30. Januar 2015
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Reviersport-Talk: Sportjournalismus am Scheideweg?



„Marionetten von PR-Strategien — Sportjournalismus am Scheideweg?“, fragte Reviersport gestern fünf Gäste aus Fußball und Medien. Vom Fachmagazin „Sponsors“ war Philipp Klotz angereist, von Vereinsseiten Sascha Fligge, Pressechef bei Borussia Dortmund, und Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Für „die Medien“ sprachen Ulli Potofski, sky-Kommentator und -Moderator und einst bei „Anpfiff“ für eine kleine Medienrevolution im Fußball zuständig, sowie der ehemalige Sportchef der WAZ, Hans-Josef Justen.

Diskussionsszenerie bot Halle 2 der Zeche Zollverein, natürlich stilecht mit Verköstigung in Form von — und ich war noch nie auf einer Veranstaltung im Fußball-Bereich, obwohl ich da inzwischen auch einige auf dem Buckel habe, auf der es sie nicht gegeben hätte — Currywurst. Als Moderator der Runde fungierte Ralf Bosse, hier und dort im Hörfunk und bei weiteren Medien im Einsatz.

Steht der Sportjournalismus nun am Scheideweg?

Ja, lautete der relativ einhellige Tenor, aber das eben nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal. Zudem nicht der Sportjournalismus alleine, auch wenn für diesen besondere Regeln gälten, sondern der gesamte Journalismus am Scheideweg stände.

Die Perspektiven der einzelnen Diskutanten bildeten dann auch ganz gut die Interessen aller in diesem Prozess Beteiligten ab.

Zunächst erfolgte Justens — bei 10 WM und weiteren Großturnieren im Einsatz — obligatorischer Blick in die Vergangenheit in seine Tätigkeit als Sportjournalist. Damals mit Schreibmaschine tätig und bei Übermittlung von Texten per Telefon. Ein schön kredenztes Anekdötchen war jenes, wie er früher als Journalist selbst bei Schalke unter Ivica Horvath und auch bei anderen Clubs einfach so mittrainieren durfte. Oder sich einst einen Wettlauf um ein Klubhaus herum mit dem älteren Sepp Herberger lieferte. Heute beides natürlich undenkbar, nicht in erster Linie, weil Sepp Herberger verstorben ist. Eine Einleitung, welche die rasante Entwicklung des Sportjournalismus in den letzten zwei Jahrzehnten aber in ein rechtes Licht tauchte, zumindest, wenn man sich der Veränderungsgeschwindigkeit gewahr werden wollte.

Was aber nicht der Kern der Diskussion sein sollte. Justen schnitt auch das Thema des Vertrauens an, welches die Journalisten damals gegenüber den Profis und Trainern besaßen und welches umgekehrt genauso existierte.

Ob das heute noch der Fall ist? Überhaupt sein kann?

Skizziert wurde von allen Beteiligten eine „Medien-Explosion“, eine Vervielfachung des Interesses. Selbst bei Länderspielen hatten früher höchstens 5-8 Journalisten vorher dem Training beigewohnt und gerade die heutige Nationalmannschaft mit ihrem völlig ausufernden Medieninteresse sei Paradebeispiel für die extreme Veränderung bei gleichzeitigem Qualitätsverlust.

Und weil die weitere Diskussion schwer abzubilden ist, wenn man die durchaus ja willkommenen Themensprünge nicht mitvollziehen will, seien hier die entscheidenden Diskussionspunkte auch anhand dieser nachvollzogen:

Medienschulung der Spieler

Ob überhaupt eine Medienschulung der Spieler stattfindet, dazu äußerte sich Max Eberl recht kryptisch. In den Jugendjahrgängen werde durchaus versucht, vor der Kamera Situationen zu simulieren, mit gestandenen Spielern wie zum Beispiel Max Kruse, die neu zum Verein wechseln, werde derlei aber nicht mehr betrieben. Die spätere Publikumsfrage bezüglich der Weichgespültheit der heutigen Aussagen von Spielern im Vergleich zu jenen von Typen wie Mario Basler et al bestätigte der relevante Teil der Aussagenden damit, dass eben heutzutage jedes Wort im Munde umgedreht werde. Max Eberl selbst bestätigte das mit dem Beispiel, dass er auf die Frage: „Was halten Sie von Lars Stindl?“ eben nicht normal antworten könne. Sage er, dass er diesen nicht kenne, würde ihm vorgeworfen, dass er sich nicht auskenne. Antworte er hingegen, dass dieser ein guter Spieler sei, würde automatisch behauptet, dass Borussia Mönchengladbach Interesse an Stindl besitze.

Boulevardisierung auch der seriösen Medien

Allgemein wurde eine Boulevardisierung der einst seriösen Medien beklagt. Erstere würden immer mehr den Takt vorgeben, gerade online müssten letztere dann mitziehen. (Ob das so ist, sei an dieser Stelle arg bezweifelt, wurde es aber nicht vor Ort.) Wie überhaupt die gesamte Berichterstattung stetig boulevardisierter werde, was eigentlich dem Interesse von seriösen Medien zuwiderlaufen müsste. Gerade dort wolle der Leser/Zuhörer sich darauf verlassen können, dass die Informationen stimmen, was zusehends seltener würde, weil die seriösen Medien in Richtung Klicks und Themenwahl bei den anderen mitschwämmen.

