich schon im Trainingsspiel eigentlich keinen gröberen Fehlpass mehr erlauben, geschweige denn ein Eigentor. Ogott, ein Eigentor. Man hätte gleich lieber rüberfahren sollen zu den Synchronschwimmern, welche damals noch „Thekenturner“ hießen, so rief der Trainer einen jedenfalls, wenn man einen Fehler gemacht hatte. Man wusste weder, was eine Theke eigentlich bedeutete, noch, was man auf einer solchen hätte herumturnen sollen. Aber dass es nicht gut war, wenn der Trainer „Thekenturner“ ins Trainingsfeld (denn es war ja nur ein Trainingsfeld und kein Spielfeld, so lange wir nur trainierten) rief, das wusste man.

So begann dann langsam aus Spaß Ernst zu werden. Nicht wie in dem alten Karnevals-Kalauer, sondern in der Realität. Man musste von jetzt auf gleich ernsthaft bei der Sache sein und das eigentliche Spiel war kein Spiel mehr. Man porkelte sich die Asche-Elemente, vor denen man sich damals sehr fürchtete, weil irgendjemand geschrieben hatte, dass sie krebserregend sein konnten, daheim in der Badewanne oder Duschwanne aus dem Knie. Dieser ständige Konflikt. Mutter sagte, man sollte nicht immer auf krebserregendem Boden Fußball spielen, aber der Trainer sagte, man solle kein Thekenturner sein und sich gefälligst, das sagte er damals schon, den Arsch aufreißen. Gras fressen konnte er schlecht von uns verlangen, wenn wir allzu selten überhaupt nur auf Rasen spielten und wenn, dann waren wir hoffnungslos unterlegen.

Vielleicht, weil auf Rasen eh nur die spielten, die schon zusammengekauft waren, vielleicht aber auch nur, weil wir so selten auf Rasen spielten. Wir hatten alle in der E-Jugend noch oben auf Rasen gespielt, eine Zeit, in der man weich fällt, ob nun Rasen oder nicht, aber das weiß man ja nicht. Man kann ja nicht vorausschauen, wenn man nicht weiß, wohin. Wir schauten voraus. Oben spielten wir, auf Rasen, in der E-Jugend, unten spielte die A-Jugend. Alte Männer, die ganz bestimmt wussten, was sie taten. Ich zumindest war immer schwer beleidigt, wenn sie verloren, während wir trainierten. Wie konnten sie nur verlieren, wenn sie doch alte Männer waren, die wussten, was sie taten? Wie konnten sie gegen von weither gereiste andere alte Männer verlieren, sie mussten doch wissen, was sie tun, oder auch wissen, was sie tun mussten, um zu gewinnen. Sie gewannen auch, aber sie verloren auch. Ich hatte das immer als persönliche Niederlage empfunden, wenn unsere alten Männer aus der A-Jugend ein Spiel verloren. Was müssen das nur für Pfeifen gewesen sein? Oder auch was müssen das nur für … Leute gewesen sein, die den Sport gar nicht beherrschten? Warum spielten sie denn da unten auf dem großen Feld Fußball, wenn sie dann doch verloren?

Offensichtlich hatten sie doch keine Ahnung, wie dieses Spiel funktioniert. Persönlich beleidigt zu sein half aber nicht viel, wenn man nie auch nur auf eine halbe Fußballschuhlänge in Kontakt mit diesen Leuten kam. Die A-Jugend war schon immer längst aus den Kabinen verschwunden, selbst wenn ihr Spiel gleichzeitig mit unserem Training endete. Erst Jahre später erfuhr ich, dass sie sich in einer anderen Kabine umzogen, weshalb sie auch niemals hätten da sein können, wenn wir unser Training beendeten.

Dass ich dann in der D-Jugend im ersten Jahr nur eingewechselt wurde, weil mein „konditioneller Zustand“ so schlecht gewesen sei, verstand ich nicht. Was ich aber verstand, war, dass der Trainer nicht mehr einer war, der mein oder unser Freund war. Er war unser Feind. Er schenkte zwar jedem zur Weihnachtsfeier einen Beutel voller Schokolade, aber unser Freund war er bestimmt nicht. Er ließ uns immer nur laufen und Gymnastik machen. Um nicht mehr Gymnastik machen zu müssen, dafür war ich doch von den Leichtathleten zum Fußball gewechselt. Und in der E-Jugend war es auch noch so. Wir spielten Fußball. Von morgens bis abends. Wir spielten Fußball von morgens bis abends und alles war toll. Es hörte dann auf, toll zu sein, als wir vor jedem Training um die Aschebahn liefen. Laufen mussten. Ich lief immer hinten dran, etwas, was sich mit Einsetzen der Schamhaarbewachsung noch arg ändern sollte, aber das konnte ich ja damals noch nicht ahnen.

