9. Juni 2014
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Heiße, Lüfte, in Janeiro-City

Der Klassiker an Überflüssigkeit und Belanglosigkeit darf natürlich bei keiner WM fehlen. Die Slogans der 32 Teilnehmer für die kommende WM 2014 in Brasilien. Hier mal alle auf englisch, es gibt sie natürlich auch in der jeweiligen Landessprache, manchmal auch ganz leicht verändert. Das heißt dann also von keinem Inhalt zu noch weniger Inhalt — oder eben andersrum.

Algerien Desert warriors in Brazil
Argentinien Not just a team, we are a country
Australien Socceroos: hopping our way into history!
Belgien Expect the impossible!
Bosnien und Herzegowina Dragons in heart, dragons on the field!
Brasilien Brace yourselves!The 6th is coming!
Chile Chi Chi Chi!, Le Le Le! Go Chile
Costa Rica My passion is football, my strength is my people, my pride is Costa Rica
Deutschland One nation, one team, one dream!
Elfenbeinküste Elephants charging towards Brazil!
Ecuador One commitment, one passion, only one heart, this is for you Ecuador!
England The dream of one team, the heartbeat of millions!!
Frankreich Impossible is not a French word
Ghana Black Stars: Here to illuminate Brazil
Griechenland Heroes play like Greeks
Honduras We are one country, one nation, five stars on the heart
Iran Honour of Persia
Italien Let’s paint the Fifa World Cup dream blue
Japan Samurai, the time has come to fight!
Kamerun A lion remains a lion
Kolumbien Here travels a nation, not just a team!
Kroatien With fire in our hearts, for Croatia all as one!
Mexiko Always united, always Aztecas
Niederlande Real men wear orange
Nigeria Only together we can win
Portugal The past is history, the future is victory
Russland No one can catch us
Schweiz Final stop: 07-13-14 Maracana!
Spanien Inside our hearts, the passion of a champion
Südkorea Enjoy it, Reds!
Uruguay Three million dreams … let’s go Uruguay
USA United by team, driven by passion

Die Schweiz muss natürlich mit Datum gleich mal wieder Bezug auf ihre Tradition der Chronometer nehmen. Während die Niederländer ein wenig chauvinistisch daherkommen, möglicherweise der Beteiligung von Bierbrauer Heineken geschuldet. Kamerun könnte auch ein x-beliebiges afrikanisches Sprichwort sein und am legersten kommt doch tatsächlich das Motto von Südkorea daher.

Auf Japan möchte man lieber nicht treffen, oder wenn, dann wenigstens mit einem Döner (SCNR) in der Hand bewaffnet. Belgiens Slogan ist wohl auch der Slogan der nächsten EM. Und der davor und danach, quasi ein Universalmotto, das man sogar bei Abiturfeiern oder Hochzeiten verwenden kann. Dass Drachen in Bosnien leben, war bislang eher unbekannt. Man hätte sich allerdings früher in Rumänien mal mehr Mut bei diesen Slogans gewünscht, dann hätte es vielleicht auch mal ein gewisser Graf bis zur WM geschafft.

Den Slogan von Chile hört man so auch als „Schlachtruf“ der Fans und sieht gelesen etwas infantil aus, eignet sich aber bestens zum Wechselgesang im Stadion, wie man hoffentlich möglichst lange bei der WM in Brasilien vernehmen wird. Die Deutschen haben einfach den Slogan von 2006 noch mal verwendet, wenigstens da hat man Kosten gescheut. Die Franzosen irren sich und am Ende ist man bei allen hinterher genauso berührt und angefasst, motiviert wie vorher — nämlich gar nicht.

Im Jahr 2014 müsste man dann eigentlich auch noch eine Liste der Twitter-Hashtags nachtragen. Aber, ach, da wird man auch nicht mehr Sinn drin finden …

5. Juni 2014
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one penalty wide

Via Fokus Fussball sehen wir heute eine grafische Darstellung aller jemals bei der WM getretenen Elfmeter in einem Elfmeterschießen.

Es bestätigt sich wieder mal: kein einziger der im oberen Drittel einschlagenden Bälle wurde gehalten. Hoch muss er sein! Gleichzeitig ist erkenntlich, dass die richtige Höhe zu justieren offensichtlich schwieriger fällt als die richtige Weite. Nur ein einziger Elfmeter ging überhaupt links oder rechts am Tor vorbei (weiß jemand zufällig wessen Schuss das war? Videos müsste es ja noch von allen geben, das erste Elfmeterschießen bei einer WM fand erst 1982 statt).

