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Monat: Oktober 2017

Warum?

Ein einziges Mal spielten wir ein großes Spiel in unserem langweiligen Leben. Ein anderes Mal spielte ich ja auch noch im Niederrheinstadion und ich sag immer noch, das war kein Hand, als ich durch war, auf meiner linken Seite und da hätte ich das 1:0 gemacht ganz klar, ich war durch und natürlich hatte ich im 1-gegen-1 gegen den Torwart immer so meine Probleme, die Nerven, you know. Aber es war mir klar, nee, ich bin durch und ich spiele ihn jetzt einfach aus. Dann kam die Meldung „nee, war Hand“. Von wem auch immer, aber ich wäre durch gewesen an jenem Nachmittag, als unserer Schülerauswahl als Gewinner des Moerser Kreises um die Teilnahme an der Endrunde in West-Berlin spielte. Aber das war mit der Schule, nicht im Verein. Da hatten wir in der Schule eine zusammengewürfelte Mannschaft, aber wenigstens wusste jeder, wie der Spaß funktioniert.

Im Verein, mit dem wir zwei Mal pro Woche trainierten, erreichten wir nie die Nähe von Berlin. Auch nur annähernd. Aber wir gewannen einmal den Kreispokal und durften deshalb in der obergeordneten Runde mitspielen. Und welcher Gegner wurde uns zugelost (also in der Jugend)? Borussia Mönchengladbach.

Wir hatten also ein Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, auf Asche. Das war für uns ein Vorteil, weil wir immer nur auf Asche kickten. Uns war klar, dass uns der Gegner vor allem konditionell völlig überlegen sein würde. Technisch – in diesen Zeiten – nicht unbedingt.

Unser Trainer baute auf das bekannte 4-3-3, wie immer. Weil er auch keine Ahnung hatte, was er sonst hätte aufstellen sollen. Unser kleiner Club gegen die großen Gäste von Borussia Mönchengladbach. Vorher dachten wir natürlich, ein 0:9 wäre ein ehrenwertes Ergebnis. Doch dann lief es anders.

Wir konnten mithalten, die Gladbacher hatten in der 1. Hälfte insgesamt einen Torschuss, naja vielleicht zwei. Aber wir konnten mitspielen. Wir hielten den Ball von unserem Tor fern, kamen sogar selbst in deren Hälfte, in die Hälfte von Borussia Mönchengladbach!

Die erste Hälfte neigte sich dem Ende zu. Wir errangen einen Eckball. Der Eckball kam scharf herein, aber der Torwart flog irgendwie an dem Ball vorbei. Und mir der Ball vor die Füße. Mach ihn rein, mach ihn rein, mach ihn rein, mein Kurzhirn funkte nur noch SOS, das ist jetzt DIE Chance…. ich nahm den Ball an, zwei Gladbacher Verteidiger grätschten auf mich zu, aber … ich konnte den Ball noch schießen. Und schoss ihn: neben das Tor. Aus ungefähr 5 Metern. Das war trotz des Drucks, den man auch im Jugendfußball kennt, einfach zu viel.

Wir hätten 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach geführt, vielleicht wären sie nervös geworden, vielleicht hätten wir Weltmeister werden können. Der Ball fällt mir auf den Fuß, im Fünfmeterraum und ich schieße: neben das Tor.

Kurz danach war Halbzeit und man musste immer so ungefähr 150m gehen, bis man in den Kabinen war. Der Platz in unserem Club war natürlich voll, wann spielt man schon mal gegen Borussias Mönchengladbach? Und wie ich so auf dem Weg zur Kabine laufe, hält mich ein Zuschauer an, nicht aggressiv, sondern eher flehend:

„Warum?“

Ich wusste nicht, was er meinte. Ahnte es aber.

„Warum hast Du den nicht reingemacht?“

Alle Floskeln in Interviews halfen hier nix. Warum hatte ich den nicht reingemacht? Aus 5m, am Ball.

Wie ein Anfänger.

Er war ja kein Reporter, er war ein Fan, er wollte, dass wir gewinnen.

Warum hatte ich den nicht reingemacht, aus 5m am Ball, unter Druck zwar, aber am Ball?

Da schlafe ich heute noch schlecht drüber, welche Antwort sollte ich da geben?

Warum?

Ja, weil ich natürlich den Ball übers Tor schießen wollte.

Warum?

Weil ich unter Druck war, spielerisch gesehen?

