21. Oktober 2014
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Die torreichsten Champions-League-Partien

Wer mag nicht gerne Salz in der Suppe? Das definieren heute zwar immer mehr Menschen im Fußball anders. Aber so eine richtige Torflut macht doch zum Zuschauen — als Neutraler — meist mehr Spaß, nicht zuletzt, weil sie im Fußball so selten ist, wie wir gleich (wieder mal) sehen werden.

Heute trifft der FC Bayern München in seinem Auswärtsspiel in der Champions League Vorrunde auf den AS Rom, oder auch „die Roma“. Und beide erscheinen in den unten stehenden Listen. Letztere zwar zu neuer Stärke erwacht, Erstere allerdings ebenso und da dürfte die Stärke der Ersteren möglicherweise größer sein als jene der Letzteren. Weshalb man mit ein bisschen Glück auf einen neuen Eintrag in die unten stehende Sammlung hoffen darf. Wobei das in den letzten paar Dutzend Monaten eigentlich für jedes Spiel der Bayern galt.

Die meisten Tore in einer Champions-League-Partie, allerdings nicht pro Spieler, sondern beim Gesamtergebnis finden sich unten. Wie das so ist mit wahrscheinlich normalverteilten Ergebnissen, thront eine Partie mit satten 11 Treffern an der Spitze, auf 10 kamen bislang keine zwei Teams, deren 9 gab es dann immerhin schon 3 Mal und 8 Tore fielen gleich 18x [Update:] 19x mit den unterschiedlichsten Ausprägungen, wobei Liverpools 8:0 gegen Besiktas den höchsten Sieg in der Geschichte der Champions League überhaupt darstellt, aber eben nicht das torreichste Spiel.

11 Tore (1x)

AS Monaco - Deportivo La Coruna 8:3 (Tore)

9 Tore (3x)

Olympique Lyon - Werder Bremen 7:2
Paris St. Germain - Rosenborg Trondheim 7:2 (Tore und Highlights)
FC Villarreal - Aalborg BK 6:3

8 Tore (19x)

FC Liverpool - Besiktas 8:0 (Tore)
Hamburger SV - Juventus 4:4 (Tore und Highlights)
Chelsea - FC Liverpool 4:4 (Tore und Highlights)
Juventus - Olympiakos 7:1
Dinamo Zagreb - Olympique Lon 1:7
FC Bayern München - Sporting Lissabon 7:1
Manchester United - AS Rom 7:1
Werder Bremen - RSC Anderlecht 5:3 (Tore und Highlights)
Borussia Dortmund - Steaua Bukarest 5:3
Bröndby Kopenhagen - Manchester United 2:6
Real Madrid - Bayer Leverkusen 5:3
FC Barcelona - Bayer Leverkusen 7:1 (Tore und Highlights)
FC Valencia - FC Basel 6:2
Olympiakos Piräus - Bayer Leverkusen 6:2
Manchester United - Fenerbahce 6:2
Steaua Bukarest - Olympique Lyon 3:5
Real Madrid - Dinamo Zagreb 6:2
Dinamo Zagreb - Olympique Lyon 1:7
AS Rom - FC Bayern München 1:7

Und wenn man gerade schon mal dabei ist, kann man sich auch noch jene Partien mit jeweils 7 Toren zu Gemüte führen und erkennt, dass deutsche Teams doch häufig beteiligt waren, leider sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite des Ergebnisses.

“7

7 Tore (32x)

FC Valencia KRC Genk 7:0
FC Arsenal Slavia Prag 7:0
Juventus Olympiakos Piräus 7:0
Manchester United Real Madrid 4:3
Olympique Marseille FC Zürich 6:1
FC Valencia KRC Genk 7:0
Real Madrid APOEL Nikosia 5:2
1. FC Kaiserslautern HJK Helsinki 5:2
Werder Bremen Dinamo Minsk 5:2
Ajax Amsterdam FC Bayern München 5:2 (Tore und Highlights)
Real Madrid Ferencvaros 6:1
Real Madrid Sturm Graz 6:1
Willem II Tilburg Sparta Prag 3:4
Sparta Prag Spartak Moskau 5:2
FC Valencia Lazio Rom 5:2
Rosenborg Trondheim - Helsingborgs IF 6:1
Deportivo La Coruna Paris St. Germain 4:3
Celtic Juventus 4:3
VSC Debrecen AC Florenz 3:4
AC Florenz VSC Debrecen 5:2
Inter Mailand Tottenham Hotspur 4:3
Benfica Olympique Lyon 4:3
FC Valencia Bursaspor 6:1
MSK Zilina Olympique Marseille 0:7
Inter FC Schalke 04 2:5 (Tore und Highlights)
FC Nordsjaelland Schachtjar Donezk 2:5
Chelsea FC Nordsjaelland 6:1
FC Bayern München OSC Lille 6:1 (Tore und Highlights)
Galatasaray Real Madrid 1:6
Manchester City ZSKA Moskau 5:2
FC Barcelona Celtic 6:1
FC Schalke 04 Real Madrid 1:6 (Tore und Highlights)
BATE Barissov Schachtjar Donezk 0:7
FC Schalke 04 Sporting Lissabon 4:3

Der absolute Torrekord in diesem Wettbewerb, wenn man auch den Europapokal der Landesmeister mit einbezieht, liegt übrigens bei 14 Toren in der Partie vom September 1969 KR Reykjavik – Feyenoord Rotterdam, die 2:12 endete. Beide Ehrentreffer, wenn man so will, erzielte übrigens ein Mann mit dem schönen Namen Baldvin Baldvinsson. Und das auch noch per Doppelschlag zum 1:10 und 2:10. Das nennt man wohl Moral.

PS: Alles händisch zusammengesucht und deshalb ohne Gewähr. Ihr OptaBaade.

17. Oktober 2014
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About „Ronny“

About Ronny.

Manch einer mag wissen, dass ich eine kleine, bescheidene Hobbyliga betreibe, wobei mir dieser Ausdruck der „Hobbyliga“ überhaupt nicht gefällt. Dieser hat sich aber so eingebürgert. Mir gefällt er nicht, denn erstens ist Fußball kein „Hobby“, sondern eine Leidenschaft und zweitens betreiben die meisten Fußballer in den unteren Ligen ihren Fußballsport genauso als „Hobby“ und unbezahlt wie jene Spieler, die in dieser Hobbyliga mitmachen.

