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Monat: März 2015

Ganz Großbritannien bei der EM? Nein, ein kleines … doch

Gestern twitterte ich erfreut die Aussicht, dass zum ersten Mal seit der WM 1958 wieder — und damit für die meisten von uns inklusive mir zum ersten Mal überhaupt — alle vier britischen Fußballverbände bei einem großen Turnier vertreten sein könnten, wie der Stand der Qualifikation durchaus noch zu hoffen erlaubt. Auch wenn da natürlich eine sehr große Prise Romantik dabei ist, denn auch in Schottland oder Wales pflügt man nicht mehr allein den Rasen samt Gegner um, aber eine gewisse Sympathie inbesondere für die drei kleineren britischen Verbände lässt sich eben nicht leugnen und fühlt sich ohnehin gut an.

Sofort kamen allerdings die Einwände, dass Gibraltar ja neuerdings auch mitspiele und sich nicht qualifizieren werde. Womit es nur vier von fünf teilnehmenden britischen Verbänden nach Frankreich schaffen werden, wenn überhaupt.

Das ist in Bezug auf die Bezeichnung „britisch“ zwar zutreffend, denn Gibraltar gehört zu den British Overseas Territories, nicht aber zu Großbritannien (im Sinne von United Kingdom), worauf sich meine Aussage eigentlich bezog. Da es auch nicht zu den vier britischen Verbänden gehört, die einen festen Sitz im FIFA-Regelboard haben, darf man durchaus dabei bleiben, dass sich eventuell alle vier Verbände Großbritanniens (im Sinne von United Kingdom) qualifizieren werden. Aber nicht alle britischen, nein, wobei Gibraltar ohnehin nur politisch „britisch“ ist, aber nicht geographisch und somit eigentlich auch im Fußball nicht.

(Sehr aufschlussreich ist zu all diesen Fragen übrigens dieses Erklärbär-Video: „The Difference between the United Kingdom, Great Britain and England Explained“, nett gemacht.)

Beim sprichwörtlichen schottischen Glück werden dann aber ohnehin alle vier britischen Verbände in eine Gruppe gelost werden und Schottland scheidet darin als einer der schlechteren Gruppendritten gegen England und Wales aus. Solche Geschichten wollen wir aber auch bei großen Turnieren gerne erleben, nicht wahr?

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Dit war Berlin

Lesung im Oval im Babylon Kino in Berlin

Das Folgende enthält einige Veranstaltungen, viele Links zu Blogs und Twitter-Accounts, aber das letzte Wochenende in Berlin war angenehmerweise auch pickepackevoll mit netten Anlässen, alle rund um den Fußball, der ja immer noch wichtig ist ad lib. Berliner Luft scheint da trotz der Hertha doch ausreichend Raum für Begeisterungsfähigkeit zu lassen.

Rösslequiz

Lange geplant, nun endlich umgesetzt: Eine Teilnahme am formidablen Rösslequiz (sehr schicke Webseite), das natürlich im Rösslepub stattfindet. In Neukölln gelegen, ist es keine echte Kneipe, sondern ein Clubheim eines VfB-Fanclubs und wird dementsprechend nur an Tagen mit VfB-Spielen oder anderen besonderen Anlässen wie CL-Finale oder WM geöffnet. Die Getränkepreise sind deshalb auch quasi als Selbstkostenpreis zu verstehen, im Hauptraum vorne hängt eine große Leinwand im Raucherraum und im hinteren Raum noch eine Leinwand mit einigen Sofas davor, der ein Nichtraucherraum ist. Alle Wände sind mit VfB-Wappen bemalt, im Durchgang steht ein Kicker und hängen viele VfB-Trikots aus verschiedenen Epochen des Clubs. Sehenswert, wenn man sich für Trikots erwärmen kann. Eine echte Fußballkneipe eben, abgerundet durch einen Pappaufsteller des ewigen Diegos, Guido Buchwalds nämlich.

