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Monat: Mai 2015

Ivo, we‘re home

Die 3. Liga ist eine ungewöhnliche Veranstaltung. Hier versammeln sich frühere Erstligisten zusammen mit den leidigen Zweitvertretungen größerer Clubs sowie einigen, bei allem Respekt, Dorfclubs wie Großaspach oder Elversberg zum gemeinsamen Wettbewerb. So kommen in Dresden im Schnitt 22.300 Zuschauer, in Großaspach 2.300, bei Mainz II dann gerade mal 1.100. Die Partien werden nicht wie jene der 1. und 2. Bundesliga bei einem Bezahlsender übertragen, oft nur auf den Seiten der Dritten Fernsehsender gestreamt. Und wenn man Pech hat, gibt es überhaupt keine Bilder im TV von den Auswärtspartien des eigenen Clubs. Natürlich beschäftigt man sich nicht freiwillig mit einem solch seltsamen Konstrukt wie dieser 3. Liga, es sei denn, man muss. Und beim MSV Duisburg musste man das, weil Roland Kentsch nicht in der Lage gewesen war, gegen ein Bundeskanzlergehalt korrekte Zahlen in den Lizenzantrag zu schreiben. … weiterlesen.

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TV-Tipp: „Als Arbeiterjungs Profifußballer wurden“

Heute um 13h im WDR, aber auch online zu sehen.

Keine Sorge, die 45-minütige Doku ersäuft nicht in Nostalgie, sondern wartet mit interessanten Einblicken in den Fußball und vor allem in den Zeitgeist jener Tage der Gründungszeit der Bundesliga auf. Prädikat sehenswert, selbst wenn man kein Faible für den Westen, sondern nur für Fußball besitzt.

Mit Willi Lippens, Berti Vogts, Wolfgang Weber, Fred Bockholt, Wolfgang Kleff, dem unvermeidlichen Hermann Gerland und vielen weiteren, vor allem aber einem Gefühl dafür vermittelnd, wie sehr die Art, Fußball zu spielen von den sonstigen vorherrschenden Vorstellungen im Leben der Menschen abhängt oder -hing. Und mit 45 Minuten und einem bunten Mix an Protagonisten auch leicht konsumierbar.

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Zieh, Willem, zieh! Huxhorn trifft als Torwart

Quasi als Nachtrag zum Beitrag von letztens mit den Toren von Torhütern in der Bundesliga. Allerdings ist hier ein Video von einem Torhüter-Tor in der 2. Bundesliga aufgetaucht. Und dennoch natürlich nicht weniger sehenswert. Man darf auch dieses Tor als „aus dem Spiel heraus“ werten, und ja, dann bleibt es einfach ein sehr Ungewöhnliches.

Wilhelm Huxhorn trifft für Darmstadt 98, allerdings laut fussballdaten.de gegen Fortuna Köln und nicht wie im Beitrag behauptet gegen Waldhof Mannheim. Geschehen ist es aber in jedem Falle.

Nachtrag, wie die Diskussion in den Kommentaren zeigt, ist es tatsächlich ein Tor gegen Waldhof Mannheim, welches aber offiziell dem Stürmer angerechnet wurde. Der TV-Kommentator liegt also richtig, wenn er von Waldhof spricht und auch von der 2. Liga. Vom Tor bei Fortuna Köln existieren keine Aufnahmen. Danke an Jens.

Via nurdertim via HisTOOORie.

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In der KO-Runde

Es sollte eigentlich eines dieser ganz normalen Sommerturniere werden, 2×15 Minuten pro Partie auf dem Großfeld, aber noch in der Jugend, mit einer Vorrunde aufgeteilt in diverse Gruppen und einer folgenden KO-Runde, bis ein Turniersieger ausgespielt sein würde. Sowie natürlich auch alle anderen Platzierungen auf diesen Turnieren ausgespielt werden, die Pokalproduzenten-Innung will schließlich auch irgendwie leben, also gibt es Pokale, immer kleiner werdend, selbst für den Letzten beim Turnier. Immerhin ist auch dieses Team ja angetreten.

Wichtiger waren aber für junge Leute immer die Platzierungen in den höheren Rängen. Wie man weiß, sind manche der Teilnehmer auch schon mal schnell gekränkt, wenn sie plötzlich und völlig unerwartet, etwas, was im Fußball sonst quasi nie auftritt, eine Niederlage hinnehmen müssen. Weshalb es nicht unbedingt immer eine gute Idee ist, in Ermangelung von Platz mehrere Teams in ein und dieselbe Kabine einzuweisen, bei diesen Sommerturnieren, bei denen es nicht nur dem Prinzip nach um gar nichts geht außer diese blöden Pokale und natürlich, wenn man schnell gekränkt ist, die „Ehre“, was auch immer das sein soll.

