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Monat: September 2009

Zurück zum 1. FC Küln

Liebe Herren und sicher auch Damen Fußball-Computerspiele-Gestalter:

Es reicht.

Ich als Trainer Baade bin irgendwo zwischen 30 und 40 Lenzehn alt und ich spielte immer gerne Ihre Produkte. So lange es so war, dass ich jünger oder vielleicht gerade noch gleich alt war wie die Protagonisten in Ihren Spielen, die sie offensichtlich aus einer Konstruktion namens Realität abgekupfert hatten, welche ohnehin nicht so ohne Weiteres als bare Münze genommen werden kann. Natürlich gaukeln mir auch Zeitung, Fernsehen und Freunde vor, dass diese Realität immer die gleiche sei und sogar existiere. Beweise, stichhaltige Beweise lieferte mir dafür allerdings nie jemand. Jedenfalls nahmen Sie die Namen aus diesem Konstrukt und verfrachteten sie in Ihre Computerspiele. Gesetzt den Fall, es war vor 198x oder sie hatten genug Kohle dafür, diese Namen aus der Realität verwenden zu dürfen. War Letzteres nicht der Fall, wendeten Sie einen äußerst kreativen Trick an, der – man möchte ja gerne bescheiden bleiben – auch von mir hätte stammen können: Sie nahmen alle Namen aus der Realität, vertauschten aber ein paar Vakole oder Ümläute Crüe miteinander, so dass plötzlich aus den Namen aus der Realität Namen wurden, die an die Realität angelehnt waren, aber nicht mehr der Realität entsprachen.

Dös war faun, manchmel belostigend, en din meisten Fallen storte is abür nocht bim Urkennin dir Numen. Is untwackilty süch sugar zä einur Ort Spurt, dei si forchtürlech untstilltan Nymön trutz dus Oustuaschins dovirsir Viköle dei Numin nach ze örkinnen. Wos muistens gilung.

Ob nun also reale Namen oder an die Realität angelehnte – kirz dörchgischattilty Nüman – der Bezug zur realen Realität war vorhanden und wurde durchaus goutiert.

Es war ein Vergnügen zu sehen, wie denn der selbst heiß geliebte Spieler xy aus Mannschaft yz von den Machern eines Spiels in den Bereichen Kopfballstärke und Passgenauigkeit eingestuft wurde, oder aber auch: wie viele Punkte die KI-gesteuerte Mannschaft „1. FC Küln“ bei einer komplett durchgespielten Saison erzielen würde.

Die Betonung im vorigen Satz liegt auf war.

Mittlerweile ist außer Jins Lühman fast niemand mehr in der Bundesliga aktiv, der weniger an Lenzen zählt als meine Wenigkeit. Und deshalb wende ich mich an Sie: Ich möchte keine Teams mehr haben in den Computerspielen, die komplett oder annähernd der Realität nachgebildet sind. Ich möchte von nun an, da ich zu keinem der Spieler mehr aufblicke, nur noch reine Fantasieteams in meinen Computerspiel-Ligen enthalten wissen. Die deutsche Liga darf gerne Deutsche Liga heißen, die englische gerne Englische Liga oder English League und die dänische darf gerne Dänische Liga heißen. Die Verteidiger dürfen Schmitz, Schmidt, Smith und Smithers heißen, ohne dass irgendjemand aus dieser vermaledeiten Realität dafür Pate gestanden haben mag. Ich möchte, dass diese Spielfiguren über den gesamten Verlauf der Tätigkeit meiner Finger an diesem Computerspiel Bestand haben, auf dass sie ihre eigene Identität entwickeln können, die aber bittschön völlig losgelöst von der Realität sein soll.

Ich möchte nicht im Computerspiel noch auf die Figuren treffen, die mich schon im Fernsehen (und im Internet auch!) verfolgen und nicht mehr loslassen, die Runaldus, die Messys und die Röneys; ich möchte erst Recht nicht mehr nur aus Spielern auswählen können, die der Realität nachempfunden sind, egal, wohin ich schaue, ob in die 2. Liga zu Paderborn oder nach Brighton & Hove Albion, ob nach Guingamp oder nach Sarajevo. Ich möchte, wenn ich Fußballcomputerspiele spiele, dass diese möglichst nicht mal mehr in Stadien stattfinden, die es tatsächlich gibt (bzw. geben soll). Ich möchte, dass ein Computerspiel ein Computerspiel ist, mit all seinen unbekannten Protagonisten, die nur dem Hirn des Chef-Namensgebers Ihrer Firma entsprungen sind oder aber durch zufälliges Zeigen auf einen Namen im Telefonbuch. Von mir aus dürfen sie auch bekannten Songs entlehnt sein oder Filmfiguren sein, aber bitte, bitte, keine Namen und schon gar keine Gesichter mehr aus der Realität.

