„Ich brauche mehr Details“

In der Liste der Nonsense-Informationen, mit denen uns Berichterstatter von Fußballspielen gerne in Ermangelung substanzvoller Aussage(möglichkeiten?) überschütten, ist ein besonderes Bonbon die meist beschwörend hervorgepresste Äußerung, dass ein bestimmter Spieler, während er an einer bestimmten Stelle in der Nähe des gegnerischen Tores den Ball erhält, von „genau dieser Position gegen YXZ auch getroffen“ habe.

Was soll uns diese Information an Erkenntnis, Erleuchtung, Erhellung oder Erheiterung bringen? Doch wohl höchstens Letzteres.

Denn erstens hat die Tatsache, dass ein Fußballspieler von einer bestimmten Position aus ein Tor erzielte, nur so viel mit der aktuellen Spielsituation zu tun, dass es also ganz grundsätzlich im Verhaltensrepertoire dieses Menschen enthalten ist, von dieser Position aus aufs Tor zu treffen. Das aber, würde man meinen, sollte auf jeden Fußballer zutreffen, der damit Geld verdient. Sogar auf Jürgen Kohler, Berti Vogts und zur Not Christoph Metzelder.

Zweitens hat die Tatsache, dass irgendwann einmal von dieser Position aus getroffen wurde, keinerlei Aussagekraft für die aktuelle Spielsituation. Die Wahrscheinlichkeit zu treffen, ist immer gleich hoch, ganz egal, wie oft und wann er von dort aus vorher bereits getroffen hat.

Drittens gibt es beim Toreschießen ohnehin nur grob gerechnet 12 verschiedene Positionen, von denen aus man treffen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Positionen gleichen, von denen ein Spieler aus trifft, ist ebenfalls immer gleich hoch, und bei nur 12 möglichen Wahlergebnissen eben per se sehr hoch.

Aber die 90 Minuten wollen ja gerne gefüllt worden, so dann also auch mit dem Aufschrei, dass der gerade im Ballbesitz befindliche Spieler vor 2 Wochen aus der selben Position schon einmal getroffen hat. Meist passiert danach dann aber überhaupt nichts auch nur annähernd Ähnliches wie vor 2 Wochen und der Schütze schießt einfach vorbei.

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Unlucky boys of red

Morrissey vermisst sie.



6. Februar 1958.

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„Auf Asche“ — Anthologie mit einem Text von Trainer Baade

Im April 2013 wird die Anthologie „Auf Asche“ mit dem Untertitel „Unwiderstehliche Bolzplatz-Erinnerungen“ im Verlag Die Werkstatt erscheinen.

Auf 160 Seiten erzählen diverse dem Fußball nahestehende Autoren jeweils eine Geschichte von ihren eigenen Erlebnissen beim Fußballspielen, ganz urtümlich auf rauer, roter Asche und natürlich fernab der Stadien des Profifußballs.

Die Herausgeber Ben Redelings und Sascha Theisen baten mich, zu dieser Sammlung ebenfalls einen Text beizusteuern. Eine Bitte, der ich liebend gerne nachkam, ohne damals zu ahnen, in welch namhafte Gesellschaft ich mich damit begeben würde.

Frank Goosen, Ronald Reng, Michael Wildberg oder Uli Hesse dürften wohl jedem Fußball-Interessierten ein Begriff sein, dazu dann ein kleines Geschichtlein aus meiner Zeit als aktiver Hobbyfußballer, nicht wirklich auf Asche, aber doch im selben Kontext.

Auf welchem Belag ich während jener Geschichte antrat, was dabei geschah und was die besonderen olfaktorischen Reize einer derartigen fußballsportlichen Veranstaltung so alles bewirken, liest man ab April in jenem Werk, dessen Erlös komplett wohltätigen Zwecken zugeht.

Ich bin selbst höchst gespannt, was die anderen Autoren zu erzählen haben und bin zudem geradewegs glücklich, in dieser Runde mit am Ball sein zu dürfen. Die Vorfreude auf dieses Werk kann man nun also noch knapp zwei Monate lang genießen.

Alle Infos zum Buch „Auf Asche“ auf den Seiten des Verlags Die Werkstatt.

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Wie viel muss ein Profi trainieren?

70 Minuten am Tag.

Sagt Gerhard Tremmel im Interview bei SPON. Damit fühle er sich so fit wie noch nie in seinem Leben. Nun ist ein Torhüter kein Mittelfeldmotor, der 14 oder mehr Kilometer in 90 Minuten zurücklegen muss. Bezahlt wird er aber ebenfalls wie ein Profi. 70 Minuten am Tag, das macht der eine oder andere Berufstätige nebenbei, wenn er für einen Marathon trainiert. 70 Minuten am Tag und dann Feierabend — so muss das mit dem Schlaraffenland gemeint sein.

(Dank an LizasWelt.)

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Nicht Breitners eigene Worte

Heute redet und redet er, auch wenn er nicht gefragt wird. Damals traute man ihm das nicht unfallfrei zu, da nahm man lieber jemand anderen, der für ihn redete.

Paul Breitner wurde in „Potato Fritz“ nämlich synchronisiert — auf deutsch, wenn der unten stehende Trailer zu seinem einzigen Film nicht täuscht.

An seinem bairischen Idiom wird’s wahrscheinlich nicht gelegen haben, woran aber dann?


