Grätschen sind aut

Der 4. Juli ist nicht nur der amerikanische Unabhängigkeitstag, sondern laut diverser Quellen auch der Tag der Wiedergeburt der Deutschen, bezogen auf die Anerkennung in der Welt. Von diesem Datum herrührend die Erkenntnis, dass es früher andere Wörter als heute gab. Zum Beispiel:

Spagatschritt.

Ein solcher war es, mit dem Max „Maxl“ Morlock vor 59 Jahren — lebt Horst Eckel noch? — den Ball zum 1:2 gegen Ungarn in die Maschen des ungarischen Tores fabrizierte. Sagte Herbert Zimmermann, „mit einem Spagatschritt“, und der muss es wissen, er war schließlich leibhaftig dabei.

(Siehe dazu auch, sehr wissenswert, im „Blonden Engel“.)

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„Als die Liga laufen lernte“ — die 1960er in Bild und Ton

Falls es jemand nicht mitbekommen hat: Die Bundesliga wird in diesen Tagen 50 Jahre alt. Anlass zu diversen Specials in diversen Medien.

Eine besondere Perle zum Thema hat die Deutsche Welle gerade veröffentlicht. Leider viel zu kurze 26 Minuten, die sich mit den 1960er Jahren der Bundesliga beschäftigen und dabei nicht allein auf den Platz, sondern auch daneben blicken.

Prädikat wertvoll.



Erstgebloggt von allesaussersport.de.

Schöner Nebeneffekt beim Schauen dieses Filmchens: Wer sich Uwe Seeler sympathisch machen möchte, dem sich sonst doch allzu oft allzu kurzsätzig Äußernden, findet hier gute Gelegenheit dazu. Ansonsten viele Spielszenen und O-Töne aus einer Zeit, in der noch nicht jede Partie aus allen Perspektiven aufgezeichnet wurde. Für den Liebhaber ein Muss, für alle anderen ein schönes Bonbon. Und das Beste ist: Die späteren Jahrzehnte sollen auch noch folgen.

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Anforderungen an Profis immer höher

Clemens Tönnies vom FC Schalke 04 erwartet ein Quäntchen mehr von seinen Angestellten aka Fußballspielern. Sie sollen nicht nur gut Fußball spielen, sondern auch noch hellsehen können.

Jeder darf mal einen schwächeren Tag haben, aber dann muss er vorher zum Trainer und das sagen.“

So wird er von der Mitgliederversammlung seines FC Schalke zitiert und man würde gerne ergänzen: Sollten die Spieler nicht auch gleich vorher Bescheid sagen, wenn sie hellsehen, dass sie das nächste Spiel verlieren werden? Sparte Reisekosten.

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Alle Italiener in der Bundesliga

Italien tritt im Rahmen des Confed-Cups gegen Spanien an, eine Partie mit minderer Qualität und minderem Spannungswert. 0:0 nach 120 Minuten. Nur etwas für die ganz hart Gesottenen unter den Taktikliebhabern, wie Stadioncheck richtig feststellt.

Da kann man sich (und seinen Twitter-Followern) schon mal die Frage stellen, welche originären Italiener überhaupt schon mal in der Bundesliga spielten, denn dem Autor fielen gerade mal Rizzitelli und Luca Toni ein.

Eine große Zahl an Antworten und auch eine durchaus deutlich größere Zahl an Italienern, die je in der 1. Bundesliga spielten, stellt sich dann heraus.

Hier die chronologische Liste im Überblick. Wer in Deutschland geboren wurde, aber (auch) einen italienischen Pass besitzt, zählt für diese Liste nicht.

Name Vereine Zeit S T
Ruggiero Rizzitelli FC Bayern München 1996-1998 45 12
Luca Toni FC Bayern München 2007-2010 60 38
Massimo Oddo FC Bayern München 2008-2009 18 0
Cristian Zaccardo VfL Wolfsburg 2008-2009 14 1
Andrea Barzagli VfL Wolfsburg 2008-2011 75 1
Cristian Molinaro VfB Stuttgart 2010- 71 0
Jacopo Sala Hamburger SV 2010- 21 1

Stand 29.6.2013.

Der erste Spieler mit italienischem Pass in der Bundesliga war zwar nicht Ruggiero Rizzitelli, sondern Raffael Tonelli, dieser wurde aber in Mülheim an der Ruhr geboren und wuchs hier auf, zählt also in diesem Sinne als „Fußballdeutscher“ und nicht als Italiener. Mauro Camoranesi ist gebürtiger Argentinier, entdeckte dann später wie so viele Südamerikaner im Fußball noch seine europäischen Wurzeln.

