Karl-Heinz Rummenigge zeigt sein wahres Gesicht

Karl-Heinz Rummenigge zeigt sein wahres Gesicht. Das erklärt auch, wieso er ständig so zappelig ist, wenn er mal einer Pressekonferenz oder Jahreshauptversammlung vorsitzt.

Giraffen mögen aus nachvollziehbaren Gründen bekanntlich keine Krawatten.

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450 Minuten Fußball für eine Entscheidung

Wie es eben so zugeht, wenn man keine Münze wirft und das Elfmeterschießen noch nicht geboren ist.

Als es in der Oberliga West der Saison 1947/1948 in der Relegation um die Frage ging, ob Preußen Dellbrück aus Köln oder die TSG Vohwinkel 80 den beiden bereits abgestiegenen Klubs VfR Köln und VfL Witten nachfolgen würde, mussten nicht weniger als vier Partien her, um eine Entscheidung herbeizuführen. Welche schließlich in der letzten dieser vier Partien auch erst in der Verlängerung fiel.

02.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:1 n.V.
29.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0 n.V.
12.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0
26.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:0 n.V.

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Fußball — nebst Abart und Ausartung

Anhören, gesprochen von Johannes M. Ackner (das orange-Diskettensymbol klicken).

Hier der Text zum Nachlesen. Ebenso interessant übrigens des Autors Joachim Ringelnatz‘ Lebensweg, falls man diesen noch nicht kennt. Wobei „interessant“ leicht untertrieben ist.

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Ewiger Verlierer Real Madrid

Man kann sich schlecht darüber beschweren, dass etwas einmal richtig (aus Sicht des Autors, nicht absolut) gehandhabt wird. Doch bei welchem Fall es denn ausgerechnet geschieht, eröffnet wieder einmal einen schönen Blick auf den Hang zur Sensationalisierung der Berichterstattung.

Na gut, immerhin stammt die unten stehende Information jetzt selbst aus den Medien, aber eben aus dem Print. Es wäre kaum anzunehmen, dass man diese Zahl bei einer Berichterstattung im Fernsehen hörte. Dann fiele das Großartige, Fantastische und Eventvolle, das Dramatische und so weiter weg, welches man einem Auftritt des königlichen, einzigartigen, galaktischen Real Madrid gerne andichten möchte.

Von 22 Europapokalpartien in Deutschland hat Real Madrid erst eine einzige gewonnen.

Da ist die Sensation bei einem Sieg über Real Madrid plötzlich nur noch halb so groß. Was nicht im Sinne des Verkäufers sein kann, weshalb niemand diesen Wert bei der Übertragung eines weiteren Versuchs des ewigen Verlierers Real Madrid, in Deutschland zu gewinnen, erwähnt, während mit anderen nichtssagenden Werten („Karlsruhe seit 28 Jahren in Trondheim unbesiegt“) ständig um sich geworfen wird, als gelte es, Graf Zahl Konkurrenz zu machen.

(Via Fokus Fussball).

(PS: „Richtig“ bedeutet hier, diesen Wert überhaupt nicht zu erwähnen, da er keine Aussagekraft für die Zukunft bzw. Gegenwart besitzt und allein der Liebhaberei dient. Was okay und ein netter Service ist, aber alllzu oft damit verwechselt wird, dass er eine derartige Aussagekraft besäße.)

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Was bisher geschah (III): Fortuna — FC Bayern 0:5

Oder auch: „Scheiß dode Houßn!“

Einfach nur Fussball — reicht gegen Bayern nicht

Gunnar vom Stehblog, welcher übrigens einst Kandidat beim DSF-Superfan-Quiz war, lud zu dieser Partie ein. Mit 20 Euro ein äußerst bezahlbarer Sitzplatz im Gästebereich, ziemlich weit oben und so mit gutem Blick auf das Spiel das Abschlachten der Fortuna.

Die Anfahrt problemlos per PKW und Parken auf P2 im Gästebereich absolviert, trafen wir noch vor dem Stadion auf LizasWelt und den Baziblogger (nach Spielende auch noch auf Breitnigge samt dessen erstmalig aus Anlass dieser Partie bloggender Gemahlin), testeten die Bratwurst (okay) samt Brötchen (mega-matschig-weich, nicht mehr benotbar) und begaben uns schließlich auf unsere Plätze. Wie wenig vorhersehbar Fußball ist, sieht man an den Tipps der allesamt den Bayern zugeneigten Vorgenannten, welche da meist über ein 1:1 nicht hinausgingen, schließlich sei Fortuna sehr defensivstark. Dachte man.

Auf den Plätzen angekommen, war klar: Es wird wieder kein Netz geben, bei 54.000 Handies im ausverkauften Stadion ist das wohl immer noch ein Problem. Dafür sorgte ein Bayernfan hinter uns, dem Idiom nach unverkennbar Franke, für größere Unterhaltung. Solch ein rollendes R samt t-d-Schwäche bekommt sonst niemand hin, der nicht in Franken aufgewachsen ist. „Scheiß dode Houßn!“ gröhlte er auch sofort als die Mitglieder der Band „Tote Hosen“ vor dem Spiel geehrt wurden. Nun ist sich über Dialekte lustig zu machen immer ein wenig schal, schließlich sprechen nur die Menschen um Hannover herum keine solchen und des eigenen ist man sich ja meist nicht bewusst.

Mit welcher Verve er bei jeder Gelegenheit aber auch noch ein „Scheiß 1. FC Nermberch“ anfügte, lässt erahnen, dass es da Momente in seiner Jugend gegeben hat, die eine Abnabelung von seiner eigentlichen Heimat sehr schmerzhaft werden ließen.

Doch ist ein depperter Fan, der von homophoben Sprüchen bis zu ständigen Beschwerden darüber, dass Fortuna ja „gar nicht mitspielt“, keine Peinlichkeit ausließ, wirklich bemerkenswert? Wenn es von der Partie selbst nicht viel zu berichten gibt, vielleicht schon.

