Was dem modernen Fußball fehlt

Dem unmodernen Fußball hätte es zwar auch gefehlt, aber damals musste man sich noch nicht auf 140 Zeichen beschränken.

Zwei unterschiedliche Wörter dafür, je nachdem ob es zum Gleichstand während des laufenden Spiels gekommen ist, indem man einen Rückstand ausgeglichen oder bei eigener Führung den Ausgleichstreffer erhalten hat. Würde Dialoge stark verkürzen, auch jene ohne 140 Zeichen Beschränkung.

a) ist aktuell ausgeglichener Spielstand nach Rückstand
b) ist aktuell ausgeglichener Spielstand nach Führung

Wie soll das heißen, wie es dann jeweils steht?

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Das Toni-Schumacher-Lied von „Knochenfabrik“

Wahrscheinlich existieren „da draußen“ eine Menge Lieder über Fußballer, die nie jemand gehört hat und auch nie jemand jemals hören wird, weil die Bands, die sie singen, lokal zu begrenzt bekannt sind. Das selbe Schicksal wäre wohl auch diesem famos getexteten Toni-Schumacher-Lied widerfahren, hätten es nicht die Jungs von der bekannten Deutschpunkband „Knochenfabrik“ geschrieben. Nein, ich hab auch noch nie von der Band gehört.

Interessanterweise beschäftigt sich das Lied aber weder mit Schumachers Buch „Anpfiff“ noch mit seinem Foul an, gähn, Patrick Battiston, sondern mit seiner Zeit beim FC Bayern München, als Schumacher ausgerechnet in der Katastrophensaison 1991/1992 für den verletzten (?) Raimond Aumann ins Tor gestellt wurde.

Durchaus ein besonderer Vorgang der Bundesliga-Historie, denn Toni Schumacher war als Kölner Urgestein damals noch etwas erzfeindiger für den FC Bayern als heute. Der FC Bayern war in Tonis Hochzeit Ende der 1970er und Anfang der 1980er schließlich keineswegs so auf die Meisterschaft abonniert wie noch Anfang bis Mitte der 1970er — und einer der größten Rivalen des FC Bayern damals war nun mal der Double-Gewinner von 1978, der 1. FC Köln. Zudem war es, wie im Lied ja auch besungen, die bis heute größte sportliche Krise des FC Bayern in der Bundesliga.

Deshalb ein Hoch auf die Band Knochenfabrik, die diesem besonderen Moment der Bundesligahistorie das folgende schöne Liedchen widmet. Und, total cleverer Marketingtrick, übrigens jedes Jahr behauptet, dass sie dieses Jahr nun wirklich ihre letzten Konzerte überhaupt geben werden.



Achso, „Knochenfabrik“ stammen natürlich aus Köln. Und „Anpfiff“ kommt doch drin vor.

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38 Grad, die Sonne brennt unerbittlich

Dieses schöne Gefühl beim Fußball, wenn die Kopfhaut anfängt, sich zu kräuseln, dieses innere Ziehen am Hinterkopf, weil man sich doch schon einige Nanometer über das eigentliche physische Leistungsvermögen hinausbewegt hat.

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Wer gewann eigentlich den Supercup 1940?

Der Dresdner SC mit 4:2 gegen den FC Schalke 04.

Allerdings hieß der Supercup damals noch nicht Supercup, sondern „Herausforderungskampf“ zwischen dem amtierenden Deutschen Meister von 1940, dem FC Schalke, und dem amtierenden Sieger des Tschammer-Pokals von 1940, dem Dresdner SC.

40.000 Zuschauer hatten Zeit, Muße und ausreichend Interesse, sich diese Partie am 16. März 1941 im Ostragehege zu Dresden anzusehen. Sie werden es nicht bereut haben, ihr Heimteam trug den Sieg davon.

Interessantes Plakat.

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Eine Lektion fürs Leben — Albert Camus über Fußball

Albert Camus stammte aus Algerien, wo er beim Club Racing Universitaire d‘Alger kickte. Man kennt jenes eine Zitat von ihm über Fußball. Falls nicht, hier ist es noch mal.

Alles, was ich über Moral und Verpflichtung weiß, verdanke ich dem Fußball.

Man sollte allerdings nicht glauben, dass damit alles wiedergegeben wäre, was Albert Camus zu Fußball zu sagen hatte. Vielmehr war es so, dass das französische Fußballmagazin „France Football“ Albert Camus aus Anlass des ihm 1957 verliehenen Literaturnobelpreises bat, einen ganzen Artikel über seine Verbindung zum Fußball zu formulieren, was er tat, allerdings indem er einen bereits verfassten Artikel aus dem Jahr 1953 aufwärmte. Auch damals gab es also schon die Mehrfachverwertung von einmal Geschriebenem.

Doch was er dort verrät, ist höchst lesenswert. Nicht allein, weil man zum Beispiel erfährt, dass er Fan des späteren Clubs von Pierre Littbarski wurde, vom Racing Club de Paris, weil deren Trikots seinem Heimatverein ähnelten. Nicht allein, weil man erfährt, dass er offensichtlich eine ähnlich krude, aber intensive Bindung zum Fußball erlebte, wie wir hier, denn er spricht tatsächlich von „Herzklopfen“, das ihn ereilte, wenn er an seinen alten Club erinnert wurde. Sondern weil er zudem weiß, dass zwar die Stimmung nach Siegen das schönste im Fußball ist — das Gefühl, dass einem zum Heulen zumute ist, wenn man verloren hat, aber ebenso.

Fußballverrückt war Camus also, komplett fußballverrückt, denn über seine aktive Zeit äußert er sich so:

Ab Sonntag fieberte ich dem Donnerstag entgegen, wenn wir Training hatten, und ab Donnerstag dem Sonntag, wenn wir Spiel hatten.

Noch viel schöner daraus aber ist das folgende Zitat.

Ich begriff sofort, dass der Ball nie so auf einen zukommt, wie man es erwartet. Das war eine Lektion fürs Leben.

Der ganze Text von Albert Camus über seinen eigenen erlebten Fußball, ein wahrer Schatz.

