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Monat: Oktober 2012

Jef Dorpmans spricht: „Ich hatte keine Beweise“

Sehr lesenswert: Der niederländische Schiri der Gladbacher Büchsenwurf-Partie gegen Inter im -view. Fazit:

“ … in meinen Augen, war es eine leere Dose. Die Italiener lagen zu diesem Zeitpunkt in Rückstand und witterten ihre Chance. Die hat der am Boden liegende Boninsegna dankend angenommen und sehr gut genutzt. Das muss man so sagen.“

Allerdings auch den Rest lesen. Erhellend.

Interessant wäre auch die Frage, ob diese Szene der Ursprung des weit verbreiteten Italiener-Hasses im Fußball in deutschen Landen ist. Oder ob es ähnliche Schauspielereien in jener Zeit nicht doch an jeder Ecke gab und es andere Gründe für diese sehr spezifische Xenophobie gibt.

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Unbezahlbares Mem vom Spaßfood

Die Fastfoodkette McDonald’s ist zu einem Sinnbild im Fußball geworden, welches sie sich selbst einerseits nicht wünschen kann, und doch nicht gänzlich unglücklich sein wird, was mit einem Besuch ihrer „etwas anderen“ Restaurants alles verknüpft wird.

Denn wann immer es im Fußball um gesunde Ernährung geht, wird ein Besuch in einer der vielen Filialen von McDonald’s als Negativbeispiel herangezogen. Fettig, kalorienreich, ohne nachhaltig zu sättigen, dazu Softdrinks mit Unmengen an Zucker — gerade so, wie sich nicht nur Fußballer nicht ernähren sollten, sondern Menschen grundsätzlich nicht.

Weshalb es McDonald’s auch nicht gänzlich unpassend sein wird, dass Aufenthalte in ihren Filialen als besonders erstrebenswert angesehen werden, von einer starken Anziehungskraft und einem hohen Erlebniswert geprägt. Wäre dem nicht so, würden die Herren Fußballer ja nicht ausgerechnet bei ihnen stets sündigen, wenn sie denn mal ihre Ernährung nicht berufsgerecht ausfallen lassen.

Angefangen mit dem legendären McDonald’s-Besuch des dänischen Teams vor dem späteren Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1992, werden seitdem immer ausgerechnet ihre Produkte herangezogen, wenn man sich mit dem Überdiesträngeschlagen der Profis auseinandersetzt. Zuletzt wieder von Armin Veh, der in einem Interview bei der FAZ eine Anekdote erzählte, nach der er es aufgab, sich um die Ernährung der Spieler zu kümmern. Trotz vorherigen Vortrags eines Ernährungsberaters sah er in der Folgewoche drei seiner Spieler bei eben jenem Burgerbrater, einsehend, dass man den jungen Leuten nicht jeglichen Spaß im Leben verbieten kann, sofern ansonsten die Disziplin stimmt.

Und dass es Spaß macht, zu McDonald’s zu gehen, sogar auch für junge Leistungssportler — diese Botschaft für Geld in allen Massenmedien zum Thema Fußball zu kommunizieren, dafür könnte der Werbeetat von McDonald’s gar nicht groß genug sein. Umso zufriedener darf man sein, dass alle im Fußball Beteiligten freiwillig und von sich aus zur Metapher „McDonald’s“ gleich attraktive, erlebnisreiche und befriedigende Ernährung mit hohem Spaßfaktor greifen. Selbst zum Teil der Mythen der Popkultur (zu der Fußball zählt) geworden zu sein, davon kann die Pommesbude um die Ecke nur träumen.

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Empör ich mich eben nicht

Ich war ein Beitrag zum Thema, dass es ein absolutes Unding sei, dass es an manchen Spieltagen ein Samstagabendspiel gibt und an anderen keines — worauf man sich unmöglich einstellen könne und dass das allen Gepflogenheiten und Konventionen bei der Gestaltung von Spielplänen widerspreche, zudem keine vernünftige Wochenendplanung zulasse und überhaupt alles Sodom, Gomorrha, TV, moderner Fußball etc. ad lib.

Aber drei Tage später ist die Empörung darüber, vornehmlich entstanden, weil damit tatsächlich die eigene Samstagabendplanung kaputt war, dem immer öfter auftauchenden Gefühl gewichen: Na und? Dann isses eben so. Schlaffer Sack trifft die Vergänglichkeit von Emotionen, auch Zorn oder der kleinere Bruder Empörung verraucht nun mal.