Weitere interessante Beobachtung, bei der allerdings unklar ist, ob sie eine signifikante ist: auf der linken Seite wurden keine Schüsse pariert, die ganz nah am Pfosten einschlugen, anders als auf der rechten Seite. Ob das etwas mit Linkshänder- vs Rechtshändersein zu tun haben mag? Wobei da die Frage wäre, wie viele Torhüter überhaupt Linkshänder sind und inwieweit dies das Torwartspiel beeinflusst.

Klaas Reese fragte drüben bei Fokus Fussball, welcher der Punkte wohl der Elfmeter von Roberto Baggio sei. Mich würde umgekehrt eher interessieren, welcher dieser völlig weit hoch übers Tor gezogene Schuss war. Fast doppelt so hoch wie die Latte hängt — und Uli „Nachthimmel“ Hoeneß spielte ja 1982 schon nicht mehr mit.

Sehr schick mal wieder und mit einer Quote von nur 70,5 Prozent verwandelten Strafstößen doch etwas unter dem Durchschnitt in der Bundesliga bei normalen Strafstößen. Ob man bei einer WM und generell im Elfmeterschießen nervöser ist als sonst, auch als „Proffi“?

4. Juni 2014
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„Express“ kann nicht bis drei zählen — von wegen Vereinsrekord

Wie viele Weltmeisterschaften gab es bislang? 19. Ist es so schwer, mal eben 19 Fortunen-Kader durchzugehen und seine tolle Schlagzeile zu prüfen?

Der Express glaubt, Fortuna Düsseldorf hätte mit den aktuellen Abstellungen von Mathis Bolly (Elfenbeinküste) und Ben Halloran (Australien) den Vereinsrekord an Abstellungen für eine WM eingestellt. 1978 fuhren Pepi Hickersberger und Gerd Zewe von der Fortuna zur WM nach Argentinien.

Dabei waren es 1934 doch gleich drei Spieler von Fortuna Düsseldorf, die WM-Teilnehmer waren:

Jakob Bender (Fortuna Düsseldorf)
Paul Janes (Fortuna Düsseldorf)
Stanislaus Kobierski (Fortuna Düsseldorf)

(und dazu sogar noch Karl Hohmann vom VfL Benrath).

Aber wenn man das mal eben geprüft hätte, hätte man ja keine Überschrift mit irgendetwas mit „Rekord“ drin mehr, und solche, weiß der Faktenverdreherfachmann, werden nun mal nicht so gut geklickt.

2. Juni 2014
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Die Zukunft der Fußballkultur ist weiblich (Umfrage und Buch)

panaManga“ ist der Twitter- und der Künstlername einer Fußballinteressierten aus Berlin, die auch in Sachen Illustration und Gestaltung unterwegs ist. Sie bittet alle Freundinnen und Freunde der Fußballkultur um Antworten auf ein paar Fragen. Dies soll ihr dabei helfen, zu entscheiden, ob sie selbst in Sachen Fußballkultur produktiv werden soll. Dauert keine fünf Minuten und hilft ihr sicher. Hier geht’s zur kurzen Befragung.

*

bring-mich-zum-rasenEbenfalls in Berlin lebt Stefanie Fiebrig alias rudelbildung. Sie betreibt das Union-Berlin-Blog „textilvergehen“ samt regelmäßigem Podcast. Und hat jetzt mal eben ein 288 Seiten starkes Fußballbuch mit 26 Geschichten vom Spielfeldrand geschrieben. „Bring mich zum Rasen“ wird im August im Schwarzkopf-&-Schwarzkopf-Verlag erscheinen, anschauen und auch vorbestellen kann man es sich hier schon mal bei amazon. Und darf Stefanie Fiebrig in der Reihe der auch als Print publiziert Habenden Fußballschreiberlinge begrüßen.

Dazu wird rudelbildung auch auf Bühnen aktiv werden und eine Lesung mit Texten aus diesem Buch veranstalten. Die erste davon wird die Zuhörer in ihrer Heimatstadt Berlin beglücken. Andere Termine könnten vielleicht folgen, wenn ausreichend Menschen Interesse bekunden. Ich hoffe auf einen Termin in NRW, möglichst sogar in der altbekannten Scharnierstadt zwischen den beiden Flüssen Rhein und Ruhr, so dass sowohl Ruhris als auch Rheinländer anreisen können. Man wird sehen, was da noch kommt.

Wie gesagt, die Zukunft der Fußballkultur ist weiblich.

