1. August 2013
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Mailand oder Bremen: Hauptsache England — Aufstellung der „Welt-Auswahl“ bei Uwe Seelers Abschiedsspiel

Allles hat ein Ende, und so weiter. Also auch die Karriere von Uwe Seeler, der am 1. Mai 1972 sein Abschiedsspiel im Volksparkstadion gab und dazu Gegner und Wegbegleiter aus der Zeit seiner langen Karriere einlud.

Für die „Welt-Auswahl“, welche dann leider doch nur eine Europa-Auswahl wurde, traten an jenem Nachmittag an und waren mit 7:3 siegreich:

Banks (Stoke City)
Maier (München)
Gemmel (Nottingham)
Schnellinger (AC Mailand)
Beckenbauer (München)
Moore (England)
Rivera (Mailand)
Bene (Ujpest Dozsa)
Charlton (Manchester)
Müller (München)
Hurst (West Ham)
Best (Manchester)
Meszöly (Budapest)
Höttges (Bremen)
Eusebio (Lissabon)
Dzajic (Belgrad)

Herkunftbezeichnungen so wie vom Fernsehen eingeblendet.

Hier das Plakat fürs Abschiedsspiel, welches offensichtlich unter dem Titel „Tschüß Uwe“ ausgetragen wurde. Helmut Schön verabschiedete Seeler ebenfalls in einem, darf man sagen, nicht gerade leeren Volksparkstadion.

31. Juli 2013
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Nutzlosigkeit nutzen

Während überall die Saisonvorschauen aus den Steckdosen sprießen, wird es hier ebenfalls Zeit, noch schnell eine wichtige Prognose abzugeben. Denn so wie man hier stets komplett falsch lag in den letzten Monaten, wäre es wichtig, mit einer ähnlich falschen Prognose die Dinge für die Zukunft in die richtigen Bahnen zu lenken.

Weder bedeutete die Verpflichtung von Peter Neururer den Abstieg des VfL Bochum aus der 2. Bundesliga, ganz im Gegenteil, 4 Siege aus 4 Spielen elektrisierten eine ganze Stadt, noch scheint der Wiederaufstieg des VfL Bochum unter diesen Verhältnissen ein Ding der Unmöglichkeit.

Weder gelang es Marc-André ter Stegen auch nur entfernt in die Nähe von Leistungen zu gelangen, die eine Ablösung von Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft gerechtfertigt hätten, noch nähert sich Bastian Schweinsteiger in den letzten ein, zwei Jahren der Zahl von 151 Länderspielen entscheidend an.

Prognosen neigen dazu falsch zu sein, besonders, wenn man sie für die Zukunft trifft, sind sie oft nutzlos.

Wenn aber so gar nichts eintrifft, was hier rumgemeint und behauptet wird, darf man a) sich auch nicht mehr über andere falschen Vorhersager erheben und muss b) seiner Pflicht nachkommen, auch für die kommende Saison wieder falsche Voraussagen zu tätigen. Also dann:

Der FC Bayern München wird eine genauso überragende Saison wie im letzten Jahr spielen und mit weitem Abstand vor allen anderen Teams frühzeitig Deutscher Meister werden.

Außerdem im Angebot: Am Ende der Saison wird Jogi Löw das Halbfinale der WM in Brasilien vercoachen und Deutschland wie immer gegen Spanien oder Italien den Kürzeren ziehen.

So, dann strafe man mich bitte Lügen.

Damit wäre der einfache Teil erledigt. Für präzisere falsche Voraussagen bitte an die einzelnen Vereinsblogs wenden, oder an die Experten aus der Fachpresse.

Ach, einen hätten wir noch: Die Champions League wird in dieser Saison von einem der großen Vereine gewonnen werden. Für diese Aussage könnte das Falschliegen in der Realität etwas schwieriger zu bewerkstelligen sein, doch auch dabei sollte man ganz auf die verheerende Wirkung von Prognosen in diesem Blog vertrauen.

30. Juli 2013
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Zurück vom DerSamstag!—Sommerfest

Am Wochenende herrschte hier ein bisschen Ruhe, denn ich war auf ein Sommerfest eingeladen, kurz vor der polnischen Grenze. Da ich mit der Draisine anreiste, musste ich früher los als sonst. Auf dem Sommerfest erwartete mich eine ganz spezielle Aktivität, die man so von einem Fußballtrainer nicht unbedingt erwartet hätte.

