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Trainer Baade Beiträge

Der Helge Schneider der Bundesliga

Eine Folge des Podcasts von Michael Born und Ewald Lienen zu empfehlen, wie es das Zebrastreifenblog tut, bedeutet ja eigentlich, Bälle in das Tor des Gegners des FC Bayern zu tragen. Natürlich hängen wir ohnehin alle an den Lippen von good old Ewald, der mit Humor, Verve und viel Sachverstand in der Regel über die aktuellen Fußballereignisse doziert. Meist aus der Sicht eines Trainers, oft aus der eines Beobachters des gesamten Businesses. Die Sternstunden aber erlebt dieser Podcast, wenn Ewald Lienen sich an seine Zeit als Spieler, im Europapokal, in der Bundesliga erinnert und aus dem Nähkästchen plaudert.

Noch besser wird das natürlich, wenn er einen Kompagnon aus jener Zeit an seiner Seite weiß und in diesem Fall, den wir als Redaktion hier ausdrücklich empfehlen, ist das jene Folge, in der Hans-Günther Bruns („nur meine Eltern nannten mich Hans-Günther“) zu Gast ist.

Wer jene Zeit der Bundesliga goutiert, der kommt nicht daran vorbei, diese Folge zu inhalieren, in der „Bruno“, wie er genannt wurde, und eben Ewald Lienen in gemeinsamen Zeiten bei Borussia Mönchengladbach schwelgen. Natürlich ist auch jenes legendäre Duell mit Real Madrid Thema, das so tragisch endete, wie es eben nur bei Real Madrid tragisch enden kann.

Wie Kees Jaratz vom Zebrastreifenblog richtig anmerkt, benötigt „Bruno“ eine gewisse Zeit in diesem Gespräch, um aufzutauen. Dann aber erlebt man den Helge Schneider der Bundesliga in bester Manier. Warum ist er wie Helge? Nicht allein, weil er wie dieser aus Mülheim an der Ruhr stammt – und auch so spricht. Nicht allein, weil er frei Schnauze davon erzählt, wie er aus der Nationalmannschaft flog (wer das nicht hören will, kann es hier bei 11Freunde lesen), sondern weil er einfach eine so faszinierend schnoddrige Art an den Tag legt, dass ihm Stardom einfach nix bedeutete und er gleichzeitig aber bis heute vom Fußball nicht wegkommt.

Noch dazu tritt dabei zu Tage, was man hier nicht wusste, dass Hans-Günther Bruns bereits von 1973 – 1976 (!) in der Bundesliga für den FC Schalke 04 spielte. Und dass er in der Saison 1979/80 bei Fortuna Düsseldorf war. Womit er Pokalsieger 1980 wurde und zumindest auf dem Papier jenem Kader angehörte, der von Fortuna das legendäre Finale im Europapokal der Pokalsieger in Bern nach Verlängerung mit 3:4 gegen den FC Barcelona verlor.

Im kollektiven Gedächtnis geblieben ist allerdings jenes „best goal that never was“, als er bei Bayern München zum Solo ansetzte, um dann doch zu scheitern.

Naja, das ist jetzt so einfach nicht zu finden, leider, aber Ihr wisst, was ich meine.

Dann nehmen wir eben das Tor des Monats von Hans-Günther Bruns im Juli 1987, als er eine Ecke direkt verwandelte.

Oder dieses Tor des Monats als er in Bochum ein ähnliches Solo hinlegte, nur anders als in Bayern eben mit einem erfolgreichen Abschluss.

Jetzt aber den Podcast hören mit dem Helge Schneider des Fußballs, Hans-Günther Bruns.

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Ewige Tabelle der Bundesliga für NRW

Man könnte glatt eine eigene Liga betreiben nur mit aktuellen und früheren Clubs der Bundesliga aus Nordrhein-Westfalen – genau 18 sind es aktuell an der Zahl. In Kürze wird natürlich der VfB Homberg hinzustoßen, bis dahin bleiben es aber erst einmal 18 Clubs. Diese erreichten dabei die folgenden Kennzahlen in ihren 53 (Borussia Dortmund) bis 1 Saison/s (Preußen Münster, Fortuna Köln) in der Bundesliga.

