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Monat: Oktober 2010

Die aktuelle Tabelle …

… der Bundesliga aus der Saison 2030/2031:

1 Red Bull Soccering
2 Mercedes
3 Nestlé
4 Mercedes II
5 Renault
6 Force Brazil
7 Wal-Mart
8 Siemens
9 Oracle Bronx
10 Soilent Green
11 Kind Hörgeräte
12 Mitsubishi

Das nächste Spielwochenende findet übrigens vor der malerischen Kulisse der Seychellen stand. Seit der Reduktion auf nur noch 12 Teams in der Bundesliga werden an den Spielwochenenden parallel stattfindende Partien völlig vermieden, so dass die jeweiligen Sponsoren sicher sein können, die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer zu finden. Zudem ist es nun problemlos möglich, 1 Partie freitags, 3 Partien samstags und 2 Partien sonntags auszutragen, so dass auch keine beim Konsumenten freie Zeit mehr verschenkt wird. Nach Einführung der jeweils 2 Auszeiten pro Team pro Drittel und der damit verbundenen Verlängerung der durchschnittlichen Dauer einer Begegnung sind nun alle rundum zufrieden. Punkte gibt es in dieser Tabelle übrigens nicht, da der Tabellenstand nach Sympathie bei den weltweit wohnenden Zuschauern ermittelt wird. Die letzte Tätlichkeit ereignete sich übrigens in der Saison 2014/15, damals waren allerdings noch Fußballer auf dem damals noch Rasen, heute sind es Schauspieler auf Kunstrasen, der aber echter aussieht als es Rasen je könnte. Schwalben allerdings beherrschen die Schauspieler nicht, diese wurden schon 2021 aus dem Dramaturgiereservoir gestrichen, Umfragen zu Folge sei die damit zur Schau gestellte Amoralität familienfeindlich gewesen. Die insgesamt 20.000 Tonnen schwere Stadionatmosphärensimulationsanlage wird nach diesem Spielwochenende auf den Seychellen übrigens nach Tampa Bay geflogen werden, wo man seit der Saison 2027/28 nicht mehr auftrat.

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You don’t feel as I do

Auch wenn sie jegliches Recht dazu haben: Besonders schmerzhaft ist es, nach Niederlagen zu erleben, wie Mitspieler und -verlierer sich duschen, beim Anziehen darüber diskutieren, wohin sie heute Abend noch ausgehen werden, dann in ihre Personenkraftwagen steigen und davonrauschen, als sei nichts passiert, um sich von nun an dem nächsten Programmpunkt des Tages zu widmen.

Man wird das Gefühl nicht los, dass aus diesem Holz auch viele Fußballer geschnitzt sein könnten.

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Türkiye, Türkiye!

Man weiß nicht so genau, wen der Interviewende hier eigentlich hops nehmen will:

Seinen Gesprächspartner, möglicherweise sich selbst, die Leser oder doch noch mal ganz spät Heribert Faßbender.

Herr Morena, Ihre Familie stammt aus Italien. Was heißt Kapitän auf Italienisch?

Capitano. Inhaltlich übersetzt bedeutet es wie im Deutschen Mannschaftsführer.

Vielleicht auch Jürgen Klinsmann …

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Die Ukraine und die Euro 2012: Alles nur ein Irrtum

Hier der Beweis, dass die Ukraine gar keine Fußball-Europameisterschaft 2012 ausrichten wollte. In der Ukraine erlag man beim Ausfüllen des Antrags auf die Austragung der Europameisterschaft 2012 einer schlecht von translate.google.com übersetzten Version, in der eindeutig von einer Tanz-Europameisterschaft die Rede war. Das Beweisvideo, mit dem sich die Ukraine beworben hatte, ist sogar noch öffentlich zugänglich:



Als man schließlich den Zuschlag erhielt, war man so überrascht, dass man plötzlich vier astreine, piekneue Stadien vorweisen sollen können müsste und dass es sich um Fußball handeln würde, dass man erstmal viereinhalb Jahre lang gar nichts tat. Mittlerweile hat man sich von diesem Schock erholt und dem für die fehlerhafte Übersetzung verantwortlichen Mitarbeiter sogar wieder den Betonklotz vom Fuß entfernt. Extra ausgebildete Taucher des ukrainischen Militärs führten diese Aktion durch, inzwischen wird der Angestellte sogar als Volksheld verehrt. Auch seine Witwe ist froh über die neue Entwicklung.