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Ich meinte Eppheim

Ganz fies war es vom Drehbuchautoren des vor einem knappen Jahr ausgestrahlten Tatorts „Im Abseits“ (alleine der Titel schon an Kreativität kaum zu überbieten), damals noch mit Theo Zwanziger in der Rolle des DFB-Präsidenten, eine fiktive Stadt zu wählen.

Wie soll man denn jetzt Steffen Rennert, dem Platzwart des FC Eppheim in Personalunion mit dem Rächer aller Fußball-Sozialromantiker, angemessen huldigen? Vor allem: Wo?

[photopress:eppheim.jpg,full,centered]

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Eintracht Frankfurt mahnt „Adlerblog“ ab

Das Adlerblog schließt heute die Pforten, weil es von Eintracht Frankfurt wegen Markenrechtsverletzungen abgemahnt wurde. Der Blogger hatte einen Shop betrieben, in dem er Produkte wohl mit Bezug zur Eintracht aus Frankfurt betrieb. Dabei erzielte er einen für Fußballblogger in dieser Dimension recht typischen Umsatz Gewinn von etwas mehr als 60 Euro in zwei Jahren. Grund genug für die Eintracht, anwaltlich dagegen vorzugehen und dem Blogger die Anwaltskosten von 1.880 Euro aufzuhalsen. Der Streitwert wurde auf 75.000 Euro festgelegt, was sicher juristisch gut begründbar ist. Was nicht gleichzeitig bedeuten muss, dass es dem gesunden Menschenverstand entspricht.

Auf das Angebot, die 60 Euro um das Mehrfache aufzustocken und im Namen der Eintracht für einen guten Zweck zu spenden, erhielt er nach seiner Aussage keine Antwort von Eintracht Frankfurt, stattdessen die Aufforderung des Anwalts — und ich kann mir gut vorstellen, dass dies auf wenig freundliche Weise geschah — derartige Anfragen zu unterlassen. Klar, denn wenn der Adlerblogger sich außeranwaltlich mit der Eintracht einigte, erhielte er ja kein Honorar mehr, er kann also kein Interesse daran haben, dass die Angelegenheit gütlich über den Tisch geht. (Widerspruch dazu hier.) Was allerdings jedem Verein klar sein muss, bevor er Anwälte mit einer derartigen Aufgabe beauftragt.

Nähere Diskussion dazu natürlich bei Blog-G unter Adler zu Möwen, auch die FR befasst sich mit dem Fall: Eintracht ist kein Gemeingut.

Blogger lernen, falls sie es nicht schon längst wussten: Niemals Wappen von Vereinen oder Ähnliches zu eigenen kommerziellen (und auch nicht kommerziellen) Zwecken verwenden. Eigentlich Bloggerlehrstunde 1, aber das hilft dem Betreiber des Adlerblogs auch nicht weiter. Falls jemand weiß, ob und wo gespendet werden darf, gerne in die Kommentare.

Macht keinen Sinn mehr [Link jetzt bekanntlich tot].

[Update] Spenden kann man beim Eintracht-Podcast.

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Korruption im Weltsport ist eine sehr deutsche Angelegenheit

… eine sehr deutsche Angelegenheit — und, wer hätte das gedacht, der Franz, jüngst erst Gazprom-Botschafter geworden, spielt dort auch eine ganz andere Rolle als die des unwissenden Märchenonkels. Schon in den 1970ern war er bei Konstrukten jenes Mannes involviert, der die Korruption in der FIFA und im Weltsport aus der Taufe gehoben hat. Um das zu erfahren, müsste man etwas tiefer in die aktuellen Beiträge von Jens Weinreich einsteigen, weshalb der gleich folgende Link nur den Einstieg in die jüngsten Werke von Jens Weinreich ermöglichen soll. Tiefer zu graben wäre wie gesagt angezeigt. Außerdem kann man Jens Weinreich in seiner Arbeit auch finanziell unterstützen, wie und wo das möglich ist, ist auf seinem Blog oben rechts erläutert.

Korruption im Weltsport ist eine sehr deutsche Angelegenheit.

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Mark van Bommels Karriere nach der Karriere

Der kluge Mann baut vor. So hat sich Mark van Bommel rechtzeitig darum gekümmert, ein zweites Standbein aufzubauen, auf welchem er nach der aktiven Fußballerkarriere wird stehen können.

Wir wünschen viel Erfolg an Friteuse und Frikandelgrill, freundlich war er ja immer schon.

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„Referees at Work“ online sehen

Wer es noch nicht gesehen hat, sollte sich alsbald die Zeit nehmen. Das Gute ist: Der Film ist wirklich extrem sehenswert. Das ebenfalls Gute: Er ist auch online verfügbar, also kann man ihn sehen, wann man gerade die Zeit findet. Und wann sollte man diese sonst haben, wenn nicht in der Sommerpause?

Hier also „Referees at Work“ online sehen. Ab jetzt gibt es keine Ausreden mehr, warum man diese fantastische Dokumentation über die Arbeit eines modernen Schiedsrichtergespanns noch nicht gesehen hat. Sie ist ja jederzeit verfügbar. Und ein echter Augenöffner.

Referees at Work.

(Danke an LizasWelt, der auf Twitter darauf hinwies, dass der Film jederzeit online steht.)

PS: Wer „Referees at Work“ schon kennt, kennt vielleicht noch nicht „Martin Hansson — The Referee“, die Doku über den Schiedsrichter, der das absichtliche Handspiel von Thierry Henry gegen Irland übersah. Kürzer, nur circa 30 Minuten lang, aber tragischer als eine Fehlentscheidung.

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Ständig Streit

Schönes Psychogramm der Wesensart von Mr. „Keiner mag mich – warum nur?“, lesenswerterweise bereits aus dem Jahr 1997. Wessen Psychogramm das ist, ist schnell zu erfahren, durch einen einfachen Klick auf diesen Beitrag in der Welt. Und warum das so ist, dass ihn keiner mag, erfährt man dort auch.

Thomas Helmer hielt es damals gar für behandlungsbedürftig. Viele glauben ja, die Bezeichnung „Logorrhoe“ für extrem gesteigerten Mitteilungsdrang sei ein Witz und diese Störung gebe es gar nicht. Weit gefehlt.

Oder wie Andy Brehme feststellte:

Seit es Handys gibt und überall telefoniert werden kann, ist der Lothar viel ausgeglichener geworden.

