Beim Modellbau Klumpfüße an den Händen

Miniatur-Stadien sind ein Spaß für Groß und Klein. Es gibt das Duisburger Stadion als ziemlich ausgefeiltes Modell, ein sehenswertes Stadion aus Wurst, die Allianz-Arena aus Lego und natürlich zig weitere auf der ganzen Welt.

In Kiew wollte man sich da gewiss nicht lumpen lassen und erbaute ebenfalls ein Modell seines Kiewer Stadions. Natürlich gibt man es dann auch der Öffentlichkeit frei. Wie gut, dass diese Sammlung von Miniaturen zufällig in Kiew selbst beheimatet ist. Anderenfalls hätte es sonst wohl niemand als Modell des Kiewer Stadions erkannt (scrollen).

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Filmkritik: Trainer!

„Trainer!“ heißt das neueste Werk des Regisseurs Aljoscha Pause, der schon mit „Tom meets Zizou“ zu begeistern wusste (Kritik siehe hier). Es wurde bereits vor einigen Monaten in einer kürzeren TV-Fassung im WDR gesendet. Vor wenigen Tagen zeigte das Metropol-Kino in Düsseldorf die Kinoversion in 136 Minuten Länge. Zusammen mit einer Matinee, zu der einer der Protagonisten des Films, André Schubert, geladen war, ergänzt mit Norbert Meier und 11-Freunde-Mensch Thorsten Schaar, der das Gespräch leitete, bot das einen willkommenen Anlass, diese Bildungslücke in Form des Films „Trainer!“ zu schließen.

Portraitiert werden drei im deutschen Profifußball eher weniger bekannte Trainer: André Schubert, zunächst beim FC St. Pauli, später beurlaubt, Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim sowie Stephan Schmidt beim SC Paderborn, am Ende ebenfalls beurlaubt. Dazu immer wieder Interviewschnipsel mit Jürgen Klopp, Armin Veh, Michael Oenning, Hans Meyer, DFB-Trainer-Ausbilder Frank Wormuth, Thomas Schaaf sowie dem in diesem Film unsagbar grauselig gewandeten Peter Neururer.

Erkenntnis Nr. 1: Trainer fahren allezeit Auto. Ständig zeigt der Film seine drei Protagonisten, wie sie am Steuer durch Landschaften oder Städte kutschieren. Obwohl Gunnar vom Stehblog mich bat, bei der anschließenden Diskussion die Frage zu stellen, ob die Trainertätigkeit tatsächlich zu 70% aus Autofahren bestünde, verzichtete ich darauf.

Denn gleich die erste Aussage von André Schubert im Anschluss an den Film war, dass diese Autofahrten ein dramaturgisches Mittel darstellten, um von Szene zu Szene überzuleiten. Bei 70% Autofahrzeit landet der Film ohnehin nicht, aber es sind deutlich zu viele Szenen, in denen nur gesprochen wird, wo man lieber noch mehr vom Trainingsalltag gesehen hätte. Selbst wenn Autofahren dazu gehört: für welchen Job mit wechselnden Einsatzorten gilt das nicht? Nun denn, diese kleine Schwäche macht den Film ohnehin nicht wirklich schlechter. Denn er geht hautnah an die Arbeit der Trainer heran, beim 1. FC Heidenheim sogar bis ins im Fußball immer noch so Heilige: die Kabine und die Ansprachen vor Anpfiff und in der Halbzeit.

„Wenn du gewinnst, wirst du gefeiert, wenn du verlierst, bist du der Loser. So einfach ist das.“

Frank Schmidt betont es zu Anfang einmal explizit: Dass ihm bewusst ist, wie wenige Menschen in Deutschland diesen Job ausüben können, Profitrainer im Fußball zu sein. Weshalb er ausnahmslos jeden Tag mit großer Freude zur Arbeit gehe. Freude, die im späteren Verlauf des Films nur noch sporadisch auftaucht, wenn alle in Stress gebadet um Punkte und vor allem ihren Job kämpfen müssen. Der nicht ganz unwichtige Faktor des riesigen Geldes, das man hier mit einem reinen Spiel verdient, kommt quasi überhaupt nicht zur Sprache. Und auch wenn den Trainern bewusst ist, dass sie einen Luxusjob ausüben: im Alltag ist davon nicht mehr viel über, denn dann fordert das Rad in Form des Spielplans seinen Tribut an Aufmerksamkeit.

Alle drei Trainer reden ständig vom großen Druck, der unaufhörlich vorhanden sei. Immer nur Stress durch die ganze Saison hindurch. Klar, man kann bei der Arbeit immer noch mehr machen und insbesondere in kleineren Vereinen gibt es schlicht weniger Schultern, auf die die zu erledigenden Aufgaben verteilt werden können.

Alle reden von Druck, außer Armin Veh.

Vielleicht ist seine oft aufreizend daherkommende Distanz zur Arbeit mit seinem Klub aber der richtige Umgang mit dem ständig vorhandenen Stress. Auch mal etwas nicht erledigen können, nicht alles bis zu Ende gedacht haben, dafür aber psychisch frisch zu bleiben. Besonders auskunftsfreudig zeigt sich Armin Veh im Film allerdings nicht, sein meist vom bekannten Grinsen umspielter Mund wahrt auch hier die Distanz und lässt nicht allzu tief ins Innere blicken.

Zu Anfang wird von DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth gleich klargestellt: jene Trainer, welche ausschließlich über die Motivation kommen, seien passé, die heutigen Trainer seien alle im Wortsinne Fußballlehrer. Leider zeigt der Film dafür dann aber trotz 136 Minuten Laufzeit viel zu wenig von der täglichen Trainingsarbeit, stattdessen immer wieder diese nervigen Autofahrten. Hier hätte man gerne mehr Details des Trainings gesehen, statt die Trainer über ihre Arbeit reflektieren zu hören. Zumal alle drei nicht auf den Kopf gefallen und zu spannender Reflektion in der Lage sind — am Ende aber doch mit sehr ähnlichen Erkenntnissen bezüglich ihrer Position im Fußball und im Leben aufwarten.

