Was bisher geschah (IV) — Bayrische Verhältnisse in Hamburg kennenlernen

Am Freitag war Blogger-Treffen in Hamburg. Kein #tkhh, sondern eine Einladung von Google Germany stand ins Haus. Dort ging es darum, die Vorteile von Google+ in den schönsten Farben zu malen. Einige Bilder gibt es hier. Google hatte einen erklecklichen Teil der Fußballblogger Deutschlands eingeladen, so dass man dort auf die eine oder andere Größe dieser Nische treffen und mit ein bisschen Glück sogar im Anschluss noch den europäischen Supercup in einer original bayrischen Kneipe namens „Hofbräuhaus“ verfolgen konnte.

Für das folgende Wochenende, welches sehr im Zeichen des passiven Sports stehen würde, hatte ich einen kleinen Leckerbissen zum Lesen vorbereitet, aus mir nicht erklärlichen Gründen aber wohl auf den falschen Knopp gedrückt, so dass er gar nicht online ging. Hobeln, Späne. Bedauerlich war es schon, denn dieser Text, für dessen inhaltliche Korrektheit ich nicht garantieren kann, ist ein echter Schmaus, so man sich für die Thematik der wachsenden Unfairness des Fußballsports in Europa in Bezug auf die Verteilung der Einnahmen interessiert.

Wieso ich diese beiden Absätze zusammen erzähle: Freitag vor der Fahrt den Text geschedulet, am Freitag Nachmittag in Hamburg dann gleich mal zwei der Betreiber dieses Blogs kennengelernt, welches hier Sonntag erscheinen sollte, was heute nachgeholt wird.

„Bayrische Verhältnisse“ [Link leider tot] beleuchtet der Text von „The next Bryk thing“ und man lernt gleich dazu, warum FFP toll klingt, aber nur die Verhältnisse weiter zementieren wird. So man ein wenig Zeit hat, welche man sich allerdings nehmen soll.

Dazu noch die Frage an die Leserschaft: Nutzt hier irgendjemand Google+?

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Neue Lesetermine: Bonn, Nürnberg, Leipzig, Düsseldorf, Frankfurt, Bern, Aachen, Duisburg

Im ersten Halbjahr gastierte mein Leseprogramm „Drama Queens in kurzen Hosen“ bereits in diversen Städten dieser Republik, jetzt geht es in die Herbsttage und die dazugehörige Herbsttour. Wieder 2×45 Minuten plus Halbzeitpause und eventueller Verlängerung.

Die nächsten Termine bis zum Jahresende finden in Bonn, Nürnberg, Leipzig, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Bern, Aachen und Duisburg statt.

Save the date(s) und dann sehen wir uns hoffentlich live vor Ort. Wo die Lesung und nicht zuletzt die After Hour genau stattfinden, das verrät die Übersichts-Seite mit allen Leseterminen.

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Radio FM

Hab mich immer gewundert, warum Felix Magath bei seinen Auftritten in der Bundesliga Werbung fürs Radio macht. Und mich danach gefragt, ob Sven Scheuer auch seine Initialen auf seinem Trainingsanzug trug.

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Liebhaber hat Liebhaber lieb

Selten gibt es das, dass einer auch dann noch frisch und nicht so ranzig wirkt, wenn man ihn schon jahrzehntelang „aussem Fernsehn“ kennt. Wir erinnern uns, dass Tom Theunissen schon die Beiträge zu den Hamborner Löwen komponiert hatte, als diese in der Sendung von Küppersbusch liefen. Heute ist er mal hier, mal da und auch schon mal für Zeigler tätig, unter anderem auch bei sport inside.

Ein wenig macht ja das Gerücht die Runde, ich würde hier ständig nörgeln. Liegt wohl an selektiver Wahrnehmung, denn ganz Vieles gefällt mir auch, was ich dann auch oft genug hier erwähne.

So z. B. die gesamte Machart der Beiträge von Tom Theunissen: Betrachtungsweise des Subjekts, Sprachwitz, Unaufgeregtheit, mit liebevollem, aber nicht distanzlosen Verständnis an die Angelegenheit herangehend (das nennt man wohl Empathie) und nicht zuletzt gleichzeitig informativ und unterhaltsam. Könnte ich Fernsehen über Fußball machen, sähe es vielleicht ungefähr so aus wie bei Tom Theunisssen.

