Bewerben als Fußballkneipe des Jahres

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Eisen in BremenDie Akademie für Fußballkultur, mit der ich nicht verwandt und nicht verschwägert bin, wird im Oktober erstmals und voraussichtlich letztmals die „Fußballkneipe des Jahres“ küren und dem Sieger 5.000 Euro kredenzen. Das ist insofern ein Thema für dieses Blog, da ich immer noch und beinahe ausschließlich Fußballspiele, wenn nicht im Stadion, in einer Kneipe konsumiere. Bei Hochbetrieb wie bei einer WM schaue ich zwar auch schon mal öfter etwas in den eigenen vier Wänden, ansonsten aber ist der Genuss eben größer, wenn man „unter Menschen“ (das sind die mit den Haaren oben drauf (gibt Ausnahmen) und unter den Achseln) ist und nicht zuletzt auch deshalb angenehm, weil man dann den Kommentator meist nur als irrelevantes Brabbeln (gilt nicht für Markus Gaupp und wenige weitere Exemplare) im Hintergrund wahrnimmt. Ein Brabbeln, dessen Inhalt man selten entschlüsselt, weshalb man auch gut darauf verzichten kann.

Und da man ja immer von sich auf andere schließt, gehe ich davon aus, dass ein Großteil der Besucherinnen und Besucher hier in dieser Hinsicht ähnlich verfährt. Also Fußball, wenn nicht im Stadion, eben in einer Kneipe schaut. Weshalb ich wiederum davon ausgehe, dass unter meiner Besucherschaft viele vorhanden sind, die ebenfalls eine solche wie auch immer geartete Fußballkneipe in ihrer Nähe wissen und regelmäßig aufsuchen. Vielleicht kennt man ja sogar die Besitzer und denen könnte man mit einer Auflaufprämie in Höhe von 5.000 Euro sicher einen Gefallen tun.

Kleine Einschränkung ist allerdings, dass es nicht einfach nur eine Kneipe sein darf, in der Fußball auf den Bildschirmen gezeigt wird. Es muss zudem wie auch immer geartete Aktivitäten rund um den Fußball geben. Seien es Fußballquizze, so wie ich eines an jedem letzten Montag im Monat im Café Steinbruch halte, seien es Fußballlesungen, wie ich sie eine zeitlang hielt, oder seien es sonstige Verquickungen, Unterfangen oder Spektakel, die mit Fußball in Zusammenhang stehen. Mehr als nur eine Sport-TV-Kneipe muss es also schon sein.

Damit die Eurige aber diese Chance nicht verpasst, sich bei der Akademie für Fußballkultur vorzustellen und eventuell in den Genuss von 5.000 Euro zu kommen, weise ich hier auf diese Aktion hin.

Vorstellen und bewerben kann man sich hier.

Die Heroine im Tor

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Ich traf sie während des Finales der Frauen-EM 2013. Sie hatte sich in diese kleine afrikanische Bar bei mir um die Ecke geschlichen. Oder gestohlen. Man fiel dort als Weißer nicht auf, denn die Bar wurde angesichts ihrer zentralen Lage in der Stadt immer wieder von irgendwelchen Passanten frequentiert, die plötzlich durstig wurden, sich vielleicht auch nur Erleichterung verschaffen wollten. Warum ich jenes Finale einer EUROPAmeisterschaft ausgerechnet in einer afrikanischen Bar verfolgte, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich, weil es sonst ohnehin fast niemand zeigte, nachdem der Hype um die WM 2011 in jenem Moment verglommen war, als die Deutschinnen, wie man so schön sagt, ausgeschieden waren. Schon zur WM 2011 war das tatsächliche Interesse ja eher mau gewesen, öffentliches, also an öffentlichen Orten wahrnehmbares, war ohnehin nicht vorhanden gewesen. Dass bei ARD oder ZDF stets Millionen mitsehen, liegt wohl eher daran, dass Pflegeberufe chronisch unterbesetzt sind.

Sie aber wollte gar nicht zur Toilette, sondern wirklich das Spiel schauen. Alleine? Wunderte ich mich. Du doch auch. Ja, wer guckt denn sonst schon Frauenfußball? Die eigentliche Stammkundschaft dieser Bar jedenfalls nicht, wo tagein, tagaus der Fernseher dröhnte, mit internationalem Programm, Premier League, Billard-WM, CNN-Nachrichten über den letzten Tornado in Kentucky, die Stammbelegschaft schaute gar nicht hin, ließ sich berieseln und frönte ansonsten dem dumpfen Zeittotschlagen, was schließlich für alle hier (auf diesem Planeten) immer noch die größte Herausforderung ist.

Warum sie denn Frauenfußball schaue?! „Weil mich das interessiert?“ Aha, und warum? „Weil ich selber gespielt habe.“ Achso, ja, gut, trifft man ja auch nicht so oft. Abgesehen von Frau Wu, mit der ich mal zufällig im Bus vom MSV-Spiel zurückfuhr, die mich fragte, warum ich zum MSV ginge. Und warum nicht zu ihnen komme, den Frauen des MSV. Ehrlich gesagt war ich mal da, gegen Essen glaube ich, aber es war … nicht so wunderschön anzusehen. Wenn Spielerinnen Mühe haben, einen Schuss wirklich platziert, vor allem in Bezug auf dessen Höhe, zu setzen, erhält es so eine Art Beliebigkeit. Jene Beliebigkeit, die ich von meinen eigenen meist fruchtlosen Bemühungen kenne. Und wenn eher der Zufall entscheidet, ok, das ist im Fußball ja oft so, aber eben als entscheidendes Element ein Spiel prägt, dann braucht man es auch nicht unbedingt öfter live anzusehen. Aber die Turnierspiele der DFB-Eleven schaue ich schon, so wie hier.

Ich wich damals in eine Notlüge aus, dass die Termine ja immer so ungünstig lägen und … war natürlich sofort enttarnt, denn die Termine in der 2. Bundesliga der Männer liegen genauso beschissen. Samstags 13.00 Uhr, sonntags 13.30 Uhr, da kommt ja man noch mit den Fischstäbchen im Mund am Stadion an, weil man nicht mal fertig zu Mittag gegessen hat. Aber das schaffe ich dann, einzuplanen. Es fehlt (mir) bei den Frauen diese Atmosphäre, wie sie bei einem Profi-Männerspiel ist. Es ist mit knapp 1.000 Zuschauern einfach noch zu sehr Bezirksliga-Feeling, das natürlich auch ganz nett ist, aber eben nicht dasselbe wie ein Profispiel der Männer.

