22. Oktober 2013
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Herrreinspaziert!

Meine Damen und Herren, willkommen im Zirkus DFL!

In der letzten Vorstellung hatten wir ein besonderes Schmankerl für Sie arrangiert, die bei uns intern so genannte „Nummer ohne Netz“ kam selbst für unsere Verhältnisse außerordentlich gut an. Ja, sogar die Artisten waren nicht eingeweiht, das darf ich hier verraten, schön, dass wir mit dieser ohne viel Aufwand erstellten Aktion so präsent in allen überregionalen Medien waren. Nein, den Namen des Netzherstellers nennen wir ebenso wenig wie den des Platzwarts. Ah, doch, ja, diese Vorwürfe sind mir auch bekannt. Natürlich war es nicht inszeniert, um der stets kritisierten Artistengruppe „TSG“ ein wenig mehr Authentizität zu verleihen. Das wäre ja totaler Quatsch. Dafür hätte man schließlich auch ein Horn tröten lassen können, woraufhin der eine oder andere unserer Zuschauer zum Amtsarzt gerannt wäre. Mit Folgen für die Stimmung hier bei uns im Zirkus DFL auf Jahre hinaus, jedes Mal, wenn sich die Beteiligten wiedertreffen.

Nach der Nummer aus der Vorwoche fragen Sie? Sie erinnern sich nicht mehr? Ich schau mal eben in unseren Spielplänen nach, ach, da ist es ja. Das war die Nummer mit den undurchsichtigen Handentscheidungen. Ja, Sie sehen, bei uns ist immer etwas los. Denn wer wüsste heute noch zu nennen, dass es in der Woche davor wiederum ein anderes Highlight gab. Einen lebendigen, noch aktiven Vulkan hatten wir von der Trainerbank in die Mitte unsere Manege geholt. Das Publikum tobte, teilte sich auf in Hasser und Verteidiger, ja, besser kann es für uns ja gar nicht laufen! Dabei hatten wir damals schon befürchtet, dass diese Nummer eigentlich langsam durch wäre, die hatten wir zuletzt schon relativ oft gebracht. Aber der Zuschauer vergisst ja immer wieder so schnell. So ein Glück für uns — und auch für den Zuschauer.

Die „Nummer ohne Netz“ kam natürlich genau aus der richtigen, nämlich einer ganz anderen thematischen Ecke. Das klappt nicht immer. Ich gebe zu, in Woche vier hatten wir zwar etwas vorbereitet, das kam aber nicht beim Publikum an. Weshalb sich niemand dran erinnert. Sie sehen, wir bemühen uns stets um beste Unterhaltung, garantiert ist sie jedoch nicht. Was man bei uns aber sehen kann, ist höchste Unterhaltungskunst und ja, ich verspreche Ihnen, fürs nächste Wochenende haben wir wieder etwas vorbereitet, das könnte fast zu einem dieser berühmten ARD-Brennpunkte führen. Das wäre natürlich der Ritterschlag unseres Programms. Obwohl so etwas schwierig ist, den letzten Brennpunkt gab’s bei Klinsmanns Entlassung. Ein Traum für uns, aber auch nur alle Jubeljahre möglich. Nächste Woche werden jedenfalls alle wieder über eine ganz andere Sau, äh, Nummer diskutieren, und, nein, ich darf Ihnen nicht verraten, aus welcher Ecke es sein wird. Schiedsrichter sind für den Moment wohl erledigt, es könnte also aus einer ganz anderen Richtung kommen.

Und ich bin ganz sicher, auch Sie sind wieder dabei, wenn es wieder heißt: Manege frei im Zirkus DFL, jede Woche ein neues Thema zum Hochkochen und Durchwalken.

21. Oktober 2013
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Sportschau stellt Schätze aus: alle Tore des Monats

So lange lag das ganze Potenzial brach, jetzt wird es endlich genutzt. Die Damen und Herren der Sportschau sind aufgewacht und plötzlich ist ihnen wieder Gewahr geworden, welche Schätze da in ihren Archiven lagern. In jenen Archiven, die für den Ottonormalsterblichen nicht zugänglich sind. Ganz viele weitere Schätze liegen dort, ist anzunehmen, immerhin einer wurde jetzt gehoben, ein bisschen gewaschen, geputzt und gereinigt und anschließend schick gemacht für die Ausstellung in der Öffentlichkeit.

