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Monat: September 2011

Marcel Reif verfolgt Rummenigge

Marcel Reif, ein Angestellter der ÖR, verfolgt Karl-Heinz Rummenigge auf seinem damal schon abzusehenden Weg nach Italien. Der AC Florenz war lange im Gespräch, am Ende des Tages wurde es dann doch ein anderer Verein.



Nein, nicht Servette Genf. Das war später.

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Impulskäufe

Ich war sicher nicht der einzige, der schon beim ersten der beiden sehr guten Auftritte von Teemu Pukki in der Europaliga gegen den FC Schalke 04 das Edi-Glieder-Syndrom wiedererwachen sah. Dass es im Jahr 2011 dann tatsächlich noch so kommt, ist schon keine Ironie des Schicksals mehr, eher Verzweiflung desselben am strategisch geplanten Vorgehen beim Einkauf von Fußballern. Wobei die dabei angewandte Strategie zugegebenermaßen gar nicht so verkehrt ist:

Wer keine Idee hat, wonach er sucht, kann bei seinen Einkäufen schließlich nichts falsch machen.

Zwei der vier Namen wären damit oben schon erwähnt, die mir zu diesem Phänomen einfallen, dass ein Bundesliga-Club einen Spieler allein deshalb einkauft, weil er in einer oder zwei Partien hervorragend gegen ihn auftritt, meistens auch einige Tore erzielt.

Die anderen beiden wären Roy Makaay, den der Großmeister der Kaderplanlosigkeit nach ihn sehr schmerzenden Toren gegen seinen Verein in der Champions League gleich mal für seine eigene Elf einkaufte. Und sich dabei wohl auch noch von gewiefteren Händlern als ihm selbst ein wenig über den Tisch ziehen ließ. But I digress.

Roy Makaay und der vierte im Bunde ist … tja, fällt mir gerade nicht ein.

Ihr aber wißt bestimmt, welche Impulskäufe in Euren Klubs je getätigt wurden.

 
Name Käufer Abgebender Verein
Edi Glieder FC Schalke 04 SV Pasching
Teemu Pukki FC Schalke 04 HJK Helsinki
Roy Makaay FC Bayern München Deportivo La Coruna
Jan Schlaudraff FC Bayern München Alemannia Aachen
Marcel Heller Eintracht Frankfurt Sportfreunde Siegen
Anatolij Timoschtschuk FC Bayern München Zenit St. Petersburg
Ivica Olic Hamburger SV ZSKA Moskau
Rewas Arweladse 1. FC Köln Dinamo Tiflis
Alexander Baumjohann FC Bayern München B. M‘gladbach
Marcelo Moreno Werder Bremen Schachtar Donezk
Jan Derek Sörensen Borussia Dortmund Rosenborg Trondheim
Mickael Tavares Hamburger SV Slavia Prag
Alexandros Tziolis Werder Bremen Panathinaikos
Ciprian Marica VfB Stuttgart Schachtar Donezk
Anthony Yeboah Eintracht Frankfurt 1. FC Saarbrücken
Alain Sutter FC Bayern München 1. FC Nürnberg
Dawda Bah FC Augsburg HJK Helsinki
Torbjörn Nilsson 1. FC Kaiserslautern IFK Göteborg
Tony Woodcock 1. FC Köln Nottingham Forest
Marcel Rozgonyi FC Schalke 04 1. FC Magdeburg
Hami Mandirali FC Schalke 04 Trabzonspor
Daniel Pavlović 1. FC Kaiserslautern FC Schaffhausen
Cristiano Ronaldo Manchester United Sporting Lissabon
Bajram Sadrijaj Borussia Dortmund TSG Thannhausen
 
 

Wer wurde noch aufgrund der ausschweifenden Beobachtung von 90 oder 180 Minuten Fußballspiel gegen die eigene Mannschaft eingekauft?

