10. April 2014
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Most unsung hero

Heute eine ganz einfache Frage, Aufgabe. Wer ist Euer most unsung hero der Bundesliga, in Eurem Team, vielleicht in einem anderen Team? Welcher Spieler fällt Euch ein, wenn es um die geht, die oft sehr gute Leistungen brachten, aber mehrheitlich im Schatten standen? Kurz: Wer ist Euer most unsung hero?

7. April 2014
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Feuchter Traum Panini-Album vom eigenen Team

Der feuchte Traum eines jeden Hobbyfußballers geht gerade in Bremen in Erfüllung. Dort bastelte sich die Mannschaft „Interruptus Connection“, Teilnehmer der Bremer Wilden Liga, ein Panini-Album von der eigenen Mannschaft selbst. Famose Idee und offenbar auch in der Umsetzung gelungen.

Jetzt müsste man das nur noch als Geschäftsidee allen Millionen anderen Hobbyteams der Welt ermöglichen, und schon müsste man nie wieder arbeiten, könnte stattdessen faul im Sessel seine Panini-Sammelbildchen durchgehen und noch mal durchgehen und noch mal. Wenn man mit dem Zählen der Geldscheine fertig ist, versteht sich.

Denn solch ein Panini-Album vom eigenen Team, da sabbern doch alle Hobbyfußballer schon allein beim Hören der Idee.

Zur Umsetzung geht’s hier.

3. April 2014
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Wer nicht meint, der — schlief wohl schon

Die Fraktionen sind mal wieder unterschiedlicher Auffassungen, wie das so ihr Naturell ist.

Lieber einen authentischen, auch mal polemischen Klopp als immer nur die weich gespülten leeren Antworten im Profifußball, auf der einen Seite. Dass er die Frage mit anderem Naturell, einem Tick mehr Souveränität beispielsweise, auch problemlos liegen lassen, im Sinne von dran vorbeigehen und normal antworten könnte, auf der anderen Seite.

Beides mag zutreffen, es stammt aber Beides aus des Fußballfans in dieser Epoche zweitliebsten Kind, nach dem Aufzählen der Prozentzahl der versuchten, aber angekommenen Fehlpässe: der Küchenpsychologie. Wichtiger war an der Angelegenheit, dass man, so wie mittlerweile schon fast im Rhythmus englischer Wochen, mal wieder so richtig eine Meinung haben durfte.

Denn Rummeinen erhöht schließlich den Rummeinenden, mindestens in den Abend, und ist der eigentliche Zweck allen Drumherums des Fußballschauens. Beste Unterhaltung. Und man meint dazu fast, ein nassforscher Fragensteller habe etwas zu deutlich gegrinst, um diesen Unterhaltungsfaktor noch verneinen zu können. Die Rummeinenden hat das aber nicht gestört, es wurde ausgiebig rumgemeint. Ein schöner, runder Fußballabend also.

Aufmerksame Beobachter hatten ohnehin schon dunkel geahnt, dass es nur ums Meinen gehen würde, und nicht ums Spiel. Oliver Kahn war schließlich auch eingeladen. Was aber auch nur eine Meinung ist.

29. März 2014
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In memoriam Schalkefan.de

Ein Jahr ist es her, dass Matthias in der Weide plötzlich aus dem Leben schied. In Vergessenheit ist er natürlich nicht geraten. Sein Blog aber, all die über 1000 Texte, welche er seit 2005 verfasst hatte, muss seitdem ohne ihn auskommen. Und man sieht wieder einmal, wie wenig ersetzlich jeder Einzelne dann doch ist. Nämlich gar nicht.

Ich habe mir erlaubt, einige der aus meiner Sicht besten oder typischsten Texte aus seinem Blogtreiben zu kuratieren, denn das Blog kannte und mochte ich. Den Menschen Matthias in der Weide zu würdigen, das kann ich mir nicht anmaßen, es bei jenem Teil des Menschen, mit dem wir zu tun hatten, aber versuchen: den Blogger Schalkefan.de.

Das Folgende ist ein nur kleiner Ausschnitt aus seinem Wirken, das ja thematisch über die Grenzen des FC Schalke 04 hinausging, anderenfalls wäre er wohl kaum so Fußball-Blogosquariums-weit bekannt geworden.

Doch wie der URL unschwer verrät, war das Blog von www.schalkefan.de in erster Linie eines über jenen Club, in dessen Fanclub „Monesteria“ — nach dem lateinischen Namen seines Wohnorts Münster benannt — er Mitglied und Webmaster war.

Die Auswahl ist natürlich völlig subjektiv und jeder andere, der unterschiedliche Schwerpunkte mit Matthias‘ Blog verband, würde sicher zu einem anderen Ergebnis kommen.

Am meisten Aufmerksamkeit erhielt sein Schalker-Krisen Bullshit-Bingo, mit dem es die Ideen aus Matthias‘ Hirn bis in eine Sendung von einem Bezahlsender brachten, wo diverse Schalker Protagonisten mit diesem Bullshit-Bingo konfrontiert wurden und ein wahrer Massen-Ansturm auf sein Blog losbrach. Dieses Bingo, welches ihm von anderen Medien als Verspottung seines eigenen Clubs ausgelegt wurde. Was nicht in seinem Sinne war, wie er sich hier zu diesem „Hype“ erklärte.

Der Bezahlsender war nicht der einzige, der seine Inhalte nutzte. Zeit online lud ihn ein Mal, zwei Mal, drei Mal als Twitter-Reporter auf Schalke ein, Antenne Münster sprach mit ihm über seinen Fanclub, die ARD-Sportschau erkundigte sich nach seiner Meinung.

Auch als Fan muss schließlich das Objekt der Liebe nicht ständig beweihräuchert werden: So fand er einrahmungswürdige Worte zum Revierderby im Allgemeinen oder Kritik am Schalker Ticketverkauf im Besonderen.

Zu Anfang bloggte er so wie viele Blogger jener Zeit, mal einen Gag einstreuend, den man später bei Twitter gebracht hätte, ganz Kind der Generation C-64 eben und ins Bloggen einfach so reingeschwommen und -gewachsen. Damals waren auch noch selbst entdeckte Deppenapostrophen en vogue.

