Der Spion, der aus der Kälte kam (Der Dummschwätzer (XIX))

Von Dschordsch Doppel-W Busch denkt ja alle Welt, dass er doof wäre. Ob er es ist, weiß ich nicht. Und ein paar gesammelte Versprecher, Verleser oder Anekdoten gibt es doch über jeden, dessen Job es nun mal ist, alle Nase lang eine Rede zu halten. Zugegeben, über Schröder (obwohl auch er kein guter Redner war) oder Merkel gibt es bei Weitem nicht so viele Anekdoten und Stilblüten wie z. B. von Edmund „Schroiber“ [1] oder über eben jenen Dschordsch Doppel-W Busch. Irgendwie muss also schon etwas dran sein an den eher gering ausgeprägten rhetorischen Fähigkeiten des Sohnes von Busch sr. Gleichzeitig ist er aber berüchtigt dafür, äußerst gut mit dem Telefon umgehen zu können. Nein, wir sprechen jetzt nicht davon, die richtigen Tasten zu drücken und es anschließen zu können.

Busch jr. macht — angeblich — seine Politik mit dem Telefon. Steht jemand seinen Vorstellungen, seiner Politik im Wege, laufen seine Telefonkabel heiß und er bearbeitet den jeweiligen Kontrahenten so lange am Telefon, bis er die gewünschten Ergebnisse erzielt hat. Dass Busch selbst auch mal etwas mit Sport zu tun hatte, ist in den letzten Jahren vielleicht etwas untergegangen. Als berufsmäßiger Alkoholiker, der die ersten 40 Jahre seines Lebens nur nach Strich und Faden gesoffen hat, hatte er das Glück, aus betuchtem Hause zu stammen und erwarb mit den so zufällig angespülten Millionen einen fünfprozentigen Anteil an den Texas Rangers, einer Baseball-Mannschaft [2] aus, der Leser ahnt es schon, Texas.

Wer denkt, dass in der hiesigen Sportszene keine Drähte zur Politik heiß laufen, der täuscht sich leider. Wir erinnern uns mit einer gehörigen Portion Amüsement, und zu selben Anteilen (hier das Substantiv zu „hanebüchen“ einfügen) an das seltsame Schauspiel, das uns nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 präsentiert wurde: Ein arroganter [3] Schröder attackiert im Fernsehen „die Medien“ und posaunt zudem, dass die ebenfalls anwesende Frau Merkel niemals Kanzlerin werden würde, schließlich, das können ja alle sehen, habe die SPD entgegen der Prognosen und entgegen des Wirkens „der Medien“ die Wahl gewonnen. Wie wir inzwischen wissen, kam dann doch alles ganz anders als man (für man hier gleich Schröder) dachte: Merkel ist Kanzlerin und Schröder ist jetzt quasi Schalker, von Berufs wegen.

Dass genau das aber auch anders hätte kommen können, wenn die Strippenzieher des vermeintlichen Strippenziehers (hier: der Dummschwätzer) der Nation etwas erfolgreicher an jenen gezogen hätten, lesen wir dort: Fedor Radman war nämlich damals der Spion, der aus der Kälte kam [Link leider tot].

[1] Zitat aus einer RTL-II-Zuschauerbefragung vor der Wahl 2005.

[2] Baseball ist eine Variante von Brennball.

[3] Viele dachten auch: angetrunkener. Inzwischen ahnt man — die Augen stechen so raus — es könnte Captagon gewesen sein.

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Die Bundesliga wurde ausgelost

Da staunt Felix Magath und Arsène Wenger wundert sich. Ausgelost? Die Bundesliga wird ausgelost? Die vielen Titel für die Bayern — alles nur Losglück? Gladbach abgestiegen, weil die Losfee falsch zugriff?

Nein. In Österreich wird der Spielplan tatsächlich ausgelost. In Deutschland macht das der Herr, den ich leider nicht ergooglen konnte. Dieser Herr lost nicht, er tüftelt. Das hat auch viel mehr Charme, meine ich. Früher schob er seine Täfelchen auf der Ansteckwand hin und her, berücksichtigte die Stones im Rheinstadion oder die Buchmesse in Frankfurt, die Doppelnutzung des Münchner Olympiastadions durch die Bayern und 1860 selig oder den noch nicht verlegten Rasen in Homburg. Heute wird auch dieser Herr das wohl am Rechner machen, was weniger charmant, aber immer noch besser als losen ist.