Sie jedenfalls schaute wirklich dem Spiel zu, weil sie es interessant fand. In der Halbzeitpause ging sie hinüber in den Kant-Park, zu ihren Alkoholiker-Freunden, die dort schon vor dem inzwischen wieder aufgehobenen Alkoholverbot in der Innenstadt ihre Bleibe gefunden hatten. Es ist dieses nicht rauschhafte, sondern dauerbedröselte Saufen, das so wenig nachvollziehbar erscheint. Dauerstramm zu sein, was hat man davon? Eine rauschhafter Abend, mit viel Gesang und Wein und Weib, das ist nachvollziehbar und irgendwie ja auch kulturell akzeptiert. Ständig von morgens bis abends dun zu sein, erscheint hingegen eher wenig erstrebenswert. Und so wirkte auch sie. Dauer-dun und ich fragte mich, wie man denn so werden könne.

In Dingens hätte sie gespielt, und zwar im Tor und das auch dauerhaft und erfolgreich, sagte sie. Doch dann wäre es immer schlimmer geworden, mit dem Heroin und so. Und ich fragte, ganz naiv, warum man denn damit anfängt, wenn man doch weiß, dass das am Ende nur scheiße sein kann. Weil ihre Eltern auch schon drupp waren, wie man in diesem speziellen Fall hier im Westen statt „drauf“ sagt. Die hätten sich um nichts gekümmert, außer um den nächsten Schuss und so war es für sie irgendwie „normal“, das auch mal zu probieren. Dann war sie irgendwann drupp und dann war es auch mit der Karriere als Torhüterin schnell vorbei. Wobei sie noch dagegen ankämpfte, wenigstens das regelmäßige Training habe ihrem Alltag Struktur gegeben. Doch als sie von der Nr. 1 zur Nr. 2 degradiert wurde und quasi gar nicht mehr spielte, brach auch das zusammen. Dann war Schluss mit dem Torstehen. Und danach ging es nur noch in der Drogenkarriere weiter, nicht aber in ihrer Fußball-.

Immerhin schaute sie dann noch das Finale der EM 2013, und sie stand neben mir und ich dachte nur, was für ein Glück ich habe, dass ich in ein gesundes Elternhaus geboren wurde. Tja. Die Deutschinnen gewannen. Sie ging, zurück in den Park zu ihren „Freunden“, ich in mein Zuhause, mit Bett, Dach und Dusche.

Rothosen am Rhein – #msvhsv

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Keine 48h sind es mehr bis zum Anstoß. Dem Anstoß der Partie zwischen zwei Gründungsmitgliedern der Bundesliga, mittlerweile in der 2. Bundesliga um Punkte kämpfend. In der linken Ecke des Gastgebers: der MSV Duisburg. In der Ecke des, naja, Herausforderers: der Hamburger SV in seinem ersten zweitklassigen Jahr seit Bestehen überhaupt. Um 18.30h geht es los am Freitag im Wedaustadion und alles andere als ein Sieg und damit die Herbstmeisterschaft für die Gäste aus dem Norden wäre eine Überraschung zumindest von der Größe einer Frikadelle. Glaubt man hier wenigstens, wenn man dazu befragt wird.

Und befragt wurde man hier, nämlich von Krischan1887, der den schnuckelig benannten Podcast HSV Klönstuv betreibt und neuerdings sogar auch auf dem #tkschland herumstromert, wie am Ende herauskommt. Mehr als eine Stunde Klönschnack über #MSVHSV und auch sonst noch über Fußball, die Geschichte der beiden Clubs, Fanfreundschaften, Stadionnamen und alles Mögliche weitere rund um Fußball.

Hier geht’s zum Gespräch zwischen meiner Wenigkeit und der HSV Klönstuv. Natürlich auch per Podcatcher, bei iTunes etc. abzurufen.

Neues aus München

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„Über so komplizierte Themen wie die Taktik referiert der Trainer nie lange.“

„Keiner habe ihm gesagt, klagt der Präsident jetzt, ‚wer dieser Trainer wirklich ist‘.“

„In Wahrheit, meint ein Bayern-Profi, ‚kann der Trainer seinen Job nicht‘.“

„‚Obwohl der Trainer ein Gesamtkonzept hätte entwickeln müssen‘, forderte auch der Präsident es über Monate nicht ein. Ein Fehler, der ebenso schwer wiegt wie die Verpflichtung des Fußballehrers. So hat denn auch der Präsident seinen Anteil daran, dass schon nach kurzer Zeit keiner der Profis seinen Vorgesetzten ernst nimmt.“

„Dabei waren sich Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge im Grunde schon einig, dass sie sich mächtig vergriffen hatten. Aber es gehört zu den wesentlichen Schwächen dieses Duos, daß sich der eine zuweilen hinter dem anderen versteckt und deshalb manchmal lieber gar nichts entschieden wird.“

„Hoeneß könne, sagt ein Insider, mit der Geschäftsführung seiner Nebenleute nicht mehr viel anfangen und mit der neuen Spielergeneration auch nicht. Er sei amtsmüde.“

Alles hier nachzulesen.

„Profis“ – als Paul und Uli noch Freunde waren

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Das Samstagabendspiel der Bundesliga ist beendet und das Aktuelle Fußballstudio hat noch nicht begonnen. Da kann man die Zeit nutzen, eine Bildungslücke zu schließen. Und zwar recht passend zu den Themen, die aktuell die Bundesliga bewegen. Ritter Paul Breitner ist bei seinem (Ex-) Freund Uli Hoeneß in Ungnade gefallen, dieser ließ ihn bitten, vorerst nicht mehr auf der Ehrentribüne zu erscheinen. Dabei lebten die beiden als Aktive doch lange Jahre in einer WG zusammen, teilten das Zimmer bei Auswärtsspielen, in Trainingslagern und somit auch das Bett.

