5. Oktober 2009
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Die Mär von der Ruhrgebiets-Mentalität

Walter Hellmich, der die PK mitverfolgte, resümierte: ‚Seine Maßnahme hat gegriffen. Irgendwann musste man mal die Reißleine ziehen. Wir sind im Ruhrgebiet und hier wird gekämpft. Die Menschen mussten hier jahrelang um die Existenz kämpfen und der MSV um die Rückkehr in die erste Liga.‘ *

Frank Heinemann, Interimstrainer des VfL Bochum: ‚Wir sind hier im Ruhrgebiet, da erwarten die Leute, dass man kämpft. Ganz einfach. Und das mussten wir wieder tun.‘

Peter Neururer, Trainer des MSV Duisburg: ‚Gerade im Ruhrgebiet erwarte ich Leidenschaft und Laufbereitschaft.

Sie wird ständig hochgekocht (wirklich no pun intended, Joachim), ganz besonders gerne auch von jenen, deren eigene Reichweite nicht über die nicht existenten Grenzen der nicht mal genau einzugrenzenden Region hinausreicht. Die Mär von der Mentalität, die hier vorherrsche, welche man gleichzeitig auch den Einkäufen und Eigengewächsen überstülpen möchte, ob nun aus Bocholt, Kleve, Münster eingekauft oder aus Kinshasa, Santiago de Chile, Craiova oder Valencienne, hat sich schon lange überlebt und wird nur noch gepflegt, um als Mem weiterzuleben, dem aber die Anbindung an die Realität fehlt.

Wer hier Fußball spielt, der möge sich bittschön auch den Gepflogenheiten der hiesigen Kundschaft anpassen. Die Bitte, der Wunsch für sich genommen ist ja nun mal keine Forderung, die man fürs Kulturwechseln an sich nicht begrüßen würde und auch möchte, sofern man sich selbst als Teilnehmer einer gewissen Kultur, sozial, regional oder suizidal, empfindet. Sie ist auch erstmal nicht schlecht, denn unzweifelhaft wird auf den Bolzplätzen Dortmunds anders Fußball gespielt als auf ihren Wiedergängern in Funchal oder gar in Detroit.

Man frage sich aber gleichzeitig, ob es irgendeinen Ort auf der Welt gibt, an dem sich die Menschen, die ins Stadion gehen, die sich wirklich für Fußball interessieren, an dem diese Forderung mehr oder weniger Sinn ergeben würde als in dieser nicht näher in ihren Grenzen definierten Region.

Will das Publikum in Fürth immer nur Spieler sehen, die schön spielen, nicht kämpfen, und dann mal verlieren oder gewinnen? Will das Publikum in Madrid immer nur Spieler sehen, die schön spielen, sich in Zweikämpfen aber regelmäßig den Schneid abkaufen lassen und in letzter Konsequenz somit ihre Eier in Form von Punkten an den Gegner verschenken?

Es gibt da sicher mehr als diese nur vier hier zu nennenden Komponenten, die dem zugrunde liegen, die in die Irre führen, und man kann es so langsam wirklich nicht mehr hören.

1. Die kulturellen Eigenarten gewisser Regionen verlieren immer mehr und ständig an Bedeutung, auch wenn sie durch Mundart, sehr eigene Gepflogenheiten und auch durch das ständige Wiederholen und Betonen dieser Eigenarten an öffentlicher Stelle immer noch eine gewisse Überlebenschance besitzen und im Detail auch nicht zu leugnen sind. Die Frage bleibt aber, was das mit den Erwartungen des Zuschauers an eine Darbietung von Spielern aus aller Herren Länder zu tun haben soll.

2. Den Zuschauer interessiert es keinen Deut mehr oder weniger, ob seine geliebten Spieler kämpfen oder nicht, ob er nun in ABC-Alarm oder am anderen Ende der Katastrophen-Skala lebt.

3. Den Zuschauer interessiert nicht, ob die Leute „irgendetwas“ für ihr Geld tun, sondern was dabei als Ergebnis rauskommt. Wenn eine Mannschaft immer kämpft, kämpft, kämpft, aber immer verliert, verliert, verliert, dann werden sich die jeweiligen Spieler von ihrem glorreichen, so herzlich erwünschten Kämpfen einen goldenen Kanaldeckel in Horst-Emscher beschriften lassen können (auf eigene Kosten) – vom Hof gejagt werden sie aber trotzdem werden.