Ich lief immer hinten dran, und irgendwann war es auch nicht mehr lustig, im soundsouvielten Saisonspiel anwesend, aber sowieso höchstens in den letzten 10 Minuten eingewechselt zu werden. So ging das immer auf und ab, ob man jetzt gerade zum älteren oder jüngeren Jahrgang des Jahrgangs gehörte. Wenn ich zum älteren Jahrgang gehörte, war ich plötzlich der schnellste, wenn ich zum jüngeren Jahrgang gehörte, war ich nur hinten dran. Da war sogar dieser Rothaarige plötzlich vor mir, vielleicht weil er irgendjemanden kannte, der an der Bande Bandenwerbung machte für den lokalen Autofritzen.

Ich hatte immer Durst. Aber nicht auf diesen ekelhaften Tee, den Mütter in der Pause servierten, weil sie dachten, dass die Jungs, wenn sie doch schon so froren, wenigstens einen heißen Tee trinken sollten. Da hätte man ja gleich in eine Jugendherberge fahren können. Da gab es immer Hagebuttentee. Und beim Spülen musste man dann helfen. Hagebuttentee, das ist wie Ost-Cola, wenn man ein Getränk erwartet. Und Tee in einer Thermoskanne ist ganz sicher nicht das, was die Jungs zum Sieg treibt. Darum ging es den Müttern aber nicht, nicht um den Sieg, sondern darum, dass sich keiner erkältete oder erfror. Als wenn man je gehört hätte, dass sich ein Jugendspieler zu Tode gefroren (!) hätte, während er Fußball spielt. Man kann auch bei Minus 20 Grad Fußball spielen, aber das werden Mütter von kleineren Jungs nie verstehen.

Dieser Tee war jedenfalls fürchterlich. Und wenn man dann beim Gegner spielte, bekam man immer die Kabine ohne Duschzugang, auf dass man, wenn man schon die Punkte in einem glorreichen 5:2-Auswärtssieg mitgenommen hatte, sich wenigstens einen gesundheitlichen Tod holte. Holte man sich aber nie. Man durfte nur kein Eigentor im Training schießen.

Verletzungen gab es keine. Gab es nie. Wie schwer auch der Gegner foulte, es gab einfach keine. Die einzigen Ausfälle waren dann zu beklagen, wenn eine Familie zu einer Hochzeitsgesellschaft abreisen musste oder wenn eine der Familien beschloss, außerhalb des Terminkalenders in Urlaub zu fahren. Was deshalb verwunderlich war, weil der Terminkalender doch auf den Schulferienkalender abgestimmt war. Trotzdem waren das die einzigen beiden Gründe, warum ein Spieler fehlen konnte: Entweder er war im Urlaub, oder einer aus seiner Familie heiratete.

Die Duschen waren immer gleich scheiße, auf beiden Seiten. Bei uns gab es eigentlich gar keine Duschen. Das war mehr so ein erweitertes, in den Boden eingelassenes Klo. Mit zwei Duschköpfen von oben. Wer da hätte duschen wollen, der hätte auch zugegeben, dass er zu Hause keine bessere Dusche zur Verfügung hat. Wenn es ein Heimspiel war, haben wir immer die Duschen angeschaltet, damit der Trainer glaubte, wir hätten geduscht, aber dann sind wir doch lieber nach Hause gegangen. Ob die anderen Jungs wirklich bessere Duschen hatten als dort zur Verfügung, weiß keiner. Aber wer hätte sich das noch getraut, dort zu duschen, wenn klar war, dass man dort nicht duscht, sondern lieber zu Hause?

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De elftal in bildertjes

Hier ein kleines Foto-Spezial zur niederländischen Elftal.

Und weil es „gefühlsmäßig“ so gut zusammenpasst, Bilder von den Dänen bei der Europameisterschaft 1984 direkt hinterher.

Zweiteres wieder vom Guardian, die Quelle für ersteres such ich gerade mal wieder. Sollte man sich unbedingt angewöhnen, beim Konservieren von Links auch die Quelle zu konservieren. Weiß jemand, wie der Spitzname des dänischen Teams ist? Und ich meine nicht „Danish Dynamite“, sondern so etwas wie … Ihr wisst schon.

