Die fürchterlich fehlerhafte Fabel vom Schneckenrennen

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Immer, wenn es in einer Liga soweit kommt, dass sich mehrere Clubs einem möglichen Aufstieg oder Titel nähern, aber nicht durchgehend punkten siegen, wird in den „Medien“ die Fabel vom „Schneckenrennen“ wieder aufgewärmt. Als sei das a) etwas Schlechtes, eine Schnecke zu sein, b) ein Rennen zu veranstalten und c) dabei nicht immer ganz so vorwärts zu kommen, wie man sich das im Hirn des Schreibers vorstellt, ohne zu berücksichtigen, dass auch alle anderen Schnecken im Rennen durchaus zu rennen in der Lage sind.

Wir wollen sie nicht mehr hören, diese sachlich so fehlgegriffene Fabel vom Schneckenrennen, weil diese so viele Aspekte des Sports ignoriert und versucht, ein kurzzeitiges Straucheln auf etwas einzudampfen, was vielleicht im Bereich der Leichtathletik möglich ist oder sofern man etliche Dutzend Millionen mehr als die jeweiligen Kontrahenten in seinen Kader investieren konnte, auch im Fußball. Dass man immer gewinnt. Wie viele Jahre war [hier Leichtathlet sowieso einfügen] unbesiegt? Etliche. Wie viele Jahre schaffte es ein Team in einer der großen Ligen, ohne Niederlage zu agieren? Doch wohl höchstens anderthalb, wie der FC Arsenal mit Mad Jens im Tor. Selbst der große FC Bayern, der sportlich vielleicht größte, den man je gesehen hat, verlor unter Pep Guardiola immer mindestens ein Spiel pro Saison.

Das Wesen dessen, des Fußballs, ist doch aber – und daher stammt auch zu nicht geringen Teilen seine weltweite* Popularität – dass eben im Fußball immer alles möglich ist. Wie man dann auf die Idee kommen kann, nur weil ein Club, der in der Tabelle vorne liegt, mal drei Spiele lang nicht gewinnt, dass es berechtigt sei, die Frage zu stellen, ob denn „niemand aufsteigen will“ oder ob das „Schneckenrennen“ denn am Ende zu gar keinem verdienten Sieger führen könnte, bleibt schleierhaft.

Es ist nicht nur das Wesen des Fußballs, sondern auch der Wunsch aller, die ihn passiv begleiten, das genau dies immer wieder der Fall ist. Dass Topteams wider aller Erwartung nicht siegen, dass sich auch „Rennen“ in den oberen Bereichen einer Liga nicht nur von Sieg zu Sieg hangeln und vor allem, dass eben nicht schon am 25. Spieltag einer 18er-Liga klar ist, wie dieses „Rennen“ ausgeht. Sonst, ja, sonst würde man doch nicht mehr hinschauen.

Froh also ist man, dass es im Fußball eine solche Ausgeglichenheit auch in Ligen mit Clubs höchst unterschiedlicher Etathöhe noch gibt. Und deshalb mögen bitte alle Anspielungen, Fabeln und vor allem alles Wehklagen über ein vermeintliches Schneckenrennen bitte nie wieder aus der Gruft der Fußballschreibermetaphern geholt werden, sondern für immer dort rotten, wo auch die Vorstellungen jener rotten mögen, die derlei überhaupt für ernsthaft druckbar halten. Es gibt diese vermeintlichen „Schneckenrennen“, weil und damit alle froh sind, dass man den Fußball nicht vorhersagen kann.

(* Ausnahmen siehe hier.)

Uli Hoeneß in jung (und unsicher)

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40 Jahre ist es heute her, dass er Manager beim FC Bayern wurde, Texte dazu gibt es satt und genug. Davor war Uli Hoeneß auch mal jung, wie man im Video ziemlich deutlich sieht und hört. Und dass er äußerst erfolgreicher Fußballer war, geht ja allen Nachgeborenen in der Bewertung der gesamten Person meist völlig ab. Einer von nur, äh, knapp unter 100 deutschen Weltmeistern im Fußball ist er und das wird er immer bleiben. Und dass er bei Olympia 1972 in München im Fußballwettbewerb (u. a. an der Seite von Ottmar Hitzfeld) mitspielen durfte, verdankte er dem Umstand, dass er zu seiner Anfangszeit beim FC Bayern München noch kein Profi war, sondern Vertragsamateur. Wie man von einem reichlich devoten Uli Hoeneß bei seinem ersten Auftritt im Aktuellen Sportstudio 1971 erfährt, herausgequetscht von Dieter Kürten, seines Zeichens gebürtig aus Duisburg-Wanheimerort, was man Kürtens Sprachmelodie allerdings nicht anmerkt. Dafür umso mehr, wie unsicher Uli Hoeneß, der Ulmer, gerade 19 Jahre alt geworden vor diesem Auftritt, insgesamt und auch in Bezug auf das, was da noch kommen möge, wirkt.

(Zur eingangs erwähnten Spielabsage wegen eines Tribünenbrands im Stadion an der Grünwalder Straße gibt es hier mehr: „Abgebrannt und abgesoffen“.)

Bundesliga-Meisterschaften, die durch die Tordifferenz entschieden wurden

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Noch ist es in dieser Saison 2018/19 nicht ausgeschlossen: dass die Tordifferenz über die Meisterschaft entscheidet. Auch, wenn das zugegebenermaßen äußerst unwahrscheinlich ist, drei Spieltage vor Saisonende und bei 16 Toren, die Borussia Dortmund gegenüber dem FC Bayern München aufholen müsste. Doch unmöglich ist es nicht. Schließlich begann die gar nicht mal so kurze Geschichte der anhand der Tordifferenz entschiedenen Meistertitel in der Bundesliga mit einem Sieg am letzten Spieltag, der bis heute der höchste Bundesliga-Sieg der Historie ist.