Dass man in der Ukraine eher schlecht als recht Fußball spielen kann (zuletzt unter Anderem ein 2:2 gegen Kanada), hört man aus zuverlässigen Quellen in der Ukraine selbst, sei nicht so schlimm: Schlechter als die Schweiz und Österreich werde man schon als Gastgeber nicht auftreten. Außerdem gebe es da ja so ein Phänomen warmer und kalter Kugeln bei diversen Auslosungen …

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Weltkarte der WM-Erfolge

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Infografiken sind ein wenig aus der Mode gekommen, der Zeitgeist ändert sich ja immer schneller. Hier dennoch mal wieder eine von ihnen: die WM-Erfolge der Länder der Erde visualisiert, womit auch gleichzeitig dargestellt wird, welche Länder überhaupt schon einmal teilgenommen haben. Viele weiße Flecken noch in Asien und Afrika.

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Völlers 100 Jahre Einsamkeit

Das ist mal wirklich ein Fall für die Rubrik „Zettel-Ewalds Sammelsurium“:

Als Rudi Völler aufhörte mit dem Fußballspielen, da ließen sich die Granden der Branche nicht lumpen. Zum Abschied schenkte man ihm unter Anderem Folgendes:

  • ein Buch „100 Jahre KSC“ vom Karlsruher SC
  • einen Kugelschreiber in Schmuckschatulle von Bayer Uerdingen
  • ein Lebkuchenherz vom Rummelplatz vom FC St. Pauli

Dabei war das gerade mal 1996, also vom Heute gar nicht allzu weit entfernt. Dennoch strömte damals wohl der Duft von „Kaffeeservices“ und Fönen für italienische Schiedsrichter noch durch die Bundesliga.

100 Jahre KSC, das klingt hier wirklich eher wie eine lange abzusitzende, kaum auszuhaltende Strafe denn wie ein Geschenk. Ob Völler das Buch je auch nur aufgeschlagen hat, ist nicht bekannt.

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Engländer in langen Hosen?

Jupp, der … lassen wir diesen billigen Witz mit Bart. Jupp Derwall ist leider letztens von uns gegangen.

Hinterlassen hat er immerhin einen EM-Titel. Das ist mehr als Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Erich Ribbeck und Jogi Löw zusammen an Titeln gesammelt haben. Damit das nicht unterschätzt wird, muss man das ja auch mal aussprechen. Diese ganzen dritten Plätze, man kann mittlerweile das eigene Bad damit pflastern, aber einen Titel haben sie bislang nicht erreicht. Rudi Völler wurde beim Heimkehren noch gefeiert wie ein „ein Rudi Völler“, auch bei Klinsmann jubelte man noch. Nach dem verlorenen EM-Finale 2008 ließ man sich auf schäbigste Weise — nämlich indem man einen [Piep] namens Pocher den Gegner, der einen allerdings gerade geschlagen hatte, und das nicht gänzlich unverdient, verspotten ließ — noch in Berlin feiern. 2010 hatte man dann endlich eingesehen, dass man mit all dem erfolgreichen, in letzter Konsequenz aber unterlegenen Fußball Jupp Derwall (und auch Berti Vogts) immer noch nicht das Wasser reichen konnte.

Gut, das mag auch ein wenig damit zu tun haben, dass man es in Spanien mit Dopingverfolgung nicht so genau nimmt. Aus genau den selben Gründen aber wurde schließlich Deutschland 1954 Weltmeister. Wer heute noch an die Sage von den Eisenstollen Adi Dasslers glaubt und die Spritzen, die Gelbsucht etc. ignoriert, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Nicht mehr zu helfen, womit wir bei einer Nation wären, die fußballerisch abgesehen von einer Schiedsrichterfehlentscheidung in einem Heimspiel eigentlich noch nie überhaupt irgendetwas gerissen hat (selbst die Russen sind schon Europa- und drei(!)facher Europa-Vizemeister): England.

Womit wir zum Ausgangspunkt zurückkehren, denn jener Jupp Derwall, der 1980 Europameister wurde und letztens leider verschied, trat einmal bei einem Länderspiel gegen eben jene Engländer an. Und was sehen wir da (abgesehen davon, dass auch der Rest der Galerie klickenswert ist, weil dort Bilder mit Seltenheitswert zu sehen sind)? Die Engländer spielten in langen Hosen.

So kann das natürlich nix werden im Weltfußball.

