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Monat: Oktober 2010

(In eigener Sache — Hinweis zur Nacht)

Die Webseite wird von heute 23h bis morgen um 8h nicht erreichbar sein. Bitte nicht den Panik-Button drücken, sondern einfach mal ausnahmsweise früh ins Bett gehen und am nächsten Tag ab 8h wieder reinschauen. Danke. Bitte.

(Dieser Beitrag wird sich am 21.10.2010 um 8h selbst zerstören. Vielleicht auch etwas später.)

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Der mal wieder kreative Slogan der EM 2012

Während man bei der EM 2008 noch mit „Erlebte Emotionen“ glänzen konnte, was hier ausreichend gewürdigt wurde, haben Polen und die Ukraine den Wettkampf um den möglichst inhaltsleersten Slogan für ein Fußballturnier wagemutig und voller Tatendrang angenommen. Und siehe da: Touché. Denn Emotionen, wie sie noch die Österreicher und Schweizer ins Spiel brachten, gibt es schon in der Bundesliga, speziell in den Interviews dazu, ausreichend. Geschichte aber, die man kreieren will, indem man einfach ein paar Leute gegeneinander Fußball spielen zu lassen beabsichtigt, das ist zwar nicht inhaltsleer, aber in der Frage der Beliebigkeit des Slogans doch eine Fußspitze weiter vorne als die „Erlebten Emotionen“.

„Creating History Together“

So lautet der Slogan der EM 2012 in Polen und der Ukraine. Allerdings auch jener der Solarzellenproduzentenmesse in Flensburg im Sommer 2011. Wie auch jener des Architekturwettbewerbs der Universität von San Diego. Und natürlich der Stiftung gegen Analphabetismus in Kinshasa.

Nichts in dem Slogan hat auch nur ein Jota Bezug zu Polen oder der Ukraine, und auch nicht zum Fußball. So geht das, wenn man nichts sagen will, das aber nicht gleich so aussprechen möchte. Dieses Vorhaben ist gelungen.

Man sieht, der Fußball und vor allem sein Drumherum sind mal wieder an Kreativität nicht zu unterbieten, und die Leute, die das verzapfen, sind auch noch stolz drauf, dass sie einen Slogan wie ein Ed von Schleck nach 20 Minuten im Death Valley gefunden haben: eine weiche Soße auf dem Boden, mit der keiner mehr etwas Sinnvolles anfangen kann.

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Torhüter-Non-Kopfballtore sind rar

Wenn der Torwart dann mal trifft — und es ist kein Kopfballtor, dann ist das bemerkenswert. Weshalb es hier auch kurz erwähnt wird, obwohl man sich angesichts der spärlichen Besucherzahl, des merkwürdig zögerlichen Abschlusses des Torwarts und nicht zuletzt weil es aus dieser Schwuppi-Liga kommt, nicht so richtig drüber freuen kann.

Ein Torwart-Tor, das nicht aus einem Kopfball resultiert, ist aber stets einen Blick wert, also blicken wir:


Gegähnt — zwischen der Ballannahme des Torwarts und seinem schließlichen Schuss — bei fanartisch, dem treuen und herzigen Blog aus dem Münsterland, welchem wir hiermit auch nachträglich zum fünften Geburtstag gratulieren. Noch älter als Trainer Baade, da wird einem schon mal kalt ums Herz.

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Albtraum Gottmar

Hach, da geht einem eigentlich das Herz auf. Natürlich etwas boulevardesk, dennoch außerhalb der üblichen Schablonen formulierte eine schweizer Zeitung vor der für dessen weitere Zukunft sehr wichtigen Partie der Schweiz von Ottmar Hitzfeld gegen Wales — und dann isses den Alteingesessenen auch wieder nicht Recht.

Mit den Worten „außer Kontrolle irrlichternd“ straft die NZZ die famosen Wortspiele ab, welche sich ein Blättchen ausdachte, um ein bisschen Stimmung zu machen. Wortspiele, die man so hier nie läse — weil hier kaum jemand französisch versteht.

Man vergisst ja immer wieder gerne, welch Glück es für den Fußballinteressierten ist, dass es noch grob gerechnet zwei weitere Länder gibt, deren Fußballpresse und -interviews man auch noch ohne Google Translate zu bemühen einfach so lesen kann.

