Liebe Leute

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Update, 5.5.19: Das Ziel, für das dieser Text ursprünglich veröffentlicht wurde, ist erreicht. Vielen, sehr herzlichen Dank an alle für die Bereitschaft, mitzuhelfen. Deshalb bleibt jetzt nur die verkürzte Version dieses Beitrags.

Ja, liebe Leute, Weihnachten steht vor der Tür und da ist man immer auf der Suche nach Geschenken – vielleicht für sich selbst, vielleicht für andere. Und ein beinahe klassisches Buch zum Verschenken habe ich zufälligerweise hier zur Verfügung. Das Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ mit ebenso vielen Fotos zu den Orten ist nur noch hier bei mir erhältlich, nicht mehr bei Buchhändlern zu bestellen. Darin findet man eine schöne fußballerische wie teils historische Reise durch jene Region, in der immerhin laut einer ehemaligen Lichtgestalt das Herz des Fußballs schlägt.

Und hier kommt das super Weihnachtsangebot: Ihr zahlt statt des Ladenpreises von 14,90 nur 10 Euro – und könnt dafür wahlweise auch zwei oder drei Exemplare erhalten, Versand gratis.

Bei Interesse einfach eine Email an frank.baade@gmx.de mit der gewünschten Lieferadresse senden, dann gibt es dort die Zahlungsinformationen, wobei hier IBAN oder Paypal möglich sind. Auf Wunsch natürlich gerne mit Widmung, das dann bitte erwähnen. Die Sendungen gehen in jedem Fall im Laufe der kommenden Woche raus, sollten also rechtzeitig vor den Feiertagen bei Euch sein.

Und jetzt muss man sich noch das Geräusch eines ziemlich großen vom Herzen fallenden Steines dazu vorstellen. Herzlichen Dank! (Und bitte verzeiht meine etwas zögerliche Reaktion, es gab ein paar wichtige Termine zu absolvieren, Ihr erhaltet alle in aller Kürze Antwort.)

Everyone I know goes away in the end

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WAT?

Schrei doch nicht so.

Schreie doch gar nicht. Ich meine nur das neue, alte Nummernschild für Wattenscheid. Klaus Steilmann müsste sein Auto jetzt nicht mehr in Essen anmelden, um ein Bochumer Kennzeichen zu vermeiden.

Ist ein Nummernschild Identität?

Offenbar war es das für ihn.

Eine Stadt, kaum mehr als 70.000 Einwohner, spielt mal Bundesliga, ihrem Mäzen gedankt.

In ihrer Historie war sie sogar mal das „Amt“, also das entscheidende Rathaus für Gelsenkirchen, für Bochum, aber dann, der Lauf der Dinge ist nun mal so, ist es nur noch Wattenscheid. Irgendwo schrieb mal jemand, dass man mit ungefähr 3 % der Einwohner im Stadion rechnen könne. Das wären bei 72.000 Einwohnern etwas über 2.000. Bei der SG Wattenscheid 09 kamen aber nur noch 750 im Schnitt pro Spiel, der noch dazu deutlich angehoben wurde, wenn Rot-Weiss Essen mal, wie immer zuletzt, vorbeischaute. Schalke und Dortmund saugen halt überall. Eigentlich also vielleicht 500 Männeken. Muss man für 500 Männeken ein Etwas am Leben halten, das schon lange vorbei ist?

1973 schloss die letzte Zeche in Wattenscheid, noch bevor es nach Bochum eingemeindet wurde. Wer es sich ausgedacht hatte, ist unbekannt, aber es sollte bei der Kommunalreform keine eigenständigen Städte unter 200.000 Einwohner mehr im Ruhrgebiet geben. Warum? Mag sicher Kosten sparen, mag sicher als Verwaltungsreferent sinnvoll erscheinen. Dass man aber hier, wie wohl überall, eine Kirchturm-Dorf-Identität pflegt, war bis zu diesem/dieser wohl noch nicht vorgedrungen. Es ist schon über 40 Jahre her, dass Wattenscheid nach Bochum eingemeindet wurde. Bochum ist es bis heute nicht.

Am Bahnhof Wattenscheid auszusteigen, wirft alle direkt in den tiefsten Pott. Das ist allerdings nichts Besonderes. Abgesehen von ein paar Bierhoff’schen Vierteln im Süden, ist man überall im Ruhrgebiet im tiefsten Pott. Es scheint fast so, als sei das Ruhrgebiet ein bisschen wie das Universum. Das Universum ist nämlich dergestalt, dass es von überall gleich aussieht, egal, von wo aus man hinschaut. Versteht man mit einem normalen, nicht allzu geschulten Gehirn nicht. Das Ruhrgebiet versteht auch niemand.

Überall ist es eine Metapher für sich selbst und das Schmelztiegelige, hatte man gehofft, würde auch eine neue Kultur hervorbringen. Jetzt wählen zweistellige Prozentzahlen eine Alternative. Galt schon immer als Nazi-Hauptstadt mitten im Revier: Wattenscheid. Was dann doch überrascht, in Wattenscheid gibt es einen großen Karnevalsbetrieb. Aber ist das nicht Westfalen? Das Rheinland endet doch hinter Essen. Offenbar hält sich Wattenscheid nicht daran, es feiert groß Karneval. Großer Karneval waren auch die Jahre von 1990 bis 1994, aber wie immer bei allem, das mal war, lastet es als eine Bürde auf der Gegenwart. Die Fotos hängen bestimmt im Vereinsheim an der Wand. Vergilbt können sie kaum seien, es kommt ja kein Sonnenlicht rein.

Es gibt viele Trinkhallen in Wattenscheid. Man kauft da aber keine Sammelbilder mehr von der SG 09, sondern vom BVB, von Juventus, von Real. Auf den Rängen geben sich die Groundhopper die Hand, ein großes Hallo, vor dem Anstoß frönt man der zumindest legendenmäßig besten Bratwurst in allen Stadien überhaupt. Dann läuft das Spiel und diese Melancholie fängt einen wieder ein.

Sieh doch nur, diese ganze Gegentribüne, sie könnte so viel Stimmung verbreiten, sie wäre alleine drei Punkte pro Saison wert, wenn sie denn nur mal geöffnet wäre. Aber dafür müsste man ja Ordner bezahlen. Oder überhaupt Interessenten haben, die auf diese Tribüne wollten.

Es kommt keiner mehr, bist Du immer der letzte, der den Tanzclub verlässt? Es wird doch schon zugesperrt. Dann lass das doch. Natürlich tut scheiden weh. Gerade in Wattenscheid.

Natürlich ist es immer gerade dieser Moment, den man gerne noch bewahren würde. Man hat ja keine anderen.

