8. Februar 2016
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Everyday is like Sunday

Trudging slowly over wet sand
Back to the bench where your clothes were stolen
This is the coastal town
That they forgot to close down
Armageddon – come Armageddon!
Come, Armageddon! Come!

Everyday is like Sunday
Everyday is silent and grey

Nun ist die Bundesliga endgültig zum Stillstand gekommen. Der Meister steht fest, der Vizemeister steht fest. Die Absteiger stehen fest. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, wir reden hier nicht vom vorletzten Spieltag, an dem der Zufall das mal so gewürfelt hat, dass eben per genau diesem alle wichtigen Entscheidungen schon gefallen sind. Wir reden vom 20. Spieltag, an dem sich die Spannung in der Liga nur noch darauf bezieht, wer Champions League spielt und falls das nicht, Europa League. Und wer sich um den einen relevanten Relegationsplatz prügelt, auch wenn selbst da die Verhältnisse klar zu sein scheinen.

Der 20. Spieltag ist gegangen, und der eigentliche Sinn dieser Liga, um die Meisterschaft zu kämpfen und gegen den Abstieg, hat sich mehr oder weniger erledigt. Sicher kann Hoffenheim noch locker mit 3 Siegen in Folge auferstehen, ebenso könnten tatsächlich noch Mainz 05 oder sogar der 1. FC Köln von 1948 in die Europapokalränge gespült werden.

Allein, was den Sinn einer Liga angeht, hat sich die Bundesliga von allem verabschiedet, was noch Interesse bedeuten könnte. Lassen wir jetzt mal alle Eifersüchteleien gegenüber den Bayern weg, ignorieren wir einfach, dass sie seit fast einem halben Jahrzehnt (denn so wäre es, wenn sie nächste Saison wieder Meister würden) die Bundesliga nach Belieben und vor allem mit einem Punkte- bis Torrekord nach dem nächsten beherrschen.

Jetzt ist auch noch die Frage nach dem Vizemeister obsolet geworden. Das wird ebenso dauerhaft, wie der FC Bayern Meister wird, ebenso immer der BVB werden. Alle anderen Teams können diese Lücke nicht schließen, die Abstiegsfrage wird wohl sicher noch irgendwann mal offener ablaufen als in dieser Saison. Nur – was nützt uns das, in dieser Saison?

Diese Saison ist vorbei und man spürt geradezu die Resignation bei allen Bundesliga-Interessierten, die nicht gerade Schalke- oder Gladbach-Fans sind (oder noch fürchten, Besuch vom Abstiegsgespenst zu bekommen). So früh war diese Liga, diese Saison noch nie entschieden, und so laufen wir jetzt schon, ab Anfang Februar langsam über den Strand und fragen uns, wer wohl auf welchem Mannschaftsbild im Kicker-Sonderheft der neuen Saison auftauchen wird. Nur Aufmerksamkeit für die aktuelle Bundesliga-Saison brauchen wir keine mehr. Da ist alles entschieden. Jaja, außer natürlich von Deinem Verein.

Aber ansonsten ist alles leider so, als wäre jeden Tag Sonntag.

1. Februar 2016
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Update! „Tor des Jahres“ — alle auf einen Klick-Blick

[Update Januar 2016] Das Tor des Jahres 2015 erzielte Carsten Kammlott. Das wird hier extra noch mal erwähnt, weil man sich den dazugehörigen Beitrag der Sportschau ruhig geben sollte, sofern man sehen möchte, wie ein Profi der 3. Liga so lebt. Jeden Sonntag bei den Eltern zum Essen (wobei das der eine oder andere Weltmeister ja ebenso pflegen soll) und derlei mehr. Nicht prickelnd, aber erhellend. Und das Tor an sich natürlich: hier der Beitrag (der obere), sicher nicht lange online. (Außerdem erfährt man so, dass Reinhold Beckmann immer noch die Sportschau macht. Dachte, der spielt jetzt Gitarre.) Und für die Jüngeren vielleicht interessant, dass dieses Tor einen weltbekannten Vorfahren hatte. Das Tor, nicht Kammlott.

[Update April 2013] Dass ein Schwede mit bosnischen Wurzeln in einem Freundschaftsspiel in Schweden gegen England das Tor des Jahres in Deutschland erzielen kann, bleibt eines dieser Geheimnisse des professionellen Sportjournalismus. Ein fantastisches Tor erzielte Ibrahimovic mit seinem Fallrückzieher natürlich unbestritten, aber die Frage, was das bei den deutschen Toren des Jahres zu suchen hat, bleibt offen — vielleicht mal bei der Sportschau nachfragen.

[Update 29. Januar 2012] Heute gibt es dann den Neuzugang für 2012 2011: Señor Raúl. Ein schön anzusehender Lupfer beim hohen Sieg gegen den 1. FC Köln. Was der FC Schalke übrigens auch ohne Raúl schafft, wie gestern gesehen.

[Update 24. Januar 2011]

Ein Schuss aus 60 Metern. Kreativ. Gab es erst seit 2007 nicht mehr.

[Update 7. April 2009]

Ich hab dann mal eine nur wenig Voraussicht benötigende Änderung vorgenommen, siehe Ende der Liste. Sollte ich mich getäuscht haben, werde ich mich damit bestrafen, selbst so ein Tor wie das von Grafite erzielen zu müssen und es so lange zu versuchen, bis es klappt — allerdings ohne Gegenspieler. Schwer genug.

Aber ich werde mich ohnehin nicht täuschen.

Und wie profan Ballacks Tor von 2008 plötzlich wirkt …

Aus aktuellem Anlass, da Diego mit seinem Tor aus 60m Entfernung gegen Alemannia Aachen gerade Tor des Monats wurde, ein Überblick über die bisherigen Schützen des „Tor des Jahres“ seit der Einführung dieser Wahl im Jahr 1971.

