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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

500Beine jetzt auch als Buch — „Geplant war Ewigkeit“

Blogger, die schon mal ein Buch raushauen, gibt es viele. Insbesondere die Reihe „111 Gründe, Club XY zu lieben“, hat noch aus fast jedem Vereinsblogger einen Buchautor gemacht. Hier waren es dann die „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“, die einen selbst sich da einreihen ließen.

Aber auch Krimis gibt es vom einen oder anderen Ex-Blogger oder Bloggerin, öfter mal mit Fußballbezug. Nicht zu vergessen die Grandseigneurin des Fußballbloggens mit ihrem Werk.

Und auch so manch andere Bloggerin veröffentlicht schon mal was, was dann die Lesestunden versüßt. Weitere eigentlich für andere Themen bekannte Fußballinteressierte haben auch schon zu ganz anderen Clubs veröffentlicht und dann noch zu wiederum anderen.

Ganz neu aber ist nun endlich der alte 500Beine alias Andreas Glumm („Studio Glumm — locker machen für die Hölle“) in der Reihe der ein Buch-publiziert-Habenden. „Geplant war Ewigkeit“ heißt das Ding und besteht aus den 30 besten Texten aus seinem Blog. Was alleine schon eine Heidenarbeit gewesen sein muss, sich bei der Auswahl auf 30 zu beschränken. Schließlich publiziert der Mann mit den 500 Beinen seit Jahr und vor allem Tag in solcher Qualität, dass er sich zu Recht als einen der beste Literatur-Blogger Deutschlands bezeichnen darf. Was fast schon wieder zu kurz gegriffen ist, so viele gibt es davon schließlich nicht. Und unter ein paar Handvoll einer der Besten zu sein, ist kein allzu großes Kunststück.

Jeder einzelne dieser Texte ist aber ein solches Kunststück, dass man beim Verfolgen seines Blogs nie verstehen konnte, wieso er nicht schon längst etwas veröffentlicht hatte. Der Allerjüngste ist er ja auch nicht mehr. Et wurd‘ Zeit! Und nun bedurfte es wohl eines Arschtritts von außerhalb, damit es endlich klappte.

Er hat ein Buch veröffentlicht: „Geplant war Ewigkeit — Geschichten vom räudigen Leben“. Wer sein Blog kennt, wird es ihm aus den Händen reißen, bei wem das nicht der Fall ist, der sollte schnellstens ein Exemplar erstehen und Glumms außergewöhnliche Art, Geschichten irgendwo zwischen Bowie, Hendrix, Heroin und dem alltäglichen Scheitern so fesselnd und lebendig wie mit trockenem Auge zu erzählen, möglichst rasch kennenlernen.

(Und nein, ich krieg keinen Cent für derartige Werbung, ich bin nur 500Beine-Fanboy. Aber wer wäre das nicht?)

Und wer das Buch nicht kauft, der lese diesen Text mit Fußballbezug von ihm, der er öfter mal bei Union Solingen zu Gast im Stadion war: „Englische Woche“, in der er im Oberleitungsbus – eine bergische Spezialität – zum Duell mit Blau-Weiß Berlin ins Stadion am Hermann-Löns-Weg fährt. Hier nur ein kleiner, unbedeutender Auszug:

„Viertel vor acht, vorm Stadion. Die Flutlichtmasten brüllen ihre Riesige Kronleuchter-Musik, Schlager wehen herüber. Und die Stimme des Stadionsprechers klingt, als habe er Modeschmuck gefressen. Aus Versehen.“

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Ernesto Conditione oder warum doch nicht alles unerträglich ist

Wir kennen alle die Klischees über Sportlehrer. Das sind die, die eigentlich keinen Bock haben, zu arbeiten, morgens schon im „Resto“, so hieß die Kneipe bei uns gegenüber, ein Pilschen zischen, und vor allem, zumindest in den 80ern die Meister der Schwarzen Pädagogik waren. Wer nix kann sportlich, wird angepflaumt, runtergemacht, verhohnepiepelt, aber es wird ihm oder ihr um Gottes willen nicht ernsthaft Hilfestellung geleistet oder gar etwas beigebracht. Was erdreisten sich diese unfähigen Würstchen, überhaupt im Sportunterricht aufzutauchen, wenn sie doch nichts können? Mit den guten Sportlern hingegen wird über diese und jene Feinheit im Volleyball-Spiel diskutiert, aber eigentlich sollten alle möglichst schnell wieder gehen, das Resto wartet mit dem nächsten Pils.

Klingt alles wie ein Klischee, aber so war unser Sportlehrer in der 7. 8. und 9. Klasse. Zufälligerweise damals der Konditionstrainer des MSV Duisburg weshalb zumindest die männliche Hälfte der bedauernswerterweise zum Rapport angetretenen Bagage gehörigen Respekt vor ihm hatte. Eigentlich spielten wir fast immer nur Fußball – und wenn einer das nicht konnte, dann war er in den Augen des Lehrers eben eine Wurst, ein Loser. Keineswegs wäre er auf die Idee gekommen, ihm irgendetwas über Ballbehandlung oder Gott bewahre gar Stellungsspiel zu erklären. Wer nicht Fußball spielen konnte, musste ja irgendwie eine Spottfigur sein.

Fand dieser Lehrer jedenfalls und unser Bassist war einer von denen, die wirklich überhaupt kein Fußball spielen konnten. Der Lehrer machte sich lustig über dessen dünne Beine und dass er ja einfach nichts am Ball könne. Zumindest dieser Adressat des Spots war einigermaßen stabil. Ich hab mich dann gerächt, indem ich im Spiel so oft wie möglich einfach irgendwelche Leute ausdribbelte und dem Bassisten das Tor auf dem Silbertablett servierte: Du muss nur noch reinschießen. Das gefiel dem Lehrer überhaupt nicht, dass der eigentlich von ihm verspottete Typ 5 Tore in einem Trainingsspiel machte.

