Die Erfinder des Berlin-Berlin-“Schlachtrufs“

Die Erfinder des 2xBerlin!-Wirfahrendajetztmalhin!-Schlachtrufs im Zuge von Veranstaltungen im DFB-Pokal sind die Fans von Bayer Uerdingen, heute KFC Uerdingen. Zumindest ist das so, wenn man RPO Glauben schenken darf, was oft schwerfällt. Hier allerdings nicht ganz so schwer, war das 1985er-Finale des DFB-Pokals doch das erste, das in Berlin stattfand.

Von manchen Bräuchen nimmt man an, dass sie schon immer zum Fußball gehörten. Dann ist es schwer vorstellbar, dass diese Dinge einmal anders waren. Zum Beispiel sich wegen der (selbst ernannten) Zugehörigkeit zu einem Fußballverein gegenseitig auf die Fresse zu hauen, und dabei so viel Spaß zu empfinden, dass man es freiwillig immer wieder macht. Oder aber eben im DFB-Pokal dieses Berlin-Fahren-usw. anzustimmen, was es erst seit dem 6. April 1985 gibt, als Bayer Uerdingen sein Halbfinale im DFB-Pokal in Saarbrücken gewann. Womit seine Fans sicher sein konnten, tatsächlich nach Berlin zu fahren, bzw. den für sie dazu nötigen Anlass zu besitzen.

Den heute deutschlandweit bekannten Slogan „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ erfanden die Uerdinger Fans, nachdem ihre Mannschaft am Ostersamstag 1985 das Halbfinale mit 1:0 beim Zweitligisten 1.FC Saarbrücken gewonnen hatte.

So wären die Urheber dieses Slogans schon mal geklärt. Fehlt nur noch die Antwort auf die Frage der Herkunft der „Melodie“.

3 Kommentare

Hagebuttentee (II)

Die Tür zum Proberaum fiel zum letzten Mal ins Schloss, als er noch damit beschäftigt war, seinen Verstärker in den Kofferraum zu bugsieren. Die Rückbank musste er nicht umklappen, denn die war ohnehin schon kaputt und stets nach hinten gelehnt, als müsste ständig ein Verstärker transportiert werden. Dabei war dieses das letzte Mal, wenigstens in diesem Wagen. Er hatte einen Käufer in der selben Stadt gefunden. Damit war dieses Kapitel der Arbeitsverweigerung beendet. Was nicht beendet war, war das Pfeifen in seinem Kopf, das den Grund für seinen Entschluss geboten hatte, den Verstärker zum Verkauf anzubieten. Von da an gab es nur noch ein Thema in seinem Leben, und das war der Fußball.

Denn wer vor der Aufgabe flüchtet, eines Tages nicht mehr zur Uni gehen zu — ein Müssen war es ja nicht, sondern ein Wollen — dürfen, der findet schlagartig neue Beschäftigungswege, wenn die Worte auf den wenigen Verwandtenfeiern, zu deren Besuch man sich durchringen kann, immer die selben sind, wo sie sich doch eigentlich ebenso wie die Antworten darauf ändern sollten. Fußball als Handbremse der Zeit, als ewiges Bildnis des Dorian Gray, angenehmerweise noch damit verbunden, Siege zu feiern und einzutauchen in eine Gruppe von anderen Jungs, die ihre Wege ebenfalls in verminderter Geschwindigkeit zurücklegten. Nicht jene auf dem Platz, da wo es anders als man gerne behauptet eben überhaupt nicht entscheidend ist, sondern jene im Leben.

Bis dahin hatte es noch den Konflikt gegeben zwischen der Frage, ob es besser wäre, zu proben, Proben zu proben, bei denen der Mangel an Talent immer wieder in solcher Dichte im Proberaum umherwaberte, dass man die Fenster öffnen musste. Mit geöffneten Fenstern aber durfte man nicht proben, also ging man raus und holte sich gleich eine dicke Schale Pommes, die ebenso passend zum Ende der Bundesliga-Konferenz einen willkommenen Anlass bot, gar nicht erst weiterzuproben, abgeschweift von dem eigentlich neu zu komponierenden Intro desjenigen Songs, der ganz besonders am Mangel an Talent krankte – so wie alle anderen Songs im Programm auch.

Proben oder doch lieber zum Fußballplatz gehen, wo zu jeder Jahreszeit Jungs rumhingen, die entweder stoned waren und Lust hatten, herumzukicken, oder noch nicht wieder richtig nüchtern vom Vorabend, es zu Hause aber nicht mehr aushielten, wo ohne Freundin und ohne neue DVD eventuell der Blick in den Spiegel gedroht hätte. Dieser Konflikt war nun keiner mehr, er würde von nun an an jedem Wochenende zum Platz gehen, um sich dem Nachdenken zu entziehen. Was die Hartnäckigkeit erklärte, mit der er bei jedem Wind und jedem Wetter am Platz aufkreuzte, auf dem die Regeln so einfach schienen und ein Mangel an Talent kein Hinderungsgrund war.

Denn echte Fußballer waren das hier alle nicht. Die wenigsten besaßen Scheinbeinschoner, die wenigsten wussten, wie man einen Einwurf regelgerecht ausführt, und dennoch trug die Hälfte von ihnen Trikots, vom AC Florenz, vom 1. FC Köln oder vom FC Liverpool. Mancher gar mit einem Tattoo davon irgendwo auf dem Körper, dessen Besitzer schlicht das Vorstellungsvermögen dazu fehlte, sich dieses Tattoo vom mit dem Wappen vom niemals alleine Gehen auf einem vergilbten Körper vorzustellen, wenn man ihn ins unterste Geschoss des Krankenhaus fahren würde. Und wie wenig von den auf den Körper gemalten Versprechungen geblieben sein würde, wenn man zufällig als Letzter aus dieser Runde ins Grass gebissen hätte. Dann würde man den Weg von der Kapelle bis zur Gruft zwar nicht alleine, aber doch ohne alte Freunde zurücklegen.

