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Monat: Dezember 2010

Die zwei Seiten einer Münze

Muss man sich mal vorstellen: Verloren durch Münzwurf. Ist mir selbst sogar noch in den frühen 1980ern passiert, allerdings war es da offiziell schon abgeschafft. Da läuft man 120 Minuten über den Platz — und dann entscheidet der (nicht-fußball-immanente) Zufall darüber, wer nun weiterkommt. Und das sogar bei Weltmeisterschaften oder Europapokalspielen. Falls irgendjemand noch das Elfmeterschießen als „unsportliche“ Entscheidung ansieht, möge er vortreten und einen besseren Vorschlag nennen.

Das hohe Gremium wird sich dann zurückziehen und beraten, ganz sicher aber nicht wieder zum Münzwurf zurückkehren.

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World Cup Kicks

Jahrelang lag diese Rubrik brach, was daran liegt, dass Menschen, die gut mit „Flash“ umgehen können, schlecht in Fußball sind (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Ob sie schlecht sind, ist dabei gar nicht so wichtig, doch weil sie schlecht sind, haben sie meist keine Ahnung von diesem Spiel. Weshalb für sie Fußball allzu häufig allein aus Elfmeterschießen oder „Keepy Uppies“, dem deutschen „Hochhalten“ besteht.

Heute gibt es endlich mal wieder eine Ausnahme von diesen beiden schon nach dem zweiten Klick langweiligen Spielarten. Ein Spiel mit echten Strafraumszenen. Und es gibt nichts Schöneres, als wenn solch ein Spielchen wie dieses hier ziemlich realistisch, und dennoch schaffbar ist. So wurde der Autor gerade mit Algerien Weltmeister, und das will schließlich was heißen.

Weil es vom Format hier nicht so richtig auf die Seite passt, ausnahmsweise erst nach dem Klick:

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Viel Pipi, geschlechtslos

Geschlechterspezifische Unterschiede der Zuschauer(innen) werden bei internationalen Großturnieren inzwischen ja marginalisiert, weshalb unterschiedlich große Körperteile mit unterschiedlich großen Fassungsvermögen offensichtlich kaum noch eine Rolle spielen beim Auftreten der stets nötigen Pinkelpausen im Verlauf eines WM-KO-Rundenspiels.

Gesehen bei einem gewissen @HerrSchmitz.

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Ewald Lienens Verletzung

Nach dem großen Weihnachtsfressen dachte die Redaktion, es sei sinnvoll, etwas zu präsentieren, was die Mägen der Leser ein wenig aufräumt. Et voilà: das Video von Ewald Lienens alptraumartiger Verletzung.



Ist natürlich in der Rubrik „Zettel-Ewalds Sammelsurium“ abgelegt.

(PS: Wolfgang Kneib ist Hesse?)

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Das Schönste im ganzen Jahr, das sind die Ferien

Nicht allen bekannt bislang, der eine oder andere mag es auch vergessen haben: Im Sommer fährt man in Urlaub. So wie es im Winter auch schon mal selbst im der Nordsee nahen Rheinland -12°C warm werden kann; dann und wann sogar mal -25°C warm — so herrschen im Sommer dementsprechend auch schon mal kalte 35°C. An einigen Tagen gar 38°C. Im Schatten. Fußball aber spielt man in der Sonne, nicht im Schatten. In Letzterem ziehen die Funktionäre die Fäden, das Spiel selbst findet im gleißenden Licht statt.

Erst krakeelen alle, dass man unmöglich im Sommer in Katar spielen könne, und dann wollen all diese auf einmal selbst hier im Hochsommer im Stadion nach dem dritten Bier mit Hitzeschlag kollabieren. Nun gut, „wir“ haben in Deutschland „die modernsten Stadien der Welt“ inklusive Sonnenschirmbedachung für 80% der Zuschauer. Dass diese Dächer Schnee nicht aushalten, darf nicht zur irrigen Annahme führen, dass Sonne nicht ausgehalten werden könnte. Allerdings: Vom Dach. Von den Zuschauern eher nicht.

