7. Mai 2014
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Waren wirklich immer alle vor den WM-Titeln fit?

Wo sind Udo Muras und Uli Hesse, wenn man sie braucht? Oder auch gerne Ihr, die man Euch jetzt braucht.

Jogi Löw, in seiner Rolle als Erwartungenherunterschrauber vor der WM 2014, wird heute in diversen Medien wie folgt zitiert:

Bei den WM-Triumphen 1954, 1974 und 1990 seien stets alle Leistungsträger im Zenit ihres Könnens und ihrer Kraft gewesen, gab Löw zu bedenken – doch diesmal sei das anders.

Quelle: u.a. RPO.

Aber entspricht das überhaupt der Wahrheit? Was für 1954 wohl nicht nur angesichts der beinahe unüberschaubaren möglichen Auswahl an Spielern schwieriger zu beantworten ist, dürfte für die anderen beiden WM-Titel doch aufzulösen sein. Allerdings leider nicht von mir, da war ich selbst 1990 noch zu wenig im Bilde, dass ich später mal ein Fußball-Blog betreiben würde, als dass ich es mir gemerkt hätte.

Waren vor den drei WM-Titeln wirklich alle relevanten Könner, Granden, Spieler fit und im Zenit ihres Könnens?

Auf Anhieb fällt mir Günter Netzer ein, der zumindest nach meiner Erinnerung durchs gesamte Turnier einen ordentlichen Fitness-Rückstand mitschleppte, weshalb er auch kaum zum Einsatz kam.

Gibt es weitere Fälle aus dem Vorfeld der Kadernominierungen dieser drei Turniere, als man auf Spieler verzichtete oder aber unfitte oder formlose durchs Turnier schleppte, wo sie kaum helfen konnten?

4. Mai 2014
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„Das klappt gar nicht“, sagt Jorginho

Wahrscheinlich hat jeder schon überall gelesen, wie es in den letzten Tagen in Brasilien wieder zugeht und wo der Zorn der Massen herkommt. Davon erzählt auch der erste Teil dieses Textes im Tagesspiegel.

Recht unbekannt dürfte aber jener zweite Teil des Textes sein, wie der ehemalige Bundesliga-Star Jorginho mit seiner Fußballschule in Rio de Janeiro und einer nach kurzer Zeit komplett veränderten Vorgehensweise den Mythos vom Fußball/Sport als Heilsbringer für mehr als nur einen aus einer Million entlarvt. Wobei das keine neue Erkenntnis ist, im Falle von Jorginho wird diese aber besonders intensiv illustriert.

Das, was Jorginho mit seiner Fußballschule in Rio da erlebte, sollte man allen hiesigen Sportlern, die Stiftungen gründen, welche dann Kindern in z. B. Südafrika einen neuen Sportplatz bauen und ein paar Trikots hinschicken, ausgiebigst einbleuen.

Wer nicht ganz auf dem Laufenden ist, kann aber den ersten Teil ebenfalls konsumieren.

30. April 2014
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Terrorist statt Tottenham

Zugegeben, ein klein wenig ist die Überschrift zurechtgedeichselt, denn die Rede ist im Folgenden nicht von echten Terroristen. Sondern von der „Generation Terrorists“. Das ist keine neue Generation Mensch, so heißt das erste Album der Manic Street Preachers. Was diese Band mit Fußball zu tun hat, erfährt man sogleich.

Immer wieder schauen wir hier bekanntlich auf die konkreten Verbindungen von Musikern zu Fußball, wobei „konkret“ meint, mehr als nur einen WM-Song geschrieben oder als Promi mal einen WM-Tipp abgegeben zu haben. So ähnlich wie bei — ähm — Campino eben, der da wirklich ganz ausgeprägter Liverpool-Fan und auch ein bisschen Fortune ist. Und dies auch lebt, indem er schon mal eine Mark pro verkaufter Platte der Fortuna überlässt, auf dass diese damit einen neuen Spieler kaufe. Was trotz aller Verschlagerung seiner Songs in den letzten Jahren durchaus bemerkenswert ist, in Bezug auf den Fußball.

Aber doch sind hier eher jene Verbindungen gesucht, wie sie bislang gefunden wurden:

Gleichzeitig kann man dabei auch mal illustrieren, wie so eine Internet-Safari abläuft, neudeutsch heißt das wohl „Wilfing“. Es begann mit diesem Tweet von RealTimeWWII, der von deutschen Bombenangriffen auf britische kulturelle und touristische Ziele im Jahr 1942 berichtet. Dabei stieß ich auf das mir bislang unbekannte „Baedeker Blitz“ getaufte Vorgehen der deutschen Luftwaffe, für einen kurzen Zeitraum auch kleinere Städte in England ohne besondere Industrieeinrichtugen zu bombardieren. Die Liste der Städte umfasst Exeter, Bath, Norwich, York und Canterbury. Die einzige Stadt von diesen fünfen, die ich selbst schon mal besuchte, ist Canterbury. Also schaute ich auf deren Wikipedia-Beitrag, ob dort vielleicht zu erfahren war, welche und wie viele Gebäude zerstört worden waren. Mir kam Canterbury bei meinem Besuch nicht gerade wie eine erst kürzlich wieder aufgebaute Stadt vor, im Gegenteil wie ein Ausflug ins architektonisch intakte Mittelalter, nicht umsonst ist die Stadt auch Teil des UNESCO-Welterbes.

Auf der Wiki-Seite zu Canterbury befand sich die Liste berühmter Persönlichkeiten dieser Stadt, welche man dann auch mal so durchstöbert. Ian Fleming stammt aus Canterbury, aha, aber keine Fußballer. Orlando Bloom, soso, und auch ein Mann mit Namen Alexander Minto Hughes mit dem Alias „Judge Dread“. Diesen verwechselte ich mit Judge Dredd, was ich wiederum nur als Filmtitel kannte. Kurz nachgeschaut, nein, Judge Dredd ist einer der erfolgreichsten Comic-Helden in Großbritannien. Dieser wurde zwar 1995 mit Sylvester Stallone verfilmt, da hatte der Film jedoch nur wenig mit der Vorlage zu tun. Großer Fan dieser Comicreihe war aber, erfährt man, Richey Edwards, Gitarrist und Texter der Manic Street Preachers.

