23. August 2008
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Michael Hitzlsperger

:Nein, das wird nix.

Geh nach Hause. Zurück auf die Bank. Kusch, kusch.

Thomas Hitzlsperger hat doch tatsächlich, laut SPON, Michael Ballack und Torsten Frings den Kampf angesagt um Stammplätze im mittleren (manche sagen auch: zentrales dazu) Mittelfeld. Genauso könnte Gerhard Tremmel nun endlich den doch wohl verdienten Stammplatz im Tor der Nationalauswahl für sich fordern.

Hitzlsperger, you are wrong.

Das sind nun mal einfach zu viele Dinge, die gegen Dich sprechen. Kein Kopfballspiel, keine Geistesblitze, keine Genauigkeit in langen Pässen, keine guten Standards (außer diesen Schraubzwingen, die er ins Tor prügelt) und vor allem kein Standing in den Zweikämpfen, keine Körpersprache (die wäre wurscht, wenn der Rest da wäre) und eigentlich überhaupt nix außer 08/15-machine-gun-fußball. Das ist nun mal zu wenig. Das mag alles immer und immer wieder gegen Belgien, Estland oder sogar Finnland reichen, darüber hinaus kann man aber mit Hitzlsperger auf dem derzeitigen Fähigkeitenstand keinen internationalen Blumentopf (was heißt Blumentopf auf esperanto?) gewinnen.

Wo ist da die Spielgestaltung, das überraschende Moment, das irgendwas, was ihn mehr dazu qualifiziert, in der Stammelf der Nationalmannschaft zu sein als z. B. Piotr Trochowski, als z. B. den leider alternden Bernd Schneider oder den auch alternden, aber sich nicht verbessernden Tim Borowski?

Hitzlsperger kann einfach gar nix, außer ein Indianer zu sein. Das möglicherweise kann er gut, aber mehr auch nicht. Und es ist auch nicht so, dass er nicht später noch in eine andere Rolle hineinwachsen könnte. Charakterlich scheint er ein guter zu sein, ein echter Fußballer, den es interessiert, wie er sich verbessern kann. Da hat Hitzlsperger dann noch Einiges, womit er sich in den nächsten Jahren beschäftigen kann, am zweiten Weihnachtstag, wenn man seine Geschenke auspackt und merkt, das ist eigentlich alles nix für einen. Nicht mal das lustige Quartettspiel mit Kevin Kuranyi, Adenoid Hynkel, Heinz Erhardt und Stan Libuda, die dann alle doch nicht an der WM 2006 teilnahmen, anders als man selbst. Eine Nationalmannschaft aber, die auf dem derzeitigen Hitzlsperger aufbaut, ist eine Karikatur all dessen, was wir seit dem immer noch glücklich zustande gekommenen Wechsel 2004 erlebten.

Hitze, bleib bei deinen Leisten, Du Indianer.

PS: Böse Zungen behaupten, er habe die Hochzeit mit der Frau, die acht Jahre lang seine Lebensbegleitungsstewardess war, nicht aus dem Grunde abgesagt, weil er gemerkt hat, dass es „doch nicht so richtig passt“, sondern weil er nach x Jahren als Profi endlich gecheckt hat, welche Anziehungskraft Geld auf Frauen ausübt. Aber das weiß man hier nicht, das ist hier auch egal. Sein Geld kann er ja verschenken, an wen er will, aber bei seinen Leisten, da muss er bleiben. Gerade mit dieser äußerst braven Frisur, die nur schwerlich nicht als Sinnbild seines Fußballspiels zu sehen ist.

23. August 2008
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Alter schützt vor Torheit nicht

20. September 1971.

Die Rede ist weder von Oliver Kahn noch von Jens Lehmann, sondern von Henrik Larsson.

Alter schützt also vor Torheit nicht.

Offensichtlich besonders nicht vor schräg in der Luft „liegend“ — wie man so schön sagt, doch runter kommen sie immer — erzielten Toren.

Solche außerirdischen, im Ausland erzielten Tore natürlich wie immer via 101greatgoals. Wenn man ganz ehrlich ist, ist jener Bart allerdings auch eine Torheit.

Dennoch: manche Spieler sollte man auch vier oder fünf Mal zum Rücktritt vom Rücktritt überreden.

Zu 2% vielleicht auch deshalb, damit immer noch Spieler aktiv und Torheiten-erfolgreich sind, die älter sind als man selbst. Aber höchstens 2%. Der Hauptanteil geht doch an die Liebhaberei.