Die Realität sehe ich den ganzen Tag lang, und wenn ich ein Spiel spiele, möchte ich mich gerne aus dieser entfernen, zumindest gedanklich, und dann eben mit dem FC Paris gegen London United spielen, wo noch Jefferson im Tor steht und Leclerc die Tore macht, deren Pendants man in der Realität vergebens suchte.

Ich möchte.

Danke.

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Der deutsche Kader für die U20-Weltmeisterschaft

Nach der Flut der Absagen durch die eigentlich als Stammspieler für die U20-WM eingeplanten besten Talente im DFB muss der Trainer der U20-Auswahl auf größtenteils unbekannte Spieler zurückgreifen. Wer den einen oder anderen Namen nicht kennt: Kein Wunder, diese Spieler sind in ihren Teams meist weit entfernt davon, Stammspieler zu sein. Und mit Ingo Aulbach von Viktoria Aschaffenburg ist sogar ein Spieler eines kleineren Klubs dabei. Die Zusammenstellung muss aber nicht zwangsläufig zu einem schlechten Abschneiden führen, denn eins haben diese Jungs alle im Gepäck: die deutschen Tugenden.

1 Rüdiger Vollborn, Bayer 04 Leverkusen
2 Helmut Winklhofer, FC Bayern München
3 Anton Schmidkunz, TSV 1860 München
4 Michael Nushöhr, 1. FC Saarbrücken
5 Martin Trieb, FC Augsburg
6 Michael Zorc, Borussia Dortmund
7 Thomas Brunner, 1. FC Nürnberg
8 Holger Anthes, Eintracht Frankfurt
9 Thomas Herbst, FC Bayern München
10 Ralf Loose, Borussia Dortmund
11 Roland Wohlfarth, MSV Duisburg
12 Rainer Wilk, Arminia Bielefeld
13 Alfred Schön, SV Waldhof Mannheim
14 Ingo Aulbach, Viktoria Aschaffenburg
15 Ralf Sievers, Eintracht Frankfurt
16 Axel Brummer, 1. FC Kaiserslautern
17 Bernhard Scharold, Hamburger SV
18 Martin Hermann, 1. FC Nürnberg

Spieler A-Länderspiele Bundesliga 2. Liga
Rüdiger Vollborn - 401 -
Helmut Winklhofer - 140 -
Anton Schmidkunz - 7 14
Michael Nushöhr - 45 178
Martin Trieb - 165 52
Michael Zorc 7 463 -
Thomas Brunner - 328 74
Holger Anthes - 15 29
Thomas Herbst - 84 22
Ralf Loose - 211 131
Roland Wohlfarth 2 287 93
Rainer Wilk - 2 4
Alfred Schön - 180 160
Ingo Aulbach - - 92
Ralf Sievers - 232 44
Axel Brummer - 73 66
Bernhard Scharold - - -
Martin Hermann - - 31
Summe 9 2.633 990
Schnitt 0,5 146 55
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Ein Tag im Leben des J.

8.00h aufwachen
9.15h aufstehen
9.20h Frühstück
9.38h Zähne putzen
9.45h Hose anziehen
9.50h Hemd anziehen
9.52h in den Spiegel gucken, sich vergewissern, dass man wirklich einzigartig ist
9.55h Tasche packen
10.00h Abflug nach Stuttgart
11.15h Ankunft
11.20h Umziehen in der Kabine
11.30h Platz betreten
11.48h Verletzung simulieren
11.55h Umziehen in der Kabine
12.00h Rückflug nach München
13.15h Feierabend!

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Blamieren ist das neue Respekt

Allerdings nicht erst seit heute.