In einem seiner Songs nahm Richey Edwards Bezug auf den Comic, genauer bei Judge Yr‘Self, der auch auf dem Soundtrack des Judge-Dredd-Films erscheinen sollte. Daraufhin bedankten sich die Macher von Judge Dredd damit, dass sie in einer Folge einen Charakter sich „4 RALE“ auf die Stirn lasern ließen. Eine unmissverständliche Anspielung auf eine absurde Aktion Richey Edwards‘. Dieser hatte auf einen Reporter, der den Manic Street Preachers vorwarf, gar keine richtigen(TM) Punks zu sein, mit der Aktion reagiert, sich vor dessen Augen in großen Lettern „4 REAL“ mit einer Rasierklinge in den Arm zu ritzen. Selbstverletztendes Verhalten in dieser Intensität ist allerdings alles andere als heroisch oder gar cool, sondern krank. Bevor man jetzt die Frage diskutiert, warum so viele Künstler krank sind, also die Henne-Ei-Frage aufwirft, ob sie nicht vielleicht künstlerischen Ausdruck rauslassen, weil sie krank sind, geht es dann doch weiter mit der Geschichte in Bezug auf Musiker und Fußball.

Jene Band nämlich, die Manic Street Preachers, verfügt über zweierlei Bezug zum Fußball: Ihr späterer Bassist Nicky Wire war nicht nur Spieler der walisischen Schülernationalmannschaft im Fußball, er war sogar ihr Kapitän. Im Alter von 16 Jahren hatte er Angebote von Arsenal und Tottenham zu einem Probetraining zu kommen. Aber ach, das Knie, das Knie, das heilt ja nie, zog er sich vorher eine Verletzung zu und aus war’s mit dem Fußball. Stattdessen wurde er Teilen der Welt eben als Songwriter und Musiker der Manic Street Preachers bekannt.

Zweiter Bezug zum Fußball ist jener, dass die Manic Street Preachers bei manchen Konzerten tatsächlich Mitglieder der Chelsea Headhunters, einer Firm, einer Gruppe von Hooligans des FC Chelsea (oder fußballhipstergemäß Chelsea F.C.) also, die Aufgabe als Ordner bei manchen ihrer Konzerte übertrugen. Von größeren Problemen deswegen ist nichts zu lesen, das kann aber im Detail durchaus anders gewesen sein. Wie dieser Kontakt zustande kam, ist auch nicht bekannt.

Spannend, wie eine Knieverletzung die Weichen im Leben verändern kann. Glücklich, wer sich eine solche Alternative zusammenbastelt.

Traurige Schlussnotiz jedoch: Richey Edwards, der so charismatische Texter, der 1995 urplötzlich verschwand und nicht mehr aufzufinden war, wurde 2008 schließlich für tot erklärt. Was ich bislang nicht wusste: Er war nicht einfach aus einem Hotel verschwunden und wie vom Erdboden verschluckt, was ja ohne die noch folgende Information einfach ein sehr geheimnisvoller Vorgang zu sein schein, der zu seinem verschrobenen Wesen passte. Nein, man fand damals auch sein Auto neben der 47 Meter hohen Severn-Brücke über den Bristol-Kanal, einem neuralgischen Punkt für Suizidwillige. Eine Leiche wurde allerdings nie entdeckt, weshalb er bzw. sein Konto bis er im Jahr 2008 schließlich offiziell für „vermutlich tot“ (presumed dead) erklärt wurde, weiterhin 25% der Tantiemen der Manic Street Preachers erhielt.

Die Manic Street Preachers aber machten auch nach seinem Ableben weiter, wie man weiß, und statt Tottenham oder Arsenal wurde es dann eben eine andere Karriere als Profi. Als Profi-Musiker.

Kleiner Schlenker zurück zur Verbindung zum Fußball: Aufgrund dieser Vorgeschichte erstaunt es nicht, dass man die Manic Street Preachers letztens in die englische TV-Sendung „Soccer AM“ einlud, bei der jeden Samstag Vormittag ein bisschen Fußball-Comedy und Fußball-Talk getrieben werden. Nicht alles auf der Insel ist gut oder gar besser, definitiv aber der Humor.

Hier der Auftritt der Manic Street Preachers bei Soccer AM, mit dem Ex-Kapitän der Schülernationalmannschaft von Wales, Nicky Wire mit seinen Bandkollegen. Das ist dann doch einfach eine andere Kategorie als jene im vorigen Beitrag …

22. April 2014
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Kostenlos mehr Ekstase

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber die Saison in der Liga jenes Vereins, für den ich zum ersten Mal eine Dauerkarte erworben habe, ist so gut wie gegessen. Es soll auch kein sportliches Fazit werden, sondern eines, das das Resultat meines kleinen Experimentes zusammenfasst. Eingeleitet wurde dieses mit dem Text „Sanfte Bande Sangesstunde Stadion“, in dem ich ankündigte, für die kommende Saison alles mitzusingen, was das Reservoir an Anfeuerungen, auch Schmähungen bereithält und natürlich sowieso alle Einlauf- und sonstigen Musikstücke, z. B. nach Torerfolgen oder in der Halbzeitpause.

Das Fazit ist so kurz wie positiv: ich habe den Fußball völlig neu für mich entdeckt.

Das gesamte Stadionerlebnis ist deutlich intensiver in allen Bereichen, die man sich für ein soziales Wesen wie es der Mensch eines ist, denken kann: Mehr Anteilnahme, größere Ausschläge der Empfindungen, intensivere Freude wie auch Trauer, sogar zur einen oder anderen Schiedsrichterbeschimpfung lässt man sich, einmal beim Mitsingen dabei, hinreißen und auch wenn Anteilnahme eigentlich das Selbe bedeutet: das Mitfiebern ist schlicht viel intensiver, ebenso wie die Verbundenheit mit dem Rest des Publikums, den Akteuren und der Idee des Vereins.

Wie das funktioniert, ist in dem oben verlinkten Text erläutert. Dass es eine solch starke Auswirkung aufs Stadionerlebnis haben würde, hätte ich allerdings nicht vermutet. Von jetzt an bin ich auch immer pünktlich 30 Minuten vor Anpfiff im Stadion, um alle einleitenden Songs mitzuträllern und muss keinen Pfennig mehr bezahlen, erlebe die Spiele aber doch viel intensiver.

