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Monat: August 2015

Das Vereinigungsländerspiel

Das einzige Länderspiel zwischen der DDR und der Bundesrepublik hat es bekanntlich so nicht gegeben, weil die beiden Auswahlmannschaften nicht nur bei der WM 1974, sondern auch schon bei Olympia 1972 aufeinandertrafen und schon vorher eine Olympia-Qualifikation ausgetragen hatten. Dass da für den Westen keine A-Nationalmannschaft antrat, ist dabei unerheblich.

Hier bislang unbekannt war, dass es beinahe sogar noch zu einem dritten oder je neach Lesart zweiten innerdeutschen Länderspiel gekommen wäre. Zum „Vereinigungsländerspiel“. Ein solches war für den 28. August 1990 in Leipzig geplant, wurde aber aus Angst vor Auseinandersetzung zwischen West- und Ost-Holligans sowie allgemeiner Gewalt abgesagt. Dass es diese Information erst 23 Jahre später in die hiesige Aufmerksamkeit schafft, ist betrüblich, allerdings ist es nie zu spät. Einige Informationen mehr bei fussball.de.

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Die Bellemans-Affäre

Willkommen im Bildungsblog „Trainer Baade“. Das Folgende ist mehr oder weniger von Wikipedia abgeschrieben, das macht es aber nicht weniger wissenswert. In dieser Woche spielte der Club Brügge bei Manchester United, ging sogar 1:0 in Führung, musste sich am Ende aber doch mit 1:3 geschlagen geben. Trainer der Brügger war niemand Geringeres als Michel Preud‘homme, seines Zeichens Welttorhüter* des Jahres 1994, damals in Diensten des KV Mechelen und von Benfica sowie natürlich der belgischen Nationalmannschaft.

Kurz mal nachgelesen, was er zwischen diesen beiden Stationen, heute Trainer von Brügge, vorher Nationaltorhüter von Belgien, so trieb, brachte eine erstaunliche Notiz zu Tage.

1982, nach dem Endspiel, wurde Preud’homme wegen einer Bestechungsaffäre für drei Jahre vom belgischen Fußballverband gesperrt.

Quelle.

Der hier offensichtlich fälschlicherweise als aufrichtiger Sportsmann wahrgenommene Preud‘homme sollte Spiele manipuliert haben? Leider gab dessen deutscher Text bei Wikipedia nicht mehr dazu her. Flugs bei Twitter nachgefragt, kamen gleich drei Artikel ans Tageslicht.

Zunächst findet man bei 11Freunde die folgenden Zeilen:

Und nach dem Sieg gegen die Niederlande konnte auch endlich Thys selbstbewusst vor die Kameras treten. Er sagte: »Wir haben nun die große Chance aus dem Tal der Tränen herauszukommen.« Er meinte: Die Folgen des Bestechungsskandals von 1982. Damals hatte Standard Lüttich den Sieg gegen Thor Waterschei mit 11.000 Euro erkauft, wie Eric Gerets im Februar 1984 vor dem Brüsseler Untersuchungsrichter gestand.

Quelle.

Die französischsprachige Wikipedia widmet der ganzen Affäre auch gleich einen kompletten Artikel:

„Affaire Standard-Waterschei“

Quelle.

Dort erfährt man mit ein wenig Google-Übersetzung, was man dann auf deutsch wiederum in kürzerer Version in dem Beitrag zum damaligen Trainer von Standard Lüttich lesen kann, bei dem Michel Preud‘homme zu jener Zeit das Tor hütete, im Beitrag zu Raymond Goethals unter der Überschrift „Skandal in Lüttich“.

Im Februar 1984 eröffnete sich aber ein unrühmliches Kapitel für Goethals und Standard Lüttich. Ein Bericht des Untersuchungsrichters Guy Bellemans zeigte eine Urkundenfälschung von Goethals im Zusammenhang mit einem von ihm mitinitiierten Plot auf Spieler des Gegners vor dem letzten und meisterschaftsentscheidenden Saisonspiel 1982/82 gegen THOR Waterschei, einem Vorgängerverein des heutigen KRC Genk, zu bestechen, begangen zu haben.

Quelle.

Genaueres entnimmt man am besten dem französischsprachigen Artikel.