Und die meisten Leute haben auch weder einen Dribbelkönig auf der einen Seite noch einen Bassisten, dem das alles herzlich egal ist, welche Note er in Sport erhält, am Start. Sie wurden da systematisch fertig gemacht und verspottet. Als wir nach dem Sieg im Funspiel in die Kabine kamen, fühlte sich Sportlehrer X auch noch genötigt, den Bassisten, dem ich die 5 Tore aufgelegt hatte, zu drangsalieren. „Du kannst doch überhaupt nicht Fußball spielen, was post Du hier rum?“ Er sagte nix, wir sagten, der hat doch gar nicht gepost, der hat einfach mitgespielt. Er erging sich dann in allerlei Herabwürdigungen des Bassisten, was für schmale Waden er habe und eh nichts könne, wie die meisten von uns. Aber wir haben doch gut gegeneinander gespielt? „Tja, das glaubt Ihr!“

Man war jedes mal kurz davor, dem Sportlehrer an die Gurgel zu gehen, aber was hätte man schon machen können? Fußball, Fußball, Fußball, was ich natürlich mochte, aber welche Chance hätte jemand, der was anderes im Sport konnte außer Fußball?

Leichathletik kam dann später unter Lehrer Y, der uns erstmal einwies, wie man zu Kugelstoßen hatte: Nämlich mit dem deutschen Gruße. So wie früher unter Adolf müsse man jetzt die Kugel nach vorne stoßen. Das war alles an Erklärung. Macht mal.

Der eine machte soviel Meter, der andere andersviel Meter. So richtig Spaß machte das nicht und der Lehrer stand daneben und lachte sich einen. Kurze Zeit später wurde er in Alkohol-Entzugskur geschickt und kam nie wieder.

Dann gab es noch den Typen, der auch noch Bio machte. Und Schwimmen. Wer hier länger mitliest, weiß, dass ich ungefähr schnell schwimmen kann wie eine Schnecke. Es hatte mir aber auch nie jemand erklärt, wie das besser geht. Der Lehrer kam aus der Region um Neuss, wie Friedhelm Funkel, und er hatte eine sch-/ch-Schwäche. Im Biologieunterricht sprach er vom „Fich“, wenn er einen „Fisch“ meinte und man musste innerlich immer lachen, wenn er so komisch sprach. Zwar kein Arsch, aber auch völlig desinteressiert an allem. „Ja, wie kann ich denn mal schneller schwimmen?“ Sagt einem keiner. Immerhin nur Drittletzter wurde ich über 50m Kraul. Der Fuball-Sportlehrer hätte wahrscheinlich schon über mich gespottet, diesem Lehrer war alles egal. Er trug die Zeiten irgendwo ein, aha soso, so schnell ward Ihr also.

Dann gab es noch den Typen mit der Hornbrille, der auf Ballsportarten außer Fußball stand. Dessen Begrüßungsmoment in der Kabine war, dass er einfach so einen Volleyball auf die Leute drauffetzte, warum auch immer. Na, Jungs! Erklärt hat er auch kein Wort. So, jetzt spielen wir Volleyball und es war grausam schlecht alles. Aber wie hätte es auch besser sein können, wenn er nie was erklärte? Er hat sich dann noch mal besonders die Leute rausgepickt, die nichts mit dem Ball anzufangen wussten. Den Bassisten, der wieder nicht allzu gut war, verunglimpfte er wegen seiner dünnen Beine als „Knickebein“ und als wir wieder in der Kabine waren, schoss er wieder völlig unmotiviert den Volleyball durch die Kabine. Na, müsst Ihr halt immer bereit sein, wenn ich hier bin, ne! Wir so, das hat heute keinen Spaß gemacht. Waaaaasss? Wieso, dann wurde er sauer und hat den Ball nochmal voll auf den Bassisten drauf gefetzt, der sich duckte, dann ging der darüberhängende Spiegel mit lautem Getöse zu Bruch und zerbarst in Tausend Teile und statt aufzuwachen, was hab ich da jetzt gemacht, wurde er nur noch immer aggressiver, mit Euch ist ja kein Staat zu machen. Aber Herr Z, Sie müssen uns das doch erkären, wie das geht, das kann nicht jeder. Schüttelte den Kopf und ging in sein Kabuff.

Immerhin tauchte dann irgendwann Ernesto auf. Ernesto war kein Italiener, er war durch und durch deutscher Mann aus dem Ruhrpott. Erdkunde war sein zweites Fach, aber er war Sportler _und_ Pädadoge. Man, dass es das noch gibt. Ernesto Conditione war sein Spitzname, von älteren Jahrgängen übernommen, warum auch immer. Und Ernesto war liebevoll und er erklärte die Dinge, nicht immer perfekt, aber eben mit viel gutem Willen. Und er nahm jeden an die Hand, auch Du kannst weit springen, mach das so und so und dann laufen wir mal, ne, Leute, jetzt laufen wir durch den Park und wir liefen und liefen und er sagte, nur noch 3 Kilometer und beim nächsten Mal noch länger durch die halbe Stadt und beim nächsten Mal noch länger und es wurde klar, woher er den Spitznamen „Ernesto Conditione“ hatte. Er war aber so still und freundlich, dass ich zwischendurch dachte, der kann unmöglich wirklich Sportlehrer sein. Das sind doch immer so Drill-Asis. Und wir machten Weitsprung und Ernesto erklärte, so und so müsst ihr anlaufen und dann – spielten wir Fußball. Und er guckte nicht etwa doof zu, sondern erklärte jedem, das und das musst Du so und so machen. Eigentlich ganz normal für einen Lehrer, ne? Aber nicht für einen Sportlehrer in den 80ern.

Dann spielten wir unter Ernesto den Kreiswettbewerb im Fußball, einmal im strömenden Regen auf roter Asche mit einem Tor in der letzten Minute und wurden Kreismeister. Dann standen wir mit ihm im, weiß ich nicht, wie das hieß, Halbfinale oder so, jedenfalls waren wir Kreismeister Kreis Wesel und spielten gegen den Meister vom Kreis Oberhausen. Im Niederrheinstadion. Der Sieger wäre nach damals noch West-Berlin zum bundesdeutschen Finale gefahren. Zur Halbzeit stand es noch 0:0, nachdem mir als wie immer Linksaußen ein Tor wegen vermeintlichen Handspiels im Zweikampf vorher abgepfiffen wurde, was natürlich keines war. In der zweiten Halbzeit verloren wir 1:3 im Niederrheinstadion und fuhren nicht nach Berlin. Aber wir fuhren gemeinsam im Bus nach Hause und Ernesto sagte, der sonst sehr schweigsam war, Jungs, das habt Ihr heute gut gemacht. Ich bin stolz auf Euch.

