Ein echter Schalker

Es war die Partie von Bayer Uerdingen gegen den 1. FC Köln. Klar, dass man da als echter Schalker anwesend sein musste, vor allem, wenn es in dieser Saison um nichts mehr ging. Wir waren allerdings nur hier, weil wir endlich ein eigenes Auto hatten und „unabhängig“ zu sein glaubten. Also hin zur Bundesliga in nächster Nähe. Aber nicht aus Fantum, da hatten wir beide andere Vereine. Wir sahen keine wirklich rasante Partie, aber doch unterhaltsamen Bundesligafußball. In der Pause natürlich das obligatorische Anstehen an der Würstchenbude.

Und da war er, der echte Schalker Fan. Mit Mützchen auf, auf dem Mützchen einen Schalke-Anstecker und recht fidel ebenfalls eine Wurst verspeisend. Wieso man als Schalke-Fan unbedingt in die damals mit ihrem Zerfall gerade beginnende Grotenburg fahren musste, an einem Samstag Mittag, wenn Schalke selbst gleichzeitig ein paar Kilometer weiter spielte, das war uns in diesem Moment zwar nicht klar, aber er grüsste freundlich.

Womit er nicht aufhörte, als wir uns in die Nähe setzten und unsere Würste verspeisten. „Hallo“, „ja, hallo“, „hallo!“, „ja, hallo“. Wie es denn bei Schalke stehe, wollte er in dieser Prä-Handy-Zeit wissen. Da konnten wir ihm nicht helfen, hatten auch kein mobiles Radio zur Hand.

Wieder rein ins Stadion mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit, ein Törchen fiel wohl noch oder auch zwei, jedenfalls war es kein Nachmittag ohne diesen besonderen aufsteigenden Glanz, wenn ein komplett weißer Ball sich ins komplett weiße Tornetz eines damaligen Bundesligatores begibt, als wolle er dort verweilen und die Geschichte des Tores immer weiter schreiben. Bis der Torwart kommt und den Ball aufhebt, ihn müde und entnervt zum Mittelkreis kickt. Dann ist das Tor zu Ende.

Zu Ende war dann auch die Partie, noch eine Wurst? Ja, komm, noch eine Wurst. Wieder saß er da, der Schalke-Fan, vergnügt immer noch, aber ein wenig älter als vorher. Wie Schalke gespielt hat, wollte er wissen. Keine Ahnung, antworteten wir, hat der Stadionsprecher nicht durchgegeben. Wir hätten doch das Spiel gesehen? Ja, das da drin, das ging 1:1 aus. 1:1? Ja. Also hat Schalke nicht gewonnen? Die Situation schien etwas ungemütlich zu werden, doch im selben Augenblick erschien sein Zivi und rollte ihn in Richtung Parkplatz. „Wie viel hat Schalke gespielt?“ tönte es immer leiser, bis er um die Ecke gebogen wurde und verschwunden war.

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Die Stadien dieser Welt erraten

Das Spielchen, bei dem man die typischen Trikotdesigns diverser Clubs erraten darf, hatten wir schon mit großem Vergnügen zu Ende gespielt, so dass wir nun alle europäischen Vereinstriktos auswendig kennen. Also muss neuer Stoff zum Prokrastinieren her.

Das geschieht heute mit einer leicht anderen Fragestellung: Welches von drei zur Auswahl stehenden Stadien wird in einem bestimmten Google-Street-View-Ausschnitt gezeigt? Besagten Ausschnitt kann man zwar bewegen und verändern, doch es stehen nur 10 Sekunden pro Antwort zur Verfügung. Am Ende erfährt man dann, ob man mit seinem Ergebnis in die Champions League oder in die Sunday League gehört. Aber das ist auch wurscht, Hauptsache es gibt Neues zum fußballbezogenen Zeitvertreib.


Auf zu guessthestadium.com.

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Ich, das Two-Trick-Pony

Ich habe diese Leute immer bewundert.

Nicht bewundert wie man heutzutage annimmt, dass man Stars heimlich anhimmelt, von ihnen träumt und wissen möchte, in wessen Unterhose sie schlafen. Sondern bewundert für ihre Kunst. Für ihre Kunstfertigkeit, die sie meist gar nicht als solche empfanden. Auch sie rackerten und ackerten am Ende nur dafür, dass die eigene Mannschaft das Spiel gewinnt. Aber mit großem Talent für all das, was ein Fußballspiel von seinen Teilnehmern fordert.

Die Rede ist von jenen Menschen, welche man im Zentrum des Spielfeldes auf beinahe allen Positionen einsetzen konnte, ob vorne, hinten oder in der Mitte. Mir fehlte dafür völlig das Orientierungssystem, jenes „Radar“, welches man gerne Zinedine Zidane zuschrieb, in Ermangelung besserer Vokabeln wohl. Diesen Menschen aber war es gegeben, sich von vorne bis hinten übers Spielfeld zu bewegen und dabei Sinnvolles zu produzieren.

Ich fand das immer bewundernswert, denn ich war nichts Anderes als ein Two-Trick-Pony (abgesehen von den präzisen Weitschüssen und den trotz 1,74m oft erfolgreichen Kopfbällen). Das Einzige, was ich beherrschte, war einen oder zwei Gegner auszudribbeln und dann auf dem linken Flügel soweit bis zum Tor, genauer bis zur Grundlinie vorzustoßen, dass der Punkt erreicht war, an dem eine Flanke in den Strafraum wie eine durchführenswerte Idee schien. Woraufhin ich eine Flanke in den Strafraum in unglaublicher Präzision aus vollem Lauf schlug, die den gegnerischen Strafraum sofort in mittelalterlichem Feuer entflammen ließ, die dort anwesenden Verteidiger in schiere Panik stürzte, Suizide ins offene Samurai-Schwert waren nicht selten, und das eine oder andere Mal — ganz sicher häufiger als der Schnitt in der Bundesliga von 22 Flanken pro nach Flanke erzieltem Tor — zu einem Torerfolg führte.

Natürlich war das keine geringe Fähigkeit, auch mal geschickt den Ball selbst in den Raum vorlegend, sich gegen gleich zwei Gegner, welche ja dann ausgeschaltet waren, durchzusetzen. Es war sogar eine so begehrte Fähigkeit, dass der eine oder andere Klub aus der Nachbarschaft Geld für einen Wechsel bot.