Und weiter:

Eigentlich könnte Matthäus die letzten Jahre seiner Laufbahn genießen und entspannt überlegen, was er in Zukunft machen will. Doch statt dessen tritt er sich selbst mit Wucht gegen das Schienbein und ramponiert sein Image.

Und das war 1997. Menschen werden reifer, ja — aber nicht alle.

Wobei dieses Trauerspiel gar nicht zwangsläufig etwas mit dem Umstand zu tun haben muss, dass er unermesslich reich geworden ist und sich die Medien wegen seiner sportlichen Fähigkeiten eine zeitlang um ihn rissen.

Sein Hauptschullehrer in Herzogenaurach erinnert sich allerdings daran, daß schon der Schüler Lothar Matthäus ständig Streit mit den Kameraden gehabt habe.

Seit jener Sendung bei Vox ist er nun aber ohnehin endgültig erledigt, das soll weitgehend auch für diese Webseite hier gelten. Vielleicht noch das eine oder andere Bonmot, das müsste ausreichen. Am Boden liegen, drauftreten, tut man ja in christlich geprägten Kulturkreisen eher nicht. Wenn er sich nur nicht selbst ständig auf den Boden werfen würde …

„Was haben die anderen nur gegen mich?“

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Die Bundesliga hat ihre eigenen Gesetze

Zum Beispiel, dass sie angeblich ein Pokal ist.

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Diese EM war wie Schach — nur ohne Würfel

Es liegt schon eine feine Ironie darin, dass der Fußball ausgerechnet in jenen Momenten in beinahe allen Kreisen der Gesellschaft ankommt, da er sich so sehr weiter entwickelt hat, dass er von Vielen abgesehen vom platten Ergebnis gar nicht mehr zu begreifen ist.

Natürlich ist das alles keine Raketenwissenschaft, was die Teams auf dem Platz aufführen. Doch eine angemessene Bewertung der Dramatik oder Kunst eines Spiels scheint nur noch für geringe Teile des Publikums möglich zu sein. Eine eher triviale Erkenntnis, wenn doch etwa die Hälfte der Nation bei einer EM zuschaut, in die Bundesligastadien aber nur ein Bruchteil der Bevölkerung strömt.

Selbst die vermeintlichen Experten im TV sind beim Erläutern der Mechanismen im Spiel allzu oft überfordert — oder aber es wird gar nicht erst versucht. Was direkt zur Frage führt, wieso man nicht … weiter bei Kickwelt.

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Gewinnspiel: Der langsame Tod des Laufwunders

Respektive der Pferdelunge.

Nach dem mit echten Preisen versehenen Tippspiel zur EM 2012 heute wieder eins der klassischen Gewinnspiele bei Trainer Baade: Ein Gewinnspiel ohne Gewinn, außer an Erkenntnis. Oder Arsenal für die diversen Fußballquizze dieser Welt:

Der langsame Tod des Laufwunders hat in den Fußball Einzug gehalten, weil sich kaum ein Spieler noch erlauben kann, konditionell unterdurchschnittlich schlecht zu sein, über mehrere Spiele hinweg. Die Anforderungen der heutigen Spielweise machen es nötig, das beinahe jeder Spieler auf dem Platz seine 10, 11 oder 12 Kilomter abreißt.

Jene Spieler, welche es auf 12,5 Kilometer bringen, im Vergleich zu jenen, welche „nur“ 10 Kilometer gelaufen sind, als „Laufwunder“ zu bezeichnen, diesem Vorgang fehlt in gewisser Weise die Berechtigung.

Weshalb die Laufwunder aussterben, heute sind beinahe alle Spieler Laufwunder und die Unterschiede werden marginalisiert. Natürlich gibt es immer noch laufbereitere und weniger laufbereitere Spieler, das scheint aber eher eine Frage der Motivation und nicht des Laufvermögens zu sein.

Und da die Laufwunder respektive Pferdelungen aussterben, wollen wir doch noch mal schnell vor ihrem endgültigen Dahinscheiden sammeln, welche Spieler einst als Laufwunder galten.

Ein Inbegriff eines Laufwunders respektive einer Pferdelunge ist aus meiner Wahrnehmung immer noch Wolfgang Rolff, weshalb ich ihn hier als ersten in den Ring werfen möchte.

Ein Laufwunder definiert sich darüber, dass es von vielen so genannt wird oder wurde und dies auch über das Umfeld des eigenen Vereins hinaus Konsens ist oder war. Es definiert sich also nicht über die tatsächlich gelaufenen Kilometer in einem Spiel.

Wie man weiß, haben sich die Maßstäbe da doch ziemlich verschoben. Wer die Laufleistung eines Spielers aus den – beispielsweise – 1930er Jahren mit der heutigen eines durchschnittlichen Torwarts vergleicht, wird den damals sportelnden Menschen Unrecht tun. Zu ihrer Zeit waren sie damit eben, je nachdem, einige der besten ihrer Epoche. Es werden nur nicht mehr viele hinzukommen, und wenn doch, dann nur aus dem Wunsch der Legendenbildung heraus, und nicht, weil die reinen Zahlen dies erlauben würden. Wobei zugegebenermaßen auch früher, als man gar keine Zahlen zur Verfügung hatte, nicht nach Zahlen, sondern nach Augenmaß entschieden wurde, wem man dieses Etikett des Laufwunders oder der Pferdelunge anklebte.

Der erste also soll Wolfgang Rolff sein, der übrigens in seiner Karriere ganz schön rumkam. Wer galt oder gilt noch als explizites Laufwunder?

