24. Februar 2015
7 Kommentare

21. März: Lesung beim 11mm-Filmfestival in Berlin

Wer die hier gerne kredenzte Lesung auf der Deutschland-Tour 2013 verpasst hat, erhält jetzt eine zusätzlich Chance, die „Drama Queens in kurzen Hosen“ zu hören, wenn auch nur einen Ausschnitt daraus, aber natürlich den besseren.

Am Samstag, den 21. März 2015, gibt es wieder die allseits beliebten „Drama Queens“ zu hören, in Berlin beim 11mm-Filmfestival, deren Organisatoren mich lieblichsterweise dazu einluden, zusammen mit Stefanie Fiebrig für die Gäste des 11mm eine Lesung zu halten. Sie liest aus ihrem Buch „Bring mich zum Rasen“, ich aus meinem Blog.

Der Eintritt ist frei, so wie auch unsere Texte frei übers Spielfeld „Fußball“ mäandern.

Foto: Stefan Krieger

Ab 19.30h wird dieser Mix aus Stimmen, Stories und Stadionatmosphäre im Babylon in Berlin erklingen, jede und jeder ist willkommen, selbst ein Platzsturm, aber bitte erst am Ende der Lesung. Wie immer geht es nicht nur um die Stars des Fußballs, sondern vor allem darum, was der Fußball mit einem als aktiver oder passiver Freund macht. Selbstverständlich kann man hinterher noch, wie man hier sagt: klönen, oder auf Hochdeutsch auch: sich unterhalten. Kaltgetränke inbegriffen.

Am selben Wochenende gibt es einen Tag zuvor, am Freitag, den 20.3., eine neue Ausgabe des Rösslequiz, bei der ich mich sehr freuen würde, wenn ich mich einem der Teams fürs Fußballquizzen anschließen dürfte. Die Teammitglieder kommen dann zum Dank auch auf die Gästeliste für die Lesung am nächsten Tag. Ansonsten ist das 11mm natürlich wegen seines umfangreichen Fußballfilm-Programms für die gesamte Zeit zu empfehlen.

Das Babylon Berlin findet man auf der Rosa-Luxemburg-Straße 30 in Mitte, das Rösslequiz auf der Braunschweiger Straße 51 in Neukölln.

Autogramme vis-à-vis.

24. Februar 2015
8 Kommentare

Platzstürme FTW!

Ron Ulrich twitterte es, ich nehm es nur auf und stell es ins Blog. Weil man das wohl hierzulande nicht kennt, aber gesehen haben sollte. Tony Hibbert vom FC Everton absolvierte 308 Partien für seinen Club, ohne je ein Tor zu erzielen. Dann geschah das:



Platzstürme FTW!

Danke, Ron.

20. Februar 2015
9 Kommentare

Ein Tag in der Turnhalle

Klar, es war kein ganzer Tag, nur ein Abend, aber ein bisschen Liebe zur Alliteration ist hier natürlich verblieben. Für Unwissende: Die Turnhalle ist die Schalker Veltins-Arena, so wird sie jedenfalls gern gedisst, eben weil man das Dach schließen kann.

Ein Angebot, das man nicht abschlagen kann, flatterte ins Haus, nämlich das Schalker CL-Heimspiel gegen Real Madrid im Stadion zu sehen, und das kostenlos. Kann man wirklich nicht ablehnen, selbst wenn man keiner der 1000 Freunde ist, die dort stets zusammenstehen, in der Stadt der 1000 Feuer, von denen an jenem Abend allerdings nur noch ein paar wenige im Abendhimmel loderten. Strukturwandel und so. Apropos Wandel, Wandel auch der Fußballwelt, das gute, alte Parkstadion ist ja schon länger Geschichte und doch war dies mein erstes Spiel in dieser nicht mehr ganz neuen, aber noch frischen Veltins-Arena.

Sitzplatz Südkurve, recht weit oben im ersten Rang, also beste Sicht auf den ausfahrbaren Rasen und die sich darauf tummelnden Akteure. Beste Sicht auch auf die Nordkurve, die den besonderen Anlass des wahrscheinlich letzten CL-Heimspiels in dieser Saison mit einer gebührenden Choreo bzw. Spruchband und Konfetti feierte. Bewegte Bilder davon hat FANartisch gepostet.



Beste Sicht auf die Nordkurve und auch auf die Spieler, von denen einer besonders herausstach, nicht optisch (Real Madrid in grässlichem leuchtenden Pink gedresst), aber qua seiner Stellung selbst bei Real Madrid. Und hätte man dies nicht gewusst, so hätten einem die Schalker Fans schon klargemacht, um wen es geht. Bei jeder Ballberührung ging ein massives Pfeifkonzert auf Cristiano Ronaldo nieder, viele standen extra auf, um ihm einen oder zwei Stinkefinger zu zeigen und die Abneigung, der Hass beinahe, war physisch spürbar, so laut wurde gepfiffen. Tosender Jubel (!) im Stadion, als Ronaldo einmal etwas härter gefoult wird, allein, es nützte nichts.

Hatten die Schalker wenigstens schon mal die ersten 10 Minuten ohne Gegentor überstanden, so blieben sie auch in der folgenden Zeit einigermaßen im Spiel, wobei trotz des Einsatzes von Klaas-Jan Huntelaar, der immer wieder anzeigte, dass er frei bzw. sein kommender Laufweg frei wäre, es im Spiel nach vorne doch recht haperte. Angesichts des aktuellen Gegners wusste man aber nicht zu entscheiden, ob es an mangelnder eigener Durchschlagskraft lag oder an der Stärke der Defensive des Gegners. Diese war aber heute durchaus nicht komplett sattelfest, wie sich in der zweiten Halbzeit noch zeigen sollte.

Allein, es nützte nichts, Ronaldo auszupfeifen, denn kurz nachdem die Schmähungen ihren Dezibel-Höhepunkt erreicht hatten, war er schneller als alle Schalker in der Luft und netzte ins quasi leere Tor ein, weil Wellenreuther etwas weiter hinten die Flanke in Empfang nehmen wollte. Wozu es nicht kam, sondern zur kalten Dusche des Rückstands. Erstaunlicherweise aber keine kalte Dusche für die Stimmung, Sekunden nach dem Tor skandierte die Nordkurve umso lauter, wer hier Heimrecht habe etc. und insgesamt war das alles schon ein sehr würdiger Rahmen für ein CL-Heimspiel.

Kritisieren muss man dann aber doch den mangelnden Mut der Schalker, in der 2. Halbzeit nicht stringenter auf ihre Chancen zum Ausgleich zu spielen. Huntelaar war verletzt ausgewechselt worden, der ihn ersetzende Felix Platte machte seine Sache aber erstaunlich gut. Ebenso erstaunlich, als selten Schalke-Sehender, dass Kevin-Prince Boateng doch noch kein alter Mann ist, der tatsächlich ein wenig ordnende Hand im Vorwärtsspiel sein kann und sogar das eine oder andere nett anzusehende Trickchen mit einstreut.

Für mich ebenfalls äußerst überzeugend: Uchida. Der in der Presse teils die Note 4 bekam, da haben manche wohl ein anderes Spiel gesehen als ich. Die eine oder andere Flanke mehr hätte es durchaus in den Strafraum sein dürfen, statt sich allzu häufig dabei blocken zu lassen, aber wer so viel Alarm gegen Real Madrid in dessen Hälfte macht, dem kann man keine unterdurchschnittliche Leistung attestieren. Oder ist er an anderen Tagen noch deutlich besser? Okay, dann ist der Gegner aber wahrscheinlich auch ein anderer.

Nicht in Champions-League-Form war hingegen der auffällig indisponierte Roman Neustädter. All das, was man eigentlich von jedem Profi erwartet, nämlich Pässe über 10 Meter in 98% der Fälle ans Ziel zu bringen sowie eine gewissen geistige Wachheit über den gesamten Spielverlauf hinweg, ließ er völlig vermissen. Immer wieder seltsam, wie eigentlich fähige Leute in solche Löcher fallen können, wie man sie in anderen Sportarten doch eher selten sieht. Natürlich ist die Präzision mit den Füßen immer eine andere als mit den Händen, aber genau deshalb spielen diese Spieler doch dort in einer Profimannschaft und nicht wir oder der Fan, der letztens meinte, dass er auch nicht schlechter als Ibisevic sei. Was natürlich völliger Quark ist, und doch sieht man dann solch einen Abend wie jenen von Neustädter.

