8. Januar 2009
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Das einfache Hin- und Rückfahrtticket

Heute gibt es nix zu gewinnen, weil es keine erschöpfend richtige oder falsche Antwort gibt. Wer aber Lust hat, kann angesichts der immer unwahrscheinlich wahrscheinlicher werdenden Rückkehr des Prinz Pussy in den Club seines ersten Bundesligaeinsatzes gerne mal ein wenig sammeln, welche anderen Fälle dieser Art es bislang gegeben hat:

Bei einem Verein die Profikarriere begonnen, dann zu genau einem anderen Verein gewechselt und nach einer dort glücklichen oder -losen Zeit wieder zurückgewechselt und am Ausgangspunkt dann noch einen beträchtlichen Teil seiner Karriere gespielt (also nicht nur noch 1 Benefizspiel, um dann ins Management zu wechseln z. B.).

Mir fällt spontan nur

Olaf Thon (Schalke 04/Bayern München)

ein, auf den das zutrifft, aber die Historie sowie die Kenner ebenjener werden schon noch ein paar weitere Beispiele finden. Heute Abend will ich nicht unter einem doppelten Dutzend Fälle in den Kommentaren sehen. Googlen o. Ä. ist dieses Mal natürlich erlaubt, es zählen aber nur Spieler von solchen Clubs, welche den Großteil des Zeitraums der Karriere des Spielers in der 1. Liga verbracht haben.

Was das Schwarmgedächtnis bislang fand:

Olaf Thon (Schalke 04 – Bayern München – Schalke 04)
Jupp Henyckes (Mönchengladbach – Hannover 96 – Mönchengladbach)
Ralf Falkenmayer (Eintracht Frankfurt – Bayer Leverkusen – Eintracht Frankfurt)
Norbert Nigbur (Schalke 04 – Hertha BSC Berlin – Schalke 04)
Manfred Kaltz (HSV – Girondins Bordeaux – HSV)
Mathias Schipper (Schalke 04 – Alemannia Aachen – Schalke 04)
Klaus Fichtel (Schalke 04 – Werder Bremen – Schalke 04)
Friedhelm Funkel (Bayer Uerdingen – 1. FC Kaiserslautern – Bayer Uerdingen)
Hansi Dorfner (1. FC Nürnberg – Bayern München – 1. FC Nürnberg)
Uwe Freiler (FC Homburg – Waldhof Mannheim – FC Homburg)
Klaus Berge (Schalke 04 – 1. FC Saarbrücken – Schalke 04)
Thomas Kristl (1. FC Nürnberg – 1. FC Saarbrücken – 1. FC Nürnberg)
Friedel Lutz (Eintracht Frankfurt – TSV München 1860 – Eintracht Frankfurt)
Jürgen Täuber (1. FC Nürnberg – Schalke 04 – 1. FC Nürnberg)
Helmut Winklhofer (Bayern München – Bayer Leverkusen – Bayern München)
Thomas Strunz (Bayern München – VfB Stuttgart – Bayern München)
Andreas Bielau (Sachsenring Zwickau – Carl Zeiss Jena – Sachsenring Zwickau)
Bernd Bransch (HFC Chemie – Carl Zeiss Jena – HFC Chemie)
Rüdiger Schnuphase (Rot-Weiß Erfurt – Carl Zeiss Jena – Rot-Weiß Erfurt)

7. Januar 2009
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WM 2010: Der Einskommafünfte Teilnehmer steht fest

Sheep in Jumpers

Und es ist: Das Land der Schafe. Das Land, in dem „Herr der Ringe“ gedreht wurde. Das Land, in dem man erfolgreichen Rugby plus vorherige Tanzeinlage spielt. Das Land am buchstäblich anderen Ende der Welt. Das Land, über das man sonst eigentlich gar nix weiß, falls man nicht zufällig schon mal dort war.

