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Monat: November 2011

In den freien Raum

Was für ein merkwürdiges Stadion für einen schnöden Ascheplatz. Und dann auch noch nach einer Seite hin offen … wer den richtigen Namen dieses Stadions nennen kann, erhält zwar kein Präsent von der Redaktion, darf im Anschluss aber hingehen, wo er möchte.



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Schwerer Fall von schlimmer Superbia

Das Folgende ist nicht mal mehr Boulevard-Content, es stammt aus noch einer Schublade darunter.

An anderen Tagen dienen derartige Zitate ja nur der allgemeinen Belustigung. In diesem Fall aber bewirkt es eher großen Grusel.

Auch wenn viele es geahnt haben, dass Loddar dann doch so unfassbar kleingeistig ist, wie er stets wirkt, verleitet das heute veröffentlichte Zitat fast dazu, die beiden Titel 1990 und 1980 aus dem gemeinsamen Gedächtnis und den Siegerlisten löschen zu wollen. Ziehen wir die quotenträchtig formulierte Schlagzeile ab, dann bleibt wohl trotzdem das über, was bezüglich Loddars Aussagen zu zu Guttenbergs Zukunft und warum er diesem eine solche innerhalb der Politik wünscht, berichtet wird:

Nicht nur, weil er so gut aussieht wie ich …

Das muss eigentlich erfunden sein, so einzigartig offen ubereitel und gleichzeitig ohne Verstand kann sich nicht mal der zweitwichtigste Mensch in der Geschichte des deutschen Fußballs (laut Selbstauskunft) äußern, kann er?

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Neues vom Krähenverband

Wie passend zu einer anderen, recht frischen Entdeckung, was das Fohlenkommando vorhin getwittert hat. Einen Link zu einem Beitrag im Tagesspiegel, welcher in Sachen Tröten-Strafverfolgung nachfragt und skandalöse Antworten vom DFB erhält.

Gar keine nämlich.

Aus der DFB-Zentrale werden Telefonanrufe zu diesem Thema freundlich abgewehrt, bitte schreiben Sie doch eine E-Mail, heißt es von dort. Und auf eine E-Mail hin erhält man die Antwort: Kein Kommentar während eines laufenden Verfahrens! Aber was hat die TSG als Strafe zu erwarten? – Kein Kommentar!

Doch, hach, Moment einmal, DFB — ?! War das nicht diejenige Organisation, für die der Franz zuletzt jahrelang im FIFA-Exekutivkomitee saß und dabei so weltbewegende Dinge in Gang gesetzt hat, wie dass es bei U17-Weltmeisterschaften keine Verlängerung mehr, sondern sofort Elfmeterschießen gibt, weil die armen Jungs nicht so lange laufen können? Ja, genau dieser DFB und genau jener Franz, der weitsichtige und wichtige Änderungen während seiner Zeit im Komitee veranlasst hat.

Jener Franz nämlich, der vor Jahrzehnten schon eine Stiftung für Notleidende gründete. Kürzlich hat er mit dieser Stiftung einen wahrlich Notleidenden beschenkt, indem er ihn in diese Stiftung aufnahm.

Da hat der Franz dem Didi aber ein schönes Geschenk gemacht. Didi darf in des Franzens Stiftung mit entscheiden, wen diese unterstützt.

Stiftungsvorstand:
Franz Beckenbauer
Dr. Friedrich Nottbohm

Stiftungsrat:
Dr. Wilfried Krebs (Vorsitzender)
Alf Bente (stellvertr. Vorsitzender)
Prof. Dr. Christian Chaussy
Alois Hartl
Prof. Dr. Herbert Henzler
Dietmar Hopp
Udo Knop
Günter Netzer

Da waschen sich auf sehr nützliche Weise Hände gegenseitig: Der Franz muss nicht mehr selbst überlegen, welche in Not geratenen Menschen und welche Einrichtungen unterstützt werden, der Didi kann ein bisschen von seiner Angst reduzieren, dass ihn eventuell doch nicht die ganze Welt liebt.