4. Und überhaupt! (Was, zugegeben, wiederum ein sehr ruhrgebietstypisches Argument ist.)

Wem dient also diese Folklore, die vergleichbar den Karl-May-Festspielen in Dingensbummens, nur noch eine solche ist? Verkauft man damit eine Zeitungsausgabe mehr, wenn man solch einen Quark (abmahnfähiges Wort, zumindest theoretisch) ständig nachsalbadert? Sichert man sich seinen Job als Bundesligatrainer damit, wenn man ständig diese Vokabeln von der „speziellen Mentalität“ in den Grenzen einer Region, deren Grenzen nicht näher definiert sind, wiederholt? Kommt deswegen ein Zuschauer mehr ins Stadion — falls die Ergebnisse nicht stimmen, dennoch aber alle Beteiligten immerhin gekämpft haben?

* Keine Ahnung, warum Hellmich hier das Präteritum verwendet, offensichtlich liest er zu selten Arbeitslosenzahlen aus Duisburg.

3. Oktober 2009
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Rostige Schar

Wirklich völlig zufällig – und das bedeutet: wirklich völlig zufällig – fiel ein virtuelles Zusammentreffen mit textilvergehen (Claim: „Hauptsachen. Nebensachen. Anziehsachen.“) auf den gestrigen Tag, an dem Union Berlin an der Wedau gastierte.

Herausgekommen ist das hier, was aber wiederum nichts mit dem Ergebnis vom gestrigen Tag zu tun hat.

2. Oktober 2009
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„kicker goes Altrock“ oder „Eigentlich bin ich die wahre Tabelle“

Im Interview mit Heinz-Bernd Watzke von Borussia Dortmund fragt der kicker eine nett garnierte Frage, unterschlägt dabei aber das schöne Wörtchen „eigentlich“:

kicker: Zum Sportlichen. Altrocker Udo Lindenberg singt: ‚Ich bin ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu.‘ Wie viel Dortmund steckt in diesem Songtext?

Naja, ich sag mal: wahrscheinlich 23,8 Prozent. Oder anders gesagt: Lieber Songtexte als Filmvergleiche. Nicht weil das Eine im Fußball passender wäre als das Andere, sondern weil ich mich mit Musik besser auskenne als mit Filmen. Die Film-Vergleiche und vor allem -Einschätzungen überlassen wir doch lieber dem Zeitverschwender.

Nun aber: Film, äh, Musik ab, und immer schön an die Lage beim BVB denken:

1. Oktober 2009
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Unaufhörlich dröhnt der Reinicke

Auch wenn man gerne einwenden darf, was es den italienischen Mannschaften aktuell bezogen auf ihre Erfolgsbilanz denn brächte, was sie da täglich üben, gehört man hier nicht zu der Sorte, die sich darüber wundert, dass z. B. die Nationalmannschaft vor der WM 2006 keine Zeit hatte, Freistoß- oder Eckstoßvarianten einzustudieren*, weil sie so viel Zeit dafür aufwenden musste, die taktischen Defizite aufzuholen. Wenn es stimmt, was in der Zeitung steht, wessen man sich nicht sicher sein kann, denn bekanntlich ist nicht alles wahr, was in der Zeitung stimmt.

Bevor ich den FC Bayern verlassen habe, sagte mir Felix Magath: Brazzo, in Italien werden sie dich zur Taktik zwingen. Und so war das auch. Hier wird ganz anders gearbeitet. Taktische Dinge werden täglich trainiert, mal 30 Minuten lang, mal bis zu zwei Stunden. Das war für mich neu.

Man kann es natürlich auch einfach mit Otto Rehhagel halten, dem man nachsagt(e), dass er „im Training immer 8 gegen 8 spielen“ lasse, aber dennoch seine Spiele gewönne, wodurch er u. a. Europameister wurde. Hier ist man trotzdem der Auffassung — ja: ganz unpopulistisch — dass 2h Training am Tag einfach viel zu wenig sind, egal, wie viel jemand dafür verdient, wenn es sein Beruf ist. Weil die Möglichkeiten, das Spiel zu beeinflussen und den Ablauf zu automatisieren, so groß, man möchte fast sagen: unendlich sind.

Der alte Konflikt der Wissenschaft „Umwelt vs Anlage“ schlägt sich im Fußball wohl im Zwiespalt „System vs Intuition“ nieder. Dass man sich ausgerechnet in jenem Land, in dem man bei Rot nicht über die Fußgängerampel geht und dafür im restlichen Europa ausgelacht wird, eher der Intuition verschreibt, ist nur dann überraschend, wenn man unterschlägt, dass die „Intuition“ immer nur jenen zugestanden wird, die gleichzeitig auch „Führungsspieler“ sind/sein sollen. Ein Konstrukt, bei dessen Nennung spanische Fußballtätige immer aus der Wäsche schauen, als spräche man von Dörfern in Böhmen.