Da ist man 30 Jahre lang der akademische Snob aus weißer Mittelklasse mit Stock im Arsch und singt fast nie mit, außer bei Aufstiegen oder Pokalsiegen. Weiß aber nicht, um welche Intensitäten man sich mit dieser Verweigerung bringt. Kann man jedem nur empfehlen, der lediglich als schweigender Zuschauer seinen Genuss pflegt, auch wenn das Erlebnis dann etwas roher, ungeschliffener und vielleicht auch etwas überwältigender wird, was ja nicht allen Menschen immer so zusagt.

Ein stumm bleibende Ansammlung von Fußballzuschauern, wird sich jedenfalls subjektiv nie so beteiligt empfinden wie eine singende Masse, gleichwohl die Zahl der Untersuchungseinheiten hier mit 1 (einer) ein wenig klein war, um allgemein gültige Aussagen zu treffen.

Dass Singen verbindet und auch die Chemie im Körper verändert, daran dürften Menschen, die in Kirchen, Chören, auf Konzerten oder zu Geburtstagen mit anderen Menschen zusammen singen, aber ohnehin keine Zweifel hegen.

Angenehm auch, dass im Stadion, anders als in einem Chor, niemanden interessiert, ob man überhaupt singen kann. Es reicht, wenn man für sich so ein bisschen mitsingt, vielleicht auch eher -gröhlt, ohne die Stehnachbarn mit allzu schiefen Lauten zu belästigen.

Ein tolles Fazit eines gelungenen Experimentes, das man im eigenen Interesse schon mal einige Jahrzehnte eher hätte durchführen sollen. Dessen Resultat dennoch komplett positiv zu bewerten ist.

So, wann ist die nächste Messe, äh, das nächste Spiel?

18. April 2014
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Burrda ist kein Paradiesvogel

Burrda — das ist kein Tippfehler beim Versuch, ein deutsches Verlagshaus in die Tastatur zu „hacken“, wie man im Mittelhochdeutschen sagte. Burrda ist ein Sportartikelhersteller oder zumindest ein Verkäufer von solchen. Eine Weltmeisterschaft im Fußball ist ja trotz der Vorherrschaft der „Big Zweieinhalb“ auch immer ein Tummelplatz für einige, oft spannende Exoten. Mehr jedenfalls als eine Europameisterschaft. Man erinnert sich gerne an das Rätselraten vor der letzten WM 2010 in Südafrika, wer denn nun überhaupt die Trikots, Hosen und Stutzen, nicht zu vergessen „Trainingsanzüge“, wie man im Frühmitteldeutschen sagte, für die Volksrepublik Nordkorea stellen würde. Am Ende ging zumindest das Gerücht umher, dass niemand der Ausrüster von Nordkorea sei und die dortigen Verantwortlichen die Trikots, Hosen und so weiter einfach bei einem kleinen Anbieter im Internet bestellt hätten. Ob das ein „Hoax“ (spätes Nordtiefenglisch) war oder der Wahrheit entsprach, ist dem Gedächtnis nicht mehr zu entnehmen, soll aber ohnehin hier nicht das Thema sein.

Sondern: Burrda.

Besser: Burrdasports, wie sie sich wohl komplett nennen. Wer es nicht kennt: das Logo findet sich hier. Dieser Ausrüster ist tatsächlich Ausrüster eines der WM-Teilnehmer, allerdings keines Exoten, oder nur dann, wenn man das Etikett eines „Geheimfavoriten“ als exotisch empfindet. Burrda ist der Ausrüster der Nationalmannschaft von Belgien. Und das bereits seit dem Jahr 2010.

Toll!, denkt sich da der Liebhaber, endlich mal etwas Anderes als einer der „Big Zweieinhalb“ und dann auch noch bei einem Land mitten in Europa. Weitere Exoten bei der kommenden WM 2014 umfassen übrigens die Hersteller Lotto (Costa Rica), Marathon (Ecuador) oder das hier zwar bekannte, aber sehr selten bei einer WM vertretene Uhlsport (Iran). Doch Burrda, das kennt man selbst als Freund der Exotik bei Ausrüstern nicht.

Bei genauem Hinsehen verfliegt die Freude über so viel Exotik in Belgien aber recht schnell. Exotik, über die man sich ja nicht um der reinen Exotik willen freut, sondern aus Gründen der Abwechslung und der Vielfalt heraus, die das Duopol (plus ein halbes) der Ausrüster im großen Fußball durchbricht.

Die Freude verfliegt, denn Burrda ist nur ein weiteres Kapitel des Eindringens katarischer Akteure in den Weltfußball. Der Hauptsitz von Burrda befindet sich zwar in der Schweiz in Genf. Gründer und Betreiber sind aber laut einem auch ansonsten sehr lesenswerten Text über die FIFA-Machenschaften in der NZZ Kataris:

Katar bezahlt auch Laurent Platini, den Sohn, den früheren PSG-Anwalt, der heute CEO der katarischen Sportartikel-Kette Burrda ist.

Belgien also in Klamotten aus Katar, wohl eher nicht von den Scheichs selbst zusammengestrickt.

10. April 2014
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Most unsung hero

Heute eine ganz einfache Frage, Aufgabe. Wer ist Euer most unsung hero der Bundesliga, in Eurem Team, vielleicht in einem anderen Team? Welcher Spieler fällt Euch ein, wenn es um die geht, die oft sehr gute Leistungen brachten, aber mehrheitlich im Schatten standen? Kurz: Wer ist Euer most unsung hero?

7. April 2014
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Feuchter Traum Panini-Album vom eigenen Team

Der feuchte Traum eines jeden Hobbyfußballers geht gerade in Bremen in Erfüllung. Dort bastelte sich die Mannschaft „Interruptus Connection“, Teilnehmer der Bremer Wilden Liga, ein Panini-Album von der eigenen Mannschaft selbst. Famose Idee und offenbar auch in der Umsetzung gelungen.

Jetzt müsste man das nur noch als Geschäftsidee allen Millionen anderen Hobbyteams der Welt ermöglichen, und schon müsste man nie wieder arbeiten, könnte stattdessen faul im Sessel seine Panini-Sammelbildchen durchgehen und noch mal durchgehen und noch mal. Wenn man mit dem Zählen der Geldscheine fertig ist, versteht sich.

Denn solch ein Panini-Album vom eigenen Team, da sabbern doch alle Hobbyfußballer schon allein beim Hören der Idee.

Zur Umsetzung geht’s hier.