Allein, an allem anderen fehlte es mir aus unergründlichen Gründen, was das eigentliche Spiel im laufenden Spiel betraf. Sobald ich meine linke Seite verlassen hatte oder gar defensive Zweikämpfe bestreiten musste, stand ich fast immer falsch, mir fehlte das Timing, das Gespür für Schnee den Raum und die Zeit und die Raumzeit und überhaupt für alle Bewegungen, die in diesem unbekannten Terrain namens Zentrum des Spielfeldes abliefen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich war mir nicht zu schade, nach hinten zu arbeiten und ich empfand es auch nie als nicht zu meiner Aufgabe gehörend. (Bei einem tragischen 0:11, kein Freundschafts-, sondern ein Meisterschaftsspiel, als die eigene Mannschaft nicht nur begann Auflösungserscheinungen zu zeigen, sich gar schon komplett aufgelöst hatte, rettete ich ein Mal auf der eigenen Torlinie, um die für einen Fußballer unerträgliche Schmach einer zweistelligen Niederlage zu verhindern. Und verbrachte den Rest der Spielzeit in der hintersten Verteidigungslinie, weil beinahe alle anderen sich aufgegeben hatten.)

Doch in der Mitte eines Spielfeldes angekommen, war ich in Ermangelung einer Seitenlinie, die ja immer einen Teil des Spielchens mit dem Gegner auf einem Flügel bedeutet, komplett aufgeschmissen, wie und mit welchen Tricks man Gegner ausspielen könnte. Oder aber die Breite des Spielfeldes sinnvoll ausnutzen könnte. Froh war ich, dass ich in der gesamten Karriere nie dazu gezwungen wurde, meine geliebte linke Außenlinie zu verlassen. Denn was für Unbill hätte dort in der Mitte auf mich gewartet? Endlose Räume, so viel Weite, Prärie, undurchdringliche Steppe für alle, dass man gar nicht gewusst hätte, wohin mit dem ganzen Raum.

Ich blieb bei den immer selben zwei Tricks in meinem etwas karg gestalteten Spiel auf dem linken Flügel und ein paar routiniert in den Winkel gezirkelten Freistößen, zu mehr war ich nicht zu gebrauchen. Was für Heroen des Spiels aber diese Menschen waren, die sich im Nichts des Zentrums des Spielfelds zurecht fanden, die auch auf dem Weg nach hinten immer wussten, wie sie zu stehen, sich im Raume zu bewegen hatten, um ihrem eigenen Spiel einen Sinn innerhalb dieses Spiels zu geben. Und wenn sie den Ball besaßen, spielten sie auf dem Weg zum gegnerischen Tor nicht nur als Floskel spielerisch all ihr Können aus, sich in einem quasi luftleeren Raum zu bewegen und dort, wo nichts ist, wo nichts herrscht, keine Außenlinie Orientierung als Halt bietet, eigene Gesetze und Ästhetik, vor allem aber Produktives fürs Spiel schaffend.

Ich habe sie immer bewundert für ihr Können.

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Ein Höhepunkt des abgelaufenen Sportjahres

Ein, wenn nicht gar der Höhepunkt des abgelaufenen Sportjahres steht an.

Wir unterbrechen die kurze Umbauphase hier im Blog für einen wichtigen Hinweis auf eine Herzensangelegenheit. Das Sportbloggernetzwerk wählt wieder den besten Beitrag des abgelaufenen Jahres. Dieses Mal gibt es auch eine Extraseite für diese Veranstaltung, welche Stadioncheck zusammengeklöppelt hat, durstig, in der Nacht, aber immer im Dienste der Sache, die da heißt: Sportbloggen.

Zu erreichen ist diese Abstimmung mit den 11 Favoriten, übers Jahr vom Sportbloggernetzwerk gesammelt und schließlich durch eine hochkarätige Jury auf 11 Nominierte geschrumpft, auf dieser neuen Webpräsenz. Stimmen Sie ab, denn die Abstimmung läuft nur eine Woche und dann ist es doch schneller wieder später als man gucken kann. Und gute Werke sind es natürlich auch alle, die nicht zwangsläufig schon die Runde durchs Blogosquarium gemacht haben.

Zur Abstimmung.

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Neues Jahr 2014: Eine gute, eine mittelschlechte Nachricht

Anders als üblich gibt es dabei zuerst die gute Nachricht:

„Trainer Baade“ wurde bei der Blogger-des-Jahres-Aktion von franziskript, Indiskretion Ehrensache und Fiene.tv zum Sportblogger des Jahres 2013 gewählt.

Der herzliche Dank geht an die Ausrichter dieser Publikumswahl nach Publikumseinreichung von Vorschlägen. Vor allem aber an jene, welche dieses Blog bei der Abstimmung mit beinahe absoluter Mehrheit wählten — und das, obwohl hier im Blog nirgendwo zur Wahl aufgerufen wurde. Danke! Da steigt die Bloglust für 2014 ins Unerwartete.

*

Die schlechte Nachricht ist, dass sich hier ausgerechnet über die Feiertage irgendetwas Fremdes auf dem Blog eingeschlichen hatte und eine kurze Zeit lang mitfuhr durch die unendlichen Weiten des Blogosquariums. Dieses Etwas präsentierte sich dann und wann als im weiteren Sinne Werbung für Sport für Erwachsene über dem eigentlichen Blog.

Dieses Etwas ist zwar identifiziert und auch entfernt, keine Sorge also beim Betreten dieser Seite und beim Klicken blinkender und weniger blinkender Links. Allerdings besteht aufgrund des veralteten Themes zur Zeit das Risiko, dass etwas Ähnliches erneut passieren könnte.

Weshalb zunächst einmal der Umbau des Themes Priorität besitzt und weitere Beiträge auf sich warten lassen müssen. Und das ausgerechnet, da die Blogmotivation durch die Ehrung als Sportblogger des Jahres 2013 neue Zwischenhochs erreichte.

Wie auch immer: stay tuned. Es geht in Kürze weiter, dann möglicherweise im Innenraum neu angestrichen.