Vielleicht war es auch kein Mangel an Vorstellungsvermögen, vielleicht war es immer noch diese merkwürdige Mischung aus Glaube an die eigene Unsterblichkeit, die Spätpubertierende nun mal auszeichnet, vermengt mit der noch nicht spruchreifen Gewissheit, dass man ohnehin einen Weg wählen würde, der das Tattoo tatsächlich nicht besonders alt werden lassen würde. Die Verwesung beginnt wohl schon am ersten Tag, und je nach Kontostand wäre der Sarg ohnehin nicht übermäßig gegen Eindringlinge geschützt. Und nicht zuletzt wäre es dann ja ohnehin ganz egal.

Natürlich waren auch einige im FC-Bayern-Trikot dabei, mancher im Gladbach-Trikot und am Ende waren alle sowieso nicht gekommen, um diese Trikots spazieren zu tragen, sondern dem zu entgehen, was ohne Fußball am Wochenende gedroht hätte: Diese bleierne Sinnlosigkeit des Wochenendes. So aber schaffte das eine oder andere mehr erzielte Tor als der Gegner Sinn, wenigstens bis man zu Hause ankam. Und wem es dann noch nicht genug Eskapismus bot, zu fußballen, der verfasste dann auch noch Spielberichte über die erlebten Partien, auch wenn darin in Ermangelung von Schiedsrichtern, aufgebrachter Massen, die Busse auf Autobahnen stoppen oder an Galgen hängende Trainerfiguren bastelten, nicht allzu viel vorkommen konnte als dann doch wieder die eigene Talentlosigkeit. Wenn man darüber wenigstens lachen konnte, dann hatte man vielleicht doch dem Hinabschieben ins unterste Geschoss ein Schnippchen geschlagen, wenn auch nur temporär.

2 Kommentare

Ein verschobenes Spiel kommt selten allein

Da hatten die 66 Spieler und 6 Trainer wohl gedacht, in den Tiefen der Weimarer Kreisliga würde es niemandem auffallen, wenn sie sich gemeinsam zu einer klitzekleinen Manipulation verabreden. Und so mit den Geldern der Wettmafia den Mannschaftsausflug nach Malle finanzieren wollten.

Doch das Internet schläft nie und so dürfen sich die Ertappten nun eine gute Ausrede einfallen lassen, wie sie diese drei obskuren Ergebnisse am selben Spieltag rechtfertigen wollen.

7 Kommentare

Stettiner Teil-Steilhänge

Darauf aufmerksam geworden beim spielbeobachter, dessen Blog ein Bild des Stadions Miejski Sczcecin in seinem Header trug. Da er es dort nicht mehr verwendet, muss man sich anders behelfen, denn das Gesamtkunstwerk Stadion Miejski in Stettin ist ein ganz besonderes. Es ist nach einer Seite offen und noch dazu auf der offenen Seite tiefer als dort, wo die Tribünen stehen.

Das ist jetzt verbal etwas unperfekt beschrieben, aber man schaue es sich am besten selbst an.

Architekt soll ein gewisser Herr Escher gewesen sein.

Fantastisches Ding. Die Farben, die Flutlichter, die Form des Tribünendachs — eine tadellose außerirdische Komposition.

Offizieller Name: Florian-Krygier-Stadion, benannt nach dem 2006 verstorbenen ehemaligen Trainer des ansässigen Zweitligisten Pogon Stettin.



Größere Kartenansicht

Mein neues Lieblingsstadion.

Mehr Fotos im Bericht des spielbeobachters.

4 Kommentare

Sympathieträger Hoffenheim

Lange hat man sich gefragt, was das soll mit diesem Hoffenheim, guckt kein Mensch, spielen nicht schön, was soll denn so eine zusätzliche graue Maus, wenn man auch den VfL Bochum haben könnte oder immer mal wieder so echte Farbtupfer wie die SpVgg Unterhaching oder den SSV Ulm. Als sie noch schön spielten und zur Herbstmeisterschaft jagten, stellte man sich diese Frage nicht, weil sie schön und für diesen Wimpernschlag der Bundesligageschichte extrem erfolgreich spielten. Seit jener Halbserie aber plätschert nur noch ideenloses, blutleeres, x-beliebiges Gekicke aus den Hoffenheimer Trikots.

Das kann der DFB doch nicht ernst meinen, sich eine solche graue Maus heranzuzüchten, wenn man schon Leverkusen und Wolfsburg hat, wenn dann tatsächlich bei der Paarung Wolfsburg gegen Hoffenheim eine im nicht messbaren Bereich liegende Zahl an Menschen die Einzeloption im Bezahlfernsehen wählt. Und die Menschen selbst nach Siegen nicht mal feiern. (Sollte man sehen.)

Jetzt ist klar geworden, was die Funktion von Hoffenheim ist, und man muss zugeben: So schlecht ist die Idee nicht. Man hat Hoffenheim in die Liga geholt, weil sie ein echter Sympathieträger sind. Und zwar tragen sie durch ihre bloße Existenz die Sympathien zu den übrigen Klubs hin. Während man sich früher nie vorstellen konnte, jemals für Hertha BSC zu sein, wünscht man jetzt in jedem Spiel Hoffenheim eine Niederlage, egal, gegen wen. Selbst Leverkusen wirkt plötzlich richtig lebendig, und selbst Bremer und Hamburger sind sich einig, dass man gegen Hoffenheim stets gewinnen müsse — auch der jeweils andere.

Hat man sich dann einmal im Leben über einen Sieg eines Vereins gefreut, weiß man plötzlich, wie das ist, sich für Gladbach, für Nürnberg oder für Kaiserslautern zu freuen. Die Sympathien, kostenlos, unterbewusst, rundum geschickt von Hoffenheim überall hingetragen, wo sie antreten, wachsen und wenn die TSG dann in wenigen Saisons ihren Zweck erfüllt haben wird, wird sie sang- und klanglos von der Bundesligabühne verschwinden, während alle anderen Teams so schrecklich sympathisch wirken, dass jeglicher Tod und Hass aus der Bundesliga verschwunden sein wird.