Laufwunder Mannschaft(en)
Lars Bender TSV 1860 München, Bayer Leverkusen
Sven Bender TSV 1860 München, Borussia Dortmund
Daniel Bierofka TSV 1860 München, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart
Uli Bittcher FC Schalke 04, Borussia Dortmund
Hans-Peter Briegel 1. FC Kaiserslautern, Hellas Verona, Sampdoria Genua
Wolfgang Dremmler Eintracht Braunschweig, FC Bayern München
Ralf Falkenmayer Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen
Clemens Fritz Werder Bremen, Bayer Leverkusen, Karlsruher SC, Rot-Weiß Erfurt, VfB Leipzig
Ryan Giggs Manchester United
Jürgen Groh 1. FC Kaiserslautern, Hamburger SV, Trabzonspor
Kevin Großkreutz Rot-Weiß Ahlen, Borussia Dortmund
Andreas Lambertz Fortuna Düsseldorf
Willi Landgraf Rot-Weiss Essen, FC Homburg, FC Gütersloh, Alemannia Aachen
Lucio Bayer Leverkusen, FC Bayern München, Inter Mailand, Juventus Turin
Herbert Lütkebohmert FC Schalke 04
Thomas Müller FC Bayern München
Hermann Ohlicher VfB Stuttgart
Ivica Olic Hertha BSC, NK Marsonia, NK Zagreb, Dinamo Zagreb, ZSKA Moskau, Hamburger SV, FC Bayern München, VfL Wolfsburg
Franz Raschid Bayer Uerdingen
Wolfgang Rolff Fortuna Köln, Hamburger SV, Bayer Leverkusen, Racing Straßburg, Bayer Uerdingen, Karlsruher SC, 1. FC Köln
Hasan Salihamidzic Hamburger SV, FC Bayern München, Juventus Turin, VfL Wolfsburg
Hartmut Schade Dynamo Dresden
Burkhard Segler Borussia Dortmund, Rot-Weiß Oberhausen
Dietmar Sengewald FC Carl Zeiss Jena
Wolfgang Sidka Hertha BSC, TSV 1860 München, Werder Bremen
Peter Stark Blau-Weiß 90 Berlin
Jörg Stübner Dynamo Dresden
Jens Todt SC Freiburg, Werder Bremen, VfB Stuttgart
Christian Träsch VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg
Herbert Wimmer Borussia Mönchengladbach
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Adleraugen aufblasen

Vertreter, die Eskimos noch Kühlschränke und Bewohnern der Sahara Heizlüfter aufschwatzen, gibt es eigentlich nur in dieser Redewendung, bei der FIFA aber gibt es sie auch in realiter.

Ich hatte in der letzten Saison mal selbst geplant, ein „Chip-O-Meter“ einzuführen, es dann aber aus diversen organisatorischen Gründen nicht begonnen. Ein Chip-O-Meter, das zählen sollte, wie häufig überhaupt die Frage diskutiert werden muss, ob ein Ball im Tor war oder nicht. Natürlich sollte dieses Chip-O-Meter beweisen, wie selten dies tatsächlich nötig ist.

Jetzt hat mir Udo Muras diese Arbeit im Nachhinein abgenommen und listet auf, wie häufig eine derartige strittige Situation in der Bundesliga seit 1994 auftrat. Wenig überraschend ist es seltener als 1x pro Saison, womit sich meiner Meinung nach die Frage nach der Verhältnismäßigkeit ein wenig aufdrängt. In einer Saison finden 306 Begegnungen statt, seit 1994 wurden also 5508 Partien durchgeführt. Muras kommt inklusive Phantomtor auf 14 strittige Szenen in 18 Jahren, bzw. von 5508 Partien entspricht dies 0,25 Prozent und in Worten nicht mal einer Situation pro gesamter Saison.

Auch andere empfinden die Einführung der Tortechnik als Nebelkerze oder als vergeblichen Versuch, die Gerechtigkeit zu erhöhen.

Es kommt hinzu, dass niemand weiß, wie sehr Blatter davon getrieben ist, dem aufstrebenden Rivalen Platini — seines Zeichens Gegner von Tortechnik — ans Bein zu pinkeln. Plötzlicher Aktionismus bei jemandem, der sich jahrelang gegen jegliche Technik sperrte, sollte insbesondere bei seiner Vorgeschichte in punkto Machtspielen hellhörig machen.

Und dann wäre da ja auch noch der Umstand, dass mögliche Hersteller dieser Technik bereits FIFA-Sponsoren sind. 36 Profivereine à 300.000 Euro auszurüsten würde in Deutschland die eher irrelevante Summe von 10,8 Millionen Euro ergeben. Weltweit gesehen ist da aber dann doch schon ein erkleckliches Sümmchen im Spiel. Und schnell ist man ebenso bei der Frage, ob neben dem Bau von weißen Elefanten aka nicht mehr genutzten Stadien in der südafrikanischen oder ukrainischen Steppe es nun auch noch nötig gemacht werden sollte, Klubs in ärmeren Regionen der Welt 300.000 Euro aus der Tasche zu ziehen. Wofür sie als Gegenleistung erhalten, dass die Tortechnik weniger als 1x pro Jahr genutzt werden muss/kann weniger als „1x geteilt durch Anzahl der Teams in der Liga“ (bei ungefähr der selben Größenordnung wie bei Muras‘ Daten) pro Jahr genutzt werden kann/muss. In einer 18er-Liga also über den Daumen etwa 1x in 20 Jahren.

Südafrika und die Ukraine sind noch dazu nicht die einzigen Regionen, in denen Fußball gespielt wird. Den gibt es bekanntlich überall. Es möge niemand behaupten, dass „die armen Kinder in Afrika“ hier ein Totschlagargument seien. In diesem Fall sind sie ein legitimes Argument, denn wo bleibt die Verhältnismäßigkeit zum Nutzen angesichts dieser Kosten, die die meisten Vereine kaum werden stemmen können, an denen sich mal wieder ein „FIFA-lizensiertes“ Unternehmen eine goldene Nase verdient? Wo doch ein einfacher Videobeweis in den allermeisten Fällen bereits ausreichen würde. Dann blieben vielleicht noch 1 oder 2 Fälle pro Jahrzehnt, die nicht geklärt werden könnten. Mit einer solchen Quote soll man nicht glücklich werden können? Wäre eine zuverlässigere Angelegenheit als der Motor meines Autos, und diesem vertraue ich mein Leben an. Hier geht es, ich weiß, dass man das in diesem Kontext eigentlich nicht erwähnen darf, aber in dieser Frage geht es nur um Fußball.

Weniger als ein Mal pro Saison …

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Exklusive Meinung

Durch meinen Expertenjob beim ZDF bin ich sehr eng am Fußball dran.“

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Den bitteren Nachgeschmack loswerden

Wie ein in Deutschland lebender Amerikaner, dem man vergeblich versuchte, den Fußball näherzubringen, feststellte, ist Fußball deshalb so langweilig, weil die Mannschaft, die erstmal 2:0 führt, fast immer auch gewinnt.