Wer noch dazu Fan von Rot-Weiß Oberhausen ist, kann definitiv kein schlechter Mensch sein.

Gerne hätte ich eigentlich diesen seinen Beitrag über Angstgegner verlinkt — klingt sehr spannend —, doch er existiert aus mir völlig unerklärlichen Gründen dort auf den Seiten nicht mehr.

Deshalb nehm ich heute mal zu Theunissens Ehren den folgenden Beitrag zum MSV Duisburg ins Blog, für Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs produziert, in welchem er als Fußballgott Briefe an den selbigen beantwortet. Ein eher unbekanntes Bonmot von Helmut Rahn ist auch dabei.

Man würde sich ein wenig wünschen, dass es auch „Theunissens wunderbare Welt des Fußballs“ gäbe.



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Zwei Punkte zu Kieß

Die Möglichkeiten zur direkten Kommunikation sind gegeben, doch immer dann, wenn ein Fußballprofi sich nicht völlig stromlinienförmig äußert, wird ihm der Garaus gemacht. Im Fall Stefan Kießling, der sein Statement bei einer dieser Möglichkeiten offensichtlich selbst verfasst hat, stürzen sich einige darauf, dass er eine schlechte Rechtschreibung und Zeichensetzung an den Tag lege. Als würde das hier irgendeine Rolle spielen. Als würde man mit diesen Lästereien nicht genau das verhindern, was sich alle wünschen: keine von Pressefuzzis weiß gewaschenen Statements, sondern authentische.

Schaut man sich genau an, was Stefan Kießling falsch macht, bewegt er sich immer noch auf einem Niveau, mit dem viele Menschen ihr Abitur bestanden. Der „seid/seit“-Fehler und erst recht die „das/dass“-Frage sind doch Klassiker für jedermann und Kommata werden von der großen Mehrheit der Menschen eben nach Gefühl gesetzt. Nur weil man täglich in der Presse das Endprodukt eines Prozesses von Autor, Lektor und Schlussredakteur zu lesen bekommt, sollte man nicht annehmen, dass auch jeder Schreiberling stets einwandfrei zu Werke geht. Wer schon mal in einer Hauptschule Texte korrigiert hat, würde auch über den Text von Kießling nicht so herziehen. Das ist akzeptabel lesbares Deutsch mit ein paar kleineren Fehlern.

Insofern: Schnauze, Ihr Rechtschreibnörgler.

Was rund um diesen Vorgang aber auch — endlich!, warum nicht früher? — ans Tageslicht kam, war ein Gerücht, welches ganz einfach erklärte, wenn es stimmt, wieso Jogi Löw keinen Bock mehr auf Kießling hat, der ja bei der WM 2010 dabei war.

Offenbar wurde ihm aus DFB-Kreisen vorgeworfen, er habe sich bei der WM 2010 nicht mannschaftsdienlich verhalten. Was allerdings geschehen war: In Südafrika war Kießling das fünfte Rad am Wagen, wurde von Löw wenig beachtet – und mit dieser Situation kam Kießling nicht zurecht, ließ die Mundwinkel hängen.

Dafür kann man Verständnis aufbringen. Denn das ist menschlich. Es ist aber genauso unprofessionell, wenn es um ein großes Turnier geht. Und der viel gescholtene Tim Wiese wurde beispielsweise für seine professionelle Haltung als dritter Torwart eines Turniers gelobt. Natürlich mag es auch einfach ein willkommener Grund sein, ein bewusst gestreutes Gerücht, um die eigene Handlung nach außen zu rechtfertigen. Und weiterhin ist Löws Lavieren beim Aussortieren von Spielern vor allem deshalb unerträglich, weil es ja bereits das x-te Mal war.