Wer schon mal einen Spielplan mit Doppelnutzung eines Stadions inklusive Sonderwünschen bei Terminen erstellt hat, weiß, welches Vergnügen das ist. Die grundlegende Lösung für einen Spielplan einer Liga heißt übrigens Round Robin, nur für den Fall, dass Ihr auch mal einen Ligaspielplan erstellen wollt. Auslosen funktioniert da eben nur für eines der vielen möglichen Anfangsszenarien des Round-Robin-Verfahrens, wie eben in Österreich geschehen. Der Rest ergibt sich von selbst.

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Fußball ist Lifestyle

Fußball ist Sport. Fußball ist Lifestyle. Fußball ist Entertainment.

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Diese zeitlichen Verschiebungen bei Trends kennt man ja. Was heute in den USA hip ist, kommt fünf Jahre später auch hier an. Was hier hip war, war 15 Jahre später in der DDR auch angesagt. Und was die Jungs von der Kö heute tragen, tragen vier Jahre später auch die Jungs vom Lande, während sie sich heute noch über die Frisuren und die Kleidung der Jungs von der Kö lustig machen, wohl ahnend, dass sie es sind, über die eigentlich gelacht wird.

Ähnlich muss es auch mit Österreich sein. Während hier die Gemischtwarenläden „Fußball, Lifestyle, Entertainment und was uns sonst noch eingefallen ist“ schon lange geschlossen haben, die Kehrmaschine die Reste zusammenfegt und nur noch elf Unentwegte mit hochgeschlagenem Mantelkragen dem eisigen Wind der Fußball-und-irgendwas-Landschaft trotzen, versucht sich dort das neue Magazin „Goal“ [Link mittlerweile nicht ganz so überraschend tot] an jenem Unterfangen, das in diesem Land so eindeutig gescheitert ist.

Aber Österreich, das ist eben ein Fußballland seit jeher und aufgrund der aktuellen großen Fußballbegeisterung, speziell um Titelhelden Ivanschitz, gibt es dort nun mal ganz andere Voraussetzungen als hier, wo es nur knapp 82 Millionen potenzielle Kunden gab, und nicht wie dort das Zehnfache, nämlich 8 Millionen.

Wenn wir dann noch den Untertitel zum Bericht über Cristiano Ronaldo lesen („Porträt des Dribblers aus den Slums“, und als Kipferl seinen Namen falsch geschrieben), wenn wir Beiträge à la „Die beste Elf der Popstars“ sehen, wenn uns „Outfits für stilbewusste Fans“ angepriesen werden, dann wissen wir, dass hier etwas völlig Neuartiges entsteht, was eigentlich gar nicht scheitern kann — jedenfalls nicht vor Herbst 2008.

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Souffleurismus

Tapfer, wie sich der Meikel da schlägt. So weit hätte es der kommende Nationaltrainer Tschechiens nie gebracht. „Simple english“ nennt man das wohl, was Michael Ballack benutzt. Für viele Menschen dieser Welt ist „simple english“ eine Wohltat, erlangen sie so auch Zugang zu Informationen, die sie mit ihren vier Jahren Grundschulenglisch ohne die Anwendung des „simple english“ nicht verstehen könnten. Und was auf uns einfach unbeholfen und stolperig wirkt, ist wahrscheinlich nur Chelsea-Vereinspolitik. Er wurde dazu angewiesen, in diesem Interview

(unbedingt bis zum Ende schauen) mit komplizierten Fragestellungen keine allzu seltenen Vokabeln zu benutzen. Im Notfall lässt er sich sogar die einfacheren Vokabeln soufflieren, bevor er eins der unbekannteren Wörter benutzt.

Das ist einfach eine komplett andere, auf die ganze Welt ausgerichtete Dimension des Merchandisings dort in der Premier League.

