Zum Inhalt springen

Monat: April 2011

Anti-Inzucht-Holger

Brave Ansichten.

Kurz bevor er selbst in die Provinz entfleucht, versucht Holger Stanislawski noch einmal, mit Trivialem auf sich aufmerksam zu machen.

„Auf dem Platz muss ich jemand sein, den ich nicht gerne als Schwiegersohn hätte.“

Der kicker nennt die Aussagen „unmissverständlich“ und wir von der Redaktion sagen ebenfalls: „Gut so.“ Und auch: genau, wie es der Gesetzgeber vorsieht. Wer möchte schon die eigene Tochter heiraten? Ganz davon abgesehen, dass man das ohnehin nicht dürfte …

Einen Kommentar hinterlassen

Schönes noch schöner machen

Eigentlich ist es egal, dass es zufällig die mit ||||| zu . gewonnene Partie in der soundsovielten Ausgabe der zu den Augen rauskommenden Buchstabenkombination „el clásico“ ist. Nicht egal ist es, dass einer dieser Fußballer mitspielt, selbst trifft und vorbereitet, der das 2010er-Jahrzehnt prägen wird, wie er es schon mit den späten 2000er-Jahren getan hat.



Nicht wenige Stimmen im Hirn des Autoren halten die augenscheinliche Absenz von vorher zurecht gelegten Jubelchoreographien des späteren Torschützen für einen wichtigen Baustein der Gesamtkomposition „Sympathie für einen einem selbst völlig unbekannten Pixelhaufen auf diversen Bildschirmen und Leinwänden der Wiedergabegeräte“.

Eine Übertragung eines Spiels in derartigem optischen Stile wie im obigen Video hätte tatsächlich auch etwas (an und) für sich. Wie aber auch eine Übertragung im reinen ASCII-Stile immer noch nichts Wesentliches am Reize eines solchen Spieles verloren gehen ließe.

Gesehen mal wieder beim Guardian, allerdings ist es eine Produktion im Auftrag eines, ach, egal.

Schön.

4 Kommentare

Dicke ex-paramagnetisch Silbrigmetallene

Nachdem 11Freunde seine Blog-Rubrik „Dicke Ex-Profis“ stillgelegt hat — was daran liegen könnte, dass das gesamte „Block 11″ stillgelegt wurde — muss jemand den Staffelstab aufnehmen. Insbesondere, weil es so ein Schenkelklopfer ist, älteren Männern beim Dickwerden zuzuschauen. Lustiger ist es, das Resultat dieses Prozesses anzusehen. Noch amüsanter wären allein Fotos der Frisuren aus vergangenen Zeiten.

In den letzten Tagen entpuppte sich Oliver Kahn als jemand, der es nicht ganz so genau nimmt mit dem Druck. Dem Druck, beim Zoll am Flughafen eigentlich alles zu verzollen, was man so zu verzollen hätte.

1. Hat der Mann das nötig, den Staat um die fälligen Abgaben zu prellen?
2. Warum kauft er gleich für ein halbes Dutzend Männer ein?

Wie man liest, war es fast die Ausrüstung für eine gesamte Fußballmannschaft.

Sieben Polo-Shirts, zehn T-Shirts, acht Pullover, neun Hemden, fünf Hosen, zwei Sakkos, eine Lederjacke und zwei Paar Manschettenknöpfe.

Frage 1: Offensichtlich ja. Die Einkommensverhältnisse sind bescheiden geworden. Ein Tagessatz beläuft sich beim Olli auf nur noch 5.000 Euro. Das ging schon mal besser.

Frage 2: Er musste sich komplett neu einkleiden. Dies war aufgrund gewisser physischer Veränderungen in den letzten Monaten nötig geworden.

5 Kommentare

Ohnegleichen

Hätte Manuel Neuer doch mal etwas früher mit Ottmar Hitzfeld gesprochen. Achnee. Falsche Farbe.

Klar, das war ein emotionaler Höhepunkt für mich. Für die Fans im Ruhrgebiet ist Fußball Religion, vor der schwarz-gelben Südtribüne hatte ich eine Gänsehaut. Unser Meisterkorso führte stundenlang durch die Stadt, die Identifikation der Leute ist riesig – bis ins hohe Alter, quer durch alle sozialen Schichten, das kann man mit München nicht vergleichen.