1971 Ulrik Le Fevre
1972 Günter Netzer und Gerd Müller
1973 Günter Netzer
1974 Erwin Kostedde
1975 Klaus Fischer
1976 Gerd Müller
1977 Klaus Fischer
1978 Rainer Bonhof
1979 Harald Nickel
1980 Karl-Heinz Rummenigge
1981 Karl-Heinz Rummenigge
1982 Klaus Fischer
1983 Jürgen Wilhelm
1984 Daniel Simmes
1985 Pierre Littbarski
1986 Stefan Kohn
1987 Jürgen Klinsmann
1988 Jürgen Wegmann
1989 Klaus Augenthaler
1990 Lothar Matthäus
1991 Andreas Müller
1992 Lothar Matthäus
1993 Augustine „Jay-Jay“ Okocha
1994 Bernd Schuster (ab 0:53)
1995 Jean-Pierre Papin
1996 Oliver Bierhoff
1997 Lars Ricken
1998 Olaf Marschall
1999 Giovane Elber (ab 1:08)
2000 Alex Alves
2001 Kurt Meyer
2002 Benjamin Lauth
2003 Nia Künzer (ab 1:23)
2004 Klemen Lavric
2005 Kasper Bögelund
2006 Oliver Neuville
2007 Diego
2008 Michael Ballack
2009 Grafite
2010 Michael Stahl
2011 Raúl
2012 Zlatan Ibrahimovic
2013 Raúl und Julian Draxler
2014 Mario Götze
2015 Carsten Kammlott

Mit Nia Künzer immerhin schon eine Frau als Gewinnerin dabei, sowie mit Jürgen Wilhelm und dem damals 80-jährigen Kurt Meyer auch zwei Amateure. Rekordsieger bleibt Klaus Fischer mit 3 Toren, vor Günter Netzer, Gerd Müller, Lothar Matthäus und Karl-Heinz Rummenigge mit je 2 Toren des Jahres.

In den meisten Fällen braucht man nur auf die Jahreszahl und den Namen zu schauen, schon ist klar, welches Tor es gewesen sein muss. Beispiele:

Lothar Matthäus 1990
Nia Künzer 2003
Lars Ricken 1997
Klaus Fischer 1982
Oliver Bierhoff 1996

Was an dem wurschtigen, glücklich abgefälschten, kraftlosen, unplatzierten Torschuss Bierhoffs von 1996, der dem armen tschechischen Torhüter durch die plötzlich nur noch mit der Konsistenz unaufgeblasener Luftballons funktionierenden Hände glitt, Tor-des-Jahres-würdig gewesen sein soll (außer eben seiner Wirkung), wird sich uns nie erschließen. Klaus Fischers Tor von 1982 begeistert da schon eher, so wie alle seine Tore des Jahres es vermögen.

Ich persönlich hätte auch diesmal eher auf Christoph Preuß‘ Fallrückzieher gesetzt als auf diese dann doch irgendwie gar nicht so schwierigen Tore der Marke Augenthaler 1989, Alves 2000 oder eben Diego 2007, aber ich bin ja auch nicht die Masse.

26. Januar 2016
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Die Schönheit der (vergebenen) Chance

Letztens war ich zu Gast beim Hallenturnier in Mülheim an der Ruhr, als die Traditionsmannschaften von so Clubs wie dem FC Schalke, dem MSV Duisburg oder RW Essen gegeneinander spielten. Sie spielten gegeneinander und sie meinten es ernst. Und während ich zusah, und sie alle immer wieder ihre Torschüsse neben das Tor setzten, fiel es mir wieder ein.

Wie wunderbar Fußball ist, weil man jeden Schuss vergeben kann, ouih, vorbei, und doch geht das Spiel weiter. Weil nach jeder vergebenen Chance wieder die nächste kommt. Weil das Spiel immer weiter geht.

Die nächste Chance kommt bestimmt. Und das ist das Schöne an diesem Sport, dass man die Chance vergeben kann, aber die nächste dann doch besser verwandelt wird. Oder auch nicht, wie so meistens.

Aber dass man sich nicht ernsthaft grämen muss, sondern noch viel mehr Gas gibt, das ist das Schöne an der vergebenen Chance. Eigentlich führt sie einen nur noch näher an die nächste, noch besser zu verwandelnde Chance.

Komm an meine Brust, Du lieber Fußball, die nächste vergebene Chance wird noch weiter vorbei sein, aber beim nächsten Schuss wird dieser sicher genau sitzen. Wie schön es ist, dass der Fußball es einem erlaubt, dass die vergebene Chance so schön ist, dass man sie nicht mehr braucht, die nächste kommt ja ganz bestimmt.

Ich brauch nicht mehr zu zweifeln. An mir.

Die nächste Chance kommt bestimmt.

19. Januar 2016
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Frage: Das schönste Stadion der Welt

Nachdem wir jetzt dauerhaft ertragen müssen, dass die „Times“ irgendwann mal das Westfalenstadion zum besten Stadion der Welt kürte, was dort auf ewig erwähnt werden wird, müssen wir doch feststellen, dass es einfach nur ein architektonisch und ästhetisch ausnehmend langweiliger Bau ist. Deshalb jetzt die Frage an Euch:

Welches ist das schönste Stadion der Welt?

Und jetzt wirklich im Sinne von ästhetisch schön. In Auxerre, Glasgow oder Bari. Diesmal zählen nur ästhetisch schöne Stadien. Brutalismus is ruled out. Außergewöhnliche Exemplare sind sehr willkommen. Es gibt dabei natürlich kein richtig oder falsch, wie man so schön sagt, nennt einfach die schönsten Stadien der Welt, die Ihr so kennt. Danke.

18. Januar 2016
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Matthäus: Auto mit 2,06 Promille geschrottet

Okay, das war vor etwa 30 Jahren, und er war jung, sehr jung, andererseits ist der Vorfall wohl bei allen Nachgeborenen weitgehend unbekannt. Das jetzt rauszukramen soll auch weniger dazu dienen, ein schlechtes Licht auf Lothar Matthäus zu werfen. Das wäre schließlich unzulässiges Nachtreten bei einer Angelegenheit, die lange verjährt ist. Außerdem hat er seine Strafe — 13.000 DM und 8 Monate Fahrverbot — damals ja bekommen. Wissenswert ist es natürlich dennoch, dass sich auch Matthäus in die lange Liste all jener Fußballer einreiht, die mit Alkohol am Steuer erwischt werden oder einen Unfall bauen, obwohl sie sich auch damals schon einen Chauffeur und erst recht ein Taxi hätten leisten können. Aber jung, sehr jung war er — und hatte offensichtlich einen aufmerksamen Schutzengel. Am Niederrhein hat sich schon so mancher frische Autofahrer tödlich um eine der vielen Trauerweiden gewickelt, die allerdings nicht deshalb ihren Namen tragen.

Vielmehr soll der kleine Schreier in der Überschrift Anreiz sein, sich den Text „Bittere Pille“ aus dem Spiegel-Archiv von 1984 zu Gemüte zu führen, der sich mit den Verhältnissen rund um Matthäus‘ Wechsel zum FC Bayern München in jenem Jahr beschäftigt.