Allerdings war da ja auch noch ein Publikum anwesend, und das lieferte eine Stimmung par excellence. Hier der Eindruck von kurz vorm Einlaufen der Spieler, als die gesamte Fortuna-Kurve und die Gegengerade ihre Fähnchen wedelten und inbrünstig sangen. Warum ist es am Rhein so schön? Offensichtlich zu nicht geringen Teilen, weil die Menschen hier mit guter Laune und Sangesfreude ausgestattet sind.

Besäßen Länderspiele doch nur ein Zehntel dieser Atmosphäre vom Samstag in Düsseldorf, man könnte sich alle debilen Animationen sparen und wäre immer noch in guter Fußballlaune inmitten einer solchen fußballhungrigen Masse.

Hier noch mal in groß, was das Banner sagte:

„Wirkt auch noch nach 12.369 Tagen“

Flugs im Kopf überschlagen, dass man auf etwas über 30 Jahre kommt, welche diese 12.369 Tage bedeuten, landet man natürlich bei diesem Ergebnis hier, dem legendären 7:1, von dem man wohl auch in weiteren 12.369 Tagen in Düsseldorf noch sprechen wird. Dazu gab’s dann noch ein über die Zuschauer gerolltes Banner mit allen Torschützen und einem geknickt dreinschauenden Sepp Maier von damals. Beschwörung älterer Geister, wie man jetzt weiß: erfolglos.

Während dem FC Bayern ein 5:0 über einen Aufsteiger kaum der Rede wert ist. Zumal dann, wenn sich dieser über 90 Minuten keine echte Torchance erspielt. Eher hätte es 0:7, 0:8 oder gar 0:10 ausgehen können, was auch der kicker so sah, der ein Chancenverhältnis von 0:14 (!) zählte. Fraglich, ob man diesen Sachverhalt in einer Zusammenfassung überhaupt richtig herausarbeiten kann. Die gesamten 90 Minuten jedenfalls sahen genau so aus, wie ein Chancenverhältnis von 0:14 klingt.

Bemerkenswert allerdings dieses Bild:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Nämlich keinen Unterschied zum Bild oben vor Anstoß, dabei ist das untere Bild nach Abpfiff dieser so ungleichen Begegnung entstanden. (Fast) Niemand hatte das Stadion verlassen und die Fortuna-Kurve feierte ihr Team weiterhin so, mit allen Fahnen und lauten Gesängen, als hätte dieses nicht grade eine demütig werden lassende Klatsche erhalten.

In den meisten Revierstädten hätte man schon längst Teer und Federn bei der Hand gehabt, sofern man nicht fluchtartig aus dem Stadion gerannt wäre; in Düsseldorf feiert man nach dem Abpfiff und auch schon beim 0:2-Pausenstand sein Team mit solcher Leidenschaft, als gehöre man per se in die Bundesliga oder aber sei sich bewusst, dass diese Partie einmalig bleiben könnte, bei unglücklichem weiterem sportlichen Verlauf.

Vielleicht übertreibt der Autor hier aufgrund nicht zu verhehlender Sympathien für solch ein Auftreten, aber das ist der Sportsgeist, den man im Fußball braucht. Und damit ist nicht gemeint, immer zu feiern, egal, wie die Partie ausgeht, denn dann bräuchte man gar nicht erst zum Fußball zu gehen. Sondern die Unterstützung auch dann nicht weniger werden zu lassen, wenn es eigentlich aussichtslos ist. Gegen Schalke hat das letztens gut funktioniert, hier dann wie bereits erwähnt weniger. Eine beneidenswerte Attitüde, mit der man in Düsseldorf ins Stadion geht.

Was natürlich nichts daran ändert, dass später am Abend in der Altstadt ganze Straßen durch menschliche, gut behelmte Sperren abgeriegelt wurden, weil sich Bayern- und Fortuna-Fans gegenseitig mit fliegenden Altbiergläsern begrüßten und die eine oder andere Blutlache auf dem Boden der Bolkerstraße entstand. Da es aber zu keinen größeren Ausschreitungen kam, darf das wohl als ein in der Altstadt normales Phänomen bewertet werden.

Andere Städte verfügen nun mal über kein Oktoberfest e Altstadt, so dass sich derartige Szenen auch nicht ereignen können. Zehn Prozent Idioten gibt’s noch dazu überall, in jedem Land, bei jedem Club. Solch einen Support wie bei Fortuna gibt’s allerdings zur Zeit nirgendwo sonst im Land*.

(* Das ist eventuell eine Hyperbel.)

Falls hier jegliche Anmerkung zum Geschehen auf dem Platz fehlt: Da geschah nichts. Nichts in Richtung Bayerntor, es gab nur Einbahnstraßenfußball zu sehen und wer vielleicht zur Pause auf ein Wunder à la Schweden gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Meist schafften die Fortunen es nicht mal, bis zur Mittellinie in Ballbesitz zu bleiben. David wäre empört, in einer Metapher mit Goliath für diese Fortuna stehen zu sollen. Hinten war dann von der im bisherigen Saisonverlauf erlebten Defensivstärke auch nichts über, und dann kommt eine Partie dabei heraus, bei der einem Angst und Bange um den weiteren Saisonverlauf wird. Schließlich ist mit 8 von 34 Spielen ein Viertel der Saison absolviert und die Bayern stehen bei maximaler Punkteausbeute und 26:2 Toren.

Fortuna gewinnt an jenem Abend nur Sympathien und verbreitet gute Laune, sportlich muss es eben wieder gegen andere Gegner klappen. Gegner allerdings, und nicht übermächtige Sagengestalten, die immer ein bis zwei Mann mehr auf dem Platz zu haben scheinen, wie jene Bayern um vor allem Franck Ribery vom vergangenen Samstag. Dann ist mit eigenen Torchancen nämlich in erster Linie „dode Houße“.

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Was bisher geschah (II): Den #tkss entdecken

Der #tkss ist der „Tweet-Kick Schäl Sick“, wobei die letzteren beiden Vokabeln angesichts der medialen Übermacht, mit der Kölner Kulturgut im Unverhältnis zu tatsächlich existenten und dieses auslebenden Anteilen der Bevölkerung in die Lande gesendet wird, wohl nicht mehr erklärt werden müssen. Die „schäl sick“ ist die „scheele Seite“ Kölns, welche auf der scheelen, also falschen, dummen, schlechten Seite des Rheins liegt, welches in diesem Fall die rechtsrheinische bzw. östliche Seite ist. Und ein Tweet-Kick ist leider kein Rumgebolze von Menschen, die Twitter nutzen, aber immerhin ein Treffen fußballaffiner Twitterer (und Blogger). Was dann so aussieht wie im Bild hier rechts.