Sagt dennoch einer, der es wissen muss. Im Übrigen ist das Interview auch ansonsten lesenswert, was ja wiederum erstaunlich ist, wenn Ottmar Hitzfeld spricht.

Einen Kommentar hinterlassen

Die Traditions-Salami

Hier haben wir ein wunderbares Exemplar einer echten Traditions-Salami.

[photopress:traditions_salami_1.jpg,full,centered]

Nach dem schmackhaften Verspeisen stellen sich dann wie von selbst natürlich einige Fragen.

  • Wann wurde die Tradition begründet?
  • Gelten nur im vorigen Jahrhundert begründete Traditionen als solche?
  • Wer entscheidet mit welcher Legitimation, wann eine Traditions-Salami auch so heißen darf?
  • Welche definierenden Merkmale muss die Salami (oder die Tradition) besitzen?
  • Kann eine Tradition auch enden, darf sie unterbrochen oder eingemottet und dann reaktiviert werden? Ist sie übertragbar? Falls ja, nur mit Ausweis?
  • Ist eine Salami ohne Tradition weniger wert, muss man sich mehr anstrengen, um sie zu mögen?
  • Obwohl man sie nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken und nicht anfassen kann: Ist Tradition wirklich so ungefährlich für den menschlichen Organismus, wie die Traditionalisten behaupten?
  • Inwiefern rechtfertigt die nachgewiesene Existenz von Tradition den höheren Verkaufspreis?

Fragen über Fragen, doch voller Bauch studiert nicht gern. Außerdem hat die gedankliche Beschäftigung mit möglichen Antworten ohnehin noch viel Zeit, denn natürlich würde niemand auf die verwegene Idee kommen, eine Salami Traditions-Salami zu nennen, wenn sie in Wahrheit gar keine Traditions-Salami ist.

5 Kommentare

Und Attacke

Nein, nein und nochmals nein. Man darf nicht. Das sollte klar sein.

Ich habe trotzdem mal wieder.

Man darf sich nicht dafür interessieren, welche Musik im Fußballgeschäft angesiedelte Menschen bevorzugen. Das war schon bei Philipp Lahm so. Und selbst bei einem, der doch qua Aufenthaltsort eigentlich Besseres gewöhnt sein müsste, werden wir schwer enttäuscht.

Dann haut man mal Scooter in den CD-Player und Attacke. Da bringe ich mich in Stimmung.

Sagt Holger Stanislawski.

(Dass er noch CD-Player benutzt, sagt auch Einiges über die nicht vorhandene Weiterentwicklung seines ebenso wenig vorhandenen Musikgeschmacks.)

22 Kommentare

Auf nach Polska & Ukrajina

Letzte Chance! Letzte Gelegenheit! Sind Sie dabei!*

Ja, die D-Mark 2012 steht an. Räusper, die „Euro“ 2012 natürlich. Europameisterschaft also, und zwar zum letzten Mal.

Nicht zum letzten Mal überhaupt, zum letzten Mal aber in ihrer wunderbar passgenauen Form von 16 Teilnehmern bei 8 Viertelfinalteilnehmern aus ziemlich genau 53 Verbänden, die versuchen, sich für dieses Endturnier zu qualifizieren.

Kein Rechnen ist nötig, kein Schieber, um zu ermitteln, wer am Ende der Vorrunde weiterkommt, und schon gar nicht so ein unerhörter Vorgang, eine Mannschaft ausscheiden zu lassen, weil sie im Vergleich mit einer anderen Mannschaft schlechter abgeschnitten hat, obwohl ihre Gegner in den Spielen völlig andere waren. Unzulässige Quervergleiche werden bei dieser letzten der gediegenen Europameisterschaft nicht nötig sein. Hier kommt weiter, wer erster oder zweiter in seiner Gruppe wird, und nicht wie von 2016 an derjenige, der schon bei der Aufteilung der Gruppen das doppelte Losglück hatte, selbst drei vergleichsweise leichte Gegner zu erhalten, während andere Teams drei schwierigere Gegner zu spielen haben.

Die mangelnde Fairness dieser Regelung ist ja scheinbar schon bei den Weltmeisterschaften von 1986 bis 1994 kaum jemandem aufgestoßen, hier an dieser Stelle tut sie es, weshalb man diese letzte EM noch einmal richtig genießen sollte.