Club J Spiele S U N Tore +/- P
1. Borussia Dortmund 53 1798 805 460 533 3216:2527 +689 2875
2. Borussia M‘gladbach 52 1772 721 462 589 3012:2561 +451 2625
3. FC Schalke 04 52 1764 634 446 628 2582:2521 +61 2516
4. 1. FC Köln 48 1628 639 413 576 2668:2433 +235 2330
5. Bayer L‘kusen 41 1398 602 379 417 2352:1872 +480 2185
6. VfL Bochum 34 1160 356 306 498 1602:1887 -285 1374
7. MSV Duisburg 28 948 296 259 393 1291:1520 -229 1147
8. Fortuna Düsseldorf 25 854 264 232 358 1245:1518 -273 1024
9. Arminia Bielefeld 16 544 153 139 252 645:883 -283 598
10. KFC Uerdingen 14 476 138 129 209 644:844 -200 543
11. Rot-Weiss Essen 7 238 61 79 98 346:483 -137 262
12. Alemannia Aachen 4 136 43 28 65 186:270 -84 157
13. SG Wattenscheid 09 4 140 34 48 58 186:248 -62 150
14. Rot-Weiß Oberhausen 4 136 36 31 69 182:281 -99 139
15. Wuppertaler SV 3 102 25 27 50 136:200 -64 102
16. SC Paderborn 2 68 11 18 39 68:139 -71 51
17. Fortuna Köln 1 34 8 9 17 46:79 -33 33
18. Preußen Münster 1 30 7 9 14 34:52 -18 30

Stand vor der Saison 2020/21.

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Gestatten, das dreiundvierziggrößte Stadion Deutschlands — das Rheinpreußenstadion

Wenn nix mehr geht, Stadien gehen immer. Ist das nicht eigentlich ein Job für Stadioncheck? In diesem Ausnahmefalle eher nicht, denn es geht um ein Stadion eines Teams in der Kreisliga A – das dennoch zu den größten in Deutschland zählt.

Manchmal ist es ja so, dass zusammengesetzte Wörter in der Wahrnehmung im Hirn die Bedeutung ihrer einzelnen Teile verlieren. Oder denkt jemand beim Wort „Handschuh“ wirklich explizit an eine Hand und an einen Schuh? So ungefähr geht es mir mit dem Wort „Rheinpreußen“. Da denke ich weder an den Rhein noch an Preußen oder die Region Rheinpreußen (welche mir bis zum Verfassen dieses Textes ohnehin nicht geläufig war), sondern an ein danach benanntes Bergwerk. Höre ich also als in der Nähe Aufgewachsener die Vokabel „Rheinpreußen“, dann hat das für mich nicht mal in leisen Tönen etwas mit Preußen zu tun, sondern eben mit einer Zeche. Und nach dieser Zeche ist das Rheinpreußenstadion im Moerser Stadtteil Meerbeck benannt. Moers, eine der Städte, die immer unter den erfolglosesten Großstädten im Fußball in ganz Deutschland auftaucht. Zu Recht, aber mit einer Ausnahme, zu der wir gleich noch kommen.

Das Rheinpreußenstadion dürfte wohl kaum jemand außerhalb des Fußballkreises der Region ein Begriff sein. Dabei ist es, man höre und staune, das dreiundvierziggrößte Stadion in Deutschland. Im Moment jedenfalls noch, denn es wird bald abgerissen. Es weicht Wohnungen und Begegnungsstätten unter freiem Himmel. Also so etwas, wo sich dann zwei Wochen nach Eröffnung keiner mehr hintraut, weil da nur Suchtkranke rumhängen. Der kommende Abriss war jedenfalls Anlass genug, diesem Stadion einen letzten Besuch abzustatten, nachdem man hier im Hobby-, Jugend- und sogar Schulfußball so manche Schlacht geschlagen hatte. Wenn auch ehrlicherweise meistens auf dem Ascheplatz nebenan, aber immerhin auf der Gesamtanlage „Rheinpreußenstadion“. Dazu eine Anwesenheit bei einem Testspiel des MSV Duisburg auf diesem Rasen gegen einen holländischen Club, bei dem man so nah wie sonst nie am Spielfeldrand stehen durfte und die Anweisungen von Thorsten Wohlert an seine Abwehrkollegen mit eigenen Ohren hören konnte. Klar, in Corona-Zeiten ist das eine Selbstverständlichkeit, war es aber bis dahin nicht und daher durchaus Eindruck hinterlassend.