30. Mai 2014
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Echtes Gewinnspiel: Reise nach Berlin samt Hotel zur WM-Eröffnung in der Waldbühne

Heute endlich mal wieder ein Gewinnspiel, das seinen Namen sogar verdient. Zu gewinnen gibt es eine Reise für 2 Personen per Bahn nach Berlin samt Hotelübernachtung vom 12.6. auf den 13.6. zum Kick-Off der Übertragungen der WM-Spiele in der Waldbühne. Die Aufgabe ist diesmal denkbar einfach:

poste einfach Dein Lieblingstor von allen WM überhaupt.

Zwei Einschränkungen: es darf kein Tor für Deutschland sein (gegen aber sehr wohl) und es dürfen weder Bergkamps Tor gegen Argentinien noch Maradonas Tore gegen England sein. Das ist alles. Allerdings muss das Tor per youtube-Video verfügbar sein, gefunden und der youtube-Link in den Kommentaren hinzugefügt werden (einbetten funktioniert leider nicht).

Ziehung der Sieger ist am 4.6. um 20h, bis dahin könnt Ihr so viele Tore einstellen, wie Ihr wollt, jedes Tor ist dann ein „Los“ in der Verlosung bei diesem feinen Gewinnspiel, bei welchem es — logisch — keine richtigen oder falschen Antworten gibt.

Bereitgestellt wird der Preis von Gillette, welche auch noch ein weiteres Gewinnspiel rund um die WM veranstalten und einen gewissen Thomas Müller als ihr WM-Rasurgesicht gewählt haben. Anders als Paul Breitner anno 1982 hat Thomas Müller aber keinen Bart, den er sich abrasieren könnte. Auf dem Land ist es halt nicht so hip wie in Berlin, wohin der glückliche Gewinner samt Begleitung reisen darf.

Dann darf man gespannt sein auf Eure Lieblingstore der WM-Geschichte, welche nicht für Deutschland fielen.

25. Mai 2014
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„Legenden“

Listen. Die Kieselsteine unter den Blog- oder auch Medieninhalten. Gleichwohl auch da manches Mal die eine oder andere Perle darunter zu finden ist. Wer also suchet, der findet hier sicher den einen oder anderen Namen, den er noch nicht kannte, den er vielleicht vergessen hatte oder den er nie vergessen wird.

Im ganz bescheiden International Legendary Museum getauften Museum.

22. Mai 2014
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World-Cup-Quiz in 8bit

WM-Zeit heißt wieder, dass allerlei Schrott in schwarz-rot-gold auf den Markt geworfen wird, dass es etliche Werbespots mit manchmal sehr bemühtem Fußballbezug gibt, aber auch, dass das eine oder andere Spielchen aufpoppt, mit dem man etwas mehr Freude hat als mit der Grillzange mit schwarz-rot-goldenem Griff.

Zum Beispiel beim World-Cup-Quiz von 8bit-football, wo in altbekannter 8bit-Grafik 32 WM-Spieler dargestellt und zu erraten sind, jeweils plus dazugehörigem Land.

22. Mai 2014
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Zahl der Woche: 33

Der alte Haudegen Miroslav Klose verrät im Interview mit der Welt, wie niedrig sein Ruhepuls liegt, wenn er komplett austrainiert ist:

Bei 33 Schlägen pro Minute.

Sind das nicht schon Armstrong-eske Dimensionen, in denen man sich Gedanken machen muss? Medizinisch unbeleckt wie man hier ist, ist man da erstmal vor Schreck fast vom Stuhl gefallen.

Ansonsten erzählt der gute Miro mal wieder nicht allzu viel, zumindest eine nicht ganz unwichtige Antwort gibt er dann aber doch:

Frage: Nach der EM 2012 gab es Spekulationen, wonach die Stimmung zwischen den Spielern des FC Bayern und Dortmund nicht so gut gewesen sei.

Klose: Quatsch.

21. Mai 2014
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Die Pest (ist zu Ende)

Wir waren eingeschlossen in einen Raum mit der Bundesliga, die Höchststrafe, ob kafkaesk oder eher camusois, sei dahingestellt, die ihr Wesen verloren hatte. Das perfekte Jahr hatte es nun doch nicht gegeben, bis dahin aber sahen wir Woche für Woche die selbe Aufführung. Ein Entrinnen war allerdings nicht möglich, kein Entkommen aus dieser von außen abgeriegelten Stadt, die einst so lebendig gewesen war. Mit bunten Wendungen, vielerlei Theatern und immer auch wieder Durststrecken, das sei nicht bestritten, aber Durststrecken, deren Ende absehbar war, selbst wenn diese mal wieder Halbserien lang dauerten.