Vielleicht fällt sogar ein bisschen von des Franzens Glanz auf den ja eher unglamourösen, um nicht zu sagen spröden Didi ab. Falls nicht, dann besteht immer noch ein wenig Hoffnung, in des Jünters Glanz zu erstrahlen, der sitzt schließlich auch im Gremium.

Stiftungen sind was Feines, zumal man den Verwendungszweck der gestifteten Gelder für die Ewigkeit als Gründer selbst festlegen darf. Die damals eingesetzte 1 Million D-Mark war also eine gute Anlage des Franz, um zum Beispiel wesentlich später aufs Parkett tretenden Neureichen Chancen zur Panikreduktion zu eröffnen, die sie sonst nicht hätten.

Didi, Franz und die Empfänger der Stiftungshilfe: Alle glücklich.

Fast so, als wär heut scho … ist es aber nicht, es ist nur Stiftungsratssitzungstag.

Achso, ja, und wann denn jetzt über das Strafmaß zu dieser Trötengeschichte entschieden … ? Schau nur, eine Krähe fliegt am Vollmond vorbei! Sie kann uns gar nicht hören!

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The Colour Experiment

Stets sehr verwirrend ist es, wenn in einem Live-Ticker Spieler der selben Mannschaft mit unterschiedlichen Trikots dargestellt werden. Instinktiv nimmt man an, zwei verschiedene Mannschaften hätten getroffen. Eine der höheren kognitiv beanspruchenden Aufgaben für das menschliche Gehirn, der nicht jedermann gewachsen ist, noch dazu an einem ohnehin mental nur mit halber Kraft gefahrenen Zweitligasonntag.


[photopress:live_ticker_eintracht_frankfurt.jpg,full,centered]

(Titel inspiriert vom Color Changing Card Trick.)

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Keiner ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen

Der Zusammenhang ist ein ganz anderer, schrecklicher, doch dieser kleine Schlenker Jürgen Kaubes darf gerne Eingang in die im Blogosquarium geführten Fußballdiskussionen finden.

Wir kennen das so aus dem Sport, dass also der Sportjournalist im Fernsehen eigentlich doch eher ein Moderator ist, die Sache toll findet und an der Begeisterung teil hat und das irgendwie auch rüberbringen will, sozusagen. Und dieses Rüberbringen ist eigentlich keine originäre Aufgabe des Journalismus. Das ist die originäre Aufgabe von Reklame und PR.

Ich hatte letztens getwittert, dass die 100-Jahr-Feier des BVB im Jahr 2009 von Gerhard Delling moderiert wurde. Katrin Müller-Hohenstein hatte Louis van Gaals Buchpräsentation moderiert und derlei Beispiele gibt es viele weitere, nicht zuletzt der mit Fußballrechten handelnde, das Produkt dann aber selbst öffentlich bewertende Günter Netzer.

Eigentlich sollte hier der folgende Satz stehen: Es ist erstaunlich, wie wenig sich diese Menschen, die Fußball berichterstatten, überhaupt als Journalisten verstehen, und wie gemein sie sich mit der Sache machen. Doch diese Aussage wäre falsch, erstaunlich wäre es vielmehr, wenn jemand heute noch nicht wüsste, dass es so ist.

Ein Pils noch, und unterschreiben Sie doch für meinen Sohn hier unten links, ja, Danke?

Jürgen Kaube diskutiert darüber, inwieweit Journalisten und Medien selbst Politik machen dürfen. Dass die Präsentation von Fußball nichts mehr mit neutralem Journalismus zu tun hat, weiß man nicht erst seit Steffen Simon bei jeder Torchance tausend kleine Tode stirbt, als hinge die nächste warme Mahlzeit der von ihm zu ernährenden Familie davon ab. Wir ahnen: In gewisser Weise ist dem sogar so. Vielleicht keine Mahlzeit, dann eben der nächste Porsche.