Völlig überraschend schloss Neuseeland nach dem Beitritt Australiens zum asiatischen Verband die WM-Qualifikation des Verbandes Ozeanien als Erster ab und niemand hätte es je bemerkt. Jetzt heißt es für die „All Whites“ (geübte Leser von Sportbeiträgen wissen, dass hiermit wiederum die Fußballnationalmannschaft von Neuseeland gemeint ist, ohne dass es extra erläutert werden müsste) nur noch ein knappes Jahr warten, um zu erfahren, wer der Fünfte der Asien-Qualifikation sein wird, um gegen diesen dann in den Playoffs auszuscheiden. Und somit wie immer — mit Ausnahme von 1982 — bei der WM nicht dabei zu sein.

Creative Commons License photo credit: nmack28

6. Januar 2009
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Wir schreiben das Jahr 1904

Und Andreas Müller lässt sich zum Thema seiner Fehleinkäufe und deren großen Disziplinlosigkeiten so zitieren:

„Man kann den Spielern nur vor den Kopf schauen.“

Natürlich kann man das nur, es ist ja auch erst 1904.

Wäre es hingegen 2009, oder damals eben 2008 oder 2007, könnte man Testverfahren anwenden, die Aufschluss über die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen mit einer gewissen Zuverlässigkeit geben, ohne dass dem Probanden dabei besondere Möglichkeiten zur Manipulation dieser Tests offenstehen.

Tja, das wäre was, Manager Müller, wenn man dann vielleicht schon bevor man ein paar Millionen Euro auf den Kopp gehauen hat, wüsste, was man da eigentlich kauft. So eine Art Stiftung Warentest für Persönlichkeitsprofile. Ja, da freut man sich jetzt schon drauf auf Schalke. Man könnte dann vielleicht sogar schon lange vor 2007 bei Arsenal oder beim AC Milan anfragen, ob sie nicht mal ein paar Kopien dieser Testbögen rüberfaxen könnten.

Bis dahin allerdings muss man es beim Handlesen Bauchgefühl Vor-den-Kopf-Schauen belassen.

Schade um die Millionen.

5. Januar 2009
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‚Wort‘ des Jahres 2008: „Durch die Unterhose!“

Man kennt diese — früher nannte ich das fälschlicherweise „rauchig“, richtig aber ist „kehlig“ — man kennt diese kehlige Stimme von Bela Rhethy, und ein jeder, der bei der EM zugegen war (also vor dem heimischen oder kneipischen Fernsehschirm zugegen war), hat auch die tolle Demonstration der Tatsache miterlebt, dass Bela Rhethy nun mal ein eher weniger geeigneter Radioreporter wäre, wenn denn das Bild mal wieder ausfiele.

(Wir erinnern uns.)

Insgesamt, die Meinungen teilen sich wie bei jedem, der nicht an der Spitze der Sympathieskala liegt, ist Bela Rhethy aber nun auch nicht gerade jemand, den man mit Schimpf und Schande vom Hof jagen müsste, nur weil er mal dann und wann ein wenig zu statistikselig ist und uns damit volldröhnt, in welcher Kapelle von Sao Paulo der linke Außenverteidiger des Gegners zu welchen Psalmen geheiratet hat. Er ist halt Bela Rhethy, und liegt damit selbstredend immer noch weit vor JBK und Reinhold Beckmann (die ja übrigens beide, Gottseidank, nicht mehr kommentieren), aber er ist eben auch keine Ikone.

Bela Rhethy also.

Jedes Jahr suchen findige Menschen im Fußball neuerdings einen Spruch des Jahres. Einen Spruch des Jahres. Einen Spruch des Jahres. Inzwischen reicht es nicht mehr, im Mannschaftssport Fußball, bei dem man die Rollen eines Mittelstürmers wohl kaum mit denen eines Außenverteidigers geschweige denn denen eines Torhüters vergleichen kann, einen „Spieler des Jahres“ zu wählen. Diese Vergleiche finden aber immerhin noch innerhalb ein- und derselben Sportart statt. Dann gibt es da aber auch noch den „Sportler des Jahres“, aber selbst das ist nicht genug. Es reicht nicht mal mehr, Wahlen von Sportlern einzuführen, deren Leistungen so vergleichbar sind wie Juristerei und Archäologie, wie Pepsi und Smacks oder wie Frank Zappa und DJ Bobo, Wahlen zur „Sportlerin des Jahres“, bei denen eine Schwimmerin gegen eine Bogenschützin antritt oder gar eine Spielerin eines Mannschaftssports gegen eine Schachspielerin.