Gib’s auf, ruft der Polizist bei Kafka demjenigen zu, der es noch versucht. Gib’s auf – und wendet sich scheinbar mit einem ironischen Lächeln ab. In Wattenscheid ist wenig ironisch. Außer natürlich, ausgerechnet Peter Neururer, den größten Schwätzer, den das der Wissenschaft bislang bekannte Universum je gesehen hat, als Retter zu verpflichten. Aber das ist natürlich auch der Kern des Dramas. Wenn man selbst abgehalftert ist, kriegt man nur noch die Abgehalfterten.

Abgesehen von den 500 „Unentwegten“ gibt es eigentlich niemanden, der ernsthaft traurig sein könnte. Man hätte ja auch einfach mal hingehen können. Ist man aber nie. Genauso wie zum Kaufhof. Man hätte ja, ist man aber nicht. Dann. Geht halt Wattenscheid 09 unter. Und wen juckt es ernsthaft?

New Pods on the Blog

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Inzwischen weiß man ja schon gar nicht mehr, ob die Leserschaft solche Anspielungen wie im Titel überhaupt noch versteht. Aber da Blogs ja so ein 2000er-Ding sind waren, ist davon auszugehen, dass die meisten hier Lesenden sie verstehen. Die Anspielung ist ja ohnehin nicht allzu kreativ.

Ganz anders sieht es da bei den Machern der folgenden, mir neu untergekommenen Podcasts aus, deren (also Podcasts allgemein) anfänglicher Verweigerer ich war und inzwischen leidenschaftlicher Hörer bin, wenn auch ausnahmslos beim Zubettgehen. Dass ich mittlerweile mit Alex Feuerherdt und Klaas Reese eine dauerhafte ménage à trois führe, wissen die beiden nicht, macht es aber auf gewisse Weise auch noch reizvoller. Fürs Nebenbeihören sind jedenfalls die folgenden Werke alle zu schade.

Hier nun in loser Reihenfolge, ohne, dass diese eine Wertung bedeutete.

FRÜF - Frauen reden über Fußball

FRÜF: Frauen reden über Fußball. So ganz leicht ungriffig ich den Namen dieses Podcasts finde, so ergiebig sind seine Folgen. Frauen reden über Fußball, jene Frauen, die man größtenteils auch von Twitter kennt, wenn man sich dort in dieser Fußballblase bewegt. Dass sie alle Fans von unterschiedlichen Clubs sind, macht das Ganze noch interessanter. Und absolutes Plus, auch, wenn das eigentlich eher am Rande interessierten sollte: Sie können alle sehr gut reden. Das ist so flüssig (oder gut geschnitten?), dass die Ohren auch bei längeren Folgen nicht ermüden. Aber vor allem natürlich inhaltlich erhellend. Einstiegsfolge dieses auch immer noch jungen Podcasts ist jene zur Fußballsozialisation der Macherinnen, weiter geht es mit Themen wie der Causa Ronaldo (Stichwort: Vergewaltigungsvorwürfe) oder dem Thema Fußball als Heimat, wobei damit tatsächlich der physische Ort und nicht die Einrichtung als solche gemeint ist. Zum „FRÜF – Frauen über Fußball“-Podcast.

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amerika-podcast-aus-new-york

Da wäre nach den Damen der Meister aller Klassen, King Kalwa, der mit einem Kollegen einen Podcast zu kulturellen Themen aus den USA aufgesetzt hat. Zugegebenermaßen habe ich da noch nicht so den Einstieg gefunden, weil es meist zu weit von meinem Interessensspektrum entfernt ist. Da Ihr aber ja alle viel häufiger ins Tanztheater und ins Kino geht als ich, wird da sicher für Euch etwas dabei sein, zwischen Hörbeiträgen zum Woodstock-Jubiläum, zum Doper Lance Armstrong oder zur Entstehung des Christopher Street Days in Manhattan. Hier geht’s zum „amerika-podcast aus new york“.

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Centralpod

Der „Centralpod“: Hier kann ich inhatlich leider nicht helfen, da ich das Thema dieses Podcasts nicht kenne. Es geht um die Serie „Friends“, die irgendwann mal hip war. Das waren die beiden Macher des Podcasts, Maik Krükemeier und Phil Behrendt, ebenfalls einmal. Da sie sich dieser Ära gerne erinnern, schauen sie jetzt alle Episoden dieser Serie von Beginn an noch einmal und begleiten diese Zeitreise mit ihrem Podcast. Und da ich schon mochte, was Phil Behrendt schrieb, als er noch eigenständig bloggte (was er inzwischen als Kompagnon wieder beim Web04 macht), verweise ich hier gerne auf seinen neuen Podcast zusammen mit Pauli-Fan (Sankt!) Maik. Wie mir zugetragen wurde, soll ein Großteil der Stammgäste von Blogs und Twitter auch serienaffin sein. Also: auf zum Centralpod, wenn man von „Friends“ angetan war. Und falls nicht, warum nicht mal wieder das Web04 besuchen?

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Einfach Fußball

Einfach Fußball. Sven Pistor, Stimme der WDR-Bundesliga-Konferenz, macht neben dem Zeigler’schen Weg mit Büchern und Lesungen jetzt auch in Podcasts, dies aber für seinen Sender. Als WDRler hat er da natürlich einen Schwerpunkt und der heißt Köln und der besteht darin, ganz leicht Kontakt zu den Protagonisten des Fußballs zu erlangen. Letztens war er mal – übrigens mit Marcus Bark – bei Toni Schumacher zu Hause, dann im legendären Kölner Souterrain und schließlich war auch der Liebling von Arne1904 zu Gast, der auf allen Kontinenten gewesene Torwart. Dieser Podcast ist — man merkt doch das Radiogen in Pistor — nie viel länger als eine halbe Stunde und auch von unterschiedlicher Qualität, aber bei Pistor dürfte thematisch für jede ebenfalls etwas dabei sein, wenn man im Fußball drinsteckt (und man steckt ja drin). (Eine Frage hätte ich aber: Moderieren eigentlich bei anderen Sendern andere Menschen den Vorlauf zur Bundesliga-Schlusskonferenz im Radio oder dürfen da alle die Stimme von Sven Pistor vernehmen?) Der Link zu: „Einfach Fußball“.

… und jetzt kommt das Beste!

Der Sechzehner

Absoluter Oberkracher ist allerdings „Der Sechzehner“. Wenn man den manchmal etwas zu jovialen Humor vom Hausherrn Michael Born (Sky-Reporter) überlächelt, ist das ein absolutes Muss für alle am deutschen Fußball Interessierten. Denn ständiger Talkgast ist hier niemand Geringeres als Ewald Lienen. Dieser steht nicht nur stets in meinem Rücken bei meinen Visiten im Wedaustadion (in Form eines Bildnisses an der sogenannten „Legendenwand“), er ist auch äußerst eloquent und trotz seines zumindest früher mal recht bärbeißigen Rufs (Karten aus der Hand schlagen, Ernährung der Spieler überwachen) auch äußerst gewitzt und charmant. Und dass er einer der größten Protagonisten des deutschen Fußballs ist, wie Friedhelm Funkel oder Otto Rehhagel erst als Spieler, dann als Trainer, muss hier nicht erwähnt werden.

