20. August 2016
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Fortuna Sittard und der musische Maler

Es gab zwei Konzerte in meinem Leben, die mich besonders enttäuscht zurückließen. Das eine war jenes von Tocotronic in Dortmund, wo die Menschen auf der Bühne nichts Besseres zu liefern hatten als Publikumsbeschimpfung und Verächtlichmachen des Ruhrgebiets. Gnadenlos peinlich und schlecht, auch wenn es musikalisch gut war. Aber Tocotronic ist so etwas wie der „Soundtrack of my life“, und da hätte ich dann doch irgendwie mehr als nur an jenem Abend schlechtgelaunte Fuzzis erhofft.

Das andere war jenes von Funny van Dannen. Ich hatte kein besonderes Faible für ihn, auch wenn ich viele Songs von ihm kannte. Irgendjemand war mit Zahnschmerzen ausgefallen, sodass ich mehr oder weniger zufällig in den Genuss seines Konzertes im Ringlokschuppen in Mülheim kam. Natürlich mag man seine Texte, sie sind hintersinnig und amüsant. Auf Liedermacher stehe ich eigentlich nicht so, weshalb er vielleicht von vorneherein schlechte Karten bei mir hatte, aber ich hätte mich gerne positiv begeistern lassen.

Leider spielte er die Songs 1:1 so, wie man sie von seinen Alben kennt, was, wie ich erst kürzlich erfuhr, daran liegen könnte, dass alle seine Songs live aufgenommen werden, also eben bei Konzerten. Es gibt keine Variationen, keine Arbeit im Studio, er singt und spielt einfach und das ist dann auch das, was man auf einem Konzert hört.

Allerdings war es so, dass er zwischen den Songs genau so viele Worte für sein Publikum bereithielt:

Gar keines. Er redete nicht ein Jota, keine Einleitung zum nächsten Song, kein Hallo Mülheim, keine Erklärung, was er wie bei welchem Song gemeint oder gedacht hat. Die Songs an sich kamen gut an, es herrschte gute Stimmung, allein ich fühlte mich ein wenig nicht abgeholt.

Mundfaul, etwas, oder auch davon überzeugt, dass seine Songs schon für sich sprechen würden. Mag sein, ich war ein wenig beleidigt, jetzt geh ich schon extra hier hin, um Funny van Dannen am Mikro zu sehen und hören, und er redet kein einziges Wort.

Eigentlich war er damit bei mir in Ungnade gefallen, was ihn natürlich herzlich wenig kümmern sollte, doch dann trat er letzte Woche beim „Montalk“ auf, einer einstündigen Talksendung auf WDR2 mit wechselnd unterhaltsamen Gästen.

Dort, und jetzt kommt erst der Teil, der hier fürs Blog relevant wird, verriet er, dass er das Abi drei Monate vor Erreichen geschmissen habe. Vornehmlich, weil er Stress mit fast allen Lehrern hatte, weil er sie korrigierte und ihnen erzählte, was sie falsch machen. Und von Fortuna Sittard gekauft hätte werden sollen. Aufgewachsen in Selfkant, bis 1963 nach dem Krieg den Niederlanden zugehörig, waren es von seiner Heimat bis nach Sittard nur wenige Meter. Fortuna Sittard war damals Zweitligist in Holland, wolle Funny van Dannen für 3.000 Gulden kaufen, doch der Heimatverein van Dannens verlangte 11.000 Mark.

Er trainierte längere Zeit dort mit, durfte aber wegen des noch nicht abgeschlossenen Wechsels nicht spielen. Er war wohl Libero, und er sagt noch heute, dass das eigentlich etwas gewesen wäre, was er gerne gemacht hätte, Profifußballer sein. Wenn er heute den grünen Rasen und das Flutlicht sieht, bekommt er immer noch dieses Sichangezogenfühlen von diesem Ambiente.

Was man hier nur allzu gut nachempfinden kann.

Was machte Funny van Dannen aber, nachdem sich die beiden Vereine nicht über diese aus heutiger Warte lächerlich niedrige Ablösesumme einigen konnten? Er gab das Fußballspielen auf. Unfassbar, einfach so. Er zog nach Berlin, wurde eben jener Funny van Dannen, der er damals noch nicht war, wurde Maler und nicht zuletzt Lyriker und Musiker. Rocko Schamoni vermittelte ihm dann irgendwann den Kontakt zu Campino, welcher mehrere seiner Texte für seine Songs verwendete. Am bekanntesten sicher „Niemals zu den Bayern gehen“ und Funny van Dannen erklärt auch in Interviews, dass es darin nicht um Bayern-Hass ginge, sondern darum, dass junge Spieler ihre vielleicht hoffnungsvolle Karriere nicht mit einem unbedachten Wechsel wegwerfen mögen. So wie er selbst es quasi, ungefähr, getan hat.

In vielen Interviews liest man dann immer wieder von seiner immer noch existierenden Liebe zum Fußball und ja, damit hat er dann seinen maulfaulen Auftritt im Ringlokschuppen wieder wettgemacht. Ein Musiker, Maler, der Fußball liebt und fast Profi geworden wäre. Wo gibt es sowas sonst noch? Ein Hoch auf Funny van Dannen und aufs Flutlicht generell.

Einige Interviews mit viel Fußballbezug gibt es hier:

„Muss mich für den FC schämen“ (Welt)
„Das Dunkle des Dschungels“ (11Freunde)
„Ich war nie so ein Brecher“ (Frederik Jötten)

Aus letzterem Link stammt dann auch diese Antwort:

„Funny van Dannen, in einigen Ihrer Lieder outen Sie sich als Fußball-Fan. Träumten Sie selbst einmal von einer Fußball-Karriere?

Würde ich immer noch jeder Karriere vorziehen, sofort.“

Applaus!

19. August 2016
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Magisches Meiderich

Ja, okay, „Magisches Meiderich“ hatte ich als Titel vorgeschlagen. Heraus kam dann dabei das „Herzblut der Zebras“. Mag auch sein.

Ich hoffe, Ihr habt alle das aktuelle Heft von 11Freunde gekauft, denn da steht dieser Text von mir drin.