Als solcher Pixelheld der ersten Stunden wurde er auch in seinem Blog oft als Gestalter aktiv, wie mit diesem Schaubild aller Erstrundenspiele des FC Schalke im DFB-Pokal oder mit jenem Bild, das auch völlig ohne Worte auskäme.

2005 gegründet, war das noch rechzeitig für den Schalkefan, um auch bei der WM 2006 im Stadion anwesend zu sein und davon im Blog berichten zu können. Mit der Partie Trinidad & Tobago gegen Schweden zufälligerweise bei der selben Partie wie ich, was wir nicht voneinander ahnten. Anders, als sich später beim Pokalfinale 2011 dieser Umstand noch einmal wiederholen sollte. Zu diesem Anlass — des Finales, nicht der gemeinsamen Anwesenheit — hatte er die Aktion @finales04 ins Leben gerufen: Schalke-Fans berichteten über einen gemeinsamen Twitteraccount von ihren Vorbereitungen rund um jenes Pokalfinale.

Natürlich verfolgte er in erster Linie seinen Club intensiv — und häufig auch auswärts. So ist der Bericht vom Spiel in und vor allem der Reise nach Bilbao besonders in Erinnerung geblieben. Oder jener Moment, als er die Schalker Spieler auf dem Rückweg von einem Spiel beim Hamburger SV bei einem Burgerbrater erwischte.

Stationen wie Assauers Rücktritt oder Slomkas Vertragsverlängerung kommen selbstredend ebenso vor, die Personalien Özil, Neuer, Kuranyi, Rafinha oder Rangnick werden stets mit angemessener Tiefe und Fairness diskutiert. Als Mitglied des Fanclubs Monasteria erhielt er auch immer wieder die Gelegenheit, dortige Besuche von Schalke-Profis zu Exklusiv-Interviews, hier mit Joel Matip zu nutzen.

Es waren aber auch die typischen Geschichten rund ums Fanleben, die man sich in Fußballblogs erzählt, die Matthias in seinem Blog kredenzte. Eine davon firmiert unter dem Titel „Bist Du Schalke, Junge?“, eine andere ist jene, als er mal einen Hals auf Kevin-Prince Boateng hatte.

Dazu kamen die vielen Ausflüge in die nur für Außenstehende grauen Hallen der Statistiken, gar nicht mal immer zum Thema Schalke. Hier ein virtuelles Teilnehmerfeld des Europapokals der Pokalsieger, die deutsche Nationalmannschaft nach Geburtsorten oder dann doch mit Blick auf seinen Verein: alle deutschen Schalker Nationalspieler.

Und ganz besonders typisch für sein Blog — bei seiner ausgeprägten Fähigkeit zum Socializen und Dinge auf die Beine zu stellen — die vielen Aktionen voller Charme für Liebhaber des Fußballs und des Bloggens, von denen nur zwei genannt sein wollen.

Das herrliche Analogbloggen von der EM 2012, zu der die halbe Fußballbloggerschaft ihre Bierdeckel und Zettelchen einreichte. Und seine „Retter-Aktion“ für den Bundesliga-Rasen in Münster, der noch original aus dem Jahr 1963 stammte, aus der so viel Herzblut für den Fußball spricht, dass sie es bis zu einem eigenen Beitrag in der 11Freunde brachte.

25. März 2014
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Kontra Torlinientechnik in kurz

Gestern und vorgestern schlugen die Wellen etwas hoch zum Thema Torlinientechnik. Dabei wurden hier zwei hiesige Texte häufiger erwähnt und verlinkt. Vielen Dank dafür. Weil ich allgemein zum Schwallern neige, ohne auf den Punkt zu kommen, hier dann doch mal kurz zusammengefasst die Fakten, auf die diese Menschen hauptsächlich verwiesen:

  • Udo Muras hat für die „Welt“ nachgezählt. Von 1994 bis 2012 gab es 14 Fälle in der ersten Bundesliga, in denen Torentscheidungen strittig waren.
  • In dieser Zeit wurden 5508 Spiele in der Bundesliga absolviert.
  • Seltener als ein Mal pro Saison trat die Frage auf, ob ein Ball im Tor war oder nicht.
  • Wenn ein Heimverein die Anlagen zur Überwachung der Tor- oder Nicht-Torfrage installieren würde, würde er sie im Schnitt dieser Daten ein einziges Mal in 20 Jahren benutzen müssen.
  • Nach 40 Jahren wäre es statistisch pro Heimstadion immer noch in einem überschaubar wahrscheinlichen Bereich, dass man eine solche Anlage installierte, sie aber kein einziges Mal benutzen musste.

Wer braucht eine Torlinientechnik, die ein Mal in zwei Jahrzehnten zum Einsatz kommen würde? (Wenn man auch einfach den Videobeweis nutzen könnte?) Wenn es um die Dimension von Jahrzehnten geht, denkt man an Marssonden oder andere inzwischen weit entfernte menschengemachte Objekte im All, aber doch nicht an die Frage, ob man eine weitgehend nutzlose Einrichtung installiert, die anzeigt, ob etwas ein Tor oder kein Tor war.

[Stichpunkt zu Medien-Motivation wegen Quatschfug gelöscht.]

24. März 2014
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Familienmensch Matthäus

Eine dem Betrachter aus der Gegenwart völlig unbekannte Seite seines Wesens präsentiert ein Loddamaddäus in diesem Video: Loddar, der Familienmensch.

Treu, und so weiter, vor allem beim Shoppen.



„Als Kapitän von Inter Mailand und der deutschen Nationalmannschaft ist Lothar Matthäus täglich Stress-Situationen ausgesetzt — wie kaum ein anderer.“

Sogar vorgelesen, ohne dabei laut zu lachen.

Das Ganze stammt laut youtube-Begleittext aus der Doku „Inter special“ über die drei Deutschen bei Inter Mailand im Jahr 1990: Lothar Matthäus, Andy Brehme und Jürgen Klinsmann. Wenn diese im selben Stil so weitergeht wie dieser Ausschnitt, könnte Loriot bald einpacken. Ach, hat er schon? Na, dann.

Da ist ja immerhin der Epilog mit Brehme in Bestform. Wo ist der Rest?



