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Monat: Juni 2011

Stockfehler ohne Stock

Aus keinem besonderen Anlass.

Haben Sie sich jemals gefragt, was ein „Stockfehler“ beim Fußball sein soll? Haben Sie jemals im Fußball abgesehen von Eckfahnen etwas gesehen, was entfernt Ähnlichkeit mit einem Stock aufweist?

Die Gründe für die negative Antwort auf die zweite Frage sind offensichtlich. Im Fußball gibt es keinen Stockfehler, weil kein Stock Teil des Spiels ist. Eine Tatsache, die Sportreporter nicht davon abhält, Fehler beim Verarbeiten des Balles mit Teilen des menschlichen Körpers als Stockfehler zu bezeichnen.

Ursprünglich stammt der Ausdruck aus dem Hockey, wo die Herleitung sozusagen in der Hand liegt. Im Fußball hat er sich trotzdem zumindest im Reportersprech eingebürgert, weshalb hier auch keine Korinthen gespaltet werden sollen. Sei’s drum, Sprache ist ja lebendig, wissen die, die schon ganz lange bei der Klugscheißerei aktiv dabei sind. Und mittlerweile sogar eingesehen haben, dass auch Denglizismen nicht per se ein Übel sein müssen.

Dass jemand „einfädelt“, das soll es im Fußball übrigens eigentlich auch nicht geben. Und hat mich als ausgewiesenen Flachlandtiroler auch jahrzehntelang vor große Verständnisschwierigkeiten gestellt.

Kein Stock, keine Skier weit und breit. Schnäbel wachsen allerdings in solche Richtungen.

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Reisende gibt es immer wieder

[photopress:der_libero_lebt.jpg,full,alignleft] Es scheint so zu sein, dass man — einmal infiziert — nicht so leicht davon wegkommt.

Denn nach dem Königsblog und dem Volk ohne Raumdeckung ist ein weiterer der kurzzeitig zurückgetretenen Fußballblogger wieder mitten auf der Bühne des Balles: Das alte Thor Waterschei-Blog heißt jetzt „Der Libero“ und ist wieder im Programm. Die Beiträge dort erscheinen zwar nicht mehr in der gleichen Frequenz wie noch als Thor Waterschei, dafür aber schon seit geraumer Zeit und nicht zu kurz.

Wunderbar.

Einige Hände reichten nicht mehr aus, um die Zahl der Wortmeldungen zu zählen, die das Ableben von „Thor Waterschei“ bedauerten. Das Bedauern kann allerdings nun in die Gerätekammer gesperrt und dort für spätere Nutzung aufbewahrt werden.

„Thor Waterschei“ ist tot.

Es lebe „Der Libero“!

Andererseits kommt man anscheinend sehr wohl davon los, wie gerade erst drei längere Mitstreiter demonstrieren. Au revoir, Safftis Spottplatz, Fabulous Sankt Pauli und Hamburg Schwarz-Gelb. War mir eine Freude, und vielleicht nehmen sie sich ein Beispiel an den Erstgenannten. Falls nicht, auch nicht gut.

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Niemand zu Hause

Es beginnt mit dem kafkaesk endenden Versuch, auf traditionellem Wege eine Eintrittskarte zu erstehen. Auf der Webseite des Turnierausrichters ist angegeben, dass man auch an einigen Orten, in denen kein WM-Stadion steht, Karten erwerben kann. Man müsse sich nur in die Gemäuer des jeweiligen Fußballverbandes begeben.

Das an sich ist einfach, denn an einem Mittwoch vor einem Feiertag ist kurz vor 16h kein weiteres Auto auf dem Parkplatz zu sehen. Kaum öffnet man die Tür des Verbandsgebäudes, weht intensiver Muff um die Nase, nicht aus 1000 Jahren, aber den von Verbandseinrichtungen bekannten. Niemand ist auf den langen Gängen zu sehen, auch scheint hier niemand zu arbeiten. Womöglich ist das ganze Anwesen eine Attrappe, das man von außen für betriebsam und belebt halten darf, innen drin aber lebt keiner außer dem Geist dessen, dass alles gut war, wie es früher war. Neuerung könnte etwas für überschwänglich jugendlich Gebliebene sein.

