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Monat: Mai 2010

Köhler ein neuer Lübke?

Weil es gerade so gut passt, hier mal ein ganz alter Beitrag, aus den Kindestagen dieser Seite, ursprünglich nämlich vom 10. Dezember 2005. Erstaunlich, wie wenig sich an Köhlers Auftreten in 5 Jahren gebessert hatte.

Horst Köhler ist schon eine intellektuelle Leuchte. Noch Mitleid erregender als es Norbert Meier für den einen oder anderen hier in den Kommentaren ist, ist unser Bundespräsident für mich. Ich bin immer noch erstaunt, dass er mal Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gewesen sein konnte.

Musste er dort keine Ansprachen halten, Entscheidungen treffen und seine Mitarbeiter führen? War er nur ein Frühstücksdirektor? Wie er bei jeder Weihnachtsansprache mit schweißnassen Händen und holpernd seinen Text abliest, der meist aus kleinen, zusammenhangslosen Anekdötchen über Kindergartenkinder, die er letztens traf, besteht, wie er nach Schröders Ankündigung von Neuwahlen erstmal vor Ratlosigkeit ein paar Tage in der Versenkung verschwand, wie er bei jedem Staatsempfang ein Gesicht wie kurz vor der Führerscheinprüfung macht, weil ihm das alles so offensichtlich Unbehagen bereitet; da wünscht man sich und vor allem ihm, dass man auch den Bundespräsidenten per Mißtrauensvotum abwählen könnte und er nie wieder vor eine Kamera treten muss. Von den staatstragenden Reden mit Reichweiten bis in die Gegenwart eines von Weizsäckers ist Köhler so weit entfernt wie Angela Merkel von Metrosexualität.

Neuerliches Beispiel für Köhlers Sprachwitz und Schlagfertigkeit ist seine Antwort auf Heidi Klums Frage bei der WM-Auslosung, was es denn nun bedeute, dass „die ganze Welt auf uns schaut“:

„Das bedeutet, dass die ganze Welt auf uns schaut.“

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Partido Imposible bei Athletic

Abschiedspiele laufen stets nach dem selben Muster ab: Der berühmte, verdiente Spieler trägt eine Partie mit seinem aktuellen Klub gegen eine von ihm zusammengestellte Auswahl der wichtigsten Wegbegleiter aus. Oder seines Klubs gegen die aktuelle Nationalmannschaft, wenn er denn soweit gekommen ist. Spielt dann eine Halbzeit bei der einen, die andere bei der anderen Mannschaft mit und wird zwischen 60. und 80. Minute ausgewechselt, woraufhin sich das Stadion erhebt, der Spieler mehrere Abschiedsrunden läuft und sich diverse Tränchen im Knopfloch verdrückt.

Anders ging Joseba Etxebarria von Athletic Bilbao vor. Das Urgestein dieses Teams hat seine Karriere nun mit einer „Partido Imposible“ beendet. Und dabei tatsächlich den eigentlich von niemandem vorgegebenen, dennoch von fast allen stoisch befolgten Rahmen, der da „Abschiedsspiel“ lautet, verlassen.

Herausgekommen ist das Folgende bei dieser „Partido Imposible“ von Athletic:

Dass Etxeberria aus Dankbarkeit oder was auch immer seine letzte Saison bei Athletic Bilbao absolvierte, ohne ein Gehalt dafür zu verlangen, komplettiert den Eindruck eines Spielers, der nicht alle Branchengepflogenheiten befolgt. Während wir uns an Schulhofpartien erinnern, die so ähnlich abgelaufen sind wie jene im Video …

Ob es ein Spieler hierzulande mal wagt, diesen üblichen Einheitsbrei bei Abschiedsspielen zu verlassen? Dass nicht ausgerechnet Bernd Schneider dazu prädestiniert war, war leider klar. Man könnte sich diverse Dinge vorstellen, wenn es nicht stets an Kreativität neben dem Platz mangeln würde.