Die Sportschau stellt alle Tore des Monats zum Durchklicken und Ansehen bereit. Seit der Einführung dieser Einrichtung im März 1971 ist dabei Einiges zusammengekommen.

Tore des Jahres hingegen also jenes von den zwölfen pro Jahr, welches schließlich als Bestes ausgewählt wurde, findet man zwar hier unter „Tor des Jahres — alle auf einen Klick-Blick“, für die Tore des Monats lohnt sich nun aber ein Abstecher auf die Seite der Sportschau.

Uwe Bein, Rudi Völler, Tony Woodcock, Delron Buckley, Jan Schlaudraff, das Who is Who der Bundesliga: Alle Tore des Monats.

Brav gemacht von den Menschen bei der Sportschau. Jetzt bitte den nächsten Schatz heben, zum Beispiel alle Interviews mit Ernst Middendorp, die vergebenen Elfmeter von Gerd Müller oder die vergebensten Torchancen aller Zeiten. Aber bitte nicht mit dem Torfall von Madrid anfangen.

16. Oktober 2013
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Sverige — Tyskland 3:5 – Die Evolution frisst ihre Kinder

I have a dream. Und der geht so: An einem vielleicht regnerischen Tag im Februar 2014 wird Jogi Löw einen Termin in London haben. Er wird seinem Gesprächspartner mitteilen, dass er weiterhin voll auf ihn setzt. Dieser aber leider nicht mitfährt zur WM, zumindest nicht im 23er-Kader, aber für den Fall der Fälle solle er sich bereithalten. Später werden beide Beteiligten der Presse das genaue Gegenteil darüber erzählen, was denn nun Inhalt des Gesprächs gewesen sei. Der so Besprochene wird aber nicht im Flieger nach Brasilien sitzen, was der entscheidende Punkt dieses Traums ist.

Tja, schade, dass das nur ein Traum bleiben wird, aber was man angesichts der mit ordentlich Teufelspepperoni gefüllten Ladungen an Offensivpower mit durchdachten, kreativen und handlungsschnellen Szenen gestern in der Partie gegen Schweden noch mit Lukas Podolski bei einer WM möchte, wo die Besten der Besten eines Landes zusammengerufen werden, wird auf immer Jogi Löws Geheimnis bleiben. Die Defensivstärke im Vergleich zu den ihn nun überflügelt habenden Spielern kann es bei Podolski kaum sein, denn die müsste man immer noch mit der Lupe suchen.

Ansonsten bot die Partie genau das, was man von ihr erwartete. Einen immer wieder zum Patzer und dann zur patzigen Reaktion neigenden Manuel Neuer, der immerhin dann doch mal nach knapp 160 Minuten gegen Schweden einen dieser Bälle zu fassen bekam, die man ihm ständig aufs und dann ins Tor hämmerte. Eine Defensive, die löchrig genug ist, auch gegen Fußballgroßmächte wie Paraguay, die USA oder die Schweiz 3 Tore und mehr zu kassieren, zeigte wieder einmal ihre lachende Fratze. Lachend für Produzenten von Tornetzen, denn die spielten gleich 8x die ihnen zugedachte Rolle.

8x, das bedeutet auch, dass der Ball 5x in des Gegners Tor landete und es war der große Jannik Sorgatz, der letztens darauf hinwies, dass die DFB-Auswahl damit 9 Partien in Folge mindestens 3 Tore erzielt hat. Oliver Fritsch argumentierte in der Zeit, dass zu viele Tore dem Fußball nicht gut täten und auch Bastian Schweinsteiger äußerte sich nach seinem Jubiläumsspiel, dass ihm ein 2:0 deutlich lieber als ein 5:3 sei, denn dieses sei ein „schlechtes Ergebnis“. Erinnerungen wurden wach an das 4:2 gegen Griechenland im Viertelfinale der EM, als sich kaum jemand an den 2 Gegentoren der Griechen störte, welche doch für gewöhnlich nur 1 Tor pro Partie erzielen und diesen Wert mal eben gegen Deutschland verdoppeln konnten. Denn vorne rappelte es ständig im, Entschuldigung, in den Tornetzen und dann lässt man auch schon mal fünfe gerade sein.

