Zum Inhalt springen

Monat: November 2012

Siegergen entschlüsselt

Lange hat man sich im Fußballbereich gewundert, wie es eigentlich aussieht, wer es hat oder nicht hat, das Siegergen, besonders gerne von jenen zitiert, welchen es gerade fehlt. Wir dürfen hier stolz zum weltweit ersten Mal das Siegergen in seiner vollen, entschlüsselten Pracht zeigen:

$

8 Kommentare

Die Vorfahren der Elche

Das Spielchen ist nicht neu, neu nur die Frequenz, mit der man derlei Äußerungen wahrnimmt. Ein alter Hut ist es vielmehr, was Mario Gomez jetzt wieder zu erwarten hat, da er ja schon mit dem Moment des Wiederanpfiffs nach erfolgreichem Torschuss eine neue Serie seiner Erfolglosigkeit eingeläutet hat.

Dass [Mario Gomez] so andauernd ungerechtfertigt in der Kritik steht, hat er übrigens mit Gerd Müller gemeinsam. Dem hat die Journaille während seiner Karriere – man glaubt es heutzutage kaum – ebenfalls ständig mangelnde Laufbereitschaft (“steht nur im Strafraum”) und eine fehlerhafte Technik (“kann nicht richtig Schießen”) vorgeworfen.

So berichtet es Zeitzeuge Chris Kurbjuhn, dem das ständige grundlose Niedermachen von Mario Gomez dann noch übler aufstoßen müsste als uns, die wir dem Sportjournalismus erst seit vergleichsweise wenigen Jahren folgen.

6 Kommentare

Fortuna legt vor: „Das Haus vom Veh“

Für mich bleibt diese ewige Rivalisiererei im Fußball ja ein Rätsel, welches ich bis zu meinem Totenbett wohl nicht begreifen werde.

Wenn diese Rivalität allerdings so hervorragend verpackt und vor allem dezent dosiert daherkommt wie in diesem Video, in dem sogar einige Beteiligte der Rivalität zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt selbst auftreten, hat es das Zeug zum Klassiker der Fußballkultur.



… und wird auf der Gegenseite hoffentlich allein mit Humor der ähnlichen Kategorie beantwortet.

Leider ist die Verknüpfung „im Fußball Beteiligte und Humor“ ein schwieriges Feld. Ausnahmen wie dieses Video hier bestätigen nur die Regel. Dies gelingt „Das Haus vom Veh“ allerdings mit einem Ergebnis, welches den offensichtlich großen Aufwand wert war.

9 Kommentare

Gastfreundschaft nach Mainzer Art

Wenn man in einem neuen Stadion (hier: in der Coface-Arena) Kabinen anlegt und diese später für seine Gäste bereit stellt, würde man eigentlich annehmen, dass es nach guter Sitte so ist, dass man seinen Gästen den bestmöglichen Service, die höchste Qualität anbietet, und man selbst zur Not eben auf die eine oder andere Luxuriösität verzichtet.

Wenigstens aber, das sollte selbstverständlich sein, würde man seinem Gast niemals etwas anbieten, was schlechter als das ist, was man sich selbst zugedacht hat. So weit, so gebräuchlich ist diese Sitte in ganz Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa oder auf der ganzen Welt.

Mit Ausnahme eines kleinen, gallischen Dorfs namens Mainz, in welchem man doch tatsächlich den Gästen zunächst Minderwertiges anbieten wollte, ehe Manager Christian Heidel immerhin darauf plädierte, den Gästen doch wenigstens Gleichwertiges anzubieten.

Manager Christian Heidel hat eine hohe Wertigkeit auch für die Gäste gefordert“, berichtet Abele. So wurden nachträglich bequemere Sitzbänke und Rückenlehnen installiert.

Offensichtlich wollte man Heidel aber nicht ganz verstehen oder hat Dienst nach Vorschrift gemacht. Heraus kam dabei das Folgende:

Zum Aufwärmraum mit Kunstrasen und Trainings-Fahrrädern hat aber nur der Kabinentrakt der 05er Zugang.

Schlechter Stil, dessen man sich nicht einmal bewusst zu sein scheint, sonst würde man ja nicht bereitwillig im Interview über diese Machenschaften Auskunft geben.