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Epochal dehnbarer Kautschuk

Noch jede gut durchdachte Machtbewahrungsorganisation bemüht sich um eine juristische Legitimierung ihres willkürlichen Handelns, auch wenn noch so durchschaubar ist, dass man unter den verwendeten Paragraphen gleichzeitig alles und nichts verstehen könnte. Wehrkraftzersetzung, achnee, dann schreit man hier gleich wieder, ich würde den DFB mit den Nazis gleichsetzen, tu ich natürlich nicht, weil ich hier nichts verharmlosen will.

Also keine Wehrkraftzersetzung, sondern Staatsbürgerkunde. Achnee, dann schreit man hier gleich wieder, ich würde den DFB mit der Stasi gleichsetzen, tu ich natürlich nicht, weil ich hier nichts verharmlosen will.

Nun gut, dann halt die Analogie zur FIFA, die ihre eigenen Angelegenheiten im Euphemismus der „eigenen Familie“ bewältigen möchte.

Es gibt einen Paragrafen 9 in der Rechts- und Verfahrensordnung des Verbandes. Dort heißt es, dass man sich „eines unsportlichen Verhaltens“ schuldig macht, wenn man sich politisch, extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält.

Dass sich im Laufe der Zeit ändert, was als obszön anstößig oder auch nur als provokativ empfunden wird, ist ja gut und richtig, denn solche Gesetze oder Regeln bzw. deren Auslegung ist ja mit gutem Grund nicht starr, sondern an die Umstände der Zeit angepasst.

Dass die Auslegung aber undurchschaubar und intransparent stets nach gusto geändert werden kann, öffnet Verschwörungstheorien das Tor und macht das Gefühl, bei der Rechtssprechung des DFB in guten Händen zu sein, unmöglich.

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Selber singen: Ein Wachtraum

Eines Tages wird es doch noch passieren. Eines Tages fallen Freddie Mercury am Klavier bei den ersten Tönen des Intros von „We Are The Champions“ die Finger ab. Dann ist endlich Ruhe.

Den einen oder anderen Finger wird man später zu horrenden Preisen bei eBay ersteigern können. An der herrlichen Ruhe ändert dieser ansonsten nicht weiter erwähnenswerte Umstand allerdings nichts mehr.

Nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler müssen ihre Jubellieder wieder selbst singen. Es könnte sogar sein, dass sie sich dabei etwas einfallen lassen, was Bezug zum Siegerclub, zum gewonnenen Wettbewerb oder gar zu den einzelnen Spielern hat.

Plöck, plöck, fallen ihm die Finger ab, einer nach dem anderen, schlagen auf der Tastatur des Klaviers auf, die Band verstummt und im Fußball singt man endlich wieder Zeilen und Melodien, die etwas bedeuten.

Wachtraum zu Ende.

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Shots wide

[photopress:shots_wide.jpg,full,alignright] In Zeiten, in denen die Daten der Spieler so genau erfasst und anschließend veröffentlicht werden, dass diese sich Gedanken um Rufschädigung und Wertminderung machen — ein seltsamer Gedanke, dass ein Fußballprofi darüber nachdenken muss, „wie viel er wert ist“, in ganz konkreten Euros — vermissen wir als Liebhaber der gepflegten Klugscheißerei eine sehr wichtige Angabe bei all den Daten zu Laufwegen, erfolgreichen Pässen und den vielleicht nicht immer berechtigten Abseitspfiffen:

Nicht die nackte Information darüber, ob ein Torschuss aufs Tor flog oder daneben. Sondern dann doch bitte gerne auch noch die Zahl in Zentimetern, um welche Distanz ein Ball sein Ziel verpasste.

Wie man weiß, kann ein knapp am Pfosten vorbeigeflogener Schuss als wesentlich gefährlicher verbucht werden als ein Schuss direkt „auf den Mann“, auf den Torwart also, welcher den Schuss mühelos herunterpflückt.

