15. Juli 2013
18 Kommentare

Weg mit dem Onkel(haften)

Ah, haben Sie das gesehen? Sabine Lisicki hat den Schläger richtig herum gehalten.

Dort, Wahnsinn, Andrea Henkel weiß tatsächlich, wie sie ihr Gewehr bedienen muss.

Und Britta Steffen, toll, wie sie nach dem Start ins richtige Becken sprang.

Kann man sich vorstellen, dass derartige Nichtigkeiten von einem Kommentator einer Sportart abgesondert werden, der den zu kommentierenden Sport ernst nimmt?

Im Frauenfußball, dieses Zwitters der Aufmerksamkeit unter den Randsportarten, ist so etwas Usus, zumindest bei Claudia Neumann und Norbert Galeske.

Es wäre leicht, diesen Text jetzt mit der Aussage zu beginnen, dass „die wahren Sexisten hinter dem Mikrofon sitzen“. Doch das wäre populistisch. Sexistisch ist es nicht, sondern herablassend dem Zuschauer gegenüber, dem ständig eingebleut werde soll, was er vom Gesehenen zu denken habe. In jedem Satz ein anbiederndes Flehen um Akzeptanz des Frauenfußballs, alles wird schön-bewertet, statt einfach das Spiel zu begleiten.

Da wird „gute Technik“ bei einer simplen Ballannahme gelobt. Wenn eine Spielerin einen Pass des Gegners abfängt, bei dem sie schlicht angeschossen wurde, wird ihre „Antizipation“ gelobt und bei einer Grätsche doch tatsächlich, man fasst es nicht, die „Körperbeherrschung“ der Grätschenden.

So gut gemeint ihre Anti-Thoelke-Attitüde auch sein mag, dass eigentlich alles, was die Spielerinnen auf dem Rasen abliefern, ein Lob wert sei, weil sie nun mal vom Männerfußball des höchsten Niveaus so meilenweit entfernt sind, so bumerangartig schlägt sich das auf die Wahrnehmung des Gesehenen und der Übertragenden nieder.

Wenn sich die Besten der Besten in einer Sportart messen, wie es bei einer Europameisterschaft der Fall ist, kann das Loben vom Beherrschen der Grundtechniken dieser Sportart doch nur wie Hohn wirken. Als stünden die Frauen zum ersten Mal auf dem Platz, als seien sie Kinder, denen man Vieles nachsehen müsse, weil sie ja noch üben.

Der geneigte Zuseher wird geradewegs dazu gezwungen, innerlich ständig zu widersprechen und aufzustöhnen, dass dieser und jener Pass nun mal grottig war und diese und jene Parade, ein jeder hat es doch gesehen, voll daneben gingen. Dass Spielzüge nicht gedeihen und Bälle mangels Technik unnötig verloren gehen.

Dass das, was die Kommentatoren von sich geben, nichts mit dem zu tun hat, was auf dem Rasen passiert. Galeske und Neumann gerieren sich, als seien sie Onkel und Tante dieser Spielerinnen, freuen sich über jeden angekommenen Pass beinah ins Koma, weil die Agenda, dass Frauenfußball gefördert werden soll, keine Kritik erlaubt.

Den größten Gefallen täten sie dem Sport damit, ihn ernstzunehmen und zu kommentieren, was sie sehen. Und nicht, was Onkel und Tante wohlwollend tätscheln würden — und den Zuschauer zu brainwashen.

11. Juli 2013
5 Kommentare

Krisen, Knete, Krach und dreiste Kerle

Noch mehr Lesefutter zu 50 Jahren Bundesliga, diesmal mit fast immer neuen Schwerpunkten und Erkenntnissen aus den jeweiligen Saisons, kredenzt die NOZ.

Nicht von den Überschriften, welche Altbekanntes aufgreifen, täuschen lassen. In den Texten selbst sind wahre Schätzchen zu finden.