22. August 2008
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Jens Jeremies war ein Original

Im Getränkemarkt meines Vertrauens hing seit der WM 2002 ein Plakat der damaligen Nationalspieler, diverse Fotos von Ballack, Ramelow, Jeremies in Aktion, mancher von ihnen mit Trauerflor wegen des damals verstorbenen Fritz Walter. Natürlich auch Oliver Kahn, der Titan, wie er in seinem blauen Shirt mit seinen kurzen blonden Haaren irgendeine Deutschland-sucht-die-Superparade-Parade hinlegt bzw. sich selbst bei selbiger. Im Laufe der Jahre vergilbte das Plakat immer schneller und der eine oder andere Bubi, der dort seine nachmittägliche Dose Cola kaufte, wird mit so manchem Gesicht schon gar nix mehr anfangen können. Jens Jeremies? Marco Bode? Marko Rehmer? Wahrscheinlich nie gehört noch gesehen.

Letztens hat jemand das Plakat gegen eins von der „Euro 2008″ ausgetauscht. Eigentlich eine schöne Idee, Vergilbtseins Charme hat auch irgendwo seine Grenzen, doch offensichtlich hatte der Plakatherausgeber keine Rechte an den Originalbildern. Darauf nämlich auch zu sehen: Mario Gomez in Jubelpose. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, bei welcher Euro 2008 ein fröhlicher, jubelnder Mario Gomez aufgenommen worden sein soll.

21. August 2008
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1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11

Der Kosmos zieht sich wieder zusammen, statt älter werden wir wieder jünger, merkt Ihr schon dieses Rumpeln und Ziehen?

Endlich! Fußball ist zumindest in Bezug auf die Rückennummern der Spieler wieder Fußball. Die FIFA schreibt vor, dass es bei Länderspielen nur noch Nummern von 1 bis 18 geben darf. Leider ist nicht festgelegt worden, dass die Anfangself auch nur die Nummern 1 bis 11 tragen kann.

Da der DFB irgendwelche Probleme mit rascher Beflockung hat, gab es gestern ein Phänomen zu bestaunen, das wir seit Jahrzehnten nicht mehr kennen: Keine Spielernamen auf den Trikots. Das ist toll. Demnächst bauen wir die Stadien wieder zurück, lassen uns bei der kleinen Schlägerei nach dem Spiel von bekutteten Fans erstechen und in ca. drei Monaten schon gibt’s wieder nur noch einen Ball pro Spiel und Stadion. Wenn den ein Zuschauer mal nicht rausrückt, geht’s eben nicht weiter. Nachspielzeit wird nicht mehr angezeigt und die Reporter machen tatsächlich Pausen beim Sprechen. Einziger Haken: ab in ca. 20 Jahren gibt es nur noch 4 oder 5 Spiele der Bundesliga in der Sportschau als Zusammenfassung zu sehen, der Rest wird lediglich per Ergebniseinblendung abgehandelt.

Besonders gespannt darf man auf die Zeit ohne Bundesliga — stattdessen mit Endspielen um die Deutsche Meisterschaft — sein: Wie das wohl sein wird?

20. August 2008
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73% aller Unfälle passieren zu Hause

Besser, Sie sind nicht da.

Die Liste der lustigen Orte, an denen Fußballer oder im Fußball Beschäftigte sich eine Verletzung zuziehen können, wird nach Andreas Müllers tollem Stunt in der eigenen Garage um einen Punkt erweitert. Beim „Rangieren“ mit seinem Motorrad erlitt er eine Knochenabsplitterung und einen Bänderriss in der Schulter. In Kürze wird er operiert. Wie es dem Motorrad geht, ist nicht bekannt.

20. August 2008
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Unbekanntes aus … dem Hause Vandereycken

… dem Hause Vandereycken.

René Vandereycken — der aktuelle belgische Nationaltrainer — ist den meisten, die schon länger „am Ball“ sind, kein Unbekannter, war er doch Teil jener belgischen Nationalmannschaft, die für die hellglänzendmetallene Generation des belgischen Fußballs steht: die 1980er Jahre, in denen man mit Spielern wie Jean-Marie Pfaff, Enzo Scifo, Georges Grün, Erik Gerets (jaja!), Jan Ceulemans, Franky van der Elst und eben jenem René Vandereycken in die Weltspitze vordrang.