Aber ansonsten gilt natürlich: alles ohne Gewähr und weitere Namen sind immer willkommmen.

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Old school 3D-Videoanalyse

Man sucht ja immer nach Gründen, warum der Fußball früher so viel schlechter war als heute. Ob man’s glaubt oder nicht, es könnte neben der soziokulturell unterschiedlichen Herangehensweisen auch mit dem Handwerkszeug zu tun haben, das zur Verfügung stand.

Hier zum Beispiel eine 3D-Videoanalyse anno 1980.

Falls jemand fragt, wo denn da jetzt die 3D-Videoanalyse ist. Nunja, … das ist sie dann wohl.

Oder hier oder, besonders schön und übersichtlich, hier oder gar eine aus dem Jahr 1934.

Falls also überhaupt Analyse, dann wohl nur aus dem Gedächtnis der eifrigen Zeitungszeichner.

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Peps panische Anspannung

Ob Pep Guardiola nun akzeptabel Deutsch gelernt hat für die Zeit und Mittel, die ihm zur Verfügung standen, ist natürlich nicht abschließend zu beantworten. Sollte er tatsächlich einige seiner Sätze vorher auswendig gelernt haben, dann ist das zwar legitim, allerdings nicht das, was man gemeinhin darunter versteht, eine Sprache zu beherrschen. Dass Guardiola erkannt hat, dass man in New York schlechter Deutsch lernt als in einem Land, in dem Deutsch gesprochen wird, lässt für ihn und die Zukunft aber unbedingt hoffen.

Seltsam angespannt wirkte er aber schon bei seinen ersten Worten auf Deutsch, auf der Pressekonferenz im Münchner Stadion. Das könnte damit zu tun haben, dass man im Hause Hoeneß angeblich schon mal unter Tarif zahlt, wenn jemand Sprachschwierigkeiten hat.

Die Pressekonferenz war also der erste, vielleicht entscheidende Test, wie man Guardiola als Arbeitnehmer nun einsortieren würde. 10 Millionen Euro im Jahr oder vielleicht doch nur 1.380 Euro im Monat?

Verständlich, dass Pep Guardiola ganz schön ins Schwitzen kam und mehr als ein Mal geradezu panisch die Kopfhörer mit der Übersetzung aufzog, um dann einigermaßen erleichtert wieder auf Deutsch antworten zu können.

Denn im Hause Hoeneß sei man bei Sprachschwierigkeiten nicht zimperlich, wird kolportiert:

Während die NGG dem Unternehmen vorwirft, die 290 Beschäftigten mit einem Niedriglohn von 1.380 Euro brutto abzuspeisen, wolle Florian Hoeneß keine Zahlen nennen. Mit einem Lohn dieser Größenordnung habe er aber für „Ungelernte mit Sprachschwierigkeiten überhaupt kein Problem.“ Das sei branchenüblich. Vielmehr trage der Verbraucher die Verantwortung, der immer alles möglichst billig kaufen wolle. Zudem könne der Staat ja entsprechende Mindestlöhne einführen.

(Quelle von 2010).

Der Trainerberuf ist bekanntlich kein (richtiger) Ausbildungsberuf, insofern wäre Pep Guardiola ein Ungelernter mit Sprachschwierigkeiten gewesen. Nach dem halbwegs akzeptabel bewältigten Sprachtest in der Pressekonferenz ist er nur noch ein Ungelernter ohne Sprachschwierigkeiten und darf sicher seine paar Millionen einstreichen. Puh, zum Glück bestanden!

Ganz so nervös hätte Guardiola aber ohnehin nicht sein müssen: 1.380 Euro im Monat reichen doch auch zum Leben. Verhungert ist in der Wurstfabrik jedenfalls noch niemand.

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„Es ist ein Pokal“ — das Logo der EM 2016 in Frankreich

Hm, Fußball also. Ein großes Fußballturnier in der nicht so großen Fußballnation Frankreich, was könnte man da als Logo nehmen?

Vielleicht etwas ohne jeglichen Inhalt? Ja, eine gute Idee. Also abgesehen von dem, was ohnehin klar ist. Die besten Fußballer Europas spielen in Frankreich (die haben eine Nationalflagge in drei Farben) um die Europameisterschaft. Der Gewinner erhält einen Pokal. Dann … nehmen wir doch einfach den Pokal und machen drumherum ein bisschen was in den Farben Frankreichs. Auf dass sich schon im August 2016 niemand mehr an dieses Logo wird erinnern können. Denn das wollen wir ja erreichen, totale Beliebigkeit, in der jeder etwas für sich findet, aber niemand sich an irgendetwas am Logo stören kann.