RösslepubSomfi alias Daniel, einer der beiden Macher des Quiz, hatte mich eingeladen und auch um einige Gastfragen gebeten, welche ich natürlich gerne beisteuerte. Netterweise durfte ich — ohne meine eigenen Fragen zu beantworten, versteht sich und wurde auch so gehalten, alte Quizzerehre — in einem Team mitquizzen. Nunja, als Gastgeber hätte man sich da eventuell zurückhalten müssen, aber ich war ja Gast und in einem Team mit großer Expertise gelandet. Zusammen errangen wir bei einem wirklich anregend präsentierten Mix aus klassischen Quizfragen, einem Anagramm, Tor-oder-nicht-Tor-Videos und sogar einem zu erratenden Fansong den Sieg, der beim Rösslequiz standesgemäß mit riesigem Pokal gewürdigt wird. Sowie 10 Rössle-Euro, die man am Ende des Quiz nicht mal komplett umsetzen kann, weil die Preise im Rösslepub so niedrig sind.

Wanderpokal des Rösslequiz im Rösslepub

Die Begeisterung bei den Gewinnern der vorigen Ausgabe über ihren an jenem Abend erreichten zweiten Platz hielt sich etwas in Grenzen, beim nächsten Mal bin ich ja aber ohnehin nicht wieder dabei und so darf die „Trainingsgruppe 2″, so hieß unser Quizteam, was dem Kenner Rückschlüsse auf den Urheber dieses Namens erlaubt, allein ihr Glück versuchen, den Titel zu verteidigen.

aaaasEbenfalls anwesend in jener Lokalität und auch mitquizzend: sternburg, neuerdings selbst unter die Blogger gegangen, indem er die ausgelagerten Kommentare von allesaussersport.de auf der Seite allesausseraas.de betreut, mit technischer Unterstützung von Robert und dort die Ex-Kommentatorenschaft von aas bei sich versammelt hat, unterhält und foppt, sich aber mehrheitlich sehr nah an sportlichen Themen bewegt. Neben Fußball dort auch öfter im Vordergrund: Eishockey.

Natürlich steht das Rösslequiz allen Interessierten offen, bis zu 5 Köpfle dürfen in ein Team. Es ist zur Zeit allerdings sehr gut besucht, weshalb man sich vorher anmelden sollte. Was aber unbedingt eine Empfehlung wert ist, denn das Ganze ist äußerst liebenswert in seiner Durchführung gestaltet. Zumindest der Rösslepub ist in jedem Fall auch in der nächsten Saison erstklassig.

Teehaus im Tiergarten: Chris Kurbjuhn

Chris KurbjuhnWeiter am nächsten Tag zum nächsten Termin: Ein Treffen mit Chris Kurbjuhn im idyllisch gelegenen Teehaus im Tiergarten. Er betreibt gleich mehrere Blogs/Webseiten, eine davon ist „Männer unter sich – Die Kunst ein Kerl zu sein“, das sich immer wieder auch mit Fußball beschäftigt. Ansonsten sind seine Themen Schreiben und Theatermachen, aber auch andere Leute beim Schreiben und Veröffentlichen zu begleiten.

Der Mann ist übrigens Fan des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft interessiert zugeneigt. Er sah schon das Jahrhundertspiel 1970 in Mexiko live im Fernsehen. Insofern ist es häufig spannend, wie er die Entwicklung des Fußballs bewertet. Fliegt ein wenig unter dem Radar des Fußball-Blogosquariums, vielleicht auch, weil er bei Twitter nicht ganz so aktiv ist: ChrisKurbjuhn.

Lesung mit Rudelbildung

Dann schon auf zur Lesung im Babylon Kino am Rosa-Luxemburg-Platz im Rahmen des 11mm-Filmfestivals. Ein äußerst einladendes Gebäude wartete auf die Festival-Besucher.

Unsere Lesung, die aus Teilen von Stefanie Fiebrigs Buch „Bring mich zum Rasen“ und den hiesigen „Drama Queens in kurzen Hosen“ bestand, fand im sogenannten „Oval“ statt, einem Raum im Babylon Kino mit an diesem Abend etwa 40 Sitzplätzen und viel Fußballdeko an den Wänden. Zunächst lasen Steffi alias Rudelbildung und ich gemeinsam den Text „Pavel Kuka“ vom alten Haudegen Frédéric Valin, ehe Steffi zwei Kapitel aus ihrem Buch präsentierte und meine Wenigkeit danach die Highlights aus „Drama Queens in kurzen Hosen“ kredenzte.