Wir halten jedenfalls fest: Manipuliert wird immer nur auf dem Balkan oder in Asien und Menschen, die mit Fußball zu tun haben, sind stets Sportsleute durch und durch. Würden niemals ein Spiel manipulieren, ob nun im Bundesliga-Skandal oder in der Bellemans-Affäre, wie der Vorfall in Belgien seltsamerweise nach dem Namen des zuständigen Richters statt der handelnden Akteure genannt wird. Hierzulande bislang weitgehend unbekannt, aber das ändert sich hiermit ja gerade.

Die oben genannten drei Jahre als Strafe wurden später auf ein halbes Jahr reduziert, sodass Preud‘homme keine allzu großen Lücken im Lebenslauf hinnehmen musste. Nur seine Integrität, die weist seitdem einige größere Lücken auf. Was niemanden daran hindert, ihn weiter als Trainer zu beschäftigen, aktuell eben der Club Brügge.

2008 war er übrigens mit Standard Lüttich oder Standard de Liège zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder belgischer Meister geworden. Und Lüttich ist als mehr oder weniger einziger Klub von Belang aus der Wallonie auch immer ein Teil des Dramas um die schwächelnde Kohäsion Belgiens.

PS: 11.000 (!) Euro.

* Wie fragwürdig die Vergabe dieser Auszeichnung ist, lese man beim indirekten freistoss nach.

Mit Dank an ker0zene und KohlenSchaufler.

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Heels over Head

Achja, „besondere“ Tore sieht man ja mittlerweile minütlich ohne Ende. Selbst Tore von Torhütern sind Standard, zumindest wenn man sich auf den Weltfußball bezieht. Jeden Tag erzielt irgendwo ein Torhüter ein Tor in letzter Minute.

Und doch: Auf diese Weise hat man es dann noch nie gesehen. Verständlich, der Jubel der Fans und die sich leicht überschlagende Stimme des Reporters.



Martin Hansen für ADO Den Haag zum 2:2 gegen PSV Eindhoven.

Am Ende wird es dann doch nie langweilig.

Hattip an Andreas Weyrauch.

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Der Regisseur geht von Bord

DerWesten: Freuen Sie sich, dass am Wochenende die Bundesliga wieder losgeht?

Sönke Wortmann: Ehrlich gesagt: Nein! Ich habe das Interesse an der Bundesliga verloren. Ich finde es so langweilig, wenn immer dieselbe Mannschaft Meister wird.

Fußball schaut er allerdings noch, wie hier zu lesen ist.

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An der Wedau nachts um null fünf

Es war Pokal und Duisburg verlor gegen Schalke. Soweit nichts Besonderes. Die Atmosphäre aber war wie immer zuletzt bei Meiderich — in Neudorf, nicht „an der Wedau“ — durchaus bemerkenswert.

Mit supml von unterflutlicht und Doktor D diskutierte ich in des ersteren neuer Reihe „Unter Flutlicht – entlang der Kurt-Schumacher“ bei meinsportradio.de ein wenig über diese Partie. Danach folgt ein Ausblick der beiden auf die kommende Saison des Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V, zunächst aber der Rückblick auf die Partie zweier Teams, die sich im DFB-Pokal zuletzt im Finale 2011 gegenüberstanden.

Hier kann man das Gespräch abrufen, jetzt gerade läuft es auch live auf meinsportradio.de.

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Bundesliga-Trikot gewinnen: „I‘m Everton“

So, hier gibt es dank Outfitter wie auch schon im letzten Jahr wieder ein Bundesliga-Trikot zu gewinnen. Dieser Beitrag läuft bis nächsten Donnerstag, 12h mittags. Ihr könnt ein Bundesliga-Trikot von „Outfitter“ gewinnen. Einzige Aufgabe: Erzählt in mehr als drei Sätzen, warum Ihr Sympathisant eines wo auch immer ansässigen ausländischen Clubs geworden seid. Falls das auf Euch nicht zutrifft, dann erzählt, warum Ihr Euch vorstellen könntet, irgendeinen ausländischen Club Eurer Wahl sympathisch zu finden. Einfach kommentieren und schwupps an der Auswahl des Gewinners eines Bundesliga-Trikots frei Haus und nach Wahl von Outfitter teilnehmen. Und das dann zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison im Briefkasten haben.

