450 Minuten Fußball für eine Entscheidung

Wie es eben so zugeht, wenn man keine Münze wirft und das Elfmeterschießen noch nicht geboren ist.

Als es in der Oberliga West der Saison 1947/1948 in der Relegation um die Frage ging, ob Preußen Dellbrück aus Köln oder die TSG Vohwinkel 80 den beiden bereits abgestiegenen Klubs VfR Köln und VfL Witten nachfolgen würde, mussten nicht weniger als vier Partien her, um eine Entscheidung herbeizuführen. Welche schließlich in der letzten dieser vier Partien auch erst in der Verlängerung fiel.

02.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:1 n.V.
29.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0 n.V.
12.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0
26.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:0 n.V.






14 Kommentare

  • Nember sagt:

    Schönes Fundstück!
    Interessant, dass die Zeiträume zwischen den Spielen so groß waren (und alle Spiele in Vohwinkel stattfanden). Gut, dass es die heutigen Regeln gibt, auch wenn ich gegen gelegentliche Kuriositäten wie dem obigen auch wenig einzuwenden hätte.

  • Ah, und weil es wohl nicht so bekannt ist: Die Oberliga West war damals die höchste Spielklasse.

  • Doch, die Spiele fanden an wechselnden Orten statt, hab ich nur aus optischen Gründen rausgelassen.

    Schön, dass es gefällt.

  • Jens sagt:

    Auf diese Paarung bin ich auch irgendwann mal beiläufig gestoßen, als ich auf der Suche nach Daten zum Walder Stadion in Solingen war (dort fand das letzte Spiel statt). Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wieso es bei der dritten Partie keine Verlängerung gab.

  • janus sagt:

    >Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wieso es bei der dritten Partie keine Verlängerung gab.

    Aufgrund der großen Hitze wurde auf eine Verlängerung verzichtet.
    Die TSG Vohwinkel fusionierte übrigens 1954 mit dem SSV Wuppertal zu einem etwas bekannteren Verein – dem Wuppertaler SV (nach Fusion mit Borussia Wuppertal im Jahr 2004 seitdem Wuppertaler SV Borussia).

  • Sieh mal einer an. Da kennen die Experten diese Skurrilität bereits …

  • Herr Wieland sagt:

    Also zählte damals das Torverhältnis nicht? Beide Vereine hatten zwar die gleiche Punktzahl, aber Vohnwinkel stand um 3 Tore besser als Dellbrück.

    Wie auch immer: 3 Tor in 4 Spielen mit 3 Verlängerungen, das ist doch gruselig.

  • janus sagt:

    > Sieh mal einer an. Da kennen die Experten diese Skurrilität bereits …

    Ich habe in der Jugend mal vier Jahre beim Wuppertaler SV gespielt. Ich war jung und brauchte den Trainingsanzug! Dort ist die Story natürlich bekannt.

    Habe übrigens grad noch gefunden, dass Preußen Dellbrück 1957 mit Rapid Köln zum SC Viktoria Köln fusionierte, der nach diversen weiteren Vereinigungen mit dem SC Brück und dem FC Junkersdorf sowie einer zwischenzeitlichen flotten Insolvenz der heutige FC Viktoria Köln ist, der aktuell in der Regionalliga West an der Tabellenspitze steht. 1948 mögen beide Vereine nix getroffen haben, aber immerhin ist etwas aus ihnen geworden :-)

  • Matthias sagt:

    -> „Also zählte damals das Torverhältnis nicht?“

    Dass das Torverhältnis im Regelwerk erst relativ spät eine Rolle spielte, fiel mir auch schon mal vor Jahren auf, als ich eine (nachgedruckte) Zeitungsausgabe vom Montag nach dem allerersten Bundesliga-Spieltag in den Händen hielt. In der dort abgedruckten Tabelle wurden Schalke 04 (2:0 gegen Stuttgart) und der 1. FC Köln (2:0 in Saarbrücken) als Co-Spitzenreiter genannt. Der Meidericher SV (4:1 in Karlsruhe) wurde nur als Tabellendritter gelistet und so – nach heutigen Gesichtspunkten – um die erste Tabellenführung der neu eingeführten Bundesliga betrogen.

    Ups, ich sehe gerade, dass sogar der „kicker“ diese Kuriosität übernommen hat. (Klick). Also wird es eine wie auch immer geartete Regel (weiße Weste vor selbst erzielten Toren, vielleicht) gegeben haben. Die Frage ist: Wie lange galt diese Regel?

  • Linksaussen sagt:

    @Matthias: Wenn man den kicker-Tabellen online trauen darf, war die Saison 1969/70 die erste, in der ein team mit 3:1 toren vor dem mit 2:0 toren eingestuft wurde. davor galt anscheinend tatsächlich zuerst das prinzip der wenigsten gegentore.

  • heinzkamke sagt:

    Wenn aber damals das Torverhältnis gezählt hätte, dann wäre es in den 40er Jahren vermutlich um das Torverhältnis, also den Torquotienten gegangen, und nicht wie heute um die Tordifferenz.

    (Wie ich übrigens aus „Elf Freunde müßt ihr sein“ lernte. Ähem.)

  • Wären die vier Jahre beim Wuppertaler SV nicht einen Bericht wert? Glaube, die wenigsten von uns spielten mal in einem Club, dessen erste Mannschaft höherklassig aktiv ist oder war.

    Es galt nicht das Prinzip der wenigsten Gegentore, sondern das Prinzip des Torquotienten, welches man auch Torverhältnis nennt. Welches wiederum nicht die Tordifferenz ist, wie heinzkamke anmerkt.

    Die Torquote des ersten Spieltags zeigt z. B. fussballdaten, sehenswerter aber bei späteren Spieltagen, wie solch einem.

    Seit der Saison 1967/1968 wird bei der Rangbildung in der Bundesligatabelle wie heute verfahren.

  • Was nicht Herrn Wielands Frage beantwortet.

    Wikipedia spricht nur davon, dass die Clubs punktgleich waren, was diese Entscheidungsspiele nötig gemacht hatte. Also, muss man schließen, so diese Information stimmt, waren erzielte und erhaltene Tore für diese Frage irrelevant.

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