Wann fing das an, Thomas Tuchel?

Wann fing das an, Thomas Tuchel? Was hat Dich bloß so ruiniert?

Unfassbar, was dieser doch einst so sympathische, weil junge, frische, unverbrauchte und zumindest auf den ersten Blick unverkrampfte Bundesliga-Trainer für einen verschwörungstheoretischen Sermon in Bezug auf die Schiedsrichter von sich gibt.

Völlig falsch liegt er zwar nicht mit der Einschätzung, dass sein Mainzer Club häufiger Probleme mit den Schiedsrichtern hat als andere. Nur scheint ihm ein wenig der Blick auf die wahre Ursache dafür verstellt zu sein. Dabei müsste er den Blick nur so weit senken, bis er sich selbst sehen könnte.

Immer schade, wenn einstige Sympathen alles tun, um ihr Ansehen zu zerstören. Rumpelstilzchentänze an der Seitenlinie gehören da eher noch zur Folklore. Mit ruhigem Puls und zeitlichem Abstand in einem Interview bei Kaffee und Kuchen auf seiner verzerrten Wahrnehmung zu beharren, macht dann aber allem Wohlwollen den Garaus.

Immerhin ist nach Felix Magaths Abgang aus der Bundesliga wieder ein echter Fiesling im Rennen. Die Rollen der Daily Soap „Bundesliga“ wollen schließlich besetzt werden und bleiben selten vakant. Trotzdem: Wann fing das an, Thomas Tuchel, dass das Hirn immer häufiger streikte und nur noch derlei Verschwörungstheorien produzierte?

24 Kommentare

Die Freiheit nehm ich mir

Die vielen Diskussionen darüber, ob man Hoffenheim nicht mag, weil es kein „Traditionsverein“ ist oder weil man dort mit Geld hantiert, welches nicht der Verein selbst verdient hat, oder weil sie keine Fans haben oder was es sonst noch für Gründe gibt, denen entgegenargumentiert wird, kann man sich komplett sparen (was nicht heißt, dass man über all diese Faktoren nicht diskutieren sollte, nur eben mit anderer Zielsetzung).

Denn ob mir etwas gefällt oder nicht, hat sehr, sehr wenig mit rationalen Gründen zu tun. Insofern mögen die Gelder bei anderen Klubs aus ebenso zweifelhaften Quellen kommen, sie ebenso wenige Auswärtsfans mitbringen oder auch behaupten, sie setzten auf junge Talente aus der Region und tun es dann doch nicht.

Das ist irrelevant, denn die Gründe, warum ich Hoffenheim nicht mag, liegen an ganz anderer Stelle. Es ist das Getue des Chefs, der mit Kritik nicht umgehen kann, sich gleichzeitig aber z. B. im Sportstudio als großer Gönner geriert, es sind gerade die Argumente, mit denen versucht wird, mich zu überzeugen, dass man das „Projekt“ (alleine diese Vokabel schon für einen Fußballverein) doch wenigstens schätzen solle und es ist die provinzielle Dörflichkeit sowie die Gesichtslosigkeit des Kaders und seines Fußballs, die mich dazu bringen, Hoffenheim nicht zu mögen.

Und das Gute ist, für dieses Empfinden benötige ich keinerlei Argumente.

Wenn jemand genau gegenteilig verführe, bliebe mir immer noch das unanfechtbare Recht, diesen dann anderen Verein genauso wenig zu mögen. Offensichtlich übersehen viele, dass für Mögen oder Nichtmögen keine Argumente zählen. Gerade jene, welche stets betonen, dass der Fußball eine emotionale Angelegenheit sei. Am Ende des Tages ist es zwar überall nur ein Konstrukt, für das man möglichst seine Kohle, wenigstens aber seine Aufmerksamkeit einbringen soll, und kein Verein im klassischen Sinne mehr. Doch auch dort nehme ich mir die Freiheit, dass es mir eventuell gefällt — oder aber auch nicht.

Insofern kann man diese Diskussionen alle gerne führen, sie sind ja auch nötig, interessante Fragen rund um 50+1 werden aufgeworfen etc., und die basale Idee, seinen eigenen Jugendverein nach oben zu führen, bleibt ja auch liebenswert. Allein, an meiner Abgetörntheit von all dem Gebaren auf seiten Hoffenheims, am ganzen Erscheinungsbild und insbesondere an der auf Ralf Rangnick folgenden planlosen Personalpolitik, so wie es noch jeder x-beliebige andere von Mäzenen alimentierte Verein täte, wird das alles nichts ändern.

Es wäre schon allein deshalb sehr begrüßenswert, wenn dieser Bundesligastandort als Anlass für jene überflüssigen Überzeugungsversuche bald in der Versenkung verschwände.

18 Kommentare

Hammerschorschs ganz private Verehrer

Ich liebe es, wenn einzelne Spieler einen eigenen Fanclub haben, und nicht nur der Verein als Ganzer. Im Grunde ist es ohnehin äußerst merkwürdig, sich als Mensch zum Fan einer immateriellen, nonpersonalen Einrichtung zu machen. Wo es doch im Fußball immer um die Menschen geht, welche ihn ausüben. Warum also nicht Fan von ganz konkreten Spielern werden?