Dafür zeigt der Film sehr anschaulich, wie groß der Einfluss des Zufalls auf die Resultate ist. Bei fast allen erzielten Toren ist noch eine Hand des Torwarts am Ball, der Torwart oder ein Verteidiger begehen einen Fehler oder der Ball wird schlicht abgefälscht. So viel Druck und so viel Zufall — passend in Relation gesetzt.

„In welchem anderen Job gibt es das, dass die Arbeit eines Menschen jeden Tag öffentlich bewertet wird?“

Thomas Schaaf

Auch weitere weniger angenehme Seiten am Trainerleben kommen nicht zu kurz. Meist besitzen die Trainer kaum Einfluss auf die Kaderzusammenstellung. Besonders erschreckend ist aber die große Macht der Boulevardmedien auf die Stimmung rund um den Trainer. Verständlich, dass sich André Schubert im Film nach seiner Entlassung im neuen Job eine Vereinsführung wünscht, die zusammenhält, also Präsident, Manager, Spieler. Selbst der Pressesprecher des FC St. Pauli betont, dass ein Trainer tatsächlich einige Wochen länger im Amt bleibt, wenn die zuständigen Journalisten ihn mögen, der Trainer einen guten Draht zu ihnen aufgebaut hat — was für eine erschreckende Bankrotterklärung des Businesses, die man nicht unbedingt an dieser Stelle des Profifußballs erwartet hätte, beim FC St. Pauli.

Dazu gelingt es allen drei Trainern kaum ein Mal, wirklich abzuschalten. Wobei die Frage nach Henne und Ei hier nicht beantwortet wird: Können sie nicht abschalten, weil der Job es so erfordert? Oder gelingt es ihnen nicht, weil sie nicht die Typen dafür sind? Armin Veh scheint damit keine Probleme zu haben, ebenso wenig wie Hans Meyer, der aber ohnehin nur seine altbekannte Rolle des altväterlichen Erklärbärs spielt, aus der er nicht mehr herauszufinden scheint. Sein Beitrag besteht aus zwei, drei Anekdoten von früher, die insgesamt wenig Erkenntnis ermöglichen (der Trailer unten täuscht da etwas).

Auch wenn sie schließlich auf dem Platz über den Job des Trainers entscheiden, stehen die Spieler im Film eher im Hintergrund. Einzig eine Auseinandersetzung über die Spielauffassung zwischen Deniz Naki und André Schubert findet einigen Raum im Film, schließlich ebenfalls Bestandteil der Trainertätigkeit.

„Ich trainiere später Erste Liga, das ist Fakt.“

Stephan Schmidt

Klar wird aber auch: Der Job als Fußballprofi mit täglichem Training mutet doch extrem langweilig und geistig unterfordernd an. Innerhalb dieses Sports hat sich zudem eine Monokultur an Typen Mensch herausgebildet, die Folge der Professionalisierung zu sein scheint. Alle tragen die gleichen Klamotten, alle leben den selben Stil, alle fahren auch fast die gleichen Autos, haben den selben Teint — ein ein wenig abschreckender Uniformierungsdruck innerhalb einer sehr speziellen Nische, wenn auch fürs Spiel auf dem Platz eher irrelevant.

Oliver Bierhoff selbst ist übrigens an jener Agentur beteiligt, welche André Schubert als Trainer vermarktet, sprich: ihn bei anderen Vereinen positiv präsentiert. Dass es solche Agenturen überhaupt gibt, ist schon ein Aha-Moment. U. a. sind auch Bruno Labbadia und Jürgen Klopp (?) bei dieser Agentur. Unweigerlich tritt der Geruch von Nepotismus in die Nase, wenn Oliver Bierhoff Einfluss darauf nehmen kann, die Spieler welches im Profifußball tätigen Trainers für Auswahlmannschaften nominiert werden, die wiederum gleichzeitig seine Kunden sind. Diese Agenturen präsentieren die Trainer bei Vereinen insbesondere in Zeiten der Abwesenheit einer sportlichen Krise, um den Eindruck kreisender Geier zu vermeiden.

Stephan Schmidt ist ein ebenso interessanter Typ wie der hemdsärmelige Frank Schmidt, stammt aus einem Spandauer „Problembezirk“ und hat etwas Mourinho-für-Trainingsanzugträger-Haftes, strahlt eine Arroganz und Überzeugung aus, die unerschütterlich scheint. Ein ganz schwaches Bild gibt hingegen Rachid Azzouzi bei der Begründung des Rauswurfs von André Schubert ab. Noch schwächeres Verhalten legt Paderborns Präsident Dingsbums beim Rauswurf von Stephan Schmidt an den Tag. Diesen erklärt der Präsident zuerst der Presse … statt seinen Trainer persönlich zu informieren. In beiden Fällen gewinnt der Film hier aber enorm an Authentizität und genau das macht ihn so wertvoll wie einzigartig.

„Wir haben früher oft gar nicht gemerkt, dass der Trainer keine Ahnung hatte.“

Armin Veh

Weiter zeigen alle drei Trainer jene Verbissenheit, die für diesen Job wohl nötig ist, die aber auch stets das Unangenehme, leicht Anwidernde im Fußballsport darstellt: Disziplin, Gehorchen, Disziplin, Chefhörigkeit, Disziplin, der Gruppe dienen, Disziplin. Es ist nun mal ein Mannschaftssport, auch wenn alle drei Trainer betonen, dass sie nicht mehr autoritär wie frühere Trainer vorgehen. Jürgen Klopp erklärt das Funktionieren damit, dass ein Team nun mal einen Entscheider benötige, der die Richtung bestimme und zudem Fußballer es seit dem 4. oder 5. Lebensjahr gewohnt seien, derartigen Anweisungen zu folgen.