Bastian Schweinsteiger zum Beispiel in einem riesigen Whirlpool, Michael Ballack, wie er ausnahmsweise mal nicht nach einem Spiel weint, oder schlicht Miroslav Klose, wie er eine mitreißende Rede im vollbesetzten Stadion hält. Erleben werden wir das in diesem Land, dem Außenstehende einen eklatanten Mangel an Humor nachsagen, aber wohl nicht mehr.

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Live-Blog Ungarn — Deutschland

22.03h Kahn driftet wie immer in die Esoterik und in das ständige Duzen, wenn er mit sich selbst redet. Deshalb schließen wir hier dieses Live-Blog ab.

Vielen Dank, gute Nacht.

Du musst.

21.57h Kahn vergleicht Neuer mit van der Sar. Lobt. Lobt, lobt. Lobt.

21.52h Khedira im Interview. Jansen im Interview. Die Mannschaft. Blabla. Manuel Neuer. Blabla. Okay, Neuer nicht ganz so blabla: Wollen das Spiel breit machen. Neuer hat im Büro erfahren, dass er Nr. 1 ist. War schon ein bisschen unsicher, weil ja noch 2 gute Torhüter dabei sind, hat sich dann aber gefreut. Äh, ja.

21.51 Jetzt nicht mehr! Fazit.

21.49h Spiel läuft immer noch!

21.45h Fazit: Die Ungarn sind keine Australier, das hat man genau gesehen. Achso, zu früh für ein Fazit, ist noch gar nicht abgepfiffen. Réthy lobt Neuer, aber keiner weiß, warum. Nie gefordert. Die Ausstrahlung soll’s gewesen sein. Keine Zweifel, dass Wiese das Selbe ausgestrahlt hätte. Butt hingegen eher nicht.

21.42h Boateng schließt aus 21.42m ab. Ungefähr. Eher das Doppelte. Sah gut aus, aber auch hilflos.

21.39h Die animierte Bandenwerbung zeigt etwas über Hotelportale. Marko Marin belebt das Spiel. Was allerdings auch nicht so schwer ist.

21.35h Schöner Konter der deutschen nach einer Klärungsaktion. Der letzte Pass passt dann nicht. Tja. Nun Freistoß für diese Jungs mit den drei Sternen.

21.30h 0:3 Helmut. Réthy quittiert es mit einem ungarischen „Yes!“.

21.26h 0:2 Mario Gomez stochert den Ball nach grottenschlechter Ballmitnahme noch glücklich ins ungarische Tor. Man darf aber nicht immer mäkeln. Tor ist Tor.

21.22h Für Baade kommt Réthy. Baade begeht den alten Fehler, schlechte Leistungen in Testspielen persönlich übel zu nehmen. Also nicht den Spielern persönlich, aber seiner näheren Umwelt. Weshalb Réthy jetzt in der Baadeschen Küche erst einmal mit ein paar lustigen Karteikarten hantiert, um die Szenerie zu beruhigen. Baade zetert weiter auf dem Klo der Nachbarn, dass man so die Vorrunde nicht überstehen werde. Réthy lacht sich kaputt und bringt neue Karteikarten. Et hatt noch immer jot jejange.

21.19h Das große Durchwechseln geht los. Für Ziege kommt Linke. Für Rink kommt Babbel. Für Deisler kommt Rehmer. Bei Ungarn kommen auch ein paar neue Spieler.

21.17h Ungarn ist zum Glück nicht Tabellenführer, weshalb keine neue Käse- und Scheißdreck-Rede droht. Das Spiel sieht aber so aus, als wäre es ein neuer Tiefpunkt.

21.14h Béla Réthy gibt sich mal wieder der Ur-Kommentatorensünde hin und spielt den Oberschiedsrichter. Freistoß für Ungarn nach Foul von Boateng. Soll laut Réthy kein Foul gewesen sein. Erstaunlich, wieso der Schiedsrichter himself dann doch auf Foul entschied. Dieser welcher verpufft allerdings mit einigermaßen wenig Wirkung.