Entgegen der landläufigen Meinung spielt Paul Breitner in diesem Film nicht den „Potato Fritz“, sondern einen gewissen Sergeant Stark. Interessant auch eine der Kritiken zum Film: „Ein Mystery-Comedy-Western, der seine im Grunde ganz witzig angelegte Kartoffelphilosophie selbst nicht begreift.“ Da war Breitner ja ganz gut aufgehoben in diesem Streifen.

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Ein bisschen Liebe mit jedem Pass

Schon mal in einer Konstellation Fußball gespielt, die nicht zusammenpassen wollte? Der Nebenmann spielt nie ab, egal, wie sehr man freisteht? Und bei solcher Gelegenheit ein ungutes Gefühl mit nach Hause genommen? Damit ist man nicht allein — und es ist auch weder Einbildung noch besondere Empfindlichkeit am Werke, wenn man dieses schäbige Gefühl der systematischen Ausgrenzung selbst bei etwas Profanem wie dem Fußball wahrnimmt und gar darunter leidet. Man kennt schließlich auch das Gefühl, wie gut eine Niederlage zu ertragen ist, wenn die Zusammenstellung der Spieler passt, man ausreichend ins Spiel eingebunden wird und weiß, dass auch dann das nächste Zuspiel folgen wird, wenn man zuletzt Murks gespielt hat.

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Liebeskummer für ähnliche körperliche und geistige Zustände sorgt wie bei einem Drogenentzug. Die partnerschaftliche Liebe nach westlich geprägtem Muster ist also auch physisch eine Form der Abhängigkeit. Und es geht noch darüber hinaus: Schon von seinen sonstigen Mitmenschen geschnitten zu werden, führt zu Ausschüttung der selben Stresshormone wie beim Erleben von Liebeskummer — nur in geringeren, nicht schlaflose Nächte bereitenden Dosen.

Doch für eine spürbare Missstimmung reicht es schon aus, wenn eine Gruppe von Menschen eines ihrer Mitglieder schneidet. Zum Beispiel, indem das Opfer bei Ballspielen einfach nicht mehr angespielt wird. Der Liebeskummer, Verzeihung, das Gefühl der Ausgrenzung, Zurückweisung manifestiert sich also auch schon bei solchen eigentlichen Nichtigkeiten.

Die Aktivität im für Schmerz und sozialen Stress zuständigen ACC beschäftigt auch Naomi Eisenberger und ihre Kollegen am Psychologischen Institut der Universität in Los Angeles. In ihren Studien lässt sie Probanden glauben, sie spielten ein Computer-Ballspiel mit anderen. Plötzlich spielen diese ihnen den Ball nicht mehr zu, die Studienteilnehmer werden ausgeschlossen. Schon in diesem Fall eher sanfter Ausgrenzung zeigten die Teilnehmer starke Aktivität im ACC und im rechten Frontallappen. Beide waren bisher vor allem dafür bekannt, bei körperlichen Schmerzen regulierend einzugreifen.

Auf den Fußball gemünzt bedeutet dies, dass man seinen Mitspielern nicht nur einen Gefallen tut, wenn man ihnen einen Pass zuspielt, weil sie dann den Ball erhalten. Bedeutet nicht nur die Möglichkeit, das eigene Spiel voran und zum Erfolg zu bringen. Es bedeutet auch, dass man dem Mitspieler signalisiert, dass er zur Gruppe gehört, dass er akzeptiert ist und damit auch, dass man ihn mag. Jedenfalls ausreichend mag, um ihn eben nicht zu schneiden.

Ein kleines bisschen Liebe also mit jedem Pass an den Mitspieler — oder zumindest die Sicherung der Abwesenheit negativer Gefühle, körperlicher Schmerzen gar. Kein Wunder also, dass beim FC Barcelona im Team so gute Stimmung herrscht. Bei jenen Passfestivals, welche die Spieler in jeder Partie zelebrieren, versichert man sich ausreichend oft und häufig der gegenseitigen Zuneigung. Was sicher auch gegen das Auftreten von „Neid und Missgunst“ schützt.

Es ist offenbar nicht der Erfolg allein, der zusammmenschweißt, sondern auch der Weg, wie man dorthin gelangt. Und ebenso natürlich, dass der Egomane Zlatan Ibrahimovic in einem solchen Ensemble voller liebevoller Passgeber nicht funktionieren konnte.

Faszinierend auch, wie unmittelbar sozial wirksam die Ausübung von Teamsport auf seine Teilnehmer ist. Und womöglich auch der Grund, warum Teamsport so viel beliebter ist als Einzelsportarten. Nicht umsonst gilt die Einzelhaft als eine Steigerung der Bestrafungsform. Zum Eremiten eignen sich nur die allerwenigsten. Viel lieber erhält man doch immer wieder die Versicherung durch andere Menschen, dass man gemocht wird.

Und sei es nur durch die kleine Aufmerksamkeit eines Anspiels auf dem Fußballplatz.

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Alle Sieger der Wahl zum „Sportbloggerbeitrag des Jahres“

Die vierte Ausgabe dieser vom Sportbloggernetzwerk durchgeführten Wahl ist zu Ende. Jedes dieser vier Male gewann ein Beitrag eines anderen Blogs — und nachdem im letzten Jahr zum ersten Mal ein Video gewann, besteht der diesmalige Sieger aus einem reinen Audiobeitrag. Zum dritten Mal bei vier Wahlen siegte ein Fußballbeitrag, denn Klaas Reese und Simon Kamphans beschäftigten sich in ihrem auf Reeses Sportkultur veröffentlichten Werk mit den Tweets zum Finale der EM 2012.

