29. März 2013
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Häufigkeit Auswärtstorregel in der Champions League

Seit der Saison 2003/2004 erst gibt es durchgehend ein Achtelfinale in der Champions League und keine Zwischenrunde mehr, weshalb es sich anbietet, nur die Daten von jenem Zeitpunkt an daraufhin zu untersuchen, ob sich die letztens mal wieder aufgeworfene Debatte über die Änderung der Auswärtstorregelung überhaupt lohnt. Natürlich nur deshalb aufgeworfen, weil mit Arsenal gegen Bayern eine deutsche Mannschaft daran beteiligt war und dem zugehörigen Redakteur allgemein eher langweilig war und er (oder sie) auch nicht die nicht mal 30 Minuten Recherche aufbringen wollte, wie häufig dieser Fall überhaupt eintritt.

Die Antwort ist einfach, bei (8+4+2=) 14 Entscheidungen pro Jahr, das Finale ist ja nur eine einmalige Begegnung, machen für diese 9 komplett gespielten Saisons also 126 Entscheidungen, von denen wie unten zu sehen ist, 14 auf eine andere Art (aber nicht zwingend mit einem anderen Ergebnis) entschieden worden wären. Dass der Wert somit knapp 11 Prozent der Entscheidungen erreicht, hätte ich nicht gedacht, auch wenn Saisons wie 2008 vorkommen, in denen die Auswärtsstorregel überhaupt nicht zum Tragen kommt.

Somit täuschte dieses mal das Bauchgefühl, dass man da irgendwie Inhalte erzeugen möchte, weil die Paarung selbst nichts hergibt. Über einen Entscheidungsfindungsweg, welcher in mehr als 10 Prozent der Fälle zum Tragen kommt, kann man durchaus mal nachdenken. Hier hätte man ohnehin nichts gegen Wiederholungsspiele einzuwenden, aber das ist nicht nur utopisch, sondern bietet ja auch wieder die Frage danach, ob das Ganze an einem neutralen Ort oder bei der Mannschaft ausgeführt wurde, welche zuletzt Heimrecht genosss.

2012
Achtelfinale
Olympique Marseille – Inter Mailand 1:0
Inter Mailand – Olympique Marseille 2:1

2011
Achtelfinale
Inter Mailand – FC Bayern 0:1
FC Bayern – Inter Mailand 2:3

2010
Achtelfinale
FC Bayern – AC Florenz 2:1
AC Florenz – FC Bayern 3:2

Viertelfinale
FC Bayern – ManchesterUtd 2:1
Manchester Utd – FC Bayern 3:2

2009
Achtelfinale
Atletico Madrid – FC Porto 2:2
FC Porto – Atletico Madrid 0:0

Halbfinale
FC Barcelona – FC Chelsea 0:0
FC Chelsea – FC Barcelona 1:1

2008
-

2007
Achtelfinale
FC Barcelona – FC Liverpool 1:2
FC Liverpool – FC Barcelona 0:1

Inter Mailand – FC Valencia 2:2
FC Valencia – Inter Mailand 0:0

Real Madrid – FC Bayern 3:2
FC Bayern – Real Madrid 2:1

2006
Achtelfinale
Werder Bremen – Juventus Turin 3:2
Juventus Turin – Werder Bremen 2:1

Glasgow Rangers – FC Villareal 2:2
FC Villareal – Glasgow Rangers 1:1

Viertelfinale
Inter – FC Villareal 2:1
FC Villareal – Inter 1:0

2005
Halbfinale
AC Mailand – PSV Eindhoven 2:0
PSV Eindhoven – AC Mailand 3:1

2004
Viertelfinale
Real Madrid – AS Monaco 4:2
AS Monaco – Real Madrid 3:1

Natürlich könnte man jetzt noch mehr mit den Daten anfangen: Ist die Anwendung dieser Regel in höheren Spielrunden häufiger und deshalb dann vielleicht gerade dort doch Änderungsbedarf, wo die allerletzten Entscheidungen fallen? Ist die Häufigkeit größer als in der Europa League, wo viele Klubs — nur als Hypothese — sportlich weiter auseinanderliegen? Und so weiter, aber das erfolgt hier und heute jetzt nicht und für einen kurzen, lohnenswerten Überblick sollte es so ausreichen.