Immerhin sechsmal entschied am Ende die Tordifferenz über den Meistertitel in jetzt 56 Saisons, also in mehr als jeder 10. Saison ist dies der Fall. Allerdings ließ man sich einerseits 15 Jahre seit Gründung Zeit, bis es zum ersten Mal soweit war, andererseits ist es seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts kein einziges Mal in inzwischen 19 Jahren mehr vorgekommen. Und dass die Zahl der mehr erzielten Tore – statt der reinen Tordifferenz – über den Titel entschieden hätte, gab es noch nie. Gleich beim ersten Mal wäre es aber fast schon soweit gekommen.

1977/78

Die Mutter aller Schlachten um die Tordifferenz fand an jenem letzten Spieltag der Saison 1977/78 statt, als Jupp Heynckes fünfmal im Rheinstadion traf, Otto Rehhagel mit Borussia Dortmund unterging und die Kölner so weise waren, sich nicht auf dem Vorsprung von 10 Toren vor Beginn des Spieltags auszuruhen, sondern ihrerseits beim 5:0 gegen den FC St. Pauli nicht mit Toren sparten. So blieb es bei am Ende drei weniger kassierten Toren als Konkurrent Borussia Mönchengladbach. Damit gelang der zweite und letzte Bundesligatitel des 1. FC Köln, der auch gleich noch das Double gewann (damals eine echte Besonderheit).

Club Tore Diff Punkte
1. 1. FC Köln 86:41 +45 48:20
2. Borussia Mönchengladbach 86:44 +42 48:20
3. Hertha BSC 59:48 +11 40:28

1982/83

Zwei Nordclubs ganz oben, und nur der Unterschied einer um 8 Tore besseren Tordifferenz machte den HSV zum Meister vor Werder Bremen, gerade mal vor zwei Jahren wieder aufgestiegen nach dem bislang einzigen Abstieg aus der ersten Bundesliga. Der Drittplatzierte VfB Stuttgart hatte mit 80 sogar noch ein Tor mehr erzielt als der Meister HSV mit seinen 79 Toren, aber weniger Punkte gesammelt. Keine allzu dramatische Angelegenheit war diese Entscheidung, auch, wenn es natürlich alles am letzten Spieltag noch hätte kippen können.

Club Tore Diff Punkte
1. Hamburger SV 79:33 +46 52:16
2. Werder Bremen 76:38 +38 52:16
3. VfB Stuttgart 80:47 +33 48:20

1983/84

In dieser Saison kam es zur seltsamen Konstellation, dass der Hamburger SV beim VfB Stuttgart quasi ein Finale um die Meisterschaft austragen durfte oder musste. Dieses gewann er zwar auch mit 1:0, es hätte aber noch ein paar Tore mehr gebraucht, um den VfB Stuttgart auch in der Tabelle zu überflügeln. Dass sogar drei Mannschaften am Ende punktgleich waren, gab es auch nur dieses eine Mal, aber Mönchengladbach hatte sich diesmal – anders als 1978 – offenbar ohnehin nicht mehr ernsthaft Chancen auf den Titel ausgerechnet.

Club Tore Diff Punkte
1. VfB Stuttgart 79:33 +46 48:20
2. Hamburger SV 75:36 +39 48:20
3. Borussia Mönchengladbach 81:48 +33 48:20
4. FC Bayern München 84:41 +43 47:21

1985/86

„Kutzop“.

Und das ist dann auch schon die komplette Geschichte dieses Dramas, bei dem der Tabellendritte Bayer Uerdingen immerhin auf die stolze Tordifferenz von +3 Toren kam.

Bliebe vielleicht noch zu erwähnen, dass dies der einzige Elfmeter war, den Michael Kutzop in seiner gesamten Profikarriere vergab. Und dass den Bremern immer noch ein Remis beim letzten Spiel in Stuttgart gereicht hätte, welches aber mit 1:2 verloren ging, während die Bayern zu Hause Borussia Mönchengladbach mit 6:0 abfertigten. Alles live verfolgt am Fahrradradio meines Kumpels, damals. Immerhin hatte der Fußballgott ein Einsehen und erlaubte Werder Bremen 1988 schließlich den Titel in der Bundesliga. Zu spät allerdings für Rudi Völler, der da schon über die Alpen nach Italien entfleucht war und somit zwar Weltmeister ist, aber nie Deutscher Meister wurde (und auch in Italien kein Landesmeister).

Ich schweife ab, hier geht es ja um die Entscheidung per Tordifferenz. Voilà:

Club Tore Diff Punkte
1. FC Bayern München 82:31 +51 49:19
2. Werder Bremen 83:41 +42 49:19
3. Bayer Uerdingen 63:60 +3 45:23

1991/92

Die sportlich schwärzeste Stunde der Frankfurter Eintracht fand mit einem 1:2 bei Hansa Rostock statt, woraufhin der VfB Stuttgart, der seinerseits erst spät in Leverkusen in Unterzahl zum Siegtreffer kam, mal wieder Meister wurde, wie das früher öfter der Fall war. Erstaunlich, dass man bei Borussia Dortmund diese einzige Saison mit 20 Clubs in der 1. Liga, in der man bis zuletzt im Meisterrennen war, kaum je erwähnt. In jedem Fall einer der spannendsten letzten Spieltage überhaupt in der Bundesliga-Historie.

Club Tore Diff Punkte
1. VfB Stuttgart 63:32 +30 52:24
2. Borussia Dortmund 66:47 +19 52:24
3. Eintracht Frankfurt 76:41 +35 50:26

1999/2000

Ballack, Unterhaching, Eigentor.