Der Dank geht an Jochen Lohmann, einen der Betreiber des 11mm, der uns beide eingeladen hatte — auf dass es neben Filmen auch noch ein wenig mehr Fußballkultur und diese gleich live zu erleben gäbe. Da man sich im deutschen Kulturkreis nicht selbst lobt, bleibt die Einschätzung der Lesung den Anwesenden überlassen.

Der obligatorische Hagebuttentee (in Textform) durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie die Bonmot-Sammlung von Abschiedsspielen, zudem gab es zwei Weltpremieren, neue Texte aus dem Blog, die bislang noch nirgendwo gelesen wurden. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht und Dank an alle fürs Kommen und Zuhören.

11mm Filmfestival

Mein erstes Mal beim 11mm Filmfestival, was ich aber angesichts der vielen anderen Aktivitäten kaum nutzen konnte. Ebenfalls im Programm und auch mit seinen Machern anwesend: der Film „Meidericher Vizemeister“ (siehe Filmkritik hier), die auch gleich noch Günter Preuß und dessen Frau mitgebracht hatten. Günter Preuß war Mannschaftskapitän in jener Saison 1963/1964, in der der MSV Duisburg Vizemeister wurde und ist einer der Protagonisten des Films. Dazu zum ersten Mal in Berlin zu sehen: „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ mit selbst erklärendem Titel, bei dem der Kinosaal aus allen Nähten platzte.

Ein illustres Publikum an der Schnittstelle zwischen Fußball und Kultur, bzw. Film bzw. Filmkultur war auf dem gesamten Festival anwesend und so lernte man hier und da Macher von ÖR-Sendern oder auch — wie jene des Meidericher Films — quasi private Filmemacher kennen, die die Liebe zu ihrem Club oder zum Fußball allgemein antreibt, Beeindruckendes auf die Beine zu stellen. Das gesamte Programm des 11mm ist hier noch mal nachzulesen [inzwischen nicht mehr], insgesamt dauerte die mittlerweile 13. Ausgabe dieses Festivals von Donnerstag bis Montag und fand ihren Abschluss in den „Short Kicks“, also einem Wettbewerb für Kurzfilme, bei dem lokale Größen wie eben jene Rudelbildung oder ein gewisser Torsten Mattuschka vor Ort waren und ihr fachfrauliches Urteil abgaben. Zieht man noch den wunderbaren Veranstaltungsort hinzu, ist das gesamte Festival ein Muss für all jene, welche sich über nachrichtliche Berichterstattung hinaus für Fußball begeistern.

allstarkicker.com

Kleines Schmankerl am Rande der Lesung: oben im „Oval“ war auch ein handgefertigter Tischkicker präsentiert, dessen Produzent jede einzelne seiner Kicker-Figuren an echte Fußball-Promis angelehnt von Hand gestaltet und den gesamten Kickertisch in futuristisch-künstlerischer Art gestaltet (ist das schon Steampunk?).

Was der Hersteller dieser besonderen Kickertische ebenfalls macht, ist, mit einer Kicker-Figur von Mario Götze durch die Welt zu fahren und darzustellen, dass das fehlerhafte Aussprechen ausländischer Fußballernamen kein deutsches Problem ist, wie sein Video von diesem kleinen Experiment anschaulich vor Ohren führt.



Die Kickertisch-Exemplare gibt es auf der dazugehörigen Webseite zu sehen: allstarkicker. Nicht unbedingt für den kleinen Geldbeutel geeignet, definitiv aber Unikate mit detailgetreu dargestellten Stars auf dem, äh, Platz.

all die ganzen Leute …

Da ich bei den meisten neuen Bekanntschaften nicht sicher bin, ob es ihnen Recht wäre, sie hier namentlich zu erwähnen, bleibt nur der Hinweis, dass im Sommer der #tkschland in Köln ansteht, bundesweites Treffen für fußballinteressierte Twitterer. Dort wird man sicher annähernd ähnlich viele Twitterer kennenlernen können, wie es mir an diesem Wochenende in Berlin möglich war. Sofern Twitter bis dahin nicht den Nerv-Tod gestorben sein sollte und die allgemeine Twitter-Fatigue sich übers ganze Land ausgebreitet haben wird. In jedem Falle war es ein äußerst aufschlussreiches Wochenende in allen möglichen fußballerischen, kulturellen Aktivitäten und Kontakten. Einzig ärgerlich, dass niemand die Lesung per Video aufgezeichnet hat, sonst könnte man sie hier vielleicht zumindest in Ausschnitten präsentieren. Das geht beim nächsten Mal besser — und vielleicht liest Rudelbildung demnächst ja auch mal mit mir zusammen irgendwo in NRW.