Reicht es unter diesem, sport-historischen Gesichtspunkt aus, jene spezielle letzte EM ihrer Art daheim vor dem Fernseher zu genießen, gibt es trotz der nur schleppend vorangehenden Entwicklung der Infrastruktur insbesondere in der Ukraine aber auch Gründe, Polen und die Ukraine mit seiner physischen Anwesenheit zu beglücken.

Die geographische Nähe ist bei einer Europameisterschaft wohl eher kein Argument, auch wenn Polen von Berlin aus in einer knappen Stunde zu erreichen ist. Von der westlichen Bundesrepublik aus ist es wesentlich weiter bis nach Polen, aber auch immer gleich weit, ob man nun nach Portugal, nach Griechenland oder in die Ukraine fliegt. Nämlich genau von hier bis zum Flughafen. Den Rest macht der Pilot.

Nein, man kann und sollte nach Polen und in die Ukraine reisen, weil diese nicht in Katar liegen.

Katar?

Ja, der Aufschrei bei der WM-Vergabe nach Katar war doch im Dezember unter Anderem deshalb so groß, weil man in dem Land als Fußball-Fan keinen Alkohol konsumieren könne.

In Polen und der Ukraine muss man sich da aus mehreren Gründen keine Sorgen machen. Zunächst mal liegen die beiden Länder im blauen Teil des Alkohol-Gürtels in Europa. Und blau ist dabei nur in Ansätzen eine Metapher. In Polen und der Ukraine trinkt man Schnaps. Und zwar gefälligst jeder, auch die, die eigentlich Abstinenzler sind. Denn über die Sitten in Polen liest man:

Wer keinen Alkohol trinkt, ob generell oder an einem bestimmten Abend, muss damit rechnen, dies sehr deutlich zum Ausdruck bringen zu müssen. Anderenfalls wird ihm entgegen seines Wunsches dennoch welcher eingeschenkt werden.

Wer es jedoch wirklich à la typischem Fußballfan auf die Spitze treiben will, der fährt gleich weiter durch in die Ukraine, denn dort geht es angeblich folgendermaßen zu:

Alkoholkonsum auch am Vormittag schon ist in der Ukraine nichts Ungewöhnliches und gilt nicht als Anzeichen für Alkoholismus. Stärkere Alkoholika werden nicht in Liter bzw. Mililitern bestellt, sondern in Gramm. Eine Bestellung für einen Wodka lautet so also zum Beispiel „100 Gramm“.

Ganz wie beim stilvollen Dealer bestellt man in der Ukraine seine Ration also in Gramm. Da macht es dann auch nichts, dass weiterhin wie bei jeder UEFA- oder FIFA-Veranstaltung nur genau eine Biermarke ausgeschenkt werden wird, die noch dazu nicht unbedingt die schmackhafteste sein muss. Man vergnügt sich einfach schon nach Landessitte lange vor dem Stadionbesuch.

Bliebe die Frage, was in der Ukraine überhaupt als Anzeichen für Alkoholismus gilt. Und ob der schleppende Fortschritt bei den Vorbereitungen auf die EM eventuell etwas mit dieser Mentalität zu tun haben könnte, wenn der Konsum auch am Vormittag schon nicht unüblich ist.

Die Stadien sollen am Ende alle neu oder renoviert sein, allerdings ist ungewiss, ob man sie als Fan rechtzeitig wird erreichen können. Für die EM wichtige Autobahnprojekte in Polen werden gerne mal auf die lange Bank geschoben, letztens wurde mal wieder gestreikt. In der Ukraine ist man nicht mal sicher, ob man mit den Stadien überhaupt rechtzeitig fertig werden wird. Wie bei allen großen Fußball-Turnieren (außer dem in Kolumbien geplanten) wird aber auch in Polen und der Ukraine am Ende zumindest das, was für das Turnier selbst nötig ist, fertig sein.