Also ganz anders als das Logo der WM 2006 und damit wurde wieder einmal bewiesen, dass die Franzosen eben Stil im Blut haben — und die Deutschen, also das Organisationskommitee der WM, da irgendwo einen Freund hatte, der doch auch mal was mit Grafikdesign … und herauskommt etwas, für das die Vokabel Fremdschämen noch zu niedrig gegriffen ist.

Für die EM 2016 also ein großes dickes Nichts. Nichts, was mit dem Turnier, einer Vision, einer Idee, der Kultur des Ausrichterlandes zu tun hätte, so harmlos wie harmlos nur geht. Beliebig und ohne Inhalt. Das aber immerhin so geschickt fabriziert, dass wer möchte, ein lachendes Gesicht im gezeigten EM-Pokal erkennen kann.

Positive Emotionen wecken, nicht anecken. Man könnte sich diese Logos inzwischen sparen, könnte man nicht?

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Sportspiegel-Reportage über Gerd Müllers Abschied vom FC Bayern

Der Sportspiegel drehte 1979 diesen 40-Minüter unter dem gleichnamigen Titel über „Kleines, dickes Müller“ und man muss aus mehreren Gründen ein paar Tränchen verdrücken:

So viel Zeit für die hintergründige Betrachtung eines Fußball-Stars, so wenig Pathos, gar keine alles Authentische niederschreiende Hintergrundmusik und auch keine Schnittvergewaltigungen der Realität.

Vor allem aber so viel Gerd Müller in offenen Worten wie sonst nie (und heute leider schon gar nicht mehr) über Ängste, Selbstvertrauen, Gegenspieler zu jenen Zeiten und auch seine Trauer, wie er nur noch als Zuschauer Ende 1979 im Olympiastadion sitzend seinen früheren Kameraden beim Spiel zuschaut.

Gerd Müller, wie man ihn nicht kannte — und Sportjournalismus, wie man ihn sich wenigstens ein bisschen mehr wünscht.



Zuerst geteilt vom umtriebigen Scudetto.

Achja, und Franz-Josef Strauß kommt auch drin vor. Und in Nördlingen, Müllers Heimatstadt in Bayern, spricht man Schwäbisch. Der Müller Gerd selbst hingegen quasi kein Englisch, dafür angenehm viel übers Fußballspielen; zudem ist eine schöne Studie über die kulturellen Eigenarten jener Zeit zu erleben.

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Dekompositions-Häppchen am Abend

Hey, natürlich ist das hier alles immer nur Sammeln aus zweiter Hand. Eine Zeitung ist es hier nicht. Nur ein Blog.

Aber ich glaube, man würde zustimmen, wenn man sagt, dass es wenig Anlass gibt, grundsätzlich an der Aufrichtigkeit der FAZ (im Sportteil jedenfalls) zu zweifeln, oder?

Heute jedenfalls ein neues Häppchen zur Dekomposition zum vermeintlich großen Meister im deutschen Fußball, dem Heiland, dem mehrfachen U-Europameister und natürlich Triple-Sieger, alles allein durch seine Blut-Schweiss-und-Tränen-Reden und den nie nachlassend eingeforderten Ehrgeiz bewirkt.

Gefunden von Calli Camp in den Kommentaren, blicken wir doch gerne darauf, ob nach den folgenden Zeilen überhaupt noch etwas zum Dekompositionieren übrig ist:

„Wären in dieser Zeit Spielstrukturen geschaffen worden, sähe man das noch heute auf dem Platz. Es ist auch kein Geheimnis, dass Nachfolger Dutt in ziemlich leere Aktenordner blickte, als er nach solchen Strukturen suchte. Außer ein paar Hochglanzbroschüren mit knackigen Überschriften fand sich da offenbar nicht viel.“

Und weiter geht es auch mit diesen Worten:

„Selbst Förderer und Unterstützer von Sammer im DFB zeigen sich mittlerweile ’sehr enttäuscht‘, wenn es um die Nachhaltigkeit seines Wirkens auf dieser Ebene geht.“

Alles in der FAZ: Deutschland – null Punkte! gefunden. Wer gerne am Mythos festhalten möchte, dass Matthias Sammer der den Fußball verstehende Heilsbringer ist, für den sind, das soll ja nicht verschwiegen werden, auch ein paar Brosamen im Text enthalten:

„Tatsächlich hat sich einiges in der Nachwuchsarbeit getan. Die Professionalisierung der Teams hat sich nicht zuletzt dank Sammer deutlich verbessert. Personal ist auf allen Ebenen hinzu gekommen.“

„Sehr enttäuscht“ kann man allerdings auch nur dann sein, wenn man Matthias Sammer bei Installierung gar nicht gefragt hat, was dieser denn wohl so zu tun gedenkt, wenn dann am Ende fast nichts bei herauskommt. Insofern ist die Enttäuschung zwar verständlich, wäre genauso aber auch vermeidbar gewesen.