7 Kommentare

EM-Spielplan 2012 zum Ausdrucken

Die Euro 2012 steht schon fast vor der Tür, was man vielleicht nicht so merkt, weil die Bundesliga und die Champions League noch so viel Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

Doch in weniger als 10 Wochen geht es los, in den vier Vorrundengruppen, Gruppe A und B in Polen, Gruppe C und D in der Ukraine. Man sollte sich so langsam seine Tipps zurecht legen. Dabei hilft dieser Spielplan, den das famose „Fortuna München – Visuelle Kommunikation“ in Kooperation mit dieser Seite hier zusammengebaut hat. Einfach ausdrucken, eintragen, was man selber an Ergebnissen hofft oder erwartet, an die Wand hängen und fertig.

Oder auch umgekehrt: Erst an die Wand hängen, und dann selbst eintragen. Man darf sogar eintragen, was man nicht an Ergebnissen wünscht und kann dann hoffen, dass die eigenen Tipps nicht eintreten. Man darf ihn sogar ausdrucken und dann nur die echten Ergebnisse eintragen, gar keine Tipps.

Die Liste der bisherigen Europameister ist auch dabei und insgesamt ist der Spielplan so, wie ich selbst ihn mag: Übersichtlich, ohne Schnörkel und trotzdem mit dem gewissen Etwas. Viel Spaß damit.

Zum Download des EM-Spielplans 2012.

10 Kommentare

Wie Rudi Völler die sky-Expertenrunde sieht



Wie Rudi Völler das Wirken von Günter Netzer und Gerhard Delling sah



Wie der Rest der Bundesliga Rudi Völler sieht



10 Kommentare

Falschfarbenlehre

Nachdem ich jetzt eine Stunde lang mit eher mäßigem Erfolg geübt habe, auf der linken Seite der Straße zu fahren, was so lange gut funktioniert, wie die Straße einspurig ist und es wenig Gegenverkehr gibt, und anderenfalls quasi gar nicht funktioniert, muss ich doch noch einmal die sicher zahlreich hier mitlesenden England-Experten bemühen: Gelten in Großbritannien eigentlich die „Rechtsaußen“ im Fußball als etwas verrückt? Und ist es möglicherweise so, dass man standardmäßig eher über links als über rechts kommt, wenn man das Spiel nach vorne bemüht?

3 Kommentare

Wir! — wolln! — Euch! … …

Ganz sicher wollen die Fans vor allem eins sehen: Punkte auf der Habenseite in der Tabelle. Das mit der Habenseite ist zwar seit geraumer Zeit, genauer gesagt: seit Einführung der Dreipunkteregel, hinfällig, das mit den Punkten, die man gerne in der Tabelle hinter dem eigenen Team stehend sehen wollen würde, hingegen nicht.

Ob da nun jemand kämpft oder nicht, ist am Ende doch beinahe irrelevant, weil eigentlich alle immer kämpfen. Es mag seltene Fälle der Arbeitsverweigerung geben, solche sind aber nun mal schlicht nicht die Regel. Stattdessen muss man offensichtlich immer wieder die grundlegenden Banalitäten des Fußballsports ins Gedächtnis rufen:

  1. Kaum ein anderer Sport ist so vom Zufall abhängig wie Fußball. (Der Hauptgrund, warum er so spannend ist, übrigens.)
  2. Wer 2:0 führt, egal wie glücklich das zustande kam, gewinnt sehr häufg am Ende auch das Spiel.
  3. Wer hinten liegt, muss aufmachen. Macht das eigene Team konteranfällig.
  4. Konteranfällig zu sein bedeutet: erhöhte Wahrscheinlichkeit von Gegentoren. Je mehr Gegentore man hat, Goto 3.

Und so weiter und so fort.

Circa 20-30 Prozent aller Tore werden zufällig erzielt (abgefälschter Torschuss, glücklich abprallende Abwehraktion oder schlimmer individueller (nicht technischer) Fehler). Da kann man noch so viel „kämpfen“, man kriegt trotzdem derartige Tore. Liegt man dann hinten, nun gut, das schrob ich ja schon, muss man aufmachen, was zu mehr Gegentoren zu mehr Panik zu mehr Armageddon führt.

Eigentlicher Knackpunkt aber ist: Es gibt tatsächlich Mannschaften, die besser sind als andere. Wenn schlechtere gegen bessere Mannschaften spielen, gewinnt immer noch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die bessere Mannschaft. Hat die schlechtere verloren, so tut sie dies nur in Ausnahmen wegen mangelnden Kampfes.

Wenn bis zum letzten Fußballinteressierten durchgedrungen sein wird, dass „kämpfen“ keine adäquate Methode ist, um einen Ball in seinen Besitz zu bringen, den man nie sieht, weil der Gegner ihn schneller weiterpasst als man verteidigen kann, dann …

… dann müsste man natürlich zu rufende Slogans im Stadion ändern.

Und, tragischer, eventuell auch seinen Frust auf so etwas Ärgerliches umleiten wie den Umstand, dass die „eigenen Spieler schlechter sind“ als jene des Gegners.

Lässt sich nicht so gut rufen, macht sich allgemein nicht so gut wie die Sache mit dem Kämpfen. Denn Letzteres würde man ja durch den eigenen Willen ändern können. Ersteres leider nicht.

12 Kommentare

111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss

„Wer das Herz des Ruhrgebiets sucht, begegnet unweigerlich dem Fußball. Ob am Schalker Markt oder an Dortmunds erstem Fußballplatz, der Weißen Wiese, ob am Denkmal Helmut Rahns in Essen oder am Wattenscheider Lohrheide-Stadion – die Landschaften sind voller Fußballorte, an denen das Ruhrgebiet von gestern und heute lebendig wird. 111 Orte, an denen die Region ihre Identität findet; 111 Orte zwischen Kultur und Geschichte; 111 unterhaltsame Geschichten von gestern und heute.“

So haben wir ihn formuliert, den Kern unseres gemeinsamen Buchs in ganz wenigen Zeichen. Wir, das sind der wunderbare Kees Jaratz, der in seinem Zebrastreifenblog mit einem sehr besonderen Zugang zum Fußballspiel schreibt, sowie der Betreiber von Trainer-Baade.de. Womit klar wäre, dass das Buch kein Buch von „Trainer Baade“ ist, sondern von Frank Baade. Als Einordnung vielleicht nicht unwichtig, denn das Zusammentragen und Würdigen dieser 111 Fußballorte ist keine Angelegenheit, die nur am Rechner erledigt werden kann. Und das Sammeln war schon ein wichtiger Beginn der Arbeit am Buch; nicht alle 111 Orte sind auf den ersten Blick mit dem Fußball verbunden.