Sollte das Gerücht stimmen, ist Löws Entscheidung aber nachvollziehbar. Es müssen weiterhin nicht die 23 besten Spieler nominiert werden, sondern die 23, die zusammen das beste Team ergeben. Gerade bei einem Turnier, wo der Lagerkoller leichtes Spiel damit hat, insbesondere nicht aufgestellte Spieler dazu zu überreden, ihm heimlich die Tür zu öffnen.

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Äpfel und Blutgruppen

Würden Sie zu einem Arzt gehen, der nicht weiß, dass es unterschiedliche Blutgruppen gibt? Mit einer kleinen Prellung vielleicht oder einem Husten. Aber bei weiteren Angelegenheiten würden Sie sich doch lieber jemandem anvertrauen, der etwas mehr von seinem Handwerk versteht, nicht wahr?

Bei den Statistiken rund um Fußball gibt es auch solche und solche, bzw. leider im Fußball dann doch hauptsächlich solche. Der Unterschied zwischen rein beschreibender und schließender Statistik wird jedenfalls im Fußball gerne einfach mal unter den Tisch fallen gelassen und so getan, als seien die Informationen aus der Vergangenheit irgendein Fingerzeig für die Zukunft. Das aber wäre nur möglich, wenn die relevanten Bedingungen identisch wären, so wie ein Würfel seine Eigenschaften zwischen den einzelnen Würfen nicht verändert und jede Zahl weiterhin mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftreten lässt.

Im Fußball gibt es aber selbst dann nie identische Verhältnisse bei zwei verschiedenen Partien, wenn man Beschaffenheit des Rasens, Lichtverhältnisse im Stadion, Mannschaftsaufstellung, Zielsetzung, Taktik und Strategie einer Partie, Ziel und Motivation des Gegners und alle weiteren Komponenten, die sich ständig ändern, außer Acht ließe. Denn selbst wenn man zwei Mal die personell gleichen Teams im gleichen Stadion bei gleichem Wetter mit gleicher Motivation antreten ließe, käme ein Faktor hinzu, der für Würfel in keinem relevanten Maße gilt: Die Spieler sind physisch älter geworden.

Das lässt man gerne mal unter den Tisch fallen, wenn man diesen Nonsens an Informationen aus der Vergangenheit zu einer Voraussagemöglichkeit für die Zukunft hochjazzt, welche er schlicht nicht besitzt. Aber dann wäre es eben ein bisschen langweiliger zu lesen und man hätte nicht so viel Aufmerksamkeit für seine hübsch aufbereiteten, aber rein beschreibenden Informationen zur Vergangenheit.

Anlass dieser kleinen Ausführung ist einer dieser Fußball-Statistikanbieter, der in seinen Tweets glaubt, dass jene Ergebnisse, welche völlig andere Spieler gegen völlig andere Gegner zu völlig anderen Zeitpunkten und Verhältnissen irgendwann einmal erreicht haben, eine Aussagekraft dafür besäßen, wie die Chancen des VfB Stuttgart aktuell stehen, nach einer 1:2-Niederlage im Europapokal weiterzukommen. Nämlich, so glaubt man, bei 33%, weil es den Stuttgartern bislang in 2 von 6 Fällen gelang, in solch einer Konstellation noch weiterzukommen.

Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 100% und kein Mensch weiß, wo sie auch nach seriöser Betrachtung zur Zeit liegt, da das kommende Rückspiel auch nicht irgendetwas mit den vorherigen 6 Situationen zu tun hat, in denen der VfB nach einem 1:2 im Rückspiel noch weiterkam. Außer diesen beiden marginalen Umständen: Europapokal, erstes Spiel 1:2 verloren.

Hier zum Originaltweet.

Anders formuliert: Weil ein grünes Auto in 6 Rennen mit unterschiedlichen Fahrern auf unterschiedlichen Strecken in den letzten 30 Jahren 2 mal das Rennen gewinnen konnte, glaubt man dort, dass das nächste Rennen eines grünen Autos mit einem ganz anderen Fahrer, Reifen, Motor, Strecke und Gegnern mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% gewonnen werde.

Das mit den Blutgruppen ist aber auch kompliziert.

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Gretchenfrage — Trend oder Ausreißer?