(Weitergeführt von den „Dekompositions-Häppchen am Morgen“.)

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Das älteste Fußball-Stadion der Welt

Gemeinhin gilt der Hampden Park im schottischen Glasgow als das älteste Stadion der Welt. Leserinnen und Leser von Trainer Baade wissen es ab heute besser. Im französischen Örtchen Autun im Depertament Saône-et-Loire im Burgund spielt der lokale Fußballklub seine Spieler in einem Stadion, naja, auf einem Fußballplatz, der von einem alten römischen Amphitheater gesäumt ist, womit seine Tribünen ungefähr 2000 Jahre alt sein dürften und dadurch einiges älter als das am 9. Juni 1867 eröffnete Stadion Hampden Park.

So sieht es dann aus, wenn man in Autun Fußball spielt, der Platz im Hintergrund rechts, vorne das Amphitheater, welches offensichtlich auch für profane Veranstaltungen wie Musikkonzerte genutzt wird. Da darf man annehmen, dass man sich auch bei Fußballspielen auf die Jahrtausende (zwei, um genau zu sein) alten Steintribünen des Amphitheaters von Autun setzen darf. Womit es das älteste Fußballstadion der Welt sein dürfte, wenn auch nicht zu diesem Zweck errichtet. Oder weiß jemand von einem noch älteren Stadion, in welchem heute dieser neumodische Fußball gespielt wird? Älter als das Stadion aka Amphitheater des Football Club Autonios?

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„Macht, Moneten, Marionetten“ von @jensweinreich jetzt schon kaufen

Man wird unweigerlich älter und altert zusammen mit seinem Blog und dessen Inhalten. Wie @artus69 am Freitag feststellte, war das 1:0 der deutschen Nationalmannschaft über Polen an jenem Tag bereits 7 Jahre her. Begonnen wurde dieses Blog durchaus aus der Perspektive des Fanboys, der sich zwar der Machenschaften der FIFA bewusst ist (immerhin gab es von Anfang an die Kategorie „Neues von der Diktatur“), aber doch hauptsächlich zuschaut, um den WM-Titel als Fan zu erleben, mit hier und da ein bisschen Geplänkel über Stilblüten in den Medien oder die Show bei der Gruppenauslosung zur WM 2006.

Im Laufe der Jahre wandelt man sich aber und auch wenn die Inhalte hier selten aus journalistischer Recherche-Arbeit bestehen, kann man immer seltener die Augen davor verschließen, dass der Unterhaltungsbetrieb Fußball in erster Linie ein Geschäft bedeutet. Durchaus eines mit vielen Emotionen, aber eben ein Geschäft. Das war er früher zwar auch schon, aber die Dimensionen haben sich potenziert und zudem kann man vom gerade erst Fanboy Gewordenen keine kritische Distanz einfordern. Sicher aber von jemandem, der schon länger zuschaut. Und so mag ich am Schalker Königsblog ebenso wie — insbesondere in diesen Tagen — beim MSV-Duisburg-Blog Zebrastreifenblog ihre Haltung, die zwar von großer Leidenschaft für den jeweiligen Verein geprägt ist, aber eben eine gesunde Entfernung zu den Handelnden beibehält und ihnen gerne unverhohlen auf die Finger klopft. In diesen Tagen auch mit zunehmender Reichweite und Einfluss auf die am jeweiligen Verein Interessierten.

Für die Verbände fehlen derartige Blogger naturgemäß, wer wird schon Fan von DFB, UEFA oder FIFA? Zwar hat Andreas Rüttenauer, nicht zugelassener Gegenkandidat bei Niersbachs Wahl zum DFB-Präsidenten, das DFB-Watchblog aufgemacht, doch ist ein solches über die UEFA nicht bekannt. Und für die FIFA, den harten Job, diese mehr als kritisch zu begleiten, wo Gelder in private Taschen fließen, Entwicklungsländern Weiße Elefanten in Form von Stadien abgepresst werden, welche nach 3 Vorrundenspielen niemand mehr benötigt geschweige denn unterhalten werden können, wo Ränkespiele und Intrigen den Fußball so geschickt auspressen, dass es die meisten Fußballfans nicht mal mitbekommen, dafür gibt es einen Leuchtturm in der deutschen Sportmedienlandschaft, den wohl die meisten Blogleser hier kennen dürften: Jens Weinreich.