Das alles ist nicht mehr genug, inzwischen muss auch noch der „Spruch des Jahres“ gewählt werden in unserem, manchmal gar nicht so schönen Lieblingssportbereich: im Fußball.

Und diese Wahl hat letztens Peppi „Josef“ Hickersberger, damals Trainer der österreichischen Nationalelf, mit einer Aussage gewonnen, die ungefähr so lautete:

„Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deshalb war das Training nach 10 Minuten zu Ende.“

Meine Wahl wäre auf einen ganz anderen Spruch gefallen, der allerdings auch im Rahmen der Europameisterschaft 2008 fiel, und zwar von besagtem Bela Rhethy:

„Durch die Unterhose!“

gröhlte er fast schon panisch ins Mikrofon, während wir, nichtsahnend noch an unserem Weizenbier kauend ins Erstaunen gerieten, wieso der Mann am Mikro so ausflippt bei einem normalen Zweikampf von Philipp Lahm mit einem Gegner an der eigenen Eckfahne, der doch, man weiß doch, man kennt doch, Lahm, sicher in Kürze mit Ballbesitz für Deutschland und dem nächsten Angriffsversuch enden würde.

„Durch die Unterhose!“

und man hätte es eigentlich ahnen müssen, es am Tonfall erkennen, am hysterischen Klang, der gar nicht so gewollt reißerisch, sondern ehrlich, leicht bestürzt, stärker schon entsetzt wirkte und wir ahnten trotzdem noch nicht, was passieren würde.

„Durch die Unterhose!“

und mit der damals vorhandenen Verzögerung von ca. 5 Sekunden sahen wir es dann, was „durch die Unterhose“ passierte: die Türkei hatte durch die Unterhose von Jens Lehmann hindurch ausgeglichen, ganz kurz vor Schluss und Aus war es erstmal mit dem Gefühl, sicher im Finale zu sein. Und meine Wahl gewönne der Spruch nicht wegen seiner sprachlichen Fragwürdigkeit (hätte die Unterhose nicht eigentlich Hosenträger sein müssen?), sondern wegen seiner — selten genug — unbestreitbaren Authentizität in dieser besonderen, weil zeitverzögerten Situation.

3. Januar 2009
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Quote(s) of the year

I was in the car with my dad and brother. A kid was walking down the road with a ‘Walcott 32′ shirt on. I put the window down and said ‘I’ve got a shirt like that too’!

Theo Walcott of Arsenal. If Theo ever becomes as popular in shirt sales as David Beckham, traffic will be halted all over London.

So sieht das aus, wenn junge Menschen zu Stars werden.

Wie es aussieht, wie junge Menschen von Stars zu kleinen Brötchen werden, erfahren wir im selben Beitrag ebenfalls:

I am not the kind of guy who does the kind of thing that I did. Nobody expected this from me, not even myself.

So gesagt, natürlich übersetzt, vom Unaussprechlichen, in Bezug auf sein vorzeitiges Abrauschen aus dem doch nun mal wirklich schönen Westfalenstadion.

Zwei von 50 Sprüchen des Jahres 2008, die man ansonsten vielleicht vergessen hätte.

Gecopyandpastet von soccerlens.

3. Januar 2009
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Kompetenz in Schrott

Wieder sind drei Monate um, oder vier, oder irgendwie etwas dazwischen, denn janus hat wieder in die Tasten gegriffen. Das Jahr 2008 ist vorbei und die gute Punkteausbeute der Mannschaft vom Flinger Broich ebenfalls. Was dabei alles passierte, warum und wie genau, das liest man wieder wort- und witzreich in den neuesten Ausführungen des Herrn Bahnfahrer aus Bonn:

Am 06.12.08 ging es gegen den VfR Aalen von der Schwäbischen Alb. Die uralte Geschichte mit dem Nürnberger Busfahrer, der einst seinen Fan-Club zum Auswärtsspiel in der 2. Liga nicht nach Ahlen in Westfalen, sondern nach Aalen kutschierte und sich anschließend wunderte, warum er soll schnell in NRW war, die kennt ja wohl mittlerweile jeder, die erzähl ich nicht mehr. Eher schon, dass Aalen vor der Saison zu den Aufstiegsfavoriten zählte. Als man nach vier Spieltagen (!) noch nicht uneinholbar an der Tabellenspitze stand, zog man schnell die Notbremse und entließ den Trainer, Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt. Anschließend holte man Jürgen Kohler als Trainer, und die Mannschaft, die in der letzten Saison der Regionalliga Süd mit Abstand den stärksten Sturm hatte, mutierte zur echten Beton-Mischmaschine, ausgehend vom Hauptsponsor und Namensgeber der heimischen Scholz-Arena (Firmenslogan, auch auf dem Mannschaftsbus: „Kompetenz in Schrott“) sowie von der Statistik, die für die 17 Spiele der Aalener vor dem Nikolaustag 2008 immerhin fünfmal das Ergebnis von 0:0 auswies. Dann musste Kohler aufgrund gesundheitlicher Probleme den Trainerjob an den Nagel hängen und wechselte auf den Posten des Sportdirektors. Auch der neue Coach ist kein Unbekannter, es handelt sich um Petrik Sander, einst geschätzter Übungsleiter bei Energie Cottbus. Ich muss nur noch ein wenig überlegen, dann fällt mir bestimmt auch ein, welchem Spielsystem er dort zumeist den Vorzug gab…

Auszug aus dem wie immer lesenswerten und wesentlich längeren aktuellen Bericht von „Janus‘ kleine Welt“.

2. Januar 2009
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Von der Farce eines Trainerscheins

Manchmal ist ein Blick ins Archiv sinnvoll, wenn z. B. jemand zum Trainer der Nationalmannschaft wird, später dann, man weiß es heute, des FC Bayern München, der eigentlich gar kein Trainer ist. Heute also ein Text von jenem Tag, an dem die vermeintliche Berufung Holger Osiecks zum Sidekick von Jürgen Klinsmann in dessen Zeit als Bundesteamchef bekannt wurde, dem 24. Juli 2004:

Liebe Bild-Leser, liebe normale Menschen,

es ist eine Farce, was der DFB mit seiner TFK da zu Wege gebracht hat. Ich bin zwar kein Verfechter der These, dass es ein Makel ist, dass der DFB nicht auf Rudis Rücktritt vorbereitet war. Ebenso denke ich, dass Hitzfelds Absage nicht dem DFB anzulasten ist (wenn, dann höchstens der Personalie MV). Und ich finde es auch absolut legitim und begrüßenswert, dass man sich Zeit nimmt und einige Wochen lang schaut, wer denn überhaupt gerade auf der Kirmes tanzt.

Dass nun aber zum dritten Mal nach Franz „Hillbilly“ Beckenbauer und Rudi Völler mit Jürgen Klinsmann ein Trainer das Amt übernimmt, die A-Nationalmannschaft – nachweislich das höchste unserer Güter im deutschen organisierten Fußball – zu trainieren, der überhaupt nicht die DFB-eigenen Voraussetzungen dafür erfüllt, erfüllt mich mit einer Mischung aus Zorn und Resignation. Zwar lassen sich diese beiden Emotionen auf den ersten Blick schlecht mischen, aber jegliche Aufregung oder auch Zornesregung rührt ja erst daher, dass man einen Zustand vorfindet, der einem nicht passt, den man aber nicht ändern kann, oder daher, dass möglicherweise Erwartungen enttäuscht werden, die man gerne erfüllt sähe und somit liegt in der Wut oder im Zorn schon der Keim der Resignation.

Wer sich aber mal die Mühe macht, beim DFB nachzulesen, welche Voraussetzungen ein gemeiner Mensch erfüllen muss, um überhaupt die Berechtigung zu haben, sich „Fußballlehrer“ zu schimpfen, der wird schon staunen, was da alles gefordert wird.