Wie erwartet also die Rückkehr zu einer schwachen Defensivleistung, die auch nicht damit zurecht gerückt werden kann, dass die Schweden in der ersten Halbzeit nur 2x aufs Tor schießen. Was ja fast so klingen sollte, als seien das 2 Sonntagsschüsse gewesen, die so nicht in anderen Partien wieder passieren könnten. Erstens waren diese Tore glänzend herausgespielt und dann doch wieder so einfach, wie es eben ist, die deutsche Abwehr auszuspielen. Und zweitens zeigt die Vergangenheit ja, dass es eben nicht ein mal im Jahr vorkommende Sonntagsschüsse sind, die zu deutschen Gegentoren führen, sondern dass es wieder und wieder möglich ist selbst für die Nr. 50 der Weltrangliste, zwei, drei Tore zu erzielen. Wie erwartet, eben, und das sogar ohne Ibrahimovic.

Was man nicht erwarten kann, ist dass man beim Zuschauen auf einmal ein Gottesteilchen entdeckt. Aufgeblitzt war es in jener Szene, die zum 4:2 durch André Schürrle führte, als schon der durch eine blitzschnelle Drehung gewonnene Zweikampf auf der linken Außenbahn in Höhe der Mittellinie deutlich schrie, dass nun etwas sehr Besonderes passieren würde. Während man einigermaßen eingelullt von den vielen Toren vor dem Fernseher sitzt, plötzlich dieser Moment, an dem der Fernseher zu einem Medium des Lebens wird, sich die Schönheit des Spiels eröffnete und beinahe, für einen Moment jedenfalls, die Seele rein machte und eine Ahnung vom Gefühl der Erfüllung bescherte.

Zum Glück wird man von den Menschen beim ZDF, die dieses Spiel begleiten, immer sofort in die Realität zurückgeholt. Da spricht ein vermeintlicher Experte zum ersten Mal in seinem Leben selbstironisch davon, dass es ja auch viel „Druck“ gegeben habe, Applaus, Applaus, es gibt noch Hoffnung, da macht er diese Hoffnung im selben Moment zunichte, als er sich jeglicher Diskussion der anderen gesehenen Partien entzieht und stattdessen ständig über seine Erinnerungen von anno dazumal schwadroniert, deren Kontext zur Gegenwart man selbst mit jener Lupe, die Podolskis Defensivstärken sichtbar macht, nicht findet. In Moldawien habe er mal gespielt, das Publikum war gegen ihn, der Platz ein Unding, ja, Opa, jetzt iss auf und stell Dich neben den Franz. Was es über die anderen Mannschaften bei der WM alles zu sagen gegeben hätte — wer weiß das schon? Ein Zuschauer des ZDF jedenfalls nicht.

So frisst die Evolution ihre Kinder, Bastian Schweinsteiger wirkt schon wie ein alter Mann vor seinem letzten Turnier, dabei hat er die 30 Lenze noch gar nicht erreicht, und Oliver Kahn wirkt wie ein Fußballkommentator aus den 1990ern, als genau solche Dönekes schon ausreichten, um den Vertrag verlängert zu bekommen. So wie Podolski nicht mehr in diese Zeit passt, zu wenig handlungsschnell, zu wenig variabel, so passt auch Oliver Kahn nicht mehr in diese Zeit. Für Geschichten von damals gibt es hinten in der 11Freunde eine Rubrik, ein Interview alle paar Jahre mal sollte für Kahn dann ausreichen. Ansonsten gilt für ihn genauso wie für die Generation Podolski: Platz machen, die Evolution hat sie überholt. Zum Glück.