Irgendwann wich jeder Lebensmut aus allen Zuschauern, irgendwann war die Qual kaum noch auszuhalten, und dennoch konnten die Tore der Stadt nicht geöffnet werden. Hier war man geboren, zufällig hereingeraten zu einem ungünstigen Zeitpunkt und nun war man eben mitgefangen. Gehangen noch nicht, aber das erledigte die Pest dann schon selbst.

Als sie sich endlich verzog, hätte man eigentlich jubilieren können, dass das Leben weiterginge. Doch die Pest hatte alle erledigt. Nicht mal mit dem eigentlichen Töten all der fröhlichen Momente, dem rauschhaften Auf und Ab, das sonst hier tobte. Sondern mit der unerträglichen Gleichförmigkeit allen Treibens und dem Ausbleiben von Abwechslung zermürbt. Als die Pest ging, wohl weil nur noch die wirklich Immunen übrig geblieben waren, waren auch diese nur noch wie der Tod selbst, abgestorben alles Lebensbejahende und dann waren die Tore der Stadt wieder geöffnet, aber niemand verspürte mehr die Kraft, noch hinauszugehen.

19. Mai 2014
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Transferbombe! Köln verpflichtet Angela Merkel

Okay, die Schlagzeile stimmt zwar nicht. In einem anderen Land ist Vergleichbares aber gerade Realität geworden.

Die „Sport Boys“ — die Experten wissen natürlich, dass es sich um einen Profi-Club aus Warnes, Santa Cruz in Bolivien handelt — verpflichteten gerade den Präsidenten ihres Landes, den 54-jährigen Evo Morales, für den Kader der kommenden Saison.

Eingesetzt werden soll er jeweils 20 Minuten pro Partie, sofern es ihm sein Terminplan erlaubt, zugegen zu sein. Klingt wie ein Karnevalsscherz, der so nur in Köln umsetzbar wäre. Wenn nicht alles täuscht, handelt es sich aber hierbei nicht um einen Scherz. Und bei den „Sport Boys“ tatsächlich um einen Proficlub der ersten Liga.

Sowie bei Evo Morales um einen echten Fußballer:

The president is said to be fit and very excited with the prospect of playing.

Angst, dass er im Zweifel zurückzieht, müssen die „Sport Boys“ auch nicht haben:

In 2006 he suffered a broken nose in a clash with a goalkeeper.

Der FIFA zeigte er übrigens auch schon mal, was eine Harke ist, als er aus Protest gegen die Entscheidung, keine Spiele mehr in großer Höhe austragen zu dürfen, an einer Partie teilnahm, die in 6.000 Metern Höhe vonstatten ging. Wie man sich erinnert, wurde der Bann der FIFA später aufgeweicht. Die „Sport Boys“ spekulieren auf Morales‘ Durchsetzungskraft auf dem Platz, ist anzunehmen.

Sein Spitzname auf dem Fußballplatz war leider nicht in Erfahrung zu bringen. „Acker“ lautet er wohl nicht, wahrscheinlich „el loco“.

18. Mai 2014
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And the beat goes on …

Schon mal Szenen eines Horrorfilms ohne dazugehörige musikalische Untermalung gesehen? Ist irgendwie meist nicht so richtig in Horror versetzend. Suspense benötigt die Musik oder zumindest den Wechsel von Musik mit plötzlicher Stille. Ähnlich ist es auch beim Fußballschauen. Hier allerdings auch in die umgekehrte Richtung. Nein, keine Sorge, das ist jetzt nicht schon wieder die letztens angeleierte, äh, Leier vom Mitsingen.

Gestern wurde das Pokalfinale im FZW in Dortmund geschaut, einer eigentlichen Disco, mit dementsprechend guter Soundanlage. Obwohl Hunderte Menschen anwesend waren, war auch der Stadionsound stets gut zu hören und man würde sogar behaupten, mit größerer Intensität als das in der Realität der Fall ist, bezogen auf die Bässe nämlich. Die breiten sich zwar auch im Stadion gut aus, von den Trommlern und was da sonst noch Rhythmen schwingt, doch beim gestrigen Schauen waren sie deutlich intensiver zu vernehmen.

Man würde jetzt gerne diese so klischeebeladene Metapher von den Buschtrommeln vermeiden, die ganz anders gefangen nehmen als ein nur dreiminütiger Popsong. Dieses Trommeln mit deutlich lauteren Bässen als im Original führte zu einer offensichtlich reichlich verzerrten Wahrnehmung des Spiels. Es mag auch an den Hunderten Schwarz-Gelben gelegen haben, die vor der Leinwand immer wieder Fangesänge anstimmten. Am Mitsingen aber lag es definitiv nicht, denn das erfolgte ja wie erwähnt nicht.