Völlig mit dem falschen Fuß ins Spiel gegangen war auch Max Meyer, der spät eingewechselt wurde. Wie er in seinen Dribblings zwar durchkam, dann aber immer weiter dribbelte und kaum Sinnvolles zusammenstöpselte, erinnerte er in seiner Art, ein Versprechen auf die Zukunft zu sein, an Marko Marin. Der dieses Versprechen auch nie einlöste. Allerdings hat Meyer dafür noch ein wenig mehr Zeit als Marin, und an 20 Minuten gegen Real Madrid sollte man wohl nie einen Spieler messen.

Schalke traf dann zwar noch die Latte, hatte eine weitere Szene im Fünfmeterraum, als eigentlich nur noch jemand den Ball reinstochern hätte müssen, aber es gelang nicht. Stattdessen entschied ein Gewaltschuss von Marcelo fast in den rechten Winkel die Partie, da war die Messe gelesen in der Turnhalle. Sehenswert, wie das Video zeigt, auch wenn man sowas nicht sehen will in einem Heimspiel.



Ob das jetzt deutlich besser war als beim 1:6 unter Jens Keller, vermag ich nicht zu beurteilen. Offensichtlich war aber, dass Real Madrid nicht die Stärke aus jenem Schmach-Spiel mitbrachte und dann hätte man doch ein klein wenig mutiger unterwegs sein dürfen. Hinterher ist man natürlich immer schlauer, und dass man nach 9 Gegentoren in 2 Partien gegen diesen Gegner bevorzugt nicht ins Messer laufen möchte, ist verständlich. Ein Ausscheiden lässt sich aber auf diese Weise nun mal nicht annähernd verhindern.

Was ich ansonsten nicht so gut fand, war, dass die Schalker ihre Fansongs fast alle vom MSV geklaut hatten. Steht auf, wenn ihr Schalker seid und FC Schalke olé und sowas. Unproblematischer als erwartet verliefen übrigens An- und Abreise, zwar in vollgedrängten Straßenbahnen, aber sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg in positiver Fußballstimmung, auch mit eingesprenkselten Madrid-Fans, auch vielen weiblichen, dazwischen. Deren „Support“ hatte sich übrigens das gesamte Spiel über auf ein paar seltene „Madrid! Madrid!“-Rufe beschränkt. Beim ersten Hören dachte ich noch, dass Joel Matip seinen eigenen Fanclub mitgebracht hatte und die Leute würden „Matip! Matip!“ rufen. So wenige waren es jedenfalls und so schwächlich, dass man hätte annehmen können, es sei nur der private Fanclub eines einzelnen Spielers. Schon traurig, diese nicht existente Fankultur bei einem der besten und wohl dem berühmtesten Fußball-Club der Welt. Aber das zu dissen wäre auch nur das harte Brot eines Unterlegenen, der sportlich wenig zu bestellen hatte an diesem Abend. Weshalb es kein Gedisse ist, nur eine Erwähnung. Einmal sind sie dann doch aufgewacht, als Cristiano Ronaldo nach Abpfiff in die Madrid-Kurve lief und sich von den Fans vehement beklatschen ließ. Naja.

Der Herr, auf dessen Einladung ich auf Schalke weilte, schrieb zum Spiel übrigens: „Ein Spiel zum Schönsaufen“. Das ging nun aber nicht, denn an CL-Abenden gibt es kein Bier mit Alkohol in der Arena. Und das in einem Stadion, das nach einer Biermarke heißt …

Alles in allem ein sehr ansehnliches Fußballspiel in stimmungsvoller, äh, Stimmung, bis auf diese gleißende Abneigung gegen Cristiano Ronaldo. Wenn da nur das Problem nicht wäre, dass man immer schon vorher weiß, wer gewinnt und dieses Kribbeln wie vor wenigen Jahren noch einfach fehlt.

Noch mal Herr Wieland dazu:

Die Art des Spiels war die Wahl Schalkes. Schalke bestimmte, dass es ein Spiel mit wenigen Chancen werden würde. So war die Spielanlage. Bezogen darauf gewann Real Madrid vergleichsweise locker.

Leider wahr.

Was das Stadionerlebnis an sich angeht, muss ich sagen, dass mich die Turnhalle in gefülltem Zustand dann doch eher anturnt (no pun intended), als wenn man sie leer betrachtet. Letzteres ist möglich, wenn man das Schalke-Museum besucht, wie einst getan. Dann sieht sie mit den zahllosen Verstrebungen am Dach doch recht kühl aus und nicht so, als wenn man hier Fußballfeste feiern könnte. Gestern war es tatsächlich eines, wenn auch der passende Spielverlauf fehlte. Aber dass irgendwo das ganze Stadion singt, klatscht, etc., das gibt es wohl selten genug im Weltfußball. Schalke ist in Bezug darauf in Deutschland zwar nicht einzigartig, aber sicher ganz oben in Fragen der Fankultur.

Auf dem Rückweg traf ich dann auch gleich noch Mitglieder des Supporterclubs, die aus Duisburg kamen und auch mit dem Zug heimfuhren. Weiteres Fachsimpeln war also gewährleistet und die größte Sorge bestand vornehmlich darin, was wohl mit Huntelaars Verletzung sein würde. Dass man so ein 0:2 zu Hause mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis nimmt, ist ein weiteres unschönes Kapitel der dynamischen Konzentrierung der Spielstärken im Fußball, stark unterschiedlichen Spielstärken, wie gestern gesehen.

Denn so richtig anstrengen musste sich Real Madrid irgendwie nicht. Was durchaus schade war, zum Beispiel Gareth Bale hätte man doch gerne etwas öfter als nur jenes eine Mal sprinten sehen, als er im Nu von der Mittellinie zum Strafraum gerannt war, als hätte er Superkräfte. Die hatte Madrid an dem Tag nicht, aber aufgrund des Gegners wahrscheinlich auch nur nicht zeigen müssen.

Blog-G war übrigens auch vor Ort und hat ein paar Fotos und auch Worte.

19. Februar 2015
4 Kommentare

Murmeltierleben

Buzz Aldrin wurde nicht mehr besonders glücklich in seinem Leben, sagte er jedenfalls selbst, nachdem er auf dem Mond war. Wohl nicht todunglücklich, aber er sei zu jung gewesen, um den Mond zu verarbeiten. Er nannte alles, was danach kam, die „Melancholie der erfüllten Aufgabe“. Und natürlich musste er immer wieder nur über dieses eine Thema sprechen. Es muss ein Fluch sein, nur noch auf ein Thema, eine Handlung in seinem Leben reduziert zu werden.

Wobei dann verwundert, dass so viele der Fußballer, die wichtige Titel erreichten oder auch eine erfolgreiche Gesamtkarriere hinlegten, nie von dieser Melancholie sprechen. Vielleicht empfinden manche sie, ziehen sich zurück, wie Helmut Rahn, wie einige andere, aber äußern sie nicht. Oder ihnen fehlen auch einfach nur die Worte dafür.

Denjenigen, die immer und immer wieder gerne die selben Geschichten erzählen — manche machen gar wie Ente Lippens mit seinem Restaurant, gespickt mit seinen Bonmots, ein Geschäft daraus — die man ständig zu ihren besonderen Taten hört, merkt man zumindest vor der Kamera keine Melancholie oder auch nur Genervtheit an. Nicht vorhanden oder schlicht professionell? Hier stellt man sich das ewigwährende Erzählen des Immerselben, aber vor allem das Fehlen von Aufgaben als die wahre Hölle vor. Weltmeistersein hin oder her, Mann auf dem Mond gewesen sein, hin oder zurück. Ein chinesisches Sprichwort lautet, dass man seinem Feind vor allem eins gönne: dass all seine Wünsche in Erfüllung gehen. Dann lebt man nur noch in der Vergangenheit, streift ziellos durch den immer wieder nächsten Tag, der doch immer nur ein Tag nach dem Erreichten ist.

Horst Eckel ist heute noch nur dieser eine Tag in Bern, Helmut Rahn wird aus bekannten Gründen nicht mehr gefragt, andere schaffen sich neue Aufgaben, wie Uli Hoeneß oder wie Jürgen Klinsmann, andere schaffen wohl die Distanz zu diesem Thema, wie Bodo Illgner oder all jene, welche irgendwelche anderen Berufe ergreifen. Dass aber jemand einmal diese „Melancholie der erfüllten Aufgabe“ erwähnt hätte, ist aus dem Fußballmilieu nicht bekannt, obwohl es deutlich mehr Weltmeister als Männer auf dem Mond gibt.