Leidenschaft ist überdeutlich bei allen Beteiligten zu erkennen — dass es ihnen Spaß macht, müssen sie aber jedes Mal immer erst explizit aussprechen, damit man es überhaupt bemerkt. Ein wenig scary, aber Arbeit bedeutet eben dann Befriedigung, wenn sie von Erfolg gekrönt ist.

Fazit: Die Dokumentation „Trainer!“ zeigt das Bild eines wirklich verrückten Berufs in vielen Facetten, von denen insbesondere die Arbeit mit den Spielern bislang so noch nicht beleuchtet wurde. Die konkrete Trainingsarbeit kommt etwas zu kurz, dafür sind die Protagonisten wohl ausgewählt. Ein verrückter Beruf ist es, ausgeübt von Menschen, die dafür prädestiniert sein müssen. Ihre Familien und ihr soziales Umfeld werden zumindest von ihnen gefühlt schwer beansprucht, in Form von Abwesenheit nämlich. (Ob dies von den von der Abwesenheit Betroffenen überhaupt genauso empfunden wird, an diese Frage wagte sich der Film allerdings nicht.)

Gut herausgestrichen wird, dass die Trainer am Ende abhängig von den Zufällen des Fußballs, Latte, Pfosten, Platzfehler, etc. und von der örtlichen Medienlandschaft sind. Womit sie am Ende eben doch extrem austauschbar werden, selbst wenn bewiesen ist, dass Trainerwechsel kaum etwas bringen. Erhellende Einblicke in ein Leben, das trotz der Dramatik und der Erfolgserlebnisse geprägt ist von viel Arbeit, die auch auf den zweiten Blick nicht nach Vergnügen aussieht. Ein Trainer ist heute jedenfalls ein Fußballlehrer. Und abzuschalten lernt man wohl erst in späteren Jahren der Karriere, so scheint es. „Trainer!“ spielt den Pass in die Gasse der bislang für Fußballinteressierte unzugänglichen Bereiche. Prädikat „äußerst sehenswert“.

Dazu der Trailer zum Film, der nicht zu viel verspricht:



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Der blaue Adel und der alte Ritter

Sicher den wenigsten bekannt ist die Antwort auf die Frage, welches Team im deutschen Fußball auch „der blaue Adel“ genannt wird. Man müsste hier eigentlich erst mal die Leute raten/vermuten lassen und einen Spoilerschutz einbauen. Die Frage ist aber wohl so schwierig, dass sie ohnehin nur Menschen aus dem Umfeld der baden-württembergischen Landeshauptstadt beantworten könnten, ohne zu raten.

„Der blaue Adel“, so nennt man im Fußball die Stuttgarter Kickers. Warum, das war bislang noch nicht zu eruieren. Zugelaufen ist einem diese Information mal wieder im Zuge einer dieser „Internet-Safaris“ (© by Stadioncheck), an deren Anfang man sich am Ende nicht mehr erinnert. Womöglich hatte der Ursprung dieser Safari etwas mit Manfred Kaltz und dem letzten Titel des HSV zu tun.

Wie dem auch sei. Die Stuttgarter Kickers traten (abgesehen von einem 4:1-Auswärtssieg beim FC Bayern München) ansonsten im nationalen Fußball nicht besonders in Erscheinung. Von einer Ausnahme abgesehen — als die Kiggers 1987 das Pokalfinale erreichten. Welches sie zwar gegen den HSV verloren, unter Anderem wegen eines Bananenfreistoßes von eben jenem Manni Kaltz, doch war diese Finalteilnahme etwas, was sie in die Annalen und zugleich den Fokus der Fußballöffentlichkeit brachte.

Um ein Finale zu erreichen, muss man allerdings ein Halbfinale gewinnen. Und in einem solchen waren auch 1987 schon im DFB-Pokal meist nur höherklassige Mannschaften vertreten. Denn die Kickers aus Stuttgart waren damals Zweitligist, der ihnen zugeloste Gegner Fortuna Düsseldorf hingegen Erstligist.

Wie das so war, als Underdog gegen den Overdog, als der Rasen tief war, das Wetter diesig und die Fans noch hinter Moschendrohtzaun eingepfercht waren, verrät das folgende Video der Sportschau von diesem legendären Sieg im DFB-Pokalhalbfinale des „blauen Adels“ Stuttgarter Kickers über Fortuna Düsseldorf.

Wie immer sehenswert neben dem völlig anderen Fußballspielstil auch die medial-verbale Unbeholfenheit der Spieler.



Ah, ja, gut, das haben wir jetzt alle gesehen.

Nein! Eher doch nicht.

Wie relativ sicher ist, hat fast niemand das Video zu Ende geschaut, sofern es überhaupt jemand angeklickt hat, denn es ist länger als 90 Sekunden und damit länger als die neu begründete Einheit des „maximalen Internet-Aufmerksamkeitsspannen-Umfangs“ (MIAU). Was länger als 90 Sekunden dauert, findet einfach nicht statt, bei den allermeisten jedenfalls.

Deshalb hier als Service für die Leser der Hinweis auf jenen hörenswerten Teil des Berichts mit der allwissenden Müllhalde des deutschen Fußballs, die auch damals schon an allen Ecken und Enden vors Mikro geholt wurde. Mit anderen Worten: Paule heißter, ist Altklugscheißer und wird noch stets gefragt im deutschen Fußball, was er so denkt — wenn er denn die Ritterrüstung rechtzeitig abzulegen schafft.

