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Monat: April 2015

Sieben feine Fußball-Podcasts (Folge II)

Nachdem es in unserer ersten Folge von „Sieben feine Fußballpodcasts“ ausschließlich um jene ging, welche sich mit ihrem jeweiligen Verein beschäftigen, schwenken wir heute den altbekannten „Scheinwerfer“ auf die Podcasts, die sich mit dem Fußball insgesamt beschäftigen. Insofern also auch deutlich interessanter für alle, die mit detailgenauen Nacherzählungen dieses und jenes Pfostenschusses eines Spielers eines konkreten Vereins etwas überfordert sind, was ihre Ausdauer und Willenskraft angeht. Konnte man noch zu Beginn dieses Jahrtausends beklagen, dass es kaum Qualität in der Sportberichterstattung in Deutschland gibt, ist dies alles nur wenige Jahre später nicht zuletzt dank der folgenden Einrichtungen völlig anders geworden.

Sportradio360

Ich habe wirklich keine Ahnung, wer hinter Sportradio360 steckt (namentlich natürlich schon), woher die Idee kommt, so etwas zu etablieren (aus den USA) und ob sich das finanziert (offenbar nur teils). Aber das Adressbuch von Jens Huiber, dem Macher von Sportradio360, ist bemerkenswert gefüllt mit Menschen aus dem Sport und sogar darüber hinaus. Man glaubt es kaum, aber selbst Béla Réthy gibt hier mal seinen Senf zum Besten, der gar nicht so schlecht ist, wie er manchmal gemacht wird, zumindest wenn er nicht direkt kommentiert. Helmut Harald Schmidt war schon da, es kommen Protagonisten aus allen möglichen anderen Disziplinen, welche hier aber bekanntlich nicht interessieren. Für den Fußball sind vor allem viele Sky-Kommentatoren anwesend in der donnerstäglichen „Big Show“ und den „Daily Nuggets“, die sich mit diversesten Sportarten beschäftigen. Von Raphael Honigstein bis zu Philipp Selldorf reicht die Riege der Teilnehmer, die die aktuellen Ereignisse im Fußball mal launiger und mal tiefgängiger diskutiert. In jedem Fall aber fehlt hier die (überbordende) Komponente des Boulevards bei der Fußballdiskussion.

Absolutes Highlight dieses Angebots war die fantastische Begleitung der WM 2014, bei der — ähnlich des fast täglichen WM-Podcasts von fehlpass.com — tatsächlich täglich, aber jeweils noch in der Nacht nach den Spielen eine halbstündige Diskussion über das Gesehene geliefert wurde. Auf einem Niveau, das man hier goutiert, weshalb auch das ständige Auflockern mit Privatgeschichten durchaus erträglich ist. Das sehr lohnenswerte Sportradio360 sucht übrigens nach Unterstützern, deshalb sei zu diesem Zweck an diese Adresse verwiesen. Die Sendungen selbst findet man hier: sportradio360.de.

Collinas Erben

152225„Collinas Erben“ zu empfehlen, bedeutet in diesen Zeiten im Netz natürlich Eulen nach Athen zu tragen. Ein jeder kennt ihn, den Held von … äh, der deutschsprachigen Sport-Podcastszene. Es ist ja nicht ein Mensch am Mikrofon, sondern deren zwei (plus eine Katze als Sidekick), die dieses kongeniale Duo bilden, welches an sich oft trockene Informationen glänzend rüberbringt, so dass sich noch der letzte Hinterwäldler plötzlich für Schiedsrichterthemen und Regelphilosophie zu interessieren beginnt. Was knapp 60 Jahre TV-Sportjournalismus nicht geschafft haben, den Sinn der Auslegung und die Psyche einer Spielleitung zu erklären, gelingt den beiden Wahlkölnern seit Beginn ihrer Show spielend leicht. Nicht nur eigentlich eine Pflichtveranstaltung für jeden, der Fußball kommentiert. Ob am Mikrofon oder vor dem Fernseher. Bis die dortigen Inhalte zum Doppelpass, der FOTO und den Stammtischen Fußballdeutschlands durchgedrungen sein werden, wird aber eher ein Mensch auf dem Mars gelandet sein. Leider.