outfitter-bundesliga-fanshop

Er war ein wenig, sagen wir, problematisch. Ich war 14 oder so. Er war 14 oder so. Aber: Er wusste, was Bier ist. Ich wusste auch, was Bier ist, hatte auch schon ein paar in meinem Leben getrunken. Nicht zu vergleichen natürlich mit ihm. Er hatte wahrscheinlich schon Dutzende Fässer an Bier leergetrunken. Der Unterschied war: In Deutschland kostete das Bier 1,20 DM pro Glas in der Kneipe. Muss ungefähr so auf ihn gewirkt haben wie 10 Pfennig. Er tat sich viele von den Bieren rein und das gerne und mit zunehmender Freude. Damals kostete eine Schachtel Zigaretten schon ungefähr 20 DM in England, in Deutschland noch 4 DM. Wir waren eigentlich gar nicht verabredet, er wohnte nicht bei mir, war aber in meiner Stufe auf mich aufmerksam geworden, weil ich mich für Fußball interessierte „Ey mate, blablablablablablabla unverständliches Scouser-Zeug“. Ich nickte. Hatte er sicher Recht mit, wovon er auch sprach. Er fragte dann auch, ob wir nicht ausgehen könnten. Meine Eltern meinten, ich solle mein Englisch verbessern, was also ein „Ok“ bedeutete.

Er redete wieder irgendwas von „Ey mate, blablablablablablabla, Scouser-Gebrabbel“, ich verstand kein Wort, aber wir gingen aus und er schüttete sich Biere rein, als gäbe es kein Morgen. Irgendwann war er in dem Laden, in dem ich später noch kellnern sollte, wo oben Konzerte stattfanden und im Erdgeschoss normaler Kneipenbetrieb war, so voll, dass er auf einem Sofa einpennte. Ich weckte ihn, als wir von treusorgenden anderen Eltern abgeholt wurden, er stand auch sofort auf und brabbelte „Ey, mate“ und dann fuhren wir heim.

Im Grunde hatte ich nie ein echtes Wort mit ihm gewechselt, dem Austauschschüler aus einem Vorort von Liverpool, aber irgendwie hatte er mich infiziert. Wie er – typisch für Engländer in jener Zeit, aber völlig untypisch in Deutschland in jener Zeit – überall im FC-Everton-Trikot hinging, wo er auch war, ob im Museum, in der Schule oder eben im Pub, äh, in der Kneipe. Seitdem „bin“ ich Everton, wenn es um die Premier League geht, „ey mate“, ja brabbelbrabbel, aber so besoffen er auch immer war, er war immer nett. Seitdem bin ich Everton und schaue in der Premier League immer zuerst, wo Everton steht. Ich mag ihre Trikots, ihr Stadion, den Goodison Park, und ich mochte auch den langjährigen Trainer David Moyes, bevor er zu Manchester United wechselte.

Ich kann seitdem sagen, „I‘m Everton“. Wenn auch nur ein bisschen. Und mit dem unverständlichen Scouser-Zeug hab ich auch noch meine Probleme.

Aber „I‘m Everton“.

So und jetzt Ihr. Muss keine tolle Story sein, einfach erzählen, warum Ihr welchen ausländischen Club mögt.

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Eintrittskart‘, verweile doch

Zwanghaftes Sammeln wird nicht in allen der UNO beigetretenen Staaten als Störung anerkannt. Glücklicherweise allerdings in den meisten Staaten Europas. Man verhaftet in aufgeklärten Staaten auch keine Kleptomanen mehr. Sondern schickt sie in Therapie.

Gerne macht man sich vor, die Beschäftigung mit Fußball sei eine per se gesunde. Es geht schließlich um Sport, der ist immer gut, und dann auch noch anders als im miefigen Handball oder Eishockey an der frischen Luft. Tatsächlich erlebt man an kaum einem anderen Ort fragwürdigere Fälle der psychisch-physischen Gesundheit als in einem und um ein fortgeschrittenes Stadium, äh, Stadion herum.

Das liegt nicht in erster Linie am Bierkonsum der angesprochenen Zielgruppe. Es liegt auch nicht am Bewegungsmangel, denn ein Stadionbesuch in modernen Zeiten hat seit Einführung jenes Gesangs, der sich mit der Pflicht zum Aufstehen bei speziellen Vereinszugehörigkeiten beschäftigt, eher etwas mit einer Gymnastikstunde, fast schon mit dem Ablauf eines Gottesdienstes zu tun.