19. Februar 2015
2 Kommentare

Raus aus dem Ramschladen

Einfache Legenden ehrt man damit, ihre Rückennummer (Besucher von „Drama Queens in kurzen Hosen“ wissen, wovon die Rede ist) nicht mehr zu vergeben. Bei wahren Legenden geht man da zwei Schritte weiter und schafft eine echte Anleihe bei der Ewigkeit.

Im Stadion an der Maine Road wurden sogar [am Ende seiner Karriere] die Pfosten abgerissen und ausgetauscht, da zwischen diesen Pfosten niemand anderes mehr stehen sollte als Trautmann.

17. Februar 2015
6 Kommentare

Franz Beckenbauer ist Michael Jordan

Naja, zumindest als Metapher ist er im hiesigen Sprachgebrauch das, was Michael Jordan in den USA ist. Ein Sprache gewordenes Synonym für eine überragende Ausnahmestellung in einem bestimmten Metier.

Inspiriert von diesem via Bildblog gefundenen Artikel über die Häufigkeit der Formulierung „he/she is the Michael Jordan of …“ in der amerikanischen Presse, hier mal schnell eine kurze Google-Suche mit den Ergebnissen zum „Michael Jordan of German Soccer“, der Lichtgestalt, dem Franz, welcher in Ermangelung von Kreativität der Schreibenden hierzulande als Pendant zu Michael Jordan in den USA herhalten muss.

Leistet jemand in seinem Metier etwas Herausragendes oder ist besonders bekannt, dann ist er laut diverser Autoren was?

Der Franz Beckenbauer desHundesports
Der Franz Beckenbauer desRingens
Der Franz Beckenbauer desHandballs
Der Franz Beckenbauer desOstens
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Baseballs
Der Franz Beckenbauer desTennis
Der Franz Beckenbauer desBBoying
Der Franz Beckenbauer desSchwenkens
Der Franz Beckenbauer desTipp-Kick
Der Franz Beckenbauer desSkateboardfahrens
Der Franz Beckenbauer desnordischen Skisports
Der Franz Beckenbauer desEishockey
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Volleyballs
Der Franz Beckenbauer desTaekwon-Do
Der Franz Beckenbauer desBooking
Der Franz Beckenbauer desGolfsports
Der Franz Beckenbauer desRottstr.-Theaters
Der Franz Beckenbauer desIsolvenzrechts
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Subbuteos
Der Franz Beckenbauer desDrum'n'Bass
Der Franz Beckenbauer desProjekt- und Portfoliomanagements
Der Franz Beckenbauer desJudos
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Schlagers
Der Franz Beckenbauer desMedienexpertengewerbes
Der Franz Beckenbauer desdänischen Radsports
Der Franz Beckenbauer desitalienischen Frauenfußballs
Der Franz Beckenbauer desBiathlons
Der Franz Beckenbauer desInvestmentbankings
Der Franz Beckenbauer desReitsports
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Tourismus
Der Franz Beckenbauer desEurovision Song Contest
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Basketballs
Der Franz Beckenbauer desHaustürwahlkampfs
Der Franz Beckenbauer desJazz
Der Franz Beckenbauer deskanadischen Eishockeys
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Stils
Der Franz Beckenbauer desFaustballs
Der Franz Beckenbauer desKinos
Der Franz Beckenbauer desStar Trek
Der Franz Beckenbauer desWasserballs
Der Franz Beckenbauer desLeipziger Fußballs
Der Franz Beckenbauer destschechischen Eishockeys
Der Franz Beckenbauer desTischfußballs
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Fernsehens
Der Franz Beckenbauer desBadmintonsports
Der Franz Beckenbauer desSchach
Der Franz Beckenbauer desHeilbronner Eishockeys
Der Franz Beckenbauer desFootballs
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Segelsports
Der Franz Beckenbauer desEiskunstlaufs
Der Franz Beckenbauer desTechno
Der Franz Beckenbauer desZimmerer-Handwerks
Der Franz Beckenbauer desCricket-Sports
Der Franz Beckenbauer desKrieges
Der Franz Beckenbauer desMicrogolf
Der Franz Beckenbauer desdeutschen Polosports
Der Franz Beckenbauer desMotorsports
Der Franz Beckenbauer desSchützenvereins
Der Franz Beckenbauer desKarate
Der Franz Beckenbauer desBobsports
Der Franz Beckenbauer desBehindertensports
Der Franz Beckenbauer desTurnsports
Der Franz Beckenbauer desTanzsports
Der Franz Beckenbauer desRollstuhlbasketballs
Der Franz Beckenbauer des21. Jahrhunderts
Der Franz Beckenbauer derSchweiz
Der Franz Beckenbauer derdeutschen Journalisten
Der Franz Beckenbauer derDoku-Soaps
Der Franz Beckenbauer derdeutschen Startup-Szene
Der Franz Beckenbauer derFormel 1
Der Franz Beckenbauer derPolitik
Der Franz Beckenbauer derNeuzeit
Der Franz Beckenbauer derBoudoirfotografie
Der Franz Beckenbauer derCloud
Der Franz Beckenbauer derLüfte
Der Franz Beckenbauer derDamen
Der Franz Beckenbauer derSegelszene
Der Franz Beckenbauer derSUPERillu
Der Franz Beckenbauer derTürkei
Der Franz Beckenbauer derFriseur-Innung
Der Franz Beckenbauer derPferde
Der Franz Beckenbauer derSchausteller
Der Franz Beckenbauer derFrankfurter Gastronomie-Szene
Der Franz Beckenbauer derBlasmusik
Der Franz Beckenbauer derUkraine
Der Franz Beckenbauer derinternationalen Weintesterszene
Der Franz Beckenbauer derBranche
Der Franz Beckenbauer deramerikanischen Superhelden-Comics
Der Franz Beckenbauer derAlpenrepublik
Der Franz Beckenbauer derLeichtathletik
Der Franz Beckenbauer derReformpädagogen
Der Franz Beckenbauer derUSA
Der Franz Beckenbauer derTurbo-Vierzylinder
Der Franz Beckenbauer derLiteraturkritik
Der Franz Beckenbauer derDDR
Der Franz Beckenbauer derFeuerwehr
Der Franz Beckenbauer derThriller-Autoren
Der Franz Beckenbauer derSzene
Der Franz Beckenbauer derkleinen Leute
Der Franz Beckenbauer derDJs
Der Franz Beckenbauer derinternationalen Photoszene
Der Franz Beckenbauer derCSU
Der Franz Beckenbauer derWiener Austria
Der Franz Beckenbauer derLandingpage-Optimierung
Der Franz Beckenbauer derMusik
Der Franz Beckenbauer derLions
Der Franz Beckenbauer derAutoindustrie
Der Franz Beckenbauer derdeutschen Graffiti-Szene
Der Franz Beckenbauer der1930er Jahre
Der Franz Beckenbauer derKirche
Der Franz Beckenbauer derRassetauben
Der Franz Beckenbauer derStadionsprecher
Der Franz Beckenbauer derHeimschule
Der Franz Beckenbauer derWeststadt
Der Franz Beckenbauer derLinken
Der Franz Beckenbauer derVerbandsliga
Der Franz Beckenbauer derneuen Generation
Der Franz Beckenbauer derRegelkunde
Der Franz Beckenbauer derSprache
Der Franz Beckenbauer dersächsischen Biotechnologie
Der Franz Beckenbauer der2. Liga
Der Franz Beckenbauer derSchaubühne
Der Franz Beckenbauer derPhilharmoniker
Der Franz Beckenbauer derdeutschen Urologie

Erstaunlich wenige Beispiele übrigens, bedenkt man, dass für „Michael Jordan of …“ 6.000 verschiedene Beispiele gefunden wurden.

Einige Perlen sind natürlich dabei, insbesondere der „Franz Beckenbauer der Reformpädagogen“ gefällt, ist Franz Beckenbauer doch nach allem was man weiß das Gegenteil eines geschickten Pädagogen und erst recht eines Reformpädagogen.