Jeff Strasser (!) hat solch einen eigenen Fanclub und heute lief mir dieser wirklich sehr schön gemachte und gepflegte Fanclub von Hans-Georg Drehsen bzw. Dreßen über den Weg. Von jenem Spieler Borussia Mönchengladbachs, welcher den Spitznamen „Hammerschorsch“ trug.

Passend heißt sein Fanclub dann auch „Vorwärts Hammerschorsch 2000 e. V.“. Sehenswert.

Insbesondere jener Teil ist lesenswert, in welchem die Mitglieder des Fanclubs auf ihr Idol stoßen und dieses sich entrüstet, dass die Webseite doch „mehr Verarschung als alles andere“ sei, gefällt sehr.

Immerhin lässt Hammerschorsch Dreßen sich vom Gegenteil überzeugen und posiert schließlich, wie es die Geste des Fanclubs erfordert, mit angedeutetem Schnörres zum Foto mit seinen größten Fans. Eine schöne Geschichte und wer würde bei dieser besonderen Betonung von Schnörres im Fußball nicht sofort an die Betreiber des fußballerischen Kleinods Zum Runden Leder denken?

Interessant übrigens auch die Vereinskarriere des so verehrten Dreßens:

82-89 Gladbach
89-90 Köln
90-91 Gladbach
91-92 Köln

So, nun aber auf zu Vorwärts Hammerschorsch 2000 e. V..

0 Kommentare

Als der Jupp noch kein Don war

Als Trainer aber, sagen ehemalige Spieler, soll Jupp einst extrem gewesen sein. Ein Beispiel: Unser damaliger Masseur hatte Jubiläum und Geburtstag. Eine Kultfigur in Gladbach. Aber an dem Tag, es war zur Zeit von Jupps erster Trainerstation bei der Borussia, hatte er gegen Leverkusen verloren. Er kam einfach nicht zur Feier, obwohl er ein guter Freund des Masseurs ist. Er war damals so verbissen, der konnte die Niederlage in Leverkusen nicht verkraften.“

Danach erwähnt der von der WELT befragte Gladbacher Fahrensmann Herbert Laumen allerdings auch, dass Jupp Heynckes sich inzwischen um 180 Grad gedreht hat, was aus hiesiger Sicht doch eher bedauerlich ist. Worüber soll man dann noch schreiben, wenn Jupp Heynckes plötzlich zum generösen Gentleman mutiert ist, der selbst nach der Niederlage im „Finale dahoam“ noch allen Masseuren und Kultfiguren freundlich zum Geburtstag gratuliert?

Wobei es ja auch viele Menschen hier im Blogosquarium gibt, die die Existenz dieses Wandels bezweifeln. Zumindest ist nun aber belegt, dass der frühere Heynckes nicht nur so wirkte, wie er wirkte, sondern auch so war, wie er dann wohl wahr war.

9 Kommentare

Friedhelm Funkel Moviestar

Der allseits im Fußballbusiness viel zu wenig respektierte Friedhelm Funkel verfügt über zahlreiche Talente, welche angesichts seines von Vielen als dröge empfundenem Auftreten nicht unbedingt zu vermuten sind. Er ist großer Karnevalist und auch großer Moviestar.

Einst war er „Superfunkel“, 2005 dann spielte er sich selbst als Trainer von Eintracht Frankfurt in einer Folge von „Ein Fall für Zwei“, leider nicht mehr mit Gerd Günter Strack. Und so wird das Kapitel „schauspielernde Fußballer“ nach dem ausgelutschten Kaninchen-Gag und des Zwanzigers Tatort-Ambitionen um diesen netten Schnipsel erweitert.



Zur Beruhigung: Der Drehbuchschreiber, der Friedhelm Funkel bei diesem Dialog die vollkommen ohne Sinn und Verstand verwendeten Worte „Aber die Wahrheit liegt auf dem Platz“ in den Mund legte, ist mittlerweile ausfindig gemacht worden und verbüßt seine gerechte Strafe.

7 Kommentare

Längste Serien an Bundesligaspielen ohne Niederlage

Spiele Club Zeitraum
36 Hamburger SV 1981/1982-1982/1983
31 Borussia Dortmund 2011/2012-2012/2013
27 FC Bayern München 1987/1988-1988/1989
25 FC Bayern München 1986/1987-1987/1988
24 Bayer Leverkusen 2009/2010