Ins Leben gerufen wurde der #tkss vom Italo-Schwaben LLcurly, der gleichzeitig die Gazetta di Kalk betreibt, nur echt in rosa, von hirngabel, der neben dem Brustring auch als hirngabel bloggt, und von DooMiniK2k, bekannt durch effzeh.com und die sektiontwitter, ein Fanclub des 1. FC Köln, von Menschen gegründet, welche sich über Twitter kennenlernten.

„Was bedeutet eigentlich #tkss?“

Zum inzwischen 14. oder 15. Male traf man sich im „Brauhaus ohne Namen“, welches — für einen Besucher aus dem Revier überraschend — irgendwann den Ausschank einstellte, weil das Fass leer, der Abend vorangeschritten war und den Bediensteten ihrerseits nach Feierabend dürstete. Wirsing war der Hashtag des Abends, das bedarf keiner weiteren Erläuterung, wird doch der nächste #tkss unter einem neuen Motto stehen. Vergänglich ist nicht nur der Wirsing, sondern auch und vor allem die Erinnerung der Twitternutzer.

„Was ist ein Tweet-Kick?“

So trifft man dort — man darf auch ohne Anmeldung erscheinen, obwohl diese gewünscht wird — auf zur Zeit meist etwa 30 weitere fußballaffine Twitterer, die man dem Namen nach kennt oder eben erst -lernt. Smalltalk ist in großen und kleinen Runden möglich, und aufgrund der großen Fluktuation an Anwesenden bilden sich, ganz wie im Netz beim Twittern, wo sich jeder an ein Thema anhängen kann, immer wieder neue Runden. Hier rechts im Bild das Phrasenschwein des #tkss, das sogar ein Trikot mit der Aufschrift „tkss“ trägt. Schließlich fallen, wo über Fußball gehobelt wird, auch reichlich Phrasen.

Empfehlenswert ist der #tkss für alle, die einen solchen Termin in Köln einrichten können (etwa 5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Messe/Deutz entfernt) und die nicht menschenscheu sind, was man der „Netzgemeinde“ ja wohl nur aus Ahnungslosigkeit nachsagt. Erstens gibt es keine „Gemeinde“ und zweitens ist sie mehr oder weniger so menschenscheu wie Menschen es eben sind. Wer nicht in der Nähe von Köln wohnt, kann auf Glück hoffen, dass sich Pendants wie bereits geschehen in Berlin, München, Hamburg und zuletzt in Hannover nach seiner Machart bilden. Im anderen Fall spricht nichts dagegen, ähnliche Einrichtungen in der eigenen Heimat einzurichten. Noch werden keine Lizenzgebühren erhoben.

Und wie LLcurly zurecht monierte, existiert noch kein solcher fußballaffiner Twittertreff im Ruhrgebiet. Wer also Zeit und Lust auf ein ganz klein wenig Organisationsarbeit hat, sei hiermit aufgerufen. Alle anderen strömen weiterhin zum #tkss nach Köln oder eben nach München, Hamburg, Berlin oder Hannover.

Siehe dazu auch: „Treffen in Köln“, als sich Blogger zum Pokalfinale der Frauen in Köln verabredeten. Kurzer, aber extrem schlauer Hinweis: Will man sich wirklich kennenlernen und unterhalten können, sollte man eher nicht zusammen ein Fußballspiel besuchen, sondern lieber irgendwo einkehren. Zum Beispiel beim allmonatlichen #tkss, der hier seinen neuen Termin sucht.

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Was bisher geschah (I): Deutschland – Schweden 4:4

Die mehr oder weniger „daily soap“ namens „Trainer Baade“ wird natürlich auch dann fortgeschrieben, wenn gerade keine neuen Folgen veröffentlicht werden, in den letzten Tagen grippal bedingt. Ereignet hat sich dennoch eine Menge im Intriganten- und Mimosenstadl namens Profifußball, was jetzt aufgearbeitet werden muss.

Deutschland führt nach berauschender Gala im Berliner Olympiastadion gegen den vermeintlich stärksten Konkurrenten in der Qualifikation für die WM in Brasilien mit 4:0 und gibt historisch einmalig eine Führung mit vier Toren noch aus der Hand. Schwierig macht die Bewertung dieses auch hier als „Desaster“ titulierten Ereignisses die Hinterher-ist-man-immer-klüger-Problematik. Denn wer hätte schon groß nach den zwei Gegentoren gekräht, wenn es beim 4:2 geblieben oder gar noch zu einem 5:2 oder 6:2, wie sonst gerne vornehmlich gegen Österreich erzielt, angewachsen wäre?

Hinterher weiß man natürlich, dass es falsch war, nicht die Defensive zu stärken. Aber hat man das Fehlen eines solchen Schrittes nach den zwei Gegentoren durch Griechenland bei der EM bemängelt? Oder nach jenen zwei durch eben genanntes Österreich in einem der vorigen Spiele? Hat man Löw vorgeworfen, dass er nach dem Anschluss durch die Niederlande bei der EM nicht anders gewechselt hat, als er es tat?

Insofern ist es wichtig zu wissen, ob alle, die nun nörgeln oder sich überhaupt äußern, wenigstens nach dem 3. Gegentor sicher waren, dass auch noch ein viertes folgen würde. Was retrospektiv schwierig in ehrlicher Weise zu beurteilen ist, gerade da diese Partie nun auch schon 7 Tage her ist. Dennoch einmal die Bitte an alle, die diese Frage für sich innerlich beantworten, dies so ehrlich wie möglich zu beantworten (mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Zeugenaussagen vor Gericht mit höchster Vorsicht zu genießen sind, das gilt dann natürlich auch hier):

War nach dem Tor zum 3:4 wirklich so glasklar, dass auch ein viertes folgen würde, dass man anders hätte wechseln müssen?