24. März 2014
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Fußball ist ein Nasensport — Stadionführung in Stuttgart

Vorweg sei noch mal daran erinnert, dass der Geruchssinn des Menschen der am intensivsten mit emotionaler Bewertung verknüpfte ist. Nichts bringt so schnell Bilder aus der Vergangenheit ins Hirn wie das erneute Wahrnehmen eines einst vernommenen Geruchs. Beispiel: Begegnet man irgendwo einer Dame, die das selbe Parfüm trägt wie jene beim ersten Kuss, ist die Situation bei Letzterem sofort wieder präsent. Für den Gleichgewichtssinn oder den Tastsinn gilt das nicht mal im Entferntesten. Und deshalb ist nicht nur Fußball ein Nasensport, sondern der Mensch ein Nasentier.

Letztens lud uns der Hauptsponsor der Nationalmannschaft zum deutschen Länderspiel gegen Chile nach Stuttgart ein, wir trafen dabei Giovane Elber und diskutierten vorher und nachher über Fußball und Internet. Wir trafen auch noch ein paar andere Fußballgrößen, aber dazu später mehr. Teil des Besuchs beim Länderspiel in Stuttgart war auch eine Stadionführung. Da wir selbst zwar pünktlich, aber irgendetwas rund um die Nationalmannschaft nicht ganz so pünktlich wie gewünscht war, ging die Stadionführung samt Besuch der Kabinen etwas unter Zeitdruck vonstatten. Was keine Klage ist. Im Angesicht der im Schnitt 10 Millionen Zuschauer, die ein Länderspiel so vor die Bildschirme ruft — und nicht zuletzt im Angesicht des Umstands, wie elementar solch ein Länderspiel für die Finanzierung des DFB ist — gibt es natürlich Wichtigeres, als eine Gruppe von Bloggern durch ein Stadion zu führen und ihnen dabei möglichst alles zu zeigen.

Alles hieß hier: die Kabine der Nationalmannschaft, den Vorraum für Physios und Zeugwart, den Ort der zukünftigen Pressekonferenz nach dem Spiel, das Kabüffchen, in dem die ARD-Interviews stattfinden würden und die Verbindungswege zwischen diesen Plätzen. Letztere übrigens — ganz wie im Bremer Weserstadion — mit einigen interessanten Dingen geschmückt, aber das war auch nötig. Denn beim ersten Eintreten besitzt das Innere noch den Charme einer in der Nachkriegszeit errichteten Uni. Nackte Wände, die zwar in VfB-Farben stilecht größtenteils weiß und mit einem roten Streifen versehen angestrichen sind, optisch aber nicht viel hermachen. Deshalb die Ornamente:

Erstens ein Foto von Karl Allgöwer bei der Platzwahl mit einem bekannten Steuerhinterzieher.

Zweitens eine Tafel mit allen Europapokalheimspielen des VfB Stuttgart, welche in diesem Stadion oder seinen Vorgängern stattfanden.

Auf meinen Kommentar, dass man da wohl bald erweitern müsse, schließlich sei die Tafel fast voll, entgegnete der Fotograf recht lapidar: „Leider nein.“

Aber vor allem das Spielfeld selbst natürlich war Teil der Führung und — tatsächlich erhebendes Erlebnis — zuvor der Marsch durch den überdachten Gang hinaus auf den Platz. Da dieser den Beginn der Führung darstellte, entzündete sich sogleich Fußballlust (das Pendant zur Wanderlust) in den Köpfen der Beteiligten. Nicht ganz unwichtig übrigens im Vergleich zum Beispiel zum Duisburger Stadion: dass der Gang aus den Kabinen heraus deutlich länger sowie überdacht ist — das macht einen Tunnelblick, äh, eine besondere Steigerung der Empfindungen möglich, statt einfach nur die Kabinen zu verlassen und schwupps auf dem Platz zu sein.

Auf dem Platz angekommen, juckten aber allen enorm die Fußballbeine, denn was dieser Rasen an olfaktorischer Rasenhaftigkeit versprühte, benebelte angenehm die Sinne. Nicht sicher ist es, ob die Luft im Ländle doch ein wenig besser ist als im Revier und der Rasen deshalb deutlich schmackhafter roch, oder ob da künstlich nachgeholfen wurde.

Der intensive und wohltuende Rasengeruch erinnerte sofort an die wenigen Partien, die man einst ebenfalls auf besserem Rasengeläuf absolvierte und vor dem geistigen Auge lief der innere Blogger das innere Kind dicht an der Strafraumgrenze entlang, um schließlich ins lange Netz zu schlenzen. Nur ein paar Unzen Rasengeruch in der Luft — und schon schreiben sich ganze Dramen wie von selbst.

Der Rasen betäubte und ließ gleichzeitig frohlocken. Was ist Fußball doch für eine schöne Angelegenheit, die sich die Menschheit ausgedacht hat, und wenn sie dann noch so gut riecht, Verzeihung, werte Ascheplätze dieser Welt, dann ist man durchaus ein wenig entrückt und will sich am liebsten auf diesen werfen und mit ihm kuscheln. Da machte es auch nichts, dass die Einlaufkinder und Bannerträgerkinder gerade in militärischem Drill ihre Aufgaben probten.

Rasengeruch galore.

(Man beachte das neckisch sich zu einem angedeuteten Hüttchen vereinende Doppel-T in der Mitte des durch verschiedenfarbige Sitze dargestellten Wortes „Stuttgart“.)

Zudem ist der Umbau des Stadions rundum gelungen. Ein imposanteres Stadion gibt es in Deutschland kaum, auch wenn böse Zungen züngeln, dass sich dieses „wie eine Trutzburg“ in den Stadtteil einfüge. Die Rede ist hier aber von dem Zweck, für den es gebaut wurde: darin Fußballspiele zu sehen. Ausreichend steile Winkel, eine große Kompaktheit und dennoch Raum für eine gewisse architektonische Freiheit, welche sich die heutigen Arenen sonst ja kaum erlauben.

Zurück vom Spielfeld ging es rein in die Kabine der Nationalmannschaft, mit striktem Fotoverbot. Zunächst muss man am Zeugwart und an den Phyisos vorbei, die im Vorraum arbeiten. Beim Passieren des Haufens an Fußballschuhen, der bereitlag, fielen fast nur Schuhe in grellem Rot, Orange, Gelb oder Pink ins Auge. Man schämte sich fast, dass man Anhänger einer Mannschaft war, die so offensichtlich ein Länderspiel mit einem („Bursche zum Mitfahren gesucht“) Treffen auf einem Autoscooter verwechselte, auch wenn diese Assoziation einen ähnlichen Bart haben mag wie einige der Anwesenden. Einziger mit schwarzen Schuhen sei wohl Philipp Lahm, antwortete der Zeugwart auf Nachfrage. Immerhin das, Herr Spitzenfußballer.

