Peps panische Anspannung

Ob Pep Guardiola nun akzeptabel Deutsch gelernt hat für die Zeit und Mittel, die ihm zur Verfügung standen, ist natürlich nicht abschließend zu beantworten. Sollte er tatsächlich einige seiner Sätze vorher auswendig gelernt haben, dann ist das zwar legitim, allerdings nicht das, was man gemeinhin darunter versteht, eine Sprache zu beherrschen. Dass Guardiola erkannt hat, dass man in New York schlechter Deutsch lernt als in einem Land, in dem Deutsch gesprochen wird, lässt für ihn und die Zukunft aber unbedingt hoffen.

Seltsam angespannt wirkte er aber schon bei seinen ersten Worten auf Deutsch, auf der Pressekonferenz im Münchner Stadion. Das könnte damit zu tun haben, dass man im Hause Hoeneß angeblich schon mal unter Tarif zahlt, wenn jemand Sprachschwierigkeiten hat.

Die Pressekonferenz war also der erste, vielleicht entscheidende Test, wie man Guardiola als Arbeitnehmer nun einsortieren würde. 10 Millionen Euro im Jahr oder vielleicht doch nur 1.380 Euro im Monat?

Verständlich, dass Pep Guardiola ganz schön ins Schwitzen kam und mehr als ein Mal geradezu panisch die Kopfhörer mit der Übersetzung aufzog, um dann einigermaßen erleichtert wieder auf Deutsch antworten zu können.

Denn im Hause Hoeneß sei man bei Sprachschwierigkeiten nicht zimperlich, wird kolportiert:

Während die NGG dem Unternehmen vorwirft, die 290 Beschäftigten mit einem Niedriglohn von 1.380 Euro brutto abzuspeisen, wolle Florian Hoeneß keine Zahlen nennen. Mit einem Lohn dieser Größenordnung habe er aber für „Ungelernte mit Sprachschwierigkeiten überhaupt kein Problem.“ Das sei branchenüblich. Vielmehr trage der Verbraucher die Verantwortung, der immer alles möglichst billig kaufen wolle. Zudem könne der Staat ja entsprechende Mindestlöhne einführen.

(Quelle von 2010).

Der Trainerberuf ist bekanntlich kein (richtiger) Ausbildungsberuf, insofern wäre Pep Guardiola ein Ungelernter mit Sprachschwierigkeiten gewesen. Nach dem halbwegs akzeptabel bewältigten Sprachtest in der Pressekonferenz ist er nur noch ein Ungelernter ohne Sprachschwierigkeiten und darf sicher seine paar Millionen einstreichen. Puh, zum Glück bestanden!

Ganz so nervös hätte Guardiola aber ohnehin nicht sein müssen: 1.380 Euro im Monat reichen doch auch zum Leben. Verhungert ist in der Wurstfabrik jedenfalls noch niemand.

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„Es ist ein Pokal“ — das Logo der EM 2016 in Frankreich

Hm, Fußball also. Ein großes Fußballturnier in der nicht so großen Fußballnation Frankreich, was könnte man da als Logo nehmen?

Vielleicht etwas ohne jeglichen Inhalt? Ja, eine gute Idee. Also abgesehen von dem, was ohnehin klar ist. Die besten Fußballer Europas spielen in Frankreich (die haben eine Nationalflagge in drei Farben) um die Europameisterschaft. Der Gewinner erhält einen Pokal. Dann … nehmen wir doch einfach den Pokal und machen drumherum ein bisschen was in den Farben Frankreichs. Auf dass sich schon im August 2016 niemand mehr an dieses Logo wird erinnern können. Denn das wollen wir ja erreichen, totale Beliebigkeit, in der jeder etwas für sich findet, aber niemand sich an irgendetwas am Logo stören kann.

Also ganz anders als das Logo der WM 2006 und damit wurde wieder einmal bewiesen, dass die Franzosen eben Stil im Blut haben — und die Deutschen, also das Organisationskommitee der WM, da irgendwo einen Freund hatte, der doch auch mal was mit Grafikdesign … und herauskommt etwas, für das die Vokabel Fremdschämen noch zu niedrig gegriffen ist.

Für die EM 2016 also ein großes dickes Nichts. Nichts, was mit dem Turnier, einer Vision, einer Idee, der Kultur des Ausrichterlandes zu tun hätte, so harmlos wie harmlos nur geht. Beliebig und ohne Inhalt. Das aber immerhin so geschickt fabriziert, dass wer möchte, ein lachendes Gesicht im gezeigten EM-Pokal erkennen kann.

Positive Emotionen wecken, nicht anecken. Man könnte sich diese Logos inzwischen sparen, könnte man nicht?

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Sportspiegel-Reportage über Gerd Müllers Abschied vom FC Bayern

Der Sportspiegel drehte 1979 diesen 40-Minüter unter dem gleichnamigen Titel über „Kleines, dickes Müller“ und man muss aus mehreren Gründen ein paar Tränchen verdrücken:

So viel Zeit für die hintergründige Betrachtung eines Fußball-Stars, so wenig Pathos, gar keine alles Authentische niederschreiende Hintergrundmusik und auch keine Schnittvergewaltigungen der Realität.

Vor allem aber so viel Gerd Müller in offenen Worten wie sonst nie (und heute leider schon gar nicht mehr) über Ängste, Selbstvertrauen, Gegenspieler zu jenen Zeiten und auch seine Trauer, wie er nur noch als Zuschauer Ende 1979 im Olympiastadion sitzend seinen früheren Kameraden beim Spiel zuschaut.

Gerd Müller, wie man ihn nicht kannte — und Sportjournalismus, wie man ihn sich wenigstens ein bisschen mehr wünscht.



Zuerst geteilt vom umtriebigen Scudetto.

Achja, und Franz-Josef Strauß kommt auch drin vor. Und in Nördlingen, Müllers Heimatstadt in Bayern, spricht man Schwäbisch. Der Müller Gerd selbst hingegen quasi kein Englisch, dafür angenehm viel übers Fußballspielen; zudem ist eine schöne Studie über die kulturellen Eigenarten jener Zeit zu erleben.