Einziger Unterschied: die ersteren spielen nach den Regeln des DFB und (meist) samt Schiedsrichter, die anderen kommen genauso auch ohne beide Angelegenheiten klar. Das wär’s eigentlich. Es ist ja sowieso eine schöne, von der Schiedsrichtergilde gepflegte Illusion, zu glauben, dass es ohne Schiedsrichter nicht funktioniere. In unserer Liga ohne Schiedsrichter gibt es maximal 2 Spiele von 90-110 pro Saison, in denen sich die Teams nicht einigen können. Die nun 11 Jahre Liga-Betrieb ohne Schiedsrichter beweisen eben das Gegenteil. Doch der Ausdruck „Hobbyliga“ hat sich für einen solchen außerhalb der Regelungen des DFB stattfindenden Ligabetrieb eben eingebürgert, und deshalb verwende ich ihn auch. Ich betreibe also eine „Hobbyliga“. Was sprachlich noch ganz okay sein mag.

Deutlich schlimmer ist der Ausdruck der „‚Freizeit‘liga“. Als würden 98% der Menschen in DFB-zugehörigen Wettbewerben ihre Spiele nicht in ihrer Freizeit, sondern während ihrer Arbeitszeit absolvieren. Dem ist natürlich nicht so. Einzig die paar Fußstrümpfe voll Menschen, die das Glück hatten, Fußball zu ihrem Beruf machen zu können, spielen während ihrer Arbeitszeit Fußball. Alle anderen in ihrer Freizeit.

Insofern ist der Ausdruck „Freizeitliga“ oder „-fußball“ völlig daneben und auch inhaltlich irreführend. Er entstand aber wohl vor meinen Lebzeiten, weshalb ich einerseits meine Hände in Unschuld wasche und andererseits ihn weiterhin meide wie der Teufel einen mit Weihwasser angerührten Cocktail, seien die sonstigen Zutaten auch noch so verlockend.

Ich betreibe also irgendwie so eine „Hobbyliga“, die man auch einfach „Fußball-Liga“ nennen könnte, wenn nicht der DFB (respektive die FIFA) vermeintlich das Monopol darauf gebucht hätte, „den“ Fußball zu repräsentieren bzw. zu organisieren und man also eine Unterschiedung zwischen offiziellem und nicht-offiziellem Fußball benötigte. Welche natürlich nur deshalb existiert, weil die Teilnehmer die lächerliche Rolle des DFB respektive der FIFA akzeptieren.

Natürlich ist meine Hobbyliga keine „Subversion“ oder eine Abwandlung des vom Rest der Welt betriebenen Sports namens Fußballs. Es ist Fußball. Dass sich irgendjemand anmaßt, diesen für sich gegen alle anderen Anwandlungen als Alleinvertreter zu repräsentieren, gehört hoffentlich schon bald der Vergangenheit an.

Nun, wie dem auch sei. Um alles zuvor Gesagte jetzt zu konterkarieren: Natürlich gehört zu einer ordentlichen Liga auch eine ordentliche Anmeldung der Spieler für eine Saison. Das hab ich mir zwar nicht selbst ausgedacht, finde es aber okay, dass ein „Hobby“-Team eben auch nicht jedes Wochenende mit einem neuen Kader auflaufen darf. Da muss schon über eine Saison hinweg eine gewisse Kontinuität bestehen, nicht zuletzt weil sonst die Gefahr besteht, dass sich ein Team für ein entscheidendes Meisterschaftsspiel plötzlich einen hochklassig spielenden Bekannten einlädt, der nur an diesem einen Sonntagvormittag mitspielt, sonst aber mit dem jeweiligen Team nichts zu tun hat.

Also musste auch eine Kader-Anmeldung her, 23 Leute pro Saison, egal, wie oft wer kommt, 23 Plätze hat man zu vergeben, man weiß, dass Nr. ungefähr 17-23 sowieso nie erscheinen werden, aber man darf sie für die Saison anmelden.

Was uns zu der Frage der Klarnamen bringt. Es ging auch darum, dass man keinen „Betrug“ durchführen könne, in dem Sinne, dass man einen höherklassigen Spieler unter falschem Namen anmeldete. Und also mussten sich alle Spieler unter Klarnamen bei dieser Liga anmelden. Nicht aus Datenraffgier, sondern eben um Betrug zu vermeiden.

Und hier kommen dann verschiedene Geburtsjahrgänge und die zwei Deutschlands in Spiel.

Gefordert war, sich mit seinem echten Namen anzumelden, Spitznamen nicht erlaubt, auch keine Wunsch- oder Künstlernamen.

Soweit gar nicht so schwer, dem kamen alle gerne nach, reichten immer zu Saisonbeginn ihre Kaderlisten ein und mehr oder weniger ging das ohne Probleme vonstatten.

Bis eines Tages …

eine Mannschaft einen Spieler mit dem Namen „Ronny Nachname“ meldete. Ich ärgerte mich ein bisschen, ich hatte doch klar gesagt: keine Spitznamen, keine Künstlernamen, bitte nur den wirklichen bürgerlichen Namen. Darüber kann man doch nicht einfach so hinweggehen, wenn man mitmachen möchte.

Ich mailte also zurück: „Danke für Eure Kaderliste der teilnehmenden Spieler samt weiterer Daten. Eine kleine Korrektur würde ich mir aber wünschen. Bitte schickt mir den richtigen Vornamen von ‚Ronny Nachname‘, wie schon mehrfach erwähnt, akzeptieren wir keine Spitznamen oder Verkürzungen.“

Zurück kam dann die Antwort: „Tut uns leid, der heißt wirklich Ronny.“

Ich wurde irgendwas zwischen wütend, frustriert und aggressiv und schrieb zurück, dass es ja in Ordnung sei, wenn man sich innerhalb von Hobbyteams nicht jeweils mit dem vollständigen Namen vorstelle, sondern mit seinem Spitznamen. Aber für die Anmeldung bräuchte ich seinen richtigen, bürgerlichen Namen, nicht die Kurzform. Eine Stefanie dürfe sich eben nicht als „Steffi“ anmelden, sondern als „Stefanie“, weil die Anmeldung eben auch der Kontrolle diene, ob nicht jemand unzulässigerweise einen abgehalfterten Bundesliga-Star einsetze oder vielleicht wenigstens Landesliga-.

Zurück kam die Antwort: „Er heißt Ronny, sagt er.“

Ich wurde noch wütender und schrieb, dass es okay sei, wenn man irgendwie pro forma oder aus welchen Gründen auch immer sich nur mit seinem Spitznamen identifiziern könne, aber bitte, wenn er mitspielen wolle, müsse er seinen bürgerlichen Namen einreichen, nicht seinen Spitznamen.

„Er sagt, er heißt wirklich ‚Ronny‘.“

Und so langsam fing ich an, an den mentalen Fähigkeiten des einen Teams da zu zweifeln. KEIN SPITZNAME verdammt noch mal, jetzt sendet mir endlich seinen richtigen Namen.