Ich weiß es nicht. Aber er auch nicht. Und so steht die Frage bis heute im Raum:

Warum?

Die Führung gegen Borussia Mönchengladbach lag auf meinem Schlappen, und ich habe sie weggegeben. Leichtfertig, am Tor vorbei.

Am Ende verloren wir 0:2, beide Tore in der zweiten Halbzeit, obwohl wir konditionell nicht einbrachen.

Warum?

Ich rätsel aber bis heute auch noch für mich selbst:

Warum?

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Die nicht ganz so schwierige Trainer-Baade-Quiz Ausgabe Oktober 2017

Nach ein wenig Stöbern ließ sich dann doch ein Plugin auftreiben, dass sowohl freie Antworten als auch Multiple Choice sowie sogar eine Bilderrunde bzw. alle Formen von Medien ermöglicht. Hier dann also nach der vor genau einem Jahr gelaufenen Erstausgabe das „Trainer-Baade-Quiz“ auch die zweite Ausgabe im Blog selbst. Gut möglich natürlich, dass nicht alles funktioniert, dann wäre eine Meldung wieder nett. Ansonsten gerne die erreichte Punktzahl in den Kommentaren hinterlassen, statt ein paar Euro in den Hut zu werfen, wäre das sehr willkommen. Allerdings ist hier sogar eine automatische Punkteliste dabei, das Plugin kann wirklich alles, was des Quizmasters Herz begehrt – sofern es denn funktioniert. Aber unbekannt ist, ob nur eh schon – bei Tippspielen – registrierte User da ihren Namen hinterlassen können.

Also, sagen wir so: das ist jetzt hier ein Testlauf und ich wäre über jede Rückmeldung froh, was eventuell nicht funktioniert haben könnte. Ansonsten aber viel Spaß!

Oktober 2017

Lirum larum ipsum.

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Warum heißt der Club „der Club“?

Schon erstaunlich, dass man bereits x Jahrzehnte Fußball in Deutschland verfolgt und trotzdem einige derart offen ins Auge fallende Besonderheiten immer noch nicht geklärt sind. Wie die folgende zum Beispiel.

Man muss ja nicht immer nur Fragen beantworten hier, kann ja auch mal welche in die Runde werfen. Heute kam in einem Zwiegespräch die Frage auf, wieso der 1. FC Nürnberg eigentlich „der Club“ heißt, wenn es doch allerorten Sportvereine gibt, die die Bezeichnung „Club“ im Namen tragen.

Dass das nicht nur eine mit einigem Stolz durch die Fans verwendete Bezeichnung ist, „der Club“, also der einzige, der größte, der Club schlechthin zu sein, zeigt eine Aktion des Vereins, äh, des Clubs aus dem Jahr 2012, welche übrigens auch hier unbemerkt komplett vorüberging, weshalb sie hier auch Erwähnung finden soll. In der Vorbereitung auf die Saison 2012/13 fehlte dem 1. FC Nürnberg noch ein neuer Trikotsponsor. In der Phase, bis ein solcher gefunden wurde, ließ man seine Trikots aber nicht unbeflockt, sondern trat tatsächlich mit dem Schriftzug „Der Club“ auf den Trikots auf die Trainingsplätze. Nachzusehen hier oder hier, kein Fake, ehrlich nicht.

Offenbar bezeichnet sich also „der Club“ wirklich selbst als „der Club“. Doch woher kommt diese Eigenart? Verratet es mir.

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Sehenswerte Doku: 100 Jahre Schalke

Das 100-jährige Jubiläum des FC Schalke 04 ist naturgemäß schon eine Weile her. Das macht diese sehr ausführliche – 120 Minuten! – Dokumentation von Franz Bürgin über diese 100 ersten Jahre Geschichte des FC Schalke 04 aber nicht weniger sehenswert. Wenn ausnahmsweise mal kein Fußball im Fernsehen läuft (wobei man heute natürlich Island gegen den Kosovo die direkte WM-Teilnahme sichern sehen will), ist diese eine spannende wie lehrreiche Alternative.

Viele Zeitzeugenberichte, natürlich von all den Schalker Helden:

  • Ernst Kuzorra
  • Fritz Szepan
  • Willi Koslowski
  • Berni Klodt
  • Günter Siebert
  • Klaus Fichtel
  • Rolf Rüssmann
  • Mike Büskens (auch hier im Podcast)
  • etliche weitere „Eurofighter“

… und viele mehr.