Autorisierung von Interviews, Verfügbar- und Erreichbarkeit der Spieler

Anders als das Klischee besage, würden kaum Interviews wirklich verändert. Sascha Fligge vom BVB brachte an, dass er meist gerade mal ein Komma ändere, wenn er ein Interview vom Kicker gegenlese. Was leider deshalb wenig Aussagekraft hat, weil gerade die Fragen vom Kicker ohnehin stets extrem freundlich und weichgespült sind. Es sei aber bei Weitem nicht so, behaupteten die Vereins-Vertreter, dass man keine Spieler mehr für Interviews erreiche und ebenso auch nicht so, dass es eine generelle Agenda gebe, was gesagt werden dürfe und was nicht.

Zugriff durchs Pay-TV vs Zugriff von Printmedien

Potofski stellte klar, dass, wer die Musik bezahle, auch bestimme, welche gespielt würde. Dementsprechend kämen die Spieler vertragsgemäß zuerst zu sky zu den Interviews. Er sieht darin aber kein großes Problem, weil die Spieler in der Mixed Zone später auch den anderen Medien zur Verfügung stünden. Dass diese Ansicht nicht alle Medien teilen, kam hier mangels Printmedien-Fraktion leider deutlich zu kurz.

Konflikte, selten genug, aber Teil der Show

Als zwei Themen, bei denen es tatsächlich mal in der Vergangenheit zu Konflikten (und gestern zu ein wenig mehr Leben als bei den anderen Themen auf der Bühne) kam, wurden die folgenden beiden Beispiele herangezogen:

Als das Reus-Führerschein-Thema aktuell war, wurde der Spieler von sky in einer Sendung komplett durch den Kakao gezogen. Im Nachzug entschied der Spieler dann selbst, seine Interviews lieber an die ARD zu geben als zu sky zu gehen. Potofski gab in diesem Gesprächsteil zu, dass man vielleicht etwas übertrieben habe.

Ob Ekki Häuser bei Gladbach unbeliebt sei, nicht erwünscht, weil er einst mit Favre aneinandergeraten sei? Nein, man habe auch von Seiten Borussia Mönchengladbachs nichts gegen kritische Nachfragen und das gehöre zum Job dazu. Man lehne keine Journalisten rundweg ab, so lange sie nicht so verfahren wie einst eine Zeitung in der Auseinandersetzung mit Hans Meyer, welcher aber ohnehin mehr als ausreichend rhetorisch in der Lage war, sich selbst zu verteidigen.

Gleichwohl wurde deutlich, dass man eine gewisse Form der Auseinandersetzung, der Meinungsverschiedenheiten als ein den Zirkus befeuerndes Element durchaus beiderseits goutiere.



Weitere Punkte, die Erwähnung fanden, in Folge nur stichpunktartig erwähnt:

  • Potofski habe die Revolution bei „Anpiff“ übrigens nur übernommen, weil die anderen Journalisten von ARD und ZDF nicht wechseln wollten. Sagte er gestern.
  • Gerüchte würden zunehmend ungeprüft übernommen, es habe eine Medien-Explosion stattgefunden. Gleichwohl wolle man ja, dass berichtet werde. Wechselgerüchte würden aber von Vereinsseite quasi gar nicht mehr kommentiert, weil man dann 10h am Tag nur über alle diskutierten Namen sprechen müsse.
  • Max Eberl sei selbst froh darüber, wenn tiefgründiger berichtet wird, gebe deshalb jenen Journalisten, welche es interessiert, von denen er wisse, dass sie Hintergründe ausführlicher darlegen, immer gerne fundiertere Informationen.
  • Sascha Fligge berichtete von einem Fall, in dem ein Journalist freimütig zugab, irgendein Wechselgerücht schlicht erfunden zu haben. Da seien auch ihm die Hände gebunden, aber das führe dazu, s. o., dass man das nicht mehr kommentiere.
  • Illustration der Medienexplosion: Neue Probleme bei Trainingslagern seien, dass noch vor 10 Jahren 6-7 Journalisten mitreisten, heute seien es beispielsweise beim BVB im aktuellen Trainingslager 72 aus der ganzen Welt gewesen, auch ohne dass man die Journalisten kenne, aus Japan, Italien, USA. Wenn dann jeder harsche Satz von einem Trainer sofort durch die Medien gehe, Stichwort Twitter, führe das eben dazu, dass man mal auf hinteren Trainingsplätzen trainiere, zu denen die Journalisten keinen Zugang haben.

Fazit: PR-Marionetten seien die Journalisten nicht, nein, aber am Scheideweg sei der Fußball und der dazugehörige Journalismus nicht erst seit heute. Die Veränderungen fänden immer schneller statt und auch immer unvorhersehbarer. Vor 10 Jahren hätte niemand geahnt, welche Wirkung Smartphones und das Internet generell auf den Journalismus haben könnten. Die Frage der Autorisierung, der Verfügbarkeit von Spielern für Interviews sowie deren Weichwaschung, werde aber allgemein überschätzt, da es dort kaum Begrenzungen gebe.

Inwieweit das tatsächlich so zutrifft, können wohl nur Journalisten beantworten.

Update: Den gesamten Talk hat Veranstalter Reviersport jetzt online gestellt:



Dank an artus69 für den Hinweis aufs Video.