… and thank you for the music

north-of-paradise-bandNett war dann auch noch der Betreiber des Fußballblogs Spielbeobachter, der mir beim Rausgehen nach der Lesung eine Ausgabe des Albums seiner neuen Band in die Hand drückte und das wohl in gewissem Rahmen als Hutgeld (nach welchem wir nicht gefragt hatten) für die Lesung verstanden wissen wollte. Da ich mich zuvor schon angetan von dieser Platte geäußert hatte, die ich aber nicht besaß, war es ein willkommenes Geschenk, mit dem aktuellen Album von North of Paradise im Gepäck nach Hause fahren zu können, welches man unter dem Link übrigens komplett einhören kann.

Ach, und man weiß, dass man in Berlin, am Rosa-Luxemburg-Platz war, wenn man nach Ende der Lesung eine rote Nelke von einer Zuhörerin bekommt.



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Alle Elfmeterschießen deutscher Clubs im Europapokal (und Losentscheide)

Filed unter: „Mit Legenden aufräumen“.

Die Bilanz bei Elfmeterschießen in Europapokalen ist aus Sicht deutscher Clubs zwar nicht ausgeglichen, sondern leicht positiv, aber weit entfernt davon, makellos zu sein. Insgesamt stehen 24 gewonnene Durchführungen 16 verlorenen gegenüber. Insofern kann man den Mythos gerne auch beerdigen, dass es irgendetwas mit der Nationalität und der manchmal dazugehörigen Mentalität zu tun hätte, dass es bei der Nationalmannschaft des DFB in dieser Disziplin so gut läuft. Schließlich fanden die allermeisten der unten aufgelisteten Elfmeterschießen zu einer Zeit statt, als die Zahl der Ausländer in einer Vereinsmannschaft noch begrenzt war oder schlicht gar keine zu einem Elfmeter antraten.

(Sollten noch welche fehlen, ob von Werder Bremen, dem 1. FC Kaiserslautern oder auch von Hansa Rostock: die Kommentarspalte ist 24/7 geöffnet.)

Darstellung des Ergebnisses im Elfmeterschießen ist jeweils aus Sicht des deutschen Clubs. Hinter dem Clubnamen ist die Bilanz in der Form (gewonnene/teilgenommene Elfmeterschießen) ausgewiesen. EC1 ist Champions League und Europapokal der Landesmeister, EC2 der Europapokal der Pokalsieger, EC3 ist Messe-Pokal, UEFA-Pokal und Europa League, SC steht für Supcercup. Et voilà:

FC Bayern München (5/6)
SC FC Chelsea 5:4
EC1 FC Chelsea 3:4
EC1 Real Madrid 3:1
EC3 PAOK Saloniki 9:8 (siehe auch Pfaff und der PAOKenschlag)
EC1 FC Valencia 5:4
EC1 Atvidaberg FF 3:1

FC Schalke (2/4)
EC3 Inter Mailand 4:1
EC3 Bröndby 1:3
EC3 Slavia Prag 4:5
EC1 FC Porto 4:1

Borussia Dortmund (2/4)
EC3 AJ Auxerre 6:5
EC1 FC Brügge 2:4
EC3 Udinese Calcio 3:4
EC3 Glasgow Rangers 3:1

Dynamo Dresden (3/3)
EC3 Dynamo Moskau 4:3
EC1 Partizan Belgrad 5:4
EC1 Malmö FF 5:4

Lok Leipzig (3/3)
EC2 Girondins Bordeaux 6:5
EC3 Ipswich Town 4:3
EC2 Velez Mostar 3:0