Zweites Highlight ist der „Franz Beckenbauer der Landingpage-Optimierung“, wobei man hier nicht auf des Kaisers Technikferne verweisen muss, selbst wenn er der Michael Jordan of Internetnutzung wäre, böte diese Zusammenstellung einen schönen Kontrast.

Ebenso schick sind der „Franz Beckenbauer des Insolvenzrechts“, das in einer Liga mit dem „Franz Beckenbauer des Projekt- und Portfoliomanagements“ spielt. Ganz vorne platziert auch der „Franz Beckenbauer der Boudoirfotografie“. Gefolgt vom „Franz Beckenbauer der deutschen Urologie“ und dem „Franz Beckenbauer der sächsischen Biotechnologie“. Weitere Perlen sind natürlich enthalten.

Mein Favorit: „der Franz Beckenbauer des Haustürwahlkampfs“.

Unklar bleibt allerdings, welchen Aspekt der Lichtgestalt die Autoren jeweils meinen, wenn sie eine andere Größe mit dem Franz vergleichen. Die Höflichkeit schweigt diesmal, welche das denn wohl sein könnten; müßig ohnehin, zu erwähnen, dass da wo Licht ist, immer auch Schatten sein muss.

11. Februar 2015
Keine Kommentare

Umfrage: Bundesliga-TV-Fußballkonsum

Normalerweise müsste diese Umfrage natürlich direkt hier im Blog stattfinden. War aber eine spontane Aktion und so begann sie dann eben doch bei Twitter und einem dortigen Dienst. Abstimmen kann man auch ohne Twitter-Teilnehmer zu sein.

Die Frage erläutert sich dort selbst. Natürlich schaut man mal mehr und mal weniger Spiele live, also bitte einfach für die Zahl entscheiden, die am besten den durchschnittlichen eigenen Konsum abbildet.

Bitte hier entlang.

Diskutiert wird dann später. Oder auch gerne jetzt.

30. Januar 2015
6 Kommentare

Reviersport-Talk: Sportjournalismus am Scheideweg?



„Marionetten von PR-Strategien — Sportjournalismus am Scheideweg?“, fragte Reviersport gestern fünf Gäste aus Fußball und Medien. Vom Fachmagazin „Sponsors“ war Philipp Klotz angereist, von Vereinsseiten Sascha Fligge, Pressechef bei Borussia Dortmund, und Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Für „die Medien“ sprachen Ulli Potofski, sky-Kommentator und -Moderator und einst bei „Anpfiff“ für eine kleine Medienrevolution im Fußball zuständig, sowie der ehemalige Sportchef der WAZ, Hans-Josef Justen.

Diskussionsszenerie bot Halle 2 der Zeche Zollverein, natürlich stilecht mit Verköstigung in Form von — und ich war noch nie auf einer Veranstaltung im Fußball-Bereich, obwohl ich da inzwischen auch einige auf dem Buckel habe, auf der es sie nicht gegeben hätte — Currywurst. Als Moderator der Runde fungierte Ralf Bosse, hier und dort im Hörfunk und bei weiteren Medien im Einsatz.

Steht der Sportjournalismus nun am Scheideweg?

Ja, lautete der relativ einhellige Tenor, aber das eben nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal. Zudem nicht der Sportjournalismus alleine, auch wenn für diesen besondere Regeln gälten, sondern der gesamte Journalismus am Scheideweg stände.

Die Perspektiven der einzelnen Diskutanten bildeten dann auch ganz gut die Interessen aller in diesem Prozess Beteiligten ab.

Zunächst erfolgte Justens — bei 10 WM und weiteren Großturnieren im Einsatz — obligatorischer Blick in die Vergangenheit in seine Tätigkeit als Sportjournalist. Damals mit Schreibmaschine tätig und bei Übermittlung von Texten per Telefon. Ein schön kredenztes Anekdötchen war jenes, wie er früher als Journalist selbst bei Schalke unter Ivica Horvath und auch bei anderen Clubs einfach so mittrainieren durfte. Oder sich einst einen Wettlauf um ein Klubhaus herum mit dem älteren Sepp Herberger lieferte. Heute beides natürlich undenkbar, nicht in erster Linie, weil Sepp Herberger verstorben ist. Eine Einleitung, welche die rasante Entwicklung des Sportjournalismus in den letzten zwei Jahrzehnten aber in ein rechtes Licht tauchte, zumindest, wenn man sich der Veränderungsgeschwindigkeit gewahr werden wollte.

Was aber nicht der Kern der Diskussion sein sollte. Justen schnitt auch das Thema des Vertrauens an, welches die Journalisten damals gegenüber den Profis und Trainern besaßen und welches umgekehrt genauso existierte.

Ob das heute noch der Fall ist? Überhaupt sein kann?

Skizziert wurde von allen Beteiligten eine „Medien-Explosion“, eine Vervielfachung des Interesses. Selbst bei Länderspielen hatten früher höchstens 5-8 Journalisten vorher dem Training beigewohnt und gerade die heutige Nationalmannschaft mit ihrem völlig ausufernden Medieninteresse sei Paradebeispiel für die extreme Veränderung bei gleichzeitigem Qualitätsverlust.

Und weil die weitere Diskussion schwer abzubilden ist, wenn man die durchaus ja willkommenen Themensprünge nicht mitvollziehen will, seien hier die entscheidenden Diskussionspunkte auch anhand dieser nachvollzogen:

Medienschulung der Spieler

Ob überhaupt eine Medienschulung der Spieler stattfindet, dazu äußerte sich Max Eberl recht kryptisch. In den Jugendjahrgängen werde durchaus versucht, vor der Kamera Situationen zu simulieren, mit gestandenen Spielern wie zum Beispiel Max Kruse, die neu zum Verein wechseln, werde derlei aber nicht mehr betrieben. Die spätere Publikumsfrage bezüglich der Weichgespültheit der heutigen Aussagen von Spielern im Vergleich zu jenen von Typen wie Mario Basler et al bestätigte der relevante Teil der Aussagenden damit, dass eben heutzutage jedes Wort im Munde umgedreht werde. Max Eberl selbst bestätigte das mit dem Beispiel, dass er auf die Frage: „Was halten Sie von Lars Stindl?“ eben nicht normal antworten könne. Sage er, dass er diesen nicht kenne, würde ihm vorgeworfen, dass er sich nicht auskenne. Antworte er hingegen, dass dieser ein guter Spieler sei, würde automatisch behauptet, dass Borussia Mönchengladbach Interesse an Stindl besitze.

Boulevardisierung auch der seriösen Medien

Allgemein wurde eine Boulevardisierung der einst seriösen Medien beklagt. Erstere würden immer mehr den Takt vorgeben, gerade online müssten letztere dann mitziehen. (Ob das so ist, sei an dieser Stelle arg bezweifelt, wurde es aber nicht vor Ort.) Wie überhaupt die gesamte Berichterstattung stetig boulevardisierter werde, was eigentlich dem Interesse von seriösen Medien zuwiderlaufen müsste. Gerade dort wolle der Leser/Zuhörer sich darauf verlassen können, dass die Informationen stimmen, was zusehends seltener würde, weil die seriösen Medien in Richtung Klicks und Themenwahl bei den anderen mitschwämmen.

Autorisierung von Interviews, Verfügbar- und Erreichbarkeit der Spieler

Anders als das Klischee besage, würden kaum Interviews wirklich verändert. Sascha Fligge vom BVB brachte an, dass er meist gerade mal ein Komma ändere, wenn er ein Interview vom Kicker gegenlese. Was leider deshalb wenig Aussagekraft hat, weil gerade die Fragen vom Kicker ohnehin stets extrem freundlich und weichgespült sind. Es sei aber bei Weitem nicht so, behaupteten die Vereins-Vertreter, dass man keine Spieler mehr für Interviews erreiche und ebenso auch nicht so, dass es eine generelle Agenda gebe, was gesagt werden dürfe und was nicht.

Zugriff durchs Pay-TV vs Zugriff von Printmedien

Potofski stellte klar, dass, wer die Musik bezahle, auch bestimme, welche gespielt würde. Dementsprechend kämen die Spieler vertragsgemäß zuerst zu sky zu den Interviews. Er sieht darin aber kein großes Problem, weil die Spieler in der Mixed Zone später auch den anderen Medien zur Verfügung stünden. Dass diese Ansicht nicht alle Medien teilen, kam hier mangels Printmedien-Fraktion leider deutlich zu kurz.