Wer weiß schon …

… was den 1. FC Kaiserslautern 1991 wirklich zur Meisterschaft trieb?
… was die Bundesliga 1989 gegen die Zuschauerkrise einführen wollte?
… welcher Meistertrainer eigentlich Jupp Derwalls Nachfolger werden sollte?

Spannende Antworten und vor allem ein Trip in eine andere Welt. „Zu viel Fußball im Fernsehen“, beklagten sich Fans damals und die Karten seien auch „zu teuer“. Das Lesen dieser Texte macht sehr überzeugend den Wahnsinn und das Surreale am Fußball der Gegenwart sichtbar.

Hier zum gesamten Special der NOZ, mal wieder Prädikat lesenswert, wenn auch noch nicht vollständig über alle Saisons. Da lohnt ein späteres Wiederkommen.

10. Juli 2013
1 Kommentar

Wunderknaben, diese Österreicher

Für die WM 1998 nahm Udo Jürgens keinen Song mit der deutschen Nationalmannschaft auf wie noch 1978 („Buenas Dias, Argentina“) und 1990 („Wir sind schon auf dem Brenner“), sondern mit der ebenfalls qualifizierten Nationalmannschaft Österreichs, wo alle Trends eben immer mit ein bisschen Verzögerung eintreffen: „Wunderknaben“.

Da Österreich seit dieser WM 1998 in der deutschen medialen Wahrnehmung aus dem Fußball verschwunden ist, youtube aber erst deutlich später gegründet wurde, ist dieser Song wohl kaum bekannt. Zwar hier nur eine Kurzversion, doch auch diese macht schon deutlich: Im Fußball nicht, und auch bei den Songs zur WM kann Österreich den Deutschen nicht das Mikro reichen.



Bei der WM 1998 war dann aber nach der Vorrunde Schluss für die nur im Song so benannten „Wunderknaben“.

Der Titel ist übrigens eine Referenz an das deutlich erfolgreichere, dann aber nach Anschluss aufgelöste Nationalteam der Österreicher in den 1930er Jahren.

10. Juli 2013
5 Kommentare

Keane close, Klose closer

Immer noch wird auf jenes Tor von Miroslav Klose gewartet, mit welchem er Gerd Müller ein- und bei einem möglichen Nachlegen an Toren in der Nationalmannschaft überholen wird. Eigentlich wäre die Sommerpause der richtige Zeitpunkt für Diskussionen, ob Klose dann besser wäre als Müller oder nicht, zumal es bei solchen Fragen ja kein richtig oder falsch geben kann, sie also sehr gut die Funktion eines Sommerlochfüllers übernehmen können.

Doch sind solche Diskussionen immer auch ein wenig ermüdend, schließlich haben beide Standpunkte ihre Berechtigung.

Deshalb zu diesem Thema ein anderer Einwurf, welcher bislang wohl wenig bekannt sein dürfte.

Im Länderfußball liegen die beiden mit ihrer Trefferzahl auf Platz drei und vier aller Zeiten — bei europäischen Fußballern. Es gibt also zwei Männer, die noch mehr Tore erzielt haben als Gerd Müller und Miroslav Klose und es sind die Herren Sandor Kocsis mit 75 Treffern und Ferenc Puskas mit 84 Treffern auf meilenweit entfernter Position 1. Beides Ungarn also, was wieder einmal deutlich macht, wie überlegen diese Nationalmannschaft zu ihrer Zeit war. Und auch ein wenig näher bringend, warum die Wahl zum Tor des Jahres der FIFA neuerdings als „Ferenc-Puskas-Award“ bezeichnet wird, war er doch ein echter támadójátékos.

Auf Platz fünf schließlich niemand aus dieser Zeit, sondern jemand aus einer kleineren Nation, was ebenfalls überraschen dürfte: Robbie Keane mit inzwischen 59 Toren in 126 Partien, womit er Rekord-Nationalspieler und Rekord-Torschütze Irlands ist. Diesen Double-Double oder wie man so etwas nennt, gibt es wohl sonst auch selten. Denn wer lange spielt, ist irgendwann meistens auch alt und fällt auf dem Platz immer weiter nach hinten zurück. Nicht so Robbie Keane. Und auch nicht Miroslav Klose.