Interessant vor allem deshalb, weil er ein etwas anderes Licht auf Jupp Heynckes wirft, der hier bekanntlich nicht allzu gut gelitten ist ob seiner zumindest bis vor wenigen Jahren öffentlich verbreiteten Humorlosigkeit und Verbissenheit. In der Bewertung Heynckes‘ Auftreten — was natürlich wenig mit seinen Fähigkeiten als Trainer zu tun hat — war man hier eher auf der Daum’schen Seite („Wetterkarte“) zu finden. Doch der verlinkte Text ändert diese Bewertung ein wenig. Denn Heynckes hatte tatsächlich, um Matthäus zu halten, damals Teile von dessen zukünftigem Gehalt aus der eigenen Tasche bezahlen wollen, auf dass sein Club Borussia Mönchengladbach sportlich nicht derart geschwächt würde, wie es durch Matthäus‘ Weggang schließlich der Fall war.

„Circensisches Großunternehmen“

Ebenso interessant ist auch die damals schon manifeste Raffinesse von Uli Hoeneß bei der Gestaltung seiner Abmachungen mit zukünftigen Spielern. Und auch, wie wenig er sich damals schon an Vereinbarungen mit den Konkurrenten hielt, zumindest wenn das folgende Zitat korrekt ist. Die Bundesliga, wie sie leibt und lebt, ganz in Einklang mit dem Tenor aus Ronald Rengs „Spieltage“ mit damals aus heutiger Sicht geradezu irrwitzig zahm anmutenden Einschränkungen bei den möglichen Transfers. So wird Gladbachs damaliger Manager Helmut Grashoff folgendermaßen zitiert:

„Die Bundesliga ist ein circensisches Großunternehmen mit 18 Filialen. Wir können alle nur zusammen existieren, und deshalb haben wir einmal den Beschluß gefaßt, daß jeder Klub zwei Spieler benennen kann, die nicht abgeworben werden dürfen. Weil der Hoeneß kurzsichtig ist und nur an seinen FC Bayern denkt, hat er wegen Matthäus diesen Beschluß im Alleingang unterlaufen.“

Das und mehr in „Bittere Pille“.

13. Januar 2016
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Liebster Award

Award, Award, da war doch was … ? Nein, diesmal geht es nicht um den Sportblogger-Award, den einst Jürgen „King“ Kalwa aus der Taufe gehoben hatte, der dann einige Jahre vor sich hinglamourte, aber wegen allgemeiner Umorientierung, weg vom Sportbloggernetzwerk hin zu (u. a.) Twitter, weg vom häufigen Bloggen zum häufigen (u. a.) Twittern sowohl der Auszeichner als auch der potenziell Auszuzeichnenden, zuletzt eher weniger Beachtung fand. Was natürlich an deren Machern (z. B. ich) liegt.

liebster2Nein, diesmal ist es der „Liebster-Award“, zu dem mich Halbangst-Blog einlud. Danke. Wobei „Award“ hier nichts anderes meint als „Stöckchen“ und so sehr sie auch den Ruch eines Kettenbriefs haben mögen, hier hat Binger05 ein paar passende Fragen gestellt, die sich der Weiterleitende ohnehin immer selbst neu ausdenken darf. Also gar kein echter Kettenbrief und es werden auch keine 5 Kinder in Nigeria sterben, wenn man ihn nicht weiterleitet. Etwas, was mir beim einzigen Kettenbrief, den ich je erhielt, nicht klar war, als ich natürlich die Deadline fast verpennte und Schwitz und Rosser greinte, dass ich jetzt mit meiner fast verspäteten Abgabe der 6 weiteren Briefe eventuell andere das Leben gekostet haben könnte. Was man halt so glaubt mit 9.

Wie auch immer, in medias res:

1. Wieviel Zeit widmest du dem Bloggen und wie wählst du Themen aus?

Leider ein relativ schlechter Zeitpunkt, um das zu beantworten, da bei mir derzeit akuter Zeitmangel fürs Bloggen herrscht. Das allerdings zum ersten Mal seit ich angefangen habe. Als ich noch im normalen Rhythmus des Bloggens war, war es natürlich mal mehr und mal weniger, im Schnitt etwa eine halbe Stunde pro Tag, könnte man über den Daumen sagen. Mancher Beitrag dauert auch schon mal drei bis vier Stunden, je nach Arbeitsaufwand, wobei der meist nicht beim reinen Schreiben, sondern beim (viel zu oft händischen) Sammeln von Daten oder Informationen liegt. Genauso ist natürlich ein Zweizeiler in unter einer Minute verfasst und online gestellt. Die wertvolle Zeit und Arbeit liegt aber nicht beim Schreiben, sondern beim Denken bzw. Ideen- oder Standpunktefinden. Und das kann man schlecht beziffern.

Die Themenauswahl ist ein wirklich kaum zu beantwortendes Thema für mich, da ich keinen Verein, aber auch keinen bestimmten Aspekt des Fußballs ins Zentrum stelle. Mal ist es eben ein geiles Stadion in Belgien, mal ein anstrengender Kommentator eines Länderspiels und dann wiederum auch das Gegenteil davon. Nur suche ich diese Themen eigentlich nicht (mehr) bewusst, sie laufen einem im Leben so zu. Zumindest dann, wenn man sich auch ansonsten mit Fußball beschäftigt. Wenig erhellende Antwort, ich weiß, tut mir leid, heller geht’s zu dieser Frage aber leider nicht.

2. Was sind die Vor- und Nachteile des Bloggens gegenüber Printjournalismus?

Soll ich das wirklich hier runterbeten, liegt das nicht auf der Hand?

Vorteile
- man ist in allen Aspekten sein eigener Chef
(Damit wären eigentlich alle Vorteile schon beschrieben, ich nenne die konkreten aber gerne auch noch mal:)

man muss nicht fragen, worüber man schreiben darf.
man muss auch nicht fragen, wann man worüber schreiben darf

Nachteile
man wird in der Regel nicht bezahlt, also bedeuten längere Beiträge, dass man sie selbst finanzieren muss
man ist nie per Bloggertätigkeit irgendwo vor Ort, die Kontakte zu Protagonisten fehlen

3. Welcher Spieler deines Lieblingsvereins hat dich begeistert/geprägt?

Die Geschichte von Stig Töfting hab ich hier schon mal aufgeschrieben (und auch hier „weiterverschenkt“), möchte aber gerne auch noch einen Aspekt hinzufügen, der damals kaum zur Sprache kam. Nämlich dass der Fußball als Sportart Menschen mit quasi jeder beliebigen Physiognomie ausgestattet es prinzipiell ermöglicht, darin zur Weltklasse (wozu ich einen Nationalspieler und WM-Teilnehmer jetzt mal zähle) aufzusteigen. Töfting war mit 1,76m durchschnittlich groß, nicht besonders schnell, zwar recht athletisch gestählt, aber auch nicht gerade wendig. Dennoch hat er es mit Ballgefühl und ich weiß nicht wie viel Trainingsleistung in diese Position geschafft.