Dass das alles passiert sein könnte, ohne dass die sportlich Verantwortlichen davon etwas geahnt hätten, ist leider eher nicht anzunehmen. Schließlich mischt Thomas Tuchel auch in anderen Aspekten sehr konkret mit:

Trainer Thomas Tuchel hat nämlich eine auf Millimeterangaben genaue Vorstellung davon, wie lang die Grashalme zu sein haben.

Bei Thomas Tuchel hätte man kein anderes als dieses Verhalten erwartet, beim Punkt Gastfreundschaft der Mainzer allerdings schon.

8 Kommentare

Enttäuschend — EA-Cover-Fluch simpel erklärbar

So ein Ärger. Es gibt eine Erklärung für den EA-Cover-Fluch. Das ist deshalb ärgerlich, weil es bedeutet, dass der EA-Cover-Fluch tatsächlich existiert. Und nicht allein eine zufällige Ansammlung ganz selektiv ausgewählter Ereignisse ist, welche ohnehin im Fußball ständig passieren. Das ist auch deshalb ärgerlich, weil man nicht von selbst drauf gekommen ist, was einen selbst doch wieder entscheidende Zentimeter von der Rolle als allseits anerkannte allwissende Müllhalde wegbewegt, wie immer kurz vorm Ziel.

Die Erläuterung zur Existenz des Fluchs bezieht sich zwar auf die NFL, und die Antwort stammt von jemandem, der ein großes Interesse daran haben muss, dass es statt eines Fluches eine ganz einleuchtende und auch harmlose Erklärung gibt. Denn sie stammt von einem Mitarbeiter von EA Sports, welches sowohl die zugehörigen Spiele zur NFL als auch zum Fußball vertreibt. Aber sie ist doch recht überzeugend vom Football auf den Fußball übertragbar.

To earn the honor of being put on the game cover, a player is usually coming off of a strong year and some regression the following year is to be expected […]

Für alle Ossis, die hier mitlesen, hab ich die Aussagen von EA Sports mal eben übersetzt:

Um die Ehre zu erreichen, auf einem Cover des Spiels abgebildet zu werden, muss ein Spieler zuvor eine besonders gute Saison gespielt haben. Weshalb ein gewisser Leistungsrückgang in der nächsten Saison zu erwarten ist.

D‘oh!

Das ist natürlich tatsächlich so. Wer gerade, selbst wenn er FC Bayern München heißt, Meister geworden ist, hat gute Chancen, im nächsten Jahr schlechter abzuschneiden. Wer als Trainer eine Mannschaft in die Champions League geführt hat, der hat nicht nur gute Chancen, schlechter abzuschneiden, er wird auch mit größerer Wahrscheinlichkeit seine besten Spieler abgeben müssen. Wer als Newcomer die Bundesliga aufmischt, hat eine gewisse Chance, dass sich die Gegner besser darauf einstellen. Und so weiter.

Ein menschliches Gehirn ist eine tolle Einrichtung, aber leider allzu oft immer noch dem Okkulten anhängend. Sehen und zählen sind zwei verschiedene Dinge.

Kein Fluch, schlicht eine erwartbare Regression.

(Inspiriert von Jürgen Kalwas Anmerkung bei allesaussersport.)

6 Kommentare

Zahlen lügen nicht: Stadien immer unsicherer

Die Zahlen lügen nicht. Die Stadien der Bundesliga werden immer unsicherer. Das spiegelt sich nicht zuletzt in ständig fallendem Zuschauerinteresse wider. Früher ging man unbehelligt und -beschwert ins Stadion. Heute fürchten viele aufgrund eigener Erfahrungen oder derer von Freunden und Bekannten den Gang ins Epizentrum des Terrors, in ein Bundesligastadion.


Zuschauerschnitt pro Spiel der 1. Bundesliga

Die Grafik zeigt deutlich, dass die Zuschauer der mangelhaften Sicherheit Tribut zollen (müssen). Waren es einst ganze Familien, Frauen, Kinder, Junge und Alte, die sich an einem Stadionbesuch erfreuten, trauen sich heutzutage nur noch die ganz Hartgesottenen ins Stadion. Dass man bald Mittel und Wege findet, diesen Trend umzukehren, bleibt zu hoffen, ist aber unwahrscheinlich.