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Dekompositions-Häppchen am Abend

Hey, natürlich ist das hier alles immer nur Sammeln aus zweiter Hand. Eine Zeitung ist es hier nicht. Nur ein Blog.

Aber ich glaube, man würde zustimmen, wenn man sagt, dass es wenig Anlass gibt, grundsätzlich an der Aufrichtigkeit der FAZ (im Sportteil jedenfalls) zu zweifeln, oder?

Heute jedenfalls ein neues Häppchen zur Dekomposition zum vermeintlich großen Meister im deutschen Fußball, dem Heiland, dem mehrfachen U-Europameister und natürlich Triple-Sieger, alles allein durch seine Blut-Schweiss-und-Tränen-Reden und den nie nachlassend eingeforderten Ehrgeiz bewirkt.

Gefunden von Calli Camp in den Kommentaren, blicken wir doch gerne darauf, ob nach den folgenden Zeilen überhaupt noch etwas zum Dekompositionieren übrig ist:

„Wären in dieser Zeit Spielstrukturen geschaffen worden, sähe man das noch heute auf dem Platz. Es ist auch kein Geheimnis, dass Nachfolger Dutt in ziemlich leere Aktenordner blickte, als er nach solchen Strukturen suchte. Außer ein paar Hochglanzbroschüren mit knackigen Überschriften fand sich da offenbar nicht viel.“

Und weiter geht es auch mit diesen Worten:

„Selbst Förderer und Unterstützer von Sammer im DFB zeigen sich mittlerweile ’sehr enttäuscht‘, wenn es um die Nachhaltigkeit seines Wirkens auf dieser Ebene geht.“

Alles in der FAZ: Deutschland – null Punkte! gefunden. Wer gerne am Mythos festhalten möchte, dass Matthias Sammer der den Fußball verstehende Heilsbringer ist, für den sind, das soll ja nicht verschwiegen werden, auch ein paar Brosamen im Text enthalten:

„Tatsächlich hat sich einiges in der Nachwuchsarbeit getan. Die Professionalisierung der Teams hat sich nicht zuletzt dank Sammer deutlich verbessert. Personal ist auf allen Ebenen hinzu gekommen.“

„Sehr enttäuscht“ kann man allerdings auch nur dann sein, wenn man Matthias Sammer bei Installierung gar nicht gefragt hat, was dieser denn wohl so zu tun gedenkt, wenn dann am Ende fast nichts bei herauskommt. Insofern ist die Enttäuschung zwar verständlich, wäre genauso aber auch vermeidbar gewesen.

(Weitergeführt von den „Dekompositions-Häppchen am Morgen“.)

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Das älteste Fußball-Stadion der Welt

Gemeinhin gilt der Hampden Park im schottischen Glasgow als das älteste Stadion der Welt. Leserinnen und Leser von Trainer Baade wissen es ab heute besser. Im französischen Örtchen Autun im Depertament Saône-et-Loire im Burgund spielt der lokale Fußballklub seine Spieler in einem Stadion, naja, auf einem Fußballplatz, der von einem alten römischen Amphitheater gesäumt ist, womit seine Tribünen ungefähr 2000 Jahre alt sein dürften und dadurch einiges älter als das am 9. Juni 1867 eröffnete Stadion Hampden Park.

So sieht es dann aus, wenn man in Autun Fußball spielt, der Platz im Hintergrund rechts, vorne das Amphitheater, welches offensichtlich auch für profane Veranstaltungen wie Musikkonzerte genutzt wird. Da darf man annehmen, dass man sich auch bei Fußballspielen auf die Jahrtausende (zwei, um genau zu sein) alten Steintribünen des Amphitheaters von Autun setzen darf. Womit es das älteste Fußballstadion der Welt sein dürfte, wenn auch nicht zu diesem Zweck errichtet. Oder weiß jemand von einem noch älteren Stadion, in welchem heute dieser neumodische Fußball gespielt wird? Älter als das Stadion aka Amphitheater des Football Club Autonios?

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„Macht, Moneten, Marionetten“ von @jensweinreich jetzt schon kaufen

Man wird unweigerlich älter und altert zusammen mit seinem Blog und dessen Inhalten. Wie @artus69 am Freitag feststellte, war das 1:0 der deutschen Nationalmannschaft über Polen an jenem Tag bereits 7 Jahre her. Begonnen wurde dieses Blog durchaus aus der Perspektive des Fanboys, der sich zwar der Machenschaften der FIFA bewusst ist (immerhin gab es von Anfang an die Kategorie „Neues von der Diktatur“), aber doch hauptsächlich zuschaut, um den WM-Titel als Fan zu erleben, mit hier und da ein bisschen Geplänkel über Stilblüten in den Medien oder die Show bei der Gruppenauslosung zur WM 2006.

Im Laufe der Jahre wandelt man sich aber und auch wenn die Inhalte hier selten aus journalistischer Recherche-Arbeit bestehen, kann man immer seltener die Augen davor verschließen, dass der Unterhaltungsbetrieb Fußball in erster Linie ein Geschäft bedeutet. Durchaus eines mit vielen Emotionen, aber eben ein Geschäft. Das war er früher zwar auch schon, aber die Dimensionen haben sich potenziert und zudem kann man vom gerade erst Fanboy Gewordenen keine kritische Distanz einfordern. Sicher aber von jemandem, der schon länger zuschaut. Und so mag ich am Schalker Königsblog ebenso wie — insbesondere in diesen Tagen — beim MSV-Duisburg-Blog Zebrastreifenblog ihre Haltung, die zwar von großer Leidenschaft für den jeweiligen Verein geprägt ist, aber eben eine gesunde Entfernung zu den Handelnden beibehält und ihnen gerne unverhohlen auf die Finger klopft. In diesen Tagen auch mit zunehmender Reichweite und Einfluss auf die am jeweiligen Verein Interessierten.