Weil aber immer wieder dieselben Geschichten erzählen langweilig ist, nehme ich heute mal noch einen Spieler meiner Lieblingsmannschaft, der mich besonders begeistert, wenn auch nicht geprägt hat: Gintaras Stauce. Ein Mann, so fahl wie man sich einen sowjetischen Wohnblock als Gesicht vorstellt, dazu hager, ellenlang, schlaksig – und zu jener Zeit noch ohne Frisur, wie es ebenfalls für Spieler aus dem Ostblock typisch war. Wenn es regnete oder feucht war, hing ihm die Nicht-Frisur ins Gesicht. Er hielt (fast) alles, wie eine Spinne, er war ein perfekter Torwart, ich glaube, ich liebte ihn sehr.

4. Bitterster Moment mit deinem Verein?

Die Lizenzverweigerung im Sommer 2013 war schon an sich bitter. Dann aber auch noch hauptsächlich wegen Unfähigkeit zustande gekommen zu sein und auch noch durch einen Hauptverantwortlichen, der genau dasselbe auch an anderer Stelle schon fabriziert hatte, war beinahe unfassbar.

Bitterster Moment war aber eher, bei der letzten Europapokalteilnahme gleich in der ersten Runde gegen den damals wenig bekannten KRC Genk rauszufliegen. Nach dem 1:1 im Hinspiel rechnete man sich durchaus noch Chancen aus, fuhr frohen Mutes die wenigen Kilometer nach Belgien – nur um dann mit 0:5 eine absolute Packung zu kassieren. Die Chance, in dem meist ja vergleichsweise schwach besetzten Europapokal der Pokalsieger im letzten Jahr seiner Existenz noch einmal ein internationales Ausrufezeichen zu setzen, war nicht nur dahin, das Gegenteil war eingetreten. Nun weiß ich nicht, was das Gegenteil eines Ausrufezeichens ist, aber es war eben der bitterste Moment, an den ich mich erinnere.

5. Ist die Bayern-Dominanz in der Bundesliga aus den Fugen geraten, wird es in den nachsten zehn Jahren dauerhaft “langweilig”, was die Meisterschaft angeht? Stört dich das?

Was heißt „in den nächsten zehn Jahren dauerhaft“? Es ist doch schon seit dreieinhalb Jahren so. Was das Titelrennen angeht, wird es sich langfristig nicht ändern – Stichwort CL und Geldausschüttung – und die Ausnahmen bei den Meistertiteln werden noch weniger als es sie ohnehin schon nur noch in den letzten Jahren gab. Es stört mich enormst, so sehr, dass ich mir mehr oder weniger abgewöhnt habe, Bayernspiele überhaupt einzuschalten. Insofern kann ich mich auch nicht an „besonders gelungenem Fußball ergötzen“, sondern finde es fürchterlich, wenn es in jedem Spiel nur darum geht, wie hoch Bayern gewinnt. Für mich hat das quasi nix mehr mit Fußball zu tun. Fußball ist vor allem Unterhaltung, die Dominanz der Bayern ist das Gegenteil davon, pure Langeweile, mag der Fußball noch so ästhetisch sein. Ein Team, das ständig zu Null gewinnt, hatte ich schon in der Jugend in der sogenannten „Bestengruppe“. Zum Zuschauen sehr ermüdend.

6. Fehlt dir etwas in der TV-Aufarbeitung der Spiele, in der Analyse?

In der Aufarbeitung fehlt mir nichts, denn die schaue ich nicht mehr. Dafür gibt’s ja jetzt Pdocasts. Nach jahrelangem Konsum der TV-Aufbereitung ist das Graben in statistischen Besonderheiten der Vergangenheit in der Vorbereitung die Zeit genauso wenig wert, wie das nachfolgende Absondern von Platitüden von vermeintlichen Experten wie Scholl oder Kahn, die sich vor allem als ahnungslos outen. In der Präsentation fehlt mir nur die Option, einfach eine Totale einzuschalten und das war’s. Wie irgendwo anders schon mal erwähnt, würde ich für die Absenz von allen Heatmaps, Ballbesitzverteilungen, selbst Torschussbilanzen tatsächlich Geld bezahlen. Um nicht zu sehr wie ein grumpy old trainer zu klingen, will ich jetzt mal nicht sagen, dass ich die Übertragungen der 1980er wiederhaben wollte – aber ich würde ein Spiel gerne einfach wie im Stadion verfolgen können.

7. Hast du einen “Zweitverein”? Wenn ja, welchen und warum?

Ich habe sogar mehrere, die verrate ich aber nicht. Langweilige Antwort, ich weiß, tut mir leid. Aber sonst mag mich die Hälfte meiner Leser hinterher nicht mehr – oder kommt stets mit der Keule, dass ich ja xy-Sympathisant sei. Ich sag mal so: Zu eigentlich allen diesen „Zweitvereinen“ könnte ich mit dem Fahrrad hinfahren. Womit ich mich wohl eher antizyklisch dem Verhalten gegenüber gebe, im Fußball, im Sport in erster Linie seinen direkten Nachbarn zu hassen, aus dem simplen, aber wenig überzeugenden Grund, dass er der Nachbar ist („I am not convinced!“).

8. Was ist deine Meinung zu den “Plastikklubs” und dem “Bashing” derselben?

Dass es im Fußball noch nie gleiche Startbedingungen gab, darf für mein Empfinden kein Argument sein, nun exorbitante Unterschiede zu akzeptieren, mittels derer sich natürliche oder juristische Personen nun einfach mit ein bisschen Geduld in die Bundesliga einkaufen können. Ich denke da an Klubs wie Wattenscheid 09 (natürliche Person) oder Bayer Uerdingen (juristische Person), die ohne diese Zuwendungen niemals in der Bundesliga hätten auftreten können. Nach dem Verschwinden der Geldgeber pegelten sich diese Clubs ja dann auch wieder dort ein, wo sie von ihrem natürlichen Fanpotenzial her hinpassen.

Die ganze Angelegenheit in Bezug auf die Zulässigkeit außervereinlicher Zuwendungen ist aber leider zu komplex, um sie von mir hier in Kürze abzuhandeln. Während ich Wattenscheid oder Uerdingen zum Beispiel – in ziemlicher Unkenntnis der Gründe für deren Aufstieg – ziemlich positiv gegenüberstand, kann ich mir nicht vorstellen, dass mir das demnächst noch mal bei derartigen Gebilden widerfährt. Zulassen sollte man es ohnehin nicht, aber dieser Zug ist ja angesichts der Visionslosigkeit und Korrumpierbarkeit des DFB/der DFL schon lange abgefahren.