Vor allem welsche Medien übten nach der 0:1-Niederlage in Montenegro harte Kritik – auch an Ottmar Hitzfeld. Ein ausser Kontrolle irrlichterndes Gratisblatt schrieb von «Witzfeld» und verwandelte den Übernamen «Gottmar» vor dem Wales-Spiel in «coachmar» – in Anlehnung an das französische Wort für Albtraum («cauchemar»).

Es lohnt sich häufig, über den Bodensee zu surfen und am virtuellen Kiosk einzukaufen zu stöbern.

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Erstaunlich offenherzig, erschreckend kurzsichtig

Beinahe die Essenz für die Gründe der Existenz dieser Webseite hier ist in den schönen Worten einer kurzen Nachricht zum weiteren Verbleib von Jens Keller beim VfB Stuttgart enthalten:

Über seine Zukunft werden laut Bobic die Ergebnisse in den kommenden Wochen entscheiden.

Wer braucht schon ein Anforderungsprofil? Das müsste man ja dann eventuell noch mit einem Kandidaten abgleichen. Kokolores. Was im Fußball zählt, sind Ergebnisse. Welche bekanntlich viel weniger vom Zufall abhängen als längerfristige Planungen.

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Die wichtigste Person im Leben eines Fußballers

… ist ein Bäcker.

Kein konkreter Bäcker, sondern der nur eventuell existierende, den man gerne erwähnt, wenn man gefragt wird, warum man ein Spiel nicht verloren geben wollte, warum man in der Nachspielzeit noch das Siegtor gegen den Underdog geschossen hat.

Man hätte ihn am nächsten Montag nicht aufsuchen können und wäre entweder verhungert oder hätte bis zum Mittagessen warten müssen.

Möglicherweise ist ein Bäcker im eigenen Stadtviertel so etwas wie der Yeti oder der Heilige Gral. Gesehen hat ihn noch nie einer, aber alle sprechen von ihm. Kafkaesk, diese Fußballer.

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Korrekturspalte: Vom „Chancentod“ Gomez

Man sollte darauf vertrauen, wenn man dieses leichte Kräuseln der Kopfhaut verspürt, während und kurz bevor man irgendwo auf „Absenden“ klickt, sei es nun bei einem Blog-Beitrag oder auch nur einem Tweet. Ich hatte dieses ungute Gefühl, als ich den Tweet bezüglich Mario Gomez‘ Torerfolg plante, dummerweise, man sollte es doch wirklich inzwischen gelernt haben, ungeprüft von einem Fernseh-Kommentatoren übernommen. Ob es nun Oliver Schmidt sagte oder jemand der späteren Moderatoren, ist nicht mehr bekannt. Es ist auch irrelevant, weil es einfach falsch ist. Und das hätte man ahnen können angesichts der Flut an inhaltlichen Fehlern, die viel zu selten nur korrigiert werden. Die Leser meiner Tweets hingegen wussten es zu großen Teilen besser.

Zumindest nämlich hätte der Zusatz gefehlt, dass es Mario Gomez‘ erstes Pflichtspieltor seit 2007 (damals gegen San Marino) war. Und nicht das erste Tor überhaupt seit 2007, denn da standen noch die Treffer gegen Dänemark, gegen Ungarn und auch z. B. gegen die Schweiz dazwischen.

Keine Statistik, selbst gefälscht.

Es ist gar nicht so, dass irren nicht menschlich wäre, und vielleicht liegt dieser Irrtum ja auch schlicht auf meiner Seite, weil ich den Zusatz „Pflichtspiel-“ überhört habe. Es würde mich aber nicht wundern, wenn dem nicht so wäre.

Um genau zu sein, hat Mario Gomez seit er 2007 in der Nationalmannschaft debütierte, in jedem Jahr Tore für die Nationalmannschaft erzielt. Aber das passt natürlich nicht so schön dazu, wenn man jemanden dissen will.

Danke an alle Twitterer für ihre jeweiligen Korrekturen.

Siehe auch: Gomez‘ Torlos-Jahr.

PS: Und noch besser ist diese nur leicht veraltetete Statistik zum Thema bei kickwelt.de [Link leider tot.], insbesondere die letzte der drei.