Die Folgen dieses verheerenden Remis‘ sind insbesondere angesichts der noch nicht verarbeiteten (geschweige denn verziehenen) Halbfinalniederlage gegen Italien sowie den beiden sehr schwachen Partien gegen Argentinien und Österreich nicht einzuschätzen. Immerhin hätte Löw, so er nicht ebenfalls grippal erkrankt wäre, diesmal die Eier gehabt, nicht wochenlang in der Versenkung zu verschwinden, um sich hernach in einer etwas obskuren Pressekonferenz ohne Anlass gegen alle aufgelaufenen Vorwürfe, sinnvoll (schlechtes Coaching) oder nicht (Hymne, etc.) zu erwehren.

Sondern wäre direkt ins Sportstudio des ZDF marschiert und hätte sich dort verteidigt. Eloquenter sicher als direkt im Anschluss ans Spiel, als ihm nicht nur das Gesicht aus selbigem, sondern auch jeglicher Lebensgeist aus den Gliedern gefahren war. Das darf man merkwürdig finden, gleichzeitig darf man auch darauf hinweisen, dass derlei in nun 104 Jahren Länderspielgeschichte tatsächlich noch nie vorgekommen ist.

Weshalb man auch hier zur Einordnung dieses Ereignisses wissen sollte, sofern man im Fußball etwas „wissen“ kann, ob es schlicht ein ganz besonderes, aber einmaliges Ereignis war, oder ob es sehr wohl etwas mit der aktuellen Konstellation an Spielertypen und deren Auftreten in Länderspielen zu tun hat. Und ja, die Fragestellung ist, alter Martkforschungstrick, zugespitzt, damit man sich entscheiden muss. Wer meint, dass man diese Frage nicht entscheiden kann, der stimme eben nicht ab. Allen anderen allerdings Dank im Voraus.

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Was sich auf jeden Fall enorm verändert hat, ist die öffentliche Sicht auf Löw. Schon wieder ein Fehler, wenn nicht gleich mehrere, jedenfalls hat er falsch und zu wenig (die dritte!) Auswechslungen getätigt, zumindest Letzteres ist unabhängig von allen hellseherischen Fähigkeiten zutreffend.

Womöglich ist Löw es angesichts der vielen positiven Ergebnisse in den letzten Monaten nicht mehr gewöhnt, überhaupt in solchen Partien in hektische Situationen zu geraten. Möglicherweise war er es aber auch noch nie. Und vielleicht war Urs Siegenthaler an jenem Abend in Berlin beim Stand von 4:0 auch schon nach Hause gegangen, in ein Hotel am Alexanderplatz, mit extradicken Betonwänden aus der Zeit des Kalten Krieges und ergo keinem Handynetz. Wenn aber ein Trainer derart von anderen Geistern abhängig ist, darf die Frage gestellt werden, wieso Siegenthaler eigentlich nicht mit auf der Bank sitzt.

Löws Image jedenfalls hat, ob nun durch ihn verschuldet oder durch einen hanebüchenen Schwenk des Fußballgotts, enorme Kratzer erhalten. Und angesichts der vier Gegentore mit allen Schwächen der jeweils beteiligten deutschen Spieler ist noch dazu völlig in den Hintergrund gerückt, dass weiterhin keine Standards trainiert werden, ob defensiv oder offensiv.

Ebenso weiterhin darf man das hier nicht falsch verstehen: Löw soll nicht abgelöst werden. Die verfügbaren und willigen Alternativen wären kaum besser. Nur soll er endlich an seinen eigenen Schwächen arbeiten. Insofern mag dieses 4:4 tatsächlich einmal als mittlerer Wendepunkt gesehen werden. Die Augen kann man jedenfalls nun endlich nicht mehr davor verschließen, dass „vorne hui und hinten pfui“ gegen Spanien oder Italien nicht reichen wird. Und dass die langjährige defensive Nachlässigkeit endlich wirksam bekämpft werden muss. Natürlich macht das einem wie Löw weniger Spaß, weil es da weniger zu feiern gibt. Aber: (auch) zo is voesbal.

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Mehr Zug im Training

So könnte es klappen, die Nationalmannschaft wieder in die Spur zu bringen.



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Eric Cantonas besonders schlappe Variante des Panenka



1. Runde im französischen Pokal, Eric Cantona vergibt für Girondins Bordeaux gegen AS Beauvaix im Januar 1989 (ohne Gewähr).

Ein dermaßen schlapper „Panenka“, dass der Torwart es sogar schafft, nach seinem Hecht in die eine Ecke noch einmal aufzustehen, in die andere Ecke zu laufen und den Ball aufzunehmen. So schlapp, dass man zwei Mal hingucken muss, um zu begreifen, wie gurkig dieser Elfmeter geschossen wurde.

Eric Cantonas späterer glänzend inszenierten Selbstvermarktung hat dieser doch beinahe peinlich anmutende Fehlschuss dann allerdings nicht geschadet.

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Nach Hannover folgt St. Pauli, morgen ganz Europa

Endlich greift der deutsche Fußball durch. Endlich wird aufgeräumt im Saustall „Fankultur“, mit dem man sich im aktuellen Zustand bei keinem Sponsor mehr vorstellen kann. War es gestern noch nur ein einfacher Serienmörder, der gerade mal zwei Dutzend Opfer fand, sind nun endlich auch die dicken Fische dran.

Ein Totenkopf als Insignien von Piraten, die jahrhundertelang ihr Unwesen in Europa trieben, heute noch überall auf der Welt aktiv sind, es in der Antike schon waren, heute vor Somalia und Westafrika — unvermarktbar, das muss weg. Geht nicht mehr, das wird man auch auf St. Pauli einsehen. Gewaltverherrlichend und denkt denn niemand an die Kinder.

Weitergehende Überlegungen wollen auch alle nichtvergetarischen Tiere als Maskottchen verbieten lassen, schließlich fressen diese Tiere andere Tiere. Bären, Krokodile scheiden also ganz aus, ob auch insektenvertilgende, sonst eher niedliche Tierchen verboten werden, ist noch in der Schwebe.