Auch diese Geschichte ist schnell erzählt, bzw. dürfte allgemein bekannt sein – und erneut war der FC Bayern Nutznießer dessen, dass er eine bessere Tordifferenz als sein Kontrahent aufwies. Da ahnte man bei Bayer Leverkusen allerdings noch nicht, was die Saison 2002 noch für sie bereithalten sollte …

Club Tore Diff Punkte
1. FC Bayern München 73:28 +45 73
2. Bayer Leverkusen 74:36 +38 73
3. Hamburger SV 63:39 +24 59

Der Glaube daran, dass sich die Saison 2018/19 in diese Liste einreiht, ist hier trotz meines Tweets von jüngst quasi nicht vorhanden. Spannend wäre es aber natürlich schon und wie der aktuell etwas schräge Spieltag gezeigt hat, auch nicht komplett unmöglich.

Wer die Saison 2000/2001 mit dem Meister der Herzen alias der Vierminuten-Meisterschaft des FC Schalke 04 hier vermisst, dem sei gesagt, dass der FC Bayern damals die schlechtere Tordifferenz aufwies, durch den späten Ausgleich beim Hamburger SV aber eben einen Punkt mehr sammelte als Schalke. Ohne diesen Punkt wäre man punktgleich gewesen – und bei dieser Entscheidung hätte dann Schalke die Nase vorn gehabt. Dem war aber nicht so, weshalb diese Saison auch nicht in dieser Zusammenstellung auftaucht. Dramatische Saisons gab es aber auch so schon genug. Nur seit 2012 ist da nicht mehr allzu viel Drama gewesen, Baby.

Bewerben als Fußballkneipe des Jahres

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Eisen in BremenDie Akademie für Fußballkultur, mit der ich nicht verwandt und nicht verschwägert bin, wird im Oktober erstmals und voraussichtlich letztmals die „Fußballkneipe des Jahres“ küren und dem Sieger 5.000 Euro kredenzen. Das ist insofern ein Thema für dieses Blog, da ich immer noch und beinahe ausschließlich Fußballspiele, wenn nicht im Stadion, in einer Kneipe konsumiere. Bei Hochbetrieb wie bei einer WM schaue ich zwar auch schon mal öfter etwas in den eigenen vier Wänden, ansonsten aber ist der Genuss eben größer, wenn man „unter Menschen“ (das sind die mit den Haaren oben drauf (gibt Ausnahmen) und unter den Achseln) ist und nicht zuletzt auch deshalb angenehm, weil man dann den Kommentator meist nur als irrelevantes Brabbeln (gilt nicht für Markus Gaupp und wenige weitere Exemplare) im Hintergrund wahrnimmt. Ein Brabbeln, dessen Inhalt man selten entschlüsselt, weshalb man auch gut darauf verzichten kann.

Und da man ja immer von sich auf andere schließt, gehe ich davon aus, dass ein Großteil der Besucherinnen und Besucher hier in dieser Hinsicht ähnlich verfährt. Also Fußball, wenn nicht im Stadion, eben in einer Kneipe schaut. Weshalb ich wiederum davon ausgehe, dass unter meiner Besucherschaft viele vorhanden sind, die ebenfalls eine solche wie auch immer geartete Fußballkneipe in ihrer Nähe wissen und regelmäßig aufsuchen. Vielleicht kennt man ja sogar die Besitzer und denen könnte man mit einer Auflaufprämie in Höhe von 5.000 Euro sicher einen Gefallen tun.

Kleine Einschränkung ist allerdings, dass es nicht einfach nur eine Kneipe sein darf, in der Fußball auf den Bildschirmen gezeigt wird. Es muss zudem wie auch immer geartete Aktivitäten rund um den Fußball geben. Seien es Fußballquizze, so wie ich eines an jedem letzten Montag im Monat im Café Steinbruch halte, seien es Fußballlesungen, wie ich sie eine zeitlang hielt, oder seien es sonstige Verquickungen, Unterfangen oder Spektakel, die mit Fußball in Zusammenhang stehen. Mehr als nur eine Sport-TV-Kneipe muss es also schon sein.

Damit die Eurige aber diese Chance nicht verpasst, sich bei der Akademie für Fußballkultur vorzustellen und eventuell in den Genuss von 5.000 Euro zu kommen, weise ich hier auf diese Aktion hin.

Vorstellen und bewerben kann man sich hier.

Die Heroine im Tor

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Ich traf sie während des Finales der Frauen-EM 2013. Sie hatte sich in diese kleine afrikanische Bar bei mir um die Ecke geschlichen. Oder gestohlen. Man fiel dort als Weißer nicht auf, denn die Bar wurde angesichts ihrer zentralen Lage in der Stadt immer wieder von irgendwelchen Passanten frequentiert, die plötzlich durstig wurden, sich vielleicht auch nur Erleichterung verschaffen wollten. Warum ich jenes Finale einer EUROPAmeisterschaft ausgerechnet in einer afrikanischen Bar verfolgte, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich, weil es sonst ohnehin fast niemand zeigte, nachdem der Hype um die WM 2011 in jenem Moment verglommen war, als die Deutschinnen, wie man so schön sagt, ausgeschieden waren. Schon zur WM 2011 war das tatsächliche Interesse ja eher mau gewesen, öffentliches, also an öffentlichen Orten wahrnehmbares, war ohnehin nicht vorhanden gewesen. Dass bei ARD oder ZDF stets Millionen mitsehen, liegt wohl eher daran, dass Pflegeberufe chronisch unterbesetzt sind.

Sie aber wollte gar nicht zur Toilette, sondern wirklich das Spiel schauen. Alleine? Wunderte ich mich. Du doch auch. Ja, wer guckt denn sonst schon Frauenfußball? Die eigentliche Stammkundschaft dieser Bar jedenfalls nicht, wo tagein, tagaus der Fernseher dröhnte, mit internationalem Programm, Premier League, Billard-WM, CNN-Nachrichten über den letzten Tornado in Kentucky, die Stammbelegschaft schaute gar nicht hin, ließ sich berieseln und frönte ansonsten dem dumpfen Zeittotschlagen, was schließlich für alle hier (auf diesem Planeten) immer noch die größte Herausforderung ist.