Daran musste ich denken, als es nach 20 Minuten 0:1 stand und ich mir kaum vorstellen konnte, das solch krasse Fehler erneut passieren würden, dass es gleich noch mal zu einem Gegentor kommen würde.

Nach eigener Ecke ausgekontert, und das auch noch wie die viel zitierte Schülermannschaft — möglicherweise eine Folge dessen, dass man defensiv auf diesem Niveau viel zu selten gefordert wird. Selbst Griechenland erzielt 2 Tore gegen die deutsche Mannschaft, welche das dort aber mit 4 eigenen Toren mehr als wett machen kann. Zu-Null-Spiele sind rar, und wenn man dann Italien vor der Brust hat, klappt es halt nicht zwangsläufig mit den nötigen eigenen Toren.

Ein Mitseher verkündete in der Pause, dass ein 0:2 aufzuholen ja schon schwierig sei, in nur 45 Minuten, aber ein 0:2 gegen Italien aufzuholen sei quasi unmöglich. Natürlich hätte man ein frühes Tor willkommen geheißen, und doch hätte man genauso wenig gegen 2 späte Tore einzuwenden gehabt.

Vermiest wurde die Stimmung beim öffentlichen Sehen an einem recht zivilen Orte, keinem expliziten Public-Viewing-Ort, aber schon vorher davon, dass ein Mitseher lautstark die „Scheißitaliener“ beschimpfte und sich wohl auch ansonsten im Stadion wähnte, und nicht in einer recht gesitteten öffentlichen Runde. An einem Ort, an dem ich derartige Ausfälle nicht erwartet hätte, legten sich auch andere noch ähnlich ins Zeug, immerhin blieb es bei „Superdeutschland“-Gesängen und nichts Anderem.

Eine Niederlage, bei der man nach 36 Minuten 0:2 hintenliegt, ist immer besser als ein Dortmund oder Manchester Barcelona, wo man die emotional kalte Dusche erst Sekunden vor dem Ziel erhält. Besser zu verarbeiten meint das, denn schlecht sind Niederlagen in KO-Rundenspielen immer. Weshalb man auch guter Dinge war, dass diese Niederlage, ebenso wie das Finale 2008 nicht allzu lange würde nachhängen.

Vielleicht noch auf ein paar geschwätzige Worte ins Stamm-Tanzlokal, wo man den einen oder anderen zu treffen hoffte, der sich mit dieser überflüssigen wie krude zustande gekommenen Niederlage auseinandersetzen wollte, und man könnte vielleicht den Podolski’schen Weg des Umgangs mit Niederlagen oder Abstiegen gehen: Nach einem Tag schon wäre alles verarbeitet. Man könnte es ja wenigstens mal versuchen, dieses ärgerliche Verlieren nicht immer so breit auf die Laune Einfluss nehmen zu lassen.

Also noch rüber zum Stamm-Tanzlokal, nicht weit vom öffentlichen Guckort. Dort alles voller Schlandis, in einem Etablissement, das mit seinem sonstigen Programm ein Publikum anzieht, das völlig fern des Schlandismus ist. Außer an jenem Abend, möglicherweise, weil es so nah zum öffentlichen Guckort liegt.

Und wie man dort bei noch einigen Bieren über das so unnötige Ausscheiden und einhergehende Platzen des Traumes vom Titel palavert, schwingen einige der weiter hinter im Raum sitzenden Schlandis, optisch ansonsten unverfänglich wirkend, tatsächlich ein dreimaliges „Sieg Heil!“ an.

Liest sich jetzt irgendwie so weg, kennt man ja von überall und allen Idioten. War aber tatsächlich ein echter Schlag in die Magengrube. Kennt man zwar, aber nicht an einem Ort, der üblicherweise völlig frei von derartigen Holzbirnen ist, sofern das beim einfachen Gespräch zu beurteilen ist. Und sicher, vielleicht, hoffentlich war es auch erstmal nur die Lust an der Provokation, keine echte Anhängerschaft des Nationalsozialismus, die da sprach. Nicht nur fred hat schon des öfteren „Heil Hitler!“ oder Ähnliches in Fußballkabinen vernommen, ohne dass die Aussprechenden Neonazis waren.

Und dennoch war das noch das i-Tüpfelchen auf der Stimmung für diesen Abend, der damit einen ganz üblen Nachgeschmack hinterließ. Scheißitalienrufende Deppen beim Spiel, hinterher Sieg-Heil-Gröhlende in einem Laden, wo man derart achtloses Rumprollen und -pubertieren nicht erwarten würde. Mir fiel das Gesicht aus der Kinnlade oder umgekehrt und ich ging, nach kurzem Hinweis an den Besitzer, was da gerade skandiert worden war, nach Hause ins Bett.

Am nächsten Tag wollte dieses schale Gefühl des Wiederverlorenhabens nicht weichen, gewürzt mit Sieg-Heil-Rufen von Vollidioten, Podolski ist da einfach besser als ich, weshalb eine Methode hermusste, die schon Bono von U2 angewandt hatte, als er nach dem Live-Aid-Konzert von 1985 dachte, den Auftritt seiner Band komplett in den Sand gesetzt zu haben. Bono schnappte sich ein Auto und fuhr drei Tage lang durch Wales. Ganz so schlimm war es bei mir nicht, aber ich setzte mich ebenfalls in ein motorisiertes Gefährt.

Um mal die eine oder andere Ecke der Stadt zu erkunden, die bislang aus weißen Flecken auf der kognitiven Landkarte bestand. Und wie es der Zufall so wollte, tat sich irgendwo hinter einer Ecke, weit südwestlich vom Wedaustadion, wo Duisburg ohnehin nur aus Grün besteht, plötzlich ein Fußballplatz auf, auf dem gerade ein Kleinfeldturnier stattfand.

Genug Anlass zum Pitchspotten war auch gegeben, denn dahinter befanden sich noch zwei weitere Ascheplätze, einer gut in Schuss, einer schon halb von der Natur zurückerobert. Und solche Plätze liebe ich ja.