Nach einer knappen anfänglichen halben Stunde, in der Ewald das aktuelle Fußballgeschehen reflektiert, präsentiert „Der Sechzehner“ jeweils einen prominenten weiteren Protagonisten des Fußballs. Von Steffen Baumgart über Fredi Bobic und Bruno Labbadia bis zum jüngsten Highlight in Person von Christian Streich. Diese erzählen dann jeweils nicht nur von ihrer aktuellen Tätigkeit, sondern auch von ihrem gesamten Werdegang. Und das hat dann in aller Regel eine Tiefe, die man woanders vergeblich sucht. Zwar steht und fällt der zweite Teil mit der Offenheit des Gastes, die erste halbe Stunde ist aber ohnehin immer ein Hören wert. Totaler Hörtipp also: Der Sechzehner.

Auf keine Zigarette mit Jürgen Klopp — Interview mit Torsten Lieberknecht

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Ich stelle es mal hier rein, weil es bei Twitter sicher ein wenig unterginge. Und finden würde dieses Interview sonst wohl kaum jemand, da es auf einem absoluten Spartensender geführt wurde.

Zugegeben, der Titel ist ein wenig clickbaiterisch, denn in unten stehendem Interview berichtet Torsten Lieberknecht lediglich von seiner Beziehung zu Ex-Zimmergenosse Jürgen Klopp, mit dem er 7 Jahre in Mainz zusammenspielte, weshalb Lieberknecht zuletzt auch via kurzem Dienstweg beim FC Liverpool im Training zusehen durfte. Und sowohl Moderator als auch Lieberknecht werden nicht mehr in den Olymp der Rhetoriker aufsteigen. Normalerweise wären die kleinen Fehler des Moderators („3. Bundesliga“, „Stehen Sie am Ende der Saison am Tabellenanfang?“) hier auch ein gefundenes Fressen für ein wenig Spott. Doch erstens stammt das Interview vom Duisburger Lokalsender „Studio 47″ und der arme Mann muss wohl alle Themen bedienen, die so hereinkommen, da muss man nicht unbedingt Experte für Fußball sein. Und zweitens geht es ohnehin eher darum, was Lieberknecht sonst noch so erzählt, auch, wenn es auf Dauer ein wenig anstrengend ist, ihm zuzuhören.

Da wäre seine Zeit bei Eintracht Braunschweig und die jüngste Rückkehr dorthin, seine Motivation, zum MSV Duisburg zu kommen, seine und dessen aktuelle Philosophie. Aber vor allem einfach deshalb hörenswert, weil Torsten Lieberknecht frei heraus zugibt, dass es in der vergangenen Abstiegssaison einfach innerhalb des Teams nicht gestimmt hat und er diese Problematik nicht in den Griff bekam.

Wann hört man einen Trainer im Profifußball schon einmal so offen über sein Scheitern sprechen?

Gewinnspiel mit Förderunterricht: Spitznamen im Weltfußball

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Die Weltgeschichte des Fußballs in SpitznamenSchweini, Hinti, Nachnami. Das sind doch keine Spitznamen, das sind einfach nur Verkürzungen eines normalen, bürgerlichen Namens. Man kann durchaus den Eindruck, naja, ein Gewinn wäre es ja nicht, den Eindruck erhalten, dass die Kreativität bei Spitznamen im Fußball abgenommen hat. Früher war zwar nicht alles besser, aber zumindest in Sachen Spitznamen doch etwas kreativer. Zum Beispiel nennt man Marcielo Bielsa el loco, wie auch René Huigita el loco benamt wird. Zum Beispiel „Traut the Kraut“ Bert Trautmann oder „Eisenfuß“ Höttes, der „Papierne“ Matthias Sindelar oder „Vater des Balls“ Waldemar Fiúme, das sind noch Spitznamen, vielleicht auch eher Beinamen, von einer gewissen Originalität.

Dasselbe gilt analog für Beinamen von Clubs. Da wären die Elstern, die Fohlen oder die Kleeblätter, die kennt jeder. Welches Team aber nennt man Team of All Talents, wo residieren die Genähten, welches Team heißt übersetzt die Gauner?

Oder auch Bezeichnungen für bestimmte Gruppen von Spielern oder Teams: Wir kennen hier das Magische Dreieck (das Tragische haben wir wieder verdrängt), die drei Alfredos genauso wie den Babysturm. Wer aber kennt noch Gre-No-Li, welche drei Spieler waren die United Trinity und welches Team, okay, nicht ganz so schwierig, war das Clockwork Orange?

Das alles und noch viel mehr, denn dazu kommen auch noch Bezeichnungen für bestimmte Paarungen – das Wunder von Bern ist geläufig wie der Thriller von Sevilla, nicht aber die Schlacht von eben jenem Bern oder das Endspiel der quadratischen Pfosten – kommen in diesem Buch, das es hier gleich fünfmal (in Worten: fünfmal) zu gewinnen gibt, hinzu.

Ein wirklich gelungener Mix mit ausführlichen Erläuterungen auf 410 (!) Seiten mit zahlreichen unbekannten und oft einfach anmutend phantasievollen Bezeichnungen, Bei- und Spitznamen ist in diesem Werk entstanden, in dem man auch als Experte in Sachen Fußballquiz noch eine Menge Neues lernt.

Wie kann man nun ein Exemplar von „Die Weltgeschichte des Fußballs in Spitznamen“ gewinnen? Einfach bis nächsten Mittwoch, den 11. September 2019, 23.59h, maßgebend ist die Serverzeit, einen Kommentar hinterlassen. Darin sollt Ihr einen Spitznamen, Beinamen, Teamnamen aus der persönlichen Biografie nennen und erläutern, den Ihr im Fußball erlebt bzw. gehört habt. Sei es der bullige Mitspieler, der ebenso bullige, ligaweit bekannte gegnerische Verteidiger, oder auch ein Spitz- oder gerne auch Spottname eines kleinen Clubs aus der näheren Umgebung, in der man mit Fußball zu tun hatte oder hat. Dabei ist nicht die Qualität des Kommentars oder des Spitznamens ausschlaggebend dafür, wer ein Exemplar dieses Buches nun gewinnt, der Kommentar ist nur die Eintrittskarte für die Verlosung. Doppelte Kommentare von derselben Person sind nicht zulässig, oder wenn, dann ohne die Gewinnchancen zu erhöhen.

Normalerweise gehe ich hier ja immer in Vorleistung mit einem eigenen Beispiel, aber bei den Spitznamen, die mir aus der eigenen fußballerischen Biografie in den Sinn kommen, ist die Gefahr doch zu groß, dass sie als eigentliche Spottnamen enttarnt werden – und der derart Bezeichnete hier mitliest.