Hausherr ist der Meerbecker Sportverein Moers 13/20, kurz der MSV Moers. Ja, es gibt wirklich einen MSV Moers, auch, wenn man das damals überhaupt nicht (s. o.) mit dem großen MSV in Verbindung brachte. Vereinsfarben sind offenbar Grün und Weiß – oder Weiß und Grün, da ist man im Fußball ja sehr pingelig.

Mitten in der Hochphase der Corona-Schließung also auf dem Heimweg schnell mal das Tor zum Rheinpreußenstadion aufgestoßen und ein paar Fotos gemacht, bevor diese Ränge und der Rasen diversen Bulldozern und anderem Abrisswerkzeug zum Opfer fallen.

Als dreiundvierziggrößtes Stadion ganz Deutschlands muss es natürlich ein gewisses Fassungsvermögen besitzen und dieses beläuft sich auf 23.000 Zuschauer. 23.000 Zuschauer werden hier aber wohl letztmals nach dem Krieg versammelt gewesen sein. Und ob man da heute noch 23.000 Menschen versammeln dürfte, wäre auch ohne Pandemie ziemlich fraglich bis eher unvorstellbar. Weshalb es etwas wundert, dass es noch mit diesem Fassungsvermögen bei Wikipedia gelistet ist.

Ebenfalls verwunderlich, warum es bei Wikipedia als Stadion ohne Aschenbahn gelistet ist. Noch aschenbahniger als dieses kann kaum ein Stadion sein.

Hier dürfte wohl schon einige Jährchen niemand mehr durchgewischt haben.

Einige Steigungen gilt es im Strafraum des Rheinpreußenstadions zu bewältigen.

Panorama-Sicht mit dem Meerbecker Funkturm und vielen Gänseblümchen.

Das Häuschen für die Heimmannschaft, Aschebahn, Rasenplatz, Funkturm.

In Meerbeck wird Gastfreundschaft offenbar groß geschrieben. Dahinter die komplett zugewucherte Haupttribüne.

Hier das herausragende, sowohl im Wortsinne als auch als solches, Häuschen für den Stadionsprecher. Inzwischen ist die Leiter dort hinauf abgerissen, beim vorigen Besuch konnte man das natürlich innen auch verwaiste Häuschen noch erklimmen – und sogar ein Spiel zweier Hobbymannschaften von dort aus betrachten. Wahrlich ein Kleinod unter den Stadionsprecherhäuschen, mit der original Pepsi-Werbung von geschätzt 1973, die immer noch nicht komplett vergilbt ist.

Und am Ausgang, schließlich heißt man hier nach einer Zeche und befindet sich mitten in einer Zechensiedlung, eine alte Lore, als Erinnerung daran, wieso man selbst oder die Vorfahren überhaupt einst hier hingezogen war. Auch diese hätte allerdings ein Bad nötig. (Und wäre ein Kandidat für thingswithfaces.com.)

Womit wir diese langjährige Heimstätte, als Sportplatz errichtet 1929, des MSV Moers für die Nachwelt erhalten hätten. Wie gesagt, aktuell Rang 43 in ganz Deutschland, hinter dem Stadion am Zoo in Wuppertal (23.067) und noch vor dem Stadion der Freundschaft in Cottbus (22.528).