Es ist allerdings zu kurz gedacht, wenn man echten Journalismus rund um Sport nicht für nötig hält, da dessen Resultate ja nichts Anderes als einen Zeitvertreib zur Unterhaltung darstellen. Denn ab dem Moment, in dem dort Gelder verdient werden, Arbeitsplätze (in der Region, do!) geschaffen und Steuern gezahlt oder eben nicht gezahlt werden, ist all dies sehr wohl eine Frage für ernsthafte, unabhängige Journalisten. Selbst die Resultate auf dem Spielfeld sind schließlich das Ergebnis von Politik — Finanz- und Personal- — und gehören deshalb beleuchtet.

Mich wundert immer wieder, wie viel Fanboy-Geblogge es gibt, aber wie wenig Platz die fragwürdigen Rahmenbedingungen erhalten. Damit will ich niemandem unterstellen, dass er diese Dinge nicht auf dem Schirm hätte, vielleicht ist er oder sie etwas genervt, auch noch in seinem Hobby, das der Entspannung dienen soll, sich mit der Schlechtigkeit des Menschen an sich auseinandersetzen zu sollen. Nun ist zwar nicht jeder ein Jens Weinreich, kann es auch nicht sein, doch dass das ganze Business nicht allein wegen seiner besonderen Attraktivität für Institutionen und Einzelpersonen wie Teppichhändler, die ihre Gelder irgendwo auf sympathische unters Volk bringen wollen, besonderer Aufmerksamkeit bedarf, liegt auf der Hand.

Insbesondere in die schattigen Eckchen sollte man etwas genauer hinsehen. Das aber kann ein korrumpierter Biografie-Vorsteller oder -Vorstellerin nicht mehr glaubhaft leisten. Er oder sie ist Teil der Show, und auch wenn das alles ein alter Hut ist, dass Sportjournalisten wohl fast immer zuerst Fans und dann Journalisten wurden: Die Problematik wird durch ihr hohes Lebensalter nicht geringer wiegend.

Siehe den kurzen Schlenker, den Kaube weg vom ernsthaften Journalismus hin zu einem abschreckenden Beispiel macht: Den Sportjournalisten.

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Die (andere) Mutter aller Fangesänge

Kleiner Treppenwitz der Geschichte ist, dass die beiden Fangesänge „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ und „Olé, hier kommt der BVB“ zur selben Melodie gesungen werden. Normalerweise müsste ich diese unglaubliche Einfallslosigkeit ja anprangern, in dem Fall aber amüsiert es mich. Und zugegebenermaßen haben nur wenige Melodien einen solch ausgeprägten Ohrwurmcharakter.


(Dass „Go West“ im Original von Village People ist, muss man nicht erwähnen? Ja, die mit dem Bauarbeiter. Und ja, Village People wurden bewusst im Hinblick auf eine homosexuelle Zielgruppe gecastet. Deren Song singt heutzutage dann die gesamte Schalke-Arena und das gesamte Westfalenstadion. I like.)

Trotzdem: Die 90er sind genauso vorbei wie die 00er. Zeit für ein neues Mem in den Stadien. Oh stimmt, gab’s ja schon, Seven Nation Army von den White Stripes. Die haben sich aber auch schon aufgelöst, und ihre Melodie war auch nicht ganz so betextungsfähig.

Neue akustische Meme braucht das Land und die anderen Leute drumherum.

Vorschläge, Gromit?

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Auch bei der dpa ist die Erde keine Scheibe

Die Fälle für die heutige Kategorie („Someone is wrong on the internet.“) sind ein bisschen rarer geworden, nicht weil sich weniger Menschen irren, sondern weil sich irren nun mal menschlich und damit nur mäßig witzig ist. Nur die dicken Dinger kommen hier noch herein und heute ist uns ein solches nach längerer Zeit mal wieder aufgestoßen. Und das Folgende ist ein durchaus dickes Ding, sofern man nicht 2003 noch in der 9. Klasse war und verliebt zur Sitznachbarin schaute, statt aufmerksam die Bundesliga zu verfolgen, wie es sich für jeden angehenden Sportredakteur gehörte.