Beim Vorbeischießen hingegen gibt es durchaus mehrere Klassen des Scheiterns: Den knapp am Pfosten vorbeigeflogenen Schuss darf man ruhig als sinnvolle Aktion verbuchen, ein-zwei Meter nebens Tor gezielt verlässt man so langsam den grünen Bereich. Und mehr als diese Distanz vom Gestänge entfernt gibt ein solch verzogener Schuss schließlich Anlass zu Häme, Forderungen nach Auswechslungen und dazu, die Überzeugung zu äußern, dass der Spieler eine Flasche (leer/voll ist dabei egal) sei.

Bislang wird in den veröffentlichten Daten aber gar nicht erwähnt, wie „wide“ ein „shot wide“ war — 2cm oder 20m — und ob er überhaupt die Eckfahne erreichte. Ich prangere das an, um danach wieder mehr anprangern zu können!

Vor allem jenen Typus Spieler, der aufgrund dieser Nachlässigkeit als wesentlich bemühter als seine Teamkollegen erscheint, weil er so viele „shots“ in seiner Statistik aufweisen kann.

Während seine tatsächlichen Schüsse in die Wolken eher Anlass zu Heiterkeit gaben denn Torgefahr heraufbeschworen. Wenn schon Daten, dann bitte die vollumfängliche Dosis.

 
 
 

photo credit: Jeff Kubina

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Zum Spiel mal eben nach Hause fliegen

Musiker, die sich für Fußball begeistern, gibt es wie Sand am Meer, Bob Marley, Campino, Robert Smith, etc. pp. Die treten dann mal kamerawirksam vor einen Ball oder werden in diverse Sportsendungen eingeladen, um sie ein wenig aufzuhübschen und ein bisschen von ihrem Fantum zu quaken.

Musiker, die in ihrer Jugend aktiv Fußball spielten, und beinahe eine Profikarriere ergriffen hätten, gibt es ebenfalls viele. Julio Iglesias, Rod Stewart oder Steve Harris. Über den gleich mehr zu berichten sein wird, denn:

Musiker, die während ihrer Musikerkarriere selbst noch Fußball spielen, sogar an einem Ligabetrieb teilnehmen und diese Angelegenheit so ernst nehmen, dass sie für die samstäglichen Spiele von weit her einfliegen und noch dazu eine eigene Webseite zum Team pflegen, mit allen Aufstellungen, Torschützen und Terminen, die gibt es kaum.

Umso erstaunlicher ist die Geschichte von Steve Harris‘ Hobbyteam, dem „Maidonians FC“, dessen Name auch gleich mal verrät, in welcher Band Steve Harris eigentlich musiziert. Der Bassist von Iron Maiden hatte in seiner Jugend bei West Ham United gespielt und besaß die Chance auf einen Profivertrag. Stellte dann aber fest, dass Profifußballersein eigentlich nicht das ist, was er mit seinem Leben anfangen möchte.

Weshalb er sich an die Musik hielt und den Fußball nur als Hobby weiterlaufen ließ. Dies aber seit Jahrzehnten mit ungebrochenem Ehrgeiz. 1999 z. B. war er Torschützenkönig seines Teams mit 18 Toren in einer Saison (von der man nicht weiß, wie viele Spiele sie umfasste), obwohl er einige Partien wegen Verpflichtungen mit Iron Maiden verpasste.

In jener Saison gewannen seine Maidonians FC dann auch den Titel dieser Liga. He regularly flies home from working in Europe to play on Saturdays – there’s dedication for you!

Respekt und sportliche Anerkennung. Nicht jeder, der es sich leisten könnte, fliegt zu den Spielen seiner Hobbymannschaft nach Hause. Von den Millionen Hobbyfußballern, die die Strecke bis zum Platz mit dem Fahrrad bewältigen könnten und die trotzdem im Bett liegen bleiben, ganz zu schweigen.

Maidonians FC.