Das Wort Blamage wurde im 18./19. Jahrhundert in der Bedeutung „Beschämung, Schande“ aus dem französischen blâmer („tadeln“) entlehnt. Das französische blâmer geht auf das lateinische blasphemare, „lästern, schmähen“ zurück. Heute steht Blamage auch für „Bloßstellung, Reinfall, Peinlichkeit“. Das Verb blamieren in der Bedeutung „bloßstellen, beschämen“ wird im deutschen Sprachraum bereits seit dem 17. Jahrhundert verwendet. Das Adjektiv blamabel für „beschämend“ ist seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch.

Man kann theoretisch, so es angepfiffen wird, ein jedes Spiel verlieren. Je weiter-weg-klassig der Gegner nach unten hin ist, desto angebrachter das Wort. Bei einem Unterschied von nur einer Klasse wird es dann aber und wie oben bereits gesagt nicht erst seit heute inflationär.

War — nur so als eines der vielen Beispiele zufällig ausgewählt — die Niederlage gegen den zumindest selbst erklärten Aufstiegsaspiranten wirklich eine „Blamage“ von Borussia Mönchengladbach? Oder ist mein Sprachempfinden so vermurkst, dass es gänzlich anders funktioniert als das derjenigen, die die immer gleichen, vollkommen unangemessenen Floskeln in die Tasten trompeten, sobald nur ein Favorit (auf dem Holz) gegen einen Nicht-Favoriten ein Spiel verliert?

(Das waren zwei rhetorische Fragen.)

Blamieren ist das neue, eigentlich leider schon allzu alte Respekt.

Es gehört nicht minder in den Schrank geschlossen und nur zu besonderen Anlässen herausgeholt. Sollte jemand aus Versehen den Schlüssel verlieren, würde ihm allerdings auch niemand eine Träne nachweinen.

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Das ist einfach nicht mein Niveau

Wenn einer viel zu gut ist für den Rest, als der Rest, über dem Rest, dann sieht es normalerweise so aus, dass man jeglichen Ball, den man erobert, so schnell wie möglich zu diesem viel besseren Spieler als der Rest befördert, woraufhin der seine Gegner wie Slalomlakritzschnecken stehen lässt und ein Tor nach dem anderen schießt oder so unwiderstehlich für seine Mitspieler auflegt, dass die gar nicht anders können als ins Tor hineinzutreffen. Man weiß dann: Entweder kommt der Gegner nicht mehr wieder, weil er nicht so taten- und vor allem machtlos zusehen will, wie ihm Tor um Tor gezapft wird, oder der viel Bessere kommt nicht mehr wieder, weil er a) nach oben hin weggekauft wurde oder b) sich selbst bei dieser Überlegenheit tierisch langweilt.

Man hat gesehen, dass das für Luca Toni einige Klassen zu tief war.

Nicht ganz wörtlich wird Mehmet Scholl so wie oben zitiert. Das tatsächliche Resultat war nach 45 Minuten eine Gelbe Karte, die kicker-Note 3,5 und ein Kopfball an die Latte. Das Team lag bei seiner Auswechslung schon 0:2 hinten, am Ende verlor es 0:5. Natürlich spielen immer 11 Mann und niemand kann das Spiel alleine gewinnen, der Titan hat’s ja auch nicht geschafft. Aber ist das nicht doch ein bisschen mager, wenn man annimmt, dass hier ein Weltmeister spielte, ein italienischer Nationalstürmer und auf der anderen Seite eine Drittligamannschaft?

Wie hat man sich das also konkret vorzustellen, dass ein Spieler wesentlich besser als die anderen ist, er das aber nicht ausspielen kann, weil die Klasse einfach zu tief ist? Die Antwort weiß wohl nur der Grünwalder Wind.

Für alle unter uns, die wirklich Scheiße spielen, bieten sich allerdings nun ganz neue Ausreden: Das sei einfach nicht unsere Klasse, viel zu tief, auf dem Niveau könne man eben nicht zeigen, was man wirklich kann, das gehe nur in Länderspielen oder in der Champions League, aber doch nicht gegen dieses Team aus der Bunten Liga. Und überhaupt: Falls man ausgewechselt werde, werde man vor Schlusspfiff nach Hause gehen, ohne abzuwarten, wie die Partie nun ausgeht. Wie ein Weltmeister eben, der ganz profan auch keinen Bock auf im-Stau-Stehen hatte. Achja, und natürlich eine Gelbe Karte abholen, weil der Schiedsrichter nun mal keine Ahnung habe. Viel zu tief, dieses Niveau.

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Achtung Sperrfrist!