25. Januar 2015
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„Mein Sommer in der Wagenburg“ — Ein WM-Rückblick von @Peter_Ahrens

Es ist mal wieder der seltene Moment eines Gastautors hier im Blog gekommen. Die Redaktion von „Trainer Baade“ freut sich besonders, ihren Lesern einen exklusiven WM-Rückblick von Peter Ahrens präsentieren zu dürfen, welcher die DFB-Elf als Journalist durch die Weltmeisterschaft in Brasilien begleitete. Gebeten um seinen ganz persönlichen Rückblick gibt es nun genau diesen hier zu genießen:

Warum jetzt noch dran erinnern? Weil es Winter ist, weil im Moment so wenig aktueller Fußball gespielt wird, weil Deutschland vermutlich so schnell nicht mehr Weltmeister wird. Es gibt Gründe genug, noch einmal die Uhr ein halbes Jahr zurückzudrehen in den Sommer 2014, als Deutschland in Brasilien Weltmeister wurde. Ich war dabei, fast jedenfalls.

Die Deutungshoheit, die der DFB und im besonderen Oliver Bierhoff via Kinofilm über die Ereignisse des Vorjahres zu haben trachtet, erzählt ungefähr folgendes. Die Erfolgsgeschichte der deutschen Nationalmannschaft, sie beginnt bereits im Mai in Südtirol — bei jener Vorbereitungswoche im Passeiertal, die damals von fast allen Beobachtern als zumindest unglücklich wahrgenommen wurde, man könnte sie auch misslungen nennen.

Beim DFB hat man das sehr anders wahrgenommen, die Mannschaft, der Trainerstab, das Management, sie sprechen unisono davon, wie sehr man in dieser Woche zusammengerückt sei, der gemeinsame Saunagang, Thomas Müller im Dirndl — das trug wohl zum Teambuilding bei, aber die Negativpresse möglicherweise genauso.

Der DFB als Wagenburg gegen das Böse von draußen, ein Bild, das nicht ganz unpassend ist, so erklärt sich teilweise auch dieser hochgejazzte Campo-Bahia-Spirit in Porto Seguro. Wir sind wir, wir sind die DFB-Familie, da können die Anderen erzählen, was sie wollen. Diese Haltung ist mir bei der Nationalmannschaft schon häufig begegnet, nirgends war sie so ausgeprägt wie 2014.

Dass es die Mannschaft nicht besonders durchgeschüttelt hat, dass bei einer überflüssigen PR-Aktion von Sponsor Mercedes zwei Menschen schwer verletzt wurden, spricht für die Stabilität des Teams, kann man sagen. Ich fand das allerdings eher befremdlich, es hatte den Eindruck von Kollateralschaden – bloß nicht vom großen Ziel abbringen lassen.

Joachim Löw spricht gerne davon, im Tunnel zu sein vor wichtigen Spielen, und so kamen mir die Spieler, das gesamte Team vor. Ein Tunnel, lustig dekoriert zwar, an den Tunnelwänden Selfies über Selfies, beschallt mit cooler Musik, aber emotional keine seitlichen Abbieger zulassend. Ab in eine Richtung, da hakt man selbst die Verletzung von Marco Reus kurz vor dem Abflug ab. Am Abend, als Reus sich verletzt hat, war ich komplett überzeugt, dass Deutschland damit seine Titelchance eingebüßt hat. Der beste Spieler des Jahres nicht dabei – wie sollte das denn in Brasilien funktionieren? Ich bilde mir ein, viele haben so gedacht, auch die Mehrzahl der Kollegen.

Vor dem Portugalspiel habe ich wenige Kollegen gesprochen, die sich getraut hätten, Deutschland als Weltmeister zu tippen. Es hat vermutlich eine Halbzeit gedauert, das zu ändern. Die erste Hälfte von Salvador gegen Portugal, und danach herrschte im Medienzentrum überbordende Zuversicht. Dass bei dieser Partie dem Löw-Team alles in die Karten spielte — angefangen vom angeschlagen spielenden Cristiano Ronaldo, jeder konnte das sehen, über den frühen Elfmeter bis zum Ausraster von Pepe, der das Spiel nach 30 Minuten entschieden hatte — haben interessanterweise die Spieler am ehesten betont.

Die Fans, die man in Brasilien traf, die waren danach schon siegesbesoffen. So sehr, dass Einzelne von ihnen am Abend in der Altstadt von Salvador randalierten — übrigens der einzige Gewaltausbruch, den ich in den vier Wochen mitbekommen habe. In einem Land, das angeblich so von Gewalt geprägt sei. Wie ich übrigens auch von der Opposition gegen die WM nur noch wenig wahrnahm, als das Turnier lief. Wie es oft so ist. In Porto Alegre, dem auch klimatisch europäischsten Spielort der WM — dort hingen noch mehrere Plakate in den Fenstern: „This is not my tournament.“ — ansonsten herrschte, so mein Eindruck eines Besuchers, schon überwiegend Freude bis hin zur Begeisterung im Land, vor allem viel Fach- und Sachverstand. Es müssen ja gern die Taxifahrer herhalten, wenn man die Expertise eines Volkes zu Politik, Wirtschaft oder Sport messbar machen möchte. In Brasilien waren die Taxifahrer in jedem Fall Experten: Am ersten Abend in Salvador, jener schönen, geheimnisvollen Stadt, wurde mir auf der Taxifahrt vom Stadion zum Hotel gleich deutlich gemacht, dass Brasilien auf keinen Fall den Titel holen würde. In Frage kämen nur Deutschland, Argentinien oder die Niederlande – die am Ende die ersten drei Plätze belegten.