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Loslassen können

„Ich kann nur den Hut davor ziehen, was viele Trainer leisten und wundere mich, dass es nicht mehr trifft, die über Erschöpfungssymptome klagen.“

  • Da hätten wir Michael Skibbe. Kam angeblich häufig zu spät zum Training in Frankfurt, war ohnehin kein Weltmeister darin. Also kein Trainingsweltmeister.
  • Michael Oenning, ihm sagen Medien nach, ebenfalls häufig als Letzter zum Trainingsplatz gekommen zu sein. Als er ein Konzept vorlegen sollte, hatte er keins. Zu viel regeneriert oder im Stress vergessen?
  • Wie Rudi Völler („Eine Stunde Training, danach Playstation spielen“) trainieren ließ, ist (nicht erst) seit Philipp Lahms Buch bekannt.
  • Armin Veh, wird als Trainer in Frankfurt verpflichtet, wo nach einem Abstieg der neue Kader für die sehr früh beginnende Zweitligasaison noch nicht feststeht — und fährt erstmal in Urlaub.
  • Louis van Gaal weilt in einer Länderspielpause während seines Engagements beim FC Bayern München statt auf den Trainingsplätzen der Säbener Str. lieber in seinem Feriendomizil in Portugal.

Die Liste ließe sich inbesondere mit Namen aus nicht ganz so aktuellen Zeiten endlos fortführen (besonders lesenswerte Beispiele des Loslassenkönnens gerne in den Kommentaren).

So viel Kritik wie es Ihnen jeweils einbrachte: Ihrer Gesundheit wird das jeweilige Verhalten nicht geschadet haben. Und nur weil der Chef nicht anwesend ist, muss das ja nicht bedeuten, dass die zu erledigende Arbeit nicht getan wird.

Delegieren heißt das Zauberwort.

Wobei es zugegebenermaßen etwas problematisch ist, wenn der eine Ahnungslose (Völler) an den anderen Faulpelz (Skibbe) delegiert. Da bleibt dann doch das eine oder andere liegen (z. B. Eckbälle, aber das ist ja selbst bei Löw noch so).

In allen anderen Fällen aber ist die Bundesliga, Fußball allgemein, so wie eigentlich ohnehin alles Berufliche ergebnisorientiert.

Entscheidend ist, was hinten dabei rauskommt.

Man darf elf Jahre lang im Training acht gegen acht spielen lassen und die Spieler ins Stadtcafé einladen, rauchend in seinem Kabuff sitzen oder sich zu Weißbier-Connections zusammenschließen, so lange die Mannschaft die nötigen Punkte holt.

Und so ärgerlich es auch für die jeweiligen Fans sein mag, zu sehen, wie wenig Gegenleistung einzelne Trainer für die horrenden Gehälter liefern:

Eine gewisse Sympathie für die oben Genannten mit ihrer Nonchalance insbesondere im Vergleich zu den Oberstrebern der Zunft kann ich nicht verhehlen.

Ich hab allerdings auch keine schlaflosen Nächte, wenn Eintracht Frankfurt dann schließlich in den Brunnen gefallen ist … und ärger mich immer noch über die seit Jahrzehnten nicht existenten Standards in der Nationalmannschaft …

(Ganz abgesehen davon ist Pünktlichkeit ohnehin überbewertet. Korreliert wahrscheinlich schwach bis gar nicht mit Leistungsmotivation und anderen für das Ergebnis entscheidenden Merkmalen. Können viele in Deutschland aber einfach nicht glauben, ein Sozialisationsdefekt.)

Wenn der eigene Trainer das nächste Mal wieder in Urlaub fährt, statt weiter zu trainieren und über Strategien und Aufstellungen zu brüten: Vielleicht ist er dafür am nächsten Spieltag umso frischer. Länger erhalten bleibt er der Mannschaft auf die Art ohnehin.

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Rangnick, der Android

Sollte zutreffen, was die SZ heute zitiert, wäre es endlich klar. Nicht Don Jupp ist der Android unter den Bundesligatrainern, sondern Ralf Rangnick. Wer hat nur das Passwort verlegt? HAL, Du schon wieder?