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Der Fußball-Moment des Jahres 2013

Für Momente auf dem Fußballplatz gäbe es zwar viele Kandidaten, aber wohl nur einen heißen auf den Sieg. Arjen Robbens Tor im ersten deutschen Champions-League-Finale aller Zeiten, das selbst hartgesottene Fans des Gegners nicht als unverdient in diesem Spiel bezeichnen würden. Der FC Bayern hatte sich die Krone aufgesetzt und das sogar samt griechisch-tragödisch anmutenden vorjährigem Scheitern in letzter Sekunde des selben Wettbewerbs. Die Leser von Trainer Baade wählten ein anderes Spiel aus dem Jahr 2013 zu einem ihrer liebsten: den Sieg von Borussia Dortmund durch zwei Tore in den Schlusssekunden gegen Malaga, wodurch das deutsche Finale überhaupt erst möglich wurde. Auch Großkreutz‘ Tor kurz vor Schluss in Marseille hätte das Zeug dazu, der Fußball-Moment des Jahres 2013 zu sein, das Karriereende von Ailton natürlich ebenso. Oder das Nicht-Tor von Stefan Kießling in Hoffenheim, von Dr. Felix Brych des „Nicht-“ entraubt. Ansonsten blieb das Jahr fußballerisch eher blass, auch wenn natürlich Paraden, schöne Schwalben, etwas plötzlich doch noch eintretende Abstiege wie jener von Fortuna Düsseldorf wie jedes Jahr stattfanden und damit auch in die Liste gehörten. Eher blass jedoch, weil der Sieger in diesem Jahr immer schon feststand. Rekorde aus 51 Jahren Bundesliga fielen wie einst Bernd Hölzenbein und Rudi Völler in Personalunion, doch im Gedächtnis bleibt bei derartigen Dauersiegen wenig.

Zwei Donnerschläge abseits des Platzes dürfen daher nicht unberücksichtigt bleiben, blickt man aufs Fußballjahr 2013.

Da wäre zum einen die Nachricht „Hoeneß: Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung“, welche der Autor am Tag nach seiner Lesung im April in München am mittleren Morgen in der Wohnung des Stadtneurotikers erstmals auf seinem Wischtelefon erblickte. Und die Schlagzeile gleich mehrere Male lesen musste, um sie für real zu halten. Das Ganze entwickelte sich zu einem veritablen Erdbeben in Deutschlands Fußballlandschaft, samt stümperhafter, eventuell noch sehr teuer zu bezahlender Selbstanzeige, Haftbefehl, Kautionszahlung und zunächst enttäuschter, dann aber doch zum Champions-Titel gratulierender Bundeskanzlerin. Eine Geschichte, deren Ende noch nicht geschrieben ist.

Zum anderen wäre jener Knall zu nennen, welcher ebenso wenig komplett verhallt ist wie der Hoeneß’sche. Am 23. April 2013 verkündete die Webseite des BVB, dass Mario Götze seine Ausstiegsklausel nutze, um zum Saisonende zum FC Bayern München zu wechseln. Kurz zuvor war Hoeneß‘ Selbstanzeige bekannt geworden, kurz danach standen für den BVB wichtige Spiele an und man sollte diese Meldung wohl nicht ohne die erste einordnen, war sie doch möglicherweise auch Schachzug, um am Ende wieder das zuallererst hier Genannte zu ermöglichen: Arjen Robbens Siegtor im Champions-League-Finale jener Bayern gegen jene Dortmunder.

So hängt alles mit allem zusammen und so bleibt die Frage am Ende offen, welcher nun der Fußball-Moment des Jahres 2013 war. Möge der Leser entscheiden oder jeder für sich. Hier würde man, mit der Pistole auf der Brust, eher Götzes Wechsel zum FC Bayern an die Nr. 1 setzen. Die Steuergeschichte wird eventuell bald schon versickern, auch wenn Hoeneß‘ Standing als moralisierender Talkshow-Dauergast damit ein endgültiges Ende fand. Den Fußball in Deutschland veränderte Letzteres aber vielleicht langfristiger als Hoeneß‘ Sturz.

Also, gut, dann schreiben wir’s doch hin:

Der Fußball-Moment 2013 war die Bekanntgabe des Wechsels von Mario Götze zum FC Bayern.

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Over- oder underdressed?

Ging letztens schon durchs Netz und ist somit „aaalt“, aber der eine oder andere hat es vielleicht noch nicht gesehen:

Maskottchen bei Schweigeminuten im Fußball.

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Fußball-Bundesliga, das große Geschäft

Weihnachtszeit, man kehrt an alte Stätten früheren Siechtums zurück. Dabei entdeckt man auf dem Dachboden schon mal das eine oder andere Zeugnis vergangener Zeitvertreibe.

Solche Funde beweisen, dass in der Bundesliga schon immer alles so war, wie es in der Gegenwart ist, und immer so sein wird.



Das Einzige, was sich im Laufe der Zeit ändert, sind die Zahlen, die man in die Verträge reinmalt.

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Aber da haben wir auch nichts gewonnen

Ein lesenswertes Interview ist an uns vorbeigegangen.

Wer hier öfter vorbeischaut, weiß vielleicht, dass Christoph Metzelder aufgrund seiner Rumpelfüßigkeit, aber vor allem Rechtsauslegerigkeit in diesem Blog nicht allzu gut gelitten ist. Seit dem Ende seiner aktive Karriere punktet er allerdings nicht nur durch die Unterstützung seines Heimatvereins TuS Haltern, für den er auch in einer unteren Liga dann und wann aufläuft, sondern auch mit Greifbarem, Sinnhaftem als sky-Experte, welches noch dazu gut ins Ohr geht.

Weiter punktet er auch im unten verlinkten Gespräch, da er a) das Halbfinale 2006 gegen Italien — wie es sich gehört — als seine schlimmste Niederlage bezeichnet, aber auch, dass er b) anerkennt, dass er als Verteidiger und eben nicht Passgeber oder Torschütze das Wesen des Fußballs nie richtig kennenlernen konnte, wenn er als Profi auf dem Platz stand. Ein bemerkenswertes Bekenntnis.

Ebenfalls in diesem Gespräch antwortet er auf die Frage, ob der Nationalmannschaft die viel zitierten Typen fehlen:

Ja, das glaube ich schon: dass in den letzten Jahren Spieler, die gut waren, aber eben andere Typen, einer Sehnsucht nach Homogenität zum Opfer gefallen sind.

ZEIT: Und fehlen, wenn es ernst wird?

Metzelder: Wenn man das wüsste. Ich bin in Zeiten zur Nationalelf gekommen, als es diese Typen noch gab. Aber da haben wir auch nichts gewonnen.

Hier das komplette Interview mit der Zeit.

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Beim Modellbau Klumpfüße an den Händen

Miniatur-Stadien sind ein Spaß für Groß und Klein. Es gibt das Duisburger Stadion als ziemlich ausgefeiltes Modell, ein sehenswertes Stadion aus Wurst, die Allianz-Arena aus Lego und natürlich zig weitere auf der ganzen Welt.