Wobei die Deutschen in den kommenden Partien nicht unbedingt alles dafür taten, diesen Eindruck zu bestärken. Ich habe keine Ahnung, wie das In Europa rezipiert wurde — man liest in diesen WM-Wochen viel weniger Zeitung als sonst, man ist im Arbeitsmodus, ich habe echt wenig mitbekommen — aber die Spiele gegen Ghana, die USA und Algerien haben bei vielen im Pressetross und bei mir auch wenig Zuversicht geweckt. Im Nachhinein vergisst man das manchmal, doch das DFB-Team hat sich durch diese drei Spiele geschleppt, da war kein Glanz, da war ein Muskelfaserriss gegen Algerien zur rechten Zeit und Verlass auf die Offensivkräfte. Die erste Halbzeit gegen Algerien war dennoch das Schlechteste, was ich von einer DFB-Elf seit Jahren gesehen hatte.

Mit dem Viertelfinale erst hat sich dieses Blatt gedreht. Kritisch nachgefragt wurde dennoch von uns allen nur wenig — aber vor allem deswegen, weil das kaum möglich war. Am Tag nach den Spielen gab es keine Pressekonferenzen, was ich als Unding empfunden habe, danach ging schon wieder der Fokus auf die nächste Partie los — zum Nachhaken war wenig Gelegenheit. Die Abgeschiedenheit des Campo führte zudem dazu, dass bei den Pressekonferenzen kaum internationale Kollegen auftauchten und auch manche deutsche Journalisten den täglichen mühsamen Anreiseweg via Fähre nicht immer mitmachen wollten. Der DFB wird darüber nicht todunglücklich gewesen sein.

Skeptisch bin ich geblieben, vor dem Viertelfinale, die Franzosen erschienen mir zu stark — und sie verloren. Vor dem Halbfinale, die Brasilianer hatten sich von Spiel zu Spiel gesteigert — und sie wurden vernichtet. Vor dem Finale, ich hatte Messi immer auf der Rechnung gehabt — und auch da habe ich mich geirrt. Wobei ich dabei bleibe, das dieser Finalsieg extrem glücklich ausgefallen ist. Ich hab ihn übrigens von Deutschland aus verfolgt, ich bin am Tag vor dem Endspiel heimgeflogen, das hatte private Gründe — und so war das Finale das einzige Spiel, das ich ohne Stress, ohne Einzelkritiken schon während des Spiels zu schreiben, beim Bier angucken konnte. Das war fast mein persönliches WM-Highlight.

Es waren beeindruckende vier Wochen, in jedem Fall. In Deutschland haben mir anschließend Leute mehrfach gesagt, das müsse doch mit die tollste Zeit meines Lebens gewesen sein. Da muss ich allerdings ganz klar sagen: Nein. WM-Berichterstattung, egal ob sie in Brasilien stattfindet oder in Südafrika oder in der Wüste — das ist nun mal kein Urlaub, ich war in den vier Wochen Brasilien grob geschätzt zweimal am Strand, ich war nicht an der Christus-Statue von Rio, ich war aber viel in den durchgekühlten Medienzentren vorm McDonalds-Buffet, und über brasilianische Flughafen-Foyers kann ich jetzt einen kleinen Flyer fertigen. Das hört sich jetzt vielleicht jammeriger an, als es sein soll. Es ist und bleibt ein gewaltiges Privileg, diesen Job zu haben, aber er ist auch in Brasilien vor allem Arbeit. Zugegeben, eine schöne Arbeit.

22. Januar 2015
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„Spott im Internet“

„Spott im Internet“ gebe es, schreiben alteingesessene Medien gerne, wenn sie über ein aktuelles Thema berichten. Spott gebe es im Internet zu diesem Thema. Aha, welch Nachrichtenwert. Inzwischen sind die Reaktionen des Publikums auf bestimmte Ereignisse schon oft genauso wichtig wie das Ereignis selbst. Aber wen interessiert noch eine Pointe und noch ein flacher Gag zu irgend einem Thema, wenn er eine Einordnung, eine Analyse, oder wenigstens die Hintergründe dieses Ereignisses erfahren möchte?

Hat man auch über Tschernobyl berichtet, indem man Menschen in Gießen oder Saarbrücken fragte, was sie zu diesem Thema twittern würden?

Simulation von Berichterstattung, das gute alte „Tweets vorlesen“. Wie man früher halt in der Fußgängerzone ahnungslose Idioten zu einem Thema interviewte, welchen Mehrwert auch immer das haben sollte. „Spott im Internet“, soso, hat’s ja noch zu keinem Thema bislang gegeben. Der Job der Bericherstattenden ist doch genau das: sich über dieses Rumgesülze, das die Medien heute ermöglichen, hinwegzubegeben und mehr Inhalte zu bewirken als platte Stammtischwitze zu rezitieren. Irgendwann wird das auch diesen Medien noch auffallen, dass ihre Aufgabe ist, zu erklären, zu analysieren und zu berichten. Falls nicht, sollte man auch nicht mehr dafür bezahlen müssen. Für Tweets vorlesen? Ich bin selbst bei Twitter.