[photopress:Der_Koerper_ist_ausgeloggt.jpg,full,centered]

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Currywurst im Glückauf-Club

Vorab schon mal schnell die Wertung: Fünf von fünf möglichen Brötchen zur Currywurst für den Glückauf-Club, alles super. Es muss also hernach niemand aufschreien oder mich irgendwohin einladen. Der Glückauf-Club ist perfekt, wie er perfekter gar nicht sein könnte. Allerhöchstens einige klitzekleine Details könnte man verbessern, aber darauf müssen die Betreiber schon selbst kommen.

So, also: Eine Einladung in den Glückauf-Club der Arena auf Schalke, jaja, die jetzt anders heißt, statt zu verpixeln nehmen wir einfach den vorigen Namen, stand ins Haus. Schön, wenn sich alte Bekannte an die Fußballleidenschaft des Autors erinnern. FC Schalke 04 gegen Borussia Mönchengladbach lautete die Paarung, zu einem Zeitpunkt, zu dem Borussia Mönchengladbach anders als sonst in den letzten 25 Jahren üblich nicht gegen den Abstieg kämpfte, was allerdings auch damit zu tun gehabt haben könnte, dass die Saison noch sehr jung war.

Wer in den Glückauf-Club eingeladen ist, der darf näher am Stadion parken als die Infanterie, weshalb der Fußweg zum Einlass zwar deutlich kürzer ist, die Anfahrt dennoch nicht schneller bewältigt wird. Denn der Stau im Umfeld des Stadions setzt schon Stunden vor Anpfiff ein und in diesem steht man auch als elitärer Glückauf-Club-Besucher. Jenem Club, welcher übrigens Sponsoren vorbehalten ist, bzw. deren Mitarbeitern und eventuellen Gästen, wie ich es einer an jenem Nachmittag war.

Der kurze Weg zum richtigen Eingangstor durch den selbst im August schon vorhandenen Nieselregen von Geilistirinkirkin ist schnell bewältigt, einige Treppen und im Nu blickt man in die Augen der nicht ganz so wie in der Loge der Allianz-Arena strahlenden Hostessen. Klar, man ist ja erstens nur Glückauf-Club-Besucher (und nicht VIP-Logen-) und zweitens in Geilistirinkirkin. Zum Einlass erhält man bei Vorzeigen der Karte ein schnödes, für Fanboys vielleicht auch schönes Bändchen um den Handknöchel und schwupps ist man drin, im Glückauf-Club.

Main Street #13: Room with a view
Ein Foto, das nichts mit dem Inhalt des Beitrags zu tun hat, es soll lediglich das Lesen erleichtern. Na gut, ein bisschen curryfarben ist das Haus schon.
photo credit: kevindooley

Darin sitzt man wie in einem großräumigen Restaurant, jeweils recht schmal bemessene Vierer-Tische in Reihen aneinander, davon vielleicht 100 an der Zahl im gesamten Saal. Rechts der Tür eine Bar, das nicht ganz so umfangreiche Buffet links zur Tür. An beiden Seiten kann man aus dem Glückauf-Club heraus an den tatsächlichen Logen vorbeistromern und Einblicke erhaschen, welcher Dagobert darin gerade seinen Kindern einen besonderen Geburtstag spendiert oder ob man vielleicht doch einen C-Promi oder -Ex-Spieler entdeckt. War zumindest an jenem Tage nicht der Fall.

Von überall aus ist der Blick — wie in den neuen Arenen üblich durch eine Glaswand — ins Stadion möglich, wobei man sitzend oder etwas weiter weg stehend nur die anderen Tribünen sieht, nicht die Spielfläche. Für die gesamte Dauer des Aufenthalts sind Kost und Logis frei. Die Kost besteht aus nicht weiter erwähnenswerten, aber schmackhaften Speisen samt obligatorischen Currywürsten sowie Getränken. Logis findet man eine Ebene höher als in diesem Zwischenrang, immerhin in einem Sessel, und nicht auf einem einfachen Klappsitz.