Was man allerdings als Warnung vor Einstieg in diesen besten aller Schiedsrichterpodcastes wissen muss: Das Nörgeln über die Männer in Schwarz, Blau, Rot oder Gelb wird nie mehr dasselbe sein. Man wird stattdessen selbst zum Klugscheißer, wie es Schiedsrichter qua Wesenszug nun mal sind, der von seinen Nebenstehern im Stadion nur genervte Blicke erntet. Weil man es als Hörer von Collinas Erben eben besser weiß. Das aber ist das Bemerkenswerte an diesem Podcast: Hier werden mit vergnüglich zu hörender Rhetorik alle Vorurteile und Irrglauben über die Fußballregeln derart beschwingt seziert, dass man ihn für den Grimme Online Award nominieren muss — und es nicht bei einer Nominierung bewenden lassen sollte. Profis am Werk in jeglicher Hinsicht: in der technischen Gestaltung des Podcasts, im Aufbau der Episoden und wie erwähnt vor allem in einer den Ohren schmeichelnden Darbietungsweise mit viel Witz, Charme und Melone.

Nur eins, das bleibt bestehen: Ein wenig seltsam ist sie schon, diese Spezies Schiedsrichter.

Rasenfunk

Rasenfunk heißt ein Anfang dieser Saison gestartetes Projekt vom allseits bekannten GNetzer, Ex-11Freunde und Ex-Spox, und von Helmi. GNetzer alias Max Ost geht da zwar noch seine ersten Schritte im Moderieren und Lenken einer Gesprächsrunde, besitzt aber viel Sprachgefühl und versammelt stets Hochkaräter nicht nur der Fußball-Bloggerszene, sondern auch schon mal Peter Ahrens von Spiegel Online, Oliver Fritsch von Zeit online oder Markus Bark um sich. Ein bisschen watet man eben doch stets im eigenen (Twitter-) Sumpf, was schließlich auch bei Sportradio360 der Fall ist, auch wenn da der Sumpf nicht bei Twitter, sondern bei sky liegt.

Bislang läuft der Rasenfunk mit merklich wachsendem Erfolg, aber auch noch mit Kinderkrankheiten. Ein wenig zu ambitioniert scheint das Vorhaben zu sein, wirklich alle an einem Spieltag gelaufenen Partien in einer Rückblende noch zu diskutieren. Die Art und die übrige Tiefe sind allerdings meist sehr hörenswert, es stellt sich allein die Frage, ob Fans bestimmter Vereine unbedingt Spiele von wiederum anderen Clubs beleuchten müssen. Mir wäre zudem lieber, das Ganze fände am Sonntagabend statt, nicht am Montag, an dem zumindest der Erstligaspieltag gedanklich (bei mir) schon abgeschlossen ist, aber das ist nur eine organisatorische Frage. Der Rasenfunk ist in jedem Falle eine willkommene Bereicherung der Landschaft der Fußballdiskussionen und durchaus mit eher angenehm dezentem Humor, statt mit der Haudenlukaskeule daherkommend. Zudem lernt man viele Fans diverser Clubs kennen, denn für das Gästefeld vom Rasenfunk wurde die Vokabel illuster überhaupt erst erfunden.

Deutschlandradio Sport

Gut, das ist natürlich kein privater Podcast, sondern sind Sendungen eines ÖR-Radios. Nichtsdestotrotz wahrscheinlich kaum bekannt und deshalb eine Empfehlung wert. Immer wieder werden auch andere Sportarten beleuchtet, vor allem gefällt an diesen Sendungen die professionelle Distanz, die man angesichts der marktschreierischen Kartoffelbauern, die sonst so Fußball kommentieren, ja kaum noch kennt.

Immer sind hier Gäste gefragt, die echtes Fachwissen mitbringen (wie z. B. Jürgen Kalwa) — und die Art der Diskussion richtet sich an den Rezipienten mit Hirn. Kein Podcast im eigentlichen Sinne, wie gesagt, aber in den einzelnen Sendungen äußerst hörenswert.