29. März 2013
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Stallgeruch satt und genug

Wenn man nach Wiesbaden fährt, lernt man eine ganze Menge über einen seit 1945 schwelenden Konflikt um die politische und administrative Zugehörigkeit dreier rechtsrheinischer — eigentlich: — Mainzer Stadtteile zu Wiesbaden, welche auch heute noch das „Mainz-xyz“ in ihrer Bezeichnung tragen. Im Laufe der Jahre ergaben sich dabei unterschiedliche Vor- und Nachteile für die Bürger und die beiden Städte, so dass weiterhin der Status Quo erhalten bliebt, welchen ein amerikanischer Offizier im September 1945 aus dem profanen Grund festlegte, dass der Rhein die natürliche Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz bilden sollte: Alle rechtsrheinischen Gebiete gehören administrativ zu Wiesbaden, dürfen aber weiterhin das „Mainz-“ in ihrem Namen tragen. Alles was linksrheinisch ist, ist somit Mainz und gehört erschwerend damit zu Rheinland-Pfalz und nicht zur hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Einen Namen trägt dieser Konflikt auch, er wird dort nach den Anfangsbuchstaben der drei betroffenen Stadtteile „AKK-Konflikt“ genannt. Eine ähnlich anachronistisch anmutende Auseinandersetzung wie jene um die Wiedereinführung lokal begrenzterer, früherer KFZ-Kennzeichen oder überhaupt diese Konflikte um von außen betrachtet als marginalst empfundene Mentalitätsunterschiede. Aber dennoch ist es ein interessantes Phänomen, insbesondere, wenn man von solchen Vorgängen sonst nur an der Grenze zur Schweiz oder nach Holland Kenntnis erlangte, nicht aber mitten im, naja, im Herzen von Europa und somit auch von Deutschland.

Einer dieser drei Stadtteile, die in Wiesbaden liegen, aber mental zu Mainz gehören, ist Mainz-Kastel. Die anderen beiden heißen Amöneburg und Kostheim. Jeweils auch mit dem Mainz- davor, so dass auf den Ortseingangsschildern die Mammutkonstruktion von der „Landeshauptstadt Wiesbaden Stadtteil Mainz-Kastel“ zu lesen ist. Der für unsere Zwecke berühmteste Sohn dieses so zerrissenen Stadtteils Mainz-Kastel ist ein Mann namens Bruno Hübner. Und dieser trat aufgrund seiner langjährigen Vereinszughörigkeit zum lange Zeit eher unterklassigen SV Wehen wohl für die meisten erst mit seinem Wechsel als Manager zu Eintracht Frankfurt in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Tatsächlich begann seine Karriere aber als aktiver Fußballer beim 1. FC Kaiserslautern, für den er in 76 Partien immerhin 19 Tore erzielte und sogar im UEFA-Cup (als man diesen noch ernstnahm) gegen Real Madrid zum Einsatz kam. Real Madrid — und wenig später beendete er im zarten Alter von 25 Jahren seine Profikarriere wegen einer Verletzung und schloss sich dem SV Wehen an. Welcher damals in der Kreisklasse spielte. Von 1986 bis 1995 war Bruno Hübner noch für den SV Wehen aktiv, mit ihm als treffsicherem Stürmer stieg der Verein bis in die Landesliga auf. Später arbeitete er als ehrenamtlicher (!) Präsident des Vereins und als Trainer des Teams. Es ist schwierig jemanden zu finden, der den Stallgeruch eines aus der Bundesliga kommenden Spielers überbietet, welcher noch 11 Jahre in den untersten Klassen rumgurkte, Trainer, Manager und Präsident seines Clubs ist bzw. war.

2007 führte Bruno Hübner den SV Wehen als Manager erstmals in die 2. Bundesliga. Es fallen einem wohl nur ganz wenige andere Menschen ein, die so sehr mit einem Verein verheiratet waren, wie Bruno Hübner mit dem SV Wehen. Gefeuert wurde er dann trotzdem aufgrund von „Differenzen“ mit dem Präsidium und sein Weg führte ihn über den MSV Duisburg, mit Pokalfinalteilnahme, zu Eintracht Frankfurt, wo er eventuell einen Champions-League-Qualifikanten oder Europa-League-Teilnehmer zusammengebaut hat. Alle Hüte ab vor Bruno Hübner, der sich nicht davon schocken ließ, dass er trotz einem überbordenden Stallgeruch in genau diesem Club, aktiv als Spieler, Trainer, Präsident und Manager seit 1986, gefeuert wurde.