Selten genug, dass ein Bundesligarekord mal nicht vom FC Bayern München oder von Gerd Müller gehalten wird, war es erst in dieser Saison, dass die laufende Serie von Borussia Dortmund von einem gewissen Hamburger SV beendet wurde. Gleichzeitig ist der FC Bayern gerade auf dem Weg, den Rekord an wenigsten Gegentoren in einer Saison zu pulverisieren, und hätte es nicht das Katastrophenspiel zu Hause gegen Bayer Leverkusen gegeben, könnte auch dieser Rekord hier wackeln. So wird es aber erstmal wieder mindestens 12 Monate dauern, bis ein Angriff auf den nur vermeintlich ewigen Rekord des Hamburger SV gestartet werden kann. Und natürlich sind solche Rekorde nichts als eine nett zwischen zwei Mahlzeiten zu konsumierende Spielerei für nerdige Fußballliebhaber, die Beteiligten selbst interessieren sich hauptsächlich nur für Titel. Wobei Jürgen Klopps Reaktion nach der Niederlage in Hamburg da eventuell doch Anderes vermuten lässt … andererseits gibt es ja ohnehin keine Niederlage für ein Team von Jürgen Klopp, bei der er nicht demonstriert, wie sehr er Verlieren hasst.

6 Kommentare

„Guten Abend aus Mexiko City“ — das herrlich unerträgliche Schweigen der vibrierenden Drähte

„Guten Abend aus Mexiko City.“ Mehr als die fünf Wörter im Titel braucht es doch nicht, um Gänsehaut beim Zuhörer oder -seher zu erzeugen. Man mag mich alt(backen) schimpfen, aber mir ist jede Form von Marktschreierei am Kommentatorenmikrofon ein absoluter Gräuel. Mit dem verbreiteten Überbetonen jeder zweiten Paarung und jeder dritten Spielsituation, schlimmer Superlativitis und dem ständigen Heben der Stimme kann man mich wortwörtlich jagen, und zwar aus der Kneipe oder vom Sofa runter, weg von der Partie.

Als Kind sah ich Fußballspiele fast immer nur im TV, und selten im Stadion. Heute gehe ich unter Anderem deshalb lieber ins Stadion, weil dort garantiert kein Kommentator, keine Kommentatoren-Biene hyperventiliert, garantiert keine Zeitlupe fünf Mal hin- und hergewälzt und in obszöner Art so getan wird, als hätten sich nicht alle Beteiligten mit der Teilnahme am Spiel darauf geeinigt, dass ein fehlbarer, menschlicher Schiedsrichter die Entscheidungen treffen wird. Aber ich wollte nicht abschweifen.

„Guten Abend, hier ist Buenos Aires“ — und dann rauscht lange das Nichts, das Schweigen, zwischen Duisburg-Duissern und Buenos Aires vibrieren nur die Drähte, und die Spannung steigt ins Unermessliche, kaum noch auszuhalten, diese Anspannung, gemischt mit Vorfreude, aber auch Vorahnung einer denkbaren Niederlage, der Abend holt noch mal Luft, bevor er sich endgültig ins Getümmel dieser so oder so dramatischen Partie stürzt. Die Spannung steigt aber natürlich nur deshalb, weil es im Hirn des Empfängers von einer besonderen Wichtigkeit ist, wie diese Partie in Buenos Aires heute Abend/Nacht/Mittag ausgehen wird, und nicht, weil der Reporter hyperventiliert.

Er kann übertreiben und marktschreien, wie er will, dadurch wird eine Partie nicht großartiger oder spannender. Wenn „Guten Abend aus Belgrad“ nichts auslöst in den diversen Hirnregionen, dann kann auch ein herbeigeraunter Superstarstatus der Beteiligten nichts daran ändern, dass man sich für diese Partie eben nicht erwärmen kann.

Natürlich sind viele Spiele, die Reporter zu beschreiben haben, tatsächlich eher mau, auch in ihrer Bedeutung, und dennoch sollen sie ja ihr Produkt verkaufen. Schließlich wollen sie ihren Arbeitsplatz behalten. Zöge man also die 20 Prozent Marktschreierei um den eigenen Job ab, bliebe bei allzu vielen immer noch 80 Prozent zu viel des Rumgegröhles und Hochgejubels.

Für Spannung und Interesse benötigt es keinerlei Stars, Flutlichtspiele, Einlaufmelodien, ob von AC/DC oder von Beethoven, und es braucht auch keinerlei künstliche Aufregung in der Stimme des Reporters. „Ich melde mich aus Liverpool.“ und dann weiß man, dass es jetzt ernst wird und jede Sekunde der gesamten Spielzeit über Wohl und Wehe entscheidet. Man muss beim Kommentieren nicht gleich in Minimalismus verfallen und sich auch keine Huberty’sche Steifheit zurückwünschen.

Aber sich dessen bewusst zu sein, dass die Menschen an den TV- und sonstigen Empfangsgeräten selber wissen, wie wichtig oder nicht diese Partie ist, und darauf zu verzichten, mit aus der Tiefkühltruhe in Fips Asmussens Keller entwendeten Gags und vorgefertigen Metaphern das Spiel hochzufeuerwerken — das wäre schon schön.

Es knistert nämlich auch so.