Und dann waren da noch die herrlichen Einlaufkinder, die dem ganzen Popanz, den der Fußball und die Menschen sich ausgedacht haben, eine schöne lange Nase zeigten. Nationalhymnen, bei denen man andächtig stehen muss, deren Text man mitsingen muss und Spot und TV-Kamera auf die modernen Gladiatoren gerichtet, die zu Helden überhöht werden — alles wunderbar karikiert von zappelnden, in der Nase bohrenden, sich ständig umdrehenden oder ihr Bäuchlein tätschelnden Einlaufkindern. Sollte man öfter machen, diese besonderen Kinder in den Vordergrund zu holen — ohne sie dabei dem Voyeurismus auszuliefern, falls das möglich ist.

15. Oktober 2013
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Fan-Text schreiben und Ticket samt Flug zur WM in Brasilien gewinnen

Der Preis klingt verlockend, noch dazu dürften die Teilnahmebedingungen für den einen oder anderen hier Mitlesenden ein Leichtes sein. Das Projekt 2und50.com sucht für 52 Vereine aus dem deutschen Fußball jeweils eine Fan-Geschichte, die dann zusammen mit jeweils einem Cartoon/einer Zeichnung in ein Buch gepackt und veröffentlicht wird. Wer für seinen Verein ausgewählt wird, erhält 10 Exemplare des Buches sowie eine „Überraschung“ von seinem Verein.

Aus den 52 Texten, die es ins Buch geschafft haben, wird schließlich der beste ausgewählt, die Autorin oder der Autor dieses Textes fliegt dann nach Brasilien zu einem WM-Spiel samt Ticket und drei Hotelübernachtungen.

Ich sach ma: das dürfte für manche einfacher sein als auf normalem Wege bei der FIFA Karten zu bekommen.

Mehr Infos gibt es auf der Seite des Projekts: 2und50.com.

Einzige kleinere Schwierigkeit: die Geschichte darf nicht länger als eine (!) Buchseite sein. Uff, da war er dann doch noch, der kleine Haken an dem tollen Preis. Und: in der Jury sitzt u. a. Fredi Bobic, also möglichst nicht allzu intellektuell schreiben, wenn man gewinnen will. Und auch nichts von Bratwürsten im Fußball erwähnen.

10. Oktober 2013
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„Sondersendung“

Blog-G, der Gewinner des „Sportblogbeitrag des Jahres“ aus dem Jahr 2011, wir erinnern uns allzu gerne, hat mal wieder eines jener Videos produziert, die ihn weit über die Grenzen des Taunus hinaus so berühmt gemacht haben.

Deshalb und weil in unserem Blogosquarium zwar viel gepodcastet, aber wenig gevideot wird, hier dieses sehr besondere Filmchen, in dem sogar ein Mensch Talkgast ist, mit dem Sie hier als Leser auch schon zu tun hatten, in Form seiner Kommentare nämlich.

Der Anlass ist weniger schön, der Inhalt dagegen sehr.

Eine „Sondersendung“ von Blog-G.



10. Oktober 2013
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Unfreiheit in grün

Es war klar, dass es so kommen musste. Jeder Trend aus den USA, zumal im Sport, erreicht auch Kontinentaleuropa früher oder später. Nun hat es auch die Fußballfans getroffen. Insbesondere aus amerikanischen Eishockey-Arenen ist bekannt, dass man auf der Anzeigetafel einblendet, welche Gesänge wann zu singen seien, wann man wie schnell zu klatschen habe.

Künstliche Stimmung auf Anweisung — bislang ein Tabu in der deutschen Fußball-Szene. Hier wabert die Fanmasse noch organisch und Gesänge sind authentisch. Glaubte man, bis vor Kurzem. Doch vorbei sind diese Zeiten.

Die schleichende Entwicklung begann zunächst unbemerkt schon vor einigen Jahren. Inzwischen hat sie sich fast überall durchgesetzt, zumindest in den oberen Etagen des Profifußballs. Ganz wie im Eishockey üblich wird auch hier nur noch das gesungen, was von oben vorgegeben wird. Selbst der Klatschrhythmus wird oktroyiert, kein Raum mehr für Kreativität und Lebendigkeit.