Auch für die dpa ist die Erde keine Scheibe, sondern rund, was man immer mal wieder schmerzhaft zu spüren bekommt. Denn aus diesem Grund kann man vom Sitz der dpa aus auch nicht bis nach München sehen und muss deshalb folgende Falschmeldung in seine Tasten und anschließend in die Gehirne der Leser fließen lassen:

Der als Spaßvogel des Teams bekannte Miller erschien befreit und fröhlich, hatte aber auch ernste Erklärungen und Botschaften. […] Vor ihm hatte noch kein Bundesligaprofi eine psychische Krankheit öffentlich gemacht.

Weil man von der dpa aus nicht bis nach München sehen kann, hat man nämlich nicht mitbekommen, dass sich Sebastian Deisler vor lockeren 8 Jahren, 2003 nämlich, bereits wegen Depressionen in Behandlung begab und dies auch — nach einigen Schutzbehauptungen, zu denen wohl vor allem die Vereinsseite anstiftete — veröffentlichen ließ. Vorreiter ist also keineswegs Markus Miller, sondern Sebastian Deisler.

Dass sich Zeiten sehr wohl ändern und die Aussage darüber, dass „sich nix geändert hat“ einfach falsch ist, beweist der Umgang der Mitspieler mit dieser Erkrankung. In Teamkreisen mobbte man Deisler als „die Deislerin“ (was zugegeben auch noch andere Gründe als die Depression gehabt haben könnte und wohl auch wird), während 8 Jahre später die Mannschaft von Markus Miller diesem eine Videobotschaft zukommen lässt, sicher mit aufmunterndem Inhalt. Was, das darf man so vermuten, ohne die Vorleistung von Deisler und anderen nicht passiert wäre. Bei der dpa ahnt man von diesen Zusammenhängen allerdings nichts.

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Mit Legenden aufräumen: Berti Vogts‘ Anteil an der Neustrukturierung nach 2000

Zugegeben, es ist kein wirklicher Beweis, sondern nur eine einzelne Aussage eines Zeitzeugen, allerdings des wohl wichtigsten in jener schwarzen Epoche. Berti Vogts behauptet ja immer, alles, was an Reformen etc. auf den Weg gebracht wurde, fuße zu nicht unbedeutenden Teilen auf seiner Initiative. Das mag insofern nicht gänzlich falsch sein, als er sich immer für Reformen im Bereich der Ausbildung des Nachwuchses ausgesprochen hat, Ihr lacht, aber das war damals nicht selbstverständlich. Man sollte sich erinnern können, welche Häme und auch Widerstand Klinsmann beim Umbauen der Nationalmannschaft entgegengebracht wurde.

Insofern war Vogts tatsächlich immerhin Befürworter von Reformen. Dass er heutzutage aber überall herumrennt und auch jenen, die nicht gefragt haben, ins Mikro plärrt, dass die heutigen Erfolge alle auf seinem Mist gewachsen seien, lässt sich leicht entkräften, dank des Interviews von Zeit online mit Gerhard Mayer-Vorfelder, der in jener Phase Präsident des DFB war und damit an den Schaltpulten für eventuelle Veränderungen saß.

ZEIT ONLINE: Zu den Initiatoren zählt man auch Berti Vogts, auch er selbst.

Mayer-Vorfelder: Berti Vogts behauptet immer, dass er Pläne in der Schublade hatte und hat. Ich hab aber noch keinen gesehen.

Auch ansonsten informativ amüsant das kurze Interview, informativ nicht, denn das Folgende wusste man ja schon. Wobei es durchaus die ebenfalls noch zu entkräftende Legende gibt, dass der Franz sich ja stets akribisch auf jeden Gegner vorbereitet habe etc. und eigentlich doch ein viel tollerer Trainer als nur aus dem Bauch raus war. Fraglich übrigens an selbiger Stelle, was Rudi Völler denn zum Sportdirektoren qualifiziert, abgesehen von seiner Bekannt- und Beliebtheit, wenn er schon als Trainer so wenig wusste, was er überhaupt tun will.