Dann lasst mal hören, was für seltsame Spitznamen im Laufe Eures Fußballerlebens so über die Kreisligaplätze waberten. Es darf auch gerne jener des Wirts im Vereinsheim, jener des Platzwarts oder eines ständig anwesenden Fans/Rentners/Spielerfrau/-mutter, was auch immer sein. Und bei fünf zu gewinnenden Exemplaren darf man beinahe behaupten: „Jedes Los gewinnt.“ Also, beinahe eben.

Hier noch ein Blick ins Buch, dann aber ran an die Arbeit. Erst im Gedächtnis kramen, den Fund hier kommentieren – und schließlich ein Exemplar gewinnen.

Blick ins Buch: Die Geschichte des Weltfußballs in Spitznamen

(Logisch, dass Eure beim Kommentieren angegebene Email-Adresse gültig sein sollte.)

Wuseum im Weserstadion

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Ein Museum für einen Fußballclub. „Wer braucht denn sowas?“ Nun, anscheinend immer mehr Menschen und dementsprechend auch immer mehr Clubs, die ein solches über ihre Historie, ihre Erfolge, besonderen Momente, auch über ihre Fankultur und nicht zuletzt über das, von dem sie glauben, dass es sie ausmacht, einrichten. So auch der SV Werder von 1899, in dessen Vereinsnamen das Wort London Bremen übrigens gar nicht vorkommt, der dennoch in allen offiziellen Statistiken stets als „SV Werder Bremen“ geführt wird, welcher er nun mal nicht ist.

Teil einer Stadionführung im Weserstadion, das kürzlich unter vielen Protesten seinen Sponsorennamen änderte (von 2007 bis 2018 zahlte EWE jährlich 3 Mio für die Namensrechte, die das Unternehmen aber nicht nutzte), ist auch ein abschließender Besuch in jenem Museum, das sich der SV Werder von 1899 im Jahr 2004 eingerichtet hat, welches er ganz frech, um einmal diese 1980er-Jahre-Vokabel wieder aus dem Abstellschrank zu holen, „Wuseum“ getauft hat. Nach dem Besuch des Schalke-Museums und des Borusseums (das MSV-Museum wartet noch auf einen ständigen Ort für seine Ausstellung) nun also das Wuseum, welches hier kurz beleuchtet wird, allerdings leider tatsächlich wirklich nur kurz, da der Besuch dort ebenso war.

Fassade Weserstadion mit Schriftzug Wuseum

Das aktuelle Weserstadion ist komplett von einer Außenhaut eingefasst, die aus Solarzellen besteht und dem Bauwerk die Anmutung einer Kuchenbackform verleiht. Zu gerne hätte man hier das Weserstadion noch einmal mit eigenen Augen gesehen, bevor diese zwischen futuristisch und belanglos oszillierende Außenhaut angebracht wurde. Sprich: Man hätte gerne das Stadion noch einmal gesehen, denn jetzt besteht es zumindest für den aus Menschenperspektive davor herumwandelnden Beobachter nur noch aus dieser Solaranlage – und den charakteristischen Flutlichtmasten. Fürs Klima natürlich ein wichtiger Schritt, für den Ästheten einer, der ein wenig Mühe macht.

Die Stadionführung leitet natürlich auch in die Mannschaftskabinen des Weserstadions. Diese sind tatsächlich ein wenig geräumiger als im Westfalenstadion, was aber auch nicht schwer ist. Eine schöne Eistonne zum Eintauchen steht ständig bereit, ein Entmüdungsbecken und ansonsten hat man auch hier pro Spielerhintern nicht wesentlich mehr Platz als in einer Kreisligakabine, der Raum selbst ist aber deutlich größer.

Spielerkabine im Weserstadion

Bemerkenswert ist da schon eher die Kabine für die Schiedsrichter, die nicht nur mit PC und Gedöhns ausgestattet ist, in ihr befinden sich auch zwei Schaufensterpuppen, denen man vor Spielbeginn die jeweils am Spieltag genutzten Trikots der beiden sich duellierenden Teams überstreift. Weiterlesen →

It was forty years ago today

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Nein, weder war es ausgerechnet heute 40 Jahre her, noch war es überhaupt 40 Jahre her. Es ist ungefähr 24 Jahre her. 1995 begann ich mein Studium an der Ruhr-Universität zu Bochum und ich wusste vorher schon, diese komischen Betonklötze an der Ruhr-Uni und die auch bis zum Ende meines Studiums immer dadurch gelösten Probleme mit den kaputten Steinplatten auf dem Weg von der U35-Haltestelle zu den Hörsälen, dass man die kaputten Platten einfach immer wieder an anderer Stelle einbaute, so jedenfalls ein gängiger Scherz zu jener Zeit, werden mich nicht gerade motivieren, täglich zur Uni zu gehen. Es hätten dann die Inhalte sein sollen, die mein Curriculum mir vorgab. Es war dann aber doch eigentlich diese komische Liebe zum Fußball. Der VfL Bochum, das war immer so ein Mysterium, bekannt nur aus den Radioreportagen von Manni Breuckmann, vielen anderen Stimmen natürlich, aber ein Ort zum Träumen. Vor dem Radio.

Einmal probten wir in unserem Proberaum und ließen die Gitarrenriffs stundenlang erschallen, mit nur mäßig talentierter Ausführung, begleitet von einem Schlagzeuger, bei dem der Nickname „Das Tier“ nicht nur Spott war, sondern auch Ehrfurcht. Samstags und sonntags probten wir in einem Keller einer Realschule und der war bombensicher mit dicken Mauern aus Beton umgeben. Um 17 Uhr aber stellten wir immer alle Gitarrenverstärker aus, öffneten die kleinen Fenster zur Außenwelt und lauschten der Schlusskonferenz im Radio.

„Hier in Bielefeld geht gerade die Welt unter“, und andere Bonmots, jeder (in dieser Zeit Fußballinteressierte) kennt diese heimelige Atmosphäre der Schlusskonferenz, alles kam auf einen hernieder, kondensiert in wenigen Schalten von Stadion zu Stadion und die Dramen nahmen ihren Lauf.

Einmal, der Schlagzeuger war Fan von Borussia Mönchengladbach, ging Bochum am Niederrhein mit 1:7 unter. Er zeigte sich höchst erfreut, im Rest der Band herrschte betretene Stille. Ja, man kann ja gewinnen, aber man muss einen Gegner doch nicht vernichten. Es war auf jeden Fall so, dass bei jeder gottverdammten Probe um 17 Uhr eine Pause gemacht wurde, um die Schlusskonferenz zu hören. Und jedes zweite Mal gab es auch eine Übertragung aus Bochum, hier spielt der VfL um sein Leben, was rrrennt dieser freche Außenstürmer da die Linie herunter. Man dachte wirklich, Fußball, das ist ein auditives Drama, keines, das man sehen muss.