Und wenn man dann auf die Schmauchspuren der eigenen Empörung wegen einer Bagatelle wie einem nicht stattfindenden Samstagabendspiel zurückblickt, kommt eine andere Emotion zutage: peinlich ist es, wenn man sich das rückblickend so ansieht, wie empört man da war. Hat man denn nichts Wichtigeres zu tun? Vielleicht ist das am Ende die Antwort. Peinliche Erkenntnis, dass man an einem Samstagabend nichts Wichtigeres zu tun hätte, als ein Fußballspiel zu schauen.

Dann wurde ich, also ich, dieser Beitrag hier, nicht geschrieben und verschwand in der Gruft, wo die ganzen anderen, überempörten Beiträge liegen, die man zum Glück noch mal die berühmte drübergeschlafene Nacht liegen ließ, woraufhin sie nie wieder aus ihrer Gruft hervorgeholt wurden.

Weshalb jetzt hier kein Beitrag zum Thema Anstoßzeiten zu lesen ist. Könnte man natürlich empörend finden …

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450 Minuten Fußball für eine Entscheidung

Wie es eben so zugeht, wenn man keine Münze wirft und das Elfmeterschießen noch nicht geboren ist.

Als es in der Oberliga West der Saison 1947/1948 in der Relegation um die Frage ging, ob Preußen Dellbrück aus Köln oder die TSG Vohwinkel 80 den beiden bereits abgestiegenen Klubs VfR Köln und VfL Witten nachfolgen würde, mussten nicht weniger als vier Partien her, um eine Entscheidung herbeizuführen. Welche schließlich in der letzten dieser vier Partien auch erst in der Verlängerung fiel.

02.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:1 n.V.
29.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0 n.V.
12.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0
26.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:0 n.V.

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Ewiger Verlierer Real Madrid

Man kann sich schlecht darüber beschweren, dass etwas einmal richtig (aus Sicht des Autors, nicht absolut) gehandhabt wird. Doch bei welchem Fall es denn ausgerechnet geschieht, eröffnet wieder einmal einen schönen Blick auf den Hang zur Sensationalisierung der Berichterstattung.

Na gut, immerhin stammt die unten stehende Information jetzt selbst aus den Medien, aber eben aus dem Print. Es wäre kaum anzunehmen, dass man diese Zahl bei einer Berichterstattung im Fernsehen hörte. Dann fiele das Großartige, Fantastische und Eventvolle, das Dramatische und so weiter weg, welches man einem Auftritt des königlichen, einzigartigen, galaktischen Real Madrid gerne andichten möchte.

Von 22 Europapokalpartien in Deutschland hat Real Madrid erst eine einzige gewonnen.

Da ist die Sensation bei einem Sieg über Real Madrid plötzlich nur noch halb so groß. Was nicht im Sinne des Verkäufers sein kann, weshalb niemand diesen Wert bei der Übertragung eines weiteren Versuchs des ewigen Verlierers Real Madrid, in Deutschland zu gewinnen, erwähnt, während mit anderen nichtssagenden Werten („Karlsruhe seit 28 Jahren in Trondheim unbesiegt“) ständig um sich geworfen wird, als gelte es, Graf Zahl Konkurrenz zu machen.

(Via Fokus Fussball).

(PS: „Richtig“ bedeutet hier, diesen Wert überhaupt nicht zu erwähnen, da er keine Aussagekraft für die Zukunft bzw. Gegenwart besitzt und allein der Liebhaberei dient. Was okay und ein netter Service ist, aber alllzu oft damit verwechselt wird, dass er eine derartige Aussagekraft besäße.)

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Was bisher geschah (III): Fortuna — FC Bayern 0:5

Oder auch: „Scheiß dode Houßn!“

Einfach nur Fussball — reicht gegen Bayern nicht

Gunnar vom Stehblog, welcher übrigens einst Kandidat beim DSF-Superfan-Quiz war, lud zu dieser Partie ein. Mit 20 Euro ein äußerst bezahlbarer Sitzplatz im Gästebereich, ziemlich weit oben und so mit gutem Blick auf das Spiel das Abschlachten der Fortuna.