9. Juli 2013
30 Kommentare

Gewinnspiel: Endlich nicht mehr aufstehen, wenn man niemals alleine walkt

Die heutigen Stadien (und ihre Besucher) haben leider tatsächlich immer mehr von einer gleichgeschalteten Fußgängerzone in der Stadt ihrer Wahl. Überall die Filialen der selben Marken, überall der selbe Kaffee und überall dann auch die selben Meme in den Hirnen der Menschen.

Neben dem Umstand, dass man die Stadien selbst zumindest innen kaum noch unterschieden kann, tut die Einheitsgröße der Spielfelder ihr Übriges wie auch der Abschied von eckigen Pfosten aus Holz etc. pp.

Schlimm, dass auch das Sangesgut und jegliche sonstige kulturelle Äußerung immer ähnlicher wird. Man singt davon, dass Menschen, die sich einer bestimmten regionalen Identität zugehörig fühlen sollen, aufstehen mögen, dass die Spieler des Vereins niemals alleine gehen werden und die Klatschrhythmen sind auch alle ähnlich, wie sogar die Form, in der sich Spieler ihrerseits beim Publikum bedanken.

Deshalb heute ein schönes Gewinnspiel ohne Gewinne, bei dem ich ausnahmsweise auch keine Liste anlegen werde, sondern Eure Nennungen in den Kommentaren verbleiben werden. Also:

Welche Besonderheit bei Gesang, Riten, Kleidung, Kommunikation oder Identität gibt es nur bei jeweils einem Klub und falls ja, welche bei welchem Verein ist das?

Ich sage mal, Maskottchen und Vereinshymne nehmen wir raus, da hat ja tatsächlich jeder noch seine eigenen, wenn auch diese immer ähnlicher werden. Eher sind Bräuche oder zusätzliche Lieder gesucht. Aber was auch immer Euch einfällt, Schweineohren, Toffifees, Lieder, Klatschryhthmen, Kleidung — immer her damit.

6. Juli 2013
10 Kommentare

Einmal ein Star sein: Mannschaftsfoto statt Dschungelcamp

Eine schöne Geschichte ereignete sich jüngst in der still vor sich hersurrenden Sommerpause, als einer der Insassen des Blogosquariums für kurze Zeit zum Star aufstieg.

Der Star ist in diesem Fall eindeutig der Blogger und nicht die Mannschaft. Den Blogger gibt dabei Gunnar vom Stehblog, von dessen Aktivitäten wir hier schon lasen. Sein Erst- oder Zweitverein ist der Verein seines Wohnorts Wiesbaden, der SV Wehen Wiesbaden.

Dieser aktuelle Drittligist versteigerte kürzlich — in schöner Tradition anderer, klammer Klubs — einen Platz auf dem Mannschaftsfoto.

Da ist man als Fußballfan natürlich Feuer und Flamme, dass man einfach so gegen ein paar Kröten plötzlich im Kicker-Sonderheft 2013/2014 erscheinen wird — ohne es durch die eigenen Fußballfähigkeiten je auch nur in die Nähe des Profifußballs gebracht zu haben.

Wie das so war, als Gunnar in Wiesbaden an der Entstehung des Mannschaftsfotos seines Klubs beteiligt war, liest man hier, und wie es dann ausgesehen hat, ist hier zu prüfen.

Lesen sollte man den erläuternden Text aber unbedingt, denn ein nicht ganz unwichtiger Aspekt des eigentlich großartigen Plans verlief dann doch etwas abweichend vom Wunschtraum des Stars, des Bloggers, des zentralen Elements auf dem schließlich dort veröffentlichten Mannschaftsfoto.