Er, bzw. das Team bestanden darauf, dass er „Ronny“ heiße. Ich überlegte länger, ob ich ihn deshalb ausschließen müsse, kein Mensch heißt „Ronny“ mit bürgerlichem Namen, das kann nur ein Spitzname sein.

Ich habe mich dann dazu entschieden, ihn in der Liga mitspielen zu lassen, aber unter besondere Beobachtung stellen zu lassen, ob nicht irgendwo ein Ronald mit selbem Jahrgang in der Nähe bei höherklassigen Teams spielen könnte oder vielleicht sogar ein Ronaldinho oder was weiß ich, aber niemals gibt es einen deutschen Vornamen, der „Ronny“ heißt und nicht nur eine Verkürzung eines Spitznamens ist.

Ich witterte Betrug und auch allen anderen Formen der der Bösartigkeit öffnenden Pforten. Man müsste ihn überwachen, ein Mensch, der sich selbst als „Ronny“ bezeichnet, aber seine wahre Identität dahinter versteckt hält, spielt offensichtlich nicht mit offenen Karten.

Die Saison verstrich, er hatte sich offensichtlich nichts zu Schulden kommen lassen, aber er wollte weiterhin nicht seinen richtigen Vornamen rausrücken. Ich schrieb der betreffenden Mannschaft: „Es ist nett, dass ihr so gut abgeschnitten habt, ich freue mich auf Eure Kadermeldung für die nächste Saison – aber in der nächsten Saison akzeptiere ich definitiv keine Spitznamen mehr! Wer ist dieser Ronny?!“ Zum Teufel noch mal!

Sie antworteten: „Er heißt wirklich Ronny.“

Ich schrieb, es mag sein, dass er sich als Ronny bezeichnet, aber ich möchte endgültig seinen bürgerlichen Namen wissen und nicht seinen Spitznamen. Anderenfalls kann ich ihn nicht mehr weiter in der Liga mitspielen lassen.

Bis dann letztens die „Zeit“ ein Dossier über die Unterschiede zwischen West und Ost veröffentlichte und dabei die Verteilung des Vornamens „Ronny“ darstellte. Ungefähr so:

„Ronny“ ist ein Vorname, kein Spitzname? Nie gehört. Ja ist das denn ein anderes Land als meines? Das muss ein anderes Land sein.

16. Oktober 2014
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Den Bullen beißen

Angesichts der Häufung solcher Ereignisse bekommt man inzwischen ja fast eine größere Beißhemmung, wenn alte Männer von den Erfolgen ihrer Jugendzeit erzählen und diese nur leicht, ganz leicht verklären. Aber man kann sie dann doch nicht davonkommen lassen und muss hoffen, dass man später nicht der selben Versuchung erliegen wird. Wobei die Versuchung in Ermangelung von Erfolgen nicht ganz so groß sein wird.

Franz „Bulle“ Roth behauptet jedenfalls über die drei Siege seines Clubs im Europapokal der Landesmeister:

„Das war damals nicht so einfach wie heute. Damals gab es noch keine Gruppenphase und es spielten nur die Meister mit.“

Autsch, das tut gleich doppelt weh. Keine Gruppenphase, deshalb war es schwieriger? Und weil nur die Meister mitspielten, traf man dann eben auf den Meister aus Malta, aus Bulgarien oder aus Island, statt auf den Zweiten, Dritten, Vierten aus England, Spanien, Italien.

Schauen wir einfach noch mal genau hin, wie der detaillierte Weg zu den drei Titeln damals aussah: eigentlich genau wie heute, nur ohne Gruppenphase und nur mit Meistern.

Sehr schwierig also, das Ganze, zumal es damals noch die Sowjetunion und Jugoslawien (und die Tschechoslowakei) gab. Also stimmt man Bulle Roth zu, so einfach wie heute war das damals nicht. Und hoffen, dass man später nicht der selben Versuchung erliegen wird. Andererseits gehörten Fragen zu den Vergleichen zwischen heute und der aktiven Zeit eines Interviewten eigentlich ohnehin längst auf eine Schwarze Liste, womit der gebissene Bulle dann am Ende doch ein wenig entlastet wird.

12. Oktober 2014
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Die Faszination des Fußballls ist ungebrochen

Was man so mitnimmt, wenn man auf Reisen ist. Das folgende Video wurde mir von nur der Tim ans Herz gelegt. Ich weiß, dass normalerweise niemand diese Videos anklickt und anschaut. In diesem Falle sollte man aber eine Ausnahme machen und sich anhören, wie früher über Fußball berichtet wurde. Nicht zuletzt ja mit einem guten Ende für den HSV.

Der Reporter heißt Fritz Klein und sagt so Sachen wie „Tor.“ oder „Fehler“ oder „Ach, ist hier eine Dramatik.“ oder „Magath, der Kapitän“ oder „45. Minute, nach meiner Uhr bereits die 46.“

Es ist einfach fantastisch zu hören. Zu sehen natürlich auch. Und wem das alles noch nicht verlockend genug klingt, dem sei ein „Caspar Memering“ entgegengeworfen.

12. Oktober 2014
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Kult (West) vs Kult (Ost) 3:0

3:0. Wobei — eigentlich ging der Vergleich 1:1 aus, nur auf dem Platz eben nicht. Da schoss Kult (West) drei Tore, nachdem aber auch schon früh im Spiel einer der Kicker von Kult (Ost) vom Platz musste, weil er zuvor elfmeterwürdig gefoult hatte.

1:1 hingegen bei der Anfeuerung, der Lebendigkeit, der Unterstützung. Spielte man auf St. Pauli aber nicht des Gegners Song (wie banal und naheliegend diese Geste doch eigentlich ist), wie es eben Brauch ist, so hätten die Unioner nicht ganz so ausgiebig ihren Teil zu einem gelungenen Fußballkultur-Abend späten Vormittag beitragen können. Dass sie immer noch die Version der Astro-Spinnerin besingen, sei mal außen vorgelassen. Denn ansonsten war das eine Atmosphäre zum Zungeschnalzen für all jene, welchen diese überbordende Rivalität und alle Anwandlungen von Hass etc. pp. dermaßen auf den Senkel gehen, dass sie die Ohren jedes Mal auf Durchzug stellen müssen, um noch ein wenig vom Spiel genießen zu können.

So wie es beim Autor der Fall ist. Weshalb das Ganze nicht nur als Zuseher das gewisse je-ne-sais-pas hatte, sondern auch ganz tief drin ein wenig Erleichterung schaffte: dass Fußball frei von größerer Idiotie auf den Rängen möglich sein kann. Mit Applaus (!) gar für die Schiedsrichter (ob das bei anderen Spielverläufen auch so ist, ist unbekannt, und dennoch erstmal schon für sich bemerkenswert).