Ein zugewuchertes Tor, ein Platz, auf dem man schlendern kann, die Schuhe nass vom feuchten Rasen, auf dem gerade das Turnier im Gange war und die vereinzelten Torschreie, wenn mal wieder ein Ball den richtigen Weg gefunden hatte.

So etwas macht doch gleich das Hirn ein bisschen freier und vermindert den üblen Geschmack der Sieg-Heil!-Rufe im eigenen Stammladen.

Achja, und dann gehen solche Dinge ja immer auch ein wenig durch den Magen. Welcher fußball-adäquat versorgt sein will, um die Niederlage, das Überflüssige daran und die Schlandis mit ihrem ebenso überflüssigen Nationalismus abzustreifen, wie alle drei Dinge einem länger auf dem Gemüt herumsitzen, als es dem Anlass angemessen wäre. Was dieser entspannte Abend nicht zu eliminieren in der Lage war, war die Gewissheit, dass an dieser Form von Partypatriotismus überhaupt nichts harmlos ist, wenn er so ausartet.

Immerhin mal in die Bezirksliga aufgestiegen.

Pitchspotting saves lives Stimmungen.

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Coole Socke Dieter Hoeneß

Dieter Hoeneß war zwar ein äußerst erfolgreicher Bundesligastürmer, die Fans lagen ihm, dem „Mr. Europacup“, dennoch selten zu Füßen. Man kennt das aus heutigen Zeiten, denn der Grund bestand wohl darin, dass ihm die technische Eleganz fehlte, er ein sehr wuchtiger Stürmer war, dem das Schöne am Spiel meist fremd blieb. Oder falls nicht, dann sah es trotzdem aufgrund seiner Statur einfach nicht so ansehnlich aus wie bei seinen Kollegen.

Weshalb Dieter Hoeneß trotz seiner gelungenen sportlichen Karriere immer mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hatte. Es gibt solche Stürmer immer wieder. Grund genug für den FC Bayern München, zu Hoeneß‘ aktiven Zeiten ein „Imagevideo“ mit Dieter zu produzieren, in welchem er von drei weiteren sportlichen Seiten gezeigt wird, heroisch untermalt mit zeitgemäßer Musik. Gerd Rubenbauer ist es, der uns fragt, ob wir „Dieter Hoeneß auch schon so kannten?“



Geholfen hat’s wohl nicht, aber immerhin weiß man seitdem, dass Dieter Hoeneß nicht nur köpfen konnte.

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Paul Breitner mieten und quatschen hören

Traurig, weil die EM vorbei ist? Man nicht mehr den üblichen Klugscheißern beim Klugscheißen zuhören kann? Kein Waldis-EM-Club mehr, mit illustren Gästen, die heiße Luft produzieren? Unangenehme Entzugserscheinungen in Richtung dieser Non-Konversation ohne jedes Ziel?

Keine Sorge, da kann Abhilfe geschaffen werden, denn Paul Breitner bietet sich und sein Schandmaul bei der European Speakers Agency als Redner zum Mieten an, Tarife werden leider nicht kund getan. Aber der alte Vorzeigelinke wird es sicher für ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee machen, über solche Themen zu palavern wie „Erfolg ist planbar“ oder „Bedeutung des Sports/Fußballs in unserer Gesellschaft“. Überwältigende Erkenntnisse warten da ganz sicher auf die Zuhörer und lindern den EM-Gebrabbel-Entzug.

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Vertrainert

Warnung! Beitrag stammt aus der Rubrik „Hinterher ist man immer schlauer“.

Italien erzielt 2 Tore, Deutschland nur 1, damit ist die „Mission 2012″ beendet, schon zwei Schritte vor dem eigentlichen Ziel.

„Vercoacht“ lautet das einhellige Urteil von Presse und Blogs. Nur wenige Stimmen werfen ein, dass der Trainer nicht die — haarsträubenden — Fehler der Spieler auf dem Platz begangen habe. Dennoch trat die Mannschaft wieder so auf, wie Jogi Löw früher gerne gehandelt hatte: zaudernd und nicht mit letzter Konsequenz, den Glauben ans Gewinnenkönnen irgendwo zwischen den Testspielen gegen Holland und die Schweiz verloren habend.

Natürlich passiert Mats Hummels ein derartig gewichtiger Fehler eben nur alle paar Stunden mal. Wenn es dann ein EM-Halbfinale ist, wird von mangelnder „Siegermentalität“ gequatscht, dabei könnte man es auch schlicht als Unterlegenheit dem Gegner gegenüber interpretieren. Wie die zweite Halbzeit zeigte, war die deutsche Mannschaft jedoch nicht derart unterlegen, dass sie nicht mit ihren Stärken (aus der Qualifikation) dieses Spiel bei glücklicherem Verlauf auch eindeutig für sich hätte entscheiden können. Aber Siegermentalität — die fehlt, sofern es so etwas überhaupt gibt, nicht den Spielern, sondern dem Bundestrainer.

Ein weitaus größeres Problem stellt jener Faktor dar, über den Jogi Löw sogar selbst noch mit seinem Stab scherzt bzw. wettet. Dass Deutschland kein Tor nach Standards erhalte oder aber selbst kein Tor nach Standards erzielen werde, lautete eine mit seinem Co Hans-Dieter Flick abeschlossene Wette. Ein Vorgang, der den Rezipienten dieses Umstands sprachlos zurücklässt angesichts der Bedeutung dieses Turniers und der sonstigen, extrem akribischen Vorbereitung — man denke an die 45 Studenten der Kölner Sporthochschule. Sich auf den Gegner bis in die kleinsten Details vorzubereiten, selbst aber keinerlei Pläne für Standardsituationen zu schmieden, ist vor allem eines: Unprofessionell. Und das muss sich Jogi Löw vorwerfen lassen.

Gegen Italien erzielte man ein Eckenverhältnis von 14:0. 14 mal bot sich die Chance, mit einer einstudierten Variante wenigstens einen Torschuss abgeben zu können. Stattdessen: blind reingeschlagene Bälle, von denen einige sogar noch viel zu flach kamen und leichte Beute der italienischen Verteidiger wurden. Lezteres kann passieren, die gesamte Lage, keine Standards vorzubereiten, jedoch nicht. Dass man zwar eine Taktik austüftelt, bei den sich daraus ergebenden Vorteilen — und genau das ist ein ruhender Ball wie bei einer Ecke nun mal — aber wieder nach dem guten alten Prinzip des Zufalls zu verfahren, spottet all dem Geschreibsel vom so cleveren Erfolgstrainer.