Verkruxterweise ist dieser Text aber nur auch wieder eine Form von Spott im Internet, wenn auch mit keinem konkreten Anlass, nur mit „den Medien“ als Ziel. Der Nachrichtenwert dieses Textes ist also ebenfalls gleich Null, denn den, haben wir gerade einekatzebeisstischindenschwanzfressenderweise gelernt, gibt es im Internet schließlich über jedes Thema. Also, im Internet nix Neues. Weiterschlafen.

18. Januar 2015
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Das erste Mal im Stadion

Eigentlich dachte ich, ich hätte das schon längst aufgeschrieben. Im Zuge der „Blogparade“ von elfgegenelf (mit weiteren Texten dort) fiel mir aber auf, dass das nicht der Fall ist. Deshalb hier gerne mein Beitrag zu dieser Blogparade, „Das erste Mal im Stadion“.

Es war der 24. Oktober 1986, zu jener Zeit waren gerade Austauschschüler aus England an unserer Schule. Die Mutter meines besten Freundes dachte, nicht ganz dumm, dass so etwas wie Fußball gucken vielleicht eine bessere Aktivität wäre als ins Theater oder ins Kino zu gehen, weil man dafür kein Deutsch verstehen muss, was Engländer ohnehin selten tun, aber zufällig zusammengewürfelte Schüler aus England dann schon mal gar nicht. Also packte sie ihren Sohn, dessen Austauschschüler und aus welchen Gründen, weiß ich nicht mehr, auch mich in ihren VW Jetta und düste die unglaublich weite Strecke (etwa 20km) bis nach Uerdingen über die Autobahn. Das war vor allem deshalb gut, weil ich aus einer fußballfernen Familie stammend — meine Eltern schauten sich zwar manchmal Spiele von mir an, aber rein aus dem Umstand heraus, dass sie ja ohnehin dort waren, um mich dorthin zu bringen, nicht, weil sie das Spiel interessiert hätte — sonst wohl noch Jahre hätte warten müssen, bis ich das erste Mal in ein Stadion gekommen wäre.

Herbst also und dann noch ein Spiel unter der Woche und somit abends. Gleich die volle Dröhnung an Fußball: ein Flutlichtspiel am nebelgeschwängerten Niederrhein. Die Grotenburg war damals, in den Augen eines Schuljungen, ein ehrfurchteinflößendes Gebäude (und es ist ein Jammer, wie verfallen sie heute dasteht), so dass es auch egal gewesen wäre, wenn gar kein Spiel stattgefunden hätte.


Allein schon sich inmitten dieser Massen an Menschen zu befinden, auch wenn die Statistik zum Spiel — die muss falsch sein — von gerade einmal 7.300 Zuschauern spricht, deren Atem dampfte und die auch ohne Fangesänge ein laut vernehmbares Raunen und Röhren von sich gaben, wie es auf Parties klingt, wenn plötzlich die Musik ausgeht, nur eben in tausendfacher Verstärkung, war überwältigend und vor allem eine völlig neue Erfahrung.

Noch dazu ist die Grotenburg in Krefeld ein besonderes Stadion, besteht sie doch aus vier völlig unterschiedlichen Tribünen bzw. Kurven. Die Haupttribüne weist im unteren Bereich Stehplätze auf, was auch unser Standort sein sollte, die Gegentribüne sieht zwar ähnlich, aber doch anders aus, nämlich ohne Stehbereich. Die Heimkurve schließt schnurgerade mit dem Verlauf des Fußballplatzes ab und ist relativ steil, oben prangt die Anzeigetafel, ob damals schon, weiß ich nicht mehr, während auf der Gästeseite die Kurve aus einer tatsächlichen Kurve besteht. Ganz old school, damals natürlich noch young school, gebogen, mit der Möglichkeit, in diesem gebogenen freien Bereich Autos von Sponsoren oder sonstigen Werbekram abzustellen.

Es war ein Spiel des DFB-Pokals. Der damalige Bundesligist Bayer Uerdingen war in die 2. Runde des DFB-Pokals eingezogen. Als Gegner war der 1. FC Nürnberg mit Andy Köpke im Tor angereist. Abgesehen von den Nationalspielern war mir keiner der Akteure bekannt und so sehe ich heute erst, dass ich in meinem ersten Spiel im Stadion Oliver Bierhoff auf Uerdinger Seite beim Fußballspielen zusah. Ein Omen?

Der teilte sich die Aufgaben im Angriff mit einem weiteren aus heutiger Sicht Star: Stefan Kuntz. Dazu die Funkel-Brüder, Matthias Herget und Werner Vollack im Tor. Nicht nur auf dem Papier eine bemerkenswerte Ansammlung von Könnern ihres Fachs, sieht man vielleicht von Bierhoff ab, der damals noch nicht als Kopfballungeheuer auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Auf Nürnberger Seite wie erwähnt der erst spätere Nationaltorwart Andy Köpke, welcher in der Schlussminute noch mit glatt Rot vom Platz fliegen sollte. Warum, das geben meine Synapsen leider nicht mehr her, aber wie die vom Schiedsrichter hochgehaltene Rote Karte im intensiven Flutlicht glänzte, dieses Bild kommt mir schon noch vor Augen, und im akustischen Gedächtnis höre ich die Heimzuschauer hämisch bis freudig klatschen. Damit hatte die Partie nämlich einen Abschluss gefunden und Uerdingen war eine Runde weiter.