9. Schönstes Stadion Deutschlands?

War mal das Ruhrstadion in Bochum, das hat aber inzwischen auch einen Völler’schen Tick zu viel Patina angesetzt. Davor war es definitiv der Bökelberg, wie ich hörte, gibt es den aber nicht mehr. Als dessen Ersatz hat man jetzt einen seelenlosen Betontempel in die Ex-Nato-Pampa gesetzt, der sich allein dadurch auszeichnet, dass man bei An- und Abreise jeweils drei Stunden mehr kalkulieren muss, als Google Maps vorher berechnet.

Von den existierenden Stadien finde ich neben dem Ruhrstadion durchaus das Niederrheinstadion toll. Nicht aus Ruhrgebietsromantik, sondern aus Romantik. Und auch, weil es das einzige (manchmalige) Profistadion ist, in dem ich selbst schon mal ein Pflichtspiel absolvierte. Leider 3:1 verloren, nachdem es zur Halbzeit noch 0:0 stand und ey Schiri das war gar kein Hand!!!11§!!! ey als ich durch war alleine auf den Torwart zu. War wirklich kein Hand. Aber schon sehr geil, in einem richtigen Stadion ernsthaften Fußball zu spielen.

Von den anderen, größeren Stadien finde ich dann doch das Westfalenstadion wohl am besten, wobei ich noch nicht genau herausgefunden habe, was daran eigentlich geil ist, abgesehen von seiner Größe. Leider war ich nie da, bevor es so erweitert wurde, wie es sich heute darstellt. Köln, Leverkusen, Frankfurt, München, das ist alles derselbe eintönige Radatsch.

10. Rotwein oder Flaschenbier?

Piccolöchen.

Bzw. um ehrlich zu sein: Dosenbier. Auf Fahrten zu einem Spiel hin trinke ich immer noch gerne Dosenbier. Ist nicht nur leichter beim Transport, macht nicht so viel Krach beim Runterfallen – hat auch diesen unverwechselbaren Charme, dass man jetzt zu einem Fußballspiel fährt.

Zuhause ansonsten natürlich immer einen schönen Grand Cru blanc de blancs Terroirs.

11. Wie sehen deine Abende am Wochenende aus?

Tja, ob das jetzt hier öffentlich kund getan werden sollte? Ich gehe aus. In Kneipen, in Clubs, in Bars, auf Festivals oder Kulturfeste, natürlich nicht jeden Abend, aber immer noch gerne. Für einen Kinobesuch finde ich einen Abend am Wochenende zu schade.

Andere Antworten auf andere Fragen von mir gibt es auch im ZEITMagazin.

Und so geht es mit dem Liebster-Award nach Wunsch der Begründer weiter. Wie man schnell erkennt, ist es gar kein Award, sondern ein Stöckchen. Naja, macht nix.

Hier die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat, und verlinke den Blog dieser Person in deinem Beitrag

    Danke, lieber Binger05

  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen
  • Schreibe diese Regeln in deinen Artikel zum Liebster Award, damit die Nominierten wissen, was sie tun müssen
  • Informiere deine nominierten Blogger über die Nominierung und deinen Artikel

Ich bin mal so faul und übernehme die 11 Fragen größtenteils.

1. Wieviel Zeit widmest Du dem Bloggen und wie wählst Du Themen aus?
2. Was sind die – sagen wir mal drei – schönsten Momente, die Dir das Bloggen beschert hat?
3. Welcher Spieler hat Dich begeistert/geprägt?
4. Bitterster Moment mit Deinem Verein?
5. Ist die Bayern-Dominanz in der Bundesliga aus den Fugen geraten, wird es in den nachsten Jahren dauerhaft langweilig, was die Meisterschaft angeht? Stört Dich das?
6. Wie schaust Du Fußball im TV?
7. Hast Du einen Zweitverein? Wenn ja, welchen und warum?
8. Was ist Deine Meinung zu den Plastikklubs und dem Bashing derselben?
9. Schönstes Stadion Deutschlands?
10. Rotwein oder Flaschenbier?
11. Schönstes Trikot ever (nicht unbedingt von Deinem Verein)?

Und frage Stehblog, Königsblog, Spielbeobachter und nurdertim, vor allem, damit ich mal wieder etwas über sie persönlich erfahre. Wer allerdings nicht will, muss natürlich nicht.

13. Dezember 2015
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Ist die EM-Vorrunde wörklöch so schröcklöch öde?

Die EM wurde letztens von 16 auf 24 Teilnehmer und so weiter, Ihr wisst es alle.

Wir als Fußball-Konservative, die wir im realen Leben natürlich alles andere als konservativ sind, die wir gerne eine EM mit 16 statt mit 24 Teilnehmern (fast die Hälfte der UEFA-Mitglieder!) behalten hätten, wollen wieder wissen, wie vorhersagbar diese auf den ersten Blick zwar spannende Partien liefernde, auf den zweiten Blick aber auch mit viel potenzieller Langeweile aufwartende Vorrunde dann tatsächlich gewesen sein wird.

Ein echtes Tippspiel zur EM kommt dann später noch, heute wollen wir aus wissenschaftlichen Gründen erstmal wissen/eruieren, wie langweilig die Vorrunde der EM ist.

Bitte tippt diesmal die vier Platzierungen pro Gruppe – und gebt dann noch einen Tipp ab, welche vier Eurer getippten Vorrundendritten wohl als deren Beste weiterkommen werden.

Hier die Gruppenaufteilung, Ihr tippt.

A: Frankreich, Rumänien, Schweiz, Albanien
B: England, Russland, Wales, Slowakei
C: Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
D: Spanien, Tschechien, Türkei, Kroatien
E: Belgien, Irland, Italien, Schweden
F: Portugal, Island, Österreich, Ungarn

22. November 2015
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Auswertung der Prognosen der EM-Qualigruppen

Mit Aufstockung der Europameisterschaft von 16 auf 24 Teilnehmer fragten wir uns zu Beginn der Qualifikation dazu, ob diese Qualifikation wörklöch so schröcklöch öde werden würde, wie nach allgemeiner Einschätzung zu befürchten stand. 25 Menschen teilten ihre Tipps für die jeweils drei ersten Plätze mit.