Welche oft facettenreiche Geschichte hinter ihnen steht, verraten wir im jeweiligen Text, einen Eindruck vom Ort vermittelt das passende der 111 zugehörigen Fotos.

Unsere 111 Orte im Ruhrgebiet setzen sich zusammen aus mehr als nur den bekannten Fußball-Stadien, diese sind ebenso enthalten, aber in diesem Buch nehmen wir den Leser auch mit in so unterschiedliche Szenarien wie Gerichtssäle, in Museen, auf Bolzplätze, in Kirchen, auf Wochenmärkte und nicht zuletzt in die Kneipe.

Kein Aprilscherz, ab Montag im Handel.

Viele Infos rund ums Buch gibt es aber schon jetzt auf „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“, samt eigenem Blog, den wir in den nächsten Tagen noch weiter füllen werden. Ein Blick lohnt aber schon jetzt.

14 Kommentare

Alle Ampeln auf …

96.

3 Kommentare

Die Sternechefin empfiehlt heute: Piemonteser Öltunke

On a gagné à l‘ancienne.“ Wir haben auf altbewährte Weise gewonnen. Auf Französisch hört sich das immer noch fast elegant an, auf dem Platz ist es zum Wegschauen. Mit „à l‘ancienne“ ist eine Art Juventus-Effizienzfußball der frühen 90er Jahre gemeint, französisch abgeschmeckt kommt das allerdings so schwerfällig daher wie fette Sahnesauce im Vergleich zu würziger Piemonteser Öltunke.

Zum besseren Verständnis dieses Vergleichs muss man wissen, wie die Autorin dieser Zeilen ihr Tun einschätzt:

Der Unterschied zwischen Bloggern und Profijournalisten ist in etwa der zwischen Familienköchen und Sternechefs.

Kein Wunder, dass eine Sternechefin dann auch gerne mal Vergleiche aus ihrem ureigenen Metier heranzieht, um Fußball zu beschreiben. Kann man machen. Schmeckt aber nicht jedem.

7 Kommentare

Sympathisantentum simulieren

Bei „FIFA xx“, dem jährlich neu aufgelegten EA-Sports-Spiel, können die User Vorschläge einreichen, welche Erweiterungen sie sich für die nächsten Ausgaben wünschen. Mehr Ligen, klar, mehr untere Ligen, ebenfalls klar, noch mehr Stadien, mehr Trainingsmöglichkeiten, etc. pp.

Abstrus sind aber zwei Vorschläge, die die Nutzer einreichten:

  • Als Schiedsrichter am Spiel teilnehmen
  • Als Zuschauer im Stadion sitzen

Angesichts der Tatsache, dass man für viele reale Partien keine Karten mehr bekommt, weil sie zu teuer und oder zu vergriffen sind, vielleicht gar kein so dummer Vorschlag. Ob dem Vorschlagenden aber bewusst ist, dass er dann nicht die reale Partie als Fan begleitet, sondern die bei EA-Sports von der CPU ausgespielte?

Und was folgt in Zukunft alles noch: Als Volunteer im virtuellen Stadien helfen? Bezahlkarten an die Fans ausgeben, Brezeln backen und Bier zapfen? Für ganz masochistische vielleicht die Rolle als Ball im Spiel? Ständig getreten, aber immer mitten im Geschehen? Der Phantasie sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Mittendrin eben, statt nur … leibhaftig im Stadion sein ist ja soo 2011.

11 Kommentare

Ein Alptraum von einem Bolzplatz



… aber entscheidend is nun mal aufm Platz.

3 Kommentare

Wappenmyrrhe

Jedes Wappen hat seine eigene Myrrhe.

Die mag man oder mag man nicht. Letztens sprach ich mit jemanden, der auf meine Frage, wieso er denn Hertha-Fan geworden sei, damit antwortete, dass er das Wappen so möge. Find ich nachvollziehbar. Dass man aus diesem Grund Fan wird, nicht aber dass man das Wappen von Hertha BSC mag. Dann sprach ich gestern mit jemandem, der mir vom Wappen von Werder Bremen vorschwärmte, mehr oder weniger, nachdem ich die davor erwähnte Geschichte erzählt hatte (natürlich ohne Namen zu nennen).

Woraufhin ich selbst bei mir im Gedächtnis kramte. Mir ging es als Kind so mit dem Wappen von Fortuna Düsseldorf, das dieses je ne sais quoi hatte, das es mir sympathisch machte. Wohingegen das Wappen von Hertha eher mitleiderregend und fahl wirkte. Ebenso das Wappen des Karlsruher SC: Ein einziges Trauerspiel. Die Farben, das Design. Man fängt beinahe an, in Begräbnisstimmung zu geraten.

Das Wappen des BVB hingegen: Ein Fest für jedes Kind, so leuchtend, so stark, so strahlend.

Dann wiederum: Das Wappen des Hamburger SV, durchaus sehr eigen, aber schön? Ansprechend? Fehlanzeige. Eher nichtssagend. Damit kann man kein Kind hinter dem damals ja noch nicht virtuellen Ofen hervorlocken. Wie auch viele andere Wappen auf unerklärlichem Wege mit dem Rezipienten zu sprechen scheinen und eine emotionale Botschaft vermitteln, ohne dass diese für alle Rezipizenten gleich ist.

Ging es sonst noch irgendjemandem so, dass er einen Verein in seiner Jugend mochte oder nicht mochte, weil er dessen Wappenmyrrhe sympathisch oder eben unsympathisch fand?

(Für „myrrhe“ bitte „erscheinungsbild“ einsetzen. Das hat jemand hier vertauscht.)

(Noch der Hinweis, dass die damals als Kind empfundene Sympathie oder Antipathie heute nur noch in minmalsten Restbeständen vorhanden ist und sich die Geschmäcker teilweise komplett gewandelt haben.)

