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Monat: September 2020

Ewige Tabelle der Bundesliga für NRW

Man könnte glatt eine eigene Liga betreiben nur mit aktuellen und früheren Clubs der Bundesliga aus Nordrhein-Westfalen – genau 18 sind es aktuell an der Zahl. In Kürze wird natürlich der VfB Homberg hinzustoßen, bis dahin bleiben es aber erst einmal 18 Clubs. Diese erreichten dabei die folgenden Kennzahlen in ihren 53 (Borussia Dortmund) bis 1 Saison/s (Preußen Münster, Fortuna Köln) in der Bundesliga.

Club J Spiele S U N Tore +/- P
1. Borussia Dortmund 53 1798 805 460 533 3216:2527 +689 2875
2. Borussia M‘gladbach 52 1772 721 462 589 3012:2561 +451 2625
3. FC Schalke 04 52 1764 634 446 628 2582:2521 +61 2516
4. 1. FC Köln 48 1628 639 413 576 2668:2433 +235 2330
5. Bayer L‘kusen 41 1398 602 379 417 2352:1872 +480 2185
6. VfL Bochum 34 1160 356 306 498 1602:1887 -285 1374
7. MSV Duisburg 28 948 296 259 393 1291:1520 -229 1147
8. Fortuna Düsseldorf 25 854 264 232 358 1245:1518 -273 1024
9. Arminia Bielefeld 16 544 153 139 252 645:883 -283 598
10. KFC Uerdingen 14 476 138 129 209 644:844 -200 543
11. Rot-Weiss Essen 7 238 61 79 98 346:483 -137 262
12. Alemannia Aachen 4 136 43 28 65 186:270 -84 157
13. SG Wattenscheid 09 4 140 34 48 58 186:248 -62 150
14. Rot-Weiß Oberhausen 4 136 36 31 69 182:281 -99 139
15. Wuppertaler SV 3 102 25 27 50 136:200 -64 102
16. SC Paderborn 2 68 11 18 39 68:139 -71 51
17. Fortuna Köln 1 34 8 9 17 46:79 -33 33
18. Preußen Münster 1 30 7 9 14 34:52 -18 30

Stand vor der Saison 2020/21.

2 Kommentare

Gestatten, das dreiundvierziggrößte Stadion Deutschlands — das Rheinpreußenstadion

Wenn nix mehr geht, Stadien gehen immer. Ist das nicht eigentlich ein Job für Stadioncheck? In diesem Ausnahmefalle eher nicht, denn es geht um ein Stadion eines Teams in der Kreisliga A – das dennoch zu den größten in Deutschland zählt.

Manchmal ist es ja so, dass zusammengesetzte Wörter in der Wahrnehmung im Hirn die Bedeutung ihrer einzelnen Teile verlieren. Oder denkt jemand beim Wort „Handschuh“ wirklich explizit an eine Hand und an einen Schuh? So ungefähr geht es mir mit dem Wort „Rheinpreußen“. Da denke ich weder an den Rhein noch an Preußen oder die Region Rheinpreußen (welche mir bis zum Verfassen dieses Textes ohnehin nicht geläufig war), sondern an ein danach benanntes Bergwerk. Höre ich also als in der Nähe Aufgewachsener die Vokabel „Rheinpreußen“, dann hat das für mich nicht mal in leisen Tönen etwas mit Preußen zu tun, sondern eben mit einer Zeche. Und nach dieser Zeche ist das Rheinpreußenstadion im Moerser Stadtteil Meerbeck benannt. Moers, eine der Städte, die immer unter den erfolglosesten Großstädten im Fußball in ganz Deutschland auftaucht. Zu Recht, aber mit einer Ausnahme, zu der wir gleich noch kommen.

Das Rheinpreußenstadion dürfte wohl kaum jemand außerhalb des Fußballkreises der Region ein Begriff sein. Dabei ist es, man höre und staune, das dreiundvierziggrößte Stadion in Deutschland. Im Moment jedenfalls noch, denn es wird bald abgerissen. Es weicht Wohnungen und Begegnungsstätten unter freiem Himmel. Also so etwas, wo sich dann zwei Wochen nach Eröffnung keiner mehr hintraut, weil da nur Suchtkranke rumhängen. Der kommende Abriss war jedenfalls Anlass genug, diesem Stadion einen letzten Besuch abzustatten, nachdem man hier im Hobby-, Jugend- und sogar Schulfußball so manche Schlacht geschlagen hatte. Wenn auch ehrlicherweise meistens auf dem Ascheplatz nebenan, aber immerhin auf der Gesamtanlage „Rheinpreußenstadion“. Dazu eine Anwesenheit bei einem Testspiel des MSV Duisburg auf diesem Rasen gegen einen holländischen Club, bei dem man so nah wie sonst nie am Spielfeldrand stehen durfte und die Anweisungen von Thorsten Wohlert an seine Abwehrkollegen mit eigenen Ohren hören konnte. Klar, in Corona-Zeiten ist das eine Selbstverständlichkeit, war es aber bis dahin nicht und daher durchaus Eindruck hinterlassend.