3. April 2014
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Wer nicht meint, der — schlief wohl schon

Die Fraktionen sind mal wieder unterschiedlicher Auffassungen, wie das so ihr Naturell ist.

Lieber einen authentischen, auch mal polemischen Klopp als immer nur die weich gespülten leeren Antworten im Profifußball, auf der einen Seite. Dass er die Frage mit anderem Naturell, einem Tick mehr Souveränität beispielsweise, auch problemlos liegen lassen, im Sinne von dran vorbeigehen und normal antworten könnte, auf der anderen Seite.

Beides mag zutreffen, es stammt aber Beides aus des Fußballfans in dieser Epoche zweitliebsten Kind, nach dem Aufzählen der Prozentzahl der versuchten, aber angekommenen Fehlpässe: der Küchenpsychologie. Wichtiger war an der Angelegenheit, dass man, so wie mittlerweile schon fast im Rhythmus englischer Wochen, mal wieder so richtig eine Meinung haben durfte.

Denn Rummeinen erhöht schließlich den Rummeinenden, mindestens in den Abend, und ist der eigentliche Zweck allen Drumherums des Fußballschauens. Beste Unterhaltung. Und man meint dazu fast, ein nassforscher Fragensteller habe etwas zu deutlich gegrinst, um diesen Unterhaltungsfaktor noch verneinen zu können. Die Rummeinenden hat das aber nicht gestört, es wurde ausgiebig rumgemeint. Ein schöner, runder Fußballabend also.

Aufmerksame Beobachter hatten ohnehin schon dunkel geahnt, dass es nur ums Meinen gehen würde, und nicht ums Spiel. Oliver Kahn war schließlich auch eingeladen. Was aber auch nur eine Meinung ist.

29. März 2014
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In memoriam Schalkefan.de

Ein Jahr ist es her, dass Matthias in der Weide plötzlich aus dem Leben schied. In Vergessenheit ist er natürlich nicht geraten. Sein Blog aber, all die über 1000 Texte, welche er seit 2005 verfasst hatte, muss seitdem ohne ihn auskommen. Und man sieht wieder einmal, wie wenig ersetzlich jeder Einzelne dann doch ist. Nämlich gar nicht.

Ich habe mir erlaubt, einige der aus meiner Sicht besten oder typischsten Texte aus seinem Blogtreiben zu kuratieren, denn das Blog kannte und mochte ich. Den Menschen Matthias in der Weide zu würdigen, das kann ich mir nicht anmaßen, es bei jenem Teil des Menschen, mit dem wir zu tun hatten, aber versuchen: den Blogger Schalkefan.de.

Das Folgende ist ein nur kleiner Ausschnitt aus seinem Wirken, das ja thematisch über die Grenzen des FC Schalke 04 hinausging, anderenfalls wäre er wohl kaum so Fußball-Blogosquariums-weit bekannt geworden.

Doch wie der URL unschwer verrät, war das Blog von www.schalkefan.de in erster Linie eines über jenen Club, in dessen Fanclub „Monesteria“ — nach dem lateinischen Namen seines Wohnorts Münster benannt — er Mitglied und Webmaster war.

Die Auswahl ist natürlich völlig subjektiv und jeder andere, der unterschiedliche Schwerpunkte mit Matthias‘ Blog verband, würde sicher zu einem anderen Ergebnis kommen.

Am meisten Aufmerksamkeit erhielt sein Schalker-Krisen Bullshit-Bingo, mit dem es die Ideen aus Matthias‘ Hirn bis in eine Sendung von einem Bezahlsender brachten, wo diverse Schalker Protagonisten mit diesem Bullshit-Bingo konfrontiert wurden und ein wahrer Massen-Ansturm auf sein Blog losbrach. Dieses Bingo, welches ihm von anderen Medien als Verspottung seines eigenen Clubs ausgelegt wurde. Was nicht in seinem Sinne war, wie er sich hier zu diesem „Hype“ erklärte.

Der Bezahlsender war nicht der einzige, der seine Inhalte nutzte. Zeit online lud ihn ein Mal, zwei Mal, drei Mal als Twitter-Reporter auf Schalke ein, Antenne Münster sprach mit ihm über seinen Fanclub, die ARD-Sportschau erkundigte sich nach seiner Meinung.

Auch als Fan muss schließlich das Objekt der Liebe nicht ständig beweihräuchert werden: So fand er einrahmungswürdige Worte zum Revierderby im Allgemeinen oder Kritik am Schalker Ticketverkauf im Besonderen.

Zu Anfang bloggte er so wie viele Blogger jener Zeit, mal einen Gag einstreuend, den man später bei Twitter gebracht hätte, ganz Kind der Generation C-64 eben und ins Bloggen einfach so reingeschwommen und -gewachsen. Damals waren auch noch selbst entdeckte Deppenapostrophen en vogue.

Als solcher Pixelheld der ersten Stunden wurde er auch in seinem Blog oft als Gestalter aktiv, wie mit diesem Schaubild aller Erstrundenspiele des FC Schalke im DFB-Pokal oder mit jenem Bild, das auch völlig ohne Worte auskäme.

2005 gegründet, war das noch rechzeitig für den Schalkefan, um auch bei der WM 2006 im Stadion anwesend zu sein und davon im Blog berichten zu können. Mit der Partie Trinidad & Tobago gegen Schweden zufälligerweise bei der selben Partie wie ich, was wir nicht voneinander ahnten. Anders, als sich später beim Pokalfinale 2011 dieser Umstand noch einmal wiederholen sollte. Zu diesem Anlass — des Finales, nicht der gemeinsamen Anwesenheit — hatte er die Aktion @finales04 ins Leben gerufen: Schalke-Fans berichteten über einen gemeinsamen Twitteraccount von ihren Vorbereitungen rund um jenes Pokalfinale.

Natürlich verfolgte er in erster Linie seinen Club intensiv — und häufig auch auswärts. So ist der Bericht vom Spiel in und vor allem der Reise nach Bilbao besonders in Erinnerung geblieben. Oder jener Moment, als er die Schalker Spieler auf dem Rückweg von einem Spiel beim Hamburger SV bei einem Burgerbrater erwischte.

