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Monat: Juli 2010

Das Who is Who des Stallgeruchs

Der Kicker hat offensichtlich sein gesamtes Bundesliga-Daten-Archiv online gestellt (bemerkt wurde das hier durch einen Tweet von Lizas Welt). Dabei fällt nicht nur auf, dass er, der Kicker, bei Strafstößen zwischen verschossenen und gehaltenen unterscheidet, sondern dass er auch den übrigen Kladderadatsch rund um einen Spieltag herum online stellt, so die „Elf des Tages“ und den „Mann des Tages“. Aus nostalgischen Gründen schauen wir uns mal kurz jene 34 aus unerklärlichen Gründen nur 32 Entscheidungen an, die der Kicker zur Frage des „Mann des Tages“ in der Saison 1982/1983 gefällt hat.

Kaum zu übersehen: abgesehen von zwei, drei Unbekannten fiel der Apfel aus jener Zeit selten weit des Stammes. Es gibt in dieser Liste aus nur einer Bundesliga-Saison mehrere spätere Nationaltrainer diverser Nationen, Jugend-Nationaltrainer, Bundesliga-Manager, Kommentatoren für diverse Medien, Trainer von Kreisklassenmannschaften im Zuge einer Fernsehshow, American-Football-Kicker aus Marketinggründen und sogar aktuelle Bundesligatrainer in der folgenden illustren Runde, die wie erwähnt immerhin aus den Jahren 1982 und 1983 stammt:

1. Spieltag Dieter Burdenski Werder Bremen
2. Spieltag keiner -
3. Spieltag keiner -
4. Spieltag Asgeir Sigurvinsson VfB Stuttgart
5. Spieltag René Botteron 1. FC Nürnberg
6. Spieltag Jürgen Milewski Hamburger SV
7. Spieltag Thomas Schaaf Werder Bremen
8. Spieltag Rudolf Kargus 1. FC Nürnberg
9. Spieltag Bum-Kun Cha Eintracht Frankfurt
10. Spieltag Edhem Sljivo 1. FC Köln
11. Spieltag Bernd Nickel Eintracht Frankfurt
12. Spieltag Manfred Burgsmüller Borussia Dortmund
13. Spieltag Harald Schumacher 1. FC Köln
14. Spieltag Felix Magath Hamburger SV
15. Spieltag Karl-Heinz Rummenigge Bayern München
16. Spieltag Horst Hrubesch Hamburger SV
17. Spieltag Bernd Wehmeyer Hamburger SV
18. Spieltag Karl Allgöwer VfB Stuttgart
19. Spieltag Reiner Geye 1. FC Kaiserslautern
20. Spieltag Bernd Klotz Borussia Dortmund
21. Spieltag Rolf Rüssmann Borussia Dortmund
22. Spieltag Asgeir Sigurvinsson VfB Stuttgart
23. Spieltag Helmut Schröder Arminia Bielefeld
24. Spieltag Jürgen Mohr Hertha BSC
25. Spieltag Bum-Kun Cha Eintracht Frankfurt
26. Spieltag Lothar Matthäus Borussia Mönchengladbach
27. Spieltag Bum-Kun Cha Eintracht Frankfurt
28. Spieltag Siegfried Grüninger VfB Stuttgart
29. Spieltag Rudolf Völler Werder Bremen
30. Spieltag Wolfram Wuttke FC Schalke 04
31. Spieltag William Hartwig Hamburger SV
32. Spieltag Jürgen Groh Hamburger SV
33. Spieltag Horst Hrubesch Hamburger SV
34. Spieltag Atli Edvaldsson Fortuna Düsseldorf

Wer einen Blick auf die Liste der Männer des Tages der letzten Saison wirft, könnte somit schon erahnen, wer im Jahr 2040 in der Bundesliga und auf den diversen Nationaltrainerposten dieser Welt sein Unwesen treiben wird.

Es sei denn, die Zeiten hätten sich tatsächlich geändert.

(Bliebe das Rätsel des ominösen „keiner“s.)

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Ein kleiner Euphemismus / steht draußen am Balkon

In Dortmund führt man jetzt Stadiondeckel ein. Während man beim ersten Lesen der Nachricht noch vermutet, dass die Nachbarn vor den Ausdünstungen all der stinkenden, schwitzenden und Alkoholfahnen verbreitenden Zuschauer im Stadion geschützt werden müssen und die kompletten 80.000 in Dortmund wie beim Lieblingsnachbarn nebenan nun ein Dach über den Kopf bekommen, klärt sich schnell auf, dass es doch nur wieder ein Marketingsermon ist:

Der „Stadiondeckel“ ist das Äquivalent zur Knappenkarte, sieht wohl optisch tatsächlich, also auf der Karte selbst angedeutet zumindest, aus wie ein Kneipen-Bierdeckel, ist aber eben nichts Anderes als eine Bezahlkarte für die gastronomischen Angebote im Westfalenstadion. Natürlich muss man erstmal Geld für die Karte an sich bezahlen und diese dann vorher irgendwo aufladen, um damit im Stadion Wurst, Pommes oder Bier erwerben zu können.