Wer sich aktuell über das informieren will, was aus dem wird, was Bruno Hübner zu nicht geringen Anteilen in Wiesbaden aufgebaut hat, kann das übrigens stets beim Stehblog tun, welches sich dem SV Wehen Wiesbaden verschrieben hat. Um Bruno Hübner zu verfolgen, sollte man sich an Blog-G wenden, angesichts seines Karrierverlaufs reichen aber inzwischen auch die klassischen Sportteile ohne besonderen Vereinsfokus. Denn offensichtlich hat er in all den Jahren seines Wirkens sehr gut aufgepasst, was ihm nun außerordentlich zugute zu kommen scheint. Wie lange läuft eigentlich Hübners Vertrag noch in Frankfurt?

27. März 2013
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Für einen Coach ist das der Tod

Jörg Berger schrieb/ließ schreiben in seinem Buch „Meine zwei Halbzeiten“, mit dem Titel Bezug nehmend auf seine Republikflucht aus der Deutschen Demokratischen Republik und seinem weiteren Leben in der zunächst alten, später dann neuen Bundesrepublik Deutschland:

Es wurden Gerüchte gestreut, ich sei schwul — ausgerechnet ich! Für einen Spieler und erst recht einen Coach ist das der Tod.

22. März 2013
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Der unsichtbare Dritte

Brüderpaare gab es zwar schon einige in der Bundesliga, doch drei Brüder waren es nur zwei Mal einmal, welche allesamt den Sprung in den Profifußball schafften. Dieses Kunststück bewerkstelligten einerseits die drei Täuber-Brüder, andererseits die Sprößlinge eines ganz besonderen Fußballclans im deutschen Fußball, auch wenn der dritte, äußerst unbekannte der drei Brüder für nur wenige Spiele bei einem Zweitligaclub vor den Ball trat und sich ansonsten anders entschied.

20. März 2013
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Wodka-Wetttrinken und Champagner-Unfall

Stichwort Stuttgart. Der langjährige Präsident des VfB Stuttgart, der mit allen Wässerchen gewaschene Gerhard Mayer-Vorfelder, wurde kürzlich 80 Jahre alt, wie sicher niemandem entging.

Auf der Webseite des offziellen VfB-TVs ließ man sich nicht lumpen und karrte damalige Weggefährten vors Mikrofon. Eigentlich wohl für eine kleine Laudatio, doch es kommt dann ein wenig anders. Jürgen Sundermann zum Beispiel, gleich 3x für insgesamt 6 Saisons Trainer beim VfB, erinnert sich höchst lebendig, wie es war, als der einstige Zweitligist VfB Stuttgart den Wiederaufstieg schaffte oder man im Europapokal in Moskau antrat.

So frei von der, ähem, Leber weg redet man wohl auch nur, wenn man an der Spitze der Alterspyramide angekommen ist. „Einmalig“ nennt Wundermann Sundermann seine Erlebnisse mit Gerhard Mayer-Vorfelder und die Begeisterung schwingt immer noch mit. Anderen würde man eventuell ein wenig galanter zum Geburtstag gratulieren — bei MV scheint diese Art stimmig zu sein.

Hier die ausschweifenden Anekdoten im Beitrag beim VfB-TV selbst anhören.

(Mit Dank an Finder Yensinho.)

18. März 2013
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Die Stimme von Jean-Luc Picard ist tot

Die Stimme von Jean-Luc Picard ist tot, das heißt, sein deutschsprachiger Synchronsprecher. Rolf Schult verstarb vor wenigen Tagen in München. Die Stimme von Bitburger ist damit auch Geschichte. Dachte ich zunächst. Doch wie sich herausstellt, ist die Stimme von Jean-Luc Picard aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Stimme des Bitburger-Spots, der häufig vor Fußballspielen im ÖR präsentiert wird. Weite Felder, saubere Seen und so, man erinnert sich.