Welcher von den vielen Menschen mit SV-Wehen-Wiesbaden-Trikot auf dem Bild denn Gunnar selbst ist, nun, da stellen wir uns die Frage, ob es je irgendeinen Fußballer abgesehen von Edgar Davids gab, der mit Brille auf einem Mannschaftsfoto posierte.

(Ja, gab es zwar, aber dann funktioniert der Hinweis nicht mehr.)

4. Juli 2013
6 Kommentare

Schrecklicher Verdacht: Führt Sportjournalismus zum Talkmasterdasein?

Schockierenhausen. Die Wissenschaft schlägt Alarm! Sie hat einen möglicherweise signifikanten Anstieg der Wahrscheinlichkeit beobachtet, im Laufe einer TV-Karriere zu einem inhaltslosen Talkmaster für alle Themen quer durch den Garten zu flambieren, wenn eine Person zuvor im Sportjournalismus tätig war. Bislang nur ein Anfangsverdacht, doch die Indizien lassen sich kaum von der Hand weisen.

Welche geheime Macht ist da wirksam, die aus einst lauteren Sportjournalisten nur noch hohle Phrasendrescher ohne Bezug zum Thema und ohne den Hauch von Expertise werden lässt? Zwar mitten im Scheinwerferlicht der gesamten Nation tätig, doch ohne noch das Ziel zu verfolgen, tatsächliche Erkenntnisse zu vermitteln — Hopfen und Malz scheinen in vielen Fällen gänzlich verloren gegangen zu sein.

Vom seriösen Sportjournalismus zur eitlen Gastgebermarionette für Talkrunden, dieses Schicksal erleiden immer mehr Menschen, die zuvor von Leibesertüchtigungen berichteten. Wie viele werden noch folgen? Wann wird ein Gegenmittel entdeckt?

Einige erschütternde Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart, früher alles honorige Sportreporter, heute nur noch Stichwortautomaten, denen Nachfragen zum Verständnis fremd geworden sind:

Günther Jauch

Zum ersten Mal führte er 1988 durch das aktuelle sportstudio […] hohen Bekanntheitsgrad erreichte Jauch durch die Moderation vom „Torfall von Madrid“ im Champions-League-Spiel Real Madrid gegen Borussia Dortmund am 1. April 1998.

Maybrit Illner

Nach dem Studium arbeitete Illner bis 1989 in der Sportredaktion des Fernsehens der DDR. …

Reinhold Beckmann

Beckmann wechselte noch 1990 von der ARD zu Premiere, wo er Leiter der Sportredaktion wurde. Ab 1992 war er bei Sat.1 ebenfalls als Sportchef angestellt und wurde durch die von ihm konzipierten und moderierten Sportsendungen ran und ranissimo bekannt. …

Johannes B. Kerner

Von August 1992 bis Ende 1997 moderierte Kerner das Sat.1-Fußball-Magazin ran. […] 1996 wechselte Johannes B. Kerner zum ZDF, wo er bis 2006 einer der Moderatoren der Sendung das aktuelle sportstudio war und Fußball-Länderspiele kommentierte.

Anne Will

Ab November 1999 präsentierte sie als erste Frau die bis dahin von Männern dominierte Sportschau, was sie schlagartig einem großen Publikum bekannt machte. Im Jahr 2000 moderierte sie für die ARD Sportsendungen der Olympischen Spiele aus Sydney. …

Allesamt heute mit der Rolle des Gastgebers in so genannten „Talkshows“ ausgestattet, die, wie der Name schon sagt, nichts als belanglosen „Talk“ im Sinne von „Geschwätz“ an der Oberfläche bieten.

Für einstmals inhaltlich fähige, sachlich von ernstem Sport berichtende Journalisten ein trauriger Werdegang. Es ist Zeit für Forschungsstudien, die auf die Suche nach den Gründen für diese dramatische Entwicklung gehen und hoffentlich möglichst bald Erfolg vermelden können.