Also noch mal anklicken, dann geht’s sofort an der richtigen Stelle los: (funktioniert zur Zeit nicht, wird dran gearbeitet, die besagte Stelle ist bei 3:40)



Man versteht sicher durchaus auch als jüngerer Zuschauer, welchen Segen es bedeuten konnte, dass es nur drei Fernsehprogramme gab. Was man damals aber als Zeitgenosse leider selbst noch nicht ahnte.

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Karagounis, don’t make cartoons!

Ah, Fußball!

Toller Fußball, feiner Fußball, wunderbarer Fußball.

Aber dann diese Pein, diese Plage. Dieser pain in the ass. Nicht der Fußball an sich. Aber was daraus wurde und wer ihn — vermeintlich — beherrscht. Sepp Blatter. Michel Platini. Jack Taylor. Franz Beckenbauer. Das sind Namen, die schon beim Zuhören weh tun, wenn man sich erinnert, was sie für den Fußball getan haben. Nämlich nichts, außer ihn zu korrumpieren.

Möglicherweise liegt es aber in der Natur der Sache, dass man als Amtsträger korrumpiert wird. Es könnte sogar sein, dass man diese Ämter nur erreichte, weil man sein Lachen an den Teufel verkaufen musste. Wir erinnern uns alle an Thommi Ohrner, der „Manni, der Libero“ war, aber als Timm Thaler in einer anderen Weihnachtsserie eben dieses Lachen an den Teufel verkaufte.

Es gibt jedenfalls zwei neue Indizien dafür, dass man als Amtsträger insbesondere im Fußball sein Lachen verkaufen musste.

Das erste kommt aus Österreich, das zweite aus der Schweiz. Lachen Sie nicht, so Sie noch können, auch in diesen Ländern wird Fußball gepflegt. Letzteres ist gar Gruppenkopf „an“ der kommenden WM, wie man dort zu sagen pflegt.

In Österreich ereignete sich kürzlich folgender Fall. Die angesehene Fußballkulturzeitschrift ballesterer veröffentlichte eine Karikatur einer ohnehin sich sehr wichtig nehmenden Person aus dem österreichischen Fußball. Das empfand diese komischerweise gar nicht so. Und erregte sich derart über eine Karikatur ihrer Person, statt sich zu daran zu erfreuen, dass sie im öffentlichen Leben so wichtig ist, dass man überhaupt Karikaturen von ihr erstellt. Dass sie sich daran nicht erfreute, demonstrierte sie per an den ballesterer per Anwalt zugestellter Unterlassungserklärung. Welche der ballesterer, wie man es richtig tut, mit einigen Modifikationen auch zeichnete. Die ganze lesenswerte wie traurige (traurig für den Amtsträger) Geschichte gibt es hier zu lesen, was man unbedingt tun sollte.

In der Schweiz gehen solche Sachen aber nicht mit ein paar Dutzend Hundert Euro ab, welche der ballesterer zahlen musste, da wird gleich vor Gericht gegangen. Der Blatter Sepp (für alle, die es immer noch nicht wissen: dass „S.“ in Joseph S. Blatter steht für „Sepp“, was eine Kurzform von Joseph ist, ein gefaketer Mittelinitial also, so wie es noch ständig bei in Eitelkeit ertrinkenden Menschen nötig ist). Der Sepp Joseph Blatter ging gleich vor Gericht, als eine Karikatur über ihn erschien und gewann sogar. Das Bezirksgericht in Zürich verbot einem Karikaturisten, seine Cartoons von „Sepp Platter“ weiter zu veröffentlichen. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, denn die Begründung lautet folgendermaßen:

Die Karikaturen seien geeignet, die berufliche und gesellschaftliche Ehre des FIFA-Präsidenten Sepp Blatter „in empfindlicher Weise herabzusetzen“.

Welchen Sinn hat dann noch eine Pressefreiheit? Näheres und wie immer Weiterführendes beim recht gut informierten Blog vom Runden Leder zu diesem Thema.

Wir stehen da, vor der Humorwand, die im Fußball aufgebaut wird und stellen fest: Eine solche, nicht mal eine Humortoleranz, gibt es bei jenen welchen nicht, welche im Fußball relevant sind. Genau deshalb laden wir ja wieder ein zum neuen Fußballweltverband, garantiert mit Humor ausgezeichnet und vor allem mit Karikaturen-Resistenz. Unfassbar, wie wenig Humor man so als Funktionär an den Tag legen kann. Noch unfassbarer, dass ein Gericht Karikaturen von Sepp Blatter verbietet. Traurig ist es in diesen Tagen, mit Humor sein Tagwerk zu verdienen. Noch trauriger ist, dass der Fußball, bei denen, die sich dafür verantwortlich halten, einen solchen nicht hat. Wie gesagt, kommen Sie zu unserem neuen Fußballverband.

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Lost

Ich bin heute morgen aufgewacht. Und es war noch mitten in … keine Ahnung, welche Tageszeit es war. Aber ich machte schnell eine fürchterliche Entdeckung. Ich war in einer Parallelwelt aufgewacht.

Und zwar in einer Welt, in der Bayernfans mit Nachdruck darauf bestehen, dass ihre Mannschaft tatsächlich gar nicht so gut sei, wie von anderen Seiten behauptet.

Im Bad merkte ich dann, dass das Wasser im Waschbecken andersherum in den Abfluss strudelt. Sehr suspekt. Wie komm ich wieder zurück in die richtige Welt?

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Der Geist von 1950



Werbung aus Uruguay.

Spannenderweise in diesen Tagen gar nicht mal so unwahrscheinlich wie in der meisten Zeit dazwischen, dass sich das Trauma wiederholt.