Konflikte, selten genug, aber Teil der Show

Als zwei Themen, bei denen es tatsächlich mal in der Vergangenheit zu Konflikten (und gestern zu ein wenig mehr Leben als bei den anderen Themen auf der Bühne) kam, wurden die folgenden beiden Beispiele herangezogen:

Als das Reus-Führerschein-Thema aktuell war, wurde der Spieler von sky in einer Sendung komplett durch den Kakao gezogen. Im Nachzug entschied der Spieler dann selbst, seine Interviews lieber an die ARD zu geben als zu sky zu gehen. Potofski gab in diesem Gesprächsteil zu, dass man vielleicht etwas übertrieben habe.

Ob Ekki Häuser bei Gladbach unbeliebt sei, nicht erwünscht, weil er einst mit Favre aneinandergeraten sei? Nein, man habe auch von Seiten Borussia Mönchengladbachs nichts gegen kritische Nachfragen und das gehöre zum Job dazu. Man lehne keine Journalisten rundweg ab, so lange sie nicht so verfahren wie einst eine Zeitung in der Auseinandersetzung mit Hans Meyer, welcher aber ohnehin mehr als ausreichend rhetorisch in der Lage war, sich selbst zu verteidigen.

Gleichwohl wurde deutlich, dass man eine gewisse Form der Auseinandersetzung, der Meinungsverschiedenheiten als ein den Zirkus befeuerndes Element durchaus beiderseits goutiere.



Weitere Punkte, die Erwähnung fanden, in Folge nur stichpunktartig erwähnt:

  • Potofski habe die Revolution bei „Anpiff“ übrigens nur übernommen, weil die anderen Journalisten von ARD und ZDF nicht wechseln wollten. Sagte er gestern.
  • Gerüchte würden zunehmend ungeprüft übernommen, es habe eine Medien-Explosion stattgefunden. Gleichwohl wolle man ja, dass berichtet werde. Wechselgerüchte würden aber von Vereinsseite quasi gar nicht mehr kommentiert, weil man dann 10h am Tag nur über alle diskutierten Namen sprechen müsse.
  • Max Eberl sei selbst froh darüber, wenn tiefgründiger berichtet wird, gebe deshalb jenen Journalisten, welche es interessiert, von denen er wisse, dass sie Hintergründe ausführlicher darlegen, immer gerne fundiertere Informationen.
  • Sascha Fligge berichtete von einem Fall, in dem ein Journalist freimütig zugab, irgendein Wechselgerücht schlicht erfunden zu haben. Da seien auch ihm die Hände gebunden, aber das führe dazu, s. o., dass man das nicht mehr kommentiere.
  • Illustration der Medienexplosion: Neue Probleme bei Trainingslagern seien, dass noch vor 10 Jahren 6-7 Journalisten mitreisten, heute seien es beispielsweise beim BVB im aktuellen Trainingslager 72 aus der ganzen Welt gewesen, auch ohne dass man die Journalisten kenne, aus Japan, Italien, USA. Wenn dann jeder harsche Satz von einem Trainer sofort durch die Medien gehe, Stichwort Twitter, führe das eben dazu, dass man mal auf hinteren Trainingsplätzen trainiere, zu denen die Journalisten keinen Zugang haben.

Fazit: PR-Marionetten seien die Journalisten nicht, nein, aber am Scheideweg sei der Fußball und der dazugehörige Journalismus nicht erst seit heute. Die Veränderungen fänden immer schneller statt und auch immer unvorhersehbarer. Vor 10 Jahren hätte niemand geahnt, welche Wirkung Smartphones und das Internet generell auf den Journalismus haben könnten. Die Frage der Autorisierung, der Verfügbarkeit von Spielern für Interviews sowie deren Weichwaschung, werde aber allgemein überschätzt, da es dort kaum Begrenzungen gebe.

Inwieweit das tatsächlich so zutrifft, können wohl nur Journalisten beantworten.

Update: Den gesamten Talk hat Veranstalter Reviersport jetzt online gestellt:



Dank an artus69 für den Hinweis aufs Video.

25. Januar 2015
6 Kommentare

„Mein Sommer in der Wagenburg“ — Ein WM-Rückblick von @Peter_Ahrens

Es ist mal wieder der seltene Moment eines Gastautors hier im Blog gekommen. Die Redaktion von „Trainer Baade“ freut sich besonders, ihren Lesern einen exklusiven WM-Rückblick von Peter Ahrens präsentieren zu dürfen, welcher die DFB-Elf als Journalist durch die Weltmeisterschaft in Brasilien begleitete. Gebeten um seinen ganz persönlichen Rückblick gibt es nun genau diesen hier zu genießen:

Warum jetzt noch dran erinnern? Weil es Winter ist, weil im Moment so wenig aktueller Fußball gespielt wird, weil Deutschland vermutlich so schnell nicht mehr Weltmeister wird. Es gibt Gründe genug, noch einmal die Uhr ein halbes Jahr zurückzudrehen in den Sommer 2014, als Deutschland in Brasilien Weltmeister wurde. Ich war dabei, fast jedenfalls.

Die Deutungshoheit, die der DFB und im besonderen Oliver Bierhoff via Kinofilm über die Ereignisse des Vorjahres zu haben trachtet, erzählt ungefähr folgendes. Die Erfolgsgeschichte der deutschen Nationalmannschaft, sie beginnt bereits im Mai in Südtirol — bei jener Vorbereitungswoche im Passeiertal, die damals von fast allen Beobachtern als zumindest unglücklich wahrgenommen wurde, man könnte sie auch misslungen nennen.

Beim DFB hat man das sehr anders wahrgenommen, die Mannschaft, der Trainerstab, das Management, sie sprechen unisono davon, wie sehr man in dieser Woche zusammengerückt sei, der gemeinsame Saunagang, Thomas Müller im Dirndl — das trug wohl zum Teambuilding bei, aber die Negativpresse möglicherweise genauso.

Der DFB als Wagenburg gegen das Böse von draußen, ein Bild, das nicht ganz unpassend ist, so erklärt sich teilweise auch dieser hochgejazzte Campo-Bahia-Spirit in Porto Seguro. Wir sind wir, wir sind die DFB-Familie, da können die Anderen erzählen, was sie wollen. Diese Haltung ist mir bei der Nationalmannschaft schon häufig begegnet, nirgends war sie so ausgeprägt wie 2014.

Dass es die Mannschaft nicht besonders durchgeschüttelt hat, dass bei einer überflüssigen PR-Aktion von Sponsor Mercedes zwei Menschen schwer verletzt wurden, spricht für die Stabilität des Teams, kann man sagen. Ich fand das allerdings eher befremdlich, es hatte den Eindruck von Kollateralschaden – bloß nicht vom großen Ziel abbringen lassen.

Joachim Löw spricht gerne davon, im Tunnel zu sein vor wichtigen Spielen, und so kamen mir die Spieler, das gesamte Team vor. Ein Tunnel, lustig dekoriert zwar, an den Tunnelwänden Selfies über Selfies, beschallt mit cooler Musik, aber emotional keine seitlichen Abbieger zulassend. Ab in eine Richtung, da hakt man selbst die Verletzung von Marco Reus kurz vor dem Abflug ab. Am Abend, als Reus sich verletzt hat, war ich komplett überzeugt, dass Deutschland damit seine Titelchance eingebüßt hat. Der beste Spieler des Jahres nicht dabei – wie sollte das denn in Brasilien funktionieren? Ich bilde mir ein, viele haben so gedacht, auch die Mehrzahl der Kollegen.

Vor dem Portugalspiel habe ich wenige Kollegen gesprochen, die sich getraut hätten, Deutschland als Weltmeister zu tippen. Es hat vermutlich eine Halbzeit gedauert, das zu ändern. Die erste Hälfte von Salvador gegen Portugal, und danach herrschte im Medienzentrum überbordende Zuversicht. Dass bei dieser Partie dem Löw-Team alles in die Karten spielte — angefangen vom angeschlagen spielenden Cristiano Ronaldo, jeder konnte das sehen, über den frühen Elfmeter bis zum Ausraster von Pepe, der das Spiel nach 30 Minuten entschieden hatte — haben interessanterweise die Spieler am ehesten betont.

