5. Mai 2015
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Space Odyssey am Bökelberg

Heute ist bekanntlich alles schlecht. Früher was es noch schlechter. Mit Ausnahmen, versteht sich, die waren nicht ganz so schlecht, wenn auch nicht so schlecht wie heute. Dieses Empfinden ist ein Motiv, das sich offenbar durch alles hindurchzieht, was der Mensch so erlebt, was gleichwohl nicht bedeutet, dass die Zukunft nicht noch viel schlechter werden könnte als Gegenwart und Vergangenheit nicht nur zusammen, sondern miteinander multipliziert.

Zum Beispiel die Einlaufmusik im Fußball. Diese ist heute eher noch schlechter zu nennen als man es sich überhaupt vorstellen kann. Für sich genommen mag „Hell’s Bells“ ein nettes Stück sein. Und auch wenn man im Fußball konservativ ist und Veränderungen scheut: Irgendwann ist das einst Neuartige und vielleicht ein bisschen Mutige daran selbst zum Relikt aus einer anderen Zeit geworden, verstaubt vor sich hin miefend. Wobei hiermit nicht der Song selbst gemeint ist, sondern diesen an einem (exemplarischen) Ort, an dem sonst Polizei- und Bundeswehrkapellen für „Stimmung“ sorgten, zum Ritual zu machen.

Ob Tor- oder Einlaufmusik, das tut sich da übrigens nicht viel.

Einer der in dieser Hinsicht widersprüchlichsten Clubs ist Borussia Mönchengladbach. Ist der Fansong an sich, der mit dem Schwur auf Baumaterial, einer der eingängigsten in der Bundesliga überhaupt und somit kurz hinter „Im Herzen von Europa“ (Eintracht Frankfurt) einzusortieren, so sucht die Tormusik an ohrenzermartendem Graus ihresgleichen in der Bundesliga. Gleichwohl man Tormusik unter Lucien Favre nicht allzu oft ertragen muss, steht sie doch wie erwähnt in Widerspruch zu dem, wie man ansonsten bei Borussia Mönchengladbach mit Musik und ihrem Einsatz beim Fußball umgeht.

Aus der (Wikipedia-) Biografie von Richard Strauß ist zu entnehmen, dass es da eine auch und gerade in der Schlechtigkeit der Vergangenheit bemerkenswerte Vorgehensweise gab, als die Fohlen wirklich noch wild, jung ad lib waren und auch dieser Ausdruck nicht zu reinem sich stetig selbst reproduzierendem Marketingsprech erstarrt war, und als die Borussia gerade erst begann, am Bökelberg die Bundesliga zu erobern.

Dort spielte man nämlich vorm Einlaufen der Mannschaften den Beginn von „Also sprach Zarathustra“, was bekanntlich wiederum (sehr frei) auf Nietzsches Werk „Also sprach Zarathustra“ beruht und noch bekanntlicher den Titeltrack zu „2001 – Odyssee im Weltraum“ darstellt.

Das Anfangsthema wurde bereits in den 1970er Jahren jeweils einige Minuten vor dem Anpfiff der Heimspiele der Fußballmannschaft von Borussia Mönchengladbach im alten Bökelbergstadion intoniert.

Quelle: Wikipedia.

Gerade im Falle eines an einem wochentäglich in niederrheinsch dichten Nebel gehüllten Bökelberg-Stadions — ohne jeden Zweifel und auch ganz ohne Verklärung einer der stimmungsvollsten Fußballorte in der ganzen Republik — und vor einem Publikum, dessen Gehirne noch weit entfernt von heutiger medialer Totalüberschwemmung waren, werden diese Klänge ihre besondere Wirkung nicht verfehlt haben. Gleichwohl ihnen das Aufputschende zu gleichem Zwecke genutzter Stücke heutiger Zeiten fehlt, wie glücklicherweise aber auch jener Pathos, den die Champions-League-Hymne kleistenderweise verbreitet, werden alle Anwesenden, sofern mit Antennen für diese Art von musikalischer Wirkung ausgestattet, doch in eine recht andere Stimmung versetzt worden sein, als es Glocken aus der Hölle nach der x-ten Wiederholung noch zu tun vermögen, von reinem sprechgesanglichem Stammeln einiger Silben ganz zu schweigen. Wobei das wieder eine Frage der Prägung des Gehirns des Rezipienten ist. Es soll ja Menschen geben, die schon bei ganz anderen Anlässen „atemlos“ werden.

(Wer den Titel des Stücks nicht kennt, wird es beim Hören sofort erkennen.)

30. April 2015
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Sieben feine Fußball-Podcasts (Folge II)

Nachdem es in unserer ersten Folge von „Sieben feine Fußballpodcasts“ ausschließlich um jene ging, welche sich mit ihrem jeweiligen Verein beschäftigen, schwenken wir heute den altbekannten „Scheinwerfer“ auf die Podcasts, die sich mit dem Fußball insgesamt beschäftigen. Insofern also auch deutlich interessanter für alle, die mit detailgenauen Nacherzählungen dieses und jenes Pfostenschusses eines Spielers eines konkreten Vereins etwas überfordert sind, was ihre Ausdauer und Willenskraft angeht. Konnte man noch zu Beginn dieses Jahrtausends beklagen, dass es kaum Qualität in der Sportberichterstattung in Deutschland gibt, ist dies alles nur wenige Jahre später nicht zuletzt dank der folgenden Einrichtungen völlig anders geworden.

Sportradio360

Ich habe wirklich keine Ahnung, wer hinter Sportradio360 steckt (namentlich natürlich schon), woher die Idee kommt, so etwas zu etablieren (aus den USA) und ob sich das finanziert (offenbar nur teils). Aber das Adressbuch von Jens Huiber, dem Macher von Sportradio360, ist bemerkenswert gefüllt mit Menschen aus dem Sport und sogar darüber hinaus. Man glaubt es kaum, aber selbst Béla Réthy gibt hier mal seinen Senf zum Besten, der gar nicht so schlecht ist, wie er manchmal gemacht wird, zumindest wenn er nicht direkt kommentiert. Helmut Harald Schmidt war schon da, es kommen Protagonisten aus allen möglichen anderen Disziplinen, welche hier aber bekanntlich nicht interessieren. Für den Fußball sind vor allem viele Sky-Kommentatoren anwesend in der donnerstäglichen „Big Show“ und den „Daily Nuggets“, die sich mit diversesten Sportarten beschäftigen. Von Raphael Honigstein bis zu Philipp Selldorf reicht die Riege der Teilnehmer, die die aktuellen Ereignisse im Fußball mal launiger und mal tiefgängiger diskutiert. In jedem Fall aber fehlt hier die (überbordende) Komponente des Boulevards bei der Fußballdiskussion.

Absolutes Highlight dieses Angebots war die fantastische Begleitung der WM 2014, bei der — ähnlich des fast täglichen WM-Podcasts von fehlpass.com — tatsächlich täglich, aber jeweils noch in der Nacht nach den Spielen eine halbstündige Diskussion über das Gesehene geliefert wurde. Auf einem Niveau, das man hier goutiert, weshalb auch das ständige Auflockern mit Privatgeschichten durchaus erträglich ist. Das sehr lohnenswerte Sportradio360 sucht übrigens nach Unterstützern, deshalb sei zu diesem Zweck an diese Adresse verwiesen. Die Sendungen selbst findet man hier: sportradio360.de.

Collinas Erben

152225„Collinas Erben“ zu empfehlen, bedeutet in diesen Zeiten im Netz natürlich Eulen nach Athen zu tragen. Ein jeder kennt ihn, den Held von … äh, der deutschsprachigen Sport-Podcastszene. Es ist ja nicht ein Mensch am Mikrofon, sondern deren zwei (plus eine Katze als Sidekick), die dieses kongeniale Duo bilden, welches an sich oft trockene Informationen glänzend rüberbringt, so dass sich noch der letzte Hinterwäldler plötzlich für Schiedsrichterthemen und Regelphilosophie zu interessieren beginnt. Was knapp 60 Jahre TV-Sportjournalismus nicht geschafft haben, den Sinn der Auslegung und die Psyche einer Spielleitung zu erklären, gelingt den beiden Wahlkölnern seit Beginn ihrer Show spielend leicht. Nicht nur eigentlich eine Pflichtveranstaltung für jeden, der Fußball kommentiert. Ob am Mikrofon oder vor dem Fernseher. Bis die dortigen Inhalte zum Doppelpass, der FOTO und den Stammtischen Fußballdeutschlands durchgedrungen sein werden, wird aber eher ein Mensch auf dem Mars gelandet sein. Leider.

Was man allerdings als Warnung vor Einstieg in diesen besten aller Schiedsrichterpodcastes wissen muss: Das Nörgeln über die Männer in Schwarz, Blau, Rot oder Gelb wird nie mehr dasselbe sein. Man wird stattdessen selbst zum Klugscheißer, wie es Schiedsrichter qua Wesenszug nun mal sind, der von seinen Nebenstehern im Stadion nur genervte Blicke erntet. Weil man es als Hörer von Collinas Erben eben besser weiß. Das aber ist das Bemerkenswerte an diesem Podcast: Hier werden mit vergnüglich zu hörender Rhetorik alle Vorurteile und Irrglauben über die Fußballregeln derart beschwingt seziert, dass man ihn für den Grimme Online Award nominieren muss — und es nicht bei einer Nominierung bewenden lassen sollte. Profis am Werk in jeglicher Hinsicht: in der technischen Gestaltung des Podcasts, im Aufbau der Episoden und wie erwähnt vor allem in einer den Ohren schmeichelnden Darbietungsweise mit viel Witz, Charme und Melone.

Nur eins, das bleibt bestehen: Ein wenig seltsam ist sie schon, diese Spezies Schiedsrichter.

Rasenfunk

Rasenfunk heißt ein Anfang dieser Saison gestartetes Projekt vom allseits bekannten GNetzer, Ex-11Freunde und Ex-Spox, und von Helmi. GNetzer alias Max Ost geht da zwar noch seine ersten Schritte im Moderieren und Lenken einer Gesprächsrunde, besitzt aber viel Sprachgefühl und versammelt stets Hochkaräter nicht nur der Fußball-Bloggerszene, sondern auch schon mal Peter Ahrens von Spiegel Online, Oliver Fritsch von Zeit online oder Markus Bark um sich. Ein bisschen watet man eben doch stets im eigenen (Twitter-) Sumpf, was schließlich auch bei Sportradio360 der Fall ist, auch wenn da der Sumpf nicht bei Twitter, sondern bei sky liegt.