Noch aussagekräftiger sind die Daten aber dann, wenn man den 3-Jahres-, 5-Jahres- und 10-Jahres-Trend berücksichtigt, was der herzi-allerliebste herzi an dieser Stelle erledigt hat.

Wie er konstatiert: „Trend und Ausreißer“ bei den nicht gewonnenen Spielen.

Die Auswertung nach der selben Machart für die Tordifferenz findet sich an dieser Stelle und auch hier scheint sich in den letzten etwa 5 Jahren ein Trend abzuzeichnen, so dass die Frage auch hier mit Beidem beantwortet werden kann.

[Die Links ware in einer ersten Version kaputt und sind jetzt repariert. Klick lohnt sich.]

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Neu im Sortiment: der Mannschaftsarzt des FC Bayern

Nein, nicht Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth.

Dr. Erich Spannbauer ist sein Name. So sieht er aus, hier im Bild bei der Behandlung von Gerd Müller. Spannbauer war mal Mannschaftsarzt des FC Bayern München.

Das ist der selbe Dr. Erich Spannbauer, dem man den Spitznamen „Spritzenpapst“ gab und der neben weiteren Disziplinen auch die deutsche Biathlonmannschaft betreute. Der Erich Spannbauer, dessen Schützlinge Peter Angerer und Franz Wudy 1987 wegen Dopings gesperrt wurden. Auf jeden Fall ein „Alleinverschulden des Arztes“, behauptete Manfred Donike damals, wie der Spiegel berichtete.

Inzwischen braucht man ja über nichts mehr überrascht zu sein, gerade heute hat Bernd Schuster zugegeben, dass „dir die Ärzte und Physios“ immer „irgendwelche Sachen“ gegeben haben. „Wir haben alle irgendwas genommen.“ Und hat gleichzeitig Doping auch noch verteidigt, wenn es nur zu Zwecken der Wiederherstellung verwendet würde.

Vor Tagen hatte der Holländer Johnny Rep die Einnahme von Amphetaminen zugegeben, gleichzeitig aber auf in den 1970er Jahren vermeintlich zugedröhnte Nationalmannschaften Südamerikas verwiesen. Das Buch der SZ zur WM 1978 deutet Selbiges für die weltmeisterlichen Argentinier an. Die WM 1966 war im Gespräch, die von 1954 sowieso und dann litt der Kaiser zuletzt unter Gedächtnislücken, als er sich an sein Geständnis von der Eigenblutbehandlung nicht erinnern könne wollte und Beckenbauer — für ihn eloquenten Talkgast äußerst ungewöhnlich — ins Stocken geriet, die Maßnahmen in der Nationalmannschaft als Vitaminspritzen — womöglich — verharmloste.

Müßig, jetzt alle Fälle weiteren Fälle hier aufzuführen, von Maradona über Zidane bis zu Neururer, die Liste der Kandidaten ist schließlich endlos lang. Da bietet einen besseren und aktuellen Überblick die Seite „Fußballdoping“, die man stets und aktuell besonders verfolgen sollte. Überraschungen über das „dass“ gibt es ja keine mehr, uns interessiert aber, wer als nächstes dazu beiträgt, den damals offenbar völlig zu Unrecht geschassten Harald Schumacher zu rehabilitieren. Immerhin noch zu Lebzeiten.

Deshalb neu in meiner Blogroll: Fußballdoping.

Dr. Spannbauer ist ein neuer Name (im Fußball), welcher ist der nächste?

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400 Meter gespart

Früher gingen die Medienmenschen auf die Straße vor ihrem Sendegebäude, um ein paar Stimmen von Unbeteiligten, nicht in der Materie steckenden Menschen zu irgendwelchen Themen einzufangen. Der Sinn war schon damals fraglich für den Rezipienten dieses Blähblähs aus der Fußgängerzone.

Oft wollte sich keiner so richtig zeigen, dann musste man neben den 4 Stockwerken runter auf die Straße auch schon mal 200m links und 200m rechts rumstromern, bis man insgesamt sieben Leute befragt hatte, von denen dann zwei oder drei Stimmen in der Sendung Platz fanden, ob nun TV oder Radio. Natürlich völlig unrepräsentativ ausgewählte Leute, noch dazu nur jener Teil der Menschheit, der grundsätzlich bereit ist, vor Kameras und Mikrofonen zu sprechen. Abgesehen davon, dass man eben eine originäre Stimme von der Straße hatte, nun mal ohne jeden Informationsgewinn.