21.12h Das Stadion in Ungarn ist übrigens ein Stadion. Weshalb man den Ball auch immer noch auf die Aschenbahn, naja, Tartanbahn schlagen kann, was die Ungarn gerade erfolgreich bewältigten.

21.09h Boateng gerade reichlich unsouverän in einem Defensivzweikampf. Die anschließende Ecke der Ungarn erinnert schwer an die deutsche Ausbeute bei Eckbällen: nada.

21.05h Wenn man Neuers Torwarttrikot so sieht (grün), könnte man fast ein wenig nostalgisch werden, 1986, 1990 und so weiter.

21.03h Helmut is in the house.

20.46h Der Schiedsrichter pfeift, obwohl es keinen Regelverstoß gab.

20.42h Die Vokabel „zerfahren“ ist überstrapaziert.

20.37h Jogi Löw hat erst 7 Mal verloren. Einmal war das EM-Finale. Dann noch gegen Dänemark in Duisburg, gegen Norwegen in Düsseldorf und gegen England in Berlin. Welche sind die restlichen 3 Niederlagen? Sollte man hier eigentlich wissen, weiß man aber gerade nicht.

20.34h Das Spiel verströmt zunehmenden Vereinigte-Arabische-Emirate-Duft. Die ungarischen Zuschauer rufen jetzt allerdings etwas, sogar die anwesenden Frauen, was wiederum den VAE-Duft ein wenig vertreibt.

20.28h Halbe Gelegenheit, weil Khedira in die Nähe des Strafraums gelang. Aber in den Rücken von Klose gespielt. Danach Torschuss von Kroos, abgewehrt von Kiraly, Eckball. Wie man weiß, kann die deutsche Mannschaft, egal, in welcher Besetzung, mit Ecken nichts anfangen. So auch diesmal.

20.25h Harald Schumacher hatte vor der EM 1980 gerade mal 3 Länderspiele. Kärtchen Nr. X segelt seiner Aufgabe, heute Abend von den Putzfrauen aufgeräumt zu werden, entgegen. Mertesacker wird irgendwie ausgespielt, Manuel Neuer klärt weit vor der eigenen Linie. Erfolgreich.

20.22h Réthy nennt Marcell Jansen einen „Mann“. Sein Assistent rauft sich die Haare. … Boateng!

20.19h Gelegenheit für die im Stadion anwesenden Ungarn, ihre Ostblock-Tröten zu betätigen: Ungarn schießt aufs, naja, übers deutsche Tor. Immerhin. Immerhin. Angeblich stirbt ja dieses Dingsbums zuletzt. Seit 1986 nicht für eine WM qualifiziert.

20.17h Mesut Özil, Deutschland, Deutschland usw, hat wieder eine Torchance, und kann sie wieder nicht nutzen. Der Käfig, in dem er in Gelsenkirchen Fußball spielen lernte, atmet gerade laut hörbar aus.

20.15h Die Partie verflacht. Nicht. Réthy hat dennoch Zeit für seine dritte Karteikarte. Chancenverhältnis 6:0 für Deutschland, Deutschland usw. Angeblich. Hier sind erst 1:0 Tore notiert.

20.12h Réthy wirft gerade das zweite Kabinettkärtchen auf den Boden, nachdem er erwähnt, dass Arne Friedrich heute seinen 31. Geburtstag … hat.

20.10h Khedira versucht den Ballack, dringt in den Strafraum ein. Verliert allerdings den Ball. Im Hintergrund singen deutsche Fans „Deutschland“ usw. pp. Doppelter Doppelpass dann, leider auch doppelt gescheitert.

20.07h Immer noch 0:1.

20.05h 0:1 Die Wettmafia schlägt zu. Elfmeter für Deutschland und Tor durch Podolski, der sich aber nicht recht freuen mag, weil die Stiefschwester seiner Großtante ungarische Vorfahren gehabt haben soll.

20.04h Per Mertesacker. Boateng. Es wird der jüngste WM-Kader aller Zeiten. Was Réthy nicht erwähnt: Deutschlands. Gewinner der Vorbereitung sei Lukas Podolski. Wohl weil Ballack nicht dabei ist.