Warum sie denn Frauenfußball schaue?! „Weil mich das interessiert?“ Aha, und warum? „Weil ich selber gespielt habe.“ Achso, ja, gut, trifft man ja auch nicht so oft. Abgesehen von Frau Wu, mit der ich mal zufällig im Bus vom MSV-Spiel zurückfuhr, die mich fragte, warum ich zum MSV ginge. Und warum nicht zu ihnen komme, den Frauen des MSV. Ehrlich gesagt war ich mal da, gegen Essen glaube ich, aber es war … nicht so wunderschön anzusehen. Wenn Spielerinnen Mühe haben, einen Schuss wirklich platziert, vor allem in Bezug auf dessen Höhe, zu setzen, erhält es so eine Art Beliebigkeit. Jene Beliebigkeit, die ich von meinen eigenen meist fruchtlosen Bemühungen kenne. Und wenn eher der Zufall entscheidet, ok, das ist im Fußball ja oft so, aber eben als entscheidendes Element ein Spiel prägt, dann braucht man es auch nicht unbedingt öfter live anzusehen. Aber die Turnierspiele der DFB-Eleven schaue ich schon, so wie hier.

Ich wich damals in eine Notlüge aus, dass die Termine ja immer so ungünstig lägen und … war natürlich sofort enttarnt, denn die Termine in der 2. Bundesliga der Männer liegen genauso beschissen. Samstags 13.00 Uhr, sonntags 13.30 Uhr, da kommt ja man noch mit den Fischstäbchen im Mund am Stadion an, weil man nicht mal fertig zu Mittag gegessen hat. Aber das schaffe ich dann, einzuplanen. Es fehlt (mir) bei den Frauen diese Atmosphäre, wie sie bei einem Profi-Männerspiel ist. Es ist mit knapp 1.000 Zuschauern einfach noch zu sehr Bezirksliga-Feeling, das natürlich auch ganz nett ist, aber eben nicht dasselbe wie ein Profispiel der Männer.

Sie jedenfalls schaute wirklich dem Spiel zu, weil sie es interessant fand. In der Halbzeitpause ging sie hinüber in den Kant-Park, zu ihren Alkoholiker-Freunden, die dort schon vor dem inzwischen wieder aufgehobenen Alkoholverbot in der Innenstadt ihre Bleibe gefunden hatten. Es ist dieses nicht rauschhafte, sondern dauerbedröselte Saufen, das so wenig nachvollziehbar erscheint. Dauerstramm zu sein, was hat man davon? Eine rauschhafter Abend, mit viel Gesang und Wein und Weib, das ist nachvollziehbar und irgendwie ja auch kulturell akzeptiert. Ständig von morgens bis abends dun zu sein, erscheint hingegen eher wenig erstrebenswert. Und so wirkte auch sie. Dauer-dun und ich fragte mich, wie man denn so werden könne.

In Dingens hätte sie gespielt, und zwar im Tor und das auch dauerhaft und erfolgreich, sagte sie. Doch dann wäre es immer schlimmer geworden, mit dem Heroin und so. Und ich fragte, ganz naiv, warum man denn damit anfängt, wenn man doch weiß, dass das am Ende nur scheiße sein kann. Weil ihre Eltern auch schon drupp waren, wie man in diesem speziellen Fall hier im Westen statt „drauf“ sagt. Die hätten sich um nichts gekümmert, außer um den nächsten Schuss und so war es für sie irgendwie „normal“, das auch mal zu probieren. Dann war sie irgendwann drupp und dann war es auch mit der Karriere als Torhüterin schnell vorbei. Wobei sie noch dagegen ankämpfte, wenigstens das regelmäßige Training habe ihrem Alltag Struktur gegeben. Doch als sie von der Nr. 1 zur Nr. 2 degradiert wurde und quasi gar nicht mehr spielte, brach auch das zusammen. Dann war Schluss mit dem Torstehen. Und danach ging es nur noch in der Drogenkarriere weiter, nicht aber in ihrer Fußball-.

Immerhin schaute sie dann noch das Finale der EM 2013, und sie stand neben mir und ich dachte nur, was für ein Glück ich habe, dass ich in ein gesundes Elternhaus geboren wurde. Tja. Die Deutschinnen gewannen. Sie ging, zurück in den Park zu ihren „Freunden“, ich in mein Zuhause, mit Bett, Dach und Dusche.

Rothosen am Rhein – #msvhsv

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Keine 48h sind es mehr bis zum Anstoß. Dem Anstoß der Partie zwischen zwei Gründungsmitgliedern der Bundesliga, mittlerweile in der 2. Bundesliga um Punkte kämpfend. In der linken Ecke des Gastgebers: der MSV Duisburg. In der Ecke des, naja, Herausforderers: der Hamburger SV in seinem ersten zweitklassigen Jahr seit Bestehen überhaupt. Um 18.30h geht es los am Freitag im Wedaustadion und alles andere als ein Sieg und damit die Herbstmeisterschaft für die Gäste aus dem Norden wäre eine Überraschung zumindest von der Größe einer Frikadelle. Glaubt man hier wenigstens, wenn man dazu befragt wird.

Und befragt wurde man hier, nämlich von Krischan1887, der den schnuckelig benannten Podcast HSV Klönstuv betreibt und neuerdings sogar auch auf dem #tkschland herumstromert, wie am Ende herauskommt. Mehr als eine Stunde Klönschnack über #MSVHSV und auch sonst noch über Fußball, die Geschichte der beiden Clubs, Fanfreundschaften, Stadionnamen und alles Mögliche weitere rund um Fußball.

Hier geht’s zum Gespräch zwischen meiner Wenigkeit und der HSV Klönstuv. Natürlich auch per Podcatcher, bei iTunes etc. abzurufen.