Hausherr ist der Meerbecker Sportverein Moers 13/20, kurz der MSV Moers. Ja, es gibt wirklich einen MSV Moers, auch, wenn man das damals überhaupt nicht (s. o.) mit dem großen MSV in Verbindung brachte. Vereinsfarben sind offenbar Grün und Weiß – oder Weiß und Grün, da ist man im Fußball ja sehr pingelig.

Mitten in der Hochphase der Corona-Schließung also auf dem Heimweg schnell mal das Tor zum Rheinpreußenstadion aufgestoßen und ein paar Fotos gemacht, bevor diese Ränge und der Rasen diversen Bulldozern und anderem Abrisswerkzeug zum Opfer fallen.

Als dreiundvierziggrößtes Stadion ganz Deutschlands muss es natürlich ein gewisses Fassungsvermögen besitzen und dieses beläuft sich auf 23.000 Zuschauer. 23.000 Zuschauer werden hier aber wohl letztmals nach dem Krieg versammelt gewesen sein. Und ob man da heute noch 23.000 Menschen versammeln dürfte, wäre auch ohne Pandemie ziemlich fraglich bis eher unvorstellbar. Weshalb es etwas wundert, dass es noch mit diesem Fassungsvermögen bei Wikipedia gelistet ist.

Ebenfalls verwunderlich, warum es bei Wikipedia als Stadion ohne Aschenbahn gelistet ist. Noch aschenbahniger als dieses kann kaum ein Stadion sein.

Hier dürfte wohl schon einige Jährchen niemand mehr durchgewischt haben.

Einige Steigungen gilt es im Strafraum des Rheinpreußenstadions zu bewältigen.

Panorama-Sicht mit dem Meerbecker Funkturm und vielen Gänseblümchen.

Das Häuschen für die Heimmannschaft, Aschebahn, Rasenplatz, Funkturm.

In Meerbeck wird Gastfreundschaft offenbar groß geschrieben. Dahinter die komplett zugewucherte Haupttribüne.

Hier das herausragende, sowohl im Wortsinne als auch als solches, Häuschen für den Stadionsprecher. Inzwischen ist die Leiter dort hinauf abgerissen, beim vorigen Besuch konnte man das natürlich innen auch verwaiste Häuschen noch erklimmen – und sogar ein Spiel zweier Hobbymannschaften von dort aus betrachten. Wahrlich ein Kleinod unter den Stadionsprecherhäuschen, mit der original Pepsi-Werbung von geschätzt 1973, die immer noch nicht komplett vergilbt ist.

Und am Ausgang, schließlich heißt man hier nach einer Zeche und befindet sich mitten in einer Zechensiedlung, eine alte Lore, als Erinnerung daran, wieso man selbst oder die Vorfahren überhaupt einst hier hingezogen war. Auch diese hätte allerdings ein Bad nötig. (Und wäre ein Kandidat für thingswithfaces.com.)

Womit wir diese langjährige Heimstätte, als Sportplatz errichtet 1929, des MSV Moers für die Nachwelt erhalten hätten. Wie gesagt, aktuell Rang 43 in ganz Deutschland, hinter dem Stadion am Zoo in Wuppertal (23.067) und noch vor dem Stadion der Freundschaft in Cottbus (22.528).

Zum Club MSV Moers selbst gibt es die Geschichte zu erzählen, dass dieser Ende der 1970er ein echtes Hoch erlebte. Von 1975 bis 1980 spielte man (als RSV Meerbeck*) in der damals dritthöchsten Klasse, die erst Verbandsliga Niederrhein und dann Oberliga Nordrhein hieß. Am Ende der Saison 1976/77 verpasste man als Dritter der Tabelle knapp die Qualifikation zur Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Meister wurden nämlich die Amateure von Fortuna Düsseldorf, weshalb der Zweitplatzierte 1. FC Bocholt sich qualifizierte, auf die den Meerbeckern nach der Zwei-Punkte-Regel drei Punkte fehlten. Wie man ebenfalls Wikipedia entnehmen kann, kamen damals zu Partien gegen Clubs wie Rot-Weiß Oberhausen, den 1. FC Bocholt oder Schwarz-Weiß Essen und den Bonner SC jeweils mehrere Tausend Zuschauer. Aktuell jedoch heißt die Realität Kreisliga A, bevorstehender Abriss des so geschichtsträchtigen altehrwürdigen alten Stadions und eine Zukunft, die über den Stadtteil selbst hinaus wohl niemanden kümmern dürfte.

Der Zuschauerrekord im Rheinpreußenstadion wurde übrigens kurz nach Errichtung der Stehränge mit 25.000 Zuschauern im Jahr 1959 aufgestellt – bei einem Leichtathletik-Länderkampf (!) der Frauen zwischen Deutschland und der ČSSR.

*In einer ersten Version wurde dies hier als „RSV Moers“ erwähnt, korrekt ist aber, dass es zu jener Zeit der RSV Meerbeck war.

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