Doch die echten Experten in Funk und Fernsehen sahen in dieser Partie eine schwache erste Halbzeit des BVB, in der die Roten überlegen waren, während die zweite Halbzeit wohl an den BVB ging und die Verlängerung wiederum an die Bayern, ist hernach zu vernehmen. Insgesamt sei es aber keine Partie auf dem Niveau des Champions-League-Finales gewesen und das nicht einmal annähernd. Eine gewisse Enttäuschung ob der kürzlich erfolgten Entzauberung des Pepschen mag bei dieser Bewertung noch mit reinspielen. Experten sind aber Experten und werden das Spiel so wahrgenommen haben, wie es tatsächlich stattfand.

Nur hatten sie bei dieser Wahrnehmung keine noch viel stärkeren Buschtrommeln als im Stadion im Ohr. Dann nämlich wäre die Partie ein erneut rauschendes Fest gewesen, bei dem es ständig hin- und herging, der BVB zu vielen gefährlichen Szenen kam und natürlich auch die Bayern, durchaus aber auch schon die erste Hälfte eher an Dortmund gegangen war. Sie hätten auch mitbekommen, wie sich der Todesstoß, nach 120 Minuten intensiven durchgebuschtrommelt werden, immer dramatischer ankündigte und wie er schließlich gesetzt wurde. Danach war das Trommeln schlagartig vorbei. Im wahren Afrikaklischee stirbt das so betrommelte Opfer daraufhin irgendeiner Legende nach, weil sein Herzrhythmus sich mit dem Trommeln synchronisiert hatte. Gerade so wie jener der Zuschauer über die 120 Minuten in dieser eigentlichen Arena, in der sonst ohnehin getanzt wird.

Hier hörte das Herz zum Glück nicht auf zu schlagen, die Partie aber, die war zu Ende getrommelt und hatte sich schon erledigt, als Thomas Müller noch den dann finalen Gnadenstoß gab. Der Schlussakkord war Stille, kein Beat mehr in den Körpern der Verlierer, schlicht aus ihm herausgetrommelt.

9. Mai 2014
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Der Podolski trifft kein Scheunentor

Das folgende Video ist wahrscheinlich eh schon längst viral und jeder kennt es, wie das so ist mit diesen Videos. Aber dieses hier besitzt ja durchaus noch eine Komponente mehr als nur der nächste tolle Freistoß-Trick (welche hier übrigens jedes Mal außerordentlich goutiert werden) oder ein famoses Jubelvideo (welche hier übrigens gar nicht goutiert werden) zu sein.

Hier geht es um das, was Kathrin Müller-Hohenstein letztens ansprach, als sie angesichts ihrer Degradierung aus dem normalen WM-Studio ins Lager der Deutschen hinein für die WM 2014 erwähnte, dass es zur Zeit „allgemein zu viel Häme“ gebe.

Es gibt nicht mehr oder weniger Häme als in allen anderen Zeiten des modernen Menschen. Es gibt nur mehrere Gründe dafür, warum diese plötzlich so sichtbar wird. Einer davon ist übrigens, als klassischer Sender ständig Witzchen und Tweets von irgendwelchen Fuzzis (wie mir) zu zitieren. Andere dieser Gründe werden später diskutiert.

Nun ist der Umgang, den Arsenal London (haha), Per Mertesacker und Lukas Podolski im folgenden Video mit negativen Tweets zeigen, nicht unbedingt auf dem Mist der Beteiligten gewachsen. Die Vorgehensweise bietet aber eine Blaupause, wie sich dies in Zukunft entwickeln könnte und wie sich auch Mimosen im deutschen Fußball übertrieben kritischen Anwürfen gegenüber stellen könnten. Wobei sich hier so viele Meta-Ebenen entwickeln, dass man die nicht mehr alle in diesen Text hineinbekommt. Zumindest nicht, bevor der Leser nicht das Video gesehen hat.



Ich sag mal so: Gefällt mir.

Via OlympiqueMarcel.

7. Mai 2014
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Waren wirklich immer alle vor den WM-Titeln fit?

Wo sind Udo Muras und Uli Hesse, wenn man sie braucht? Oder auch gerne Ihr, die man Euch jetzt braucht.

Jogi Löw, in seiner Rolle als Erwartungenherunterschrauber vor der WM 2014, wird heute in diversen Medien wie folgt zitiert:

Bei den WM-Triumphen 1954, 1974 und 1990 seien stets alle Leistungsträger im Zenit ihres Könnens und ihrer Kraft gewesen, gab Löw zu bedenken – doch diesmal sei das anders.