Bislang läuft der Rasenfunk mit merklich wachsendem Erfolg, aber auch noch mit Kinderkrankheiten. Ein wenig zu ambitioniert scheint das Vorhaben zu sein, wirklich alle an einem Spieltag gelaufenen Partien in einer Rückblende noch zu diskutieren. Die Art und die übrige Tiefe sind allerdings meist sehr hörenswert, es stellt sich allein die Frage, ob Fans bestimmter Vereine unbedingt Spiele von wiederum anderen Clubs beleuchten müssen. Mir wäre zudem lieber, das Ganze fände am Sonntagabend statt, nicht am Montag, an dem zumindest der Erstligaspieltag gedanklich (bei mir) schon abgeschlossen ist, aber das ist nur eine organisatorische Frage. Der Rasenfunk ist in jedem Falle eine willkommene Bereicherung der Landschaft der Fußballdiskussionen und durchaus mit eher angenehm dezentem Humor, statt mit der Haudenlukaskeule daherkommend. Zudem lernt man viele Fans diverser Clubs kennen, denn für das Gästefeld vom Rasenfunk wurde die Vokabel illuster überhaupt erst erfunden.

Deutschlandradio Sport

Gut, das ist natürlich kein privater Podcast, sondern sind Sendungen eines ÖR-Radios. Nichtsdestotrotz wahrscheinlich kaum bekannt und deshalb eine Empfehlung wert. Immer wieder werden auch andere Sportarten beleuchtet, vor allem gefällt an diesen Sendungen die professionelle Distanz, die man angesichts der marktschreierischen Kartoffelbauern, die sonst so Fußball kommentieren, ja kaum noch kennt.

Immer sind hier Gäste gefragt, die echtes Fachwissen mitbringen (wie z. B. Jürgen Kalwa) — und die Art der Diskussion richtet sich an den Rezipienten mit Hirn. Kein Podcast im eigentlichen Sinne, wie gesagt, aber in den einzelnen Sendungen äußerst hörenswert.

Hier geht’s zum Deutschlandradio Sportpodcast.

Mein Sportradio

Ausnahmsweise empfehle ich auch einen Podcast, den ich selbst bislang kaum hörte. Allerdings war ich dort schon zu Gast. Bei „Mein Sportradio“ geht es um alle möglichen Sportarten, Golf, Handball, Football, aber eben auch Fußball und dort dann z. B. mit dem Füchsle-Talk über den SC Freiburg oder Ausgaben über Hannover 96 auch ganz konkret um Vereine. Leider habe ich immer noch nicht herausgefunden, wer das Ganze eigentlich mit welcher Motivation betreibt. Wohl aber, dass man dort hervorragend vorbereitet befragt wird, so z. B. zum Thema „Das Spiel meines Lebens“, welches ich hier mit Meinsportradio diskutierte. Eine Option, welche übrigens auch allen anderen Interessierten offensteht. Man möge sich selbst einfinden in das umfangreiche Angebot von Mein Sportradio, erstellt von einer recht großen Zahl an Liebhabern der diversen repräsentierten Themen.

Futiklub

Kommen wir zu meinem absoluten Liebling im Bereich der Diskussion von Fußball und damit ist in diesem Fall wirklich Fußball und nicht das Drumherum gemeint: der Futiklub. Hier geht es trotz der ironisch-selbstverliebten Art der Präsentation tatsächlich nur um die Dinge auf dem Platz, um Dynamiken, Entwicklungen, historische Zusammenhänge, und das alles aus unterschiedlichen Perspektiven, aber mit durchaus fundierter Expertise vorgetragen. Der einmal pro Folge auftretende Fußballgott mit seiner als Allegorie auf den Zufall zu interpretierenden Nonsens-Aussagen wie der den Doppelpass mit dessen bierseliger Säufer-Attitüde persiflierende Rotwein-Konsum machen das Ganze zu einem besonderen Highlight.

Welches zudem inhaltlich vorzüglich und sprachlich auf ebensolchem — je nach Konstellation — Niveau wie Collinas Erben ist — und dann wird am Ende noch stets ein Liedchen kredenzt. „Schöner kann es gar nicht sein.“ Die 100. Jubiläumsfolge war ist eine besonders sehenswerte und inzwischen ist man bei vielen weiteren angelangt. Es ist ein Jammer, dass eine derartige Sendung nicht weiter ins Bewusstsein der Fußballöffentlichkeit vorgedrungen ist. Ein Doppelpass für Pseudo-Fußball-Hipster (pseudo, weil Fußball nie für Hipster sein konnte), aber mit vorzüglichen Argumentationssträngen, angenehmer Diskussionskultur und trotz der professionellen Rahmenbedingungen in der Präsentation mit dem Charme des Unperfekten einer Schülerband. Viel gelernt vom Futiklub, dessen einziger echter Makel der beschissene Name ist. Ansonsten: unbedingte Zuseh- und Hörempfehlung.

Die Webseite des futiklub ist hier.

Es gibt die Videos der Show aber auch bei Vimeo und youtube.

Die Inhalte wurden als Podcast nur kurzzeitig bis 2011 ausgeliefert, die neueren Sachen sind nur als Video verfügbar.

Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (die Radiokolumne!)

Als netter Abschluss noch Zeiglers Radiokolumne, über die ich ihn übrigens einst erst entdeckte. Diese hat inhaltlich überhaupt nichts mit Sport zu tun, nur mit den Äußerungen der Beteiligten, ist aber jeweils erfrischend spritzig komponiert und erinnert mich jedes Mal daran, warum ich Zeigler irgendwann mal erfrischend spritzig fand. In dieser kleinen Kolumne ist er jedenfalls am besten von allem, was er so publiziert. Diese Beiträge sind schön komponiert und orchestriert — und als Spieltagsausklang besonders geeignet, daran zu erinnern, dass es am Ende des Tages doch alles nur ein Spiel ist. Hier geht’s zur Radiokolumne, wirklich nur Unterhaltung und nichts anderes, diese aber immer wieder gelungen, wie ich meine.

Komme mir also nie, nie wieder jemand mit einer Klage über die Qualität des Doppelpasses, jedenfalls nicht, sofern er nicht alle Folgen der hier genannten Sendungen ausgehört hat.

28. April 2015
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Alle Tore von Torhütern in der Bundesliga

Bevor wir uns weiter unten den konkreten Einzelfällen widmen, zunächst mal die Übersicht der Torhüter, die überhaupt in der Bundesliga ein Tor erzielten.

Name Tore davon 11m
Hans-Jörg Butt 26 26
Andreas Köpke 2 2
Jens Lehmann 2 1
Marwin Hitz 1 0
Frank Rost 1 0
Volkmar Groß 1 1
Wolfgang Kneib 1 1
Manfred Manglitz 1 1
Ralf Zumdick 1 1
Oliver Reck 1 1
Dieter Burdenski 1 1

Der erste Torhüter überhaupt, der in der Bundesliga ein Tor erzielte, war Manfred Manglitz. Er traf am 3. Juni 1967 für den MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach per Strafstoß zum 1:3. Da er später in den (ersten) Bundesliga-Skandal verwickelt war, ist dieses Premierentor für einen Torwart in der Bundesliga vielleicht weniger bekannt als es das verdient hätte. Möglicherweise der Hauptgrund für diesen Vorgang war, dass dieses Tor in der Partie am 34. Spieltag dieser Saison erzielt wurde, als für beide Teams schon alles gelaufen war, insbesondere bei einem Rückstand von 0:3 für den MSV Duisburg. Der Strafstoß wurde in der 87. Minute verwandelt, somit konnte man sich diese Besonderheit auch erlauben, ohne den Gegner damit unsportlich zu behandeln o. Ä. Zeuge dieser Premiere im Bundesligafußball waren übrigens laut fussballdaten.de satte 5.000 Zuschauer im Wedaustadion, Anstoß war an diesem Samstag und Spieltag um 16.00h. Mönchengladbach beendete die Saison auf dem 8. Platz, der MSV Duisburg auf dem 11. Rang, somit ging es ohnehin für beide Teams um nichts mehr, in einer Zeit, in der die Endposition noch nicht an etwaige Fernsehgelder gekoppelt war. Mehr würde man gerne von Augenzeugen oder gar Handelnden erfahren, hat hier aber noch keine weiteren Informationen dazu gefunden.

Auch bei Ralf Zumdicks Elfmetertor war es so, dass dieses am letzten Spieltag fiel. Der 34. Spieltag der Saison 1987/1988 hatte den 1. FC Nürnberg als Gegner nach Bochum geführt, wo der VfL seine Partie im Ruhrstadion recht locker mit 3:0 gewann, Zumdicks Elfmetertor fiel ebenfalls kurz vor Schluss, nämlich in der 88. Minute, hier immerhin vor 15.000 Zuschauern. Schiedsrichter der Partie war ein gewisser Hans-Joachim Osmers, der später noch aus anderen Gründen zu Berühmtheit gelangen sollte. Der von Zumdick überwundene Kollege im Tor der Nürnberger war übrigens Andreas Köpke, der selbst 2x in der Bundesliga als Torschütze erfolgreich war. Nürnberg beendete die Saison als 5., womit man in den UEFA-Pokal einzog, dort aber in der 1. Runde nach einem 2:1-Auswärtssieg bei AS Rom — damals mit Rudi Völler —, aber einer 1:3-Heimniederlage nach Verlängerung ausschied. Die beiden Auswärtstore in Rom hatten Souleyman Sané und Dieter Eckstein erzielt – vor 16.200 Zuschauern, beim Heimspiel waren es dann immerhin 20.000. Der VfL Bochum beendete die Saison auf einem sicheren 12. Platz, der damals zudem noch sicherer war als heute, weil es in jener Saison nur zwei Absteiger gab.