Um wenigstens ein bisschen Disneyland zu verbreiten sind die Kellnerinnen und Kellner in diesem Glückauf-Club alle in Pütthemden gekleidet, zudem befinden sich die Deckenlampen in Behältnissen, die an Körbe einer Kaue erinnern sollen. Wo Schalke draufsteht, muss schließlich aussehen wie Schalke.

Die Sponsoren und -gäste treffen sich also zum gemeinsamen Kauen, ah, Entschuldigung, Essen vor dem Spiel und so hat trotz Anstoßzeit um 17.30h ein jeder punktgenau zu Anpfiff einen vollen Magen, welchen er wie bereits erwähnt samt Magenbewegungsvorrichtung, genannt Körper, noch eine bis zwei Etagen weiter nach oben bewegen muss.

Nach dem Spiel kann man je nach Verlauf und dementsprechender Laune oder bei fußballerischer Neutralität auch davon losgelöst weiterschlemmen und Kehlen benetzen, wobei im Glückauf-Club auf einer Minibühne Spielerinterviews durchgeführt werden. Dafür stehen allerdings nur nicht eingesetzte Ersatzspieler bereit, die echten Raúls und andere Wunderstürmer begeben sich wohl in den Bauch der Haupttribüne, während der Glückauf-Club sich schließlich in der Gegengerade befindet. Die tatsächliche Pressekonferenz wird zwar auf den an den Wänden hängenden Großleinwänden angekündigt, dann aber doch nicht gezeigt.

Wer sich wundert, warum die Sitzplätze der Logengucker oft freibleiben: Auch innerhalb des Glückauf-Clubs kann man das gesamte Spiel auf dort angebrachter Leinwand verfolgen und hat trotzdem den originalen Stadionanfeuerungston der Fans im Ohr.

Zweitens entsteht beim Nachobenwälzen der vollgefressenen Bäuche schon einmal ein kleinerer Stau auf der Außentreppe, so dass man selbst mit gutem Willen und rechtzeitigem Losgehen zu spät ankommen kann. Das Argument, dass man während der Pause ja auch auf seinem Platz bleiben könnte, zählt nicht, denn natürlich muss man, selbst wenn man nicht im Glückauf-Club Freigetränke kredenzt bekommt, während der Pause aufs Klo. Fußballschauen. Abpfiff, die Bäuche wieder runter gerollt.

Nach einigen weiteren Gläsern des Rumlungerns beschließt die Gesellschaft, dass im Glückauf-Club nichts mehr von Belang passieren wird, alle Mägen gefüllt und alle Tabellenstände ausgerechnet sind, so dass man sich zu den praktischerweise, siehe oben, direkt vorm Stadion geparkten PKW begeben kann, welche dann, siehe oben, natürlich im selben langen Stau stehen wie alle anderen, obwohl der Abpfiff schon einige Zeit zurückliegt.

Losgefahren gegen 14h, Rückkehr gegen 21.30h — ganz schön lange für ein nicht mal sonderlich gemütliches Essengehen. Beim nächsten Mal wählt der Autor lieber wieder einen normalen Platz/Stehplatz, da hat man deutlich mehr von der Atmosphäre des Spiels. Allen, denen der Glückauf-Club verwehrt bleibt, sei gesagt, dass sie nichts verpassen.

Currywurst gibt’s auch an der Bude an der Ecke und das Spiel erlebt man auf anderen Plätzen besser.

tl;dr Der Glückauf-Club ist ein Restaurant in der Arena auf Schalke, in dem man bei entsprechender Einladung kostenlos essen und trinken kann, nebenan läuft Bundesliga in echt.