Er beobachtet auch die Sportfunktionäre anderer Sportarten, aktuell plant er ein Buch zur bevorstehenden Wahl des neuen IOC-Präsidenten, bei welcher Thomas Bach beste Chancen eingeräumt werden. Und auch wenn das IOC vielleicht einen halben Schritt weiter sein könnte als die FIFA, was innere Kontrolle angeht, wird dort extrem viel zu berichten sein. Dubiose Netzwerke, die ihren Ursprung teilweise in den Machenschaften jenes Horst Dasslers besitzen, dessen Unternehmen adidas heute einen Großteil des Sportartikelmarkts beherrscht, welcher so hervorragend bei Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften in aller Welt beworben wird.

Um das Buch zur Begleitung dieser Wahl zu erstellen, versucht Jens Weinreich zum ersten Mal eine Vorfinanzierung des Projekts durch seine Leser, durch die Crowd im Internetz, also durch uns alle. Passenderweise wendet er sich mit diesem Plan an eine Unternehmung mit dem Namen „Krautreporter“, die sich zur Aufgabe gemacht hat, unabhängigen Journalismus zu finanzieren. Eigenbeschreibung:

Entdecke und ermögliche unabhängigen Journalismus – Krautreporter ist eine neue Finanzierungs-Plattform für journalistische Projekte.

Jens Weinreichs kommendes Buch kann man unter Macht, Moneten, Marionetten mitfinanzieren. Ein schickes Video erklärt, worum es gehen wird, mehr dazu auch in seinem Blogbeitrag. Dass die Hälfte der benötigten Summe bereits erreicht ist, lässt hoffen, dass Krautreporter bzw. alle, die sich dort beteiligen, Jens Weinreich die Möglichkeit geben wird, ein unabhängig finanziertes Buch über die Machenschaften beim IOC zu erstellen. Und das gilt es schließlich zu unterstützen: echter, kritischer Journalismus in einem Metier, wo sich Vieles außerhalb jeglicher seriöser Kontrolle bewegt. Auch im Fußball, und damit eben in jenem Bereich, in dem wir alle einst mal Fanboys waren, aber lange ernüchtert und erwachsen wurden.

Geht’s hin und kauft Jens Weinreichs IOC-Buch schon heute, auf dass es entstehen wird. Denn das ist der Knackpunkt beim Krautreporter: Es geht nicht um Spenden, sondern darum, das Produkt jetzt schon zu bezahlen, um es später in den Händen halten zu können.

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Dein Bundesliga-Moment

Ja, „Dein Bundesliga-Moment“ aus 50 Jahren ist gefragt.

Damit sind wir dann endgültig im profanenen Wald- und Wiesenjournalismus angelangt. Die Verknüpfung von den Leserinnen und Lesern, den Fans, den Liebhabern mit ihrem Objekt der Liebe, ganz nach dem Motto „Wo waren Sie, als Michael Kutzop den Ball an den Pfosten schoss?“ — „Ich brutzelte mir gerade eine Currywurst, weil ich nach dem vielen Bier vor dem TV Hunger bekommen hatte, die Currywurst dampfte und vernebelte die Sicht auf das TV-Gerät, aber an der Art des Aufschreis meiner Frau konnte ich erkennen, dass etwas sehr Dramatisches passiert sein musste.“ — „Vielen Dank Herr Budenbender aus Bergisch Gladbach.“ wollen wir auch hier heute verfahren, bzw. das gestern bei Twitter begonnenen Spielchen fortführen.

Was war Dein Bundesliga-Moment* in 50 Jahren Existenz dieses Unterhaltungsbetriebs?

(Oder zwei oder drei Momente, ganz wie Belieben.)

Meiner war definitiv der von Jean-Marie Pfaff gehaltene, von Manfred Kaltz getretene Elfmeter in der 96. Minute beim 2:2 des FC Bayern gegen den Hamburger SV, aber auch das schöne Spiel BVB gegen Bayern mit den zig Gelben und Roten Karten, in jenen Jahren, als an vorderster Front ein gewisser Stefan Effenberg Fußball zum Kampfsport fehluminterpretierte. Und das 6:0 des VfL Bochum gegen den FC St. Pauli bei strahlendem Sonnenschein und damit (ich glaube) den Einzug in den UEFA-Pokal festmachend war ebenfalls toll.