Für die Verbände fehlen derartige Blogger naturgemäß, wer wird schon Fan von DFB, UEFA oder FIFA? Zwar hat Andreas Rüttenauer, nicht zugelassener Gegenkandidat bei Niersbachs Wahl zum DFB-Präsidenten, das DFB-Watchblog aufgemacht, doch ist ein solches über die UEFA nicht bekannt. Und für die FIFA, den harten Job, diese mehr als kritisch zu begleiten, wo Gelder in private Taschen fließen, Entwicklungsländern Weiße Elefanten in Form von Stadien abgepresst werden, welche nach 3 Vorrundenspielen niemand mehr benötigt geschweige denn unterhalten werden können, wo Ränkespiele und Intrigen den Fußball so geschickt auspressen, dass es die meisten Fußballfans nicht mal mitbekommen, dafür gibt es einen Leuchtturm in der deutschen Sportmedienlandschaft, den wohl die meisten Blogleser hier kennen dürften: Jens Weinreich.

Er beobachtet auch die Sportfunktionäre anderer Sportarten, aktuell plant er ein Buch zur bevorstehenden Wahl des neuen IOC-Präsidenten, bei welcher Thomas Bach beste Chancen eingeräumt werden. Und auch wenn das IOC vielleicht einen halben Schritt weiter sein könnte als die FIFA, was innere Kontrolle angeht, wird dort extrem viel zu berichten sein. Dubiose Netzwerke, die ihren Ursprung teilweise in den Machenschaften jenes Horst Dasslers besitzen, dessen Unternehmen adidas heute einen Großteil des Sportartikelmarkts beherrscht, welcher so hervorragend bei Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften in aller Welt beworben wird.

Um das Buch zur Begleitung dieser Wahl zu erstellen, versucht Jens Weinreich zum ersten Mal eine Vorfinanzierung des Projekts durch seine Leser, durch die Crowd im Internetz, also durch uns alle. Passenderweise wendet er sich mit diesem Plan an eine Unternehmung mit dem Namen „Krautreporter“, die sich zur Aufgabe gemacht hat, unabhängigen Journalismus zu finanzieren. Eigenbeschreibung:

Entdecke und ermögliche unabhängigen Journalismus – Krautreporter ist eine neue Finanzierungs-Plattform für journalistische Projekte.

Jens Weinreichs kommendes Buch kann man unter Macht, Moneten, Marionetten mitfinanzieren. Ein schickes Video erklärt, worum es gehen wird, mehr dazu auch in seinem Blogbeitrag. Dass die Hälfte der benötigten Summe bereits erreicht ist, lässt hoffen, dass Krautreporter bzw. alle, die sich dort beteiligen, Jens Weinreich die Möglichkeit geben wird, ein unabhängig finanziertes Buch über die Machenschaften beim IOC zu erstellen. Und das gilt es schließlich zu unterstützen: echter, kritischer Journalismus in einem Metier, wo sich Vieles außerhalb jeglicher seriöser Kontrolle bewegt. Auch im Fußball, und damit eben in jenem Bereich, in dem wir alle einst mal Fanboys waren, aber lange ernüchtert und erwachsen wurden.

Geht’s hin und kauft Jens Weinreichs IOC-Buch schon heute, auf dass es entstehen wird. Denn das ist der Knackpunkt beim Krautreporter: Es geht nicht um Spenden, sondern darum, das Produkt jetzt schon zu bezahlen, um es später in den Händen halten zu können.

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Dein Bundesliga-Moment

Ja, „Dein Bundesliga-Moment“ aus 50 Jahren ist gefragt.

Damit sind wir dann endgültig im profanenen Wald- und Wiesenjournalismus angelangt. Die Verknüpfung von den Leserinnen und Lesern, den Fans, den Liebhabern mit ihrem Objekt der Liebe, ganz nach dem Motto „Wo waren Sie, als Michael Kutzop den Ball an den Pfosten schoss?“ — „Ich brutzelte mir gerade eine Currywurst, weil ich nach dem vielen Bier vor dem TV Hunger bekommen hatte, die Currywurst dampfte und vernebelte die Sicht auf das TV-Gerät, aber an der Art des Aufschreis meiner Frau konnte ich erkennen, dass etwas sehr Dramatisches passiert sein musste.“ — „Vielen Dank Herr Budenbender aus Bergisch Gladbach.“ wollen wir auch hier heute verfahren, bzw. das gestern bei Twitter begonnenen Spielchen fortführen.

Was war Dein Bundesliga-Moment* in 50 Jahren Existenz dieses Unterhaltungsbetriebs?

(Oder zwei oder drei Momente, ganz wie Belieben.)

Meiner war definitiv der von Jean-Marie Pfaff gehaltene, von Manfred Kaltz getretene Elfmeter in der 96. Minute beim 2:2 des FC Bayern gegen den Hamburger SV, aber auch das schöne Spiel BVB gegen Bayern mit den zig Gelben und Roten Karten, in jenen Jahren, als an vorderster Front ein gewisser Stefan Effenberg Fußball zum Kampfsport fehluminterpretierte. Und das 6:0 des VfL Bochum gegen den FC St. Pauli bei strahlendem Sonnenschein und damit (ich glaube) den Einzug in den UEFA-Pokal festmachend war ebenfalls toll.

Gestern haben schon einige mitgemacht und ihre Momente der Bundesligageschichte genannt, ich habe mir erlaubt, diese in die Kommentare zu legen oder stellen, natürlich Vieles dabei, was jeder kennt, aber nicht ad hoc erinnert, wie zum Beispiel … ach, seht und antwortet selbst.

* Kann auch ein gesamtes Spiel, eine Anekdote aus dem Zuschauerbereich oder ein einzelnes Tor, Foul, Spielabbruch, Grätsche oder Münzwurf sein, wie auch immer.

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Blonder Pop, gerne ein bisschen verrückt

Zur Einleitung sei erinnert, dass in der spanischsprachigen Fußballwelt eine noch größere Variabilität bei den vergebenen Spitznamen von Aktiven des Sports — Trainer oder Spieler — herrscht als hierzulande. Alle, welche nicht zufällig „el pibe de oro“ genannt werden, das ist allerdings nur einer, tauft man zwischen Feuerland und kurz vorm Baskenland nämlich „el loco“, was so viel bedeutet wie „der Verrückte“. Die Verrücktheit der so Bezeichneten besteht dann oftmals darin, dass sie so etwas Verrücktes tun wie sich für ihre Arbeit als Trainer oder Spieler über 90 Minuten Training am Tag hinaus begeistern zu können. Dass sie mit dem Bus zum Training fahren oder mehr als zwei Bücher gelesen haben. Crazy! El pibe de oro (der eine) oder el loco (alle anderen).