Wie das passieren konnte, wo man hierzulande doch so erpicht darauf ist, nichts mit dem Plastik-Fantum Marke USA zu tun zu haben? Die Lösung war ganz einfach für all jene, welche diese künstliche Stimmung einführen wollten:

Man steckte die Anzeigetafel mit den Anweisungen einfach in ein Menschenkostüm.

8. Oktober 2013
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Goodbye Ausland

Einer der Gründe, warum man sich ein Auswandern als Fußballfan reiflich überlegen sollte, ist jener, dass man einen riesigen Batzen an potenziellen Themen für Small Talk verliert, wenn man ins Ausland geht.

Mit wem soll man sich in Norwegen über den 1. FC Nürnberg unterhalten, in Ghana über Frank Mill oder in Peru über das Drama der letzten Relegation, wenn dort niemand weiß, dass es in Deutschland Fußball abseits der zwei, drei großen Clubs überhaupt gibt?

Eine schöne Demonstration, wie gefesselt man mit diesem nerdigen Faktenhuber-Wissen über Fußball an den jeweils eigenen Sprachraum ist, sollte die folgende Liste sein, die die Nicknames von 50 englischen Proficlubs umfasst.

Klar, in der hiesigen Leserschaft gibt es sicher den einen oder anderen Nerd, der alle 50 schafft. Und ein paar davon sind für die meisten bestimmt kein Problem. Aber wird andersherum irgendjemand auf diesem Planeten wissen, wer die Lilien, die Zebras oder die Fohlen sind? Wohl kaum. Insofern: lieber zwei Mal überlegen, ob man wirklich auswandern will. Von da an kann man nur noch übers Wetter smalltalken. Politik und Religion sind bekanntlich tabu, und der Fußball fällt ja dann als Thema weg.

Also, auf zur Demonstration, dass man sich bei den Nicknames englischer Clubs kaum auskennt und schnell die Tickets nach Timbuktu in den Ofen geworfen, um der sozialen Isolation noch von der Schüppe zu springen.

(Achso, falls jemand alle 50 weiß, kann er sie gerne nennen. Hier kommt man auf knapp 20.)

3. Oktober 2013
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Rivalität plus Rituale gleich Gruppenidentität

Hier ein Fundstück als Longread für den Feiertag. Ich hab’s noch nicht durch, deshalb weiß ich noch nicht, ob es lesenswert ist, aber es greift genau jenes Thema auf, welches mir trotz größtem Interesse so wenig in den Kopf will. Die vermaledeite Rivalität im Fußball und zwar jene der Fans, nicht die der Aktiven auf dem Platz .

Eine Masterarbeit mit dem Titel „Rituale und Rivalität zur Stärkung der Gruppenidentität“, Details anhand der Rivalität zwischen Rapid Wien und Austria Wien erörtert, bereitgestellt von der Akademie für Fußballkultur.

Klingt, als sollte man da unbedingt mal eintauchen. Bis später!

[Update] Für einen ersten Überblick reichen die drei Seiten des Fazits. Und dieses ist niederschmetternd, falls es so zutrifft. Es geht in der Rivalität tatsächlich darum, die eigenen Reihen zusammenzuschweißen und sich seiner „Identität“ noch stärker bewusst zu werden, was besonders gut in Abgrenzung zum Rivalen funktioniert. Uneinigkeit in den eigenen Reihen wird marginalisiert und die Stilisierung des Gegners zum Bösen macht vermeintlich ebenso klar, dass man selbst auf der guten Seite steht.

Nie-der-schmet-ternd! Bin noch nie zum Fußball gegangen, um mir irgendeine Identität überzustülpen und schon gar nicht, um eine solche Identität mit irgendwelchen dahergelaufenen Fuzzis, deren einzige Gemeinsamkeit mit mir das Anhängertum zu einem Fußballclub ist, teilen zu wollen.