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Anthony Yeboahs Geständnis: Geburtsjahr gefälscht

Anders als man vermuten könnte, hat Anthony Yeboah sich allerdings nicht jünger gemacht, um länger eine Karriere im Profifußball gestalten zu können, als es die reine Alterszahl dann erlaubt hätte.

Im Jahr 2012 gab Anthony Yeboah zu, dass er in Wirklichkeit zwei Jahre jünger ist als sein früher stets angegebenes Geburtsjahr von 1964. Tatsächlich war er erst 1966 auf die Welt gekommen.

Sein Motiv war, dass er schon in jüngeren Jahren in der ersten Mannschaft eines Klubs in Ghana spielen konnte, als es ihm sonst erlaubt gewesen sei.

Damit bestätigt er zwar Klischees, dass man in weniger entwickelten Ländern bei diesen Angaben auf einfache Weise pfuschen kann und das auch tut. Immerhin hat er aber noch zu Lebzeiten aufgeklärt, dass es so war und was seine Motivation war. Falls das an den Lesern ebenso vorbeigegangen sein sollte wie am Autor, ist diese Lücke nun wenigstens geschlossen. Der Mann war in Wirklichkeit immer viel jünger als er aussah.

Somit ist auch jene Maßnahme überflüssig geworden, welche Yeboahs einstiger Nationaltrainer Otto Pfister zur Klärung dessen umstrittenen Alters damals empfahl:

„Da hilft nur eins: Bein aufsägen und Jahresringe zählen.“

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YB, das Schweizer Schalke in schwarz-gelb

„Ieehh-Bähh“ spricht man die Abkürzung „YB“ aus. Was kleine Kinder sagen, wenn sie sich ekeln, ist in Bern Ausdruck der Liebe zum erfolgreichsten lokalen Fußballverein, dem BSC Young Boys. Stimmt nicht ganz, denn natürlich ist das „I“ im „YB“ kurz und betont, das Bääh wird eher ausgespuckt.

Dass der Verein in einem Stadion zu Hause ist, in dem — zumindest der später entstandenen Legende nach — das Selbstbewusstsein der BRD seine Wiedergeburt erfuhr, macht es überflüssig, viele Worte zum Wankdorfstadion zu verlieren. Allerdings wurde das alte, 1925 errichtete Stadion 2001 abgerissen. Mit den 31.120 Plätzen im neuen „Stade de Suisse“ an selber Stelle verfügt die Bundesstadt Bern über das zweitgrößte Stadion der Schweiz.

Darin spielen in schwarz-gelb gewandete Spieler, deren geschicktester in der Vergangenheit Stephane Chapuisat war. Zumindest wenn man den Fans glauben darf, die ihn zum besten Spieler aller Zeiten des BSC Young Boys wählten.

Warum nun ist YB das Schweizer Schalke in schwarz-gelb/gelb-schwarz?

Weil man hier zwar auf eine sogar noch erfolgreichere Vergangenheit zurückblicken kann. 11x wurde man Landesmeister, mit einer Hochphase in den 1960ern, 6x gewann mal den nationalen Pokal. Doch seit 1987, als der letzte Pokalsieg eingestrichen wurde, ist Ebbe an jenen Stellen in den Kalendern der YB-Fans, die dafür da sind, sich Termine für Meisterfeiern und Pokalübergaben zu notieren.

Fast 30 Jahre keinen Titel und zwischendurch — ebenso wie Schalke — sogar mal abgestiegen und das nicht nur ein Mal. Ebenso wie Schalke inzwischen aber in der höchsten Spielklasse des Landes stabilisiert und mit einer der größten Fanschaft sowohl in reiner Anzahl als auch in den Punkten Treue und Ergebenheit beschenkt. Ebenso wie Schalke hat man ein recht neues Stadion, wie Schalke spielt man auch immer oben mit und genauso wie für Schalke reicht es dann auch schon mal am letzten Spieltag doch nicht zur Meisterschaft, woraus man schöne Legenden stricken kann und es auch tut. Ähnlich wie Schalke hat YB zwei Rivalen in der Liga, welche finanziell aus einem noch etwas größeren Bottich schöpfen können.

Dennoch hat man in seiner Clubgeschichte eine ganze Reihe auch hierzulande bekannter Fußballer in seinen Reihen Kommen und Gehen sehen, sowohl auf dem Platz als an der Linie. Lars Lunde und Hakan Yakin auf dem Platz dürften bekannt sein, Gernot Rohr, Martin Andermatt oder Christian Gross an der Linie. Dazu mit Pal Csernai, Timo Konietzka und nicht zuletzt Albert Brülls auch Namen, die für die älteren Saisons unter den Lesern irgendwo in den Synapsen gespeichert sein dürften. Aber vielleicht sind ja auch die Namen interessanter, die nicht in hiesigen Landen bekannt sind, da möge man selbst stöbern.

Zudem besitzt der Club ein Museum seiner eigenen Geschichte und war damit lange Zeit der einzige in der Schweiz, der solches von sich sagen konnte. Heutzutage bleibt er damit der erste, welcher eine solche Einrichtung schuf. (Zum Schalker Museum hier entlang.) Nur die Farben, die sind eben nicht königsblau, sondern schwarz-gelb (oder gelb-schwarz).

Es gibt vielerlei Schrägpositives über den Verein zu berichten. Nicht zuletzt, dass eine Gruppierung gegen Rassismus einst in üblen Zeiten, genauer 1996, als die Kurve mit Rechten durchsetzt war, für eine Partie Trikotsponsor der Mannschaft wurde, mit dem Slogan „Gemeinsam gegen Rassismus“, mehr (und Bilder) dazu hier.