(Bild Nr. 15 ist übrigens in Kürze in einer Sonderausgabe der 11Freunde zu erwarten. Offensichtlich gab es noch keine Wasserwaagen zu jener Zeit. Die Brille ist übrigens nicht in 3D, trotzdem erweckt sie den Eindruck, im nächsten Moment aus dem Bild zu fallen.)

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Vom Kahnbein zum Schleimbeutel

Oder: Fußball hat mich unfreiwillig zum Medizinmann gemacht.

Ich will es nicht wissen, wirklich nicht.

Ich plädiere dafür, ganz im Sinne einer Reduzierung des Informations-Tsunamis in heutigen Tagen die Informationen darüber, warum ein Spieler nicht auflaufen kann, auf die folgenden zwei Möglichkeiten zu beschränken:

a) krank
b) verletzt

Bitte kreuzen Sie an. Das reicht dann auch an Informationen.

Möglicherweise darf eine Prognose, wie lange a) oder b) noch andauern werden, hinzugefügt werden, gehörte aber nicht zwingend dazu.

Alles Weitere, insbesondere unter a) (Speziell Magen-Darm-Grippen interessieren grundsätzlich gar nicht, weil sie auch sehr an die eigene Verletzlichkeit erinnern) oder b) (Hätte ich Anatom werden wollen, hätte ich Medizin studiert) zusätzlich Angegebene ist redundant und gehört in die Kategorie der Dörfer, aus denen Schiedsrichter stammen: überflüssig!

Bitte verschonen Sie mich in Zukunft mit Nennung von Körperteilen und -elementen, die niemand je zuvor gehört hatte, und die auch nie jemand danach wieder hören wollte.

Kahnbeine und Schambeine, Schleimbeutel und Reizungen, Patella-Sehnen und Knochenköpfchen, eitrige Erkältungen, tropische Infektionskrankheiten, Masern vom dritten Sohn, Dünnschiss oder einfach Fieber — alles Wurscht.

(Kann er) Spielen oder nicht spielen, das ist hier die Frage!

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Der schnellste Torwart der Geschichte

Hatten wir gerade erst gesehen, wie ein Torwart einen Ausflug erfolgreich absolviert, sehen wir hier, wie ein weiterer Torwart eine andere Art von Erfolg nach dem Verlassen seines Tores feiert.

Es geht ja immer in zwei Richtungen.



Ob dieses Video nicht doch irgendwie manipuliert ist, ist nicht sicher. Ist es das nicht, sollte man dem werten Mann vielleicht ohnehin eher einen Job als Feldspieler anbieten. Konterspezialist.

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Die Null muss stehen (und sie steht wieder)

Die Null muss stehen.

Denn sonst hätte der weinerliche [Piep*] wohl schon just bei seiner Wiederwahl erneut mit Rücktritt gedroht. Die Null, das ist die Zahl der Gegenstimmen, die der tapfere, sich fürs gesamte Volk (deshalb auch das Bundesverdienstkreuz) aufopfernde Mann erhielt, als er sich nach reiflichem längerem und äußerlich wunderbar in Szene gesetztem Abwägen dann doch dazu bereit erklärte, noch mal in Horst Schlämmers Rolle („Isch kandidiere!“) zu schlüpfen.

Es sei ihm nicht leicht gefallen, und manches wiederum sehr schwer in letzter Zeit etc. pp. ad lib. Bekenntnisse, bei denen unklar bleibt, an wen sie eigentlich gerichtet sind: Redet er dort mit sich selbst? Mit seiner Frau vielleicht, die möglicherweise doch anders als kolportiert gegen eine erneute Kandidatur war?

An sein 255-köpfiges Stimm- und Fußvolk können diese Worte unmöglich gerichtet gewesen sein. Erstens gab es ohnehin keinen Gegenkandidaten. Zweitens müssten schon Sodom und Gomorrha gleichzeitig auftauchen, damit sich beim DFB überhaupt mal etwas bewegt, und wenn es nur in den Köpfen wäre. Und diese beiden Gesellen können zur Zeit schlecht gemeinsam kommen. Sodom sitzt seit einiger Zeit in seinem Hotel in Augsburg und schmiedet Schlachtpläne, Gomorrha sitzt auch, aber in Bochum ein.