In die Spätphase dieser zumindest physisch engen Beziehung fällt die Doku „Profis“, in der die beiden während der Saison 1978/79 ein Jahr lang begleitet werden. Ein Jahr, in dem sich für beide unheimlich viel ereignete, wie für den Verein FC Bayern ebenfalls. Man möge sich nicht von der nur anfänglich sehr schlechten Bildqualität abhalten lassen, zumal das ganze Stück mit 58 Minuten kürzer ist als eine einfache Antwort von Rainer Calmund. In diesen 58 Minuten erlebt man aber nicht nur einen damals noch nachdenklichen, fast schüchternen Uli Hoeneß und den auch damals schon mit der Gewissheit, die Löffel voller Weisheit schon als Kind einverleibt bekommen zu haben, ewig dozierenden Paul Breitner. Nein, man erlebt einiges an Bundesliga-Historie hautnah.

Von der Zeit Uli Hoeneß‘ beim 1. FC Nürnberg, Spielszenen gegen seinen Bruder Dieter, den er später als erste Amtshandlung in seinem neuen Job als Manager zum FC Bayern holte, von der Revolution beim FC Bayern gegen den geplanten neuen Trainer Max Merkel, wie die Mannschaft offenbar zuvor beim 1:7 bei Fortuna Düsseldorf gegen den ungeliebten, weil unfähigen Trainer Gyula Lorant (dessen Unfähigkeit hatte Paul Breitner schon noch wenigen Tagen erkannt, klar) spielte und sich ohne Lorant zu einem 7:1 bei Borussia Mönchengladbach aufschwang, wie der Hamburger SV Meister wurde, bis hin zu einer lange Szene fast am Schluss, in der man Paul Breitner mit Mikro ausgestattet während eines Bundesligaspiels beim Ächzen, Jammern, Anfeuern, Kommandieren, Reklamieren und sich Ärgern zuhören kann.

Wer sich nicht für die Beziehung der beiden auch heute noch Protagonisten nicht nur des FC Bayern, sondern des gesamten deutschen Fußballs interessiert, für den lohnt sich schon dieses Schmankerl, einmal Mäuschen bei einem so meinungsstarken Spieler wie Paul Breitner während einer Partie spielen zu dürfen. Und für Collinas Erben vielleicht auch ein gut nutzbares Beispiel dafür, wie ein Schiedsrichter eben öfter mal einfach weghören sollte, wenn sich ein Spieler aufregt.

Und, natürlich, entstanden noch in den 1970er Jahren, ist „Profis“ mit seiner trotz der sich überschlagenden Ereignisse aus heutiger Warte gemächlichen Erzählweise und noch gemächlicheren Stimme aus dem Off auch in Bezug aufs Handwerk einer filmischen Dokumentation ein Zeitzeugnis – wie natürlich an erster Stelle der Bundesliga selbst.



Prädikat: Nicht nur für Fans des 1. FC Nürnberg ein echtes Muss.

Das Ende des Regenbogens liegt in Köpenick

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Nun, um es vorwegzunehmen: nicht ganz. Es lässt sich auch dort nicht finden. Doch alle vor Ort wahrgenommenen Hinweise lassen den Verdacht recht groß werden, dass es nicht weit entfernt von Köpenick liegen kann, das Ende des Regenbogens. Denn dort befindet sich ein Stadion, innerhalb dessen vier Tribünen ein Fußballspiel mitzuerleben schon ziemlich nah daran ist, das Ende des Regenbogens ausgemacht zu haben.

Erstens sind dort drei von vier Tribünen Stehplatztribünen. Dass es ein reines Fußballstadion ist, wie man früher sagte: nach englischer Art, ist da fast müßig zu erwähnen. Reine Stehplatztribünen! Dass es so etwas überhaupt noch gibt, lässt die Geigerzähler auf der Suche nach dem Ende des Regenbogens schon enorm knistern.

Zweitens ist das Stadion frei von überkandideltem Kommerzgedöhns. Weder wird ein Eckball noch ein Zwischenstand auf den anderen Plätzen von irgendeinem Unternehmen präsentiert. Es gibt wohl einige Logen, diese fügen sich aber recht natürlich – soweit in diesem Kontext möglich – in das Gesamtgefüge ein. Nicht mal gibt es eine richtige Anzeigetafel, zumindest, wenn man im Gästeblock steht. Von Hand wird dort der Spielstand auf einer analogen Anzeige geändert.

Drittens und, wie man es bezüglich schönem Argumentationsaufbau gelernt hat, am wichtigsten: Dort geht ein Publikum ins Stadion, welches wie genau das wirkt, wovon jeder altbackene Fußballromantiker in seiner Raucherecke auf dem Schulhof in jeder großen Pause träumt. Ein Publikum, das über 90 Minuten mit dem Spiel mitgeht, ob nun die Gegengerade oder selbst die Haupttribüne, das plötzlich verstummt, wenn das Heimteam in Rückstand gerät, nachdem es doch vorher mit Leib und Meta-Bewusstsein dabei war, sein Team zu unterstützen und zu drängen.

Dass die eigene Probe aufs Exempel dann auch noch zum besten aller möglichen Fußballspieltermine, an einem Freitagabend, stattfand, brachte noch einen weiteren Pluspunkt in dieses fabelhafte Erlebnis: Es war ein Flutlichtspiel. Zum Anstoß hatte die Erde sich noch nicht so weit gedreht, dass die Sonne nicht mehr sichtbar war. Mit Verlauf der ersten Halbzeit war dies aber schließlich gegeben. Nacht fiel über das Stadion und das Flutlicht tauchte das Spiel in jene optische Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann, wenn man ein Herz oder auch nur Faible für einen derartigen Anblick besitzt.

Die 1. Bundesliga kann nur hoffen, dass dieser Hort der Schönheit möglichst bald in ihre Reihen aufsteigt.

De Mission

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Es geht nicht mehr ohne. Jedes Spiel kann nicht mehr einfach nur gewonnen werden, Titel schon gar nicht. Wo man eigentlich erwarten würde, dass dies eine Selbstverständlichkeit ist, nicht mehr als ein Forumsbeitrag von jenem einen, der schon immer mit nicht allzu neuen Erkenntnissen zu glänzen wusste.