Stationen wie Assauers Rücktritt oder Slomkas Vertragsverlängerung kommen selbstredend ebenso vor, die Personalien Özil, Neuer, Kuranyi, Rafinha oder Rangnick werden stets mit angemessener Tiefe und Fairness diskutiert. Als Mitglied des Fanclubs Monasteria erhielt er auch immer wieder die Gelegenheit, dortige Besuche von Schalke-Profis zu Exklusiv-Interviews, hier mit Joel Matip zu nutzen.

Es waren aber auch die typischen Geschichten rund ums Fanleben, die man sich in Fußballblogs erzählt, die Matthias in seinem Blog kredenzte. Eine davon firmiert unter dem Titel „Bist Du Schalke, Junge?“, eine andere ist jene, als er mal einen Hals auf Kevin-Prince Boateng hatte.

Dazu kamen die vielen Ausflüge in die nur für Außenstehende grauen Hallen der Statistiken, gar nicht mal immer zum Thema Schalke. Hier ein virtuelles Teilnehmerfeld des Europapokals der Pokalsieger, die deutsche Nationalmannschaft nach Geburtsorten oder dann doch mit Blick auf seinen Verein: alle deutschen Schalker Nationalspieler.

Und ganz besonders typisch für sein Blog — bei seiner ausgeprägten Fähigkeit zum Socializen und Dinge auf die Beine zu stellen — die vielen Aktionen voller Charme für Liebhaber des Fußballs und des Bloggens, von denen nur zwei genannt sein wollen.

Das herrliche Analogbloggen von der EM 2012, zu der die halbe Fußballbloggerschaft ihre Bierdeckel und Zettelchen einreichte. Und seine „Retter-Aktion“ für den Bundesliga-Rasen in Münster, der noch original aus dem Jahr 1963 stammte, aus der so viel Herzblut für den Fußball spricht, dass sie es bis zu einem eigenen Beitrag in der 11Freunde brachte.

25. März 2014
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Kontra Torlinientechnik in kurz

Gestern und vorgestern schlugen die Wellen etwas hoch zum Thema Torlinientechnik. Dabei wurden hier zwei hiesige Texte häufiger erwähnt und verlinkt. Vielen Dank dafür. Weil ich allgemein zum Schwallern neige, ohne auf den Punkt zu kommen, hier dann doch mal kurz zusammengefasst die Fakten, auf die diese Menschen hauptsächlich verwiesen:

  • Udo Muras hat für die „Welt“ nachgezählt. Von 1994 bis 2012 gab es 14 Fälle in der ersten Bundesliga, in denen Torentscheidungen strittig waren.
  • In dieser Zeit wurden 5508 Spiele in der Bundesliga absolviert.
  • Seltener als ein Mal pro Saison trat die Frage auf, ob ein Ball im Tor war oder nicht.
  • Wenn ein Heimverein die Anlagen zur Überwachung der Tor- oder Nicht-Torfrage installieren würde, würde er sie im Schnitt dieser Daten ein einziges Mal in 20 Jahren benutzen müssen.
  • Nach 40 Jahren wäre es statistisch pro Heimstadion immer noch in einem überschaubar wahrscheinlichen Bereich, dass man eine solche Anlage installierte, sie aber kein einziges Mal benutzen musste.

Wer braucht eine Torlinientechnik, die ein Mal in zwei Jahrzehnten zum Einsatz kommen würde? (Wenn man auch einfach den Videobeweis nutzen könnte?) Wenn es um die Dimension von Jahrzehnten geht, denkt man an Marssonden oder andere inzwischen weit entfernte menschengemachte Objekte im All, aber doch nicht an die Frage, ob man eine weitgehend nutzlose Einrichtung installiert, die anzeigt, ob etwas ein Tor oder kein Tor war.

[Stichpunkt zu Medien-Motivation wegen Quatschfug gelöscht.]

24. März 2014
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Familienmensch Matthäus

Eine dem Betrachter aus der Gegenwart völlig unbekannte Seite seines Wesens präsentiert ein Loddamaddäus in diesem Video: Loddar, der Familienmensch.

Treu, und so weiter, vor allem beim Shoppen.



„Als Kapitän von Inter Mailand und der deutschen Nationalmannschaft ist Lothar Matthäus täglich Stress-Situationen ausgesetzt — wie kaum ein anderer.“

Sogar vorgelesen, ohne dabei laut zu lachen.

Das Ganze stammt laut youtube-Begleittext aus der Doku „Inter special“ über die drei Deutschen bei Inter Mailand im Jahr 1990: Lothar Matthäus, Andy Brehme und Jürgen Klinsmann. Wenn diese im selben Stil so weitergeht wie dieser Ausschnitt, könnte Loriot bald einpacken. Ach, hat er schon? Na, dann.

Da ist ja immerhin der Epilog mit Brehme in Bestform. Wo ist der Rest?



24. März 2014
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Fußball ist ein Nasensport — Stadionführung in Stuttgart

Vorweg sei noch mal daran erinnert, dass der Geruchssinn des Menschen der am intensivsten mit emotionaler Bewertung verknüpfte ist. Nichts bringt so schnell Bilder aus der Vergangenheit ins Hirn wie das erneute Wahrnehmen eines einst vernommenen Geruchs. Beispiel: Begegnet man irgendwo einer Dame, die das selbe Parfüm trägt wie jene beim ersten Kuss, ist die Situation bei Letzterem sofort wieder präsent. Für den Gleichgewichtssinn oder den Tastsinn gilt das nicht mal im Entferntesten. Und deshalb ist nicht nur Fußball ein Nasensport, sondern der Mensch ein Nasentier.

Letztens lud uns der Hauptsponsor der Nationalmannschaft zum deutschen Länderspiel gegen Chile nach Stuttgart ein, wir trafen dabei Giovane Elber und diskutierten vorher und nachher über Fußball und Internet. Wir trafen auch noch ein paar andere Fußballgrößen, aber dazu später mehr. Teil des Besuchs beim Länderspiel in Stuttgart war auch eine Stadionführung. Da wir selbst zwar pünktlich, aber irgendetwas rund um die Nationalmannschaft nicht ganz so pünktlich wie gewünscht war, ging die Stadionführung samt Besuch der Kabinen etwas unter Zeitdruck vonstatten. Was keine Klage ist. Im Angesicht der im Schnitt 10 Millionen Zuschauer, die ein Länderspiel so vor die Bildschirme ruft — und nicht zuletzt im Angesicht des Umstands, wie elementar solch ein Länderspiel für die Finanzierung des DFB ist — gibt es natürlich Wichtigeres, als eine Gruppe von Bloggern durch ein Stadion zu führen und ihnen dabei möglichst alles zu zeigen.