Magisches Meiderich

Und nicht zu vergessen, der alte Uersfeld schreibt darin auch sehr lesenswert über den Weltuntergang, den BVB und überhaupt.

14. August 2016
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In voller Länge

Kleines Nebenprodukt endloser Stunden an Recherche: Eine Webseite mit Videos etlicher Spiele „in voller Länge“, wie der Name der Seite schon sagt. Ob Gladbach 1980 im UEFA-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt, das legendäre Viertelfinale 1994 Brasilien — Holland oder das 6:6 des FC Schalke 04 mit dem dreifachen Torschützen Olaf Thon im DFB-Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern München — fast alles ist dabei, was das Herz begehrt, aber sich noch nie traute, in voller Länge anzusehen. Das kann man jetzt nachholen, an einsamen, trüben und kalten Sommertagen, wie sie in unseren Zeiten üblich zu sein scheinen.

Und: Das Angebot wächst ständig weiter. Immer mal wieder also reinschauen, wenn man entweder gerade ein wenig Wissenshunger bezüglich vergangener herausragender Partien oder schlicht Langeweile hat. Viel Spaß bei und mit: In voller Länge.

In voller Länge

(Mein persönlicher Favorit: Das 1:0 der Färöer gegen Österreich mit einem zunehmend verzweifelnden Kommentator der Alpenrepublik.)

5. August 2016
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Und die europäische Bierreise geht an …

Markus73!

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg im EM-Tippspiel hier im Blog. Im Finale mit dem Hail-Mary-Tipp auf Portugal noch im letzten Schritt an PommesBratzek vorbeigezogen, das nennt man wohl kaltblütiges Zocken.

Die „Bierreise“ mit den verschiedenen europäischen Bieren ist unterwegs, dürfte in den nächsten Tagen ankommen. Vielen Dank allen fürs Mitspielen und wir sehen uns dann diesbezüglich wieder beim nächsten großen Turnier. Womit eigentlich nicht der Confed-Cup 2017 gemeint ist, aber wer weiß.

2. August 2016
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Von Maxl Morlock bis Mario Götze — alle deutschen WM-Tore von 1954 bis Maracana

Hat jemals jemand schon mal die (west-) deutschen Tore der WM 1954 abgesehen vom Finale gekannt? Hier sind sie!

Kaum zu glauben, dass es von allen diesen Toren seit der WM 1954 bewegte Bilder gibt und die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrer völlig öffentlich-unrechtlichen Bücherverbrennungspolitik sie noch nie zeigten – obwohl sie doch über diese Bilder verfügen müssten. Oder auch nicht, wie auch immer.

Hier alle deutschen Tore bei WM seit inklusive 1954. Äußerst faszinierend. Auch, wie viele Tore dann doch eher reingewürgt oder Resultat von schlimmen Fehlern der Defensive waren. Und ebenso: Was für teils herrliche Treffer dabei waren, die bislang niemand nie gesehen hatte.



26. Juli 2016
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Trainer Grigg’s on fire

Jungens und Mädchens, am Samstag gibt es beim #tkschland eine Lesung von mir in Hamburg — unter dem aus Funk und Fernsehen bekannten Titel „Drama Queens in kurzen Hosen“ — am Abend dann auch noch ein Quiz, ein #tbquiz sozusagen, ab 21h, die Lesung beginnt allerdings schon um [Update] 13h.

Danach und davor gibt es sicher auch eine Möglichkeit, das eine oder andere Autogramm zu schreiben. Oder andere nette Dinge zu tun. Ihr wisst schon.

Was sonst noch zu erwähnen ist: die Akademie für Fußballkultur hat mich für den Sonderpreis mit Stracciatella nominiert. Nominierender war niemand Geringerer als Aljoscha Pause, dessen Filmwerk ich sehr schätze (ihn aber nicht kenne), Macher von „Trainer!“ (ausführliche Kritik gibt es hier) – ich fühle mich wirklich sehr geschmeichelt.

Bald also viel Quiz in Hamburg. Ich wiederhole mich, aber: seid dabei oder seid, ähm, nicht dabei!

14. Juli 2016
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Man sollte das Spiel jetzt nicht so schlecht machen wie es war

Wahrscheinlich gibt es mehr als nur die zwei folgenden Gründe. Doch zwei Gründe, warum die Spiele als immer anstrengender empfunden werden, obwohl sie es objektiv wahrscheinlich nicht sind, liegen auf der Hand.

Erstens ist der Spielplan sowohl in den Bundesligen als auch in den Europapokalen so weit entzerrt, dass mittlerweile fast jede Partie einzeln auf dem Seziertisch liegt. Natürlich ist das nicht erst seit gestern so, doch zuletzt kam dann sogar noch die Aufweitung auf zwei Sonntagstermine in der Bundesliga hinzu sowie die Streckung sowohl von Achtel- als auch Viertel- und Halbfinale der Champions League auf jeweils nur ganz wenige Partien pro einheitlichem Termin.

Zweitens ist moppern oder auch nörgeln ansteckend. Und mit unseren tollen Echokammern namens Twitter oder Facebook, keine Ahnung wie es bei Letzterem ist, wird es immer mindestens einen geben, der gerade an einer Partie etwas zu moppern hat. Je mehr es sind, desto wahrscheinlicher wird es – vorausgesetzt diese Äußerungen werden von anderen Teilnehmern auch wahrgenommen – dass andere in den anschwellenden Chor der Nörgler einstimmen. Heute benötigt man ja nicht mal einen eigenen Nörgeltweet dafür, man klickt einfach auf Retweet und schon ist man Teil der Nörgelgruppe.

Ich will jüngere Leser – noch fühle ich mich dafür nicht alt genug – nicht mit den Vergleichen zu früher nerven, als eben ohnehin nicht jedes Spiel live sichtbar war, schon gar nicht mit jener Zeit, als noch das Gros der Spiele der Bundesliga zum einheitlichen Anstoßzeitpunkt am Samstag stattfand. Da aber erhielt per se jede einzelne Partie viel weniger Aufmerksamkeit. Und fiel auch nicht so ins Gewicht, wenn sie ein grausames 0:0 zwischen Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf war. Denn die anderen Partien wurden zeitgleich wahrgenommen und gerade wenn eine Partie wenig bot, wurde sie nicht gerade exponiert dargestellt.