20.00h O‘zapft is. Réthy erwähnt, dass Friedrich gerade abgestiegen ist.

20.00h Béla Réthy zeigt sich auf der Höhe der Zeit und spricht von „verschiedenen Rassen“, die sich gut verstehen sollen. Er meint allerdings weder Hunde noch Pferde, sondern Menschen. Man schaut auf den Kalender, doch, es ist tatsächlich 2010.

19.58 Die Hymnen sind gespielt. Anders als 1954 hat niemand die erste Strophe des Deutschlandlieds gesungen. Falls doch, hat das ZDF es gut weggeschminkt. Rhéty erzählt irgendwas von Völlers Zeiten als Bundestrainer. Miroskloff Klose ist Kapitän. Sein Pendant heißt.

19.56h Die Redaktion korrigiert sich nicht und bleibt bei Fußballfeld statt Fußballfest.

19.53h Die Aufstellung: Kahn – Friedrich, Ramelow, Nowotny, Wörns – Baumann, Hamann, Ziege, Schneider – Kuranyi, Bobic. Das Feld für ein Fußballfeld ist also bestellt.

19.51h Das Wort geht an Béla Réthy. Seit 24 Jahren ist Ungarn nicht mehr bei einer WM qualifiziert gewesen. Erster Spickzettel liegt jetzt schon auf dem Boden. Das Stadion ist maximal halb voll. Sagt er.

19.50h Olli, was ist das Ziel für heute? Hauptsache, alle bleiben gesund? Nein, sagt Oliver Kahn, zwei Spieler muss Jogi Löw noch streichen, deshalb werden alle Gas geben. Man versucht sich gegen diese Situation zu wehren. Kahn hält 23 Spieler zu nominieren für die eigentlich bessere Idee.

19.48h Rechtschreibfehler in Kommentaren werden kommentarlos korrigiert. Nach bestem Wissen und Ge-.

19.44h Béla begann seine Medien-Karriere übrigens in der Sparte „Motorsport“. Nutzloses Wissen-Item Nr. 31245.

19.33h Der Himmel über Duisburg zieht sich weiter zu. Wie ist das Wetter in Budapest, Béla?

Er antwortet noch nicht, dabei stammt er doch aus Ungarn. Merkwürdig.

19.32h Der Himmel über Duisburg zieht sich zu. Ich hoffe, das ist kein Omen für die WM.

Viele haben mich vermisst. Ich mich auch. Konnte mich aber nicht finden, für eine gewisse Weile, weil die Tastatur immer alles überschwemmt, mit unvorhergesehenen Schmerzen im Ellenbogen, mit Keksen, die in der Sonne schmilzen, oder auch mit der Sinnlosigkeit von Live-Blogs, wenn doch alle auf ihren Zattoo-gestärken Laptops selbst sehen, was passiert.

Deshalb ein Live-Blog.

Wir steigen heute also auch hier auf der Seite endlich ein (Kicker- und Sport-FOTO-Sonderheft sind schon gekauft und einsortiert worden, innerlich) in die WM-Vorbereitung. Und was wäre dazu besser geeignet als ein Live-Blog vom ersten Testspiel mit der vollen zur Verfügung stehenden Besatzung von kurz vor Madagaskar, Pest an Bord, Wasser fault in den Bottichen und so weiter?

Bis gleich also, wenn es hier heißt: Live aus Ungarn, Budapest, wenn die Mannschaft von Ex-Lothar-Matthäus gegen die Mannschaft vom Pappaufsteller in diversen Drogeriehäusern antritt. Helmut Rahn ist übrigens tot, vielleicht nehmen wir in Gedenken trotzdem noch n Pils und noch n Korn. Und vergesst mir nicht den schlimmen Torwartfehler von dem vermeintlichen Fußballgott Toni Turek, der zum Gegentor führte.