Es kann logischerweise nur vom deutschen Fußball ausgehen, dass auch in der UEFA endlich aufgeräumt wird. Dann ist Schluss mit der „Tartan Army“ und allen weiteren Fan-Armeen, dienen solche Armeen doch in erster Linie dazu, andere Menschen in raueren Mengen zu töten als Fritz Haarmann es je vermochte.

Bis zu NFL, NBA und Co., wo Wikinger, Panther, Krieger, Raubtiere, Haie, Falken oder eben Bären in den doch nur vermeintlich so politisch korrekten USA ihr Unwesen treiben dürfen, reicht der Einfluss des deutschen Fußballs dann allerdings nicht.

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Cool retourniert Valérien Medienschelte

In der letzten Woche führte eine plötzliche Eingebung während einer „nächtlichen Internetsafari“ (© Stadioncheck) dazu, nachzuschauen, was denn eigentlich Harry Valérien macht. Er lebte in Bayern und freute sich seines Lebens, war zu erfahren, er sei zwar nicht mehr sehr kameraaffin, treibe aber regelmäßig noch Sport, zumindest Wandern. Das war in der letzten Woche. Nun ist er tot.

Harry Valérien ist gestorben, für jede und jeden in meiner Generation und drumherum wohl der Sportreporter schlechthin, noch weit vor Manni Breuckmann, Adi Furler oder Jochen Hageleit.

Mir war damals immer klar, dass Harry Valérien entweder ein Alien oder ein Österreicher oder ein Luxemburger sein musste. Ein Deutscher konnte er nicht sein, weil er a) so einen französischen Nachnamen trug, der zusätzlich zum Akzent auf dem erste E in meiner Muttersprache auch keine Bedeutung transportierte, b) einen so herben Akzent sprach, dazu immer wieder stakkato-artige Aussetzer in seinen Satzmelodien hatte, dass er nun mal kein Deutscher sein konnte. Oder vielleicht zwar vom Pass her Deutscher, aber in Monaco aufgewachsen, vielleicht auch in Rumänien, aber niemals ein eingeborener Deutscher. Und dass sich ein Ausländer so sehr für deutschen Sport interessiert und das sogar zu seinem Beruf machte, das war natürlich schon eine besondere Auszeichnung dessen, über was er dort berichtete.

Mittlerweile weiß man, in München geboren und aufgewachsen, mit der für jene Generation typischen Zeit in alliierter Kriegsgefangenschaft, war er eigentlich dann doch absolut deutsch, nur eben kein Preuße. Daher auch der mit westdeutschen Ohren gehört fast unnatürliche, starke Akzent. Sicher Rumäne. Oder Ungar. Nein, Münchner, aha. Die durch all diese Umstände von meinem Hirn nur konstruierte Besonderheit hätte Harry Valérien allerdings gar nicht nötig gehabt, schließlich war er durch sein Tun ein außergewöhnlicher Sportberichterstatter, wie wir gleich noch unten sehen werden.

Was mich bei all den bislang konsumierten Nachrufen wundert, ist das Fehlen einer — jedenfalls für „uns“ damals — ganz wichtigen Komponente des Schaffens von Harry Valérien. Nun gut, dass er womöglich nur seinen Namen fürs Cover hergab und mit den Inhalten eventuell gar nichts zu tun haben könnte, das ahnte man erst später. Aber Harry Valérien ist uns allen — und ich kenne niemanden, der wirklicher Fußballfan ist, der nicht eine Ausgabe davon besitzt oder besaß — bekannt ist er uns allen natürlich wegen seiner WM- und EM-Bücher, wie Benny Berger hier seines zeigt und ich selbst auch diverse besaß (bis sie mir in einer Nacht- und Nebel-Guerilla-Aktion während der WM 1998 geklaut wurden, aber das ist eine andere Geschichte). Solch eines, solch eines oder auch solch eines.

Dazu hatte er natürlich das Glück, dass er in einer Zeit tätig war, in der einerseits das Volk in Deutschland nur drei Sender hatte, die Chance, das man ihm abends zusah, also bei etwa einem Drittel lag, so man an jenem Abend fernschaute. Außerdem bewirkte dieses dünne Medienangebot, dass man sich auch als Flachlandtiroler für Skiabfahrten oder Golfturniere im fernen Florida interessierte, in Ermangelung an Alternativen im sportlichen Fernsehprogramm. Und Harry Valérien andererseits in einer Zeit wirkte, in der das Fernsehen sich noch nicht als Partner der Bundesliga verstand, sondern eben als neutraler Berichterstatter. Und da die meisten sein Wirken nicht selbst miterlebt haben, wollen wir mal schauen, wieso Harry Valérien so sehr geschätzt und als derart integer wahrgenommen wurde.

Da gibt es sicher viele Beispiele, aber weil hier das Thema Fußball lautet und nicht Golf, Schwimmen oder Ski, soll es eben auch ein Fußballbeispiel sein. Et voilá, ein weiteres Resultat jener eingangs erwähnten nächtlichen Internetsafari stand dann auch sofort bereit: Harry Valérien im Gespräch mit einem der schwierigsten Charaktere, die es im deutschen Fußball gibt. Auch und erst recht damals schon, ohne dass Valérien locker lässt oder aber arrogant wird. Von beeindruckender Konsequenz, wobei man den heutigen Reportern zugute halten muss, dass es unter den heutigen Aktiven gar niemanden mehr gibt, an dem man sich derart abarbeiten könnte, wie Valérien diese Gelegenheit damals zuteil wurde, im Sommer 1982, als er an einem spanischen Hotelpool vor johlenden Touristen dieses Enfant Terrible des deutschen Fußballs vors Mikrofon bat. Ein echtes „Musssehen“, dieser Link:

Harry Valérien interviewt einen grantigen, medienscheltenden Fußballer.

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Sportschau-Hangout mit Trainer Baade: DFB-Elf in Unruhe

Seit den ominösen 2 Toren von Mario Balotelli gegen Manuel Neuer in diesem Sommer ist plötzlich alles anders. Die Nationalmannschaft verliert nicht nur Spiele, sondern auch an Reputation, allen voran Fahrensmann Joachim Löw.