In Kiew wollte man sich da gewiss nicht lumpen lassen und erbaute ebenfalls ein Modell seines Kiewer Stadions. Natürlich gibt man es dann auch der Öffentlichkeit frei. Wie gut, dass diese Sammlung von Miniaturen zufällig in Kiew selbst beheimatet ist. Anderenfalls hätte es sonst wohl niemand als Modell des Kiewer Stadions erkannt (scrollen).

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Filmkritik: Trainer!

„Trainer!“ heißt das neueste Werk des Regisseurs Aljoscha Pause, der schon mit „Tom meets Zizou“ zu begeistern wusste (Kritik siehe hier). Es wurde bereits vor einigen Monaten in einer kürzeren TV-Fassung im WDR gesendet. Vor wenigen Tagen zeigte das Metropol-Kino in Düsseldorf die Kinoversion in 136 Minuten Länge. Zusammen mit einer Matinee, zu der einer der Protagonisten des Films, André Schubert, geladen war, ergänzt mit Norbert Meier und 11-Freunde-Mensch Thorsten Schaar, der das Gespräch leitete, bot das einen willkommenen Anlass, diese Bildungslücke in Form des Films „Trainer!“ zu schließen.

Portraitiert werden drei im deutschen Profifußball eher weniger bekannte Trainer: André Schubert, zunächst beim FC St. Pauli, später beurlaubt, Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim sowie Stephan Schmidt beim SC Paderborn, am Ende ebenfalls beurlaubt. Dazu immer wieder Interviewschnipsel mit Jürgen Klopp, Armin Veh, Michael Oenning, Hans Meyer, DFB-Trainer-Ausbilder Frank Wormuth, Thomas Schaaf sowie dem in diesem Film unsagbar grauselig gewandeten Peter Neururer.

Erkenntnis Nr. 1: Trainer fahren allezeit Auto. Ständig zeigt der Film seine drei Protagonisten, wie sie am Steuer durch Landschaften oder Städte kutschieren. Obwohl Gunnar vom Stehblog mich bat, bei der anschließenden Diskussion die Frage zu stellen, ob die Trainertätigkeit tatsächlich zu 70% aus Autofahren bestünde, verzichtete ich darauf.

Denn gleich die erste Aussage von André Schubert im Anschluss an den Film war, dass diese Autofahrten ein dramaturgisches Mittel darstellten, um von Szene zu Szene überzuleiten. Bei 70% Autofahrzeit landet der Film ohnehin nicht, aber es sind deutlich zu viele Szenen, in denen nur gesprochen wird, wo man lieber noch mehr vom Trainingsalltag gesehen hätte. Selbst wenn Autofahren dazu gehört: für welchen Job mit wechselnden Einsatzorten gilt das nicht? Nun denn, diese kleine Schwäche macht den Film ohnehin nicht wirklich schlechter. Denn er geht hautnah an die Arbeit der Trainer heran, beim 1. FC Heidenheim sogar bis ins im Fußball immer noch so Heilige: die Kabine und die Ansprachen vor Anpfiff und in der Halbzeit.

„Wenn du gewinnst, wirst du gefeiert, wenn du verlierst, bist du der Loser. So einfach ist das.“

Frank Schmidt betont es zu Anfang einmal explizit: Dass ihm bewusst ist, wie wenige Menschen in Deutschland diesen Job ausüben können, Profitrainer im Fußball zu sein. Weshalb er ausnahmslos jeden Tag mit großer Freude zur Arbeit gehe. Freude, die im späteren Verlauf des Films nur noch sporadisch auftaucht, wenn alle in Stress gebadet um Punkte und vor allem ihren Job kämpfen müssen. Der nicht ganz unwichtige Faktor des riesigen Geldes, das man hier mit einem reinen Spiel verdient, kommt quasi überhaupt nicht zur Sprache. Und auch wenn den Trainern bewusst ist, dass sie einen Luxusjob ausüben: im Alltag ist davon nicht mehr viel über, denn dann fordert das Rad in Form des Spielplans seinen Tribut an Aufmerksamkeit.

Alle drei Trainer reden ständig vom großen Druck, der unaufhörlich vorhanden sei. Immer nur Stress durch die ganze Saison hindurch. Klar, man kann bei der Arbeit immer noch mehr machen und insbesondere in kleineren Vereinen gibt es schlicht weniger Schultern, auf die die zu erledigenden Aufgaben verteilt werden können.

Alle reden von Druck, außer Armin Veh.

Vielleicht ist seine oft aufreizend daherkommende Distanz zur Arbeit mit seinem Klub aber der richtige Umgang mit dem ständig vorhandenen Stress. Auch mal etwas nicht erledigen können, nicht alles bis zu Ende gedacht haben, dafür aber psychisch frisch zu bleiben. Besonders auskunftsfreudig zeigt sich Armin Veh im Film allerdings nicht, sein meist vom bekannten Grinsen umspielter Mund wahrt auch hier die Distanz und lässt nicht allzu tief ins Innere blicken.

Zu Anfang wird von DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth gleich klargestellt: jene Trainer, welche ausschließlich über die Motivation kommen, seien passé, die heutigen Trainer seien alle im Wortsinne Fußballlehrer. Leider zeigt der Film dafür dann aber trotz 136 Minuten Laufzeit viel zu wenig von der täglichen Trainingsarbeit, stattdessen immer wieder diese nervigen Autofahrten. Hier hätte man gerne mehr Details des Trainings gesehen, statt die Trainer über ihre Arbeit reflektieren zu hören. Zumal alle drei nicht auf den Kopf gefallen und zu spannender Reflektion in der Lage sind — am Ende aber doch mit sehr ähnlichen Erkenntnissen bezüglich ihrer Position im Fußball und im Leben aufwarten.

Dafür zeigt der Film sehr anschaulich, wie groß der Einfluss des Zufalls auf die Resultate ist. Bei fast allen erzielten Toren ist noch eine Hand des Torwarts am Ball, der Torwart oder ein Verteidiger begehen einen Fehler oder der Ball wird schlicht abgefälscht. So viel Druck und so viel Zufall — passend in Relation gesetzt.