Dass man die Stimmen dieser beiden unterschiedlichen Sprecher zum Verwechseln ähnlich findet, man sie quasi überhaupt nicht unterscheiden kann, hat allerdings einen naheliegenden Grund. Rolf Schults Sohn Christian Schult ist ebenfalls von Beruf Sprecher und sprach unter Anderem den Bitburger-Spot. Die Verwechslungsgefahr demonstriert dieses Video übrigens aufs Vorzüglichste.



Christian Schult sprach damit ebenso wahrscheinlich jenen Spot, den man eine zeitlang, heute wohl nicht mehr, rund um die Spiele der Nationalmannschaft sah. „Más integración“, wünscht die Stimme da aus dem Off, nachdem sie zuvor erklärt, was all diese Menschen, die sich da zum Grillen eingefunden haben, teilen: Dass ihre Kinder in der deutschen Nationalelf spielen. „Wahrscheinlich“ ist es Christian Schult, da mir Sönke Wortmanns Firma „Little Sharks“, die den DFB-Spot produzierte, nicht auf meine Email mit der Frage danach antwortete, wie denn der Sprecher dieses Spots heiße.

Dass übrigens die Eltern Bajramaj und die Eltern Okoyino da Mbabi beim Grillen im Garten dabei sind, wurde nie irgendwo erwähnt, es sich also auch um die Eltern von Spielerinnen der Frauen-Nationalmannschaft handelt, neben Familie Asamoah und derer Metzelders und Mertesackers. Schade eigentlich, hätte man doch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: integración und igualdad de género. Sei’s drum, oft wird einem genau das ja zum Vorwurf gemacht: Wenn man zu bemüht zu viel auf einmal will.

Wieso Rolf Schults Tod und der DFB-Spot zur Integration hier überhaupt ein Thema sind, nun, um das zu verstehen sollte man am besten die Halbzeitpause eines der kommenden Lesetermine erleben. Am Mittwoch in Stuttgart, am Sonntag in Wiesbaden.

18. März 2013
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Sanfte Bande Sangesstunde Stadion

Ich glaube, das ist eher selten für Stadiongänger, deshalb sag ich es noch mal dazu. Ich fühle mich ziemlich unwohl, zu infantil und irgendwie auch zu uncool damit — im nüchternen Zustand — als erwachsener Mann in einem Stadion laut zu schreien oder auch nur zu singen. Die Buchstaben des Vereinsnamens zum Beispiel, die Vereinshymne kommen mir nur ganz schwer und allzu häufig gar nicht über die Lippen. Typischer, verklemmter Mitteleuropäer mit Stock und so weiter. Rumgröhlen geht gar nicht. Ein schlechtes Gewissen wegen mangelnder Anfeuerung verspüre ich dabei allerdings nicht, empfinde ich alleine meine Anwesenheit gegen Geld schon als mehr als ausreichende Motivationsspritze für die Spieler. Doch gesungen wird von mir für gewöhnlich nicht.

Womöglich habe ich mich selbst mit diesem Verhalten jahrzehntelang einer viel größeren Intensität des Stadionerlebnisses beraubt. Denn letztens lief mir die folgende Information zu.

When people sing together, a hormone called oxytocin makes people feel trust and intimacy.

Wenn Menschen zusammen singen, sorgt das Hormon Oxytocin dafür, dass sie Vertrauen und Intimität empfinden.

O, Halleluja!

Oxytocin ist tatsächlich ziemlich wichtig beim Wohlfühlen, wird unter Anderem auch beim Kuscheln mit anderen (Menschen?) ausgeschüttet und so weiter. Trust and intimacy werden verstärkt, also Vertrauen und Intimität. Vertrauen und Intimität sind nicht das Selbe wie Euphorie und Freude. Aber natürlich tut es gut, wenn man Vertrauen und Intimität spürt. Das ist ohnehin eine immer noch betörende Komponente eines Stadionbesuchs: die nicht nur eingebildete Intimität, allein durchs Zusammenstehen mit anderen Menschen. Das soll aber Thema eines anderen Beitrags sein.