Nicht nur heutige, auch alle kommenden Generationen von seriösen Sportjournalisten leben so lange in Angst, wie ein derartiges Schicksal für sie in Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann.

Allerdings existiert noch kein Ansatzpunkt für die Wissenschaft. Nach außen erwecken alle unter diesem Phänomen Leidenden den Eindruck, sie hätten bewusst und sogar willentlich den Rückzug von jeglichem Anspruch an ihre Arbeit angetreten, welchen sie zumindest als Sportreporter noch an den Tag legten.

Dass das alles nicht mit rechten Dingen zugehen kann, ist selbst dem Laien einsichtig. Wo sitzt die dunkle Macht, auf welchem Wege wirkt sie und wie ist sie zu bekämpfen?

Eine Nation verharrt in Angst um ihre jungen Burschen und Mädchen, die sie bei diesen Zuständen nicht sehenden Auges in ihr Unglück, das vielleicht zwangsläufig auf den Sportjournalismus folgt, schicken kann.

4. Juli 2013
2 Kommentare

Grätschen sind aut

Der 4. Juli ist nicht nur der amerikanische Unabhängigkeitstag, sondern laut diverser Quellen auch der Tag der Wiedergeburt der Deutschen, bezogen auf die Anerkennung in der Welt. Von diesem Datum herrührend die Erkenntnis, dass es früher andere Wörter als heute gab. Zum Beispiel:

Spagatschritt.

Ein solcher war es, mit dem Max „Maxl“ Morlock vor 59 Jahren — lebt Horst Eckel noch? — den Ball zum 1:2 gegen Ungarn in die Maschen des ungarischen Tores fabrizierte. Sagte Herbert Zimmermann, „mit einem Spagatschritt“, und der muss es wissen, er war schließlich leibhaftig dabei.

(Siehe dazu auch, sehr wissenswert, im „Blonden Engel“.)

30. Juni 2013
4 Kommentare

„Als die Liga laufen lernte“ — die 1960er in Bild und Ton

Falls es jemand nicht mitbekommen hat: Die Bundesliga wird in diesen Tagen 50 Jahre alt. Anlass zu diversen Specials in diversen Medien.

Eine besondere Perle zum Thema hat die Deutsche Welle gerade veröffentlicht. Leider viel zu kurze 26 Minuten, die sich mit den 1960er Jahren der Bundesliga beschäftigen und dabei nicht allein auf den Platz, sondern auch daneben blicken.

Prädikat wertvoll.



Erstgebloggt von allesaussersport.de.

Schöner Nebeneffekt beim Schauen dieses Filmchens: Wer sich Uwe Seeler sympathisch machen möchte, dem sich sonst doch allzu oft allzu kurzsätzig Äußernden, findet hier gute Gelegenheit dazu. Ansonsten viele Spielszenen und O-Töne aus einer Zeit, in der noch nicht jede Partie aus allen Perspektiven aufgezeichnet wurde. Für den Liebhaber ein Muss, für alle anderen ein schönes Bonbon. Und das Beste ist: Die späteren Jahrzehnte sollen auch noch folgen.

29. Juni 2013
Keine Kommentare

Anforderungen an Profis immer höher

Clemens Tönnies vom FC Schalke 04 erwartet ein Quäntchen mehr von seinen Angestellten aka Fußballspielern. Sie sollen nicht nur gut Fußball spielen, sondern auch noch hellsehen können.

Jeder darf mal einen schwächeren Tag haben, aber dann muss er vorher zum Trainer und das sagen.“

So wird er von der Mitgliederversammlung seines FC Schalke zitiert und man würde gerne ergänzen: Sollten die Spieler nicht auch gleich vorher Bescheid sagen, wenn sie hellsehen, dass sie das nächste Spiel verlieren werden? Sparte Reisekosten.