Wie überhaupt die Sinneserfahrungen bei diesem erste Mal im Stadion viel interessanter waren als das Spiel an sich. Dass tatsächlich so ein Profispiel genauso aussieht, wie man es von den Amateurspielen kannte, dass die nicht in Ballnähe befindlichen Spieler gemächlich rumtrabten, all das war schon Sensation genug. Hinzu kam der schwer zu fassende Umstand, dass es all diese Leute aus dem Fernsehen wirklich gab, etwas, was man sich bis dahin nicht so richtig hatte vorstellen können.

Nürnberg ging durch Roland Grahammer in Führung, Bierhoff und Wolfgang Funkel drehten den Spielstand zum 2:1 fürs Heimteam, ehe noch ein späterer Weltmeister, Stefan Reuter, für den Club wieder ausglich. In meiner Erinnerung fiel das Siegtor für Uerdingen, wieder Wolfgang Funkel, in der letzten Spielminute und hatte irgendetwas mit Köpkes Roter Karte zu tun. Wie die Statistik zeigt, war dem aber nicht so. Funkel traf schon in der 76. Minute. Wie man sich überhaupt natürlich sehr glücklich schätzen konnte, keinem 0:0 beizuwohnen, sondern a) einem Spiel mit fünf Toren und b) einem Pokalspiel, wo es eben immer um alles geht, was man dem Spielverlauf auch anmerkte.

Obwohl dieses Spiel von einer nicht mal fünfstelligen Zuschauerzahl besucht wurde, fabrizierte es eine derartig mitreißende Atmosphäre mit bleibender Wirkung, dass es nicht einfach nur „das erste Mal im Stadion“ war, sondern der Anfang einer bis heute währenden Begeisterung für das Passivfußballern, an dunklen Abenden, bei Flutlicht und mit einer raunenden Masse im Hintergrund, die schlohweißen Netze an den Torstangen feierlich strahlend.

Ein Hoch auf den Schüleraustausch.

16. Januar 2015
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Noch mehr football landscapes

Die unendliche Welt der Fußballfotografie hat hier eine zuvor unbekannte Ausprägung erhalten. Ein polnischer Fotograf, der nicht nur in Polen, sondern in ganz Europa fotografiert, wenn er in Stadion- oder Fußballplatznähe ist, stellt seine Werke online zur Verfügung.

Insbesondere die Aufnahmen von normalen Plätzen, oft roh und schäbig, beinahe trostlos, aber trotzdem liebenswert und durchaus mit sehr eigener Magie, verzaubern mich ja immer wieder. Und meist bewirkt jede einzelne den Ablauf von Erinnerungsfetzen an Fußballspiele.

Was fehlt: eine Seite, die Gerüche von Fußballplätzen zugänglich macht.

Dank an 120minuten.

Siehe u. a. auch:

13. Januar 2015
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Die erste Live-Übertragung eines Bundesligaspiels im TV

[Update] In den Kommentaren hat sich mehr ergeben. Gladbach-Bayern ist nicht das erste live übertragene Spiel der Bundesliga. Es ist allerdings das erste Live-Spiel im Hauptprogramm gewesen. In den Dritten gab es schon vorher Live-Übertragungen. Die Suche geht also weiter.

Wir wollen hier nicht in Nostalgie er-, uns nur mal wieder daran betrinken. Manchmal kommt so eine Frage wie diese hier aus den Tiefen des Langzeitgedächtnisses und ist dann doch mit Hilfe von Mitgrüblern schnell beantwortet. Welches war das erste Spiel der Bundesliga, das live übertragen wurde? Die Antwort ist nicht, wie von manchen vermutet, die Partie Werder Bremen — FC Bayern München mit Michael Kutzops verschossenem Elfmeter im Jahr 1986, damals auf SAT1. Und es ist auch keine Partie aus dem Jahr 1991, als Premiere mit der regelmäßigen Live-Übertragung von Bundesligaspielen begann.

Die erste Partie der Bundesliga, die in voller Länge im Fernsehen übertragen wurde, lautete Borussia Mönchengladbach — FC Bayern München vom 12. Dezember 1984.

Wie Seitenwahl gerade noch reinruft, kam es zu diesem Nachholspiel, weil Gladbach damals die für den 12. Spieltag angesetzte Paarung mit Bayern absagen musste. Das Team hatte tagelang in Warschau am Flughafen sitzen müssen. Nebel verhinderte die Heimreise vom Rückspiel im UEFA-Pokal bei Widzew Lodz, welches übrigens zum Ausscheiden der Gladbacher geführt hatte.

Die erste Livepartie also Ende 1984, trotzdem kamen 36.500 Zuschauer zum Bökelberg, ausverkauftes Haus, keine Selbstverständlichkeit damals, gegen Bayern allerdings dann doch auch in diesen Jahren.

Schauen und hören wir kurz rein, zwei Mal drei Minuten dreißig mit einem enthusiasmierten Heribert Faßbender als Kommentator und einem ebenso begeisterten Publikum, was man nicht nur aufgrund des Torverlaufs, sondern vor allem aufgrund der scheinbar riesigen Menge an Torchancen gut nachvollziehen kann. (Kommentare zu einem aufs Spiel reagierenden Publikum statt Dauersingsangs sind zu 2012, um sie hier noch zu erwähnen.) Zudem sind und waren Flutlichtspiele ja ohnehin immer mit besonderer Atmosphäre verknüpft.