Hotelbetten und Straßen- sowie Zugverbindungen sind da wie gesagt ausgenommen. Macht aber nicht allzu viel. 88 Prozent der Kartenwünsche bei den neutralen, nicht an die Verbände gehenden Kontingenten wurden ohnehin aus Polen und der Ukraine selbst bestellt. Die Leute dort werden wohl wissen, wo sie schlafen und wie sie wann rechtzeitig zum Stadion reisen müssen. Spitzenreiter bei den Bestellungen aus den sonstigen Nationen übrigens rein zufällig: Deutschland, mit etwa 2 Prozent Bestellungen bei den neutralen Karten.

Das einzig Positive an der für die EM 2016 in Frankreich geplante Erweiterung auf 24 statt 16 Teilnehmern ist, dass es möglicherweise wieder ein Spiel um Platz 3 bei Europameisterschaften geben wird, wie es immerhin bei Europameisterschaften bis 1980 schon einmal Usus war. Und das wäre schließlich begrüßenswert, wie man weiß, wenn man denn weiß.

Also, auf nach Polen und in die Ukraine, zum letzten Europameisterschaftsturnier seiner Art. Und komme jetzt bitte niemand damit, dass man doch ein Achtelfinale und damit nicht weniger als acht (!) KO-Spiele dazu gewönne. Zu welchem Preis, fragt sich, zu welchem Preis.

* Losverkäufer auf Kirmes und Jahrmärkten benutzen stets den falschen Imperativ. Sollten sie es als Frage meinen, ist es falsch betont. Einer der Gründe, neben der Tatsache, dass man sowieso nie gewinnt, nicht an deren sicher oft illegalen Treiben teilzunehmen.

2 Kommentare

We‘re only in it for the money?

Sehr amüsant sind stets die Kommentare, selbst bei gediegeneren Onlinemedien, unter Beiträgen zu Fußballspielen und -entwicklungen, die sich extensiv ereifern, dass die Spieler ja so unglaublich viel Geld verdienen und deshalb gefälligst immer und immer Leistung zu bringen hätten, so als seien diese keine Menschen und einzig und allein vom Geld angetrieben. Es sollte kein Geheimnis sein, dass die Leistungsmotivation umgekehrt U-förmig mit der Bezahlung korreliert. Sprich: Wer einen Hungerlohn erhält, ist genauso wenig motiviert viel zu arbeiten, wie derjenige, der übermäßig hoch bezahlt wird.

Was natürlich nicht bedeutet, dass ein Mensch mit sehr hoher Bezahlung zwangsläufig schlechte Arbeit abliefert oder sich gar nicht mehr motivieren kann. Nur müssen dann eben andere Gründe zur Motivation her: ein bestimmtes Ziel für sich persönlich zu erreichen, schneller als der vielleicht nur imaginierte Konkurrent zu sein oder ganz banal die Welt zu verbessern.

Man darf davon ausgehen, dass die allermeisten Fußballer, die es bis zum Profitum geschafft haben, ohnehin schon über eine wesentlich größere intrinsische Motivation verfügen als diejenigen, die es nicht soweit gebracht haben, das ist trivial.

Wer aber finanziell ausgesorgt hat, und sogar mehr als das, nämlich auch sein Glücklichsein gesichert hat, was selbst Frank Schaefer mit seinem bescheidenen Einkommen von kolportierten 25.000 Euro pro Monat problemlos kann, der macht eben — manchmal — andere Aspekte zum Maßstab seiner Entscheidungen. Lassen wir mal außen vor (was man nicht sollte), dass ihn Volker Finke gemobbt und der Vorstand nicht ausreichend unterstützt haben könnte. Für ihn selbst mag dennoch der Job als Trainer im zweiten oder dritten Glied mit dieser immer noch exorbitanten Bezahlung attraktiver sein als stets im Rampenlicht zu stehen. Dass man derartig gerichtete Entscheidungen — gegen mehr Geld, für die besseren Arbeitsbedingungen — im Profifußball so selten erlebt, liegt möglicherweise daran, dass so selten jene mit anderen Motivationskonstellationen überhaupt in eine derartige Situation gelangen. Nachvollziehbar bleibt die Entscheidung aber allemale. Denn:

60.000 Euro — besser wird’s darüber nicht mehr.

Einen Kommentar hinterlassen

Der Ebenholz-Schuh

Watisndat? Ebenholz und Ivory, oder auch Ebony und Elfenbein, da denkt doch jeder — sofern er kein Geigenbauer ist — an dieses Duett von Paul McCartney und Stevie Wonder. Ebenholz, wo kommt einem das im Leben unter, wenn nicht als dieser Songtitel und -text? Welcher bekanntlich von den weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers handelt, aber natürlich eine Metapher für das Zusammenleben von Menschen jeglicher Couleur sein soll. Ebenholz also als Sinnbild für Menschen schwarzer oder brauner Hautfarbe, aha.