Neues aus München

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„Über so komplizierte Themen wie die Taktik referiert der Trainer nie lange.“

„Keiner habe ihm gesagt, klagt der Präsident jetzt, ‚wer dieser Trainer wirklich ist‘.“

„In Wahrheit, meint ein Bayern-Profi, ‚kann der Trainer seinen Job nicht‘.“

„‚Obwohl der Trainer ein Gesamtkonzept hätte entwickeln müssen‘, forderte auch der Präsident es über Monate nicht ein. Ein Fehler, der ebenso schwer wiegt wie die Verpflichtung des Fußballehrers. So hat denn auch der Präsident seinen Anteil daran, dass schon nach kurzer Zeit keiner der Profis seinen Vorgesetzten ernst nimmt.“

„Dabei waren sich Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge im Grunde schon einig, dass sie sich mächtig vergriffen hatten. Aber es gehört zu den wesentlichen Schwächen dieses Duos, daß sich der eine zuweilen hinter dem anderen versteckt und deshalb manchmal lieber gar nichts entschieden wird.“

„Hoeneß könne, sagt ein Insider, mit der Geschäftsführung seiner Nebenleute nicht mehr viel anfangen und mit der neuen Spielergeneration auch nicht. Er sei amtsmüde.“

Alles hier nachzulesen.

„Profis“ – als Paul und Uli noch Freunde waren

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Das Samstagabendspiel der Bundesliga ist beendet und das Aktuelle Fußballstudio hat noch nicht begonnen. Da kann man die Zeit nutzen, eine Bildungslücke zu schließen. Und zwar recht passend zu den Themen, die aktuell die Bundesliga bewegen. Ritter Paul Breitner ist bei seinem (Ex-) Freund Uli Hoeneß in Ungnade gefallen, dieser ließ ihn bitten, vorerst nicht mehr auf der Ehrentribüne zu erscheinen. Dabei lebten die beiden als Aktive doch lange Jahre in einer WG zusammen, teilten das Zimmer bei Auswärtsspielen, in Trainingslagern und somit auch das Bett.

In die Spätphase dieser zumindest physisch engen Beziehung fällt die Doku „Profis“, in der die beiden während der Saison 1978/79 ein Jahr lang begleitet werden. Ein Jahr, in dem sich für beide unheimlich viel ereignete, wie für den Verein FC Bayern ebenfalls. Man möge sich nicht von der nur anfänglich sehr schlechten Bildqualität abhalten lassen, zumal das ganze Stück mit 58 Minuten kürzer ist als eine einfache Antwort von Rainer Calmund. In diesen 58 Minuten erlebt man aber nicht nur einen damals noch nachdenklichen, fast schüchternen Uli Hoeneß und den auch damals schon mit der Gewissheit, die Löffel voller Weisheit schon als Kind einverleibt bekommen zu haben, ewig dozierenden Paul Breitner. Nein, man erlebt einiges an Bundesliga-Historie hautnah.

Von der Zeit Uli Hoeneß‘ beim 1. FC Nürnberg, Spielszenen gegen seinen Bruder Dieter, den er später als erste Amtshandlung in seinem neuen Job als Manager zum FC Bayern holte, von der Revolution beim FC Bayern gegen den geplanten neuen Trainer Max Merkel, wie die Mannschaft offenbar zuvor beim 1:7 bei Fortuna Düsseldorf gegen den ungeliebten, weil unfähigen Trainer Gyula Lorant (dessen Unfähigkeit hatte Paul Breitner schon noch wenigen Tagen erkannt, klar) spielte und sich ohne Lorant zu einem 7:1 bei Borussia Mönchengladbach aufschwang, wie der Hamburger SV Meister wurde, bis hin zu einer lange Szene fast am Schluss, in der man Paul Breitner mit Mikro ausgestattet während eines Bundesligaspiels beim Ächzen, Jammern, Anfeuern, Kommandieren, Reklamieren und sich Ärgern zuhören kann.

Wer sich nicht für die Beziehung der beiden auch heute noch Protagonisten nicht nur des FC Bayern, sondern des gesamten deutschen Fußballs interessiert, für den lohnt sich schon dieses Schmankerl, einmal Mäuschen bei einem so meinungsstarken Spieler wie Paul Breitner während einer Partie spielen zu dürfen. Und für Collinas Erben vielleicht auch ein gut nutzbares Beispiel dafür, wie ein Schiedsrichter eben öfter mal einfach weghören sollte, wenn sich ein Spieler aufregt.

Und, natürlich, entstanden noch in den 1970er Jahren, ist „Profis“ mit seiner trotz der sich überschlagenden Ereignisse aus heutiger Warte gemächlichen Erzählweise und noch gemächlicheren Stimme aus dem Off auch in Bezug aufs Handwerk einer filmischen Dokumentation ein Zeitzeugnis – wie natürlich an erster Stelle der Bundesliga selbst.



Prädikat: Nicht nur für Fans des 1. FC Nürnberg ein echtes Muss.

Das Ende des Regenbogens liegt in Köpenick

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Nun, um es vorwegzunehmen: nicht ganz. Es lässt sich auch dort nicht finden. Doch alle vor Ort wahrgenommenen Hinweise lassen den Verdacht recht groß werden, dass es nicht weit entfernt von Köpenick liegen kann, das Ende des Regenbogens. Denn dort befindet sich ein Stadion, innerhalb dessen vier Tribünen ein Fußballspiel mitzuerleben schon ziemlich nah daran ist, das Ende des Regenbogens ausgemacht zu haben.

Erstens sind dort drei von vier Tribünen Stehplatztribünen. Dass es ein reines Fußballstadion ist, wie man früher sagte: nach englischer Art, ist da fast müßig zu erwähnen. Reine Stehplatztribünen! Dass es so etwas überhaupt noch gibt, lässt die Geigerzähler auf der Suche nach dem Ende des Regenbogens schon enorm knistern.