„Mobilfunk und sonstige neue Technologien.“

Erinnert schwer an das „anonyme Internet“, in dem jeder alles schreiben könne wie er lustig sei.

Mein erstes Handy datiert von ungefähr 1996, und da war ich schon spät dran, jedenfalls definitiv kein „early adopter“. Wie lange darf man ewas noch als „neu“ bezeichnen? Sind 14 Jahre bei schwerfälligen Institutionen „lang“ oder eher „kurz“?

[photopress:Achtung_Sperrfrist.jpg,full,centered]

Und because the Bundesliga ist so international now, you can have the Text auf Englisch, too.

[photopress:Attention_Sperrfrist_you_know.jpg,full,centered]

Ich fürchte, das waren ein paar mehr Details als die „Welt“ uns eigentlich wissen lassen wollte …

… aber die Krawatte von Markus Babbel ist schön. Was ja die Hauptsache ist.

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Fifa führt Wildcards für die WM 2010 ein

[photopress:all_star_team.jpg,full,alignleft] Nach dem Ausscheiden einiger fußballerisch großen Größen in der WM-Qualifikation hat die FIFA entschieden, sich ein Beispiel am Basketballverband FIBA zu nehmen und vier Wildcards an auf sportlichem Wege nicht qualifizierte Nationen zu verteilen.

Die erste total wilde Wildcard geht überraschend an Argentinien, obwohl mit Maradona der größte Star dieser Auswahl längst gefeuert ist und wenn überhaupt, dann nur als Fan anrollen anreisen wird. Die Fußballkünste eines gewissen Menschen mit dem Namen, der wie eine Störung klingt, bei der man Berge an leeren Butterdosen, vollständig abgerollten Toilettenpapierrollen, Pfandflaschen, Tageszeitungen (seit 1986), Disketten, Foto-Alben, Pizza-Kartons und Büromaterial so kunstvoll neben- und übereinander arrangiert, das einzig der Weg vom Sofa zur Haustür und zur Toilette noch begehbar bleibt, sollen laut Insidern auch eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt haben.

Die zweite Wildcard geht an Deutschland, das sich in den Playoff-Spielen der europäischen Qualifikation ebenso überraschend Griechenland geschlagen geben musste. Aktive Weltstars besitzt diese Mannschaft zwar keine, dafür aber einen der größten Märkte für Sportartikel, Rasierzubehör, Kreditkarten, japanische Autos, Coca-Cola, Elektronikgeräte und Fast-Food-Mahlzeiten, auf den die FIFA aus verständlichen Gründen („For the good of the game“) nicht verzichten wollte.

Die dritte Wildcard geht an Nigeria, das sich nicht minder überraschend hinter Tunesien nicht qualifiziert hatte. Stimmen, die sich für Portugal mit dem tatsächlichen Weltstar Cristiano Ronaldo aussprachen, wurden mit dem Argument abgewiesen, dass Ronaldo in wichtigen Spielen ohnehin immer übermotiviert sei und die Bälle übers Tor schieße, weshalb zwangsläufig mit einem Vorrundenaus der Portugiesen zu rechnen und eine Wildcard somit vergebliche Liebesmüh sei.

Die vierte Wildcard geht an ein Allstar-Team, zusammengestellt aus Spielern, die zwar Weltstars sind, aber per Schicksalsschlag einen Pass eines Landes besitzen, in dem außer ihnen selbst nur ausgemachte Holzfüße und Für-die-Gasse-Blinden vor den Ball treten (sofern sie ihn treffen), weshalb ihnen ohne diese tolle Idee eines Allstar-Teams die Teilnahme an einem Weltturnier für immer verwehrt bliebe. Trainiert werden solle diese Auswahl der Besten vom Rest, für die trotz seines hohen Alters der nimmermüde Jari Litmanen genauso feststeht wie Ryan Giggs, George Best, Alexander Hleb, George Weah und Ole Gunnar Solskjær, von einem gewissen Trainer Baade, der ohne diese Allstar-Auswahl auch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hätte.

Was im Basketball schon lange Usus ist, wird nun also endlich auch beim Fußball eingeführt. Und alle Fans so: „Yeaahh“

photo credit: A.Kuzminski

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Live aus dem umstellten Gebäude

Die neuen Strategien der Polizei sowie die moderne Technik machen es möglich. Während draußen vor dem Gebäude noch die Polizei mit den Belagerern ringt, bekommen wir bereits Bilder und Zwischenmeldungen von den Eingeschlossenen, mit denen man zur Zeit nicht tauschen möchte.