Mein Sportradio

Ausnahmsweise empfehle ich auch einen Podcast, den ich selbst bislang kaum hörte. Allerdings war ich dort schon zu Gast. Bei „Mein Sportradio“ geht es um alle möglichen Sportarten, Golf, Handball, Football, aber eben auch Fußball und dort dann z. B. mit dem Füchsle-Talk über den SC Freiburg oder Ausgaben über Hannover 96 auch ganz konkret um Vereine. Leider habe ich immer noch nicht herausgefunden, wer das Ganze eigentlich mit welcher Motivation betreibt. Wohl aber, dass man dort hervorragend vorbereitet befragt wird, so z. B. zum Thema „Das Spiel meines Lebens“, welches ich hier mit Meinsportradio diskutierte. Eine Option, welche übrigens auch allen anderen Interessierten offensteht. Man möge sich selbst einfinden in das umfangreiche Angebot von Mein Sportradio, erstellt von einer recht großen Zahl an Liebhabern der diversen repräsentierten Themen.

Futiklub

Kommen wir zu meinem absoluten Liebling im Bereich der Diskussion von Fußball und damit ist in diesem Fall wirklich Fußball und nicht das Drumherum gemeint: der Futiklub. Hier geht es trotz der ironisch-selbstverliebten Art der Präsentation tatsächlich nur um die Dinge auf dem Platz, um Dynamiken, Entwicklungen, historische Zusammenhänge, und das alles aus unterschiedlichen Perspektiven, aber mit durchaus fundierter Expertise vorgetragen. Der einmal pro Folge auftretende Fußballgott mit seiner als Allegorie auf den Zufall zu interpretierenden Nonsens-Aussagen wie der den Doppelpass mit dessen bierseliger Säufer-Attitüde persiflierende Rotwein-Konsum machen das Ganze zu einem besonderen Highlight.

Welches zudem inhaltlich vorzüglich und sprachlich auf ebensolchem — je nach Konstellation — Niveau wie Collinas Erben ist — und dann wird am Ende noch stets ein Liedchen kredenzt. „Schöner kann es gar nicht sein.“ Die 100. Jubiläumsfolge war ist eine besonders sehenswerte und inzwischen ist man bei vielen weiteren angelangt. Es ist ein Jammer, dass eine derartige Sendung nicht weiter ins Bewusstsein der Fußballöffentlichkeit vorgedrungen ist. Ein Doppelpass für Pseudo-Fußball-Hipster (pseudo, weil Fußball nie für Hipster sein konnte), aber mit vorzüglichen Argumentationssträngen, angenehmer Diskussionskultur und trotz der professionellen Rahmenbedingungen in der Präsentation mit dem Charme des Unperfekten einer Schülerband. Viel gelernt vom Futiklub, dessen einziger echter Makel der beschissene Name ist. Ansonsten: unbedingte Zuseh- und Hörempfehlung.

Die Webseite des futiklub ist hier.

Es gibt die Videos der Show aber auch bei Vimeo und youtube.

Die Inhalte wurden als Podcast nur kurzzeitig bis 2011 ausgeliefert, die neueren Sachen sind nur als Video verfügbar.

Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (die Radiokolumne!)

Als netter Abschluss noch Zeiglers Radiokolumne, über die ich ihn übrigens einst erst entdeckte. Diese hat inhaltlich überhaupt nichts mit Sport zu tun, nur mit den Äußerungen der Beteiligten, ist aber jeweils erfrischend spritzig komponiert und erinnert mich jedes Mal daran, warum ich Zeigler irgendwann mal erfrischend spritzig fand. In dieser kleinen Kolumne ist er jedenfalls am besten von allem, was er so publiziert. Diese Beiträge sind schön komponiert und orchestriert — und als Spieltagsausklang besonders geeignet, daran zu erinnern, dass es am Ende des Tages doch alles nur ein Spiel ist. Hier geht’s zur Radiokolumne, wirklich nur Unterhaltung und nichts anderes, diese aber immer wieder gelungen, wie ich meine.

Komme mir also nie, nie wieder jemand mit einer Klage über die Qualität des Doppelpasses, jedenfalls nicht, sofern er nicht alle Folgen der hier genannten Sendungen ausgehört hat.

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Alle Tore von Torhütern in der Bundesliga

Bevor wir uns weiter unten den konkreten Einzelfällen widmen, zunächst mal die Übersicht der Torhüter, die überhaupt in der Bundesliga ein Tor erzielten.