Nein, ich rede hier nicht vom fließenden Deutsch, welches MV von einem Nationaltrainer gefordert hat, woran dann letztlich auch Lothar Matthäus gescheitert ist, ich rede auch nicht vom schwammigen Begriff der „Weltmännischkeit“ – was auch immer man sich darunter vorstellen mag. Sei es nun, dass man so weltmännisch ist, dass man für O2 Werbung macht, während der eigene Club mit E-Plus in Verbindung steht oder umgekehrt. Sei es, dass man über die zweifelsohne teilweise erbittert vorgetragene Rivalität mit den Niederländern scherzt „Ich verstehe gar nicht, was die Holländer da haben. Wir haben in Bayern für sowas unsere Österreicher!“, oder sei es, dass man einfach seine – mein Gott, wie klischeehaft! – Sekretärin schwängert, woraufhin man seine Frau verlässt, weil man den selbstgezeugten neuen Bub nun wachsen sehen will.

Nein, ich rede von harten, weil niedergeschriebenen Regularien, und die lauten da beim DFB folgendermaßen: Zunächst einmal fällt die Suche via google und anderer Hilfsmittel gar nicht so leicht. Es hat mich über eine Stunde gekostet, etwas Brauchbares in dieser Beziehung im Internetz zu finden. Aufklärung fand ich also auf den Seiten des Bezirksverbandes Fußball Dresden. Hier sind 4 Stufen der Trainerausbildung dargestellt. Die C-Lizenz, die B-Lizenz und die A-Lizenz sind also das Maß der Dinge, gekrönt von der höchsten Stufe, dem „Fußballlehrer“.

Die Voraussetzungen für die C-Lizenz sind schon happig und ich kenne mehr als eine Handvoll Leute, die daran scheitern würden:
Vereinsmitgliedschaft
Lebenslauf
Gesundheitszeugnis
polizeiliches Führungszeugnis
Nachweis der Spielertätigkeit
Vollendung 16. Lebensjahr
Schiedsrichter- oder Regelkundelehrgang

Aha. Nun gut, den vorletzten Punkt würde Loddas Frau auf jeden Fall nicht erfüllen. Dann wäre da noch die Frage, was mit dem Gesundheitszeugnis bezweckt werden soll. Obliegt es etwa dem Trainer, die Frikobrötchen für das Vereinsfest selbst herzustellen und muss er deshalb „gesund“ sein? Oder ist es eher so, dass man eine bestimmte Klientel, die sich wie meinereiner mit Filzläusen und Fettleber rumplagen muss, ausschließen will? Seltsam, seltsam.

Vom Nachweis des polizeilichen Führungszeugnisses ausgenommen ist man übrigens, wenn man beim DFB Präsident werden will bzw. ist bzw. bleiben will bzw. nur noch zu FIFA- und UEFA-Abstimmungen fahren will. Dazu kann man dann gut seine Familie mitnehmen, das kostet dann auch kaum was extra, weil man mit seiner Frau einfach ein Doppelzimmer belegt. Diese lästigen Dinger, die da Rechnungen heißen, faxt man ganz schnöde nach Frankfurt und schon ist der Käse gegessen.

Fraglich erscheint mir auch, ob solch dubiose Gestalten wie Dragoslav Stepanovic ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt haben und somit jemals hätten Trainer sein dürfen. Würde die nachträgliche Aberkennung aller Punkte eigentlich zu einem dramatischen Kursverlust bei der Bayer AG führen? Müsste Eintracht Frankfurt jetzt nicht aufgrund der damals nicht erreichten Punktzahlen eigentlich in der 3. Liga kicken? Und: gilt ein Führungszeugnis aus einem Staat, der eine Diktatur war, ebenso viel wie mein Führungszeugnis, das zwar weiß wie Schnee ist, aber eben auch nur von der Polizei in Moers ausgestellt wurde?

Kommen wir aber zu einem wichtigeren Punkt, den Klinsi-Klinsmän nicht erfüllt: er ist gar kein Vereinsmitglied! Glaub ich jedenfalls. Oder ist er noch beim VfB oder bei den Kickers in Stuttgart in Degerloch „eingeschrieben“? Also aktuell kickt oder trainiert er jedenfalls nirgendwo und wenn, dann auch nur bei den L. A. Raiders oder bei den New York Jets oder wie diese Mannschaften alle in Übersee heißen mögen. Kein DFB-Vereinsmitglied also.