BFC Dynamo (2/3)
EC2 Cardiff City 5:4
EC2 Dynamo Moskau 1:4
EC1 FC Aberdeen 5:4

Carl Zeiss Jena (2/3)
EC3 RWD Molenbeek 6:5
EC3 Stal Mielec 2:3
EC2 Slavia Prag 3:2

Bayer Leverkusen (1/3)
EC3 Espanyol Barcelona 3:2 (siehe auch Ein Abend für acht Mark mit Tita, Calli und Liza)
EC1 Atlético Madrid 2:3
UI-Cup Tirol Innsbruck 3:5

Hamburger SV (0/2)
UI-Cup Olympique Montpellier 0:3
EC3 Sparta Rotterdam 1:4

VfB Stuttgart (1/1)
EC3 Real Sociedad 4:1

Vorwärts Berlin (1/1)
EC2 Benfica Lissabon 5:3

Sachsenring Zwickau (1/1)
EC2 AC Florenz 6:5

1. FC Kaiserslautern (1/1)
EC3 Ararat Erewan 5:4

Karlsruher SC (1/1)
UI-Cup Bursaspor 6:5

Borussia Mönchengladbach (0/1)
EC1 FC Everton 3:4

Eintracht Frankfurt (0/2)
EC3 Austria Salzburg 4:5
EC2 PAOK Saloniki 3:4

1. FC Magdeburg (0/1)
EC1 Malmö FF 1:2

Mainz 05 (0/1)
EC3 Gaz Metan Medias 3:4

Losentscheide

Im Folgenden nun die Losentscheide, wo die Bilanz verheerend aussieht, was aber bekanntlich nichts mit sportlichen Komponenten zu tun hat. 4x wurde gelost, 4x war das deutsche Team danach ausgeschieden. Kein Wunder also, dass mit Karl Wald ein Deutscher das Elfmeterschießen erfand.

1. FC Köln (0/1)
EC1 FC Liverpool verloren

Wismut Karl-Marx Stadt (0/1)
EC1 Gwardia Warszawa verloren

SC Aufbau Magdeburg (0/1)
EC2 Galatasaray Istanbul verloren

Hannover 96 (0/1)
EC3 FC Barcelona verloren

Schöne Faktenhuberei mal wieder, Mythos als nicht komplett falsch widerlegt, aber eben doch mit Werten, die nicht weit vom Zufall entfernt sind. Dass man Strafstöße und den Umgang mit dem Stress bei einem Elfmeterschießen sehr wohl trainieren kann, bleibt dem sonst so vertrainingswissenschaftlichten Fußball offenbar weiter ein Geheimnis, schaut man allein auf die Art der Durchführung von Strafstößen im Allgemeinen und im Elfmeterschießen ebenso.

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Synchronicity

Während man früher 500 Meilen lief, zum nächsten Kiosk am Strand von Jugoslawien nämlich, um das Ergebnis eines Spiels, das schon vor 56 Stunden gespielt worden war, zu erfahren. Während man früher die Telefondurchsage mit den Sportergebnissen anrief, natürlich genau an jenem Punkt in der Schleife landete, als die Fußballergebnisse bereits genannt waren und man alle Davis-Cup-Ergebnisse, Leichtathletik-Weltmeisterinnen und Motocross-World-Series-Zeiten geduldig abwarten musste, bis schließlich doch die Dame mit der so seriösen Stimme wieder von vorne begann und die Resultate der Bundesliga in einer Nüchternheit und Kälte verlies, dass man froh war, dieser Dame nicht in realiter zu begegnen, aber ebenso froh, nun auf dem letzten Stand zu sein. Während man früher zwar eine Partie im TV verfolgte, aber nicht wissen konnte, wie es auf den anderen Plätzen stand, und man deshalb bibbernd gleichzeitig ein Transistorradio aktiviert hatte, möglichst ein Mann auf dem Balkon, ebenfalls bibbernd, der, wenn er sich meldete, hoffentlich ein Tor für die richtigen Farben verkündete. Während man früher auf die Verlässlichkeit einer Satellitenverbindung nach Südamerika angewiesen war und doch nie sicher sein konnte, ob sie erstens grundsätzlich hielte und zweitens nicht trotzdem im entscheidenden Moment ein Gewitter über der Stadt die zwar nach Südamerika existierende Verbindung nutzlos werden ließ. Während man früher stoisch auf die Zahlen im flimmernden Videotext glotzte, sich für die Dauer der Partie ebenso wenig rührte, wie diese Ziffern, die zwar immer und immer wieder aufs Neue geladen wurden, aber eben nur zwei, drei Mal pro neunzig Minuten eine Änderung anzeigten. Während man früher also alles dafür tat, einen Spielstand oder ein Endergebnis endlich in Erfahrung zu bringen.