In Deutschland ist man ähnlich kreativ, wenn auch noch „einen Tick“ (Völler), „ein Stück weit“ (Niersbach) mehr als in den spanischsprachigen Ländern. Hier nennt man Spieler im typisch teutonischen Wunsch nach einem Leitwolf gerne einen „Capitano“. Heute Michael Ballack, gestern bekanntlich Lothar Matthäus, morgen sicher jemanden wie Mesut Özil, der schließlich schon in Spanien spielt, was aus typisch teutonischer Sicht irgendwie das Gleiche ist wie Italien. Und dass man sich für Özil mal einen türkisch geprägten Beinamen einfallen ließe, darf man überall erwarten, nicht aber in Fußballdeutschland.

Kommen wir zum zweiten denkbaren Beinamen, der in Fußballdeutschland zu vergeben ist. Nicht jeder kann schließlich ein Capitano sein, per DFB-Regeln in aller Regel ohnehin nur einer pro Team. Spanien el loco, Deutschland Capitano und: der Blonde Engel. Das, so weiß nicht allein der Kenner, ist Bernd Schuster.

Nun zu etwas nicht völlig Anderem. Der Tagesspiegel wählt für sich gerade eine Elf der 50 Saisons Bundesliga. Mit dabei sind so Spieler wie der Capitano, also beide Capitanos, Ballack/Matthäus, aber auch der Blonde Engel. Wie kommt das? Hat Bernd Schuster nicht nur anderthalb Saisons in der Bundesliga gespielt und entfleuchte dann auf ewig ins Land der el locos? Barça, Real, Atletico? Nein, hat er nicht, er war ja auch noch einige Jährchen als mittleres Missverständnis bei Bayer Leverkusen aktiv. Der Blonde Engel aus Augsburg. Und zum besten Spielgestalter der Bundesliga wählte man Günter Netzer, der „Erste Popstar des Fußballs“.

Eine kleine Laudatio hat man ihm dann auch gegönnt. Was man aber tatsächlich über Günter Netzer lernen könnte, wenn man denn wollte, ist nicht das, was der Tagesspiegel über ihn an Anekdötchen kredenzt. Gut, es mag tatsächlich noch genau eine Person rund um Berlin geben, die noch nichts von den Fakten „Lovers Lane“, Gladbacher Stadionzeitung und Händler von Fußball-TV-Rechten in Günter Netzers Vita gehört hat. Für genau diese eine Person (evtl. „el loco“ genannt) lohnte es sich natürlich, das noch einmal aufzuschreiben. Dass Netzer sich damals im Pokalfinale selbst einwechselte, wird aber selbst diese eine fußballfernere Person in Berlin schon einmal gehört&8230; zzz.

Dabei wäre doch eine Abweichung vom ewig selben Wiedergekäuten gerade aus Anlass eines solch besonderen Jubiläums und jenes Specials des Tagesspiegels willkommen gewesen. Wir hätten erfahren können, dass Günter Netzer nicht nur eine Diskothek betrieb, sondern auch ein Restaurant namens „La Lacque“. Dass er sich dazu auch als Taxi-Unternehmer (!) in Mönchengladbach versuchte. Dass alle drei Unternehmungen finanziell scheiterten und er sie wieder aufgeben musste. Einzig die Sache mit der Stadionzeitung florierte ein wenig.

Das wäre mal zumindest für Spätgeborene Neues gewesen, und wir hätten sogar erfahren können, dass man Günter Netzer in seiner Zeit bei Real Madrid einen Spitznamen verpasste, den nicht nur hiesige Blogger für eindeutig an Bernd Schuster gekoppelt hielten. In Madrid nannte man Netzer den „Blonden Engel“, wenn auch mit dem Zusatz „mit den großen Füßen“, wohl zur Unterscheidung von eventuell später kommenden „Blonden Engeln“, wie es sicher auch diverse el locos mit diversen Zusatzeigenschaften gibt.

Oder dass Netzer eine Meinung zum Thema „Stallgeruch“ in der Bundesliga hatte, welche im Jahre 1978, man höre und staune, als äußerst progressiv galt:

„‚Wie in England, in Italien oder Spanien sollten auch in Deutschland nur ehemalige Fußballer in Fußballvereinen Manager werden‘, erklärt Fachmann Netzer nun.“

Der Kaufmann Dr. Krohn wurde beim Hamburger SV wegen Fußballahnungslosigkeit aus dem Amt entfernt, und durch einen Ex-Fußballer ersetzt; eine Wendung der Fahrtrichtung in der Bundesliga, an der bis heute so mancher Verein schwer zu schaffen hat.

Wir hätten auch, das alles im Text vom Spiegel von 1978, „Pop und Pep“, lange bevor es Letzteren übrigens als Person im deutschen Fußball gab, erfahren, dass Günter Netzer neben der viel zitierten Lovers Lane auch noch eine Versicherungs-Agentur und einen Sportartikel-Großhandel betrieb sowie seinen Namen auf Fußballprodukten an Puma vermarktete, neben den schon erwähnten Ästen Taxi-Unternehmen, Restaurant, Discothek, Stadionzeitschriftsbetreiber und nicht zuletzt späterem Rechtehändler. Dass Netzer, sicher wohlweislich heute gerne unter Verschluss gehalten, Sohn eines Samenhändlers ist, ist nun auch nicht gänzlich uninteressant.

Es muss allerdings einen Grund geben, warum man sich immer auf Lovers Lane, Selbsteinwechslung und TV-Experten Netzer beschränkt, wenn man über ihn spricht. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass Kreativität im Fußball (Capitano, Blonder Engel, el loco) nicht nur bei den Aktiven in weniger als handelsüblichen Dosen existiert, sondern auch bei jenen, die drüber schreiben. Denn den Artikel vom Spiegel zu finden, dafür hätte man einfach nur googlen müssen (hier war er auf Platz 2) und schon hätte man seine Leser nicht derart langweilen müssen.