Heute spart man sich die 400 Meter, geht noch unrepräsentativer vor und lässt sich von der allgemeinen grassierenden Witzelsucht in den witzfernsten Sendungen anstecken. Heute liest man Tweets vor, mit einem Mehrwert für den Rezipienten einer Sendung, welcher noch deutlich kürzer als 140 Zeichen ist. „Ach, Schalke!“ war dann heute so ein ausgewähltes Exemplar von Tweet mit immensem Nutzen für die Hörer, geradezu grotesk besser als alles, was den Moderatoren selbst hätte einfallen können, geschweige denn einem professionellen Gagschreiber.

Im Studiosessel isses eben bequemer als auf der Straße. „Ach, Schalke!“ — was haben wir gelacht.

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Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Als Diego Maradona. Definitiv bislang der beste Blogger überhaupt, nie um eine Idee verlegen.

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Mit Manuel Andrack bei Viktoria Köln

Wat is eijentlich eene Viktoria Köln?

Nun, da brauchen wir uns gar nicht dumm zu stellen, sondern lauschen einfach dem Kölner Manuel Andrack, der sich mit der Kamera auf den Weg machte, Viktoria Köln ein bisschen für die Öffentlichkeit zu beleuchten. Man könnte aus dem dabei gepflegten Stil fast ein bisschen Küppersbusch heraushören.



(Bevor sich jetzt jemand wieder echauffiert, dass das alt ist: Isch wahaiß. Die Zeiten, in denen man Harald Schmidt noch gerne lauschte, sind nun mal lange vorbei. Kleiner Tipp: das im Startbildschirm zu sehende Ergebnis ist nicht das Endergebnis.)

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Problemseeker at his best

Der große Menschenführer Frank Rost, der schon bei seinen bisherigen Stationen im Profifußball stets dadurch positiv auffiel, dass er die Teamkollegen zusammenschweißte, ein möglichst günstiges Arbeitsklima schaffte und bei kleineren Probleme auch mal fünfe gerade sein ließ, einfach um des Erfolgs willen, für den man ihn ja eingestellt hatte, hat auch in seinem neuen Tätigkeitsfeld gleich wieder unter Beweis gestellt, dass er weiß, wie man mit Menschen umgehen muss. Der Spiegel kolportiert zumindest folgenden Geniestreich des Teambuildings:

Schon kurz nach Rosts Amtsantritt soll es beim HSV geknirscht haben. Das Klima auf der Geschäftsstelle war unter dem neuen Chef angeblich schnell frostig. Der frühere Fußball-Bundesliga-Torwart soll von den Geschäftsstellenräumen Fotos gemacht, diese rumgeschickt und sich dabei über die Unordnung beklagt haben. Daraufhin soll ein Container bestellt worden sein. Rosts rauer Ton befremdete viele im Club.

Ein schönes Beispiel aus der langen Reihe, dass es nicht immer die Verhältnisse sind, die die Probleme kreieren, sondern die Gehirne der Menschen. Wird Frank Rost wahrscheinlich nicht mehr verstehen, muss er aber auch nicht. Die eigenen Schäfchen sind ja im Trockenen, da kann man die untergebenen Schäfchen gerne mal brüskieren.

Welcher Arbeitgeber möchte Frank Rost als nächstes einstellen?

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Englands schönstes Tor

Ja, es ist ein Trauerspiel mit dem englischen Länderfußball. Einen einzigen Titel hat er zu verzeichnen. Kein einziges weiteres Finale, und nur zwei mickrige Halbfinalteilnahmen. England ist — da beißt die Queen keinen Teebeutel ab — eine Viertelfinalmannschaft, egal ob EM oder WM.

Wenn sie sich überhaupt qualifiziert, that is. Und das ist bekanntlich selten genug.