Nach etlichen Dutzend Metern durch die Gänge, kein Hinweisschild weist auf den Kartenverkauf hin, doch ein menschliches Wesen: der Hausmeister. Womöglich in Personalunion mit dem Mörder, so freundlich wirkt er. Wer nichts zu verbergen hat, kann unmöglich als Verbandsangestellter einem Eindringling gegenüber so freundlich sein. Er aber weist den Weg. Ein Stockwerk höher, da gebe es eine Tür. Aber ob da jetzt noch jemand anwesend sei … ?, wisse er nicht. Schließlich sei es bereits kurz vor Feierabend.

Es ist jemand anwesend, der auch die korrekte Tür benennen kann, hinter der sich Eintrittskartenverkäufer oder -innen befinden sollen. Geklopft, keine Antwort. Der Teppich, auf dem die Füße stehen, knarzt nicht.

Einfach eintreten, und dann steht man im leeren Raum. Stille. Im Nebenraum doch ein älterer Herr. Ob er mir helfen könne. Karten für die WM.

„Für welche Partie?“

„Australien — Äquatorialguinea.“

„Oh, wo spielen die denn?“

Er zeigt ein ehrliches, verschmitztes Lächeln. Äquatorialguinea kommt wohl gleich hinter Mikronesien.

„Bochum.“

„Nein, tut mir leid, da müssen Sie am Montag wiederkommen.“

„Aber am Montag sind die Karten vielleicht schon alle weg?“

„Bestimmt nicht.“

„Wenn aber doch?“

Er könne nicht weiterhelfen. Die Dame, die zuständig ist, sei in Urlaub, komme erst Montag wieder. Er selbst, tut ihm aufrichtig, das sieht man, leid, kenne sich mit dem System nicht aus. Sonst jemand? Nein. Auf dem Rückweg ist der Hausmeister verschwunden. Verdächtig. Keine Karten. Der Parkplatz ist leer.

Vier Tage später.

Am Tag des Eröffnungsspiels: Eine einzige Fahne an einem Wagen wird gesichtet. Zu Fuß immerhin eine Frau in „Lahm“- und somit Deutschlandtrikot. Da muss man die Mitgucker drängen, früh genug loszufahren, man brauche ja einen guten Platz. Und das Turnier beginne ja nicht erst mit dem Anpfiff um 18h, vorher sei auch noch eine Eröffnungsfeier und es gäbe möglicherweise, eventuell, hörenswerte Interviews. Gerade noch rechtzeitig, viertel vor sechs, trifft man in der Fußballguck-Stammkneipe ein, die wirklich jedes noch so geringfügig interessante Champions-League-Vorrundenspiel überträgt. Merkwürdig leer ist der Biergarten, drinnen dann die nicht mehr allzu große Überraschung: keine Leinwand.

Die Blicke der Anwesenden erfassen die Hereinkommenden, können aber die leichte Hetze im Tun und Suchen der übrigen Verabredungen nicht verstehen. Gemütlich dampft eine Zigarette vor sich hin, daneben eine Tasse Kaffee. Vielleicht im Hinterraum, wo sonst die Konzerte sind? Der Kellner verfolgt verwundert das Huschen in jenen Raum, wo sich Gesangsanlagenboxen auf dicken Kabeltrommeln stapeln. Angenehm kühl ist der Raum, wohl auch, weil sich darin niemand befindet.

Schnell weiter, zur todsicheren Gelegenheit, die auch bei einem EM-Spiel Griechenland — Kroatien stets überfüllt ist. 8 rasante Minuten Autofahrt, wo man sonst 15 benötigt, später dann die nächste Überraschung. Freie Plätze en masse. Selbst direkt vor der Leinwand. Nebenan sitzt eine weibliche Mittvierziger-Frauenrunde, wenigstens die zweite Gruppe Menschen am Tag mit Deutschland-Fan-Insignien. Davor eine mäßig interessierte jüngere Frauenrunde, die Frau mit dem „Lahm“-Trikot ist auch dabei. Etwa 40 Prozent der sonst zu 100 Prozent belegten Plätze spüren ein Gesäß auf sich schlummern. Anpfiff, das Spiel beginnt, wenn man gnädig ist, auch die WM in diesem Moment. Niemand klatscht oder äußert sich in sonst einer Art. Schaut jemand hin?