13 Kommentare

Philipp Lahm: „Der feine Unterzzzzz…

Sollte sich jemand gefragt haben, ob es sinnvoll ist, dass ein nicht mal 30-Jähriger, nicht durch übertriebene Helligkeit oder Mut zum offenen Wort aufgefallener Fußballer ein Buch schreiben lässt, dann ist diese Überlegung mit dem Erscheinen von Philipp Lahms „Der feine Unterschied“ hinfällig. Die Antwort lautet: Nein.

16 Kapitel hat er sich — wahrscheinlich in wörtlicher Rede, von Christian Seiler in Schriftform gepackt — aus dem Gedächtnis geleiert und dabei sind gerade vier wirklich lesenswert. Das ist jenes, in welchem er über die Gründung seiner Stiftung nach einem Aufenthalt in Südafrika abseits des Protokolls berichtet. Dazu jenes, in welchem er von seiner ersten längeren Verletzung schreiben lässt, das bekannte, von dem Besuch des sich in ihn verliebt Habenden erzählende und eventuell noch jenes Kapitel zu seinem nicht autorisierten Interview mit der SZ.

Grundsätzlich krankt das gesamte Werk daran, dass Lahm eben nicht erklärt, wie man Fußballer wird. Er erklärt lediglich, was ihm passiert ist, während er es wurde und während er es ist, aber nicht warum die Dinge diesen Lauf nehmen. Was natürlich daran liegen könnte, dass das niemand erklären kann, ohne solche Konstrukte wie Schicksal oder Zufall zu bemühen. Schade, dass Lahm, wie auch der olle Kahn, stets in diese Falle tappen, den mehr oder weniger zufälligen Ausgang von Ereignissen ihren eigenen Entscheidungen zuzuschreiben und damit später auf „Managerseminaren“ die Menschheit zu nerven. Immerhin hat Philipp Lahm den Titel nicht ausgewählt. Bei der dafür verantwortlichen Dame bedankt er sich im Vorwort des Buches. Wer einen etwas gescheiteren, aber auch etwas gescheiterteren Fußballprofi über sein Wirken, seine Machtlosigkeit, seine Entwicklung im Profifußball reden hören möchte, dem sei dringend zu „Tom meets Zizou“ über Thomas Broich geraten.

Sachliche Fehler im Buch muss sich wohl eher das Lektorat ankreiden lassen. Löws Singsang ist bei Lahm „schwäbisch“, er nennt die Engländer einmal im Fußball „die Briten“ und Franck Ribéry, geboren und aufgewachsen in Boulogne-sur-Mer, attestiert er eine „südländische Mentalität“, obwohl Boulogne-sur-Mer auf der selben Breite wie Portsmouth, Köln und Dresden liegt. Das wäre nicht der Rede wert, wenn es nicht darüber Auskunft gäbe, wie Worthülsen gerne mal Realitäten erzeugen. Ein Nord-Nord-Franzose ist bei Lahm ein „Südländer“ — was ist er selbst aus dem 400 Kilometer weiter südlich gelegenen München dann? Ein Pinguin steht zu vermuten.

Denn Pinguine können nicht so gut reflektieren, und in diesem Buch, das als Ratgeber verpackt ist — wer hat sich das nur ausgedacht? — erzählt Lahm fleißig an der seinigen Realität entlang. Das ist für all jene ermüdend, welche all die Länderspiele und Bayernspiele selbst gesehen haben, die Lahm nacherzählt. Denn wenn es eine Erkenntnis aus Lahms Schilderungen dieser Spiele gibt, dann jene, dass Fußballer tatsächlich nichts denken, während sie spielen, und Trainer tatsächlich nur Platitüden in der Pause absondern à la „Konzentriert Euch!“ oder „Wollt Ihr ins Finale? Dann zeigt es auch!“. Was alles so weit in Ordnung ist, nur hätte man diese Banalitäten eben nicht in einem Buch aufschreiben müssen.

Während des Elfmeterschießens gehen Spielern wie Lahm folgende Gedanken durch den Kopf: „Der geht rein, rein, REIIIIIN [sic]. Den hält er, hält er, NEINNNN [sic], doch nicht.“ Derartige überwältigende introspektive Einsichten sind durchaus mal 20 Euro im Originalpreis wert.

„Seit ich beim FC Bayern spiele, hatte ich nie 3 Spiele in Folge verloren.“ Lahm nach 3 Niederlagen in Folge.

Hat er ein Tor verschuldet, so zum Beispiel im EM-Finale 2008 wie auch im Halbfinale zuvor, räumt er dies freimütig ein, was Philipp Lahm wirklich ehrt. Noch mehr würde es ihn allerdings ehren, wenn er nicht sofort ein „aber die anderen“ nachschieben würde. Wenn er nicht sofort im Duktus des großen Fußballverstehers erklärte, dass solche Gegentore immer die Verkettung ganz vieler Fehler auch anderer Spieler seien. Womit er natürlich prinzipiell Recht hat, und doch will sein Schuldeingeständnis klingen wie das eines, naja, Unter-30-Jährigen, was er, siehe da, tatsächlich auch ist.