„Ich wünsche mir einen Sieg am Samstag, 3:1.“

Als würde das irgendjemanden interessieren, eine solche Selbstverständlichkeit, den Kern auszusprechen, dessetwegen man doch überhaupt auf den Platz respektive ins Stadion geht. Wenn man nicht gewinnen will, wieso sollte man sich dann überhaupt aus dem Bett bemühen und nicht weiter seinen Tagträumen nachhängen. Kein Fragezeichen.

Ein Spiel, meist das nächste, braucht einen Hashtake, einen Namen, eine Bezeichnung. Und gerne darf es dann eine „Mission“ sein. Aus sprachlicher Armut geboren, derjenigen, die sich bemühen, die Massen zu mobilisieren, „hinter die Mannschaft“ zu bringen. Eine Mission, dabei nennt der Duden diesen Ausdruck „bildungsbürgerlich“ für das, was etwas profaner nur ein Auftrag ist. Und auch wenn sie inzwischen überall angekommen ist, die Fußlümmelei, sogar in bildungsbürgerlichen Vierteln hört man die Menschen bei Toren von Polen gegen Panama bei einer WM in der Ferne schreien. Die WM in der Ferne und die Gärten der Bildungsbürgerlichen auch, mit den überdimensionierten TV-Bildschirmen, die Landesfähnchen auf den gereichten Häppchen auf die Kontrahenten der gerade laufenden WM-Partie abgestimmt. Da passt diese Erhöhung nicht zu dem Umstand, dass jeder auch dann gewinnen wollen würde, auf dem Rasen und im Garten, wenn die Aufgabe keinen eigenen Namen erhalten hätte.

Eine Mission, aber möglichst keine Impossible, sondern eine Aufgabe, die man mit heiligem Ernst durchzuführen hat, wenigstens zu verfolgen. Eine Aufblähung dessen, was es ohnehin ist. Nichts beschreibt klarer die Leere dieses Sprechs mit Motti und Missionen als der Umstand, dass sich nur einen Tag später niemand mehr an den konkreten Namen der Mission erinnert, falls man failt, wie man in Berlin sagen würde, nachdem man getryt hat Hashtake. Nichts drin, was nicht auch schon vorher drin war, in der Mission, die so simpel ist, wie Fußball simpel ist und jeder Sport, der im direkten Duell ausgetragen wird, in seinem Ziel simpel ist. Gewinnen heißt die „Mission“, schon immer, egal, wie man sie nennt.

Drum gebe man der Mission als solcher, dem nächsten Motto, dem nächsten Slogan endlich endlich das, was sie verdient: die De-.

Gewinnspiel: 5 Tschutti-Sammel-Heftli zur WM 2018

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Jeder kennt die Panini-Alben, die schon seit geraumer Zeit zur Standardbegleitung großer Turniere im Fußball gehören. Seit einigen Jahren gibt es dazu eine Alternative, die sich deutlich mehr dem künstlerischen Aspekt der Darstellung der Spieler verschrieben hat, die an einem solchen Turnier teilnehmen.

Die Tschutti-Heftli.

(Wenn mich meine Schwyzerdütschkenntnisse nicht im Stich lassen, bedeutet tschutten übrigens kicken.)

Wie der Name erahnen lässt, stammen diese Idee und das Sammelheftli nicht aus deutschen Landen, sondern aus der Schweiz, was sicher auch damit zu tun hat, dass die Nationalmannschaft der Schweiz sich so regelmäßig für große Turniere qualifiziert. Als Österreicher hätte man da … nun gut, lassen wir das.

Die Sammelbilder in den Tschutti-Heftli werden von immer wieder neuen Künstlern gestaltet – und jedes Team in einem anderen Stil, wie die Abbildungen hier im Beitrag veranschaulichen. Durchaus ebenso umfangreich wie die Panini-Alben, bieten die Tschutti-Heftli etwas mehr fürs Auge und natürlich auch fürs Gemüt.

Hier werden 5 dieser Heftli – die nicht überall zu haben sind – verlost, jeweils mit 3 Päckchen an Stickern dabei, beides zusammen geht sofort nach Abschluss des Gewinnspiels an die glücklichen Gewinner frei Haus.

Teilnahmebedingung diesmal:

Welches war Dein schönstes WM-Spiel (am TV oder vor Ort ist egal) und warum?

Mindestens drei ganze, sinnvolle, eine kohärente Erzählung bildende Sätze bitte, sonst findet der Kommentar keinen Eingang in die Verlosung. Einzige weitere Bedingung:

Es darf kein Spiel mit Beteiligung einer deutschen Nationalmannschaft ausgewählt werden.

Dann erzählt mal schön, ich lausche gespannt. Teilnahmen werden bis zum Dienstag, den 3. April 2018, 22 Uhr, akzeptiert, danach entscheidet das Los unter allen gültigen Teilnehmer-Beiträgen.

Dazu auch sehr zu empfehlen: das ausführliche Interview des Kickschuh-Blog mit den Machern des Tschutti-Heftli: „Shaqiri hat seine Bildli lieber selber behalten“.

PS: Ein Teil der Einnahmen aus den Tschutti-Heftli kommt übrigens „Viva con agua“ und „terre des hommes Schweiz“ zugute.

The Fall: Kicker Conspiracy

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Manchmal erfährt man erst durch dessen Ableben davon, dass (oder was) etwas war, was man eigentlich schon lange hätte kennen sollen. Letztens verstarb bekanntlich Mark E. Smith nach einem wohl ziemlich exzessiv geführten Leben, Todesursache Lungen- und Nierenkrebs. Jener Mark E. Smith, welcher hier bislang allein aus dem Tocotronic-Text* bekannt war, ohne dass sich darin erschlossen hätte, was es mit Mark E. Smith eigentlich so auf sich hatte. Letztens öffentlich zugegeben, von Mark E. Smith oder The Fall lediglich jenes Video zu kennen, in welchem Smith die englischen Fußballergebnisse vorliest, hatte zur Folge, dass keanofcu (Mitglied des Textilvergehen-Podcasts) es für völlig „verrückt“ erklärte, noch nie Musik von The Fall gehört zu haben. Und hier vertraut man durchaus auf das Urteil von keanofcu.