13 Kommentare

Blog-Krokant: Zwei Blogosquariums-Urgesteine und ein Mal Infografiken

Zwei in der Fußballbloggerei altgediente Recken haben ihre ihrem Empfinden nach ranzig gewordenen Behausungen verlassen und sich von dicken Raupen in Schmetterlinge verwandelt. Oder auch: Sind des Fußballbloggens müde geworden, nach all den Jahren.

Wie das aber meist so ist, merkt man dann nach einer Pause, dass man ganz ohne Publishen im Netz doch nicht kann oder zumindest nicht möchte. Wir sagen: Zum Glück!

Stefan Keller, ein Urgestein, fast so alt (beim Bloggen) wie der Kölner Dom, dürfte den meisten Insassen des Blogosquariums noch als Schreiber der Südtribüne bekannt sein, die sich mit dem 1. FC Köln beschäftigte. Diese ist stillgelegt.

Doch Stefan Keller bloggt weiter über Fußball, nebst anderen Dingen, ganz wie es der Zeitgeist erfordert, unter Klarnamen. „Leben, Schreiben, Sport, Kultur“ heißt sein Blog im Subtitel, und dann findet man auch gleich eine kleine Perle, leider unverhofft tagesaktuell geworden: As time goes by, und das Thema ist Alemannia Aachen.

Bei Twitter heißt er @StefanKeller_. Dass er am Veröffentlichungstag dieses Beitrags seinen Geburtstag feiert (herzlichen Glückwunsch!) ist allerdings ganz ehrlich ein reiner Zufall. Zu finden sind alle seine neuen Sachen nun in seinem Blog (neuerdings nur noch normale Webseite) Stefan Keller.

Sebastian Langer, früher aktiv bei finale, nachspiel und EM 08-Blogger mit Ghostdog, mit dem er Du gehst niemals allein gründete — der Zweck von ständigen Domainwechseln bleibt bis heute im Dunkeln — bloggt jetzt ebenfalls als Klarnamenmensch unter seinem ebensolchen.

Auch da geht es aber immer mal wieder um Fußball, so dass das Blog im Reader und im Kanon bleibt. Zuletzt berichtete Selanger von einer sehr angenehmen, sehr lesenswerten Begegnung mit Helmut Haller, aufgeschrieben leider anlässlich dessen Todes. Bei Twitter ist er @selanger. Sein Blog heißt Sebastian Langer.

Alle guten Dinge sind bekanntlich zwei plus eins. Und deshalb noch aus dem nichtdeutschen Blogosquarium die schicke Seite von „On Goals Scored“. Eine Sammlung ansehnlicher Infografiken zum Fußball, derer es viel zu wenige gibt, nicht zuletzt, da der spielbeobachter sein diesbezügliches Wirken momentan eingestellt hat, die Menschen in klassischen Redaktionen aber offensichtlich kein Faible für so etwas besitzen. Gerade mal bei Zeit online gibt es die eine oder andere Infografik zum Thema, und die FAZ hatte das hier mal im Angebot, aber auch nicht viel mehr.

Umso schöner, dass On Goals Scored da eine klaffende Lücke schließt, mit dem bedauerlichen Randaspekt, dass es hauptsächlich Daten aus britischer Warte sind, die zu ansehnlichen Gesamtkunstwerken verwurstet werden. Doch die Bundesliga kommt auch vor und internationaler Fußball wie das EM-Finale in deutlichen Farben. Klickenswert: On Goals Scored.

7 Kommentare

Jeder nur ein Jahrhundert

Ein Unglück kommt selten allein. Nicht nur, dass die FAZ glaubt, dass ein in einem Konsolenspiel geschossenes und als Video bei youtube hochgeladenes Fallrückziehertor, welches aus noch größerer Entfernung als jenes von Zlatan Ibrahimovic erzielt wurde, im Offlineleben geschehen sei, wie das Bildblog berichtet.

Die ganze Einleitung zu diesem Text fusst auch noch auf einem weiteren Fehler. Denn zunächst geht es darum, dass Klaus Fischer seine Auszeichnung für das „Tor des Jahrhunderts“ losgeworden wäre, wenn Ibrahimovic Deutscher wäre:

[…] was dem damaligen Schalker gleich fünf Auszeichnungen einbrachte: Tor des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts, die Vierteljahrhunderts, des Jahrhunderts. Die letzte Auszeichnung hätte am Mittwochabend anderweitig vergeben werden müssen, eben an Ibrahimovic.