Die Anfahrt problemlos per PKW und Parken auf P2 im Gästebereich absolviert, trafen wir noch vor dem Stadion auf LizasWelt und den Baziblogger (nach Spielende auch noch auf Breitnigge samt dessen erstmalig aus Anlass dieser Partie bloggender Gemahlin), testeten die Bratwurst (okay) samt Brötchen (mega-matschig-weich, nicht mehr benotbar) und begaben uns schließlich auf unsere Plätze. Wie wenig vorhersehbar Fußball ist, sieht man an den Tipps der allesamt den Bayern zugeneigten Vorgenannten, welche da meist über ein 1:1 nicht hinausgingen, schließlich sei Fortuna sehr defensivstark. Dachte man.

Auf den Plätzen angekommen, war klar: Es wird wieder kein Netz geben, bei 54.000 Handies im ausverkauften Stadion ist das wohl immer noch ein Problem. Dafür sorgte ein Bayernfan hinter uns, dem Idiom nach unverkennbar Franke, für größere Unterhaltung. Solch ein rollendes R samt t-d-Schwäche bekommt sonst niemand hin, der nicht in Franken aufgewachsen ist. „Scheiß dode Houßn!“ gröhlte er auch sofort als die Mitglieder der Band „Tote Hosen“ vor dem Spiel geehrt wurden. Nun ist sich über Dialekte lustig zu machen immer ein wenig schal, schließlich sprechen nur die Menschen um Hannover herum keine solchen und des eigenen ist man sich ja meist nicht bewusst.

Mit welcher Verve er bei jeder Gelegenheit aber auch noch ein „Scheiß 1. FC Nermberch“ anfügte, lässt erahnen, dass es da Momente in seiner Jugend gegeben hat, die eine Abnabelung von seiner eigentlichen Heimat sehr schmerzhaft werden ließen.

Doch ist ein depperter Fan, der von homophoben Sprüchen bis zu ständigen Beschwerden darüber, dass Fortuna ja „gar nicht mitspielt“, keine Peinlichkeit ausließ, wirklich bemerkenswert? Wenn es von der Partie selbst nicht viel zu berichten gibt, vielleicht schon.

Allerdings war da ja auch noch ein Publikum anwesend, und das lieferte eine Stimmung par excellence. Hier der Eindruck von kurz vorm Einlaufen der Spieler, als die gesamte Fortuna-Kurve und die Gegengerade ihre Fähnchen wedelten und inbrünstig sangen. Warum ist es am Rhein so schön? Offensichtlich zu nicht geringen Teilen, weil die Menschen hier mit guter Laune und Sangesfreude ausgestattet sind.

Besäßen Länderspiele doch nur ein Zehntel dieser Atmosphäre vom Samstag in Düsseldorf, man könnte sich alle debilen Animationen sparen und wäre immer noch in guter Fußballlaune inmitten einer solchen fußballhungrigen Masse.

Hier noch mal in groß, was das Banner sagte:

„Wirkt auch noch nach 12.369 Tagen“

Flugs im Kopf überschlagen, dass man auf etwas über 30 Jahre kommt, welche diese 12.369 Tage bedeuten, landet man natürlich bei diesem Ergebnis hier, dem legendären 7:1, von dem man wohl auch in weiteren 12.369 Tagen in Düsseldorf noch sprechen wird. Dazu gab’s dann noch ein über die Zuschauer gerolltes Banner mit allen Torschützen und einem geknickt dreinschauenden Sepp Maier von damals. Beschwörung älterer Geister, wie man jetzt weiß: erfolglos.

Während dem FC Bayern ein 5:0 über einen Aufsteiger kaum der Rede wert ist. Zumal dann, wenn sich dieser über 90 Minuten keine echte Torchance erspielt. Eher hätte es 0:7, 0:8 oder gar 0:10 ausgehen können, was auch der kicker so sah, der ein Chancenverhältnis von 0:14 (!) zählte. Fraglich, ob man diesen Sachverhalt in einer Zusammenfassung überhaupt richtig herausarbeiten kann. Die gesamten 90 Minuten jedenfalls sahen genau so aus, wie ein Chancenverhältnis von 0:14 klingt.