Einmal, die Band hatte sich aufgelöst, spielten wir mit unserer Mannschaft, nicht DFB-gebunden, irgendein Spiel am Arsch der Welt und es ging am Ende darum, ob der VfL Bochum aufsteigt oder … irgendein anderer Club oder nicht und alle hier im Westen hatten Sympathien für Bochum. Noch bevor wir duschten hingen alle am Radio in meinem Auto. Was ist jetzt, wer steigt auf? Und der Radioreporter schrie ins Mikro „Tor! Tor! Tor!“ und er bekam sich überhaupt nicht mehr ein und alle dachten, in meinem kleinen Clio sitzend am Radio hängend, ja was ist denn nun – für wen ist das Tor gefallen, man, für Bochum oder gegen? Und es stellte sich raus, für Bochum! Hooray! Da waren alle froh. Naja. Das ist natürlich regional total anders und ich verstehe auch, wenn man den VfL Bochum nicht gerade als Ausgeburt der Fußballkultur, auf dem Platz, wahrnimmt.

Aber der VfL Bochum war immer so eine eine Metapher dessen, dass auch die Kleinen in der Bundesliga was reißen können. Später kam dann noch die UEFA-Pokal-Tour bis nach Amsterdam und eigentlich war es klar. Das Ruhrstadion, das muss ein Hort dessen sein, dass man auch als kleiner Club bestehen kann, dass da eine Fanhorde dahintersteht, die, obwohl, wenn ich ehrlich bin, hat mich zu diesen Zeiten überhaupt nicht interessiert, was mit den Fans ist. Oder welche jemand hat. Der VfL Bochum, das war immer dieser kleine Sympath, ein frecher Dachs, der es immer irgendwie noch hinkriegt, das man ihn nicht erwischt. Wie in diesen italienischen oder tschechischen Filmen aus den 1970ern in den Dritten Programmen, die ich immer spät nachts schaute, als ich das erste Mal einen Fernseher auf mein Zimmer bekam. Und von da an immer total übermüdet zur Schule ging.

Jedenfalls war das Ruhrstadion eine Art Mysterium. Ein Ort, den es nur im Radio gibt.

Was mag nur alles in diesem Ruhrstadion vor sich gehen? Und welch tobende Atmosphäre mag da herrschen?

Ich wusste es nicht, ehe ich dann erst nach Beginn meines Studiums einmal und dann immer öfter eine Eintrittskarte kaufte für die Kurve beim VfL Bochum. Mir war natürlich bewusst, dass ich da ein Fremder war, ein Eindringling, der gar nicht dazugehörte. Ich war einer, der von der Schlusskonferenz im Radio angelockt wurde, nicht von der Qualität des Fußballs. Von der man ja eh noch nichts wusste. Bei meinen Eltern am uralten PC schrieb ich noch eine Hausarbeit, während im TV das Spiel gegen Trabzonspor lief. Und Tage später stand ich auf dieser Kurve im Ruhrstadion und empfand ernsthaft, das ist so intensiv hier, das kann man gar nicht begreifen, wenn man nicht da war.

Spieltage um Spieltage ging ich hin und versuchte meine Freunde aus dem Westen des Ruhrgebiets zu begeistern. Das hier ist das fußballerischste Erlebnis, das man sich vorstellen kann. Einige wenige kamen mit, niemand ging enttäuscht nach Hause. Die charakteristischen Flutlichtmasten, diese Enge in der Kurve, alles roch nach Bier und nach dem, was aus Bier wird, wenn es den menschlichen Köprer wieder verlässt, und das Ruhrgebiet mit seinem oft sehr unappetitlichen Lebensstil, aber seiner rauen Herzlichkeit, brach sich Bahn in diesem Stadion.

Das war der VfL Bochum, das war und ist das Ruhrstadion.

Und ich denke tatsächlich, diese Flutlichtspiele im Ruhrstadion, diese Intensität in einer Kurve, aus der man nicht einfach mal so rauskann, die haben mich geprägt. Das war Fußball at its best, wo noch die ganze Masse aufstöhnt oder jammert. Ein Bad der Gefühle.

Herzlichen Glückwunsch, Ruhrstadion, zum 40. Geburtstag.

Die fürchterlich fehlerhafte Fabel vom Schneckenrennen

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Immer, wenn es in einer Liga soweit kommt, dass sich mehrere Clubs einem möglichen Aufstieg oder Titel nähern, aber nicht durchgehend punkten siegen, wird in den „Medien“ die Fabel vom „Schneckenrennen“ wieder aufgewärmt. Als sei das a) etwas Schlechtes, eine Schnecke zu sein, b) ein Rennen zu veranstalten und c) dabei nicht immer ganz so vorwärts zu kommen, wie man sich das im Hirn des Schreibers vorstellt, ohne zu berücksichtigen, dass auch alle anderen Schnecken im Rennen durchaus zu rennen in der Lage sind.

Wir wollen sie nicht mehr hören, diese sachlich so fehlgegriffene Fabel vom Schneckenrennen, weil diese so viele Aspekte des Sports ignoriert und versucht, ein kurzzeitiges Straucheln auf etwas einzudampfen, was vielleicht im Bereich der Leichtathletik möglich ist oder sofern man etliche Dutzend Millionen mehr als die jeweiligen Kontrahenten in seinen Kader investieren konnte, auch im Fußball. Dass man immer gewinnt. Wie viele Jahre war [hier Leichtathlet sowieso einfügen] unbesiegt? Etliche. Wie viele Jahre schaffte es ein Team in einer der großen Ligen, ohne Niederlage zu agieren? Doch wohl höchstens anderthalb, wie der FC Arsenal mit Mad Jens im Tor. Selbst der große FC Bayern, der sportlich vielleicht größte, den man je gesehen hat, verlor unter Pep Guardiola immer mindestens ein Spiel pro Saison.

Das Wesen dessen, des Fußballs, ist doch aber – und daher stammt auch zu nicht geringen Teilen seine weltweite* Popularität – dass eben im Fußball immer alles möglich ist. Wie man dann auf die Idee kommen kann, nur weil ein Club, der in der Tabelle vorne liegt, mal drei Spiele lang nicht gewinnt, dass es berechtigt sei, die Frage zu stellen, ob denn „niemand aufsteigen will“ oder ob das „Schneckenrennen“ denn am Ende zu gar keinem verdienten Sieger führen könnte, bleibt schleierhaft.

Es ist nicht nur das Wesen des Fußballs, sondern auch der Wunsch aller, die ihn passiv begleiten, das genau dies immer wieder der Fall ist. Dass Topteams wider aller Erwartung nicht siegen, dass sich auch „Rennen“ in den oberen Bereichen einer Liga nicht nur von Sieg zu Sieg hangeln und vor allem, dass eben nicht schon am 25. Spieltag einer 18er-Liga klar ist, wie dieses „Rennen“ ausgeht. Sonst, ja, sonst würde man doch nicht mehr hinschauen.