Und dann ist da noch die YB-Wurst. Hier lechzt man ja immer danach, dass nicht alle Klubs die gleichen Songs singen, das „Danke-Bitte-Spielchen“ machen oder schrottige Tormusik haben. Man fertigt sogar Sammlungen derartiger Besonderheiten an. Eine solche Besonderheit ist die YB-Wurst. Sie ist so besonders, dass wir der Erklärung bei der alten Tante lauschen:

Im alten Wankdorf wurden die Schweinswürstchen im Wasserdampf heiss gemacht. Die Nachfrage war jedoch so gross, dass die Verkäufer eine grössere, sättigendere Wurst anbieten wollten. Die Verantwortlichen trafen sich, um eine Lösung zu finden. In Lausanne wurden sie auf ein bestehendes Rezept aufmerksam. Die neue, im Wasser gekochte Wurst wurde übernommen und fortan als „YB-Wurst“ verkauft. Über die Jahre wurde die Wurst zu einem Kultsymbol in Bern. Es entstanden verschiedenste Fanartikel, ein eigener Fansong und sogar ein Fanclub, der sich nach der YB-Wurst benannte.

Eine Wurst mit einem eigenen Fanclub — das kann noch nicht mal der FC Schalke von sich behaupten! Eine solche YB-Wurst gibt es nun in aufblasbarer Form bei den organisierten YB-Fans zu bestellen.

Noch eine so calmund-positiv-bekloppte Besonderheit: Weil der letzte Titelgewinn mit dem Pokalsieg von 1987 kürzlich 25 Jahre her war und es seitdem nichts mehr zu feiern gab, organisierte man schlicht eine erneute Pokalfeier, um dieses Jubiläum zu begehen. Man lud Aktive von damals in ein Kino ein, zeigte bei YB-Wurst und Bier das Pokalfinale in kompletter Länge und hatte anschließend zusammen mit den Heroen jener Zeit, unter Anderem besagter Lars Lunde, dann doch mal wieder etwas zu feiern.

Achso, eigentlich das Spannendste: der Name des Vereins. Nun, 1898 existierte bereits ein FC Old Boys im nicht allzu weit entfernten Basel. Die Gründer von YB waren so angetan vom Fußballsport, dass sie ebenfalls einen solchen aus der Taufe hoben und diesen dann in Anlehnung wie Ablehnung der Vorbilder der Old Boys eben Young Boys nannten. Warum man die Abkürzung „YB“ aber „Iiih-Bäh“ ausspricht und nicht „Ypsilon-Bäh“, das konnte mir niemand erklären. Übrigens ist es weniger verwunderlich, dass die Clubs in einem Land, in dem man deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch spricht, einen englischen Namen auswählten. Es sind schließlich Fußballclubs und der Sport stammt aus England. In der Schweiz hat man auch viele Begriffe nicht eingedeutscht, aber damit erzählt man wohl niemandem der hier Mitlesenden etwas Neues. Man spricht von „Penalty“ oder „Corner“, und da passen Old Boys als Clubname doch ebenso gut zum Fußball wie Young Boys.

Zudem existiert eine tatsächlich lebendige und gelebte Fanfreundschaft der YB‘ler mit — halten Sie sich fest — dem SV Darmstadt 98. Die Geschichte, wie es dazu kam, wurde mir zwar angetragen, da ich aber über die Wahl des befreundeten Clubs so erstaunt war, war mein Hirn kurze Zeit nicht aufnahmefähig und man müsste dies also noch einmal nachlesen.

Gastfreundlich ist man bei den Young Boys übrigens außerordentlich. Nicht nur wird man von der Fanorganisation, die in der Halbzeit zu Hause ist, zu einer Lesung eingeladen, obwohl der Schweizer Fußball in den Texten gar nicht vorkommt. Man überreicht auch noch einen echten YB-Schal als Geschenk für den Lesenden. Somit existiert jetzt wohl auch eine Fanfreundschaft zwischen YB und Trainer Baade, zumindest seitens Letzterem.

Wenn Sie mal da sind, schauen Sie sich YB im Stadion an — kaum sonst irgendwo in der Schweiz ist die Fußballatmosphäre so fußballatmosphärisch wie in Bern. Gehen Sie aber vom Hauptbahnhof aus nicht über die Kornhausbrücke zu Fuß in Richtung Stadion, oder besser nur dann, wenn Sie schwindelfrei sind.

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latte addio

Unter den vielen Dingen im Fußball, die es im Jetzt(TM) nicht mehr gibt, mal mehr, mal weniger beklagenswert, fristet eine bedauernswerte unter den verloren gegangenen Verhaltensweisen ein Dasein als Graue Maus.

Niemand würdigt sie eines Satzes, nicht mal eines Neben-.

Anders als den heruntergelassenen Stutzen, den Laufbahnen, den holzenden Spielern (auf dem Platz und am Mikrofon), den Blaskapellen, den Prügeleien noch im Stadion statt auf dem Parkplatz oder der höchst amüsanten Begebenheit, wenn der einzige im Spiel vorhandene Ball auf die Tribüne geschossen wurde, von den Zuschauern aber nicht mehr herausgegeben wurde. Für alle diese nicht mehr existenten Umstände eines Fußballspiels findet sich irgendwo ein virtueller Grabstein in Form einer kleinen Ehrung durch einen (Blog-) Text.

Nicht so unsere Graue Maus der vergessenen Einrichtungen:

auf einer Torlatte Erfolg feiernde Fans.

Früher ein ständig auftretendes Bild, heute nur noch im Falle äußerster Halbangstzustände zu sehen. Schade, das.

Den Torlattenproduzenten wird’s Recht sein — alle anderen würden lieber immer mal wieder den einen oder anderen Fan auf den Schwingungen einer Torlatte reiten sehen, diese sich wie im Winde wiegend, den der Jubel der Fans durch seinen emotionalen Sog erzeugt.