Heute Abend kehrt allerdings Bastian Schweinsteiger (siehe Schweinsteiger’sche Zahl in der rechten Sidebar) in dessen Team zurück.

Die Sportschau lud ein, darüber und über einige weitere Themen zu parlieren. Neben meiner Wenigkeit ebenfalls in dieser Runde, die so vielleicht nie wieder zusammen spielen wird: Jens Peters (Catenaccio, Fokus Fussball) und Martin Rafelt (Spielverlagerung).

Eine angenehme Gesprächskonstellation, in adrette Häppchen geschnitten und ergo sehr gut verdaulich.

Zum Video vom Hangout „DFB-Elf in Unruhe“.

(Bevor jemand zurecht anmerkt, dass Irland zuletzt durchaus häufiger zu Hause mal verlor: Stimmt. Hab ich mich kolossal geirrt. Sollte man feuern, den Mann.)

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Der Zorn im !?

In Wolfsburg gehen die Tachometer bekanntlich etwas anders. Wenn da eine Fanrevolte geschieht, dann versammeln sich immerhin 40 Kiebitze am Trainingsplatz, also etwas mehr als die Hälfte der Menschen, denen der VfL Wolfsburg wirklich am Herzen liegt. Wie sehr die Werksmannschaft ihnen am Herzen liegt, das drücken sie dann auch durch entschlossen zornige Inhalte ihrer mitgebrachten — die haben sich die Rentner selbst gemalt — Transparente aus.

„Europapokal!?“ ist da auf einem zu lesen und man stellt sich unweigerlich die Frage, was beim VfL Wolfsburg alles möglich wäre, wenn die Spieler auf dem Platz so viel Kreativität aufbrächten wie die Kiebitze beim Protestieren.

Zudem beherrscht man in der Autostadt Satzzeichen in gerütteltem Maße. Denn wenn man nur eines der beiden wegließe, verlöre das Banner seinen gesamten doch so vorzüglich transportierten Missmut über die Lage. Im ersten Fall („Europapokal!“) wäre es nur eine Aufforderung zum Singen, im zweiten Falle („Europapokal?“) die zwar berechtigte, zur Zeit aber eher unnötige Frage nach einer genauen Definition. So jedoch, durch die Kombination von Ausrufe- und Fragezeichen, wird deutlich, und dann auch gar nicht misszuverstehen:

So kann es nicht weitergehen, Herr Magath. Klaro!?

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Helmut Haller trifft, Hurst aber aucher

Uwe Seeler, der es heute in seiner unnachahmlich botten Art mal wieder genau neben den Punkt brachte, als er Helmut Hallers Tod mit den Worten „Die Einschläge kommen näher“ kommentierte, führte diesen heute verstorbenen Helmut Haller als Kapitän der westdeutschen Nationalmannschaft im Wembleystadion aufs Feld, um dort das Finale der Weltmeisterschaft gemeinsam mit ihm gegen England zu verlieren.

Helmut Haller schoss in diesem WM-Finale das erste Tor. Und da es vermessen wäre, zu behaupten, hier an dieser Stelle hätte man irgendetwas mit Haller verbunden außer dem Umstand seiner ganz frühen Tätigkeit als Fußball-“Legionär“ in Italien, folgen hier statt Blumen das Video von jenem WM-Finale 1966, in dem Haller der Schütze des ersten von insgesamt fünf Toren an diesem Tag war, in voller Länge und — allein deshalb schon hörenswert — mit englischem Kommentar, die Übertragung der BBC.

“ … and Haller, number eight, plays in Italy, they England will have to watch.“



Die Queen ist immer noch die selbe, das Stadion inzwischen nicht mehr.

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Brasilien gut und schlecht wie nie

In der FIFA-Weltrangliste belegt Brasilien nun den schlechtesten Rang seit Einführung dieser Spielerei rund um den Länderfußball im Jahr 1993.

Lediglich Platz 14 steht für die Seleção (nur echt mit dem Wörns’schen nasalen „ão“) zu Buche, gerade einen Platz besser als die Schweiz.

In der ELO-Weltrangliste, die nach dem Prinzip der in vielen Ranglisten verwendeten Elo-Zahl ihre Wertung erstellt, liegt Brasilien hingegen weiterhin auf Platz 2, hinter Spanien, direkt vor Deutschland.

Welcher Konstrukteur der Realität liegt nun richtig?

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Dortmund hat die besten Fans der Welt

Naja, … die besten Fans der Bundesliga jedenfalls.

Ihr werdet es nicht glauben wollen, so Ihr keine Dortmund-Fans seid, aber so ist die Sachlage, belegt mittels harter Fakten, Fakten, Fakten. Wobei Fans in diesem Zusammenhang auch Anhänger meint oder auch Menschen mit Affinität zum Club oder auch schlicht Zuschauer. Die besten Fans der Liga sitzen, pardon, sitzen und stehen also in Dortmund, sagt ein gewisser Dr. Stollenwerk (sic!), und der muss es wissen, denn er hat diese Fans befragt.

Wir sprechen dabei über ein heißes Thema, das noch viel wichtiger ist als all die Promille-Pyros und Gesängesinger oder zuletzt eben Gesängenichtmehrsinger.

Wir sprechen von fürchterlichen Vor-, Mittel- und Nachprogrammen, durch die Vereine selbst in ihren Stadien veranstaltet, gruselig in ihrer Ausprägung, Programme, die kein Mensch bei einem Fußballspiel braucht, da sind wir uns wieder einig.

Braucht kein Mensch. Nicht wahr?

Weit gefehlt — die Zustimmungsrate zu dem hier als eigentlich überall verhasst eingeschätzten Hokuspokus mit Sinnesfoltergarantie geht durch die Decke. Dein Nebenmann im Stadion könnte nicht nur ein Befürworter von debilen Gewinnspielen, Audiowerbung und Fanelfmeterschießen sein — er ist es sogar mit großer Wahrscheinlichkeit.