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Ex-round and round and round and round

Ganz so rund geht es im Neckarstadion bald nicht mehr zu, wenn es nach den Wünschen des VfB geht. Die Laufbahn soll abgeschafft werden. Dagegen regt sich Widerstand, schließlich gibt es in Deutschland kaum noch große Stadien mit Laufbahn. Diese Laufbahnen dienen den Interessen einer besonders exotischen Gattung von Sportlern: den Leichathleten. Kennt jemand einen Leichtathleten? Ich meine jetzt nicht aus dem Fernsehen, sondern in seinem privaten Umfeld. Ich selbst war vor Beginn meiner E-Jugendzeit zwei oder drei Jahre im Leichtathletikverein, habe aber damals schon immer neidisch zu den gleichzeitig trainierenden Fußballern rübergeschaut und sobald es möglich war, gewechselt.

Ich kenne keinen einzigen Menschen, der (noch) aktiv Leichtathletik betreibt. Ich kenne auch niemanden, der — außer bei Olympia — deren Wettkämpfe, ob im Stadion oder am Fernseher verfolgt. Wären meine Zahlen nicht so subjektiv, könnte man fast sagen, Leichtathletik sei eine Randsportart, sowohl, was die Zahl der Ausübenden angeht, als auch, was die Zahl der Zuschauer angeht. Und Randsportarten sind nett, sollten aber bitte nicht den „Big One“ in Deutschland im Wege stehen. Die „Big One“ in Deutschland sind schließlich Fußball, Fußball und Fußball. Seit Michael Schumacher tot ist, kommt noch einmal Fußball dazu. Da nützen auch kleine, unbedeutende Weltmeistertitel (Handball, Hockey) nichts.

Dass Fußball mit ohne Laufbahn aber viel stimmungsvoller ist, viel mehr Spaß beim Zugucken macht und auch den potenziellen Heimschiedsrichter viel mehr beeinflusst, ist inzwischen nichts Neues mehr. Insofern sollte man doch auch beim VfB Stuttgart — nicht natürlich bei Hertha BSC, wo es seit jeher an Sachverstand mangelt — so klug sein, die Laufbahn abzuschaffen und bessere Fußball-Heimspiel-Atmosphäre schaffen. Wie gesagt, diese Pläne gibt es, doch stehen diesen die Proteste gegen die Abschaffung der Laufbahn im Wege. Hätte mich auch gewundert, wenn man das gerade in Stuttgart einfach so über die Bühne bekäme.

Leichtathletik. Pah.

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Gelb für Torjubel

Meiner Meinung nach schon immer eine Unsitte, das Trikot auszuziehen, wenn irgendetwas Besonderes im Spiel passiert ist. Eine Unsitte zwar, aber keineswegs angemessen, diese Unsitte mit dem Urteil Gelb für Torjubel zu bestrafen. Im dortigen Fall bestraft allerdings nicht der Schiedsrichter, sondern der Sponsor. Na dann.

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Nous sommes à nouveau entre nous

Vollkommen lässt sich das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen. Aber von denen, die sich auch vorher nicht für Fußball interessierten, habe ich noch keinen von jenem Phantomschmerz berichten hören, den wir alle verspüren, weil in diesem Jahr keine WM ist. Kurz gesagt:

Wir sind wieder unter uns.

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teilrasiert

Weiß jemand, warum die taz jetzt so (und man möchte anmerken „schrecklich“) aussieht, Volk ohne Raumdeckung aber immer noch so?

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Unbekanntes aus … Italien

… Italien.

Was doch die Statistiken alles hergeben. Italien mit einer EM-Qualifikation, in der ein einziger Sieg mit einem 3:1 gegen Zypern zu Buche steht, ein einziger Sieg in der gesamten Qualifikation. War dieses Italien nach 1982 nicht amtierender Weltmeister? Was war da los?

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Weiße Schimmel

„Gezielte“ Verstärkungen.

Was denn sonst?