* Dass sie allerdings Zeit hatte, zwanglos durch Berlin zu flanieren, Tischtennis und Kicker zu spielen oder auf dem Zimmer rumzujuxen, steht noch mal auf einem anderen Blatt.

27. September 2009
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Zurück zum 1. FC Küln

Liebe Herren und sicher auch Damen Fußball-Computerspiele-Gestalter:

Es reicht.

Ich als Trainer Baade bin irgendwo zwischen 30 und 40 Lenzehn alt und ich spielte immer gerne Ihre Produkte. So lange es so war, dass ich jünger oder vielleicht gerade noch gleich alt war wie die Protagonisten in Ihren Spielen, die sie offensichtlich aus einer Konstruktion namens Realität abgekupfert hatten, welche ohnehin nicht so ohne Weiteres als bare Münze genommen werden kann. Natürlich gaukeln mir auch Zeitung, Fernsehen und Freunde vor, dass diese Realität immer die gleiche sei und sogar existiere. Beweise, stichhaltige Beweise lieferte mir dafür allerdings nie jemand. Jedenfalls nahmen Sie die Namen aus diesem Konstrukt und verfrachteten sie in Ihre Computerspiele. Gesetzt den Fall, es war vor 198x oder sie hatten genug Kohle dafür, diese Namen aus der Realität verwenden zu dürfen. War Letzteres nicht der Fall, wendeten Sie einen äußerst kreativen Trick an, der – man möchte ja gerne bescheiden bleiben – auch von mir hätte stammen können: Sie nahmen alle Namen aus der Realität, vertauschten aber ein paar Vakole oder Ümläute Crüe miteinander, so dass plötzlich aus den Namen aus der Realität Namen wurden, die an die Realität angelehnt waren, aber nicht mehr der Realität entsprachen.

Dös war faun, manchmel belostigend, en din meisten Fallen storte is abür nocht bim Urkennin dir Numen. Is untwackilty süch sugar zä einur Ort Spurt, dei si forchtürlech untstilltan Nymön trutz dus Oustuaschins dovirsir Viköle dei Numin nach ze örkinnen. Wos muistens gilung.

Ob nun also reale Namen oder an die Realität angelehnte – kirz dörchgischattilty Nüman – der Bezug zur realen Realität war vorhanden und wurde durchaus goutiert.

Es war ein Vergnügen zu sehen, wie denn der selbst heiß geliebte Spieler xy aus Mannschaft yz von den Machern eines Spiels in den Bereichen Kopfballstärke und Passgenauigkeit eingestuft wurde, oder aber auch: wie viele Punkte die KI-gesteuerte Mannschaft „1. FC Küln“ bei einer komplett durchgespielten Saison erzielen würde.

Die Betonung im vorigen Satz liegt auf war.

Mittlerweile ist außer Jins Lühman fast niemand mehr in der Bundesliga aktiv, der weniger an Lenzen zählt als meine Wenigkeit. Und deshalb wende ich mich an Sie: Ich möchte keine Teams mehr haben in den Computerspielen, die komplett oder annähernd der Realität nachgebildet sind. Ich möchte von nun an, da ich zu keinem der Spieler mehr aufblicke, nur noch reine Fantasieteams in meinen Computerspiel-Ligen enthalten wissen. Die deutsche Liga darf gerne Deutsche Liga heißen, die englische gerne Englische Liga oder English League und die dänische darf gerne Dänische Liga heißen. Die Verteidiger dürfen Schmitz, Schmidt, Smith und Smithers heißen, ohne dass irgendjemand aus dieser vermaledeiten Realität dafür Pate gestanden haben mag. Ich möchte, dass diese Spielfiguren über den gesamten Verlauf der Tätigkeit meiner Finger an diesem Computerspiel Bestand haben, auf dass sie ihre eigene Identität entwickeln können, die aber bittschön völlig losgelöst von der Realität sein soll.