„In welchem anderen Job gibt es das, dass die Arbeit eines Menschen jeden Tag öffentlich bewertet wird?“

Thomas Schaaf

Auch weitere weniger angenehme Seiten am Trainerleben kommen nicht zu kurz. Meist besitzen die Trainer kaum Einfluss auf die Kaderzusammenstellung. Besonders erschreckend ist aber die große Macht der Boulevardmedien auf die Stimmung rund um den Trainer. Verständlich, dass sich André Schubert im Film nach seiner Entlassung im neuen Job eine Vereinsführung wünscht, die zusammenhält, also Präsident, Manager, Spieler. Selbst der Pressesprecher des FC St. Pauli betont, dass ein Trainer tatsächlich einige Wochen länger im Amt bleibt, wenn die zuständigen Journalisten ihn mögen, der Trainer einen guten Draht zu ihnen aufgebaut hat — was für eine erschreckende Bankrotterklärung des Businesses, die man nicht unbedingt an dieser Stelle des Profifußballs erwartet hätte, beim FC St. Pauli.

Dazu gelingt es allen drei Trainern kaum ein Mal, wirklich abzuschalten. Wobei die Frage nach Henne und Ei hier nicht beantwortet wird: Können sie nicht abschalten, weil der Job es so erfordert? Oder gelingt es ihnen nicht, weil sie nicht die Typen dafür sind? Armin Veh scheint damit keine Probleme zu haben, ebenso wenig wie Hans Meyer, der aber ohnehin nur seine altbekannte Rolle des altväterlichen Erklärbärs spielt, aus der er nicht mehr herauszufinden scheint. Sein Beitrag besteht aus zwei, drei Anekdoten von früher, die insgesamt wenig Erkenntnis ermöglichen (der Trailer unten täuscht da etwas).

Auch wenn sie schließlich auf dem Platz über den Job des Trainers entscheiden, stehen die Spieler im Film eher im Hintergrund. Einzig eine Auseinandersetzung über die Spielauffassung zwischen Deniz Naki und André Schubert findet einigen Raum im Film, schließlich ebenfalls Bestandteil der Trainertätigkeit.

„Ich trainiere später Erste Liga, das ist Fakt.“

Stephan Schmidt

Klar wird aber auch: Der Job als Fußballprofi mit täglichem Training mutet doch extrem langweilig und geistig unterfordernd an. Innerhalb dieses Sports hat sich zudem eine Monokultur an Typen Mensch herausgebildet, die Folge der Professionalisierung zu sein scheint. Alle tragen die gleichen Klamotten, alle leben den selben Stil, alle fahren auch fast die gleichen Autos, haben den selben Teint — ein ein wenig abschreckender Uniformierungsdruck innerhalb einer sehr speziellen Nische, wenn auch fürs Spiel auf dem Platz eher irrelevant.

Oliver Bierhoff selbst ist übrigens an jener Agentur beteiligt, welche André Schubert als Trainer vermarktet, sprich: ihn bei anderen Vereinen positiv präsentiert. Dass es solche Agenturen überhaupt gibt, ist schon ein Aha-Moment. U. a. sind auch Bruno Labbadia und Jürgen Klopp (?) bei dieser Agentur. Unweigerlich tritt der Geruch von Nepotismus in die Nase, wenn Oliver Bierhoff Einfluss darauf nehmen kann, die Spieler welches im Profifußball tätigen Trainers für Auswahlmannschaften nominiert werden, die wiederum gleichzeitig seine Kunden sind. Diese Agenturen präsentieren die Trainer bei Vereinen insbesondere in Zeiten der Abwesenheit einer sportlichen Krise, um den Eindruck kreisender Geier zu vermeiden.

Stephan Schmidt ist ein ebenso interessanter Typ wie der hemdsärmelige Frank Schmidt, stammt aus einem Spandauer „Problembezirk“ und hat etwas Mourinho-für-Trainingsanzugträger-Haftes, strahlt eine Arroganz und Überzeugung aus, die unerschütterlich scheint. Ein ganz schwaches Bild gibt hingegen Rachid Azzouzi bei der Begründung des Rauswurfs von André Schubert ab. Noch schwächeres Verhalten legt Paderborns Präsident Dingsbums beim Rauswurf von Stephan Schmidt an den Tag. Diesen erklärt der Präsident zuerst der Presse … statt seinen Trainer persönlich zu informieren. In beiden Fällen gewinnt der Film hier aber enorm an Authentizität und genau das macht ihn so wertvoll wie einzigartig.

„Wir haben früher oft gar nicht gemerkt, dass der Trainer keine Ahnung hatte.“

Armin Veh

Weiter zeigen alle drei Trainer jene Verbissenheit, die für diesen Job wohl nötig ist, die aber auch stets das Unangenehme, leicht Anwidernde im Fußballsport darstellt: Disziplin, Gehorchen, Disziplin, Chefhörigkeit, Disziplin, der Gruppe dienen, Disziplin. Es ist nun mal ein Mannschaftssport, auch wenn alle drei Trainer betonen, dass sie nicht mehr autoritär wie frühere Trainer vorgehen. Jürgen Klopp erklärt das Funktionieren damit, dass ein Team nun mal einen Entscheider benötige, der die Richtung bestimme und zudem Fußballer es seit dem 4. oder 5. Lebensjahr gewohnt seien, derartigen Anweisungen zu folgen.

Leidenschaft ist überdeutlich bei allen Beteiligten zu erkennen — dass es ihnen Spaß macht, müssen sie aber jedes Mal immer erst explizit aussprechen, damit man es überhaupt bemerkt. Ein wenig scary, aber Arbeit bedeutet eben dann Befriedigung, wenn sie von Erfolg gekrönt ist.

Fazit: Die Dokumentation „Trainer!“ zeigt das Bild eines wirklich verrückten Berufs in vielen Facetten, von denen insbesondere die Arbeit mit den Spielern bislang so noch nicht beleuchtet wurde. Die konkrete Trainingsarbeit kommt etwas zu kurz, dafür sind die Protagonisten wohl ausgewählt. Ein verrückter Beruf ist es, ausgeübt von Menschen, die dafür prädestiniert sein müssen. Ihre Familien und ihr soziales Umfeld werden zumindest von ihnen gefühlt schwer beansprucht, in Form von Abwesenheit nämlich. (Ob dies von den von der Abwesenheit Betroffenen überhaupt genauso empfunden wird, an diese Frage wagte sich der Film allerdings nicht.)

Gut herausgestrichen wird, dass die Trainer am Ende abhängig von den Zufällen des Fußballs, Latte, Pfosten, Platzfehler, etc. und von der örtlichen Medienlandschaft sind. Womit sie am Ende eben doch extrem austauschbar werden, selbst wenn bewiesen ist, dass Trainerwechsel kaum etwas bringen. Erhellende Einblicke in ein Leben, das trotz der Dramatik und der Erfolgserlebnisse geprägt ist von viel Arbeit, die auch auf den zweiten Blick nicht nach Vergnügen aussieht. Ein Trainer ist heute jedenfalls ein Fußballlehrer. Und abzuschalten lernt man wohl erst in späteren Jahren der Karriere, so scheint es. „Trainer!“ spielt den Pass in die Gasse der bislang für Fußballinteressierte unzugänglichen Bereiche. Prädikat „äußerst sehenswert“.