Zweitens ist das Stadion frei von überkandideltem Kommerzgedöhns. Weder wird ein Eckball noch ein Zwischenstand auf den anderen Plätzen von irgendeinem Unternehmen präsentiert. Es gibt wohl einige Logen, diese fügen sich aber recht natürlich – soweit in diesem Kontext möglich – in das Gesamtgefüge ein. Nicht mal gibt es eine richtige Anzeigetafel, zumindest, wenn man im Gästeblock steht. Von Hand wird dort der Spielstand auf einer analogen Anzeige geändert.

Drittens und, wie man es bezüglich schönem Argumentationsaufbau gelernt hat, am wichtigsten: Dort geht ein Publikum ins Stadion, welches wie genau das wirkt, wovon jeder altbackene Fußballromantiker in seiner Raucherecke auf dem Schulhof in jeder großen Pause träumt. Ein Publikum, das über 90 Minuten mit dem Spiel mitgeht, ob nun die Gegengerade oder selbst die Haupttribüne, das plötzlich verstummt, wenn das Heimteam in Rückstand gerät, nachdem es doch vorher mit Leib und Meta-Bewusstsein dabei war, sein Team zu unterstützen und zu drängen.

Dass die eigene Probe aufs Exempel dann auch noch zum besten aller möglichen Fußballspieltermine, an einem Freitagabend, stattfand, brachte noch einen weiteren Pluspunkt in dieses fabelhafte Erlebnis: Es war ein Flutlichtspiel. Zum Anstoß hatte die Erde sich noch nicht so weit gedreht, dass die Sonne nicht mehr sichtbar war. Mit Verlauf der ersten Halbzeit war dies aber schließlich gegeben. Nacht fiel über das Stadion und das Flutlicht tauchte das Spiel in jene optische Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann, wenn man ein Herz oder auch nur Faible für einen derartigen Anblick besitzt.

Die 1. Bundesliga kann nur hoffen, dass dieser Hort der Schönheit möglichst bald in ihre Reihen aufsteigt.

De Mission

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Es geht nicht mehr ohne. Jedes Spiel kann nicht mehr einfach nur gewonnen werden, Titel schon gar nicht. Wo man eigentlich erwarten würde, dass dies eine Selbstverständlichkeit ist, nicht mehr als ein Forumsbeitrag von jenem einen, der schon immer mit nicht allzu neuen Erkenntnissen zu glänzen wusste.

„Ich wünsche mir einen Sieg am Samstag, 3:1.“

Als würde das irgendjemanden interessieren, eine solche Selbstverständlichkeit, den Kern auszusprechen, dessetwegen man doch überhaupt auf den Platz respektive ins Stadion geht. Wenn man nicht gewinnen will, wieso sollte man sich dann überhaupt aus dem Bett bemühen und nicht weiter seinen Tagträumen nachhängen. Kein Fragezeichen.

Ein Spiel, meist das nächste, braucht einen Hashtake, einen Namen, eine Bezeichnung. Und gerne darf es dann eine „Mission“ sein. Aus sprachlicher Armut geboren, derjenigen, die sich bemühen, die Massen zu mobilisieren, „hinter die Mannschaft“ zu bringen. Eine Mission, dabei nennt der Duden diesen Ausdruck „bildungsbürgerlich“ für das, was etwas profaner nur ein Auftrag ist. Und auch wenn sie inzwischen überall angekommen ist, die Fußlümmelei, sogar in bildungsbürgerlichen Vierteln hört man die Menschen bei Toren von Polen gegen Panama bei einer WM in der Ferne schreien. Die WM in der Ferne und die Gärten der Bildungsbürgerlichen auch, mit den überdimensionierten TV-Bildschirmen, die Landesfähnchen auf den gereichten Häppchen auf die Kontrahenten der gerade laufenden WM-Partie abgestimmt. Da passt diese Erhöhung nicht zu dem Umstand, dass jeder auch dann gewinnen wollen würde, auf dem Rasen und im Garten, wenn die Aufgabe keinen eigenen Namen erhalten hätte.

Eine Mission, aber möglichst keine Impossible, sondern eine Aufgabe, die man mit heiligem Ernst durchzuführen hat, wenigstens zu verfolgen. Eine Aufblähung dessen, was es ohnehin ist. Nichts beschreibt klarer die Leere dieses Sprechs mit Motti und Missionen als der Umstand, dass sich nur einen Tag später niemand mehr an den konkreten Namen der Mission erinnert, falls man failt, wie man in Berlin sagen würde, nachdem man getryt hat Hashtake. Nichts drin, was nicht auch schon vorher drin war, in der Mission, die so simpel ist, wie Fußball simpel ist und jeder Sport, der im direkten Duell ausgetragen wird, in seinem Ziel simpel ist. Gewinnen heißt die „Mission“, schon immer, egal, wie man sie nennt.

Drum gebe man der Mission als solcher, dem nächsten Motto, dem nächsten Slogan endlich endlich das, was sie verdient: die De-.

Gewinnspiel: 5 Tschutti-Sammel-Heftli zur WM 2018

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Jeder kennt die Panini-Alben, die schon seit geraumer Zeit zur Standardbegleitung großer Turniere im Fußball gehören. Seit einigen Jahren gibt es dazu eine Alternative, die sich deutlich mehr dem künstlerischen Aspekt der Darstellung der Spieler verschrieben hat, die an einem solchen Turnier teilnehmen.

Die Tschutti-Heftli.

(Wenn mich meine Schwyzerdütschkenntnisse nicht im Stich lassen, bedeutet tschutten übrigens kicken.)

Wie der Name erahnen lässt, stammen diese Idee und das Sammelheftli nicht aus deutschen Landen, sondern aus der Schweiz, was sicher auch damit zu tun hat, dass die Nationalmannschaft der Schweiz sich so regelmäßig für große Turniere qualifiziert. Als Österreicher hätte man da … nun gut, lassen wir das.