In der Abi-Zeitung erhielt Ernesto Conditione eine Doppelseite mit Würdigungen aller Leute, die ihn mochten, und das waren viele. Was auch nicht so schwer war bei der Konkurrenz der Riege der Meister der Schwarzen Pädagogik. Aber Ernesto, der wahrscheinlich Jürgen oder Heinz oder Ralf hieß, das wusste niemand, war jemand, der Herzblut gab und der so nahbar war, der Hilfestellung gab, der zusammen was erreichen wollte. Wie traurig, dass das überhaupt bemerkenswert war. Ich verstehe jeden, der in diesen Jahren mit all den anderen Lehrern nur mit Grausen zum Sportunterricht gekommen ist, insbesondere Mädchen.

Achso, obwohl Ernesto Conditione noch kleiner war als ich, nämlich nur 1,70m, aber ein totales Muskelpaket, gewann er später mit dem Lehrerteam der Schule den Volleyballpokal oder so von ganz NRW, wohl dort als Libero. Aber Ernesto machte nie ein großes Aufheben darum.

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Doku: Der FC Bayern unter dem Sir hautnah

„Münchner Olympiastadion, 12. Dezember 1992. Bayern München trennt sich nach schwachem Spiel gegen Schalke 04 unentschieden 1:1.“

Vorgetragen mit einer Stimme, als führen die alle gleich mit dem „Boot“ auf den Atlantik hinaus und kämen nie wieder. So beginnt jedenfalls diese Dokumentation über den FC Bayern der frühen 1990er, die über zwei Stunden dauert.

So langsam verkommt das hier zwar zum „TV-Tipp“-Blog. Vielleicht heißt es hier auch bald nicht mehr „Trainer Baade“, sondern „Programmchef Baade“, aber das wären ja ohnehin nur marginale Unterschiede.

Bedenklicher ist, dass es hier zuletzt allzu oft um den FC Bayern geht – und heute schon wieder. Jedenfalls lief mir nach dem Schauen des Viertelfinals Jahn Regensburg – Werder Bremen auf youtube nach dem Ende der Übertragung diese Dokumentation zu.

„11 Freunde müsst ihr sein“, über den FC Bayern hautnah, aus jener Zeit, als dort der „Sir“ Trainer war, also Erich Ribbeck.

Ehrlich gesagt hab ich noch nicht die zwei Stunden Zeit finden können, um mir das zu Gemüte zu führen. Aber das schnelle Durchklicken verspricht doch einiges an Innenansichten, die so manchen Bayern-Fan interessieren dürften. Und so manchen Fan der Bundesliga jener Zeit, als sie noch lebte, vielleicht auch.

Könnte man natürlich auch einfach nur twittern, so ein Video, aber dann geht das ja doch irgendwie unter. Wer diese Doku erstellt hat, ist bislang hier auch noch nicht bekannt. Achso, da ist diese stilisierte „1″ oben links zu sehen. Also eine ARD-Doku? Naja, man wird sehen. Was es bringt und ob es gefällt.

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Der Tor des Monats: die Sportschau

Fußball-Fatigue allerorten, verschärft noch durch die erzwungene Corona-Karenz.

„Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen!“ Die Liebe zu Toren wird nie untergehen. Zu schönen, kuriosen, wuchtigen wie wichtigen, und so erfreut es auch immer noch, dass man weiterhin bei der Sportschau ein „Tor des Monats“ wählt.

Diese Einrichtung wird gerade 50 Jahre alt und ihr Betreiber würdigt diesen Umstand angemessen. So gibt es einen Beitrag von Burkhard Hupe dazu (auch einfach im Web zu hören) in dem ansonsten von Sven Pistor betriebenen Podcast „Einfach Fußball“, welcher eher als echtes Radiostück gelten darf. Viele Stimmen der diversen Torschützen des Monats erklingen, auch jene des Erfinders Klaus Schwarze und da kann man schon mal eine Empfehlung aussprechen.

Außerdem veröffentlichte man auf der Webseite der Sportschau einen natürlich wegen der enthaltenen Tore sicher noch empfehlenswerteren Filmbeitrag zu diesem Jubiläum. „Sicher noch empfehlenswerteren“, weil man es noch nicht beurteilen kann. Denn gleich beim Intro hat die Sportschau sich zum echten Tor gemacht.

Wie breit ist ein Fußballtor?

Richtig, 7,32 Meter.

Hat sich wahrscheinlich bei jedem Fußballfan, der mit dem metrischen System aufgewachsen ist, eingebrannt, weil es so eine seltsam krumme Zahl ist.

Und wie hoch ist ein Fußballtor, liebe Sportschau?

Autsch. Nein, 2,70 Meter ist es nicht hoch.

Es ist 2,44 Meter hoch, weil das Verhältnis 3:8 ist. Ein Tor ist 8 Fuß hoch, also 243,84, gerundet 2,44 Meter. Und 24 Fuß breit, also 7,315 Meter, gerundet 7,32 Meter.

Dass die Sportschau glaubt, ein Fußballtor sei 2,70 Meter hoch, fordert einiges an Fragen heraus.

Steigt der FC Köln deshalb so oft ab, weil man dort tatsächlich Tore mit 2,70 Metern Höhe bereitstellt? (Was natürlich keinen Unterschied machte, wenn beide Kontrahenten gleich häufig aufs Tor schössen, dem ist bei Spielen des FC Köln aber bekanntlich nicht so.)

Schauen sich Redakteure ihre eigenen Beiträge vor Veröffentlichung nicht mehr an?

Und auch wenn Irren menschlich ist und auf einem kleinen, eigentlichen Flüchtigkeitsfehler herumzusurfen, kleingeistig wirkt: Wie wenige Menschen sind an der Produktion eines solchen Beitrags beteiligt, dass dieser absolute „Blunder“ niemandem auffällt?

Nix für ungut, liebe Sportschau, mit Zahlen hat es ja nicht jeder so, aber diese im metrischen System so merkwürdigen Maße kriegt doch eigentlich jeder Fußballfan mit der Muttermilch eingeflößt.