Heute wird jede Partie unerbittlich über 90 Minuten plus x plus Aufbereitung ausgewalzt, egal, wie wenig sie inhatlich bot. Diese frühere Aufmerksamkeitsdiffusion ist jetzt einem Brennglas gewichen, mit dem man viel deutlicher sieht, wie schlecht Fußballspiele sein können, was sie eben oft sind – denn sie sind nun mal in voller Länge zu sehen.

Gepaart mit dem ungleich größeren Resonanzkörper, die Zahlen sind ja teils schwindelerregend, denn wer hätte früher mehr als 10 oder 15 Leuten gleichzeitig gesagt, dass er eine Partie nicht mag?, folgen selbst dem durchschnittlichen Popelstwitterer heute vierstellige Zahlen an Accounts, wird diese Wirkung ebenso exponenziell verstärkt. Da kann ein einziger Nörgeltweet schon gleich eine eigentlich mediokre Partie in den Abgrund ziehen. Und wie gesagt gibt es immer irgendeinen, der etwas zu nörgeln hat (anwesende Hausherrn nicht (nicht immer, aber eben nicht nicht immer) ausgenommen.)

Keine schöne Zeiten für all jene Partien, welche man nur aus Liebhaberei schaut. Wer ist schon wirklich Anhänger von mehr als zwei Vereinen gleichzeitig? Früher galt die beinahe zum Sprichwort gewordene Regel, dass gerade Spitzenspiele selten halten, was sie versprechen und meist gähnend langweilig sind, weil kaum jemand etwas riskiert. Das ist heute (gefühlt) seltener der Fall. Weil aber jede weitere Partie auch noch übertragen (und konsumiert, es wird ja keiner gezwungen) wird, entsteht der Eindruck, dass man eigentlich nur noch von langweiligen und irgendwie unästhetischen Spielen umgeben ist.

Zum Auflösen dieses Irrglaubens geht die Empfehlung raus, tatsächlich mal 90 Minuten Arminia gegen Fortuna von 1993 zu schauen. Wenn man es denn überhaupt durchhält. Die Qualität ist im Fußball allgemein enorm gestiegen, egal, ob man jetzt auf Taktikklugscheißerei, Technikgenuss oder auch schlicht auf Spannung steht.

Denn der 1. FC Nürnberg von heute würde wohl 1985 immer noch locker Meister werden. Die Sache mit der fehlenden Ausgeglichenheit ist dann wieder eine andere. Sie ändert aber nichts daran, dass man ein Sonntagsspiel zwischen dem 12. und dem 8. in den Abgrund nörgelt.

Da ist guter Rat teuer, sofern man weiter twittern und auch interessierter Fußballfan bleiben will.

13. Juli 2016
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So war die EM 2016, meint die Twitter-Prominenz

EM-Finale 2016 im Stade de France. Foto: Oliver Fritsch.
Das EM-Finale 2016 im Stade de France. Foto: Oliver Fritsch.

Wie der allgemeine Tenor zur EM 2016 lautet, mag man diversen Publikationen entnommen haben, wir von der Redaktion dachten aber, wir fragen lieber Leute, die sich wirklich auskennen. Nämlich die Leser oder Follower von Trainer Baade. Im Folgenden also ein Stimmungsbild all jener, denen man grundsätzlich fehlendes Interesse am Fußball und stattdessen nur am Event oder den Schlandspielen sicher nicht vorwerfen kann. Den Anfang macht Paddya91.

Patrick ist bei Twitter Paddya91.

„Diese Europameisterschaft war das erste größere Turnier seit einiger Zeit, bei dem ich tatsächlich ganze Spieltage verpasst habe. Das lag zum einen daran, dass ich manchmal einfach keine Zeit hatte, zum anderen war der Unterhaltungswert dieses Mal spürbar geringer als noch vor zwei Jahren. Es kann gut sein, dass der Titelgewinn meine Erinnerung da ein bisschen rosiger erscheinen lässt, als es tatsächlich war. Andererseits hätte ich dieses Mal wohl nicht für ein Spiel zwischen Japan und der Elfenbeinküste die Nacht durchgemacht.

Spielerisch war die gesamte Vorrunde zum Vergessen. Das lag wahrscheinlich daran, dass dank des neuen Modus „nicht verlieren“ vollkommen ausreichend war. Das Highlight aus meiner Sicht war definitiv das Viertelfinale gegen Italien. Beim Elfmeterschießen war ich so angespannt wie vielleicht noch bei Messis Freistoß im WM-Finale. Das Ausscheiden gegen Frankreich war aus meiner Sicht sehr unnötig. Ein dämlicher Fehler von Schweinsteiger brachte die Mannschaft in Rückstand und in eine Schockstarre, aus der sie sich nicht mehr befreien konnte. Leider hatte die Mannschaft auch genau die gleichen Probleme, wie schon in der Qualifikation. Sie dominierte das Spiel mit Ballbesitzfußball, entwickelte aber kaum Torgefahr. Portugal wäre schlagbar gewesen.“

Es folgt Stephan, der bei Twitter Uersfeld ist, als Dembowski ermittelt, ansonsten für ESPN schreibt, aber auch noch an diversen anderen Stellen des Netzes geheime Identitäten pflegt:

„Als sich DJ David Guetta während der Eröffnungsfeier aus dem Eiffelturm pellte, an einem Knöpfchen drehte und sich und seinen dicken Scheck feierte, hätte ich eigentlich schon gewarnt sein müssen. Natürlich war ich es nicht. Es war nur eine weitere Eröffnungsfeier in einer langen Liste erbärmlicher Eröffnungsfeiern. Wen interessiert das schon?

Der Zauberer hatte sich für die EM extra einen neuen Fernseher gekauft, den er weiterhin auf seine Bierkästen ausbalancierte, bis die digitalen Störsignale der DVBT-Antenne aushaltbar und die Spiele somit sichtbar wurden. Der Zauberer, der viel später mit einem Deutschland-Hut das Aus gegen Italien auf einem Stuhl auf dem Bürgersteig hinter der kleinen Außenfläche verfolgen würde, hätte sich das sparen können. Wir alle hätten uns das sparen können, wir alle hätten gewarnt sein müssen.