Gestern haben schon einige mitgemacht und ihre Momente der Bundesligageschichte genannt, ich habe mir erlaubt, diese in die Kommentare zu legen oder stellen, natürlich Vieles dabei, was jeder kennt, aber nicht ad hoc erinnert, wie zum Beispiel … ach, seht und antwortet selbst.

* Kann auch ein gesamtes Spiel, eine Anekdote aus dem Zuschauerbereich oder ein einzelnes Tor, Foul, Spielabbruch, Grätsche oder Münzwurf sein, wie auch immer.

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Blonder Pop, gerne ein bisschen verrückt

Zur Einleitung sei erinnert, dass in der spanischsprachigen Fußballwelt eine noch größere Variabilität bei den vergebenen Spitznamen von Aktiven des Sports — Trainer oder Spieler — herrscht als hierzulande. Alle, welche nicht zufällig „el pibe de oro“ genannt werden, das ist allerdings nur einer, tauft man zwischen Feuerland und kurz vorm Baskenland nämlich „el loco“, was so viel bedeutet wie „der Verrückte“. Die Verrücktheit der so Bezeichneten besteht dann oftmals darin, dass sie so etwas Verrücktes tun wie sich für ihre Arbeit als Trainer oder Spieler über 90 Minuten Training am Tag hinaus begeistern zu können. Dass sie mit dem Bus zum Training fahren oder mehr als zwei Bücher gelesen haben. Crazy! El pibe de oro (der eine) oder el loco (alle anderen).

In Deutschland ist man ähnlich kreativ, wenn auch noch „einen Tick“ (Völler), „ein Stück weit“ (Niersbach) mehr als in den spanischsprachigen Ländern. Hier nennt man Spieler im typisch teutonischen Wunsch nach einem Leitwolf gerne einen „Capitano“. Heute Michael Ballack, gestern bekanntlich Lothar Matthäus, morgen sicher jemanden wie Mesut Özil, der schließlich schon in Spanien spielt, was aus typisch teutonischer Sicht irgendwie das Gleiche ist wie Italien. Und dass man sich für Özil mal einen türkisch geprägten Beinamen einfallen ließe, darf man überall erwarten, nicht aber in Fußballdeutschland.

Kommen wir zum zweiten denkbaren Beinamen, der in Fußballdeutschland zu vergeben ist. Nicht jeder kann schließlich ein Capitano sein, per DFB-Regeln in aller Regel ohnehin nur einer pro Team. Spanien el loco, Deutschland Capitano und: der Blonde Engel. Das, so weiß nicht allein der Kenner, ist Bernd Schuster.

Nun zu etwas nicht völlig Anderem. Der Tagesspiegel wählt für sich gerade eine Elf der 50 Saisons Bundesliga. Mit dabei sind so Spieler wie der Capitano, also beide Capitanos, Ballack/Matthäus, aber auch der Blonde Engel. Wie kommt das? Hat Bernd Schuster nicht nur anderthalb Saisons in der Bundesliga gespielt und entfleuchte dann auf ewig ins Land der el locos? Barça, Real, Atletico? Nein, hat er nicht, er war ja auch noch einige Jährchen als mittleres Missverständnis bei Bayer Leverkusen aktiv. Der Blonde Engel aus Augsburg. Und zum besten Spielgestalter der Bundesliga wählte man Günter Netzer, der „Erste Popstar des Fußballs“.

Eine kleine Laudatio hat man ihm dann auch gegönnt. Was man aber tatsächlich über Günter Netzer lernen könnte, wenn man denn wollte, ist nicht das, was der Tagesspiegel über ihn an Anekdötchen kredenzt. Gut, es mag tatsächlich noch genau eine Person rund um Berlin geben, die noch nichts von den Fakten „Lovers Lane“, Gladbacher Stadionzeitung und Händler von Fußball-TV-Rechten in Günter Netzers Vita gehört hat. Für genau diese eine Person (evtl. „el loco“ genannt) lohnte es sich natürlich, das noch einmal aufzuschreiben. Dass Netzer sich damals im Pokalfinale selbst einwechselte, wird aber selbst diese eine fußballfernere Person in Berlin schon einmal gehört&8230; zzz.

Dabei wäre doch eine Abweichung vom ewig selben Wiedergekäuten gerade aus Anlass eines solch besonderen Jubiläums und jenes Specials des Tagesspiegels willkommen gewesen. Wir hätten erfahren können, dass Günter Netzer nicht nur eine Diskothek betrieb, sondern auch ein Restaurant namens „La Lacque“. Dass er sich dazu auch als Taxi-Unternehmer (!) in Mönchengladbach versuchte. Dass alle drei Unternehmungen finanziell scheiterten und er sie wieder aufgeben musste. Einzig die Sache mit der Stadionzeitung florierte ein wenig.