Wie gesagt, nix für ungut, und jetzt wird dann tatsächlich erstmal der Beitrag zu 50 Jahren Tor des Monats zu Ende geschaut – garantiert mit auf 2,44 Meter hohe Gestänge erzielten Toren.

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Die Welt* zu Gast an der Wedau

*meisterschaftsqualifikation

Zumindest jener Teil, der in Corona-Zeiten überhaupt irgendwo zu Gast sein kann. 23 Wikinger nämlich, deren Trainer samt Stab (früher sagte man „staff“ dazu) und anderthalb Gießkannen voll Journalisten nebst Übertragungsmenschen sind heute Abend zu Gast an der Wedau. Heute und am nächsten Mittwoch noch einmal, dann allerdings 23 Nordmazedonier statt Isländer.

Wer nicht an der Wedau weilt, ist Uli Hoeneß, der seine Expertise vom Studio in Köln aus einfließen lässt. Verständlich, erlebte er doch einige seiner weniger schönen Nachmittage an diesem Ort.

Wieso das alles aber auch noch eine Notiz wert ist, ist der Umstand, dass Duisburg damit als Austragungsort eines Länderspiels des DFB einen gehörigen Sprung nach vorne in jener Liste macht.

Schon heute Abend lässt man Bochum und Ludwigshafen mit ihren je 4 Länderspielen hinter sich. Am Mittwoch wird man mit den 6 Länderspielen in dieser Stadt auch Breslau, Augsburg und Freiburg hinter sich lassen. Dann liegt man nur noch ein Länderspiel hinter Dresden, Mönchengladbach und Karlsruhe und deren zwei hinter Leverkusen. Wobei ein weiterer Sprung in dieser Liste erst einmal nicht wahrscheinlich ist, sollten in den nächsten Jahrzehnten nicht wieder diverse Pandemien auftreten.

Hier der kurze Überblick über den Stand ab nächster Woche:

Stadt Länderspiele des DFB
Berlin 46
Hamburg 34
Stuttgart 33
Köln 28
Hannover 27
Düsseldorf 26
Frankfurt 25
München 25
Nürnberg 22
Dortmund 20
Gelsenkirchen 18
Leipzig 12
Kaiserslautern 10
Bremen 10
Leverkusen 8
Karlsruhe 7
Mönchengladbach 7
Dresden 7
Duisburg 6
Freiburg 5
Augsburg 5
Breslau 5
Ludwigshafen 4
Bochum 4
Mannheim 3
Altona 3
Wien 3
Essen 2
Mainz 2
Saarbrücken 2
Königsberg 2
Chemnitz 2
Rostock 2
Sinsheim 2
Wolfsburg 2
Beuthen 1
Krefeld 1
Stettin 1
Aachen 1
Erfurt 1
Wuppertal 1
Magdeburg 1
Kleve 1

Beim ersten Länderspiel in Duisburg, einem 0:3 gegen Belgien, konnte man übrigens noch Nationalspieler werden, wenn man eigentlich nur als Zuschauer gekommen war und ein bisschen kicken konnte, hier Näheres dazu.

Beim letzten Länderspiel an dieser Stelle 2007 gegen Dänemark hieß es hingegen noch (0:1, Kapitän damals: Kevin Kuranyi), dass dieses für immer das letzte Länderspiel an der Wedau gewesen sein werde. Fortan wolle man nur noch in größeren Stadien antreten. Kann man mal sehen, wie unvorhersehbar die Weltläufte sind.

Dann darf man also gespannt sein, wie die Analyse von Uli Hoeneß ausfallen wird. Gespannt auch, wie sich der neue Rasen machen wird, der extra für die Länderspiele als Mitbringsel des DFB verlegt wurde und dem MSV im Abstiegskampf der 3. Liga hilft oder vielleicht auch nicht. Und wie die beinahe letzten Pflichtspiele der Ära Löw verlaufen werden, nachdem man im bislang letzten tatsächlich die höchste Niederlage des DFB in Pflichtspielen überhaupt eingefahren hatte. Das 0:6 gegen Österreich 1931 war ebenso wie das 0:9 gegen England kein Pflichtspiel. Das 0:6 in Spanien schon.

Nun also Island an der Wedau, voraussichtlich ohne ihr charakteristisches Huh!

Die bisherige Bilanz gegen Island:

1960 Island – Deutschland 0:5, Testspiel
1979 Island – Deutschland 0:2, Testspiel
2003 Island – Deutschland 0:0, EM-Qualifikation („Die Isländer sind Tabellenführer, oder nicht?“)
2003 Deutschland – Island 3:0, EM-Qualifikation

Wer das Spiel mangels Interesse jedoch nicht schaut, kann ja mal diesen schönen Longread „Nationalmannschaft in der Krise“ von Andreas Rüttenauer zum Thema lesen, vielleicht findet er oder sie sich darin wieder.

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Was Liza & Uli & Jupp & Mehmet wissen — und Robbéry nicht

Letztens war es wohl 40 Jahre her, dass Franz Beckenbauer nach seiner Zeit bei Cosmos New York sein Comeback in der Bundesliga gab. Bekanntlich geschah dies für den Hamburger SV, nicht für seinen Heimatclub FC Bayern München. Anderthalb Jahre blieb er an der Alster, war allerdings oft verletzt. Immerhin 28 Einsätze wurden es dann unter Manager Günter Netzer, darunter auch exakt einer gegen jenen FC Bayern München, den er zuvor stark geprägt hatte und hinterher noch ebenso prägen würde.

4:1 gewann sein Hamburger SV damals, nachdem er im heimischen Volksparkstadion zunächst mit 0:1 zurücklag, als Franz Beckenbauer gegen so Spieler wie Klaus Augenthaler, Karl-Heinz Rummenigge und andere antrat.

Franz Beckenbauer

31.10.1981 Hamburger SV - FC Bayern München 4:1

Das inspiriert, doch gleich einmal zu schauen, wie die übrigen Granden der Vereinsgeschichte sich in den Partien gegen den FC Bayern schlugen, wenn sie diesen einmal verlassen hatten – oder noch nicht da waren. Da gibt es doch einiges zu berichten. (Unterschiedliche Detailtiefe beim Spieldatum ist phlegmabedingt unterschiedlich. Und Supercup und Ligapokal bleiben wie immer auf dieser Seite unberücksichtigt. Nur Spiele als Spieler sind gelistet, sonst wäre es bei Rehhagel und Heynckes dann doch sehr ausgeufert.)