Die Kabinen selbst sind kleiner als man in solch einem großen Gebäude wie der Mercedes-Benz Arena — nur echt mit Deppenleerzeichen — annehmen würde, sie erinnern fast an eine Kabine eines normalen mittel- bis unterklassigen Vereins, was den reinen Grundriss angeht. Bereit lagen erstmals die rot-schwarzen Trikots des DFB und die Sitzfläche pro Nationalspielerhintern ist wirklich nicht größer als in jeder anderen Kabine auch. Erstaunlich.

Danach schnell durch die Mixed Zone.

Vorbei am Sportschau-Kabuff, das wirklich nur ein Räumchen ist, in dem diese Hintergrundwände aufgebaut sind und von Beleuchtung bis Kamera nur auf diesen Interviewzweck ausgerichtet ist. Anders als sonst im neuen Stuttgarter Stadion üblich aber in den Katakomben und nicht mit Blick aufs Stadion im Hintergrund. Weiter zu jenem Raum, in dem die Pressekonferenz stattfinden würde. Mit kurzem Seitenwechsel zur sportlichen Spitze der Nationalmannschaft, als die Blogger für 2 Minuten jene Position einnahmen, wie später der Nationaltrainer von Chile und Jogi Löw himself. Klassenfahrts krönender Auftakt wie Abschluss der Stadiontour:

Frank Baade als Trainer beim DFB

Weiter ging’s in den Presseclub des DFB, wo später besagter Giovane Elber dazustieß. Neben allerlei Mitgliedern der Journalistenposse, die der eine oder andere von Twitter kennen könnte.

Herm von Hermsfarm war ebenfalls dabei und hat schönere Fotos.

Highlight an Erkenntnissen der Stadionführung war übrigens, dass der arme, gebeutelte, am Hungertuch nagende DFB für die Versorgung der Pressekonferenz doch tatsächlich Volunteers einsetzt, die dann für lau das Mikro durch die Gegend tragen dürfen. Vielleicht sollte man dem DFB ein paar Groschen spenden, sonst gibt es ihn bald nicht mehr.

Nach dem Spiel ging es noch zur Pressekonferenz, als — für Eingeweihte vielleicht selbstverständlich, für andere aber überraschend — die beiden Nationaltrainer getrennt voneinander vor den Journalisten anwesend waren. Zunächst der chilenische Nationaltrainer samt mehr oder weniger überflüssigem Dolmetscher, denn Fragen stellten nur die Chilenen, übersetzt wurde trotzdem. Danach Jogi Löw, ohne dass wie bei einem Bundesligaspiel üblich beide Trainer zugleich auf der Bühne anwesend waren. Platz genug wäre ja gewesen, selbst für 11 Blogger, siehe oben.

Ein sehr schönes, vielleicht bald Zweitliga-Stadion in Stuttgart, aber vor allem:

herrlichst!, dieser Duft des Rasens … Kunstrasen ohne dieses Odeur ist einfach keine Alternative.

18. März 2014
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Save the date: WM-Quiz in Düsseldorf

Nach dem großen Erfolg mit der Lesung von „Drama Queens in kurzen Hosen“ an diesem Ort geht es im WM-Jahr noch einmal in die Kassette in Düsseldorf. Diesmal wird keine Literatur vorgelesen, sondern knallharte Quizfragen rund um die WM.

Passenderweise liegt der Termin genau einen Abend vor dem Eröffnungsspiel der WM 2014, welches seltsamerweise an einem Donnerstag stattfindet. So wird noch niemand der vollen Ladung an Fußball überdrüssig sein, sondern kann bei diesem feinen Quiz seine Lust auf die WM noch ein wenig anheizen.

Beginn ist um 20h und knappe 2h später weiß man, welches das Siegerteam sein wird. Preise gibt’s auch, weitere Infos und Anfahrt auf der Seite des Veranstalters: Die Kassette.

11.6. 2014, 20h: Quizzette mit der Sonderausgabe zur WM. Fragen von yours truly.

17. März 2014
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Die Weltkarte der Fußballpins

Ein weiteres vom Aussterben bedrohtes Phänomen rund um den Fußball erhält auf der folgenden Seite eine Art Mausoleum: Fußballpins. Zum Anstecken. Pins, die das Wappen eines Vereins oder hier eben eines Verbandes zeigen und die man sammeln kann und sich früher des Öfteren sogar tatsächlich ansteckte, wennn man seine Zugehörigkeit zu irgendwas mit Fußball kund tun wollte.

Dem geübten Beobachter wird auffallen, dass hier gar nicht die Pins dargestellt werden, sondern nur die Wappen. Aber sei’s drum. Hier also die Weltkarte der Fußballpins, mit den Wappen von fast allen Fußballverbänden der Welt. Selbst Kap Verde und San Marino sind dabei. Viele Perlen des Designs, wenn man ein bisschen stöbert. Das DFB-Wappen gehört nicht gerade dazu, aber sicher jenes von Israel oder jenes von Vanuatu (wenn man es denn findet).

16. März 2014
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Schwarz-weiß-Studie von Bernard Dietz

Ein sehr merkwürdiges Video mit Bernard Dietz als Fußballer in Nahaufnahme und als Kaufmann in seinem Sportladen aus dem Jahr 1978.



Man rätselt noch, was dieses Video vom „Archivo DiFilm“ in echtem 78er-Stil einem sagen soll, für das die Vokabel „obskur“ erfunden wurde.

12. März 2014
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Die nicht ganz absolut reinen Schamhaare von Christoph Daum

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Weshalb vollumfänglich alle Informationen, die von Ereignissen im Fußball zu uns dringen, immer unter dem Vorbehalt behandelt werden müssen, dass das nur jene sind, die nach draußen dargestellt werden und in Wirklichkeit alles ganz anders war. Was das Drüberbloggen und Einordnen reichlich schwierig macht und oft sogar unmöglich, wenn man nicht beim bloßen Rummeinen versacken will. Schade.