Zu Philipp Lahms Verteidigung darf man vorbringen, dass er, was doch wirklich überrascht, zur Zeit der WM 2010 gerade mal 26 Jahre alt war. Weshalb auch mein Tweet von letztens Gültigkeit behält, dass er mit dem Buch wenigstens bis nach dem Ende seiner Karriere hätte warten sollen. Dann wäre etwas mehr zu erzählen gewesen und er hätte eine größere Distanz dazu, vielleicht wäre ihm sogar der eine oder andere lesenswerte Gedanke bis dahin gekommen.

So ist das Buch auch deshalb extrem wenig erhellend zu lesen, weil er außer dort, wo es sich nicht vermeiden lässt — Völler bei der EM 2004, Magath, Hitzfeld, Klinsmann, van Gaal als die in Frage kommenden Trainer — keine Namen nennt. Bei der EM 2008 soll schlechte Stimmung im Team geherrscht haben, Streitereien, vergebliche Aussprachen, man sei sich nicht besonders grün gewesen. Aber Namen fallen keine. Einerseits wiederum ehrenvoll, andererseits dann auch ein überflüssiges Buch.

Böse Zungen behaupten, Lahm habe das Buch vor allem deshalb schreiben lassen, um der Frage zu begegnen, dass er schwul sei. Das hätte er auch kürzer haben können, mit einem öffentlichen Brief à la Arne Friedrichs Freundin. Der Rest ist bis auf die vier genannten Kapitel reinste Nacherzählung von Ereignissen, die jeder selbst am TV gesehen hat — ohne dass sich irgendein Mehrwert ergibt. Mal abgesehen davon, dass Lahm immer wieder mal heult, wenn er verletzt wird oder ausgewechselt oder Beides. Aber selbst das ist ja seit dem TV-Interview nach dem Halbfinal-Aus 2010 gegen Spanien keine neue Erkenntnis mehr. Und ja, das ist uns allen am Ende lieber, dass einer heult, als wenn er keine Regung bei einem Misserfolg zeigt.

„Der FC Bayern ist der einzige deutsche Verein, der die Champions League gewinnen kann.“

Die wenigen Sympathien, die er damit sammelt, zerstört er allerdings wieder, indem er sich ausgiebig dem ebenfalls von seinen Äußerungen bekannten Phänomen der kognitiven Dissonanz hingibt. (Man denke an seine Aussage nach dem 2:5 im Pokalfinale gegen Dortmund, als er sicher war, dass sein Team die „bessere Mannschaft“ gewesen sei.) Als Schalke 5:2 in Mailand gewinnt, schaltet er zur Halbzeit den Fernseher aus, weil er es nicht erträgt, dass eine „schlechtere Mannschaft“ als die seinige gegen Mailand gewinnt. Diese kognitive Dissonanz ist für einen Profi sicher gesund, als nach außen getragene Realitätsverweigerung aber seinem Image eher wenig förderlich.

Seine Ausführungen zur Europa League machen gar beinahe die Wiedereinführung der Prügelstrafe zu einem akzeptablen Tagesordnungspunkt. Froh sei man im gesamten Club gewesen, als man 0:4 in St. Petersburg verlor, dass dieser ungeliebte Wettbewerb endlich zu Ende sei. Als man in Braga antrat und Werder zeitgleich gegen Real Madrid spielte, habe man sich kaum motivieren können, denn: „Der FC Bayern ist ein Champions-League-Verein.“ Und seiner Auffassung nach werden Gruppendritte der Champions League in die Europa League „strafversetzt“. Man wünschte sich wieder und wieder Saisons, in denen der unmotivierte kleine Bengel aus der Vorstadt von nun an ständig in der Europa League antreten muss, auf dass er Demut gegenüber dem Fußballsport lerne.

Der FC Bayern ist aber ohnehin der tollste Verein überhaupt, das quillt an allen Ecken und Enden aus dem Buch heraus. Was natürlich einer, der gerade mal bei einem anderen Club (VfB Stuttgart) gearbeitet hat, am allerbesten beurteilen kann. Bei all den Zeilen sieht man Lahm förmlich vor sich, wie er die Dinge seinem Texter mündlich erzählt, wie er dabei bübisch lacht und strahlt, wenn er von seinen Erfolgen erzählt und wenn er in Schlaumi-Schlau-Manier den Fußball erklärt, gerade so, wie man es aus seinen Interviews kennt. Und wie man es aus seinen Interviews kennt, dass da nichts an Wort- oder Gedankenwitz aufblitzt, auch keinerlei Befähigung zur Betrachtung von außerhalb, so ist auch das komplette Buch ein ermüdendes Nichts, ein stating-the-obvious auf 265 Seiten.

Um es mit dem Titel des 11. Kapitel dieses Buches auszudrücken, der da, nur echt ohne Fragezeichen, lautet: „Wie geil ist das denn …“ — leider gar nicht.