Nach Payet ansatzlosem Siegtreffer, der die Schwere des Spiels gegen Rumänien zerschnitt, war ich noch optimistisch. Doch nach 3 Tagen rauschten die Spiele nur noch so durch. Ich schlief ein beim Fernsehen. Alles war ausrechenbar. ‚Zerstören ist einfacher als Aufbauen‘, erkannte Mats Hummels früh.

Wenn große Mannschaften, oder die, die eigentlich große Mannschaften hätten sein sollen, scheiterten, so scheiterten sie an ihrem Unvermögen, an mangelnder Offensivkraft gegen die einhundertbeinigen Verteidigungsreihen der kleinen und allerkleinsten Mannschaften. Bielefeld ist Island, lernte ich. Und in jedem Land fand sich ein Bielefeld, und in jedem Land gab es Island und in jedem Stadion gab es das archaische Huh. Sonst waren die Stadien on fire.

In der ersten Woche prügelten sich Russen, Franzosen, Engländer vor den Stadien, und Oberbefehlshaber Grindel gab den Marschbefehl für die deutschen Fanmärsche. In den Städten sahen wir die Reichskriegsflaggen, wenn es uns die Berichterstatter vor Ort erlaubten. Erst sahen wir sie regelmäßig, dann lasen wir darüber und später waren sie nicht einmal mehr eine Randnotiz.

In der zweiten Woche fiel Europa auseinander. Eher zufällig. Eine Laune der Wähler. Die deutschen Rechtspopulisten nahmen sich eine kurze Auszeit von ihrer EM-Berichterstattung, und feierten mit Farage und riesigen Schampusflaschen.

Hin und wieder wachte ich aus meinem Schlaf auf. Scholl meckerte, die Nation diskutierte und feierte kurz darauf die niedlichen Iren, Nordiren, Isländer und schlussendlich auch die Waliser. In Istanbul, im Irak und auch in den USA fiel die Welt auseinander, und wir teilten fleißig die Bilder von sich tröstenden Fangruppen. Wir waren auf der Suche nach Menschlichkeit. Wir sogen sie auf, und spien sie unverdaut wieder aus.

Manchmal schlief ich ein. Und dann wachte ich wieder auf.

Eine Mannschaft war ausgeschieden und noch eine. Im Halbfinale dann auch die Mannschaft. Hatte Löw sich verzockt? Und wen störte das überhaupt noch?

Am Ende sahen wir DJ David Guetta. Er drehte an einem Knöpfchen. Diesmal stand er im Pokal. Niemand war mehr on fire, und with love erst recht nicht. Nur Mkhitaryan, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Zauberer drückt mir noch ein Bier in die Hand. ‚Hauptsache Fußball!‘, sagt er. ‚Huh?‘“

Weiter geht es mit den Worten von Scherben81, Autor bei schwatzgelb.de.

„Bei allem Gemecker über das spielerische und taktische Niveau des Turniers: Dass sich der Weltfußball in den letzten 15 Jahren deutlich weiterentwickelt hat, sieht man spätestens dann, wenn ein alter Bekannter vor der Tür steht, den man lange nicht mehr gesehen hat und bei dem man bereits nach wenigen Augenblicken weiß, warum man ihn nicht vermisst hat: Willkommen zurück auf der großen Bühne, Kick-and-Rush!

Es hatte jedenfalls etwas von der Faszination des Grauens, als man der englischen Mannschaft im Achtelfinale dabei zusehen konnte, wie sie alles Gelernte der letzten Jahre abstriff und die Spieler wieder das taten, was man in England halt viele Jahre so gemacht hat, bevor Wenger, Pochettino oder zuletzt Klopp mit modernen taktischen Methoden die Insel bevölkerten: Wenn man hinten liegt, dann bolzt man den Ball lang Richtung Strafraum. Selbst wenn noch 65 Minuten zu spielen sind und regelmäßig fünf bis acht isländische Hünen nur darauf warten, das Leder zurück in die englische Hälfte zu schlagen.

Dabei war das Turnier der englischen Mannschaft bis dahin gar nicht so schlecht verlaufen: Zwar gab es in den Gruppenspielen zuvor nicht die tollsten Ergebnisse, jedoch durchaus ansehnliche Partien mit jeder Menge Torchancen. Natürlich weil man nicht mit Kick-and-Rush operiert hatte, sondern dank klugen Ballbesitzspiels und vielen flachen Pässen die schnellen Außenspieler bis zur Grundlinie brachte. Dieser taktische Plan, durchaus schon ein Weilchen eingespielt, schien von einer Minute auf die nächste kollektiv vergessen zu sein, und plötzlich, als ob jemand die letzten 15 Jahre von der Festplatte gelöscht hatte, wurde wieder ein uraltes Programm abgespielt. Das schon damals eher schlecht als recht funktionierte.

Gibt es im tiefsten Innern eines jeden Spielers also doch noch ein paar Urinstinkte, die seit frühester Jugend kultiviert wurden? Die dann herausgeholt werden, wenn ein Ausscheiden droht und im Kopf nur noch Platz für den Gedanken ist, dass ein Tor her muss, aber völlig vergessen ist, wie man das am besten anstellt? Sollte es so sein: Die englischen Träume von einem Turniersieg werden vermutlich auch in den nächsten 40 Jahre zerplatzen.“

Oliver Fritsch ist bei Twitter OliFritsch, schreibt für ZEIT online und für uns das Folgende:

„Mit der EM geht es mir ein bisschen wie mit dem EM-Song. Erst ging einem David Guetta auf den Geist. Später hatte ich mich schon gefreut, ihn im Stadion zu hören. So geht es mir auch mit der EM. Es hatte Längen und es raubte Kraft, als Reporter reist man ständig rum und hat fast immer Hunger. Aber natürlich ist eine Europameisterschaft, zumal im schönen Frankreich, ein Höhepunkt im Arbeitsleben. Zumal uns Reportern allen so gut wie klar ist: Die nächste Zeit wird es kein schönes Fußballturnier mehr geben. In zwei Jahren soll die Welt einem Autokraten zujubeln, der mit Sonnenbrille auf der Tribüne sitzt und vielleicht die nächste Invasion plant. Danach gibt’s die Easyjet-EM. Und die WM 2022 will ich nicht sehen. Ich will keinen Fußball in Katar sehen.