Beim letzten Stadionbesuch hab ich dann alles mitgesungen, was geht: Alle drei verschiedenen Vereinshymnen, alle Variationen des Vereinsnamens und auch alle weiteren Gesänge wie „Steht auf, wenn Ihr xyz seid“ oder „Schießt ein Tor für uns“, einfach alles, was man so singt. Und da das Spiel lange auf des Messers Schneide stand, wurde viel gesungen. Es war ein Experiment und ich wollte eben alles mitsingen, in Oxytocin baden und sehen, ob ich mich anders fühle als an den anderen Tagen.

Und was soll ich sagen: Ich fühlte mich wirklich dem Ereignis näher als zu anderen Gelegenheiten als meist stummer Beobachter. Ich spürte ein intensiveres Gefühl, wirklich teilzuhaben als sonst und nicht zuletzt: Ich vertraute mehr darauf, dass in der wie erwähnt lange unentschiedenen Partie dem favorisierten Team der Siegtreffer noch gelingen würde.

Was schließlich auch geschah, ein knappes, ein glückliches 1:0 wurde es am Ende, was natürlich die bislang einmalige empirische Beobachtung ein wenig verfälscht, schließlich fühlt man sich im Anschluss an einen Sieg immer besser, oxytocinierter als ohne einen solchen. Und ob der Rückblick in Bezug auf meine Vertrauensseligkeit bevor das Tor fiel nicht trügt, kann ich auch nur schwer beurteilen.

Es gilt also weitere Proben aufs Exempel zu nehmen, und auch bei Remis und Niederlagen künftig alles mitzusingen und zu -schmettern und zu sehen, wie das dann wirkt in punkto trust and intimacy.

*

Das alles führt uns aber auch zur Frage, ob es nicht vielleicht doch nicht ganz so belächelnswert ist, wie man (auch hier) eigentlich immer annimmt, ob die Nationalspieler die Nationalhymne mitsingen sollten oder nicht. Mag sein, dass Oxytocin nur bei positiv besetzten Musikstücken ausgeschüttet wird, da müsste man jetzt mehr ins Detail gehen. Niemand wird aber daran zweifeln, dass es nur förderlich sein kann, wenn die Spieler Vertrauen spüren. Wessen Vertrauen, ob das der Zuschauer, Mitspieler oder das so häufig eingeforderte des Trainers, spielt dabei gar keine Rolle. Jaja, Spaniens Hymne hat gar keinen Text und trotzdem sind sie momentan Erster-Alles. Doch man sollte nichts unversucht lassen, um genau diesen status quo zu ändern. Also geht’s raus und singt’s gefälligst ab sofort, ihr Migrantenkinderlein. Könnt ja nen anderen Text nehmen.

Wie’s bei mir demnächst wirkt, auch bei Remis und Niederlagen, ich werde berichten.

17. März 2013
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Klugscheißer hat niemand lieb

Boris Herrmann berichtet, wieder fürs SZ-Magazin unter „Die Nummer eins der Fußballkneipen: die Zockerbude“, wie es so ist, wenn man an einem Wochentag in einer Großstadt Champions League schauen möchte.

Seit es im Netz die schlauen Taktik-Seiten wie spielverlagerung.de gibt, sitzen in den Kneipen leider sehr viele Taktik-Schlaumeier, die 90 Minuten ungefragt referieren, weshalb die gewohnte Fluidität des FC Barcelona im Spiel gegen Milan aufgrund der leicht zu übergebenden situativen Manndeckungen des Gegners und dessen flexibler 4-5-1 Taktik gar keine Chance hatte, gewohnt fluide zu sein.

Und rauchen darf man auch nicht mehr.