Diese Genusslücke in den letzten Wochen ändernd, ohne dabei schon allzu weit gekommen zu sein, konnte man dabei bereits über das Stück mit dem wohl größten Fußballbezug in seinem Werk stolpern. Die „Kicker Conspiracy“ – womit eher nicht die deutsche Sportzeitschrift „Kicker“ gemeint sein wird, obwohl sie auch im Video auftaucht, sondern der Fußball allgemein. Da dieses Stück musikalisch nicht völlig untypisch für The Fall zu sein scheint, wird es hier mal eben kredenzt, durchaus mit dem Hinweis, dass man sich das Video selbst nicht entgehen lassen sollte, in Bezug auf den Fußballbezug.

Den Text sollte man natürlich auch nicht übergehen, wird er doch bei „Who Ate All The Pies“ so charakterisiert:

„[…] Kicker Conspiracy was a bristling survey of the English footballing landscape of the early 1980s, both at home and in Europe – the media saturation, the dearth/death of flair, the hooliganism, the creeping commercialism, etc.“

Kommt einem alles irgendwie so bekannt vor, obwohl der Song und der Text (siehe im verlinkten Artikel) aus dem Jahr 1983 stammen.

Genauere Analysen des Texts verbieten sich hier zwar noch, man kommt aber nicht umhin, sich einzugestehen, dass die Verknüpfung von Fußball und (guter) Musik immer noch eine rein britische Angelegenheit ist, denn hierzulande gibt’s Sportfreunde Stiller und die Toten Hosen mit echtem Fußballbezug und dann ist auch schon Tote Hose, sozusagen. Wobei durch Nennung dieser jetzt gar nicht die durch den Song „Kicker Conspiracy“ aufkommende Atmosphäre gestört werden soll.

Voilà:



* Im aktuellen „Rolling Stone“ schreibt Dirk von Lowtzow übrigens eine Kolumne darüber, was Mark E. Smith denn jetzt nun für ihn bzw. den Songtext bedeutet hat. Falls Ihr die Ausgabe nur deshalb kaufen wolltet: lasst es sein. Die „Kolumne“, mit der extra auf dem Cover geworben wird, ist zwei Spalten lang und die schafft man auch mühelos während des Durchblätterns in der Bahnhofsbuchhandlung. Während man auf den Zug zum Spiel in Wattenscheid wartet, beispielsweise.

Für mehr zum Thema, insbesondere zu diesem Song und Video, gibt es hier unter den Lyrics noch viele Hinweise, die für Nichtbriten einiges zum Verständnis des Texts beitragen. Sowie viele Links mit mehr zum Thema, zum Beispiel dieses Interview bei When Saturday Comes. War zum Beispiel bei der WM 1994 bei Bulgarien — Deutschland im Stadion, und überhaupt brachte ihn erst deutscher Fußball Anfang der 1980er zurück zu diesem Thema. Deutscher Fußball Anfang der 1980er Jahre.

Bonuspunkte für jene, welche verraten, in welchem Stadion das Video gedreht wurde.

Die drei Karrieren der Musketiere

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Ohhh, ja, wenn die Rubriken hier noch seriös gepflegt würden, müsste man spätestens jetzt die Rubrik „Oppa erzählt vom Krieg“ eröffnen. Allerdings hieße der Oppa hier nicht Trainer Baade, sondern Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk. Zum Glück, denn nicht zuletzt deshalb fehlt allen drei Dokus das Pathos und es werden auch weniger schöne Aspekte nicht ausgespart.

Drei ganz besondere Figuren des deutschen Fußballs werden hier beleuchtet, alle drei lange Zeit Nationalspieler, zwei Vize-Weltmeister, ein Weltmeister, alle drei mit Stationen im Ausland, einer hernach sogar noch Trainer der Nationalmannschaft. Aber, wie hier allzu häufig üblich, alle drei auch Figuren mit ihrem Zenit in den 1980er Jahren.

Dennoch: Auf Sportbusiness-Messen wird heutzutage die Mär verbreitet, man müsse immer auch eine Geschichte um einen Sportler herumerzählen können, am besten sollten diese einen Hamster besitzen, der Zirkusstückchen vorführen kann. Bei allen diesen drei Typen hier hingegen reichte das, was man auf dem Spielfeld zu sehen bekam. Weiß irgendjemand, mit wem Briegel verheiratet war oder ist? Welches Auto Rudi Völler fuhr? Was Toni Schumacher als Hobby hatte? Sie alle erzählten ihre jeweils eigene Geschichte in dem Sport, den sie ausübten. Was ihrer Epoche geschuldet sein mag, in der es eben keine Sendezeit für allzu viel Boulevard rund um den Sport gab. Was aber auch dem geschuldet sein mag, dass sie ihren jeweils eigenen Werdegang mit auf den Platz nahmen. Ein Umstand, den man auch erfühlte, ohne diesen zu kennen.

Das allerdings kann man hier nachholen in drei sehenswerten Dokus, jeweils knapp eine Dreiviertelstunde lang, schaut sich gut weg und ist doch erhellend. Die Jugendtrainer ebenso zu Wort kommen lässt wie frühere Mitspieler, einstige Trainer, aber auch einordnende Journalisten. Und wie oben erwähnt fehlt trotz des Blicks hinter die Kulissen jegliches Schmierantentum und so kann man diese drei Karrieren wirklich genießen, schließlich kommen Spielszenen jeweils auch nicht zu kurz.

In den Karrieren jener drei Musketiere nämlich, als da wären:

Toni Schumacher

Natürlich kommt eine Doku bei diesem wie eine entfesselte Bestie haltenden Torhüter nicht am Thema „Battiston“ vorbei. Doch hier liegt der Schwerpunkt auf den Anfängen der Karriere, in der sich damals noch „Harald“ Schumacher ein Zimmer mit der ebenfalls auftretenden Schwester teilen musste. Wer hätte gedacht, dass der harte Toni — man erfährt auch, warum er so genannt wird — inzwischen Kunstsammler ist? Und wie das so war, als er dann „Anpfiff“ veröffentlichte, durchaus mit Stimmen anderer Menschen als den sonst üblichen. Und wie er nach beinahe zwei Jahrzehnten Funkstille dann doch wieder bei seinem Effzeh einsteigen durfte und auch wollte. Prädikat: Toni hält zumindest hier den Ball.