17 Kommentare

Save the date(s) — die nächsten Lesetermine in Köln, Stuttgart, Wiesbaden, München, Berlin und Bremen

UPDATE: Die aktuellen Termine finden sich hier: Lesetermine!

Wenn es hier in letzter Zeit nicht mehr ganz in der altbekannten Frequenz vor sich ging, dann hat das mehrere Gründe, von denen die meisten Positives an anderer Stelle bewirken.

Einer zum Beispiel war der hier erläuterte, eine andere Spielerei der Extraklasse wird in Kürze auf dieser Seite implementiert werden — und dann waren da auch noch die Vorbereitungen für weitere Lesetermine, was als Einmann-Betrieb immer etwas mehr an Zeit erfordert, als wenn man von Proffis (O. Hitzfeld) den Rollstuhl geschoben bekäme.

Herausgekommen sind die folgenden bundesweiten Termine für die Lesung „Drama Queens in kurzen Hosen“, andere werden folgen und sind ebenfalls schon in Arbeit. Also, save the date für die jeweils passende Region im eigenen Terminkalender und schwupps alle Freundinnen und Freunde zum Abend mit Trainer Baades Drama Queens eingeladen.

Kommende Termine

Köln Do, 28.2.2013, 20h Kalk für alle, Kalk-Mülheimer Str. 61
Beim Facebook-Event anmelden
Stuttgart Mi, 20.3.2013, 20h Libero, Olgastr. 137
Beim Facebook-Event anmelden
Wiesbaden So, 24.3.2013, 20h Café Klatsch, Marcobrunnerstr. 9
Beim Facebook-Event anmelden
München Do, 18.4.2013, 20h Stadion adSS, Schleißheimer Str. 82
Beim Facebook-Event anmelden
Berlin So, 5.5.2013, 20h Schwalbe, Stargarder Str. 10
Bremen Mi, 29.5.2013, 20h Eisen, Sielwall 9

Der Termin in Berlin am 5. Mai findet am Vorabend der diesjährigen re:publica statt, welche am 6. Mai beginnt — vielleicht also auch für den einen oder anderen interessant, der ohnehin plant, dorthinzufahren und einen Abend früher in der Hauptstadt aufzuschlagen.

Ich freu mich auf you, me, everybody!

Hier zur ausführlichen Übersicht.

7 Kommentare

Neue Offenheitsoffensive bei den ÖR

„Wir sind alt …

… belästigen Sie uns also bitte nicht mit Fakten, wo es auch Emotionen tun.“

Man kann nur beten (was bekanntlich nicht hilft), dass es in diesem neuen Kalenderjahr nicht wieder zu einem Taliban-der-Fans-Vorfall im Zusammenhang mit Ahnungslosigkeit in einer der „Schwätzschauen“ kommt, wie sie mit diesem Plakat beworben werden.

Reines ÖR-Bashen ist natürlich langweilig, billig und platt. Wie platt, langweilig, billig, verantwortungslos, aufhetzend und eine Schande fürs menschliche Gehrin ist dann aber erst reines Fan-Bashen, wenn man anders als auf dieser Seite hier dort den Hebel mit der längeren Reichweite zur Verfügung hat? „Wir sind Talk“, lautet der Originalslogan des Plakats, und man kann nur seufzen: „Ja, leider“.

PS: Vorsorglich angemerkt: Wie „alt“ man in diesem Kontext ist, findet sich nicht auf der Geburtsurkunde. Die Bereitschaft, mehr oder weniger vielschichtige Sachverhalte zu erfassen und ihrer Komplexität angemessen abzubilden, ist hier gemeint. Grundlegende Einführung hier.

1 Kommentare

Pakt mit dem Teufel oder profane Gottlosigkeit?

Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, dass man dort mit dem Teufel paktiert — oder, wenn man länger drüber nachdenkt, eben gerade nicht mit dem Teufel paktiert — so sollte die Information, dass der Staat Vatikanstadt das einzige Land des Planeten darstellt, welches über keinen eigenen Fußballplatz verfügt, einen Haken hinter dieses Fragezeichen machen.

Allerdings, da kommt der Teufel dann doch wieder ins, ähem, Spiel, betreibt man in dem Land Vatikanstadt eine eigene Fußballliga mit 16 Teams. Deren Begegnungen werden auf einem zu Italien gehörenden Fußballplatz in Rom ausgetragen. Auf dem eigenen Staatsgebiet existiert keinerlei Freiraum, um einen Fußballplatz zu errichten.

Auf eigenem Herrschaftsgebiet lässt man also keine anderen überirdischen Wesen walten, und sei es nur der Fußballgott.

7 Kommentare

„Ich brauche mehr Details“

In der Liste der Nonsense-Informationen, mit denen uns Berichterstatter von Fußballspielen gerne in Ermangelung substanzvoller Aussage(möglichkeiten?) überschütten, ist ein besonderes Bonbon die meist beschwörend hervorgepresste Äußerung, dass ein bestimmter Spieler, während er an einer bestimmten Stelle in der Nähe des gegnerischen Tores den Ball erhält, von „genau dieser Position gegen YXZ auch getroffen“ habe.