Die Zustimmungsraten für diesen Popanz, jedes gesunde Gehirn beleidigenden Auswüchse verirrter, ja, teutonischer Geschmackslosigkeitskultur gehen — so sieht die traurige Realität aus, die Reinhold Beckmann einst rief — an allen Bundesligastandorten durch die Decke.

Außer eben in Dortmund.

Das ganze Nebenbrimborium wollen viele Dortmunder nicht. In anderen Stadien möchten die Zuschauer unterhaltende Rahmenprogramme haben. Meist zu über 80 Prozent. In Dortmund ist es weniger als die Hälfte. Dort ist Fußball pur angesagt.

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Michael Ballack — Thank you for the music

Sportlich tot war er schon länger, nun hat er es auch selbst eingesehen und seiner Beerdigung zugestimmt. Es gibt sie noch, die Leute, die wissen, wann Schluss ist. Michael Ballack gehörte nicht dazu.

Andererseits: Wie furchtbar schnell das doch ging. Vorgestern (aka „vorgestern“) noch schlugen hier Kommentare im Blog auf, dass ich Trost spenden solle, wie die deutsche Mannschaft denn nach Ballacks Verletzung nun die WM 2010 überstehen solle. Das ist kaum 24 Monate her und nun ist er schon zu alt dafür, überhaupt noch Fußball zu spielen, zu alt gar fürs Broich’sche Outback.

Auch wenn es absehbar war angesichts seines in heutiger Zeit gesehen hohen Fußballalters — ein Indiz für seine große Qualität liegt auch darin, dass er den Absprung nicht geschafft hat. Denn vor zwei Jahren war er tatsächlich noch der einzige Fußballer von Weltformat im Trikot des DFB, obwohl schon 33 Jahre alt. Obwohl eine ganze Generation Zeit hatte, ihn zu verdrängen oder zumindest ihm Ebenbürtiges an die Seite zu stellen. Mit Ausnahme dieses kosmischen Zufalls namens Klose gab es da aber nichts.

Mit der raschen Entwicklung der Özils und Co. konnte damals niemand rechnen. Er selbst hat es wohl auch jetzt erst geschafft, sich zu vergegenwärtigen, welch ein Sturm (und Stürme beinhalten fast immer auch unschönes Wetter, in diesem Falle von den Gutparlierern aber Schlechthandlern Löw und Co. initiiert) über ihn und auch über den Rest Fußballdeutschlands hinweggebraust ist. Davor gab es jahrelang fast nur Stillstand.

Ein Mann wie Oliver Kahn war Michael Ballack, ein Leuchtturm in ganz finsterer Zeit. Ohne die beiden hätte man gar das eine oder andere Turnier verpasst. Statt Kahn hätte man aber auf Lehmann zurückgreifen können. Wer hätte je in all den Jahren Ballack annähernd ersetzen können?

Sicher gäbe es auch viele private oder menschliche Aspekte an Ballack zu beleuchten, die nicht in bestem Licht erstrahlten, wendete man die Scheinwerfer dorthin. Aber als TV-Fußballkonsument ist man bei diesen Dingen nicht anwesend und im Grunde sind sie es auch nicht, die zu beurteilen sind. Die Länderspiele von etwa 2000 bis 2010 hätte man ohne Ballack aber lieber nicht gesehen, waren doch schon so jene — zum Glück! — wenigen ohne sein Zutun oft eher Wackelpudding als Stärkebeilage, trotz Titan im Tor.

Jemanden, der 10 Jahre lang — mit gewissem Abstand an Klinsmann und Sammer anknüpfend — dafür sorgte, dass man überhaupt mit der Nationalmannschaft rechnen konnte, sie nicht gar in die Zweitklassigkeit abstieg, so zu verabschieden, wie es der Fall war, ist nur mit zwei Vokabeln zu bezeichnen. Opportunistisch und stillos.

Gleichwohl er es nicht mal mehr in der Bundesliga gebracht hätte und seinen Abschied ein wenig vermasselt hat: Er sieht jetzt so alt aus, weil er so lange so gut war. Wer ahnt schon, dass da ein Ferrari kommt, wenn die Straße jahrelang überhaupt nicht mehr befahren wurde?

Immerhin, eins hat er dann doch mit einem anderen großen Kapitän der DFB-Elf gemein. Bernard Dietz wurde auch einfach nicht mehr eingeladen. Und der DFB steht wiederum als Meister des Lavierens da. 98 Länderspiele, 42 Tore, gegen die Großen und ja, die wichtigen Tore — zweifelsohne die Bilanz eines Weltklassemanns. Eine Ära geht zu Ende, doch während man bei Kahns Abschiedsspiel noch frei à la SAT1 „eine ganze Nation Danke sagen“ hörte, hört man beim Abschied von Michael Ballack nur wenige, die einstimmen.

Ein Beispiel gibt es allerdings hier, hoffentlich recht vernehmlich.

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Unbekannte Wutreden: Van Gaal flippt in der Kabine aus

Ein wunderschöner, weil 20 Jahre jüngerer Louis van Gaal war damals natürlich noch explosiver, weil jünger.

Als er im UEFA-Cup als Trainer von Ajax Amsterdam bei RW Erfurt antritt, ereignen sich pikante Szenen, die angeblich erst jetzt der Öffentlichkeit bekannt wurden.



Ob man da jetzt noch einen Übersetzer hätte bemühen sollen, bleibt offen.

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Mangos in der Früh

oder:

Ein typischer Tag im Leben eines Standardsituationenübungsverweigerers

Damit man das nicht missversteht. Neid und Missgunst auf jemanden, der für knapp 3,5h Arbeit am Tag Millionen erhält, sollen nicht in diesem Beitrag transportiert werden. So sind die Verhältnisse nun mal. Und ab 60.000 Euro im Jahr wird man ohnehin mit steigendem Einkommen nicht glücklicher. Es ist nur der dezente Hinweis darauf, dass von 15h bis sagen wir mal 20h noch ordentlich Zeit wäre. Und nein, beim Einüben von Standardsituationen muss man sich nicht mal zwangsläufig auf dem Platz befinden und somit auch nicht physisch anstrengen.