Zum Club MSV Moers selbst gibt es die Geschichte zu erzählen, dass dieser Ende der 1970er ein echtes Hoch erlebte. Von 1975 bis 1980 spielte man (als RSV Meerbeck*) in der damals dritthöchsten Klasse, die erst Verbandsliga Niederrhein und dann Oberliga Nordrhein hieß. Am Ende der Saison 1976/77 verpasste man als Dritter der Tabelle knapp die Qualifikation zur Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Meister wurden nämlich die Amateure von Fortuna Düsseldorf, weshalb der Zweitplatzierte 1. FC Bocholt sich qualifizierte, auf die den Meerbeckern nach der Zwei-Punkte-Regel drei Punkte fehlten. Wie man ebenfalls Wikipedia entnehmen kann, kamen damals zu Partien gegen Clubs wie Rot-Weiß Oberhausen, den 1. FC Bocholt oder Schwarz-Weiß Essen und den Bonner SC jeweils mehrere Tausend Zuschauer. Aktuell jedoch heißt die Realität Kreisliga A, bevorstehender Abriss des so geschichtsträchtigen altehrwürdigen alten Stadions und eine Zukunft, die über den Stadtteil selbst hinaus wohl niemanden kümmern dürfte.

Der Zuschauerrekord im Rheinpreußenstadion wurde übrigens kurz nach Errichtung der Stehränge mit 25.000 Zuschauern im Jahr 1959 aufgestellt – bei einem Leichtathletik-Länderkampf (!) der Frauen zwischen Deutschland und der ČSSR.

*In einer ersten Version wurde dies hier als „RSV Moers“ erwähnt, korrekt ist aber, dass es zu jener Zeit der RSV Meerbeck war.

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Auge dankt fürs Vertrauen

1989 erzielte Klaus Augenthaler das Tor des Jahres, Zeitgenossen erinnern sich mit Leichtigkeit, durch einen Weitschuss von der Mittellinie über Uli Stein im Tor von Eintracht Frankfurt hinweg. Für wen „Auge“ das Tor erzielte, muss man nicht erwähnen, schließlich ist er ein sogenannter „one club star“, der all seine Profispiele nur für einen Verein absolvierte.

Interessanter als das Tor an sich, welches bekanntlich später noch zum „Tor des Jahrzehnts“ gewählt wurde, ist die Preisverleihung, die Reinhold Beckmann für die Sportschau im Rahmen eines Hallenturniers wohl in der Westfalenhalle vornahm.

Da spricht Beckmann – gewandet in ein fürchterlich knallbuntes Hemd, das damals aber als todschick galt – davon, dass man jetzt die „Auslosung“ zum Tor des Jahres vornehmen werde. Nun ja, wenn es eh ausgelost wurde, hätte man ja keine Postkarten an die ARD schreiben müssen. Das taten aber nicht weniger als 800.000 Menschen und davon mehr als die Hälfte – man höre und staune – aus der DDR! (Wer hier länger mitliest, weiß, wie selten ein Ausrufezeichen in diesen Breiten ist, diese besondere Würdigung also bitte auch entsprechend zur Kenntnis nehmen.)

Darauf angesprochen, dass so viele Bürger der DDR für sein Tor gegen Uli Stein als Tor des Jahres gestimmt hätten, dankt Auge dann auch ganz brav dafür, dass diese ihm „das Vertrauen geschenkt“ hätten, so als sei er gerade zum Bundeskanzler gewählt worden.

Anderthalb kurzweilige Minuten jedenfalls, dieses Stück Zeitgeschichte der Ehrung des Torschützen des Jahres 1989.

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Update: Sportschau und viele mehr zum 100. des „kicker“

Heute wird er 100 Jahre alt, doch die ARD hatte schon vor geraumer Zeit ein bisschen Platz zum Gratulieren freigeräumt. 41 Minuten über die Geschichte des Kickers, mit einem wohlbekannten Akteur von Twitter in einer der Hauptrollen. Hier zu sehen und durchaus einen Blick wert, sofern man dem Magazin nähersteht oder vielleicht mal -stand. Oder dem Landeshauptmann.

Außerdem würdigen Philipp Selldorf bei der Süddeutschen Zeitung den Kicker und Stefan Hermanns beim Tagesspiegel, jeweils mit netten Anekdoten und nicht zuletzt den legendären Namens-Wortspielen garniert.

Update: Der Meister persönlich über seine 40 der 100 Jahre beim Kicker. Höchst lesenswerter Longread, in dem er sogar mit Maradona kickt.