Welche Konflikte die einzelnen Parteien untereinander in jenem Hamburger Klub auch austragen mögen und wie sehr der ganze Trubel auch ritualisiert und beim nächsten Mal nicht mehr so mitreißend sein mag, wie sehr er auch durch den günstigen Spielverlauf bedingt gewesen sein mag:

Dass man ein Fußballfest feiert und sich vorher und mittendrin einfach wie normale Menschen benimmt — das ist leider selten, und war leider genau deshalb sehr schön.

(Die Daten zum Spiel.)

8. Oktober 2014
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Sieben feine Fußball-Podcasts (Folge I)

Das Folgende dient als Service für all jene, welche weiterhin sonntags den Doppelpass oder Ähnliches konsumieren, weil ihnen schlicht keine Alternativen bekannt sind. Dass jedermann weiß, was Podcasts sind, ist hier auch klar.

Als ich letztens zum ersten Mal beim #tkss in Köln weilte, trat ich doch glatt beim draußenstehenden Reden voll ins Fettnäpfchen, auch wenn meine geäußerte Meinung durchaus nichts Verwerfliches an sich hatte. Ich suchte mir allerdings ausgerechnet Klaas Reese von Reessessportkultur aus, um diesem zu entgegnen, dass heutzutage doch niemand mehr Radio höre (in leicht gelangweilt-despektierlichem Ton vorgetragen). Viel zu langsam, lesen sei doch viel schneller.

Einen Mann, der selbst beim Radio arbeitet und einen der besten Podcasts der Republik betreibt, hatte ich damit zu leichter Gegenrede bewogen: aber wenn es gut sei?, fragte er mit der ihm eigenen Höflichkeit.

Gab es noch gutes Radio, nicht nach jedem Wortbeitrag von 2:30min unterbrochen, nicht mit nervtötender Werbung und nicht mit wenig Tiefe? Keine Ahnung, ich war schließlich seit Jahren „im Internet“ und hörte überhaupt keine gesprochenen Wörter in Medien mehr außer jene von Fußballkommentatoren.

Doch wenn Klaas Reese dies als Job betreibt, kann es eigentlich nicht sein, dass das alles so wenig Tiefe besäße wie es bei 1Live zum Mantra erhoben wurde. Und schließlich war ich ja auch selbst zu einem einstündigen Gespräch bei DRadio Wissen gewesen, ebenfalls nicht unterbrochen von Musik.

Es müsste also irgendetwas geben, was sich tatsächlich zu hören lohnte. Allein, zu jener Zeit fehlte noch das im Wochenablauf freizuschaufelnde Zeitfenster, um sich so langsam in das Hinabzubegeben, was immmer mehr Leute mit Sportinteresse im deutschsprachigen Raum zu konsumieren scheinen: Podcasts, ein von der Sendezeit unabhängiges Radio.

Als das dann endlich gelungen war, eröffnete sich eine neue Welt. Nicht immer „von Fans für Fans“, wie sich manche in Betonung ihres Nonprofitums und auch der Parteilichkeit rühmen, oft auch von beeindruckendem Niveau, sowohl inhaltlich als auch in der Machart — und manchmal dann doch ganz herrlich subjektiv.

In den nächsten Tagen werden noch weitere Sparten der Podcasts zu Fußball folgen, heute sind die ersten sieben in nichtwertender Reihenfolge dran, welche alle jeweils über einen bestimmten Verein (oder welche Rechtsform diese Konstrukte auch immer haben mögen) berichten.

Vollraute

Vollraute Podcast Sascha, der jenseits der durch Moers verlaufenden Scheide von Gladbach- und Schalke-Fans lebt und dennoch Fan der Borussia vom Niederrhein wurde, ist hier federführend und hat zwischen einem und vier ständigen Mitstreitern. Überwältigender Detailreichtum bei Ausgaben wie dem Saisonrückblick oder ausführliche Stimmungsbilder von Partien wie jener in Zürich erwarten den Hörer hier.

Natürlich gilt wie bei allen folgenden Podcasts, dass ein Grundinteresse an den Vorgängen rund um den jeweiligen Club vorhanden sein muss. Diese Fülle an Informationen erhält man so kondensiert wohl in keiner normalen Zeitschrift, gleichwohl wird damit auch klar: bei der Vollraute geht’s um das Spiel und das ist ernst. Wer Unterhaltung möchte, kann ja den Doppelpass einschalten.

Vollraute.

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Grünweiß

Grün-Weiß-Stammtisch Ein Podcast über Werder Bremen, mit den selben Vorzügen wie bei der Vollraute. Menschen, die extrem genau verfolgen, was sich rund um den Verein ereignet und noch dazu in mehr als halben Sätzen formulieren können. Diese werden dann schon mal etwas länger, aber genau das will man mit derartigen Werken ja zur Verfügung stellen. Gedanken, die die Abhängigkeit vom jeweiligen Tagesergebnis hinter sich lassen.

Obwohl hier jetzt nicht jeder einzelne Teilnehmer bei den Podcasts genannt werden wird, kennen die meisten sicher auch die ebenso detailreichen Ausführungen von Tobias vom Blog „Meine Saison“. Hier gibt es diese Form der Gedanken dann aufs Ohr und noch dazu im Austausch mit seinen Mitstreitern.

Grünweiß.

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Textilvergehen

Textilvergehen Das Textilvergehen ist Vorreiter in so vielen Dingen gewesen: eine der ersten Frauen mit einem Blog über Fußball, in diesem Fall über Union Berlin, welches auch größere Aufmerksamkeit erlangte. Die darauf folgende Verwebung mit den Zuständigen im Verein, viele Fotos aus dem Innenraum und auch einer der ersten Podcasts, der dann auch langen Atem bewies. Inzwischen ist man bei über 200 Ausgaben angelangt. Natürlich wie bei fast allen Podcasts auch immer gerne mit Gästen vom Gegner oder wie zuletzt mal eine Podcast-Größe aus anderem Metier: Tim Pritlove. Berliner Schnauze macht das Ganze rund.

Textilvergehen.

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Eintracht-Podcast

Der wohl subjektivste der hier vorgestellten Podcasts ist der Eintracht-Podcast. Hier wird gerne mal ganz reinherzig geflucht über Ereignisse aus vergangenen Spielen.

Es ist aber nicht nur Jux und Dollerei, die Macher waren auch schon live auf einer Web-Tage-Bühne in Frankfurt mit ihrem Podcast zu hören. Außerdem gibt’s Verlosungen von Tickets und ähnliches Miteinbeziehen von Hörern und nicht zuletzt — natürlich der Hauptgrund zum Einschalten — eine sehr espritgeladene Runde inklusive ebenfalls — wie beim Textilvergehen — weiblicher Podcasterin.