Rudi Völler

Dass der nette Volksheld, von diesem getauft auf den Namen „ein‘ Rudi Völler“, auch ganz anders kann als nett zu sein, weiß man spätestens seit seiner Scheißdreck-und-Käse-Rede nach einem 0:0 auf Island. Manch Fußballnation wäre heutzutage bekanntlich froh über ein 0:0 auf Island oder sogar in einem EM-Achtelfinale, doch das war damals gänzlich anders. Wie auch Völlers Karriere noch so ganz anders verlief als die heutigen Fußballkarrieren. Auch er in „bescheidenen Verhältnissen“ aufgewachsen, wie man euphemistisch für jene ganz am Ende der Leiter der Wirtschaftskraft gerne sagt, auch er von seinem Heimatverein erst im Quasi-Erwachsenenalter zu seinem ersten Proficlub gewechselt, dauerte Völlers Karriere weit über die Zeit als Aktiver hinaus. Von den Anfängen in Hanau bis zur Sportdirektorzeit beim Bayer, kommen hier auch die weniger lobhudelnden Stimmen zu Wort. Der Rudi, der cholerische Volkstribun, der erst in letzter Zeit ein wenig von seiner Strahlkraft verliert. Und die zweieinhalb Minuten vom un- redseligen Calli erträgt man hier auch gut, zumal der Blick auf die Zeit in Italien dafür entschädigt. Einzig von Olympique Marseille wollte wohl niemand etwas zu Rudi Völler sagen. Welche Gründe das wohl haben könnte? Prädikat: Die liebe „Tante Käthe“ kann auch anders.

Hans-Peter Briegel

Wer sah je Bilder von Hans-Peter Briegel bei einem seiner Leichtathletik-Wettkämpfe? Vom deutschen Jugendmeister im Weitsprung? Wer hat je ein Interview mit dessen Leichtathletik-Trainer gehört? Wer weiß heute noch von der immensen Torgefahr des eigentlich ja Verteidiger spielenden Briegels? Und wer könnte sich heute vorstellen, dass jemand erst mit 16 (!) mit dem Vereinsfußball beginnt und hinterher Vize-Weltmeister ist. Viele Stimmen vom Beginn der Karriere der „Walz aus der Pfalz“ und noch dazu viele Bilder aus seiner Zeit in Italien, die man ja hier damals nicht zu sehen bekam. Prädikat: Hoch gehopst, weit gesprungen.

Durchaus alle drei sehenswert für verschneite Abende unter der Woche, jetzt, da die Bundesliga mal wieder beinahe komplett nicht den Winter im Europapokal überstehen wird.

Danach freuen wir uns dann auf die kommenden Dokus, wie das so war, im Internat von Julian Draxler, im Internat von Leroy Sané und ganz besonders die Doku zur wilden Zeit im Internat von Toni Kroos.

Die beste WM aller Zeiten

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Naja, das mit „aller Zeiten“ ist natürlich fragwürdig.

Dennoch hat sich während der WM-Auslosung am Freitag herausgestellt, dass sich immer noch viele Leute für Fußball interessieren.

Welche war die beste WM bislang – und warum?

Ich habe meinen Favoriten, nun möchte ich aber Eure hören.

Live-Blog zur Gruppen-Auslosung der WM 2018 im Kreml

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Gruppe A

A1 Sbornaja
A2 As-suqur al-hadra (Grüne Falken)
A3 Fara‘ina (Die Pharaonen)
A4 La Celeste

Gruppe B

B1 Seleção das Quinas
B2 La Furia Roja
B3 Lions de l‘Atlas
B4 Team Melli

Gruppe C

C1 Les Bleus
C2 Socceroos
C3 La Blanquirroja
C4 Danish Dynamite

Gruppe D

D1 Albiceleste
D2 Strákarnir okkar
D3 Vatreni
D4 Super Eagles

Gruppe E

E1 Seleção
E2 Nati
E3 Los Ticos
E4 Beli Orlovi

Gruppe F

F1 Mannschaft ohne Spitznamen
F2 El Tri
F3 Tre Kronor
F4 Taeguk Warriors

Gruppe G

G1 Rode Duivels/Diables Rouges
G2 Los Canaleros
G3 Les Aigles de Carthage
G4 Three Lions

Gruppe H

H1 Bialo-Czerwoni
H2 Les Lions de la Teranga
H3 Los Cafeteros
H4 Samurai Blue

[16.58] Das häufig vorhandene Losglück hat die Deutschen diesmal verlassen. Mexiko und Schweden sind schon eine Konstellation, an der man auch gut scheitern kann. Insofern stimmt das nicht, was unten steht: dass man ohnehin durchkommt. Aber mit Schweden und Mexiko konnte man ja nicht unbedingt rechnen (jedenfalls nicht in den ca. 57 durchgeführten Probeauslosungen). Dazu mit Südkorea ein Team, das immer mal für eine Abnutzungsschlacht gut ist – soweit jedenfalls das Klischee. Es hätte wirklich deutlich einfacher kommen können, zum Beispiel mit der Prognose Peru, Ägypten und eben Südkorea. Immerhin einen Treffer bei diesem Glücksspiel, würde man jetzt aber doch lieber gerne gegen Saudi-Arabien oder Iran tauschen. Geht aber nicht mehr. Die „deutsche“ Gruppe steht fest und könnte schon ein echtes Zähneausbeißen werden, zumal man zuerst gegen Mexiko und dann gegen Schweden spielt. Da könnte man auch gut und gerne bei nur 2 oder 3 Punkten stehen und hätte den Druck, gegen vielleicht noch weiterkommen könnende Südkoreaner (sofern bis dahin noch existent) gewinnen zu müssen. Natürlich sind ebenso 9 Punkte aus diesen drei Gruppenspielen möglich. Dennoch darf man vor allem eins nicht tun: diese Gegner unterschätzen, nur weil Mexiko ja „noch nie weit gekommen“ (Bela, meinte aber das Viertelfinale) ist oder Schweden sich gegen Italien 90 Minuten nur eingeigelt hat. Aber hier nimmt man es sportlich: besser so als eine Gruppe, bei der man schon vorher einschläft, weil es nur um die Höhe des Sieges geht. Spannend wird aber in jedem Fall, wer neben den Deutschen weiterkommt, sofern diese es doch schaffen, ihrer Favoritenrolle in 2,5 Spielen gerecht zu werden. Tippe da am ehesten auf Schweden, aber da spielt wohl vielleicht auch zu viel Sympathie mit rein.