La Lacque, Taxi fahr’n mit Jünter und Großhändler von Fußbällen. Mehrfach gescheiterter Unternehmer.

Natürlich liegt auch das kaum über Anekdotenniveau, aber eben den Horizont erweiternd, wie die 50 Jahre Bundesliga tatsächlich von den Handelnden gestaltet wurden, und nicht allein dem ewig gleichen Narrativ folgend. So könnte es sein, dass dieses Narrativ allein aus Bequemlichkeit tradiert wird, dass es sich zu einer Art Mem in Bezug auf manche Personen entwickelt hat, welches durch ständige Wiederholung zur einzig wahren Interpretation dieser Handelnden mutierte, oder dass menschliche Gehirne per se einfach so funktionieren, dass man Etiketten verteilt, die dann auf ewig haften bleiben und nicht mehr hinterfragt werden (müssen), wobei die letzten beiden Erklärungsansätze mehr oder weniger inhaltlich das Selbe bedeuten.

Selbst die im Fußball in so geringer Zahl vorhandenen Spitznamen leben länger als jene, welche sie tragen, sie überdauern ihre Besitzer, nach etwa einem Jahrzehnt ist ein Spitzname wieder frei und kann an jemand anderen vergeben werden. Die so Titulierten müssen oder je nach gusto dürfen dann mit all den zugehörigen Eigenschaften kokettieren, ohne dass sie sie je in realiter besessen haben müssen.

Aus der selben Kategorie stammt wohl, dass Pop und Pep zwei Vokabeln sind, die uns offensichtlich schon seit 1978 immer wieder begegnen. Gotik nicht, Gothic schon gar nicht, Romantik nicht, Impressionismus nicht, es muss immer Pop sein.

Am liebsten Blonder Pop, gerne ein bisschen verrückt.

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Deutscher Meister: Fortuna Düsseldorf

Das war sie tatsächlich mal, Deutscher Meister, die Fortuna aus Düsseldorf. Allerdings ist das heute auf den Tag genau 80 Jahre her. Und weil dieses Ereignis noch dazu so singulär blieb, musste man sich einen Zeitungsartikel von damals gleich einrahmen und ins Museum in die eigene Kneipe hängen.

Verständlich, liebe Fortunen, denn im Original werdet Ihr diese Schlagzeile nicht mehr am Zeitungskiosk erblicken.*

Gesehen (und gefeiert) von Check von hinten, welcher bekanntlich in dieser Stadt des deutschen Meisters von 1933 beheimatet ist.

* Was nicht bedeutet, dass Fortuna Düsseldorf nie wieder Deutscher Meister werden wird, sondern dass das Ableben der klassischen, papiernen Zeitung respektive von Zeitungskiosken schneller eintreten wird als die nächste deutsche Meisterschaft der Fortunen. Aber das ist ein anderes Thema.

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Zwei große Talente (des amerikanischen Fußballs)

Bitte mit der amerikanischen Akzent vorgaukelnden Stimme von Ben Wett im Kopf lesen. Denn heute gibt es Nachricht aus den USA.

Kennen Sie die hobbymäßige Fußballerin Marilyn Lange? Nein? Sollten Sie aber. Sie ist die erste Frau, die in der nordamerikanischen, längst versunkenen NASL gedraftet wurde, wie Sports Illustrated unter „Remembering the NASL draft“ erzählt. Für die Liga der Männer wohlgemerkt.

Es gibt zwar noch ein, zwei andere Gründe als ihr Interesse für Soccer, warum man Marilyn Lange kennen könnte, hier geht es bekanntlich aber immer um Fußball. So spielte die Holde damals selbst gerne in ihrer Wahlheimat Hawaii jenen Soccer, den auch die NASL betrieb. Woraufhin sie Eingang in den Pool der zu draftenden Spieler und in dem Fall Spielerinnen des Drafts des Jahres 1976 erhielt. Zwar war die Aktion nur ein Marketinggag, denn zum Einsatz kam sie für Chicago Sting nie. Weil sie aber so erfolgreich Promo für die gesamte NASL und ihre Chicago Sting machte, folgten noch im selben Draft die Tampa Bay Rowdies mit dem Draft der Frau B.J. Woodward, welche allerdings ebenfalls nie zum Einsatz kam.

Eine junge Frau in der nordamerikanischen Soccer-Liga. Einmal mehr unterstreicht der Draft von Marilyn Lange, dass man in Amerika schon wusste, wie Show machen geht, als hierzulande im Stadion noch die Polizeikapellen in Uniform getragene Hymnen oder im Wortsinne Märsche als Unterhaltung der Zuschauer bliesen.

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Bela vs Beckmann

Gerade geht das Transkript der Kommentatorenleistung von good old Béla Réthy beim Champions-League-Finale durchs Blogosquarium.

Ein alter Hut, möchte man da anmerken.

Von der Partie Brasilien — Kroatien bei der WM 2006 liegt hier schon länger das Transkript von Reinhold Beckmanns damaliger Kommentatorenleistung herum. Zugegebenermaßen nicht so nett aufbereitet. Aber getz mal ehrlich: Liest sich solche Transkripte irgendjemand auch nur ansatzweise durch? Okay, Beckmanns Spruch über (den wahren) Ronaldo ist ganz gelungen, aber sonst?

Beckmann bei der Arbeit Teil 1

Beckmann bei der Arbeit Teil 2

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Dekompositions-Häppchen am Morgen

Nur für den Fall, dass es nicht aufgefallen sein sollte, im Zuge dieses Anliegens:

Während viele Stimmen unbegründeterweise Matthias Sammer, dem geschiedenen DFB-Sportdirektoren, die Verantwortung für die Titel der U-Mannschaften zuschreiben, hält Matthias Sammer selbst jemanden, der sich auf diesen Posten begibt, für einen „Idioten“, wenn auch einen guten.

Der Tagesspiegel behauptet, Sammer verließ den DFB, „weil der Job ihn wegen zu geringer Einflussmöglichkeiten langweilte“.

Sein Einfluss war ihm selbst zu gering.

Derartige Infos werden langsam, aber fröhlich zusammengetragen und dann wird irgendwann ebenso fromm dekompostiert, äh, dekompositioniert.