So kommt es auch, dass der englische Länderfußball ein klein wenig weniger heroische Momente kennt als zum Beispiel der hiesige (sofern man mit erhobenem Haupte auszuscheiden nicht als heroisch anerkennt).

Was gibt es nur für zahllose wichtige und oft auch schöne, sogar viele schön wichtige Tore der deutschen Nationalmannschaft. Und in England?

Das allerwichtigste Tor war bekanntlich nicht mal eins, ist längst durch Fotos bewiesen.

Und sonst fallen einem im Weltfußball auch nicht viele wichtige Tore von England ein.

Diese Tragik wird von diesem unten stehenden Tor unterstrichen, das im Mutterland des Fußballs als eines der besten Tore der englischen Nationalmannschaft überhaupt gilt.

John Barnes erzielte es, durchaus ansehnlich, aber — und hier wird es eben so tragisch, wie der gesamte englische Länderfußball ist — in einem Freundschaftsspiel (!).

Gewiss, der Gegner war nicht irgendwer, es war Brasilien und es spielte die zwischen 1982 und 1986 durchaus faszinierende Combo Brasiliens um den einen oder anderen Großmeister des Fußballs, noch dazu fiel es 1984 im Maracana. Doch, ach, ein Freundschaftsspiel.

Das zum schönsten Tor der deutschen Nationalmannschaft des letzten Jahrhunderts gewählte Tor wurde zwar ebenfalls in einem Freundschaftsspiel erzielt. Aber dann gibt es da noch die vielen schönen und wichtigen Tore. Brehmes Schlenzer 1990 gegen Holland, Bierhoffs Kopfball 1996, der Müllersche Dreher 1974, Hrubeschs zwei Tore 1980, Klaus Fischers Fallrückzieher 1982 gegen Frankreich, Matthäus‘ Solo gegen Jugoslawien und nicht zuletzt der Godfather aller wichtigen Tore überhaupt, Helmut Rahn mit seinem 3:2 gegen die Ungarn.

In England hingegen — feiert man so etwas Profanes wie ein kurzes Solo durch den Strafraum als eines seiner besten Tore.

Und worum ging’s? Um gar nix. Pah!

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Der General macht eben keinen unmenschlichen Druck

Wenn man die beiden Wörter „unmenschlich“ und „Druck“ in einer Kombination liest, weiß man schon seit geraumer Zeit automatisch, um wen es geht. Oliver Kahn natürlich, der auch als Experte im Prinzip nur diese eine Platte kennt. Doch zu Oliver Kahn mehr weiter unten. Zunächst ein Blick auf einen seiner langjährigen Vereinstrainer.

Den „General“ Ottmar Hitzfeld.

Die Wikipedia schreibt, dass man Ottmar Hitzfeld den Beinamen General „wegen seiner sachlichen Art“ verpasst habe. Moment mal: Ein General sollte zwar sicher kühlen Kopfes abwägen, keineswegs zu viel riskieren und immer mit klarem Verstand handeln. Aber sollte er in seinem Auftreten besonders „sachlich“ sein? Ein General, der auf seine Truppe wie ein Orthopäde oder ein Landschaftsgärtner wirkt(, um nicht immer die armen Buchhalter mit diesem Etikett zu strapazieren)? Würde man von einem General nicht eher Eigenschaften wie Entschlossenheit, Zähigkeit, Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt Härte gegen die Umwelt, vor allem die feindliche, sowie seine Untergebenen erwarten?

Härte gegen Untergebene ist allerdings sicher nicht das, was man dem verbindlichen Hitzfeld zuschreiben kann. So berichtet Stefan Wessels im Interview mit 11Freunde:

Stimmt es eigentlich, dass Ottmar Hitzfeld seine Nummer Eins nie kritisiert hat?

Nur sehr selten. Das kann man natürlich kritisch sehen, aber die Menschenführung zeichnete diesen Trainer immer aus. Oli hatte seinen unantastbaren Status, auch innerhalb der Mannschaft. Falls ihm Fehler unterliefen, wurde in den ganzheitlichen Mannschaftssitzungen nie darüber gesprochen. Das hat Hitzfeld sicherlich berechnet, aber die groben Patzer blieben ja eigentlich auch immer aus.