Auch Wolfgang Kneib traf per Elfmeter für seine Arminia Bielefeld im der Partie gegen Eintracht Frankfurt vom 16. März 1985, hier ging es allerdings noch mit sportlichem Ernst um Punkte. In der 89. Minute lag sein Team mit 1:2 zurück, als er an diesem 23. Spieltag zum 2:2-Ausgleich traf. Genutzt hat es in der Endabrechnung dann doch wenig: Arminia Bielefeld stieg wegen der schlechteren Tordifferenz (-15) gegenüber Fortuna Düsseldorf (-13) als 16. direkt ab. Eintracht Frankfurt landete mit 32 Punkten in der Endabrechnung sicher auf dem 12. Rang, 3 Punkte vor den Abstiegsrängen.

Kneib erzielte in der folgenden Saison übrigens gleich noch ein Tor, beim 7:1 über Eintracht Braunschweig zum 1:0 (!) in der 11. Minute, da war Arminia Bielefeld aber schon in die 2. Bundesliga abgestiegen und somit gehört dieses weitere Torhütertor hier nur als Randnotiz hin.

Der hier bislang völlig unbekannte Volkmar Groß erzielte sein Tor für einen der vier Berliner Clubs in der Bundesliga, für Tennis Borussia Berlin. Dieses Tor stellt aber auch einen dieser zunächst klassischen Fälle in der Bundesliga dar: Es war der 34. Spieltag der Saison, TeBe führte zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern ohnehin schon mit 3:1 und man schrieb die 89. Minute, als Groß im Mommsenstadion vor 4.000 Zuschauern am 21. Mai 1977 zum 4:1 per Handelfmeter gegen Josef Stabel traf. Lautern konnte zwar noch auf 2:4 verkürzen, TeBe war mit 6 Punkten Rückstand aber schon vor Anpfiff abgestiegen und Lautern als 13. mit sicherem Abstand gerettet.

Dieter Burdenski hatte weniger Glück als die meisten Torhüter, die Tore erzielten: Sein 2:2-Ausgleich im Heimspiel für Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart am 5. Spieltag der Saison, dem 8. September 1979, reichte am Ende nicht zu Punkten. Burdenski hatte in der 57. Minute getroffen, in der 90. gelang Stuttgart dann aber der 3:2-Siegtreffer. Am Saisonende stieg Werder zum ersten und einzigen Mal ab, es fehlten aber ohnehin 4 Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz.

Auch Nationaltorwart und Europameister Andreas Köpke traf wie Jens Lehmann gleich zwei Mal in seiner langen Karriere in der Bundesliga, beide Male allerdings per Strafstoß. Sein zweites Tor war dabei wieder der mehr oder weniger klassische Fall: Sein 1. FC Nürnberg führte am 11. Spieltag bereits mit 2:0 gegen Dynamo Dresden, in der 88. Minute erhielten die Franken einen Foulelfmeter zugesprochen. Diesen verwandelt Köpke gegen René Müller zum 3:0-Endstand. Am 8. Oktober 1993 wurden immerhin 30.000 Zuschauer Zeuge dieses seltenen Schauspiels.

Anders hatte die Lage eine Saison zuvor ausgesehen. Diesmal war am 12. Spieltag der 1. FC Köln zu Gast, der aber zum Zeitpunkt von Köpkes Tor mit 1:0 in Führung lag. Köpke glich in der 45. Minute aus, Nürnberg kam in der 2. Halbzeit noch zum 2:1-Siegtreffer und Köpke hatte entscheidend mitgeholfen, diesen Sieg zu sichern. Am 31. Oktober 1992 sorgte er mit diesem Tor dafür, dass der Club am Ende mit 28 Punkten deren 2 Vorsprung auf den ersten Absteiger hatte, auch wenn Nürnberg auf Rang 13 einlief. Bei der deutlich schlechteren Tordifferenz gegenüber dem ersten Absteiger VfL Bochum waren diese damals noch 2 Punkte aber Gold wert.

Das Torhüter-Tor von Marwin Hitz, eines von nur dreien aus dem Spiel heraus in der Bundesliga-Geschichte, dürfte den meisten noch präsent sein, fiel es doch in dieser Saison 2014/2015. Er erzielte es für seinen FC Augsburg im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen zum 2:2-Endstand. Was das schließlich für beide Teams bedeutet haben wird, ist noch abzuwarten. In jedem Fall ist der Schweizer damit der erste Ausländer, dem als Torhüter ein Tor in der Bundesliga gelang.

Frank Rost traf einst in der 90. Minute ebenfalls aus dem Spiel heraus im Heimspiel von Werder Bremen gegen Hansa Rostock, doch mit diesem Ausgleich zum 3:3 war die Partie noch nicht vorüber. Durch Ailton gelang per Foulelfmeter sogar noch der Siegtreffer zum 4:3. Lohnenswert also auch hier der Ausritt von Frank Rost in den gegnerischen Strafraum. Dieser Sieg gelang Werder am 29. Spieltag, man schrieb den 31. März 2002. Am Ende landete Werder auf dem 6. Rang, Rostock auf dem gefahrlosen 14. Werder zog damit, punktgleich mit dem 1. FC Kaiserslautern, aber wegen der besseren Tordifferenz, in den UEFA-Pokal ein. Dort erreichte Werder über Metalurg Donezk die 2. Runde, wo dann aber Endstation gegen Vitesse Arnheim war.

Jens Lehmann traf wie oben zu sehen, ebenfalls gleich 2x in der Bundesliga. Sein erster Treffer am 12. März 1995 war noch ein eher unbedeutendes Tor und dann eben auch per Strafstoß: Beim Stand von 5:1 im Heimspiel des FC Schalke verwandelte Lehmann in der 84. Minute einen Foulelfmeter gegen Rainer Berg zum 6:1, Gegner München 1860 gelang immerhin danach noch das zweite Ehrentor zum Endstand von 6:2. Allerdings fand diese Partie am 21. Spieltag statt, so dass es für beide Teams sportlich noch um alles ging.

Spektakulär in jeglicher Hinsicht war dann Jens Lehmanns 2. Tor für den FC Schalke, welches er in der 90. Minute des Derbys bei Borussia Dortmund per Kopf zum 2:2-Ausgleich und Endstand erzielte. Einmalig bislang, in solch einer Partie so ein enorm wichtiges Tor zu erzielen — und besonders nett, dass er nach einem kurzen Ausflug zum AC Mailand in der Folge bei eben jener Borussia Dortmund anheuerte. Wenn hier nicht alles täuscht, war dies somit das erste Tor eines Torhüters aus dem Spiel heraus, welches Lehmann am 19. Dezember 1997 gelang.

Ebenfalls für den FC Schalke, dort scheint man ein besonderes Faible für diese Art von Torhütertoren zu pflegen, erzielte Oliver Reck sein Tor per Strafstoß am 9. Februar 2002. Damals ging es am 22. Spieltag zu Hause gegen den FC St. Pauli, Recks Tor zum 4:0 durch Foulelfmeter in der 80. Minute war auch der Endstand dieser Partie. Bezwungen wurde Simon Henzler, der das Gästetor hütete. Am Ende der Saison landete Schalke auf Platz 5, der FC St. Pauli stieg mit 7 Punkten Rückstand als Tabellenletzter ab. Schalke 04 qualifizierte sich zwar für den UEFA-Pokal und erreichte über Kamen Ingrad die 2. Runde, wo gegen Bröndby Kopenhagen im Elfmeterschießen Schluss war, hätte sich aber auch ohne diesen Sieg den 5. Platz nicht nehmen lassen.

Hans-Jörg Butts 26 Tore in der Bundesliga sind Legende, es wäre zu viel, hier jedes einzelne zu diskutieren – auch wenn das für extreme Liebhaber interessant sein mag. Bemerkenswert sind in jedem Fall mehr als einige seiner Torerfolge. So ist er mit seinen gleich 2 verwandelten Strafstößen in der Partie Hamburger SV – VfB Stuttgart in der Saison 1999/2000 der einzige Torhüter in der Bundesligageschichte, der 2 Tore in einem Spiel erzielte. Rodolfo Cardoso hatte den HSV in der 5. Minute in Führung geschossen, es folgten zwei verwandelte Strafstöße in der 55. und 79. Minute. Da es sich hier um den 2. Spieltag handelte, darf nicht davon ausgegangen werden, dass man hier wenig sportlichen Ernst an den Tag legte.

Außerdem erwähnenswert, dass Butt in genau jener Saison 1999/2000 der interne Torschützenkönig des HSV wurde: Mit am Saisonende 9 verwandelten Elfmetern hatte er die meisten Tore im Kader erzielt, allerdings zusammen mit zwei weiteren Feldspielern. Butt, die Wunderwaffe.

Butt erzielte übrigens auch gleich drei Tore in der Champions League, interessant, ob das bislang überhaupt irgendeinem anderen Torhüter „gelang“. Alle drei (!) Tore erzielte er gegen Juventus, eines für den HSV beim legendären 4:4, eines für Bayer Leverkusen und das dritte für den FC Bayern München bei Juventus, als es für die Bayern durchaus ums Weiterkommen oder Ausscheiden ging.

Nicht zuletzt: Hans-Jörg Butt ist der einzige Torhüter, der in der 1. Bundesliga (HSV und Leverkusen), in der 2. Bundesliga (VfB Oldenburg) und in der 3. Liga/Klasse (FC Bayern II) Tore erzielte. Da muss wohl noch viel Wasser in diverse Meere fließen, bevor diese Leistung eingeholt oder überboten wird.

(Ebenfalls zu erwähnen wären wohl noch das Tor von Frank Rost im Elfmeterschießen des Pokalfinales von 1999, als Werder Bremen gegen Bayern München gewann, sowie das Tor von Manuel Neuer im Elfmeterschießen beim „Finale dahoam“, als die meisten anderen Feldspieler des FC Bayern abwinkten, selbst anzutreten, sowie auch das Tor von Jean-Marie Pfaff im Elfmeterschießen des UEFA-Pokals gegen PAOK Saloniki, allerdings bleibt es hier auf dieser Unterseite zunächst mal bei Torhütertoren in der 1. Bundesliga. Mit Toren von Torhütern in Elfmeterschießen machte man angesichts der langen Geschichte des DFB-Pokals mit seinen vielen Partien auch zwischen unterklassigen Teams eine ganz neue Büchse auf, die erstmal geschlossen bleiben mag. Für die 1. Bundesliga ist man mit diesem Text jedenfalls auf dem aktuellen Stand.)