Abgesehen von ohnehin bestehenden Problemen menschlicher Realitätskonstruktion und dazu der haarsträubenden systematischen Fehlerhhaftigkeit von Zeugenaussagen könnte man diesen Zustand nur durch echte Recherche ändern. Was etwas schwierig ist, wenn man dafür auch Zeit einsetzen müsste, die nicht vergütet wird. So lange man kein Geld besitzt, das für einen arbeitet, während man diese Zeit woanders einsetzt, ist das zumindest ein Problem, für diesen Ort hier gar eine unüberwindbare Hürde in Bezug auf echten Erkenntnisgewinn. Wobei sich auch die zu verneinende Frage nach dem wissenschaftlichen Wert für die Menschheit stellte, längst vergangene Skandale und Geschichten im Fußball „aufzuklären“.

Diesen Vorbehalt nicht vergessend, lautet das allgemein verbreitete, aber falsche Narrativ, dass Christoph Daum nicht mehr ganz Herr seiner Sinne gewesen sein muss, als er seinerzeit einem Drogentest zustimmte, von dem er eigentlich annehmen musste, dass er ihn nicht bestehen würde. Zumindest erscheint diese Entscheidung ohne jegliches weitere Wissen äußerst kontraintuitiv. Schließlich gab es keinerlei juristische Grundlage, auf der die Öffentlichkeit Daum zu einem solchen Test hätte zwingen können. All das bedeutete eine Umkehrung der Prinzipien eines Rechtsstaats. Gleichwohl der öffentliche Druck auf jemanden, der das wichtigste Amt der Republik — Bundestrainer nämlich — bekleiden sollte, derart groß wurde, dass er sich diesem nicht mehr entziehen konnte.

Aus der Erinnerung an irgendwo mal gelesene Zeilen twitterte ich gestern, dass er sich dieses Risikos sehr wohl bewusst gewesen sei, er nämlich vorab einen Drogentest mit seinen Kopfhaaren habe durchführen lassen, welchen er bestand. (Aus welchen Gründen, ist damit nicht gesagt.) Bei dem öffentlichen Drogentest wurden dann aber zu seiner Überraschung die wesentlich langsamer wachsenden Schamhaare, welche damit auch ein längeres Drogengedächtnis aufweisen, verwendet. Diese Schamhaare bescherten ihm dann einen exorbitanten Wert an Kokaingehalt, welcher sogar den eines „normalen“ Dauerkonsumenten weit überstieg.

Das Ergebnis der Haaranalyse ergibt „den höchsten Kokain-Wert, der je in Köln gemessen wurde“.

Quelle: NDR.de

Die Einstufung, dass er nicht ganz bei Trost sein konnte, erhärtete sich durch seine Art während seines öffentlichen Geständnisses, darüber auch noch ins Witzeln zu verfallen (auch wenn Galgenhumor oder auch Übersprungsreaktionen dem Menschen nicht fremd sind).



So wie oben beschrieben lautete jedenfalls meine Erinnerung.

Tatsächlich muss es aber wohl wieder anders gewesen sein, wie kurzes Suchmaschinenbedienen und Einlesen ergab.

Denn seine Kopfhaare ergaben tatsächlich einen viel höheren Wert als jene, den seine Schamhaare (die er im Beisein von Co-Trainer Roland Koch — „eine unwürdige Situation“ — eigenhändig abschnitt) lieferten. Dass Daum den immens hohen Wert gegenüber Rainer Calmund damit begründete, dass er nicht seine eigenen Kopfhaare, sondern die eines anderen Menschen abgegeben habe, erklärte sich Roland Koch in dem später in Koblenz stattfindenden Prozess um Daums Kokainkonsum damit, dass Daum hochgradig verzweifelt gewesen sei und deshalb zur Lüge griff.

Auch im Prozess blieb anscheinend unklar, wie es zu diesem Rekordwert hatte kommen können, nach dem Daum ein hochgradig abhängiger Dauerkonsument gewesen sein muss. Welcher er nach Beteuerungen aller Involvierten nicht war.

Den netten Schlenker mitnehmend, dass bei Calmunds Aussage „bis zur kurzen Pause […] ihn das Gericht sieben Mal mit dem Wunsch um Wesentlichkeit unterbrechen“ musste, ist weiter zu lesen, dass Calmund, der nicht wissen konnte, dass Daum selbst dann doch zugab, dass die Haare von ihm stammten, sowohl den Co-Trainer Koch als auch den Physiotherapeuten von Bayer der Mittäterschaft beim Vertauschen der Haarprobe bezichtigte. Mit Daums Korrektur seiner vorigen Lüge waren diese Vorwürfe aber bereits nichtig geworden.

Der hohe Wert war damit aber immer noch nicht erklärt, denn:

Es stellte sich heraus, dass alle Anschuldigungen auf dauerhaften Drogenkonsum und erst recht auf Anstiftung zum Handel auf Aufschneidereien der mutmaßlichen Dealer beruhen.

Quelle: Berliner Zeitung

So bleibt mit Bordmitteln die Frage also offen, wie er zu diesem Rekordwert in seinen Kopfhaaren kommen konnte, warum die Schamhaare einen niedrigeren Wert produzierten und ob er nun Dauerkonsument war oder nicht. In jedem Fall hatte er aber keine Dummheit begangen, als er nach einem zuvor privaten, negativ ausgefallenen Test einem öffentlichen zustimmte. So wie ein gerade aktuell im Fußball außerhalb des Fußballs Handelnder möglicherweise auch nicht so unvorbereitet agiert, wie es — siehe Einleitung — den Eindruck macht.

Dann bleibt in diesem Zuge spannend, wie es überhaupt dazu kam, dass Daum plötzlich unter den Druck all dieser Vorwürfe (Prostituierte und Schulden kamen noch hinzu) stand. Und wie im Jahr 2000 und davor Realitäten im Fußball in den Medien erschaffen wurden.

Wer eine umfassende Hinleitung zu diesem Vorfall mit dem seit 1989 schwelenden Konflikt zwischen Daum und Hoeneß, nunja, konsumieren möchte, der findet in der Zeit ein langes Stück mit vielen Hintergründen und noch mehr handelnden Personen: „Das Feindschaftsspiel“, das die Geschehnisse zu einem echten Thriller verdichtet.

