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Monat: April 2021

500Beine jetzt auch als Buch — „Geplant war Ewigkeit“

Blogger, die schon mal ein Buch raushauen, gibt es viele. Insbesondere die Reihe „111 Gründe, Club XY zu lieben“, hat noch aus fast jedem Vereinsblogger einen Buchautor gemacht. Hier waren es dann die „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“, die einen selbst sich da einreihen ließen.

Aber auch Krimis gibt es vom einen oder anderen Ex-Blogger oder Bloggerin, öfter mal mit Fußballbezug. Nicht zu vergessen die Grandseigneurin des Fußballbloggens mit ihrem Werk.

Und auch so manch andere Bloggerin veröffentlicht schon mal was, was dann die Lesestunden versüßt. Weitere eigentlich für andere Themen bekannte Fußballinteressierte haben auch schon zu ganz anderen Clubs veröffentlicht und dann noch zu wiederum anderen.

Ganz neu aber ist nun endlich der alte 500Beine alias Andreas Glumm („Studio Glumm — locker machen für die Hölle“) in der Reihe der ein Buch-publiziert-Habenden. „Geplant war Ewigkeit“ heißt das Ding und besteht aus den 30 besten Texten aus seinem Blog. Was alleine schon eine Heidenarbeit gewesen sein muss, sich bei der Auswahl auf 30 zu beschränken. Schließlich publiziert der Mann mit den 500 Beinen seit Jahr und vor allem Tag in solcher Qualität, dass er sich zu Recht als einen der beste Literatur-Blogger Deutschlands bezeichnen darf. Was fast schon wieder zu kurz gegriffen ist, so viele gibt es davon schließlich nicht. Und unter ein paar Handvoll einer der Besten zu sein, ist kein allzu großes Kunststück.

Jeder einzelne dieser Texte ist aber ein solches Kunststück, dass man beim Verfolgen seines Blogs nie verstehen konnte, wieso er nicht schon längst etwas veröffentlicht hatte. Der Allerjüngste ist er ja auch nicht mehr. Et wurd‘ Zeit! Und nun bedurfte es wohl eines Arschtritts von außerhalb, damit es endlich klappte.

Er hat ein Buch veröffentlicht: „Geplant war Ewigkeit — Geschichten vom räudigen Leben“. Wer sein Blog kennt, wird es ihm aus den Händen reißen, bei wem das nicht der Fall ist, der sollte schnellstens ein Exemplar erstehen und Glumms außergewöhnliche Art, Geschichten irgendwo zwischen Bowie, Hendrix, Heroin und dem alltäglichen Scheitern so fesselnd und lebendig wie mit trockenem Auge zu erzählen, möglichst rasch kennenlernen.

(Und nein, ich krieg keinen Cent für derartige Werbung, ich bin nur 500Beine-Fanboy. Aber wer wäre das nicht?)

Und wer das Buch nicht kauft, der lese diesen Text mit Fußballbezug von ihm, der er öfter mal bei Union Solingen zu Gast im Stadion war: „Englische Woche“, in der er im Oberleitungsbus – eine bergische Spezialität – zum Duell mit Blau-Weiß Berlin ins Stadion am Hermann-Löns-Weg fährt. Hier nur ein kleiner, unbedeutender Auszug:

„Viertel vor acht, vorm Stadion. Die Flutlichtmasten brüllen ihre Riesige Kronleuchter-Musik, Schlager wehen herüber. Und die Stimme des Stadionsprechers klingt, als habe er Modeschmuck gefressen. Aus Versehen.“

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Doku: Der FC Bayern unter dem Sir hautnah

„Münchner Olympiastadion, 12. Dezember 1992. Bayern München trennt sich nach schwachem Spiel gegen Schalke 04 unentschieden 1:1.“

Vorgetragen mit einer Stimme, als führen die alle gleich mit dem „Boot“ auf den Atlantik hinaus und kämen nie wieder. So beginnt jedenfalls diese Dokumentation über den FC Bayern der frühen 1990er, die über zwei Stunden dauert.

So langsam verkommt das hier zwar zum „TV-Tipp“-Blog. Vielleicht heißt es hier auch bald nicht mehr „Trainer Baade“, sondern „Programmchef Baade“, aber das wären ja ohnehin nur marginale Unterschiede.