Und ja, Bewegtbilder von diesen Toren wären auch nett gewesen … für die meisten waren aber ohne Zugriff auf WDR-Archive keine aufzutreiben.

19. April 2015
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„Tatort“ — Was Horst Szymaniak mit der Horst-Schimanski-Gasse zu tun hat

Ich schaue nie „Tatort“. Abgesehen von den alten Schimanski-Folgen, auf dessen Geschmack zu kommen ich erst nach München zum Stadtneurotiker fahren musste, wo ich in diesen Charakter eingewiesen wurde. Die einzige andere Folge vom „Tatort“, die ich je sah, ist jene mit Theo Zwanziger, Jogi Löw, Oliver Bierhoff, Steffi Jones und Celia Okoyino da Mbabi, in der sie zeigen, dass es noch eine Kategorie unterhalb der Kategorie „Laienschauspiel“ geben muss. Sowie, dass Drehbücher für diese Reihe nicht dazu verleiten, den Eingangssatz ändern zu müssen.

Duisburg benennt nun eine Gasse nach seinem bekanntesten Einwohner. Es benennt diese Gasse nicht „um“, weil diese Gasse im Ruhrorter Hafen zuvor gar keinen Namen besaß. Dass der bekannteste Duisburger ein fiktiver Charakter ist, ist dabei wohl eher ein Glück.

Die Idee der Neubenennung schwirrte schon länger herum, eine Strickmafia (siehe Foto) hatte schon eigenmächtig Straßenschilder mit der Beschriftung „Schimmi-Gasse“ dort aufgehängt.

Die Duisburger Stadtverwaltung aber lehnte eine solche Benennung dieses eher unscheinbaren Gässchens, welches durchaus einmal in einem Tatort Schauplatz einer Szene war, ab. Schimanski lebe ja noch, war eine Begründung, und nach lebenden Personen würden keine Straßen benannt. Wobei dann hier das Fiktive an seiner Existenz relevant wird, denn fiktive Charakter sterben bekanntlich nie — oder zumindest so lange nicht, wie die Menschheit noch existiert.

Die Duisburger Stadtverwaltung besaß aber noch einen zweiten Grund zur Abwehr dieser Namensgebung. Und hier kommt der Fußball ins Spiel. Denn offensichtlich besaßen die dort Argumentierenden keine ausreichenden Kenntnisse im Fußball und dessen Drumherum, sonst hätten sie ihr nächstes Argument gleich in der Schublade gelassen.

Eine Schimmi-Gasse käme nicht in Frage, weil die Verwechslungsgefahr zu groß sei. Mit wem? Mit Horst Szymaniak, dem Fußballer, dem Nationalspieler, dem Star bei Inter Mailand, welcher ebenfalls den Spitznamen „Schimmi“ trug.

Diese Begründung ist, sagen wir mal, putzig.

Denn Horst Schimanski heißt nicht nur Horst mit Vornamen zu Ehren von Horst Szymaniak. Er hatte auch den Spitznamen „Schimmi“ zu Ehren eben jenes Horst Szymaniak erhalten. Die Erfinder der Figur Kommissar Horst Schimanski dachten nämlich explizit daran, jenem Ruhrgebietsfußballer damit eine Reminiszenz zu erweisen. Insofern wäre also eine Verwechslung beim Rezipienten zwar möglich gewesen, in beiden Fällen hätte man sich aber in letzter Konsequenz ohnehin auf den Fußballer Horst Szymaniak bezogen. Wie dem auch sei, am Ende sind sie dann doch eingeknickt und Duisburg besitzt nun in Ruhrort seine, dann allerdings den vollen Namen verwendende „Horst-Schimanski-Gasse“.

Pointe: keine. Aber durchaus Munition für divese Smalltalksituationen.

8. April 2015
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Dem Nebenmenschen eine aufs Dach geben

„Sport ist eine grandiose Arbeitsteilung zwischen Gut und Böse der Menschen … Es ist einseitig, wenn man immer nur schreibt, dass der Sport zu Kameraden mache, verbinde, einen edlen Wetteifer wecke: Denn ebenso sicher kann man auch behaupten, dass er einem weit verbreiteten Bedürfnis, dem Nebenmenschen eine aufs Dach zu geben oder ihn umzulegen entgegenkommt, dem Ehrgeiz, der Überlegene zu sein.“

Robert Musil

2. April 2015
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How to fake ein Fußballfan sein

Heutzutage gehört es ja zum guten Ton, sich für Fußball zu interessieren. Selbst in den oberen Etagen wird das schon mal als Thema aufgebracht. Damit man bei all dem darum herum wabernden Small Talk nicht Fettnäpfchen an Ahnungslosigkeit reiht, wie es beispielsweise Helmut Markwort immer wieder vorzüglich schafft, hier dieses kleine „how to“ für die Aufgabe, vorzugeben, ein Fußballfan zu sein, ohne dass man die geringste Ahnung von der Materie haben muss.

1.1 Suchen Sie sich einen der 18 aktuellen Bundesligisten als Ihren Club aus.
1.2 Informieren Sie sich darüber, welcher Club als dessen ärgster Rivale gilt.
1.3 Reißen Sie während des gesamten Gesprächs flache Witze über diese Rivalität. Je flacher, desto glaubhafter wirken Sie in ihrem vermeintlich authentischem Fantum. Lehnen sie per se alles ab, was dieser Rivale macht, ob Vereinsfarben, Form des Stadions, aktuellen Präsidenten oder Vereinssong.

2.1 Informieren Sie sich, ob Ihr Verein im Vergleich viele oder wenige Fans besitzt.
2.2 Im Falle von vielen Fans: Machen Sie sich darüber lustig, dass andere Vereine nur so lächerlich wenige Anhänger haben.
2.3 Im Falle von wenigen Fans: Weisen Sie darauf hin, dass alleine schon zu einem Verein zu gehen, den nur ganz wenige mögen, ein Kennzeichen authentischen Fantums ist.

3.1 Informieren Sie sich, wer Trainer vor dem aktuellen Trainer war.
3.2 Werfen Sie ein, dass unter dem Vorgänger auch nicht alles schlecht war, besonders das Mittelfeld (so vermeiden Sie, harte, nachprüfbare Fakten wie Tore oder Gegentore diskutieren zu müssen.)
3.3 Sinnieren Sie dennoch, dass es auch für den aktuellen Trainer schon in Kürze eng werden könnte. (Ausnahme: Ihr Verein ist gerade Tabellenführer.) Er sei einfach nicht der richtige Mann für den aktuellen Kader. (Nachfragen nach einer Begründung für diese Einschätzung sind äußerst selten.)

4.1 Informieren Sie sich über die größten Erfolge Ihres Vereins.
4.2 Falls damals schon geboren: Werfen Sie immer wieder ein, dass diese Zeiten ja die besten gewesen sein – die kämen aber nie wieder.
4.3 Falls noch nicht geboren: Werfen Sie immer wieder ein, dass die alten Erfolge wie ein Fluch über dem Club lasten.

5. Plädieren Sie darauf, dass Ihr bevorzugter Verein mehr über außen spielen müsste.

Mit diesen nur 5 kleinen Vorbereitungsschritten kommen Sie unerkannt durch jeden Fußball-Smalltalk, ohne je ein Spiel selbst gesehen zu haben, einen Spieler mit Namen zu kennen, geschweige denn etwas von Taktik verstehen zu müssen. Auf dass auch das nächste angebahnte Geschäft nicht an allzu großer Helmut-Markwort-haftigkeit im Fußball scheitert.

30. März 2015
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Ganz Großbritannien bei der EM? Nein, ein kleines … doch

Gestern twitterte ich erfreut die Aussicht, dass zum ersten Mal seit der WM 1958 wieder — und damit für die meisten von uns inklusive mir zum ersten Mal überhaupt — alle vier britischen Fußballverbände bei einem großen Turnier vertreten sein könnten, wie der Stand der Qualifikation durchaus noch zu hoffen erlaubt. Auch wenn da natürlich eine sehr große Prise Romantik dabei ist, denn auch in Schottland oder Wales pflügt man nicht mehr allein den Rasen samt Gegner um, aber eine gewisse Sympathie inbesondere für die drei kleineren britischen Verbände lässt sich eben nicht leugnen und fühlt sich ohnehin gut an.

Sofort kamen allerdings die Einwände, dass Gibraltar ja neuerdings auch mitspiele und sich nicht qualifizieren werde. Womit es nur vier von fünf teilnehmenden britischen Verbänden nach Frankreich schaffen werden, wenn überhaupt.

Das ist in Bezug auf die Bezeichnung „britisch“ zwar zutreffend, denn Gibraltar gehört zu den British Overseas Territories, nicht aber zu Großbritannien (im Sinne von United Kingdom), worauf sich meine Aussage eigentlich bezog. Da es auch nicht zu den vier britischen Verbänden gehört, die einen festen Sitz im FIFA-Regelboard haben, darf man durchaus dabei bleiben, dass sich eventuell alle vier Verbände Großbritanniens (im Sinne von United Kingdom) qualifizieren werden. Aber nicht alle britischen, nein, wobei Gibraltar ohnehin nur politisch „britisch“ ist, aber nicht geographisch und somit eigentlich auch im Fußball nicht.

(Sehr aufschlussreich ist zu all diesen Fragen übrigens dieses Erklärbär-Video: „The Difference between the United Kingdom, Great Britain and England Explained“, nett gemacht.)

Beim sprichwörtlichen schottischen Glück werden dann aber ohnehin alle vier britischen Verbände in eine Gruppe gelost werden und Schottland scheidet darin als einer der schlechteren Gruppendritten gegen England und Wales aus. Solche Geschichten wollen wir aber auch bei großen Turnieren gerne erleben, nicht wahr?

28. März 2015
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Dit war Berlin

Lesung im Oval im Babylon Kino in Berlin

Das Folgende enthält einige Veranstaltungen, viele Links zu Blogs und Twitter-Accounts, aber das letzte Wochenende in Berlin war angenehmerweise auch pickepackevoll mit netten Anlässen, alle rund um den Fußball, der ja immer noch wichtig ist ad lib. Berliner Luft scheint da trotz der Hertha doch ausreichend Raum für Begeisterungsfähigkeit zu lassen.