Als Schmelzer später erwähnt, dass Blatter im Stadion nicht ausgepfiffen worden sei, schleicht die Ahnung herauf, dass auch das Olympiastadion nur eine Attrappe sein könnte, gefüllt mit Schülerfreikarten. (Dass Blatter gar nicht explizit vorgestellt wurde, erwähnt Schmelzer nicht.) Ein erzieltes Tor erkennt man auch als Ungeübter, da braust es dann kurz durch die lokale Runde, wie später auch bei Torchancen und Aluminiumtreffern. Auffällig das offensichtlich unchoreographierte Fallen über ein gegnerisches Bein, welches genau deshalb so richtig gefährlich wirkt. Hat sie sich ernsthaft verletzt? Wer gefoult wird, „steht doch wieder auf“, bescheidet die eine die andere, da müsse man sich nicht sorgen. Am Ende wird es knapp, so richtig vibriert es aber nirgendwo. Ist es zu heiß dort draußen oder ist der Glaube an die Überlegenheit der Kickerinnen in Weiß zu groß? Abpfiff. Kein Jubel. Dankeschön und „Zahlen, bitte“. Nach einer Stunde schaut man in die Runde: niemand mehr da.

Es kann ja noch werden. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob es überhaupt muss.

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Video der Eröffnungsfeier

Allerdings nicht jene der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011, die müsste heute Abend auch irgendwann laufen, sondern der ostasiatischen Wettbewerbe 2007. Dabei handelt es sich nicht um Massenaufläufe im größten Stadien der Welt in Nordkorea. Es ist eine — hier darf man einmal die Vokabel aus Touri-Broschüren verwenden — atemberaubende Animation, durch Menschen produziert. Und nee, sowas hat man noch nicht gesehen. Keins dieser in rauen Mengen auftretenden Videos von Papptafeln hochhaltenden, auf der Tribüne sitzenden Menschen. Vielmehr eine nahezu perfekte Choreographie, die geneigt ist, unsere Klischees über ausdauernd auch unangenehme Wochen des Trainings erduldende Asiaten zu unterfüttern.

Nahezu fehlerfrei dargeboten.

Ja, gut äh, die Musik …

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Goldene Zeiten in Norwegen

Wir diskutierten letztens schon den Ebenholz-Schuh, welcher afrikanischstämmigen Spielern in Belgien überreicht wird. Nicht exakt die selbe Kategorie, aber doch sehr ähnlich ist die „Goldene Uhr“. Wo man zunächst angesichts der lohnenswerten Lobby-Arbeit von Teammanager Bierhoff an die Schweiz denken würde, stammt die Einrichtung der „Goldenen Uhr“ jedoch aus Norwegen. Dort nennt man sie Gullklokka, welche so ausschaut.

Die Gullklokka wird all jenen Spielern überreicht, die ihr 25. A-Länderspiel für den Verband bestreiten.

Bescheuert, ist es nicht? Wieso ausgerechnet nach 25? Und was sollen mehrheitlich Premier-League-Profis mit einer „Goldenen Uhr“? Bei der erstmaligen Vergabe dieser Ehrung im Jahr 1919 hat sich ihr Gewinner sicher noch arg gefreut. Bei den heutigen Verhältnissen jedoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis die eine oder andere Gullklokka bei eBay auftaucht.

Andererseits schön, dass man in Norwegen überhaupt etwas für eine gewisse Anzahl an Einsätzen bei Länderspielen erhält. Beim DFB bekommt man selbst nach fast 100 Einsätzen erst eisiges Schweigen, dann ziemlich kühle Worte und am Ende wird man in die Nähe von Verschwörungstheoretikern verfrachtet, mit welchen man nur noch via Anwalt kommuniziert. Dann vielleicht doch lieber eine Goldene Uhr.

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Wer ist diese Lira‘?

Lira‘ — Wer ist diese Lira‘?

Und seit wann sind Apostrophe Teile von Namen – im Deutschen? Nun gut, Lira‘ Bajramaj ist natürlich kein deutscher Name, sondern eigentlich nur ein Spitzname einer kosovarischstämmigen Spielerin. Dass man Apostrophe in Namen nutzt, kannte man bislang aber nur von Torhütern aus Kamerun wie Thomas N‘Kono.

Nun also auch im deutschen Fußball. Doch natürlich versteht keiner, dass der Apostroph Teil des Namens von Lira‘ Bajramaj ist und schreibt es in gewohnter Manier der Ignoranz irgendwelcher Sonderzeichen einfach Lira.