Auch das Trainerduell ist interessant: Udo Lattek gegen Jupp Heynckes. Wüsste man das Datum nicht, könnte man kaum sagen, wer an wessen Ersatzbank dirigierte oder auch motivierte.

Dann mal guck:



Die Daten zum Spiel.

Anmerkungen von Zeitzeugen sind übrigens sehr willkommen. Hier kann man sich an die Existenz dieser Übertragung erinnern und auch daran, es wohl geschaut zu haben, aber viel mehr weiß man dann auch nicht dazu beizutragen. Die Videos jedenfalls lohnen sich (nicht nur) für Nostalgie-Dürstige.

Nachtrag von Kohlenschaufler: Die entsprechende Meldung zur ersten Liveübertragung im Spiegel.

1. Januar 2015
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Filmkritik: „Das Wunder von Bern“

Ja, damit ist man sehr, sehr spät dran. Der Film erschien 2003 und hätte eigentlich schon längst mal konsumiert werden müssen. Allerdings gab es zwei Gründe, warum das bislang nicht erfolgte: Erstens kennt man den Ausgang des Turniers ohnehin und nachgestellte Fußballszenen sind nicht unbedingt allzu reizvoll. Zweitens ist es nun mal kein Fußballfilm. Trotzdem taucht er in Wikipedias Liste der Fußballfilme auf, also wurde er dann doch mal probiert.

Was nicht heißt, dass er nicht sehenswert sein könnte, doch die Art, wie hier das Schicksal eines nach über einem Jahrzehnt aus Kriegsgefangenschaft in Russland in einen stark veränderten Alltag zurückkehrenden Familienvaters eingeflochten wird, kratzt doch arg an der Oberfläche. Ein einziger längerer Vortrag seitens seiner Frau macht den zuvor prügelnden, verbitterten und überforderten Protagonisten plötzlich zu einem liebenswerten Vater. Echte Konflikte zeigt der Film ansonsten kaum, so dass manche Szenen wie beliebig aneinander gereiht wirken, ohne Veränderung voranzutreiben.

Da sich der Film nicht mal in den Details rund um die Nationalmannschaft an Fakten hält, sondern die Geschichte des kleinen Sohns jenes Protagonisten als lebendes Maskottchen von Helmut Rahn erfindet, kann man sich auch aus fußball-historischer Sicht das Ansehen sparen. Wieso für die wenigen Szenen, in denen Fußball gespielt wird, unbedingt Kicker mit Oberliga-Erfahrung her mussten, wird auch Wortmanns Geheimnis bleiben, denn diese Szenen tragen nichts Entscheidendes zur Qualität des Films bei.

Welcher an sich schon in unnötiger Hektik erzählt wird, wo ein schwaches Drehbuch die vielleicht nicht unfähigen, aber in hölzerne Dialoge gepressten Schauspieler in diesem Film wenig glänzen lässt. Dass er einige Preise gewann, zeigt wohl vor allem, wie schlecht es um den deutschen Film bestellt ist oder zu jener Zeit war.

Kaum Tiefe bei den Charakteren, so ist das ganze Produkt vielleicht ein nettes Puppenstübchen zum Reingucken, mit viel Liebe zum Detail in der Ausstattung des Jahres 1954, ansonsten aber weder ein Film über Fußball (oder auch nur die Entwicklungen und Dynamiken innerhalb eines Kaders), schon gar keine ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema der späten Kriegsrückkehrer. Und nicht mal ein anrührender oder bewegender Streifen, was die Macher wohl selbst spürten, weshalb sie eine ordentliche Portion süßliche Musik an allen Ecken und Enden drüberschütteten.

Prädikat: Für wen ist so ein Film? Für Fußballfans definitiv nicht, aber auch Freunde der Ästhetik der 50er Jahre werden da sicher Besseres kennen. Wirkt eher wie ein Samstagsabends-Fernsehfilm, der es mit den Fakten nicht so genau nehmen will und nur irgendeine rührige Geschichte im „Damals“ zu Bewegtbildern erwecken möchte.

Ein in dieser Form völlig überflüssiger Film, der nicht mal zur reinen Unterhaltung geeignet ist.

1. Januar 2015
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Der Fußballmoment 2014

Klar, jeder ahnt die Auflösung schon. Was könnte es da aus dem Jahr 2014 anderes geben als jenen einen Moment, der alle verzauberte, die Fußballwelt begeisterte und die Anhänger des Siegerteams in ungeahnte Sphären katapultierte? Eine Partie von mitreißender Dynamik, in der immer wieder die Seele des Fußballspiels nicht nur aufblitzte, sondern es sich gleich im Spielverlauf gemütlich machte. Bis die Partie ein faszinierendes Ende fand, worauf die eine Seite himmelhochjauchzend war, aber auch alle neutralen Zuschauer höchst begeistert Applaus klatschten und die „Zugabe!“-Rufe nur deshalb nicht zu hören waren, weil die meisten diese Partie eben vor ihren Fernsehern verfolgten und nicht live im Stadion.

Der Fußballmoment 2014 ist natürlich das sagenhafte 4:2 von Darmstadt 98 auswärts, genauer gesagt das Tor in der 2. Minute der Nachspielzeit (!) der Verlängerung, das Darmstadt 98 nach einem 1:3 im Hinspiel doch noch die Relegation zur 2. Bundesliga gegen Arminia Bielefeld gewinnen ließ. Wer das nicht live gesehen hat, der hat eines der dramatischsten Spiele des Jahres, wenn nicht dieses Jahrzehnts verpasst. Und mit 6 Toren und entsprechendem Spielverlauf ein Highlight, bei dem man lange suchen müsste, um ein ähnliches zu finden.