Aber das wäre ja noch vernachlässigenswert. Schauen wir uns mal an, was man für die weiteren Stufen dieses Trainerscheins an Voraussetzungen mitbringen müsste. Achso. Ich vergaß, zu erwähnen, dass man mit C-Lizenz alle Vereine bis zur 5. Spielklasse trainieren darf. Rudi hätte also allerhöchstens bei San Marino Nationaltrainer werden dürfen. Ich weiß, ich weiß, Rudi war gar nicht Bundestrainer, das war Skibby-Heydiddliho-Flanders. Aber irgendwie war ja dann doch Rudi Bundestrainer, oder nicht?

Für die B-Lizenz, die auf die C-Lizenz folgen würde, ist neben den oben genannten Voraussetzungen erforderlich, dass man mindestens 1 Jahr als Trainer mit der C-Lizenz tätig war. Kann ich mich nicht dran erinnern, dass Klinsi-Klinsmän in den letzten Jahren bei einem Verein in der 5. Spielklasse Trainer war. Auch nicht bei Rudi Völler. Und bei Franz „Hillbilly“ Beckenbauer kann ich mich nur an Olympique Marseille erinnern, aber das war nach seiner Zeit als Bundestrainer. Jaja, ich weiß, für ihn erfand man die lustige Bezeichnung Teamchef, weil er eben gar keinen Trainerschein hatte. Teamchef klingt aber für mich irgendwie nach jemandem, der die Hotels bucht und entscheidet, wer wann zu einem Interview kommen bzw. gehen soll, weniger nach „Trainer“.

Für die A-Lizenz muss man dann mindestens 1 Jahr mit der B-Lizenz als Trainer tätig gewesen sein. Sind also schon mindestens 2 Jahre Ausbildung bis hierhin.

Das höchste der Gefühle ist dann die Ausbildung zum Fußball-Lehrer. Hierfür muss man neben den oben erwähnten Dingen wie Reinheit der Kleidung und natürlich unbefleckt in die Ehe gegangen zu sein, was dem polizeilichen Führungszeugnis kaum nachsteht, vor allem: 2 Jahre mit der A-Lizenz tätig gewesen sein. Bevor man also Fußballlehrer werden kann beim DFB, muss man mindestens 4 Jahre als Trainer gearbeitet haben!

4 Jahre. Lodda schafft zwar in einem Jahr fast so viele Stationen, das liegt aber daran, dass er immer so schnell die Stadt verlassen muss, wenn er wieder ein Kind geschwängert hat. In südlichen Ländern wird da nicht lange gefackelt, entweder die Sau wird aus dem Dorf getrieben oder direkt aufgeschlitzt. Nun also Ungarn für Lodda. Okay, kann man als B-Lizenzjahr durchgehen lassen. Ungarn ist nicht gerade erstklassig, also für Lodda immer noch Teil der Ausbildung. Die schlappen Ungarn konnten gerade mal den DFB schlagen in den letzten Monaten, ansonsten gab es hohe Niederlagen gegen Brasilien und andere.

4 Jahre. Franz war noch nicht mal 4 Jahre nicht mehr aktiver Fußballer, als er Mitte 1984 Bundesteamcheftrainer wurde. Rudi hingegen hatte überhaupt gar keine Ahnung, was ihn erwarten würde, er spazierte nur als Schriftführer in die Sitzung im Jahr 2000, und als er wieder rauskam, war er Bundesteamcheftrainer, ohne dass er irgendwie auch nur ein polizeiliches Führungszeugnis in Kopie dabei gehabt hätte. Erstaunlich, erstaunlich. Seit gerade eben wissen wir ja auch, dass ein Kriterium „Vereinszugehörigkeit“ ist. Aber Rudi war doch damals bei Bayer Leverkusen! Es wird doch niemand ernsthaft behaupten, dass eine Werkssportgemeinschaft ein „Verein“ ist! Nee, nee, schon wieder eine Regularie über Bord geworfen.

Der Knüller kommt aber zuletzt: für den Fußballlehrerschein benötigt man den „Nachweis der Fachoberschulreife“.