Das ist falsch.

Richtig machen es nur ganz wenige, zum Beispiel die Jung’s und Girl’s von Nike, die eine ihrer Kampagnen zur Frauenfußball-WM korrekt benannt haben, wie es sein soll und muss.


[photopress:liras_lira.jpg,full,centered]

Jaja, Deppenapostroph-Beiträge sind so 2005 … aber dann und wann machen sie immer noch Spa‘ß. Wie damals beim Printzen.

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Ein Remis ist kein Remis ist kein Remis

Eines der schönen Dinge am Fußball ist die Tatsache, dass es ein Remis gibt.

In vielen Spielsportarten, in denen sich je zwei Teilnehmer duellieren, ob nun als Mannschaft oder als Einzelner, existiert schon per Spielregeln kein Remis. In vielen weiteren, in denen ein solches möglich wäre, wird es durch endlose Verlängerungen inklusive kleiner, Verzeihung, schneller Tode ebenso ausgeschlossen wie in den erstgenannten.

Kritiker, vermeintliche Freunde ebenso, des Fußballs werfen diesem vor, durch seinen hohen Anteil an Spielen, die Remis enden, etwas von seiner wohl noch schlummernden möglichen weiteren Faszination zu verhindern. Auf dass auch noch der hinterletzte Bewohner dieses Planeten für den Fußball gewonnen werden möge. (Dieser zweite Aspekt ist allerdings ein anderes Fass als jenes, welches hier diskutiert werden soll.)

Dabei ist ein Remis selten wirklich ein Remis. Die eine, stets nötige Ausnahme von dieser Regel, zumindest für das erste folgende Argument stellt lediglich das 0:0 dar.

1.

Allen anderen Remis ist immanent, dass zunächst eine Mannschaft eine Führung erzielt, die andere also bis zu ihrem Ausgleich im Hintertreffen liegt und einer drohende Niederlage entgegensieht, bis diese Mannschaft den Ausgleich erzielt. Was für die erste Mannschaft den Verlust eines errungenen Vorteils bedeutet, während das ausgleichende Team etwas hinzugewinnt. Endet das Spiel nach derartigem Verlauf, wird sich eine Mannschaft freuen und die andere ärgern. Das ist einerseits trivial, wird aber offensichtlich stets übersehen, wenn man beginnt, an der Existenz von Remis im Fußball herumzudoktorn.

2.

Zweitens kommt ins Spiel, dass eine Fußballpartie fast immer — von den wenigen Situationen eines KO-Runden-Spiels abgesehen — innerhalb eines Ligasystems stattfindet. Einem System, in dem andere Teams ebenfalls Spiele verlieren, gewinnen oder unentschieden beenden. So kann ein Remis in einer bestimmten Tabellenkonstellation genau so ausreichend hoch dotiert sein, wie man es gerade benötigt, um sein Ziel zu erreichen. Klappt es dann — das muss nicht zwangsläufig am Ende einer Saison passieren, es sind auch Szenarien wie ein Ultimatum an den Trainer oder überkochen zu drohender Unmut mitgereister Zuschauer nach Niederlagenserien oder Ähnliches denkbar — das benötigte Ziel eines Remis‘ zu erreichen, wird es wie ein Erfolg empfunden werden. Ergo machen sich weder Langeweile noch Unzufriedenheit ob des vermeintlichen Fehlens einer Entscheidung breit.

3.

Drittens treten selten Mannschaften gegeneinander an, die in der perzipierten Spielstärke so gleichwertig empfunden werden, dass man vor der Partie keine Vermutungen bezüglich der Favoritenrolle in diese oder jene Richtung ablesen würde. Je nach Spielstärke des Gegners vermag ein Remis durchaus wie eine Niederlage oder aber bei scheinbar übermächtigem Kontrahenten wie ein Sieg zu wirken. Das wiederum geschieht beinahe unabhängig von der aktuellen Tabellensituation. Nicht gänzlich unabhängig davon, zugegeben, denn diese wird in den meisten Fällen moderieren, wie stark ein Team ganz aktuell eingeschätzt wird.