26. Dezember 2014
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SVW vs SVW: Der liebe Rudi greift Schlappis Pepita

Wunderbares Video samt Charakterstudie des „Käse, Mist, Scheißdreck“-Rudis, der schon damals voll in seinem Element war. Des stilvollen Rumzeterns nämlich, sogar samt einer Trainingsschwalbe für das Finale von 1990, deren folgende Elfmeterentscheidung Michael Kutzop für Werder in die Maschen verwandelt.

Insgesamt tritt Rudi Völler drei Mal in bemerkenswerte Entscheidung. Deshalb hier das Video drei Mal, jeweils mit den relevanten Zeitpunkten verlinkt. Ebenfalls bemerkenswert ist das alte Weserstadion, bei dem hinter den Fans in der Kurve noch Bäume zu sehen sind. (Da das gerade im Beitrag selbst nicht funktioniert, auch mit Direktlink samt Startzeitpunkt zu youtube.)

Zunächst also die schöne, weil gelungene Schwalbe von Rudi Völler. Der Schiri fällt darauf herein:


(Direktlink)

Dann sein kleiner HB-Männchen-Auftritt gegen den Schiri hier, der Jörg Wontorra an „Napoleon nach der Verbannung auf Elba“ erinnert. Wobei sich die Quellen widersprechen, ob Wontorra damals schon gelebt hat.


(Direktlink)

Und schließlich sein legendärer Ausraster gegenüber Klaus Schlappner, dem er den Hut vom Kopf reißt und diesen wegwirft.


(Direktlink)

Es lohnt sich aber auch das gesamte Video, Manfred Vorderwühlbecke moderiert, Jörg Wontorra kommentiert und am Anfang gibt es diese herrlichen hellblauen Täfelchen mit der Paarung zu sehen.

Die Daten zum Spiel. Auf Waldhöfer Seite neben so klangvollen Namen wie Dimitrios Tsionanis, Maurizio Gaudino und Roland Dickgießer übrigens auch der spätere Weltmeisterkollege von Rudi Völler im Einsatz, Jürgen Kohler.

Ben Redelings hat die entsprechende Stelle auch im kicker-Sonderheft gefunden.

PS: Extrapunkte gibt es für die Trikotwerbung: trigema bei Werder, Pitralon bei Waldhof.

25. Dezember 2014
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Das ultramoderne Stade Marcel Saupin in Nantes

Ein nur unwesentlicher Schritt in die Moderne ist einem Stadion in Nantes gelungen.

Im Text heißt es zwar, die neuen Tribünen seien „ultramodern“, ein wenig französischen Charme kann man darin aber zumindest als Außenstehender immer noch erkennen (scrollen).

Wobei sich schon die Frage stellt, ob das da eigentlich Wohnhäuser, Einkaufszentren oder Bürogebäude sind, diese ultramodernen Tribünen an Stelle des ultracharmanten früheren Stadions. War schon mal jemand in Nantes im „Stade Marcel Saupin“ mit seiner umwerfenden Kapazität von 1.880 Zuschauern (früher allerdings 33.000) und könnte berichten?

Und weiß jemand, ob die Anwohner in den Hochhäusern dort schon gegen den Lärm des Stadions klagen?

24. Dezember 2014
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Eine Wunschliste gegen die Langeweile

Lieber Weihnachtsmann,

bitte lass doch entweder den BVB oder Schalke 04 absteigen. Dieses gegenseitige Gedisse, wo man auch hinliest, von den Anhängern dieser beiden Klubs ist so nervtötend ausgelutscht, dass es keinen Spaß mehr macht, sich mit diesen Vereinen zu beschäftigen.

Welchen von beiden Du absteigen lässt, kannste Dir aussuchen, aber bitte, erhöre mich. Oder lass allen, die ständig von so total kreativen Sachen wie Lüdenscheid-Nord oder Herne-West schreiben, die Finger abfallen, so dass sie nicht mehr ins Internet reinlangweilen können. Gegenseitig können sie sich das ja ruhig erzählen, doch bitte nicht mehr anderen. Vielleicht erfindest Du auch einen Schalke-gegen-BVB-Gedisse-Filter fürs Internet.

Dann wäre ich schon sehr glücklich.

Dein
Trainer Baade

PS: Die Sache mit Köln und Mönchengladbach gehen wir dann nächstes Jahr an, falls sich das nicht in dieser Saison schon wieder von selbst erledigt. Aber wenn, dann nicht beide gleichzeitig absteigen lassen, hörst Du?

21. Dezember 2014
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Der Mann mit der Mütze geht nach Haus

Ein ganz Großer der Showkunst ist von uns gegangen. Eben diese zelebrierte er auch mehrfach mit der Nationalmannschaft.

„Wir schon schon auf dem Brenner“, sang er vor dem Titelgewinn 1990, „Buenos Dias, Argentina“ zur WM 1978, vor allem aber ist sein Abschiedsständchen an Helmut Schön zu Anlass dessen Rücktritt als Bundestrainer bekannt geblieben:

„Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“



Nun ist er selbst nach Haus gegangen, der, der die Widmung sang.