Quelle: u.a. RPO.

Aber entspricht das überhaupt der Wahrheit? Was für 1954 wohl nicht nur angesichts der beinahe unüberschaubaren möglichen Auswahl an Spielern schwieriger zu beantworten ist, dürfte für die anderen beiden WM-Titel doch aufzulösen sein. Allerdings leider nicht von mir, da war ich selbst 1990 noch zu wenig im Bilde, dass ich später mal ein Fußball-Blog betreiben würde, als dass ich es mir gemerkt hätte.

Waren vor den drei WM-Titeln wirklich alle relevanten Könner, Granden, Spieler fit und im Zenit ihres Könnens?

Auf Anhieb fällt mir Günter Netzer ein, der zumindest nach meiner Erinnerung durchs gesamte Turnier einen ordentlichen Fitness-Rückstand mitschleppte, weshalb er auch kaum zum Einsatz kam.

Gibt es weitere Fälle aus dem Vorfeld der Kadernominierungen dieser drei Turniere, als man auf Spieler verzichtete oder aber unfitte oder formlose durchs Turnier schleppte, wo sie kaum helfen konnten?

4. Mai 2014
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„Das klappt gar nicht“, sagt Jorginho

Wahrscheinlich hat jeder schon überall gelesen, wie es in den letzten Tagen in Brasilien wieder zugeht und wo der Zorn der Massen herkommt. Davon erzählt auch der erste Teil dieses Textes im Tagesspiegel.

Recht unbekannt dürfte aber jener zweite Teil des Textes sein, wie der ehemalige Bundesliga-Star Jorginho mit seiner Fußballschule in Rio de Janeiro und einer nach kurzer Zeit komplett veränderten Vorgehensweise den Mythos vom Fußball/Sport als Heilsbringer für mehr als nur einen aus einer Million entlarvt. Wobei das keine neue Erkenntnis ist, im Falle von Jorginho wird diese aber besonders intensiv illustriert.

Das, was Jorginho mit seiner Fußballschule in Rio da erlebte, sollte man allen hiesigen Sportlern, die Stiftungen gründen, welche dann Kindern in z. B. Südafrika einen neuen Sportplatz bauen und ein paar Trikots hinschicken, ausgiebigst einbleuen.

Wer nicht ganz auf dem Laufenden ist, kann aber den ersten Teil ebenfalls konsumieren.

30. April 2014
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Terrorist statt Tottenham

Zugegeben, ein klein wenig ist die Überschrift zurechtgedeichselt, denn die Rede ist im Folgenden nicht von echten Terroristen. Sondern von der „Generation Terrorists“. Das ist keine neue Generation Mensch, so heißt das erste Album der Manic Street Preachers. Was diese Band mit Fußball zu tun hat, erfährt man sogleich.

Immer wieder schauen wir hier bekanntlich auf die konkreten Verbindungen von Musikern zu Fußball, wobei „konkret“ meint, mehr als nur einen WM-Song geschrieben oder als Promi mal einen WM-Tipp abgegeben zu haben. So ähnlich wie bei — ähm — Campino eben, der da wirklich ganz ausgeprägter Liverpool-Fan und auch ein bisschen Fortune ist. Und dies auch lebt, indem er schon mal eine Mark pro verkaufter Platte der Fortuna überlässt, auf dass diese damit einen neuen Spieler kaufe. Was trotz aller Verschlagerung seiner Songs in den letzten Jahren durchaus bemerkenswert ist, in Bezug auf den Fußball.

Aber doch sind hier eher jene Verbindungen gesucht, wie sie bislang gefunden wurden:

Gleichzeitig kann man dabei auch mal illustrieren, wie so eine Internet-Safari abläuft, neudeutsch heißt das wohl „Wilfing“. Es begann mit diesem Tweet von RealTimeWWII, der von deutschen Bombenangriffen auf britische kulturelle und touristische Ziele im Jahr 1942 berichtet. Dabei stieß ich auf das mir bislang unbekannte „Baedeker Blitz“ getaufte Vorgehen der deutschen Luftwaffe, für einen kurzen Zeitraum auch kleinere Städte in England ohne besondere Industrieeinrichtugen zu bombardieren. Die Liste der Städte umfasst Exeter, Bath, Norwich, York und Canterbury. Die einzige Stadt von diesen fünfen, die ich selbst schon mal besuchte, ist Canterbury. Also schaute ich auf deren Wikipedia-Beitrag, ob dort vielleicht zu erfahren war, welche und wie viele Gebäude zerstört worden waren. Mir kam Canterbury bei meinem Besuch nicht gerade wie eine erst kürzlich wieder aufgebaute Stadt vor, im Gegenteil wie ein Ausflug ins architektonisch intakte Mittelalter, nicht umsonst ist die Stadt auch Teil des UNESCO-Welterbes.