Ich möchte nicht im Computerspiel noch auf die Figuren treffen, die mich schon im Fernsehen (und im Internet auch!) verfolgen und nicht mehr loslassen, die Runaldus, die Messys und die Röneys; ich möchte erst Recht nicht mehr nur aus Spielern auswählen können, die der Realität nachempfunden sind, egal, wohin ich schaue, ob in die 2. Liga zu Paderborn oder nach Brighton & Hove Albion, ob nach Guingamp oder nach Sarajevo. Ich möchte, wenn ich Fußballcomputerspiele spiele, dass diese möglichst nicht mal mehr in Stadien stattfinden, die es tatsächlich gibt (bzw. geben soll). Ich möchte, dass ein Computerspiel ein Computerspiel ist, mit all seinen unbekannten Protagonisten, die nur dem Hirn des Chef-Namensgebers Ihrer Firma entsprungen sind oder aber durch zufälliges Zeigen auf einen Namen im Telefonbuch. Von mir aus dürfen sie auch bekannten Songs entlehnt sein oder Filmfiguren sein, aber bitte, bitte, keine Namen und schon gar keine Gesichter mehr aus der Realität.

Die Realität sehe ich den ganzen Tag lang, und wenn ich ein Spiel spiele, möchte ich mich gerne aus dieser entfernen, zumindest gedanklich, und dann eben mit dem FC Paris gegen London United spielen, wo noch Jefferson im Tor steht und Leclerc die Tore macht, deren Pendants man in der Realität vergebens suchte.

Ich möchte.

Danke.

24. September 2009
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Der deutsche Kader für die U20-Weltmeisterschaft

Nach der Flut der Absagen durch die eigentlich als Stammspieler für die U20-WM eingeplanten besten Talente im DFB muss der Trainer der U20-Auswahl auf größtenteils unbekannte Spieler zurückgreifen. Wer den einen oder anderen Namen nicht kennt: Kein Wunder, diese Spieler sind in ihren Teams meist weit entfernt davon, Stammspieler zu sein. Und mit Ingo Aulbach von Viktoria Aschaffenburg ist sogar ein Spieler eines kleineren Klubs dabei. Die Zusammenstellung muss aber nicht zwangsläufig zu einem schlechten Abschneiden führen, denn eins haben diese Jungs alle im Gepäck: die deutschen Tugenden.

1 Rüdiger Vollborn, Bayer 04 Leverkusen
2 Helmut Winklhofer, FC Bayern München
3 Anton Schmidkunz, TSV 1860 München
4 Michael Nushöhr, 1. FC Saarbrücken
5 Martin Trieb, FC Augsburg
6 Michael Zorc, Borussia Dortmund
7 Thomas Brunner, 1. FC Nürnberg
8 Holger Anthes, Eintracht Frankfurt
9 Thomas Herbst, FC Bayern München
10 Ralf Loose, Borussia Dortmund
11 Roland Wohlfarth, MSV Duisburg
12 Rainer Wilk, Arminia Bielefeld
13 Alfred Schön, SV Waldhof Mannheim
14 Ingo Aulbach, Viktoria Aschaffenburg
15 Ralf Sievers, Eintracht Frankfurt
16 Axel Brummer, 1. FC Kaiserslautern
17 Bernhard Scharold, Hamburger SV
18 Martin Hermann, 1. FC Nürnberg

Spieler A-Länderspiele Bundesliga 2. Liga
Rüdiger Vollborn - 401 -
Helmut Winklhofer - 140 -
Anton Schmidkunz - 7 14
Michael Nushöhr - 45 178
Martin Trieb - 165 52
Michael Zorc 7 463 -
Thomas Brunner - 328 74
Holger Anthes - 15 29
Thomas Herbst - 84 22
Ralf Loose - 211 131
Roland Wohlfarth 2 287 93
Rainer Wilk - 2 4
Alfred Schön - 180 160
Ingo Aulbach - - 92
Ralf Sievers - 232 44
Axel Brummer - 73 66
Bernhard Scharold - - -
Martin Hermann - - 31
Summe 9 2.633 990
Schnitt 0,5 146 55

24. September 2009
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Ein Tag im Leben des J.

8.00h aufwachen
9.15h aufstehen
9.20h Frühstück
9.38h Zähne putzen
9.45h Hose anziehen
9.50h Hemd anziehen
9.52h in den Spiegel gucken, sich vergewissern, dass man wirklich einzigartig ist
9.55h Tasche packen
10.00h Abflug nach Stuttgart
11.15h Ankunft
11.20h Umziehen in der Kabine
11.30h Platz betreten
11.48h Verletzung simulieren
11.55h Umziehen in der Kabine
12.00h Rückflug nach München
13.15h Feierabend!