Kann ich zum Glück nicht bestätigen. Weder wird man von Taktikexperten zugetextet noch ist es, wie er im weiteren Text erwähnt, schwierig, irgendwo einen Platz zum Fußballschauen in Kneipen zu bekommen. Problematischer sind da schon die Auswirkungen des aufmerksamen Studiums von Collinas Erben, denn plötzlich kann man nicht mehr einstimmen in den Chor all jener, die den Schiri für einen Depp halten und dies lautstark kundtun, nur weil er gegen die favorisierte Mannschaft entschieden hat. Wissen, einmal erworben, kann man schlecht bewusst löschen. Insofern ist vor dem Konsum von Collinas Erben ausdrücklich zu warnen — sofern man weiterhin dumpf ohne jegliche Regelkenntnis vor sich hinpalavern will. Tut ja auch mal ganz gut und soll für viele bekanntlich der Hauptzweck sein, wenn man zum Fußball(gucken) geht. Dennoch kann das niemand mit einigermaßen ausgeprägter Neugier auf Fußball wollen, ohne Regelkenntnis zu bleiben. Auf der anderen Seite läuft man mit dem gesammelten Wissen aus den Folgen von Collinas Erben ebenso bedauerlicherweise Gefahr, selbst einer dieser unerträglichen Klugscheißer zu werden; nur nicht im Taktikbereich, sondern in Bezug auf die Regeln. Aber diesem Risiko muss man sich als ernstmeinender, aufgeklärter, wohlwollender und interessierter Fan aussetzen, denn an Collinas Erben führt kein Weg dran vorbei.

Die ausführliche Würdigung dieser außergewöhnlichen Einrichtung folgt noch in den nächsten Tagen, ich nehme nicht an, dass es hier jemanden gibt, der diesen Schiedsrichter-Podcast noch nicht kennt, oder?

16. März 2013
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Geniestreiche günstig im Angebot

Ich bin wieder drauf reingefallen, auf das Marktschreierische des Sportjournalismus, wo alles und überhaupt alles noch und nöcher und mindestens am nöchsten sein muss. Denn die Partie Bayer Leverkusen — FC Bayern München konnte ich nicht verfolgen. Kam nach Hause und freute mich angesichts der Worte, die der Kicker kredenzte: Mario Gomez sei bei seinem Tor ein „Geniestreich“ gelungen

Endlich! Das muss dem Jungen doch unglaublich gut tun, was wiederum gut für die Chancen der Nationalmannschaft bei der WM 2014 ist und das wiederum ist gut für meine Laune und auch sonst für Einiges.

Was konnte dieser „Geniestreich“ gewesen sein? Hatte er wie Maradona oder Messi ein atemberaubendes Solo von der Mittellinie hingelegt, dabei fünf bis acht Gegner ausgetanzt oder à la Ibrahimovic aus unmöglicher Entfernung per Fallrückzieher getroffen? Ein Geniestreich sollte es gewesen sein, sein 1:0 gegen Bayer Leverkusen.

Die Enttäuschung, als wüsste man nicht seit Jahren, dass die Übertreibivitis den jeweiligen Schreibern so sehr ins Blut übergegangen ist, dass sie ihr Pfuschwerk gar nicht mehr als solches erkennen können, folgte auf dem Fuße.

Wie sah er aus, Mario Gomez‘ Geniestreich? Nun, er wurde mit einem hohen Ball angespielt, den nahm er mit der Brust an, spitzelte ihn folgend an einem Leverkusener vorbei. Im Anschluss spielte er durch eine Körpertäuschung genau einen (!) Gegenspieler aus und schoss ungefähr an der Sechzehnmeterraumlinie befindlich den Ball durch einen zwar präzisen, aber unspektakulären Schuss ins Tor. So sah das aus.

Und selbst wenn es auch auf diese Weise gut für sein Selbstbewusstsein und somit für die WM 2014 ist: Der Autor verordnet sich selbst 20 Peitschenhiebe sowie keinen Kakao vorm Zubettgehen, weil er wieder und wieder reingefallen ist.

„Geniestreich“ — pft.

15. März 2013
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66/67 — Fairplay war gestern

Der Film „66/67 — Fairplay war gestern“ in voller Länge.



Über 30-Jährige beschäftigen sich zu viel mit Fußball, woraufhin Einiges, wenn nicht alles im Leben schief geht. Wobei die dortige „Beschäftigung mit Fußball“ immer auch Beschäftigung mit den eigenen Händen in den Gesichtern anderer Leute bedeutet. Ich hab ihn leider noch nicht konsumiert, aber gerade als Komplettversion entdeckt. Wer mag, kann schon gerne berichten, ich folge dann sicher demnächst nach.

Die Kritiken sind sehr gut (z. B. von der FAZ); es ist ein preisgekrönter Film.