Froh also ist man, dass es im Fußball eine solche Ausgeglichenheit auch in Ligen mit Clubs höchst unterschiedlicher Etathöhe noch gibt. Und deshalb mögen bitte alle Anspielungen, Fabeln und vor allem alles Wehklagen über ein vermeintliches Schneckenrennen bitte nie wieder aus der Gruft der Fußballschreibermetaphern geholt werden, sondern für immer dort rotten, wo auch die Vorstellungen jener rotten mögen, die derlei überhaupt für ernsthaft druckbar halten. Es gibt diese vermeintlichen „Schneckenrennen“, weil und damit alle froh sind, dass man den Fußball nicht vorhersagen kann.

(* Ausnahmen siehe hier.)

Uli Hoeneß in jung (und unsicher)

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40 Jahre ist es heute her, dass er Manager beim FC Bayern wurde, Texte dazu gibt es satt und genug. Davor war Uli Hoeneß auch mal jung, wie man im Video ziemlich deutlich sieht und hört. Und dass er äußerst erfolgreicher Fußballer war, geht ja allen Nachgeborenen in der Bewertung der gesamten Person meist völlig ab. Einer von nur, äh, knapp unter 100 deutschen Weltmeistern im Fußball ist er und das wird er immer bleiben. Und dass er bei Olympia 1972 in München im Fußballwettbewerb (u. a. an der Seite von Ottmar Hitzfeld) mitspielen durfte, verdankte er dem Umstand, dass er zu seiner Anfangszeit beim FC Bayern München noch kein Profi war, sondern Vertragsamateur. Wie man von einem reichlich devoten Uli Hoeneß bei seinem ersten Auftritt im Aktuellen Sportstudio 1971 erfährt, herausgequetscht von Dieter Kürten, seines Zeichens gebürtig aus Duisburg-Wanheimerort, was man Kürtens Sprachmelodie allerdings nicht anmerkt. Dafür umso mehr, wie unsicher Uli Hoeneß, der Ulmer, gerade 19 Jahre alt geworden vor diesem Auftritt, insgesamt und auch in Bezug auf das, was da noch kommen möge, wirkt.

(Zur eingangs erwähnten Spielabsage wegen eines Tribünenbrands im Stadion an der Grünwalder Straße gibt es hier mehr: „Abgebrannt und abgesoffen“.)

Bundesliga-Meisterschaften, die durch die Tordifferenz entschieden wurden

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Noch ist es in dieser Saison 2018/19 nicht ausgeschlossen: dass die Tordifferenz über die Meisterschaft entscheidet. Auch, wenn das zugegebenermaßen äußerst unwahrscheinlich ist, drei Spieltage vor Saisonende und bei 16 Toren, die Borussia Dortmund gegenüber dem FC Bayern München aufholen müsste. Doch unmöglich ist es nicht. Schließlich begann die gar nicht mal so kurze Geschichte der anhand der Tordifferenz entschiedenen Meistertitel in der Bundesliga mit einem Sieg am letzten Spieltag, der bis heute der höchste Bundesliga-Sieg der Historie ist.

Immerhin sechsmal entschied am Ende die Tordifferenz über den Meistertitel in jetzt 56 Saisons, also in mehr als jeder 10. Saison ist dies der Fall. Allerdings ließ man sich einerseits 15 Jahre seit Gründung Zeit, bis es zum ersten Mal soweit war, andererseits ist es seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts kein einziges Mal in inzwischen 19 Jahren mehr vorgekommen. Und dass die Zahl der mehr erzielten Tore – statt der reinen Tordifferenz – über den Titel entschieden hätte, gab es noch nie. Gleich beim ersten Mal wäre es aber fast schon soweit gekommen.

1977/78

Die Mutter aller Schlachten um die Tordifferenz fand an jenem letzten Spieltag der Saison 1977/78 statt, als Jupp Heynckes fünfmal im Rheinstadion traf, Otto Rehhagel mit Borussia Dortmund unterging und die Kölner so weise waren, sich nicht auf dem Vorsprung von 10 Toren vor Beginn des Spieltags auszuruhen, sondern ihrerseits beim 5:0 gegen den FC St. Pauli nicht mit Toren sparten. So blieb es bei am Ende drei weniger kassierten Toren als Konkurrent Borussia Mönchengladbach. Damit gelang der zweite und letzte Bundesligatitel des 1. FC Köln, der auch gleich noch das Double gewann (damals eine echte Besonderheit).

Club Tore Diff Punkte
1. 1. FC Köln 86:41 +45 48:20
2. Borussia Mönchengladbach 86:44 +42 48:20
3. Hertha BSC 59:48 +11 40:28

1982/83

Zwei Nordclubs ganz oben, und nur der Unterschied einer um 8 Tore besseren Tordifferenz machte den HSV zum Meister vor Werder Bremen, gerade mal vor zwei Jahren wieder aufgestiegen nach dem bislang einzigen Abstieg aus der ersten Bundesliga. Der Drittplatzierte VfB Stuttgart hatte mit 80 sogar noch ein Tor mehr erzielt als der Meister HSV mit seinen 79 Toren, aber weniger Punkte gesammelt. Keine allzu dramatische Angelegenheit war diese Entscheidung, auch, wenn es natürlich alles am letzten Spieltag noch hätte kippen können.

Club Tore Diff Punkte
1. Hamburger SV 79:33 +46 52:16
2. Werder Bremen 76:38 +38 52:16
3. VfB Stuttgart 80:47 +33 48:20

1983/84

In dieser Saison kam es zur seltsamen Konstellation, dass der Hamburger SV beim VfB Stuttgart quasi ein Finale um die Meisterschaft austragen durfte oder musste. Dieses gewann er zwar auch mit 1:0, es hätte aber noch ein paar Tore mehr gebraucht, um den VfB Stuttgart auch in der Tabelle zu überflügeln. Dass sogar drei Mannschaften am Ende punktgleich waren, gab es auch nur dieses eine Mal, aber Mönchengladbach hatte sich diesmal – anders als 1978 – offenbar ohnehin nicht mehr ernsthaft Chancen auf den Titel ausgerechnet.

Club Tore Diff Punkte
1. VfB Stuttgart 79:33 +46 48:20
2. Hamburger SV 75:36 +39 48:20
3. Borussia Mönchengladbach 81:48 +33 48:20
4. FC Bayern München 84:41 +43 47:21

1985/86

„Kutzop“.

Und das ist dann auch schon die komplette Geschichte dieses Dramas, bei dem der Tabellendritte Bayer Uerdingen immerhin auf die stolze Tordifferenz von +3 Toren kam.