Womit wir einen kleinen, unbedeutenden Schönheitsfehler bei der Namensgebung dieser Karte entdeckt haben. Einen Deckel zahlt man nach dem Konsum von Speisen und Getränken, nicht vorher. Manchmal zahlt man ihn sogar erst Tage, Wochen, Monate später, in besonders ausgeprägten Fällen bezahlt man ihn auch nie ganz, sondern immer nur einen Teil, woraufhin man am selben Abend den Deckel schon wieder anwachsen lässt.

Keineswegs bezahlt man einen „Deckel“ in einer Kneipe vor dem Konsum der Waren.

Aber was soll’s? Nennen wir den Mond doch einfach demnächst Sonne. Haltern einfach Witten und ein Pils ein Alt. Nimmt ja eh keiner mehr so genau …

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Janusköpfige ewige Tabelle der 2. Liga

Das Problem mit der Ewigen Tabelle der 2. Liga ist:

Es ist eigentlich eine Schande, darin weit oben zu sein. Je weiter oben man ist, desto Verlierer.

Andererseits: Wenn man denn schon mal 2. Liga spielen musste, dann ist es natürlich gut, wenn man dort so viele Punkte wie möglich erreichte. Womit man automatisch eher weiter oben als weiter unten steht.

Viele Jahre 2. Liga eines eigentlichen Erstligaklubs: Ba-a-a-a-ad.

Viele Jahre 2. Liga eines kleinen Dorfklubs: go-o-o-od.

Ist es jetzt also gut oder schlecht, in dieser Tabelle eine gute Position zu haben?

Die ewige Tabelle der 2. Liga stellt scheinbar unauflösliche Interpretationsprobleme auf.

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Kicker-Stecktabelle

Bald ist es wieder soweit: Das Kicker-Bundesliga-Sonderheft wird erscheinen. Und weil man an dieser Stelle ausgeprägte hellseherische Fähigkeiten besitzt, weiß man auch schon, welche Farbe das Cover haben wird: rot.

Dazu wird dann gehören: Ein großes Interview mit einem der Bayern oder mit Magath oder mit Hitzfeld, seines Zeichens Ex-Bayer, der aber noch nie in der Lage war, überhaupt etwas zum Thema Fußball zu sagen. Dafür, dass er keine Ahnung vom Spiel hat, hat er tatsächlich ziemlich viel erreicht. Möglicherweise wäre diesmal auch Jürgen Klopp für ein großes Interview an der Reihe, dann aber müsste man fürchten, dass der Kicker nahezu Neu-68-er-Pfade beschritte. Könnte sein. Könnte aber auch nicht sein. Ist an dieser Stelle aber auch egal, weil man ohnehin jetzt nicht mehr das Kicker-Bundesliga-Sonderheft kauft. Nur wer wirklich sehr religiös veranlagt ist, würde das Sonderheft zum 2x. Mal kaufen, obwohl er immer wieder durch die nahezu heftumfassende Inhaltsleere enttäuscht wurde. Was hier nicht der Fall ist. Die Enttäuschung schon, das sehr Religiöse nicht.

Weshalb man an dieser Stelle getrost auf jemanden verweisen darf, der früher auch sehr viel und an jedem Samstagabend steckte, dann aber auch irgendwann nicht mehr wollte:

So oder ziemlich verwandt hätte man nämlich diese Betrachtung auch geschrieben, nur mit etwas höheren Jahrgängen statt jenen im Beitrag erwähnten.

Als die eigenen dann aber erreicht waren, war es ähnlich desillusionierend.

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Souveräner Gruppensieger: Österreich (ehrlich!)

Heute kaum noch vorstellbar, aber 1998 qualifizierten sich aus der UEFA-Gruppe 4 zwei Mannschaften direkt für die WM in Frankreich, die mittlerweile schon froh sind, dass die UEFA noch keine Vor-Qualifikation vor der eigentlichen Qualifikation eingerichtet hat, weil sie diese mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überstehen würden. Die Rede ist von Österreich und Schottland, wobei sich Österreich als Gruppensieger (!) und Schottland als bester Gruppenzweiter aus allen Gruppen direkt qualifizierten. Und 1998 war schließlich dieser Vorhang, der mal mitten in Europa in der Gegend rumhing, schon lange gefallen, auch die ehemaligen Sowjetrepubliken traten schon unter eigener Fahne an. Wie auch die ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens mit ihren eigenen Auswahlen teilnahmen.