Alles hieß hier: die Kabine der Nationalmannschaft, den Vorraum für Physios und Zeugwart, den Ort der zukünftigen Pressekonferenz nach dem Spiel, das Kabüffchen, in dem die ARD-Interviews stattfinden würden und die Verbindungswege zwischen diesen Plätzen. Letztere übrigens — ganz wie im Bremer Weserstadion — mit einigen interessanten Dingen geschmückt, aber das war auch nötig. Denn beim ersten Eintreten besitzt das Innere noch den Charme einer in der Nachkriegszeit errichteten Uni. Nackte Wände, die zwar in VfB-Farben stilecht größtenteils weiß und mit einem roten Streifen versehen angestrichen sind, optisch aber nicht viel hermachen. Deshalb die Ornamente:

Erstens ein Foto von Karl Allgöwer bei der Platzwahl mit einem bekannten Steuerhinterzieher.

Zweitens eine Tafel mit allen Europapokalheimspielen des VfB Stuttgart, welche in diesem Stadion oder seinen Vorgängern stattfanden.

Auf meinen Kommentar, dass man da wohl bald erweitern müsse, schließlich sei die Tafel fast voll, entgegnete der Fotograf recht lapidar: „Leider nein.“

Aber vor allem das Spielfeld selbst natürlich war Teil der Führung und — tatsächlich erhebendes Erlebnis — zuvor der Marsch durch den überdachten Gang hinaus auf den Platz. Da dieser den Beginn der Führung darstellte, entzündete sich sogleich Fußballlust (das Pendant zur Wanderlust) in den Köpfen der Beteiligten. Nicht ganz unwichtig übrigens im Vergleich zum Beispiel zum Duisburger Stadion: dass der Gang aus den Kabinen heraus deutlich länger sowie überdacht ist — das macht einen Tunnelblick, äh, eine besondere Steigerung der Empfindungen möglich, statt einfach nur die Kabinen zu verlassen und schwupps auf dem Platz zu sein.

Auf dem Platz angekommen, juckten aber allen enorm die Fußballbeine, denn was dieser Rasen an olfaktorischer Rasenhaftigkeit versprühte, benebelte angenehm die Sinne. Nicht sicher ist es, ob die Luft im Ländle doch ein wenig besser ist als im Revier und der Rasen deshalb deutlich schmackhafter roch, oder ob da künstlich nachgeholfen wurde.

Der intensive und wohltuende Rasengeruch erinnerte sofort an die wenigen Partien, die man einst ebenfalls auf besserem Rasengeläuf absolvierte und vor dem geistigen Auge lief der innere Blogger das innere Kind dicht an der Strafraumgrenze entlang, um schließlich ins lange Netz zu schlenzen. Nur ein paar Unzen Rasengeruch in der Luft — und schon schreiben sich ganze Dramen wie von selbst.

Der Rasen betäubte und ließ gleichzeitig frohlocken. Was ist Fußball doch für eine schöne Angelegenheit, die sich die Menschheit ausgedacht hat, und wenn sie dann noch so gut riecht, Verzeihung, werte Ascheplätze dieser Welt, dann ist man durchaus ein wenig entrückt und will sich am liebsten auf diesen werfen und mit ihm kuscheln. Da machte es auch nichts, dass die Einlaufkinder und Bannerträgerkinder gerade in militärischem Drill ihre Aufgaben probten.

Rasengeruch galore.

(Man beachte das neckisch sich zu einem angedeuteten Hüttchen vereinende Doppel-T in der Mitte des durch verschiedenfarbige Sitze dargestellten Wortes „Stuttgart“.)

Zudem ist der Umbau des Stadions rundum gelungen. Ein imposanteres Stadion gibt es in Deutschland kaum, auch wenn böse Zungen züngeln, dass sich dieses „wie eine Trutzburg“ in den Stadtteil einfüge. Die Rede ist hier aber von dem Zweck, für den es gebaut wurde: darin Fußballspiele zu sehen. Ausreichend steile Winkel, eine große Kompaktheit und dennoch Raum für eine gewisse architektonische Freiheit, welche sich die heutigen Arenen sonst ja kaum erlauben.

Zurück vom Spielfeld ging es rein in die Kabine der Nationalmannschaft, mit striktem Fotoverbot. Zunächst muss man am Zeugwart und an den Phyisos vorbei, die im Vorraum arbeiten. Beim Passieren des Haufens an Fußballschuhen, der bereitlag, fielen fast nur Schuhe in grellem Rot, Orange, Gelb oder Pink ins Auge. Man schämte sich fast, dass man Anhänger einer Mannschaft war, die so offensichtlich ein Länderspiel mit einem („Bursche zum Mitfahren gesucht“) Treffen auf einem Autoscooter verwechselte, auch wenn diese Assoziation einen ähnlichen Bart haben mag wie einige der Anwesenden. Einziger mit schwarzen Schuhen sei wohl Philipp Lahm, antwortete der Zeugwart auf Nachfrage. Immerhin das, Herr Spitzenfußballer.

Die Kabinen selbst sind kleiner als man in solch einem großen Gebäude wie der Mercedes-Benz Arena — nur echt mit Deppenleerzeichen — annehmen würde, sie erinnern fast an eine Kabine eines normalen mittel- bis unterklassigen Vereins, was den reinen Grundriss angeht. Bereit lagen erstmals die rot-schwarzen Trikots des DFB und die Sitzfläche pro Nationalspielerhintern ist wirklich nicht größer als in jeder anderen Kabine auch. Erstaunlich.

Danach schnell durch die Mixed Zone.

Vorbei am Sportschau-Kabuff, das wirklich nur ein Räumchen ist, in dem diese Hintergrundwände aufgebaut sind und von Beleuchtung bis Kamera nur auf diesen Interviewzweck ausgerichtet ist. Anders als sonst im neuen Stuttgarter Stadion üblich aber in den Katakomben und nicht mit Blick aufs Stadion im Hintergrund. Weiter zu jenem Raum, in dem die Pressekonferenz stattfinden würde. Mit kurzem Seitenwechsel zur sportlichen Spitze der Nationalmannschaft, als die Blogger für 2 Minuten jene Position einnahmen, wie später der Nationaltrainer von Chile und Jogi Löw himself. Klassenfahrts krönender Auftakt wie Abschluss der Stadiontour:

Frank Baade als Trainer beim DFB

Weiter ging’s in den Presseclub des DFB, wo später besagter Giovane Elber dazustieß. Neben allerlei Mitgliedern der Journalistenposse, die der eine oder andere von Twitter kennen könnte.