In Belgien gibt es aufgrund der Kolonialgeschichte des Landes — die heutige Demokratische Republik Kongo, früher Zaire und somit WM-Teilnehmer 1974, war längere Zeit Privatbesitz des belgischen Königs — eine besondere Affinität zu Fußballspielern aus Afrika, vielleicht nicht ganz so ausgeprägt wie in Frankreich, wo Spieler aus großen Teilen Nordafrikas sowie aus Westafrika eine besondere Beziehung zur petite nation haben oder meinen zu haben, aber immerhin gibt es diese Affinität in Belgien.

Deshalb, das dürfte bekannt sein, existieren dort auch solche Phänomene wie der SK Beveren, dessen Kader oft zu mehr als 80 Prozent aus Spielern aus der Elfenbeinküste (sic!) besteht. Natürlich gibt es auch noch andere Motive als eine ehemals existierende Kolonialherrschaft, dennoch ist die Neigung der Bundesliga zu afrikanischen Spielern weitaus geringer als eben in Belgien. Und eine solche Einrichtung wie im Titel gibt es in Deutschland deshalb auch nicht.

Der Ebenholz-Schuh ist eine Ehrung, die man im belgischen Fußball dem besten afrikanischen Spieler einer Saison zuteil werden lässt. Die Ehrung wurde 1992 eingeführt und die Liste seiner Gewinner zeigt, dass der belgische Fußball nicht unbedingt das optimale Sprungbrett für eine Weltkarriere darstellt (Ausnahme, das Übliche).

So sieht er übrigens aus der, Soulier d‘ébène belge, ebenholzfarben natürlich.

7 Kommentare

Allez les Verts

Hier sollte eigentlich grundsätzlich keine kostenlose virale Hirnverdreherei präsentiert werden. Doch beim Folgenden kann man — das bin ich — einfach nicht widerstehen. Man muss gar nicht erst die Leier von der kulturellen Gleichschaltung der Welt und der großen Bedauerungswürdigkeit dieser Tatsache anstimmen.

Fußgängerzonen, TV-Programme, TV-Programminhalte, selbst Essen und eben auch Sportkleidung. Die großen zweieinhalb teilen den Weltmarkt unter sich auf, ein Exot bei der WM, der nicht von ihnen ausgerüstet wird, ist ein willkommener Farbtupfer, aber leider meist auch nach der Vorrunde schon wieder zu Hause. Nordkorea, Dänemark, wobei deren Hummel-Zeiten ja auch schon länger passé sind. Umbro kennt man hier in der Breite kaum, Le Coq Sportif kennt wohl jeder (Ältere), trägt aber bei der WM leider niemand.

Das war mal anders, und an diese andere Zeiten erinnert der Ausrüster jetzt selbst mit diesem gar nicht mal umwerfend geschickt gestalteten Video. Welches dennoch nur denjenigen kalt lässt, der seine Illusionen von bunteren, lebensfroheren und auch reineren Zeiten in die Zukunft oder unter die Erde verschoben hat. Wer hingegen dem schönen Motto anhängt, dass früher alles besser war, der wird hier auf seine Kosten kommen und danach das eine oder andere Kotlett auf seinem metaphorischen Herzen garen können. Wobei Kotletten im Video ohnehin eine Rolle spielen. (Nicht durch den Delling-Filter gekommen.)

Voilà.


L‘Ange Vert – Dominique Rocheteau – Célébrez le rétro football des 70’s from Le Coq Sportif on Vimeo.