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Germany — Ecuador 4:2
Eine Welt ohne Hype ist möglich

Die USA-Reise ist in vielen Aspekten eine außergewöhnliche Erscheinung, zumindest im deutschen Länderfußball. Eine Erscheinung, welche hier außerordentlich goutiert wird. Nun kann man und muss sowieso niemanden überreden, sich für Partien zu interessieren, welche in der Atmosphäre eines Mittags vor einem Sommerfest, dazu ohne Stammspieler durchgeführt werden.

Doch hat eine solche Reise für den Connoisseur viel zu bieten, wie die Partie Deutschlands gegen Ecuador wieder einmal bewies.

Da wäre zunächst der Umstand, dass keine Miniturniere mehr existieren, wie es der/die/das Mundialito mal war. Oder jenes Vierländerturnier in West-Berlin als Entschädigung dafür, dass die Stadt kein Austragungsort bei der EM 1988 sein konnte. Die USA-Reise ist zwar kein Turnier, aber immerhin eine wenn auch kurze Folge von Partien des selben Kaders.

Gefolgt vom Umstand, dass es selten nur noch Länderspiele der Deutschen auf neutralem Boden gibt, die nicht Teil eines großen Turniers sind. Entweder man spielt beim Gegner, zu Hause oder eben bei einem solchen Turnier. Die Partie gegen Ecuador kannte nur auf dem Papier ein Heimteam.

Was wiederum zu Punkt Drei führt: Es war eines der selten gewordenen Länderspiele ohne den ausgesprochen widerlich gewordenen Schlandismus, dessen Auswüchse inzwischen noch das Niveau jener hauptsächlich zum Konsumieren von geistigen Getränken genutzten Karnevalsparties unterschreiten. Denn für ein Freundschaftsspiel fliegen nicht mal alle vom Club der Freunde der Nationalmannschaft bis nach Florida — und von den Ecuadorianern waren auch nicht viele zu sehen.

Was direkt zum vierten angenehmen Aspekt führte: Endlich mal wieder zu erleben, dass Fußball nicht nur im Berliner Olympiastadion, in Köln, Nürnberg oder auch in Mailand, Athen, Amsterdam in immer gesichtsgleicher werdenden Arenen stattfindet, nicht nur in der TV-Traumwelt, die man aus diesen Stadien zaubert. Sondern schlicht in einem schnöden College-Stadion, welches doch glatt nur über drei Tribünen verfügt.

Und so sommerlich entspannt, ohne Schlandismus, sogar ohne „TV-Experten“, welche ohnehin meist die Bezeichnung inhaltlich nicht rechtfertigen, lief dann auch die Partie. Was darin gipfelte, dass sich Tom Bartels gar nicht mehr beruhigen konnte, dass die Ordner den Flitzer nicht sofort per Massensprint von allen Seiten zu Fall brachten und als Schwerverbrecher abführten, sondern schlicht gewähren ließen.

Wie es dem tatsächlichen Vorfall bei einem Flitzer nun mal auch angemessen ist. Sicher will niemand, dass Spiele ständig davon unterbrochen werden, wenn manche das gar als Profession betreiben, mit Werbung auf dem Shirt flitzen, wird es lästig. Das Flitzen an sich aber ist so dramatisch wie wenn vor einem Spiel die verkehrte Hymne gespielt wird: Es ist nun mal einfach ein Garnichts, egal wie schwer Bartels in sein Mikro hyperventiliert.

Vom Spielverlauf sah der Autor aufgrund aktueller Meidericher Metamorphosen leider nicht alles, um hier schlaue Sätze absondern zu können. Dieser Podolski aber, der könnte was für die A-Mannschaft sein.

Was für ein Genuss es doch war, ein Fußballspiel ohne all diesen lästigen Hype zu sehen, ob ohne Schlandis vorm Kneipen-TV, im Stadion selbst oder bei den Berichtenden.

Was wäre der Fußballkosmos nur ohne diese USA-Reisen der Nationalmannschaft?

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[Update] Die vergessenen Niederlagen

[Update 29.5.2013] Premiere: Erstmals verliert ein deutscher Club ein Finale gegen einen deutschen in der Champions League. Ergibt natürlich automatisch einen deutschen Verlierer, wobei diese Niederlage vielleicht nicht ganz so wahrscheinlich vergessen werden wird wie die übrigen.

[Update] Mal sehen, ob wir morgen eine weitere Finalniederlage mit deutscher Beteiligung ergänzen müssen. Allgemein muss man festhalten: In diesem Jahrtausend überhaupt erst ein einziger Titelgewinn! Da ist wohl nicht viel mit zweit- oder drittbester Liga Europas.

Fast vergessen, zu aktualisieren.

Letztens diskutierten wir die UEFA-Cup-Final-Niederlage des 1. FC Köln gegen Real Madrid, bei der nach einem 1:5 im Estadeo Santiago Bernabeu ein 2:0 im Rückspiel in Berlin gelang, welches nach Adam Riese und auch nach der UEFA nicht dazu reichte, dass der 1. FC Köln seinen ersten Europapokal gewönne.

Danach erreichten mich viele, viele (das Pendant zum Vogts’schen „sehr, sehr“) Wortmeldungen, die mitteilten, dass die betreffende Person gar nicht von dieser Niederlage gewusst hätte. Um genau zu sein war es eine Wortmeldung, die reichte aber aus, mich zu diesem Beitrag zu motivieren. Denn kurz davor schon war ich auf eine Niederlage gestoßen, die mir selbst fast unbekannt war. Ich hatte irgendwann mal davon gelesen, es aber dann schon lange zu den anderen Files auf meiner Festplatte gelegt, was nichts Anderes bedeutet als diese Information dem Sarlacc zu überantworten, dem ewigen Schlund, auf dass die Information nie wieder auftauchen möge.

So kommen wir also heute dazu, alle Europapokal-Final-Niederlagen deutscher Klubs, und ja, auch gerne aus der DDR und von mir sogar gerne aus Österreich und der Schweiz, zu sammeln. Und da man nicht umsonst Leser hat, die etwas für ihr Geld tun sollen, geht diese Frage zunächst mal nicht an mich, sondern an Euch:

Welcher deutsche/ostdeutsche/österreichische/schweizer Klub verlor in welcher Saison in welchem Wettbewerb ein Europapokalfinale?