Sofern natürlich sie überhaupt anwesend sind, denn sie sind ja im Urlaub. Und die Familie mit x Kindern muss erst noch erzeugt werden (10 solidarische Cent für den Selbigen), bei der sich nicht wenigstens ⅓ von x gar nicht für Fußball interessiert und deshalb kein Verständnis dafür aufbringen könnte, von nun an stets nur im Winter in Urlaub zu fahren und Impressionen aus Sommerurlauben nur noch von den Postkartenansichten der Familien mit fußballfernen Vätern zu kennen.

„Gut“, kann man einwenden, „gut“, und meint damit: Mitten in der Saison wird ja nichts entschieden, da kann man gerne mal auf 2-3 Partien verzichten. Zudem das Internet — Streams sind überall, sofern Internet auch da ist. Und mancher wird sich auch sagen, dass es gut tut, das Elend mal eine Zeitlang nicht ertragen zu müssen, von 18 Vereinen führt schließlich stets nur einer die Tabelle an.

Dann aber, wenn es soweit ist, und es kein Zurück mehr gibt, wird den Krakeelern erst gewahr werden, was es bedeutet, 2-3 Wochen nicht nur dieser einen Ausnahme-Saison, sondern von nun an alle Saisons nicht mehr live erleben zu können: Es gibt keine Serien von 40 Jahren ununterbrochenem Heimspielbesuch mehr, es gibt nicht mehr die Möglichkeit, bei der einen einzigen Meistersaison innerhalb von 40 Jahren jedes Heimspiel gesehen zu haben. Niemand wird mehr in der ganzen Saison dabei gewesen sein, sofern er nicht schwere Verluste im privaten Bereich hinnehmen möchte. Ob nun den der gesamten Ehe und Kegel oder auch nur den, Kinder erwachsen werden zu lassen, die Schnee für erholsam halten, Sand hingegen für so selten wie Schnee in der Elfenbeinküste. Was beides natürlich nicht stimmt.

Am wichtigsten allerdings ist es, jene Tatsache zu erwähnen, die keiner ausspricht, weil sie jeder für sich selbst natürlich weit von sich weist: Ein WM- oder EM-Turnier alle zwei Jahre zu verfolgen kann man einrichten, weil man langfristig planen kann, weil sich im Büro plötzlich alle für Fußball interessieren. Weil man sogar unter der Woche schon einen Fernseher auf der Arbeit aufstellen darf oder in den vorangegangenen Wochen ein bisschen vorgearbeitet hat. Bei einem bzw. ganz vielen regulären Bundesliga-Wochenenden aber wird kein Hahn, kein Chef, keine Tippspiel-Gewinner-Sekretärin und erst recht kein innerer Schweinehund, der eigentlich jetzt wenigstens dieses eine Wochenende lieber komplett im Freibad oder im Ferienhäuschen, an der Nordsee oder am Baggersee verbracht hätte, danach krähen, dass nun mal jetzt schon wieder Bundesliga ist — so wie von da an an jedem Wochenende.

Ermüdet wird man sich nach dem einen Kaltgetränk das nächste wünschen, aber man wird dann doch nicht mehr ins Stadion aufbrechen. Vom See kommt man auch nicht rechtzeitig zur Sportschau (guckt die eigentlich überhaupt noch jemand?) heimkommen, weil es auf dem Parkplatz des Baggersees Stau gab und die Zeit, die nicht zuletzt durch die Hitze und die viele freie Haut auch zu anderen Beschäftigungen als Fußball gucken animiert, wird dann doch nicht damit genutzt werden können, was ein jeder braucht, der sich die Spannung und Vorfreude zu erhalten wünscht: Eine Pause.

