Fred Eastwood, der Anti-Podolski

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Vor dem Spiel Deutschlands in Wales hörte man eigentlich genug über den Roma Fred Eastwood, auch in einem leider jetzt nicht mehr verfügbaren Artikel der Berliner Zeitung. Obwohl solche Fünf-Absatz-Zusammenfassungen der Karriere und des Charakters eines Spieler, wie dort eine vorlag, immer auch ein wenig klischeebeladen, weil vereinfacht sind, sind die Gründe von Fred Eastwoods Wechsel zu den Wolverhampton Wanderers bemerkenswert:

„Er fühle sich stark genug für die Premier League, sagte Freddy Eastwood damals, wolle aber nicht auf der Bank sitzen, sondern jede Woche spielen.“

Was hindert Lukas Podolski daran, zu einem Verein zu gehen, bei dem er Stammspieler wäre? Ist es der schlechte Berater? Oder ist es das Gefühl, gescheitert zu sein, wenn er Bayern verlässt, ohne je Stammspieler gewesen zu sein? Sollte er unbedingt Champions League spielen müssen, um sich „international“ weiterentwickeln zu können, gibt es da auch noch Werder Bremen, den FC Schalke 04 und — wie jedes Jahr — Hertha BSC Berlin.

4 Kommentare

  1. Ein Vier-Jahres-Vertrag hindert Lukas Podolski daran, in Kombination mit dem Sachverhalt, dass Hoeneß keinen Vorteil davon hätte, ihn ziehen zu lassen. Leider.

  2. Vielleicht ist es auch einfach Geld das ihn hindert zu wechseln…

    OT:
    Mein Vorschlag für die Alliteration der Woche:
    http://www.11freunde.de/newsticker/106018

  3. Hier ist der Artikel über Eastwood aus der Berliner Zeitung. Hab ihn archiviert, die Geschichte ist bemerkenswert. Werde seine Karriere sicher weiterverfolgen.

    Aber jetzt der Artikel:

    Kraft im Fuß
    Der Waliser Stürmer Freddy Eastwood fordert in der EM-Qualifikation Jens Lehmann heraus

    Matti Lieske

    CARDIFF. Freddy Eastwood hat sehr genaue Vorstellungen, was er am Sonnabend anstellen will, wenn er mit Wales das EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland (20.30 Uhr, ZDF) bestreitet. „Sobald ich einen halben Meter Platz habe, werde ich auf Lehmann schießen“, erklärte er vor Journalisten in Cardiff. Das klingt martialisch, aber plausibel, denn der 23-Jährige ist überzeugt, dass Jens Lehmann nach seinen zwei groben Fehlern im Tor des FC Arsenal zu Saisonbeginn die große Schwachstelle im deutschen Team darstellt. „Er ist ein guter Keeper, aber er hat seine Momente“, weiß Eastwood.

    Erst vor zehn Tagen hat Freddy Eastwood sein erstes Länderspiel für Wales bestritten – und traf gleich mit einem prächtigen 25-Meter-Schuss zum 1:0-Sieg in Bulgarien. „Ich glaube nicht, dass sich Lehmann sonderlich vom bulgarischen Torhüter unterscheidet“, sagt der Stürmer des Zweitligisten Wolverhampton Wanderers. Der Vergleich mit Dimitar Ivankov wird dem deutschen Torwart nicht gefallen, doch von Eastwoods Schusskraft hat er sicherlich schon gehört. Die ist spätestens seit dem November 2006 berüchtigt, als er für Southend City in der vierten Runde des Carling Cups mit einem Freistoß aus fast 30 Metern gegen Manchester United traf. Der Zweitligist warf den späteren Champion sensationell mit 1:0 aus dem Wettbewerb. Wales-Coach John Toshack ist überzeugt, mit Eastwood den idealen Partner für Craig Bellamy gefunden zu haben, der beim FC Liverpool Fernando Torres weichen musste und nun für West Ham spielt. „Wir haben jetzt vorn einen Stürmer, der sein Geschäft versteht“, sagt Toshack über Eastwood, „das Tor in Bulgarien war etwas ganz Spezielles.“

    Auf dem Pferdewagen

    Etwas ganz Spezielles ist auch Freddy Eastwood. Er entstammt einer Familie von Roma, und er ist für Wales spielberechtigt, weil sich der Wohnwagen seiner Urgroßeltern gerade in der Nähe des walisischen Ortes Llanelli befand, als sein Großvater geboren wurde. Selbst wuchs er in Basildon in Essex auf, wo er mit seiner Frau Debbie, Sohn Freddy jr. und Tochter Chardonnay bis vor kurzem in einem Bungalow auf einem von Travellers genutzten Grundstück lebte. Seinem Einsatz war es zu verdanken, dass das Gelände im Herbst 2006 nicht, wie geplant, geräumt wurde, sondern die dort ansässigen Roma ein Aufenthaltsrecht für weitere fünf Jahre erhielten. Vor seinem Wechsel nach Wolverhampton zu Beginn dieser Saison wurde er oft gesehen, wie er auf einer Landstraße in Essex mit dem Pferdewagen spazieren fuhr.

    Als Zwölfjähriger bekam Eastwood das Angebot, die Bobby-Charlton-Fußballschule von Manchester United zu besuchen, aus der Leute wie David Beckham, Ryan Giggs oder Paul Scholes hervorgingen. Die Familie lehnte ab, weil es zu weit von Essex entfernt war. Lieber spielte er in der Jugend von West Ham United, wurde aber mit 19 entlassen, weil man ihn nicht für gut genug hielt und meinte, er nehme den Sport nicht ernst. Danach arbeitete er im Gebrauchtwagenhandel seines Vaters und trug sich mit dem Gedanken, den Fußball aufzugeben. Über den Amateurklub Grays Athletic, wo er 37 Saisontore schoss, kam er dann jedoch zu Southend City und trug mit seinen Treffern zum Aufstieg in Englands zweite Liga bei. Aus dieser stieg der Klub zwar gleich wieder ab, doch Eastwoods 23 Tore genügten als Empfehlung für andere Teams und für das walisische Nationalteam.

    Er fühle sich stark genug für die Premier League, sagte Freddy Eastwood damals, wolle aber nicht auf der Bank sitzen, sondern jede Woche spielen. Bei den Wolverhampton Wanderers, die ihn für 1,5 Millionen Pfund von South-end holten, schoss er in den ersten fünf Spielen vier Tore. Grund genug, auch für das Spiel gegen Deutschland zuversichtlich zu sein. „Wenn sie uns unterschätzen, werden sie sich umgucken“, sagte er in Cardiff, räumte aber ein, dass auch ein Unentschieden schon „ein unglaubliches Resultat für uns wäre“. Dann kam er unvermeidlich wieder auf Jens Lehmann zu sprechen. „Wenn man meine Form sieht und seine, halte ich meine Chancen für ziemlich gut.“

    Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings noch: Eastwood muss aufgestellt werden. Das gilt zwar als wahrscheinlich, doch auch sein Konkurrent um den Platz neben Bellamy im walisischen Angriff fühlt sich stark genug, gegen Lehmann zu treffen. Und Robert Earnshaw hat beste Referenzen. Sein Debüt für Wales bestritt er im Mai 2002 – in Cardiff traf er zum 1:0-Sieg im Testspiel gegen Deutschland.

    Berliner Zeitung, 07.09.2007

  4. Danke! Schön, wenn man so motivierte Leser hat.



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