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Fublos D

Fußballblogger’s Disease, die, zu deutsch zwar offiziell „Fußballbloggerkrankheit“ genannt, wegen Sperrigkeit dieses Ausdrucks aber gerne aus dem englischen verkürzt zu Fublos D.

Gefährliche kognitiv manipulierende Erscheinung, tritt ohne Vorwarnung, bei längerem Bloggen aber mit größerer Wahrscheinlichkeit auf, unter Einfluss derer zwanghaft alle sensitiv wahrgenommenen Reize vor, während und nach einem Fußballspiel auf Blogtauglichkeit untersucht werden; kann vom unter Fublos D Leidenden willentlich über längeren Zeitraum nicht abgestellt werden; führt dazu, dass der unter Fublos D Leidende ein Fußballspiel selbst weder in seiner Gänze wahrnehmen, geschweige denn genießen kann.

Bewirkt konträr zur verbreiteten Annahme jedoch nicht, dass tatsächlich Blogtaugliches gefunden wird. Bei schwererem Verlauf kommt es zur völligen Amnesie bezüglich des zuvor gesehenen Fußballspiels.

Äußerungen Betroffener finden sich z. B. hier:

Ich hab zwischendurch den Blog eine Zeit lang ruhen lassen und gemerkt, wie erholsam es ist, ein Spiel gucken zu können, ohne sich alle Sekunde zu denken, was davon kann ich wie verwerten …“

Sowie ohne Quelle, aber verbriefte Aussagen anderer Fußballblogger, die …

„… endlich wieder ein Spiel schauen wollten, ohne krampfhaft zu überlegen, was man darüber bloggen könnte.“

Nur wenige Fußballblogger sind resistent gegen diese bei langfristigem Verlauf für das betriebene Fußballblog tödliche Krankheit. Einzig bislang bekanntes Gegenmittel ist eine längere Blogpause oder ein Themenwechsel innerhalb des Blogs, wodurch der Betroffene nicht mehr zur Gruppe der Fußballblogger gezählt wird und nicht mehr an dieser Krankheit leiden kann.

Fublos D trifft insbesondere die Subspezies der Vereinsblogger, weniger die artverwandte Spezies der Fußballkulturblogger.

Wird von Außenstehenden meist als irrationale Erscheinung, über die man leicht mittels Alkohol oder einer Einstellung à la „sich einfach mal nicht zusammenzureißen, sondern das Spiel schauen“ hinwegkommen könne, fehlinterpretiert.

Ähnlichkeiten mit der schon länger bekannten „Live-Blogger’s-Blindness“, bei der ein gerade ein Spiel livetickernder Publizist hinterher keinerlei Auskunft über die Qualität des live-getickerten Spiels geben kann, legen gemeinsame Wurzeln der Störungen nahe. Diese Annahme bedarf aber noch weiterer Erforschung.

Solche ist bis zum ersten medizinischen Kongress zu dieser Art kognitiver Aufmerksamkeitsstörungen bzw. kognitiver Zwangsstörungen geplant, Ergebnisse können aber nicht garantiert werden. Dr. Socrates hat seine Schirmherrschaft für diesen ersten Kongress bereits zugesagt.

Fußballblog-Anfänger halten sich meist für ganz besonders immun gegen Fublos D, stoßen vielen Beobachtungen zufolge aber inbesondere bei laut vernehmlich geäußertem Glauben an die eigene Immunität eigenartig schnell in Bereiche vor, in denen schon von Fublos D die Rede sein muss.

Alternative Strategien zur Bekämpfung der Fublos D als die oben skizzierten sollten dringend entwickelt und getestet werden. Entwarnend darf ergänzt werden, dass eine umfassende Genussfähigkeit eines Fußballspiels nach — oft ohne äußeren Anlass auftretendem — Verschwinden von Fublos D nach nur wenigen Stunden wiederhergestellt wird. Berichte über bleibende Schäden durch Fublos D sind bislang nicht verzeichnet worden.

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Ach, Loddar

Ist es wegen der Frauen?