Ein Lama-Rennen auf dem Sommerfest von DerSamstag!.

Ein außergewöhnlicher Ablauf, der bei einer außergewöhnlichen Zeitschrift, wie es DerSamstag! nun mal ist, nicht anders zu erwarten war.

Aber lest die Geschichte von 23, Maradona und den Lamas selbst …

27. Juli 2013
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Design des neuen WM-Balls 2014 steht fest

Oder auch nicht? Eine einzige Meldung findet sich im deutschsprachigen Netz zu diesem Thema.

Wieder einer dieser beliebten Fakes?

Dass der WM-Ball 2014 „brazuca“ heißt, was für brasilianische Lebensfreude stehen soll, ist schon länger bekannt. Das Geheimnis um das Design soll allerdings eigentlich erst am 6. Dezember bei der Gruppenauslosung zur WM 2014 gelüftet werden.

Dieser Beitrag im „Express“ weiß aber angeblich schon, wie der WM-Ball 2014 aussieht. Und wenn man hier auch gerne spottet — da fehlen doch die Worte. Was wäre das für eine Katastrophe in schwarz-grün-rot-gemischt? Kann nur ein Fake sein, mit solch einem Design würde der prominente Ballhersteller doch nicht ins Rennen um Käufer auf dem Weltmarkt gehen wollen — wenn die Farben Brasiliens ganz andere Vermittlung von Lebendigkeit und Leichtigkeit ermöglichten. Liegt ja immer im Auge des Betrachters, aber dieses Etwas läge schon sehr schwer im Auge des Betrachters.

23. Juli 2013
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Es waren viele Sachverhalte im Spiel

„Emotionen“, schön und gut. Welche Emotion genau, bitte?

Ein Spiel war „emotional“, spricht man gerne im Fußballdeutsch, aber in welcher Richtung emotional?

Wenn man einen Sachverhalt beschreiben will, wird man sich nicht damit begnügen, ihn als Sachverhalt zu deklarieren.

Man würde schon genauer wissen wollen, was denn nun vorgefallen ist.

Ansonsten wird der Rezipient der Information ja nicht aufgeklärt, er erhält keinen Erkenntnisgewinn.

Sehr grob eingeteilt wird die Existenz dieser Emotionen postuliert:

  • Angst
  • Ärger
  • Freude
  • Trauer

Wenigstens auf eine von den vieren könnte man sich doch festlegen, wenn man über Fußballspiele und die Emotionen, die diese geweckt haben, spricht.

Bemerkenswert auch, dass TV-Sender mit Gefühlen von Angst, Ärger und Trauer Werbung für ihre Produkte bewirken wollen.

Etwas feiner aufgesplittet wird die Existenz der folgenden basalen Emotionen postuliert:

  • Wut
  • Ekel
  • Furcht
  • Verachtung
  • Traurigkeit
  • Fröhlichkeit
  • Überraschung

Dann einfach nur festzustellen, dass ein Fußballspiel „emotional“ war, bedeutet nichts anderes, als dass es tatsächlich Reaktionen bewirkt hat und „nicht langweilig“ war, nicht neutral wahrgenommen wurde. Das ist natürlich für eine Aussage von Beteiligten — Spieler, Trainer, Manager, Zuschauer — äußerst überraschend und leider überhaupt nicht erhellend.

Also bitte, in Zukunft nachhaken: Welche Emotion war’s genau?

23. Juli 2013
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Patente Lösung gefunden

Meistens fragt man sich, wie man auf so ein Mannschaftsfoto drauf kommt, zuletzt Gunnar beim SV Wehen Wiesbaden.

Eine andere Frage ist es, wie man von so einem Mannschaftsfoto wieder runterkommt. Es gäbe da Geschichten aus dem Amateurfußball von nicht bezahlten Mannschaftsbeiträgen zu erzählen.

Im Profifußball werden aber meist die Profis vom Verein bezahlt und nicht umgekehrt. In dem Fall muss man einfach nur Glück haben, dass ein anderer Profi eingekauft wird, der beim Termin fürs Mannschaftsfoto noch nicht anwesend war. Dieser muss aber auch noch irgendwie aufs Bild, was macht man da? Nun, der Express zumindest überklebt einfach einen anderen Spieler, der dann schwupps, nicht mehr auf dem Mannschaftsfoto ist.

Ziel erreicht, so leicht geht das.

(Dank an Dominik.)