Und die FAZ mit einer noch viel größeren Auswahl an legendären Überschriften.

Fehlten eigentlich nur noch 11Freunde und Collinas Erben.

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20.15 Uhr: EM-Finale Belgien – Deutschland #belger80

Um 20.15 Uhr geht’s los. Was geht los? Hier alle Infos dazu.

dann zum ZDF weiterreisen und dort um punktgenau 20.15 Uhr MEZ dieses Video starten.

Meine Tweets dazu folgen dann hier drunter und natürlich bei Twitter selbst.

Viel Spaß mit den Teams von Guy Thys und Jupp Derwall.

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Relive ist das neue Orange – heute: 20.15 Uhr Belgien — Deutschland von 1980 unter #belger80

Freie Zeit ist aktuell viel vorhanden, neuer Fußball gar keiner, nicht mal in der Kreisliga. Da erhält man tatsächlich die Gelegenheit, alte Spiele in-voller-länge.de zu schauen, wie jene Webseite getauft wurde, die eigentlich nur als Nebenprojekt von etlichen Recherche-Safaris durch die Videoportale dieser Welt entstand. Findet auch Christian Spiller von Zeit online, der schon mal seine Favoriten aus dem dortigen Angebot rausgesucht und als Tipps veröffentlicht hat. Leider hat er vergessen, zu erwähnen, wo er das gefunden hat, deshalb hier noch mal der Link zu meinem Nebenprojekt:

In voller Länge

Aktuell erwarten den geneigten Besucher dort schlanke 167 Spiele, vom Finale der Eintracht aus Frankfurt gegen Real Madrid 1960 bis zum noch tieferen Tiefpunkte des 0:2 der Deutschen gegen Südkorea. (Am besten die Suche verwenden, um Spiele seines bevorzugten Clubs oder Nationalmannschaft zu finden.)

Warum aber sollte man sich Spiele in voller Länge ansehen, wenn man a) das Ergebnis doch schon kennt und b) es zu jener Zeit, als es sich ereignete, selbst gesehen hat?

Weil b) nicht unbedingt zutreffen muss, was Peter Ahrens in seinem netten Text zum aktuellen Phänomen der Relive-Schwemme übersieht. Weshalb ich mich heute Abend ab 20.15 Uhr dem EM-Finale von 1980 widmen werde. Leider nicht auf in-voller-länge.de, weil es für dort noch nicht aufzutreiben war.

Stattdessen hier beim ZDF, wie gesagt, ab 20.15 Uhr schaue ich es mir an, wer mag, kann ja mitschauen. Davon kenne ich außer den Toren (und sogar nur den deutschen) nämlich noch keine Sekunde und bin wirklich gespannt, wie es wird. Auch wenn man weiß, dass Fußball der 1980er oft grausam sein kann. Aber alleine schon den Duisburg-Wanheimerorter Dieter Kürten mal wieder ein komplettes Spiel kommentieren zu hören, dürfte es wohl wert sein. Außerdem läuft man nicht Gefahr, dass Helmut Kohl einen Auftritt hat. Und ein anderer Duisburger wird am Ende den Coupe Henri-Delaunay als Kapitän in den Römer Nachthimmel recken.

Von dieser Stelle aus wird man (das bin ich) auch ab 20.15 Uhr über das Spiel twittern und zwar unter dem

Hashtag #belger80

denn so lautete die offizielle Konstellation dieser Paarung im Jahr 1980 (korrekterweise müsste es wohl #belfrg80 sein, aber das lassen wir jetzt mal). Falls ich bis dahin etwas Geeignetes für WordPress finde, wird es hier auch eine Twitter-Wall dazu geben, dann kann man sich auch beteiligen, falls man mitschaut. Und wie gesagt, es ist jetzt weniger dem allgemeinen Relive-Phänomen geschuldet, dass dies heute Abend stattfindet, als dem Umstand, dass ich dieses Spiel schon ewig mal nachholen wollte. Aber man kommt ja zu nix. Außer in besonderen Situationen. Warum also Euch nicht alle mitschauen bzw. -lesen lassen?