Nur wer mit den Augen eines reinen Entertainment Erwartenden, mit einem vom Wunsch nach totalem und möglichst finalem Drama beseelten Gemüt oder mit von anderen Sportarten verdorbenen Erwartungen (die dort durchaus passend sein mögen) einem Fußballspiel zuschaut, wird sich mit der Idee eines Remis nicht anfreunden können und gelangweilt zurück zu seinem Tic-Tac-Toe schleichen.

Doch wer würde ernsthaft einen solchen Zuschauer, der die Umstände und Auswirkungen eines Remis nicht erkennt, vermissen?

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Das einzige Fußballspiel zwischen der BRD und der DDR

… das gab es nie.

Allerdings nicht, weil man nie gespielt hätte und das Sparwasser-Tor sowie das gesamte Spiel im Volksparkstadion 1974 so etwas wie eine inszenierte Mondlandung gewesen wären.

Sondern weil die BRD und die DDR bereits 1972 bei den Olympischen Spielen von München aufeinandertrafen, wenn auch von BRD-Seite natürlich nur mit der Olympia-Auswahl und nicht mit der A-Nationalmannschaft angetreten.

Dennoch bemühten sich gerade mal kümmerliche 80.000 Zuschauer zu dieser aus der öffentlichen Wahrnehmung des Westens verschwundenen Partie, obwohl da mit Derwall an der Linie und Worms, Nickel sowie zwei minder bekannten Torschützen doch einiges an Holz aufgeboten war.

Ihre Vorrundengruppe gewann die BRD gegen Marokko, Malaysia und die USA. Die DDR wurde in ihrer Gruppe Zweiter hinter Polen vor Kolumbien und Ghana.

In der Zwischenrundengruppe 1 trafen somit Ungarn, die DDR, die Bundesrepublik und Mexiko aufeinander. Die DDR gewann gegen, äh, Deutschland, wie man damals gerne sagte, und schwupps war es das mit dem Weiterkommen bei der Heim-WM den Heim-Olympischen-Spielen, denn auch gegen Ungarn und Mexiko wurde nicht gewonnen.

 
Land Tore Punkte
1 Ungarn 8:1 6:0
2 DDR 10:4 4:2
3 BR Deutschland 4:8 1:5
4 Mexiko 1:10 1:5
 
 

Teil dieser Gruppe war auch die Partie vom 8. September 1972, welche im Olympiastadion stattfand:

BR Deutschland – DDR 2:3 (1:1)

Wobei die BR Deutschland mit der folgenden Aufstellung antrat:

Hans-Jürgen Bradler – Heiner Baltes, Reiner Hollmann (75. Rudolf Seliger), Egon Schmitt, Friedhelm Haebermann, Hermann Bitz, Uli Hoeneß, Jürgen Kalb, Ottmar Hitzfeld, Bernd Nickel, Klaus Wunder (59. Ronald Worm)
Trainer: Jupp Derwall

Und die DDR mit ein paar Leuten, die man 2 Jahre später bei einem anderen großen Turnier wiedertreffen sollte:

Jürgen Croy – Manfred Zapf – Bernd Bransch, Konrad Weise, Frank Ganzera – Jürgen Pommerenke, Wolfgang Seguin, Hans-Jürgen Kreische – Jürgen Sparwasser, Peter Ducke, Joachim Streich (70. Eberhard Vogel)
Trainer: Georg Buschner

Torverlauf:
0:1 Jürgen Pommerenke (12.)
1:1 Uli Hoeneß (31.)
1:2 Joachim Streich (53.)
2:2 Ottmar Hitzfeld (68.)
2:3 Eberhard Vogel (82.)

Und wie um dem ganzen die Krone der Legenden vom „einzigen Spiel“ aufzusetzen, spielten die Olympia-Mannschaften der BRD und der DDR bereits 1964 eine Vor-Ausscheidung vor den Olympischen Spielen von Tokio, bei denen wiederum die Olympia-Auswahl auf westdeutscher Seite zum Einsatz kam. Die ebenfalls verloren ging, wobei immerhin der einzige Sieg gegen die DDR gelang. Im Endergebnis kam aber die Mannschaft der DDR weiter und flog nach Tokio.

Somit erhöht die DDR in unserer Wahrnehmung nun von 1:0 Siegen auf 3:1 Siege.