„66/67″ lautet die Tätowierung, welche sich die Protagonisten, allesamt Fans von Eintracht Braunschweig, stechen lassen. Allerdings erfüllt Eintracht Braunschweig hier wohl nur die Aufgabe, das Fußball-Setting zu liefern.

13. März 2013
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Pixel für Pixel Qualitätstore

Aus noch nicht näher beleuchteten Gründen verspüre ich immer wieder eine ganz große Affinität zu dieser komischen Pixelart. Nicht, dass ich dafür ein Experte wäre oder jemals — von selbst designten, aber nie wirklich zu Leben erwachten C64-Sprites abgesehen — etwas eigenverantwortlich mit dieser Pixelart zu tun gehabt hätte. Doch diese erfreut hier immer wieder.

Schön, wenn es da etwas Neues in Sachen Fußball aus dieser Richtung gibt. Dann ist es auch zu verschmerzen, dass es von England aus betrieben wird und recht wenige Exemplare mit Relevanz für den deutschen Fußball vorhanden sind. Einige Bekannte sind dann aber auch zu finden, so Paul Gascoignes Tor 1996 für England gegen Schottland oder Marco van Bastens Tor 1988 gegen die UdSSR oder Michael Owens Solo 1998 gegen Argentinien.

Wenn ich es richtig gelesen habe, kann man sich dort auch bestimmte Tore wünschen, die in dieser Pixelart dargestellt werden. Wahrscheinlich war es nicht allzu clever, die Seite erst hier zu erwähnen, und dann einen Wunsch an die dortigen Macher zu richten, aber ich werde dann mal nach Klaus Fischers Fallrückzieher 1982 fragen — oder jenem Tor von Trainer Baade zum 3:3 gegen den OSC Rheinhausen aus ähnlicher Zeit. Wobei von Letzterem wohl kein Video mehr existiert.

Am Besten schaut man sich aber ohnehin die gesamte Seite an: Pixelreplay.

10. März 2013
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Forever No. 51

Tasmania Berlin hat die SpVgg auch erst mit Hängen und Würgen hinter sich gelassen. Eigentlich hatte man angenommen, die Zeiten seien vorbei, in denen Aufsteiger eine Saison mit nur um die 20 oder noch weniger Punkten beenden. Doch die Spielvereinigung Greuther Fürth belehrt uns eines Besseren. Bis zum Ende der Saison müssen noch 7 Punkte her, um den VfB Leipzig zu überholen, 8 Punkte, um Blau-Weiß 90 Berlin zu überflügeln. Und bei derzeit 14 Punkten aus 25 Partien ergibt sich ein Schnitt von 0,56 Punkten pro Partie, wären am Ende 19 Punkte und damit der vorletzte Platz in der Ewigen Tabelle.

Jene Ewige Tabelle der Bundesliga, deren unterer Ausschnitt mit den aktuellen Werten für Fürth und allen weiteren dort platzierten Clubs im Folgenden dargestellt ist.

46. SSV Ulm 1846 1 34 9 8 17 36:62 -26 35
47. Fortuna Köln 1 34 8 9 17 46:79 -33 33
48. Preußen Münster 1 30 7 9 14 34:52 -18 30
49. Blau-Weiß 90 Berlin 1 34 3 12 19 36:76 -40 21
50. VfB Leipzig 1 34 3 11 20 36:69 -37 20
51. SpVgg Greuther Fürth 1 25 2 8 15 14:40 -26 14
52. Tasmania Berlin 1 34 2 4 28 15:108 -93 10

Kein Ruhmesblatt für Michael Büskens und seine Nachfolger, wenn die SpVgg Greuther Fürth dann auch ewig den vorletzten Platz innehat — und einzig der Inbegriff des Überfordertseins, Tasmania Berlin, eine noch schlechtere Bundesligasaison fabrizierte.

Also, 9 Spiele noch, die Totalblamage abzuwenden. Und ein Sieg sollte zu den bisherigen gerade mal 2 an der Zahl möglichst auch noch gelingen, sonst teilt man sich auch diesen Negativrekord mit Tasmania Berlin.