Dazu viele Fotos aus jener Zeit zu den Geschichten, die man meist kennt, aber keine (bewegten) Bilder dazu hat. Und ab den 1930ern dann eben auch bewegte Bilder. Mehr als die Geschichte eines Clubs, sicher auch eine deutsche Geschichte und eine Geschichte des Fußballs. Zudem kann man herrlich entspannt zuhören, bleibt von allem Marktschreierischen – außer bei manchem Spielausschnitt – verschont. Wie es ja selbst in der Geschichte dieser Skandalnudel Schalke 04 immer auch leise Zwischentöne gab …

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Die Unendlichkeit der Möglichkeiten – #f95msv

Das Problem beim Fußball ist seine Unberechenbarkeit, die Unmöglichkeit, seriös vorherzusehen, wie sich ein Spiel entwickeln wird. Was es auch leider zu einer ziemlich diffizilen Angelegenheit macht, eine Partie mit Geschick auszuwählen, mit deren Besuch man jemanden für den Fußball begeistern möchte. Jemanden, für die oder den Fußball bislang ein weißes Blatt ist, ein wenig geprägt von WM-Eindrücken und Schlagzeilen über Ultras oder Gewalt in Bahnhöfen und Zügen. Die oder der sich aber durchaus für den Fußball begeistern lassen wollen würde, keineswegs ginge es in diesem Fall um ein Missionieren, sondern um ein offenbar aufrichtiges Interesse daran, was denn die Faszination dessen ausmacht, anderen dabei zuzusehen, wie sie Sport treiben, anstatt dies selbst zu tun. Anstatt selbst einen Triathlon zu gewinnen oder eine Schachpartie, Aktionen, bei denen man schließlich tatsächlich in persona gewinnt und nicht nur passiver Beobachter ist. Gestern wäre eine solche, für diesen Zweck optimale Gelegenheit gewesen, doch weiß das eben niemand vorher. Chance vergeben, Chance vertan. Was auch in anderer Hinsicht charakteristisch für dieses Spiel war.

Eine exzellente Kulisse aus knapp 42.000 Zuschauern – mehr als der Zuschauerschnitt in der 1. Bundesliga beträgt –, die sich auch noch dadurch auszeichnete, dass eine besondere Rivalität zwischen beiden Parteien gepflegt wird und bedingt durch die räumliche Nähe ein nicht geringes Kontingent an Anhängern des auswärtigen Clubs anwesend war. Diese Rivalität mag man als Außenstehende vielleicht als eher weniger attraktiv empfinden; sie trug aber sicher nicht unwesentlich zum Reiz der anfänglichen Atmosphäre bei. Und doch hätte es nicht eines Jota dieser Rivalität gebraucht, um diese Partie als Einsplusmitsternchen geeignet dafür zu beurteilen, jeden Fußball-Neuling davon zu überzeugen, dass dieses kulturelle Phänomen, zu Tausenden auf seinen Schalensitzen zu hocken und Lieder zu singen, während erwachsene Männer sich um einen Ball streiten, eine Qualität besitzt und Faszination vermittelt, welche sich eben nicht darauf begrenzen, einfach Anhänger einer der beiden Seiten zu sein, geschweige denn sich an der feinen Spielkunst der immerhin einigermaßen besten Fußballspieler des Planeten zu erfreuen. Das kann man auch im Fernsehen und das kann man mittlerweile sogar selbst auf einer Spielkonsole, ohne es tatsächlich zu beherrschen. Doch die Spielkunst an sich ist eben nicht das, was diese Magie ausmacht.

Es ist dieses immer wieder 90 Minuten plus x dauernde Theaterstück, welches an beinahe allen bewohnten Orten des Planeten regelmäßig wieder aufs Neue inszeniert wird, während sein schließlicher Verlauf eben völlig unvorhersehbar ist. Ohne dass irgendjemand tatsächlich aktiv den Plot geschrieben hätte, entwickelt jedes Duell seine eigene Geschichte, und ohne jetzt langweilen zu wollen, weiß jeder Fußballfan, ist dieser in den meisten Fällen genau das: langweilig. Fußball ist langweilig, das hatten wir hier schon öfter auf der Seite, keine neue Erkenntnis, eindrucksvoll aber noch mal bewiesen durch die Freitags- und Samstagsspiele der 1. Bundesliga an diesem Wochenende.