Die Fans, die man in Brasilien traf, die waren danach schon siegesbesoffen. So sehr, dass Einzelne von ihnen am Abend in der Altstadt von Salvador randalierten — übrigens der einzige Gewaltausbruch, den ich in den vier Wochen mitbekommen habe. In einem Land, das angeblich so von Gewalt geprägt sei. Wie ich übrigens auch von der Opposition gegen die WM nur noch wenig wahrnahm, als das Turnier lief. Wie es oft so ist. In Porto Alegre, dem auch klimatisch europäischsten Spielort der WM — dort hingen noch mehrere Plakate in den Fenstern: „This is not my tournament.“ — ansonsten herrschte, so mein Eindruck eines Besuchers, schon überwiegend Freude bis hin zur Begeisterung im Land, vor allem viel Fach- und Sachverstand. Es müssen ja gern die Taxifahrer herhalten, wenn man die Expertise eines Volkes zu Politik, Wirtschaft oder Sport messbar machen möchte. In Brasilien waren die Taxifahrer in jedem Fall Experten: Am ersten Abend in Salvador, jener schönen, geheimnisvollen Stadt, wurde mir auf der Taxifahrt vom Stadion zum Hotel gleich deutlich gemacht, dass Brasilien auf keinen Fall den Titel holen würde. In Frage kämen nur Deutschland, Argentinien oder die Niederlande – die am Ende die ersten drei Plätze belegten.

Wobei die Deutschen in den kommenden Partien nicht unbedingt alles dafür taten, diesen Eindruck zu bestärken. Ich habe keine Ahnung, wie das In Europa rezipiert wurde — man liest in diesen WM-Wochen viel weniger Zeitung als sonst, man ist im Arbeitsmodus, ich habe echt wenig mitbekommen — aber die Spiele gegen Ghana, die USA und Algerien haben bei vielen im Pressetross und bei mir auch wenig Zuversicht geweckt. Im Nachhinein vergisst man das manchmal, doch das DFB-Team hat sich durch diese drei Spiele geschleppt, da war kein Glanz, da war ein Muskelfaserriss gegen Algerien zur rechten Zeit und Verlass auf die Offensivkräfte. Die erste Halbzeit gegen Algerien war dennoch das Schlechteste, was ich von einer DFB-Elf seit Jahren gesehen hatte.

Mit dem Viertelfinale erst hat sich dieses Blatt gedreht. Kritisch nachgefragt wurde dennoch von uns allen nur wenig — aber vor allem deswegen, weil das kaum möglich war. Am Tag nach den Spielen gab es keine Pressekonferenzen, was ich als Unding empfunden habe, danach ging schon wieder der Fokus auf die nächste Partie los — zum Nachhaken war wenig Gelegenheit. Die Abgeschiedenheit des Campo führte zudem dazu, dass bei den Pressekonferenzen kaum internationale Kollegen auftauchten und auch manche deutsche Journalisten den täglichen mühsamen Anreiseweg via Fähre nicht immer mitmachen wollten. Der DFB wird darüber nicht todunglücklich gewesen sein.

Skeptisch bin ich geblieben, vor dem Viertelfinale, die Franzosen erschienen mir zu stark — und sie verloren. Vor dem Halbfinale, die Brasilianer hatten sich von Spiel zu Spiel gesteigert — und sie wurden vernichtet. Vor dem Finale, ich hatte Messi immer auf der Rechnung gehabt — und auch da habe ich mich geirrt. Wobei ich dabei bleibe, das dieser Finalsieg extrem glücklich ausgefallen ist. Ich hab ihn übrigens von Deutschland aus verfolgt, ich bin am Tag vor dem Endspiel heimgeflogen, das hatte private Gründe — und so war das Finale das einzige Spiel, das ich ohne Stress, ohne Einzelkritiken schon während des Spiels zu schreiben, beim Bier angucken konnte. Das war fast mein persönliches WM-Highlight.

Es waren beeindruckende vier Wochen, in jedem Fall. In Deutschland haben mir anschließend Leute mehrfach gesagt, das müsse doch mit die tollste Zeit meines Lebens gewesen sein. Da muss ich allerdings ganz klar sagen: Nein. WM-Berichterstattung, egal ob sie in Brasilien stattfindet oder in Südafrika oder in der Wüste — das ist nun mal kein Urlaub, ich war in den vier Wochen Brasilien grob geschätzt zweimal am Strand, ich war nicht an der Christus-Statue von Rio, ich war aber viel in den durchgekühlten Medienzentren vorm McDonalds-Buffet, und über brasilianische Flughafen-Foyers kann ich jetzt einen kleinen Flyer fertigen. Das hört sich jetzt vielleicht jammeriger an, als es sein soll. Es ist und bleibt ein gewaltiges Privileg, diesen Job zu haben, aber er ist auch in Brasilien vor allem Arbeit. Zugegeben, eine schöne Arbeit.

22. Januar 2015
3 Kommentare

„Spott im Internet“

„Spott im Internet“ gebe es, schreiben alteingesessene Medien gerne, wenn sie über ein aktuelles Thema berichten. Spott gebe es im Internet zu diesem Thema. Aha, welch Nachrichtenwert. Inzwischen sind die Reaktionen des Publikums auf bestimmte Ereignisse schon oft genauso wichtig wie das Ereignis selbst. Aber wen interessiert noch eine Pointe und noch ein flacher Gag zu irgend einem Thema, wenn er eine Einordnung, eine Analyse, oder wenigstens die Hintergründe dieses Ereignisses erfahren möchte?

Hat man auch über Tschernobyl berichtet, indem man Menschen in Gießen oder Saarbrücken fragte, was sie zu diesem Thema twittern würden?

Simulation von Berichterstattung, das gute alte „Tweets vorlesen“. Wie man früher halt in der Fußgängerzone ahnungslose Idioten zu einem Thema interviewte, welchen Mehrwert auch immer das haben sollte. „Spott im Internet“, soso, hat’s ja noch zu keinem Thema bislang gegeben. Der Job der Bericherstattenden ist doch genau das: sich über dieses Rumgesülze, das die Medien heute ermöglichen, hinwegzubegeben und mehr Inhalte zu bewirken als platte Stammtischwitze zu rezitieren. Irgendwann wird das auch diesen Medien noch auffallen, dass ihre Aufgabe ist, zu erklären, zu analysieren und zu berichten. Falls nicht, sollte man auch nicht mehr dafür bezahlen müssen. Für Tweets vorlesen? Ich bin selbst bei Twitter.

Verkruxterweise ist dieser Text aber nur auch wieder eine Form von Spott im Internet, wenn auch mit keinem konkreten Anlass, nur mit „den Medien“ als Ziel. Der Nachrichtenwert dieses Textes ist also ebenfalls gleich Null, denn den, haben wir gerade einekatzebeisstischindenschwanzfressenderweise gelernt, gibt es im Internet schließlich über jedes Thema. Also, im Internet nix Neues. Weiterschlafen.

18. Januar 2015
4 Kommentare

Das erste Mal im Stadion

Eigentlich dachte ich, ich hätte das schon längst aufgeschrieben. Im Zuge der „Blogparade“ von elfgegenelf (mit weiteren Texten dort) fiel mir aber auf, dass das nicht der Fall ist. Deshalb hier gerne mein Beitrag zu dieser Blogparade, „Das erste Mal im Stadion“.

Es war der 24. Oktober 1986, zu jener Zeit waren gerade Austauschschüler aus England an unserer Schule. Die Mutter meines besten Freundes dachte, nicht ganz dumm, dass so etwas wie Fußball gucken vielleicht eine bessere Aktivität wäre als ins Theater oder ins Kino zu gehen, weil man dafür kein Deutsch verstehen muss, was Engländer ohnehin selten tun, aber zufällig zusammengewürfelte Schüler aus England dann schon mal gar nicht. Also packte sie ihren Sohn, dessen Austauschschüler und aus welchen Gründen, weiß ich nicht mehr, auch mich in ihren VW Jetta und düste die unglaublich weite Strecke (etwa 20km) bis nach Uerdingen über die Autobahn. Das war vor allem deshalb gut, weil ich aus einer fußballfernen Familie stammend — meine Eltern schauten sich zwar manchmal Spiele von mir an, aber rein aus dem Umstand heraus, dass sie ja ohnehin dort waren, um mich dorthin zu bringen, nicht, weil sie das Spiel interessiert hätte — sonst wohl noch Jahre hätte warten müssen, bis ich das erste Mal in ein Stadion gekommen wäre.