Protagonisten wie (früher) üblich im deutschen Fußball: Beckenbauer, Hitzfeld, eine gewisse Zeitung, Hoeneß, Calmund, Breitner, Lienen, Völler und natürlich Daum. Für einen fußballfreien Abend ist dieser Text nicht das Schlechteste, Bayer Leverkusen tritt heute bekanntlich nur zu einem Freundschaftsspiel an. Den Makel, dass jenes Stück einen Tag vor Bekanntwerden des dann doch positiven Tests von Daum erschien, überlebt es angesichts seiner spannenden Geschichtchen jedenfalls problemlos: ordentlich Schlamm, Halbseidenes und Boulevard. Und die Einsicht, dass Akademiker ohne Stallgeruch an den entscheidenen Positionen der Soap „Bundesliga“ nicht nur gut tun dürften.

11. März 2014
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Schicke Alternativen zu den WM-Trikots 2014

Ausgerechnet jenes für den DFB ist eher so würg geworden. Die anderen Alternativen, die ein Designer namens Rojito zusammendesignt hat, sind teilweise aber ganz außerordentlich schick. (Liegt ja a) immer im Auge des Betrachters und b) auch an den in der jeweiligen Zeit vorherrschenden Strömung. Noch dazu sind wir Fußballfans ja gerade bei den Trikots schlimme, ganz abscheuliche Traditionalisten.)

Wenn die Dinge aber derart gewitzt daherkommen, wie diese alternativen Trikots zur WM 2014, dürfte man Einiges davon gerne auch mal umsetzen.

Das Trikot von Belgien, wow, Ghana noch wower und bei Uruguay schmilzt es dann.

Achja, wie zuletzt bei Twitter erwähnt: Bald ist WM. Nicht vergessen.

9. März 2014
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Ein Trainer ist ein Idiot

Endreas Müller, aktiver Fußballspieler in der Kreisliga, beschreibt in seinem Text „Notnagel“, wie die eigentlichen Aufgaben eines „Trainers“ dort unten aussehen. Seine Worte erklären auch recht anschaulich, wieso dieses Blog hier zwar so heißt wie es heißt, Taktikanalysen aber nicht vorkommen:

Die Trainer sind bei diesem ständigen Stühlerücken besonders gefordert. Überhaupt ist ihr Aufgabenbereich in den Niederungen des organisierten Fußballs völlig anders gelagert, als man es von den Großen der Zunft kennt. 90 % ihrer Energie verwenden sie darauf, Woche für Woche eine Mannschaft zusammenzustellen, die sich nicht blamiert. „Mannschaft zusammenstellen“ bedeutet natürlich nicht, spektakuläre Transferdeals einzufädeln, mit dubiosen Spielerberatern in schummerigen Hinterzimmern zu verhandeln oder Fachärzte zu konsultieren, um den Mittelfeldmotor fitspritzen zu lassen. „Mannschaft zusammenstellen“ bedeutet für die Trainer meist noch nicht mal aus einer gewissen Anzahl von Spielern eine schlagkräftige Truppe zu formen und den Kader evtl. den Gegebenheiten des Spieltags anzupassen. Nein, es bedeutet einfach irgendwie 12 – 14 Leute zusammen zu bekommen, die einigermaßen Fußball spielen können.

„Notnagel“ heißt sein schöner Text aus seiner ebenso schönen Reihe „Ein Jahr im Kreis“. Und hier würde man den letzten Relativsatz im Zitat sogar noch streichen …

7. März 2014
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Giovane Elber sez

Wenn er den Raum betritt, geht die Sonne auf. Lässig in Blue Jeans und roten Pullover gewandet, kaum gealtert und auch nicht gebreitert, umspielt seine Lippen ständig dieses schelmische Grinsen. Da die Augen aber mitlachen, weiß man sofort: Es ist echt, nicht aufgesetzt. Giovane Elbers Freundlichkeit kommt von Häätze. Und bleibt über die gesamte Zeit seiner Anwesenheit. Frei weg von der Leber spricht er in bekannt sehr gutem Deutsch, hat selbst für einen anwesenden Schalke-Blogger ein „Kopf hoch!“ übrig, als das Gespräch auf das 5:1 vom letzten Wochenende kommt. Allüren sind ihm fr …

Halt, Stop! Wird das jetzt hier eine dieser typischen Einleitungen von Glamour- und Klatschmagazinen, in denen die Kleidung (Franelle, Saint Malo, Schuhe von Hapag) des Protagonisten wichtiger ist als das, was inhaltlich passiert? Nein.

Doch Glamour gab es durchaus ein wenig in den Räumen des Sportpresseclubs vor der Partie gegen Chile im früheren Neckarstadion, schließlich waren die Stars aus ganz Deutschland angereist. Aus Berlin gleich zwei Fußballblogger, einer aus Leipzig, einige aus München und wieder andere Fußballblogger aus dem Ruhrgebiet. Umso erstaunlicher, wie offen Giovane Elber dieser Ansammlung von Größen der Publizisitik begegnete. Von Lampenfieber keine Spur.

Stattdessen ging es direkt in medias res, denn Elber gab auf Nachfrage sofort zu, dass eine Reise nach und ein längerer Aufenthalt in Brasilien sehr teuer sei. Womit er gleich die anwesende Runde vom leichten Makel entlastete, dass kein einziger Teilnehmer plant, selbst zur WM zu reisen. Kann ja nicht jeder ein Praktikum bei ARD oder ZDF machen.

Dort, bei der WM in Brasilien, seien seiner Ansicht nach übrigens Argentinien und Deutschland Favorit auf das Finale, mit dem späteren Weltmeister Deutschland. Ausgesprochen allerdings vor Anpfiff des Tests gegen Chile. Argentinien werde nicht zuletzt von den vergleichsweise kurzen Reisewegen profitieren und vom im Süden Brasiliens deutlich kühleren Klima als in anderen Regionen. In Manaus zum Beispiel sei es manchmal so heiß und feucht, das Elber und seine Mitspieler bei Partien dort schon in der Kabine geschwitzt und sich gar nicht warm gemacht hätten, nur ein bisschen gedehnt. Ob das aus dem Reich der Fabeln stammt oder doch stark auf die Jahreszeit ankommt, verrät ein Blick in die Klimatabelle von Manaus.