22. Juli 2013
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Mit Legenden aufräumen: Maradona gut, aber so gut dann auch wieder nicht

Wer schon länger dabei ist, weiß, dass man hier auch gerne mit Legenden aufräumt. Matthäus entschied nicht das Pokalfinale mit seinem Fehlschuss, Jens Lehmann fuhr nicht mit der Straßenbahn von Leverkusen nach Gelsenkirchen und Horst Hrubesch sagte nicht: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.“

Schön, wenn andere sich auch diesem Entzaubern von Legenden widmen. In diesem Fall ist es der Macher von „Flipflopflyin“, der sich mehrheitlich dem Baseball verschrieben hat, aber immer wieder auch Interesse am Fußball zeigt.

Seine zerhackselte Legende ist jenes ikonographische Foto von Diego Maradona, wie er es während der WM alleine mit sechs Belgiern aufnimmt. Man ahnt es schon: ganz so war es nicht. Wer sich also den treuen Glauben an die Entstehung dieses Fotos bewahren möchte, der klicke nicht auf den folgenden Link.

Alle anderen bitte hier entlang zur Entzauberung eines der bekanntesten Fotos der Fußballhistorie.

22. Juli 2013
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Flasche leer, Wagen voll

M. ist Flaschensammler und Trainer Baade traf ihn in Duisburg am Hauptbahnhof, wo M. in Richtung Mönchengladbach umstieg. Das Gespräch fand während der Saison 2012/2013 statt.

Hallo M., Du bist quasi professioneller Flaschensammler, wie kam es dazu?

Ich kriege seit Jahren Hartz IV und habe eigentlich lange im Osten gelebt. Aber irgendwann hat sich rausgestellt, dass man mit dem Sammeln von Pfandflaschen, wenn man es richtig anstellt, ordentlich was dazu verdienen kann. Dann hab ich das halt erstmal nur so gemacht und irgendwann so weit ausgeweitet, dass ich schon Monate im Voraus weiß, wann ich welche Touren fahre.

Wie lange machst Du das jetzt?

Fast so lange wie es Pfand auf Einwegflaschen gibt, also schon einige Jährchen.

Du sammelst nicht nur in den Zügen, sondern auch vor und nach Profi-Fußballspielen.

Ja, und bei Konzerten und Festivals natürlich, aber bei Fußballspielen hat man meistens den Vorteil, dass man nicht erst mitten in der Nacht Feierabend hat. Außerdem ist der Umsatz an Flaschen bei den Fußballspielen auch verlässlich groß.

Jetzt gerade bist Du auf dem Weg nach Mönchengladbach, wo ein Heimspiel ansteht. Ist das Dein Lieblingsstadion fürs Sammeln?

Nein, lieber sind mir eigentlich die Stadien, die näher an einem Hauptbahnhof dran sind, dann ist man auch schneller wieder weg. Ich gehe ja nicht hin, weil mich das Spiel interessiert oder ich die Atmosphäre so mag, sondern weil ich da meinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Aber in Gladbach ist es eben auch immer voll und man weiß, dass man nicht umsonst hingefahren sein wird.

Wie viel erlöst Du an so einem Abend oder Nachmittag und wie läuft das logistisch ab?

Wenn es ein sehr guter Tag ist, können es schon mal 200 Euro sein, aber das ist die Ausnahme, meistens pendelt es sich weit darunter ein. Logistisch ist es oft so, dass wir, also auch die Konkurrenz, schon immer wissen, wo ein Supermarkt ist, der die ganzen Flaschen auch klaglos annimmt. Ein Einkaufswagen gehört natürlich fast immer dazu, wird dann aber vor Ort organisiert. Mit dem kann ich ja auch schlecht stundenlang im RE sitzen, wenn ich anfahre.

Bist Du schon mal blöd angemacht worden oder hattest sonst irgendwelche negativen Erlebnisse?

Nein, noch nie. Weder von Schaffnern noch Ordnern noch Fans. Untereinander gibt es zwar schon mal Kämpfe ums Revier, das geht zwar auch meist etwas härter zur Sache, aber auch nie außerhalb des Rahmens. Aber ansonsten ist es eher so, dass die Leute freundlich sind und mir sogar noch danken, dass ich ihre Pfandflaschen annehme. Na gut, nicht alle, aber es kommt doch vor.

Könntest Du Dir vorstellen, noch mal in einen bürgerlichen Beruf zu wechseln?