Live-Impressionen also von innen heraus von den Belagerern und den Sicherheitskräften.

Sollten die Armen in Bochum heute noch befreit werden und unversehrt nach Hause fahren können, werden wir das sicher auch unverzüglich erfahren.

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Afile der schojte ojfen kisse-hamalchuss is a melech

Es war selbstverständlich, dass eine Rückkehr zu „ran“* nicht vonstatten gehen können würde, ohne alles noch besser, noch innovativer, noch heißluftiger, noch unübersichtlicher, kurz gesagt: noch hirnerweichender als vorher zu machen.

Nun aber schießen sie gänzlich den Vogel ab.

Während der (von mir) zum ersten Mal bei einem Spiel mit deutscher Beteiligung gehörte Fuss sich redlich mühte, die ganzen Kommentatorenschelten, die hier und auf anderen Seiten im Netz Legion sind, vergessen zu machen, und dabei mit zunehmendem Spielverlauf deutliche Fortschritte machte, erschraken sich die Verantwortlichen gehörig, dass nun auf einmal Qualität in der Fußball-Berichterstattung einsetzen könnte. Was aus ihrer Sicht die Zuschauer wohl zwangsläufig mit scharenweisem Davonlaufen quittiert hätten. In ihrer verqueren Welt, in der das Getöse drumherum und alle Sperenzchen schon immer wichtiger waren, als dem tatsächlichen Spiel(-verlauf) Aufmerksamkeit zu schenken, mag das stimmen. Hier, mit gesundem Menschenverstand ausgestattet, findet man keinen Anlass, dieser Annahme Glauben zu schenken. Warum sollte man sich darüber ärgern, wenn man einen guten Kommentatoren erlebt?

Möglicherweise nimmt die ran-Redaktion an, dass „der Deutsche“ an und for himself nur deshalb zum Fußball geht respektive im Fernsehen einschaltet, um zu nörgeln. War man schon mal in Bielefeld oder Duisburg im Stadion, dann kann man dieser Auffassung anheim fallen. Im Allgemeinen jedoch wird der Fußball als Mittel zur Entspannung und womöglich sogar zur Freude schöner Götterfunken aufgesucht. Zumindest in der Hoffnung auf diese beiden Brüder im Geiste.

Das scheint weder in der ran-Redaktion gewünscht, noch kann man sich dort vorstellen, dass es ernsthaft so ist.

Vielmehr scheint es der ran-Redaktion ein Anliegen, die Übertragungen so qualvoll wie möglich zugestalten, mit kreischenden Reportern, mit Spielerfrauen-Vorberichten und mit Einblendungen unterhalb der Senilitätsgrenze, damit man die folgenden Werbespots als ungemein gehaltvoll und geistreich empfindet, als wahre Erlösung. Die Hormonduschen ob des widerlichen Gedröhnes lassen nach, man fühlt sich schon gleich viel besser und zeitgleich läuft ein Werbespot. So in Erleichterung gebadet, wird man die Produkte natürlich positiver attribuieren als es sonst der Fall wäre. Sollte man bei ran unter diesem Druck der Werbenden arbeiten, dann könnte man doch auch ganz schnell die Alternative zu einer solchen Übertragungsart wählen: Es einfach sein lassen. Dann müsste man keinem Werbenden Genüge tragen, man müsste sich nicht selbst auf der Mattscheibe verblöden und als Zuschauer würde man den russischen oder arabischen Kommentar duldsam durchs eine Ohr rein und durchs andere Ohr wieder raus rauschen lassen.

So aber: Es bahnte sich Qualität an, schnell musste etwas unternommen werden. Und wie schon bei allen Fußball-Quizspielen lautet die Antwort auf gestellte Fragen immer entweder Franz Beckenbauer oder Gerd Müller. Da Letzterer nur noch in den Logen der Allianz-Arena als Grinsekatze auftaucht, nicht aber beim Fernsehen, war klar: die Antwort muss Franz Beckenbauer heißen.