Dass man in der BRD nicht besonders stolz auf die beiden weiteren Niederlagen ist, ist nachvollziehbar. Sie nie zu erwähnen, riecht dennoch nach wohlgefälliger Geschichtsklitterung. Schließlich hört und liest man schon seit Jahrzehnten vom Fußball und muss erst in einer sehr späten Nacht im Jahr 2011 in diese Wikipedia-Abgründe hinabsteigen, um davon zu erfahren. Mag sein, dass die Älteren unter uns das alles wussten, weil sie es selbst (am TV) miterlebt hatten; und ein weiterer Grund für die Nichterwähnung dieser beiden Partien mag auch die ohnehin latent an Stiefmütterchen erinnernde Behandlung des Fußballs im Zusammenhang mit Olympia sein. Das wäre bei Spielen gegen Australien, Schweden, Belize oder wer sonst noch Gegner bei Olympia war, verzeihlich. Bei innerdeutschen Vergleichen allerdings mutet es äußerst merkwürdig an.

Uli Hoeneß. Ottmar Hitzfeld.

Update: Natürlich gibt es auch Farbbilder vom Spiel.



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Alkoholverbot in Düsseldorf

Klar, dass ein solches Alkoholverbot im Rheinstadion zu Düsseldorf nicht überall auf Begeisterung stößt. Insbesondere, da die Betroffenen keine Besserung der Situation davon erwarten.

Es werde eher „noch schlimmer“, äußern sich einige Schlachtenbummler der Fortuna im Bewegtbild.

Und wenn Köln herkommt, dann …



Tja, man merkt, das Video ist schon etwas älter, denn Köln kam schon lange nicht mehr zu Besuch nach Düsseldorf.

Ominöse „Flachmänner“. Offensichtlich eine besonders gefährliche Form der Sekten, nicht allein in Düsseldorf.

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Theo, lass uns nach Eppheim fahren

Chronistenpflicht-Beitrag respektive Chronisten-Pflichtbeitrag.

Wie schon von janus in den Kommentaren geschildert, erlebten wir vorgestern ein Highlight der Fußballer-in-Filmen-Geschichte, das den Berti-Vogts’schen Auftritt im Tatort stante pede verblassen lässt.

Der Titel des Beitrags hat die Wahl gewonnen gegen folgende andere Kandidaten:

  • „Unfall?! … oder …“
  • „Nein, sag, dass das nicht wahr ist.“
  • Laut hörbares Ausatmen, geradezu Schnaufen von Theo Zwanziger, ungefähr so: Puuuuh, aber mit ein bisschen mehr Luft dabei, die man mit den Mitteln einer Rechner-Tastatur schlecht darstellen kann.
  • Das dumpfe Geräusch des Aufpralls einer Abrißbirne, die gerade gegen den Schädel des Drehbuchschreibers donnert, als Zwanziger den Satz „Was kann ich für Dich tun?“ beendet. (2. Platz der Abstimmung)

Viel mehr an Kandidaten waren ja nicht möglich.

Nur eine kurze Woche lang ist der Film dank hanebüchener richterlicher Entscheidungen im Archiv der ARD abrufbar, danach nicht mehr. So würde man später gar nicht verstehen, wovon überhaupt die Rede ist, wenn man von der „Theater AG des DFB“ spricht. Deshalb also dieser Beitrag, damit man auch in Jahren noch prüfen kann, ob Zwanziger oder Vogts der, ähem, kleinere Laie war.

„Theo, lass uns nach Eppheim fahren“ — schon jetzt ein Klassiker.



PS: Offensichtlich verzichtet Theo Zwanziger vorübergehend, ich betone: vorübergehend, auf seinen Doktortitel, denn im Ausschnitt wird dieser nicht erwähnt. Das kann nur mit seiner Zustimmung geschehen sein, also ist da eventuell doch etwas faul im Staate Otto-Fleck-Schneise. Ein Fall für das noch zu gründende TheoPlag.

Wenn man genau zuhört, sagt die Sekretärin durchaus „Dr.“ Zwanziger. Ändert aber nichts daran, dass man angesichts der Verfilzung von Theo mit der CDU und den diversen Jobs in der Verwaltung des Landes Rheinland-Pfalz da nicht doch mal nachgucken könnte, ob ein TheoPlag sinnvoll wäre.

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Potemkinsche Hoffnung DFB-Pokal:
Bayern, Bremen, Schalke

So ungerne man es auch glauben mag — aus dem DFB-Pokal, der angeblich großen Möglichkeit für Underdogs, auch mal etwas zu gewinnen, ist eigentlich nur eine Liga-Veranstaltung in grün geworden.