Bemerkenswert allerdings dieses Bild:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Nämlich keinen Unterschied zum Bild oben vor Anstoß, dabei ist das untere Bild nach Abpfiff dieser so ungleichen Begegnung entstanden. (Fast) Niemand hatte das Stadion verlassen und die Fortuna-Kurve feierte ihr Team weiterhin so, mit allen Fahnen und lauten Gesängen, als hätte dieses nicht grade eine demütig werden lassende Klatsche erhalten.

In den meisten Revierstädten hätte man schon längst Teer und Federn bei der Hand gehabt, sofern man nicht fluchtartig aus dem Stadion gerannt wäre; in Düsseldorf feiert man nach dem Abpfiff und auch schon beim 0:2-Pausenstand sein Team mit solcher Leidenschaft, als gehöre man per se in die Bundesliga oder aber sei sich bewusst, dass diese Partie einmalig bleiben könnte, bei unglücklichem weiterem sportlichen Verlauf.

Vielleicht übertreibt der Autor hier aufgrund nicht zu verhehlender Sympathien für solch ein Auftreten, aber das ist der Sportsgeist, den man im Fußball braucht. Und damit ist nicht gemeint, immer zu feiern, egal, wie die Partie ausgeht, denn dann bräuchte man gar nicht erst zum Fußball zu gehen. Sondern die Unterstützung auch dann nicht weniger werden zu lassen, wenn es eigentlich aussichtslos ist. Gegen Schalke hat das letztens gut funktioniert, hier dann wie bereits erwähnt weniger. Eine beneidenswerte Attitüde, mit der man in Düsseldorf ins Stadion geht.

Was natürlich nichts daran ändert, dass später am Abend in der Altstadt ganze Straßen durch menschliche, gut behelmte Sperren abgeriegelt wurden, weil sich Bayern- und Fortuna-Fans gegenseitig mit fliegenden Altbiergläsern begrüßten und die eine oder andere Blutlache auf dem Boden der Bolkerstraße entstand. Da es aber zu keinen größeren Ausschreitungen kam, darf das wohl als ein in der Altstadt normales Phänomen bewertet werden.

Andere Städte verfügen nun mal über kein Oktoberfest e Altstadt, so dass sich derartige Szenen auch nicht ereignen können. Zehn Prozent Idioten gibt’s noch dazu überall, in jedem Land, bei jedem Club. Solch einen Support wie bei Fortuna gibt’s allerdings zur Zeit nirgendwo sonst im Land*.

(* Das ist eventuell eine Hyperbel.)

Falls hier jegliche Anmerkung zum Geschehen auf dem Platz fehlt: Da geschah nichts. Nichts in Richtung Bayerntor, es gab nur Einbahnstraßenfußball zu sehen und wer vielleicht zur Pause auf ein Wunder à la Schweden gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Meist schafften die Fortunen es nicht mal, bis zur Mittellinie in Ballbesitz zu bleiben. David wäre empört, in einer Metapher mit Goliath für diese Fortuna stehen zu sollen. Hinten war dann von der im bisherigen Saisonverlauf erlebten Defensivstärke auch nichts über, und dann kommt eine Partie dabei heraus, bei der einem Angst und Bange um den weiteren Saisonverlauf wird. Schließlich ist mit 8 von 34 Spielen ein Viertel der Saison absolviert und die Bayern stehen bei maximaler Punkteausbeute und 26:2 Toren.

Fortuna gewinnt an jenem Abend nur Sympathien und verbreitet gute Laune, sportlich muss es eben wieder gegen andere Gegner klappen. Gegner allerdings, und nicht übermächtige Sagengestalten, die immer ein bis zwei Mann mehr auf dem Platz zu haben scheinen, wie jene Bayern um vor allem Franck Ribery vom vergangenen Samstag. Dann ist mit eigenen Torchancen nämlich in erster Linie „dode Houße“.

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Was bisher geschah (II): Den #tkss entdecken

Der #tkss ist der „Tweet-Kick Schäl Sick“, wobei die letzteren beiden Vokabeln angesichts der medialen Übermacht, mit der Kölner Kulturgut im Unverhältnis zu tatsächlich existenten und dieses auslebenden Anteilen der Bevölkerung in die Lande gesendet wird, wohl nicht mehr erklärt werden müssen. Die „schäl sick“ ist die „scheele Seite“ Kölns, welche auf der scheelen, also falschen, dummen, schlechten Seite des Rheins liegt, welches in diesem Fall die rechtsrheinische bzw. östliche Seite ist. Und ein Tweet-Kick ist leider kein Rumgebolze von Menschen, die Twitter nutzen, aber immerhin ein Treffen fußballaffiner Twitterer (und Blogger). Was dann so aussieht wie im Bild hier rechts.