Rösslequiz

Lange geplant, nun endlich umgesetzt: Eine Teilnahme am formidablen Rösslequiz (sehr schicke Webseite), das natürlich im Rösslepub stattfindet. In Neukölln gelegen, ist es keine echte Kneipe, sondern ein Clubheim eines VfB-Fanclubs und wird dementsprechend nur an Tagen mit VfB-Spielen oder anderen besonderen Anlässen wie CL-Finale oder WM geöffnet. Die Getränkepreise sind deshalb auch quasi als Selbstkostenpreis zu verstehen, im Hauptraum vorne hängt eine große Leinwand im Raucherraum und im hinteren Raum noch eine Leinwand mit einigen Sofas davor, der ein Nichtraucherraum ist. Alle Wände sind mit VfB-Wappen bemalt, im Durchgang steht ein Kicker und hängen viele VfB-Trikots aus verschiedenen Epochen des Clubs. Sehenswert, wenn man sich für Trikots erwärmen kann. Eine echte Fußballkneipe eben, abgerundet durch einen Pappaufsteller des ewigen Diegos, Guido Buchwalds nämlich.

RösslepubSomfi alias Daniel, einer der beiden Macher des Quiz, hatte mich eingeladen und auch um einige Gastfragen gebeten, welche ich natürlich gerne beisteuerte. Netterweise durfte ich — ohne meine eigenen Fragen zu beantworten, versteht sich und wurde auch so gehalten, alte Quizzerehre — in einem Team mitquizzen. Nunja, als Gastgeber hätte man sich da eventuell zurückhalten müssen, aber ich war ja Gast und in einem Team mit großer Expertise gelandet. Zusammen errangen wir bei einem wirklich anregend präsentierten Mix aus klassischen Quizfragen, einem Anagramm, Tor-oder-nicht-Tor-Videos und sogar einem zu erratenden Fansong den Sieg, der beim Rösslequiz standesgemäß mit riesigem Pokal gewürdigt wird. Sowie 10 Rössle-Euro, die man am Ende des Quiz nicht mal komplett umsetzen kann, weil die Preise im Rösslepub so niedrig sind.

Wanderpokal des Rösslequiz im Rösslepub

Die Begeisterung bei den Gewinnern der vorigen Ausgabe über ihren an jenem Abend erreichten zweiten Platz hielt sich etwas in Grenzen, beim nächsten Mal bin ich ja aber ohnehin nicht wieder dabei und so darf die „Trainingsgruppe 2″, so hieß unser Quizteam, was dem Kenner Rückschlüsse auf den Urheber dieses Namens erlaubt, allein ihr Glück versuchen, den Titel zu verteidigen.

aaaasEbenfalls anwesend in jener Lokalität und auch mitquizzend: sternburg, neuerdings selbst unter die Blogger gegangen, indem er die ausgelagerten Kommentare von allesaussersport.de auf der Seite allesausseraas.de betreut, mit technischer Unterstützung von Robert und dort die Ex-Kommentatorenschaft von aas bei sich versammelt hat, unterhält und foppt, sich aber mehrheitlich sehr nah an sportlichen Themen bewegt. Neben Fußball dort auch öfter im Vordergrund: Eishockey.

Natürlich steht das Rösslequiz allen Interessierten offen, bis zu 5 Köpfle dürfen in ein Team. Es ist zur Zeit allerdings sehr gut besucht, weshalb man sich vorher anmelden sollte. Was aber unbedingt eine Empfehlung wert ist, denn das Ganze ist äußerst liebenswert in seiner Durchführung gestaltet. Zumindest der Rösslepub ist in jedem Fall auch in der nächsten Saison erstklassig.

Teehaus im Tiergarten: Chris Kurbjuhn

Chris KurbjuhnWeiter am nächsten Tag zum nächsten Termin: Ein Treffen mit Chris Kurbjuhn im idyllisch gelegenen Teehaus im Tiergarten. Er betreibt gleich mehrere Blogs/Webseiten, eine davon ist „Männer unter sich – Die Kunst ein Kerl zu sein“, das sich immer wieder auch mit Fußball beschäftigt. Ansonsten sind seine Themen Schreiben und Theatermachen, aber auch andere Leute beim Schreiben und Veröffentlichen zu begleiten.

Der Mann ist übrigens Fan des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft interessiert zugeneigt. Er sah schon das Jahrhundertspiel 1970 in Mexiko live im Fernsehen. Insofern ist es häufig spannend, wie er die Entwicklung des Fußballs bewertet. Fliegt ein wenig unter dem Radar des Fußball-Blogosquariums, vielleicht auch, weil er bei Twitter nicht ganz so aktiv ist: ChrisKurbjuhn.

Lesung mit Rudelbildung

Dann schon auf zur Lesung im Babylon Kino am Rosa-Luxemburg-Platz im Rahmen des 11mm-Filmfestivals. Ein äußerst einladendes Gebäude wartete auf die Festival-Besucher.

Unsere Lesung, die aus Teilen von Stefanie Fiebrigs Buch „Bring mich zum Rasen“ und den hiesigen „Drama Queens in kurzen Hosen“ bestand, fand im sogenannten „Oval“ statt, einem Raum im Babylon Kino mit an diesem Abend etwa 40 Sitzplätzen und viel Fußballdeko an den Wänden. Zunächst lasen Steffi alias Rudelbildung und ich gemeinsam den Text „Pavel Kuka“ vom alten Haudegen Frédéric Valin, ehe Steffi zwei Kapitel aus ihrem Buch präsentierte und meine Wenigkeit danach die Highlights aus „Drama Queens in kurzen Hosen“ kredenzte.

Der Dank geht an Jochen Lohmann, einen der Betreiber des 11mm, der uns beide eingeladen hatte — auf dass es neben Filmen auch noch ein wenig mehr Fußballkultur und diese gleich live zu erleben gäbe. Da man sich im deutschen Kulturkreis nicht selbst lobt, bleibt die Einschätzung der Lesung den Anwesenden überlassen.

Der obligatorische Hagebuttentee (in Textform) durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie die Bonmot-Sammlung von Abschiedsspielen, zudem gab es zwei Weltpremieren, neue Texte aus dem Blog, die bislang noch nirgendwo gelesen wurden. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht und Dank an alle fürs Kommen und Zuhören.

11mm Filmfestival

Mein erstes Mal beim 11mm Filmfestival, was ich aber angesichts der vielen anderen Aktivitäten kaum nutzen konnte. Ebenfalls im Programm und auch mit seinen Machern anwesend: der Film „Meidericher Vizemeister“ (siehe Filmkritik hier), die auch gleich noch Günter Preuß und dessen Frau mitgebracht hatten. Günter Preuß war Mannschaftskapitän in jener Saison 1963/1964, in der der MSV Duisburg Vizemeister wurde und ist einer der Protagonisten des Films. Dazu zum ersten Mal in Berlin zu sehen: „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ mit selbst erklärendem Titel, bei dem der Kinosaal aus allen Nähten platzte.

Ein illustres Publikum an der Schnittstelle zwischen Fußball und Kultur, bzw. Film bzw. Filmkultur war auf dem gesamten Festival anwesend und so lernte man hier und da Macher von ÖR-Sendern oder auch — wie jene des Meidericher Films — quasi private Filmemacher kennen, die die Liebe zu ihrem Club oder zum Fußball allgemein antreibt, Beeindruckendes auf die Beine zu stellen. Das gesamte Programm des 11mm ist hier noch mal nachzulesen, insgesamt dauerte die mittlerweile 13. Ausgabe dieses Festivals von Donnerstag bis Montag und fand ihren Abschluss in den „Short Kicks“, also einem Wettbewerb für Kurzfilme, bei dem lokale Größen wie eben jene Rudelbildung oder ein gewisser Torsten Mattuschka vor Ort waren und ihr fachfrauliches Urteil abgaben. Zieht man noch den wunderbaren Veranstaltungsort hinzu, ist das gesamte Festival ein Muss für all jene, welche sich über nachrichtliche Berichterstattung hinaus für Fußball begeistern.

allstarkicker.com

Kleines Schmankerl am Rande der Lesung: oben im „Oval“ war auch ein handgefertigter Tischkicker präsentiert, dessen Produzent jede einzelne seiner Kicker-Figuren an echte Fußball-Promis angelehnt von Hand gestaltet und den gesamten Kickertisch in futuristisch-künstlerischer Art gestaltet (ist das schon Steampunk?).

Was der Hersteller dieser besonderen Kickertische ebenfalls macht, ist, mit einer Kicker-Figur von Mario Götze durch die Welt zu fahren und darzustellen, dass das fehlerhafte Aussprechen ausländischer Fußballernamen kein deutsches Problem ist, wie sein Video von diesem kleinen Experiment anschaulich vor Ohren führt.



Die Kickertisch-Exemplare gibt es auf der dazugehörigen Webseite zu sehen: allstarkicker. Nicht unbedingt für den kleinen Geldbeutel geeignet, definitiv aber Unikate mit detailgetreu dargestellten Stars auf dem, äh, Platz.

all die ganzen Leute …

Da ich bei den meisten neuen Bekanntschaften nicht sicher bin, ob es ihnen Recht wäre, sie hier namentlich zu erwähnen, bleibt nur der Hinweis, dass im Sommer der #tkschland in Köln ansteht, bundesweites Treffen für fußballinteressierte Twitterer. Dort wird man sicher annähernd ähnlich viele Twitterer kennenlernen können, wie es mir an diesem Wochenende in Berlin möglich war. Sofern Twitter bis dahin nicht den Nerv-Tod gestorben sein sollte und die allgemeine Twitter-Fatigue sich übers ganze Land ausgebreitet haben wird. In jedem Falle war es ein äußerst aufschlussreiches Wochenende in allen möglichen fußballerischen, kulturellen Aktivitäten und Kontakten. Einzig ärgerlich, dass niemand die Lesung per Video aufgezeichnet hat, sonst könnte man sie hier vielleicht zumindest in Ausschnitten präsentieren. Das geht beim nächsten Mal besser — und vielleicht liest Rudelbildung demnächst ja auch mal mit mir zusammen irgendwo in NRW.