Name Tore davon 11m
Hans-Jörg Butt 26 26
Andreas Köpke 2 2
Jens Lehmann 2 1
Marwin Hitz 1 0
Frank Rost 1 0
Volkmar Groß 1 1
Wolfgang Kneib 1 1
Manfred Manglitz 1 1
Ralf Zumdick 1 1
Oliver Reck 1 1
Dieter Burdenski 1 1

Der erste Torhüter überhaupt, der in der Bundesliga ein Tor erzielte, war Manfred Manglitz. Er traf am 3. Juni 1967 für den MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach per Strafstoß zum 1:3. Da er später in den (ersten) Bundesliga-Skandal verwickelt war, ist dieses Premierentor für einen Torwart in der Bundesliga vielleicht weniger bekannt als es das verdient hätte. Möglicherweise der Hauptgrund für diesen Vorgang war, dass dieses Tor in der Partie am 34. Spieltag dieser Saison erzielt wurde, als für beide Teams schon alles gelaufen war, insbesondere bei einem Rückstand von 0:3 für den MSV Duisburg. Der Strafstoß wurde in der 87. Minute verwandelt, somit konnte man sich diese Besonderheit auch erlauben, ohne den Gegner damit unsportlich zu behandeln o. Ä. Zeuge dieser Premiere im Bundesligafußball waren übrigens laut fussballdaten.de satte 5.000 Zuschauer im Wedaustadion, Anstoß war an diesem Samstag und Spieltag um 16.00h. Mönchengladbach beendete die Saison auf dem 8. Platz, der MSV Duisburg auf dem 11. Rang, somit ging es ohnehin für beide Teams um nichts mehr, in einer Zeit, in der die Endposition noch nicht an etwaige Fernsehgelder gekoppelt war. Mehr würde man gerne von Augenzeugen oder gar Handelnden erfahren, hat hier aber noch keine weiteren Informationen dazu gefunden.

Auch bei Ralf Zumdicks Elfmetertor war es so, dass dieses am letzten Spieltag fiel. Der 34. Spieltag der Saison 1987/1988 hatte den 1. FC Nürnberg als Gegner nach Bochum geführt, wo der VfL seine Partie im Ruhrstadion recht locker mit 3:0 gewann, Zumdicks Elfmetertor fiel ebenfalls kurz vor Schluss, nämlich in der 88. Minute, hier immerhin vor 15.000 Zuschauern. Schiedsrichter der Partie war ein gewisser Hans-Joachim Osmers, der später noch aus anderen Gründen zu Berühmtheit gelangen sollte. Der von Zumdick überwundene Kollege im Tor der Nürnberger war übrigens Andreas Köpke, der selbst 2x in der Bundesliga als Torschütze erfolgreich war. Nürnberg beendete die Saison als 5., womit man in den UEFA-Pokal einzog, dort aber in der 1. Runde nach einem 2:1-Auswärtssieg bei AS Rom — damals mit Rudi Völler —, aber einer 1:3-Heimniederlage nach Verlängerung ausschied. Die beiden Auswärtstore in Rom hatten Souleyman Sané und Dieter Eckstein erzielt – vor 16.200 Zuschauern, beim Heimspiel waren es dann immerhin 20.000. Der VfL Bochum beendete die Saison auf einem sicheren 12. Platz, der damals zudem noch sicherer war als heute, weil es in jener Saison nur zwei Absteiger gab.

Auch Wolfgang Kneib traf per Elfmeter für seine Arminia Bielefeld im der Partie gegen Eintracht Frankfurt vom 16. März 1985, hier ging es allerdings noch mit sportlichem Ernst um Punkte. In der 89. Minute lag sein Team mit 1:2 zurück, als er an diesem 23. Spieltag zum 2:2-Ausgleich traf. Genutzt hat es in der Endabrechnung dann doch wenig: Arminia Bielefeld stieg wegen der schlechteren Tordifferenz (-15) gegenüber Fortuna Düsseldorf (-13) als 16. direkt ab. Eintracht Frankfurt landete mit 32 Punkten in der Endabrechnung sicher auf dem 12. Rang, 3 Punkte vor den Abstiegsrängen.

Kneib erzielte in der folgenden Saison übrigens gleich noch ein Tor, beim 7:1 über Eintracht Braunschweig zum 1:0 (!) in der 11. Minute, da war Arminia Bielefeld aber schon in die 2. Bundesliga abgestiegen und somit gehört dieses weitere Torhütertor hier nur als Randnotiz hin.