Ins Leben gerufen wurde der #tkss vom Italo-Schwaben LLcurly, der gleichzeitig die Gazetta di Kalk betreibt, nur echt in rosa, von hirngabel, der neben dem Brustring auch als hirngabel bloggt, und von DooMiniK2k, bekannt durch effzeh.com und die sektiontwitter, ein Fanclub des 1. FC Köln, von Menschen gegründet, welche sich über Twitter kennenlernten.

„Was bedeutet eigentlich #tkss?“

Zum inzwischen 14. oder 15. Male traf man sich im „Brauhaus ohne Namen“, welches — für einen Besucher aus dem Revier überraschend — irgendwann den Ausschank einstellte, weil das Fass leer, der Abend vorangeschritten war und den Bediensteten ihrerseits nach Feierabend dürstete. Wirsing war der Hashtag des Abends, das bedarf keiner weiteren Erläuterung, wird doch der nächste #tkss unter einem neuen Motto stehen. Vergänglich ist nicht nur der Wirsing, sondern auch und vor allem die Erinnerung der Twitternutzer.

„Was ist ein Tweet-Kick?“

So trifft man dort — man darf auch ohne Anmeldung erscheinen, obwohl diese gewünscht wird — auf zur Zeit meist etwa 30 weitere fußballaffine Twitterer, die man dem Namen nach kennt oder eben erst -lernt. Smalltalk ist in großen und kleinen Runden möglich, und aufgrund der großen Fluktuation an Anwesenden bilden sich, ganz wie im Netz beim Twittern, wo sich jeder an ein Thema anhängen kann, immer wieder neue Runden. Hier rechts im Bild das Phrasenschwein des #tkss, das sogar ein Trikot mit der Aufschrift „tkss“ trägt. Schließlich fallen, wo über Fußball gehobelt wird, auch reichlich Phrasen.

Empfehlenswert ist der #tkss für alle, die einen solchen Termin in Köln einrichten können (etwa 5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Messe/Deutz entfernt) und die nicht menschenscheu sind, was man der „Netzgemeinde“ ja wohl nur aus Ahnungslosigkeit nachsagt. Erstens gibt es keine „Gemeinde“ und zweitens ist sie mehr oder weniger so menschenscheu wie Menschen es eben sind. Wer nicht in der Nähe von Köln wohnt, kann auf Glück hoffen, dass sich Pendants wie bereits geschehen in Berlin, München, Hamburg und zuletzt in Hannover nach seiner Machart bilden. Im anderen Fall spricht nichts dagegen, ähnliche Einrichtungen in der eigenen Heimat einzurichten. Noch werden keine Lizenzgebühren erhoben.

Und wie LLcurly zurecht monierte, existiert noch kein solcher fußballaffiner Twittertreff im Ruhrgebiet. Wer also Zeit und Lust auf ein ganz klein wenig Organisationsarbeit hat, sei hiermit aufgerufen. Alle anderen strömen weiterhin zum #tkss nach Köln oder eben nach München, Hamburg, Berlin oder Hannover.

Siehe dazu auch: „Treffen in Köln“, als sich Blogger zum Pokalfinale der Frauen in Köln verabredeten. Kurzer, aber extrem schlauer Hinweis: Will man sich wirklich kennenlernen und unterhalten können, sollte man eher nicht zusammen ein Fußballspiel besuchen, sondern lieber irgendwo einkehren. Zum Beispiel beim allmonatlichen #tkss, der hier seinen neuen Termin sucht.

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Was bisher geschah (I): Deutschland – Schweden 4:4

Die mehr oder weniger „daily soap“ namens „Trainer Baade“ wird natürlich auch dann fortgeschrieben, wenn gerade keine neuen Folgen veröffentlicht werden, in den letzten Tagen grippal bedingt. Ereignet hat sich dennoch eine Menge im Intriganten- und Mimosenstadl namens Profifußball, was jetzt aufgearbeitet werden muss.