Was soll uns diese Information an Erkenntnis, Erleuchtung, Erhellung oder Erheiterung bringen? Doch wohl höchstens Letzteres.

Denn erstens hat die Tatsache, dass ein Fußballspieler von einer bestimmten Position aus ein Tor erzielte, nur so viel mit der aktuellen Spielsituation zu tun, dass es also ganz grundsätzlich im Verhaltensrepertoire dieses Menschen enthalten ist, von dieser Position aus aufs Tor zu treffen. Das aber, würde man meinen, sollte auf jeden Fußballer zutreffen, der damit Geld verdient. Sogar auf Jürgen Kohler, Berti Vogts und zur Not Christoph Metzelder.

Zweitens hat die Tatsache, dass irgendwann einmal von dieser Position aus getroffen wurde, keinerlei Aussagekraft für die aktuelle Spielsituation. Die Wahrscheinlichkeit zu treffen, ist immer gleich hoch, ganz egal, wie oft und wann er von dort aus vorher bereits getroffen hat.

Drittens gibt es beim Toreschießen ohnehin nur grob gerechnet 12 verschiedene Positionen, von denen aus man treffen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Positionen gleichen, von denen ein Spieler aus trifft, ist ebenfalls immer gleich hoch, und bei nur 12 möglichen Wahlergebnissen eben per se sehr hoch.

Aber die 90 Minuten wollen ja gerne gefüllt worden, so dann also auch mit dem Aufschrei, dass der gerade im Ballbesitz befindliche Spieler vor 2 Wochen aus der selben Position schon einmal getroffen hat. Meist passiert danach dann aber überhaupt nichts auch nur annähernd Ähnliches wie vor 2 Wochen und der Schütze schießt einfach vorbei.

9 Kommentare

Unlucky boys of red

Morrissey vermisst sie.



6. Februar 1958.

0 Kommentare

„Auf Asche“ — Anthologie mit einem Text von Trainer Baade

Im April 2013 wird die Anthologie „Auf Asche“ mit dem Untertitel „Unwiderstehliche Bolzplatz-Erinnerungen“ im Verlag Die Werkstatt erscheinen.

Auf 160 Seiten erzählen diverse dem Fußball nahestehende Autoren jeweils eine Geschichte von ihren eigenen Erlebnissen beim Fußballspielen, ganz urtümlich auf rauer, roter Asche und natürlich fernab der Stadien des Profifußballs.

Die Herausgeber Ben Redelings und Sascha Theisen baten mich, zu dieser Sammlung ebenfalls einen Text beizusteuern. Eine Bitte, der ich liebend gerne nachkam, ohne damals zu ahnen, in welch namhafte Gesellschaft ich mich damit begeben würde.

Frank Goosen, Ronald Reng, Michael Wildberg oder Uli Hesse dürften wohl jedem Fußball-Interessierten ein Begriff sein, dazu dann ein kleines Geschichtlein aus meiner Zeit als aktiver Hobbyfußballer, nicht wirklich auf Asche, aber doch im selben Kontext.

Auf welchem Belag ich während jener Geschichte antrat, was dabei geschah und was die besonderen olfaktorischen Reize einer derartigen fußballsportlichen Veranstaltung so alles bewirken, liest man ab April in jenem Werk, dessen Erlös komplett wohltätigen Zwecken zugeht.

Ich bin selbst höchst gespannt, was die anderen Autoren zu erzählen haben und bin zudem geradewegs glücklich, in dieser Runde mit am Ball sein zu dürfen. Die Vorfreude auf dieses Werk kann man nun also noch knapp zwei Monate lang genießen.

Alle Infos zum Buch „Auf Asche“ auf den Seiten des Verlags Die Werkstatt.

6 Kommentare

Wie viel muss ein Profi trainieren?

70 Minuten am Tag.

Sagt Gerhard Tremmel im Interview bei SPON. Damit fühle er sich so fit wie noch nie in seinem Leben. Nun ist ein Torhüter kein Mittelfeldmotor, der 14 oder mehr Kilometer in 90 Minuten zurücklegen muss. Bezahlt wird er aber ebenfalls wie ein Profi. 70 Minuten am Tag, das macht der eine oder andere Berufstätige nebenbei, wenn er für einen Marathon trainiert. 70 Minuten am Tag und dann Feierabend — so muss das mit dem Schlaraffenland gemeint sein.

(Dank an LizasWelt.)

4 Kommentare

Nicht Breitners eigene Worte

Heute redet und redet er, auch wenn er nicht gefragt wird. Damals traute man ihm das nicht unfallfrei zu, da nahm man lieber jemand anderen, der für ihn redete.

Paul Breitner wurde in „Potato Fritz“ nämlich synchronisiert — auf deutsch, wenn der unten stehende Trailer zu seinem einzigen Film nicht täuscht.

An seinem bairischen Idiom wird’s wahrscheinlich nicht gelegen haben, woran aber dann?