Zum Titel also: All die folgenden Spieler wissen, wie es ist, gegen den großen FC Bayern zu verlieren und manche auch, wie es ist, zu gewinnen. In jedem Fall kennen sie aber das Gefühl, gegen diesen meist als stärker eingeschätzten Gegner aufzulaufen – Arjen Robben und Franck Ribéry hingegen (noch) nicht.

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Doku: Huub Stevens privat

Nur ein kleiner „TV-Tipp“, wie man früher sagte: Die Doku „Ein neues Leben – Huub Stevens privat“ gibt es kostenlos auf den Seiten des Kicker zu sehen. Außergewöhnlich, weil es in erster Linie um den Menschen und nicht um den Sportler oder Trainer geht. Und das ausgerechnet bei dem vermeintlich so harten Hund, dem Schlosser aus Sittard. Nicht nur für Schalke-Fans, sondern für alle Freunde der Bundesliga sehenswert, schließlich prägte Stevens die Bundesliga in den letzten 25 Jahren wie nur wenige andere – und das neben seiner Rolle beim FC Schalke 04 auch beim 1. FC Köln, bei Hertha BSC, dem Hamburger SV, dem VfB Stuttgart und sogar bei einem Dorfverein nahe Sinsheim. Dass Stevens darin keine unerwartet tiefgründigen Erkenntnisse zum Besten gibt, ändert nichts daran, dass der Blickwinkel eher ungewöhnlich ist, aus dem ein Protagonist der Bundesliga hier porträtiert wird.

Ein neues Leben - Huub Stevens privat

30 Minuten wohltuend langsam erzählt. Vielleicht mag man auch einfach diesem limburgschen Deutsch mit dem Timbre von Stevens gerne zuhören.

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Mehr Quiz! Jeden Freitag 5FFFF

Hier liegt die Fußballquiz-Kunst ein wenig brach, da springen andere in die viel zitierte Bresche. „Andere“ bedeutet in diesem Fall der Betreiber der Webseite Stadioncheck, welcher auf seinem youtube-Kanal nicht nur zahlreiche Videos zu Stadien aus aller Welt produziert, sondern letztens auch ein regelmäßiges Fußballquiz in Videoform gestartet hat. Heute läuft bereits die fünfte Ausgabe, die man sich als Video einträufeln kann:

Bislang war es selbst für die größten Fußballquizexperten ziemlich schwierig, aber deshalb eben auch umso reizvoller. Hilfsmittel sind erlaubt und angesichts des Schwierigkeitsgrads der Fragen oft auch vonnöten. Die Antworten immer bei youtube als Kommentar hinterlassen, dann klappt es auch mit dem Gewinn eines Sachpreises.

Hier die Playlist mit allen bisherigen (und dann folgenden) Ausgaben des 5FFFF getauften Quiz. „Fünf freitagsfreshe Fußballfragen“. Noch Fragen?

Okay, der Termin: jeweils freitags um 21 Uhr wird die neue Ausgabe veröffentlicht. Gutes Gelingen!

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Update! „Tor des Jahres“ — alle auf einen Klick-Blick

[Update 2021] Marcel Risse 2016 mit einem überaus sehenswerten Freistoßtor, Lukas Podolski 2017. Nils Petersen mit schönem Weitschuss 2018, Marcel Hertel mit Fallrückzieher 2019 und – selbstverständlich – Valentino Lazaro mit seinem Hacken-Akrobatik-Tor 2020, bei dem sofort feststand, dass es das Tor des Jahres werden würde. Alle Videos siehe unten.

[Update 2016] Das Tor des Jahres 2015 erzielte Carsten Kammlott. Das wird hier extra noch mal erwähnt, weil man sich den dazugehörigen Beitrag der Sportschau ruhig geben sollte, sofern man sehen möchte, wie ein Profi der 3. Liga so lebt. Jeden Sonntag bei den Eltern zum Essen (wobei das der eine oder andere Weltmeister ja ebenso pflegen soll) und derlei mehr. Nicht prickelnd, aber erhellend. Und das Tor an sich natürlich: hier der Beitrag (der obere), sicher nicht lange online. (Außerdem erfährt man so, dass Reinhold Beckmann immer noch die Sportschau macht. Dachte, der spielt jetzt Gitarre.) Und für die Jüngeren vielleicht interessant, dass dieses Tor einen weltbekannten Vorfahren hatte. Das Tor, nicht Kammlott.

[Update 2013] Dass ein Schwede mit bosnischen Wurzeln in einem Freundschaftsspiel in Schweden gegen England das Tor des Jahres in Deutschland erzielen kann, bleibt eines dieser Geheimnisse des professionellen Sportjournalismus. Ein fantastisches Tor erzielte Ibrahimovic mit seinem Fallrückzieher natürlich unbestritten, aber die Frage, was das bei den deutschen Toren des Jahres zu suchen hat, bleibt offen — vielleicht mal bei der Sportschau nachfragen.

[Update 2012] Heute gibt es dann den Neuzugang für 2012 2011: Señor Raúl. Ein schön anzusehender Lupfer beim hohen Sieg gegen den 1. FC Köln. Was der FC Schalke übrigens auch ohne Raúl schafft, wie gestern gesehen.

[Update 2011]

Ein Schuss aus 60 Metern. Kreativ. Gab es erst seit 2007 nicht mehr.

[Update 2009]

Ich hab dann mal eine nur wenig Voraussicht benötigende Änderung vorgenommen, siehe Ende der Liste. Sollte ich mich getäuscht haben, werde ich mich damit bestrafen, selbst so ein Tor wie das von Grafite erzielen zu müssen und es so lange zu versuchen, bis es klappt — allerdings ohne Gegenspieler. Schwer genug.

Aber ich werde mich ohnehin nicht täuschen.

Und wie profan Ballacks Tor von 2008 plötzlich wirkt …

Aus aktuellem Anlass, da Diego mit seinem Tor aus 60m Entfernung gegen Alemannia Aachen gerade Tor des Monats wurde, ein Überblick über die bisherigen Schützen des „Tor des Jahres“ seit der Einführung dieser Wahl im Jahr 1971.