2007 direkter freistoss „Ein Trainer, der nichts zu gewinnen hat“
2010 Racingblog „Formel 1 – Die Sache mit dem Überholen“
2011 Blog-G „1000 Meisterwerke“
2012 Reeses Sportkultur „#finale – Quelle: Fremdmaterial“

Die genauen Abstimmungsergebnisse dieses Jahres hält Fokus Fussball für uns bereit. Nach fast 4.000 Kilometern Rennstrecke trennten den ersten und zweiten am Ende gerade mal 4 Sekunden. So ähnlich sieht das Ergebnis jedenfalls aus, welches man hier findet. Glückwunsch an die beiden Macher, wahrlich eine Komposition der Extraklasse. Dazu den Dank an Fokus Fussball fürs Gastgebersein dieser Wahl.

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Rekordfinalverlierer

Wir haben das Thema Fußball und Sprache hier mehr oder weniger ad acta gelegt. Angela Merkel wird eben nie die „Hamburgerin“ genannt, Steinmeier nie der „Detmolder“, im Sport ist derart Unfug Usus, aber nun mal nicht auszurotten. Inzwischen hat man es fast ein bisschen lieb gewonnen, dass in der Sportberichterstattung pathologische Snyonymitis herrscht und ständig regionale Bezeichnungen sich mit Farben abwechseln, gefolgt von Farben in ausländischen Sprachen, um nur ja keine Wiederholung einbauen zu müssen.

Die Domstädter, die Farbenstädter, wie die Begriffe alle nicht besser von den Marketingabteilungen der jeweiligen Städte verwendet werden könnten. Die Kraichgauer. Die Kraichgauer! Als wenn das irgendjemandem, der einen Text über die Bundesliga liest, und den dazugehörigen Verein nicht kennt, weiterhelfen würde. Die Rossoneri, Dschalloblossi, Quadroformagi, die roten Teufel, die achtgestrichenen Vierecke, die Diamantformenen . Ein Schiedsrichter besitzt zwar einen Namen, der wird aber nur einmal kurz eingangs der Reportage erwähnt. Danach ist er immer nur noch der Zahnarzt, der Konzertpianist, der Oberverwaltungsdirektor oder auch der KFZ-Mechaniker, der Garmisch-Patenkirchener, der Wolfsbütteler etc. pp. ad infinitum.

Gut, wie gesagt hat man sich jetzt dran gewöhnt und deshalb erwartet man es auch, dass einem die Synonyme nur so um die Ohren gepfeffert werden. Niemals spielt einfach nur Bielefeld gegen Rostock, es werden alte Berufe und Hobbies zitiert, es kicken die Tulpen gegen die Vogtländer unter Leitung des Oberkellners mit dem Hang zum Kaninchenzüchten.

Leider gibt es auf der einen Seite zwar Synonyme satt und genug, allein: Man bedient sich immer nur bei den selben, schon existierenden. Da man hier auf dieser Seite im Sinne der Sache „Pro Kreativität“ im Sportsprech schon lange aktiv ist, fällt auch der „Rekordmeister“ immer wieder auf den Geist. Jener deutsche Rekordmeister, welcher nicht mehr Synonym für, sondern symbiotisch mit dem FC Bayern München geworden ist.

Dabei wäre es ein Leichtes, endlich einmal für Abwechslung zu sorgen. Zum Beispiel ist dieser Club inzwischen schon viel häufiger gescheitert als man subjektiv so annimmt. Verdächtig oft gescheitert. Denn zählt man alle Finals und deren sieglose Teilnehmer zusammen, stellt sich heraus: Der Rekordmeister ist zufällig auch der Rekordvize, ein Rekordzweiter, schlicht ein Rekordfinalverlierer im Europapokal.

Zahl der Finalniederlagen in der CL/Europapokal der Landesmeister

5x FC Bayern München
5x Juventus
4x AC Mailand
4x Benfica
3x Real Madrid
3x FC Barcelona
2x Manchester United
2x Ajax Amsterdam
2x Inter Mailand
2x FC Valencia
2x FC Liverpool
2x Stade Reims
1x Arsenal FC, Borussia Mönchengladbach, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, AC Florenz, Celtic Glasgow, Panathinaikos, Leeds United, AS St. Etienne, Malmö FF, FC Brügge, Atletico Madrid, Sampdoria, Steaua Bukarest, AS Monaco, FC Chelsea, Bayer Leverkusen, Partizan Belgrad, Olympique Marseille, AS Rom
 

Gerne also in den allgemeinen Fußball-Sprachgebrauch mit aufnehmen: Den Rekordmeister darf man seit dem „Finale dahoam“ auch Rekordfinalverlierer nennen.

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Plagiat und Selbstplagiat

In diesen Tagen lernt die Öffentlichkeit den Unterschied zwischen Plagiat und Selbstplagiat.

Ein Plagiat ist es zum Beispiel, wenn der Wolfsburger Fußballspieler Diego sich bei Lothar Matthäus bedient, wie angedacht es in seinem „Plagiattor“ beobachtete. Nicht schön, denn schlicht geklaut.

Ein Selbstplagiat nennt man es dann, wenn sich beispielsweise Fortuna Düsseldorf bei Fortuna Düsseldorf bedient. Ebenfalls nicht schön, aber von minderer Verurteilungswürdigkeit, schließlich hat man in letzterem Fall nur sich selbst beklaut.