… and thank you for the music

north-of-paradise-bandNett war dann auch noch der Betreiber des Fußballblogs Spielbeobachter, der mir beim Rausgehen nach der Lesung eine Ausgabe des Albums seiner neuen Band in die Hand drückte und das wohl in gewissem Rahmen als Hutgeld (nach welchem wir nicht gefragt hatten) für die Lesung verstanden wissen wollte. Da ich mich zuvor schon angetan von dieser Platte geäußert hatte, die ich aber nicht besaß, war es ein willkommenes Geschenk, mit dem aktuellen Album von North of Paradise im Gepäck nach Hause fahren zu können, welches man unter dem Link übrigens komplett einhören kann.

Ach, und man weiß, dass man in Berlin, am Rosa-Luxemburg-Platz war, wenn man nach Ende der Lesung eine rote Nelke von einer Zuhörerin bekommt.



18. März 2015
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Alle Elfmeterschießen deutscher Clubs im Europapokal (und Losentscheide)

Filed unter: „Mit Legenden aufräumen“.

Die Bilanz bei Elfmeterschießen in Europapokalen ist aus Sicht deutscher Clubs zwar nicht ausgeglichen, sondern leicht positiv, aber weit entfernt davon, makellos zu sein. Insgesamt stehen 24 gewonnene Durchführungen 16 verlorenen gegenüber. Insofern kann man den Mythos gerne auch beerdigen, dass es irgendetwas mit der Nationalität und der manchmal dazugehörigen Mentalität zu tun hätte, dass es bei der Nationalmannschaft des DFB in dieser Disziplin so gut läuft. Schließlich fanden die allermeisten der unten aufgelisteten Elfmeterschießen zu einer Zeit statt, als die Zahl der Ausländer in einer Vereinsmannschaft noch begrenzt war oder schlicht gar keine zu einem Elfmeter antraten.

(Sollten noch welche fehlen, ob von Werder Bremen, dem 1. FC Kaiserslautern oder auch von Hansa Rostock: die Kommentarspalte ist 24/7 geöffnet.)

Darstellung des Ergebnisses im Elfmeterschießen ist jeweils aus Sicht des deutschen Clubs. Hinter dem Clubnamen ist die Bilanz in der Form (gewonnene/teilgenommene Elfmeterschießen) ausgewiesen. EC1 ist Champions League und Europapokal der Landesmeister, EC2 der Europapokal der Pokalsieger, EC3 ist Messe-Pokal, UEFA-Pokal und Europa League, SC steht für Supcercup. Et voilà:

FC Bayern München (5/6)
SC FC Chelsea 5:4
EC1 FC Chelsea 3:4
EC1 Real Madrid 3:1
EC3 PAOK Saloniki 9:8 (siehe auch Pfaff und der PAOKenschlag)
EC1 FC Valencia 5:4
EC1 Atvidaberg FF 3:1

FC Schalke (2/4)
EC3 Inter Mailand 4:1
EC3 Bröndby 1:3
EC3 Slavia Prag 4:5
EC1 FC Porto 4:1

Borussia Dortmund (2/4)
EC3 AJ Auxerre 6:5
EC1 FC Brügge 2:4
EC3 Udinese Calcio 3:4
EC3 Glasgow Rangers 3:1

Dynamo Dresden (3/3)
EC3 Dynamo Moskau 4:3
EC1 Partizan Belgrad 5:4
EC1 Malmö FF 5:4

Lok Leipzig (3/3)
EC2 Girondins Bordeaux 6:5
EC3 Ipswich Town 4:3
EC2 Velez Mostar 3:0

BFC Dynamo (2/3)
EC2 Cardiff City 5:4
EC2 Dynamo Moskau 1:4
EC1 FC Aberdeen 5:4

Carl Zeiss Jena (2/3)
EC3 RWD Molenbeek 6:5
EC3 Stal Mielec 2:3
EC2 Slavia Prag 3:2

Bayer Leverkusen (1/3)
EC3 Espanyol Barcelona 3:2 (siehe auch Ein Abend für acht Mark mit Tita, Calli und Liza)
EC1 Atlético Madrid 2:3
UI-Cup Tirol Innsbruck 3:5

Hamburger SV (0/2)
UI-Cup Olympique Montpellier 0:3
EC3 Sparta Rotterdam 1:4

VfB Stuttgart (1/1)
EC3 Real Sociedad 4:1

Vorwärts Berlin (1/1)
EC2 Benfica Lissabon 5:3

Sachsenring Zwickau (1/1)
EC2 AC Florenz 6:5

1. FC Kaiserslautern (1/1)
EC3 Ararat Erewan 5:4

Karlsruher SC (1/1)
UI-Cup Bursaspor 6:5

Borussia Mönchengladbach (0/1)
EC1 FC Everton 3:4

Eintracht Frankfurt (0/2)
EC3 Austria Salzburg 4:5
EC2 PAOK Saloniki 3:4

1. FC Magdeburg (0/1)
EC1 Malmö FF 1:2

Mainz 05 (0/1)
EC3 Gaz Metan Medias 3:4

Losentscheide

Im Folgenden nun die Losentscheide, wo die Bilanz verheerend aussieht, was aber bekanntlich nichts mit sportlichen Komponenten zu tun hat. 4x wurde gelost, 4x war das deutsche Team danach ausgeschieden. Kein Wunder also, dass mit Karl Wald ein Deutscher das Elfmeterschießen erfand.

1. FC Köln (0/1)
EC1 FC Liverpool verloren

Wismut Karl-Marx Stadt (0/1)
EC1 Gwardia Warszawa verloren

SC Aufbau Magdeburg (0/1)
EC2 Galatasaray Istanbul verloren

Hannover 96 (0/1)
EC3 FC Barcelona verloren

Schöne Faktenhuberei mal wieder, Mythos als nicht komplett falsch widerlegt, aber eben doch mit Werten, die nicht weit vom Zufall entfernt sind. Dass man Strafstöße und den Umgang mit dem Stress bei einem Elfmeterschießen sehr wohl trainieren kann, bleibt dem sonst so vertrainingswissenschaftlichten Fußball offenbar weiter ein Geheimnis, schaut man allein auf die Art der Durchführung von Strafstößen im Allgemeinen und im Elfmeterschießen ebenso.

12. März 2015
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Synchronicity

Während man früher 500 Meilen lief, zum nächsten Kiosk am Strand von Jugoslawien nämlich, um das Ergebnis eines Spiels, das schon vor 56 Stunden gespielt worden war, zu erfahren. Während man früher die Telefondurchsage mit den Sportergebnissen anrief, natürlich genau an jenem Punkt in der Schleife landete, als die Fußballergebnisse bereits genannt waren und man alle Davis-Cup-Ergebnisse, Leichtathletik-Weltmeisterinnen und Motocross-World-Series-Zeiten geduldig abwarten musste, bis schließlich doch die Dame mit der so seriösen Stimme wieder von vorne begann und die Resultate der Bundesliga in einer Nüchternheit und Kälte verlies, dass man froh war, dieser Dame nicht in realiter zu begegnen, aber ebenso froh, nun auf dem letzten Stand zu sein. Während man früher zwar eine Partie im TV verfolgte, aber nicht wissen konnte, wie es auf den anderen Plätzen stand, und man deshalb bibbernd gleichzeitig ein Transistorradio aktiviert hatte, möglichst ein Mann auf dem Balkon, ebenfalls bibbernd, der, wenn er sich meldete, hoffentlich ein Tor für die richtigen Farben verkündete. Während man früher auf die Verlässlichkeit einer Satellitenverbindung nach Südamerika angewiesen war und doch nie sicher sein konnte, ob sie erstens grundsätzlich hielte und zweitens nicht trotzdem im entscheidenden Moment ein Gewitter über der Stadt die zwar nach Südamerika existierende Verbindung nutzlos werden ließ. Während man früher stoisch auf die Zahlen im flimmernden Videotext glotzte, sich für die Dauer der Partie ebenso wenig rührte, wie diese Ziffern, die zwar immer und immer wieder aufs Neue geladen wurden, aber eben nur zwei, drei Mal pro neunzig Minuten eine Änderung anzeigten. Während man früher also alles dafür tat, einen Spielstand oder ein Endergebnis endlich in Erfahrung zu bringen.

Ist man heute vor allem um Synchronizität der vielen Kanäle bemüht, die man gleichzeitig konsultiert. Angefangen hatte es mit den Vorläufern des Public Viewings. Wenn mehr als nur ein Sender ein Spiel zeigte, musste man hoffen, im Biergarten vor einem TV mit jenem Sender zu sitzen, welcher die entscheidenden Sekunden früher als die Konkurrenz an der Gegenwart sendete. War es andersherum, wurde ein Tor schon durch den Jubel der Gäste in der Nachbarkneipe angekündigt. Besonders frustrierend im Falle von Elfmeterschießen. Ein Sitzplatzwechsel ist aber nicht nur bei WM schwieriger geworden, seit der Fußball auch als Vereins- in den Mainstream eindrang und partout daraus nicht mehr verschwinden will. Immerhin konnte man noch zu Hause sicher vor zu früher Information sein. Mittlerweile ist die Hauptbeschäftigung selbst beim völlig isolierten, von der Außenwelt abgeschotteten Schauen bloß noch, nur ja keinem Kanal zu folgen, der ein Tor früher verrät als man es tatsächlich auf dem Bildschirm fallen sieht. Und wer weiß, welchem Bild die Mitkommunizierenden gerade folgen? Ist ein Tor bei skygo noch lange nicht gefallen, wird es im Stream erst in 5 Minuten fallen, in der Realität aber schon 2 Minuten her, so wird es spätestens nach wenigen Sekunden jemand aus dem Stadion getwittert haben. Gefolgt von jenen, welche in der Liste der Übertragungsmöglichkeiten als nächstes erscheinen, vielleicht sky, vielleicht ein ÖR. Es folgen die Nachrichten jener, welche ganz bewusst ihre Timeline erst mit Verzögerung lesen und doch kann man beinahe sicher sein, ein Tor früher zu erfahren, als es im Fernsehen dann tatsächlich fallen wird. Ein wenig ist es wie bei Neujahr: Wenn man schnell genug fliegt, kann man 24x Neujahr feiern und so kann man ein Tor auch beinahe dutzendfach jetzt gerade fallen sehen, während es in Wahrheit nur einmal — und zwar schon lange her — gefallen ist. Dem Vergnügen ist das nicht zuträglich, der Aufmerksamkeit schon gar nicht und den letzten Schutz bietet tatsächlich nur noch entweder völlige Abstinenz von anderen Kanälen oder die Anwesenheit vor Ort. Da Letzteres teuer werden kann, insbesondere bei großen Turnieren auf anderen Kontinenten, muss man wohl oder übel alle anderen Kanäle schweigen lassen — oder man balanciert zwischen den verschiedenen Phasen der Gegenwart hin und her und lernt Fußball nicht mehr als Live-Ereignis zu genießen, sondern als eines, in dem sich die Gegenwart, der Moment viel Zeit lässt, zu vergehen, sich auf mehrere Minuten ausdehnt und bei Gefallen sogar mehrfach wieder-erlebt werden kann. Ein Plugin für die Realität, das automatische Synchronizität bewirkt, wäre trotzdem recht willkommen.