Für mich als Journalist mag es in Russland und Katar viel zu berichten geben. Den Fußballfreund in mir, der ich immer bleiben will, graut es. Das ist der Tiefpunkt einer Entwicklung. Die korrupten Schweinchen von der Uefa und der Fifa verkaufen unseren Fußball. Das hat Folgen und ich meine, Tendenzen dieser Dekadenz in Frankreich beobachtet zu haben. Zwar habe ich einige Franzosen nach dem Finale weinen sehen. Aber die meisten haben die EM eher beiläufig verfolgt. Mit Interesse, aber unernst.

Ich kann das verstehen. Der Fußball ist oberflächlicher geworden. Es sind viele Leute im Fußballgeschäft unterwegs, auch Spieler und Schiedsrichter, weil sie Geld verdienen können, viel Geld. Das Geschehen am Ort, also im Stadion, wird unwichtiger. Entscheidend hingegen sind die Bilder, die auf die TV-Monitore und die Smartphones gesendet werden. Auch das Spiel leidet. Das Niveau des Turniers war schwach. Der Fußball ist physischer, ein bisschen mehr zum Einzelsport geworden. Es gab wenige Mannschaften, die zusammen gespielt haben. Das ist bei EMs und WMs immer so, aber diesmal besonders.

Auch die Deutschen spielten zusammenhangsloser. Die Spiele gegen Italien und Frankreich waren sehenswert und spannend, aber streng genommen kein guter Fußball. Wann hat mal als Fußballer so viel Platz auf dem Feld? Halbfinale ist natürlich okay. Wir alle erinnern uns an schlechtere Zeiten und man darf nicht vermessen Titel fordern. Dem deutschen Fußball geht’s im Prinzip ja auch gut. Aber ich will dennoch meiner Rolle als Kritiker gerecht werden. Nach dem zweiten Spiel hab ich geschrieben, dass es ab dem Viertelfinale ganz eng würde. Die Schwächen waren in jedem Spiel zu sehen, auch schon vor der EM. Zwar hätte es am Ende sogar mehr als das Halbfinale werden können, aber nur weil die Konkurrenz nicht viel besser war.

Generell habe ich den Eindruck, dass sich nach dem WM-Titel vor zwei Jahren eine Spur Selbstgerechtigkeit breitgemacht hat. Man nehme die Reaktion der Spieler und der Trainer auf das Aus. Man hatte in Marseille den Eindruck, hier redeten Sieger. Oder man schaue, was deutsche Vereine, außer den Bayern, im Europapokal hinmurksen. Komme mir keiner mit finanziellen Argumenten. Arm ist der deutsche Fußball ja gar nicht. Kein anderes Land steckt so viel Zeit und Ressourcen in diesen Sport. Wenn es dem Fußball hier an etwas fehlt, dann nicht unbedingt Geld, sondern eher an Ideen. Den deutschen Fans übrigens auch, die mir, allgemein gesehen, oft zu laut, zu selbstbewusst, aber auch zu bieder auftraten.

Das EM-Finale wiederum fand ich im Gegensatz zu vielen anderen okay. Eine Mannschaft verteidigt hoch, Frankreich, die andere steht eher tiefer. Es gab zwei Mittelfeldreihen, die die Räume verdichteten. Auch waren Tempo und Technik im Spiel. Das sah am ehesten nach Fußball aus dem 21. Jahrhundert aus. Dass manche den Titelgewinn Portugals mit Griechenland 2004 gleichsetzten, kann ich nicht verstehen. Genau sowenig wie das maßlose Ronaldo-Bashing. Der Typ ist eitel, klar. Aber so sind Fußballer. Andere Höhepunkte waren für mich die irischen und nordirischen Fans. Dass Putin ein russisches Desaster zugeben musste. Hat’s das schon mal gegeben? Eine Invasion auf der Krim kann man mit Propaganda verklären. Ein 0:3 gegen Wales nicht. Und ich traf in Bordeaux Karl-Philipp Stender, einen Fan-Blogger von Yahoo. Vor fünfzehn Jahren trainierte ich ihn in der B-Jugend des FC Großen-Buseck. Er erzählte mir, dass wir damals Freistöße wie Beckham geübt hatten und er später auf diese Art mehrfach Tore schoss.

Vor allem: Was hatten wir nicht alles befürchtet? Terroranschläge, Hochsicherheitstrakte, ängstliche Stimmung. Und was haben wir bekommen? Die Rückkehr der Hooligans und ein bisschen Rumpelfußball. Damit kann ich leben.“

Weiter geht’s mit heinzkamke, welcher bei Twitter heinzkamke ist und bei angedacht und der Doppelfünf (hier explizit über die großen Turniere) bloggt und dichtet. Heute gibt’s allerdings Prosa von ihm:

„Tja, die EM 2016, oder der Versuch, etwas Positives zu schreiben, ohne damit den bloßen Willen zur Distinktion zu vermitteln. Denn tatsächlich hat sie mir eine Menge Freude bereitet. Was natürlich daran liegen mag, dass ich mir zu wenig Gedanken darüber mache, ob dieses Turnier den Fußball per se weitergebracht habe, was ja dem Vernehmen nach sowohl von Taktikexperten als auch von Mehmet Scholl eher nicht so gesehen wird, und über die Frage der Schnittmenge sollen sich andere Gedanken machen.

Gewiss, es gab eher wenige Fußballfeste, gab kaum Spiele, an die wir uns, die mehr oder weniger direkt Betroffenen vielleicht ausgenommen, noch in 30 Jahren erinnern werden, vermutlich nicht einmal dann, wenn das diesjährige Viertelfinale auch dann noch jener eine, einzige Ausrutscher der Italiener gegen eine Mannschaft des DFB gewesen sein sollte, und es gab wohl auch keine Spieler, die uns alle mit ihrem Spiel derart für sich eingenommen haben, wie es beispielsweise Michel Platini 1984, Matthias Sammer 1996 oder Traianos Dellas 2004 gelang. Meinetwegen auch Pirlo 2012, schon gut, vielleicht gar anstelle von Dellas.