Wie sieht ein typischer Tag im Schweinsteiger-Leben aus?
Schweinsteiger: Meistens haben wir um 11.30 Uhr Training. Also stehe ich um 9 Uhr auf und trinke einen Kaffee. Ich frühstücke oft auf dem Bayern-Trainingsgelände: Müsli oder Rühreier, Marmeladenbrot und Obst. Ich liebe Mangos in der Früh. Dann Training. Das ist verbunden mit Aufwärmen, Stretching, Analyse – und nach dem Training gemeinsames Mittagessen mit den Kollegen. Wenn ich fertig bin, gegen 15 Uhr, fahre ich gleich nach Hause oder mit Freunden Kaffee trinken.

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Der Irrglaube vom „Respekt“

Es muss ein für allemal endlich ausgesprochen und noch viel lieber befolgt werden:

Wer nicht jubelt, nachdem er ein Tor erzielt hat, hat seinen Beruf verfehlt. Es sei denn, er jubelt ohnehin nie, so wie es Mario Balotelli zumindest mal untergeschoben wurde. Dieser jubele nicht, sagte er, da er nur seinen Job erledige, wenn er Tore erziele:

Man muss verstehen, dass Mario Balotelli nach Treffern eigentlich nicht jubelt. „Tore sind mein Job – jubelt denn ein Postbote, wenn er einen Brief einschmeißt?“, hat er einmal rhetorisch gefragt.

Hat sich dann aber auch nicht zu 100% daran gehalten, als er gegen Deutschland traf. Geschenkt.

Dann wären da noch die seltenen Situationen, in denen Spieler mit ihrer Mannschaft zurückliegen und nach gelugenem Treffer nicht wie wild durchs Stadion hüpfen, sondern sich sofort den Ball aus dem Netz holen und ihn auf den Mittelpunkt legen. Diese beiden Fälle, per se niemals jubeln oder zu busy mit dem Rückstandaufholen, sind entschuldigt.

Alle anderen sollen gefälligst jubeln, egal, ob es gegen die eigene Oma geht, gegen den früheren E-Jugendverein, gegen die Zockerfreunde von abends oder auch gegen den eigenen Zwillingsbruder. Es ist schließlich nur ein Spiel und der Sinn des Ganzen besteht darin, ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner. Die Zuschauer kommen, weil sie erwarten, dass die Spieler dies ernst nehmen. Insofern ist es kein Zeichen von „Respekt“, wenn ein Spieler nach einem Tor nicht jubelt, sondern von Respektlosigkeit. Dem Zuschauer, vor allem aber dem Spiel selbst gegenüber. Und in letzter Konsequenz auch demjenigen gegenüber, aus dessen vermeintlichem Schutz heraus man nicht jubelt. Anzunehmen, er oder sie könne sich davon beleidigt oder verletzt fühlen, dass jemand so etwas Profanes tut wie ein Tor gegen ihn oder sie zu erzielen. Würde er dann überhaupt antreten?

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Alle FIFA-xx-Cover-Stars

Gerade erst ging ein Ruck durch Deutschland, als Millionen Menschen gleichzeitig ihre Postpakete öffneten, in welchen sie ihre aktuelle Ausgabe der FIFA-xx-Serie von EA Sports erhielten. Andere stiegen zeitgleich in den Keller und fanden die 97er-Version dieser Reihe, welche auch die erste war, die einen real existierenden Star auf dem Cover trug.

Einen kurzen Tweet später.

Merkwürdigerweise ist es die Seite bundesliga.de, die die kompletten Cover zum Durchklicken anbietet. Des Merkens würdig sind dabei vielleicht vor allem die Stars, die sich jeweils darauf befinden. Deshalb hier der Link, aber auch hier die Auflistung:

1997 David Ginola
1998 Andreas Möller
1999 Olaf Thon
2000 Mehmet Scholl
2001 Lothar Matthäus
2002 Gerald Asamoah
2003 Roberto Carlos, Ryan Giggs, Edgar Davids
2004 Alessandro del Piero, Thierry Henry, Ronaldinho
2005 Patrick Vieira, Fernando Morientes, Andrij Schewtschenko
2006 Wayne Rooney, Lukas Podolski, Ronaldinho
2007 Lukas Podolski, Ronaldinho
2008 Miroslav Klose, Ronaldinho
2009 Ronaldinho, Kevin Kuranyi
2010 Bastian Schweinsteiger, Wayne Rooney
2011 Mesut Özil, René Adler
2012 Lukas Podolski, Mats Hummels
2013 Lionel Messi

Offensichtlich gibt es deutsche, aber auch Versionen aus anderen Ländern, hier sind dann wohl nur die Coverstars der deutschen Version aufgelistet. Möglicherweise ist die Zusammenstellung aber auch falsch.

(Alle Angaben wie immer ohne Gewähr und Korrekturen sind willkommen — ich hoffe, das ist selbstverständlich.)

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Auges Abschiedsspiel

Erst genießen, wie Auge tatsächlich in einem Wagen des damaligen Bayernsponsors über die Ehrenrunde gefahren wird. Dabei nach Weißbier und Zigarette verlangt, Beides erhält, Uli Köhler hat ihm eine mitgebracht, und qualmend durchs Olympiastadion gefahren wird.



(Ja, Jörg Dahlmanns gekünsteltes Lachen ist schwer zu ertragen.)

Und dann lauschen, was Auge im Interview in der Kabine zu sagen hat.

(Vorsicht! Der Interviewer ist Reinhold Beckmann, der natürlich dem Anlass entsprechend, ein Großer des deutschen Fußballs beendet seine Karriere, mit belegter Stimme die Fragen stellt. (Allerdings am Ende auch mit einem Weißbier mit Auge anstößt.))

Das Interview ist zünftig. Und zünftig bedeutet in Bayern natürlich, dass man in der Kabine mit dem Weißbier weitermacht.



(Auges einzige Freunde aus dem Fußball sind interessanterweise Ditmar Jakobs, Norbert Nachtweih und Dieter Hoeneß.)

Sowie diesen Beitrag, der den privaten Klaus Augenthaler ins Licht rückt. Schön natürlich das Weißbierglas immer dabei, auch wenn er mit den Kindern am Tisch sitzt.



Der wackere Auge wird heute 55.

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