29. Juni 2013
4 Kommentare

Alle Italiener in der Bundesliga

Italien tritt im Rahmen des Confed-Cups gegen Spanien an, eine Partie mit minderer Qualität und minderem Spannungswert. 0:0 nach 120 Minuten. Nur etwas für die ganz hart Gesottenen unter den Taktikliebhabern, wie Stadioncheck richtig feststellt.

Da kann man sich (und seinen Twitter-Followern) schon mal die Frage stellen, welche originären Italiener überhaupt schon mal in der Bundesliga spielten, denn dem Autor fielen gerade mal Rizzitelli und Luca Toni ein.

Eine große Zahl an Antworten und auch eine durchaus deutlich größere Zahl an Italienern, die je in der 1. Bundesliga spielten, stellt sich dann heraus.

Hier die chronologische Liste im Überblick. Wer in Deutschland geboren wurde, aber (auch) einen italienischen Pass besitzt, zählt für diese Liste nicht.

Name Vereine Zeit S T
Ruggiero Rizzitelli FC Bayern München 1996-1998 45 12
Luca Toni FC Bayern München 2007-2010 60 38
Massimo Oddo FC Bayern München 2008-2009 18 0
Cristian Zaccardo VfL Wolfsburg 2008-2009 14 1
Andrea Barzagli VfL Wolfsburg 2008-2011 75 1
Cristian Molinaro VfB Stuttgart 2010- 71 0
Jacopo Sala Hamburger SV 2010- 21 1

Stand 29.6.2013.

Der erste Spieler mit italienischem Pass in der Bundesliga war zwar nicht Ruggiero Rizzitelli, sondern Raffael Tonelli, dieser wurde aber in Mülheim an der Ruhr geboren und wuchs hier auf, zählt also in diesem Sinne als „Fußballdeutscher“ und nicht als Italiener. Mauro Camoranesi ist gebürtiger Argentinier, entdeckte dann später wie so viele Südamerikaner im Fußball noch seine europäischen Wurzeln.

Aber ansonsten gilt natürlich: alles ohne Gewähr und weitere Namen sind immer willkommmen.

28. Juni 2013
Keine Kommentare

Old school 3D-Videoanalyse

Man sucht ja immer nach Gründen, warum der Fußball früher so viel schlechter war als heute. Ob man’s glaubt oder nicht, es könnte neben der soziokulturell unterschiedlichen Herangehensweisen auch mit dem Handwerkszeug zu tun haben, das zur Verfügung stand.

Hier zum Beispiel eine 3D-Videoanalyse anno 1980.

Falls jemand fragt, wo denn da jetzt die 3D-Videoanalyse ist. Nunja, … das ist sie dann wohl.

Oder hier oder, besonders schön und übersichtlich, hier oder gar eine aus dem Jahr 1934.

Falls also überhaupt Analyse, dann wohl nur aus dem Gedächtnis der eifrigen Zeitungszeichner.

27. Juni 2013
4 Kommentare

Peps panische Anspannung

Ob Pep Guardiola nun akzeptabel Deutsch gelernt hat für die Zeit und Mittel, die ihm zur Verfügung standen, ist natürlich nicht abschließend zu beantworten. Sollte er tatsächlich einige seiner Sätze vorher auswendig gelernt haben, dann ist das zwar legitim, allerdings nicht das, was man gemeinhin darunter versteht, eine Sprache zu beherrschen. Dass Guardiola erkannt hat, dass man in New York schlechter Deutsch lernt als in einem Land, in dem Deutsch gesprochen wird, lässt für ihn und die Zukunft aber unbedingt hoffen.

Seltsam angespannt wirkte er aber schon bei seinen ersten Worten auf Deutsch, auf der Pressekonferenz im Münchner Stadion. Das könnte damit zu tun haben, dass man im Hause Hoeneß angeblich schon mal unter Tarif zahlt, wenn jemand Sprachschwierigkeiten hat.