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Die deutschen Zensoren

Wer glaubt, dass Zensursula ein neues Phänomen sei, der lies nach bei Heinrich Heine:

So sieht’s aus — und sah es offensichtlich auch schon lange.

Wie gut, dass es im modernen Fußballsport keine Zensur geben kann, weil da — also bei den betreuenden Medien — niemand ein Interesse hat, das Nest zu beschmutzen. Ja, wie gut, dass wir in dieser heilen Welt leben. Amen.

(Mit Dank an Check von Hinten).

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Wenn Männer heiraten …

… dann ändern sie für gewöhnlich ihren Namen nicht.

Es gibt zwar immer mehr Beispiele dieser Art, aber diese stammen gerade aus den letzten paar Monaten, und für die Liste, um die es hier geht, ist diese kurze Periode noch nicht relevant.

Einen einzigen Spieler gibt es, der in der Ahnentafel oder auch Ehrentafel des DFB als Nationalspieler geführt wird, der mit zwei verschiedenen Nachnamen dort steht. Na, wer könnte das sein und vor allem warum?

Da der Spieler vom Jahrgang 1892 ist, nehme ich nicht an, dass ihn irgendjemand noch aus eigener Erinnerung kennt (obwohl das nicht gänzlich ausgeschlossen ist, war er doch noch bis 1928 aktiv (während des Zivildienstes lernte ich ja auch diverse 100-jährige Menschen kennen, meistens zwar Frauen, aber nun ja), deshalb auch gleich die Auflösung, sofern Wikipedia nicht irrt:

Paul „Paulsen“ Pömpner (* 28. Dezember 1892 in Weißenfels/Sachsen-Anhalt; † 17. Mai 1934) war ein deutscher Fußballnationalspieler.

In der Jugend von SC Preußen Weißenfels begann Paul Pömpner mit dem Fußballspiel. Das Pseudonym „Paulsen“ wählte er, um besser vor der Gefahr der Aufdeckung seines verbotenen vereinsmäßigen Kickens als Schüler gewappnet zu sein. Später wurde Paulsen zu seinem Markenzeichen.

Und so steht er als einziger Spieler in jener Liste mit zwei verschiedenen Nachnamen, nämlich als:

Paul Paulsen (Pömpner).

Auf den ersten Nationalspieler, der wegen Heirat seinen Nachnamen ändert, werden wir ohnehin noch etwas länger warten müssen.

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Schwere Sprache?

Der Trainer, das ist in dem Fall Louis van Gaal und nicht ich, wundert sich, dass Luca Toni nach zwei Jahren noch kein Deutsch spricht.

Lassen wir Ailton mal außen vor, der wahrscheinlich keine auch nur annähernd mit der unsrigen vergleichbare Schulbildung genossen hat und, vielleicht kommt das dazu, einfach kein Talent für Grammatik und Sprache hat.

Lassen wir Ailton mal außen vor, dann verstehen wir wirklich nicht, warum es immer die selben Knilche sind, die sich mit „schwere Sprache“ herausreden und partout kein deutsch lernen wollen. Man hat selten erst einen Rumänen, Polen, Russen oder Ex-Jugoslawen, selten auch einen Schweden, Dänen oder Holländer Interviews auf deutsch ablehnen sehen bzw. hören, nachdem sie mehr als zwei Jahre in Deutschland lebten. Natürlich liegt das einerseits daran, dass hier nun mal die wenigsten Menschen dänisch oder rumänisch sprechen und sie somit im Alltag mit ihrer Muttersprache nicht durchkämen, zum anderen daran, dass Schweden, Dänen, Holländer (und eigentlich auch Briten) es wegen der Verwandtschaft der Sprachen ein wenig leichter haben als andere, Deutsch zu lernen. Das alles vorweg, bleibt trotzdem als reines Resultat stehen: Auch wer nicht perfekt ist, spricht nach einigen Monaten wenigstens die üblichen Floskeln und könnte ein „Wie war das Spiel?“ – „Haben zu wenig gekämpft, viel Pech gehabt.“-Interview durchführen.

Und auf der anderen Seite gibt es jene Fraktion, die es aus unerfindlichen Gründen nicht für nötig hält, deutsch zu lernen. (Keineswegs soll ich hier falsch verstanden werden, als würde ich Mario Basler‘esk behaupten, dass ein Trainer Baade kein Französisch lernt für Leute, wo der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Und dass gefälligst alle Welt ausgerechnet Deutsch sprechen müsste. Der selbe Text würde genauso erscheinen, wenn wir in Russland, England oder Indien lebten. Tun wir aber nicht.)