Ist man heute vor allem um Synchronizität der vielen Kanäle bemüht, die man gleichzeitig konsultiert. Angefangen hatte es mit den Vorläufern des Public Viewings. Wenn mehr als nur ein Sender ein Spiel zeigte, musste man hoffen, im Biergarten vor einem TV mit jenem Sender zu sitzen, welcher die entscheidenden Sekunden früher als die Konkurrenz an der Gegenwart sendete. War es andersherum, wurde ein Tor schon durch den Jubel der Gäste in der Nachbarkneipe angekündigt. Besonders frustrierend im Falle von Elfmeterschießen. Ein Sitzplatzwechsel ist aber nicht nur bei WM schwieriger geworden, seit der Fußball auch als Vereins- in den Mainstream eindrang und partout daraus nicht mehr verschwinden will. Immerhin konnte man noch zu Hause sicher vor zu früher Information sein. Mittlerweile ist die Hauptbeschäftigung selbst beim völlig isolierten, von der Außenwelt abgeschotteten Schauen bloß noch, nur ja keinem Kanal zu folgen, der ein Tor früher verrät als man es tatsächlich auf dem Bildschirm fallen sieht. Und wer weiß, welchem Bild die Mitkommunizierenden gerade folgen? Ist ein Tor bei skygo noch lange nicht gefallen, wird es im Stream erst in 5 Minuten fallen, in der Realität aber schon 2 Minuten her, so wird es spätestens nach wenigen Sekunden jemand aus dem Stadion getwittert haben. Gefolgt von jenen, welche in der Liste der Übertragungsmöglichkeiten als nächstes erscheinen, vielleicht sky, vielleicht ein ÖR. Es folgen die Nachrichten jener, welche ganz bewusst ihre Timeline erst mit Verzögerung lesen und doch kann man beinahe sicher sein, ein Tor früher zu erfahren, als es im Fernsehen dann tatsächlich fallen wird. Ein wenig ist es wie bei Neujahr: Wenn man schnell genug fliegt, kann man 24x Neujahr feiern und so kann man ein Tor auch beinahe dutzendfach jetzt gerade fallen sehen, während es in Wahrheit nur einmal — und zwar schon lange her — gefallen ist. Dem Vergnügen ist das nicht zuträglich, der Aufmerksamkeit schon gar nicht und den letzten Schutz bietet tatsächlich nur noch entweder völlige Abstinenz von anderen Kanälen oder die Anwesenheit vor Ort. Da Letzteres teuer werden kann, insbesondere bei großen Turnieren auf anderen Kontinenten, muss man wohl oder übel alle anderen Kanäle schweigen lassen — oder man balanciert zwischen den verschiedenen Phasen der Gegenwart hin und her und lernt Fußball nicht mehr als Live-Ereignis zu genießen, sondern als eines, in dem sich die Gegenwart, der Moment viel Zeit lässt, zu vergehen, sich auf mehrere Minuten ausdehnt und bei Gefallen sogar mehrfach wieder-erlebt werden kann. Ein Plugin für die Realität, das automatische Synchronizität bewirkt, wäre trotzdem recht willkommen.

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Die Altersringe der Maskottchen der Bundesliga-Clubs

Sonntagmorgen, Zeit für ein bisschen Kinderprogramm. Und was ist im Fußball neben dem Fußball selbst für die Kinder? Die Maskottchen.

Aber wie alt sind die jeweiligen Maskottchen? Eine Frage, die nicht nur den Liebhaber seit Monaten nicht schlafen lässt, schließlich sind anhand der diversen Antworten auch Rückschlüsse auf weitere Eigenschaften des Vereins (Tradition ja/nein, Kreativität ja/nein, allgemein gut/böse) zu ziehen. So zeigt die folgende Aufstellung, sortiert nach dem Geburtsjahr des Maskottchens, welche Vereine im Sinne der Sozialromantik ein Maskottchen haben dürfen, weil schon immer existent, und welche nicht, weil gerade erst eingeführt.