Zu diesem Clip gehört noch eine ganze Kampagne bei Le Coq Sportif, wovon wiederum ein ebenso bezaubernd auf damals getrimmtes pdf im Zeitungsstil ein Höhepunkt ist. Diese Werbebeilage gibt es hier [Link leider tot] (Es soll ja auch noch Gebiete ohne DSL geben, also: Vorsicht, das pdf besteht aus 40MB!) direkt und man sollte sie nicht versäumen. Wer es von der Seite selbst transferiert, wird feststellen, dass „télécharger“ auch immer noch mehr Charme als ein beinahe obszönes „Runterladen“ besitzt

Hach. Es gibt eben bestimmte Spielernamen, die einfach Musik in den Ohren sind. Einer der Allzeitfavoriten ist „Tony Cascarino“, ein anderer „Claudio Gentile“, jetzt kehrt der natürlich nie vergessene Dominique Rocheteau wieder ganz oben in diese Hitliste zurück.

… und ja, so leicht ist man — das bin ich — zu ködern. Der grüne Engel.

4 Kommentare

L‘Orient-Express est un train de luxe

Da so etwas in den Kommentaren meistens untergeht, wird es hier oben noch mal verlinkt, obwohl es sehr gut direkt in den Beitrag des türkischen Fußballfanseins gepasst hätte. Die Tagesschau betreibt eine originellerweise als „Orient Express“ bezeichnete Reihe innerhalb ihres Videoblogs. Thema der hier verlinkten Ausgabe: die drei (großen) Istanbuler Fußballvereine.

Zumindest für mich war in knappen 6 Minuten noch etwas Neues dabei, zum Beispiel dass Galatasaray nach einem Gymnasium benannt ist, in welchem man ausschließlich französisch spricht, weshalb Galatasaray auch als Verein der Intellektuellen gilt.

Dass Fanatisierte, die Sermon in ein Mikro gröhlen, eher wenig appetitlich sind, war mir hingegen nicht neu.

Zum Orient Express.

3 Kommentare

Goldene Generation

Neue Ausgabe des beliebten Gewinnspiels ohne Gewinne. Kurz und ohne eine Aktivierung der Nozizeptoren:

Die Nationalmannschaften welcher Länder verfügten in welchem Zeitraum über eine von vielen Seiten als „Goldene Generation“ bezeichnete Ansammlung von Spielern?

Niederlande 1998-2002
Kluivert, Bergkamp, Seedorf
Bulgarien 1994-1998
Stoitschkov, Letschkov, Balakov
Portugal 1991-2006
Luis Figo, Rui Costa, Nuno Gomes
Kroatien 199x-200x
Boban, Suker, Soldo, Prosinecki
England 200x-2010
Terry, Gerrard, Cole, Lampard
Ungarn 1950er
Puskas, Grosics, Kocsis, Bozsik
Tschechien 1996-2006
Nedved, Poborsky
Spanien 1999-2010-?
Iniesta, Xavi, Xavi Alonso, Puyol, Casillas
Mexiko ?-2010-?
El loco, el loco und der andere el loco
Spanien 1999-2010-?
Iniesta, Xavi, Xavi Alonso, Puyol
Österreich 1931-1933
Sindelar, Meisl
Schweden 1992-1994
Brolin, Larsson, Andersson, Ravelli
Frankreich 1998-2000
Zidane, Blanc, Desailly, Barthez
Frankreich 1950er
Kopa, Fontaine, Wisnieski
Belgien 1980-1986
Scifo, Ceulemans, Gerets, Pfaff
Paraguay 1990-2006
Chilavert, Ayala, Gamarra
Nigeria 1994-2002
Kanu, Okocha, Ikpeba, Oliseh
Elfenbeinküste 2006-2010
Drogba, Touré, Zokora
Burkina Faso 2001-?
?
Kolumbien 1990-1994
Valderrama, Rincon, Asprilla
41 Kommentare

Wann der Dummschwätzer gerne verliert – (XXX)

(XXX steht nicht für fleischliche Gelüste, denen der Betroffene in diesem Zusammenhang hätte erlegen sein können, sondern für den 30. Beitrag in dieser Rubrik.)

Der Welt kann er es ja sagen: Im Mai 2003 brach es aus Franz Beckenbauer heraus, dass seine Bayern vor 40 Jahren durchaus gern mal 2:5 in Braunschweig verloren hätten, damit die Eintracht statt des Lokalrivalen 1860 Meister werden würde.

„Das ist ja verjährt, deshalb kann ich’s jetzt sagen“, sagte der Kaiser ganz jovial.

Eigentlich ein Skandal. Aber eben leider verjährt. Ist es wirklich?

3 Kommentare