Lizarazu ist das herausstechendste Beispiel dauerhafter Fremdsprachenverweigerung trotz jahrenlangen Aufenthalts, Ribéry und Toni folgen in jüngerer Vergangenheit.

Nimmt man nun also an, dass Deutsch aufgrund seiner vier Fälle und drei Geschlechter, die neben einem anderen Artikel auch noch eine passende Adjektivendung erfordern, nimmt man weiterhin an, dass es noch diese komische Satzordnungs-Regel gibt, wegen der das Verb oft ans Ende des Satzes rutscht. Und nimmt man weiterhin an, dass der Plural im Deutschen ein wenig schwieriger zu bilden ist (über 20 verschiedene Möglichkeiten, für die es relativ wenige Regeln – und dann meist mit Ausnahmen – gibt), dann hat man die wohl wichtigsten drei Besonderheiten des Deutschen erwähnt, die gleichzeitig zu den Schwierigkeiten des Deutschen zählen.

Der Rest – muss der Rudi machen, wie Lukas Podolski so schön in Verkennung eines Akkusativs sagte.

Der Rest – ist auch nicht schwieriger als in anderen Sprachen.

Und der eigentliche Witz daran ist, dass ein Verstehen genauso funktioniert, wenn man genau diese drei Hauptschwierigkeiten des Deutschen einfach ignoriert. Ob nun der, die oder das Foul, ob nun der, die oder das Tor, ob nun die Rote, Roter, Rotes, Roten oder Rotem Karte, ob nun „Ich habe gesehen dieses Spiel zuvor“ oder richtigrum — als Muttersprachler wird man immer verstehen, was gemeint ist. Deshalb ist die, ich nenne es mal so: Ausrede der „schwere Sprache“ auch nahezu absurd. Jede Sprache ist schwer, die nicht die eigene Muttersprache ist.

Dennoch unterscheidet sich das „Fremdsprachelernen“ beim Deutschen, sieht man von diesen drei, vier Schwierigkeiten ab, nicht vom Fremdsprachenlernen anderer Fremdsprachen: Dinge haben Namen, das sind dann die Wörter, die man lernen muss. Tätigkeiten haben auch Namen, die muss man dann eben auch noch lernen. Dazu kommen Eigenschaften, die Namen haben, die man lernen muss, noch ein paar Personalpronomen und Präpositionen und – glaubt es mir oder nicht – mit einigen wenigen Tausend Wörtern kann man 95% der Kommunikation verstehen und mittel-einfache Texte begreifen. Auf dem Platz erwartet ja wohl niemand ein Universitätsstudium.

Okay, ein paar Tausend, das hört sich viel an, wow, wann haben wir zum letzten Mal überhaupt nur 25 Latein-Vokabeln für den nächsten Vokabeltest auswändig gelernt?

Nun ist diese Möglichkeit, die den hier relevanten Menschen gegeben ist aber etwas ganz anders, als aus Büchern und in einer Klasse voller Nicht-Muttersprachler eine Fremdsprache zu lernen: Sie arbeiten jeden Tag mit (zumindest zum Teil) Muttersprachlern zusammen und sie leben in diesem Land. Sie müssten sich gar nicht mit Büchern zu Hause des abends aufs Sofa hocken und statt Filme zu gucken Vokabeln büffeln. Learning by existing, sozusagen, indem sie einfach hingehen zum Training, zuhören und mitsprechen, jeden Tag. Wer da nach zwei Jahren immer noch nichts kann, der macht wirklich effektiv jeden Tag die Ohren zu, wenn er die Sprache des Landes nicht lernt.

Wer dann die Sprache nicht lernt, nicht mal in den oben genannten Interview-Fragmenten, die über die Witzchen Tonis und Ribérys hinausgehen („Ein Wasser, bitte! Hahaha!“, so umfangreich, wie sie jeder Urlauber in seinem Zielland nach einem Tag beherrscht), dem kann man eines ganz gewiß attestieren: Er will es nicht. Und dass er es nicht will hat zu einem sehr großen Teil damit zu tun, dass er es nicht muss.