Zur Erinnerung: Klaus Fischers Tor datiert vom 16. November 1977, also aus dem 20. Jahrhundert. Zlatan Ibrahimovic fabrizierte seinen famosen Fallrückzieher vorgestern, und somit im 21. Jahrhundert. Dass man für eine Auszeichnung in diesem Jahrhundert dem Preisträger des letzten Jahrhunderts seine Auszeichnung entreißen müsse, wäre nicht nur schlechter Stil, sondern auch neu.

3 Kommentare

„Es ist nichts passiert“

Es ist nichts passiert — das gilt leider ziemlich genau für die gestrige Partie zwischen den Niederlanden und Deutschland. Das mit großem Abstand unspektakulärste und ganz bott schlechteste Spiel seit geraumer Zeit für dieses Team und diesen Trainer. Es gibt aber nichts Schlechtes, aus dem man nicht etwas Gutes ziehen könnte.

Erstens diente die Partie hervorragend dazu, wieder ins Gedächtnis zu rufen, in welch goldenen Zeiten diese Mannschaft ansonsten lebt. „Ribbeck und die Bratwürste“ sind noch nicht so tief versunken, dass man sich nicht mit leichtem Gruseln sehr gut daran erinnern könnte, aber es braucht dafür dann schon einen Anlass wie dieses fad anzusehende Spielchen.

Zweitens kann man aus dem 0:0 zudem wieder mal ziehen, dass Fußball eben so ist. Mitreißend, faszinierend, atemberaubend — und auch stinklangweilig, ermüdend, ohne Höhepunkte plätschernd, so wie gestern.

In einer anderen Partie ist gestern dagegen sehr viel passiert, unter Anderem wurde dabei das Tor des Jahres des internationalen Fußballs erzielt, vielleicht sogar des Jahrzehnts (man vergleiche dazu die mehrheitlich öden 10 Vorschläge zum „Tor des Jahres“ der FIFA) als Zlatan Ibrahimovic mit seinem Fallrückzieher aus ca. 20 Metern den Schlusspunkt unter seine insgesamt vier Tore zur Demontage Englands setzte.

Ein Tor, an welchem man zwar in den Medien heute ohnehin nicht vorbeikommt, welches aber so schön ist, dass es auch hier im Bild gezeigt werden soll. Vielleicht kommt der eine oder andere auch jetzt erst von der Arbeit und schaltet „Trainer Baade“ ein, für all jene also der Service hier.


Falsch liegen aber Stimmen, welche damals behaupteten, dass mit dem 4:4-Remis zwischen eben jenen Schweden und Deutschland „nichts passiert“ sei in dem Sinne, dass keine Chancen geschmälert oder zerstört worden seien. Man muss wahrlich kein Fachmann sein, um das Folgende zu verstehen:

1. Deutschland 4 3 1 0 15:6 +9 10
2. Schweden 3 2 1 0 8:5 +3 7

Es ist an jenem Tage in Berlin sehr wohl „etwas passiert“. Denn gesetzt beide Teams gewinnen ihre restlichen Partien und Schweden steht mit der besseren Tordifferenz da, reicht ihnen ein Remis gegen Deutschland gleich welcher Höhe, um die Gruppe als Tabellenerster abzuschließen.

Andersherum und negativer formuliert: die deutsche Mannschaft müsste dann in Schweden gewinnen, wenn sie nicht als Gruppenzweiter in die Playoffs gegen einen anderen Gruppenzweiten gezwungen werden möchte.

Und zwar müsste sie dann, deshalb auch die Verknüpfung in diesem Beitrag, gegen jene Schweden gewinnen, die schon mal ein 0:4 gegen Deutschland noch ausgleichen oder in Person von Zlatan Ibrahimovic den Engländern 4 Tore verpassen.

19 Kommentare

Wann ist ein Narr ein Narr?

(Vorab: Ein Narr ist immer ein Narr, wenn er sich mit der FOTO-Zeitung einlässt, wie es Zwanziger zu jeder Zeit besonders gerne tat und noch immer tut. Ein Narr ist ein Narr, wenn er sich, wie im Podcast bei Jens Weinreich zugegeben, allein aus der FOTO-Zeitung über Politik informiert und neben einer Regionalzeitung keine weiteren Medien konsumiert.)