In Kamp-Lintfort, von dem Hanns-Dieter Hüsch mal sagte, dass es die englische Übersetzung von „Castrop-Rauxel“ sei, was wiederum Latein für „Wanne-Eickel“ wäre, fand das Turnier statt. Und Kamp-Lintfort, das war schon immer ein heißes Pflaster.

Dass es ein solches bei einem stinkunbedeutenden Sommerturnier aber auch werden würde, konnte man nicht ahnen, als man an einem herrlichen Sommermorgen in den Autos der Eltern auf der Rückbank seine Mickey-Mouse-Taschenbücher las, bis man nach langer Fahrt endlich am Spielort angekommen war. Und prompt mit zwei anderen Teams zusammen in eine der wenigen vorhandenen Kabinen eingewiesen wurde.

„Wertsachen“ besaß man damals natürlich keine, die Gefahr des Beklautwerdens war also gering, sieht man von den in bestimmten Kreisen immer auch als Statussymbol fungierenden besonderen Fußballschuhen ab. Dachten sich die Erwachsenen jedenfalls, warum sollen sich nicht drei Teams in der selben Kabine umziehen? Sind doch alles liebe Jungs, die Pubertät beginnt gerade erst, da wird man sich doch für den Zeitraum eines Turniers wohl verstehen?

Dieses, das Turnier, nahm seinen Lauf und wie es der Zufall so wollte, spielten wir unsere Vorrunde hervorragend, von Sieg zu Sieg eilend und damit sicher in der KO-Runde. Während unseren Zellennachbarn, nein, -mitinsassen das gleiche Kunststück in einer anderen Gruppe gelang.

Nach weiterem Voranschreiten des Turnierverlaufs trafen wir also aufeinander, im Viertelfinale des Turniers ohne besonderen Wert. Und weil wir damals so gut drauf waren, wie man nur drauf sein kann, wenn man noch nie Liebeskummer hatte, gar nicht weiß, was einen da in diesem Bereich alles noch erwartet, man sich also ohne jegliche Ablenkung voll aufs Spiel konzentrieren kann, schossen wir auch diesen Gegner in nur 2×15 Minuten vom Platz und das sogar auch psychisch relativ vernichtend mit 5:1.

Wiel sie ihre eigene Gruppe ebenfalls mit drei Siegen überstanden hatten, war das natürlich eine große Enttäuschung für sie. Wie sich herausstellen sollte, eine unbewältigbare Enttäuschung. Was wiederum kein Problem gewesen wäre, wenn man das geahnt und nicht mit ausgerechnet diesem Team die Kabine geteilt hätte. Was auch immer noch halb so wild gewesen wäre, wenn unsere eigene Mannschaft sich geschlossen in die Kabine begeben hätte.

Die meisten Mitspieler zogen es aber vor, nach diesem weiteren glorreichen Sieg einfach in der Sonne (der physischen und der metaphorischen des Erfolgs) zu baden, andere verlustierten sich am Bratwurststand. Nur meinen Busenfreund, der auf dem linken Flügel immer hinter mir aufräumte und meine Laufwege im Schlaf kannte, und mich dürstete es ein wenig nach Wasser. Welches wir, ganz Mickey-Mouse-behütete junge Menschen aus der Vorstadt, natürlich von unseren Eltern mitgegeben bekommen hatten. Schön kühl, geschützt vor Sonneneinfall, in den Taschen deponiert, welche in der Kabine standen.

Weshalb wir uns — man ahnt beim Lesen wahrscheinlich schon den selben Fehler, den Opfer in Horrorfilmen stets begehen: in einem Haus immer weiter nach oben zu laufen, sich selbst jeglichen Fluchtweg abschneidend, in Straßen genau die Sackgasse anzustreben, aus der es keinen Ausweg gibt, weshalb es dem Zuschauer kalt über den Rücken läuft und er gleichzeitig ein ernst gemeintes „Halt! Geh doch nicht da lang!“ entgegenrufen möchte — in die Kabine begaben, in der wir einquartiert waren.

Jene Kabine, in der auch unsere unterlegenen Gegner waren, die sich weder in metaphorischer Sonne des Erfolgs baden konnten noch in realer Sonne baden wollten. Und also nahezu vollzählig in dieser Kabine anwesend waren.