Deutschland führt nach berauschender Gala im Berliner Olympiastadion gegen den vermeintlich stärksten Konkurrenten in der Qualifikation für die WM in Brasilien mit 4:0 und gibt historisch einmalig eine Führung mit vier Toren noch aus der Hand. Schwierig macht die Bewertung dieses auch hier als „Desaster“ titulierten Ereignisses die Hinterher-ist-man-immer-klüger-Problematik. Denn wer hätte schon groß nach den zwei Gegentoren gekräht, wenn es beim 4:2 geblieben oder gar noch zu einem 5:2 oder 6:2, wie sonst gerne vornehmlich gegen Österreich erzielt, angewachsen wäre?

Hinterher weiß man natürlich, dass es falsch war, nicht die Defensive zu stärken. Aber hat man das Fehlen eines solchen Schrittes nach den zwei Gegentoren durch Griechenland bei der EM bemängelt? Oder nach jenen zwei durch eben genanntes Österreich in einem der vorigen Spiele? Hat man Löw vorgeworfen, dass er nach dem Anschluss durch die Niederlande bei der EM nicht anders gewechselt hat, als er es tat?

Insofern ist es wichtig zu wissen, ob alle, die nun nörgeln oder sich überhaupt äußern, wenigstens nach dem 3. Gegentor sicher waren, dass auch noch ein viertes folgen würde. Was retrospektiv schwierig in ehrlicher Weise zu beurteilen ist, gerade da diese Partie nun auch schon 7 Tage her ist. Dennoch einmal die Bitte an alle, die diese Frage für sich innerlich beantworten, dies so ehrlich wie möglich zu beantworten (mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Zeugenaussagen vor Gericht mit höchster Vorsicht zu genießen sind, das gilt dann natürlich auch hier):

War nach dem Tor zum 3:4 wirklich so glasklar, dass auch ein viertes folgen würde, dass man anders hätte wechseln müssen?

Die Folgen dieses verheerenden Remis‘ sind insbesondere angesichts der noch nicht verarbeiteten (geschweige denn verziehenen) Halbfinalniederlage gegen Italien sowie den beiden sehr schwachen Partien gegen Argentinien und Österreich nicht einzuschätzen. Immerhin hätte Löw, so er nicht ebenfalls grippal erkrankt wäre, diesmal die Eier gehabt, nicht wochenlang in der Versenkung zu verschwinden, um sich hernach in einer etwas obskuren Pressekonferenz ohne Anlass gegen alle aufgelaufenen Vorwürfe, sinnvoll (schlechtes Coaching) oder nicht (Hymne, etc.) zu erwehren.

Sondern wäre direkt ins Sportstudio des ZDF marschiert und hätte sich dort verteidigt. Eloquenter sicher als direkt im Anschluss ans Spiel, als ihm nicht nur das Gesicht aus selbigem, sondern auch jeglicher Lebensgeist aus den Gliedern gefahren war. Das darf man merkwürdig finden, gleichzeitig darf man auch darauf hinweisen, dass derlei in nun 104 Jahren Länderspielgeschichte tatsächlich noch nie vorgekommen ist.

Weshalb man auch hier zur Einordnung dieses Ereignisses wissen sollte, sofern man im Fußball etwas „wissen“ kann, ob es schlicht ein ganz besonderes, aber einmaliges Ereignis war, oder ob es sehr wohl etwas mit der aktuellen Konstellation an Spielertypen und deren Auftreten in Länderspielen zu tun hat. Und ja, die Fragestellung ist, alter Martkforschungstrick, zugespitzt, damit man sich entscheiden muss. Wer meint, dass man diese Frage nicht entscheiden kann, der stimme eben nicht ab. Allen anderen allerdings Dank im Voraus.

Das neue Design hier finde ich

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Was sich auf jeden Fall enorm verändert hat, ist die öffentliche Sicht auf Löw. Schon wieder ein Fehler, wenn nicht gleich mehrere, jedenfalls hat er falsch und zu wenig (die dritte!) Auswechslungen getätigt, zumindest Letzteres ist unabhängig von allen hellseherischen Fähigkeiten zutreffend.