Bliebe vielleicht noch zu erwähnen, dass dies der einzige Elfmeter war, den Michael Kutzop in seiner gesamten Profikarriere vergab. Und dass den Bremern immer noch ein Remis beim letzten Spiel in Stuttgart gereicht hätte, welches aber mit 1:2 verloren ging, während die Bayern zu Hause Borussia Mönchengladbach mit 6:0 abfertigten. Alles live verfolgt am Fahrradradio meines Kumpels, damals. Immerhin hatte der Fußballgott ein Einsehen und erlaubte Werder Bremen 1988 schließlich den Titel in der Bundesliga. Zu spät allerdings für Rudi Völler, der da schon über die Alpen nach Italien entfleucht war und somit zwar Weltmeister ist, aber nie Deutscher Meister wurde (und auch in Italien kein Landesmeister).

Ich schweife ab, hier geht es ja um die Entscheidung per Tordifferenz. Voilà:

Club Tore Diff Punkte
1. FC Bayern München 82:31 +51 49:19
2. Werder Bremen 83:41 +42 49:19
3. Bayer Uerdingen 63:60 +3 45:23

1991/92

Die sportlich schwärzeste Stunde der Frankfurter Eintracht fand mit einem 1:2 bei Hansa Rostock statt, woraufhin der VfB Stuttgart, der seinerseits erst spät in Leverkusen in Unterzahl zum Siegtreffer kam, mal wieder Meister wurde, wie das früher öfter der Fall war. Erstaunlich, dass man bei Borussia Dortmund diese einzige Saison mit 20 Clubs in der 1. Liga, in der man bis zuletzt im Meisterrennen war, kaum je erwähnt. In jedem Fall einer der spannendsten letzten Spieltage überhaupt in der Bundesliga-Historie.

Club Tore Diff Punkte
1. VfB Stuttgart 63:32 +30 52:24
2. Borussia Dortmund 66:47 +19 52:24
3. Eintracht Frankfurt 76:41 +35 50:26

1999/2000

Ballack, Unterhaching, Eigentor.

Auch diese Geschichte ist schnell erzählt, bzw. dürfte allgemein bekannt sein – und erneut war der FC Bayern Nutznießer dessen, dass er eine bessere Tordifferenz als sein Kontrahent aufwies. Da ahnte man bei Bayer Leverkusen allerdings noch nicht, was die Saison 2002 noch für sie bereithalten sollte …

Club Tore Diff Punkte
1. FC Bayern München 73:28 +45 73
2. Bayer Leverkusen 74:36 +38 73
3. Hamburger SV 63:39 +24 59

Der Glaube daran, dass sich die Saison 2018/19 in diese Liste einreiht, ist hier trotz meines Tweets von jüngst quasi nicht vorhanden. Spannend wäre es aber natürlich schon und wie der aktuell etwas schräge Spieltag gezeigt hat, auch nicht komplett unmöglich.

Wer die Saison 2000/2001 mit dem Meister der Herzen alias der Vierminuten-Meisterschaft des FC Schalke 04 hier vermisst, dem sei gesagt, dass der FC Bayern damals die schlechtere Tordifferenz aufwies, durch den späten Ausgleich beim Hamburger SV aber eben einen Punkt mehr sammelte als Schalke. Ohne diesen Punkt wäre man punktgleich gewesen – und bei dieser Entscheidung hätte dann Schalke die Nase vorn gehabt. Dem war aber nicht so, weshalb diese Saison auch nicht in dieser Zusammenstellung auftaucht. Dramatische Saisons gab es aber auch so schon genug. Nur seit 2012 ist da nicht mehr allzu viel Drama gewesen, Baby.

Bewerben als Fußballkneipe des Jahres

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Eisen in BremenDie Akademie für Fußballkultur, mit der ich nicht verwandt und nicht verschwägert bin, wird im Oktober erstmals und voraussichtlich letztmals die „Fußballkneipe des Jahres“ küren und dem Sieger 5.000 Euro kredenzen. Das ist insofern ein Thema für dieses Blog, da ich immer noch und beinahe ausschließlich Fußballspiele, wenn nicht im Stadion, in einer Kneipe konsumiere. Bei Hochbetrieb wie bei einer WM schaue ich zwar auch schon mal öfter etwas in den eigenen vier Wänden, ansonsten aber ist der Genuss eben größer, wenn man „unter Menschen“ (das sind die mit den Haaren oben drauf (gibt Ausnahmen) und unter den Achseln) ist und nicht zuletzt auch deshalb angenehm, weil man dann den Kommentator meist nur als irrelevantes Brabbeln (gilt nicht für Markus Gaupp und wenige weitere Exemplare) im Hintergrund wahrnimmt. Ein Brabbeln, dessen Inhalt man selten entschlüsselt, weshalb man auch gut darauf verzichten kann.

Und da man ja immer von sich auf andere schließt, gehe ich davon aus, dass ein Großteil der Besucherinnen und Besucher hier in dieser Hinsicht ähnlich verfährt. Also Fußball, wenn nicht im Stadion, eben in einer Kneipe schaut. Weshalb ich wiederum davon ausgehe, dass unter meiner Besucherschaft viele vorhanden sind, die ebenfalls eine solche wie auch immer geartete Fußballkneipe in ihrer Nähe wissen und regelmäßig aufsuchen. Vielleicht kennt man ja sogar die Besitzer und denen könnte man mit einer Auflaufprämie in Höhe von 5.000 Euro sicher einen Gefallen tun.

Kleine Einschränkung ist allerdings, dass es nicht einfach nur eine Kneipe sein darf, in der Fußball auf den Bildschirmen gezeigt wird. Es muss zudem wie auch immer geartete Aktivitäten rund um den Fußball geben. Seien es Fußballquizze, so wie ich eines an jedem letzten Montag im Monat im Café Steinbruch halte, seien es Fußballlesungen, wie ich sie eine zeitlang hielt, oder seien es sonstige Verquickungen, Unterfangen oder Spektakel, die mit Fußball in Zusammenhang stehen. Mehr als nur eine Sport-TV-Kneipe muss es also schon sein.

Damit die Eurige aber diese Chance nicht verpasst, sich bei der Akademie für Fußballkultur vorzustellen und eventuell in den Genuss von 5.000 Euro zu kommen, weise ich hier auf diese Aktion hin.

Vorstellen und bewerben kann man sich hier.

Die Heroine im Tor

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Ich traf sie während des Finales der Frauen-EM 2013. Sie hatte sich in diese kleine afrikanische Bar bei mir um die Ecke geschlichen. Oder gestohlen. Man fiel dort als Weißer nicht auf, denn die Bar wurde angesichts ihrer zentralen Lage in der Stadt immer wieder von irgendwelchen Passanten frequentiert, die plötzlich durstig wurden, sich vielleicht auch nur Erleichterung verschaffen wollten. Warum ich jenes Finale einer EUROPAmeisterschaft ausgerechnet in einer afrikanischen Bar verfolgte, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich, weil es sonst ohnehin fast niemand zeigte, nachdem der Hype um die WM 2011 in jenem Moment verglommen war, als die Deutschinnen, wie man so schön sagt, ausgeschieden waren. Schon zur WM 2011 war das tatsächliche Interesse ja eher mau gewesen, öffentliches, also an öffentlichen Orten wahrnehmbares, war ohnehin nicht vorhanden gewesen. Dass bei ARD oder ZDF stets Millionen mitsehen, liegt wohl eher daran, dass Pflegeberufe chronisch unterbesetzt sind.