Nein, es ist schlicht seinetwegen.

(Wobei die Vorstellung natürlich ihren Reiz hat, dass in einem Paralleluniversum der Franz zum Loddar geschrieben würde und der Loddar stattdessen fragt, ob heut scho Weihnachten ist und für die Außenstehenden die WM nach Deutschland holen durfte etc. pp. Weil die Parallelwelt niemals mit dieser hier die Wege kreuzt, hat die Vorstellung ihren Reiz. Anderenfalls.)

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Früher vs heute, die wirre Version

Man muss Verständnis haben für die alten Säcke, dass sie nicht einfach sagen: Okay, heute verdienen die Jungs wesentlich mehr und sie spielen auch noch viel besser, viel schneller und überhaupt hätten wir von damals heute keine Chance. Warum man dafür Verständnis haben muss, ist mir zwar noch nicht eingefallen, aber versuchen wir es doch einfach mal, aus dem viel zitierten Respekt heraus, den manche so gerne beklagen, wenn er fehlt.

Einer der alten Recken trägt allerdings auch nicht gerade dazu bei, dieses Verständnis aufzubringen, was daran liegen könnte, dass er selbst nicht versteht, was er eigentlich sagen möchte. Auf diesen früher-heute-Vergleich der Leistungen der Fußballer angesprochen, antwortet Norbert Nigbur jedenfalls das Folgende.

Bei der These, dass der heutige Fußball viel schneller daher kommt, reagieren Spieler aus Ihrer Generation immer sehr empfindlich.

Diese Aussage macht mich auch fuchsteufelswild. Technisch waren wir eindeutig überlegen. Oder gibt es heute noch einen Stan Libuda? Das ganze System hat sich doch verändert. Damals hatte man als Stürmer kaum Freiräume, dafür hat schon der Libero gesorgt. Klaus Fischer wäre auch heute noch Torschützenkönig.

Wie beim Geblitztwerden ziehen wir einige KulanzlückeninderArgumentation ab, weil der fuchsteufelswilde Norbert Nigbur hier möglicherweise verkürzt wiedergegeben wird. Vielleicht hatte er im originalen Gespräch noch einige Bindeglieder zwischen seinen Hauptsätzen eingefügt, die dem ganzen einen nachvollziehbaren Sinn verliehen. Da dies nicht eindeutig zu klären ist, wenn man nicht wieder Emails schreiben will, auf welche mit vorgefertigten Textblöcken geantwortet wird, belassen wir es bei dieser Kulanz.

Und dennoch bleibt nicht viel über, was man verwerten könnte, dabei hatte man (das ist hier: ich) lange Zeit geglaubt, Norbert Nigbur sei auch deshalb ein wenig sympathisch, weil er nicht so von Ehrgeiz zerfressen war und sogar Zeit für eine lustige Schallplatte aufbrachte, während er eigentlich noch im Saft stand und die Stürmer, die auf sein Tor zueilten, keine Freiräume hatten, weil schon der Libero dafür sorgte.

Lassen wir auch die Frage am Wegesrand liegen, was er damit sagen will, dass es heute keinen Stan Libuda mehr gibt. Natürlich gibt es keinen solchen mehr, er ist ja tot und unter der Erde, wobei es eben auch keinen Nachfolger gebraucht hätte. Jede Zeit hat ihre eigenen Helden und so darf man zur Verteidigung des Nigburschen Geschwafel nach Abzug der berücksichtigten Kulanzlücken konstatieren, dass die Frage nach einem solchen Vergleich ohnehin unzulässig, weil niemals zu beantworten ist. In die Falle hereingetapert ist er aber trotzdem, und immerhin das darf man ihm dann vorwerfen, wenn man schon aufgegeben hat, nach Sinnhaftigkeit in seiner Antwort zu suchen.

Womöglich ist es aber auch Resultat der Tatsache, dass ein unschöner Nebeneffekt des Altwerdens ist, dass man alt wird.

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