So endete die EM-Qualifikation schließlich:

A: Tschechien, Island, Türkei, Niederlande, Kasachstan, Lettland
B: Belgien, Wales, Bosnien-Herzegowina, Israel, Zypern, Andorra
C: Spanien, Slowakei, Ukraine, Weißrussland, Luxemburg, Mazedonien
D: Deutschland, Polen, Irland, Schottland, Georgien, Gibraltar
E: England, Schweiz, Slowenien, Estland, Litauen, San Marino
F: Nordirland, Rumänien, Ungarn, Finnland, Färöer, Griechenland
G: Österreich, Russland, Schweden, Montenegro, Liechtenstein, Moldawien
H: Italien, Kroatien, Norwegen, Bulgarien, Aserbaidschan, Malta
I: Portugal, Albanien, Dänemark, Serbien, Armenien

Dabei fallen vor allem drei Gruppen heraus, die nicht das Erwartete brachten: Gruppe A mit dem Scheitern der Niederlande, der Direktqualifikation Islands, Gruppe F mit dem schwachen Abschneiden von Griechenland und Finnland sowie dem überraschenden Gruppensieger Nordirland und Gruppe I, in der weder Serbien noch Dänemark erreichten, was man allgemein erwartet hatte oder hätte.

Das Gegenteil stellten vor allem die Gruppen E (England – Schweiz – Slowenien) und H (Italien – Kroatien – Norwegen) dar, in der fast alle Teilnehmer sogar die endgültige Platzierung korrekt voraussagten. Ebenso wenig überraschen die Gruppensiege von Spanien und Deutschland, wobei es da bei den weiteren Platzierungen schon variabler zuging.

Nun also zur Auswertung.

Korrekt getippe Platzierungen

Ingesamt gab es 9 Gruppen à 3 Platzierungen zu tippen, macht 27 Tipps pro Teilnehmer. 25 Personen nahmen teil. Macht 675 Tipps. Davon waren – unten im Datenteil grün gekennzeichnet – 205 völlig korrekt. Dies entspricht einer Quote von 30,4 Prozent richtiger Tipps. Die Zahl der völlig richtigen Tipps schwankte dabei zwischen 7 (26 Prozent) und 14 (52 Prozent) von 27.

Direktqualifikanten

Interessanter als die Frage nach den genau richtig getippten Platzierungen war ja aber die Frage, wie genau man vorhersagen könne, welche Teams sich schließlich qualifizieren bzw. die Playoffs erreichen. Der Ausgang der Playoffs wurde in der gesamten Auswertung nicht berücksichtigt, weil deren Teilnehmer damals natürlich nicht bekannt waren und dementsprechend auch nicht eingeschätzt werden konnten.

Im zweiten Schritt wird also die Zahl der richtig getippten direkt Qualifizierten betrachtet. Hier gab es 9 Gruppen à 2 Qualifikanten, also 18 Tipps von 25 Teilnehmern, macht 450 Tipps. Davon waren 265 Prognosen korrekt, womit sich ein Prozentwert von 58,9 Prozent als zutreffend erwies. Die Zahl der richtigen Tipps variierte hier zwischen 12 (67 Prozent) und 8 (44 Prozent).

Korrekt getippte Qualifikanten

Doch im Kern war ja die Frage, ob man ahnen könne, welche drei Teams in einer Gruppe die für die Qualifikation relevanten Plätze erreichen würde. Hier waren also wiederum 675 Tipps nötig gewesen. Allein danach ausgewertet, wie viele dieser drei Teams, egal auf welcher Position die Qualfikation bewältigten, waren nicht weniger 534 Tipps von 675 zutreffend, somit 79,1 Prozent. Der Zahl der korrekten Tipps schwankte dabei zwischen 17 (63 Prozent) und 24 (89 Prozent). Im Schnitt wurden also nur 20,9 Prozent von 27 zu prognostizierenden Qualifikanten nicht korrekt prognostiziert.

Ob man das noch interessant nennt, muss trotz des unerwartet schlechten Abschneidens von vor allem Griechenland und den Niederlanden jeder für sich selbst entscheiden.

Hier würde man auch trotz der unerwartet spannenden Gruppe mit Deutschland darauf plädieren, die Eingangsfrage, ob die EM-Quali „schröcklöch öde“ werden würde, in Bezug auf die Ergebnisse mit ja beantworten.

Die Daten im Detail – vor allem interessant für die, die teilnahmen – folgen hier jetzt in drei Versionen, entsprechend der obigen drei Auswertungsverfahren. Kann man durchscrollen oder jeweils mit diesen Links ansteuern (funktioniert nur in der Komplettversion des Textes).

1. Platzierung genau richtig
2. Direktqualifikanten korrekt
3. alle sich überhaupt Qualifizierenden richtig

Unzweifelhaft natürlich, dass alle Werte noch wesentlich günstiger ausgefallen wären, wenn ein gewisser „Trainer Baade“ nicht mitgetippt hätte.

PS: Was hier erstmals auffiel, ist, dass eine solche Qualifikation gerade mal 13 Monate dauert – in diesem Fall von September 2014 bis Oktober 2015, also nicht annähernd die zwei Jahre, die die Pause zwischen zwei großen Turniere beträgt.

Weiterlesen →

4. November 2015
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On the road again

Einer der Gründe, warum Steven Gerrard darüber nachdenkt, von LA Galaxy zurück nach Liverpool zu wechseln, sind die enormen Reisestrapazen, die ein Spieler in der MLS ertragen muss. Was sich bei einem Club in LA noch mal verschärft, da es kaum nahe liegende Nachbarn in der MLS gibt. 44.000 Meilen muss er in einer normalen Saison fliegen, das sind etwa 70.000 Kilometer, also beinahe zwei mal um die Erde. Wobei in den USA natürlich noch der Stressor der unterschiedlichen Zeit- und Klimazonen bei den Auswärtsspielorten hinzukommt.

In einer früheren Version stand hier, dass es 22.000 Meilen wären, das war aber nur die einfache Strecke. Es sind also 44.000 Meilen, Danke an den Hinweisgeber Asgeirsson in den Kommentaren.

Das sah in England, insbesondere wenn man so wie Liverpool noch relativ mittig liegt, natürlich völlig anders aus.