Die Pressekonferenz war also der erste, vielleicht entscheidende Test, wie man Guardiola als Arbeitnehmer nun einsortieren würde. 10 Millionen Euro im Jahr oder vielleicht doch nur 1.380 Euro im Monat?

Verständlich, dass Pep Guardiola ganz schön ins Schwitzen kam und mehr als ein Mal geradezu panisch die Kopfhörer mit der Übersetzung aufzog, um dann einigermaßen erleichtert wieder auf Deutsch antworten zu können.

Denn im Hause Hoeneß sei man bei Sprachschwierigkeiten nicht zimperlich, wird kolportiert:

Während die NGG dem Unternehmen vorwirft, die 290 Beschäftigten mit einem Niedriglohn von 1.380 Euro brutto abzuspeisen, wolle Florian Hoeneß keine Zahlen nennen. Mit einem Lohn dieser Größenordnung habe er aber für „Ungelernte mit Sprachschwierigkeiten überhaupt kein Problem.“ Das sei branchenüblich. Vielmehr trage der Verbraucher die Verantwortung, der immer alles möglichst billig kaufen wolle. Zudem könne der Staat ja entsprechende Mindestlöhne einführen.

(Quelle von 2010).

Der Trainerberuf ist bekanntlich kein (richtiger) Ausbildungsberuf, insofern wäre Pep Guardiola ein Ungelernter mit Sprachschwierigkeiten gewesen. Nach dem halbwegs akzeptabel bewältigten Sprachtest in der Pressekonferenz ist er nur noch ein Ungelernter ohne Sprachschwierigkeiten und darf sicher seine paar Millionen einstreichen. Puh, zum Glück bestanden!

Ganz so nervös hätte Guardiola aber ohnehin nicht sein müssen: 1.380 Euro im Monat reichen doch auch zum Leben. Verhungert ist in der Wurstfabrik jedenfalls noch niemand.

26. Juni 2013
9 Kommentare

„Es ist ein Pokal“ — das Logo der EM 2016 in Frankreich

Hm, Fußball also. Ein großes Fußballturnier in der nicht so großen Fußballnation Frankreich, was könnte man da als Logo nehmen?

Vielleicht etwas ohne jeglichen Inhalt? Ja, eine gute Idee. Also abgesehen von dem, was ohnehin klar ist. Die besten Fußballer Europas spielen in Frankreich (die haben eine Nationalflagge in drei Farben) um die Europameisterschaft. Der Gewinner erhält einen Pokal. Dann … nehmen wir doch einfach den Pokal und machen drumherum ein bisschen was in den Farben Frankreichs. Auf dass sich schon im August 2016 niemand mehr an dieses Logo wird erinnern können. Denn das wollen wir ja erreichen, totale Beliebigkeit, in der jeder etwas für sich findet, aber niemand sich an irgendetwas am Logo stören kann.

Also ganz anders als das Logo der WM 2006 und damit wurde wieder einmal bewiesen, dass die Franzosen eben Stil im Blut haben — und die Deutschen, also das Organisationskommitee der WM, da irgendwo einen Freund hatte, der doch auch mal was mit Grafikdesign … und herauskommt etwas, für das die Vokabel Fremdschämen noch zu niedrig gegriffen ist.

Für die EM 2016 also ein großes dickes Nichts. Nichts, was mit dem Turnier, einer Vision, einer Idee, der Kultur des Ausrichterlandes zu tun hätte, so harmlos wie harmlos nur geht. Beliebig und ohne Inhalt. Das aber immerhin so geschickt fabriziert, dass wer möchte, ein lachendes Gesicht im gezeigten EM-Pokal erkennen kann.

Positive Emotionen wecken, nicht anecken. Man könnte sich diese Logos inzwischen sparen, könnte man nicht?