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Urs Meier Haushaltgeräte | Würenlos

Normalerweise übernehme ich nicht einfach so den Titel einer verlinkten Webseite als Titel meines Beitrags. In diesem Fall muss ich aber eine Ausnahme machen. Urs Meier — bekannt als Kloppos Andrack — hat neben seiner Schiedsrichtertätigkeit tatsächlich noch eine andere Berufung: Er verkauft Haushaltsgeräte. Auf der Seite seines Businesses gibt es auch eine Rubrik Referee (bitte dort die Rubrik selbst anklicken, sonst seht Ihr die schöne Haushaltsgeräteseite ja nicht). Wenn er nicht gerade pfiff, verkaufte er nämlich Dosenöffner, Brotschneidemaschinen und Schnürsenkel. All das, worum uns andere Zivilisationen beneiden.

(Hier gefunden.)

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Vorausschauend fahren

Da man sich nicht sicher sein kann, ob die von der Regierung versprochenen Investitionen ins Straßennetz der Ukraine tatsächlich kommen werden, habe ich gerade mal nachgeschaut:

Berlin — Kiew schafft man mit der Bahn an einem knappen Tag. Der D-Zug braucht genau 24 Stunden und 16 Minuten ohne Umsteigen, eventuelle Wartezeiten beim Grenzübertritt natürlich nicht mitgerechnet.

Bahnfahren hat auch den Vorteil, dass man auf der Hinfahrt zum Endspiel der EM 2012 alle Wasserstandsmeldungen zu Mertesackers Fitness, Jansens Frisur und Helmes‘ Schnürsenkeln in Ruhe studieren kann. Auf der Rückfahrt ist man dann ohnehin so freudetrunken, wie man es eigentlich im Sommer 2006 schon sein wollte, und 24 Stunden feiern sind auch besser als nur vier Stunden, die es bei einer Rückfahrt aus Berlin für mich gewesen wären.

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Hand an’n Busen, Leverkusen

Isch kucket ja sältn, eijentlich schatt, isch wäiß au jar nit, wo dat kütt. Un wenn isch dat verpasst hätt, dann hänn isch escht wat verpasst: Dä Calli Kalkofe ma wiedä.

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Zypern vor Österreich

Der (ansonsten) schicke Herr Löw hat seit seinem Einstand als Bundestrainer alle Pflicht- und alle Freundschaftsspiele gewonnen, nur der Test der Reservereifen gegen Dänemark ging verloren. „Halt!“, schreitet hier der Kenner ein und ruft aus dem Off ein kleines, aber deutliches „Eins zu eins“ hinein und meint damit ein Remis. Ein Remis im Spiel auf der zweigeteilten Insel, die zu insgesamt drei Nationen gehört: Ein griechischer Teil, ein türkischer Teil plus die extraterritorialen britischen Militärbasen. [1]

Der Gegner in jenem Spiel war allerdings der griechische Teil der Insel, die Republik Zypern, die auch Mitglied der EU ist, anders als der türkische Teil der Insel. 1:1 nur, das klingt schon ein bisschen mager, auch wenn Irland dort mit einem überraschenden 5:2 untergegangen war. Aber erstens ist das Irland der späten 2000er Jahre anscheinend nicht mehr das Irland von davor und zweitens ist Zypern, ganz konträr, nicht mehr das Zypern der Fußballsteinzeit. Das Spiel von Löws (man füge hier eine Alliteration mit L an, die die Spieler bezeichnet) war wenig berauschend und auch wenig 2006-haft. Komischerweise ging die gesamte Presse gönnerhaft darüber hinweg, obwohl doch so ein 1:1 auf einer kleinen Insel eigentlich eine mittlere Blamage ist. Ganz anders, als wenn man auswärts in Tschechien verlöre oder zu Hause gegen die Slowakei nicht gewönne. Das sind Ergebnisse im Bereich des Möglichen. Ein Remis auf Zypern aber ist eine kleine Blamage — dachte ich.