Eintracht-Podcast.

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Bockcast

Welcher Klub einen Bock in seinem Wappen hat, verrät ja schon das Bild hier links. Immer mehr Leute wechseln vom Bloggen zum Podcasten, so hat auch dieser Betreiber eigentlich lange nur gebloggt, nun gibt es den „Bockcast“ als Ergänzung, Erweiterung, Bereicherung zum Blog.

Inzwischen hat der Macher vom Bockcast sehr häufig Gäste und manches Mal grenzt es dann schon an Comedy, wenn so richtig geschlagfertigt wird. Dennoch nicht zu verwechseln mit dem Doppelpass, der ja nie unterhaltsam war, sondern nur platt. Auch hier nicht zu überhören: da ist jemand leibhaftiger Fan.

Bockcast.

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Rautenradio

Es gab nicht viel zu lachen für die Macher vom Rautenradio in den letzten Jahren. Hier geht es schließlich nicht um jene Raute aus Mönchengladbach, sondern um jene aus Hamburg. Neben den sportlich schweren Zeiten kam dann noch die ungewünschte Ausgliederung hinzu.

Gepodcastet wird aber trotzdem, immerhin hat man dann auch etwas zu diskutieren. Und da der Autor schon in den heiligen Hallen des Aufnahmeortes anwesend war, darf er bezeugen, dass das Rautenradio technisch bestens ausgerüstet ist und zudem neben der gebotenen Ernsthaftigkeit seinen nordischen Humor noch nicht verloren hat, der immer wieder durch die Zwiegespräche blitzt.

Rautenradio.

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Neverkusen-Podcast

Man kann es kaum glauben, aber es existiert tatsächlich ein Podcast über Bayer Leverkusen auf englisch. Host ist hier ein Mann von der Westküste der USA, der neben dem ganzen Neverkusen-Team aus aller Welt und aus Deutschland auch immer mal wieder die eine oder andere Größe virtuell an Land ziehen kann.

Vor Kurzem war Frank Lußem vom kicker als Experte fürs Sportliche zu Gast, dann berichtet auch schon mal @friedaelaine vom Leverkusener Fankongress. Und wer sich nicht davon schrecken lässt, dass es um Bayer Leverkusen geht, der wird auch die Hürde des Englischen nehmen, denn das spricht der Host, ebenso wie übrigens Deutsch, sehr rein und klar. Man will schließlich nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden.

Neverkusen-Podcast.

3. Oktober 2014
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Knapp vorbei ist nicht immer daneben

Eine interessante Frage, so man zu den Nerds gehört, kam letztens bei den Tweets von @artus69 nach Borussia Dortmunds Partie beim RSC Anderlecht auf:

Zählen Pfosten- und Lattentreffer zu den „shots on target“ in einer Statistik, die während und nach dem Spiel mal wieder Interpretations-Hinweise für die Spielblinden geben soll?

Die Antwort war meines Wissens: nein.

Ein Schuss an den Pfosten oder an die Latte zählt nicht als „shot on target“, also nicht als Schuss aufs Tor. Denn dieser Schuss würde ja unabhängig von der Reaktion des Keepers zu keinem Tor führen. Der Ball prallt ab, nicht immer zurück ins Spielfeld. Meistens ins Toraus und so gibt es dann Abstoß und das Stadionpublikum hat ebenso wie alle Kommentatoren und späteren Zeitungsreporter etwas zum Atem Anhalten und Berichten bekommen.

Dabei gelangt man aber wieder mal zu einer Frage, so als Fußball-Nerd und Zahlen-Skeptiker rund um den Fußball, der den Umgang mit diesen Werten in Frage stellt, oder ihn zumindest gerne diskutieren möchte:

Ist ein Schuss an den Pfosten, den der Torwart mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreicht hätte, nicht als viel wertvoller einzuschätzen als ein Schuss, den der Torwart mühelos pariert, der aber als „on target“ zählt? Bei welchen von beiden Situationen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tor fallen könnte, größer?

Und müssten nicht deshalb ganz knapp vorbeistreichende Torschüsse ebenso als wertvoller und eben nicht als vermeintliches Scheitern („off target“) bewertet werden, als ein Schuss, der zwar „on target“ ist, aber eben genau deshalb kein Problem für den Torwart darstellt, weil er aus der jeweiligen Position heraus viel zu sehr „on target“ ist, in dem Fall dann „auf den Mann“ und deshalb zu keinerlei Gefahr führt?

22. September 2014
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Premiere: das erste Online-Fußballquiz (hier im Blog)

Durch die nette Entdeckung des Services von www.tryinteract.com gibt es heute zum ersten Mal auch einen Ausschnitt der monatlichen Quizfragen hier im Blog — und zwar nicht nur zum Angucken und Nachdenken, sondern zum Anklicken und Ausfüllen samt automatischer Auswertung.

Kleine Einschränkung, was das reale Quiz im Steinbruch und an anderen Orten angeht: dort gibt es neben einer Bilderrunde auch noch eine etwas verzwicktere Mittelrunde. Zudem konnten hier jetzt nur Fragen genutzt werden, bei denen Multiple-Choice-Antworten umsetzbar sind. Im Resultat ist es deutlich einfacher als in echt, weil die meisten Fragen dort offen gestellt werden.

Nichtsdestotrotz sollte es sicher gut unterhalten. Wer die Antworten googlen möchte, kann nicht daran gehindert werden, wer es nicht tut, kann ja vielleicht seine Punktzahl in den Kommentaren hinterlassen. Twittern kann man sie aber auch, dann wird es auch noch ein bisschen weitergetragen. Zu gewinnen gibt es heute jedoch nix. Und leider bleibt dieser Quiz-Durchgang hier eine Ausnahme. Schließlich sollt Ihr alle selbst in den Steinbruch kommen und dort als Team spielen.

Was wiederum den zweiten wichtigen Unterschied darstellt: hier kann man nun nur alleine spielen, im Team rauchen bis zu fünf Köpfe, also sowohl so als auch so rauchen sie. Dafür gibt es andererseits keine zeitliche Einschränkung, die in realiter existiert. Langer Rede, kurzer Sinn:

Viel Spaß mit den 40 Fragen.


(PS: Es ist möglich, dass es nicht funktioniert, weil das Ganze noch recht jung ist. Für den Fall bitte ich um Nachsicht. Oder um neu laden und noch mal versuchen.)