23. Juni 2013
7 Kommentare

Sportspiegel-Reportage über Gerd Müllers Abschied vom FC Bayern

Der Sportspiegel drehte 1979 diesen 40-Minüter unter dem gleichnamigen Titel über „Kleines, dickes Müller“ und man muss aus mehreren Gründen ein paar Tränchen verdrücken:

So viel Zeit für die hintergründige Betrachtung eines Fußball-Stars, so wenig Pathos, gar keine alles Authentische niederschreiende Hintergrundmusik und auch keine Schnittvergewaltigungen der Realität.

Vor allem aber so viel Gerd Müller in offenen Worten wie sonst nie (und heute leider schon gar nicht mehr) über Ängste, Selbstvertrauen, Gegenspieler zu jenen Zeiten und auch seine Trauer, wie er nur noch als Zuschauer Ende 1979 im Olympiastadion sitzend seinen früheren Kameraden beim Spiel zuschaut.

Gerd Müller, wie man ihn nicht kannte — und Sportjournalismus, wie man ihn sich wenigstens ein bisschen mehr wünscht.



Zuerst geteilt vom umtriebigen Scudetto.

Achja, und Franz-Josef Strauß kommt auch drin vor. Und in Nördlingen, Müllers Heimatstadt in Bayern, spricht man Schwäbisch. Der Müller Gerd selbst hingegen quasi kein Englisch, dafür angenehm viel übers Fußballspielen; zudem ist eine schöne Studie über die kulturellen Eigenarten jener Zeit zu erleben.

19. Juni 2013
9 Kommentare

Dekompositions-Häppchen am Abend

Hey, natürlich ist das hier alles immer nur Sammeln aus zweiter Hand. Eine Zeitung ist es hier nicht. Nur ein Blog.

Aber ich glaube, man würde zustimmen, wenn man sagt, dass es wenig Anlass gibt, grundsätzlich an der Aufrichtigkeit der FAZ (im Sportteil jedenfalls) zu zweifeln, oder?

Heute jedenfalls ein neues Häppchen zur Dekomposition zum vermeintlich großen Meister im deutschen Fußball, dem Heiland, dem mehrfachen U-Europameister und natürlich Triple-Sieger, alles allein durch seine Blut-Schweiss-und-Tränen-Reden und den nie nachlassend eingeforderten Ehrgeiz bewirkt.

Gefunden von Calli Camp in den Kommentaren, blicken wir doch gerne darauf, ob nach den folgenden Zeilen überhaupt noch etwas zum Dekompositionieren übrig ist:

„Wären in dieser Zeit Spielstrukturen geschaffen worden, sähe man das noch heute auf dem Platz. Es ist auch kein Geheimnis, dass Nachfolger Dutt in ziemlich leere Aktenordner blickte, als er nach solchen Strukturen suchte. Außer ein paar Hochglanzbroschüren mit knackigen Überschriften fand sich da offenbar nicht viel.“

Und weiter geht es auch mit diesen Worten:

„Selbst Förderer und Unterstützer von Sammer im DFB zeigen sich mittlerweile ’sehr enttäuscht‘, wenn es um die Nachhaltigkeit seines Wirkens auf dieser Ebene geht.“

Alles in der FAZ: Deutschland – null Punkte! gefunden. Wer gerne am Mythos festhalten möchte, dass Matthias Sammer der den Fußball verstehende Heilsbringer ist, für den sind, das soll ja nicht verschwiegen werden, auch ein paar Brosamen im Text enthalten:

„Tatsächlich hat sich einiges in der Nachwuchsarbeit getan. Die Professionalisierung der Teams hat sich nicht zuletzt dank Sammer deutlich verbessert. Personal ist auf allen Ebenen hinzu gekommen.“

„Sehr enttäuscht“ kann man allerdings auch nur dann sein, wenn man Matthias Sammer bei Installierung gar nicht gefragt hat, was dieser denn wohl so zu tun gedenkt, wenn dann am Ende fast nichts bei herauskommt. Insofern ist die Enttäuschung zwar verständlich, wäre genauso aber auch vermeidbar gewesen.

(Weitergeführt von den „Dekompositions-Häppchen am Morgen“.)