(Jahn Regensburg — Fortuna Düsseldorf am 7. März 2009, im Tor damals Michael Melka.)

(Gleichwohl muss man hinzufügen, dass wohl kein Tor existiert, welches nicht einen sehr ähnlichen Vorgänger hätte, frei nach der Devise meiner Oma: „Et gibt nix, wat et nich gibt.“ Fraglich also, ob man von Plagiaten sprechen muss oder von weiteren Schleifen in der begrenzten Unendlichkeit der Möglichkeiten.)

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Neues Verschwörungskapitel: die geheime 1.-FC-Köln-Steuer

Wir müssen uns noch einmal der großen WDR-1.FC-Köln-Verschwörung zuwenden, denn die jahrelange Beschäftigung mit diesen für einen Öffentlich-Rechtlichen Sender absurd anmutenden Vorgängen bringt immer wieder neue Details hervor.

Wir erinnern uns daran, dass führende Radioreporter des WDR keinen Hehl daraus machen, dass sie den 1. FC Köln unterstützen. Vielmehr — faszinierende Chuzpe — sind auf jenen Webseiten, auf denen dieses Bekenntnis frei zu lesen ist, sogar grinsende Gesichter des Missetäters zu sehen.

Wir erinnern uns außerdem, dass junge, unschuldige Mitarbeiter des WDR-Produktionsgeländes in tiefen Verliesen, ohne Wasser, ohne Brot, dazu gezwungen werden, Geißböcke mit Wappen des 1. FC Köln aus Pappmaché herzustellen, welche nicht allein die Seelen der jungen Mitarbeiter verbiegen, sondern auch noch feist der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ein infamer Versuch der Einflussnahme.

Heute also das dritte traurige, nicht mal mehr geleugnete Kapitel dieser unablässigen Bevorzugung des 1. FC Köln durch die Mitarbeiter des ja eigentlich Westdeutschen, dann aber wohl doch nur Kölschen Rundfunks, des KÖR, wie er tatsächlich heißt:

Hauptprogramminhalt der anfangs um 17:45 Uhr am Samstag ausgestrahlten Sportschau war die erste Fußballbundesliga. Das Filmmaterial wurde anfangs mit Motorrädern zur Aufbereitung nach Köln oder in ein nahegelegenes Fernsehstudio transportiert. Durch diese zu geringe Vorlaufzeit zum Spielende 17:20 Uhr bestand ein zu kurzer Zeitabstand zum Sendebeginn, sodass dieser auf 18:00 Uhr verlegt wurde. Allzu oft wurde über die Heimspiele des nur wenige Kilometer entfernt spielenden 1. FC Köln berichtet, wo es diese technischen Engpässe nicht gab.

Die schrecklichen Auswirkungen dieser durch nichts zu rechtfertigenden Infiltration sind noch heute überall in der Republik zu spüren, wenn eigentlich vernünftige Menschen immer noch jenem Rayo Vallecano des Westens anhängen und Montag für Montag mit schlechter Laune aus den Sport1-Bars des Landes in ihre kargen Buden zurückkehren. Wie so oft ohne Punkte, aber auch ohne Alternative im Leben.

Das alles wird in diesen Tagen noch verschärft, in denen sich niemand mehr durch beharrliches Nichtöffnen der Wohnungstür oder Nichtantworten auf Briefe dem allgemeinen Rundfunkbeitrag entziehen kann. Welcher, die Indizien verdichten sich, nichts anderes als eine gar nicht so geheime Steuer zur Züchtung immer neuer Generationen von Fans des 1. FC Köln ist. Eins immerhin muss man den Verantwortlichen für diese Steuer lassen: Sie haben die Gefahr erkannt. Ohne derart drastische Maßnahmen zur Manipulation der Hirne unbescholtener Fußballfans drohte die Gemeinde der leidensfähigen Geißbockfans peu à peu auszutrocknen.

Nichtsdestotrotz ein ungeheuerer Vorgang. Wir bleiben am Ball und berichten weiter.

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Der Glanz der Anderen

Angesichts des Wechsels von „Wortspiel“ Guardiola begeht so mancher wieder den Fehler, diese Entscheidung als Plus für die gesamte Bundesliga zu verkaufen. Tatsächlich ist es ein Ausdruck neuer Attraktivität des Zieles Bayern München, nicht aber eine Wertschätzung für den FC Augsburg, Fortuna Düsseldorf oder Mainz 05, wenn ein Startrainer sich für einen der fünf besten Clubs der Welt entscheidet, der noch dazu Zahlen als Jahresgehalt seines Trainers aufrufen kann, mit denen andere Teams beinahe ihren kompletten Jahresetat bestreiten.

Einher geht dieser Vorgang mit der von einer gewissen Arroganz geprägten Annahme, dass man sich als Fußballfan in Deutschland über diese Verpflichtung freuen solle. Auch wenn der FC Bayern die relative Mehrheit an Fans im Land besitzt: Von der absoluten Mehrheit ist er weit entfernt.

So verkennt man wieder und wieder, dass ein Konkurrent des FC Bayern sich nicht darüber freut, wenn dieser sich weiter verstärkt. Aus welchem Grund sollte er das tun? Weniger hoch gehandelte Trainer als Nachfolger von Heynckes wären auf deutlich mehr Gegenliebe gestoßen als ausgerechnet der weltweit begehrteste Kandidat.