Ein Narr ist aber immer auch dann ein Narr, wenn er die nach ihm benannte Freiheit nutzt, den Herrschenden Wahres zu servieren, gerne als Scherz, hier in Buchform verpackt. Normalerweise können diese dann über ihre eigenen Fehler lachen und sich vielleicht gar hinterfragen. In diesem Fall hat man es allerdings mit besonders humor- und somit auch kritikresistenen Exemplaren der Gattung Funktionär zu tun.

Natürlich ist das Ganze für sich schon eine Narretei, so Vieles an diesem Buch ist falsch: der Zeitpunkt so dicht an seinem Rücktritt, der Vorabdruck in der FOTO, die wenig distanzierte Selbsterhöhung im Titel und das höchst unseriöse Ausplaudern von etlichen Interna rund um Verträge, Planungen und Personal mitten aus der Zentrale des DFB. Eine so große Narretei, dass man annehmen muss, das Alter habe schon seine Finger im Spiel. Jenes eifersüchtige, sich ständig missverstanden fühlende Alter, nicht das weise, gütige, in sich hineinlächelnde und über die Bewertungen der Nachwelt erhabene.

Gleichzeitig ist ein Narr vor allem dann ein Narr, wenn man nie genau weiß, wann er die Wahrheit spricht und wann er nur versucht, sein Publikum zum Narren zu halten. Denn so richtig die Kritik an Hoeneß‘ allgemeinem Gebaren einer allwissenden Müllhalde, an Niersbachs offensichtlich fehlendem Interesse an Zwanzigers sozialen Themen — als habe der DFB sich nur um den Profifußball zu kümmern, welcher ja anders als die Amateure besonders gut ohne den DFB auskäme — und so richtig der Wunsch nach mehr Demokratie im DFB ist, so grotesk ist es, den größten aller Schurken rund um den Fußball zu beschützen: den Blatter Sepp.

Da hält der Theo nun seinerseits uns alle zum Narren, denn ob er etwas verstanden hat, mutig war und dem Fußball Gutes wünscht oder ob er doch nur zu eitel ist, den Verlockungen des Großmeisters des Werbens zu widerstehen und sein Hirn schon von Blatters Spielen vernebelt ist, kann man von hier nicht beantworten.

Ein Narr ist aber vor allem dann ein Narr, wenn er mal wieder nur auf Vorabschnipsel in irgendwelchen Blättern fußend eine Bewertung eines immerhin mehrere Dutzend Seiten umfassenden Werkes vornimmt. Weshalb man sich, sofern man noch kein Exemplar in den Händen hält, am besten von allen Bewertungen fernhält. Alles andere wäre eine recht große, na, Dummheit.

16 Kommentare

„Dolly Dimples“ — Lebensabschnittspartner Fußball

Für die wenigsten Fußballer ist dieser nur ein Lebensabschnittspartner. Die wenigsten kommen davon weg. Und diese wenigen suchen wir hier. Kein klassisches „Gewinnspiel ohne Gewinne“ bei Trainer Baade, aber einer dieser Beiträge, in denen wir zusammen den Inhalt sammeln.

Enno, Gründer und Ex-Autor des hertha-blog (sowie von Welt Hertha Linke selig), hatte vor geraumer Zeit hier angefragt, ob man nicht mal Spieler zusammentragen könnte, die nach ihrer Karriere als Fußballer ungewöhnliche berufliche (oder künstlerische oder sonstige) Wege einschlugen. Seitdem also nichts mehr mit Fußball oder Berichterstattung über diesen zu tun haben, gleichwohl aber nicht in ihren angestammten Beruf zurückgekehrt oder einen solchen, schnöden ergriffen haben.

Beispiele, die wir nicht suchen, wären Peter Wynhoff, Sachbearbeiter bei der Kreisbau AG, oder Jürgen Groh, Briefträger, was sein Ausbildungsberuf war.