21. September 2014
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Als Günther Jauch noch innerhalb seiner Kragenweite fuhrwerkte

Ein sehr später Nachtrag zu Sepp Maiers 70. Geburtstag:

Günther Jauch mit dem Bundestorwarttrainer Sepp Maier während der EM 1988.



Ja, die ersten 60 Sekunden sind etwas schwieriger zu überstehen. Dann geht es mittels „Schalte“ ins Quartier der Nationalmannschaft am Tegernsee, moderiert von Günther Jauch. Dabei demonstriert Jauch, wofür er eigentlich gemacht ist. Schade, dass nicht nur er, sondern auch alle um ihn herum das vergessen zu haben scheinen. Aber das hat ja mit Fußball nichts zu tun. Sehr schön ist allerdings der Helge-Schneider-Moment zu Beginn der Verlosung.

Günther Jauch — die bessere Kathrin Müller-Hohenstein.

21. September 2014
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Alles Käse

Es spricht für ihn, dass sich Felix Magath im Lande von Wallace & Gromit („Alles Käse“, orginal: „A Grand Day Out“) den Gepflogenheiten seiner Gastnation anpasst und seine Maßnahmen auf dortige Sitten einstellt. Warum nicht mal eine Verletzung mit dem Auflegen von Käse behandeln, wenn das Land doch so voller wohlmundendem Käse ist?

Dass er das tat, entnimmt man diesem so unterhaltsamen wie bizarren Mittel-Longread für den Sonntag Vormittag im Guardian.

Etwa 20% der Menschen glauben an esoterischen Quatsch, warum sollten dann nicht auch unter den Trainern ein paar dabei sein, die auf derlei schwören?

Wolfgang Frank ließ seine Spieler mal auf Minzblättern herumkauen, nachdem er sie um 7h morgens ohne Frühstück zum Waldlauf gebeten hatte. Von Mirko Slomka ist der Einsatz von „Kraftsteinen“ und einer Art Wunderheiler bekannt. Da fällt Magaths Käse-Auflegen fast schon ab, kann doch sicher niemand beweisen, dass Käse keine heilende Wirkung hätte, zumindest bei innerer Anwendung. Und ein bisschen kulinarische Inspiration hat noch nie geschadet.

Problematischer sind da eher die anderen Aspekten seiner Trainings- und Menschenführung, die in jenem Beitrag dargestellt werden. Dass er Spieler in sein Büro ruft und sie dann minutenlang anschweigt, war auch schon aus Deutschland bekannt.

Jetzt kommen ein paar weitere schöne Anekdoten aus England hinzu. (Wer nicht so gut englisch beherrscht, findet bei der Welt eine Übersetzung der skurrilsten, äh, Klöpse.)

Magaths Image als Trainer dürfte nun endgültig, wenn nicht verbrannt, so doch zumindest geschmolzen sein. Heute gibt es Käsesuppe.

19. September 2014
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Immer noch unheilbar

Wenn man sich die Frage stellt, warum Mario Gomez in der Nationalmannschaft so unbeliebt ist, darf man einen Aspekt nicht vergessen. Weil an jeder Ecke an die eine vergebene Torchance gegen Österreich immer und immer wieder erinnert wird, als könnte man diesen Geist nicht endlich mal ruhen lassen.

Dass dabei die Realität verdreht wird, macht es sicher nicht entscheidend schlimmer, aber auch nicht gerade besser. (Hervorhebungen von hier). Alle Beiträge aus den letzten Tagen:

Der Spiegel schreibt:

„Seit er bei der Europameisterschaft 2008 gegen Österreich einen Ball aus kurzer Distanz über das Tor schoss, hat er einen schweren Stand im Nationaltrikot.“

Sport1:

„Fünf Meter vor dem Tor stolpert Gomez den Ball in bester Slapstick-Manier über das Gehäuse.“

Morgenweb:

„Bei der EM 2008 gegen Österreich in Wien säbelte er den Ball übers leere Tor […]“

Es wird nicht richtiger, indem man es gedankenlos ständig wiederholt. Gomez schoss bei der EM 2008 keinen Ball aus kurzer Distanz übers Tor. Inzwischen gibt es zwar einige, denen das wieder eingefallen ist, aber längst noch nicht allen.

Wie es wirklich war, sieht man z. B. hier (mit ein bisschen Diskussion dazu).

Die Erinnerung an diese eine Situation ständig wachzuhalten — glaubt jemand ernsthaft, eine einzige, wie wurschtig auch immer vergebene Torchance kann der Grund für jahrelange Pfiffe sein? Nein, das behaupten die Autoren nicht. Warum aber muss das Ganze dann stets falsch wiedergekäut werden?

Man kann das alles wohl nur im Geiste von Heinrich Lübke ertragen, der nach dem Wembleytor 1966 Folgendes von sich gab:

„Ich habe im Fernsehen genau gesehen, wie der Ball im Netz zappelte.“

Dann wird es auch so gewesen sein.

17. September 2014
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Wo warst Du?

Weil es sich gerade allgemeiner Beliebtheit erfreut:

Wo warst Du?

Also auf dem Platz. Ich habe in meinem ersten Vereinsspiel linker Verteidiger gespielt, im zweiten linkes Mittelfeld und danach für den Rest meines Lebens „Linksaußen“. Ich weiß also nicht, wie es im Mittelteil des Spiels zugeht, den Strafraum kenne ich durchaus und sogar die rechte Seite von einigen dort ausgeführten Eckbällen. Aber im Spiel war ich nie weiter rechts als bis in der Mitte ungefähr. Eine sehr beschränkte Sicht aufs Spiel, die mir nichtsdestotrotz sehr gefallen hat. Später, im Hobbyfußball, ging ich auch mal öfter ins Tor, etwas, was ich ebenfalls sehr mochte.

Wo habt Ihr gespielt, warum und gerne oder nicht so gerne? Welche Sicht aufs Spiel bieten andere Positionen, wie ist da der Fußball? Ich würde es gerne wissen, weil ich immer von links vorne aufs Spiel blickte. Vielleicht hab ich damit einige wichtige Impressionen oder auch Erkenntnisse verpasst. Das würde ich jetzt gerne nachholen.

16. September 2014
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You can leave Kleingeist, but Kleingeist never leaves you

Ach, ist es nicht herrlich — das Vergessen? Was wäre das Leben doch ohne das Vergessen? Heute Mist gebaut, kurz darauf erinnert sich schon kaum jemand inklusive einem selbst. Sehr angenehm, das.

Es gibt allerdings einige extrem seltene Fälle von Menschen, die sich ab der Pubertät an alles erinnern, was je in ihrem Leben passiert ist. Diese verfügen teils über drei Mal so große Hirnareale fürs episodische, also aufs persönliche Erleben bezogene Gedächtnis wie es dem Durchschnitt entspricht — und erinnern sich an jeden Aspekt ihres Lebens, den sie je mitgemacht haben, als sei es heute.