Die Attraktivität der Bundesliga definiert sich für viele, nicht alle, aber einen erklecklichen Anteil der Zuschauer über den Erfolg des eigenen Clubs, nicht über Starnamen in der gegnerischen Truppe. Einzig gegen solche zu gewinnen macht die Angelegenheit reizvoller als vorher. Genau diesen zusätzlichen Anreiz hätte aber wohl kein Fan in Deutschland für Partien gegen den FC Bayern benötigt.

Fünfjahreswertung, Glanz- und Strahlkraft des deutschen Fußballs: Für einen neutralen Beobachter ist das alles begrüßenswert. Und eine dadurch verursachte Sogwirkung auf andere ausländische Stars sei unbestritten. Dem Bremer, Frankfurter oder Stuttgarter Vereinsfan kann es allerdings vollkommen gleich sein, was für eine Startruppe man sich in welchem anderen Club zusammenstellt.

Es war der Betreiber des Königsblogs, welcher beim Wechsel Ruud van Nistelrooys zum HSV offen in die Runde fragte (in einem Podcast, deshalb nicht verlinkt), wieso er als Schalke-Fan sich über eine Verstärkung eines Gegners freuen solle. Und dass er das nicht tun kann, daran hat sich auch im Falle von „Wortspiel“ Guardiola nichts geändert.

Man erinnere sich daran, wie Louis van Gaal vor dem Champions-League-Endspiel 2010 in großen Lettern auf dem Titelbild der Zeitung mit den wenigen Lettern im Namen postulierte, dass nun ganz Deutschland dem FC Bayern die Daumen drücken möge — man spiele dort für das ganze Land.

Weit gefehlt, Louis, und jede weitere Äußerung in diese Kerbe ist nur ein neues Indiz der Arroganz, eigene Erfolge gleich für Fußballdeutschland zu reklamieren. Jenes aber wünscht sich größtenteils nichts mehr, als dass der finanziell in einer ganz eigenen Liga spielende Krösus aus dem Süden endlich nicht mehr die besten Spieler und Trainer der Welt kauft. Sondern Platz macht für andere, auf dass diese Deutscher Meister werden können.

Ein Gewinn für die Auflage- und Klickzahlen der Medien, schön auch für den Glamourfaktor des Premiumprodukts Bundesliga. Für alle Fans anderer Clubs stellt Guardiolas Engagement in der Bundesliga aber keinen Mehrwert dar, sondern schlicht ein neues Kapitel aus dem langen Buch: Mit ungleichen Waffen ins Duell gehen müssen.

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Das doppelte Failchen

Einfach Fails sind einfach, wie der Name schon sagt.

Doppelte Fails stellen da schon eine größere Herausforderung dar.

Torwart David James geht nach vorne und erweist sich nicht gerade als Manuel Neuer am Ball … doch auch der Gegner ist nicht perfekt.



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Mitmachen bei der Wahl zum Sportbloggerbeitrag des Jahres 2012

Hinweis: Die Wahl endet am Mittwoch, 23.1.2013 um 18h.

Wir brauchen Eure Stimme. „Wir“ sind dabei die Mitglieder des Sportbloggernetzwerks, welche alljährlich den besten Beitrag des abgelaufenen Jahres wählen. Die Entscheidung fällt Ihr, also jeder, denn es ist eine offene Abstimmung.

Die 11 nominierten Beiträge findet man samt der Abstimmung bei Fokus Fussball. Geht’s raus und stimmt ab.

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Aber beim American Football spielt man den Ball doch gar nicht mit den Füßen

Lange tradierte Witzmuster zu zerstören kann ja ganz schön heikel sein. Der Überbringer der schlechten Nachricht, dass ein Witz gar nicht witzig ist, wenn man die Hintergründe der Basis des Witzes kennt, wird gerne schon mal wie ein Überbringer einer schlechten Nachricht behandelt.

Das Zerstören dieses Witzmusters kann aber auch sehr erleichternd wirken, wenn man schon länger die Erklärung kennt, viele Andere, die sich auf Teufelkommraus an dieser Witzform festhalten, aber nicht.

Warum heißt American Football „Football“, obwohl der Ball größtenteils mit der Hand gespielt wird?

Weil die Gesellschaft zu jener Zeit, in der die Grundlagen des Footballs entwickelt wurden, eine Unterscheidung danach betrieb, ob ein Spiel mittels der eigenen Füße oder auf dem Rücken eines Pferdes bestritten wurde:

foot vs horseback.

Und deshalb ist auch der American Football ein footballsport.

Bitte, sehr gerne.

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Ein Abend für acht Mark mit Tita, Calli und Liza

Alex Feuerherdt ist einer der beiden Betreiber vom in Kürze hier noch näher beleuchtet werdenden vorzüglichen Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben, bloggt unter LizasWelt über Politik und Fußball und ist neben vielen anderen Publikationsorten auch bei Twitter zu finden.

Anlass des heutigen Austauschs mit Alex Feuerherdt ist der Umstand, dass Bayer Leverkusens grandioser Europapokalsieg aus dem Jahr 1988 inzwischen auch schon jubiläumshafte 25 Jahre her ist. Jener Europapokalsieg, mit welchem Bayer Leverkusen an gewonnenen Europapokaltiteln mit Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund oder dem 1. FC Magdeburg gleichzog.