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Über den Dächern von Budva

Der aktuelle Tabellenführer der montenegrinischen Prva Crnogorska Liga spielt in einem Stadion, das gerade mal 4.000 Zuschauer fasst. Allerdings nicht mehr lange:

The stadium will be demolished soon, and on that place will be start works on new hotel, on which the roof (4th floor) will be situated new stadium, with capacity of 15,000 seats.

„Will be start works“ verstehe ich zwar nicht so ganz, aber die folgende Aussage schon. Das Stadion wird auf dem Dach eines Hotels erbaut werden. Da wird der Heimclub FK Mogren also stets ganz oben sein.

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Unbekanntes aus … dem Europapokal der Pokalsieger

… dem Europapokal der Pokalsieger.

Nun, die beiden mittleren Informationen dürften so weit bekannt sein, nicht aber die Serie, die sich um diese beiden mittleren Ereignisse schlingt. Von 1965 bis 1968 war vier Mal in Folge eine deutsche Mannschaft im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Zu einer Zeit, als man erst noch gar keinen, dann erst einen und dann immer noch nur erst zwei Europapokale wettbewerbsübergreifend gewonnen hatte.

1965 West Ham United — TSV 1860 München 2:0
1966 Borussia Dortmund — FC Liverpool 2:1 n. V.
1967 FC Bayern München — Glasgow Rangers 1:0 n. V.
1968 AC Mailand — Hamburger SV 2:0

Okay, hätte man wissen können, wenn man fleißig diesen Beitrag auswendig gelernt hätte, aber wer tut sowas schon?

Eine vergleichbare Serie gab es noch einmal von 1974 bis 1977, als erst der FC Bayern München drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewann und Borussia Mönchengladbach im Finale von 1977 gegen den FC Liverpool verlor.

Ähnliche Serien von italienischen Mannschaften aus den 1990er Jahren hingegen interessieren nun wirklich niemanden.

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Neue Innovationen in der Trainingslehre

Ein Trainer muss seine Mannschaft ja einerseits immer mal wieder überraschen und andererseits auch bei Laune halten. Deshalb wird heute nicht gebloggt, ihr braucht Euch gar nicht umzuziehen.

Wir gehen jetzt in die Innenstadt ins Café und trinken einen Kaffee zusammen. Der Trainer zahlt.

(Erwähnt das aber bitte später unter „Anekdoten“, wenn rückblickend mein Wirken beschrieben wird.)

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Eurovision Football Contest

Ich habe immer mal wieder in Zwiegesprächen oder bei Twitter darauf hingewiesen. Oft erntete ich Erstaunen.

Ab der EM 2016 werden 24 Teams an der Europameisterschaft (in Neusprech: „Euro“) teilnehmen.

Das ist eine Katastrophe.

Nicht nur bringt es die Soße zurück, dass sich 16 von 24 qualifizierten Teams für das dann neu einzuführende Achtelfinale qualifizeren und somit die „vier besten Dritten“ aus sechs Gruppen à vier Teams weiterkommen, während die schlechteren zwei Dritten ausscheiden, was es möglich macht, mit einer Niederlage und zwei Remis weiterzukommen, statt, wie es eigentlich sein sollte in einer Vorrunde, auszuscheiden.

Es verändert (vielleicht) auch die Qualifikation für die Europameisterschaft völlig.

Noch ist zwar nicht klar, wie das geschehen wird. Man könnte ja auch das alte System beibehalten und einfach die Gruppenzweiten sich ebenfalls qualifizieren lassen. Wie es früher war, als die Knute der UdSSR noch dafür sorgte, dass 10 bis 15 heute teilnehmende Nationen kein eigenes Team stellen durften und Jugoslawien noch ein solches war, man aber x Teilnehmer für eine Weltmeisterschaft suchte. Das wäre gut.

Bei nur 53 UEFA-Mitgliedern bedeuten 24 Teilnehmer aber, dass sich fast jede zweite Nation für das Endturnier qualifiziert, was durchaus gänzlich andere Qualifikationswege denkbar werden lässt. Zum Beispiel eine Vorqualifikation der Kleineren mit anschließendem 1:1-Playoff, zusammengestellt nach der Platzierung in der völlig lächerlichen Coca-Cola-Weltrangliste der FIFA. Oder Dreier-Gruppen oder Vierer-Gruppen. Mit anschließendem weiteren Playoff. Oder ein Setzen der 12 besten, auf dass die Übrigen eine herkömmliche Qualifikation ausspielen. Alles noch nicht klar, eine Änderung der Verhältnisse ist aber definitiv.