Dann lass mal hören aus Rom, Dieter.

Hier noch mal der Link.

Und hier gibt’s die Tweets dazu.

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Aber manche sind gleicher

Wer gedacht hätte, dass Uli Hoeneß der erste Präsident des FC Bayern München war, der wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, bevor er ins Amt kam, liegt falsch. Das hat Franz Beckenbauer schon lange vor ihm geschafft, als er Ende der 1970er wegen Steuerhinterziehung in der Schweiz (!) zu einer Geldstrafe verurteilt wurde und später eben Präsident. Nachzulesen, wie vieles andere rund um den Fakt, dass alle Tiere gleich sind, vor allem in Bayern manche aber eben gleicher, hier in der taz.

Selbst, wenn man vieles von dem dort Geschilderten schon hat läuten hören, kommt man beim Lesen aus dem Staunen kaum noch heraus, wie hier:

„Der Minister habe ihm eröffnet, er könne nicht zustimmen, weil er selbst früher Beckenbauer bei der Steuerhinterziehung über die Schweiz geholfen habe.“

Aber lest selbst.

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Netzberg liest Trainer Baade

Ja, die Lesereise ist schon eine Weile her. Den ersten Auswärtstermin gab es damals im „Spooky’s“ in Münster, organisiert vom Schalkefan.de selig, im Publikum dabei u. a. auch der werte Netzberg, seines Zeichens Anhänger des VfL Osnabrück. Hier würde man ja gerne Teil zwei eines Leseprogramms folgen lassen, allein in den letzten Jahren kam nicht allzu viel Vorlesenswertes mehr hinzu, wie ja allgemein die Frequenz hier ganz leicht gesunken ist.

Umso schöner, wenn sich dann andere daran machen, die Inhalte des eigenen Blogs vorzulesen. In diesem Fall widmet sich Netzberg einem Teil dieses Webauftritts, der nicht so im Vordergrund steht, aber nichtsdestoweniger hörenswert ist.

Voilà – Netzberg liest Trainer Baade:

Schaut Euch danach durchaus Netzbergs gesamten Youtube-Kanal an, da liest Netzberg dann auch François Villon, Rainald Goetz oder Friedrich Dürrenmatt.

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Torsten de Funès

Achja, es ist Silvester. Da geht es ja immer lustig zu, im Fernsehen. Warum eigentlich? Hab ich glaub ich schon öfter hier gefragt, weiß, die Antwort aber nicht mehr. Warum muss man Silvester lustig sein?

Wie dem auch sei, diese Tradition existiert, und auch der MSV Duisburg hat in Person von Torsten Lieberknecht versucht, lustig zu sein. Wenn auch eigentlich schon Anfang Dezember, ist das mal wieder so ein herausragendes Beispiel dafür, wie gut es funktioniert, wenn Menschen aus dem Fußball lustige Videos produzieren, dass ich es Euch nicht vorenthalten will. Da Torsten Lieberknecht so besonders auf Traditionsvereine und somit Traditionen steht, wie er in jeder zweiten Pressekonferenz betont, ist es auch nur passend, dass er auch die Tradition, an Silvester lustig zu sein, mitmacht. Bzw. da ein Internet-Meme aufgreift, das wohl eine jede und ein jeder kennt und auch vor dessen Aufstieg zu einem solchen schon kannte.

Einfach wahnsinnig überzeugend gespielt:

Kleiner Hinweis noch am Rande, besagter französischer Komiker spricht sich tatsächlich Louis de Funèssss aus, wie man es schreibt, und nicht, wie man auf Französisch vermuten würde, de Fünèhh, da seine Eltern Spanier waren. Zumindest letzteren Umstand hätte man ohne die nette Vorarbeit von Tim Berners-Lee und anderen wohl nie erfahren. Klar hat einen das schon immer interessiert, warum er de Funes ausgesprochen wird, aber extra in eine Bibliothek wäre man dafür wohl nicht gegangen.