Wobei: Iniesta in den ersten beiden Spielen, meine Herrn!, dazu das Tempo von Ivan Perišić, solange Kroatien eben dabei war, die Selbstverständlichkeit im Spiel von Mesut Özil, und natürlich waren da auch noch einige mehr, denen zuzuschauen vielleicht kein Privileg, zu viel des Pathos, aber dann doch eine große Freude war. Ja, ich schaue Sie an, Pepe.

Wir feierten keine Feste, erlebten keine Spektakel im engeren Sinne, und doch war manches spektakulär. Außenseiter, die den Favoriten ein Schnippchen schlugen, auch weil sie klüger vorbereitet und intelligenter aufgestellt waren, die Schwachstellen der Gegner erkannt und die eigenen minimiert hatten. War es nicht spektakulär, wie sich der Status einzelner Teams von Spiel zu Spiel änderte? Die Kroaten, die sich vom Geheim- zum Mitfavoriten entwickelten, spätestens als sie Spanien schlugen (wie gesagt: Perišić) und die dann von Portugal vielleicht nicht schön im klassischen Sinne, wohl aber überaus effektiv entzaubert wurden, oder die Eliminationskaskade in der unteren Hälfte des Turnierbaums, wo die Sieger stets auf einen Gegner stießen, der noch ein bisschen besser war, besser vorbereitet, besser ein- und aufgestellt, kurz; besser, von Spanien über Italien über Deutschland über Frankreich zum Sieger Portugal.

Klar kann man das anders sehen. Sowohl den Teil mit „besser“, da mag es viele Ansätze für B-Noten geben, als auch die grundsätzliche Einschätzung zum Turnier. Und vielleicht, ganz vielleicht, habe ich in meiner Eloge auch ein kleines bisschen übertrieben, mit einem Hauch von Trotz ob der anhaltenden Unzufriedenheit, wie sie zum Teil zwischen den Zeilen, zum Teil schreiend geäußert wurde, angefangen bei der Teilnehmerzahl über den Turniermodus über die Spielweise über das Niveau über die Sieger über … ach, was weiß ich. Irgendwann kommt noch jemand und beschwert sich, dass Deutschland gegen Frankreich von einem Italiener gepfiffen wurde. Ein Italiener! Muss man sich mal vorstellen!“

Last but not least lässt uns Arne an seiner Einschätzung teilhaben, bei Twitter ist er unter Arne1904 zu finden:

„Ja, der Modus, der Modus, der Modus. 16 von 24 Mannschaften sind nach Vorrunden-Gegurke weiterhin dabei, spannend ist das nicht. Erstaunlich dabei, dass einem das wohl erst als Erwachsener auffällt. Schließlich hatten die beiden ersten Weltmeisterschaften, die ich bewusst mitverfolgt habe, 1990 und 1994, genau den gleichen Modus.

Wobei man zu Beginn der Europameisterschaft ja schon die schlimmste Modusveränderung hinter sich gebracht hat, die EM-Qualifikation. Jede halbwegs ambitionierte Fußballnation schafft es hier mit verbundenen Augen und 40 Grad Fieber zum Endturnier. Dass dies nun aber doch nicht der Fall war und sogar eine sehr prominente Mannschaft schon in der Quali scheiterte, sollte nicht als Argument verwendet werden, das dieser Quali-Modus ja soo überflüssig nicht sei. Eher ist die damit verbundene Ohrfeige der Nichtqualifikation noch bedeutend größer.

Und somit war es ein über weite Strecken doch sehr fades Turnier. Einzelne Highlights, wie England vs. Island oder das Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Italien brachten ein wenig Glanz, aber über weite Strecken war es doch eine Veranstaltung, die mich sehr kalt ließ. Zugegeben, Europameisterschaften haben bei mir eh einen schweren Stand, da sich Weltmeisterschaften für mich immer als faszinierender darstellten. Aber bis eben auf wenige Ausnahmen war diese EM besonders emotionslos für mich. Die vielen Debatten um Terror-Bedrohungen und Ausschreitungen von Hooligans haben sicher auch dazu beigetragen, dass eine Freude am Fußball per se nicht ungetrübt aufkommen wollte, auch unabhängig von den sportlichen Leistungen.

Eine Ausnahme ist dabei durchaus das Finale und das Drama um Cristiano Ronaldo. Dass diesem Spieler, der wie kaum ein Zweiter professionell für den Fußball lebt, gerade hier eine Verletzung aus dem Spiel nahm, konnte einen nicht kalt lassen. Umso mehr habe ich mich sehr für ihn und den portugiesischen Titelgewinn gefreut, mehr noch, als es wohl nach einem normalen Spielverlauf der Fall gewesen wäre. Da mag man einwenden, dass Fußball doch keine Soap Opera sein soll, aber wer sich mit der Geschichten von solchen Turnieren auseinandersetzt, weiß, dass sie voll ist mit eben solchen Geschichten. Und dass es diese Geschichten sind, die den Mythos der Sportart über so viele Jahrzehnte hin gemehrt hat.

Nun liest man aber gerne in Leitartikeln, der Fußball-Hype sei vorbei, die Leute überdrüssig. Ich weiß nicht genau, wo man das herleitet außer des eigenen Umfelds oder meinetwegen der Rückentwicklung der Fanmeilen (was ja nun nichts Schlechtes sein muss…). Wenn wir mal die größte Datenbasis heranziehen, die Einschaltquoten im TV, dann kann davon keine Rede sein. Selbst im diesem Vorrundenmodus kann man werktags um 15h mit 5-6 Millionen Zuschauern rechnen. Deutschland-Italien hatte knapp 30 Millionen, das Finale Frankreich-Portugal immerhin 18 Millionen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Turniere in Russland und Katar mit der dazwischen liegenden „EM überall“ ebenso für einen solchen Schaden sorgen mögen, wie UEFA Nations League und weitere Reförmchen an Champions League und Europa League (Setzlisten!). All dies, ebenso wie eine Verkrustung der nationalen Ligen, mag dafür sorgen, früher oder später. Aber bei dieser Europameisterschaft, nein, da war es nicht so weit. Reden wir aber gerne mal nach Katar 2022 darüber …“

6. Juli 2016
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Kroos auf dem Weg, ein ganz Großer zu werden

Toni Kroos, immer ein bisschen zu farblos und zu pur in seiner Erscheinung, ist nun endlich auf dem Weg, einer der ganz Großen des deutschen Fußballs zu werden. Auf dem Platz war er das schon länger, jetzt legt er endlich auch neben dem Platz nach und bewirbt sich, in die Reihe der ganz großen Urheber von Bonmots im Fußball aufgenommen zu werden.