Keine 12 Jahre her, also noch nicht mal eine gesamte Fußballerlaufbahn, dennoch sind beide komplett in der Versenkung verschwunden, diese durchaus einmal traditionell häufigen Teilnehmer an einer Fußball-WM.

Nachdem auch Belgien nicht mehr aus seiner Talsohle rauskommt, Irland am fehlenden Videobeweis scheitert und Norwegen seit jener WM 1998 leider keine Bäume mehr ausreißt, wäre es wohl an der Zeit, sich beim nächsten Mal ein paar andere Underdogs auszuwählen, denen man ein bisschen was zutraut. Zum Beispiel nie die Vorrunde zu überstehen, so wie Schottland, aber nun gut, immerhin sind sie fast jedes Mal höchst tragisch gescheitert.

Vorschläge für Zweitmannschaften beim nächsten Turnier? (Womit man durchaus nicht wirken möchte wie der Belzebub eines jeden „echten“ Fußballfans, wie ein „Erfolgsfan“ nämlich. Nur kann man schlecht zu einer Mannschaft halten, die gar nicht teilnimmt.) Begründung muss natürlich nicht sein, wäre aber wahrscheinlich wissenswert.

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Hitler an der Wedau

Da geht man schon so lange hin und hat doch noch nie davon gehört: Hitler hielt mal eine Rede im Wedaustadion — angeblich vor 120.000 Besuchern:

Schon vor der Öffnung des Stadions um 12 Uhr haben sich Schlangen vor den Eingängen gebildet. (…) Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr mit einem über einstündigen Aufmarsch von SA- und SS-Truppen. (…) Als anschließend Hitler vor die begeisterte Masse tritt, „erbraust minutenlang ein Orkan des Jubels gen Himmel“, berichtet am nächsten Tag die „Nationalzeitung“, das Presseorgan der NSDAP. (…) Unter den Klängen des Wessel-Liedes leert sich das Stadion ohne Zwischenfälle. (…) Bei der darauffolgenden Stadtverordnetenwahl wurde die NSDAP die stärkste Partei im Duisburger Stadtparlament.

Ganz schön geschichtsträchtig, diese neuerdings Schauinsland-Reisen-Arena genannte Stätte …

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Das Kollektiv oder Dynamo Kiew

Nachdem ich letztens (warum hatte mich niemand gewarnt?) in dem wirklich schwuppigen, nah an der totalen Banalität strauchelnden DDR-Museum war, muss ich doch mal, trotz des Wissens darum, dass Einzeldisziplinen mit viel größerer Wahrscheinlichkeit Medaillen versprachen (als wenn Medaillen bei Olympischen Spielen auch nur annähernd den Wert eines Weltmeistertitels im Fußball hätten (nein, selbst damals nicht)) fragen dürfen, die Älteren unter den Lesern:

Wie war das damals mit Dynamo Kiew?

Im DDR-Museum las ich, dass die Parteiführung gerne wünschte (ob das stimmt, weiß ich angesichts dieses geradezu lächerlichen Non-Tiefgangs dieses Museums mit der ostdeutschen Geschichte, nicht), dass die Baubrigaden auch ihre Freizeit miteinander verbringen sollten. (Wie verrückt ist dieser Wunsch? Worin begründet er sich? Der Begriff vom Lagerkoller muss doch auch damals schon existiert haben?! Ein derart unrealistisches Menschenbild kann man sich heutzutage kaum noch vorstellen, es muss aber geherrscht haben, dass überall Friede, Brigade und abends zusammen Saufen herrschen sollte. Merkwürdig.)

Wenn aber ein solches Menschenbild tatsächlich im zumindest propagierten Kommunismus, der er ja nie war, vorherrschte, wie wirkte sich das dann auf den Fußball, der dort gespielt wurde, aus?

Im ersten Moment der Kenntnis einer solchen Einstellung würde man doch annehmen, dass das dem Gesamterfolg eher zuträglich sei, selbst wenn man das Phänomen der Verantwortungsdiffusion kennt (und Günter Netzers elendige Vorwürfe an Ballack bezüglich dessen Ost-Sozialisierung erst Recht außer Acht lässt).