Wie auch Tim Berners-Lee Vorarbeit nicht ganz unschuldig daran ist, dass man hier in diesen Hallen doch deutlich beschwingter ins neue Jahr geht als es anderenfalls gewesen wäre. Mit anderen Worten: ohne das Internet hätte ich Euch alle nicht erreicht, die an diesem Umstand keinen geringen Anteil tragen. Herzlichen Dank dafür und dann Euch allen auch einen formidablen Rutsch ins neue Jahre sowie ein frohes Neues gewünscht, wenn es soweit ist.

Und dann geht’s hier in Bälde auch wieder um Fußball …

PS: An Super-Funkel kommt Lieberknecht damit natürlich noch lange nicht ran, ist aber auf einem guten Weg.

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Liebe Leute

Update, 5.5.19: Das Ziel, für das dieser Text ursprünglich veröffentlicht wurde, ist erreicht. Vielen, sehr herzlichen Dank an alle für die Bereitschaft, mitzuhelfen. Deshalb bleibt jetzt nur die verkürzte Version dieses Beitrags.

Ja, liebe Leute, Weihnachten steht vor der Tür und da ist man immer auf der Suche nach Geschenken – vielleicht für sich selbst, vielleicht für andere. Und ein beinahe klassisches Buch zum Verschenken habe ich zufälligerweise hier zur Verfügung. Das Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ mit ebenso vielen Fotos zu den Orten ist nur noch hier bei mir erhältlich, nicht mehr bei Buchhändlern zu bestellen. Darin findet man eine schöne fußballerische wie teils historische Reise durch jene Region, in der immerhin laut einer ehemaligen Lichtgestalt das Herz des Fußballs schlägt.

Und hier kommt das super Weihnachtsangebot: Ihr zahlt statt des Ladenpreises von 14,90 nur 10 Euro – und könnt dafür wahlweise auch zwei oder drei Exemplare erhalten, Versand gratis.

Bei Interesse einfach eine Email an frank.baade@gmx.de mit der gewünschten Lieferadresse senden, dann gibt es dort die Zahlungsinformationen, wobei hier IBAN oder Paypal möglich sind. Auf Wunsch natürlich gerne mit Widmung, das dann bitte erwähnen. Die Sendungen gehen in jedem Fall im Laufe der kommenden Woche raus, sollten also rechtzeitig vor den Feiertagen bei Euch sein.

Und jetzt muss man sich noch das Geräusch eines ziemlich großen vom Herzen fallenden Steines dazu vorstellen. Herzlichen Dank! (Und bitte verzeiht meine etwas zögerliche Reaktion, es gab ein paar wichtige Termine zu absolvieren, Ihr erhaltet alle in aller Kürze Antwort.)

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Everyone I know goes away in the end

WAT?

Schrei doch nicht so.

Schreie doch gar nicht. Ich meine nur das neue, alte Nummernschild für Wattenscheid. Klaus Steilmann müsste sein Auto jetzt nicht mehr in Essen anmelden, um ein Bochumer Kennzeichen zu vermeiden.

Ist ein Nummernschild Identität?

Offenbar war es das für ihn.

Eine Stadt, kaum mehr als 70.000 Einwohner, spielt mal Bundesliga, ihrem Mäzen gedankt.

In ihrer Historie war sie sogar mal das „Amt“, also das entscheidende Rathaus für Gelsenkirchen, für Bochum, aber dann, der Lauf der Dinge ist nun mal so, ist es nur noch Wattenscheid. Irgendwo schrieb mal jemand, dass man mit ungefähr 3 % der Einwohner im Stadion rechnen könne. Das wären bei 72.000 Einwohnern etwas über 2.000. Bei der SG Wattenscheid 09 kamen aber nur noch 750 im Schnitt pro Spiel, der noch dazu deutlich angehoben wurde, wenn Rot-Weiss Essen mal, wie immer zuletzt, vorbeischaute. Schalke und Dortmund saugen halt überall. Eigentlich also vielleicht 500 Männeken. Muss man für 500 Männeken ein Etwas am Leben halten, das schon lange vorbei ist?