Außerdem sei es legitim, dass die Menschen in Brasilien so offensiv protestieren. Und es sei auch während der WM mit weiteren, umfassenden Protesten zu rechnen. Man brauche dort bessere Infrastruktur, die allen zugute komme, dieser Wunsch sei vollkommen legitim. Nicht allein Verkehrswege, sondern vor allem bessere Schulen und eine bessere Krankenversorgung. Gleich vier Stadien zählt Giovane Elber auf, die nach der WM nicht von Erst- oder Zweitligisten genutzt werden würden. Insofern habe es ihn selbst nur überrascht, dass die Menschen in Brasilien zum Confed-Cup in solchen Massen auf die Straße strömten. Die Mentalität in Brasilien verhindere oft, dass sich derartiger Protest entwickele, denn allzu oft zeige man dort eine gewisse Nachsicht mit den Verhältnissen und Trägheit bezüglich möglicher Änderungen. Dass sie protestierten, habe ihn überrascht, aber nicht, aus welchen Gründen.

Natürlich sei es außerdem fantastisch, zur Zeit Bayern München beim Fußballspielen zuzuschauen, aber er bevorzugte, wenn er die Wahl hätte, den Spielstil aus seiner Zeit. Damals hätte er als Stürmer viel mehr Räume gehabt, nutzen können und immer wieder selbst entscheiden können, wann was die bessere Idee sei. Im heutigen System müsse man als Stürmer ständig nur warten und auf den richtigen Moment hoffen. Das sei schon ein bisschen langweilig, auch das aktuelle Tiki-Taka des FC Bayern sei nicht sein absolut favorisierter Fußball zum Zusehen und schon gar nicht zum Selberspielen. Erstaunlich offen und ehrlich hier, wie er überhaupt in keiner Hinsicht ein Blatt vor den Mund zu nehmen schien. So sympathisch wie er allen Anwesenden (mit Ausnahme der dem HSV zugeneigten Blogger — „gegen uns hat er immer besonders oft getroffen“) vor Ort war, wirkt er wohl nicht zuletzt deshalb auch im Rest der Republik.

Die von den hiesigen Twitter-Followern eingereichten Fragen konnten leider nicht alle gestellt werden, schließlich waren u. A. der Frittenmeister oder GNetzer auch mal dran, doch fanden immerhin zwei Fragen der Leser den Weg zu Giovane Elbers Gehirn, woraufhin er sich mit Antworten auch nicht lange lumpen ließ.

Ja, er werde bei der WM für die ARD arbeiten und zwar als Experte für den Fußball, nicht als Reiseführer, der die Verhältnisse vor Ort erklärt. Zusammen mit Mehmet Scholl werde er diese Aufgabe angehen. Für wen diese Zusammenarbeit das härtere Brot sei, darauf wollte sich Giovane Elber dann aber nicht festlegen.

Nein, er hat keinen Kontakt mehr zu Martin Pieckenhagen, mit dessen Namen er sofort etwas anfangen konnte (für die Nachgeborenen: die Suche nach besagtem Tor des Jahres 1999 von Giovane Elber war bei youtube bislang erfolglos, was die Redaktion explizit bedauert), er habe ihn einmal noch in Hamburg getroffen, aber über sein legendäres Tor gegen Pieckenhagen habe man nicht geredet. Und fügte hinzu, dass eben jenes gegen Rostock „das schönste Tor gewesen“ sei.

Finden wir auch.

12. Februar 2014
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Ein echter Schalker

Es war die Partie von Bayer Uerdingen gegen den 1. FC Köln. Klar, dass man da als echter Schalker anwesend sein musste, vor allem, wenn es in dieser Saison um nichts mehr ging. Wir waren allerdings nur hier, weil wir endlich ein eigenes Auto hatten und „unabhängig“ zu sein glaubten. Also hin zur Bundesliga in nächster Nähe. Aber nicht aus Fantum, da hatten wir beide andere Vereine. Wir sahen keine wirklich rasante Partie, aber doch unterhaltsamen Bundesligafußball. In der Pause natürlich das obligatorische Anstehen an der Würstchenbude.

Und da war er, der echte Schalker Fan. Mit Mützchen auf, auf dem Mützchen einen Schalke-Anstecker und recht fidel ebenfalls eine Wurst verspeisend. Wieso man als Schalke-Fan unbedingt in die damals mit ihrem Zerfall gerade beginnende Grotenburg fahren musste, an einem Samstag Mittag, wenn Schalke selbst gleichzeitig ein paar Kilometer weiter spielte, das war uns in diesem Moment zwar nicht klar, aber er grüsste freundlich.

Womit er nicht aufhörte, als wir uns in die Nähe setzten und unsere Würste verspeisten. „Hallo“, „ja, hallo“, „hallo!“, „ja, hallo“. Wie es denn bei Schalke stehe, wollte er in dieser Prä-Handy-Zeit wissen. Da konnten wir ihm nicht helfen, hatten auch kein mobiles Radio zur Hand.

Wieder rein ins Stadion mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit, ein Törchen fiel wohl noch oder auch zwei, jedenfalls war es kein Nachmittag ohne diesen besonderen aufsteigenden Glanz, wenn ein komplett weißer Ball sich ins komplett weiße Tornetz eines damaligen Bundesligatores begibt, als wolle er dort verweilen und die Geschichte des Tores immer weiter schreiben. Bis der Torwart kommt und den Ball aufhebt, ihn müde und entnervt zum Mittelkreis kickt. Dann ist das Tor zu Ende.

Zu Ende war dann auch die Partie, noch eine Wurst? Ja, komm, noch eine Wurst. Wieder saß er da, der Schalke-Fan, vergnügt immer noch, aber ein wenig älter als vorher. Wie Schalke gespielt hat, wollte er wissen. Keine Ahnung, antworteten wir, hat der Stadionsprecher nicht durchgegeben. Wir hätten doch das Spiel gesehen? Ja, das da drin, das ging 1:1 aus. 1:1? Ja. Also hat Schalke nicht gewonnen? Die Situation schien etwas ungemütlich zu werden, doch im selben Augenblick erschien sein Zivi und rollte ihn in Richtung Parkplatz. „Wie viel hat Schalke gespielt?“ tönte es immer leiser, bis er um die Ecke gebogen wurde und verschwunden war.

9. Februar 2014
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Die Stadien dieser Welt erraten

Das Spielchen, bei dem man die typischen Trikotdesigns diverser Clubs erraten darf, hatten wir schon mit großem Vergnügen zu Ende gespielt, so dass wir nun alle europäischen Vereinstriktos auswendig kennen. Also muss neuer Stoff zum Prokrastinieren her.