Nun muss ich einsehen: Es war gar keine Blamage, es war ein respektabler Punktgewinn. Schließlich steht Zypern richtig weit oben in der FIFA-Weltrangliste. Nämlich auf Platz, Moment, … auf Platz 81, zusammen mit Guatemala. Platz 81, jetzt könnte man denken, dass das doch gar nicht so weit oben sei, aber aufgemerkt: auf Platz 83 folgt die Fußballnation Österreich. Österreich ist immerhin Gruppenkopf einer der nur vier Vorrundengruppen der EM 2008. Und mit richtig viel Pech werden wir sogar in die Gruppe der Österreicher gelost. Da tut es gut zu wissen, dass man gegen Zypern, einen offensichtlich ähnlich starken Gegner, immerhin ein Remis rausholen kann.

[1] Wer mal günstig in die USA reisen möchte, sollte in die Normandie fahren, dort gibt es US-amerikanische Soldatenfriedhöfe, die mitten in Frankreich liegend ein Teil der USA sind. 500 und ein paar gequetschte Kilometer mit der Mitfahrzentrale oder mit dem (gibt’s das eigentlich noch?) Interrail-Ticket kann sich auch der ärmste Student mal leisten. Dumm nur, dass man dann immer noch nicht auf einem anderen Kontinent als dem eigenen war.

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Verdrießlichster WM-Moment

So.

Die Saison ist vorbei.

Die WM auch, schon länger.

Wer sich noch erinnert: Das waren vier Wochen Fußball galore in 12 Stadien in Deutschland. Schöne Spiele gab’s kaum, dafür viel schönes Wetter in den Schau-Arenen. So habe ich auch nicht bereut, nicht in Urlaub gefahren zu sein.

Viele ließen sich von der Begeisterung anstecken, die sonst nie auf die Idee kämen, in ein Stadion zu gehen. Für manchen ist das ein Unheil, ich fand’s toll, dass Leute, die sonst eher die Augenbraue heben (je nach Lateralisierung links oder rechts), wenn man über die Bundesliga schwadroniert, plötzlich heiß interessiert waren, wie denn wohl die Aufstellung Tschechiens sein wird und ob Portugal mehr zu bieten hat als hübsche Männer.

Allerdings gab es trotz des kollektiven Taumels auch im Gallien zwischen Rhein und Elbe noch ein kleines, sich tapfer wehrendes Dorf von Fußballignoranten. Und ein Mitglied genau dieser Fraktion sitzt ausgerechnet beim allerspannendsten deutschen WM-Spiel seit Jahren genau hinter mir und rhabarbert sein niederträchtiges Gesülze ausgerechnet genau in mein Ohr.

So geht das nicht, liebe Fußballhasser.

Wer sich selbst bei einer rauschhaften WM im eigenen Land nicht für Fußball interessiert, der soll doch bitte diesen Fernsehübertragungen fern bleiben, und nicht nur deshalb dort aufkreuzen, weil ja eigentlich alle hingehen und fußballfreie Orte ziemlich menschen- und — O Wunder — bei einer WM sogar ziemlich frauenleer sind. Wen das nicht interessiert, der soll zu Hause bleiben, und nicht rumnörgelnd anderen den Spaß verleiden.

Als strikter Verfechter einer zivilisierten Gesellschaft mit einem Recht auf körperliche Unversehrtheit, welches auch Mörder oder sonstige Körperverletzer mit einschließt, wurde ich an diesem Abend auf eine harte Probe gestellt.

Ein Deutscher, auch ob seiner phänotypischen Erscheinung aller Wahrscheinlichkeit nach kein immigrierter, der mir 90 Minuten lang erzählt, wie gerne er die Deutschen verlieren sehen würde, wie scheiße die deutsche Mannschaft doch spielt und dass es eigentlich ohnehin nur eine Frage der Zeit sei, bis das erste Gegentor fällt, läuft Gefahr, dieses Recht kurzzeitig zu verwirken. Einfach auch aufgrund seiner Ignoranz der Verhältnisse vor Ort: von 100 Anwesenden sind 99 gefesselt, bestens amüsiert und noch dazu alle für Deutschland. Wäre er polnischer Abstammung gewesen und hätte er für den Gegner mitgefiebert: geschenkt. Wäre er einfach nicht an Fußball interessiert und hätte zum Ausdruck gebracht, wie sehr ihn diese Übertragung langweilt: geschenkt. Hätte er es beim einmaligen Ausdruck seiner Niederträchtigkeit belassen: geschenkt.