Das wäre mal zumindest für Spätgeborene Neues gewesen, und wir hätten sogar erfahren können, dass man Günter Netzer in seiner Zeit bei Real Madrid einen Spitznamen verpasste, den nicht nur hiesige Blogger für eindeutig an Bernd Schuster gekoppelt hielten. In Madrid nannte man Netzer den „Blonden Engel“, wenn auch mit dem Zusatz „mit den großen Füßen“, wohl zur Unterscheidung von eventuell später kommenden „Blonden Engeln“, wie es sicher auch diverse el locos mit diversen Zusatzeigenschaften gibt.

Oder dass Netzer eine Meinung zum Thema „Stallgeruch“ in der Bundesliga hatte, welche im Jahre 1978, man höre und staune, als äußerst progressiv galt:

„‚Wie in England, in Italien oder Spanien sollten auch in Deutschland nur ehemalige Fußballer in Fußballvereinen Manager werden‘, erklärt Fachmann Netzer nun.“

Der Kaufmann Dr. Krohn wurde beim Hamburger SV wegen Fußballahnungslosigkeit aus dem Amt entfernt, und durch einen Ex-Fußballer ersetzt; eine Wendung der Fahrtrichtung in der Bundesliga, an der bis heute so mancher Verein schwer zu schaffen hat.

Wir hätten auch, das alles im Text vom Spiegel von 1978, „Pop und Pep“, lange bevor es Letzteren übrigens als Person im deutschen Fußball gab, erfahren, dass Günter Netzer neben der viel zitierten Lovers Lane auch noch eine Versicherungs-Agentur und einen Sportartikel-Großhandel betrieb sowie seinen Namen auf Fußballprodukten an Puma vermarktete, neben den schon erwähnten Ästen Taxi-Unternehmen, Restaurant, Discothek, Stadionzeitschriftsbetreiber und nicht zuletzt späterem Rechtehändler. Dass Netzer, sicher wohlweislich heute gerne unter Verschluss gehalten, Sohn eines Samenhändlers ist, ist nun auch nicht gänzlich uninteressant.

Es muss allerdings einen Grund geben, warum man sich immer auf Lovers Lane, Selbsteinwechslung und TV-Experten Netzer beschränkt, wenn man über ihn spricht. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass Kreativität im Fußball (Capitano, Blonder Engel, el loco) nicht nur bei den Aktiven in weniger als handelsüblichen Dosen existiert, sondern auch bei jenen, die drüber schreiben. Denn den Artikel vom Spiegel zu finden, dafür hätte man einfach nur googlen müssen (hier war er auf Platz 2) und schon hätte man seine Leser nicht derart langweilen müssen.

La Lacque, Taxi fahr’n mit Jünter und Großhändler von Fußbällen. Mehrfach gescheiterter Unternehmer.

Natürlich liegt auch das kaum über Anekdotenniveau, aber eben den Horizont erweiternd, wie die 50 Jahre Bundesliga tatsächlich von den Handelnden gestaltet wurden, und nicht allein dem ewig gleichen Narrativ folgend. So könnte es sein, dass dieses Narrativ allein aus Bequemlichkeit tradiert wird, dass es sich zu einer Art Mem in Bezug auf manche Personen entwickelt hat, welches durch ständige Wiederholung zur einzig wahren Interpretation dieser Handelnden mutierte, oder dass menschliche Gehirne per se einfach so funktionieren, dass man Etiketten verteilt, die dann auf ewig haften bleiben und nicht mehr hinterfragt werden (müssen), wobei die letzten beiden Erklärungsansätze mehr oder weniger inhaltlich das Selbe bedeuten.

Selbst die im Fußball in so geringer Zahl vorhandenen Spitznamen leben länger als jene, welche sie tragen, sie überdauern ihre Besitzer, nach etwa einem Jahrzehnt ist ein Spitzname wieder frei und kann an jemand anderen vergeben werden. Die so Titulierten müssen oder je nach gusto dürfen dann mit all den zugehörigen Eigenschaften kokettieren, ohne dass sie sie je in realiter besessen haben müssen.

Aus der selben Kategorie stammt wohl, dass Pop und Pep zwei Vokabeln sind, die uns offensichtlich schon seit 1978 immer wieder begegnen. Gotik nicht, Gothic schon gar nicht, Romantik nicht, Impressionismus nicht, es muss immer Pop sein.