Auf der Wiki-Seite zu Canterbury befand sich die Liste berühmter Persönlichkeiten dieser Stadt, welche man dann auch mal so durchstöbert. Ian Fleming stammt aus Canterbury, aha, aber keine Fußballer. Orlando Bloom, soso, und auch ein Mann mit Namen Alexander Minto Hughes mit dem Alias „Judge Dread“. Diesen verwechselte ich mit Judge Dredd, was ich wiederum nur als Filmtitel kannte. Kurz nachgeschaut, nein, Judge Dredd ist einer der erfolgreichsten Comic-Helden in Großbritannien. Dieser wurde zwar 1995 mit Sylvester Stallone verfilmt, da hatte der Film jedoch nur wenig mit der Vorlage zu tun. Großer Fan dieser Comicreihe war aber, erfährt man, Richey Edwards, Gitarrist und Texter der Manic Street Preachers.

In einem seiner Songs nahm Richey Edwards Bezug auf den Comic, genauer bei Judge Yr‘Self, der auch auf dem Soundtrack des Judge-Dredd-Films erscheinen sollte. Daraufhin bedankten sich die Macher von Judge Dredd damit, dass sie in einer Folge einen Charakter sich „4 RALE“ auf die Stirn lasern ließen. Eine unmissverständliche Anspielung auf eine absurde Aktion Richey Edwards‘. Dieser hatte auf einen Reporter, der den Manic Street Preachers vorwarf, gar keine richtigen(TM) Punks zu sein, mit der Aktion reagiert, sich vor dessen Augen in großen Lettern „4 REAL“ mit einer Rasierklinge in den Arm zu ritzen. Selbstverletztendes Verhalten in dieser Intensität ist allerdings alles andere als heroisch oder gar cool, sondern krank. Bevor man jetzt die Frage diskutiert, warum so viele Künstler krank sind, also die Henne-Ei-Frage aufwirft, ob sie nicht vielleicht künstlerischen Ausdruck rauslassen, weil sie krank sind, geht es dann doch weiter mit der Geschichte in Bezug auf Musiker und Fußball.

Jene Band nämlich, die Manic Street Preachers, verfügt über zweierlei Bezug zum Fußball: Ihr späterer Bassist Nicky Wire war nicht nur Spieler der walisischen Schülernationalmannschaft im Fußball, er war sogar ihr Kapitän. Im Alter von 16 Jahren hatte er Angebote von Arsenal und Tottenham zu einem Probetraining zu kommen. Aber ach, das Knie, das Knie, das heilt ja nie, zog er sich vorher eine Verletzung zu und aus war’s mit dem Fußball. Stattdessen wurde er Teilen der Welt eben als Songwriter und Musiker der Manic Street Preachers bekannt.

Zweiter Bezug zum Fußball ist jener, dass die Manic Street Preachers bei manchen Konzerten tatsächlich Mitglieder der Chelsea Headhunters, einer Firm, einer Gruppe von Hooligans des FC Chelsea (oder fußballhipstergemäß Chelsea F.C.) also, die Aufgabe als Ordner bei manchen ihrer Konzerte übertrugen. Von größeren Problemen deswegen ist nichts zu lesen, das kann aber im Detail durchaus anders gewesen sein. Wie dieser Kontakt zustande kam, ist auch nicht bekannt.

Spannend, wie eine Knieverletzung die Weichen im Leben verändern kann. Glücklich, wer sich eine solche Alternative zusammenbastelt.

Traurige Schlussnotiz jedoch: Richey Edwards, der so charismatische Texter, der 1995 urplötzlich verschwand und nicht mehr aufzufinden war, wurde 2008 schließlich für tot erklärt. Was ich bislang nicht wusste: Er war nicht einfach aus einem Hotel verschwunden und wie vom Erdboden verschluckt, was ja ohne die noch folgende Information einfach ein sehr geheimnisvoller Vorgang zu sein schein, der zu seinem verschrobenen Wesen passte. Nein, man fand damals auch sein Auto neben der 47 Meter hohen Severn-Brücke über den Bristol-Kanal, einem neuralgischen Punkt für Suizidwillige. Eine Leiche wurde allerdings nie entdeckt, weshalb er bzw. sein Konto bis er im Jahr 2008 schließlich offiziell für „vermutlich tot“ (presumed dead) erklärt wurde, weiterhin 25% der Tantiemen der Manic Street Preachers erhielt.