Die Gewinner der letzten 15 Jahre bestehen nur aus Bayern (7x), Bremen (3x) und Schalke (3x).

Dazu 1x der VfB Stuttgart und als einziger Kleiner überhaupt, wenn man es denn so sehen will, der 1. FC Nürnberg. In 15 Jahren gerade mal eine halbe Überraschung — da braucht man als kleiner Club eigentlich nicht mehr ernsthaft darauf zu hoffen, gegen die Großen anstinken zu können.

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Michael Lott, wir danken Dir!

Die Bewegung gegen den modernen Fußball hat eine neue Ikone:

Michael Lott

Im Tatort ermordet er in der Rolle des Steffen Rennert eine Fußballerin, weil diese … irgendwas mit Seele des Fußballs und so, kaputtmacht, wohl, woraufhin er sie selbst kaputtmachen muss, die Spielerin versteht sich, nicht die Seele, die will er ja retten.

Gegen Ende des Films flippt er noch mal gegenüber dem großen, geschäftsgeilen Mäzen des Vereins aus, kurz bevor Lott als Rennert gefasst wird, und macht klar, dass man so nicht mit dem unmodernen Fußball umgeht. In dieser Aussage wird er sehr deutlich, indem er mit diversem Werkzeug auf — böses Foul eigentlich, aber eben nicht modern — auf bereits am Boden liegende Menschen einschlägt. Währenddessen leiert er den ganzen Sermon runter, der von nun an die Rezeption des Fußballs komplett verändern wird.

Endlich hat die Bewegung einen, hinter dem sie sich vereinen kann, einen charismatischen Greenkeeper, einen ganz eigenen Osama Platz Warten, der ihr den entscheidenden Zulauf sichern wird.

Was der Tatort hingegen hat: Drehbuchschreiber auf dem Level von Zwanzigers dickem Fell.

Extrem treffend: diese Worte zum Tatort mit dem FC Eppheim.

(Beantrage bei der Jury, dass ich die 90 Minuten mit dem Betrachten dieses Tatorts verbrachte Lebenszeit am Ende erstattet bekomme. Vom Geld wollen wir gar nicht erst reden, geht ja schließlich um die Seele des Fußballs.)

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„Die besten Frauen der Welt“ — der Film zur WM 2007

Wer einmal einem Fußballteam — um das Wort Mannschaft zu vermeiden — dabei zuschauen möchte, wie es ein Fußballteam ist und neben dem Fußballspielen auch zusammen trainiert, im Hotel Zeit totschlägt, obligatorische Späßchen miteinander macht und staunend (hier:) durch das übervölkerte China läuft, der sollte sich „Die besten Frauen der Welt“ ansehen. Soll ja Leute geben, die solche Dinge interessieren, den Autoren zum Beispiel.

Der Film begleitet die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft auf ihrem Weg durch das WM-Turnier 2007 aus nächster Nähe. Dabei ist ein sehenswerter Streifen entstanden, denn dieser Film ist ohne das Bedürfnis gedreht worden, Märchen einzufangen. Stattdessen nimmt er mit der Realität vorlieb. Weshalb man ihn als gelungen bezeichnen darf, und zudem jedem empfehlen kann, der sich selber oder andere in Bezug auf eine Teilnahme bei einem Teamsport motivieren möchte.

Die Protagonistinnen verfügen alle noch über ein Leben abseits des Fußballs und so fällt die Identifikation mit Nicht-Profi-Sportlern, die vergleichbar mit diversen Olympioniken oder Hockey-Nationalspielern mitten aus dem Leben kommen, wesentlich leichter als bei Pendants, die ihren Unterhalt allein mit Kicken bestreiten. Erfrischend normal, mit durchwachsenem Humor, wie man ihn von jeder Gruppenreise kennt, und abgesehen von ausgiebigen Haarspray-Orgien vor dem Anpfiff ausgesprochen unprätentiös zeigt der Film die Spielerinnen. Da ist auch die kurz angerissene Sonntagsrede des unvermeidlichen Theo Zwanziger zu verschmerzen.