Dazu der Trailer zum Film, der nicht zu viel verspricht:



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Der blaue Adel und der alte Ritter

Sicher den wenigsten bekannt ist die Antwort auf die Frage, welches Team im deutschen Fußball auch „der blaue Adel“ genannt wird. Man müsste hier eigentlich erst mal die Leute raten/vermuten lassen und einen Spoilerschutz einbauen. Die Frage ist aber wohl so schwierig, dass sie ohnehin nur Menschen aus dem Umfeld der baden-württembergischen Landeshauptstadt beantworten könnten, ohne zu raten.

„Der blaue Adel“, so nennt man im Fußball die Stuttgarter Kickers. Warum, das war bislang noch nicht zu eruieren. Zugelaufen ist einem diese Information mal wieder im Zuge einer dieser „Internet-Safaris“ (© by Stadioncheck), an deren Anfang man sich am Ende nicht mehr erinnert. Womöglich hatte der Ursprung dieser Safari etwas mit Manfred Kaltz und dem letzten Titel des HSV zu tun.

Wie dem auch sei. Die Stuttgarter Kickers traten (abgesehen von einem 4:1-Auswärtssieg beim FC Bayern München) ansonsten im nationalen Fußball nicht besonders in Erscheinung. Von einer Ausnahme abgesehen — als die Kiggers 1987 das Pokalfinale erreichten. Welches sie zwar gegen den HSV verloren, unter Anderem wegen eines Bananenfreistoßes von eben jenem Manni Kaltz, doch war diese Finalteilnahme etwas, was sie in die Annalen und zugleich den Fokus der Fußballöffentlichkeit brachte.

Um ein Finale zu erreichen, muss man allerdings ein Halbfinale gewinnen. Und in einem solchen waren auch 1987 schon im DFB-Pokal meist nur höherklassige Mannschaften vertreten. Denn die Kickers aus Stuttgart waren damals Zweitligist, der ihnen zugeloste Gegner Fortuna Düsseldorf hingegen Erstligist.

Wie das so war, als Underdog gegen den Overdog, als der Rasen tief war, das Wetter diesig und die Fans noch hinter Moschendrohtzaun eingepfercht waren, verrät das folgende Video der Sportschau von diesem legendären Sieg im DFB-Pokalhalbfinale des „blauen Adels“ Stuttgarter Kickers über Fortuna Düsseldorf.

Wie immer sehenswert neben dem völlig anderen Fußballspielstil auch die medial-verbale Unbeholfenheit der Spieler.



Ah, ja, gut, das haben wir jetzt alle gesehen.

Nein! Eher doch nicht.

Wie relativ sicher ist, hat fast niemand das Video zu Ende geschaut, sofern es überhaupt jemand angeklickt hat, denn es ist länger als 90 Sekunden und damit länger als die neu begründete Einheit des „maximalen Internet-Aufmerksamkeitsspannen-Umfangs“ (MIAU). Was länger als 90 Sekunden dauert, findet einfach nicht statt, bei den allermeisten jedenfalls.

Deshalb hier als Service für die Leser der Hinweis auf jenen hörenswerten Teil des Berichts mit der allwissenden Müllhalde des deutschen Fußballs, die auch damals schon an allen Ecken und Enden vors Mikro geholt wurde. Mit anderen Worten: Paule heißter, ist Altklugscheißer und wird noch stets gefragt im deutschen Fußball, was er so denkt — wenn er denn die Ritterrüstung rechtzeitig abzulegen schafft.

Also noch mal anklicken, dann geht’s sofort an der richtigen Stelle los: (funktioniert zur Zeit nicht, wird dran gearbeitet, die besagte Stelle ist bei 3:40)



Man versteht sicher durchaus auch als jüngerer Zuschauer, welchen Segen es bedeuten konnte, dass es nur drei Fernsehprogramme gab. Was man damals aber als Zeitgenosse leider selbst noch nicht ahnte.

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Karagounis, don’t make cartoons!

Ah, Fußball!

Toller Fußball, feiner Fußball, wunderbarer Fußball.

Aber dann diese Pein, diese Plage. Dieser pain in the ass. Nicht der Fußball an sich. Aber was daraus wurde und wer ihn — vermeintlich — beherrscht. Sepp Blatter. Michel Platini. Jack Taylor. Franz Beckenbauer. Das sind Namen, die schon beim Zuhören weh tun, wenn man sich erinnert, was sie für den Fußball getan haben. Nämlich nichts, außer ihn zu korrumpieren.

Möglicherweise liegt es aber in der Natur der Sache, dass man als Amtsträger korrumpiert wird. Es könnte sogar sein, dass man diese Ämter nur erreichte, weil man sein Lachen an den Teufel verkaufen musste. Wir erinnern uns alle an Thommi Ohrner, der „Manni, der Libero“ war, aber als Timm Thaler in einer anderen Weihnachtsserie eben dieses Lachen an den Teufel verkaufte.

Es gibt jedenfalls zwei neue Indizien dafür, dass man als Amtsträger insbesondere im Fußball sein Lachen verkaufen musste.

Das erste kommt aus Österreich, das zweite aus der Schweiz. Lachen Sie nicht, so Sie noch können, auch in diesen Ländern wird Fußball gepflegt. Letzteres ist gar Gruppenkopf „an“ der kommenden WM, wie man dort zu sagen pflegt.

In Österreich ereignete sich kürzlich folgender Fall. Die angesehene Fußballkulturzeitschrift ballesterer veröffentlichte eine Karikatur einer ohnehin sich sehr wichtig nehmenden Person aus dem österreichischen Fußball. Das empfand diese komischerweise gar nicht so. Und erregte sich derart über eine Karikatur ihrer Person, statt sich zu daran zu erfreuen, dass sie im öffentlichen Leben so wichtig ist, dass man überhaupt Karikaturen von ihr erstellt. Dass sie sich daran nicht erfreute, demonstrierte sie per an den ballesterer per Anwalt zugestellter Unterlassungserklärung. Welche der ballesterer, wie man es richtig tut, mit einigen Modifikationen auch zeichnete. Die ganze lesenswerte wie traurige (traurig für den Amtsträger) Geschichte gibt es hier zu lesen, was man unbedingt tun sollte.