Herbst also und dann noch ein Spiel unter der Woche und somit abends. Gleich die volle Dröhnung an Fußball: ein Flutlichtspiel am nebelgeschwängerten Niederrhein. Die Grotenburg war damals, in den Augen eines Schuljungen, ein ehrfurchteinflößendes Gebäude (und es ist ein Jammer, wie verfallen sie heute dasteht), so dass es auch egal gewesen wäre, wenn gar kein Spiel stattgefunden hätte.


Allein schon sich inmitten dieser Massen an Menschen zu befinden, auch wenn die Statistik zum Spiel — die muss falsch sein — von gerade einmal 7.300 Zuschauern spricht, deren Atem dampfte und die auch ohne Fangesänge ein laut vernehmbares Raunen und Röhren von sich gaben, wie es auf Parties klingt, wenn plötzlich die Musik ausgeht, nur eben in tausendfacher Verstärkung, war überwältigend und vor allem eine völlig neue Erfahrung.

Noch dazu ist die Grotenburg in Krefeld ein besonderes Stadion, besteht sie doch aus vier völlig unterschiedlichen Tribünen bzw. Kurven. Die Haupttribüne weist im unteren Bereich Stehplätze auf, was auch unser Standort sein sollte, die Gegentribüne sieht zwar ähnlich, aber doch anders aus, nämlich ohne Stehbereich. Die Heimkurve schließt schnurgerade mit dem Verlauf des Fußballplatzes ab und ist relativ steil, oben prangt die Anzeigetafel, ob damals schon, weiß ich nicht mehr, während auf der Gästeseite die Kurve aus einer tatsächlichen Kurve besteht. Ganz old school, damals natürlich noch young school, gebogen, mit der Möglichkeit, in diesem gebogenen freien Bereich Autos von Sponsoren oder sonstigen Werbekram abzustellen.

Es war ein Spiel des DFB-Pokals. Der damalige Bundesligist Bayer Uerdingen war in die 2. Runde des DFB-Pokals eingezogen. Als Gegner war der 1. FC Nürnberg mit Andy Köpke im Tor angereist. Abgesehen von den Nationalspielern war mir keiner der Akteure bekannt und so sehe ich heute erst, dass ich in meinem ersten Spiel im Stadion Oliver Bierhoff auf Uerdinger Seite beim Fußballspielen zusah. Ein Omen?

Der teilte sich die Aufgaben im Angriff mit einem weiteren aus heutiger Sicht Star: Stefan Kuntz. Dazu die Funkel-Brüder, Matthias Herget und Werner Vollack im Tor. Nicht nur auf dem Papier eine bemerkenswerte Ansammlung von Könnern ihres Fachs, sieht man vielleicht von Bierhoff ab, der damals noch nicht als Kopfballungeheuer auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Auf Nürnberger Seite wie erwähnt der erst spätere Nationaltorwart Andy Köpke, welcher in der Schlussminute noch mit glatt Rot vom Platz fliegen sollte. Warum, das geben meine Synapsen leider nicht mehr her, aber wie die vom Schiedsrichter hochgehaltene Rote Karte im intensiven Flutlicht glänzte, dieses Bild kommt mir schon noch vor Augen, und im akustischen Gedächtnis höre ich die Heimzuschauer hämisch bis freudig klatschen. Damit hatte die Partie nämlich einen Abschluss gefunden und Uerdingen war eine Runde weiter.

Wie überhaupt die Sinneserfahrungen bei diesem erste Mal im Stadion viel interessanter waren als das Spiel an sich. Dass tatsächlich so ein Profispiel genauso aussieht, wie man es von den Amateurspielen kannte, dass die nicht in Ballnähe befindlichen Spieler gemächlich rumtrabten, all das war schon Sensation genug. Hinzu kam der schwer zu fassende Umstand, dass es all diese Leute aus dem Fernsehen wirklich gab, etwas, was man sich bis dahin nicht so richtig hatte vorstellen können.

Nürnberg ging durch Roland Grahammer in Führung, Bierhoff und Wolfgang Funkel drehten den Spielstand zum 2:1 fürs Heimteam, ehe noch ein späterer Weltmeister, Stefan Reuter, für den Club wieder ausglich. In meiner Erinnerung fiel das Siegtor für Uerdingen, wieder Wolfgang Funkel, in der letzten Spielminute und hatte irgendetwas mit Köpkes Roter Karte zu tun. Wie die Statistik zeigt, war dem aber nicht so. Funkel traf schon in der 76. Minute. Wie man sich überhaupt natürlich sehr glücklich schätzen konnte, keinem 0:0 beizuwohnen, sondern a) einem Spiel mit fünf Toren und b) einem Pokalspiel, wo es eben immer um alles geht, was man dem Spielverlauf auch anmerkte.

Obwohl dieses Spiel von einer nicht mal fünfstelligen Zuschauerzahl besucht wurde, fabrizierte es eine derartig mitreißende Atmosphäre mit bleibender Wirkung, dass es nicht einfach nur „das erste Mal im Stadion“ war, sondern der Anfang einer bis heute währenden Begeisterung für das Passivfußballern, an dunklen Abenden, bei Flutlicht und mit einer raunenden Masse im Hintergrund, die schlohweißen Netze an den Torstangen feierlich strahlend.

Ein Hoch auf den Schüleraustausch.

16. Januar 2015
1 Kommentar

Noch mehr football landscapes

Die unendliche Welt der Fußballfotografie hat hier eine zuvor unbekannte Ausprägung erhalten. Ein polnischer Fotograf, der nicht nur in Polen, sondern in ganz Europa fotografiert, wenn er in Stadion- oder Fußballplatznähe ist, stellt seine Werke online zur Verfügung.

Insbesondere die Aufnahmen von normalen Plätzen, oft roh und schäbig, beinahe trostlos, aber trotzdem liebenswert und durchaus mit sehr eigener Magie, verzaubern mich ja immer wieder. Und meist bewirkt jede einzelne den Ablauf von Erinnerungsfetzen an Fußballspiele.

Was fehlt: eine Seite, die Gerüche von Fußballplätzen zugänglich macht.

Dank an 120minuten.

Siehe u. a. auch:

13. Januar 2015
18 Kommentare

Die erste Live-Übertragung eines Bundesligaspiels im TV

[Update] In den Kommentaren hat sich mehr ergeben. Gladbach-Bayern ist nicht das erste live übertragene Spiel der Bundesliga. Es ist allerdings das erste Live-Spiel im Hauptprogramm gewesen. In den Dritten gab es schon vorher Live-Übertragungen. Die Suche geht also weiter.

Wir wollen hier nicht in Nostalgie er-, uns nur mal wieder daran betrinken. Manchmal kommt so eine Frage wie diese hier aus den Tiefen des Langzeitgedächtnisses und ist dann doch mit Hilfe von Mitgrüblern schnell beantwortet. Welches war das erste Spiel der Bundesliga, das live übertragen wurde? Die Antwort ist nicht, wie von manchen vermutet, die Partie Werder Bremen — FC Bayern München mit Michael Kutzops verschossenem Elfmeter im Jahr 1986, damals auf SAT1. Und es ist auch keine Partie aus dem Jahr 1991, als Premiere mit der regelmäßigen Live-Übertragung von Bundesligaspielen begann.

Die erste Partie der Bundesliga, die in voller Länge im Fernsehen übertragen wurde, lautete Borussia Mönchengladbach — FC Bayern München vom 12. Dezember 1984.

Wie Seitenwahl gerade noch reinruft, kam es zu diesem Nachholspiel, weil Gladbach damals die für den 12. Spieltag angesetzte Paarung mit Bayern absagen musste. Das Team hatte tagelang in Warschau am Flughafen sitzen müssen. Nebel verhinderte die Heimreise vom Rückspiel im UEFA-Pokal bei Widzew Lodz, welches übrigens zum Ausscheiden der Gladbacher geführt hatte.

Die erste Livepartie also Ende 1984, trotzdem kamen 36.500 Zuschauer zum Bökelberg, ausverkauftes Haus, keine Selbstverständlichkeit damals, gegen Bayern allerdings dann doch auch in diesen Jahren.