Wer Fußballfan ist, leidet jedoch oft an einem besonderen Syndrom, ohne sich dessen bewusst zu sein. „Zwanghaftes Sammeln“ lautet der Fachausdruck. Der Begriff beschreibt treffend, wie sich dies Verhalten des bedauernswerten Fußballfans darstellt. Alles muss notiert, alles muss katalogisiert werden: Zu welcher Zeit man in welchem Stadion war, wie das Spiel ausging, ob das Flutlicht erleuchtet war und welche Temperatur die Bratwurst hatte. Wenn nicht in der eigenen Datenbank, dann doch mindestens in einer dieser kleinen blauen Kladden.

Da reicht es nicht, den Schal vom seltenen Europapokalspiel einzuheimsen. Das Erlebnis wird zu Hause noch in die alle Termine und Ereignisse umfassende mysql-Tabelle eingetragen. Spieltag, Stadion, Ergebnis. Ein Scan oder Foto von der Eintrittskarte gehört selbstverständlich dazu.

Spricht man Betroffene darauf an, warum sie das Gleiche nicht mit ihren Einkäufen oder Spaziergängen machen, bleiben sie ganz verdattert eine Antwort schuldig. Darüber nachgedacht, warum die besuchten Spiele archivierungswürdig sind, während anderes Geschehen dem Vergessen anheim gegeben wird, haben sie noch nie.

Dabei wäre es angesichts von im Internet verfügbaren Datensammlungen ein Leichtes, die jeweiligen Informationen wiederzufinden, wenn man sie einmal bräuchte. Was allerdings ohnehin niemals nötig wird. Den zwanghaften Sammler hält das nicht davon ab, Ordner um Ordner zu füllen, ganze Wände mit den Eintrittskarten zu tapezieren, während Mitlebende darüber nachdenken, morgen ein Abo bei Partnerbörsen abzuschließen, sich am Ende aber doch fürs Ertragen entscheiden.

Besitzt der zwanghafte Sammler eine eigene Webseite, auf der er jeden einzelnen Stadionbesuch auflistet, zählt er als solcher Sammler natürlich auch die Zugriffe. Nach einem Jahr sind es: 13. Denn für die Umwelt ist sein Verzeichnis schlicht belanglos. 13, sofern man seine eigenen Zugriffe nicht mitzählt. In dem Fall wären es mindestens 3650, seine persönliche Historie ruft der Sammler täglich neu auf. Ganz so, als müsse er sich vergewissern, dass er überhaupt existiert.

Je größer der Verein, dem der Sammler folgt, desto besser ist es für ihn. Denn umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er je mit einem der Protagonisten auf dem Rasen ins Gespräch kommt. Wie es war, will er dann wissen, vor 21 Jahren in Klondyke bei jenem Eckball von links, als er extra 7h mit dem Zug anreiste, um das Spiel zu sehen. Der Spieler schaut verwundert von seinem Autogrammtischchen auf. Keine Ahnung — sagt sein Blick. Doch das Entsetzen in den Augen des Sammlers hält ihn davon ab, diese Worte auch auszusprechen.

Schnell zurück zur Datenbank gehastet, das Spiel hat doch stattgefunden? Dass es sonst niemanden mehr interessiert, was Dekaden zuvor an jenem Sonntag bei Nebel passierte, hält ihn nicht ab, weiter sein eigener Biograf zu sein. Damit man sich erinnern kann. Damit was bleibt, im Jetzt und auch nach seinem Tod.

Hat der zwanghafte Sammler schließlich das Zeitliche gesegnet, kommt entweder die Müllabfuhr und verpackt die ganzen Ordner in blaue Säcke, welche noch vor Ort im Hintern eines Müllwagens geschreddert werden — oder in irgendeinem Rechenzentrum dieser Welt drückt ein Student mit dicken Augenringen in der Nachtschicht auf „Delete“ und gähnt dabei.