37 Kommentare

Bundesliga: Wenigste erzielte Tore pro Saison

Der 1. FC Kaiserslautern macht auch unter dem neuen Trainer Krassimir Balakov mit dem Thema weiter, mit dem er die ganze Saison über schon beschäftigt ist. Keine eigenen Tore zu erzielen. Mit 17 Toren zwar immerhin schon 2 mehr als Tasmania in dessen fabulöser Saison. Somit kommt der FCK schon mal um die Schmach herum, wie Hertha BSC vor 2 Jahren einen Negativrekord von Tasmania einzustellen (oder zu unterbieten?). Aber wenn da nicht rasch ein paar Mal getroffen wird, landet man auf dem vorletzten Platz dieser Liste.

Unter der ersten, chronologischen Liste folgt noch einmal die wesentlich interessantere Aufstellung sortiert nach der Zahl der wenigsten erzielten Tore. Die Gegentore sind in beiden Fällen noch dazu aufgezeigt, weil diese ja durchaus etwas über die relative Wertigkeit der wenig erzielten Tore aussagen.

Auch der Abschlussplatz ist aufgeführt, in seltenen Fällen reichte ein 16. Platz zum Klassenerhalt via Relegation, ansonsten bedeuteten die letzten drei Plätze natürlich den Abstieg. Beste Platzierung einer Mannschaft, die in einer Saison die wenigsten Tore aller 18 Teams erzielte, das wundert hier nun nicht, ist der MSV Duisburg auf dem 8. Platz aus der Saison 1997/1998.

Etwas erstaunlich, dass außer den Tasmanen mit dem 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Bayer Uerdingen und Fortuna Düsseldorf gleich vier rheinische Klubs die Co-Schlusslichter bilden, wo man doch im Rheinland so gerne feiert, was zumindest während des Spiels ohne Tore ein wenig schwierig ist.

Und der 1. FC Kaiserslautern sehe zu, dass er noch ein paar Mal trifft. Sonst droht Einreihung in diese Gilde der Torverweigerer. Das kann niemand wollen, schon gar nicht in der Region.

Chronologisch

Jahr Platz Mannschaft Tore
2011 17. Eintracht Frankfurt 31:49
2010 16. 1. FC Nürnberg 32:58
2009 18. Arminia Bielefeld 29:56
2008 17. Hansa Rostock 30:52
2007 18. Borussia Mönchengladbach 23:44
2006 13. Arminia Bielefeld 32:47
2005 18. SC Freiburg 30:75
2004 17. TSV München 1860 32:55
2004 18. 1. FC Köln 32:57
2003 18. Energie Cottbus 34:64
2002 17. 1. FC Köln 26:61
2001 18. VfL Bochum 30:67
2000 16. SSV Ulm 1846 36:62
1999 16. 1. FC Nürnberg 40:50
1999 17. VfL Bochum 40:65
1998 8. MSV Duisburg 38:46
1998 14. VfL Wolfsburg 38:54
1997 16. Fortuna Düsseldorf 26:57
1996 16. 1. FC Kaiserslautern 31:37
1995 17. MSV Duisburg 31:64
1994 18. VfB Leipzig 32:69
1993 13. 1. FC Nürnberg 30:47
1992** 12. Hamburger SV 32:43
1991 16. FC St. Pauli 33:53
1990 13. FC St. Pauli 31:46
1989 16. Eintracht Frankfurt 30:53
1988 16. Waldhof Mannheim 35:50
1987 16. FC Homburg 33:79
1986 15. Eintracht Frankfurt 35:49
1985 18. Eintracht Braunschweig 39:79
1984 18. 1. FC Nürnberg 38:85
1983 17. Karlsruher SC 39:86
1982 18. MSV Duisburg 40:77
1981 17. FC Schalke 04 43:88
1980 18. Eintracht Braunschweig 32:64
1979 17. 1. FC Nürnberg 36:67
1978 17. 1. FC Saarbrücken 39:70
1977 14. 1. FC Saarbrücken 43:55
1976 18. Bayer Uerdingen 28:69
1975 18. Wuppertaler SV 32:86
1974 15. MSV Duisburg 42:56
1974 16. Wuppertaler SV 42:65
1973 17. Eintracht Braunschweig 33:56
1972 15. Rot-Weiß Oberhausen 33:66
1971 14. Arminia Bielefeld 34:53
1970 15. MSV Duisburg 35:48
1969 13. Hertha BSC 31:39
1968 18. Karlsruher SC 32:70
1967 18. Rot-Weiss Essen 35:53
1966 18. Tasmania Berlin 15:108
1965* 14. Hertha BSC 40:62
1964* 15. Preußen Münster 34:52

* Nur 30 Saisonspiele
** 38 Saisonspiele

Jetzt zur interessanteren der beiden Listen, um die Spannung zu erhöhen stehen oben jene Mannschaften mit den meisten wenigsten Toren in einer Saison. Dafür fehlen hier die ersten beiden Saisons sowie jene Spielrunde nach der Wiedervereinigung mit 20 Teams.

Nach Zahl der erzielten Tore (und nach Zahl der erhaltenen Gegentore)

Jahr Platz Mannschaft Tore
1977 14. 1. FC Saarbrücken 43:55
1981 17. FC Schalke 04 43:88
1974 15. MSV Duisburg 42:56
1974 16. Wuppertaler SV 42:65
1999 16. 1. FC Nürnberg 40:50
1999 17. VfL Bochum 40:65
1982 18. MSV Duisburg 40:77
1978 17. 1. FC Saarbrücken 39:70
1985 18. Eintracht Braunschweig 39:79
1998 8. MSV Duisburg 38:46
1998 14. VfL Wolfsburg 38:54
1984 18. 1. FC Nürnberg 38:85
2000 16. SSV Ulm 1846 36:62
1979 17. 1. FC Nürnberg 36:67
1970 15. MSV Duisburg 35:48
1986 15. Eintracht Frankfurt 35:49
1988 16. Waldhof Mannheim 35:50
1967 18. Rot-Weiss Essen 35:53
1971 14. Arminia Bielefeld 34:53
2003 18. Energie Cottbus 34:64
1972 15. Rot-Weiß Oberhausen 33:66
1987 16. FC Homburg 33:79
1991 16. FC St.Pauli 33:53
1973 17. Eintracht Braunschweig 33:56
2006 13. Arminia Bielefeld 32:47
2004 18. 1. FC Köln 32:57
2004 17. TSV München 1860 32:55
2010 16. 1. FC Nürnberg 32:58
1980 18. Eintracht Braunschweig 32:64
1994 18. VfB Leipzig 32:69
1968 18. Karlsruher SC 32:70
1975 18. Wuppertaler SV 32:86
1996 16. 1. FC Kaiserslautern 31:37
1969 13. Hertha BSC 31:39
1990 13. FC St.Pauli 31:46
2011 17. Eintracht Frankfurt 31:49
1995 17. MSV Duisburg 31:64
1993 13. 1. FC Nürnberg 30:47
2008 17. Hansa Rostock 30:52
1989 16. Eintracht Frankfurt 30:53
2001 18. VfL Bochum 30:67
2005 18. SC Freiburg 30:75
2009 18. Arminia Bielefeld 29:56
1976 18. Bayer Uerdingen 28:69
1997 16. Fortuna Düsseldorf 26:57
2002 17. 1. FC Köln 26:61
2007 18. Borussia Mönchengladbach 23:44
1966 18. Tasmania Berlin 15:108