8. März 2013
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„Ciao Capitano“ — aber was macht Ballack an dem Abend?

Merkwürdig, dass Michael Ballack sein Abschiedsspiel unter das Motto des Spitznamens von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus stellt. Und wieso „ciao“ — wohin geht Lothar Matthäus nach diesem Spiel? Ist es doch eher ein versteckter Aufruf Ballacks an den einstigen Inter-Profi, sich endlich von den Hoffnungen auf eine Anstellung als Bundesligatrainer zu verabschieden? Der „Capitano“ jedenfalls, das ist Lothar Matthäus, wie man schon seit Jahrzehnten weiß.

1990 schrieb der Spiegel:

… „ehrlicher“, wie Matthäus behauptet, ist ihr Spiel dadurch tatsächlich geworden. Mit Schaudern erinnert sich der „Capitano“ an die Publikumsveräppelung, die sich die deutsche Mannschaft in Spanien vor acht Jahren gegen Österreich leistete.

Und 1993 erneuerte er diese Bezeichnung.

Müde kam der Capitano den Gang herunter, der Tritt war schwer und bedächtig. Doch auf den letzten Metern drückte der Fußballprofi das Kreuz durch. […] Lothar Matthäus war bereit für seinen Auftritt.

Oder sollte die Titulierung als „Capitano“ doch nur das deutsche (!) Pendant zum in der spanischsprachigen Welt so höchst selten verwendeten Spitznamen „el loco“ sein? Jeder also ein Capitano, wenn er nur einfach irgendwann mal die ominöse Binde trug? Es würde doch nicht etwa bedeuten, dass man in deutschen Landen ermüdend einfallslos ist, was Spitz- und Rufnamen von Spielern angeht? Im Land der Dichter und Denker doch eigentlich nicht vorstellbar. Oder — Schweini, Litti, Grabi, was meint Ihr?

8. März 2013
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Der wohl erzogene Chancentod

Ein Musslesen über die Neurobiologie des Gewinnenwollens, -müssens und darüber, wann es nicht gut ist, wenn man zu sehr gewinnen will, legt die FAZ in die hellere Ecke der Diskussionsrunden über Fußball. Man wünschte sich zwar noch mehr aus dieser Richtung, zumal der zweite angesprochene Aspekt, die Fairness im Wettbewerb, leider etwas zu kurz kommt. Doch auch so gehen die Erkenntnisse weit über den folgenden kurzen Ausschnitt hinaus.

Manche Sportler haben eine unbewusste Hemmung, zu siegen, das kommt gar nicht so selten vor. Klar, zu siegen ist einerseits schön. Andererseits sind wir Menschen Herdentiere. Wir wollen nicht zu sehr herausragen, weil wir den Neid oder die Aggression der anderen befürchten. Diese Hemmung, die in uns allen steckt, kann dazu führen, dass jemand bei einer hundertprozentigen Torchance – das Tor ist frei, der Ball liegt auf dem Fuß – ohne es zu wollen den Ball danebenknallt.

6. März 2013
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Zahl der Woche — Heerscharen von Einlaufkindern

Lange Zeit lag sie brach, die Kategorie „Zahl der Woche“. Heute bin ich mal wieder in den Keller gegangen und hab das Licht angeknipst. Siehe da, eine neue Zahl der Woche hat sich dort eingefunden.

Sie lautet 7.956.

Auf diesen Wert beläuft sich die Zahl der Einlaufkinder, welche in einer einzigen Bundesligasaison an der Hand der jeweils 22 Spieler und 4 Schiedsrichter ins Stadion geführt werden und nach einer kurzen Begrüßung wieder zu ihren Betreuern zurücksprinten. Im Laufe von 50 Jahren erhalten also 397.800 kleine und mittelkleine Kinder diese besondere Form der Jugendweihe.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt lernt ein Deutscher nur etwa 1.700 Menschen im Laufe seines Lebens kennen.

5. März 2013
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Magier Mario G

Mario Götze ist solch ein Magier, dass er den Ball ins Tor schießen kann, ohne ihn auch nur zu berühren. Da verblassen selbst Diego Maradonas und Lionel Messis Künste am Ball. Der WM-Titel 2014 dürfte nur noch Formsache sein. Zumindest, wenn man dem Liveticker des Kickers Glauben schenken darf.