Wir schlagen nach:
Franz Beckenbauer: Ausbildung zum Versicherungskaufmann abgebrochen
Rudi Völler: bei Rudi findet man nur die Angabe, dass er 1978 seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat, da war er gerade 18 (wenn jemand mehr weiß, kann er mich gerne korrigieren)
Jürgen Klinsmann: Bäcker (Zitat: Ich habe mich nie für das Backen interessiert.)

Wüsste nicht, dass man als Bäcker die Fachoberschulreife hätte.

Zusammenfassend können wir sagen, dass niemand dieser Männer je Bundeschefkoch hätte werden dürfen. Anscheinend gilt in Deutschland immer noch das Führerprinzip: einer wird ausgewählt, der überhaupt nix von den Bestimmungen erfüllt und der dann einer Organisation vorsteht, die die rigiden Bestimmungen für den Rest des Volkes noch verschärft. Und diesem einen fliegen dann die Sympathien zu und er kann machen, was er will, obwohl er überhaupt nicht den strengen Regularien entspricht, so lange er nur Frankreich schlägt.

Insofern kann ich Peter Neururer sehr, sehr gut verstehen, dass er die Faust in der Tasche ballt, an seiner Stelle würde ich die andere Faust auch noch ballen und dann auch noch die Zähne fletschen und zu einem verbalen Rundumschlag ausholen, der sich gewaschen hat. Normale Menschen müssen 4 Jahre lang eine Ausbildung durchlaufen (in der sie ja nicht einfach nur eine Mannschaft trainieren, nein, es stehen solche Dinge wie Technik-, Taktik-, Konditionstraining, Trainingsplanung und -analyse, Coaching, Sportmedizin sowie Sportpädagogik und Sportpsychologie auf dem Lehrplan), diesen Heinis da steckt man den Trainerjob hingegen einfach in den Arsch.

Das ist eine Frechheit und es ist verständlich, dass man da als normal ausgebildeter Trainer sich lieber auf die Zunge beißt als seinen Trainerschein durch unbedachte Äußerungen zu verspielen.

Wenden wir den Blick zu unserem westlichen Nachbarn Frankreich, so finden wir dort ein Land und vor allem einen Fußballverband (F. F. F., denn alle guten Dinge sind drei), der den Mut hat, Trainer aus den eigenen Reihen zum Cheftrainer der A-Mannschaft zu machen. Nicht dass das hier als Plädoyer für Uli Stielike mißverstanden wird, um Gottes willen. Ich will lediglich festhalten, dass diese ganzen Bestimmungen beim DFB, wer wann wen trainieren darf, eigentlich für’n Arsch sind.

In den Reißwolf damit, denn Klinsmanns Nachfolger wird eh wieder Fredi Bobic („Der Fredi ist unverbraucht!“), Oliver Kahn („Der Mann hat alles gewonnen!“) oder Miroslav Klose („Ein Mann mit Charisma!“) heißen. Man muss halt nur im richtigen Moment ohne Job sein und von der Mehrheit der Bild-Leser als sympathisch empfunden werden. Vielleicht wird gar eines Tages der „Unsymp auf Lebenszeit“ Michael Schumacher Bundesflanders. Bei Benefizspielen kickt er ja schon manchmal mit.

Und natürlich – nicht zu vergessen – muss dann noch eine Marionette da neben einem rumspringen, die alle diese ganzen Trainerlizenzen erworben hat. So ganz ohne geht es dann doch nicht in Deutschland. Nun also wieder Holger Osieck, als Nachfolger von Bundestrainer Michael Skibbe. Was für eine Farce!

31. Dezember 2008
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The Sisters of St. Pauli

„Unbekanntes aus …“, sollte das heute eigentlich mal wieder heißen. Hat aber nicht ganz hingehauen mit der Formulierung. Deshalb bleibt es einfach so, wie es bei Wikipedia bezüglich The Sisters of Mercy zu lesen ist:

In den 1990er Jahren waren die Sisters Bandensponsor beim FC St. Pauli, einem erklärten Lieblingsclub von Sänger Andrew Eldritch.

Andrew Eldritch lebte lange Zeit in Hamburg, ward eher selten mit ohne Sonnenbrille gesehen und es war hierzulande unbekannt, dass er sich überhaupt für Fußball interessiert. So aber: Bandensponsor beim FC St. Pauli. Toten Hosen.