Vielleicht aber auch nicht. Testspiele finden normalerweise immer in Freiburg gegen Malta, Luxemburg oder der dritte fällt mir gerade nicht ein statt, es gibt aber einen traditionellen Dritten gerne genommenen Sparringspartner der deutschen Nationalmannschaft. Falls jemand behender im Gehirn ist als ich: bitte, sehr gerne in den Kommentaren. Ungarn jedenfalls zählt nicht dazu, gleichzeitig aber auch schon seit Jahren nicht mehr zur ersten Güteklasse des Kontinents. Man weiß nicht so genau, wie man auf Ungarn als Testgegner kam, wahrscheinlich war einfach kein anderer mehr frei, weil Oliver Bierhoff wieder zu viel Zeit mit Uhren-Zusammenbauen verbracht hat, statt sich um adäquate Testspielgegner zu kümmern. Wie dem auch sei: Bis gleich. Ich freu mich aufs Testspiel, auf die WM und nicht auf Oliver Kahn.

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Entschuldigen Se bitte, wir wollen noch ins Kino

Der Kaninchen-Auftritt im Tatort dürfte ja mittlerweile Allgemeingut geworden sein, weniger bekannt ist aber diese Einlage des talentierten Auswendiglerners und Sprechers, den man eigentlich aus dem Fußball kennt. Anders als im Tatort spielt er hier allerdings sich selbst. Etwas, was nur wenige Fußballer von sich behaupten können. Wolfgang Kleff spielte schließlich das vermeintliche Spiegelbild von Otto, und nicht sich selbst.



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Der weiße Brasilianer ist gescheitert

Hatte man geglaubt, wenn Leute wie Loddarmaddäus oder Andreas Brehme es schaffen, den Trainerschein zu erwerben, dass man gar nicht durchfallen kann bei diesen Prüfungen zum Fußballlehrer und seinen diversen Zwischenschritten wie A-Lizenz, B-Lizenz oder C-Lizenz, dass man also höchstens mit einer schwachen Note und dann eben nicht als der vielzitierte Jahrgangsbeste bestehen würde, widerlegt ausgerechnet ein Spieler diese Annahme, der zumindest nicht mit verbalen Stilblüten in Interviews oder durch ausgeprägte Ignoranz gegenüber Neuerungen im Fußball aufgefallen wäre. Dem man es hier, jaja, da gehen die Ansichten naturgemäß auseinander, auch nicht gegönnt hätte, eines der wenigen unrühmlichen Beispiele zu sein:

Bernd Schneider hat die Ausbildung zur B-Lizenz im November nicht geschafft.

Daran, dass er Raucher ist, wird es nicht gelegen haben, denn auch Loddamaddäus („aber nur die Leichten“) schmökt sich gerne mal eine. Dann doch an den mangelnden kognitiven Kapazitäten? Was nur ein weiterer Beweis dafür wäre, dass tatsächlich so etwas wie eine Fußballintelligenz im Sinne einer Inselbegabung existiert, welche keine Rückschlüsse auf die sonstigen Fähigkeiten des auf dem Platz noch so herausragenden, gut antizipierenden und vorausschauend dribbelnden Spielers zulässt.

Schade. Ein künftiger U21- oder U19- oder was-auch-immer Trainer Bernd Schneider ließe den Zuschauer weniger gegruselt die Interviews und Taktik-Diskussionen ertragen, als es bei manch aktuellem Trainer der Fall ist.

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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Womit diesmal nicht der Schiedsrichter gemeint ist. Um Fußball geht es dennoch, aber auch um die Frage aus dem Titel. Denn wie es sich für einen guten Kader gehört, wird der Kader der Nationalmannschaft auch schick eingekleidet, und zwar von einer Schick-Einkleidungs-Gesellschaft. Damit diese schicken Kleider auch gut zur Geltung kommen, müssen auch ebenso schicke Fotos her. Die wurden wohl schon vor einiger Zeit gemacht, womit eigentlich auch klar sein dürfte, welche Spieler Jogi Löw schon lange ganz fix auf seinem Zettel hat, den er wie einst Jens Lehmann immer am Schienbein unter der Socke trägt. Damit es nicht etwas obskur wirkt, wenn Fußballer auf dem Fußballplatz plötzlich in schicken Klamotten herumlaufen, hat man sie in völlig fußballfremde Kontexte gestellt, und wie der DFB auf seiner Seite schreibt ist statt einer Berg- und Almöhi-Tour diesmal unter Anderem das hier dabei rausgekommen:

Marcell Jansen zockt, Jerome Boateng sitzt am Piano, Cacau hält als Einbrecher eine Taschenlampe in der Hand, Michael Ballack tritt als cooler Dandy auf, fünf Nationalspieler treffen sich mit zwei Trainern im schummrigen Licht einer Tiefgarage.

Nun gut, fußballfremd ist der Kontext von Marcell Jansen wie man inzwischen zur Genüge weiß überhaupt nicht, doch auch mit der Wahl des Foto-Themas für Cacau hat man eigentlich genau das abgebildet, was in den Köpfern vieler Fußballaffiner noch vorhanden ist. Es gibt 10 oder 15 Szenerien, mehr oder weniger elegant oder originell. Und wer spielt den Einbrecher?

Natürlich der Neger.

Hooray!

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Mangel an Kreativität

Ein Mangel an Kreativität kann sich immer rächen. Auf dem Platz, aber auch daneben.

Da ich gegen Ende des letzten Jahrhunderts geboren bin, werde ich das nächste nicht mehr erleben. Was gleichzeitig auch bedeutet, dass ich bei jedem weiteren noch folgenden großen Fußballturnier Werbung für Selbiges werde ertragen müssen, bei der „findige“ Menschen die 0 nach der Anfangs-2 bei der Jahreszahl durch einen Fußball ersetzen werden.

So viel Originalität in der Werbung — nur nicht bei jener, welche mir begegnet.

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Space Pitch Invaders

Ausnahmsweise sind weder die freundlichen, oft nackten Streaker gemeint noch die Hirnis aus der Berliner Ostkurve, wenn es um eine Pitch Invasion geht: das nette Game Pitch Invasion lädt dazu ein, die eigenen 4 Tore zu verteidigen und dabei keine Rücksicht auf Namen oder Nummern zu nehmen.

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Wunder Waldhof

Falls irgendjemand vergessen haben sollte, wo der Fußball (in Deutschland) herkommt und warum es eigentlich immer noch bemerkenswert ist, dass es geförderten Frauenfußball, Familien im Stadion und – ou weh – sogar Psychologen im Team um ein Fußballteam herum gibt, dem sei die Lektüre des Spiegels (nicht online) von 1986 („Die Provinz an die Macht“) über ein Buch des ehemaligen NPD-Kandidaten Klaus Schlappner ans Herz gelegt.

Bei der Gelegenheit sei auch noch mal auf Enno Aljets‘ Beitrag im Hertha-Blog zum Thema der Rhetorik so manches Trainers verwiesen, der eigentlich alles zusammenfasst, wofür Klaus Schlappner wohl über 200 Seiten brauchte.

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Wer weiß schon, was „buh“ bedeutet?

Gerne auch als „Buuuh“ geschrieben, aber das wäre dann auch zu viel des Guten. Ich erwähnte schon die chinesischen Menschen, mit denen ich arbeiten durfte. Davor, gar nicht so lange her, aber als noch die USA eines der führenden Länder dieser Erde waren, waren es auch oft amerikanische Menschen, mit denen ich arbeitete. Wie es der Zufall so will, hatten sie überhaupt keine Ahnung von Fußball, waren aber — so wie man ja auch gerne die einheimischen Speisen probiert und mindestens einmal auf einem Volksfest in der neuen Heimat gewesen sein muss — äußerst interessiert daran, mal ein Fußballspiel live im Stadion zu erleben. Als es zu dieser Zeit dann zu ihrem Unglück, was sie nicht ahnten, so war, dass die USA zu einem Testspiel gegen die Klinsmannsche Elf in Dortmund antraten, in welchem Klinsmann nach seiner 1:4-Klatsche in Florenz unbedingt auf einen deutlichen Sieg angewiesen war, um die FOTO und alle anderen Knackwurst-Experten des deutschen Fußballs zum Schweigen zu bringen, entschlossen sie sich dazu, ausgerechnet dieses Spiel, in dem eigentlich von vorneherein klar war, dass die USA nichts würden bestellen können, zu besuchen. In Dortmund, wenn mich nicht alles täuscht, damals, in der Prä-WM-2006-Euphorie tatsächlich ausverkauft.