Wer sich hier aber ebenfalls Vorwürfe gefallen lassen muss, sind die Spieler. Ihnen sei zwischen der Griechenlandpartie und dem Italienhalbfinale teilweise die Decke auf den Kopf gefallen, ist zu lesen. Statt aber in dieser Zeit, oder natürlich schon Wochen vorher, selbst die Initiative zu ergreifen, bleibt es bei den halbhohen Eckbällen von Toni Kroos, weil es dem Team, nein, nicht an Typen, aber an Eigeninitiative mangelt. Wie unglaublich verwegen, geradezu umstürzlerisch wäre es gewesen, sich selbst einige Varianten zusammenzustellen? Und wie wenig Zeit und Energie hätte man dafür benötigt?

So blieben sage und schreibe 14 Eckbälle ohne jeden Effekt, wie es wie (in anderen Beiträgen schon) gesagt seit Jahren Tradition in der Nationalmannschaft ist. Unter Löw, unter Klinsmann, unter Völler und auch, wie ein zufälliger Fund zeigt, unter Ribbeck.

Auch Standardsituationen seien lange Zeit nicht einstudiert worden.

Klingt bekannt, nicht wahr?

Das ist eine sehr alte Krankheit, die sich in der deutschen Nationalmannschaft wohl einfach nicht ausrotten lässt. Denn das Zitat stammt aus dem Jahr 2000, von der katastrophalen EM. Immerhin aber, und das war damals anders als im Jahr 2012, sind dann wenigstens die Spieler selbst aktiv geworden.

Erst auf Aufforderung von Ziege in Richtung DFB-Trainer Horst Hrubesch sei dies beim Trainingslager trainiert worden. „Dann haben wir vor dem Spiel gegen Mallorca erstmals Ecken geübt.“

Auch wenn es damals dann an sinnvollem Vorgehen mangelt (man fasst es manchmal wirklich nicht, wie lange 2000 schon her ist, in diesem Aspekt), immerhin kam überhaupt eine Initiative der Spieler.

„Aber ein Eckentraining macht keinen Sinn, wenn einer den Ball auf fünf Angreifer reinschlägt – und es sind keine Verteidiger dabei, nur der Torwart.“ Ziege vermisste ein Konzept des Teamchefs.

In allen anderen Bereichen besitzt man nun also ein Konzept, in jenem Bereich, in dem ca. ein Drittel aller Tore im Fußball fallen, jedoch nicht. Wer ein Drittel der geforderten Leistung nicht bringt, benötigt in den zwei anderen Dritteln des Tests schon die volle Punktzahl, um nicht durchzufallen. Und da hat Jogi Löw das Glück verlassen, denn die Aufstellung und die Personalien waren nun mal nicht geeignet, jene Spielweise wie gegen die Niederlande oder aus der Qualifikation wieder aufs Feld zu bringen. Die Frage nach den Gründen dafür kann allein Jogi Löw beantworten. Er ist jedenfalls knapp durchgefallen durch die Prüfung „Titelgewinn“. Dennoch darf Jogi die Prüfung in zwei Jahren noch einmal wiederholen. Beim dritten Durchfallen allerdings …

Weiterer Blödfug rund um die Nachbetrachtung des Spiels findet sich in der Aussage, dass die deutsche Mannschaft „noch Stunden hätte spielen können, und kein Tor erzielt hätte“. Erstens hat sie ja nun mal noch ein Tor erzielt, zweitens ist per se immer das Gegenteil der Fall: Je länger man spielt, desto wahrscheinlicher wird ein Tor. Und drittens gaben die Italiener doch selbst zu, dass sie eine Verlängerung physisch nicht mehr überstanden hätten.

Man kann sich das immer nur schwer vorstellen: Dass Fußballer so trainiert sind oder werden, dass sie es gerade schaffen, 90 Minuten lang ihren Sport auf höchstem Niveau abzuliefern. Werden es 10, 20, 30 Minuten mehr, sehen einige schon Sternchen. Was auch deshalb kaum nachvollziehbar zu sein scheint, weil doch für 100 oder 105 Minuten trainiert zu sein auch einen Wettbewerbsvorteil im Haifischbecken bedeutete, in welchem alle Profifußballer der Welt nun mal sitzen, und in welchem sie sich um die begehrtesten und lukrativsten Anstellungen streiten.

Offensichtlich war es aber so, dass jene in weiß noch laufen konnten und jene in blau platt waren. Die Fitness der deutschen Spieler (wohl mit Ausnahme Schweinsteigers) war also in Ordnung und auch viel besser als jene der Italiener. Angesichts der ausgesprochenen Jugend des deutschen Kaders wohl keine Überraschung, überraschend aber, dass man diesen Faktor nicht noch besser ausspielte. Klar, wer 2:0 führt, muss sich nicht aus seinem Strafraum wagen, und dennoch gelang es, die italienischen Spieler stark zu ermüden. Als der Anschlusstreffer zum 1:2 gefallen war, fehlten nur noch wenige Sekunden, vielleicht 100, 200, vielleicht 500, bis der Ausgleich folgen würde — so wirkte es jedenfalls.

Angesichts der nicht mal mangelhaften, sondern schlicht nicht existenten Vorbereitung auf Standards war es bezeichnend, dass die letzte Gelegenheit, noch einmal den Ball in den Strafraum zu bringen damit vergeudet wurde, einen erhaltenen Freistoß kurz auszuführen, während Torwart Neuer gerade vors italienische Tor eilte, statt ihn hoch und schnell hereinzubringen. Der Schiedsrichter pfiff ab, und statt eines viel umjubelten Ausgleichs erfüllten Thomas Müllers Tränen und die drückende Stille der Enttäuschung in der Kabine die Gemüter der Fußballrepublik.

Durchgefallen, schon wieder.

Auch wenn es diesmal wenigstens keine Fußballgötter waren, sondern benennbare Fehler, und man Fehler beheben kann: Genau diese Gelegenheit kommt nie wieder, sie wurde vertrainert.