Sie aber wollte gar nicht zur Toilette, sondern wirklich das Spiel schauen. Alleine? Wunderte ich mich. Du doch auch. Ja, wer guckt denn sonst schon Frauenfußball? Die eigentliche Stammkundschaft dieser Bar jedenfalls nicht, wo tagein, tagaus der Fernseher dröhnte, mit internationalem Programm, Premier League, Billard-WM, CNN-Nachrichten über den letzten Tornado in Kentucky, die Stammbelegschaft schaute gar nicht hin, ließ sich berieseln und frönte ansonsten dem dumpfen Zeittotschlagen, was schließlich für alle hier (auf diesem Planeten) immer noch die größte Herausforderung ist.

Warum sie denn Frauenfußball schaue?! „Weil mich das interessiert?“ Aha, und warum? „Weil ich selber gespielt habe.“ Achso, ja, gut, trifft man ja auch nicht so oft. Abgesehen von Frau Wu, mit der ich mal zufällig im Bus vom MSV-Spiel zurückfuhr, die mich fragte, warum ich zum MSV ginge. Und warum nicht zu ihnen komme, den Frauen des MSV. Ehrlich gesagt war ich mal da, gegen Essen glaube ich, aber es war … nicht so wunderschön anzusehen. Wenn Spielerinnen Mühe haben, einen Schuss wirklich platziert, vor allem in Bezug auf dessen Höhe, zu setzen, erhält es so eine Art Beliebigkeit. Jene Beliebigkeit, die ich von meinen eigenen meist fruchtlosen Bemühungen kenne. Und wenn eher der Zufall entscheidet, ok, das ist im Fußball ja oft so, aber eben als entscheidendes Element ein Spiel prägt, dann braucht man es auch nicht unbedingt öfter live anzusehen. Aber die Turnierspiele der DFB-Eleven schaue ich schon, so wie hier.

Ich wich damals in eine Notlüge aus, dass die Termine ja immer so ungünstig lägen und … war natürlich sofort enttarnt, denn die Termine in der 2. Bundesliga der Männer liegen genauso beschissen. Samstags 13.00 Uhr, sonntags 13.30 Uhr, da kommt ja man noch mit den Fischstäbchen im Mund am Stadion an, weil man nicht mal fertig zu Mittag gegessen hat. Aber das schaffe ich dann, einzuplanen. Es fehlt (mir) bei den Frauen diese Atmosphäre, wie sie bei einem Profi-Männerspiel ist. Es ist mit knapp 1.000 Zuschauern einfach noch zu sehr Bezirksliga-Feeling, das natürlich auch ganz nett ist, aber eben nicht dasselbe wie ein Profispiel der Männer.

Sie jedenfalls schaute wirklich dem Spiel zu, weil sie es interessant fand. In der Halbzeitpause ging sie hinüber in den Kant-Park, zu ihren Alkoholiker-Freunden, die dort schon vor dem inzwischen wieder aufgehobenen Alkoholverbot in der Innenstadt ihre Bleibe gefunden hatten. Es ist dieses nicht rauschhafte, sondern dauerbedröselte Saufen, das so wenig nachvollziehbar erscheint. Dauerstramm zu sein, was hat man davon? Eine rauschhafter Abend, mit viel Gesang und Wein und Weib, das ist nachvollziehbar und irgendwie ja auch kulturell akzeptiert. Ständig von morgens bis abends dun zu sein, erscheint hingegen eher wenig erstrebenswert. Und so wirkte auch sie. Dauer-dun und ich fragte mich, wie man denn so werden könne.

In Dingens hätte sie gespielt, und zwar im Tor und das auch dauerhaft und erfolgreich, sagte sie. Doch dann wäre es immer schlimmer geworden, mit dem Heroin und so. Und ich fragte, ganz naiv, warum man denn damit anfängt, wenn man doch weiß, dass das am Ende nur scheiße sein kann. Weil ihre Eltern auch schon drupp waren, wie man in diesem speziellen Fall hier im Westen statt „drauf“ sagt. Die hätten sich um nichts gekümmert, außer um den nächsten Schuss und so war es für sie irgendwie „normal“, das auch mal zu probieren. Dann war sie irgendwann drupp und dann war es auch mit der Karriere als Torhüterin schnell vorbei. Wobei sie noch dagegen ankämpfte, wenigstens das regelmäßige Training habe ihrem Alltag Struktur gegeben. Doch als sie von der Nr. 1 zur Nr. 2 degradiert wurde und quasi gar nicht mehr spielte, brach auch das zusammen. Dann war Schluss mit dem Torstehen. Und danach ging es nur noch in der Drogenkarriere weiter, nicht aber in ihrer Fußball-.

Immerhin schaute sie dann noch das Finale der EM 2013, und sie stand neben mir und ich dachte nur, was für ein Glück ich habe, dass ich in ein gesundes Elternhaus geboren wurde. Tja. Die Deutschinnen gewannen. Sie ging, zurück in den Park zu ihren „Freunden“, ich in mein Zuhause, mit Bett, Dach und Dusche.

Rothosen am Rhein – #msvhsv

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Keine 48h sind es mehr bis zum Anstoß. Dem Anstoß der Partie zwischen zwei Gründungsmitgliedern der Bundesliga, mittlerweile in der 2. Bundesliga um Punkte kämpfend. In der linken Ecke des Gastgebers: der MSV Duisburg. In der Ecke des, naja, Herausforderers: der Hamburger SV in seinem ersten zweitklassigen Jahr seit Bestehen überhaupt. Um 18.30h geht es los am Freitag im Wedaustadion und alles andere als ein Sieg und damit die Herbstmeisterschaft für die Gäste aus dem Norden wäre eine Überraschung zumindest von der Größe einer Frikadelle. Glaubt man hier wenigstens, wenn man dazu befragt wird.

Und befragt wurde man hier, nämlich von Krischan1887, der den schnuckelig benannten Podcast HSV Klönstuv betreibt und neuerdings sogar auch auf dem #tkschland herumstromert, wie am Ende herauskommt. Mehr als eine Stunde Klönschnack über #MSVHSV und auch sonst noch über Fußball, die Geschichte der beiden Clubs, Fanfreundschaften, Stadionnamen und alles Mögliche weitere rund um Fußball.

Hier geht’s zum Gespräch zwischen meiner Wenigkeit und der HSV Klönstuv. Natürlich auch per Podcatcher, bei iTunes etc. abzurufen.