Zudem ist „Die besten Frauen der Welt“ kurzweilig, ohne die Besonderheiten des Frauenfußballs zu übersehen. Die hauptsächlich darin bestehen, keine Besonderheiten zu besitzen. Wie die Nationalspielerinnen im Film erklären, fliegen sie auf dem Weg zur WM 2007 in China zum ersten Mal überhaupt Business Class, sonst sei es immer Economy gewesen. Silke Rottenberg hadert mit ihrer Rolle als zweite Torhüterin hinter Stammkraft Nadine Angerer, einige Spielerinnen präsentieren sich als besonders langweilige Zeitgenossinnen, und der sonst kaum auftretende Mannschaftsarzt oder Torwarttrainer flippt nach dem WM-Gewinn genauso aus wie es jeder Teambegleiter bei einem Team aus sagen wir Goslar oder Ludwigslust täte.

Um seinen Lauf voranzutreiben, vermischt der Film drei Bereiche: Erstens kurz gehaltene Interviews mit jeweils zwei der Nationalspielerinnen über ihre Erlebnisse während des Turniers in China, aber auch ihr sonstiges Leben mit dem Frauenfußball. Durchaus mit Blick über den Tellerrand. Zweites Element sind die Szenen der täglichen Vorbereitungsarbeit, Szenen in den Innenstädten und im Hotel. Als Drittes schließlich die eigentlichen Spielszenen, welche in angenehmer Kürze abgehandelt werden, dem Frauenfußball dennoch durch ihren speziellen Fokus die Intensität und Rasanz geben, die er innerhalb seiner Partien auf diesem Weltniveau besitzt.

Vor allem stehen die Spielerinnen selbst im Vordergrund. Für umfassende Charakterbilder reichen 91 Minuten bei einem Team von über 20 Personen zwar nicht, dafür sind einige der Spielerinnen auch (wohl nicht nur) vor der Kamera zu fad. Andere packen die Chance beim Schopf und präsentieren sich derart unverfänglich, dass man ihnen abnimmt, dass kaum etwas an dem Film gekünstelt ist. Dazu gehört auch eine große Portion Naivität und in Anflügen auch Chauvinismus im Umgang mit den Verhältnissen im Gastgeberland China.

Bemerkenswert: Wie beherrscht, zurückhaltend und fast schon kühl die Ansprachen von Silvia Neid sind. Diese werden vor der Abfahrt im Hotel, direkt vor den Partien und in der Halbzeit gezeigt. Auch sie — auch, wie Klinsmann im Sommermärchen-Film — erzählt nichts Neues, nichts, was man nicht selbst aus den Kabinen des Amateurfußballs kennen würde. Sogar das im Fußball obligatorische, leider unausrottbare „Hallenhalma“, das man eben nicht spielen wolle, kommt darin vor. Ansonsten scheinen diese Momente weniger der Motivation als der Konzentration auf das Wesentliche zu dienen. Offensichtlich sind die meisten Frauen so gut vorbereitet, dass man ihnen ihre Aufgaben nicht ständig mit der Gebetsmühle einbleuen muss.

Der Film lief nie (außer heute) im Kino, was bedauerlich ist. Immerhin hatte er in der ARD bei seiner Ausstrahlung im Januar 2008 etwa 2 Millionen Zuschauer, das ist immer noch jeder vierzigste Bundesbürger und somit deutlich mehr, als je Menschen zwei Füße in ein Frauenfußballbundesligastadion gesetzt haben.

Vergleiche mit anderen Geschlechtern verbieten sich eigentlich, und zwar aus dem Grund, dass andere Geschlechter andere Voraussetzungen haben. Der Film macht das zum Glück auch nur mittels der Aussagen der Nationalspielerinnen selbst. Was die in Oberhausen anwesende Lokalreporterin nicht davon abhielt, mich zu fragen, warum ich gekommen sei, und ob ich mich wirklich für Frauenfußball interessiere. Ich bejahte, was auch als Zugehöriger zu den ca. 5% Männern unter den bei der Vorstellung Anwesendinnen nicht allzu sehr erstaunen sollte.

Prädikat: Absolut sehenswert, ohne ganz große Überraschungen zu bieten. Dichter an den Spielerinnen als andere Filme, ist das schließlich gewonnene WM-Turnier in China nur der Aufhänger, der Frauen-Nationalmannschaft beim Wirken zuzusehen, aber nicht der Kern des Films. Den bilden die Äußerungen und Eindrücke der Spielerinnen.

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