Ein jeder solle alles fürs Kollektiv geben, niemand solle sich besonders herausstellen. Muss fantastisch gewesen sein für jeden Fußballtrainer im Ostblock. Wie kam es also, dass nur Dynamo Kiew diese sozialistisch geprägte Spielweise mit einem internationalen Titel krönen konnte. Und wie spielten sie, damals, liebe Leser? Ich bin zu jung, um das zu beurteilen. Und dies wäre natürlich einer der Fälle, in denen es nicht reichte, einfach youtube-Videos von damals zu schauen, wenn man die Hintergründe nicht kennt.

Ich hab es damals zwar erlebt, aber keinen Begriff vom Kommunismus oder Sozialismus gehabt. Während mit zunehmendem Lebensalter selbst die schon längst vergangenen Realitäten immer plastischer werden. Aber nicht so plastisch wie von Augen- oder zumindest Fernsehzeugen geschildert.

Spielte Dynamo Kiew damals gänzlich anders Fußball als man es im Westen tat?

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Die „Welt“ sieht es ein

Eigentlich kann man darüber streiten, ob die Beiträge von WELT (online) Nährwert haben oder nicht. Was bedeutet, dass man durchaus der Auffassung sein kann, dass sie Nährwert haben. Diese Auffassung teilt aber nicht jeder, z. B. nicht die Redaktion von Welt online, denn sie gibt sich große Mühe, ihre eigenen Inhalte zu verdecken.

Man kennt als im Netz Publizierender dieses Gefühl, diesen dunklen Schatten, diese Ahnung, dass man vielleicht gerade nicht den besten und auch nicht den zweitbesten Text seines Lebens geschrieben hat, welche einen aber immer erst beschleichen, wenn man schon auf den „Publizieren“-Button geklickt hat. Der wird wohl im CMS von Welt online anders heißen als bei WordPress. Denn offensichtlich existiert in jenem CMS, welches Welt online verwendet, eine Schutzfunktion für nicht so tolle Beiträge.

Diese werden schwupps einfach von Werbung überdeckt, so dass die wenigsten Besucher den aus Autorensicht Fehler machen, einen Beitrag dann auch aufzurufen.

[photopress:welt_loew_zwanziger_werbung.jpg,full,centered]

So etwas sollte man sich für diese Seite hier auch überlegen. Allerdings mangelt es dafür an einer ausreichenden Zahl an Werbungseinheiten. Man sieht mal wieder: keine Werbung bedeutet nur Nachteile.

(Und nein, das ist nicht die bei drüberscrollen ausgerollte Version der Werbung. Die sieht nämlich so aus: )

[photopress:welt_loew_zwanziger_werbung2.jpg,full,centered]

Es gäbe diverse Produkte, bei denen man sich wünschte, dass der komplette Inhalt von Werbung überdeckt wäre. Aber: ja, es zwingt einen ja niemand.

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„Jogi Löw informierte seine Spieler per SMS“

Bliebe die Frage, ob die Zeitungen 1905 auch titelten, dass irgendein Trainer seine Spieler per Telegramm informiert habe, oder dass Helmut Schön 1966 seine Spieler per Telefon informiert habe. Als diese Techniken jeweils noch ziemlich neu nicht bei allen Nachrichtenschreibenden in Fleisch und Blut übergegangen waren.

Ist der Weg der Übermittlung einer Information jetzt schon eine Schlagzeile wert? Oder lässt es vielmehr darauf schließen, dass der oder die Verfasser oder -in einer solchen Sentenz es immer noch nicht glauben können, dass selbst Angestellte des DFB bereits im Jahr 2010 (oder sogar erst 1995) angekommen sind? Gar deshalb, weil sie selbst dort noch nicht so wirklich verweilen?

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Kees Jaratz‘ Still-Leben auf der A40

Wer heute nicht weiß, was er morgen tun solle, oder wer sich schon entschieden hat, das Still-Leben der A40 (dem „Ruhrschnellweg“) zu besuchen, aber nicht weiß, welche Tische er aufsuchen soll, dem sei diese Aktion von Kees Jaratz vom Zebrastreifenblog ans Herz gelegt:

Das Fan-Gedächtnis des MSV Duisburgs, an dem sich selbst Menschen beteiligen könnten, die den MSV abgrundtief verachten — oder denen er herzlich egal ist. So ein Fan-Gedächtnis sollte ja möglichst von allen Seiten gefüttert werden, um es ganzheitlich werden zu lassen.

Also, Block 8. Kilometer 42,2. Tisch 34, Sonntag, 18.7.2010.

(Kees Jaratz wäre übrigens allein schon eine Stippvisite wert …)

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