Die Manic Street Preachers aber machten auch nach seinem Ableben weiter, wie man weiß, und statt Tottenham oder Arsenal wurde es dann eben eine andere Karriere als Profi. Als Profi-Musiker.

Kleiner Schlenker zurück zur Verbindung zum Fußball: Aufgrund dieser Vorgeschichte erstaunt es nicht, dass man die Manic Street Preachers letztens in die englische TV-Sendung „Soccer AM“ einlud, bei der jeden Samstag Vormittag ein bisschen Fußball-Comedy und Fußball-Talk getrieben werden. Nicht alles auf der Insel ist gut oder gar besser, definitiv aber der Humor.

Hier der Auftritt der Manic Street Preachers bei Soccer AM, mit dem Ex-Kapitän der Schülernationalmannschaft von Wales, Nicky Wire mit seinen Bandkollegen. Das ist dann doch einfach eine andere Kategorie als jene im vorigen Beitrag …

22. April 2014
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Kostenlos mehr Ekstase

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber die Saison in der Liga jenes Vereins, für den ich zum ersten Mal eine Dauerkarte erworben habe, ist so gut wie gegessen. Es soll auch kein sportliches Fazit werden, sondern eines, das das Resultat meines kleinen Experimentes zusammenfasst. Eingeleitet wurde dieses mit dem Text „Sanfte Bande Sangesstunde Stadion“, in dem ich ankündigte, für die kommende Saison alles mitzusingen, was das Reservoir an Anfeuerungen, auch Schmähungen bereithält und natürlich sowieso alle Einlauf- und sonstigen Musikstücke, z. B. nach Torerfolgen oder in der Halbzeitpause.

Das Fazit ist so kurz wie positiv: ich habe den Fußball völlig neu für mich entdeckt.

Das gesamte Stadionerlebnis ist deutlich intensiver in allen Bereichen, die man sich für ein soziales Wesen wie es der Mensch eines ist, denken kann: Mehr Anteilnahme, größere Ausschläge der Empfindungen, intensivere Freude wie auch Trauer, sogar zur einen oder anderen Schiedsrichterbeschimpfung lässt man sich, einmal beim Mitsingen dabei, hinreißen und auch wenn Anteilnahme eigentlich das Selbe bedeutet: das Mitfiebern ist schlicht viel intensiver, ebenso wie die Verbundenheit mit dem Rest des Publikums, den Akteuren und der Idee des Vereins.

Wie das funktioniert, ist in dem oben verlinkten Text erläutert. Dass es eine solch starke Auswirkung aufs Stadionerlebnis haben würde, hätte ich allerdings nicht vermutet. Von jetzt an bin ich auch immer pünktlich 30 Minuten vor Anpfiff im Stadion, um alle einleitenden Songs mitzuträllern und muss keinen Pfennig mehr bezahlen, erlebe die Spiele aber doch viel intensiver.

Da ist man 30 Jahre lang der akademische Snob aus weißer Mittelklasse mit Stock im Arsch und singt fast nie mit, außer bei Aufstiegen oder Pokalsiegen. Weiß aber nicht, um welche Intensitäten man sich mit dieser Verweigerung bringt. Kann man jedem nur empfehlen, der lediglich als schweigender Zuschauer seinen Genuss pflegt, auch wenn das Erlebnis dann etwas roher, ungeschliffener und vielleicht auch etwas überwältigender wird, was ja nicht allen Menschen immer so zusagt.

Ein stumm bleibende Ansammlung von Fußballzuschauern, wird sich jedenfalls subjektiv nie so beteiligt empfinden wie eine singende Masse, gleichwohl die Zahl der Untersuchungseinheiten hier mit 1 (einer) ein wenig klein war, um allgemein gültige Aussagen zu treffen.

Dass Singen verbindet und auch die Chemie im Körper verändert, daran dürften Menschen, die in Kirchen, Chören, auf Konzerten oder zu Geburtstagen mit anderen Menschen zusammen singen, aber ohnehin keine Zweifel hegen.

Angenehm auch, dass im Stadion, anders als in einem Chor, niemanden interessiert, ob man überhaupt singen kann. Es reicht, wenn man für sich so ein bisschen mitsingt, vielleicht auch eher -gröhlt, ohne die Stehnachbarn mit allzu schiefen Lauten zu belästigen.

Ein tolles Fazit eines gelungenen Experimentes, das man im eigenen Interesse schon mal einige Jahrzehnte eher hätte durchführen sollen. Dessen Resultat dennoch komplett positiv zu bewerten ist.

So, wann ist die nächste Messe, äh, das nächste Spiel?