Korrekturen sind natürlich äußerst willkommen.

4 Kommentare

Antrag auf Änderung der Abstiegsregelung

Die wirtschaftlichen und daraus resultierend sportlichen Verhältnisse in der Bundesliga sind nun mal leider so, dass es immer und immer zwei Klubs der Kragenweite SC Freiburg und FC Augsburg in der Bundesliga geben wird, aktuell schicken sich Klubs wie die SpVgg Greuther Fürth und der SC Paderborn an, aufzusteigen, weshalb ein Grundübel der Bundesliga nie beseitigt werden kann, so lange die alte Abstiegsregel bestehen bleibt. Noch dazu wurde die Zugehörigkeit zur ersten Liga ja durch die Wiedereinführung der Relegation weiter zementiert.

Es kann und darf allerdings nicht sein, dass grottenschlechte Leistungen mit minimalem einhergehenden sportlichen Erfolg über Jahre hinweg mit der Ligazugehörigkeit belohnt werden. Wäre diese Saison ein Ausreißer, könnte man sich so etwas wie eine Jokerregel überlegen, die man aber nur 1x im Jahrzehnt zücken darf.

Ansonsten machen wir es ab jetzt so, auch, damit die Plattitüde von den „40 Punkten, die man holen“ müsse, endlich ein Granulat mehr Wahrheit erhält: Wer in einer Saison keine 40 Punkte erreicht, steigt ab. Zack, bumm, Schluss mit diesem Lavieren und Rumhangeln in nicht mit anzusehender Manier, die dann auch noch mit dem Klassenerhalt belohnt wird. Und das im Endeffekt nur, weil es immer zwei Gurkentruppen in der Liga gibt, die noch schlechter sind. Das ist nicht Sinn und Zweck einer Abstiegsregelung.

Wie das mit dem Aufstieg aus der 2. Liga zu regeln ist, darüber denken wir morgen nach, aber heute stimmen wir erstmal drüber ab, dass alle Teams mit weniger als 40 Punkten absteigen. Da muss man auch nicht mehr so viel rechnen, was die direkten Konkurrenten machen.

(Mutmaßungen, dass diese Idee etwas mit der Qualität des gestrigen Freitagsabendspiels zu tun haben könnte, sind allein solche.)

12 Kommentare

Der Franz ein Truther?

Eigentlich darf man sich nicht damit beschäftigen, was Franz von seinen Ghostwritern in der FOTO ins Horn tuten lässt. Wenn er damit aber so viele Lemminge, äh, Nachahmer produziert, die ernsthaft diese Hingespinste glauben, muss man es dann doch mal zum Thema machen.

Die ganze Bundesliga ist ein Haufen von Verschwörungstheoretikern, und der größte von ihnen ist der jeweilige Ghostwriter vom Franz, der zweitgrößte der Ghostflüsterer vom Uli, dessen Wirken man daran erkennt, dass der eigentliche Uli im passiven Modus steckt und der Ghostflüsterer, er ist etwas rötlicher als der Uli selbst, das Ruder übernimmt. Und warum das alles?

Die Masse will unterhalten werden und Robbie Williams kann sich eben nicht vierteilen und jederzeit an jedem Ort sein. Fakten braucht man für derartige Spekulationen schließlich nicht, man behauptet ohnehin am liebsten im nicht-beweisbaren, schwammigen Raum rum, wie z. B. bei Aspekten des „Kämpfens“.

Zunächst aber mal der Blick auf das, was Franz schreiben lässt (auf den Link klicken):

Zum Glück lässt er morgen das Gegenteil schreiben.

Und selbst wenn es wirklich so wäre, dass die Gegner gegen Dortmund weniger kämpften: Ob er schon vergessen hat, wie das damals war, als sein Club bei den Braunschweigern antreten musste, die sich im Fernduell mit den 60ern befanden?

«Ich weiß, dass wir 5:2 verloren haben, aber das war uns sehr recht. Weil wir damals nicht wollten, dass unser Lokalrivale, nämlich der TSV 1860, der eigentlich die bessere Mannschaft und die besseren Karten hatte, deutscher Meister wird», erzählte Beckenbauer am Dienstag in einer Fernsehsendung von Sat.1 seine Anekdote. «Ich will jetzt nicht sagen, dass wir absichtlich verloren haben. Das würde zu weit gehen. Aber sagen wir mal so: Unser Widerstand hat sich auf das Minimalste beschränkt.»

Das hat man sich dann über die Jahre aufgebaut, dass „neutrale“ Spieler lieber gegen Dortmund verlieren als gegen Bayern. Da es aber nichts anderes als auf nichts fußende Verschwörungstheorie ist, lohnt es den Aufwand nicht, des Franzens Ghostwriters Behauptung zu entschwätzen, äh, Entschuldigung, zu entkräften.

Übermorgen sind es wieder die unberechtigten Elfmeter. Und überübermorgen die Mondlandung, die es nie gegeben haben soll.