Er aber, den niemand gebeten hatte, zu diesem Fußballspiel zu kommen, der nicht mal selbst anwesend sein wollte, konnte nicht ablassen, ständig ein Tor für Polen heraufzubeschwören. Wäre ein solches erfolgt, wären auch meine Überzeugungen für kurze Zeit außer Kraft gesetzt worden. Ich bin froh, dass wir beide so schadlos aus dieser Situation herausgekommen sind. Er und ich.

Ich und Arschloch.

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„Magath: Mittelfristig um den Titel spielen“

Wie oben wird Magath heute irgendwo zitiert. Man merkt wieder, was für ein ausgewiesener Fußballexperte er ist. Zweifler sprachen ihm schon jegliches Fachwissen ab, doch mit der Aussage in der Überschrift beweist er, dass er wesentlich mehr von Fußball versteht als der unbedarfte Fan: Warum sollte Wolfsburg in drei, vier Jahren nicht wieder aufsteigen?

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BVB-Jubiläumstrikot

Schwatzgelb.de sucht Vorschläge für das Jubiläumstrikot des BVB, der in Kürze 100 Jahre alt wird. Hier mein Vorschlag mit nur dezentem Logo, wie ich es mag:

[photopress:jubilaeumstrikot.jpg,full,centered]

Vielleicht gewinne ich ja was.

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Für den Sofa-Fan

Hat man erstmal die 12 Jahre überschritten, ist es irgendwie albern, sich in Fanklamotten zu Hause vor den Fernseher zu setzen, um ein Fußballspiel des Vereins des Herzens (wegen Ausgelutschtheit zensiert) der Wahl zu schauen. Meist ist man dann ohnehin nur mit weniger Menschen vor dem Fernseher versammelt als die Hand Gottes Finger hat und außerhalb von Stadien und/oder Karneval haben infantile Verkleidungen von erwachsenen Menschen immer einen Anflug des Wunsches, sein Leben rückwärts leben zu wollen.

Wer aber überhaupt nicht darauf verzichten möchte, sich farblich mit den bunten Flecken auf dem Bildschirm zu identifizieren, der kann jetzt diese Fan-Pantoffeln [Link leider tot] überstreifen und nicht ganz so albern wirken, wenn die Nachbarn von gegenüber durchs Wohnzimmerfenster reinglotzen.

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Fußballpoesie

Was ich besonders mag, ist amateurhaft gereimte Hobbypoesie zum Thema Fußball. Leute, lasst Eure komischen Gedichte zu Hause. Schreibt sie zur Not in ein Weblog, aber verschont mich mit dieser prosaischen Poesie.

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Zahl der Woche – Folge XII

Roberto Carlos verlässt Real Madrid und wechselt zu Fenerbahce Istanbul. Elf Jahre war er bei Real Madrid und für mich völlig überraschend gewannen er und Real Madrid in dieser Zeit lediglich drei Meistertitel. Somit ist Real vielleicht doch nicht der 1. FC Köln des Ostens, sondern eher die Borussia Dortmund des Südens, um im Bild zu bleiben.

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Ernie und Bert

Es ist ernüchternd, geradezu so, als erführe man, dass Merkel, Müntefering und Schroiber eigentlich von den drei Fragezeichen, von denen man ja so viel hielt, gesprochen werden.

Goleo und Pille waren niemand anders als die deutschen Stimmen von Ernie und Bert. Und dann doch so ein Fosbury-Flop.

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Der Thailänder

Berti Vogts weiß alles über den Afrikaner, aber nichts über den Thailänder. Ich hingegen weiß fast alles über den Thailänder, jedenfalls über den einen, von dem ich hier spreche. Ob er sich auch für Fußball interessiere?

„Yes, we like football in Thailand as well. We know the Premier League.“

Dann folgen jene Momente des Schweigens, in denen dem Sprecher bewusst wird, dass er mit einem Deutschen spricht. Höflichkeit gebietet es, aber außer der Höflichkeit wäre weit und breit kein anderer Grund zu sehen, warum er das Folgende noch nachschiebt.

„And Bundesliga.“

And Weihnachtsmann.

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