Das geschieht heute mit einer leicht anderen Fragestellung: Welches von drei zur Auswahl stehenden Stadien wird in einem bestimmten Google-Street-View-Ausschnitt gezeigt? Besagten Ausschnitt kann man zwar bewegen und verändern, doch es stehen nur 10 Sekunden pro Antwort zur Verfügung. Am Ende erfährt man dann, ob man mit seinem Ergebnis in die Champions League oder in die Sunday League gehört. Aber das ist auch wurscht, Hauptsache es gibt Neues zum fußballbezogenen Zeitvertreib.


Auf zu guessthestadium.com.

7. Februar 2014
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Ich, das Two-Trick-Pony

Ich habe diese Leute immer bewundert.

Nicht bewundert wie man heutzutage annimmt, dass man Stars heimlich anhimmelt, von ihnen träumt und wissen möchte, in wessen Unterhose sie schlafen. Sondern bewundert für ihre Kunst. Für ihre Kunstfertigkeit, die sie meist gar nicht als solche empfanden. Auch sie rackerten und ackerten am Ende nur dafür, dass die eigene Mannschaft das Spiel gewinnt. Aber mit großem Talent für all das, was ein Fußballspiel von seinen Teilnehmern fordert.

Die Rede ist von jenen Menschen, welche man im Zentrum des Spielfeldes auf beinahe allen Positionen einsetzen konnte, ob vorne, hinten oder in der Mitte. Mir fehlte dafür völlig das Orientierungssystem, jenes „Radar“, welches man gerne Zinedine Zidane zuschrieb, in Ermangelung besserer Vokabeln wohl. Diesen Menschen aber war es gegeben, sich von vorne bis hinten übers Spielfeld zu bewegen und dabei Sinnvolles zu produzieren.

Ich fand das immer bewundernswert, denn ich war nichts Anderes als ein Two-Trick-Pony (abgesehen von den präzisen Weitschüssen und den trotz 1,74m oft erfolgreichen Kopfbällen). Das Einzige, was ich beherrschte, war einen oder zwei Gegner auszudribbeln und dann auf dem linken Flügel soweit bis zum Tor, genauer bis zur Grundlinie vorzustoßen, dass der Punkt erreicht war, an dem eine Flanke in den Strafraum wie eine durchführenswerte Idee schien. Woraufhin ich eine Flanke in den Strafraum in unglaublicher Präzision aus vollem Lauf schlug, die den gegnerischen Strafraum sofort in mittelalterlichem Feuer entflammen ließ, die dort anwesenden Verteidiger in schiere Panik stürzte, Suizide ins offene Samurai-Schwert waren nicht selten, und das eine oder andere Mal — ganz sicher häufiger als der Schnitt in der Bundesliga von 22 Flanken pro nach Flanke erzieltem Tor — zu einem Torerfolg führte.

Natürlich war das keine geringe Fähigkeit, auch mal geschickt den Ball selbst in den Raum vorlegend, sich gegen gleich zwei Gegner, welche ja dann ausgeschaltet waren, durchzusetzen. Es war sogar eine so begehrte Fähigkeit, dass der eine oder andere Klub aus der Nachbarschaft Geld für einen Wechsel bot.

Allein, an allem anderen fehlte es mir aus unergründlichen Gründen, was das eigentliche Spiel im laufenden Spiel betraf. Sobald ich meine linke Seite verlassen hatte oder gar defensive Zweikämpfe bestreiten musste, stand ich fast immer falsch, mir fehlte das Timing, das Gespür für Schnee den Raum und die Zeit und die Raumzeit und überhaupt für alle Bewegungen, die in diesem unbekannten Terrain namens Zentrum des Spielfeldes abliefen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich war mir nicht zu schade, nach hinten zu arbeiten und ich empfand es auch nie als nicht zu meiner Aufgabe gehörend. (Bei einem tragischen 0:11, kein Freundschafts-, sondern ein Meisterschaftsspiel, als die eigene Mannschaft nicht nur begann Auflösungserscheinungen zu zeigen, sich gar schon komplett aufgelöst hatte, rettete ich ein Mal auf der eigenen Torlinie, um die für einen Fußballer unerträgliche Schmach einer zweistelligen Niederlage zu verhindern. Und verbrachte den Rest der Spielzeit in der hintersten Verteidigungslinie, weil beinahe alle anderen sich aufgegeben hatten.)

Doch in der Mitte eines Spielfeldes angekommen, war ich in Ermangelung einer Seitenlinie, die ja immer einen Teil des Spielchens mit dem Gegner auf einem Flügel bedeutet, komplett aufgeschmissen, wie und mit welchen Tricks man Gegner ausspielen könnte. Oder aber die Breite des Spielfeldes sinnvoll ausnutzen könnte. Froh war ich, dass ich in der gesamten Karriere nie dazu gezwungen wurde, meine geliebte linke Außenlinie zu verlassen. Denn was für Unbill hätte dort in der Mitte auf mich gewartet? Endlose Räume, so viel Weite, Prärie, undurchdringliche Steppe für alle, dass man gar nicht gewusst hätte, wohin mit dem ganzen Raum.

Ich blieb bei den immer selben zwei Tricks in meinem etwas karg gestalteten Spiel auf dem linken Flügel und ein paar routiniert in den Winkel gezirkelten Freistößen, zu mehr war ich nicht zu gebrauchen. Was für Heroen des Spiels aber diese Menschen waren, die sich im Nichts des Zentrums des Spielfelds zurecht fanden, die auch auf dem Weg nach hinten immer wussten, wie sie zu stehen, sich im Raume zu bewegen hatten, um ihrem eigenen Spiel einen Sinn innerhalb dieses Spiels zu geben. Und wenn sie den Ball besaßen, spielten sie auf dem Weg zum gegnerischen Tor nicht nur als Floskel spielerisch all ihr Können aus, sich in einem quasi luftleeren Raum zu bewegen und dort, wo nichts ist, wo nichts herrscht, keine Außenlinie Orientierung als Halt bietet, eigene Gesetze und Ästhetik, vor allem aber Produktives fürs Spiel schaffend.

Ich habe sie immer bewundert für ihr Können.