[16.32] Das Prozedere wird erklärt. Dürfte dem hiesigen Publikum allseits bekannt sein. „The explanation is over“. Gut. Los geht’s schon. Jetzt kommt dann das Tableau nach oben.

[16.30] Jetzt kommt endlich Gary Lineker. Die 15 Minuten bislang waren zumindest alles andere als zäh. Das war früher schon mal schlimmer.

[16.26] Pelé erscheint doch nicht. Erster Lospate ist der Engländer Gordon Banks. Russland hat auch einen Lospaten, obwohl noch nie Weltmeister. 91 Jahre alt. Name nicht verstanden. Shame on me. Für Uruguay ist es Diego Forlan, für Argentinien Diego Maradona. „Sah auch schon mal frischer aus“, ätzt Bela. Dabei sieht Maradona eigentlich ganz gut aus. Für Frankreich kommt Laurent Blanc. Cafu für Brasilien. Carlos Puyol, immer noch ohne Frisur, erfrischend, für Spanien. Fabio Cannavaro, der einzige Italiener, der an der WM – in dieser Form als Lospate – teilnimmt.

[16.23] Bela erwähnt die PK heute morgen, bei der die Dopingvorwürfe zur Sprache kamen. Bela nennt den für das Doping verantwortlich gewesen seienden Witali Mutko zunächst Witali Klitschko. Das ist dieses Phänomen, dass Nachrichtensprecher auch Jahre nach dessen Demission immer noch von Bundeskanzler Kohl, äh Schröder sprachen. Einschlägige Berichterstattung zum Verlauf dieser PK gibt es bei Twitter.

Jetzt ein paar nette Jubilbilder von vorigen WM. Am Ende jubelt die deutsche Mannschaft.

Der Kommentator ist aber immer noch nicht Lineker, sondern ein anderen Mann. Begleitet von einer einigermaßen züchtig gekleideten Frau.

[16.21] Die acht Lospaten werden vorgestellt. Der erste ist Pele. Nicht Wollitz, der aus Brasilien. Die Musik wird melancholischer, aber wohl nicht wegen Pelé. Eher nimmt man wohl schon das Scheitern der Russen bei der WM vorweg. Jetzt geht es doch noch rund. Hat man vielleicht noch schnell was eingeworfen.

[16.19] Okay, jetzt wird doch noch ein bisschen Show gemacht. Russischer Volkstanz. Oder so. Jedenfalls immer noch besser als der Schuhplattler bei der Eröffnung der WM 2006. Was aber auch nicht schwierig ist. „Darf ich mal?“, fragt Bela, als er wohl glaubt, sein Mikro ausgeschaltet zu haben. Was will er wohl gedurft haben wollen?

[16.15] Immerhin verschont uns das ZDF mit dem Showteil. Geht direkt los mit „Miroslava Klose“, wie er auf Russisch von der Moderatorin genannt wird. Gefragt, „how did you like the show?“, antwortet Klose auf Deutsch. Hm. Okay, hat ja auch nie in England gespielt. Klose erwähnt auch das dreimalige Scheitern, 2002, 2006, 2010, was er ja als einziger (?) so erlebt hat, mit der Krönung 2014. Lahm kam doch erst später dazu, nicht wahr?

Außerdem gibt er zu, dass ihm auch sein Torrekord bei der WM tatsächlich etwas bedeutet. Leichten Einschlag ins Pfälzerische. Nach knapp einer Minute ist sein Auftritt aber schon wieder vorbei. Zu Kloses großer Erleichterung offenbar.

[Präludium] Auch wenn „Wetten, dass..?“ nicht mehr existiert: Es gibt sie noch, die Lagerfeuer-Momente in deutschen Landen. Natürlich dann, wenn WM oder EM ist und die Nationalmannschaft spielt – oder die Gruppen für ein solches Turnier ausgelost werden. Heute steht wieder die ganze Nation hinter den Live-Streams und wird den ersten schmerzhaften Moment schon vor Beginn der Auslosung hinnehmen müssen. Miroslav Klose, zur Zeit Trainerhospitant ohne Geschäftsfeld bei der DFB-Elf, wird in seiner Eigenschaft als Weltmeister von 2014 den WM-Pokal an den Ausrichter Russland übergeben. Weltmeister bleibt die deutsche Mannschaft zwar bis zum Abpfiff des Finals der WM 2018 im Olympiastadion Luschniki in Moskau. Den Pokal ist man aber schon mal los. (Wobei man den originalen ohnehin nie länger als ein paar Stunden besaß. Den kassiert die FIFA nach der Verleihung nämlich direkt wieder ein, der Sieger geht mit einem Duplikat nach Hause und foppt auf der Reise durch seine Dörfer und Landstriche mit Menschen darin diese und lässt sie im Glauben, sie sähen das Original.)

Moderieren wird der wohl schlagfertigste Ex-Profi am Twitter, Gary Lineker, dessen Bonmot von den 22 Männern und den 90 Minuten schon 1990 von dieser Schlagfertigkeit kündete. Etwas erstaunt sein darf man dennoch, dass dieser ansonsten kein Blatt vor den Mund nehmende kritische Geist sich vom russischen Fußball vereinnehmen lässt. Steht Russland doch in allen erdenklichen Sportarten unter scharfem Dopingverdacht, so auch im Fußball, wie man sich explizit hier noch mal vor Augen führen kann und auch sollte. Der Thread beginnt schon mit den Worten:

„Absurd, dass Gastgeber Russland dabei ist. Denn noch nie waren die Dopingindizien stärker gegen eine aktive Fußballmannschaft.“

Lineker, eingeladen als Torschützenkönig der WM 1986 und eben jener gewandte Moderator, der er inzwischen ist, wird es sich gut bezahlen lassen, und doch wirft seine Teilnahme einen Schatten auf diese Lichtgestalt der Fußballberichterstattung.