Bedenklicher ist, dass es hier zuletzt allzu oft um den FC Bayern geht – und heute schon wieder. Jedenfalls lief mir nach dem Schauen des Viertelfinals Jahn Regensburg – Werder Bremen auf youtube nach dem Ende der Übertragung diese Dokumentation zu.

„11 Freunde müsst ihr sein“, über den FC Bayern hautnah, aus jener Zeit, als dort der „Sir“ Trainer war, also Erich Ribbeck.

Ehrlich gesagt hab ich noch nicht die zwei Stunden Zeit finden können, um mir das zu Gemüte zu führen. Aber das schnelle Durchklicken verspricht doch einiges an Innenansichten, die so manchen Bayern-Fan interessieren dürften. Und so manchen Fan der Bundesliga jener Zeit, als sie noch lebte, vielleicht auch.

Könnte man natürlich auch einfach nur twittern, so ein Video, aber dann geht das ja doch irgendwie unter. Wer diese Doku erstellt hat, ist bislang hier auch noch nicht bekannt. Achso, da ist diese stilisierte „1″ oben links zu sehen. Also eine ARD-Doku? Naja, man wird sehen. Was es bringt und ob es gefällt.

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Der Tor des Monats: die Sportschau

Fußball-Fatigue allerorten, verschärft noch durch die erzwungene Corona-Karenz.

„Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen!“ Die Liebe zu Toren wird nie untergehen. Zu schönen, kuriosen, wuchtigen wie wichtigen, und so erfreut es auch immer noch, dass man weiterhin bei der Sportschau ein „Tor des Monats“ wählt.

Diese Einrichtung wird gerade 50 Jahre alt und ihr Betreiber würdigt diesen Umstand angemessen. So gibt es einen Beitrag von Burkhard Hupe dazu (auch einfach im Web zu hören) in dem ansonsten von Sven Pistor betriebenen Podcast „Einfach Fußball“, welcher eher als echtes Radiostück gelten darf. Viele Stimmen der diversen Torschützen des Monats erklingen, auch jene des Erfinders Klaus Schwarze und da kann man schon mal eine Empfehlung aussprechen.

Außerdem veröffentlichte man auf der Webseite der Sportschau einen natürlich wegen der enthaltenen Tore sicher noch empfehlenswerteren Filmbeitrag zu diesem Jubiläum. „Sicher noch empfehlenswerteren“, weil man es noch nicht beurteilen kann. Denn gleich beim Intro hat die Sportschau sich zum echten Tor gemacht.

Wie breit ist ein Fußballtor?

Richtig, 7,32 Meter.

Hat sich wahrscheinlich bei jedem Fußballfan, der mit dem metrischen System aufgewachsen ist, eingebrannt, weil es so eine seltsam krumme Zahl ist.

Und wie hoch ist ein Fußballtor, liebe Sportschau?

Autsch. Nein, 2,70 Meter ist es nicht hoch.

Es ist 2,44 Meter hoch, weil das Verhältnis 3:8 ist. Ein Tor ist 8 Fuß hoch, also 243,84, gerundet 2,44 Meter. Und 24 Fuß breit, also 7,315 Meter, gerundet 7,32 Meter.

Dass die Sportschau glaubt, ein Fußballtor sei 2,70 Meter hoch, fordert einiges an Fragen heraus.

Steigt der FC Köln deshalb so oft ab, weil man dort tatsächlich Tore mit 2,70 Metern Höhe bereitstellt? (Was natürlich keinen Unterschied machte, wenn beide Kontrahenten gleich häufig aufs Tor schössen, dem ist bei Spielen des FC Köln aber bekanntlich nicht so.)

Schauen sich Redakteure ihre eigenen Beiträge vor Veröffentlichung nicht mehr an?

Und auch wenn Irren menschlich ist und auf einem kleinen, eigentlichen Flüchtigkeitsfehler herumzusurfen, kleingeistig wirkt: Wie wenige Menschen sind an der Produktion eines solchen Beitrags beteiligt, dass dieser absolute „Blunder“ niemandem auffällt?

Nix für ungut, liebe Sportschau, mit Zahlen hat es ja nicht jeder so, aber diese im metrischen System so merkwürdigen Maße kriegt doch eigentlich jeder Fußballfan mit der Muttermilch eingeflößt.

Wie gesagt, nix für ungut, und jetzt wird dann tatsächlich erstmal der Beitrag zu 50 Jahren Tor des Monats zu Ende geschaut – garantiert mit auf 2,44 Meter hohe Gestänge erzielten Toren.

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