Und bei den diesmal beteiligten Mannschaften war trotz der vielen Gegentore der einen Seite zuletzt nicht unbedingt davon auszugehen, dass man schließlich ein Feuerwerk außerordentlichster Kategorie erleben würde. (Auf dem Rasen wohlgemerkt, Pyro hat genauso wenig mit dem Spiel oder auch nur interessanter Atmosphäre zu tun wie die von Einfältigen gezündeten Böller.) Was sich dann innert dieser 90 Minuten entwickelte, war aber ein Schauspiel Shakespeare’schen Ausmaßes. Vielleicht sogar noch darüber hinaus, wird dort doch vielleicht auch viel gemordet, man zählt aber nicht gleich 46 (!) Abschlüsse in 90 Minuten. Eine Zahl, die mehr als anschaulich einen Eindruck von der Wahnwitzigkeit des Verlaufs dieser Partie vermitteln sollte. Liegt dieser Wert sonst irgendwo bei 5 bis 15 pro Partie, erreichte er hier das Dreifache dessen. Und genauso fühlte es sich auch an: als würde man gleich drei Partien innerhalb von 90 Minuten erleben. Diese Intensität mögen Taktik-Feinschmecker auch als vogelwild oder als eben gerade nicht von Fußballkunst, sondern von der Abwesenheit eines der wichtigsten Elemente im Spiel geprägt interpretieren: jener, sein Tor zu verteidigen.

Doch wenn in den ersten 12 Minuten schon mehr vor beiden Toren passiert als sonst in einem gesamten Fußballspiel und die Partie danach keineswegs – wie es allzu oft der Fall ist – erlahmt, dann war man eben Zeuge eines Spiels, das es in dieser Intensität nur alle paar Wochen mal gibt. Ja, richtig gelesen: alle paar Wochen. Man sollte sie nicht zu sehr überhöhen, schließlich kann eine Partie auch ebenso ein fesselnder Hitchcock-Thriller sein, ohne dass überhaupt je aufs Tor geschossen wird. Doch ist Letzteres der Fall, ist meist großes Gähnen angesagt und man weiß dann, dass man zwar gerne Eintritt zahlte, gerne an diesem Roulette, den ein Besuch eines Fußballspiels immer bedeutet, teilnahm. Leider aber eine der schlechteren der unendlich denkbaren Möglichkeiten des Verlaufs eines Fußballspiels erwischt hat.

Gestern war es eines jener Spiele, wie oben gesagt, die ein Einsplusmitsternchen verdienten, selbst wenn man die etwas eingefärbte Brille des Verfassers abnimmt. Denn wenn ein Spiel derart mit Höhepunkten vollgepfropft ist, dass die Zuschauer, obwohl nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird, völlig besoffen nach 90 Minuten auf der einen Seite erschöpft in ihre Sitze sinken und auf der anderen Seite ausgiebig rheinisches Sangesgut zum Besten geben, dann ist das ein doch so seltenes Ereignis, dass man es wirklich herzlich bedauern muss, nicht gerade zu dieser Partie Fußball-Neulinge mitgenommen zu haben.

Immerhin, jede und jeder Anwesende wird diese Feierstunde des Fußballs für ein paar Stündchen mit in den Alltag genommen haben, mit ins eigene Leben, weil man als rasendes Publikum nicht nur stummer Zeuge eines Stückes dieser methalostonen Ausmaße war, sondern eben auch Teil dessen, wenn auch nicht auf dem Platz. Wären die Vorhersagen darüber nicht so unmöglich, wann sich ein solch brillantes Fußballspiel ereignet, hätte der Fußball sicher noch mehr Freunde, die sich bei ihrem ersten Spiel gleich von solch einem infizieren lassen könnten. Vom nächsten 0:0 im Nebel, mit 2:3 Ecken und ebenso vielen Torschüssen, bei uninspiriertem Dauergesang, lässt sich wohl kaum jemand mitreißen.

Zum Glück aber gibt es diese Sternstunden und wenn sie auch selten sein mögen: so selten wie ein Lottogewinn sind sie nicht. Und so bleibt nach Abpfiff – neben dem Abklemmen des Herzschrittmachers, den man hier eigentlich gebraucht hätte – vor allem eins: dass die möglichen Geschichten, die Spielverläufe erzählen können, weiterhin unendlich bleiben und immer wieder derartige Glanzstücke wie in dieser Partie hervorbringen. Man muss nur das Glück haben, dabei gewesen zu sein, bei so einem Spiel wie #f95msv, das allen vorherigen Partien in dieser Saison zeigte, wie Fußball auch immer wieder sein kann: atemberaubend.

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