8. März 2015
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Die Altersringe der Maskottchen der Bundesliga-Clubs

Sonntagmorgen, Zeit für ein bisschen Kinderprogramm. Und was ist im Fußball neben dem Fußball selbst für die Kinder? Die Maskottchen.

Aber wie alt sind die jeweiligen Maskottchen? Eine Frage, die nicht nur den Liebhaber seit Monaten nicht schlafen lässt, schließlich sind anhand der diversen Antworten auch Rückschlüsse auf weitere Eigenschaften des Vereins (Tradition ja/nein, Kreativität ja/nein, allgemein gut/böse) zu ziehen. So zeigt die folgende Aufstellung, sortiert nach dem Geburtsjahr des Maskottchens, welche Vereine im Sinne der Sozialromantik ein Maskottchen haben dürfen, weil schon immer existent, und welche nicht, weil gerade erst eingeführt.

1. FC Köln Hennes 1950
Borussia Mönchengladbach Jünter 1965
VfB Stuttgart Fritzle 1992
FC Schalke 04 Erwin 1995
VfL Wolfsburg Wölfi 1997
Hertha BSC Herthinho 1999
TSG Hoffenheim Hoffi 2000
Bayer Leverkusen Brian the Lion 2002
Hamburger SV Dino Hermann 2003
FC Bayern München Berni 2004
Borussia Dortmund Biene Emma 2005
FSV Mainz 05 Johannes 2006
Eintracht Frankfurt Attila 2006
SC Freiburg Füchsle (mind.) 2009
SC Paderborn Holli (mind. 2009)
Hannover 96 Eddi 2013
FC Augsburg -
Werder Bremen -

(Werder Bremen besaß mal Pico, die Heidschnucke und für kurze Zeit „Werdi“, eine Möwe, als Maskottchen, hat aber zur Zeit ebenso wie der FC Augsburg kein eigenes Maskottchen.)

Womit wieder einmal bewiesen wäre: Sozialromantische Wandlungen behaften alles, was vor der Pubertät eines Menschen bereits existierte. Was auch bedeutet, dass jeder selbst definieren darf, was ein Traditionsmaskottchen ist, und was nicht.

Dass man ein Maskottchen nicht einfach nur nach einer Koseform des Stadtnamens benennen darf, darf hingegen nicht jeder selbst beurteilen, das ist weltweit und schon immer so.

Jedenfalls ist der 1. FC Köln in der Frage der Maskottchen der traditionsreichste Club der Bundesliga. Wer hätte das gedacht?

3. März 2015
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Call for goals: Das Tor des 2000er-Jahrzehnts

Aus unerfindlichen Gründen hat die Sportschau zwar jeweils ein Tor des Jahrzehnts für die Zeit von 1970 bis 2000 gewählt, aber keine Wahl zum Tor des Jahrzehnts 2001-2010 durchgeführt. Das holen wir nun nach.

Zunächst die Bitte um Vorschläge, ehe dann später auch abgestimmt werden wird. Normalerweise wird das Tor des Jahrzehnts nur aus den jeweiligen Toren des Jahres gewählt (zur Übersicht dieser hier entlang), doch diese Abstimmung steht zunächst für alle Tore aus diesem Zeitraum offen, weshalb Vorschläge bitte in den Kommentaren gemacht werden sollten. Im besten Falle hat das Tor allerdings irgendetwas mit deutschem Fußball zu tun, denn es soll das deutsche Tor des Jahrzehnts gefunden werden, nicht ein weltweites.

Dann mal los. Idealerweise natürlich mit einem Link zu einem Video des Tores.

1. März 2015
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Wuttke

Ja, gut, verstehen kann ich das schon, weil sie das dumme Zeug glauben, das in der Zeitung geschmiert wird, besonders in der Sportbild, das möchte ich jetzt ausdrücklich mal sagen vor der Kamera.



Eine zeitlang rief man mich beim Training „Wuttke“, weil ich die Elfmeter so zielsicher mit dem Außenrist ins linke obere Eck verwandelte. Später war ich dann der „Stig“, wegen gewisser äußerer Ähnlichkeiten. Mein Fußballspiel war aber eher inspiriert von Wuttke. Der Mann hatte so viel Ballgefühl, dass es oft wie ein Wunder wirkte, was er auf dem Platz tat. Leider auch ein Inbegriff des scheiternden Genies. Hätte eigentlich ganz oben mitspielen können, mit den Matthäus, Littbarskis dieser Zeit. Hat er aber nicht. Seine Art des Fußballs bleibt trotzdem attraktiv, elegant und ästhetisch erstklassig.

Sehr bemerkenswerter Fußball, gut anzusehen, diese Schönheit der Kunst am Ball, das zauberte immer wieder ein Wohlgefühl ins Gemüt.

Mach’s gut, Wutti, und Danke für alles.

24. Februar 2015
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21. März: Lesung beim 11mm-Filmfestival in Berlin

Wer die hier gerne kredenzte Lesung auf der Deutschland-Tour 2013 verpasst hat, erhält jetzt eine zusätzlich Chance, die „Drama Queens in kurzen Hosen“ zu hören, wenn auch nur einen Ausschnitt daraus, aber natürlich den besseren.

Am Samstag, den 21. März 2015, gibt es wieder die allseits beliebten „Drama Queens“ zu hören, in Berlin beim 11mm-Filmfestival, deren Organisatoren mich lieblichsterweise dazu einluden, zusammen mit Stefanie Fiebrig für die Gäste des 11mm eine Lesung zu halten. Sie liest aus ihrem Buch „Bring mich zum Rasen“, ich aus meinem Blog.

Der Eintritt ist frei, so wie auch unsere Texte frei übers Spielfeld „Fußball“ mäandern.

Foto: Stefan Krieger

Ab 19.30h wird dieser Mix aus Stimmen, Stories und Stadionatmosphäre im Babylon in Berlin erklingen, jede und jeder ist willkommen, selbst ein Platzsturm, aber bitte erst am Ende der Lesung. Wie immer geht es nicht nur um die Stars des Fußballs, sondern vor allem darum, was der Fußball mit einem als aktiver oder passiver Freund macht. Selbstverständlich kann man hinterher noch, wie man hier sagt: klönen, oder auf Hochdeutsch auch: sich unterhalten. Kaltgetränke inbegriffen.

Am selben Wochenende gibt es einen Tag zuvor, am Freitag, den 20.3., eine neue Ausgabe des Rösslequiz, bei der ich mich sehr freuen würde, wenn ich mich einem der Teams fürs Fußballquizzen anschließen dürfte. Die Teammitglieder kommen dann zum Dank auch auf die Gästeliste für die Lesung am nächsten Tag. Ansonsten ist das 11mm natürlich wegen seines umfangreichen Fußballfilm-Programms für die gesamte Zeit zu empfehlen.

Das Babylon Berlin findet man auf der Rosa-Luxemburg-Straße 30 in Mitte, das Rösslequiz auf der Braunschweiger Straße 51 in Neukölln.

Autogramme vis-à-vis.

24. Februar 2015
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Platzstürme FTW!

Ron Ulrich twitterte es, ich nehm es nur auf und stell es ins Blog. Weil man das wohl hierzulande nicht kennt, aber gesehen haben sollte. Tony Hibbert vom FC Everton absolvierte 308 Partien für seinen Club, ohne je ein Tor zu erzielen. Dann geschah das:



Platzstürme FTW!

Danke, Ron.

20. Februar 2015
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Ein Tag in der Turnhalle

Klar, es war kein ganzer Tag, nur ein Abend, aber ein bisschen Liebe zur Alliteration ist hier natürlich verblieben. Für Unwissende: Die Turnhalle ist die Schalker Veltins-Arena, so wird sie jedenfalls gern gedisst, eben weil man das Dach schließen kann.

Ein Angebot, das man nicht abschlagen kann, flatterte ins Haus, nämlich das Schalker CL-Heimspiel gegen Real Madrid im Stadion zu sehen, und das kostenlos. Kann man wirklich nicht ablehnen, selbst wenn man keiner der 1000 Freunde ist, die dort stets zusammenstehen, in der Stadt der 1000 Feuer, von denen an jenem Abend allerdings nur noch ein paar wenige im Abendhimmel loderten. Strukturwandel und so. Apropos Wandel, Wandel auch der Fußballwelt, das gute, alte Parkstadion ist ja schon länger Geschichte und doch war dies mein erstes Spiel in dieser nicht mehr ganz neuen, aber noch frischen Veltins-Arena.

Sitzplatz Südkurve, recht weit oben im ersten Rang, also beste Sicht auf den ausfahrbaren Rasen und die sich darauf tummelnden Akteure. Beste Sicht auch auf die Nordkurve, die den besonderen Anlass des wahrscheinlich letzten CL-Heimspiels in dieser Saison mit einer gebührenden Choreo bzw. Spruchband und Konfetti feierte. Bewegte Bilder davon hat FANartisch gepostet.



Beste Sicht auf die Nordkurve und auch auf die Spieler, von denen einer besonders herausstach, nicht optisch (Real Madrid in grässlichem leuchtenden Pink gedresst), aber qua seiner Stellung selbst bei Real Madrid. Und hätte man dies nicht gewusst, so hätten einem die Schalker Fans schon klargemacht, um wen es geht. Bei jeder Ballberührung ging ein massives Pfeifkonzert auf Cristiano Ronaldo nieder, viele standen extra auf, um ihm einen oder zwei Stinkefinger zu zeigen und die Abneigung, der Hass beinahe, war physisch spürbar, so laut wurde gepfiffen. Tosender Jubel (!) im Stadion, als Ronaldo einmal etwas härter gefoult wird, allein, es nützte nichts.