1971 Ulrik Le Fevre
1972 Günter Netzer und Gerd Müller
1973 Günter Netzer
1974 Erwin Kostedde
1975 Klaus Fischer
1976 Gerd Müller
1977 Klaus Fischer
1978 Rainer Bonhof
1979 Harald Nickel
1980 Karl-Heinz Rummenigge
1981 Karl-Heinz Rummenigge
1982 Klaus Fischer
1983 Jürgen Wilhelm
1984 Daniel Simmes
1985 Pierre Littbarski
1986 Stefan Kohn
1987 Jürgen Klinsmann
1988 Jürgen Wegmann
1989 Klaus Augenthaler
1990 Lothar Matthäus
1991 Andreas Müller
1992 Lothar Matthäus
1993 Augustine „Jay-Jay“ Okocha
1994 Bernd Schuster
1995 Jean-Pierre Papin
1996 Oliver Bierhoff
1997 Lars Ricken
1998 Olaf Marschall
1999 Giovane Elber
2000 Alex Alves
2001 Kurt Meyer
2002 Benjamin Lauth
2003 Nia Künzer
2004 Klemen Lavric
2005 Kasper Bögelund
2006 Oliver Neuville
2007 Diego
2008 Michael Ballack
2009 Grafite
2010 Michael Stahl
2011 Raúl
2012 Zlatan Ibrahimovic
2013 Raúl und Julian Draxler
2014 Mario Götze
2015 Carsten Kammlott
2016 Marcel Risse
2017 Lukas Podolski
2018 Nils Petersen
2019 Marcel Hartel
2020 Valentino Lazaro

Mit Nia Künzer immerhin schon eine Frau als Gewinnerin dabei, sowie mit Jürgen Wilhelm und dem damals 80-jährigen Kurt Meyer auch zwei Amateure. Rekordsieger bleibt Klaus Fischer mit 3 Toren, vor Günter Netzer, Gerd Müller, Lothar Matthäus und Karl-Heinz Rummenigge mit je 2 Toren des Jahres.

In den meisten Fällen braucht man nur auf die Jahreszahl und den Namen zu schauen, schon ist klar, welches Tor es gewesen sein muss. Beispiele:

Lothar Matthäus 1990
Nia Künzer 2003
Lars Ricken 1997
Klaus Fischer 1982
Oliver Bierhoff 1996

Was an dem wurschtigen, glücklich abgefälschten, kraftlosen, unplatzierten Torschuss Bierhoffs von 1996, der dem armen tschechischen Torhüter durch die plötzlich nur noch mit der Konsistenz unaufgeblasener Luftballons funktionierenden Hände glitt, Tor-des-Jahres-würdig gewesen sein soll (außer eben seiner Wirkung), wird sich uns nie erschließen. Klaus Fischers Tor von 1982 begeistert da schon eher, so wie alle seine Tore des Jahres es vermögen.

Ich persönlich hätte auch diesmal eher auf Christoph Preuß‘ Fallrückzieher gesetzt als auf diese dann doch irgendwie gar nicht so schwierigen Tore der Marke Augenthaler 1989, Alves 2000 oder eben Diego 2007, aber ich bin ja auch nicht die Masse.

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Der Helge Schneider der Bundesliga

Eine Folge des Podcasts von Michael Born und Ewald Lienen zu empfehlen, wie es das Zebrastreifenblog tut, bedeutet ja eigentlich, Bälle in das Tor des Gegners des FC Bayern zu tragen. Natürlich hängen wir ohnehin alle an den Lippen von good old Ewald, der mit Humor, Verve und viel Sachverstand in der Regel über die aktuellen Fußballereignisse doziert. Meist aus der Sicht eines Trainers, oft aus der eines Beobachters des gesamten Businesses. Die Sternstunden aber erlebt dieser Podcast, wenn Ewald Lienen sich an seine Zeit als Spieler, im Europapokal, in der Bundesliga erinnert und aus dem Nähkästchen plaudert.

Noch besser wird das natürlich, wenn er einen Kompagnon aus jener Zeit an seiner Seite weiß und in diesem Fall, den wir als Redaktion hier ausdrücklich empfehlen, ist das jene Folge, in der Hans-Günther Bruns („nur meine Eltern nannten mich Hans-Günther“) zu Gast ist.

Wer jene Zeit der Bundesliga goutiert, der kommt nicht daran vorbei, diese Folge zu inhalieren, in der „Bruno“, wie er genannt wurde, und eben Ewald Lienen in gemeinsamen Zeiten bei Borussia Mönchengladbach schwelgen. Natürlich ist auch jenes legendäre Duell mit Real Madrid Thema, das so tragisch endete, wie es eben nur bei Real Madrid tragisch enden kann.

Wie Kees Jaratz vom Zebrastreifenblog richtig anmerkt, benötigt „Bruno“ eine gewisse Zeit in diesem Gespräch, um aufzutauen. Dann aber erlebt man den Helge Schneider der Bundesliga in bester Manier. Warum ist er wie Helge? Nicht allein, weil er wie dieser aus Mülheim an der Ruhr stammt – und auch so spricht. Nicht allein, weil er frei Schnauze davon erzählt, wie er aus der Nationalmannschaft flog (wer das nicht hören will, kann es hier bei 11Freunde lesen), sondern weil er einfach eine so faszinierend schnoddrige Art an den Tag legt, dass ihm Stardom einfach nix bedeutete und er gleichzeitig aber bis heute vom Fußball nicht wegkommt.

Noch dazu tritt dabei zu Tage, was man hier nicht wusste, dass Hans-Günther Bruns bereits von 1973 – 1976 (!) in der Bundesliga für den FC Schalke 04 spielte. Und dass er in der Saison 1979/80 bei Fortuna Düsseldorf war. Womit er Pokalsieger 1980 wurde und zumindest auf dem Papier jenem Kader angehörte, der von Fortuna das legendäre Finale im Europapokal der Pokalsieger in Bern nach Verlängerung mit 3:4 gegen den FC Barcelona verlor.