Und jetzt warten wir gespannt auf janus‘ weitere Informationen zu diesem Thema.

30. Dezember 2008
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Werner Bierhart wird 60

Raimund Hinko kommt drin vor. Und Lapin Kulta. Und Werner und die Biere natürlich.

Eine schöne Geschichte von Werner Lorants 60. Geburtstag, wie er auf der Seite des TSV 1860 München erwähnt wird, und wie er dann doch gerne mal einen soff. Oder zwei oder drei.

Hatten wir je daran gezweifelt, dass Werner Lorant eigentlich ein Ur-Lapin-Kulta, was nichts anderes als ein Ur-Prolet ist, ist? Nein. Falls doch, dann ist das spätestens jetzt vorbei.

Toll auch, wie Raimund Hinko vorgibt, dass er als „Journalist“ sich bestimmter Angebote erwehren müsse. War Raimund Hinko je ein Journalist im eigentlichen Sinne? Mag sein. Das muss dann aber vor seiner Zeit bei der Sport-FOTO gewesen sein.

28. Dezember 2008
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Unbekanntes aus … Zypern

Rainer Rauffmann ist natürlich kein Unbekannter. Der in Kleve geborene Deutsche nahm nach langen Jahren in der zypriotischen Liga gegen Ende seiner Aschebahn die zypriotische Staatsbürgerkunde an und spielte noch 5 mal für dieses Land. So weit, so bekannt.

Unbekannt ist jedoch die Zahl der Tore, die Rauffmann in seinen sieben Jahren auf der Insel erzielte: 181 Tore in 152 Spielen. Gerd Müller erblasst, nur sieht man das unter dessen Vollbart so schlecht. Eine Quote von 1,19 Toren pro Spiel ist trotz der geringen sportlichen Qualität der Liga auf Zypern beeindruckend.

26. Dezember 2008
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Unbekanntes aus … Hamborn

… Hamborn.

Hamborn, Heimstätte der großen Sportfreunde Hamborn 07 sowie von mehr als einem Dutzend weiterer Fußballvereine. Hamborn war bis 1923 eine eigenständige Stadt, bevor es mit Duisburg zusammengeschlossen wurde, dabei den Streit um den Namen dieser neuen, größeren Stadt aber offensichtlich verlor. Die Sportfreunde Hamborn 07 klopften ebenso wie der Meidericher Spielverein an die neu gegründete Bundesliga an. Teilnehmen durfte dann letztgenannter, mit dem Resultat, dass der dann in MSV Duisburg umbenannte Verein immer noch (bzw. immer mal wieder) Bundesliga spielt, während die Sportfreunde Hamborn 07 teilweise in der 5. Liga rumkrebsen.

Ein besonderes Debüt im deutschen Fußball dürfen sich die SF Hamborn 07 dennoch ans heutzutage nicht mehr so verdreckte Revers heften: Die allererste Live-Übertragung im deutschen Fernsehen fand vom Pokalspiel SF Hamborn 07 — FC St. Pauli statt, und das bereits im Jahre 1952, zudem am zweiten Weihnachtsfeiertag. Hamborn gewann 4:3, was 4664 Menschen zeitgleich (um die damals sicher noch nicht verwendete Vokabel „live“ zu vermeiden) am Fernsehgerät betrachteten.

26. Dezember 2008
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Ein Hammer in den (falschen) Winkl

Der schriftliche Delling der Überschrift sei mir verziehen.

Eines der grandiosesten Eigentore der Bundesligageschichte: Helmut Winklhofer mit seinem Sonntagsschuss ins von Jean-Marie Pfaff gewartete Bayerntor.



Dieses Tor zum 1:0 für Bayer Uerdingen gegen den FC Bayern München entschied nicht nur die Partie, da das 1:0 gleichzeitig der Endstand war. Winklhofer gewann damit auch die Wahl zum „Tor des Monats“. An der Überreichung der Medaille/Plakette durfte er aber nicht teilnehmen, womit diese ausfiel. Winklhofers Teilnahme an dieser Ehrung hatte Kim Jong-Hoeneß verboten.