Nein, eigentlich nicht. Ich liebe zwar nicht gerade, was ich mache, aber ich könnte nicht sagen, dass mich irgendetwas wirklich stört. Ich komme viel rum, bin fast immer draußen und ich mache damit Geld. Und nicht zu vergessen habe weder Chef noch feste Arbeitszeiten. Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, mit 60 immer noch zu Rockfestivals zu fahren. Mal sehen, was noch passiert im Leben. Im Moment bin ich jedenfalls zufrieden damit, dass mein Leben so möglich ist. Ich wohne in einer normalen Wohnung mit Fernsehen, Balkon, Anlage. Und ich gönne mir auch ganz bewusst ab und zu Urlaub vom Flaschensammeln.

Ich wünsche gutes Gelingen heute in Gladbach und Danke für die Auskunftsbereitschaft.

Kein Problem, ebenfalls Danke, tschüß.

18. Juli 2013
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Gestatten, CHAN

Gestatten, CHAN. Nein nicht Jackie, aber CHAN. Aus Afrika. Nie gehört? Das ändert sich in diesem Moment gerade.

Ein großes Turnier — aber Mesut Özil, Sami Khedira, Mario Gomez und Miroslav Klose, auch Per Mertesacker und Lukas Podolski dürften nicht mitspielen? Ja, so etwas gibt es. Denn CHAN ist die Abkürzung für die „Afrikanische Nationenmeisterschaft“. Diese wiederum ist nicht der bekannte „Afrika-Cup“, sondern eben die Nationenmeisterschaft.

Gespielt wird alle zwei Jahre, immer in gerade Jahren, um dem Afrika-Cup nicht im Wege zu stehen. Besonderheit beim CHAN: Spielberechtigt sind allein Spieler, die in ihrer eigenen, nationalen Liga beschäftigt sind. Wer im Ausland spielt, darf nicht mittun für sein Land, selbst wenn er in einem anderen afrikanischen Land unter Vertrag steht.

Ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus der Zeit, als man das Verlassen des eigenen Landes bei einem Fußballprofi noch als Vaterlandsverrat etikettierte und ihn naserümpfend nicht mehr fürs Nationalteam nominierte? Weit gefehlt, denn eingeführt wurde diese Afrikanische Nationenmeisterschaft erst im Jahr 2009 und steht nach 2011 im Jahr 2014 erst vor ihrer dritten Durchführung.

Da könnte man jetzt lange rätseln, welche Motivation der afrikanische Kontinentalverband hat, ein solches, doch durchaus völlig seriös betriebene Turnier zu etablieren. 16 Teams qualifizieren sich, jeweils ein Land ist Ausrichter, ganz wie es bei einem vollwertigen Turnier eben Usus ist.

Spielen denn fast alle Spieler beim Afrika-Cup im Ausland — so dass man hier all jenen eine Verkaufsbühne bieten möchte, welche noch keinen lukrativen Job in den alten Kolonialmächten in der Tasche haben? Oder ist es wirklich so ein großer Gewinn, die Spielstärken der nationalen Ligen ohne alle Söldner zu ermitteln? Dann wiederum darf aber auch kein in der Liga aktiver Ausländer mit von der Partie sein. Fragen über Fragen zu einem im doppelten Sinne neuen Wettbewerb. Neu eingeführt und gerade frisch entdeckt, die Afrikanische Nationenmeisterschaft namens CHAN.

15. Juli 2013
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Weg mit dem Onkel(haften)

Ah, haben Sie das gesehen? Sabine Lisicki hat den Schläger richtig herum gehalten.

Dort, Wahnsinn, Andrea Henkel weiß tatsächlich, wie sie ihr Gewehr bedienen muss.

Und Britta Steffen, toll, wie sie nach dem Start ins richtige Becken sprang.

Kann man sich vorstellen, dass derartige Nichtigkeiten von einem Kommentator einer Sportart abgesondert werden, der den zu kommentierenden Sport ernst nimmt?

Im Frauenfußball, dieses Zwitters der Aufmerksamkeit unter den Randsportarten, ist so etwas Usus, zumindest bei Claudia Neumann und Norbert Galeske.

Es wäre leicht, diesen Text jetzt mit der Aussage zu beginnen, dass „die wahren Sexisten hinter dem Mikrofon sitzen“. Doch das wäre populistisch. Sexistisch ist es nicht, sondern herablassend dem Zuschauer gegenüber, dem ständig eingebleut werde soll, was er vom Gesehenen zu denken habe. In jedem Satz ein anbiederndes Flehen um Akzeptanz des Frauenfußballs, alles wird schön-bewertet, statt einfach das Spiel zu begleiten.