Es bleibt nicht nur dabei, die Befürchtung wird sogar noch extrem verstärkt: Wer diesen ganzen Rivalitätsquatsch mitmacht, dem geht es nicht um den Fußballsport auf dem Platz, sondern um seine eigene Identität. Was in Teilen die Vehemenz erklärt, mit der diese Rivalität betrieben werden muss. Weil ein Wegfall dieser das Ich in seiner erdachten Konstruktion gefährdet. Angst vor dem (sozialen) Tod also.

Okay, ich verstehe ein bisschen mehr, aber kann noch weniger nachvollziehen. Offensichtlich dem Menschen immanent, ein solches Bedürfnis, sonst würde es ja nicht (auch in außersportlichen Kontexten) ständig überall aufploppen, und dennoch eines denkenden Menschen nicht würdig. Dagegen anzuschreiben bedeutete aber wohl etwas zu sehr gegen Windmühlen zu schreiben.

1. Oktober 2013
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Wolfgang Overath ist ein

… das sagte der Mann, der letztens in der Kneipe neben mir stand. Wir schauten ein Champions-League-Spiel, und er drängte mir seine Geschichte auf. „Wolfgang Overath, dat issen“.

Und zwar hatte er, der Kneipennachbar, mit seinem Verein angeblich irgendwo in der Nähe der Mosel ein Benefiz-Spiel organisiert, Anfang der 1980er, zugunsten eines Behindertenheims. Man lud Stars ein, über eine Agentur. Uwe Seeler kam, Wolfgang Weber kam, und auch Wolfgang Overath kam. Die ersten beiden verzichteten aber auf ihre Gage für das Benefiz-Spiel, ließen sich lediglich die Spesen ersetzen. Wolfgang Overath hingegen bestand auf seiner Gage von einigen DM. Und äußerte sich, behauptete der Kneipennachbar, auf Anfrage der Organisatoren, ob er nicht wie Seeler und Weber auf seine Gage verzichten möge, folgendermaßen: „Dann kann ich ja jetzt nur noch umsonst spielen.“

Der Mann in der Kneipe neben mir sagte dann aber auch, dass er trotzdem nach dem Spiel zusammen mit Wolfgang Overath geduscht habe, denn angetreten sei er immerhin, immerhin für seine einige DM. Ein, da war sich der Mann in der Kneipe neben mir sicher, sei Wolfgang Overath aber auf jeden Fall.


*

Es gibt dann auch noch andere Zeitzeugen, die sicher nicht verneinen würden, dass. Der SPIEGEL zum Beispiel enthält sich zwar einer Wertung, berichtet aber wortwörtlich, wie sich Wolfgang Overath zu folgendem Thema verhielt:

Wolfgang Overath, […] wurde in seiner 14jährigen Profi-Laufbahn zum Rasen-Rassisten: Der Fußballer spielte nicht gern gegen Farbige und fürchtete sich vor zornigen schwarzen Gegnern, weil sie „beim Spiel keine Miene verziehen, wenn sie etwas vorhaben“. „Hinter einem undurchsichtigen Gesicht verbergen sie ihre Gedanken und Stimmungen“, zitierte die „Kölnische Rundschau“ den Star in einer Sonderbeilage zum Abschiedsspiel, „urplötzlich bricht es aus ihnen heraus: Sie spielen verrückt oder kämpfen, als ginge es um ihr Leben … Dabei sind sie beweglich wie Gummi und können einen Gegenspieler schnell lächerlich machen.“


*

Wer Wolfgang Overath in genau jener Zeit, nämlich kurz nach seinem Abschied als Aktiver, mal in Aktion sehen möchte, in Aktion mit dem Mund meint das hier, der höre zu, wie der 1. FC Köln ein Jahr nach Overaths Abschied Meister wird, während Wolfgang Overath (zusammen mit seiner Ehefrau!) Dieter Kürten im Aktuellen Sportstudio Rede und Antwort steht. Durchaus hörenswert, wie er sich in jener Zeit verkauft. Natürlich hatte er schon längst mit allem abgeschlossen und hätte zum Beispiel auf keinen Fall mit den noch aktiven Spielern tauschen mögen.