Franz Beckenbauer hat großen Charme, aber wenig Sinn für Konzepte. Rudi Völler war in dieser Frage nicht besonders initiativ.

Die Frage wäre noch dazu erlaubt, warum dann ausgerechnet Franz Beckenbauer im Exekutiv-Komitee der FIFA sitzen musste, wenn er doch mit Konzepten nichts anfangen kann. Das sind allerdings andere Baustellen, hier sollte es um die Legende vom für alle Erfolge der Nationalmannschaft verantwortlichen Vogts gehen.

Welche damit als reine solche enttarnt ist. Es wird immer trauriger um den Weltmeister aus Korschenbroich. Jetzt klittert er schon seine eigene Biografie, weil er sich so fürchterlich unterschätzt fühlt. Warum er nicht einfach als Privatier in seinem Wohnzimmer in Korschenbroich sitzt und ab und zu nichtssagende Interviews gibt, statt durch die Welt zu jetten und von Misserfolg zu Misserfolg zu eilen, ist auch nicht so ganz nachvollziehbar. Hier hatte man allerdings auch noch nie ausgesorgt und hätte die Wahl, einfach die Füße hochzulegen. Welche, wenn man es kann, wohl plötzlich recht unattraktiv wird. Dennoch, so langsam muss man sich Sorgen machen, ob Vogts nicht in Richtung esoterische Verschwörungstheoretiker abdriftet. 1998, nach der völlig verdienten Roten Karte gegen Christian Wörns („Vielleicht ist der deutsche Fußball manchen Leuten zu erfolgreich“) hatte man das noch für im Eifer des Gefechts entstanden gehalten. Da seine Serie an obskuren Aussagen nicht abreißt, steckt da vielleicht mehr hinter.

Legende also abgehakt.

Andere bereits entkräftete Legenden:

to be continued

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Was macht eigentlich Jordan Letschkow?

Nachdem Jordan Letschkow 1994 bei der WM in den USA ein entscheidendes Stückchen größer als Thomas Häßler war, wechselte er 1996 wegen anhaltender Missachtung durch seinen Trainer, einem gewissen Felix Magath, vom Hamburger SV zu Olympique Marseille. Von dort ging es nach nur einer Saison weiter zu Besiktas Istanbul, wo er wiederum nach nur einer Saison im Sommer 1998 seine aktive Karriere beendete. Das hätte er mal vier Jahre früher tun sollen. Oder auch nicht, sonst wäre Berti Vogts vielleicht niemals gegangen worden.

In jenem Jahr nahm er auch an „Gary Linekers Golden Boots“ teil, einer TV-Serie, die in der BBC die größten Stars von Weltmeisterschaften präsentierte. Was ein Mann mit gerade mal zwei Toren bei einer Weltmeisterschaft, von denen das eine noch ein derart unbedeutendes war, in einer solchen Sendung zu suchen hatte, bleibt Gary Linekers Geheimnis.

Als Jordan Letschkow die Schuhe dann endgültig an den Nagel gehängt hatte, tauchte er in der Zeit vor der allgemeinen Verbreitung des Internets ab, ohne auffindbare Spuren zu hinterlassen. Bis er plötzlich 2003 genau solche in den bulgarischen Schnee stapfte, in welche später noch Marc Wilmots treten würde: In seiner Heimatstadt Sliven trat er zur Bürgermeisterschaftswahl an, welche er zur Überraschung all jener, die sich nicht für Fußball interessieren, gewann.

Dabei gelang ihm etwas, was die wenigsten Ex-Profis von sich behaupten können. Er wurde nach seiner ersten Amtszeit nicht mit Schimpf und Schande wegen Unfähigkeit aus dem Dorf (naja, immerhin 100.000 Einwohner) gejagt, sondern auch noch für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, welche immer noch andauert.