Nun, eins habe ich ja oben schon verlinkt, und die Mutter aller Niederlagen wird wohl auch niemand vergessen haben. Wären wir bei zweien. Da fällt mir natürlich sofort auch noch Bayer Leverkusen ein, doch dabei soll’s erstmal bleiben. Jetzt Ihr.

  • 1960 Europapokal der Landesmeister Real Madrid – Eintracht Frankfurt 7:3
  • 1965 Europapokal der Pokalsieger West Ham United – 1860 München 2:0
  • 1968 Europapokal der Pokalsieger AC Mailand – Hamburger SV 2:0
  • 1973 UEFA-Pokal FC Liverpool – Borussia Mönchengladbach 3:0 und 0:2
  • 1977 Europapokal der Landesmeister FC Liverpool – Borussia Mönchengladbach 3:1
  • 1978 Europapokal der Pokalsieger RSC Anderlecht – Austria Wien 4:0
  • 1979 Europapokal der Pokalsieger FC Barcelona – Fortuna Düsseldorf 4:3 n.V.
  • 1980 Europapokal der Landesmeister Nottingham Forest – Hamburger SV 1:0
  • 1980 UEFA-Pokal Eintracht Frankfurt – Borussia Mönchengladbach 2:3/1:0
  • 1981 Europapokal der Pokalsieger Dynamo Tiflis – Carl Zeiss Jena 2:1
  • 1982 UEFA-Pokal IFK Göteborg – Hamburger SV 1:0 und 3:0
  • 1982 Europapokal der Landesmeister Aston Villa – Bayern München 1:0
  • 1985 Europapokal der Pokalsieger FC Everton – Rapid Wien 3:1
  • 1986 UEFA-Pokal Real Madrid – 1. FC Köln 5:1 und 0:2
  • 1987 Europapokal der Pokalsieger Ajax Amsterdam – Lok Leipzig 1:0
  • 1987 Europapokal der Landesmeister FC Porto – Bayern München 2:1
  • 1989 UEFA-Pokal SSC Neapel – VfB Stuttgart 2:1 und 3:3
  • 1993 UEFA-Pokal Juventus Turin – Borussia Dortmund 3:1 und 3:0
  • 1994 UEFA-Pokal Inter Mailand – Austria Salzburg 1:0 und 1:0
  • 1996 Europapokal der Pokalsieger Paris St. Germain – Rapid Wien 1:0
  • 1998 Europapokal der Pokalsieger FC Chelsea – VfB Stuttgart 1:0
  • 1999 Champions League Manchester United – Bayern München 2:1
  • 2002 Champions League Real Madrid – Bayer Leverkusen 2:1
  • 2002 UEFA-Pokal Feyenoord Rotterdam – Borussia Dortmund 3:2
  • 2009 UEFA-Pokal Schachtjor Donezk – Werder Bremen 2:1 n. V.
  • 2010 Champions League Inter Mailand – FC Bayern München 2:0
  • 2012 Champions League FC Chelsea – FC Bayern München 5:4 n. E.
  • 2013 Champions League FC Bayern München – Borussia Dortmund 2:1
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FC Bayern, Weltmeister in Europa

Das ist Weltrekord in der Türkei.

Vielleicht liegt es daran, dass man schon so viele schale Endspiele gesehen hat, bei denen der Hype vorher ähnlich groß war, und man dann auf die erste Torchance bis zur 27. Minute wartete, die Partie hernach durch ein Tor zum 1:0 in der 54. samt anschließendem Komplettvermauern des eigenen Strafraums entschieden wurde, dass die Begeisterung über dieses Fußballspiel so groß war.

Mit großer Verwunderung las man davon, dass mancherorts die Partie als „spielerisch bieder“ bezeichnet wurde. Mit Verlaub, da haben Sie ein anderes Spiel gesehen als ich. Wenn spielerisch unbieder und somit attraktiv nur bedeutet, dass alle Passstafetten stets funktionieren, landet man in der von vielen zurecht beklagten Langeweile durch Perfektion des spanischen Spiels bei der EM 2012 (mit Ausnahme des Finales).

Das hatte diese Partie ganz und gar nicht. Eher war dieses extrem hohe Verteidigen der Dortmunder eine Offenbarung: Da hat jemand Maßnahmen im Köcher, die selbst die derzeit beste Mannschaft der Welt, die, nur zur Erinnerung, in zwei Spielen 7:0 gegen den FC Barcelona gewann, in Verlegenheit bringen und irgendjemand beklagt sich über spielerische Biederkeit? Wie gut soll Fußball denn noch werden?

Denn dieses Finale bringt zumindest den Autor an den Rand seiner Vorstellungskraft. Sepp Maier war es, der 1972 nach dem deutschen 3:1 in Wembley dachte: „Besser kann man nicht mehr spielen“. Und dieses Zitat wird jetzt ausnahmsweise nicht gebracht, um über den Maier Sepp zu spötteln. Es wird immer verständlicher, wie man in seinem Gedankengefängnis der Gegenwart festsitzt und sich partout nichts Anderes, dieser Spielweise noch Überlegeneres vorstellen kann. Und dennoch wird es so kommen, dass dieser Fußballsport in 20 Jahren wieder einen weiteren Schritt gemacht haben wird. Wie gesagt ohne, dass man sich hier vorstellen kann, wie das aussehen könnte.

Apropos „überlegen“ — das waren die Dortmunder ja nur in den ersten 25 Minuten, bis der Schiedsrichter ein Zeichen setzte, sich in eine Passkombination einschaltete, den Ball und für den Rest des Spiels auch das Dortmunder Spiel bremste. Die Bayern ein völlig verdienter Sieger, denn Matchplan und -taktik hin oder her: Wer Gomez und Schieber, die beiden Eingewechselten, vergleicht, weiß, wo den BVB ein wenig der Schuh drückt, der Atem ausgeht oder die Potenz fehlt. (Ein totaler Underdog eben, nur drei Titel in den letzten zwei Jahren.)