Herm von Hermsfarm war ebenfalls dabei und hat schönere Fotos.

Highlight an Erkenntnissen der Stadionführung war übrigens, dass der arme, gebeutelte, am Hungertuch nagende DFB für die Versorgung der Pressekonferenz doch tatsächlich Volunteers einsetzt, die dann für lau das Mikro durch die Gegend tragen dürfen. Vielleicht sollte man dem DFB ein paar Groschen spenden, sonst gibt es ihn bald nicht mehr.

Nach dem Spiel ging es noch zur Pressekonferenz, als — für Eingeweihte vielleicht selbstverständlich, für andere aber überraschend — die beiden Nationaltrainer getrennt voneinander vor den Journalisten anwesend waren. Zunächst der chilenische Nationaltrainer samt mehr oder weniger überflüssigem Dolmetscher, denn Fragen stellten nur die Chilenen, übersetzt wurde trotzdem. Danach Jogi Löw, ohne dass wie bei einem Bundesligaspiel üblich beide Trainer zugleich auf der Bühne anwesend waren. Platz genug wäre ja gewesen, selbst für 11 Blogger, siehe oben.

Ein sehr schönes, vielleicht bald Zweitliga-Stadion in Stuttgart, aber vor allem:

herrlichst!, dieser Duft des Rasens … Kunstrasen ohne dieses Odeur ist einfach keine Alternative.

18. März 2014
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Save the date: WM-Quiz in Düsseldorf

Nach dem großen Erfolg mit der Lesung von „Drama Queens in kurzen Hosen“ an diesem Ort geht es im WM-Jahr noch einmal in die Kassette in Düsseldorf. Diesmal wird keine Literatur vorgelesen, sondern knallharte Quizfragen rund um die WM.

Passenderweise liegt der Termin genau einen Abend vor dem Eröffnungsspiel der WM 2014, welches seltsamerweise an einem Donnerstag stattfindet. So wird noch niemand der vollen Ladung an Fußball überdrüssig sein, sondern kann bei diesem feinen Quiz seine Lust auf die WM noch ein wenig anheizen.

Beginn ist um 20h und knappe 2h später weiß man, welches das Siegerteam sein wird. Preise gibt’s auch, weitere Infos und Anfahrt auf der Seite des Veranstalters: Die Kassette.

11.6. 2014, 20h: Quizzette mit der Sonderausgabe zur WM. Fragen von yours truly.

17. März 2014
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Die Weltkarte der Fußballpins

Ein weiteres vom Aussterben bedrohtes Phänomen rund um den Fußball erhält auf der folgenden Seite eine Art Mausoleum: Fußballpins. Zum Anstecken. Pins, die das Wappen eines Vereins oder hier eben eines Verbandes zeigen und die man sammeln kann und sich früher des Öfteren sogar tatsächlich ansteckte, wennn man seine Zugehörigkeit zu irgendwas mit Fußball kund tun wollte.

Dem geübten Beobachter wird auffallen, dass hier gar nicht die Pins dargestellt werden, sondern nur die Wappen. Aber sei’s drum. Hier also die Weltkarte der Fußballpins, mit den Wappen von fast allen Fußballverbänden der Welt. Selbst Kap Verde und San Marino sind dabei. Viele Perlen des Designs, wenn man ein bisschen stöbert. Das DFB-Wappen gehört nicht gerade dazu, aber sicher jenes von Israel oder jenes von Vanuatu (wenn man es denn findet).

16. März 2014
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Schwarz-weiß-Studie von Bernard Dietz

Ein sehr merkwürdiges Video mit Bernard Dietz als Fußballer in Nahaufnahme und als Kaufmann in seinem Sportladen aus dem Jahr 1978.



Man rätselt noch, was dieses Video vom „Archivo DiFilm“ in echtem 78er-Stil einem sagen soll, für das die Vokabel „obskur“ erfunden wurde.

12. März 2014
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Die nicht ganz absolut reinen Schamhaare von Christoph Daum

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Weshalb vollumfänglich alle Informationen, die von Ereignissen im Fußball zu uns dringen, immer unter dem Vorbehalt behandelt werden müssen, dass das nur jene sind, die nach draußen dargestellt werden und in Wirklichkeit alles ganz anders war. Was das Drüberbloggen und Einordnen reichlich schwierig macht und oft sogar unmöglich, wenn man nicht beim bloßen Rummeinen versacken will. Schade.

Abgesehen von ohnehin bestehenden Problemen menschlicher Realitätskonstruktion und dazu der haarsträubenden systematischen Fehlerhhaftigkeit von Zeugenaussagen könnte man diesen Zustand nur durch echte Recherche ändern. Was etwas schwierig ist, wenn man dafür auch Zeit einsetzen müsste, die nicht vergütet wird. So lange man kein Geld besitzt, das für einen arbeitet, während man diese Zeit woanders einsetzt, ist das zumindest ein Problem, für diesen Ort hier gar eine unüberwindbare Hürde in Bezug auf echten Erkenntnisgewinn. Wobei sich auch die zu verneinende Frage nach dem wissenschaftlichen Wert für die Menschheit stellte, längst vergangene Skandale und Geschichten im Fußball „aufzuklären“.

Diesen Vorbehalt nicht vergessend, lautet das allgemein verbreitete, aber falsche Narrativ, dass Christoph Daum nicht mehr ganz Herr seiner Sinne gewesen sein muss, als er seinerzeit einem Drogentest zustimmte, von dem er eigentlich annehmen musste, dass er ihn nicht bestehen würde. Zumindest erscheint diese Entscheidung ohne jegliches weitere Wissen äußerst kontraintuitiv. Schließlich gab es keinerlei juristische Grundlage, auf der die Öffentlichkeit Daum zu einem solchen Test hätte zwingen können. All das bedeutete eine Umkehrung der Prinzipien eines Rechtsstaats. Gleichwohl der öffentliche Druck auf jemanden, der das wichtigste Amt der Republik — Bundestrainer nämlich — bekleiden sollte, derart groß wurde, dass er sich diesem nicht mehr entziehen konnte.