Der hier bislang völlig unbekannte Volkmar Groß erzielte sein Tor für einen der vier Berliner Clubs in der Bundesliga, für Tennis Borussia Berlin. Dieses Tor stellt aber auch einen dieser zunächst klassischen Fälle in der Bundesliga dar: Es war der 34. Spieltag der Saison, TeBe führte zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern ohnehin schon mit 3:1 und man schrieb die 89. Minute, als Groß im Mommsenstadion vor 4.000 Zuschauern am 21. Mai 1977 zum 4:1 per Handelfmeter gegen Josef Stabel traf. Lautern konnte zwar noch auf 2:4 verkürzen, TeBe war mit 6 Punkten Rückstand aber schon vor Anpfiff abgestiegen und Lautern als 13. mit sicherem Abstand gerettet.

Dieter Burdenski hatte weniger Glück als die meisten Torhüter, die Tore erzielten: Sein 2:2-Ausgleich im Heimspiel für Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart am 5. Spieltag der Saison, dem 8. September 1979, reichte am Ende nicht zu Punkten. Burdenski hatte in der 57. Minute getroffen, in der 90. gelang Stuttgart dann aber der 3:2-Siegtreffer. Am Saisonende stieg Werder zum ersten und einzigen Mal ab, es fehlten aber ohnehin 4 Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz.

Auch Nationaltorwart und Europameister Andreas Köpke traf wie Jens Lehmann gleich zwei Mal in seiner langen Karriere in der Bundesliga, beide Male allerdings per Strafstoß. Sein zweites Tor war dabei wieder der mehr oder weniger klassische Fall: Sein 1. FC Nürnberg führte am 11. Spieltag bereits mit 2:0 gegen Dynamo Dresden, in der 88. Minute erhielten die Franken einen Foulelfmeter zugesprochen. Diesen verwandelt Köpke gegen René Müller zum 3:0-Endstand. Am 8. Oktober 1993 wurden immerhin 30.000 Zuschauer Zeuge dieses seltenen Schauspiels.

Anders hatte die Lage eine Saison zuvor ausgesehen. Diesmal war am 12. Spieltag der 1. FC Köln zu Gast, der aber zum Zeitpunkt von Köpkes Tor mit 1:0 in Führung lag. Köpke glich in der 45. Minute aus, Nürnberg kam in der 2. Halbzeit noch zum 2:1-Siegtreffer und Köpke hatte entscheidend mitgeholfen, diesen Sieg zu sichern. Am 31. Oktober 1992 sorgte er mit diesem Tor dafür, dass der Club am Ende mit 28 Punkten deren 2 Vorsprung auf den ersten Absteiger hatte, auch wenn Nürnberg auf Rang 13 einlief. Bei der deutlich schlechteren Tordifferenz gegenüber dem ersten Absteiger VfL Bochum waren diese damals noch 2 Punkte aber Gold wert.

Das Torhüter-Tor von Marwin Hitz, eines von nur dreien aus dem Spiel heraus in der Bundesliga-Geschichte, dürfte den meisten noch präsent sein, fiel es doch in dieser Saison 2014/2015. Er erzielte es für seinen FC Augsburg im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen zum 2:2-Endstand. Was das schließlich für beide Teams bedeutet haben wird, ist noch abzuwarten. In jedem Fall ist der Schweizer damit der erste Ausländer, dem als Torhüter ein Tor in der Bundesliga gelang.

Frank Rost traf einst in der 90. Minute ebenfalls aus dem Spiel heraus im Heimspiel von Werder Bremen gegen Hansa Rostock, doch mit diesem Ausgleich zum 3:3 war die Partie noch nicht vorüber. Durch Ailton gelang per Foulelfmeter sogar noch der Siegtreffer zum 4:3. Lohnenswert also auch hier der Ausritt von Frank Rost in den gegnerischen Strafraum. Dieser Sieg gelang Werder am 29. Spieltag, man schrieb den 31. März 2002. Am Ende landete Werder auf dem 6. Rang, Rostock auf dem gefahrlosen 14. Werder zog damit, punktgleich mit dem 1. FC Kaiserslautern, aber wegen der besseren Tordifferenz, in den UEFA-Pokal ein. Dort erreichte Werder über Metalurg Donezk die 2. Runde, wo dann aber Endstation gegen Vitesse Arnheim war.