Schwupps sind wir aber schon bei der Frage, wie viele Kilometer denn so ein Bundesligaspieler pro Saison reisen muss. Auch hier dürften die weitab der meisten anderen liegenden Clubs wohl die längsten Strecken zurückzulegen haben. Flugs mal eben die Entfernungen per www.luftlinie.org addiert, kommt man für den:

FC Bayern München

  • 56 – Augsburg
  • 70 – Ingolstadt
  • 190 – Stuttgart
  • 233 – Sinsheim
  • 287 – Darmstadt
  • 304 – Frankfurt
  • 317 – Mainz
  • 455 – Köln
  • 461 – Leverkusen
  • 477 – Dortmund
  • 479 – Wolfsburg
  • 488 – Hannover
  • 493 – Gelsenkirchen
  • 501 – Mönchengladbach
  • 504 – Berlin
  • 582 – Bremen
  • 612 – Hamburg

auf 6.509 Kilometer einfache Strecke und hin und zurück demgemäß auf 13.018 Kilometer, also etwa ein Sechstel (siehe Hinweis oben) der Entfernungen, die Steven Gerrard in einer Saison zurücklegen muss (allerdings immerhin auch noch ein Mal durch die Erde). Anders sieht das bei der sehr zentral positionierten

Eintracht Frankfurt

  • 26 – Darmstadt
  • 32 – Mainz
  • 96 – Sinsheim
  • 152 – Stuttgart
  • 152 – Köln
  • 157 – Leverkusen
  • 177 – Dortmund
  • 191 – Gelsenkirchen
  • 198 – Mönchengladbach
  • 248 – Ingolstadt
  • 252 – Augsburg
  • 262 – Hannover
  • 295 – Wolfsburg
  • 304 – München
  • 329 – Bremen
  • 393 – Hamburg
  • 424 – Berlin

aus, da sind es dann nur 3.688 Kilometer für die einfache Strecke, somit insgesamt 7.376 Kilometer – also nur etwas mehr als die Hälfte der Reisestrecke, die die Spieler des FC Bayern München zu bewältigen haben. Ein klarer Vorteil, der sich schon jetzt, nach einem Drittel der Saison bemerkbar machte: Logisch, dass die Bayern gegen derart ausgeruhte Gegner kaum eine Chance hatten und gerade eben noch ein glückliches 0:0 halten konnten.

Ebenfalls bemerkenswert: 9 der Reiseziele liegen für Eintracht Frankfurt weniger als 200 Kilometer (eine objektiv subjektiv empfundene Schmerzgrenze für Auswärtsfahrten*) entfernt. Somit kann man bei gleich 9 Auswärtsspielen mitfahren, ohne komplette Sams- oder Sonntage zu verbraten. Bei den Bayern sind es dagegen gerade mal 3 Auswärtsstationen unter 200 Kilometern, wobei Stuttgart mit 190 Kilometern Entfernung da schon wieder hart an der Grenze liegt.

Dieser Wert der Gesamtreisekilometer muss für jeden Club unbedingt in die Berechnung der Ausschüttung der TV-Gelder nach Zahl der mitreisenden Auswärtsfans einfließen, schließlich verbraucht man nicht nur Zeit pro Strecke, sondern vor allem Geld.

* Was nicht bedeutet, dass man hier keine Auswärtsfahrten über 200 Kilometer Entfernung absolvierte, nur ist dann definitiv vom Tag nichts mehr für andere Dinge zu gebrauchen.

PS: Sehr billig auch von Ralf Rangnick, die Zahl der von Fortuna Düsseldorf nach Leipzig (389 Kilometer) mitreisenden Zuschauer also mit jener der von Leipzig zum Spiel nach Union Berlin (149 Kilometer) zu vergleichen. Wahrscheinlich kann man sich als Millionär einfach nicht mehr vorstellen, dass die Entfernung bei einer Reise neben einem zeitlichen auch ein finanzieller Faktor ist. Aber das (Ralf Rangnick) ist ein anderes Thema, wie es ja ohnehin um die Strapazen der Spieler nicht der Fans ging.

PPS: Man sehe mir nach, dass ich das jetzt nicht für jeden Verein einzeln aufgedröselt habe, wer mag, kann das ja für seinen Herzensclub (oder den, der am nächsten liegt) mal ausrechnen und hier nachtragen. Muss aber nicht. Die Größenordnungen werden hoffentlich auch so deutlich.

Club Gesamtstrecke
Hertha BSC 14.112
FC Bayern München 13.018
Hamburger SV 12.480
Eintracht Frankfurt 7.376

30. Oktober 2015
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Andere Länder, andere Schlaflieder

Andere Länder, andere Sedativa.

Welche es da bislang so gab, zeigen die unteren Aufstellungen. Natürlich ohne den Anspruch, komplett zu sein. Andorra ist nicht dabei, nein, nicht das von Max Frisch, das echte Andorra. Also Andorra ist hier nicht mit aufgenommen, aber sonst eigentlich fast alle.

Note: berücksichtigt sind hier nur Meisterschaften nach dem Krieg.

Und? Welche Schlaflieder singt man in anderen Ländern so?

Griechenland

1996/1997 Olympiakos Piräus
1997/1998 Olympiakos Piräus
1998/1999 Olympiakos Piräus
1999/2000 Olympiakos Piräus
2000/2001 Olympiakos Piräus
2001/2002 Olympiakos Piräus
2002/2003 Olympiakos Piräus

Norwegen

1992 Rosenborg BK
1993 Rosenborg BK
1994 Rosenborg BK
1995 Rosenborg BK
1996 Rosenborg BK
1997 Rosenborg BK
1998 Rosenborg BK
1999 Rosenborg BK
2000 Rosenborg BK
2001 Rosenborg BK
2002 Rosenborg BK
2003 Rosenborg BK
2004 Rosenborg BK

Italien

2005/2006 Inter Mailand
2006/2007 Inter Mailand
2007/2008 Inter Mailand
2008/2009 Inter Mailand
2009/2010 Inter Mailand

Portugal

1994/1995 FC Porto
1995/1996 FC Porto
1996/1997 FC Porto
1997/1998 FC Porto
1998/1999 FC Porto

Bulgarien

1953/1954 ZSKA Sofia
1954/1955 ZSKA Sofia
1955/1956 ZSKA Sofia
1956/1957 ZSKA Sofia
1957/1958 ZSKA Sofia
1958/1959 ZSKA Sofia
1959/1960 ZSKA Sofia
1960/1961 ZSKA Sofia
1961/1962 ZSKA Sofia

Rumänien

1992/1993 Steaua Bukarest
1993/1994 Steaua Bukarest
1994/1995 Steaua Bukarest
1995/1996 Steaua Bukarest
1996/1997 Steaua Bukarest
1997/1998 Steaua Bukarest

Polen

1962/1963 Gornik Zabrze
1963/1964 Gornik Zabrze
1964/1965 Gornik Zabrze
1965/1966 Gornik Zabrze
1966/1967 Gornik Zabrze

Finnland

2009 HJK Helsinki
2010 HJK Helsinki
2011 HJK Helsinki
2012 HJK Helsinki
2013 HJK Helsinki
2014 HJK Helsinki

Frankreich

2001/2002 Olympique Lyon
2002/2003 Olympique Lyon
2003/2004 Olympique Lyon
2004/2005 Olympique Lyon
2005/2006 Olympique Lyon
2006/2007 Olympique Lyon
2007/2008 Olympique Lyon