Entgegen der landläufigen Meinung spielt Paul Breitner in diesem Film nicht den „Potato Fritz“, sondern einen gewissen Sergeant Stark. Interessant auch eine der Kritiken zum Film: „Ein Mystery-Comedy-Western, der seine im Grunde ganz witzig angelegte Kartoffelphilosophie selbst nicht begreift.“ Da war Breitner ja ganz gut aufgehoben in diesem Streifen.

5 Kommentare

Ein bisschen Liebe mit jedem Pass

Schon mal in einer Konstellation Fußball gespielt, die nicht zusammenpassen wollte? Der Nebenmann spielt nie ab, egal, wie sehr man freisteht? Und bei solcher Gelegenheit ein ungutes Gefühl mit nach Hause genommen? Damit ist man nicht allein — und es ist auch weder Einbildung noch besondere Empfindlichkeit am Werke, wenn man dieses schäbige Gefühl der systematischen Ausgrenzung selbst bei etwas Profanem wie dem Fußball wahrnimmt und gar darunter leidet. Man kennt schließlich auch das Gefühl, wie gut eine Niederlage zu ertragen ist, wenn die Zusammenstellung der Spieler passt, man ausreichend ins Spiel eingebunden wird und weiß, dass auch dann das nächste Zuspiel folgen wird, wenn man zuletzt Murks gespielt hat.

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Liebeskummer für ähnliche körperliche und geistige Zustände sorgt wie bei einem Drogenentzug. Die partnerschaftliche Liebe nach westlich geprägtem Muster ist also auch physisch eine Form der Abhängigkeit. Und es geht noch darüber hinaus: Schon von seinen sonstigen Mitmenschen geschnitten zu werden, führt zu Ausschüttung der selben Stresshormone wie beim Erleben von Liebeskummer — nur in geringeren, nicht schlaflose Nächte bereitenden Dosen.

Doch für eine spürbare Missstimmung reicht es schon aus, wenn eine Gruppe von Menschen eines ihrer Mitglieder schneidet. Zum Beispiel, indem das Opfer bei Ballspielen einfach nicht mehr angespielt wird. Der Liebeskummer, Verzeihung, das Gefühl der Ausgrenzung, Zurückweisung manifestiert sich also auch schon bei solchen eigentlichen Nichtigkeiten.

Die Aktivität im für Schmerz und sozialen Stress zuständigen ACC beschäftigt auch Naomi Eisenberger und ihre Kollegen am Psychologischen Institut der Universität in Los Angeles. In ihren Studien lässt sie Probanden glauben, sie spielten ein Computer-Ballspiel mit anderen. Plötzlich spielen diese ihnen den Ball nicht mehr zu, die Studienteilnehmer werden ausgeschlossen. Schon in diesem Fall eher sanfter Ausgrenzung zeigten die Teilnehmer starke Aktivität im ACC und im rechten Frontallappen. Beide waren bisher vor allem dafür bekannt, bei körperlichen Schmerzen regulierend einzugreifen.

Auf den Fußball gemünzt bedeutet dies, dass man seinen Mitspielern nicht nur einen Gefallen tut, wenn man ihnen einen Pass zuspielt, weil sie dann den Ball erhalten. Bedeutet nicht nur die Möglichkeit, das eigene Spiel voran und zum Erfolg zu bringen. Es bedeutet auch, dass man dem Mitspieler signalisiert, dass er zur Gruppe gehört, dass er akzeptiert ist und damit auch, dass man ihn mag. Jedenfalls ausreichend mag, um ihn eben nicht zu schneiden.

Ein kleines bisschen Liebe also mit jedem Pass an den Mitspieler — oder zumindest die Sicherung der Abwesenheit negativer Gefühle, körperlicher Schmerzen gar. Kein Wunder also, dass beim FC Barcelona im Team so gute Stimmung herrscht. Bei jenen Passfestivals, welche die Spieler in jeder Partie zelebrieren, versichert man sich ausreichend oft und häufig der gegenseitigen Zuneigung. Was sicher auch gegen das Auftreten von „Neid und Missgunst“ schützt.

Es ist offenbar nicht der Erfolg allein, der zusammmenschweißt, sondern auch der Weg, wie man dorthin gelangt. Und ebenso natürlich, dass der Egomane Zlatan Ibrahimovic in einem solchen Ensemble voller liebevoller Passgeber nicht funktionieren konnte.

Faszinierend auch, wie unmittelbar sozial wirksam die Ausübung von Teamsport auf seine Teilnehmer ist. Und womöglich auch der Grund, warum Teamsport so viel beliebter ist als Einzelsportarten. Nicht umsonst gilt die Einzelhaft als eine Steigerung der Bestrafungsform. Zum Eremiten eignen sich nur die allerwenigsten. Viel lieber erhält man doch immer wieder die Versicherung durch andere Menschen, dass man gemocht wird.

Und sei es nur durch die kleine Aufmerksamkeit eines Anspiels auf dem Fußballplatz.

3 Kommentare