Jens Lehmann traf wie oben zu sehen, ebenfalls gleich 2x in der Bundesliga. Sein erster Treffer am 12. März 1995 war noch ein eher unbedeutendes Tor und dann eben auch per Strafstoß: Beim Stand von 5:1 im Heimspiel des FC Schalke verwandelte Lehmann in der 84. Minute einen Foulelfmeter gegen Rainer Berg zum 6:1, Gegner München 1860 gelang immerhin danach noch das zweite Ehrentor zum Endstand von 6:2. Allerdings fand diese Partie am 21. Spieltag statt, so dass es für beide Teams sportlich noch um alles ging.

Spektakulär in jeglicher Hinsicht war dann Jens Lehmanns 2. Tor für den FC Schalke, welches er in der 90. Minute des Derbys bei Borussia Dortmund per Kopf zum 2:2-Ausgleich und Endstand erzielte. Einmalig bislang, in solch einer Partie so ein enorm wichtiges Tor zu erzielen — und besonders nett, dass er nach einem kurzen Ausflug zum AC Mailand in der Folge bei eben jener Borussia Dortmund anheuerte. Wenn hier nicht alles täuscht, war dies somit das erste Tor eines Torhüters aus dem Spiel heraus, welches Lehmann am 19. Dezember 1997 gelang.

Ebenfalls für den FC Schalke, dort scheint man ein besonderes Faible für diese Art von Torhütertoren zu pflegen, erzielte Oliver Reck sein Tor per Strafstoß am 9. Februar 2002. Damals ging es am 22. Spieltag zu Hause gegen den FC St. Pauli, Recks Tor zum 4:0 durch Foulelfmeter in der 80. Minute war auch der Endstand dieser Partie. Bezwungen wurde Simon Henzler, der das Gästetor hütete. Am Ende der Saison landete Schalke auf Platz 5, der FC St. Pauli stieg mit 7 Punkten Rückstand als Tabellenletzter ab. Schalke 04 qualifizierte sich zwar für den UEFA-Pokal und erreichte über Kamen Ingrad die 2. Runde, wo gegen Bröndby Kopenhagen im Elfmeterschießen Schluss war, hätte sich aber auch ohne diesen Sieg den 5. Platz nicht nehmen lassen.

Hans-Jörg Butts 26 Tore in der Bundesliga sind Legende, es wäre zu viel, hier jedes einzelne zu diskutieren – auch wenn das für extreme Liebhaber interessant sein mag. Bemerkenswert sind in jedem Fall mehr als einige seiner Torerfolge. So ist er mit seinen gleich 2 verwandelten Strafstößen in der Partie Hamburger SV – VfB Stuttgart in der Saison 1999/2000 der einzige Torhüter in der Bundesligageschichte, der 2 Tore in einem Spiel erzielte. Rodolfo Cardoso hatte den HSV in der 5. Minute in Führung geschossen, es folgten zwei verwandelte Strafstöße in der 55. und 79. Minute. Da es sich hier um den 2. Spieltag handelte, darf nicht davon ausgegangen werden, dass man hier wenig sportlichen Ernst an den Tag legte.

Außerdem erwähnenswert, dass Butt in genau jener Saison 1999/2000 der interne Torschützenkönig des HSV wurde: Mit am Saisonende 9 verwandelten Elfmetern hatte er die meisten Tore im Kader erzielt, allerdings zusammen mit zwei weiteren Feldspielern. Butt, die Wunderwaffe.

Butt erzielte übrigens auch gleich drei Tore in der Champions League, interessant, ob das bislang überhaupt irgendeinem anderen Torhüter „gelang“. Alle drei (!) Tore erzielte er gegen Juventus, eines für den HSV beim legendären 4:4, eines für Bayer Leverkusen und das dritte für den FC Bayern München bei Juventus, als es für die Bayern durchaus ums Weiterkommen oder Ausscheiden ging.

Nicht zuletzt: Hans-Jörg Butt ist der einzige Torhüter, der in der 1. Bundesliga (HSV und Leverkusen), in der 2. Bundesliga (VfB Oldenburg) und in der 3. Liga/Klasse (FC Bayern II) Tore erzielte. Da muss wohl noch viel Wasser in diverse Meere fließen, bevor diese Leistung eingeholt oder überboten wird.