Weniger bekannt ist hingegen, dass Vandereycken einst bei einem Club spielte, der aus heutiger Sicht so surreal wie fabelhaft wirkt: 24 Spiele bestritt er für ein Phänomen namens „Blau-Weiß 90 Berlin“, das nur eine Saison tanzte, in der ewigen Tabelle der deutschen Bundesliga mit dürren 21 Punkten den 47. Platz belegt und in Kürze von einem gewissen Neuling überholt werden dürfte und dann auf dem 48. Platz darben wird.

Noch unbekannter wird sein, dass dieser Vandereycken in der Saison 2000/2001 Trainer beim FSV Mainz 05 war und somit auch Jürgen Klopp trainiert hat. Vandereycken war Klopps Vor-Vorgänger, denn Vandereycken wurde schon im November 2000 entlassen, von Eckhard Krautzun (es juckt immer, das r im Nachnamen wegzulassen) beerbt, der wiederum von Klopp am 28.2.2001 abgelöst wurde. Eine Liaison, die bis zu diesem Sommer gehalten hat.

Heute Abend beim Länderspiel Deutschland — Belgien wird aber nicht Klopp seinem alten Trainer via TV die Leviten lesen, auch nicht Oliver Kahn, der erst im September beim ZDF beginnt, sondern: Kerner. Böh.

19. August 2008
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Eurosoccer — megaloman oder Mehrwert?

Toller Name.

Eurosoccer.

Kann sich jeder mit identifizieren. Jeder bedeutet hier: jeder, der aus den USA kommt. Warum ein schweizer Magazin, zentral in Europa gelegen, wie es zentraler nicht sein kann, sich selbst einen Titel gibt, der ein Wort enthält, das nur 6.000km entfernt benutzt wird, bleibt schleierhaft.

Genauso schleierhaft ist, wie die Macher jenes Magazins „Eurosoccer“, von dem hier noch nie jemand gehört hat, auf die wahnwitzige Idee kommen, mit einer Auflage von 250.000 in den bundesdeutschen Markt starten zu wollen, so geplant für den 29.8.2008. Wie man weiß, ist die Zahl jener, die sich für Fußballkultur interessieren oder zumindest für das, was sie selbst dafür halten, mit 80.000 Menschen in ganz Deutschland relativ gut eingeschätzt. Für Fußballkultur wohlgemerkt, nicht für Fußball. Nicht zufällig setzen die 11Freunde „nur“ 67.000 Exemplare ihres lesens-, aber angenehm oft auch sehenswerten Magazins ab — bei alleine 6 Millionen DFB-Mitgliedern plus etlicher Millionen Freizeitkicker. Sollten über diese knappen 70.000 hinaus Menschen für derlei Themen empfänglich sein und dennoch nicht die 11Freunde kaufen, dann wohl einfach deshalb, weil ihr Interesse nicht ausreichend ist, um eine Summe von um die 5 Euro pro Monat für ein solches Magazin zu investieren.

Wie das dann mit Eurosoccer funktionieren soll, wenn hierzulande schon RUND und PLAYER gescheitert sind, ist die megalomane Komponente im Plan von Dr. No Eurosoccer. Wir Fußball-lese-hungrigen lassen uns natürlich gerne eines Besseren belehren, und wenn es auch nur monatlich ist (und nicht täglich, wie ich es dem Weihnachtsmann schon 27x auf den Wunschzettel geschrieben habe), so hat doch niemand etwas gegen interessanten, gut lesbaren und informativen Stoff einzuwenden, hier in der Sport-Print-Diaspora. Die Zweifel am Erreichen dieses hochgesteckten Ziels bleiben aber mehr als nur unterschwellig.

[photopress:eurosoccer_uli_stielike_ronaldinho.jpg,full,centered]

Wer sich einen Eindruck machen will, was die schweizer Schreiber außer einem beknackten Namen noch so zu bieten haben, kann dies auf der Webseite von „Eurosoccer“ tun. Allerdings ohne dass man wüsste, ob die dort eher dürftigen Inhalte einen Rückschluss auf das Printprodukt zulassen. Man kann nur ahnen, ob da lediglich eine neue Sport-FOTO aus den Bergen ins Tal kommt oder doch eher ein zweites 11Freunde. Der oben rechts eingeklinkte jubelnde Ronaldinho in einem vollbesetzten, flutlichtbestrahlten Stadion lässt nicht gerade auf „alternative“ Hintergrundberichte fern der Starhudelei und der Clacquererei hoffen.

Die Interview-Videos zur EM lassen dann auch im Gegenteil eine neue Sport-FOTO, nur auf Hochglanz, befürchten.

Moderator: Marcel Reif.