Vielleicht auch, weil man da ja noch auf den einen oder anderen Farbigen hätte stoßen können, der einen lächerlich macht.

Aber natürlich ist es unfair, solche Zitate aus einer anderen Zeit in die Gegenwart zu transportieren, als derartige Ansichten noch Teil des Mainstreams waren und Overath mit seinen Äußerungen beileibe nicht alleine war, was sie natürlich kein Stück besser, aber eben auch nicht vom Rande der Gesellschaft kommend macht.

Ob Overath inzwischen kein Rasen-Rassist mehr ist, wie ihn der SPIEGEL nannte, könnte man ihn ja eigentlich mal fragen, er hatte doch jetzt gerade ganz oft mit Reportern zu tun, welche ihm zum Geburtstag gratulierten. Hat aber wohl keiner dran gedacht. Naja, dann eben zum 75. Geburtstag noch mal bei Wolfgang Overath nachhorchen.

29. September 2013
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Zaunpfahl Marke „Gespräch“

Endlich ist es soweit. Jogi Löw hat angekündigt, einen Pferdekopf ins Bett von sich mit Stefan Kießling zum Gespräch zu verabreden. Das hatte ja beim letzten Mal, als sich Jogi Löw zu so etwas aufraffen konnte, vor ungefähr fünf Jahren, auch schon sehr gut funktioniert. Danach wurde Torsten Frings nicht nur nie wieder nominiert, die Diskussionen um eine solche Option waren im Anschluss auch deutlich leiser geworden. Nichts ist schließlich nerviger und stört die Vorbereitung auf ein großes Turnier unnötiger, als ständig zu diesem elendigen Martin Max Stefan Kießling befragt zu werden, obwohl er doch ohnehin schon lange keine Chance mehr besitzt, es nur noch nicht alle Schreiberlinge verstanden haben. Nun also die nächste Stufe des Winkens mit dem Zaunpfahl, ein „Gespräch“ mit Stefan Kießling, wobei das Wort „Gespräch“ im Löwschen Kosmos eine etwas andere Bedeutung besitzt als im allgemeinen Sprachgebrauch.

29. September 2013
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Drei Fußball-Frühstückseier

Der Stadtneurotiker pflegte vor einiger Zeit den Brauch, sonntagsmorgens einige Links aus der Woche zu posten. Er wendet sich aber gerade eher dem Handball zu. Deshalb nun hier, außer der Reihe, drei Dinge aus den letzten 48h, die man am Sonntagmorgen konsumieren könnte, wenn nicht gar noch später, aber auch dann immer noch.

Der Spielbeobachter (endlich wieder!) nimmt sich des alten Running Gags des Fußball-Blogosquariums an. Fast ein bisschen zu ernst, aber Recht hat der Mann natürlich.

Die Sportschau klärt auf, wer „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ über die Melodie von Yellow Submarine von den Beatles legte [Link leider tot] (hier zusätzliche Infos) und damit den Klassiker an Stadiengesängen in deutschen Gefilden schuf. (Dazu auch wissenswert: Wer den Ruf „Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!“ erfand. Bleibt eigentlich nur noch der Urheber von der Angelegenheit mit dem Schiri und dessen brennendem Auto zu klären.)

DerSamstag!, der neue Stern am Himmel der Mittelmäßigkeit, berichtet von einem Skandal in München sowie der neuerlichen Gala der Hausherrn im Westfalenstadion, in einer so poetischen Form, wie man sie sich viel häufiger für Medien wünschen würde (und damit sind nicht die wunderbaren, aber selten tagesaktuellen „Fünf Zeilen für den Fußball“ gemeint.) Kommt in der mobilen Version übrigens noch eindringlicher, ist dann aber erst ab 6 Jahre. Folgen Sie DerSamstag! auch auf Twitter.