(Ebenfalls zu erwähnen wären wohl noch das Tor von Frank Rost im Elfmeterschießen des Pokalfinales von 1999, als Werder Bremen gegen Bayern München gewann, sowie das Tor von Manuel Neuer im Elfmeterschießen beim „Finale dahoam“, als die meisten anderen Feldspieler des FC Bayern abwinkten, selbst anzutreten, sowie auch das Tor von Jean-Marie Pfaff im Elfmeterschießen des UEFA-Pokals gegen PAOK Saloniki, allerdings bleibt es hier auf dieser Unterseite zunächst mal bei Torhütertoren in der 1. Bundesliga. Mit Toren von Torhütern in Elfmeterschießen machte man angesichts der langen Geschichte des DFB-Pokals mit seinen vielen Partien auch zwischen unterklassigen Teams eine ganz neue Büchse auf, die erstmal geschlossen bleiben mag. Für die 1. Bundesliga ist man mit diesem Text jedenfalls auf dem aktuellen Stand.)

Und ja, Bewegtbilder von diesen Toren wären auch nett gewesen … für die meisten waren aber ohne Zugriff auf WDR-Archive keine aufzutreiben.

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„Tatort“ — Was Horst Szymaniak mit der Horst-Schimanski-Gasse zu tun hat

Ich schaue nie „Tatort“. Abgesehen von den alten Schimanski-Folgen, auf dessen Geschmack zu kommen ich erst nach München zum Stadtneurotiker fahren musste, wo ich in diesen Charakter eingewiesen wurde. Die einzige andere Folge vom „Tatort“, die ich je sah, ist jene mit Theo Zwanziger, Jogi Löw, Oliver Bierhoff, Steffi Jones und Celia Okoyino da Mbabi, in der sie zeigen, dass es noch eine Kategorie unterhalb der Kategorie „Laienschauspiel“ geben muss. Sowie, dass Drehbücher für diese Reihe nicht dazu verleiten, den Eingangssatz ändern zu müssen.

Duisburg benennt nun eine Gasse nach seinem bekanntesten Einwohner. Es benennt diese Gasse nicht „um“, weil diese Gasse im Ruhrorter Hafen zuvor gar keinen Namen besaß. Dass der bekannteste Duisburger ein fiktiver Charakter ist, ist dabei wohl eher ein Glück.

Die Idee der Neubenennung schwirrte schon länger herum, eine Strickmafia (siehe Foto) hatte schon eigenmächtig Straßenschilder mit der Beschriftung „Schimmi-Gasse“ dort aufgehängt.

Die Duisburger Stadtverwaltung aber lehnte eine solche Benennung dieses eher unscheinbaren Gässchens, welches durchaus einmal in einem Tatort Schauplatz einer Szene war, ab. Schimanski lebe ja noch, war eine Begründung, und nach lebenden Personen würden keine Straßen benannt. Wobei dann hier das Fiktive an seiner Existenz relevant wird, denn fiktive Charakter sterben bekanntlich nie — oder zumindest so lange nicht, wie die Menschheit noch existiert.

Die Duisburger Stadtverwaltung besaß aber noch einen zweiten Grund zur Abwehr dieser Namensgebung. Und hier kommt der Fußball ins Spiel. Denn offensichtlich besaßen die dort Argumentierenden keine ausreichenden Kenntnisse im Fußball und dessen Drumherum, sonst hätten sie ihr nächstes Argument gleich in der Schublade gelassen.

Eine Schimmi-Gasse käme nicht in Frage, weil die Verwechslungsgefahr zu groß sei. Mit wem? Mit Horst Szymaniak, dem Fußballer, dem Nationalspieler, dem Star bei Inter Mailand, welcher ebenfalls den Spitznamen „Schimmi“ trug.

Diese Begründung ist, sagen wir mal, putzig.

Denn Horst Schimanski heißt nicht nur Horst mit Vornamen zu Ehren von Horst Szymaniak. Er hatte auch den Spitznamen „Schimmi“ zu Ehren eben jenes Horst Szymaniak erhalten. Die Erfinder der Figur Kommissar Horst Schimanski dachten nämlich explizit daran, jenem Ruhrgebietsfußballer damit eine Reminiszenz zu erweisen. Insofern wäre also eine Verwechslung beim Rezipienten zwar möglich gewesen, in beiden Fällen hätte man sich aber in letzter Konsequenz ohnehin auf den Fußballer Horst Szymaniak bezogen. Wie dem auch sei, am Ende sind sie dann doch eingeknickt und Duisburg besitzt nun in Ruhrort seine, dann allerdings den vollen Namen verwendende „Horst-Schimanski-Gasse“.