Stattdessen sitzt man im Winter am Wochenende vor dem Kamin, schaut aus dem trüb gewordenen Fenster auf die neblig-verschneite Landschaft und gähnt. Gähnt noch einmal. Sehr lange, ein Gähnen von Ende November bis Anfang März, eine Zeit, in der man sich früher auf Spieltage freute, Ergebnisse und Aufstellungen studierte, die Livespiele genoss und immer noch auf Punkte hoffte. „Anna Karenina“ ist auch in der neu übersetzten Version irgendwann ausgelesen und man legt noch ein Hölzchen in den Kamin nach.

Nach einer Weile ein weiteres.

Es ist das einzige, was in der ganzen dunklen Zeit knistert.

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Schimmi anne Wedau

Total unrealistisch: Kein einziger Türke.

Und dann auch noch ne Kiste Tuborg. Tuborg! Die Jungs trinken KöPi, nicht Tuborg. Man, man, man.



Und wer ist der Schauspieler, der den Mötörhead-Kuttenträger spielt? Den kennt man doch heute auch noch? Nur ich nicht.

Es war schon ein unglaublich hässlicher Kasten, das alte Wedaustadion. Ich fühle jetzt noch das Wasser in den Schuhen nach der 2:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt. Vollgeplästert bis oben hin. Da konnte auch Piotr Reiss nix mehr reißen. Zwei, drei Mal auf der Pressetribüne, da ging’s noch, einmal UI-Cup gegen Cork City. Nie wieder konnte man reinrassigere Viererketten mit eigenen Augen sehen als oben auf der Pressetribüne gegen Cork City.

Ansonsten rechts, Gegengerade neben dem „Marathontor“. Meistens hatte man den Block für sich allein. 25.000 plus X. Lächerlich.

Weil „Schimmi“ fragt: Gibt nicht so viele MSV-Fans.

Verblüffend allerdings: Die MSV-Fans können alle Hochdeutsch. Ich sach ma so: Dat glaub ich nich.

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Warum eine WM in Afrika nur in Südafrika stattfinden konnte

Hatten wir damals das hier als Grund angegeben, wissen wir jetzt: Südafrika ist (laut einigen Quellen) der einzige afrikanische Staat, der überhaupt Anti-Diskriminierungsgesetze in Bezug auf Homosexuelle in seinen Büchern hat.

In vielen anderen afrikanischen Staaten steht Homosexualität unter Strafe, in manchen wird diese sogar mit dem Tod geahndet. Undenkbar natürlich, dass die FIFA die WM in einem Land hätte austragen lassen können, in dem Homosexualität verboten ist.

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Christoph Daums geheime Pfeil-Taktik

Jetzt ist es raus. Jürgen Klopp kommt eigentlich aus der Daum-Schule der Trainer-Philosophien. Denn die von Sidan letztens aufgezeigte „geheime Pfeil-Taktik“ [Link leider tot], die die Sport-FOTO beim kommenden Dortmunder Meistertrainer entdeckt haben will, hatte Christoph Daum schon lange vor diesem auf dem Tapet.

Bild 2 in der Galerie auf Christoph Daums neuer „Homepage“ beweist, dass Daum schon seit Jahren mit einer solchen geheimen Pfeil-Taktik arbeitet. Hinweise auf irgendwelche Vorfälle in Daums Biografie verbieten sich angesichts der Klarheit, Strukturiertheit und vor allem Farbwahl des Erzeugnisses von selbst: Jene Fußballer, die nach diesem Schaubild nicht wissen, was zu tun ist, haben einfach ihren Beruf verfehlt.

Revolutionär, dieser Daum, der schon immer bekannt dafür war, neue Wege nicht zu scheuen.

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Die „Fußball vom anderen Stern“-Gewinner

[photopress:OIAL_DVD_Pack_05_72dpi_1.jpg,full,alignright] Nach zwei Wochen wird sich wohl niemand mehr beteiligen, obwohl ich den Beitrag zum DVD-Gewinnspiel doch so schick hier rechts oben verlinke, wie ich es von anderen, größeren Seiten ganz clever kopiert habe. Weshalb es Zeit war, eine Wahl zu fällen, wer denn nun die Glücklichen sein würden.