Waren also beide schon da, und auch wenn man Zweiteres nicht unbedingt dem Zwanzigsten anlasten kann: Nicht eine einzige Enthaltung gab es für den Elefanten im Vertragsverlängerungsladen. Der so schnell gekränkt ist, dass er inzwischen das ausrangierte Rote Telefon aus dem Weißen Haus auf seinem Schreibtisch in der Otto-Fleck-Schneise stehen hat: der direkte Draht zur Kanzlerin, für den Fall, dass er sich mal wieder auf einem Foto vermisst.

Viel schlimmer aber, als all die Nullen (bei den Auszählungsergebnissen, versteht sich) beim DFB ist, dass auch auf der anderen Seite die Null steht. 7 Millionen Mitglieder — und nicht viel mehr als 0% nehmen überhaupt Notiz davon, was in ihrem Verband passiert. Bis nach Zürich bräuchte man da ja gar nicht erst zu blicken. Überhaupt mal einen Funken Interesse für den eigenen Laden aufzubringen, das wär fürs Erste ja schon mal schön. Von innen heraus darf man da wohl keine Änderung erwarten. Die Null steht.

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… und immer diese Fangesänge

40 Jahre lang in einer Band E-Gitarre spielen und dabei 80 Jahre lang während der Proben ohne Hörschutz vor dem Verstärker stehen, 120 Jahre lang in einer Großstadt leben, 160 Jahre lang nicht nur gesund leben und 200 Jahre lang im Stadion den Ultras zuhören haben bei mir zu folgendem Ergebnis beim Online Hörtest bei „Kind“ geführt:


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Und Ihr so?

(Nein, weder viral noch überhaupt Werbung.)

Diese Ultras! Das Gehör schädigen sie offensichtlich dann doch nicht — nur das Gehirn, mit ihren elendigen, fiesen Ohrwürmern, gegen die die moderne Medizin anders als bei Hörschäden noch kein Mittel kennt. Ist man mal wieder im Stadion gewesen, bekommt man diese Melodien tagelang nicht aus dem Ohr. Äh, aus dem Hirn.

Hört Ihr mich?

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Die kontemplative Kunst des Ballballetts

Yves Eigenrauch sagte mal, dass er Spiele gar nicht so mochte. Er habe damals lieber trainiert, denn Spiele seien so langweilig gewesen. Das mag sicher nicht für die Highlights seiner Karriere gegolten haben, als er den großen Ronaldo einigermaßen unter Kontrolle brachte und anschließend in die Annalen des Weltfußballs einging, indem er einen internationalen Titel gewann. Doch für den normalen Ligabetrieb und ganz besonders für Vorbereitungsspiele gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass Eigenrauch Recht haben könnte. 90 lange Minuten, und davon hat man, wenn es hoch kommt, 90 Sekunden lang den Ball unter Kontrolle. Will man aufs Tor schießen, ist immer schon ein Verteidiger da, man kann nicht ganz so zielen wie gewünscht, man muss Abstriche machen beim perfekten Torschuss, den man eigentlich gerade abliefern wollte. Dazu kommt der Aufwand, sich stundenlang vor der Partie schon für diese vorbereiten zu müssen, bei Auswärtsspielen natürlich verschärft, aber auch bei Heimspielen kann man nicht wie bei einem Training mal eben so 15 Minuten vor Beginn in die Kabine huschen. Seltsame Marotte des deutschen Fußballs: Anzunehmen, dass jemand, der täglich Fußball spielt, sich stets in tibetanischer Mönchsmanier auf ein Spiel vorbereiten müsse. Dabei sind die Abläufe eines Spiels doch so tief in seinem Hirn verankert, dass man davon ausgehen darf, dass er oder sie dies auch ohne große Vorbereitung abzurufen in der Lage ist. Noch dazu hätte man ja die ganze Woche Zeit gehabt, die Taktiken und Strategien für die Partie vorzubereiten, so dass eine letzte Mannschaftsbesprechung („… und schon gar nicht von Polen!“) eigentlich überflüssig wäre, wenn es da nicht dieses Mantra gäbe, dass jemand, der um 15.30h ein Spiel bestreiten muss, auf keinen Fall noch um 11h shoppen oder um 12h einen Kaffee im Café trinken gehen darf. Was maximal erlaubt ist, ist Musik. Um sich aufzuputschen, weil Captagon ja seit Längerem nicht mehr geht. Musik mit Sternchen dran, denn natürlich kann sich niemand auf diesem Planeten und wohl auch nicht auf den restlichen Planeten dieses Sonnensystems ernsthaft vermittels einer Mannheimer Heultröte aufputschen, die noch dazu ständig christlichen Sermon in ihre Texte einfließen lässt. Wo doch jeder weiß, dass der Fußballgott Atheist ist.