Also flugs den Kaiser eingeblendet, was er zum Spiel zu sagen habe. Womit die Senilitäts- und Peinlichkeitsgrenze wieder locker unterschritten wurde, denn der Kaiser hatte wie immer nichts zum Spiel zu sagen. Es war nicht mal sicher, ob er eigentlich im Stadion war oder ob er vielmehr in einem Studio in Baringhausen saß, wo man ihm zwei nette Begleitungen hingesetzt hatte, mit denen er während der 90 Minuten über dies und das plaudern oder auch schweigen konnte, nur eins definitiv nicht: Das Spiel schauen. Und danach währenddessen etwas Geistreiches dazu sagen.

Worte über den Kaiser als „Experten“ zu verlieren bedeutet natürlich unter Hörenden Pochers nach Sat1 zu tragen. Es ist ja nicht des Kaisers Schuld, wenn man ihn immer wieder einlädt, während er doch schon seit Jahren nichts zum Spiel zu sagen hat. Wer von uns würde da nein sagen, wenn man immer schön eingeladen wird, Champions League schauen darf und noch dazu Geld dafür bekommt? Zumal mir dünkt, dass wohl auch der Kaiser von dritter Seite noch mal eine Extraprämie bekommt, um die Werbespots besonders geistreich erscheinen zu lassen.

* Was die wenigsten wussten: auch das kleine Wörtchen „ran“ ist nur ein Akronym. Es steht für: reißen, amerikanisieren, narkotisieren.

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Fragen wir doch den Bock

Diesmal allerdings einen anderen Bock als noch im letzten Beitrag.

Ob es ein Foul an ihm gewesen sei, fragte der Schiedsrichter den Leverkusener Erin Derdiyok nach dessen irgendwie beurteiligungswürdiger Szene im Wolfsburger Strafraum, was dieser wohl bejahte. Womit klar sein musste: Es war ein Foul.

Denn insbesondere Fußballspieler, nur noch vergleichbar mit Schachnerds, kennen sich im eigenen Regelwerk so überzeugend aus, dass ihnen selbst niemals eine Fehlentscheidung oder gar Unkenntnis zuzutrauen wäre. Sei es nun die Frage, wie man sich für die Champions League qualifiziert, wie das mit der neuen Fairplay-Regelung ist, im Allgemeinen mit Aussagen zu Regeln noch wie es überhaupt um knifflige Abseitspositionen bestellt ist (man erinnere sich an das Tor der Holländer gegen Italien „an“ der EM 2008, auf dessen Anerkennung ein Sturm der Entrüstung losbrach, weil alle so perfekt die Regeln beherrschten).

Wir lassen ganz unpopulistisch wie wir es hier immer zu tun pflegen die billigeren Einwände außer Acht, dass sich ein Kellner immer nur zu den eigenen Gunsten verrechnet, und dass ein Spieler auf dem Platz sich ja wohl stets für die moralisch Beste, auch vor Don Camillo Bestand habende Antwort entscheiden würde, wenn er denn gefragt würde, wie es z. B. Oliver Held oder wenn ich nicht irre auch der handspielende Oliver Neuville taten.

Wir lassen weiterhin außer Acht, dass ein Spieler natürlich wie eine Fliege (oder war es doch ein Fisch?) jederzeit in alle Richtungen schauen kann, dies noch dazu bei vollem eigenem Lauftempo und Konzentration auf Ball und Spielsituation und er sowohl Bewegungsabläufe als auch Intentionen der Gegner bei fragwürdigen Situationen nicht nur komplett überblicken, sondern auch sofort wie ein Elefant die perfekte Erinnerung dieser Szene abrufen kann.

Dann kann ein Spieler zwar immer noch beurteilen, ob er vielleicht unsanft oder ziemlich hart zu Fall gebracht oder vom Ball getrennt wurde. Ob es regelgerecht war, weiß er aber nicht allein deshalb, weil ihm jetzt Steiß- oder Schienbein schmerzen.

(Dass Derdiyok im Nachhinein dann das Gegenteil behauptete, bzw. im Vorhinein das Fürteil, hat übrigens mit dem Sachverhalt jetzt nichts zu tun und ist lediglich einem kleinen Aussetzen seines Peilsenders geschuldet, mit dem er sich wie jeder Schachnerd jederzeit auf dem Spielfeld aktuelle Regelauslegungen und Situationsbewertungen zusenden lässt. Dass das selbst nun eigentlich auch schon wieder illegal ist, ja nu: Was erwartet Gärtner?)

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