Sich jederzeit an alles erinnern zu können, was man so verbrochen, gesagt und ausgetauscht hat, kann vielleicht irgendwann mal ein Vorteil sein, klingt aber tendenziell eher nach der leibhaftigen Hölle. Man wird schließlich älter und die Witzchen, die man so auf dem Schulhof riss, wurden schon kurz nach dem Abitur eher schal.

Im Falle von Karl-Heinz Rummenigge darf man aber beruhigt sein, dass er nicht zu dieser seltenen Subgruppe der Menschheit zählt. Er ist eher ein klassischer Vergesser, wie es das menschliche Hirn aus nachvollziehbar ökonomischen Gründen zu sein pflegt.

Leider ist er aber ein so besonders intensiver Vergesser, dass sein episodisches Gedächtnis nicht mal über einige wenige Jahre hinweg funktioniert. Es ist gerade mal 2 Jahre her, dass er, der gerade der Presse vorwirft, „Rassismus“ zu betreiben, weil der FC Bayern irgendwo als „FC Espanol Bayern“ bezeichnet wird, sich in einer Weise äußerte, die unzweifelhaft chauvinistisch ist.

Es war nach dem gewonnenen Elfmeterschießen im Halbfinale der Saison 2011/2012 bei Real Madrid, als Karl-Heinz Rummenigge ans Mikrofon des bei CL-Spielen üblichen Nachtempfangs des FC Bayern trat, und seine ebenso üblichen Worte an die versammelte Mannschaft und die erlesenen Freunde des großartigen FC Bayern aus München richten wollte.

Allein, das Mikrofon funktionierte nicht. Warum, ist nicht überliefert, vielleicht hatte Karl-Heinz aus Lippstadt selbst nicht den richtigen Knopp gedrückt, vielleicht hatte schlicht und ergreifend ein Kabel seinen Dienst aufgegeben. Die Reaktion des Mannes von Welt war dann aber beruhigenderweise vollkommen souverän und frei von jeglichem kleingeistigen Chauvinismus:

„Typisch Spanien — nichts funktioniert hier.“

Man darf gespannt sein, ob sich Rummenigge gerne an diese Worte erinnern lässt, jetzt, da gleich fünf Spanier in seinem Team unter Vertrag stehen. Nichts funktioniert in Spanien, während er selbst bekanntlich die gesamte deutsche Zivilgesellschaft in seinem bisherigen Berufsleben mit eigenen Händen aufgebaut hat, indem er Zeit seines Lebens nichts Anderes tat als Bälle in Torgestänge zu schießen oder später einem Fußballverein vorzustehen.

Es ist dieser latente Rassismus, der aus Rummenigges damaligen Worten sprach, mögen sie auch eher flapsig gemeint gewesen sein, der sein aktuelles Vorwort so verlogen wirken lässt. Salonrassismus ist nicht besser, weil er im Salon stattfindet. Hier wäre es im Traum nicht eingefallen, einen so trivialen Umstand wie ein nicht funktionierendes Mikrofon gleich auf die negativen Eigenschaften eines ganzen, angeblich nicht funktionierenden Volks zu attribuieren.

In diesem Kontext muss man aber wohl auch Rummenigges kürzliche Attacke auf die Presse sehen, die sich nachweislich keines Rassismus schuldig gemacht hat. Aus seinem Angriff sprach wohl eher die Angst vor dem eigenen Denken, vor dem eigenen latenten Rassismus.

„Manche glauben jetzt schon wieder, Deutschland sei der Nabel der Welt“ — es liegt auf der Hand, dass er damit angesichts seines Spruches im Jahr 2012 nur sich selbst gemeint haben kann. Denn anders als in Deutschland funktioniert im unzivilisierten, dunklen Südland namens Spanien typischerweise nichts.

15. September 2014
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Schneller als der Regen laufen

Wenn man sich selbst im Regen aufhält, wirkt er nie so stark wie wenn man von drinnen aus dem Fenster auf den Regen schaut. Das ist für die meisten Fälle des Alltags recht irrelevant, weil man in den meisten Fällen drinnen ist, wenn es regnet. Aber für jenen Fall, dass man ein Fußballspiel zu spielen beabsichtigt, ist es etwas wichtiger als sonst.

Schließlich plant man, sich mindestens 90 Minuten und so der Schiedsrichter es will noch ein paar Minuten länger in diesem Regen aufzuhalten. Oder beim Training unendliche (weil herrliche) Minuten an Zeit im Regen.

Hat es je einen Fußballspieler gegeben, ob jung, alt, professionell oder von Letzterem weniger, der sich beschwert hätte, dass es regnet, während er Fußball spielt? (Im Falle der jüngeren Fußballspieler mag es da einige gegeben haben, die wurden aber nicht alt, als Fußballspieler.)

Nein, hat es nicht gegeben, was erstaunlich ist, läuft man doch gemeinhin nur in außergewöhnlichen Zuständen gerne und freiwillig länger als für ein paar Minuten im Regen herum.

Dem Fußballer macht das nichts aus.

„Bei dem Regen willst Du zum Training gehen?“

So hört man die entsetzten Stimmen noch nicht mal Erziehungsberechtigter, sondern gleichaltriger anderer Menschen nicht fragen, vielmehr vorwerfen. Dass „Wieso nicht?“ hier keine akzeptbale Antwort sein würde, weiß man aus Erfahrung, obwohl die Antwort doch völlig zutrifft.

Wenn man läuft (und spielt, anders als beim reinen Joggen), merkt man den Regen doch gar nicht. Man läuft ihm davon. Klar, er tropft schon mal ins Gesicht, ins Auge, über die Lippen, in den Mund gar, heftiges Atmen gehört dazu. Aber dorthin dringt Schweiß ebenso und solchen vergießt man beim Fußballspielen nun mal ohnehin. Auch wenn es nicht regnet.

Man fragt auch keine Schwimmer, ob sie es nicht eklig finden, in einem Becken zu schwimmen, in das sie selbst (und alle Mitschwimmer) hineinschwitzen, stundenlang bleiben sie in dieser Brühe und fühlen sich doch pudelwohl wie Fische im Wasser. Und die können bekanntlich nicht schwitzen.

Man sollte den Versuch nicht unternehmen, Außenstehenden begreiflich zu machen, dass es völlig egal ist, ob einem nun der Schweiß oder das Regenwasser ins Gesicht läuft. Oder dass selbst nasse Trikots, nass von einem Pfützensturz auf einem Ascheplatz, so lange nichts ausmachen, wie das Spiel läuft. Danach zieht man es ja ohnehin aus.