Wobei die Grenzen da fließend sind: Früher hatten viele Spieler einen normalen Beruf, welcher sogar im Kicker-Sonderheft aufgelistet wurde, heute ist es die Ausnahme. Allerdings befinden sich „heutige“ Spieler noch mitten in ihrer Karriere, weshalb sie auch noch nichts nach ihrer Karriere ausgewählt haben können. Definitiv ausgenommen sind alle Mitarbeiter von Fußballschulen oder sonstigem Verkaufsquatsch, ob nun als Redner, Werbefigur oder Tennishalleneröffner im Zusammenhang mit ihrer Fußballerkarriere. Keine Spielerberater, Jugendtrainer, Fanbetreuer, Scouts, Fanshopmitarbeiter, TV-Experten oder Co-Trainer. Und auch keine Manager der Nationalmannschaft.

Zwei, drei Beispiele, die vorgeben könnten, was gesucht ist, folgen hier:

Thomas Allofs Fortuna Düsseldorf, 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Köln, Racing Straßburg Betreibt ein Unternehmen der Abfallwirtschaft.
Ioannis Amanatidis Eintracht Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern Gründete ein Modelabel und betreibt ein Restaurant.
Peter Artner FK Austria Wien, First Vienna FC, FC Admira/Wacker, SV Austria Salzburg, Hercules Alicante, US Foggia, VSE St. Pölten Glasfabrikant mit eigener Firma.
Frank Bartenstein Kickers Offenbach Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma.
Sebastian Deisler Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC, FC Bayern München Betreibt einen Dritteweltladen in Freiburg.
Robert „Bobby“ Dekeyser FC Bayern München, 1. FC Nürnberg, 1860 München Stellt mit seiner von ihm gegründeten Firma Outdoor-Möbel her.
Thomas Eichin Borussia Mönchengladbach, 1. FC Nürnberg Geschäftsführer des Eishockeyclubs Kölner Haie.
Yves Eigenrauch FC Schalke 04 In der Öffentlichkeitsarbeit eines Kinder- und Jugendtheaters und diversen gemeinnützigen Projekten, wie dem Gelsenkirchener Wohnprojekt „Pelikan – Generationenübergreifendes Wohnen“, tätig.
Ralf Falkenmayer Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Eintracht Trier Mitarbeiter eines Großhandels für Parkett und Laminat.
Wolfgang Feiersinger Borussia Dortmund, Austria Salzburg, LASK Linz, PSV Salzburg Hüttenwirt der Hochwildalmhütte bei Kitzbühel.
Bernd Förster SV Waldhof Mannheim, FC Bayern München, 1. FC Saarbrücken, VfB Stuttgart Betreiber einer Autowaschanlage.
Dieter Frey FC Bayern München, SC Freiburg, Werder Bremen, 1. FC Nürnberg Lehrer für Wirtschaft und Recht an einem Nürnberger Gymnasium.
Urs Güntensperger FC Luzern, FC Lugano, FC Zürich, Eintracht Frankfurt, Lausanne-Sports, FC Basel, FC Tuggen, FC Horgen, FC Rheinach Bezirksleiter Metall bei der Würth AG.
Hans-Jürgen Gundelach Eintracht Frankfurt, FC Homburg, Werder Bremen Leitender Mitarbeiter in einem Computerhandel.
Jimmy Hartwig Kickers Offenbach, VfL Osnabrück, TSV 1860 München, Hamburger SV, 1. FC Köln, Austria Salzburg, FC Homburg Theaterschauspieler in diversen Produktionen.
Achim Haucke Alemannia Aachen Kohlenschlepper in Hamburg.
Jan Heintze Kastrup BK, PSV Eindhoven, Bayer Uerdingen, Bayer Leverkusen Jan Heintze Promotion Products.
Ronnie Hellström Hammarby IF, 1. FC Kaiserslautern, Gif Sundsvall Skandinavienleiter von Hornbach.
Peter Hidien Hamburger SV Kundendienstbetreuer bei Firma Peter Gerdau Tankschutz in Tangstedt/HH.
Udo Horsmann FC Bayern München, Stades Rennes, 1. FC Nürnberg, TSV 1860 München Möbeldesigner
Dirk Hupe Union Solingen, Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, Fortuna Köln Leitet Versicherungsbüro in Solingen.
Volker Ippig FC St. Pauli Lascher im Hamburger Hafen.
Manfred Kaltz Hamburger SV, Girondins Bordeaux, FC Mulhouse Vertriebsdirektor eines italienischen Mineralwasser-Konzerns, Immobilienmakler, Vermögensberater und er engagiert sich in einem Rehabilitationszentrum.
Werner Kamper VfL Osnabrück Geschäftsführer eines Betriebs für Landmaschinenbau.
Jupp Kapellmann Alemannia Aachen, 1. FC Köln, FC Bayern München, TSV 1860 München Arzt.
Rudi Kargus Wormatia Worms, Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC, Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln Betätigt sich künstlerisch als Maler.
Manfred Kastl Hamburger SV, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart Besaß ein Hotel, das „Haus Kastl“ bis zur Insolvenz, welches er in ein Pflegeheim umwandelte, welches insolvent ging. Professioneller (?) Pokerspieler.
Dieter Kitzmann 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt, Union Solingen Betreiber eines Tabakladens in Kaiserslautern.