In der Schweiz gehen solche Sachen aber nicht mit ein paar Dutzend Hundert Euro ab, welche der ballesterer zahlen musste, da wird gleich vor Gericht gegangen. Der Blatter Sepp (für alle, die es immer noch nicht wissen: dass „S.“ in Joseph S. Blatter steht für „Sepp“, was eine Kurzform von Joseph ist, ein gefaketer Mittelinitial also, so wie es noch ständig bei in Eitelkeit ertrinkenden Menschen nötig ist). Der Sepp Joseph Blatter ging gleich vor Gericht, als eine Karikatur über ihn erschien und gewann sogar. Das Bezirksgericht in Zürich verbot einem Karikaturisten, seine Cartoons von „Sepp Platter“ weiter zu veröffentlichen. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, denn die Begründung lautet folgendermaßen:

Die Karikaturen seien geeignet, die berufliche und gesellschaftliche Ehre des FIFA-Präsidenten Sepp Blatter „in empfindlicher Weise herabzusetzen“.

Welchen Sinn hat dann noch eine Pressefreiheit? Näheres und wie immer Weiterführendes beim recht gut informierten Blog vom Runden Leder zu diesem Thema.

Wir stehen da, vor der Humorwand, die im Fußball aufgebaut wird und stellen fest: Eine solche, nicht mal eine Humortoleranz, gibt es bei jenen welchen nicht, welche im Fußball relevant sind. Genau deshalb laden wir ja wieder ein zum neuen Fußballweltverband, garantiert mit Humor ausgezeichnet und vor allem mit Karikaturen-Resistenz. Unfassbar, wie wenig Humor man so als Funktionär an den Tag legen kann. Noch unfassbarer, dass ein Gericht Karikaturen von Sepp Blatter verbietet. Traurig ist es in diesen Tagen, mit Humor sein Tagwerk zu verdienen. Noch trauriger ist, dass der Fußball, bei denen, die sich dafür verantwortlich halten, einen solchen nicht hat. Wie gesagt, kommen Sie zu unserem neuen Fußballverband.

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Lost

Ich bin heute morgen aufgewacht. Und es war noch mitten in … keine Ahnung, welche Tageszeit es war. Aber ich machte schnell eine fürchterliche Entdeckung. Ich war in einer Parallelwelt aufgewacht.

Und zwar in einer Welt, in der Bayernfans mit Nachdruck darauf bestehen, dass ihre Mannschaft tatsächlich gar nicht so gut sei, wie von anderen Seiten behauptet.

Im Bad merkte ich dann, dass das Wasser im Waschbecken andersherum in den Abfluss strudelt. Sehr suspekt. Wie komm ich wieder zurück in die richtige Welt?

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Der Geist von 1950



Werbung aus Uruguay.

Spannenderweise in diesen Tagen gar nicht mal so unwahrscheinlich wie in der meisten Zeit dazwischen, dass sich das Trauma wiederholt.

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Anthony Yeboahs Geständnis: Geburtsjahr gefälscht

Anders als man vermuten könnte, hat Anthony Yeboah sich allerdings nicht jünger gemacht, um länger eine Karriere im Profifußball gestalten zu können, als es die reine Alterszahl dann erlaubt hätte.

Im Jahr 2012 gab Anthony Yeboah zu, dass er in Wirklichkeit zwei Jahre jünger ist als sein früher stets angegebenes Geburtsjahr von 1964. Tatsächlich war er erst 1966 auf die Welt gekommen.

Sein Motiv war, dass er schon in jüngeren Jahren in der ersten Mannschaft eines Klubs in Ghana spielen konnte, als es ihm sonst erlaubt gewesen sei.

Damit bestätigt er zwar Klischees, dass man in weniger entwickelten Ländern bei diesen Angaben auf einfache Weise pfuschen kann und das auch tut. Immerhin hat er aber noch zu Lebzeiten aufgeklärt, dass es so war und was seine Motivation war. Falls das an den Lesern ebenso vorbeigegangen sein sollte wie am Autor, ist diese Lücke nun wenigstens geschlossen. Der Mann war in Wirklichkeit immer viel jünger als er aussah.

Somit ist auch jene Maßnahme überflüssig geworden, welche Yeboahs einstiger Nationaltrainer Otto Pfister zur Klärung dessen umstrittenen Alters damals empfahl:

„Da hilft nur eins: Bein aufsägen und Jahresringe zählen.“

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YB, das Schweizer Schalke in schwarz-gelb

„Ieehh-Bähh“ spricht man die Abkürzung „YB“ aus. Was kleine Kinder sagen, wenn sie sich ekeln, ist in Bern Ausdruck der Liebe zum erfolgreichsten lokalen Fußballverein, dem BSC Young Boys. Stimmt nicht ganz, denn natürlich ist das „I“ im „YB“ kurz und betont, das Bääh wird eher ausgespuckt.

Dass der Verein in einem Stadion zu Hause ist, in dem — zumindest der später entstandenen Legende nach — das Selbstbewusstsein der BRD seine Wiedergeburt erfuhr, macht es überflüssig, viele Worte zum Wankdorfstadion zu verlieren. Allerdings wurde das alte, 1925 errichtete Stadion 2001 abgerissen. Mit den 31.120 Plätzen im neuen „Stade de Suisse“ an selber Stelle verfügt die Bundesstadt Bern über das zweitgrößte Stadion der Schweiz.

Darin spielen in schwarz-gelb gewandete Spieler, deren geschicktester in der Vergangenheit Stephane Chapuisat war. Zumindest wenn man den Fans glauben darf, die ihn zum besten Spieler aller Zeiten des BSC Young Boys wählten.

Warum nun ist YB das Schweizer Schalke in schwarz-gelb/gelb-schwarz?

Weil man hier zwar auf eine sogar noch erfolgreichere Vergangenheit zurückblicken kann. 11x wurde man Landesmeister, mit einer Hochphase in den 1960ern, 6x gewann mal den nationalen Pokal. Doch seit 1987, als der letzte Pokalsieg eingestrichen wurde, ist Ebbe an jenen Stellen in den Kalendern der YB-Fans, die dafür da sind, sich Termine für Meisterfeiern und Pokalübergaben zu notieren.