Apropos Schatten: Nichts anderes als das, schwarz nämlich, würden die TV-Zuschauer im Iran zu sehen bekommen, sollte Linekers russische Kollegin Maria Komandnaja aus Sicht der Zensoren des Staatsfernsehen im Iran zu unzüchtig gekleidet sein. Dann würde die Übertragung ausgesetzt, der Bildschirm schwarz. Wäre dies weltweit so, hätte man in Moskau genug Gelegenheit, dem trotz des vermeintlichen Dopings der Nationalmannschaft schwächelnden Team der Russen eine möglichst einfache Gruppe zuzuschanzen. Schließlich soll Russlands Nationalmannschaft nicht wie erstmals 2010 Südafrika als Gastgeber schon in der Vorrunde scheitern. Nicht zuletzt, da man im Eishockey-Land Russland ohnehin mangelnde WM-Begeisterung fürchtet. Im Land allgemein und auf den Rängen, die da doch recht leer bleiben könnten, wenn irgendwo in den Weiten Russlands kurz vor den Toren Sibiriens Neuling Panama gegen den Senegal antritt. Da eine solche Ausblendung des TV-Bildes aber nicht kommen wird, muss man zunächst mal annehmen, dass zumindest bei der Auslosung im Kreml alles mit rechten Dingen zugehen wird. Oder wie die SZ schrieb:

„Noch nie wird eine Entscheidung im Kreml so transparent gefallen sein wie diese WM-Auslosung.“

Hier wird diese Auslosung live begleitet, mit dem kleinen Extra-Service, das bei der Auflistung der insgesamt 8 Gruppen von A bis H direkt die Spitznamen der Nationalmannschaften eingetragen werden. Inzwischen ist so etwas ja eine Aufstellung, an der keine Zeitung online mehr vorbeikommt, die Spitznamen aller WM-Teilnehmer in einem eigenen Beitrag aufzulisten.

Hier schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe und präsentiert die Auslosung live und liefert dazu gleich die jeweiligen Spitznamen der 31 Nationalmannschaften, die teilnehmen plus jene eine Mannschaft, welche keinen Spitznamen besitzt, die zufällig amtierender Weltmeister ist. Beim DFB mag man das anders sehen (und im Ausland leider auch), doch hier kann man auf derlei fromme Wünsche keine Rücksicht nehmen und bleibt bei der Realität.

Man darf natürlich gespannt sein, wie die Gruppen nun schließlich aussehen werden. Ohne einen Tipp für die Gruppe der Mannschaft ohne Spitznamen geht es natürlich auch hier nicht. Es wird nicht Gruppe H, welche die einzige wäre, welche eine Partie im ehemaligen Stalingrad nötig oder je nach Sichtweise möglich machte, sondern Gruppe D. Eine Partie im nur 500km von Berlin entfernten Kaliningrad ist übrigens schon vor der Auslosung ausgeschlossen, da die Mannschaft von Jogi Löw als Gruppenkopf gesetzt ist, in Kaliningrad aber keine Partie eines Gruppenkopfes vorgesehen ist.

Gegner in dieser, wie man ganz teutonozentristisch gerne formuliert, „deutschen“ Gruppe werden sein: Peru, Ägypten und Südkorea.

Das klänge immerhin doch ziemlich nach einer _Welt_meisterschaft. Sportlich stellt sich die Frage ohnehin nicht, ob die DFB-Elf die Vorrunde übersteht, selbst für den Fall, dass die „Furia Roja“ in ihre Gruppe gelost würde.

Wer selbst noch seinen Tipp abgeben will, kann das gerne noch in den Kommentaren tun, auch wenn anzunehmen ist, dass das alles längst bei Twitter geschehen ist.

(Anders als früher bei Live-Blogs üblich werden die weiteren Beiträge jetzt nicht oben angefügt werden, sondern hierunter.) Nee, doch oben. Während der Auslosung rutscht dann auch diese Auflistung hier nach oben:

Stand der Dinge bei der WM-Auslosung 2018

Afrika ist ein schönes Land

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Es ist ein bisschen aus der Mode gekommen, mehr oder minder lustige Fußballerzitate zu sammeln. Das heißt, eigentlich ist es gar nicht aus der Mode gekommen, es findet eben hauptsächlich nur noch bei Twitter und Artverwandten statt. Wo es bekanntlich so schnell wieder untergeht, wie es aufgekommen ist. Und damit das folgende schöne Exemplar aus der Rubrik „Fußballerzitate“ nicht im dortigen Orkus verschwindet, wollen wir es hier doch mal festhalten. Zudem ist es ein Zitat, das hierzulande weniger bekannt sein dürfte, stammt es doch aus einem südlichen Nachbarland, auf das man im Fußball aus Deutschland stammend viel zu selten blickt, in welchem man aber ebenfalls Deutsch spricht. Oder zumindest schreibt.

So äußerte sich der Schweizer Ex-Gladbacher Granit Xhaka letztens, zu einem kommenden Testspielgegner seiner Schweizer Nati befragt, ganz in der Tradition von George W. Bush („Afrika ist eine Nation, die unter unglaublichen Krankheiten leidet.“), Donald Trump (der letztens mal eben das vermeintlich afrikanische Land „Nambia“ erfand), aber vor allem eben Andy Möller, dessen bekanntestes Zitat man hier nicht wiederholen muss, wie folgt:

„Ich kenne Jamaika nicht. Aber wir wissen ja, dass Afrikaner viel laufen und physisch sehr stark sind.“

So, und nun ist der Beitrag auch schon wieder zu Ende, wie es bei reinen „Fußballerzitaten“ nun mal typisch ist. Hoffentlich findet Granit Xhaka wenigstens Russland im nächsten Sommer. Allerdings wäre nach den letzten Partien der Schweizer noch wichtiger, dass er oder einer seiner Mitspieler das gegnerische Tor fänden, ob nun in Mailand oder Moskau …