26. September 2013
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Die Top-3-Spiele der Leserschaft von Trainer Baade: It’s a tie

Die Leser von Trainer Baade haben gewählt. Gefragt war nach jenen drei Partien, deren Videos man auf eine einsame Insel (natürlich ohne Netz) mitnehmen würde, wenn man sich eben für drei Partien entscheiden müsste. Das Ergebnis ist: ein Unentschieden. Bzw. zwei Unentscheiden. Also eigentlich drei Unentschieden, denn die Auswertung ergab ein Unentschieden zwischen zwei Unentschieden, zumindest nach offizieller Lesart, denn beide Partien wurden im Elfmeterschießen dann doch noch entschieden. Was sich ablesen lässt: ein Teil der Leser ist wohl etwas älter, ein Teil favorisiert ein Spiel der relativ jüngeren Vergangenheit. Quelle surprise!

Auf Platz 3 dann ein ganz junges und äußerst dramatisches Spiel. Da hat sicher auch der Recency-Effekt zugeschlagen. Erstaunlich oder auch nicht die hohe Anzahl an Nennungen von WM-Spielen. Da scheint der Länderfußball doch ein wenig mehr Spuren zu hinterlassen als der UEFA-Pokal oder DFB-Pokal.

Aber schauen wir auf die beiden absoluten Lieblingsspiele der Leser* hier.

Die Top3-Partien aller Mitmachenden anhand der Nennungen sind: Weiterlesen →

24. September 2013
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Wer kein Ziel hat, für den ist jeder Wind ungünstig

Es bleibt eines der Geheimnisse im Fußball, warum die wichtigste Position immer noch in blinder Ahnungslosigkeit besetzt wird und an jener Stelle auch zuerst die Entlassungen vorgenommen werden.

Es bleibt eines seiner weiteren Geheimnisse, und damit auch der Herangehensweise von Menschen an derartige Aufgaben der Personalauswahl wie hier jene der Trainerfigur, warum weiterhin der Halo-Effekt so groß zu sein scheint und es kaum handfeste Kriterien gibt, nach denen man sich richten kann.

Offensichtlich werden immer noch Trainerschulungen durchgeführt, die man bestehen kann, wenn man in einem der Fächer nicht so wirklich viel gelernt und verinnerlicht hat. Zum Bespiel Alexander Schmidt, so kolportiert es die Badische Zeitung, der fußballerisch auf der Höhe, aber psychologisch unter der Höhe gewesen sein soll.

… der vorherige Trainer Alexander Schmidt zwar ein vorzügliches Training machte und taktisch sehr clevere Einfälle hatte, aber dabei irgendwie vergaß, dass er es mit Menschen zu tun hatte. Selbst in den Urlaub gab er seinen Spielern Trainingspläne mit, als stehe ein Finale kurz bevor. Die Spieler versuchten dann, die Pulsmesser zu manipulieren, um dort Urlaubsläufe zu registrieren, die sie nie gemacht hatten.

Dass das Letztere sogar für einige der besten Fußballer der Welt, und das sind Menschen, welche in der 2. deutschen Liga angestellt sind, gilt, dass sie ihren Trainer und am Ende der 90 Minuten auch sich selbst bescheißen, darf nicht überraschen. Wohl aber, dass auf dem selben Sessel, den zuvor jener akribische Alexander Schmidt besetzte, nun Friedhelm Funkel die richtige Wahl sein soll.

Das Beispiel 1860 ist dabei aber nur als ein solches zu begreifen. Ähnliche Trainer-Auswahlverfahren beziehungsweise gerade die Abwesenheit davon, ist ja auch an vielen anderen Orten im Profifußball Gang und Gäbe. Und nein, das ist kein Jammern darüber, nur Unverständnis ob so viel Amateurtum im Jahre 2013 — und ein bisschen die Angst davor, dass auch dieses Phänomen in x Jahren ausgemerzt sein wird. Dann gäbe es gar keine Anekdoten wie diese Schöne hier von den manipulierten Pulsmessern mehr. Geheimnisvoll bleibt es trotzdem, dass sich niemand klarzumachen scheint, wo er überhaupt hinmöchte.