Aber es ist schon lange Schluss mit Wippen und Wiegen.

Servus, mach’s guat, alter Torlattensitzjubel.

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Das Design des WM-Balls 2014

Dass der neue WM-Ball für das Turnier in Brasilien brazuca heißen wird, weiß man als Leser dieses Blogs schon länger. Jetzt ist angeblich auch das Design des neuen WM-Balls 2014 publik geworden. Die Fake-Polizei hat jedenfalls keine Bedenken angemeldet (vielleicht hat sie auch schon Feierabend).

Jetzt gerade geistert jedenfalls dieses Bild vom Design des neuen WM-Balls 2014 durchs Netz. Und man kann nur sagen: Es ist nicht das beste Jahr der für WM-Klumpatsch zuständigen Designer. Natürlich ist so etwas immer reine Geschmackssache. Und ebenso natürlich kann die Strategie womöglich tatsächlich lauten, dass man bei den nächsten Ausgaben dann denken wird: hach, endlich wieder in schön.

Ich malte jedenfalls einst in meiner Funktion als explizit überhaupt nicht Zeichnen und Malen könnender Mensch im Kunstunterricht ein Bild zu einem leider vergessenen Thema, welches der Lehrer, ansonsten kein Freund allzu harter Worte, mit dem Kommentar verzierte: „Sieht aus wie draufgekotzt.“

Damit gehen wir dann also ganz beruhigt in die Nacht, seit wir wissen, wie der WM-Ball 2014 aussehen wird und welches Monstrum uns von nun an auf Jahre hinaus auf den Fußballplätzen dieser Welt verfolgen wird. Denn haltbar sind sie ja für gewöhnlich. Gute Nacht.

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Völler, Träger des schwarzen Gürtels in Paradoxie

Völler beweist mal wieder seinen sprichwörtlichen Sinn fürs Paradoxe. Natürlich vorgetragen mit der Völler eigenen Mischung aus Empörung und Jammern darüber, dass seinem Klub nicht ausreichend Anerkennung entgegengebracht wird.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Zweiter sind. Wir sind ein absoluter Topclub.“

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Sorgatz‘ Hattrick komplett — „In Kopenhagen schellt das Telefon“

Wer Bücher schreibt, hat weniger Zeit zu bloggen. Das galt sehr offensichtlich in den letzten Monaten für das eigentlich stets sehr umfassend berichtende Gladbach-Blog „Entscheidend is aufm Platz“. Wie seit gestern klar ist, war tatsächlich die Erstellung des nächsten Werks von Jannik Sorgatz der Grund für die lange Ruhe.

Wer Gladbach-Fan ist, kommt an Sorgatz‘ inzwischen drittem Buch nicht vorbei. Wer Fußball-Liebhaber ist, kann ebenfalls mitgehen auf diverse europäische Reisen nach Kopenhagen, Bukarest oder Rom. Was es mit dem Spruch „In Kopenhagen schellt das Telefon“ auf sich hat, hab ich noch nie verstanden, aber vielleicht wird mir das ja gelingen, wenn ich das gleichnamige Buch, wahrscheinlich in der Weihnachtspause, konsumieren werde.

Nicht ganz verkehrt von Sorgatz, das Buch noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft herauszubringen. Noch weniger unpassend, dass Borussia ihm den Gefallen erweist, weiterhin erfolgreich zu spielen, gar jahrzehntelange Rekorde zu knacken. Mit guter Laune entscheidet es sich schließlich viel besser dazu, ein solches Fußballbuch zu erwerben. Auch wenn diese Extraportion Motivation angesichts des Stiles von Sorgatz wohl kaum nötig wäre.

Auf der Seite des Autors gibt es weitere Infos rund ums neue Buch.

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Die großen Maulwürfe der Geschichte — sind so viele Wahrheiten

Im Zuge der Maulwurf-Affäre beim früheren FC Hollywood verweist Karl-Heinz Rummenigge darauf, dass es schon einmal den Fall gegeben habe, dass ein Spieler den FC Bayern verlassen musste, weil dieser Interna ausgeplaudert habe. Er nennt den Namen Jupp Kapellmann, der immerhin stolze 6 Jahre beim FC Bayern beschäftigt war, von 1973 bis 1979.

1979 ereignete sich aber etwas Entscheidendes in diesem Club, was zumindest laut Wikipedia der tatsächliche Grund für Kapellmanns Abschied vom FCB gewesen sei: Kapellmann habe dauerhaft im Clinch mit Uli Hoeneß gelegen. Als klar wurde, dass Hoeneß als Manager der Bayern Kapellmanns neuer Chef würde, ergriff er von selbst die Flucht. Nicht aus der Stadt, er wechselte nur zu 1860, aber aus diesem Verein.

Wer hat den Wikipedia-Text geschrieben und wer liegt nun richtig? Hat Hoeneß damals schon das (vielleicht nicht zutreffende) Gerücht gestreut, dass Kapellmann ein Maulwurf sei, weil er ihn loswerden wollte? Oder ging Kapellmann aus eigenem Antrieb, weil er Hoeneß einfach so nicht ertrug? Oder war Kapellmann schlicht und ergreifend ein Maulwurf? Gab es damals überhaupt schon ein derartiges Interesse an Interna beim FC Bayern, dass man Kapellmann unbedingt entfernen musste? Gerne zitiert man doch die zwei Tage pro Woche, an denen sich Reporter von anderthalb Zeitungen beim Training der Bayern haben blicken lassen. Andererseits ist so eine Mannschaft natürlich immer auch ein Gebilde, das unabhängig von der Außenwirkung ein Mitglied nicht dulden kann, welches sich nicht an die Regeln hält.