23. September 2009
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Blamieren ist das neue Respekt

Allerdings nicht erst seit heute.

Das Wort Blamage wurde im 18./19. Jahrhundert in der Bedeutung „Beschämung, Schande“ aus dem französischen blâmer („tadeln“) entlehnt. Das französische blâmer geht auf das lateinische blasphemare, „lästern, schmähen“ zurück. Heute steht Blamage auch für „Bloßstellung, Reinfall, Peinlichkeit“. Das Verb blamieren in der Bedeutung „bloßstellen, beschämen“ wird im deutschen Sprachraum bereits seit dem 17. Jahrhundert verwendet. Das Adjektiv blamabel für „beschämend“ ist seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch.

Man kann theoretisch, so es angepfiffen wird, ein jedes Spiel verlieren. Je weiter-weg-klassig der Gegner nach unten hin ist, desto angebrachter das Wort. Bei einem Unterschied von nur einer Klasse wird es dann aber und wie oben bereits gesagt nicht erst seit heute inflationär.

War — nur so als eines der vielen Beispiele zufällig ausgewählt — die Niederlage gegen den zumindest selbst erklärten Aufstiegsaspiranten wirklich eine „Blamage“ von Borussia Mönchengladbach? Oder ist mein Sprachempfinden so vermurkst, dass es gänzlich anders funktioniert als das derjenigen, die die immer gleichen, vollkommen unangemessenen Floskeln in die Tasten trompeten, sobald nur ein Favorit (auf dem Holz) gegen einen Nicht-Favoriten ein Spiel verliert?

(Das waren zwei rhetorische Fragen.)

Blamieren ist das neue, eigentlich leider schon allzu alte Respekt.

Es gehört nicht minder in den Schrank geschlossen und nur zu besonderen Anlässen herausgeholt. Sollte jemand aus Versehen den Schlüssel verlieren, würde ihm allerdings auch niemand eine Träne nachweinen.

21. September 2009
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Das ist einfach nicht mein Niveau

Wenn einer viel zu gut ist für den Rest, als der Rest, über dem Rest, dann sieht es normalerweise so aus, dass man jeglichen Ball, den man erobert, so schnell wie möglich zu diesem viel besseren Spieler als der Rest befördert, woraufhin der seine Gegner wie Slalomlakritzschnecken stehen lässt und ein Tor nach dem anderen schießt oder so unwiderstehlich für seine Mitspieler auflegt, dass die gar nicht anders können als ins Tor hineinzutreffen. Man weiß dann: Entweder kommt der Gegner nicht mehr wieder, weil er nicht so taten- und vor allem machtlos zusehen will, wie ihm Tor um Tor gezapft wird, oder der viel Bessere kommt nicht mehr wieder, weil er a) nach oben hin weggekauft wurde oder b) sich selbst bei dieser Überlegenheit tierisch langweilt.

Man hat gesehen, dass das für Luca Toni einige Klassen zu tief war.

Nicht ganz wörtlich wird Mehmet Scholl so wie oben zitiert. Das tatsächliche Resultat war nach 45 Minuten eine Gelbe Karte, die kicker-Note 3,5 und ein Kopfball an die Latte. Das Team lag bei seiner Auswechslung schon 0:2 hinten, am Ende verlor es 0:5. Natürlich spielen immer 11 Mann und niemand kann das Spiel alleine gewinnen, der Titan hat’s ja auch nicht geschafft. Aber ist das nicht doch ein bisschen mager, wenn man annimmt, dass hier ein Weltmeister spielte, ein italienischer Nationalstürmer und auf der anderen Seite eine Drittligamannschaft?

Wie hat man sich das also konkret vorzustellen, dass ein Spieler wesentlich besser als die anderen ist, er das aber nicht ausspielen kann, weil die Klasse einfach zu tief ist? Die Antwort weiß wohl nur der Grünwalder Wind.

Für alle unter uns, die wirklich Scheiße spielen, bieten sich allerdings nun ganz neue Ausreden: Das sei einfach nicht unsere Klasse, viel zu tief, auf dem Niveau könne man eben nicht zeigen, was man wirklich kann, das gehe nur in Länderspielen oder in der Champions League, aber doch nicht gegen dieses Team aus der Bunten Liga. Und überhaupt: Falls man ausgewechselt werde, werde man vor Schlusspfiff nach Hause gehen, ohne abzuwarten, wie die Partie nun ausgeht. Wie ein Weltmeister eben, der ganz profan auch keinen Bock auf im-Stau-Stehen hatte. Achja, und natürlich eine Gelbe Karte abholen, weil der Schiedsrichter nun mal keine Ahnung habe. Viel zu tief, dieses Niveau.