Die Sammelbilder in den Tschutti-Heftli werden von immer wieder neuen Künstlern gestaltet – und jedes Team in einem anderen Stil, wie die Abbildungen hier im Beitrag veranschaulichen. Durchaus ebenso umfangreich wie die Panini-Alben, bieten die Tschutti-Heftli etwas mehr fürs Auge und natürlich auch fürs Gemüt.

Hier werden 5 dieser Heftli – die nicht überall zu haben sind – verlost, jeweils mit 3 Päckchen an Stickern dabei, beides zusammen geht sofort nach Abschluss des Gewinnspiels an die glücklichen Gewinner frei Haus.

Teilnahmebedingung diesmal:

Welches war Dein schönstes WM-Spiel (am TV oder vor Ort ist egal) und warum?

Mindestens drei ganze, sinnvolle, eine kohärente Erzählung bildende Sätze bitte, sonst findet der Kommentar keinen Eingang in die Verlosung. Einzige weitere Bedingung:

Es darf kein Spiel mit Beteiligung einer deutschen Nationalmannschaft ausgewählt werden.

Dann erzählt mal schön, ich lausche gespannt. Teilnahmen werden bis zum Dienstag, den 3. April 2018, 22 Uhr, akzeptiert, danach entscheidet das Los unter allen gültigen Teilnehmer-Beiträgen.

Dazu auch sehr zu empfehlen: das ausführliche Interview des Kickschuh-Blog mit den Machern des Tschutti-Heftli: „Shaqiri hat seine Bildli lieber selber behalten“.

PS: Ein Teil der Einnahmen aus den Tschutti-Heftli kommt übrigens „Viva con agua“ und „terre des hommes Schweiz“ zugute.

The Fall: Kicker Conspiracy

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Manchmal erfährt man erst durch dessen Ableben davon, dass (oder was) etwas war, was man eigentlich schon lange hätte kennen sollen. Letztens verstarb bekanntlich Mark E. Smith nach einem wohl ziemlich exzessiv geführten Leben, Todesursache Lungen- und Nierenkrebs. Jener Mark E. Smith, welcher hier bislang allein aus dem Tocotronic-Text* bekannt war, ohne dass sich darin erschlossen hätte, was es mit Mark E. Smith eigentlich so auf sich hatte. Letztens öffentlich zugegeben, von Mark E. Smith oder The Fall lediglich jenes Video zu kennen, in welchem Smith die englischen Fußballergebnisse vorliest, hatte zur Folge, dass keanofcu (Mitglied des Textilvergehen-Podcasts) es für völlig „verrückt“ erklärte, noch nie Musik von The Fall gehört zu haben. Und hier vertraut man durchaus auf das Urteil von keanofcu.

Diese Genusslücke in den letzten Wochen ändernd, ohne dabei schon allzu weit gekommen zu sein, konnte man dabei bereits über das Stück mit dem wohl größten Fußballbezug in seinem Werk stolpern. Die „Kicker Conspiracy“ – womit eher nicht die deutsche Sportzeitschrift „Kicker“ gemeint sein wird, obwohl sie auch im Video auftaucht, sondern der Fußball allgemein. Da dieses Stück musikalisch nicht völlig untypisch für The Fall zu sein scheint, wird es hier mal eben kredenzt, durchaus mit dem Hinweis, dass man sich das Video selbst nicht entgehen lassen sollte, in Bezug auf den Fußballbezug.

Den Text sollte man natürlich auch nicht übergehen, wird er doch bei „Who Ate All The Pies“ so charakterisiert:

„[…] Kicker Conspiracy was a bristling survey of the English footballing landscape of the early 1980s, both at home and in Europe – the media saturation, the dearth/death of flair, the hooliganism, the creeping commercialism, etc.“

Kommt einem alles irgendwie so bekannt vor, obwohl der Song und der Text (siehe im verlinkten Artikel) aus dem Jahr 1983 stammen.

Genauere Analysen des Texts verbieten sich hier zwar noch, man kommt aber nicht umhin, sich einzugestehen, dass die Verknüpfung von Fußball und (guter) Musik immer noch eine rein britische Angelegenheit ist, denn hierzulande gibt’s Sportfreunde Stiller und die Toten Hosen mit echtem Fußballbezug und dann ist auch schon Tote Hose, sozusagen. Wobei durch Nennung dieser jetzt gar nicht die durch den Song „Kicker Conspiracy“ aufkommende Atmosphäre gestört werden soll.

Voilà:



* Im aktuellen „Rolling Stone“ schreibt Dirk von Lowtzow übrigens eine Kolumne darüber, was Mark E. Smith denn jetzt nun für ihn bzw. den Songtext bedeutet hat. Falls Ihr die Ausgabe nur deshalb kaufen wolltet: lasst es sein. Die „Kolumne“, mit der extra auf dem Cover geworben wird, ist zwei Spalten lang und die schafft man auch mühelos während des Durchblätterns in der Bahnhofsbuchhandlung. Während man auf den Zug zum Spiel in Wattenscheid wartet, beispielsweise.

Für mehr zum Thema, insbesondere zu diesem Song und Video, gibt es hier unter den Lyrics noch viele Hinweise, die für Nichtbriten einiges zum Verständnis des Texts beitragen. Sowie viele Links mit mehr zum Thema, zum Beispiel dieses Interview bei When Saturday Comes. War zum Beispiel bei der WM 1994 bei Bulgarien — Deutschland im Stadion, und überhaupt brachte ihn erst deutscher Fußball Anfang der 1980er zurück zu diesem Thema. Deutscher Fußball Anfang der 1980er Jahre.

Bonuspunkte für jene, welche verraten, in welchem Stadion das Video gedreht wurde.

Die drei Karrieren der Musketiere

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Ohhh, ja, wenn die Rubriken hier noch seriös gepflegt würden, müsste man spätestens jetzt die Rubrik „Oppa erzählt vom Krieg“ eröffnen. Allerdings hieße der Oppa hier nicht Trainer Baade, sondern Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk. Zum Glück, denn nicht zuletzt deshalb fehlt allen drei Dokus das Pathos und es werden auch weniger schöne Aspekte nicht ausgespart.