Gut, er übt noch, heute fabrizierte er aber schon mal dieses Prachtexemplar, angesprochen auf einen Wechsel zurück zum FC Bayern München:

„Ich hatte ja bereits vor einiger Zeit ausgeschlossen, dass ich noch mal in Deutschland vereinsmäßig Fußball spielen würde.“

Danach zu einem denkbaren Wechsel zu Manchester City befragt, lief Toni Kroos dann zu großer Form auf:

„Man weiß ja, dass man im Fußball nie etwas ausschließen sollte.“

Immer weiter, immer weiter so, bald nennt man ihn in einer Reihe mit Andy Möller oder gar dem Meister aller Klassen der Bonmots, Andy Brehme.

6. Juli 2016
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Du hast die Haare schön usw. etc. pp.

Ah, Fußballkultur.

Wie es zuletzt eben immer so ist, habe ich gerade bei Twitter eine Aussage in diesem Text aufs Korn genommen, die da verkürzt lautet:

In der Bundesliga gibt es immer wieder selbstironische Gesänge.

Mir sind kaum welche bekannt, sieht man von der dann und wann auftretenden vermeintlichen Selbstabwertung als „Karnevalsverein“ oder „Penner, die unter Brücken schlafen“ ab, wobei da in beiden Fällen nicht sicher ist, ob überhaupt Ironie im Spiel ist.

Wie sich bei diversen Antworten bei Twitter zeigte, gibt es da aber doch so einiges, was vielleicht weniger bekannt ist, weil es sehr isoliert (nur beim FC St. Pauli) oder nur in unteren Klassen (beim FC St. Pauli oder Union Berlin) auftritt. Ist aber bekanntlich auch Bundesliga.

Damit nicht wieder alles im Twitter-Orkus verschwindet, erlaube ich mir, die Tweets hier als Kommentare einzufügen, sieht nicht schön aus, aber liest sich schön, denn da sind dann doch einige Perlen dabei. Wer sonst noch gelungene Ironie rund um die Bundesliga kennt, möge es gerne ebenfalls eintragen.

26. Juni 2016
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Scheiße!


Götz George ist verstorben, der in ebenso vielen anderen Rollen wie in Ausgaben seines Horst Schimanskis glänzte. Warum diese eine Rolle so getauft wurde, was das mit Fußball zu tun hat, erfährt man hier.

Dass er in der Folge „Zweierlei Blut“ in der Hooligan-Szene des MSV Duisburg ermittelt, in die er sich einschleicht, nach seinem Auffliegen zur Belohnung dann verprügelt wird und nackt am Mittelkreis des (alten) Wedaustadions erwacht (wie im Video zu sehen, lohnt sich, mit Flutlicht-Szene), das hat viel weniger mit dem MSV Duisburg zu tun, als es für seine gesamte Rolle als dieser Schimanski gilt. Eine Rolle, welche heute noch in einem der drei relevanten Vereinslieder des MSV Duisburg besungen wird.

Klar war er auch in „echt“ — also Schimanski — Fan des MSV Duisburg, gab aber vor allem der Stadt Duisburg der 1980er Jahre und damit wohl auch dem gesamten Ruhrgebiet ein authentisches Gesicht. Eines, das derart authentisch war, dass sich die Stadtoberen Duisburgs beim WDR über diese Darstellung beschwerten, während er in der Zwischenzeit zur vielleicht wichtigsten Marke dieser Stadt wurde.

Irgendwer zählte auch einmal, wie häufig Schimanski in allen seinen Folgen „Scheiße!“ rief, was neben Schnäuzer, der typischen beigen „Schimanski-Jacke“ (Feldjacke M65) und zumindest meist seinem Citroën CX zum Markenzeichen wurde.

Was seine Rolle TV-historisch im deutschen Fernsehen an anderem Revolutionärem enthielt, möge man eher TV- und cineastischen Blogs entnehmen. Unzweifelhaft ist mit Götz George aber der Darsteller des bekanntesten MSV-Fans der Republik verstorben. Wie kleingeistig der Konflikt um die Umbenennung eines schmalen Wegleins in — natürlich — Duisburg-Ruhrort in „Horst-Schimanski-Gasse“ nun wirkt, da dessen Darsteller tatsächlich verstorben ist (siehe auch Link oben).


Nicht nur alle Fans des MSV Duisburg und Einwohner Duisburgs oder wahrscheinlich des Ruhrgebiets werden heute Abend laut „Scheiße!“ gerufen haben, schließlich blieb er bis zur letzten Ausgabe von Horst Schimanski im Jahr 2013 der beliebteste Tatort-Darsteller überhaupt — und das mit großem Abstand.

Natürlich war so manches überzeichnet, strotze auch damals schon vor Klischees und ebenso natürlich zeigt sein übriges Werk, dass man Götz George selbstredend nicht mit Schimanski gleichsetzen darf. Wenn er diese Figur auch nicht allein erfunden hat, so hat er sie aber entscheidend geformt und damit einem Milieu einen Auftritt in der TV-Öffentlichkeit ermöglicht, das in diesem Umfang zuvor dort noch nicht existierte, existieren sollte. Seiner darauf fußenden enormen Beliebtheit, man weiß nicht genau, ob Georges oder nur Schimanskis, wird dessen Ableben keinen Abbruch tun; im Gegenteil wird der Currywurst-Absatz in den nächsten Tagen einen dramatischen Anstieg erleben.