Gäste: u. a. Toni Schumacher, Fredi Bobic, Thomas Helmer. Und ein paar lustige Schweizer, die keiner versteht, was bei der bundesdeutschen Ausgabe dann sicher untertitelt würde.

Titelheld der aktuellen Ausgabe: Uli Stielike.

Und last not least schreibt man noch zum Start des Magazins in Deutschland:

„Der Verlag kooperiert dazu mit dem DSF.“

Lachen oder weinen?

19. August 2008
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Reinkarnation-Meier

„Man sieht schon wieder die Verrücktheit dieser Liga“, sagt Fortunas Trainer Norbert Meier dazu.

Dazu, das sind die total verrückten Ergebnisse in der neuen dritten Liga, nämlich dass Paderborn erst 4:1 in Düsseldorf gewinnt und dann 0:4 gegen Sandhausen verliert. So etwas Verrücktes hat es noch nie gegeben.

Aber eigentlich soll hier auf etwas anderes hingewiesen werden: wieder.

Irgendwie seltsam wirkte dieser Norbert Meier schon immer, so blutleer, so tapsig, so Vogts‘esk beim Sprechen, womöglich ein Alien, der aus der Zukunft kam. Oder vielleicht wiedergeboren, dabei aber gefangen in immer derselben Zeitschleife. Wie sonst kann er etwas „wieder“ sehen, was es noch nie zuvor gab? Nicht-Wiedergeborene haben noch nie eine Drittliga-Saison in Deutschland erlebt, er anscheinend schon.

17. August 2008
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Der ewige Ewald

Hätte der Schiedsrichter Roman Weidenfeller eigentlich nicht Rot zeigen müssen? Wie er da reingeht, nimmt eine Verletzung nicht nur in Kauf, sondern verursacht sie auch noch — für mich schon fast Lila.

16. August 2008
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Müssen wir uns Sorgen machen?

Sahen meine Augen gerade tatsächlich eine TV-Werbung für den werten Herrn kicker? So viele Ausrufezeichen kann man gar nicht setzen, wie es Fragezeichen sein sollten. Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen? Seit wann gibt es Spots im TV für den Kicker? Geht es ihm so schlecht? Wird er bald eingestellt, weil wir alle nicht mehr das Bundesliga-Sonderheft kaufen und die Printausgabe auch nur noch zu besonderen Anlässen? Weil wir uns ohne Entgelt auf seiner Onlinepräsenz rumtreiben, den Liveticker und alle Zahlen und Statistiken nutzen?

(Und warum muss der Kicker auch noch ausgerechnet mit dem Slogan „Spielfeld der Emotionen“ werben?)

Der Kicker wirbt doch nicht im Fernsehen! — so wie das Finanzamt oder Beerdigungsinstitute auch keine Werbung machen, schließlich muss man da früher oder später sowieso hin. Irgendwas ist faul im Staate Holzschuh. Aber was?

15. August 2008
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Nine/thirteen

ARD-Late-Night-Talker Oliver Pocher ist in der neuen Saison auch in der Bundesliga-«Sportschau» im Einsatz. Pocher werde ab dem vierten Spieltag (13. September) in loser Reihenfolge analog zu seinem EM-Engagement auftreten, sagte Redaktionsleiter und WDR-Sportchef Steffen Simon am Donnerstag der Nachrichtenagentur ddp in Köln. Dabei werde Pocher nicht unbedingt Spieler imitieren, sondern zum Beispiel beim Training der Clubs auftauchen. Er sei mit vielen Bundesliga-Spielern sehr vertraut und bringe dadurch noch eine andere Perspektive in die Sendung. Im Schnitt solle der 30-Jährige alle zwei Wochen in der «Sportschau» auftauchen, kündigte Simon an.

Pocher war für die ARD in diesem Jahr bei der Fußball-Europameisterschaft als Sportreporter am Start. Zum Ende der vergangenen Bundesliga-Saison hatte er zudem einen Auftritt in der «Sportschau», wo er als Oliver Kahn gemeinsam mit Imitator Matze Knop als Franz Beckenbauer die Spielzeit bewertete.