Am liebsten Blonder Pop, gerne ein bisschen verrückt.

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Deutscher Meister: Fortuna Düsseldorf

Das war sie tatsächlich mal, Deutscher Meister, die Fortuna aus Düsseldorf. Allerdings ist das heute auf den Tag genau 80 Jahre her. Und weil dieses Ereignis noch dazu so singulär blieb, musste man sich einen Zeitungsartikel von damals gleich einrahmen und ins Museum in die eigene Kneipe hängen.

Verständlich, liebe Fortunen, denn im Original werdet Ihr diese Schlagzeile nicht mehr am Zeitungskiosk erblicken.*

Gesehen (und gefeiert) von Check von hinten, welcher bekanntlich in dieser Stadt des deutschen Meisters von 1933 beheimatet ist.

* Was nicht bedeutet, dass Fortuna Düsseldorf nie wieder Deutscher Meister werden wird, sondern dass das Ableben der klassischen, papiernen Zeitung respektive von Zeitungskiosken schneller eintreten wird als die nächste deutsche Meisterschaft der Fortunen. Aber das ist ein anderes Thema.

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Zwei große Talente (des amerikanischen Fußballs)

Bitte mit der amerikanischen Akzent vorgaukelnden Stimme von Ben Wett im Kopf lesen. Denn heute gibt es Nachricht aus den USA.

Kennen Sie die hobbymäßige Fußballerin Marilyn Lange? Nein? Sollten Sie aber. Sie ist die erste Frau, die in der nordamerikanischen, längst versunkenen NASL gedraftet wurde, wie Sports Illustrated unter „Remembering the NASL draft“ erzählt. Für die Liga der Männer wohlgemerkt.

Es gibt zwar noch ein, zwei andere Gründe als ihr Interesse für Soccer, warum man Marilyn Lange kennen könnte, hier geht es bekanntlich aber immer um Fußball. So spielte die Holde damals selbst gerne in ihrer Wahlheimat Hawaii jenen Soccer, den auch die NASL betrieb. Woraufhin sie Eingang in den Pool der zu draftenden Spieler und in dem Fall Spielerinnen des Drafts des Jahres 1976 erhielt. Zwar war die Aktion nur ein Marketinggag, denn zum Einsatz kam sie für Chicago Sting nie. Weil sie aber so erfolgreich Promo für die gesamte NASL und ihre Chicago Sting machte, folgten noch im selben Draft die Tampa Bay Rowdies mit dem Draft der Frau B.J. Woodward, welche allerdings ebenfalls nie zum Einsatz kam.

Eine junge Frau in der nordamerikanischen Soccer-Liga. Einmal mehr unterstreicht der Draft von Marilyn Lange, dass man in Amerika schon wusste, wie Show machen geht, als hierzulande im Stadion noch die Polizeikapellen in Uniform getragene Hymnen oder im Wortsinne Märsche als Unterhaltung der Zuschauer bliesen.

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Bela vs Beckmann

Gerade geht das Transkript der Kommentatorenleistung von good old Béla Réthy beim Champions-League-Finale durchs Blogosquarium.

Ein alter Hut, möchte man da anmerken.

Von der Partie Brasilien — Kroatien bei der WM 2006 liegt hier schon länger das Transkript von Reinhold Beckmanns damaliger Kommentatorenleistung herum. Zugegebenermaßen nicht so nett aufbereitet. Aber getz mal ehrlich: Liest sich solche Transkripte irgendjemand auch nur ansatzweise durch? Okay, Beckmanns Spruch über (den wahren) Ronaldo ist ganz gelungen, aber sonst?

Beckmann bei der Arbeit Teil 1

Beckmann bei der Arbeit Teil 2

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Dekompositions-Häppchen am Morgen

Nur für den Fall, dass es nicht aufgefallen sein sollte, im Zuge dieses Anliegens:

Während viele Stimmen unbegründeterweise Matthias Sammer, dem geschiedenen DFB-Sportdirektoren, die Verantwortung für die Titel der U-Mannschaften zuschreiben, hält Matthias Sammer selbst jemanden, der sich auf diesen Posten begibt, für einen „Idioten“, wenn auch einen guten.

Der Tagesspiegel behauptet, Sammer verließ den DFB, „weil der Job ihn wegen zu geringer Einflussmöglichkeiten langweilte“.

Sein Einfluss war ihm selbst zu gering.

Derartige Infos werden langsam, aber fröhlich zusammengetragen und dann wird irgendwann ebenso fromm dekompostiert, äh, dekompositioniert.

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