Doch Schweiß, Wasser, Tränen vielleicht auch, vom eisigen Wind, man ist sowieso völlig mit allen Sorten von Flüssigkeiten bedeckt, machen niemandem etwas aus. Auch innerlich rauscht das Blut rasanter durch die Adern als wenn man zu Hause am Fenster säße und nach draußen blickte. Alle Flüssigkeiten marsch, wir stehen auf der Brücke auf rauer See, doch wie es auch peitscht und faucht, der Ball muss nun mal ins Tor, niemanden schert da der Ruf nach Obdach wegen ein paar Tropfen mehr oder weniger.

„Ja.“

„Du bist verrückt.“

Nicht jedes Mal bei dieser Frage denkt man den ganzen obigen Gedanken zu Ende, man hat ihn ja schon verinnerlicht und muss ihn nur anstupsen, mit einem Tröpfchen Regen oder mit einer blöden Frage, und schon ist er voll aktiviert.

„Ja. Bis nachher.“

Dann stapft man durch den Regen den Hinweg entlang und später umgezogen aus der Kabine, das Klackern der Stollen auf dem Weg zum Platz ein bisschen gedämpfter als sonst. Und natürlich wirkt es draußen erstmal nass, vom Regen. Wenn man ins Becken springt, ist es auch für einen Moment kalt und neunass.

Danach nicht mehr.

Dann läuft alles wie sonst auch, mit den kleinen Apfelstrudeln zum Training gereicht, dass der Ball viel weiter glitscht als sonst, sich erfreut viel schneller um die eigene Achse dreht, dass die Rasenhalme an ihm kleben bleiben, man ihn leicht schaustellerisch abwischt, bevor man einen Eckball tritt, und dass die Stollen tiefer in den aufgeweichten Boden eindringen als ohne den Regen. Weshalb man jetzt schon weiß, dass man abends noch seliger einschlafen wird als an normalen Spieltagen und am nächsten Tag trotz Austrainiertheit die Muskeln ganz leicht spüren wird, dieses angenehme, nur leichte Zwicken, das ja nicht nur geistig befriedigt, sondern tatsächlich körperlich.

„Da bin ich wieder.“

Das dazugehörige „War gut.“ grinst man nach innen und von außen plitschplatscht es aufs Fenster.

9. September 2014
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Ist die EM-Quali wörklöch so schröcklöch öde?

Nun, das wissen wir noch nicht, ob die EM-Quali öde sein wird. Aber wir wollen es retrospektiv einschätzen können, ob sie es gewesen sein wird.

Jaja, der neue Qualifikationsmodus macht alles langweilig. Doch auch wenn man die Reform der EM (das dicke Ende kommt ja erst am, äh, Ende, also beim eigentlichen Turnier) hier nicht entschuldigen möchte: Schaut man sich die Gruppen genauer an, sind in den meisten zumindest die Plätze hinter dem vermeintlich sicheren Gruppensieger keineswegs so vorhersehbar, wie vielleicht anzunehmen war.

Deshalb das folgende Spielchen zur Einschätzung der Vorhersehbarkeit dieser EM-Quali. Auch wenn jetzt schon ein Spieltag rum ist, dürfte es für dieses Vorhaben noch nicht zu spät sein. Flugs noch mal nachgelesen: Die ersten beiden Teams qualifizieren sich direkt. Der punktbeste Gruppendritte ebenfalls. Die übrigen acht Gruppendritten spielen in den gehabten Playoffs gegeneinander die vier verbliebenden Endrunden-Teilnehmer aus.

Wer wird in den Gruppen jeweils Erster oder Zweiter und wer wird Dritter? Auflösung leider erst in anderthalb Jahren, aber dann sicher interessant zu sehen, wie viel man heute ahnte. Also bitte einmal für jede Gruppe die zwei sicheren direkten Qualifikanten und einen Dritten in den Kommentaren tippen. Danke.

Zur Einfachheit hier die Liste aller Gruppen mit ihren Teilnehmern:

Gruppe A: Niederlande, Tschechien, Türkei, Lettland, Island, Kasachstan.

Gruppe B: Bosnien und Herzegowina, Belgien, Israel, Wales, Zypern, Andorra.

Gruppe C: Spanien, Ukraine, Slowakei, Weißrussland, Mazedonien, Luxemburg.

Gruppe D: Deutschland, Irland, Polen, Schottland, Georgien, Gibraltar.

Gruppe E: England, Schweiz, Slowenien, Estland, Litauen, San Marino.

Gruppe F: Griechenland, Ungarn, Rumänien, Finnland, Nordirland, Färöer.

Gruppe G: Russland, Schweden, Österreich, Montenegro, Moldawien, Liechtenstein.

Gruppe H: Italien, Kroatien, Norwegen, Bulgarien, Aserbaidschan, Malta.

Gruppe I: Portugal, Dänemark, Serbien, Armenien, Albanien.

Gewinne gibt’s keine, außer einer imaginären vergoldeten Glaskugel, aber wie gesagt — erst in anderthalb Jahren. Eine sinnvolle Investition in die Zukunft also, hier mitzuraten/-expertisen.

9. September 2014
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Das Wunder von Wien

Heute blieb es aus, das Wunder von Wien, wieder nur 1:1 zu Hause, es wird ja wieder nichts mit der EM-Qualifikation. Wenn sie aber schon länger nicht mehr so richtig Fußball spielen können, eins können sie in aller Regel, sagt das Klischee: Humor und Selbstironie, Stichwort Schmäh und Kottan. Kennt man vom gemeinen Michel oder besser gesagt Piefke eher nicht.

Vor der EM 2008 wurde in Österreich jedenfalls eine Mockumentary mit dem Titel „Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“ erstellt, in der gemockumentariet wurde, dass Österreich den Titel gewonnen habe. Natürlich mit einer Gijon-gleichen Situation im letzten Vorrundenspiel gegen Deutschland und einem Cordoba-gleichen Sieg gegen Deutschland im Halbfinale. So weit, so vorhersehbar, aber angenehm inszeniert. Vielleicht etwas lang geraten, aber viele Fußballpromis, ob vom grünen Rasen oder aus den Medien, haben bei diesem Werk eines hier nicht bekannten österreichischen Satirikers mitgemacht.

In hiesigen Gefilden wäre es wohl eher peinlich geworden, besitzt dies Werk jenes Etwas, was es liebenswert macht.

Hier Teil 1 der Mockumentary „Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“.



Zu allen 6 Teilen.

Und, ja, der Franz, der Netzer und selbst Trapattoni wirkten ebenfalls mit. Bei einer Satire!