1. FC Köln Hennes 1950
Borussia Mönchengladbach Jünter 1965
VfB Stuttgart Fritzle 1992
FC Schalke 04 Erwin 1995
VfL Wolfsburg Wölfi 1997
Hertha BSC Herthinho 1999
TSG Hoffenheim Hoffi 2000
Bayer Leverkusen Brian the Lion 2002
Hamburger SV Dino Hermann 2003
FC Bayern München Berni 2004
Borussia Dortmund Biene Emma 2005
FSV Mainz 05 Johannes 2006
Eintracht Frankfurt Attila 2006
SC Freiburg Füchsle (mind.) 2009
SC Paderborn Holli (mind. 2009)
Hannover 96 Eddi 2013
FC Augsburg -
Werder Bremen -

(Werder Bremen besaß mal Pico, die Heidschnucke und für kurze Zeit „Werdi“, eine Möwe, als Maskottchen, hat aber zur Zeit ebenso wie der FC Augsburg kein eigenes Maskottchen.)

Womit wieder einmal bewiesen wäre: Sozialromantische Wandlungen behaften alles, was vor der Pubertät eines Menschen bereits existierte. Was auch bedeutet, dass jeder selbst definieren darf, was ein Traditionsmaskottchen ist, und was nicht.

Dass man ein Maskottchen nicht einfach nur nach einer Koseform des Stadtnamens benennen darf, darf hingegen nicht jeder selbst beurteilen, das ist weltweit und schon immer so.

Jedenfalls ist der 1. FC Köln in der Frage der Maskottchen der traditionsreichste Club der Bundesliga. Wer hätte das gedacht?

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Call for goals: Das Tor des 2000er-Jahrzehnts

Aus unerfindlichen Gründen hat die Sportschau zwar jeweils ein Tor des Jahrzehnts für die Zeit von 1970 bis 2000 gewählt, aber keine Wahl zum Tor des Jahrzehnts 2001-2010 durchgeführt. Das holen wir nun nach.

Zunächst die Bitte um Vorschläge, ehe dann später auch abgestimmt werden wird. Normalerweise wird das Tor des Jahrzehnts nur aus den jeweiligen Toren des Jahres gewählt (zur Übersicht dieser hier entlang), doch diese Abstimmung steht zunächst für alle Tore aus diesem Zeitraum offen, weshalb Vorschläge bitte in den Kommentaren gemacht werden sollten. Im besten Falle hat das Tor allerdings irgendetwas mit deutschem Fußball zu tun, denn es soll das deutsche Tor des Jahrzehnts gefunden werden, nicht ein weltweites.

Dann mal los. Idealerweise natürlich mit einem Link zu einem Video des Tores.

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Wuttke

Ja, gut, verstehen kann ich das schon, weil sie das dumme Zeug glauben, das in der Zeitung geschmiert wird, besonders in der Sportbild, das möchte ich jetzt ausdrücklich mal sagen vor der Kamera.



Eine zeitlang rief man mich beim Training „Wuttke“, weil ich die Elfmeter so zielsicher mit dem Außenrist ins linke obere Eck verwandelte. Später war ich dann der „Stig“, wegen gewisser äußerer Ähnlichkeiten. Mein Fußballspiel war aber eher inspiriert von Wuttke. Der Mann hatte so viel Ballgefühl, dass es oft wie ein Wunder wirkte, was er auf dem Platz tat. Leider auch ein Inbegriff des scheiternden Genies. Hätte eigentlich ganz oben mitspielen können, mit den Matthäus, Littbarskis dieser Zeit. Hat er aber nicht. Seine Art des Fußballs bleibt trotzdem attraktiv, elegant und ästhetisch erstklassig.

Sehr bemerkenswerter Fußball, gut anzusehen, diese Schönheit der Kunst am Ball, das zauberte immer wieder ein Wohlgefühl ins Gemüt.

Mach’s gut, Wutti, und Danke für alles.

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