Da baut Der-die-Buddha-Figuren-gar-nicht-aufgestellt-hat-es-war-doch-der-Innenarchitekt-wisst-Ihr-das-immer-noch-nicht extra das ganze Häuslein an der Säbener Str. (?) um, bietet Sprachunterricht direkt am Trainingsgelände — und dann spricht er selbst mit seinen Co-Trainern oft englisch und selbst wenn er deutsch spricht, spricht er einen Mischmasch aus Schwäbisch und Wir-sind-so-uptodate-Englisch, dass ihn nicht mal mehr Uli Hoeneß versteht. Da bietet er also Sprachunterricht für alle, kostenlos (nehm ich an), noch nicht mal Pizzataxi-Gebühr muss man bezahlen — und dann interessiert es ihn gar nicht, ob er auch genutzt wird. Wer weiterhin kein Deutsch spricht, bei dem bleibt es eben so. Kein Druck dahinter, also bleibt es beim Nichtbeherrschen der Landessprache.

Der naturgemäß vielsprachige van Gaal hingegen hat einfach kein Verständnis für ein solches Desinteresse. Me too (oder um korrekt zu bleiben: neither).

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Der letzte Mann – gegen den Sargnargel

Die Frage ist nicht, ob der Amateurfußball stirbt, sondern wann er stirbt. Morgen, übermorgen, vielleicht heute Nachmittag schon. C‘mon, alle, die lieber Gladbach gegen Bielefeld oder Hertha gegen Stuttgart sehen: Als wenn Ihr unschuldig wäret. Man muss doch auf des KHR und des UH blöden Geschwaller nicht reinfallen. Zu wenig Fernsehgelder! Selten so gelacht. Als wenn der DFB noch der größte Einzelsportverband der Welt bliebe, wenn ihm die Basis wegbräche. Ob oder dass das so ist, scheint ihn aber nicht zu interessieren. Man kann sich zu Hause, an seinem eigenen Computer doch mal 2 plus 2 zusammenrechnen lassen. Und dann weiß man, was Sache ist, als objektiver, mündiger Fußballfan.

All die, die ihr nur Bundesliga schaut und Euch dann wundert, warum denn keine Talente von unten nachwachsen, warum man seit 1996 ohne Titel ist: Schaut einfach in den Spiegel.

Oliver Fritsch im Interview mit Reiner Grundmann, dem Wortführer der Aktionen gegen die dem Amateurfußball alles raubenden neuen Anstoßzeiten der Bundesligen (1 bis 3).

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Ehrliche Kommunikation

Während ich gerade beinahe einem Unwetter zum Opfer gefallen wäre, welches vergeblich versuchte, mich von einer Rheinbrücke zu spülen und meinen Wagen von unten mittels Wassermassen lahm zu legen, während zeitgleich LKW, die sich von dem bisschen 2m tiefen Wasser auf der Rheinbrücke natürlich nicht beeinflussen ließen, mit ihrem üblichen Fahrtempo von hinten auf mich zu fuhren, während vor mir andere Omis das Fahren fast gänzlich eingestellt hatten, ich also quasi in dreifacher Todesgefahr war:

  • In den Rhein gespült werden und dort ertrinken
  • Von aufsteigenden Wassermassen im Auto eingeschlossen werden und deshalb ertrinken oder
  • zwischen LKW und diversen Omis klein Äutoken zerquetscht zu werden

… Just in diesem Moment dräute es mir, wie toll es doch ist, dass wir Fußballliebhaber beim Wunsch nach Live-Fußball die Wahl haben zwischen zwei aufrichtig kommunizierenden Dienstleitungsanbietern.

Denn wie ich vermeintlich so kurz vor meinem Tod stand, lief natürlich mein gesamtes Leben wieder vor mir Paroli und dabei spielt Fußball nun mal eine große Rolle. Deshalb erschien vor meinem geistigen Auge der Slogan, den einer der Anbieter verwendet, um an unser Geld zu kommen und um das, was wir ohnhin schauen würden, noch mal anzupreisen:

Schärfere x, schärfere y, schärfere Preise

Gerade zu Zeiten von Vodafail ist eine ehrliche, den Kunden ernst nehmende Kommunikation (am besten zweiseitig) unabdingbar geworden, um nicht beim Big Brother mit schlechter Presse ganz oben gelistet zu sein und vor allem, um von seinem potenziellen Käufer/Mieter/Serviceabnehmer noch ernst genommen oder zumindest für so wenig unzurechnungsfähig gehalten zu werden, dass man noch Chancen hat, den Zuschlag zu bekommen.

Hier wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet: Wie ist der Preis im Vergleich zu vorher? Klar, er hat sich verschärft. Verschärfte Preise ab jetzt also. Man kann demgemäß jegliches Bemühen einstellen, billiger als vorher an den Junkstoff zu kommen, egal bei wem.

Ehrliche Kommunikation, so lob ich mir das.

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