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Monat: Mai 2021

Mein Name ist Tannen, Sander Tannen.

In Zeiten, in denen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, „Arena“ getauft wird, tut es besonders gut, mal wieder eine Perle der deutschen Stadienkultur zu entdecken. Die Rede ist in diesem Fall vom Stadion des ruhmreichen ASV Bergedorf 85, bei dem das „ruhmreich“ nicht mal ironisch gemeint ist. Immerhin war er mehrfacher Teilnehmer am DFB-Pokal und glänzte darin sogar mit einigen bemerkenswerten Leistungen.

Bergedorf ist ein Stadtteil von Hamburg. Wenn überhaupt, dann wohl nur wegen dieses Clubs über die Stadtgrenzen und das nähere Umfeld hinaus bekannt. Dieser ASV Bergedorf 85 (inzwischen nach Ausgliederung der Fußballabteilung „FC Bergedorf 85″) hat neben seinen Teilnahmen am DFB-Pokal noch einiges mehr zu bieten. Erstens besitzt er einen Fanclub oder Supporterclub namens „Anhängerclub ASV Bergedorf 85″, der sich dann zu „ACAB“ abkürzt. Ja, richtig gelesen: ACAB.

Außerdem verfügt er über ein Stadion mit diesem außergewöhnlichem Namen wie im Titel des Beitrags zu lesen. Und auch, wenn dieser sich am Ende dann doch leicht herleiten lässt – die Tannen des Ortes Sande, also die Sander Tannen, sind schlicht ein Waldgebiet dort – ist der Name doch äußerst klangvoll zu nennen. Ein Mix aus dem Namen eines Detectives im LA der 70er und eines Kriminalhauptkommissars im Duisburg der 80er.

Letztens sollte das Stadion Sander Tannen zwar abgerissen werden, überlebt aber nun dank intensiver Proteste der dies Betreffenden aber wohl doch weiter und wird lediglich umgebaut.

Beim größten Spiel der Vereinsgeschichte in den Sander Tannen spielte man übrigens in einem Pflichtspiel 1:1 gegen den FC Bayern München. 1:1 allerdings leider nur nach 90 Minuten im DFB-Pokal, in der Verlängerung verlor man dann noch 1:5 mit u.a. 4 Toren von Dieter Hoeneß. Bis zur 90. Minute hatte man aber 1:0 geführt und war nah daran, sich in die Liste von Vestenbergsgreuth, Eppingen oder Geislingen einzureihen.

Nachzusehen hier, mit schönem Platzsturm während (!) des Spiels nach dem Führungstreffer für ASV Bergedorf 85, aber auch mit wieder für ihn urtypischen Dieter-Hoeneß-Toren, während dessen Bruder Uli in diesem Amateurstadion „Sander Tannen“ die Seitenlinie entlang grummelt.

Alle Auftritte im Sander Tannen im DFB-Pokal lesen sich wie folgt:

1975 ASV Bergedorf 85 – SC Fortuna Köln 1:6
1982 ASV Bergedorf 85 – FC Bayern München 1:5 n. V.
1992 ASV Bergedorf 85 – Bayer 04 Leverkusen 1:3
2003 ASV Bergedorf 85 – VfL Wolfsburg 1:6
2008 ASV Bergedorf 85 – MSV Duisburg 1:5

Jedes Mal hat es also immer zu einem Ehrentreffer gegen die Profis gereicht – und das bei fünf Hauptrundenteilnahmen.

Fotos dieses Kleinods samt zugehörigem herzallerliebsten Fanshop gibt’s wie immer beim bestens sortierten Stadioncheck.

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Doku: EM 1996 – „Der Star war die Mannschaft“

In knapp zwei Wochen beginnt die EM. Vorfreude hier: nicht einmal in homöopathischen Dosen vorhanden. Vorfreude in der Öffentlichkeit auch keine festzustellen. Ganz vereinzelt wird ein Schaufenster in Schwarz-Rot-Gold geschmückt, aber wohl auch eher aus Gewohnheit und letztlich Verkaufszwecken statt aus ernsthaft freudiger Erwartung der ersten „paneuropäischen“ EM.

Das war bekanntlich einmal ganz anders und vielleicht hilft die folgende 60-minütige Doku von der EM 1996 ja doch dabei, ein klein wenig Feuer zu entfachen. Zwar einzig aus deutscher Warte erzählt, dabei bot die EM 1996 noch so viel mehr, aber mit vielen Stimmen der Protagonisten, die dieses Video startenswert machen.

Keine Sorge, der direkt zu Beginn erscheinende Sepp Maier hat nur einen ganz kleinen Redeanteil, Matthias Sammer, Stefan Kuntz, Marco Bode und auch Pavel Kuka dafür umso größere. Und neben all den zuvor unbekannten Einblicken – Bierhoff mit Fluppe im Entmüdungsbecken, Stefan Kuntz, von seiner Mutter ermahnt, sich der Queen gegenüber ganz tief zu verbeugen – schafft diese Doku etwas, was man für außerhalb des Ereignishorizonts befindlich gehalten hatte: dass Matthias Sammer halbwegs sympathisch rüberkommt.

Was auch daran liegt, dass er mit Selbstkritik nicht spart. Wer hätte schließlich noch gewusst, mit was für einem Anfängerfehler Sammer den Elfmeter für Italien in der Gruppenphase eingeleitet hatte? Was Sammer dann auch unumwunden zugibt. Dass er im Finale einen Strafstoß auch noch selbst verursachte, war ihm ohnehin schon länger verziehen, weil es keiner war.

Ziemlich genau schon ein Vierteljahrhundert her und in jeglicher Hinsicht eine völlig andere Zeit im Fußball. Sowohl was die Leistungen auf dem Platz angeht, als auch das Teamgefüge sowie vor allem den generellen Stellenwert eines solchen Turniers.

(Entdeckt bei allesausseraas.de.)

Wirklich schön zu sehen. Wenn auch etwas betrüblich, dass damit umso deutlicher wird, dass die kommende EM nicht im Entferntesten mit der damaligen Atmosphäre wird mithalten können, was sogar nur zu Teilen an den geringen bis nicht vorhandenen Zuschauern in den Stadien liegen wird.

Wer das komplette Finale noch einmal nachsehen möchte, wird hier beim Nebenprojekt in-voller-länge.de fündig: Deutschland – Tschechien 1996.

Und wie die Leserinnen und Leser von Trainer-Baade.de das EM-Finale 1996 erlebten, liest man in den Kommentaren zu „Auf dem Vulkan tanzende Biere“.

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