Pointe: keine. Aber durchaus Munition für divese Smalltalksituationen.

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Dem Nebenmenschen eine aufs Dach geben

„Sport ist eine grandiose Arbeitsteilung zwischen Gut und Böse der Menschen … Es ist einseitig, wenn man immer nur schreibt, dass der Sport zu Kameraden mache, verbinde, einen edlen Wetteifer wecke: Denn ebenso sicher kann man auch behaupten, dass er einem weit verbreiteten Bedürfnis, dem Nebenmenschen eine aufs Dach zu geben oder ihn umzulegen entgegenkommt, dem Ehrgeiz, der Überlegene zu sein.“

Robert Musil

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How to fake ein Fußballfan sein

Heutzutage gehört es ja zum guten Ton, sich für Fußball zu interessieren. Selbst in den oberen Etagen wird das schon mal als Thema aufgebracht. Damit man bei all dem darum herum wabernden Small Talk nicht Fettnäpfchen an Ahnungslosigkeit reiht, wie es beispielsweise Helmut Markwort immer wieder vorzüglich schafft, hier dieses kleine „how to“ für die Aufgabe, vorzugeben, ein Fußballfan zu sein, ohne dass man die geringste Ahnung von der Materie haben muss.

1.1 Suchen Sie sich einen der 18 aktuellen Bundesligisten als Ihren Club aus.
1.2 Informieren Sie sich darüber, welcher Club als dessen ärgster Rivale gilt.
1.3 Reißen Sie während des gesamten Gesprächs flache Witze über diese Rivalität. Je flacher, desto glaubhafter wirken Sie in ihrem vermeintlich authentischem Fantum. Lehnen sie per se alles ab, was dieser Rivale macht, ob Vereinsfarben, Form des Stadions, aktuellen Präsidenten oder Vereinssong.

2.1 Informieren Sie sich, ob Ihr Verein im Vergleich viele oder wenige Fans besitzt.
2.2 Im Falle von vielen Fans: Machen Sie sich darüber lustig, dass andere Vereine nur so lächerlich wenige Anhänger haben.
2.3 Im Falle von wenigen Fans: Weisen Sie darauf hin, dass alleine schon zu einem Verein zu gehen, den nur ganz wenige mögen, ein Kennzeichen authentischen Fantums ist.

3.1 Informieren Sie sich, wer Trainer vor dem aktuellen Trainer war.
3.2 Werfen Sie ein, dass unter dem Vorgänger auch nicht alles schlecht war, besonders das Mittelfeld (so vermeiden Sie, harte, nachprüfbare Fakten wie Tore oder Gegentore diskutieren zu müssen.)
3.3 Sinnieren Sie dennoch, dass es auch für den aktuellen Trainer schon in Kürze eng werden könnte. (Ausnahme: Ihr Verein ist gerade Tabellenführer.) Er sei einfach nicht der richtige Mann für den aktuellen Kader. (Nachfragen nach einer Begründung für diese Einschätzung sind äußerst selten.)

4.1 Informieren Sie sich über die größten Erfolge Ihres Vereins.
4.2 Falls damals schon geboren: Werfen Sie immer wieder ein, dass diese Zeiten ja die besten gewesen sein – die kämen aber nie wieder.
4.3 Falls noch nicht geboren: Werfen Sie immer wieder ein, dass die alten Erfolge wie ein Fluch über dem Club lasten.

5. Plädieren Sie darauf, dass Ihr bevorzugter Verein mehr über außen spielen müsste.

Mit diesen nur 5 kleinen Vorbereitungsschritten kommen Sie unerkannt durch jeden Fußball-Smalltalk, ohne je ein Spiel selbst gesehen zu haben, einen Spieler mit Namen zu kennen, geschweige denn etwas von Taktik verstehen zu müssen. Auf dass auch das nächste angebahnte Geschäft nicht an allzu großer Helmut-Markwort-haftigkeit im Fußball scheitert.

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