Früher verhielt es sich nämlich so, die Älteren werden sich erinnern, dass deutsche Mannschaften einen Europapokalwettbewerb öfter auch mal siegreich beendeten. Dies gelang Bayer Leverkusen, als es im Rückspiel im heimischen, als Fußballstadion gerade erst in der Entstehung begriffenen Ulrich-Haberland-Stadion zu Leverkusen die 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel bei Español Barcelona wettmachte und das spätere Elfmeterschießen für sich entschied, wie diese Daten noch einmal in Erinnerung rufen. Geschehen ist all dies unter den Augen von Alex Feuerherdt, der sich hier bei „Trainer Baade“ zum Gespräch eingefunden hat und, wie man sieht, die Eintrittskarte fein säuberlich mit dem Endergebnis versehen aufbewahrt und heute mitgebracht hat.



Hallo Alex, schön, dass Du Zeit für ein paar Auskünfte über diese Partie hast. Bekanntlich bist Du kein Fan von Bayer Leverkusen. Wie kam es, dass Du Dich damals trotzdem dazu entschlossen hast, zu dieser Partie zu gehen?

Das geschah vor allem aus einer Abi-Laune heraus. Wir waren an der Schule ein recht fußballaffiner Jahrgang und ohnehin durch die ganzen schulischen wie nichtschulischen Aktivitäten, die so ein Abitur mit sich bringt, viel zusammen. Als Bayer Leverkusen dann ins Finale einzog, fanden sich sofort zwanzig Leute – fast ein Drittel der Abschlussklasse –, die das Rückspiel im Haberland-Stadion live sehen wollten, auch wenn niemand davon ausgewiesener Bayer-04-Fan war. Der Termin lag kurz nach den letzten schriftlichen Prüfungen und vor den mündlichen, das passte gut.

Ich habe mich dann bereit erklärt, Stehplatzkarten für alle zu besorgen. Und tatsächlich war das kein Problem – binnen weniger Tage hatte ich auf meine schriftliche Bestellung hin zwanzig Tickets à acht Mark im Briefkasten. Acht Mark! Nun war es damals zwar grundsätzlich leichter, an Karten zu kommen, als es heute der Fall ist, zumal die Nachfrage erheblich geringer war, für Spiele von Bayer Leverkusen zumal. Trotzdem habe ich ein bisschen gestaunt, dass es so leicht ging, immerhin war es ein Europapokalfinale.

Und dann verlor Bayer das Hinspiel in Barcelona sang- und klanglos mit 0:3. Damit schien die Luft schon vor dem Rückspiel raus, und wir waren deshalb maßlos enttäuscht. Aber dann dachten wir: Scheiß drauf, wir machen da trotzdem ’ne Party draus. Kein Einziger hat sein Ticket zurückgegeben, alle sind mitgefahren, auch wenn niemand geglaubt hat, dass Bayer auch nur den Hauch einer Chance haben würde. Wir haben sogar ein Transparent gemalt, „Tschö, Español!“ stand darauf, und es am Zaun hinter dem Tor in der Südkurve befestigt. Genau auf dieses Tor wurden dann später die Elfmeter geschossen.

Hattest Du auch noch eine andere Partie dieser UEFA-Pokalsaison im Stadion gesehen?

Keine einzige. Bundesligaspiele einige, aber kein Uefa-Pokal-Spiel – was eben auch mit dem anstehenden Abitur zusammenhing. Insofern war ich in dieser Saison tatsächlich ein Erfolgsfan von Bayer 04 Leverkusen.

Gab es irgendwelche besonderen Aktionen seitens Bayer? Konfetti, Choreos, Bands, die auftraten? Immerhin stand der Club vor dem größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte, auch wenn ein Titelgewinn nach dem Hinspiel unwahrscheinlich wirkte.

Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht mehr. Mich haben Vorprogramme vor Spielen eigentlich noch nie sonderlich interessiert, zumindest keine, die auf dem Rasen stattfanden. Eine Choreo gab es meines Wissens auch nicht, aber das möchte ich nicht beschwören. Woran ich mich allerdings noch erinnern kann, ist ein Song, der vor dem Spiel gleich mehrmals durch die Lautsprecher genudelt wurde. „Einer geht noch, einer geht noch rein“ – das kennt man ja, aber dann hat da irgendeine Schlagerkapelle in Anspielung auf das benötigte Ergebnis den Reim „Viere müssen’s, viere müssen’s sein“ draufgesetzt. Das klang eher nach Durchhalteparole als nach Motivationsmucke und jedenfalls ziemlich unbeholfen, aber irgendwo war das schon wieder so schräg, dass wir es schließlich alle mitgesungen haben.

Wie lief die Partie, deren Ergebnis man natürlich kennt, aber nicht mehr zwangsläufig ihren Verlauf?

Bayer war engagiert, aber irgendwie nervös und fahrig. Zur Pause stand es immer noch 0:0, und dass da noch drei oder gar vier Tore für Leverkusen fallen würden, glaubte eigentlich kein Mensch. Aber dann wechselte Ribbeck nach der Pause Herbert Waas ein, einen quirligen und wuseligen Stürmer, und sofort wurde es ein anderes Spiel, weil die Abwehr von Español mit ihm überhaupt nicht zurecht kam. Nach knapp einer Stunde stocherte Tita den Ball nach einer Vorlage von Waas und einem grotesken Abwehrfehler der Spanier schließlich ins Tor. Tita, das war dieser unglaubliche Brasilianer – irgendwas zwischen offensiver Mittelfeldspieler und Stürmer –, der vor der Saison zu Bayer gekommen war und dann gleich eine Riesensaison spielte. Der hatte ein sensationelles Ballgefühl und war ausgesprochen torgefährlich.