Denkbar wäre es wohl eher, dass man Ottmar Hitzfeld einen „General“ nannte, weil es da diesen Otto Hitzfeld gab, der General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg war und noch dazu aus Schluchsee stammte, also unweit von Ottmar Hitzfelds Heimat Lörrach aufwuchs und sicher dort kein Unbekannter war. Doch dazu ist nichts Genaueres bekannt. Figuren aus dem Zweiten Weltkrieg mögen aus begrüßenswerten Gründen heute kaum noch präsent sein, aber damals waren sie es möglicherweise, siehe auch den Spitznamen von Friedhelm Konietzka, der da nach dem russischen General Timoschenko lautete.

Moderne Menschenführung ist es jedenfalls sicher nicht, so wie Ottmar Hitzfeld, jemanden nie zu kritisieren. Auch wenn man das bei einem der weltbesten Torhüter natürlich für sich so entscheiden kann, ohne dass das grundsätzlich falsch sein müsste. Es wirkt aber eben so, wie man Hitzfeld auch sonst kennen gelernt hat, auch jetzt als TV-Experte: nie anecken, keine harten Äußerungen, keine Straightheit, also kurz gesagt: alles andere als wie ein General.

Kommen wir dann zum Rezipienten dieser Nichtbeachtung, zum mehrfachen Welttorhüter (der IFFHS) Oliver Kahn. Der ständig diesen unmenschlichen und so weiter spürte. Eins wird jetzt jedenfalls klar: Vom Trainer kann er ihn nicht gespürt haben. Im Gegenteil wurde er von diesem fast nie (!) kritisiert. Was für eine unglaubliche Vogelfreiheit er genossen haben muss. Und wie wenig sich Hitzfeld wahrscheinlich überhaupt mit dem Torwartspiel beschäftigt haben wird, wenn er dessen Wirken nie bemängelte. Man kann sich vorstellen, dass es einem auch im negativen Sinne leicht zu Kopf steigt, wenn man ständig als Welttorhüter geehrt, aber nie kritisiert wird, nicht mal vom eigenen Vereinstrainer. Ein Schlaraffenland, welches aber zu Megalomanie verführt, wie dann ja auch mehr oder weniger geschehen.

Während diese Sprach- und Kritiklosigkeit Hitzfelds uns wieder zur Frage bringt, wo eigentlich überhaupt der Druck in solchen Situationen herkommt: Von innen oder von außen? Wie hier gerne zitiert, kannte Wolfgang Kleff als Torwart keinen Druck, sondern sah sich als Helfer in der Not. Wenn der Vordermann einen Fehler gemacht hatte, konnte er als Torwart ihn wieder ausbügeln, so seine Einstellung. Und man denke über all die anderen Torhüter nach, die mit Freude, mit Respekt oder mit Angriffslust ihrem Job nachgehen, aber nie von dem unmenschlichen und so weiter sprechen, weil er für sie nicht in dieser extremen Form existiert.

Ob Hitzfeld, der vielleicht kein General, aber sicher kein schlechter Menschenkenner ist, ahnte, dass man dem ohnehin schon innerlich unter unmenschlichem Druck leidenden Torhüter nicht noch ein Pfefferminzplättchen mehr Druck hätte auferlegen dürfen, ohne dass er geplatzt wäre?

Merkwürdig jedenfalls, dass jemand, der — auch wenn es nur ein gut gepflegtes Image gewesen sein mag, welches als Torhüter nach außen schließlich nicht schaden kann — Härte gegen sich im Training, Härte im Zweikampf mit dem Gegner und Härte gegen eigentlich alles, was so kreucht und fleucht in der Welt, als sein Credo propagierte, vom Trainer mit Samthandschuhen angefasst werden musste. Zur Erklärung dieser fiesen Entrücktheit, die Kahn in vielen Phasen ausstrahlte, trägt es jedenfalls ein Scherflein bei.

Zu einem Bild davon, wie es in einer Kabine unter Hitzfeld zugeht, aber auch. Ob Ottmar Hitzfeld sich auch nicht an Matthias Sammer als seinen Spieler gewagt hat?