6 Kommentare

Neues aus der Rubrik „Mindestens ein Viertel“

Wozu gibt es eigentlich Wikipediaseiten? Quizspiele? Ranglisten von Stadtgrößen? Wozu das alles, wenn Torsten Frings sie nie benutzt?

Ich habe ein Apartment in einem der vielen Wolkenkratzer bezogen. Toronto ist eine Weltstadt mit rund fünf Millionen Einwohnern, also nicht so klein wie Bremen, wo ich jahrelang einer von vielleicht 100.000 Menschen gewesen bin.

Vielleicht auch einer von 2.000? Einer von 7 Miliarden? Eulersche Zahl? Wer weiß das schon so genau?

14 Kommentare

9:2 – eins zu wenig für die neue Anzeigetafel

Hohe Siege im DFB-Pokal sind leider selten geworden, denn die Kluft zu den Amateuren ist zumindest bei den physischen Voraussetzungen geschrumpft, anders als man eigentlich vermuten würde. Hohe Siege im DFB-Pokal gegen Teams aus der eigenen Liga sind noch viel seltener. Diese Angelegenheit mit den angeblich eigenen Gesetzen führt nicht mehr dazu, dass Pokalspiele im Rausch nach großem Rückstand noch umgedreht werden, sondern eher, dass überhaupt keine derartigen Rückstände mehr entstehen. Vielmehr spielt man auch im Pokal so, wie man es im Übrigen auch pflegt, diszipliniert, mit der nötigen Ernsthaftigkeit und wenn dann doch mal ein Unterhund gegen einen Großen gewinnt, ist es selten mehr als der im Fußball jederzeit statistisch mögliche Ausreißer.

Das war früher tatsächlich anders, und das 9:2 von Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokalviertelfinale am 7. März 1987 gegen Mit-Erstligisten Bayer Uerdingen verdient trotzdem besondere Würdigung an dieser Stelle, weil es anders als viele andere hohe Pokalsiege vergessen ist. Oder nie bekannt war. In Gladbach selbst findet man es jedenfalls nicht bei den großen erinnerungswürdigen Siegen aufgelistet, möglicherweise weil schon wenige Tage nach dieser Partie das folgende Halbfinale ausgelost wurde und für die Borussia die wie sich zeigte zu schwierige Aufgabe eines Auswärtsspiels beim HSV erbrachte. Welcher im Finale gegen die Stuttgarter Kickers seinen bis heute letzten Titel errang, was, wie man unschwer erkennt, nur über das Ausschalten der Borussia möglich war.

Gleichzeitig erkennt man daran, wie lange dieser Titel des HSV tatsächlich schon her ist: Auf dem Bökelberg hatte man zwei Jahre zuvor eine neue Anzeigetafel installiert, deren besonderes Merkmal war, dass sie — man höre und staune — auch zweistellige Spielstände darstellen konnte. Weder Farbe noch Video noch tolle Feuerwerke waren darauf möglich, einzig zweistellige Spielstände. Und das war eine Nachricht wert zu jener Zeit bzw. eine Notiz in den Spielberichten.

Denn um diese Neuerung der nun möglichen zweistelligen Spielstände auch darzustellen, hätte Borussia Mönchengladbach an jenem Tag noch ein Tor mehr erzielen müssen. 9 Stück für eine Seite sind zwar eine enorme Hausnummer, sowas hätte aber auch die alte Anzeigetafel noch gepackt. Wieso die Uerdinger an jenem Tag, die immerhin mit 1:0 in Führung gegangen waren, derart auseinanderfielen, ihr Abstieg war schließlich noch einige Jährchen (1990/1991) entfernt, wussten sie selbst nicht zu beantworten.

Einen Sündenbock glaubte man im in dieser Partie schwachen Mathias Herget gefunden zu haben, allerdings wird Fußball von 11 Leuten gespielt. Früher hatten Liberos zwar etwas mehr Verantwortung für sich alleine als heute ein Innenverteidiger, aber einzig an Herget wird es nun mal nicht gelegen haben. Trainer Karl-Heinz Feldkamp bat die Mannschaft im Anschluss zur Aussprache, wobei nicht überliefert ist, was es bei einem 2:9 noch groß auszusprechen gibt. An solch einem Tag muss schließlich einfach alles Scheiße gewesen sein. Wirksam hin oder her, am Ende der Saison wurde Bayer Uerdingen noch guter Achter der Bundesligatabelle.

Auch auf Gladbacher Seite gab es nur ein kurzes Jubelfest. Zum Einen lag Übungsleiter Jupp Heynckes wegen seiner — vermeintlich — anstehenden Vertragsverlängerung im Clinch mit Manager Helmut Grashoff. Womöglich stand Jupp damals schon längst bei Uli im Wort, zu dem er am Ende der Saison, also knapp drei Monate später, an die Isar wechseln würde. In Gladbach konnte man sich derlei von einem Ur-Gladbacher wohl noch nicht vorstellen, der zuvor entfleuchte Matthäus war ja kein Ur-Gladbacher gewesen, womit man sich aber gründlich irrte, in Bezug auf Heynckes, nicht auf Matthäus.

Zum Anderen war man damals hohe Siege wohl noch etwas gewöhnter, zumindest im Pokal, zumindest in Gladbach, die schließlich schon vier Mal zweistellig in der Bundesliga gewonnen hatten: 12:0, 11:0, 10:0, 10:0. Da ist ein 9:2 fast schon mickrig, im Vergleich. Vielleicht aber auch, weil man schon in der 2. Runde mit 6:1 über Borussia Dortmund triumphiert hatte, nachdem in Runde 1 ein 7:0 beim FC Amberg herausgesprungen war. Torfabrik Borussia, eben, damals.

Die Lose fürs Halbfinale zogen Monika Koch-Emsermann und Jürgen Werner. Die eine Pionierin des Frauenfußballs, der andere DFB-Pokalsieger 1963 mit dem HSV, der hernach seine Karriere beendete, weil er das Berufsspielertum ablehnte (!). Dem DFB blieb er allerdings erhalten und trat immer wieder bei Auslosungen des DFB-Pokals auf, wohl auch im TV.