Giftig konnte er außerdem sein, und genau deshalb holte Ribbeck ihn wenige Minuten nach dessen Tor vom Platz. Er hielt ihn für platzverweisgefährdet, wie sich später herausstellen sollte. Ein Spanier hatte Tita offenbar kurz zuvor, vom Schiri unbeobachtet, ins Gesicht geschlagen, deshalb fürchtete Ribbeck ein Revanchefoul und nahm ihn runter. Im Stadion hat das niemand verstanden, wirklich niemand. Tita war das Herz und die Seele des Leverkusener Spiels, und jetzt sollte er schon Feierabend haben? Für ihn kam Klaus Täuber, bei dem schon der Spitzname – „Boxer“ – nahe legte, dass er nicht gerade zu den Filigransten zählt. Und was macht dieser Täuber? Schlägt nicht mal eine Minute nach seiner Einwechslung mit seinem ersten Ballkontakt eine Traumflanke von links auf Falko Götz, der den Ball per Hechtkopfball verwandelt. Mit seinen Wechseln hat Ribbeck das Spiel entschieden, das muss man klar sagen.

In Leverkusen ist das Publikum ja oft dröge, aber jetzt war natürlich richtig was los, die Leute haben einen Höllenlärm veranstaltet. Zweinull und noch etwa 25 Minuten zu spielen. Die Spieler von Español wurden plötzlich panisch, das war förmlich mit Händen zu greifen. Die Abwehr wirkte schon die ganze Zeit unsicher, vor allem bei Flanken, und bettelte regelrecht um einen weiteres Gegentor. Zehn Minuten vor Schluss hat ihnen Bum-Kun Cha dann den Gefallen getan, wieder war es ein Kopfball, diesmal nach einer Hereingabe von rechts. Alles auf null also. Ich glaube, danach hatte Bayer in der regulären Spielzeit noch die eine oder andere gute Torchance, aber der Ball wollte jetzt nicht mehr rein. Also Verlängerung.

Wie lief die Verlängerung?

Hochspannend, aber sie hatte nicht mehr die Intensität der zweiten Halbzeit. Leverkusen war weiterhin überlegen, ging jetzt allerdings weniger Risiken ein als vorher, und die Spanier schienen mir ohnehin nur noch darauf bedacht zu sein, sich ins Elfmeterschießen zu retten.

Einer der immer noch wenigen Europapokale, welcher also im Elfmeterschießen entschieden werden musste. Damals, 1988, war vielleicht noch nicht ganz so klar, dass deutsche Mannschaften — von einer kleinen Ausnahme letztens abgesehen — ihre Elfmeterschießen stets zu gewinnen pflegen. Deshalb berichte auch hier gerne: Wie lief das Elfmeterschießen 1988 in Leverkusen?

Erst einmal war es unfassbar, wie viele Menschen nach dem Abpfiff der Verlängerung plötzlich auf den Platz strömten – und auch dort bleiben durften. Es handelte sich in erster Linie um Journalisten, Reporter und Kameraleute. Wenn man sich heute die Fernsehbilder vom Elfmeterschießen anschaut, sieht man, wie praktisch nach jedem Schuss die Reaktionen aus nächster Nähe eingefangen und Kurzinterviews mit Spielern und Trainern geführt werden. Das Ganze wirkte unglaublich chaotisch, zumal sich auch noch die Rollstuhlfahrer, die vorher am Spielfeldrand waren, in Bewegung setzten, weil sie fürchteten, dass ihnen die Sicht versperrt wird. Insgesamt ein sagenhaft hektisches Gewusel.

Das Elfmeterschießen selbst begann für Bayer denkbar schlecht: Die Spanier trafen zweimal, während Ralf Falkenmayer seinen Schuss vergab. Aber dann wendete sich das Blatt, was maßgeblich an Leverkusens Torwart Rüdiger Vollborn lag, der vor jedem Schuss von Español wild mit den Armen ruderte. Er hielt zwar nur einen Elfmeter, aber die spanischen Schützen waren offensichtlich derart verunsichert, dass einer von ihnen den Ball an die Latte zimmerte und ein anderer – der letzte Schütze – ihn über das Tor schoss. Die Leverkusener Schützen dagegen verwandelten alle: Wolfgang Rolff, Herbert Waas und als letzter der „Boxer“, Klaus Täuber.

Wenn es vor der Partie kaum organisiertes Feiern gab, wie verlief dann schließlich die Siegerehrung?

In dem Chaos nach dem Elfmeterschießen habe ich irgendwann den Überblick verloren, zumal wir auf den Stehplätzen ordentlich Party gemacht haben. Irgendwann stand da ein Podest auf dem Platz, und es wurde noch mal extrem laut, als der Pokal überreicht wurde. Den hat später übrigens wohl Reiner Calmund mit nach Hause genommen.

Alex, vielen Dank für Deine Mühen und Deine Auskünfte aus einer fernen Zeit: für acht Mark zu einem Europapokalendspiel ins Stadion.

Alex Feuerherdt ist Autor der Fußball-Chronik von Bayer 04 Leverkusen aus dem Werkstatt-Verlag.

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Torhüter mit den meisten Eigentoren in der Bundesliga

50 Saisons der Bundesliga sind fast rum, man blickt immer noch auf all das, was war. Jeder kennt zum Beispiel das wunderbare Eigentor von Tomislav Piplica, bei dem sich allerdings niemand an den Schützen des Schusses erinnert (Antwort hier). Und weil damit klar ist, dass Tomislav Piplica als Torhüter ein Eigentor erzielt hat, steht auch sofort die Frage im Raum, welche Torhüter die meisten Eigentore in diesen 50, na, neunundvierzigeinhalb Saisons erzielt haben.