Und wer gestern und auch am Freitag schon die EM-Qualifikation verfolgt hat, wenn auch nur mit halbem Auge, der kommt nicht umhin, diese möglichen Änderungen zu bedauern: Es wird kein 1:1 von Färöer gegen Nordirland mehr geben, kein 0:0 von Italien in Nordirland, kein 1:3 von Serbien zu Hause gegen Estland und auch keine Partien der Deutschen gegen Kasaschstan, Aserbaidschan, San Marino, Liechtenstein oder Färöer.

Man muss schon sehr, sehr dem kapitalistischen, zirkusartigen, showmäßigen („Mach mal Show!“) Teil des Fußballs zugeneigt sein, der stets nur noch Barka gegen Arsenal sehen will, und aus gewisser verbliebener Überheblichkeit alle Teams aus dem Osten generell unter Fallobst subsumiert, um das nicht zu bedauern.

Hier ist kaum Schlimmeres vorstellbar: keine Großkampftage in der Qualifikation mehr würde bedeuten, diesem Innersten des europäischen Fußball das Wesen zu nehmen — und das Interesse auch aufgrund von fehlenden Gelegenheiten immer weiter zu senken. Ein Eigentor par excellence. Wollen wir hoffen, dass das alte Modell bewahrt bleibt. Aufgrund all der Rufer und Beschwerer à la Karl-Heinz Rummenigge bezüglich der „zu großen Belastung“ ist dies aber nicht sonderlich wahrscheinlich.

2016 24 Teams.

Auf der Mauer.

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Knigge war kein Österreicher

Wenn man mal über den Brenner fährt und falsch abbiegt, kann es passieren, dass man in einem Land ankommt, in dem man mit Fußball im letzten Jahrzehnt nix anzufangen wusste. Und bevor jetzt wieder die Meldungen in den Kommentaren erfolgen: Ja, Österreich ist eine Nation mit Fußballhistorie, mit der Betonung auf war. Offensichtlich scheint sich das just in diesen Momenten zu ändern, da der schweizer Nachbar den absteigenden Ast erwischt hat; nach vielen Qualifikationen für große Turniere, bei denen die Österreicher stets zuschauen mussten.

Umso überraschender, dass diese fußballfernen Österreicher mit einer interessanten statistischen Kleinigkeit zu ihren Nationalspielern aufwarten, die man beim DFB vergebens sucht.

Die Zahl der erhaltenen Tore pro jeweiligem Torwart.

Da steht dann zum Beispiel:
Jürgen Macho, 21 Spiele, 18 Gegentore oder
Helge Payer, 20 Spiele, 24 Gegentore.

Das ist nicht nett und hätte man nicht nur, da sie derartige Laien sind, sondern auch, weil Österreicher doch als so ausgemacht höflich gelten, nicht von ihnen erwartet. In Deutschland stehen die erhaltenen Gegentore pro Mannschaft zwar in der Tabelle, und meist gehen sie dann aufs Konto nur eines Torhüters. In den persönlichen Statistiken eines Torwächters fehlt diese Angabe dann aber immer.

Schauen wir nach, wie die Werte für die deutschen Torhüter wären, so man sie zählte:

Manuel Neuer, 13 Spiele, 7 Gegentore*
Tim Wiese, 3 Spiele, 5 Gegentore
René Adler, 9 Spiele, 5 Gegentore
Hans-Jörg Butt 4 Spiele, 4 Gegentore
Timo Hildebrand, 7 Spiele, 9 Gegentore

Und weil die alle so insgesamt wenige Spiele haben, und die Zahlen auch aufgrund der vielen Einsätze gerade in Test- und nicht Qualifikations- oder Turnierspielen wenig aussagekräftig sind, hier aber die Zeit knapp ist, kann das ja mal jemand für Lehmann und Kahn zusammentragen. Oder Maier und Schumacher. Ist allerdings ausnahmsweise kein Gewinnspiel, schließlich ist heute Abend Länderspiel. Das sollte ausreichen, um den täglichen Spielbedarf zu decken.

Unstete deutsche Torhüter.

Unhöfliche Österreicher.

(*Plus ein Bloemfontein-Tor.)

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