Pünktlich da sein muss man, so tun, als hätte man Bock auf Small Talk mit den Kollegen und dann muss man doch 88,5 Minuten lang nur hinterherhecheln, sich über nicht erfolgte Zuspiele ärgern, als eigentlich der richtige Moment da gewesen wäre, oder noch schlimmer, man muss zugeben, dass in jenem anderen Moment den Ball eben nicht unter Kontrolle gehabt zu haben, zum Kopfballgegentor führte. Man spielt mit und macht Fehler, obwohl man das Ding nicht mal berührt. Das kann schon sehr frustrierend sein, weshalb Spiele manchmal nicht nur langweilig, sondern eben auch die Laune verderbend sind. Das ist natürlich das Berufsrisiko eines jeden, der solch ein Spiel zu seinem Beruf macht. Das Training allerdings ist wohl selten dazu geeignet, die Laune und somit den restlichen oder den folgenden Tag vollständig zu verderben. Noch dazu laufen die wenigsten Trainings so ab, dass man nur 90 Sekunden lang den Ball unter Kontrolle hat. Viele Übungen werden zu zweit durchgeführt, so dass man quasi 50% der Zeit über den Ball verfügt (was nicht mal nicht ganz, sondern gar nicht stimmt, denn auch dann ist der Ball den Großteil der Zeit im Raum unterwegs, was aber, wie der aufmerksame und bemühte Selbstfußballspieler weiß, immer noch als „unter Kontrolle habend“ empfunden wird, so lange der Ball den gewünschten Weg absolviert). 50% von vielleicht 90 Minuten versus anderthalb Minuten.

Dazu kommt das ausgemacht Kontemplative der Einspielübungen zu zweit, wenn man sich über längere Distanz den Ball zuspielt, ganz simpel, hin und her. Von außen betrachtet, wenn vielleicht 20 Menschen aufgereiht stehen und sich hin und her die Bälle zupassen, die Bälle im hohen Bogen durch die Luft fliegen, hat es fast etwas von einem einstudierten Ballett, zumindest aber etwas von angenehmer, beruhigender Ordnung, das Leben im Fluß des Busfahrplans, sofern die Spieler die Bälle exakt spielen; es wirkt entspannend, beim Zusehen als auch beim Ausüben. Kein Gegenspieler weit und breit stört den Flug des Balles, und keiner stört am Ende, wenn der Ball wie von Magneten unter dem Rasen angezogen mit einem kurzen, aber satten Ploppen am Fuß des Empfängers kleben bleibt, woraufhin dieser ihn mit der selben Unbedrängtheit wie Selbstverständlichkeit in eben jener Präzision zurückspielt, die ihm nicht gelänge, wenn dies kein Training, sondern ein Spiel wäre.

Natürlich braucht man dann und wann auch das Adrenalin, auch den Schweiß, die Beschimpfungen, die Hacken und die üble Fratze sowie seine ihm auf die Stirn geschriebene Dummheit des Gegners, die selbst für ordentlichen Trash Talk zu wenig Vokabular zu speichern in der Lage ist, die lächerliche Frisur und die noch lächerlichen Versuche, sich mit ungeschickten Foulspielen einen Vorteil zu verschaffen, den Reiz, dass den einen oder anderen Ball vor dem Gegner zu erlangen, bei ihm genau jene Frustration auslöst, die man ihm so sehr wünscht, und wegen derer Yves Eigenrauch möglicherweise eben auch lieber trainierte als zu spielen.

An den meisten Tagen in der Woche ist es aber völlig in Ordnung, nur das kleine Ballett zu aktivieren, den Kugeln beim Hin- und Herschweben zuzuschauen oder sie selbst zum Schweben zu bringen. Man muss den Partner, den man an diesem einen Trainingsabend hat, nicht mal mögen, um zu genießen, wie die Flugbahn der Bälle ein kleines Lächeln in die Gedanken zaubert, das man nicht rauslässt, weil man nicht den halben Tag grinsend auf dem Trainingsplatz stehen möchte, das kein Zuschauer im Stadion bei einem Spiel sehen kann, das aber nach innen leuchtet, genauso wie der nur kleine Tropfen Schweiß auf der Stirn, den man beim Ballett nun mal so produziert.

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