Im kollektiven Gedächtnis geblieben ist allerdings jenes „best goal that never was“, als er bei Bayern München zum Solo ansetzte, um dann doch zu scheitern.

Naja, das ist jetzt so einfach nicht zu finden, leider, aber Ihr wisst, was ich meine.

Dann nehmen wir eben das Tor des Monats von Hans-Günther Bruns im Juli 1987, als er eine Ecke direkt verwandelte.

Oder dieses Tor des Monats als er in Bochum ein ähnliches Solo hinlegte, nur anders als in Bayern eben mit einem erfolgreichen Abschluss.

Jetzt aber den Podcast hören mit dem Helge Schneider des Fußballs, Hans-Günther Bruns.

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Ewige Tabelle der Bundesliga für NRW

Man könnte glatt eine eigene Liga betreiben nur mit aktuellen und früheren Clubs der Bundesliga aus Nordrhein-Westfalen – genau 18 sind es aktuell an der Zahl. In Kürze wird natürlich der VfB Homberg hinzustoßen, bis dahin bleiben es aber erst einmal 18 Clubs. Diese erreichten dabei die folgenden Kennzahlen in ihren 53 (Borussia Dortmund) bis 1 Saison/s (Preußen Münster, Fortuna Köln) in der Bundesliga.

Club J Spiele S U N Tore +/- P
1. Borussia Dortmund 53 1798 805 460 533 3216:2527 +689 2875
2. Borussia M‘gladbach 52 1772 721 462 589 3012:2561 +451 2625
3. FC Schalke 04 52 1764 634 446 628 2582:2521 +61 2516
4. 1. FC Köln 48 1628 639 413 576 2668:2433 +235 2330
5. Bayer L‘kusen 41 1398 602 379 417 2352:1872 +480 2185
6. VfL Bochum 34 1160 356 306 498 1602:1887 -285 1374
7. MSV Duisburg 28 948 296 259 393 1291:1520 -229 1147
8. Fortuna Düsseldorf 25 854 264 232 358 1245:1518 -273 1024
9. Arminia Bielefeld 16 544 153 139 252 645:883 -283 598
10. KFC Uerdingen 14 476 138 129 209 644:844 -200 543
11. Rot-Weiss Essen 7 238 61 79 98 346:483 -137 262
12. Alemannia Aachen 4 136 43 28 65 186:270 -84 157
13. SG Wattenscheid 09 4 140 34 48 58 186:248 -62 150
14. Rot-Weiß Oberhausen 4 136 36 31 69 182:281 -99 139
15. Wuppertaler SV 3 102 25 27 50 136:200 -64 102
16. SC Paderborn 2 68 11 18 39 68:139 -71 51
17. Fortuna Köln 1 34 8 9 17 46:79 -33 33
18. Preußen Münster 1 30 7 9 14 34:52 -18 30

Stand vor der Saison 2020/21.

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Gestatten, das dreiundvierziggrößte Stadion Deutschlands — das Rheinpreußenstadion

Wenn nix mehr geht, Stadien gehen immer. Ist das nicht eigentlich ein Job für Stadioncheck? In diesem Ausnahmefalle eher nicht, denn es geht um ein Stadion eines Teams in der Kreisliga A – das dennoch zu den größten in Deutschland zählt.

Manchmal ist es ja so, dass zusammengesetzte Wörter in der Wahrnehmung im Hirn die Bedeutung ihrer einzelnen Teile verlieren. Oder denkt jemand beim Wort „Handschuh“ wirklich explizit an eine Hand und an einen Schuh? So ungefähr geht es mir mit dem Wort „Rheinpreußen“. Da denke ich weder an den Rhein noch an Preußen oder die Region Rheinpreußen (welche mir bis zum Verfassen dieses Textes ohnehin nicht geläufig war), sondern an ein danach benanntes Bergwerk. Höre ich also als in der Nähe Aufgewachsener die Vokabel „Rheinpreußen“, dann hat das für mich nicht mal in leisen Tönen etwas mit Preußen zu tun, sondern eben mit einer Zeche. Und nach dieser Zeche ist das Rheinpreußenstadion im Moerser Stadtteil Meerbeck benannt. Moers, eine der Städte, die immer unter den erfolglosesten Großstädten im Fußball in ganz Deutschland auftaucht. Zu Recht, aber mit einer Ausnahme, zu der wir gleich noch kommen.

Das Rheinpreußenstadion dürfte wohl kaum jemand außerhalb des Fußballkreises der Region ein Begriff sein. Dabei ist es, man höre und staune, das dreiundvierziggrößte Stadion in Deutschland. Im Moment jedenfalls noch, denn es wird bald abgerissen. Es weicht Wohnungen und Begegnungsstätten unter freiem Himmel. Also so etwas, wo sich dann zwei Wochen nach Eröffnung keiner mehr hintraut, weil da nur Suchtkranke rumhängen. Der kommende Abriss war jedenfalls Anlass genug, diesem Stadion einen letzten Besuch abzustatten, nachdem man hier im Hobby-, Jugend- und sogar Schulfußball so manche Schlacht geschlagen hatte. Wenn auch ehrlicherweise meistens auf dem Ascheplatz nebenan, aber immerhin auf der Gesamtanlage „Rheinpreußenstadion“. Dazu eine Anwesenheit bei einem Testspiel des MSV Duisburg auf diesem Rasen gegen einen holländischen Club, bei dem man so nah wie sonst nie am Spielfeldrand stehen durfte und die Anweisungen von Thorsten Wohlert an seine Abwehrkollegen mit eigenen Ohren hören konnte. Klar, in Corona-Zeiten ist das eine Selbstverständlichkeit, war es aber bis dahin nicht und daher durchaus Eindruck hinterlassend.

Hausherr ist der Meerbecker Sportverein Moers 13/20, kurz der MSV Moers. Ja, es gibt wirklich einen MSV Moers, auch, wenn man das damals überhaupt nicht (s. o.) mit dem großen MSV in Verbindung brachte. Vereinsfarben sind offenbar Grün und Weiß – oder Weiß und Grün, da ist man im Fußball ja sehr pingelig.

Mitten in der Hochphase der Corona-Schließung also auf dem Heimweg schnell mal das Tor zum Rheinpreußenstadion aufgestoßen und ein paar Fotos gemacht, bevor diese Ränge und der Rasen diversen Bulldozern und anderem Abrisswerkzeug zum Opfer fallen.