21. September 2009
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Achtung Sperrfrist!

„Mobilfunk und sonstige neue Technologien.“

Erinnert schwer an das „anonyme Internet“, in dem jeder alles schreiben könne wie er lustig sei.

Mein erstes Handy datiert von ungefähr 1996, und da war ich schon spät dran, jedenfalls definitiv kein „early adopter“. Wie lange darf man ewas noch als „neu“ bezeichnen? Sind 14 Jahre bei schwerfälligen Institutionen „lang“ oder eher „kurz“?

[photopress:Achtung_Sperrfrist.jpg,full,centered]

Und because the Bundesliga ist so international now, you can have the Text auf Englisch, too.

[photopress:Attention_Sperrfrist_you_know.jpg,full,centered]

Ich fürchte, das waren ein paar mehr Details als die „Welt“ uns eigentlich wissen lassen wollte …

… aber die Krawatte von Markus Babbel ist schön. Was ja die Hauptsache ist.

20. September 2009
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Fifa führt Wildcards für die WM 2010 ein

[photopress:all_star_team.jpg,full,alignleft] Nach dem Ausscheiden einiger fußballerisch großen Größen in der WM-Qualifikation hat die FIFA entschieden, sich ein Beispiel am Basketballverband FIBA zu nehmen und vier Wildcards an auf sportlichem Wege nicht qualifizierte Nationen zu verteilen.

Die erste total wilde Wildcard geht überraschend an Argentinien, obwohl mit Maradona der größte Star dieser Auswahl längst gefeuert ist und wenn überhaupt, dann nur als Fan anrollen anreisen wird. Die Fußballkünste eines gewissen Menschen mit dem Namen, der wie eine Störung klingt, bei der man Berge an leeren Butterdosen, vollständig abgerollten Toilettenpapierrollen, Pfandflaschen, Tageszeitungen (seit 1986), Disketten, Foto-Alben, Pizza-Kartons und Büromaterial so kunstvoll neben- und übereinander arrangiert, das einzig der Weg vom Sofa zur Haustür und zur Toilette noch begehbar bleibt, sollen laut Insidern auch eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt haben.

Die zweite Wildcard geht an Deutschland, das sich in den Playoff-Spielen der europäischen Qualifikation ebenso überraschend Griechenland geschlagen geben musste. Aktive Weltstars besitzt diese Mannschaft zwar keine, dafür aber einen der größten Märkte für Sportartikel, Rasierzubehör, Kreditkarten, japanische Autos, Coca-Cola, Elektronikgeräte und Fast-Food-Mahlzeiten, auf den die FIFA aus verständlichen Gründen („For the good of the game“) nicht verzichten wollte.

Die dritte Wildcard geht an Nigeria, das sich nicht minder überraschend hinter Tunesien nicht qualifiziert hatte. Stimmen, die sich für Portugal mit dem tatsächlichen Weltstar Cristiano Ronaldo aussprachen, wurden mit dem Argument abgewiesen, dass Ronaldo in wichtigen Spielen ohnehin immer übermotiviert sei und die Bälle übers Tor schieße, weshalb zwangsläufig mit einem Vorrundenaus der Portugiesen zu rechnen und eine Wildcard somit vergebliche Liebesmüh sei.

Die vierte Wildcard geht an ein Allstar-Team, zusammengestellt aus Spielern, die zwar Weltstars sind, aber per Schicksalsschlag einen Pass eines Landes besitzen, in dem außer ihnen selbst nur ausgemachte Holzfüße und Für-die-Gasse-Blinden vor den Ball treten (sofern sie ihn treffen), weshalb ihnen ohne diese tolle Idee eines Allstar-Teams die Teilnahme an einem Weltturnier für immer verwehrt bliebe. Trainiert werden solle diese Auswahl der Besten vom Rest, für die trotz seines hohen Alters der nimmermüde Jari Litmanen genauso feststeht wie Ryan Giggs, George Best, Alexander Hleb, George Weah und Ole Gunnar Solskjær, von einem gewissen Trainer Baade, der ohne diese Allstar-Auswahl auch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hätte.

Was im Basketball schon lange Usus ist, wird nun also endlich auch beim Fußball eingeführt. Und alle Fans so: „Yeaahh“

Creative Commons License photo credit: A.Kuzminski