Fast 30 Jahre keinen Titel und zwischendurch — ebenso wie Schalke — sogar mal abgestiegen und das nicht nur ein Mal. Ebenso wie Schalke inzwischen aber in der höchsten Spielklasse des Landes stabilisiert und mit einer der größten Fanschaft sowohl in reiner Anzahl als auch in den Punkten Treue und Ergebenheit beschenkt. Ebenso wie Schalke hat man ein recht neues Stadion, wie Schalke spielt man auch immer oben mit und genauso wie für Schalke reicht es dann auch schon mal am letzten Spieltag doch nicht zur Meisterschaft, woraus man schöne Legenden stricken kann und es auch tut. Ähnlich wie Schalke hat YB zwei Rivalen in der Liga, welche finanziell aus einem noch etwas größeren Bottich schöpfen können.

Dennoch hat man in seiner Clubgeschichte eine ganze Reihe auch hierzulande bekannter Fußballer in seinen Reihen Kommen und Gehen sehen, sowohl auf dem Platz als an der Linie. Lars Lunde und Hakan Yakin auf dem Platz dürften bekannt sein, Gernot Rohr, Martin Andermatt oder Christian Gross an der Linie. Dazu mit Pal Csernai, Timo Konietzka und nicht zuletzt Albert Brülls auch Namen, die für die älteren Saisons unter den Lesern irgendwo in den Synapsen gespeichert sein dürften. Aber vielleicht sind ja auch die Namen interessanter, die nicht in hiesigen Landen bekannt sind, da möge man selbst stöbern.

Zudem besitzt der Club ein Museum seiner eigenen Geschichte und war damit lange Zeit der einzige in der Schweiz, der solches von sich sagen konnte. Heutzutage bleibt er damit der erste, welcher eine solche Einrichtung schuf. (Zum Schalker Museum hier entlang.) Nur die Farben, die sind eben nicht königsblau, sondern schwarz-gelb (oder gelb-schwarz).

Es gibt vielerlei Schrägpositives über den Verein zu berichten. Nicht zuletzt, dass eine Gruppierung gegen Rassismus einst in üblen Zeiten, genauer 1996, als die Kurve mit Rechten durchsetzt war, für eine Partie Trikotsponsor der Mannschaft wurde, mit dem Slogan „Gemeinsam gegen Rassismus“, mehr (und Bilder) dazu hier.

Und dann ist da noch die YB-Wurst. Hier lechzt man ja immer danach, dass nicht alle Klubs die gleichen Songs singen, das „Danke-Bitte-Spielchen“ machen oder schrottige Tormusik haben. Man fertigt sogar Sammlungen derartiger Besonderheiten an. Eine solche Besonderheit ist die YB-Wurst. Sie ist so besonders, dass wir der Erklärung bei der alten Tante lauschen:

Im alten Wankdorf wurden die Schweinswürstchen im Wasserdampf heiss gemacht. Die Nachfrage war jedoch so gross, dass die Verkäufer eine grössere, sättigendere Wurst anbieten wollten. Die Verantwortlichen trafen sich, um eine Lösung zu finden. In Lausanne wurden sie auf ein bestehendes Rezept aufmerksam. Die neue, im Wasser gekochte Wurst wurde übernommen und fortan als „YB-Wurst“ verkauft. Über die Jahre wurde die Wurst zu einem Kultsymbol in Bern. Es entstanden verschiedenste Fanartikel, ein eigener Fansong und sogar ein Fanclub, der sich nach der YB-Wurst benannte.

Eine Wurst mit einem eigenen Fanclub — das kann noch nicht mal der FC Schalke von sich behaupten! Eine solche YB-Wurst gibt es nun in aufblasbarer Form bei den organisierten YB-Fans zu bestellen.

Noch eine so calmund-positiv-bekloppte Besonderheit: Weil der letzte Titelgewinn mit dem Pokalsieg von 1987 kürzlich 25 Jahre her war und es seitdem nichts mehr zu feiern gab, organisierte man schlicht eine erneute Pokalfeier, um dieses Jubiläum zu begehen. Man lud Aktive von damals in ein Kino ein, zeigte bei YB-Wurst und Bier das Pokalfinale in kompletter Länge und hatte anschließend zusammen mit den Heroen jener Zeit, unter Anderem besagter Lars Lunde, dann doch mal wieder etwas zu feiern.

Achso, eigentlich das Spannendste: der Name des Vereins. Nun, 1898 existierte bereits ein FC Old Boys im nicht allzu weit entfernten Basel. Die Gründer von YB waren so angetan vom Fußballsport, dass sie ebenfalls einen solchen aus der Taufe hoben und diesen dann in Anlehnung wie Ablehnung der Vorbilder der Old Boys eben Young Boys nannten. Warum man die Abkürzung „YB“ aber „Iiih-Bäh“ ausspricht und nicht „Ypsilon-Bäh“, das konnte mir niemand erklären. Übrigens ist es weniger verwunderlich, dass die Clubs in einem Land, in dem man deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch spricht, einen englischen Namen auswählten. Es sind schließlich Fußballclubs und der Sport stammt aus England. In der Schweiz hat man auch viele Begriffe nicht eingedeutscht, aber damit erzählt man wohl niemandem der hier Mitlesenden etwas Neues. Man spricht von „Penalty“ oder „Corner“, und da passen Old Boys als Clubname doch ebenso gut zum Fußball wie Young Boys.

Zudem existiert eine tatsächlich lebendige und gelebte Fanfreundschaft der YB‘ler mit — halten Sie sich fest — dem SV Darmstadt 98. Die Geschichte, wie es dazu kam, wurde mir zwar angetragen, da ich aber über die Wahl des befreundeten Clubs so erstaunt war, war mein Hirn kurze Zeit nicht aufnahmefähig und man müsste dies also noch einmal nachlesen.

Gastfreundlich ist man bei den Young Boys übrigens außerordentlich. Nicht nur wird man von der Fanorganisation, die in der Halbzeit zu Hause ist, zu einer Lesung eingeladen, obwohl der Schweizer Fußball in den Texten gar nicht vorkommt. Man überreicht auch noch einen echten YB-Schal als Geschenk für den Lesenden. Somit existiert jetzt wohl auch eine Fanfreundschaft zwischen YB und Trainer Baade, zumindest seitens Letzterem.

Wenn Sie mal da sind, schauen Sie sich YB im Stadion an — kaum sonst irgendwo in der Schweiz ist die Fußballatmosphäre so fußballatmosphärisch wie in Bern. Gehen Sie aber vom Hauptbahnhof aus nicht über die Kornhausbrücke zu Fuß in Richtung Stadion, oder besser nur dann, wenn Sie schwindelfrei sind.

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