Es sollte eigentlich ganz bewusst noch vor Heiligabend über die Bühne gehen, damit die drei Gewinner quasi ein kleines Weihnachtsgeschenk von Trainer Baade — und natürlich von atlas film, die die DVD in Deutschland vertreiben — erhalten, aber jetzt liegt so viel Schnee und die Bahn verweist auf die Lufthansa und die wiederum zurück, dass man nicht weiß, ob die Preise noch rechtzeitig ankommen werden. Hätt ich das geahnt mit dem vielen Schnee, hätt ich sie dem Weihnachtsmann mitgegeben, der dürfte ja keine Probleme mit dem Wetter haben.

Trommelwirbel und Tusch: Alea iacta est.

„Fußball vom anderen Stern“, die deutsche Version von „Once In A Lifetime“, dem Film über Cosmos New York, geht an folgende drei Herren, die sich hier mit den gleich noch mal aufgelisteten Anekdoten zu ihrer Begegnung mit dem US-Fußball beworben haben. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar und ist zufällig:

mberghoefer“ mit seiner Baseball- vs Fußballpublikumgeschichte live und original aus den USA:

Meine Geschichte hat leider nur ganz wenig mit US-Fußball zu tun, sagt aber vielleicht manches aus über Fußball in US…

Es ist 1994, ich arbeite in Berkeley/Kalifornien, schule amerikanische IT-Experten, mehrere Wochen lang. Der Bürokomplex liegt direkt an der Bucht, mit Blick auf Alcatraz, die BayBridge, San Francisco. Herrliches Wetter. Stimmung ist gut, schnell entwickelt sich ein Teamgefühl, man geht abends zusammen weg, erkundet unter anderem die Micro-Brauereien und kommt dabei ins Palavern. Auch über Sport.

„Können wir nicht mal zu irgendeinem Fußball-Spiel gehen?“, frag ich in die Runde, und ernte Verständnislosigkeit. „Soccer?! That’s terribly boring!“ meint einer, und die meisten stimmen ihm zu. Langweilig sei das, zwei Stunden lang säße man herum und nichts würde passieren und am Ende stünde es nur 1:0. Nein, das wäre kein amerikanischer Sport. „Ok“, sag ich, „dann zeigt mir euren ‚amerikanischen Sport‘“, und sofort sind alle Feuer und Flamme, und man einigt sich darauf, das Richtige wäre: Baseball!

Also fahren wir ein paar Tage später hinüber nach Oakland, die A’s gegen, ich glaube, die Seattle Mariners. Riesen Parkplatz, Leute grillen, null Aufregung. Drinnen werden die Plätze eingenommen, das Spiel läuft, es ist sehr ruhig, beinahe bedächtig im weiten Rund. Richtig laut wird’s nur dann, wenn auf den Anzeigetafeln eine Granateszene eingespielt wird, die irgendwo in Amerika gerade bei einem anderen Baseball-Spiel stattfand – mindestens ein Drittel der Leute starrt also öfter auf diese Videowände als aufs Spielfeld. Mindestens ein weiteres Drittel ist nichtmal im Stadioninneren, sondern in den Katakomben unterwegs, und kümmert sich um Essen und Trinken – was das letzte Drittel schon tat und deshalb nun wie beim Picknick im Stadion sitzt, speist, und über Gott und Welt tratscht. Den besten Catch des Spiels, das da live und echt vor uns stattfindet, sehen außer mir vielleicht noch tausend Leute – alle anderen jubeln erst, als er auf den Videowänden erscheint.

Das Spiel dauert drei Stunden, es passiert so gut wie gar nichts – und am Ende steht es 1:0.