4:1 für Deutschland endete diese Partie. Jürgen Göppingen rettete seinen Kopf vor dem Strick, wie es jene, denen Robin Hood noch den Henker per Pfeil und Bogen erschoss, nicht knapper gekonnt hätte.

Die Amerikaner indes kehrten verstört nach Hause. Eine Sportart, in der die ihrigen sogar gegen Deutschland (ein Land, in dem man nicht Baseball, nicht American Football, kaum Basketball und zwar schon lange, aber wenig erfolgreich Eishockey spielt) verloren, könnte wohl kaum, Hype hin oder her, ihre neue bevorzugte Sportart werden.

Was den Abend nach der amerikanischen Niederlage dann beschloss, war eine Frage der Hausherrin, von der ich bis heute kaum glauben kann — so unterschiedlich sind die Kulturen — dass sie sie ernst gemeint hatte, aber dem war wohl so:

If Germans „boo“, does it mean they are not satisfied with the game or with the action going on?

Ich sagte: ja.

Ich dachte, das sei weltumspannend klar, was „buh“ bedeutet, aber da hatte ich mich wieder mal getäuscht.

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Berlin! Berlin! Wir fahren nach … Köln

Tja, was singt man eigentlich mittlerweile bei einem DFB-Pokalspiel der Frauen? „Kölle“ vielleicht, um die zwei Silben zu behalten, auch wenn man diese Stadt nicht auf der zweiten Silbe betont? „Köhöln!“ wahrscheinlich nicht. Das wäre selbst für die hölzernsten Musiker noch zu hölzern. Was aber dann? Und was hat es überhaupt mit dem „Slogan“

Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!

auf sich?

Ist er nur deshalb so eingängig und wirkt so natürlich, so schon-immer-dagewesen, weil man ihn eben seit 1985 ständig und überall bei Pokalwettbewerben gehört hat?

Oder hat er doch eine noch weitergehende Geschichte als nur der DFB-Endspieltaustragungsort zu sein?

Wir jedenfalls fahren nach Köln, bekanntlich, am 15. Mai. Und treffen uns dort, wobei dort bedeutet: Sogar erst im Stadion beim DFB-Pokalfinale der Frauen und später in der Hammond Bar, um in der Afterhour ab ca. 19h des kleinen Finals das große zu schauen.

Was schließlich der Zweck des Abends sein solll: Viele Menschen treffen sich und unterhalten sich.

Ein paar andere Leute kommen auch ganz sicher und noch mal wiederholt: Jeder ist willkommen (sofern er kein Schneider ist).

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Du im WM-Endspiel (und der Dicke im Tor auch)

Trainer Baade goes viral. Wie schon öfter erwähnt, ist es eigentlich die Vorliebe des Frittenmeisters, die gelungensten Werbevideos aus aller Welt zu präsentieren. Zur WM werden wir natürlich ohnehin mit derlei Zeugs zugeschüttet werden, aber allzu lange ist es gar nicht mehr bis zum Anstoß in Südafrika, dennoch sind mir bislang nicht viele sehenswerte Werke untergekommen. Dies hier stellt eine Ausnahme dar, die ich somit dem geneigten Leser ans Videoauge legen möchte:



Voll ins Schwarze unser aller sogar heute noch auf dem Bolzplatz Spielenden. Voll ins Schwarze, was nicht jeder Spot von sich behaupten kann, der mit der WM Werbung machen will.

(Entschuldigung bitte, falls der Spot eh schon überall bekannt ist. Ich besitze keinen Fernseher.)

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