Drei ganz besondere Figuren des deutschen Fußballs werden hier beleuchtet, alle drei lange Zeit Nationalspieler, zwei Vize-Weltmeister, ein Weltmeister, alle drei mit Stationen im Ausland, einer hernach sogar noch Trainer der Nationalmannschaft. Aber, wie hier allzu häufig üblich, alle drei auch Figuren mit ihrem Zenit in den 1980er Jahren.

Dennoch: Auf Sportbusiness-Messen wird heutzutage die Mär verbreitet, man müsse immer auch eine Geschichte um einen Sportler herumerzählen können, am besten sollten diese einen Hamster besitzen, der Zirkusstückchen vorführen kann. Bei allen diesen drei Typen hier hingegen reichte das, was man auf dem Spielfeld zu sehen bekam. Weiß irgendjemand, mit wem Briegel verheiratet war oder ist? Welches Auto Rudi Völler fuhr? Was Toni Schumacher als Hobby hatte? Sie alle erzählten ihre jeweils eigene Geschichte in dem Sport, den sie ausübten. Was ihrer Epoche geschuldet sein mag, in der es eben keine Sendezeit für allzu viel Boulevard rund um den Sport gab. Was aber auch dem geschuldet sein mag, dass sie ihren jeweils eigenen Werdegang mit auf den Platz nahmen. Ein Umstand, den man auch erfühlte, ohne diesen zu kennen.

Das allerdings kann man hier nachholen in drei sehenswerten Dokus, jeweils knapp eine Dreiviertelstunde lang, schaut sich gut weg und ist doch erhellend. Die Jugendtrainer ebenso zu Wort kommen lässt wie frühere Mitspieler, einstige Trainer, aber auch einordnende Journalisten. Und wie oben erwähnt fehlt trotz des Blicks hinter die Kulissen jegliches Schmierantentum und so kann man diese drei Karrieren wirklich genießen, schließlich kommen Spielszenen jeweils auch nicht zu kurz.

In den Karrieren jener drei Musketiere nämlich, als da wären:

Toni Schumacher

Natürlich kommt eine Doku bei diesem wie eine entfesselte Bestie haltenden Torhüter nicht am Thema „Battiston“ vorbei. Doch hier liegt der Schwerpunkt auf den Anfängen der Karriere, in der sich damals noch „Harald“ Schumacher ein Zimmer mit der ebenfalls auftretenden Schwester teilen musste. Wer hätte gedacht, dass der harte Toni — man erfährt auch, warum er so genannt wird — inzwischen Kunstsammler ist? Und wie das so war, als er dann „Anpfiff“ veröffentlichte, durchaus mit Stimmen anderer Menschen als den sonst üblichen. Und wie er nach beinahe zwei Jahrzehnten Funkstille dann doch wieder bei seinem Effzeh einsteigen durfte und auch wollte. Prädikat: Toni hält zumindest hier den Ball.

Rudi Völler

Dass der nette Volksheld, von diesem getauft auf den Namen „ein‘ Rudi Völler“, auch ganz anders kann als nett zu sein, weiß man spätestens seit seiner Scheißdreck-und-Käse-Rede nach einem 0:0 auf Island. Manch Fußballnation wäre heutzutage bekanntlich froh über ein 0:0 auf Island oder sogar in einem EM-Achtelfinale, doch das war damals gänzlich anders. Wie auch Völlers Karriere noch so ganz anders verlief als die heutigen Fußballkarrieren. Auch er in „bescheidenen Verhältnissen“ aufgewachsen, wie man euphemistisch für jene ganz am Ende der Leiter der Wirtschaftskraft gerne sagt, auch er von seinem Heimatverein erst im Quasi-Erwachsenenalter zu seinem ersten Proficlub gewechselt, dauerte Völlers Karriere weit über die Zeit als Aktiver hinaus. Von den Anfängen in Hanau bis zur Sportdirektorzeit beim Bayer, kommen hier auch die weniger lobhudelnden Stimmen zu Wort. Der Rudi, der cholerische Volkstribun, der erst in letzter Zeit ein wenig von seiner Strahlkraft verliert. Und die zweieinhalb Minuten vom un- redseligen Calli erträgt man hier auch gut, zumal der Blick auf die Zeit in Italien dafür entschädigt. Einzig von Olympique Marseille wollte wohl niemand etwas zu Rudi Völler sagen. Welche Gründe das wohl haben könnte? Prädikat: Die liebe „Tante Käthe“ kann auch anders.

Hans-Peter Briegel

Wer sah je Bilder von Hans-Peter Briegel bei einem seiner Leichtathletik-Wettkämpfe? Vom deutschen Jugendmeister im Weitsprung? Wer hat je ein Interview mit dessen Leichtathletik-Trainer gehört? Wer weiß heute noch von der immensen Torgefahr des eigentlich ja Verteidiger spielenden Briegels? Und wer könnte sich heute vorstellen, dass jemand erst mit 16 (!) mit dem Vereinsfußball beginnt und hinterher Vize-Weltmeister ist. Viele Stimmen vom Beginn der Karriere der „Walz aus der Pfalz“ und noch dazu viele Bilder aus seiner Zeit in Italien, die man ja hier damals nicht zu sehen bekam. Prädikat: Hoch gehopst, weit gesprungen.

Durchaus alle drei sehenswert für verschneite Abende unter der Woche, jetzt, da die Bundesliga mal wieder beinahe komplett nicht den Winter im Europapokal überstehen wird.

Danach freuen wir uns dann auf die kommenden Dokus, wie das so war, im Internat von Julian Draxler, im Internat von Leroy Sané und ganz besonders die Doku zur wilden Zeit im Internat von Toni Kroos.