Schottland

1988/1989 Glasgow Rangers
1989/1990 Glasgow Rangers
1990/1991 Glasgow Rangers
1991/1992 Glasgow Rangers
1992/1993 Glasgow Rangers
1993/1994 Glasgow Rangers
1994/1995 Glasgow Rangers
1995/1996 Glasgow Rangers
1996/1997 Glasgow Rangers

Spanien

1961/1961 Real Madrid
1961/1962 Real Madrid
1962/1963 Real Madrid
1963/1964 Real Madrid
1964/1965 Real Madrid
1985/1986 Real Madrid
1986/1987 Real Madrid
1987/1988 Real Madrid
1988/1989 Real Madrid
1989/1990 Real Madrid

Weißrussland

2005/2006 BATE Baryssau
2007 BATE Baryssau
2008 BATE Baryssau
2009 BATE Baryssau
2010 BATE Baryssau
2011 BATE Baryssau
2012 BATE Baryssau
2013 BATE Baryssau
2014 BATE Baryssau
2015 BATE Baryssau

Schweiz

2009/2010 FC Basel
2010/2011 FC Basel
2011/2012 FC Basel
2012/2013 FC Basel
2013/2014 FC Basel
2014/2015 FC Basel

Offensichtlich ist der Fußball dort tatsächlich noch nicht gestorben. Hier muss man allerdings abwarten.

28. Oktober 2015
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Verdamp lang weilig

… falls noch Fragen blieben, warum die Musik von Niedecken so grauselig ist, wie sie ist, gibt es hier die Antwort.

Wie entsteht ein Song?

Niedecken: Immer anders, meistens ist irgendeine Akkordfolge da, die ich interessant finde, und damit laufe ich so lange durch die Gegend, bis die zu meinem Soundtrack wird. Manchmal schreibe ich meine Songs so, wie Lieschen Müller sich das vorstellt. Auch oft vorm Fernseher beim Fußball, wenn beispielsweise Leverkusen gegen Wolfsburg spielt und es langweilig wird, klimper ich ein bisschen auf der Gitarre rum, und dann kann da schon mal was Gutes dabei rumkommen.

Quelle.

Wenn man aus lauter Langeweile bei Leverkusen gegen Wolfsburg Musik produziert, hört sie sich eben so an, wie das, was Niedecken so veröffentlicht. Dass er das aber freimütig öffentlich verkündet, legt die Annahme nahe, dass er seine Musik gar nicht so langweilig wie von Leverkusen gegen Wolfsburg inspiriert findet. Was wiederum erklärt, warum er seine Musik bei Leverkusen gegen Wolfsburg komponiert.

Also, soweit das zu beurteilen ist – man versteht ja kein Wort von dieser Kölschen Fremdsprache.

27. Oktober 2015
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Wer kann das noch sagen?

Das Folgende geht natürlich völlig am Kern dessen vorbei, was aktuell die Fußballnation beschäftigt. Und eigentlich darf man ausgerechnet hier auch nicht so still sein, wenn endlich der „Dummschwätzer“ seinen Heiligenschein verliert, weil ja das Dummschwätzen an sich viel weniger schlimm war als die Verträge mit Gazprom, die nicht gesehenen Sklaven in Katar und so weiter. Warum macht sich jemand, der eigentlich schon für den Rest seines Lebens ganz oben ist, so angreifbar? Was hat ein dutzendfacher Millionär von noch ein paar weiteren Millionen, die sowieso nichts an seinem Leben ändern? Warum spielt er Spiele mit, nur weil er kann? Vielleicht, weil er einfach genau das ist, was hier immer vermutet wurde: keine Lichtgestalt, sondern ein Leichtgewicht, moralisch. Irgendwie einfältig, borniert in seiner Selbstgewissheit, gleichzeitig natürlich bauernschlau, und nein, man wird hier nicht urteilen über einen, den man nur aus den Medien kennt. Der Froanz.

Das Folgende geht also völlig am Kern vorbei, sicher demnächst noch mal mehr dazu.

Aber eines juckt mir dennoch aktuell in den Fingern und ja, es ist blöd, dass ich mich jetzt auf so ein Detail stürze, noch dazu von einem Unbescholtenen.

Aber fangen wir so an:

Was ist die Hauptstadt von Frankreich?

Und was aßen Sie zu Mittag am 3. Oktober 2015, gerade mal drei Wochen her?

Wie hieß der erste Mensch auf dem Mond?

Und was diskutierten Sie konkret mit Ihrer Mutter im letzten Telefonat?

Harald Stenger zitiert Wolfgang Niersbach als einen, der sich an jedes Detail einer Fußballpartie erinnert und glaubt deshalb, dass er auch sonst alles erinnern müsse.

Das eine ist aber Teil des semantischen Gedächtnisses, das andere Teil des episodischen Gedächtnisses.

Niemand „vergisst“ normalerweise, was die Hauptstadt von Frankreich ist, er oder sie vergisst aber sehr wohl, was er vor drei Wochen am Mittwoch zu Mittag gegessen hat. Oder auch, welches Mittagessen es im Urlaub 2003 in Griechenland an jenem Dienstag gab und was man damals am Tisch diskutierte. Weiß man es noch? Nein, natürlich nicht, und auch nicht, was man zum Kellner gesagt hat oder wie viel Trinkgeld man gegeben hat. („Was war da mit den 80 Cent zu viel – haben Sie den Kellner bestochen?“)

Nur weil sich einer an jedes fußballerische Detail einer WM erinnern kann, heißt das nicht, dass sein episodisches Gedächtnis irgendetwas damit zu tun hat oder annähernd gleich gut wäre.

Harald Stenger liegt hier also falsch, anzunehmen, dass ein gutes semantisches Gedächtnis auch etwas mit dem episodischen Gedächtnis zu tun habe. Ist auch merkwürdig, dass er nicht von selbst drauf kommt, dass das zwei verschiedene Dinge sind. Aber so werden gute Leistungen in einer Kategorie („hat gut Fußball gespielt“) ja auch stets mit Dingen in anderen Kategorien („ist ein guter Mensch“) verwechselt.

Wenn man Niersbach angreifen will, dann sicher nicht über sein gutes semantisches Gedächtnis. Und so unnütz das jetzt auch sein mag: Dass Niersbach nicht weiß, was er wann wo vor 12 Jahren unterschrieben hat – das ist nachvollziehbar, selbst wenn es ein besonderes Ereignis war. Was er getan hat, ist eben Teil des episodischen Gedächtnisses, und nicht des semantischen. Was ihn selbstredend nicht entschuldigt, auch den Froanz nicht.

Aber zwischen semantischem und episodischem Gedächtnis muss man eben unterscheiden.