Als dreiundvierziggrößtes Stadion ganz Deutschlands muss es natürlich ein gewisses Fassungsvermögen besitzen und dieses beläuft sich auf 23.000 Zuschauer. 23.000 Zuschauer werden hier aber wohl letztmals nach dem Krieg versammelt gewesen sein. Und ob man da heute noch 23.000 Menschen versammeln dürfte, wäre auch ohne Pandemie ziemlich fraglich bis eher unvorstellbar. Weshalb es etwas wundert, dass es noch mit diesem Fassungsvermögen bei Wikipedia gelistet ist.

Ebenfalls verwunderlich, warum es bei Wikipedia als Stadion ohne Aschenbahn gelistet ist. Noch aschenbahniger als dieses kann kaum ein Stadion sein.

Hier dürfte wohl schon einige Jährchen niemand mehr durchgewischt haben.

Einige Steigungen gilt es im Strafraum des Rheinpreußenstadions zu bewältigen.

Panorama-Sicht mit dem Meerbecker Funkturm und vielen Gänseblümchen.

Das Häuschen für die Heimmannschaft, Aschebahn, Rasenplatz, Funkturm.

In Meerbeck wird Gastfreundschaft offenbar groß geschrieben. Dahinter die komplett zugewucherte Haupttribüne.

Hier das herausragende, sowohl im Wortsinne als auch als solches, Häuschen für den Stadionsprecher. Inzwischen ist die Leiter dort hinauf abgerissen, beim vorigen Besuch konnte man das natürlich innen auch verwaiste Häuschen noch erklimmen – und sogar ein Spiel zweier Hobbymannschaften von dort aus betrachten. Wahrlich ein Kleinod unter den Stadionsprecherhäuschen, mit der original Pepsi-Werbung von geschätzt 1973, die immer noch nicht komplett vergilbt ist.

Und am Ausgang, schließlich heißt man hier nach einer Zeche und befindet sich mitten in einer Zechensiedlung, eine alte Lore, als Erinnerung daran, wieso man selbst oder die Vorfahren überhaupt einst hier hingezogen war. Auch diese hätte allerdings ein Bad nötig. (Und wäre ein Kandidat für thingswithfaces.com.)

Womit wir diese langjährige Heimstätte, als Sportplatz errichtet 1929, des MSV Moers für die Nachwelt erhalten hätten. Wie gesagt, aktuell Rang 43 in ganz Deutschland, hinter dem Stadion am Zoo in Wuppertal (23.067) und noch vor dem Stadion der Freundschaft in Cottbus (22.528).

Zum Club MSV Moers selbst gibt es die Geschichte zu erzählen, dass dieser Ende der 1970er ein echtes Hoch erlebte. Von 1975 bis 1980 spielte man (als RSV Meerbeck*) in der damals dritthöchsten Klasse, die erst Verbandsliga Niederrhein und dann Oberliga Nordrhein hieß. Am Ende der Saison 1976/77 verpasste man als Dritter der Tabelle knapp die Qualifikation zur Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Meister wurden nämlich die Amateure von Fortuna Düsseldorf, weshalb der Zweitplatzierte 1. FC Bocholt sich qualifizierte, auf die den Meerbeckern nach der Zwei-Punkte-Regel drei Punkte fehlten. Wie man ebenfalls Wikipedia entnehmen kann, kamen damals zu Partien gegen Clubs wie Rot-Weiß Oberhausen, den 1. FC Bocholt oder Schwarz-Weiß Essen und den Bonner SC jeweils mehrere Tausend Zuschauer. Aktuell jedoch heißt die Realität Kreisliga A, bevorstehender Abriss des so geschichtsträchtigen altehrwürdigen alten Stadions und eine Zukunft, die über den Stadtteil selbst hinaus wohl niemanden kümmern dürfte.

Der Zuschauerrekord im Rheinpreußenstadion wurde übrigens kurz nach Errichtung der Stehränge mit 25.000 Zuschauern im Jahr 1959 aufgestellt – bei einem Leichtathletik-Länderkampf (!) der Frauen zwischen Deutschland und der ČSSR.

*In einer ersten Version wurde dies hier als „RSV Moers“ erwähnt, korrekt ist aber, dass es zu jener Zeit der RSV Meerbeck war.

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Auge dankt fürs Vertrauen

1989 erzielte Klaus Augenthaler das Tor des Jahres, Zeitgenossen erinnern sich mit Leichtigkeit, durch einen Weitschuss von der Mittellinie über Uli Stein im Tor von Eintracht Frankfurt hinweg. Für wen „Auge“ das Tor erzielte, muss man nicht erwähnen, schließlich ist er ein sogenannter „one club star“, der all seine Profispiele nur für einen Verein absolvierte.

Interessanter als das Tor an sich, welches bekanntlich später noch zum „Tor des Jahrzehnts“ gewählt wurde, ist die Preisverleihung, die Reinhold Beckmann für die Sportschau im Rahmen eines Hallenturniers wohl in der Westfalenhalle vornahm.

Da spricht Beckmann – gewandet in ein fürchterlich knallbuntes Hemd, das damals aber als todschick galt – davon, dass man jetzt die „Auslosung“ zum Tor des Jahres vornehmen werde. Nun ja, wenn es eh ausgelost wurde, hätte man ja keine Postkarten an die ARD schreiben müssen. Das taten aber nicht weniger als 800.000 Menschen und davon mehr als die Hälfte – man höre und staune – aus der DDR! (Wer hier länger mitliest, weiß, wie selten ein Ausrufezeichen in diesen Breiten ist, diese besondere Würdigung also bitte auch entsprechend zur Kenntnis nehmen.)

Darauf angesprochen, dass so viele Bürger der DDR für sein Tor gegen Uli Stein als Tor des Jahres gestimmt hätten, dankt Auge dann auch ganz brav dafür, dass diese ihm „das Vertrauen geschenkt“ hätten, so als sei er gerade zum Bundeskanzler gewählt worden.

Anderthalb kurzweilige Minuten jedenfalls, dieses Stück Zeitgeschichte der Ehrung des Torschützen des Jahres 1989.

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