Wir betraten die Kabine, da schaute man uns schon komisch an. Hey, wir hatten nichts weiter getan, als zu gewinnen. Das hätte Euch genauso gelingen können. Die Wasserflaschen aus der Tasche geholt, flugs angesetzt und die ersten Schlucke geschluckt, setzte dann auch das erste verbale Provozieren ein. Nun sind relativ jung Pubertierende meistens keine Sprachgenies, die Atmosphäre begann aber, sich zuzuziehen. Was wir hier wollten, ob wir nicht diejenigen wären, die sie gerade vernichtend geschlagen hätten. Das, immerhin, war eine rhetorische Frage und so begannen die rund ein Dutzend Spieler des Gegners auf uns zuzudrängen, der Raum wurde immer kleiner, die Luft heißer und der eigene Pulsschlag höher.

Es wurden Vorwände erfunden, wie man sie später noch zig Mal im Leben hören musste, hier aber zum ersten Mal und ohne eine Ahnung, wie man diese geschickt entkräftet. Einer von uns beiden habe eine Freundin eines der gegnerischen Spieler zu lange und zu lüstern angeschaut, was vollkommen an den Haaren herbeigezogen war, wie es das immer ist, aber hier besonders. Mag es in allen anderen späteren Fällen dieses lächerlich konstruierten Vorwurfs so gewesen sein, dass man immerhin mal geschaut hatte, für einige Bruchteile von Sekunden, so konnte dies Argument hier überhaupt nicht verfangen. Wir lasen noch Mickey-Mouse-Taschenbücher und waren weit entfernt davon, in Mädchen etwas anders als Störenfriede bei einem Fußballturnier zu sehen.

Die Gegenseite zeigte sich dennoch zumindest nach außen sehr überzeugt davon, dass da ein falscher Blick unsererseits geschehen sei und die ganze Bagage bewegte sich weiter auf uns zu, wohl eher nicht, um um Autogramme zu bitten. Der Raum schmolz weiter in sich zusammen und wenn dann erst mal die Grenze der ersten physischen Attacke gefallen ist, eskaliert es schnell. Erst wird man geschubst, dann getreten und dann auch ins Gesicht geschlagen, gerne auch mal mit der blanken Faust, wie man sie später öfter im Gesicht spürte, dann aber eher aus anderen Anlässen als Niederlagen im Fußball.

Soweit war es hier noch nicht, aber geschubst wurde man schon. Weil man ein Mädchen angeschaut habe, völlig frei erfundener Vorwurf, aber bitte, wenn man mit Niederlagen nicht umgehen kann, dann muss so etwas schon mal herhalten.

Es wurde jetzt wirklich sehr stickig in der Kabine, und man wäre gerne einfach gegangen. Zwischen dem eigenen Körper und der Ausgangstür befanden sich aber ca. 12 heißblütige Gegenspieler, die man gerade mit 5:1 bezwungen hatte und die nicht allerbester Laune waren.

Und jetzt wird es womöglich ein wenig unglaubwürdig, aber das einzige, was uns angesichts der Zentimeter für Zentimeter auf uns zurückenden Meute von nach Rache sinnenden Zombies noch als Ausweg blieb, war das zum Glück hinter uns befindliche Fenster zur Straße. Es war der Busenfreund, der die geistesgegenwärtige Idee hatte, einfach das Fenster aufzuwerfen und mir sofort zu bedeuten, da herauszuspringen, zum Glück nicht allzu tief, woraufhin er mir ebenso schnell folgte. Sanfte Landung, aber das steuernde Gehirn immer noch voller Adrenalin. Sicher konnte man schließlich nicht sein, dass einem die Bande jetzt nicht folgen würde, weshalb wir die Beine in die Hand nahmen, ums Vereinsheim herumsprinteten und in Richtung unseres Trainers rannten. Die blutrünstigen, unseren Skalp wollenden Zombies des unterlegenen Gegners folgten uns nicht, vielleicht wäre ihnen eine solche Hetzjagd dann doch zu offensichtlich mit einer Begegnung mit Erwachsenen verknüpft gewesen, vielleicht hatten sie aber auch alleine durch unsere Flucht das Gefühl, uns ausreichend gedemütigt zu haben. Für den Frevel, gegen sie gewonnen zu haben. Nach ausgiebigem Sprint erreichten wir ihn dann, unseren Trainer, und die Meute folgte tatsächlich nicht.

Wieder eine KO-Runde überstanden, heil, danach das Halbfinale.

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Die hohe Kunst des Nichtlamentierens

Ich möchte trotzdem die Gelegenheit nutzen, nicht zu lamentieren. Wir haben leider seit Monaten wahnsinnig große Personalprobleme. Aber wir haben bis heute nicht lamentiert und das möchte ich auch heute nicht anfangen.