Da wird „gute Technik“ bei einer simplen Ballannahme gelobt. Wenn eine Spielerin einen Pass des Gegners abfängt, bei dem sie schlicht angeschossen wurde, wird ihre „Antizipation“ gelobt und bei einer Grätsche doch tatsächlich, man fasst es nicht, die „Körperbeherrschung“ der Grätschenden.

So gut gemeint ihre Anti-Thoelke-Attitüde auch sein mag, dass eigentlich alles, was die Spielerinnen auf dem Rasen abliefern, ein Lob wert sei, weil sie nun mal vom Männerfußball des höchsten Niveaus so meilenweit entfernt sind, so bumerangartig schlägt sich das auf die Wahrnehmung des Gesehenen und der Übertragenden nieder.

Wenn sich die Besten der Besten in einer Sportart messen, wie es bei einer Europameisterschaft der Fall ist, kann das Loben vom Beherrschen der Grundtechniken dieser Sportart doch nur wie Hohn wirken. Als stünden die Frauen zum ersten Mal auf dem Platz, als seien sie Kinder, denen man Vieles nachsehen müsse, weil sie ja noch üben.

Der geneigte Zuseher wird geradewegs dazu gezwungen, innerlich ständig zu widersprechen und aufzustöhnen, dass dieser und jener Pass nun mal grottig war und diese und jene Parade, ein jeder hat es doch gesehen, voll daneben gingen. Dass Spielzüge nicht gedeihen und Bälle mangels Technik unnötig verloren gehen.

Dass das, was die Kommentatoren von sich geben, nichts mit dem zu tun hat, was auf dem Rasen passiert. Galeske und Neumann gerieren sich, als seien sie Onkel und Tante dieser Spielerinnen, freuen sich über jeden angekommenen Pass beinah ins Koma, weil die Agenda, dass Frauenfußball gefördert werden soll, keine Kritik erlaubt.

Den größten Gefallen täten sie dem Sport damit, ihn ernstzunehmen und zu kommentieren, was sie sehen. Und nicht, was Onkel und Tante wohlwollend tätscheln würden — und den Zuschauer zu brainwashen.

11. Juli 2013
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Krisen, Knete, Krach und dreiste Kerle

Noch mehr Lesefutter zu 50 Jahren Bundesliga, diesmal mit fast immer neuen Schwerpunkten und Erkenntnissen aus den jeweiligen Saisons, kredenzt die NOZ.

Nicht von den Überschriften, welche Altbekanntes aufgreifen, täuschen lassen. In den Texten selbst sind wahre Schätzchen zu finden.

Wer weiß schon …

… was den 1. FC Kaiserslautern 1991 wirklich zur Meisterschaft trieb?
… was die Bundesliga 1989 gegen die Zuschauerkrise einführen wollte?
… welcher Meistertrainer eigentlich Jupp Derwalls Nachfolger werden sollte?

Spannende Antworten und vor allem ein Trip in eine andere Welt. „Zu viel Fußball im Fernsehen“, beklagten sich Fans damals und die Karten seien auch „zu teuer“. Das Lesen dieser Texte macht sehr überzeugend den Wahnsinn und das Surreale am Fußball der Gegenwart sichtbar.

Hier zum gesamten Special der NOZ, mal wieder Prädikat lesenswert, wenn auch noch nicht vollständig über alle Saisons. Da lohnt ein späteres Wiederkommen.

10. Juli 2013
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Wunderknaben, diese Österreicher

Für die WM 1998 nahm Udo Jürgens keinen Song mit der deutschen Nationalmannschaft auf wie noch 1978 („Buenas Dias, Argentina“) und 1990 („Wir sind schon auf dem Brenner“), sondern mit der ebenfalls qualifizierten Nationalmannschaft Österreichs, wo alle Trends eben immer mit ein bisschen Verzögerung eintreffen: „Wunderknaben“.

Da Österreich seit dieser WM 1998 in der deutschen medialen Wahrnehmung aus dem Fußball verschwunden ist, youtube aber erst deutlich später gegründet wurde, ist dieser Song wohl kaum bekannt. Zwar hier nur eine Kurzversion, doch auch diese macht schon deutlich: Im Fußball nicht, und auch bei den Songs zur WM kann Österreich den Deutschen nicht das Mikro reichen.