Womöglich ist Löw es angesichts der vielen positiven Ergebnisse in den letzten Monaten nicht mehr gewöhnt, überhaupt in solchen Partien in hektische Situationen zu geraten. Möglicherweise war er es aber auch noch nie. Und vielleicht war Urs Siegenthaler an jenem Abend in Berlin beim Stand von 4:0 auch schon nach Hause gegangen, in ein Hotel am Alexanderplatz, mit extradicken Betonwänden aus der Zeit des Kalten Krieges und ergo keinem Handynetz. Wenn aber ein Trainer derart von anderen Geistern abhängig ist, darf die Frage gestellt werden, wieso Siegenthaler eigentlich nicht mit auf der Bank sitzt.

Löws Image jedenfalls hat, ob nun durch ihn verschuldet oder durch einen hanebüchenen Schwenk des Fußballgotts, enorme Kratzer erhalten. Und angesichts der vier Gegentore mit allen Schwächen der jeweils beteiligten deutschen Spieler ist noch dazu völlig in den Hintergrund gerückt, dass weiterhin keine Standards trainiert werden, ob defensiv oder offensiv.

Ebenso weiterhin darf man das hier nicht falsch verstehen: Löw soll nicht abgelöst werden. Die verfügbaren und willigen Alternativen wären kaum besser. Nur soll er endlich an seinen eigenen Schwächen arbeiten. Insofern mag dieses 4:4 tatsächlich einmal als mittlerer Wendepunkt gesehen werden. Die Augen kann man jedenfalls nun endlich nicht mehr davor verschließen, dass „vorne hui und hinten pfui“ gegen Spanien oder Italien nicht reichen wird. Und dass die langjährige defensive Nachlässigkeit endlich wirksam bekämpft werden muss. Natürlich macht das einem wie Löw weniger Spaß, weil es da weniger zu feiern gibt. Aber: (auch) zo is voesbal.

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Eric Cantonas besonders schlappe Variante des Panenka



1. Runde im französischen Pokal, Eric Cantona vergibt für Girondins Bordeaux gegen AS Beauvaix im Januar 1989 (ohne Gewähr).

Ein dermaßen schlapper „Panenka“, dass der Torwart es sogar schafft, nach seinem Hecht in die eine Ecke noch einmal aufzustehen, in die andere Ecke zu laufen und den Ball aufzunehmen. So schlapp, dass man zwei Mal hingucken muss, um zu begreifen, wie gurkig dieser Elfmeter geschossen wurde.

Eric Cantonas späterer glänzend inszenierten Selbstvermarktung hat dieser doch beinahe peinlich anmutende Fehlschuss dann allerdings nicht geschadet.

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Nach Hannover folgt St. Pauli, morgen ganz Europa

Endlich greift der deutsche Fußball durch. Endlich wird aufgeräumt im Saustall „Fankultur“, mit dem man sich im aktuellen Zustand bei keinem Sponsor mehr vorstellen kann. War es gestern noch nur ein einfacher Serienmörder, der gerade mal zwei Dutzend Opfer fand, sind nun endlich auch die dicken Fische dran.

Ein Totenkopf als Insignien von Piraten, die jahrhundertelang ihr Unwesen in Europa trieben, heute noch überall auf der Welt aktiv sind, es in der Antike schon waren, heute vor Somalia und Westafrika — unvermarktbar, das muss weg. Geht nicht mehr, das wird man auch auf St. Pauli einsehen. Gewaltverherrlichend und denkt denn niemand an die Kinder.

Weitergehende Überlegungen wollen auch alle nichtvergetarischen Tiere als Maskottchen verbieten lassen, schließlich fressen diese Tiere andere Tiere. Bären, Krokodile scheiden also ganz aus, ob auch insektenvertilgende, sonst eher niedliche Tierchen verboten werden, ist noch in der Schwebe.

Es kann logischerweise nur vom deutschen Fußball ausgehen, dass auch in der UEFA endlich aufgeräumt wird. Dann ist Schluss mit der „Tartan Army“ und allen weiteren Fan-Armeen, dienen solche Armeen doch in erster Linie dazu, andere Menschen in raueren Mengen zu töten als Fritz Haarmann es je vermochte.

Bis zu NFL, NBA und Co., wo Wikinger, Panther, Krieger, Raubtiere, Haie, Falken oder eben Bären in den doch nur vermeintlich so politisch korrekten USA ihr Unwesen treiben dürfen, reicht der Einfluss des deutschen Fußballs dann allerdings nicht.

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