Wie die 28.000 Zuschauer am Bökelberg die Partie und die 9 Tore ihres Teams aufnahmen, ist mangels (mit Bordmitteln erhältlicher) Videoaufzeichnung nicht bekannt. Die Tore für Uerdingen an jenem für sie grauenhaften Samstag erzielten zwei spätere Nationalspieler: Stefan Kuntz und Marcel Witeczek.

0:1 Stefan Kuntz 17.
1:1 Hans-Jörg Criens 18.
2:1 Hans-Jörg Criens 25.
3:1 Hans-Georg Dreßen 45.
4:1 Uwe Rahn 49.
5:1 Hans-Günter Bruns 50.
6:1 Bernd Krauss 61.
6:2 Marcel Witeczek 68.
7:2 Hans-Georg Dreßen 76.
8:2 Christian Hochstätter 88.
9:2 Uwe Rahn 90.

Schiedsrichter: Wiesel (Ottbergen)

Der zur Pause eingewechselte Oliver Bierhoff konnte Bayer Uerdingen übrigens auch nicht mehr retten.

Einziger Trost für Uerdinger Spieler und Fans: Der Rückweg mit dieser steinernschweren Niederlage im Gepäck war denkbar kurz. Vom Bökelberg zur Grotenburg sind es nur 18 Kilometer. Und was würde man heute in Uerdingen dafür geben, überhaupt im DFB-Pokal mitspielen zu dürfen.

Ob der fanmäßige Wandervogel Torsten Wieland, in jener Zeit Bayer 05 Uerdingen-Sympathisant, Erinnerungen an die Partie hat, ist ebenso unbekannt.

Ermöglicht hat diesen Bericht die Webseite Strysio.de, auf der ein Sammler wirklich alles rund um Borussia zusammengetragen und in so großen Dosen online gestellt hat, dass einem schwindlig wird. Vor Details, in denen man baden kann, versteht sich. Danke an den dortigen Hausherrn. Er ist übrigens Mitglied in der „Deutsche Programmsammler-Vereinigung 1985 e.V.“.

Heute ist Borussia Mönchengladbach dann also schon einen Schritt weiter als während des 9:2 gegen Uerdingen, im Halbfinale nämlich, und wenn sie die erste zweite Mannschaft wird, die den FC Bayern drei Mal in einer Saison in Pflichtspielen bezwingt, kommt sie auch weiter als 1987 gegen den HSV — ins Finale des DFB-Pokals. Die aktuelle Anzeigetafel wird aber auf keinen Fall Probleme mit dem Ergebnis bekommen, egal, wie hoch das Ergebnis in einem eventuellen Elfmeterschießen geschraubt werden wird.

6 Kommentare

Poschmanns „Schalke 05″

Es gibt Dinge, die kann man im Eifer des Gefechts verwechseln, man muss auch nicht jeden Zweitligaspieler aus 80 Metern an der Frisur erkennen können. Insofern ist es nicht allzu tragisch zu bewerten, dass Wolf-Dieter Poschmann als Kommentator der Partie SpVgg Greuther Fürth gegen Borussia Dortmund kurzzeitig glaubte, statt Fürth spiele Nürnberg mit. Das ist weder Altersschwäche noch Unkonzentriertheit, es geschieht einfach, dass man sich bei 120 Minuten schwadronieren mal verspricht oder ein oder zwei Dinge verwechselt. Wer das bezweifelt, möge selbst einmal versuchen, 120 Minuten lang inhaltlich fehlerfrei zu sprechen. Diese Versprecher und Verwechsler sind verschmerzbar und entschuldbar, sofern der Kommentator einen aufmerksamen Nebenmann hat und auf dessen Richtigstellung hin seine Fehlerchen auch dem Zuhörer gegenüber korrigiert. Nicht weil nur Pedanten wie bei Twitter vor dem Fernseher sitzen, sondern weil es respektvoll dem Kunden gegenüber ist.

Wobei diese, bei Twitter sitzenden Pedanten hier durchaus mal gescholten werden müssen. Diesen kann man bekanntlich nichts Recht machen. Wird ein Spielername vom Reporter falsch ausgesprochen, hagelt es Riesenproteste. Versucht der Reporter sich dann also darin, Erkundigungen einzuholen, wie man den Namen in der Heimat des Spielers ausspricht und spricht ihn dementsprechend aus, hagelt es ebenso Proteste, zumindest aber Spott und sogar die Frage, wofür man seine Rundfunkgebühren bezahle. Doch wohl dafür, dass ein Reporter den Namen richtig ausspricht, egal, wie marokkanisch das zunächst für manche Ohren klingen mag.

Womit wir mit dem im ersten Absatz gefallenen Stichwort von den 120 Minuten bei einem anderen Thema wären, bei dem die Vokabel „entschuldbar“ leider in der Schublade bleiben muss. Man kann St. Pauli und den HSV verwechseln — irrtümlich, für ein paar Momente — man kann Ronaldo und Ronaldinho versprachseln oder man kann z. B. Jürgen Klopp einen Johannes Klopp nennen. Das ist alles möglich, menschlich und minderschlimm.

Was man dagegen überhaupt nicht tun kann als Reporter, als Anhänger, als Liebhaber, als Dienstleister eines Fußballspiels, ist, zu vergessen, wieviel Minuten ein Spiel dauert. Für Poschmann war klar, dass Greuther Fürth in der 114. Minute auf Zeit spielen würde, um die eine Minute bis zum Elfmeterschießen noch ablaufen zu lassen. Womit Poschmann sein ganz persönliches „Schalke 05″ geschossen hatte oder vielleicht besser gesagt sein „Fürth 115″. Da nützte es auch nichts, dass er wenig später korrigierte, dass ja noch 5 Minuten zu spielen seien.

90 Minuten und in der Verlängerung eben 120 Minuten, da gibt es nichts zu verwechseln, denn es gibt ja keine andere Größe, kein anderes Fußballspiel, mit dem man hier durcheinander kommen könnte. Zu glauben, Fußball dauere in der Verlängerung bis zur 115. Minute — da hört der Spaß dann endgültig auf.

25 Kommentare

Maradona gegen Brasilien, WM 1982

6 Minuten hohe Fußballkunst samt pläsierlicher musikalischer Begleitung.



Und natürlich dem dramatischen Ende. Bitte nur mit Ton schauen.

6 Kommentare