Die endgültige Verclownisierung eines ehemals ernsthaften Sports (im Rahmen dessen, wie ernst Sport überhaupt sein kann) schreitet unaufhörlich voran. War der Welke Oliver mit seinen Comedy-Einlagen schon kaum zu ertragen, ist das, was Pocher anbietet, nicht mal mehr Comedy. Oder was soll daran amüsant sein, wenn einer wie auf dem Schulhof Grimassen schneidet und beim Reden lispelt und das dann eine „Imitation“ von irgendetwas sein soll? Glücklicherweise weiß man an dieser Stelle nicht viel über Pochers Programminhalte, um noch mehr darüber abzuledern. Doch ist a) dieser Mann nicht amüsant, sondern gibt kindlich-stümperhaften Humor zum Besten und b) gehört ein Komödiant nicht in die ohnehin schon mit anderem Klimbim überladene Sportschau, sondern zu Waldis Was-gerade-anliegt-Club, wo der Zuschauer wenigstens weiß, was ihn erwartet.

Die Sympathien für Michael Ballacks Reaktion nach dem — wohlgemerkt verlorenen — EM-Finale werden immer größer und der Wunsch, dass er die Bierhoff’schen und jetzt auch ARD’schen Pläne etwas deutlicher ausgegrenzt hätte, lodert stärker. Wie im vorigen Beitrag erst erwähnt: TV, der Anachronismus. Je länger man dort tätig ist, desto mehr scheint man den Blick dafür zu verlieren, was die eigentliche Aufgabe einer bestimmten Sendung ist.

14. August 2008
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War das der emotionalste Moment Ihrer Karriere?

Als hier ein paar Tage lang Zwangspause herrschte, musste ich mit diesem Anachronismus namens TV vorlieb nehmen, sofern ich nicht Phelps-gleich (200m in knapp 9 Minuten) durchs Becken radelte. Dachte ich eigentlich, die jährlich nun mal unvermeidliche Portion Kerner schon während der Bregenzer Klamauk- und „Life is live“-Festspiele hinter mir zu haben, kam es beim Betrachten von diversen Olympioniken zum Super-GAU: Auch da kernert es ohne Ende. Offensichtlich hatte ich zu viel LSD genommen, blieb darauf hängen und von da an hörte ich in meinem Kopf Stimmen, die immer dieselbe Frage in verschiedenen Variationen stellten, womöglich auch, weil ich genau diese in meiner nicht unbeträchtlichen Lebenszeit schon so und anders unendliche Male beim TV-Fußball gehört habe:

„War das der emotionalste Moment Ihrer Karriere?“
„Welche Emotionen hat man da als (Sieger, Verlierer, armes Kerner-Opfer)?“
„Wie viel Emotion steckt in so einer Medaille?“
„Beschreiben Sie mal Ihre Emotionen!“
„Haben Sie schon mal etwas Emotionaleres als das erlebt?“
„Wie haben Sie Ihre Emotionen ausgelebt?“
„Ist Ihnen rational schon klar, was Sie da geleistet haben, oder nur emotional?“
„Welche Emotionen beherrschen Sie jetzt?“
„Emotional war das sicher das Größte, was Ihnen je passiert ist, oder?“
„Wie waren Ihre Emotionen bei der letzten Kurve/Sprung/Furz/Scherenschlag?“
„Wie kontrollierten Sie Ihre Emotionen bei dieser Anspannung?“
„Wenn man dann da oben auf dem Treppchen steht, was hat man da für Emotionen?“
„Erzählen Sie uns von Ihren Emotionen?“
„Waren Sie schon mal emotional aufgewühlter als heute?“
„Wie werden Sie diese Emotionen in den nächsten Tagen und Wochen verarbeiten?“
„Wann werden Sie diese Emotionen in den nächsten Tagen und Wochen verarbeiten?“
„Werden Sie diese Emotionen in den nächsten Tagen und Wochen verarbeiten?“
„Selten hat man die Emotionen bei Ihnen so deutlich gesehen wie heute!“
„Welche Emotion überwiegt jetzt?“
„Werden Sie diese Emotionen je vergessen?“ und noch mal:
„War das der emotionalste Moment Ihrer Karriere?“

Und ich kann mit Fug und Recht sagen:

Ja, es war der emotionalste Moment meiner Karriere.

Nämlich als ich zwei Stockwerke tiefer schellte, diesen bärtigen Mann um seine Schrotflinte bat, wieder hinaufstiefelte und dem Fernseher mitsamt seinem Kernemotionalen den Garaus machte. So etwas erlebt man nur einmal, so eine Befreiung, so ein Triumph, das werde ich meinen Enkeln noch erzählen, meine ganze Familie hat daheim zugeschaut und als dann draußen auch noch die Nationalhymne Hymne der NRA gespielt wurde, da flossen dann auch bei mir die Tränen.