Aus der Erinnerung an irgendwo mal gelesene Zeilen twitterte ich gestern, dass er sich dieses Risikos sehr wohl bewusst gewesen sei, er nämlich vorab einen Drogentest mit seinen Kopfhaaren habe durchführen lassen, welchen er bestand. (Aus welchen Gründen, ist damit nicht gesagt.) Bei dem öffentlichen Drogentest wurden dann aber zu seiner Überraschung die wesentlich langsamer wachsenden Schamhaare, welche damit auch ein längeres Drogengedächtnis aufweisen, verwendet. Diese Schamhaare bescherten ihm dann einen exorbitanten Wert an Kokaingehalt, welcher sogar den eines „normalen“ Dauerkonsumenten weit überstieg.

Das Ergebnis der Haaranalyse ergibt „den höchsten Kokain-Wert, der je in Köln gemessen wurde“.

Quelle: NDR.de

Die Einstufung, dass er nicht ganz bei Trost sein konnte, erhärtete sich durch seine Art während seines öffentlichen Geständnisses, darüber auch noch ins Witzeln zu verfallen (auch wenn Galgenhumor oder auch Übersprungsreaktionen dem Menschen nicht fremd sind).



So wie oben beschrieben lautete jedenfalls meine Erinnerung.

Tatsächlich muss es aber wohl wieder anders gewesen sein, wie kurzes Suchmaschinenbedienen und Einlesen ergab.

Denn seine Kopfhaare ergaben tatsächlich einen viel höheren Wert als jene, den seine Schamhaare (die er im Beisein von Co-Trainer Roland Koch — „eine unwürdige Situation“ — eigenhändig abschnitt) lieferten. Dass Daum den immens hohen Wert gegenüber Rainer Calmund damit begründete, dass er nicht seine eigenen Kopfhaare, sondern die eines anderen Menschen abgegeben habe, erklärte sich Roland Koch in dem später in Koblenz stattfindenden Prozess um Daums Kokainkonsum damit, dass Daum hochgradig verzweifelt gewesen sei und deshalb zur Lüge griff.

Auch im Prozess blieb anscheinend unklar, wie es zu diesem Rekordwert hatte kommen können, nach dem Daum ein hochgradig abhängiger Dauerkonsument gewesen sein muss. Welcher er nach Beteuerungen aller Involvierten nicht war.

Den netten Schlenker mitnehmend, dass bei Calmunds Aussage „bis zur kurzen Pause […] ihn das Gericht sieben Mal mit dem Wunsch um Wesentlichkeit unterbrechen“ musste, ist weiter zu lesen, dass Calmund, der nicht wissen konnte, dass Daum selbst dann doch zugab, dass die Haare von ihm stammten, sowohl den Co-Trainer Koch als auch den Physiotherapeuten von Bayer der Mittäterschaft beim Vertauschen der Haarprobe bezichtigte. Mit Daums Korrektur seiner vorigen Lüge waren diese Vorwürfe aber bereits nichtig geworden.

Der hohe Wert war damit aber immer noch nicht erklärt, denn:

Es stellte sich heraus, dass alle Anschuldigungen auf dauerhaften Drogenkonsum und erst recht auf Anstiftung zum Handel auf Aufschneidereien der mutmaßlichen Dealer beruhen.

Quelle: Berliner Zeitung

So bleibt mit Bordmitteln die Frage also offen, wie er zu diesem Rekordwert in seinen Kopfhaaren kommen konnte, warum die Schamhaare einen niedrigeren Wert produzierten und ob er nun Dauerkonsument war oder nicht. In jedem Fall hatte er aber keine Dummheit begangen, als er nach einem zuvor privaten, negativ ausgefallenen Test einem öffentlichen zustimmte. So wie ein gerade aktuell im Fußball außerhalb des Fußballs Handelnder möglicherweise auch nicht so unvorbereitet agiert, wie es — siehe Einleitung — den Eindruck macht.

Dann bleibt in diesem Zuge spannend, wie es überhaupt dazu kam, dass Daum plötzlich unter den Druck all dieser Vorwürfe (Prostituierte und Schulden kamen noch hinzu) stand. Und wie im Jahr 2000 und davor Realitäten im Fußball in den Medien erschaffen wurden.

Wer eine umfassende Hinleitung zu diesem Vorfall mit dem seit 1989 schwelenden Konflikt zwischen Daum und Hoeneß, nunja, konsumieren möchte, der findet in der Zeit ein langes Stück mit vielen Hintergründen und noch mehr handelnden Personen: „Das Feindschaftsspiel“, das die Geschehnisse zu einem echten Thriller verdichtet.

Protagonisten wie (früher) üblich im deutschen Fußball: Beckenbauer, Hitzfeld, eine gewisse Zeitung, Hoeneß, Calmund, Breitner, Lienen, Völler und natürlich Daum. Für einen fußballfreien Abend ist dieser Text nicht das Schlechteste, Bayer Leverkusen tritt heute bekanntlich nur zu einem Freundschaftsspiel an. Den Makel, dass jenes Stück einen Tag vor Bekanntwerden des dann doch positiven Tests von Daum erschien, überlebt es angesichts seiner spannenden Geschichtchen jedenfalls problemlos: ordentlich Schlamm, Halbseidenes und Boulevard. Und die Einsicht, dass Akademiker ohne Stallgeruch an den entscheidenen Positionen der Soap „Bundesliga“ nicht nur gut tun dürften.

11. März 2014
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Schicke Alternativen zu den WM-Trikots 2014

Ausgerechnet jenes für den DFB ist eher so würg geworden. Die anderen Alternativen, die ein Designer namens Rojito zusammendesignt hat, sind teilweise aber ganz außerordentlich schick. (Liegt ja a) immer im Auge des Betrachters und b) auch an den in der jeweiligen Zeit vorherrschenden Strömung. Noch dazu sind wir Fußballfans ja gerade bei den Trikots schlimme, ganz abscheuliche Traditionalisten.)

Wenn die Dinge aber derart gewitzt daherkommen, wie diese alternativen Trikots zur WM 2014, dürfte man Einiges davon gerne auch mal umsetzen.

Das Trikot von Belgien, wow, Ghana noch wower und bei Uruguay schmilzt es dann.

Achja, wie zuletzt bei Twitter erwähnt: Bald ist WM. Nicht vergessen.