Bei der WM 1998 war dann aber nach der Vorrunde Schluss für die nur im Song so benannten „Wunderknaben“.

Der Titel ist übrigens eine Referenz an das deutlich erfolgreichere, dann aber nach Anschluss aufgelöste Nationalteam der Österreicher in den 1930er Jahren.

10. Juli 2013
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Keane close, Klose closer

Immer noch wird auf jenes Tor von Miroslav Klose gewartet, mit welchem er Gerd Müller ein- und bei einem möglichen Nachlegen an Toren in der Nationalmannschaft überholen wird. Eigentlich wäre die Sommerpause der richtige Zeitpunkt für Diskussionen, ob Klose dann besser wäre als Müller oder nicht, zumal es bei solchen Fragen ja kein richtig oder falsch geben kann, sie also sehr gut die Funktion eines Sommerlochfüllers übernehmen können.

Doch sind solche Diskussionen immer auch ein wenig ermüdend, schließlich haben beide Standpunkte ihre Berechtigung.

Deshalb zu diesem Thema ein anderer Einwurf, welcher bislang wohl wenig bekannt sein dürfte.

Im Länderfußball liegen die beiden mit ihrer Trefferzahl auf Platz drei und vier aller Zeiten — bei europäischen Fußballern. Es gibt also zwei Männer, die noch mehr Tore erzielt haben als Gerd Müller und Miroslav Klose und es sind die Herren Sandor Kocsis mit 75 Treffern und Ferenc Puskas mit 84 Treffern auf meilenweit entfernter Position 1. Beides Ungarn also, was wieder einmal deutlich macht, wie überlegen diese Nationalmannschaft zu ihrer Zeit war. Und auch ein wenig näher bringend, warum die Wahl zum Tor des Jahres der FIFA neuerdings als „Ferenc-Puskas-Award“ bezeichnet wird, war er doch ein echter támadójátékos.

Auf Platz fünf schließlich niemand aus dieser Zeit, sondern jemand aus einer kleineren Nation, was ebenfalls überraschen dürfte: Robbie Keane mit inzwischen 59 Toren in 126 Partien, womit er Rekord-Nationalspieler und Rekord-Torschütze Irlands ist. Diesen Double-Double oder wie man so etwas nennt, gibt es wohl sonst auch selten. Denn wer lange spielt, ist irgendwann meistens auch alt und fällt auf dem Platz immer weiter nach hinten zurück. Nicht so Robbie Keane. Und auch nicht Miroslav Klose.

9. Juli 2013
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Gewinnspiel: Endlich nicht mehr aufstehen, wenn man niemals alleine walkt

Die heutigen Stadien (und ihre Besucher) haben leider tatsächlich immer mehr von einer gleichgeschalteten Fußgängerzone in der Stadt ihrer Wahl. Überall die Filialen der selben Marken, überall der selbe Kaffee und überall dann auch die selben Meme in den Hirnen der Menschen.

Neben dem Umstand, dass man die Stadien selbst zumindest innen kaum noch unterschieden kann, tut die Einheitsgröße der Spielfelder ihr Übriges wie auch der Abschied von eckigen Pfosten aus Holz etc. pp.

Schlimm, dass auch das Sangesgut und jegliche sonstige kulturelle Äußerung immer ähnlicher wird. Man singt davon, dass Menschen, die sich einer bestimmten regionalen Identität zugehörig fühlen sollen, aufstehen mögen, dass die Spieler des Vereins niemals alleine gehen werden und die Klatschrhythmen sind auch alle ähnlich, wie sogar die Form, in der sich Spieler ihrerseits beim Publikum bedanken.

Deshalb heute ein schönes Gewinnspiel ohne Gewinne, bei dem ich ausnahmsweise auch keine Liste anlegen werde, sondern Eure Nennungen in den Kommentaren verbleiben werden. Also:

Welche Besonderheit bei Gesang, Riten, Kleidung, Kommunikation oder Identität gibt es nur bei jeweils einem Klub und falls ja, welche bei welchem Verein ist das?

Ich sage mal, Maskottchen und Vereinshymne nehmen wir raus, da hat ja tatsächlich jeder noch seine eigenen, wenn auch diese immer ähnlicher werden. Eher sind Bräuche oder zusätzliche Lieder gesucht. Aber was auch immer Euch einfällt, Schweineohren, Toffifees, Lieder, Klatschryhthmen, Kleidung — immer her damit.