1973 schloss die letzte Zeche in Wattenscheid, noch bevor es nach Bochum eingemeindet wurde. Wer es sich ausgedacht hatte, ist unbekannt, aber es sollte bei der Kommunalreform keine eigenständigen Städte unter 200.000 Einwohner mehr im Ruhrgebiet geben. Warum? Mag sicher Kosten sparen, mag sicher als Verwaltungsreferent sinnvoll erscheinen. Dass man aber hier, wie wohl überall, eine Kirchturm-Dorf-Identität pflegt, war bis zu diesem/dieser wohl noch nicht vorgedrungen. Es ist schon über 40 Jahre her, dass Wattenscheid nach Bochum eingemeindet wurde. Bochum ist es bis heute nicht.

Am Bahnhof Wattenscheid auszusteigen, wirft alle direkt in den tiefsten Pott. Das ist allerdings nichts Besonderes. Abgesehen von ein paar Bierhoff’schen Vierteln im Süden, ist man überall im Ruhrgebiet im tiefsten Pott. Es scheint fast so, als sei das Ruhrgebiet ein bisschen wie das Universum. Das Universum ist nämlich dergestalt, dass es von überall gleich aussieht, egal, von wo aus man hinschaut. Versteht man mit einem normalen, nicht allzu geschulten Gehirn nicht. Das Ruhrgebiet versteht auch niemand.

Überall ist es eine Metapher für sich selbst und das Schmelztiegelige, hatte man gehofft, würde auch eine neue Kultur hervorbringen. Jetzt wählen zweistellige Prozentzahlen eine Alternative. Galt schon immer als Nazi-Hauptstadt mitten im Revier: Wattenscheid. Was dann doch überrascht, in Wattenscheid gibt es einen großen Karnevalsbetrieb. Aber ist das nicht Westfalen? Das Rheinland endet doch hinter Essen. Offenbar hält sich Wattenscheid nicht daran, es feiert groß Karneval. Großer Karneval waren auch die Jahre von 1990 bis 1994, aber wie immer bei allem, das mal war, lastet es als eine Bürde auf der Gegenwart. Die Fotos hängen bestimmt im Vereinsheim an der Wand. Vergilbt können sie kaum seien, es kommt ja kein Sonnenlicht rein.

Es gibt viele Trinkhallen in Wattenscheid. Man kauft da aber keine Sammelbilder mehr von der SG 09, sondern vom BVB, von Juventus, von Real. Auf den Rängen geben sich die Groundhopper die Hand, ein großes Hallo, vor dem Anstoß frönt man der zumindest legendenmäßig besten Bratwurst in allen Stadien überhaupt. Dann läuft das Spiel und diese Melancholie fängt einen wieder ein.

Sieh doch nur, diese ganze Gegentribüne, sie könnte so viel Stimmung verbreiten, sie wäre alleine drei Punkte pro Saison wert, wenn sie denn nur mal geöffnet wäre. Aber dafür müsste man ja Ordner bezahlen. Oder überhaupt Interessenten haben, die auf diese Tribüne wollten.

Es kommt keiner mehr, bist Du immer der letzte, der den Tanzclub verlässt? Es wird doch schon zugesperrt. Dann lass das doch. Natürlich tut scheiden weh. Gerade in Wattenscheid.

Natürlich ist es immer gerade dieser Moment, den man gerne noch bewahren würde. Man hat ja keine anderen.

Gib’s auf, ruft der Polizist bei Kafka demjenigen zu, der es noch versucht. Gib’s auf – und wendet sich scheinbar mit einem ironischen Lächeln ab. In Wattenscheid ist wenig ironisch. Außer natürlich, ausgerechnet Peter Neururer, den größten Schwätzer, den das der Wissenschaft bislang bekannte Universum je gesehen hat, als Retter zu verpflichten. Aber das ist natürlich auch der Kern des Dramas. Wenn man selbst abgehalftert ist, kriegt man nur noch die Abgehalfterten.

Abgesehen von den 500 „Unentwegten“ gibt es eigentlich niemanden, der ernsthaft traurig sein könnte. Man hätte ja auch einfach mal hingehen können. Ist man aber nie. Genauso wie zum Kaufhof. Man hätte ja, ist man aber nicht. Dann. Geht halt Wattenscheid 09 unter. Und wen juckt es ernsthaft?

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