Dialog zwischen dieser Frau, die nicht Monica Lierhaus ist, und Kerner:

Sie: „Die Turner sind mit der Mannschaft übrigens nur Vierter geworden, ganz knapp an Bronze vorbei.“

Kerner: „Aber sie hatten trotzdem gute Laune?“

Sie: „Ja, sie hatten gute Laune.“

So, zurück zum Fußball, respektive Traufe.

Das mit dem LSD und den Stimmen hat sich erledigt, seit ich abdrückte. Plötzlich verstummten die Stimmen. Die Asche des Fernsehers schwelt noch ein bisschen vor sich hin und stinkt. In ein paar Tagen wird das alles vergessen sein.

8. August 2008
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Morgen, Kinder, wird’s was geben

Als kleine Einstimmung auf das Ende der Sommerpause bei unser aller liebstem Blog (neben meinem, welches aber kein Blog ist, sondern nur die Internetpräsenz eines zerstreuten (ADS gibt’s auch im Erwachsenenalter) Trainers, der neuerdings quasi ohne eigenes Team dasteht und auf Mannschaftssuche gehen muss) gibt es hier vorab noch mal Altes aus dem Archiv der fußballerisch-staatlichen Narretei:


Morgen allerdings wird uns Fred beglücken, nicht Malte und auch nicht Carlotta. Gleichzeitig schade und schön.

What fools we Fußballliebhaber are.

8. August 2008
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Kolorit, lokaler

Die Stehpinkler vom Runden Leder haben etwas ausgegraben, was definitiv hierhin gehört hätte: Peter Közle singt mal wieder Düssbuach. Und auch wenn das schöne Lied mit dem schönen Text (siehe dort) inzwischen von einem neuen „Klassiker“ abgelöst wurde: „Düssbuach“ ist immer wieder schön zu hören. Also. Sofern man das Glück der westlichen Geburt hatte.

Wo sind eigentlich die Tiefflieger hin und warum wird meine Wäsche nicht mehr schwarz, wenn ich sie zum Trocknen ins Fenster hänge? Warum muss ein Oberbayer eine Düssbuacher Hymne singen? Und Bülent Akşen war übrigens ganz nett, als ich ihn während der EM 2004 (oder war es die EM 2000? EMs haben den Hang, verschwommen zu werden im Nachhinein) leicht angeheitert im Finkenkrug fragte, wie man eigentlich Stadionsprecher beim MSV wird. „Man fragt einfach.“ So einfach ist das. Sein Nachfolger tut mir immer noch weh, wenn er wieder seinen Autoverkäufer- wahlweise Versicherungsvertretercharme auflegt, der so gar nicht nach Düssbuach passt.

Guten Tag.

(Hallenhandball ist schon lange nicht mehr. Und OSC steht für „Olympischer Sport Club“ – zur Eröffnungsfeier des Tages …)

8. August 2008
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What shall we do with the Spielervermittler?

Manchmal wache ich morgens auf und bin von Spielervermittlern umgeben. Sie reden alle auf mich ein, sie tragen alle dunkle Anzüge. Sie tragen auch Sonnenbrillen, weil sie nicht erkannt werden wollen. Sie sagen, ich solle unterschreiben, nur meine Unterschrift eintragen. Sie sagen, sie täten Gutes für mich, aber ich bin mir nicht sicher. Ich bin mir sogar ziemlich unsicher. Hätte ich die Telefonnummer nicht verlegt, würde ich meinen alten Jugendtrainer fragen, was ich tun soll, und ob es vielleicht sinnvoll wäre, hier oder dort zu unterschreiben. Ich kann aber auch gar nicht schreiben, weil ich vergessen habe, wie es geht. Mit der Hand.

In diesem Moment kann man jedenfalls nicht wirklich sinnieren, alle reden auf mich ein, sie sagen, sie wüssten was gut für mich sei. Sie kennen mich doch aber gar nicht, wie können sie da wissen, was gut für mich ist? Ich weiß ja nicht mal selbst, was gut für mich ist. Wo soll ich unterschreiben oder könnte man sagen, es wäre besser, gar nirgendwo zu unterschreiben? Ich weiß es nicht, aber in diesem Moment hat man eben keine ruhige Sekunde. Sekunde mal, ich komm gleich wieder. Dann gehe ich auf den Deich und laufe stundenlang herum, ohne Ziel. Wenn ich wiederkomme, weiß ich immer noch nicht mehr als vorher, ich weiß nur, ich unterschreibe nicht einfach so.

Sie stehen trotzdem manchmal da, in ihren dunklen Anzügen, gesichtslos, und oft. Am Morgen.