2010 fiel ein eher unschöner Schatten auf seine Karriere als Bürgermeister, indem er sich Vorwürfen von Amtsmissbrauch erwehren musste. Nach seiner Amtsenthebung im April 2010 wurde er im Juni 2010 vollständig rehabilitiert, denn er ist weiterhin Bürgermeister von Sliven und regiert die als „Stadt der Winde und der Zigeuner“ bekannte Heimatstadt des bulgarischen Pokalsiegers von 1990, dem FK Sliven — damals zufällig mit einem gewissen Jordan Letschkow in seinen Reihen. Schön da.

Aaah, dieses diabolische Grinsen

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Szenenapplaus

Aus der Partie von Hansa Rostock gegen den FC St. Pauli am 19.11.2011.



Entdeckt vom spielbeobachter.

Falls jemand glaubt, dass er zunächst seinen Augen und Ohren nicht trauen kann: So ging es dem spielbeobachter und mir auch. Ersterer twitterte dies dazu.

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Pro 3pm

Andere Länder, andere Namen, die Forderungen aber sind die gleichen. Je mehr Zeit verging, desto mehr dachte ich, immer einsamer zu werden hier in der Raucherecke des Linksspießertums als einziger Sentimentalist, der diese Kacke der Terminansetzungen rund um die Wochenend-Uhr gerne abschaffen würde.

Aber: Ich bin nicht alleine. Es gibt prominente Unterstützung.

Aufgefallen ist mir das übrigens nur, weil Wayne Rooney es retweetet hat. Der echte, mit diesem Häkchen am Twitter-Account. Toll, wenn man mit den ganz Großen gemeinsame Forderungen teilt. Wird zwar eh nix ändern, fühlt sich aber gut an.

(Die Ironie in ihren Tweets, in einem ihrer komplett gekauften Straßenzüge verfasst, mit Blick auf den Mitarbeiter, der einzig zur Wartung des Rasenmähers eingestellt ist, lassen wir heute mal unbetrachtet. Pro 3pm!)

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Der wohlig warme Mantel der Megalomanie

Dieser schöne Moment, in welchem man auf dem Platz steht, nach vielen Zweikämpfen und Stürzen, Pressschlägen und Pferdeküssen mal wieder einen seiner vorzüglichen Pässe geschlagen hat, und für einige Sekunden in der Gedankenwolke schwebt, dass die eigenen fußballerischen Fähigkeiten tatsächlich etwas Außergewöhnliches seien, weil der Fuß nach diesem Pass wohlig warm zu werden beginnt, ganz so als verfügte man über eine magische Kraft in ihm, die noch jeden Ball genau so platziert, wie es nur die Begnadetsten unter den Fußballspielenden beherrschen. Die Wärme breitet sich aus und man schwelgt ein wenig darin, dass auch übernatürliche Kräfte endlich erkannt haben, welches Genie in einem schlummert, hielte sie nur an, diese wohlig warme Superfähigkeit, man würde nie wieder ein Spiel verlieren. Eine verlockende Aussicht, nicht zu vergessen der Ruhm, den dieser ubertalentierte, göttlich gesegnete, extrem zielgenaue, pulsierende Fuß bewirken würde.

Pulsierend?

Ein schöner Moment, bis man bemerkt, dass einer der Zehen gerade den Schuh voller Blut laufen lässt und man möglichst schnell aus diesen Socken herauskommen sollte.

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Mein lieber Herr

Die Ultrabewegung übt auf junge Menschen eine Faszination aus, die man nicht erklären kann. Sie entsteht aus der Ermangelung von katholischer Jugend, von Pfadfindern, Gesangvereinen, aktiven Sportvereinen, in Ermangelung der Vereinskultur der sechziger, siebziger Jahre, der beruflichen, emotionalen und familiären Bindungen. Da geraten viele Beobachter in die Spur der Ratlosigkeit.

Moment, Heribert Bruchhagen, die Ultras sind ein Gesangsverein. Singen und klatschen.

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