Spannend wie stets, welche Deutungen der Ereignisse nebeneinander existieren und welches Gehirn welche Version abgespeichert hat. Falls hier jemand Journalist ist, könnte ein solcher ja mal bei Jupp Kapellmann anfragen, wie er die Geschichte erzählen würde …

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Gewinnspiel: Zwei Tore in der Verlängerung aufholen

Heute endlich wieder eine neue Folge der beliebten Reihe „Gewinnspiel ohne Gewinne“, bei dem es nur um den sportlichen Ehrgeiz geht, die aufgeworfene Frage möglichst umfassend zu beantworten.

Einem Amerikaner Fußball schmackhaft zu machen, sollte man vielleicht nicht unbedingt bei Fortuna Düsseldorf versuchen. Verstehn‘S mich nicht falsch: das ist ein tolles Stadion mit super Stimmung. Aber die Rede ist hier nicht von 2013, der Versuch liegt schon einige Jährchen zurück. Der Herr kannte Fußball aber ohnehin schon vorher und hatte sein Urteil für sich bereits seit geraumer Zeit gefällt und war wohl eher aus Höflichkeit dann doch mit ins Stadion gekommen.

Das Kernproblem des Fußballs lautet seiner Auffassung nach:

„Wenn eine Mannschaft 0:2 hinten liegt, ist das Spiel eigentlich immer entschieden.“

In vielen Fällen mag das zutreffen. Das 5:3 in Schweden der deutschen Mannschaft war der erste Sieg nach einem 0:2-Rückstand in einem Pflichtspiel seit 1954 (!), seit jenem 3:2 gegen Ungarn nämlich. 50 Jahre sind dann schon mal gut zwei Drittel eines Menschenlebens.

Noch dramatischer wird der Fall, wenn man statt insgesamt 90 Minuten nur noch 30 Minuten oder in unserem Fall, siehe unten, zwangsläufig sogar weniger Zeit hat, einen Zwei-Tore-Rückstand wenigstens zu egalisieren. Wenn man nämlich von der Verlängerung spricht.

Von einer der ganz wenigen Verlängerungen im hochklassigen Fußball, in der es einer Mannschaft gelang, in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, spricht übrigens heinzkamke in wunderbarer, feinster Detailarbeit (das kann man gar nicht genug loben, so gelungen ist dies) zusammengestellter Worte in seinen Fünf Zeilen, die der Fußball schrieb (XLVII).

Die Rede ist von jener Partie, welche auch die Leser von Trainer Baade jüngst zu einer ihrer beiden liebsten Partien aller Zeiten gewählt hatten. Es geht um das WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich.

Drüben bei angedacht warf wiederum Gunnar vom Stehblog die Frage auf, in welchen anderen relevanten Partien es dieses Phänomen schon mal gegeben habe. Hier fiel kein Beispiel ein (nein, im „Jahrhundertspiel“ gab es nie einen Zwei-Tore-Rückstand), weshalb Hilfe mal wieder sehr willkommen wäre:

In welcher Partie gelang es einem Team, in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen?

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Dauerwerbesendung



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Bierhoff in Berater-Bestform

„Mit Blick auf die bevorstehende Weltmeisterschaft hilft die Analyse der vergangenen Jahre auch bei der Gestaltung der zukünftigen Entwicklung unserer Nationalmannschaft.“

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You throw it all away

Man hat sich im Fußball dran gewöhnt, dass alles Gewäsch von Traditionen und Bräuchen nur eben solches ist: leere Hülsen, einzig der emotionalen Aufladung des Produkts dienend. Kein Verkäufer zögert noch eine Sekunde, sofort entgegen jeglicher Tradition zu handeln, wenn er sich davon mehr Aufmerksamkeit und Umsatz als zuvor erhofft.

Da darf es nicht überraschen, dass der Ausrüster der Nationalmannschaft beim neuen Trikot-Design ebenso keine Hemmungen kennt, alles, was das Trikot der deutschen Nationalmannschaft zuvor definierte, mir nichts dir nichts über Bord zu werfen.

Aufmerksamkeit juchhe, koste es was wolle, auch mit diesem Beitrag zum Thema natürlich — doch Ernst nimmt man seine Kunden damit nicht. Zumindest jene nicht, denen man überhaupt mit Traditionen oder Gewohnheiten im Fußball kommen kann.

Nun also ein Trikot, dessen Gestaltung auch via hanebüchenster Erklärungen nichts mehr mit dem üblichen Design dieses Trikots gemein hat. Wenn eine Mannschaft keinen Brustring auf ihrem Trikot trägt, dann hat sie auch in der x-ten Variation keinen solchen und wenn die Farbkombination einer Mannschaft weiß und schwarz ist, dann steht das schwarz dabei nicht für die Farbe der Fußballschuhe.

Völlig ohne Not macht sich ausgerechnet jener Ausrüster, der doch auf diese Tradition der Kooperation so gerne hinweist, hier zum Schlächter jeglicher Bräuche bei der Gestaltung dieses Trikots. Wie eingangs erwähnt, man hat sich im Fußball an beinahe alles gewöhnt.

Doch das geht einfach zu weit. Setzen, Sechs, nichts verstanden von der Bedeutung der Gestaltung eines Ländertrikots.

Dass man seine Kundschaft ohnehin nicht Ernst nimmt, erkennt man am unerträglich hipster-ironischen Slogan zum Trikot: „Unsere Farben oder keine!“ Von welchem Land mag da nur die Rede sein? Nur für die Ungläubigeren unter der Zielgruppe also noch mal explizit ausgesprochen, dass man seine Kundschaft verhöhnt. Wenigstens darin bewahrt man die Tradition.

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