Wolfgang Kneib FSV Mainz 05, Borussia Mönchengladbach, Arminia Bielefeld Innendienst der Württembergischen Versicherung AG.
Martin Kree VfL Bochum, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund Hatte im Gegensatz zum Großteil der Branche keine Berührungsängste mit neuen Techniken und leitet jetzt eine IT-Schulungs-Schule.
Peter Kunter Eintracht Frankfurt, Freiburger FC Zahnarzt.
Marek Lesniak Pogon Stettin, Bayer Leverkusen, SG Wattenscheid 09, TSV 1860 München, KFC Uerdingen, Xamax Neuchatel, Fortuna Düsseldorf, Preußen Münster, SpVgg Velbert, SV Hilden-Nord Mitarbeiter bei einer Autoteilefirma.
Ilhan Mansiz Genclerbirligi Ankara, Kusadasispor, Samsunspor, Besiktas Istanbul, Vissel Kobe, Hertha BSC, MKE Ankaragücu Eiskunstläufer.
Erwin Markert Kickers Offenbach Besitzt ein Versicherungsbüro.
Hans-Bert Matoul Chemie Leipzig, Lokomotive Leipzig, BSG Traktor Langeln, Einheit Wenigerode Übernahm während seiner aktiven Karriere die Bäckerei seines erkrankten Vaters, ist heute diplomierter Wirtschaftswissenschaftler.
Frank Mill Rot-Weiss Essen, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf Aktiv in der Schrott- und Baubranche, u. a. (wohl) mit Mill-Container.
Thomas Miller SpVgg Unterhaching, FC Augsburg, TSV 1860 München Finanzbeamter.
Markus Münch FC Bayern München, Bayer Leverkusen, 1. FC Köln, FC Genua, Besiktas Istanbul, Borussia Mönchengladbach, Panathinaikos Züchtet Pferde und ist Galopptrainer.
Herbert Mühlenberg SC Jülich 1910, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, VfL Osnabrück, VfB Rheine Lehrer am Osnabrücker Gegengymnasium.
Wolfgang Mühlschwein Kickers Offenbach Ingenieur mit eigener Firma.
Arne-Larsen Ökland Bayer Leverkusen Betreibt die Pizzeria-Kette „Dolly Dimples“ in Norwegen. (Womit er so gerade noch durch den Gastwirt-Filter rutscht.)
Markus Osthoff 1. FC Saarbrücken, Eintracht Trier, MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Braunschweig Lehrer für Sport und Hauswirtschaft.
Jürgen Pahl Chemie Halle, Eintracht Frankfurt, Rizepspor Betreibt eine Obstplantage in Paraguay.
Manfed Pohlschmidt Preußen Münster, Hamburger SV, FC Schalke 04 Betreiber einer Lottoannahmestelle.
Tobias Rau Arminia Bielefeld, Eintracht Braunschweig, VfL Wolfsburg, FC Bayern München Student des Lehramts
Knut Reinhardt Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund, 1. FC Nürnberg Grundschullehrer in Dortmund.
Andreas Reinke Hamburger SV, FC St. Pauli, Iraklis Saloniki, Real Murcia, 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen Landwirt mit eigener Wurstproduktion.
Helmut Roleder VfB Stuttgart Businesstrainer.
Bodo Rudwaleit Dynamo Berlin, Stahl Eisenhüttenstadt Betreibt ein Taxiunternehmen in Berlin.
Jürgen Rynio Karlsruher SC, 1. FC Nürnberg, Borussia Dortmund, Rot-Weiss Essen, FC St. Pauli, Hannover 96 Leiter einer Einrichtung für Behinderte
Gunnar Sauer Werder Bremen, Hertha BSC, VfB Leipzig Ist Immobilienmakler in Bremen
Thorsten Schlumberger Hertha BSC, Tennis Borussia Berlin, SC Charlottenburg, Blau-Weiß 90 Berlin, BSV Brandenburg, FSV Velten, SV Wilhelmshafen Physiotherapiepraxis in Berlin.
Stefan Schmitt SGK Heidelberg, VfB Stuttgart, SV Sandhausen Zahnarzt.
Georg Schwarzenbeck FC Bayern München Inhaber eines Schreibwarengeschäfts.
Martin Spanring TSV 1860 München, Fortuna Düsseldorf, FC Schalke 04, SC Freiburg, VfB Stuttgart, Bursaspor, Freiburger FC Sportmanager im Europapark Rust.
Hans-Peter Stark Blau-Weiß 90 Berlin. Beliefert mit seinem Unternehmen die Spitzengastronomie.
Gert Trinklein Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, Dallas Tornado Mitglied der Stadtverordnungsversammlung für die FDP in Frankfurt.
Mario Tolkmitt Bayer Leverkusen, FC Berlin, Fortuna Düsseldorf Busfahrer und Betriebsrat in Burscheid.
Horst Weyerich 1. FC Nürnberg, SpVgg Fürth, Erzieher bei der Lebenshilfe Fürth.
Reiner Wirsching 1. FC Schweinfurt 05, 1. FC Nürnberg, TSV Vestenbergsgreuth Arzt.
Roland Wohlfarth 1. FC Bocholt, MSV Duisburg, FC Bayern München, AS Saint-Etienne, VfL Bochum, VfB Leipzig, Wuppertaler SV Bauleiter einer Estrichfirma.
Andreas Zeyer SSV Ulm 1846, SC Freiburg, Hamburger SV, Karlsruher SC, VfL Bochum, SC Freiburg Diplom-Ingenieur beim Stahlbauunternehmen der Familie in Nehresheim.
Michael Zeyer SSV Ulm 1846, SC Freiburg, 1. FC Kaiserslautern, SV Waldhof Mannheim, MSV Duisburg, VfB Stuttgart, Fortuna Düsseldorf, 1. FC Heidenheim Betreiber eines Sterne-Restaurants mit dem Namen 5.