Es ist — bitte keinen Tusch! — der Schütze des wohl skurrilsten Eigentores der Bundesligageschichte himself.

Hier also die sehr kurze Liste all jener Torhüter, welche mehr als 1 Eigentor während ihrer Karriere erzielt haben.

1. Tomislav Piplica 3
2. Richard Golz 2
Oliver Reck 2
Andreas Köpke 2
Simon Jentzsch 2

Quelle der Daten ist diesmal weltfussball.de, und ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass sie korrekt ist, denn das würde bedeuten, dass Oliver Kahn durch seine gesamte Bundesligakarriere mit 0 Eigentoren gekommen ist. In der Nationalmannschaft hat er dagegen alleine deren 2 erzielt.

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Ein ganz besonderer Schlag Mensch

Oliver Neuville, mit seinen für ihn typischen hängenden Schultern und dem meist teilnahmslosen Gesichtsausdruck. Markus Feinbier, drahtig wie eh und je, anders als die meisten der heutigen Mitspieler und Gegner. Bachirou Salou, mit seinen für diese kleine Halle viel zu mächtigen Schritten, aber leichter Plautze. Martin Schneider, Markus Osthoff, Peter Peschel.

All diese und viele Ex-Profis mehr spielten am vergangenen Sonntag beim Reviermasters der Traditionsmannschaften in Mülheim den Reviermeister aus. Zehn Teams insgesamt, und nur die Spieler des Teams des Mitausrichters Deutsche Post befanden sich auf der Höhe ihrer Schaffenskraft, während alle anderen Teilnehmer ihre besten Tage kurz bis mittellang hinter sich hatten. (Jene, welche ihre besten Tage lange hinter sich hatten, befanden sich nur auf der Tribüne, also z. B. Enatz Dietz, Ata Lameck und Lothar Woelk.)

So spielten also die Traditionsmannschaften des VfL Bochum, der SG Wattenscheid, von Rot-Weiß Oberhausen, dem FC Schalke 04, des Titelverteidigers MSV Duisburg, von Rot-Weiß Essen, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen plus zwei Gastteams um diese kleine, ein Mal im Jahr stattfindende Meisterschaft.

Und dass Profifußballer ein ganz besonderer Schlag Mensch sind, zeigte sich in der ausgesprochenen Ernsthaftigkeit samt immer wieder hochkochender Hitzigkeit der Partien. Da wurden auf dem kleinen Stückchen Hallenrasen taktische Fouls begangen, der Schiri beleidigt, sich beinahe gegenseitig mit Fäusten malträtiert und es gab Zeitstrafen in rauen Mengen. Allein das Halbfinale zwischen dem Team der Post und Bayer Leverkusen sah drei Zeitstrafen bei nur vier Feldspielern pro Team und zehn Minuten Spielzeit.

Mit völlig unironischem Ernst gingen alle Beteiligten zur Sache. Nun ist hinlänglich bekannt, dass Fußball ausübende Menschen und Ironie so selten zusammen gesichtet werden wie im deutschen Fußball einstudierte Tricks bei Standardsituationen.

Aber zumindest ein bisschen weniger ernsthaft, ein Stückchen mehr für die Galerie hätten sie alle spielen können. Schließlich ging es für keinen von ihnen, anders als in Testspielen von Profimannschaften, noch um einen Stammplatz oder einen Vertrag. Schlicht dieser schnöde Ein-Tages-Titel stand auf dem Spiel. Zwar kommt noch jeder Hobbyfußballer zu einem solchen Turnier, um zu gewinnen, hier aber ging es bis aufs Messer zur Sache, mit den üblichen Kandidaten Hitzköpfen und einem Schiedsrichterpaar, das alle Hände und Karten in Hosentaschen voll zu tun bekam.

Ein wenig erschreckend fast, wie ernst diese Angelegenheit genommen wurde.

Einerseits zwar beruhigend — gewesene Profifußballer wollen auch nach dem Abpfiff ihrer beruflichen Karriere kein Spiel verloren geben. Also wird es im Profialltag auch nicht anders gewesen sein, und das, was wir allwöchentlich in der Bundesliga sehen, ist keine Show, sondern authentischer, intrinsisch motivierter Kampf um den Sieg.

Und dann doch ein wenig Distanz schaffend zwischen dem schnöden Allerweltsfußballer und ihnen selbst. Sie sind von ihrer Wesensstruktur her so gebaut, dass sie niemals verlieren wollen (oder immer gewinnen, was etwas anderes ist, auch wenn es aufs Gleiche hinausläuft), und sind tatsächlich die bärbeißigen, übermotivierten und völlig ironiebefreiten, bis an die Zähne motivierten Streiter, als die sie gerne stilisiert werden. Das ist nicht unbedingt in jeglicher Hinsicht sympathisch.

Schließlich ist es alles doch nur ein Spiel — und diese Typen, die nie verlieren konnten und schon beim Gesellschaftsspiel nach vollzogener Niederlage das Spielbrett samt allen darauf befindlichen Spielfiguren in hohem Bogen durch die Wohnküche befördern, wütend und kaum zu besänftigen — diese Typen hat erstens keiner lieb und zweitens sollen genau von diesem Schlag Mensch unsere Helden im Fußball stammen?

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