Mag diese Ruhrgebietswelt der 1980er Jahre auch — und wer würde das in der Realität ernsthaft bedauern? — untergegangen sein, wird Schimanski doch immer ein nahezu definierendes Element dieser jetzt noch gelebten Identität bleiben. Durchaus im doppelten Sinne:

Mensch, Horst!

Achja, und grüß uns den Thanner.

15. Juni 2016
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Onkel Bélas Gespür für Zahlen

Ach, ja, wir sind des Kommentatorenbashings alle müde. Und ehrlich gesagt mag ich Onkel Réthy auch sehr. Seine Stimme, seine Art, wie er ist, er ist ein alter Freund geworden. Was er bei der Partie Portugal gegen Island aber mal wieder an Karteikartengläubigkeit an den Tag legte, ging auf kein Schafsfell mehr.

Leg sie doch einfach mal weg.

Da erzählt er so fleißig wie überflüssig, von welchem Verein dieser und jener portugiesische Spieler stammt, wie oft dieser Meister war, dass aber dort – in jenem Verein – jetzt nicht mehr so viel laufe, während vor ihm ein munteres Spiel abläuft und wenige Sekunden später die Isländer zu ihrem Ausgleich kommen.

Keinen Menschen interessiert in diesen 90 Minuten, wie viele Titel Club xy von Spieler yz gewonnen hat.

Da erzählt er in der 89. Minute, als es nur noch darum geht, ob in der spannendsten Partie des gesamten ersten Spieltags der EM Favorit Portugal jetzt noch zu seinem Siegtor kommt oder nicht, dass C. Ronaldo ja in irgendeinem Vereinsspiel von annodunnemal mit Real Madrid gegen einen isländischen Club bei einem 8:0 mal vier Tore erzielt hat. In der 89. Minute, auf dem absoluten Höhepunkt der Spannung, nicht einmal da kann er von seinem in den meisten Fällen völlig überflüssigen Zahlengewisse lassen und sich auf das Spiel konzentrieren.

Niemand will wissen, warum Spieler A zu Verein Z gewechselt ist, so lange das Spiel läuft.

Da erzählt er zwischendurch hier und da, wer wo spielt und vergisst dabei völlig, sich einfach auf das Spiel einzulassen, das Spiel zu begleiten. Kein Mensch will das in diesem Moment wissen — es war kein Pokalspiel des FC Dudelhausen gegen den FC Schalke 04, sondern ein auf des Messers Schneide stehendes EM-Spiel — wo dieser und jener Spieler im Verein tätig ist oder was es da an dessen Fischbude zu essen gibt.

„Nanis erstes EM-Tor überhaupt!“ Wichtiger wäre: dass es ein Tor in diesem Spiel war.

Béla Réthy schafft es immer wieder, völlig am Spiel vorbeizureden, nur noch gerade mal die dicken Chancen wahrzunehmen, aber nicht im Entferntesten, am Spiel dranzubleiben, nicht einmal, wenn es derart viele Dinge zu erzählen gäbe – aus dem Spiel heraus, über das Spiel – wie in dieser Partie Island gegen Portugal.

Beziehungsweise: Er hat schon seine guten Phasen, wie auch Portugal sie in diesem Spiel hatte. Aber Réthy macht seine gerade in dieser Partie satt vorhandenen Chancen nicht rein, er erzählt keine Geschichte, er erzählt nicht, was auf dem Platz passiert, sondern weicht immer wieder aus, bleibt nicht dran, Béla, das kannst Du doch, erzähl doch mal die Geschichte vom Spiel, das sich da vor Dir ausbreitet. Stattdessen hören wir Zahlen und Vereinsnamen, als wäre ein Livekommentar eine Messe der Fußballnerds.

Der erste Punkt von Island bei einer EM — ach, echt?

Réthy verpasst es – zumindest in dieser Partie – völlig, das zu transportieren, was da vor seinen Augen geschieht: eine mittlere Fußballsensation. Und auch wenn man das nicht mehr so sehen darf, weil Island ja inzwischen tatsächlich kein Kleiner mehr ist: Weiter daneben liegen konnte man kaum, wenn man so ein Geschenk bekommt, eine Partie mit einem derartigen Verlauf zu kommentieren.

Alle anderen haben dieses Geschenk aber wahrgenommen, wie sich da ein Underdog, trotz allem, gegen Portugal einen Punkt erspielt. Nur Réthy musste noch mal schauen, was der isländische Torwart noch so nebenbei macht. Reporter, bleib bei Deinen Leisten, die in dem Fall das Spiel sind. Wenn man so eine faszinierende Partie kommentieren darf, sind die Karteikarten einfach fürn Arsch.

9. Juni 2016
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Zur EM europäische Biere gewinnen — EM-Tippspiel 2016

Europäische Bierreise beim EM-Tippspiel gewinnenLeichte Probleme mit dem alten Plugin haben es etwas spät werden lassen, bis hier das Tippspiel online geht. Aber nun ist es endlich soweit. Tada!

Anmelden müsst Ihr Euch auf dieser Seite (einige sind auch noch vom WM-2014-Tippspiel registriert).

Das eigentliche Tippspiel findet sich dann auf dieser Unterseite.

In der Sidebar werden Eure aktuelle Punktzahl, die gesamte Liste aller Tippenden und Eure getätigten Tipps angezeigt. Hoffe, es ist übersichtlich genug.

Könnte sein, dass es da noch Probleme mit der Anzeige der Gesamtstände gibt, das wird aber alles behoben, sobald es losgegangen sein wird. Also, dann tippt mal schön.

Und natürlich gibt es tatsächlich etwas Physisches zu gewinnen: Der Sieger kann sich eine aus diesen vier EM-Geschenkboxen aussuchen und bekommt sie zugesandt. Also zum Beispiel die European BBQ-Box, falls der Pizzaofen noch nicht fertig ist, die europäische Bierreise oder auch die deutsche Bierreise, wobei man natürlich nur die Produkte erhält, keine Reise.

Somit sollte aber auch für Nichtbiertrinker im Erfolgsfalle etwas dabei sein. Viel Spaß oder doch lieber Erfolg!

Bereit gestellt von Cosmopol-Shop, vielen Dank und guten Durst.