Karl-Heinz Rummenigge auf der Bankettrede nach der 0:3-Niederlage in Barcelona.

Via Fokus Fussball.

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Space Odyssey am Bökelberg

Heute ist bekanntlich alles schlecht. Früher was es noch schlechter. Mit Ausnahmen, versteht sich, die waren nicht ganz so schlecht, wenn auch nicht so schlecht wie heute. Dieses Empfinden ist ein Motiv, das sich offenbar durch alles hindurchzieht, was der Mensch so erlebt, was gleichwohl nicht bedeutet, dass die Zukunft nicht noch viel schlechter werden könnte als Gegenwart und Vergangenheit nicht nur zusammen, sondern miteinander multipliziert.

Zum Beispiel die Einlaufmusik im Fußball. Diese ist heute eher noch schlechter zu nennen als man es sich überhaupt vorstellen kann. Für sich genommen mag „Hell’s Bells“ ein nettes Stück sein. Und auch wenn man im Fußball konservativ ist und Veränderungen scheut: Irgendwann ist das einst Neuartige und vielleicht ein bisschen Mutige daran selbst zum Relikt aus einer anderen Zeit geworden, verstaubt vor sich hin miefend. Wobei hiermit nicht der Song selbst gemeint ist, sondern diesen an einem (exemplarischen) Ort, an dem sonst Polizei- und Bundeswehrkapellen für „Stimmung“ sorgten, zum Ritual zu machen.

Ob Tor- oder Einlaufmusik, das tut sich da übrigens nicht viel.

Einer der in dieser Hinsicht widersprüchlichsten Clubs ist Borussia Mönchengladbach. Ist der Fansong an sich, der mit dem Schwur auf Baumaterial, einer der eingängigsten in der Bundesliga überhaupt und somit kurz hinter „Im Herzen von Europa“ (Eintracht Frankfurt) einzusortieren, so sucht die Tormusik an ohrenzermartendem Graus ihresgleichen in der Bundesliga. Gleichwohl man Tormusik unter Lucien Favre nicht allzu oft ertragen muss, steht sie doch wie erwähnt in Widerspruch zu dem, wie man ansonsten bei Borussia Mönchengladbach mit Musik und ihrem Einsatz beim Fußball umgeht.

Aus der (Wikipedia-) Biografie von Richard Strauß ist zu entnehmen, dass es da eine auch und gerade in der Schlechtigkeit der Vergangenheit bemerkenswerte Vorgehensweise gab, als die Fohlen wirklich noch wild, jung ad lib waren und auch dieser Ausdruck nicht zu reinem sich stetig selbst reproduzierendem Marketingsprech erstarrt war, und als die Borussia gerade erst begann, am Bökelberg die Bundesliga zu erobern.

Dort spielte man nämlich vorm Einlaufen der Mannschaften den Beginn von „Also sprach Zarathustra“, was bekanntlich wiederum (sehr frei) auf Nietzsches Werk „Also sprach Zarathustra“ beruht und noch bekanntlicher den Titeltrack zu „2001 – Odyssee im Weltraum“ darstellt.

Das Anfangsthema wurde bereits in den 1970er Jahren jeweils einige Minuten vor dem Anpfiff der Heimspiele der Fußballmannschaft von Borussia Mönchengladbach im alten Bökelbergstadion intoniert.

Quelle: Wikipedia.

Gerade im Falle eines an einem wochentäglich in niederrheinsch dichten Nebel gehüllten Bökelberg-Stadions — ohne jeden Zweifel und auch ganz ohne Verklärung einer der stimmungsvollsten Fußballorte in der ganzen Republik — und vor einem Publikum, dessen Gehirne noch weit entfernt von heutiger medialer Totalüberschwemmung waren, werden diese Klänge ihre besondere Wirkung nicht verfehlt haben. Gleichwohl ihnen das Aufputschende zu gleichem Zwecke genutzter Stücke heutiger Zeiten fehlt, wie glücklicherweise aber auch jenes Pathos, den die Champions-League-Hymne kleistenderweise verbreitet, werden alle Anwesenden, sofern mit Antennen für diese Art von musikalischer Wirkung ausgestattet, doch in eine recht andere Stimmung versetzt worden sein, als es Glocken aus der Hölle nach der x-ten Wiederholung noch zu tun vermögen, von reinem sprechgesanglichem Stammeln einiger Silben ganz zu schweigen. Wobei das wieder eine Frage der Prägung des Gehirns des Rezipienten ist. Es soll ja Menschen geben, die schon bei ganz anderen Anlässen „atemlos“ werden.

(Wer den Titel des Stücks nicht kennt, wird es beim Hören sofort erkennen.)

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