Die mit offensichtlich großem Abstand beste Mannschaft Europas ist also quasi Weltmeister geworden, wenn man in schöner Tradition amerikanischer Sport-Arroganz die Champions League mal als die wahre WM des Klubfußballs interpretiert. Weltmeister in Europa, mit demnächst dem weltbesten Trainer und dem immer noch talentiertesten Jungspieler mit deutschem Pass, wo der deutsche Fußball doch ohnehin schon an Talenten so reich ist, dessen Karriere wohl irgendwann an der Wahl zum Weltfußballer des Jahres vorbeistreifen könnte: Da kann einem Angst und Bange werden.

Die schöne Bundesliga, jetzt gerade zu ihrem Geburtstag nur noch ein besseres Warmlaufen für die Bayern, die auch die Dreifachbelastung samt Länderspielen locker wegstecken können, Geld für einen doppelt erstklassig besetzten Kader ist eben schon lange vorhanden und wird auch in Zukunft nicht fehlen.

Eigentlich ein schöner Moment „für den deutschen Fußball“, dieses Endspiel, der Fußball darin und in gewisser Weise auch sein Verlauf, zumindest wenn man auf den WM-Titel 2014 hofft, der besser mit Siegertypen wie Lahm und Schweinsteiger 2013 als mit Verlierertypen wie Lahm und Schweinsteiger 2012 zu erringen sein wird.

Neben dem Licht, das dieses Finale auf die Zukunft des Fußballs hierzulande wirft, liegt aber auch ein ziemlich dunkler Schatten. Ein Motorrad knattert vorbei, eine Scheibe wird eingeworfen. Jemand schreit. Schnell den Kragen hochgeschlagen und nach Hause. Dem Sog der Spielkraft des FC Bayern scheint zur Zeit niemand gewachsen. Finstere Eintönigkeit am Ende der Straße.

Zum Glück kommt im Fußball aber sowieso immer alles anders als man denkt und schon im DFB-Pokalfinale könnte die nächste Überraschung zelebriert werden, wenn der VfB Stuttgart den amtierenden Weltmeister in Europa besiegen sollte. Allein, dass es überhaupt eine Überraschung wäre, wenn ein mehrfacher Meister wie der VfB Stuttgart ein Pokalspiel gegen die Bayern gewinnt, ist dann nun mal nicht zu leugnen. Finstere Eintönigkeit am Ende der …

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Lesung in Bremen und Gespräch mit dem Grünweiß-Podcast

Bei Werder Bremen überschlagen sich die Ereignisse, die beinahe anderthalb Jahrzehnte andauernde Kontinuität bei Manager und Trainer ist zu Ende. Sicher nicht gut für die Fanseelen rund ums Weserstadion, wohl aber gut für die Stammtische der Fußballliebhaber. Denn nach 14 Jahren Abstinenz dürfen auch die Bremer Fans jetzt mal mitmischen bei einer spannenden Trainersuche.

So erstaunt es wenig, dass bei den Bremer Blogs und Podcasts nach drei sportlich trockenen Jahren wieder viel diskutiert wird. Zufällig liegt mein Lesetermin in Bremen in dieser unruhigen Zeit, am Dienstag, den 4. Juni lese ich ab 20h im „Eisen“ wieder die „Drama Queens in kurzen Hosen“.

Deshalb klopfte der Werderaner Tobias Singer vom Blog Meine Saison bei mir an, ob ich nicht Teil dieser Ausgabe des Grünweiß-Podcasts sein wollte. Zu Gast in Bremen war ich am Mittwoch, leider nur per Skype, was die eher mediokre Tonqualität bedingte. Wir sprechen auch über meine Lesung, aber natürlich ebenso über die Lücke, die Thomas Schaaf hinterlässt. Und eigentlich hätten wir noch einige weitere Themen im Angebot gehabt, aber da streikte dann leider die Technik.

Wie ich mir sagen lassen habe, besitzt das „Eisen“ in Bremen doch einen sehr besonderen Charme. Wer in Bremen lebt, wird den Laden wohl kennen, für mich ist es der erste Abend dort. Ich hoffe, mit vielen von Euch, so dass es wieder ein runder Abend wird.

Hier geht’s zum Gespräch mit Grünweiß, dem Werder-Bremen-Fußball-Stammtisch, mich gibt’s ab Minute 18:30 zu hören, aber natürlich sind die gesamten 1.22h hörenswert.

Einen Trainerwechsel in Bremen, das gab es zuletzt zu einer Zeit, als wir auf unseren Handys gerade mal SMS bei monochromer Darstellung verfassen konnten.

PS: Der Eintritt am 4. Juni ins Eisen ist frei. Be there or be square.

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Das tragische … naja

… hört einfach selbst.



Das tragische Dreieck aus Fredi Bobic, Gerhard Poschner und Marco Haber, live im Neckarstadion mit „Steh auf (eo amama eo)“. Man erkennt einen Anflug von Humor in dem Wortspiel mit „tragisch“, in Anlehnung an das damalige „magische Dreieck“. Der Song ist dann aber wieder klassischer Fußballerkram — für unsere Breiten jedenfalls klassisch.

Gerhard Poschner setzte damals übrigens jene Fußstapfen, in die Toni Kroos heute beschwingt tritt: „Ich wollte sein wie Hartmut Engler“, verriert er 11Freunde. Und da schau her, der ganze Song kommt aus Englerschem Hause:

Gerhard Poschner: Es war ja noch die glorreiche Zeit der Band „Pur“. Die kommen aus dem gleichen Ort wie ich. Nach einem Konzert sagte mir Sänger Hartmut Engler nach zwei Bacardi-Cola: „Weißt du, was ich am liebsten machen würde: Fußball spielen, wie du.“ Ich: „Du Trottel, und ich würde am liebsten auf der Bühne stehen und so singen können wie du!“ Sein Produzent stand daneben. Ich versprach ihm, dass ich ein Tape aufnehmen würde. Er versprach mir, dass er es produzieren würde. Fredi und Marco standen dabei, die musste ich gar nicht groß überzeugen.

Glorreiche Zeit?

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