Die Liste wird um Eure (Gedächtnis-) Fünde erweitert und zur besseren Übersicht dann alphabetisch sortiert, natürlich gibt es kein richtig oder falsch. Wobei ebenso selbstredend gilt: je ausgefallener, desto Kracher.

78 Kommentare

janus — Der Traum vom Tal-Titan

Diesen Text über seine Zeit im Jugendfußball beim immerhin ehemaligen Bundesligisten Wuppertaler SV verfasste janus, der seine Schreiberkarriere eigentlich beendet hat, für eine Ausnahme glücklicherweise in diesem Fall aber sehr gerne zu haben war.

Am Anfang war ein Traningsanzug. Damals, 1982, kickte ich im jüngeren Jahrgang der C-Jugend des 1. FC Wülfrath, als Muttern von einer Anfrage des Wuppertaler SV berichtete. Der galt in der Gegend meiner Geburt und Jugend als der „große“ Verein, als „Titan vom Tal“, weil es der einzige Club war, dessen Senioren höherklassig spielten, in den 1970er Jahren sogar in der 1. und 2. Bundesliga; Anfang der 1980er immerhin noch in der Oberliga Nordrhein. also drittklassig, jede Saison aufs Neue mit Aufstiegsträumen. Jugendarbeit und Talentförderung galten als vorbildlich. Das Kürzel WSV verhieß den Traum vom Profi-Fußball direkt um die Ecke, auf einem richtigen Rasenplatz im Stadion am Zoo. Hartnäckig hielt sich bei den Jugendmannschaften im Umkreis das Gerücht, der WSV würde all seine Mannschaften als erstes neu einkleiden, mit einheitlichen Trainingsanzügen, etwas, wovon wir auf dem Dorf nur träumen konnten. Nebenbei, es stimmte, aber nur bedingt.

8 Kommentare