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working class Peter

Ich oute mich gerne als jemand, der in den 1990ern irgendwie ein Fan von Peter Neururer war. Er war so anders, offen, ehrlich, das war sympathisch. Er war ein echter Pottler, das noch dazu, obwohl ich dieses demonstrative „Pottsein“ schon zu jener Zeit eher weniger mochte. Von Fußball hatte ich damals ungefähr so viel Ahnung wie heute, nämlich gar keine. Aber Peter, den musste man irgendwie mögen, mit seinem Schnörres und seiner ehrlichen Schnauze. Allerdings hab ich wohl auch nie so richtig zugehört oder irgendwas hinterfragt, denn anders kann ich mir nicht erklären, wie ich dem König der Dummschwätzer, noch vor Franz Beckenbauer, jemals irgendeine Form von Sympathie entgegen bringen konnte. Vielleicht war das alles nur Unterhaltung, so wie „Wetten, dass …?“, und für irgendeinen der Wettkandidaten musste man sich nun mal entscheiden.

Erst später fiel mir auf, nicht erst seit der vernichtenden Kritik seines Buches im Zebrastreifenblog, dass Peter sich zwar gerne mit großem Wortschatz und viel Vokabular schmückt, er es aber nicht mal schafft, vom Anfang des Satzes bis zu dessen Ende zu denken. Geschweige denn irgendeine Konsequenz, Haltung gar in seine Äußerungen zu bringen.

Den Ruhrpott kann man nicht in’n paar Sätzen beschreiben, den muss man _erleben_. Und wenn man ihn erlebt hat, muss man versuchen, ihn zu leben. Zu leben kann man ihn nur dann, wenn man auf Kohle geboren ist.

So hört man ihn im (ansonsten) sehenswerten FAZ-Special über die Stadt Bochum schwadronieren.

Sehen wir vom falschen „zu“ ab, ist schließlich mündliche Sprache, weiß man immer noch nicht, was Peter Neururer über das Ruhrgebiet sagen will. Und man weiß erst recht nicht, warum man ihn, außer als Zirkuspferd, überhaupt befragt hat.

„Den Ruhrpott kann man nicht […] beschreiben.“

Schade, das wäre ihr Job gewesen in diesem Mini-Interview.

„Man muss ihn erleben.“ Okay, so weit klar, aber dann: „Wenn man ihn erlebt hat, muss man versuchen ihn zu leben.“ Warum muss man das? Was nützt das? Was bringt das an Tiefe? Kann man nicht einfach hier leben und seine Pommes essen?

Ja, kann man, denn alle Versuche, den Ruhrpott „zu leben“, was man laut Peter ja muss, warum auch immer, sind bekanntlich zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht auf Kohle geboren ist.

„… nur dann, wenn man auf Kohle geboren ist.“

Gründe dafür? Gibt es keine. Die ganzen Einwanderer aus Polen – alle nicht auf Kohle geboren. Die heutigen Zuwanderer, die hier studieren – auch nicht auf Kohle geboren.

Es ist natürlich unfair, jemandem ein Drei-Satz-Zitat um die Ohren zu hauen, das könnte bei mir genauso schief laufen. Aber Peter der Große, der Retter des VfL Bochum, schafft es nicht einmal, wenn er explizit dazu gefragt wird, zu benennen, was das Ruhrgebiet für ihn überhaupt bedeutet. Inhalte: Null.

Wahrscheinlich ist genau das das Geheimnis seiner Popularität: Dass er alles und nix sagt, und das sogar im selben Satz. Damit kann man sich leicht identifizieren, weil er natürlich alles sagt und gleichzeitig dessen Gegenteil. Wer also sollte nicht etwas mit ihm anfangen können? Gerade, wenn er Heimatgefühle bedient, ohne je einen Funken eines Inhalts dazu beizusteuern?

Das kann man nicht beschreiben.

Klingt wie die Worte auf einer Webseite einer unterlegenen Mannschaft im Fußball: „Was dann passierte, kann man nicht beschreiben.“ Als wäre Inhalt erfunden worden, um am Geschehen oder Sachverhalten Interessierte Menschen zu langweilen.

Ob er auf seinen Vorredner Bezug nimmt, ist nicht klar, aber sehr viel treffender beschreibt der im FAZ-Special folgende Wölfi Wendland den allgemeinen Zustand des Reviers und nicht zuletzt den von Neururers Wahrnehmungen:

Das Nervige ist, dass hier alles noch viel schlimmer im Ruhrpott ist, als die Klischees das sagen.

q.e.d.

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