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Halb Finale

… und heute folgt die andere half.

Die erste half, Portugal — Spanien, ist bereits gespielt. Und Menschen fragen mich auf offener Straße (das ist in diesen Tagen Twitter), ob ich ernst meine, dass ich mich von dieser Partie gut unterhalten fühlte. Ich tappe nicht in die Falle, die Qualität eines Spiels mit dem Verweis auf statistische Zahlen wie Ballbesitz oder Zahl der Schüsse Richtung Tor zu unterfüttern. Und es würde mein Urteil auch schwächen, wenn ich darauf verwiese, dass noch keines der Spiele bei der EM mit spanischer Beteiligung derart unterhaltsam gewesen sei — was ohnehin nicht ganz zuträfe, denn das Aufeinandertreffen mit Italien war tatsächlich noch besser.

Ich fühlte mich jedenfalls eines Halbfinals eines großen Turniers würdig unterhalten. Viele andere nicht. Statt nun zu überlegen, warum Cristiano Ronaldo so teilweise merkwürdige Laufwege hatte, ob er wirklich der allerallereinzige im gesamten portugiesischen Team ist, der ungefähr 1 von 12 dieser Vollspannfreistöße im Tor unterzubringen in der Lage wäre (was wiederum ohnehin etwas blöd ist, wenn man nur 11 davon erhält), gehe ich lieber der Frage nach, wieso diese große Langeweile bei großen Teilen des TV-Publikums aufkam.

Gleichwohl es ein schmaler Grat ist, von dem man zur einen Seite hin schnell in Richtung Attitüde und Posertum heruntergleiten kann, wenn man ein Spiel für „sehenswert und spannend“ erklärt, dass die Mehrheit der Menschen schlicht einschläfernd fand, will ich diesen Grat mal beschreiten, und hoffe, ich rutsche nicht zur Seite ab.

Annahme 1 – Mangelnde emotionale Involviertheit

Spanien hasst man hierzulande noch immer nicht so, wie man es mit Italien zu tun pflegt. Auch Portugal läuft, abgesehen von „CR7″, eher unter „egal“, ob sie etwas gewinnen oder nicht. Ergo war den meisten egal, welches von zwei schönspielenden südländischen Teams weiterkam. Und daraus resultierte wiederum die eigene mangelnde Beteiligung. Welche aber die Grundzutat dabei ist, eine Partie spannend zu finden oder besser: überhaupt Kontakt mit ihr aufzunehmen.

Annahme 2 – Mangelnde Kenntnis von möglichen Passwegen

Ich weiß, das wird jetzt hier sehr arrogant, aber wenn man keine Gassen auf dem Spielfeld sieht, sieht man evtl. nur kurz nach Abgeben geblockte Pässe, und nicht die beinahe-100-prozentige Torchance, die dann eben nicht stattfand, aber kurz davor war, zu passieren. Wer auf die Partie gestern schaute und von „Langeweile“ sprach, litt entweder unter Annahme 1 oder unter dem Problem aller Eventies: Dass nur Torschüsse als gute Spielszenen durchgehen. Weil nur dann auch der letzte Depp erkennt, dass „es jetzt gefährlich vor dem Tor“ wird. Im tatsächlichen Spiel hingegen gab es massenweise schicke Szenen, die zu mehr hätten führen können, und somit das Spiel als äußerst lebendig erscheinen ließen.

Annahme 3 – Wo Tikitaka draufgeschrieben wird, ist auch Tikitaka drin

Was dann aber eben nicht der Realität entspricht. Denn weil Portugal gestern zumindest so lange, bis die Puste ausging, ganz anders störte als die spanischen Gegner zuvor, waren ungewöhnlich viele lange Bälle Spaniens zu sehen und sogar mehrfach, man höre und staune: Fehlpässe ins Aus. Nicht einer, sondern mindestens mehrere. In der Verlängerung war es dann wieder Tikitaka und auch mit besonderem Zug zum gegnerischen Tor. Vorher aber eben nicht. Merke: Nur weil ständig überall behauptet wird, dass Spanien stets nur Tikitaka und langweilig spiele, muss das nicht in jeder Partie auch tatsächlich so geschehen.

Annahme 4 – Der Bundesliga-Quervergleich

Man darf davon ausgehen, dass die meisten Zuseher Fan einer bestimmten Mannschaft in einer der diversen Bundesligen sind. Dort ist Herzblut und somit emotionale Beteiligung und somit das Empfinden von Spannung per se gegeben. Gleichzeitig ist es in keinem einzigen Pflichtspiel jemals (außer bei Goldene-Ananas-Spielen) egal, ob die eigene Mannschaft gewinnt. Ergo empfindet man Spiele vom eigenen Team niemals als langweilig, selbst wenn sie das objektiv sind. Denn man könnte ja verlieren, oder aber man verwaltet eben gerade seine Führung — aber was gibt es Schöneres in einem Fußballspiel, als zu führen? Weshalb auch ein objektiv langweiliges Spiel der eigenen Mannschaft immer genossen wird. Für Portugal — Spanien gilt das nicht. Der gemeine Zuschauer möchte unterhalten werden, die Spieler und Teams aber suchen den Erfolg. Das sind zwei gänzlich unterschiedliche Ziele. Eine Krux, welche man während 90 oder 120 Minuten nicht auflösen kann.

Soweit also die 4 Grundannahmen, wieso das Spiel so ein verbreitet schlechtes Zeugnis erhielt, welches es aus hiesiger Sicht nicht verdient hatte. Abschließend hinzugefügt, dass es fern liegt, irgendjemanden davon überzeugen zu wollen, ebenso zu empfinden wie der Autor. Wer das Spiel langweilig fand, hat ein Recht auf gesunden Schlaf. So ähnlich eben, wie es hier bei den allermeisten CL-Gruppenspielen geht, siehe Annahme 1.

Es muss zudem noch angefügt werden, dass der in diesem Fall englische Kommentar der BBC die Qualität der Partie von selbst und automatisch um gefühlte 20% anhob. Kann man nur empfehlen, dann werden selbst nicht so extrem hochklassige EM-Half Finals mehr als erträglich, wie gestern geschehen.

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