Am nächsten Tag erkläre ich den Leuten an der Arbeit, dass nun ich an der Reihe sei, das Programm festzulegen, dass ich aber nun begriffen hätte, dass Fußball nichts für sie wäre, denn das wäre viel zu aufregend für sie. Deswegen würde ich ihnen einfach nur mal eine Andeutung von dem machen wollen, was „Fußball“ bedeutet. Wir würden also die IT-Schulung ein paar Stunden ausfallen lassen und uns kein Fußballspiel ansehen, sondern einfach mal zum Flughafen fahren – was natürlich wieder auf Unverständnis stieß, die sich aber legte, als wir dort eintrafen.

In wenigen Wochen nämlich würde die Fußball-WM 1994 in den USA beginnen, und, wie ich morgens in der Zeitung gelesen hatte: heute traf am Flughafen von San Francisco die Nationalmannschaft Brasiliens ein – und sie wurde in Empfang genommen von unzähligen Fans, von Trubel und Farbenmeer, Gesängen, Trommeln und allem Pi, Pa, Po – und da standen wir am Rand und meine „Leute“ hatten die Münder offen stehen. „So“, konnte ich mich nicht bremsen, „und jetzt stellt euch erstmal vor, wie’s wohl ist, wenn die nicht einfach nur irgendwo ankommen, sondern ihnen in einem vollen Stadion ein Ball vor die Füße rollt. Das ist Fußball!“

Weiter geht es mit dem zweiten Glücklichen, der mich auch glücklich gemacht hat mit einer derart interessanten Anekdote …

Christoph mit der Geschichte dazu, wie er einmal des Beckenbauer Franz‘ Cosmos-New-York-Trikot erhielt — und das in Freiburg.

Ich bin in Freiburg aufgewachsen, in den Siebzigern, als ein gewisser Freiburger FC die Nummer 1 in der Stadt war. 1977, im Jahr unseres Aufstiegs in die Zweite Liga Süd ging der Kaiser nach New York, und ein Jahr später kehrte er mit Cosmos im Rahmen einer „Welttournee“ nach Deutschland zurück. Unser damaliger Präsident schaffte es irgendwie, dass die Starkicker am Ende der Tour noch in Freiburg Station machten. Zuvor hatten sie in Bestbesetzung 1:7 in München und 1:6 in Stuttgart verloren – soviel zum Leistungsstand der NASL. Aber für uns Provinzler war es das Spiel des Jahrzehnts. Und die 18.000 Zuschauer im Möslestadion (man hatte eigens Zusatztribünen errichtet) durften tatsächlich einen 2:0-Sieg der Heimmannschaft feiern, der vor allem unserem Torwart Hubert Birkenmeier zu verdanken war, an dem Chinaglia & Co. reihenweise scheiterten. Ich kannte einen Balljungen und verfolgte das Spiel im Innenraum, gleich hinter den Fotografen. Franz Beckenbauer war danach ziemlich bedient, aber als ich ihn ganz naiv nach seinem Trikot fragte, zog er es aus und gab es mir! Meine Mutter steckte es am nächsten Tag erstmal in die Waschmaschine, und erst beim Bügeln sah sie den berühmten Namen hintendrauf (das war damals hierzulande noch nicht üblich). Der Kaiser spielte übrigens bei Cosmos mit der Nummer 6 – die 5 trug Carlos Alberto, der Kapitän von Brasiliens 1970er Weltmeister-Mannschaft.

Ein paar Tage später stand in der Zeitung, dass Hubert Birkenmeier nach der Saison zu Cosmos wechselt! Gut, er war allemal besser als die Fliegenfänger Jack Brand (ein gebürtiger Deutscher, der mit der Rückennummer 0 spielte) und Erol Yasin, aber ob er sich in New York durchsetzen würde? Mehr als das: er wurde auf Anhieb Stammspieler und hatte durch seine Saves in entscheidenden Shoot-Outs – Unentschieden gab es nicht – einen gewissen Anteil an den Meisterschaften 1980 (mit Trainer Hennes Weisweiler!) und 1982. Ausserdem wurde er zweimal ins NASL All Star-Team gewählt. Nach dem Zusammenbruch der Profiliga blieb er in den Staaten und eröffnete ein Sportgeschäft in New Jersey.