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Mailand oder Bremen: Hauptsache England — Aufstellung der „Welt-Auswahl“ bei Uwe Seelers Abschiedsspiel

Allles hat ein Ende, und so weiter. Also auch die Karriere von Uwe Seeler, der am 1. Mai 1972 sein Abschiedsspiel im Volksparkstadion gab und dazu Gegner und Wegbegleiter aus der Zeit seiner langen Karriere einlud.

Für die „Welt-Auswahl“, welche dann leider doch nur eine Europa-Auswahl wurde, traten an jenem Nachmittag an und waren mit 7:3 siegreich:

Banks (Stoke City)
Maier (München)
Gemmel (Nottingham)
Schnellinger (AC Mailand)
Beckenbauer (München)
Moore (England)
Rivera (Mailand)
Bene (Ujpest Dozsa)
Charlton (Manchester)
Müller (München)
Hurst (West Ham)
Best (Manchester)
Meszöly (Budapest)
Höttges (Bremen)
Eusebio (Lissabon)
Dzajic (Belgrad)

Herkunftbezeichnungen so wie vom Fernsehen eingeblendet.

Hier das Plakat fürs Abschiedsspiel, welches offensichtlich unter dem Titel „Tschüß Uwe“ ausgetragen wurde. Helmut Schön verabschiedete Seeler ebenfalls in einem, darf man sagen, nicht gerade leeren Volksparkstadion.

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Weißer Elefant in Watte

Das Green Point Stadium in Kapstadt, seit der WM 2010 ein weißer Elefant, hier in Watte gehüllt. Hoffentlich Watte.

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Nutzlosigkeit nutzen

Während überall die Saisonvorschauen aus den Steckdosen sprießen, wird es hier ebenfalls Zeit, noch schnell eine wichtige Prognose abzugeben. Denn so wie man hier stets komplett falsch lag in den letzten Monaten, wäre es wichtig, mit einer ähnlich falschen Prognose die Dinge für die Zukunft in die richtigen Bahnen zu lenken.

Weder bedeutete die Verpflichtung von Peter Neururer den Abstieg des VfL Bochum aus der 2. Bundesliga, ganz im Gegenteil, 4 Siege aus 4 Spielen elektrisierten eine ganze Stadt, noch scheint der Wiederaufstieg des VfL Bochum unter diesen Verhältnissen ein Ding der Unmöglichkeit.

Weder gelang es Marc-André ter Stegen auch nur entfernt in die Nähe von Leistungen zu gelangen, die eine Ablösung von Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft gerechtfertigt hätten, noch nähert sich Bastian Schweinsteiger in den letzten ein, zwei Jahren der Zahl von 151 Länderspielen entscheidend an.

Prognosen neigen dazu falsch zu sein, besonders, wenn man sie für die Zukunft trifft, sind sie oft nutzlos.

Wenn aber so gar nichts eintrifft, was hier rumgemeint und behauptet wird, darf man a) sich auch nicht mehr über andere falschen Vorhersager erheben und muss b) seiner Pflicht nachkommen, auch für die kommende Saison wieder falsche Voraussagen zu tätigen. Also dann:

Der FC Bayern München wird eine genauso überragende Saison wie im letzten Jahr spielen und mit weitem Abstand vor allen anderen Teams frühzeitig Deutscher Meister werden.

Außerdem im Angebot: Am Ende der Saison wird Jogi Löw das Halbfinale der WM in Brasilien vercoachen und Deutschland wie immer gegen Spanien oder Italien den Kürzeren ziehen.

So, dann strafe man mich bitte Lügen.

Damit wäre der einfache Teil erledigt. Für präzisere falsche Voraussagen bitte an die einzelnen Vereinsblogs wenden, oder an die Experten aus der Fachpresse.

Ach, einen hätten wir noch: Die Champions League wird in dieser Saison von einem der großen Vereine gewonnen werden. Für diese Aussage könnte das Falschliegen in der Realität etwas schwieriger zu bewerkstelligen sein, doch auch dabei sollte man ganz auf die verheerende Wirkung von Prognosen in diesem Blog vertrauen.

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