Schauen und hören wir kurz rein, zwei Mal drei Minuten dreißig mit einem enthusiasmierten Heribert Faßbender als Kommentator und einem ebenso begeisterten Publikum, was man nicht nur aufgrund des Torverlaufs, sondern vor allem aufgrund der scheinbar riesigen Menge an Torchancen gut nachvollziehen kann. (Kommentare zu einem aufs Spiel reagierenden Publikum statt Dauersingsangs sind zu 2012, um sie hier noch zu erwähnen.) Zudem sind und waren Flutlichtspiele ja ohnehin immer mit besonderer Atmosphäre verknüpft.

Auch das Trainerduell ist interessant: Udo Lattek gegen Jupp Heynckes. Wüsste man das Datum nicht, könnte man kaum sagen, wer an wessen Ersatzbank dirigierte oder auch motivierte.

Dann mal guck:



Die Daten zum Spiel.

Anmerkungen von Zeitzeugen sind übrigens sehr willkommen. Hier kann man sich an die Existenz dieser Übertragung erinnern und auch daran, es wohl geschaut zu haben, aber viel mehr weiß man dann auch nicht dazu beizutragen. Die Videos jedenfalls lohnen sich (nicht nur) für Nostalgie-Dürstige.

Nachtrag von Kohlenschaufler: Die entsprechende Meldung zur ersten Liveübertragung im Spiegel.

1. Januar 2015
3 Kommentare

Filmkritik: „Das Wunder von Bern“

Ja, damit ist man sehr, sehr spät dran. Der Film erschien 2003 und hätte eigentlich schon längst mal konsumiert werden müssen. Allerdings gab es zwei Gründe, warum das bislang nicht erfolgte: Erstens kennt man den Ausgang des Turniers ohnehin und nachgestellte Fußballszenen sind nicht unbedingt allzu reizvoll. Zweitens ist es nun mal kein Fußballfilm. Trotzdem taucht er in Wikipedias Liste der Fußballfilme auf, also wurde er dann doch mal probiert.

Was nicht heißt, dass er nicht sehenswert sein könnte, doch die Art, wie hier das Schicksal eines nach über einem Jahrzehnt aus Kriegsgefangenschaft in Russland in einen stark veränderten Alltag zurückkehrenden Familienvaters eingeflochten wird, kratzt doch arg an der Oberfläche. Ein einziger längerer Vortrag seitens seiner Frau macht den zuvor prügelnden, verbitterten und überforderten Protagonisten plötzlich zu einem liebenswerten Vater. Echte Konflikte zeigt der Film ansonsten kaum, so dass manche Szenen wie beliebig aneinander gereiht wirken, ohne Veränderung voranzutreiben.

Da sich der Film nicht mal in den Details rund um die Nationalmannschaft an Fakten hält, sondern die Geschichte des kleinen Sohns jenes Protagonisten als lebendes Maskottchen von Helmut Rahn erfindet, kann man sich auch aus fußball-historischer Sicht das Ansehen sparen. Wieso für die wenigen Szenen, in denen Fußball gespielt wird, unbedingt Kicker mit Oberliga-Erfahrung her mussten, wird auch Wortmanns Geheimnis bleiben, denn diese Szenen tragen nichts Entscheidendes zur Qualität des Films bei.

Welcher an sich schon in unnötiger Hektik erzählt wird, wo ein schwaches Drehbuch die vielleicht nicht unfähigen, aber in hölzerne Dialoge gepressten Schauspieler in diesem Film wenig glänzen lässt. Dass er einige Preise gewann, zeigt wohl vor allem, wie schlecht es um den deutschen Film bestellt ist oder zu jener Zeit war.

Kaum Tiefe bei den Charakteren, so ist das ganze Produkt vielleicht ein nettes Puppenstübchen zum Reingucken, mit viel Liebe zum Detail in der Ausstattung des Jahres 1954, ansonsten aber weder ein Film über Fußball (oder auch nur die Entwicklungen und Dynamiken innerhalb eines Kaders), schon gar keine ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema der späten Kriegsrückkehrer. Und nicht mal ein anrührender oder bewegender Streifen, was die Macher wohl selbst spürten, weshalb sie eine ordentliche Portion süßliche Musik an allen Ecken und Enden drüberschütteten.

Prädikat: Für wen ist so ein Film? Für Fußballfans definitiv nicht, aber auch Freunde der Ästhetik der 50er Jahre werden da sicher Besseres kennen. Wirkt eher wie ein Samstagsabends-Fernsehfilm, der es mit den Fakten nicht so genau nehmen will und nur irgendeine rührige Geschichte im „Damals“ zu Bewegtbildern erwecken möchte.

Ein in dieser Form völlig überflüssiger Film, der nicht mal zur reinen Unterhaltung geeignet ist.

1. Januar 2015
8 Kommentare

Der Fußballmoment 2014

Klar, jeder ahnt die Auflösung schon. Was könnte es da aus dem Jahr 2014 anderes geben als jenen einen Moment, der alle verzauberte, die Fußballwelt begeisterte und die Anhänger des Siegerteams in ungeahnte Sphären katapultierte? Eine Partie von mitreißender Dynamik, in der immer wieder die Seele des Fußballspiels nicht nur aufblitzte, sondern es sich gleich im Spielverlauf gemütlich machte. Bis die Partie ein faszinierendes Ende fand, worauf die eine Seite himmelhochjauchzend war, aber auch alle neutralen Zuschauer höchst begeistert Applaus klatschten und die „Zugabe!“-Rufe nur deshalb nicht zu hören waren, weil die meisten diese Partie eben vor ihren Fernsehern verfolgten und nicht live im Stadion.

Der Fußballmoment 2014 ist natürlich das sagenhafte 4:2 von Darmstadt 98 auswärts, genauer gesagt das Tor in der 2. Minute der Nachspielzeit (!) der Verlängerung, das Darmstadt 98 nach einem 1:3 im Hinspiel doch noch die Relegation zur 2. Bundesliga gegen Arminia Bielefeld gewinnen ließ. Wer das nicht live gesehen hat, der hat eines der dramatischsten Spiele des Jahres, wenn nicht dieses Jahrzehnts verpasst. Und mit 6 Toren und entsprechendem Spielverlauf ein Highlight, bei dem man lange suchen müsste, um ein ähnliches zu finden.

26. Dezember 2014
5 Kommentare

SVW vs SVW: Der liebe Rudi greift Schlappis Pepita

Wunderbares Video samt Charakterstudie des „Käse, Mist, Scheißdreck“-Rudis, der schon damals voll in seinem Element war. Des stilvollen Rumzeterns nämlich, sogar samt einer Trainingsschwalbe für das Finale von 1990, deren folgende Elfmeterentscheidung Michael Kutzop für Werder in die Maschen verwandelt.

Insgesamt tritt Rudi Völler drei Mal in bemerkenswerte Entscheidung. Deshalb hier das Video drei Mal, jeweils mit den relevanten Zeitpunkten verlinkt. Ebenfalls bemerkenswert ist das alte Weserstadion, bei dem hinter den Fans in der Kurve noch Bäume zu sehen sind. (Da das gerade im Beitrag selbst nicht funktioniert, auch mit Direktlink samt Startzeitpunkt zu youtube.)

Zunächst also die schöne, weil gelungene Schwalbe von Rudi Völler. Der Schiri fällt darauf herein:


(Direktlink)

Dann sein kleiner HB-Männchen-Auftritt gegen den Schiri hier, der Jörg Wontorra an „Napoleon nach der Verbannung auf Elba“ erinnert. Wobei sich die Quellen widersprechen, ob Wontorra damals schon gelebt hat.


(Direktlink)

Und schließlich sein legendärer Ausraster gegenüber Klaus Schlappner, dem er den Hut vom Kopf reißt und diesen wegwirft.


(Direktlink)

Es lohnt sich aber auch das gesamte Video, Manfred Vorderwühlbecke moderiert, Jörg Wontorra kommentiert und am Anfang gibt es diese herrlichen hellblauen Täfelchen mit der Paarung zu sehen.

Die Daten zum Spiel. Auf Waldhöfer Seite neben so klangvollen Namen wie Dimitrios Tsionanis, Maurizio Gaudino und Roland Dickgießer übrigens auch der spätere Weltmeisterkollege von Rudi Völler im Einsatz, Jürgen Kohler.

Ben Redelings hat die entsprechende Stelle auch im kicker-Sonderheft gefunden.

PS: Extrapunkte gibt es für die Trikotwerbung: trigema bei Werder, Pitralon bei Waldhof.