Das Beckenbauer-Trikot schlummerte übrigens drei Jahrzehnte lang in einer Kiste vor sich hin – anlässlich eines Umzugs vor ein paar Wochen entdeckte ich es wieder.

Und zu dritter Letzt Flo mit seiner plastischen Darstellung fußballerischen Grauens in Übersee, ein bisschen wollen wir unsere Klischees ja doch noch pflegen.

Bei einem kurzen, vierwöchigen Schulaustausch im Jahre 2002 wurde an der amerikanischen Highschool in Oregon auch ein großes Fußballspiel organisiert. Ich freute mich wie Bolle auf diesen Kick, da in den bereits vergangenen drei Wochen ausschließlich eine seltsame Art des Dodgeball im Sportunterricht praktiziert wurde.

Es war alles angerichtet zu einem Fußballfest; herrliches Wetter, unglaublich viele Zuschauer angesichts eines einfachen Hobby-Spiels und eine ordentliche Anzahl an Spielern.

Doch als Sportlehrer Mr. Joy (im passenden Parma-Trikot mit Sponsor Joy) das Spiel anpfiff, sollte das Grauen beginnen. Selbst bei den demütigendsten Niederlagen wurde mir der Spaß am Spiel nicht so verdorben wie bei diesem Grottenkick. Selbst ein fußballerisch eher limitierter Spieler wie ich konnte nicht glauben, welches Armutszeugnis ihm die dargebotenen Leistungen der Amerikaner boten. Ohne jeglichen Sinn und Verstand versuchten die eigenen Teammitglieder ständig von der Mittellinie einzunetzen. Pässe auf einen Mitspieler wurden von keinem einzigen als adäquates Mittel gesehen, um sich dem gegnerischen Tor zu nähern. Kurz und knapp musste man allen amerikanischen Schülern das Fehlen einer halbwegs annehmbaren Spielintelligenz attestieren. Keiner von ihnen hatte dieses Spiel verstanden. Das schien selbst für Mr. Joy zu gelten, der mit Sonnenschirm in der Hand auf dem Platz seine Mätzchen trieb.

Es war durchaus nachvollziehbar, warum die Organisatoren sich gegen eine Art Länderspiel mit nur deutschen und nur amerikanischen Teams ausgesprochen hatten. Die Niederlage für den stolzen Gastgeber hätte verheerend ausgesehen.

Ich habe übrigens keine Ahnung wie es ausgegangen ist, ich wusste nur, dass es absolut keinen Spaß gemacht hat.

Viel Spaß mit dem Video und mit Jörg Wontorra, es gibt auch den englischen Originalton. Die Gewinne-Präsente werden in diesen Tagen rausgehen, sobald ich Eure Adressen habe.

Und dann haben wir passend zum Thema noch diesen schönen Link von einem, der schon 1977 so weise redete wie 1990 („auf Jahre hinaus“) und es auch jetzt noch im Fernsehen tut: Soccer in den USA weiter auf dem Vormarsch.

Frohes DVD-Gucken! Danke auch an den netten Spender aka atlas film und an alle Teilnehmer für ihre langen und kurzen Anekdoten. Wer nicht gewonnen hat, darf nächstes Jahr wiederkommen.

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Schweini definiert die FIFA neu

Auch Bastian Schweinsteiger ist der Meinung, dass das, was die FIFA macht, nichts mit Fußball zu tun hat. Er äußert sich auf seiner Webseite folgendermaßen zum Thema:

Ich spiele gerne. Vor allem Fußball. Aber ich habe auch Spaß an anderen Spielen, wie zum Beispiel:

FIFA 09
„Und zwar auf der Playstation 3. Aber ich verrate jetzt nicht, welche Mannschaft ich mir zusammenstelle.“

(Und nicht vergessen, die BiFi-Skin zu wählen, oben links!)

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