Hatten die Schalker wenigstens schon mal die ersten 10 Minuten ohne Gegentor überstanden, so blieben sie auch in der folgenden Zeit einigermaßen im Spiel, wobei trotz des Einsatzes von Klaas-Jan Huntelaar, der immer wieder anzeigte, dass er frei bzw. sein kommender Laufweg frei wäre, es im Spiel nach vorne doch recht haperte. Angesichts des aktuellen Gegners wusste man aber nicht zu entscheiden, ob es an mangelnder eigener Durchschlagskraft lag oder an der Stärke der Defensive des Gegners. Diese war aber heute durchaus nicht komplett sattelfest, wie sich in der zweiten Halbzeit noch zeigen sollte.

Allein, es nützte nichts, Ronaldo auszupfeifen, denn kurz nachdem die Schmähungen ihren Dezibel-Höhepunkt erreicht hatten, war er schneller als alle Schalker in der Luft und netzte ins quasi leere Tor ein, weil Wellenreuther etwas weiter hinten die Flanke in Empfang nehmen wollte. Wozu es nicht kam, sondern zur kalten Dusche des Rückstands. Erstaunlicherweise aber keine kalte Dusche für die Stimmung, Sekunden nach dem Tor skandierte die Nordkurve umso lauter, wer hier Heimrecht habe etc. und insgesamt war das alles schon ein sehr würdiger Rahmen für ein CL-Heimspiel.

Kritisieren muss man dann aber doch den mangelnden Mut der Schalker, in der 2. Halbzeit nicht stringenter auf ihre Chancen zum Ausgleich zu spielen. Huntelaar war verletzt ausgewechselt worden, der ihn ersetzende Felix Platte machte seine Sache aber erstaunlich gut. Ebenso erstaunlich, als selten Schalke-Sehender, dass Kevin-Prince Boateng doch noch kein alter Mann ist, der tatsächlich ein wenig ordnende Hand im Vorwärtsspiel sein kann und sogar das eine oder andere nett anzusehende Trickchen mit einstreut.

Für mich ebenfalls äußerst überzeugend: Uchida. Der in der Presse teils die Note 4 bekam, da haben manche wohl ein anderes Spiel gesehen als ich. Die eine oder andere Flanke mehr hätte es durchaus in den Strafraum sein dürfen, statt sich allzu häufig dabei blocken zu lassen, aber wer so viel Alarm gegen Real Madrid in dessen Hälfte macht, dem kann man keine unterdurchschnittliche Leistung attestieren. Oder ist er an anderen Tagen noch deutlich besser? Okay, dann ist der Gegner aber wahrscheinlich auch ein anderer.

Nicht in Champions-League-Form war hingegen der auffällig indisponierte Roman Neustädter. All das, was man eigentlich von jedem Profi erwartet, nämlich Pässe über 10 Meter in 98% der Fälle ans Ziel zu bringen sowie eine gewissen geistige Wachheit über den gesamten Spielverlauf hinweg, ließ er völlig vermissen. Immer wieder seltsam, wie eigentlich fähige Leute in solche Löcher fallen können, wie man sie in anderen Sportarten doch eher selten sieht. Natürlich ist die Präzision mit den Füßen immer eine andere als mit den Händen, aber genau deshalb spielen diese Spieler doch dort in einer Profimannschaft und nicht wir oder der Fan, der letztens meinte, dass er auch nicht schlechter als Ibisevic sei. Was natürlich völliger Quark ist, und doch sieht man dann solch einen Abend wie jenen von Neustädter.

Völlig mit dem falschen Fuß ins Spiel gegangen war auch Max Meyer, der spät eingewechselt wurde. Wie er in seinen Dribblings zwar durchkam, dann aber immer weiter dribbelte und kaum Sinnvolles zusammenstöpselte, erinnerte er in seiner Art, ein Versprechen auf die Zukunft zu sein, an Marko Marin. Der dieses Versprechen auch nie einlöste. Allerdings hat Meyer dafür noch ein wenig mehr Zeit als Marin, und an 20 Minuten gegen Real Madrid sollte man wohl nie einen Spieler messen.

Schalke traf dann zwar noch die Latte, hatte eine weitere Szene im Fünfmeterraum, als eigentlich nur noch jemand den Ball reinstochern hätte müssen, aber es gelang nicht. Stattdessen entschied ein Gewaltschuss von Marcelo fast in den rechten Winkel die Partie, da war die Messe gelesen in der Turnhalle. Sehenswert, wie das Video zeigt, auch wenn man sowas nicht sehen will in einem Heimspiel.



Ob das jetzt deutlich besser war als beim 1:6 unter Jens Keller, vermag ich nicht zu beurteilen. Offensichtlich war aber, dass Real Madrid nicht die Stärke aus jenem Schmach-Spiel mitbrachte und dann hätte man doch ein klein wenig mutiger unterwegs sein dürfen. Hinterher ist man natürlich immer schlauer, und dass man nach 9 Gegentoren in 2 Partien gegen diesen Gegner bevorzugt nicht ins Messer laufen möchte, ist verständlich. Ein Ausscheiden lässt sich aber auf diese Weise nun mal nicht annähernd verhindern.

Was ich ansonsten nicht so gut fand, war, dass die Schalker ihre Fansongs fast alle vom MSV geklaut hatten. Steht auf, wenn ihr Schalker seid und FC Schalke olé und sowas. Unproblematischer als erwartet verliefen übrigens An- und Abreise, zwar in vollgedrängten Straßenbahnen, aber sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg in positiver Fußballstimmung, auch mit eingesprenkselten Madrid-Fans, auch vielen weiblichen, dazwischen. Deren „Support“ hatte sich übrigens das gesamte Spiel über auf ein paar seltene „Madrid! Madrid!“-Rufe beschränkt. Beim ersten Hören dachte ich noch, dass Joel Matip seinen eigenen Fanclub mitgebracht hatte und die Leute würden „Matip! Matip!“ rufen. So wenige waren es jedenfalls und so schwächlich, dass man hätte annehmen können, es sei nur der private Fanclub eines einzelnen Spielers. Schon traurig, diese nicht existente Fankultur bei einem der besten und wohl dem berühmtesten Fußball-Club der Welt. Aber das zu dissen wäre auch nur das harte Brot eines Unterlegenen, der sportlich wenig zu bestellen hatte an diesem Abend. Weshalb es kein Gedisse ist, nur eine Erwähnung. Einmal sind sie dann doch aufgewacht, als Cristiano Ronaldo nach Abpfiff in die Madrid-Kurve lief und sich von den Fans vehement beklatschen ließ. Naja.

Der Herr, auf dessen Einladung ich auf Schalke weilte, schrieb zum Spiel übrigens: „Ein Spiel zum Schönsaufen“. Das ging nun aber nicht, denn an CL-Abenden gibt es kein Bier mit Alkohol in der Arena. Und das in einem Stadion, das nach einer Biermarke heißt …

Alles in allem ein sehr ansehnliches Fußballspiel in stimmungsvoller, äh, Stimmung, bis auf diese gleißende Abneigung gegen Cristiano Ronaldo. Wenn da nur das Problem nicht wäre, dass man immer schon vorher weiß, wer gewinnt und dieses Kribbeln wie vor wenigen Jahren noch einfach fehlt.

Noch mal Herr Wieland dazu:

Die Art des Spiels war die Wahl Schalkes. Schalke bestimmte, dass es ein Spiel mit wenigen Chancen werden würde. So war die Spielanlage. Bezogen darauf gewann Real Madrid vergleichsweise locker.

Leider wahr.

Was das Stadionerlebnis an sich angeht, muss ich sagen, dass mich die Turnhalle in gefülltem Zustand dann doch eher anturnt (no pun intended), als wenn man sie leer betrachtet. Letzteres ist möglich, wenn man das Schalke-Museum besucht, wie einst getan. Dann sieht sie mit den zahllosen Verstrebungen am Dach doch recht kühl aus und nicht so, als wenn man hier Fußballfeste feiern könnte. Gestern war es tatsächlich eines, wenn auch der passende Spielverlauf fehlte. Aber dass irgendwo das ganze Stadion singt, klatscht, etc., das gibt es wohl selten genug im Weltfußball. Schalke ist in Bezug darauf in Deutschland zwar nicht einzigartig, aber sicher ganz oben in Fragen der Fankultur.

Auf dem Rückweg traf ich dann auch gleich noch Mitglieder des Supporterclubs, die aus Duisburg kamen und auch mit dem Zug heimfuhren. Weiteres Fachsimpeln war also gewährleistet und die größte Sorge bestand vornehmlich darin, was wohl mit Huntelaars Verletzung sein würde. Dass man so ein 0:2 zu Hause mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis nimmt, ist ein weiteres unschönes Kapitel der dynamischen Konzentrierung der Spielstärken im Fußball, stark unterschiedlichen Spielstärken, wie gestern gesehen.

Denn so richtig anstrengen musste sich Real Madrid irgendwie nicht. Was durchaus schade war, zum Beispiel Gareth Bale hätte man doch gerne etwas öfter als nur jenes eine Mal sprinten sehen, als er im Nu von der Mittellinie zum Strafraum gerannt war, als hätte er Superkräfte. Die hatte Madrid an dem Tag nicht, aber aufgrund des Gegners wahrscheinlich auch nur nicht zeigen müssen.

Blog-G war übrigens auch vor Ort und hat ein paar Fotos und auch Worte.

19. Februar 2015
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Murmeltierleben

Buzz Aldrin wurde nicht mehr besonders glücklich in seinem Leben, sagte er jedenfalls selbst, nachdem er auf dem Mond war. Wohl nicht todunglücklich, aber er sei zu jung gewesen, um den Mond zu verarbeiten. Er nannte alles, was danach kam, die „Melancholie der erfüllten Aufgabe“. Und natürlich musste er immer wieder nur über dieses eine Thema sprechen. Es muss ein Fluch sein, nur noch auf ein Thema, eine Handlung in seinem Leben reduziert zu werden.

Wobei dann verwundert, dass so viele der Fußballer, die wichtige Titel erreichten oder auch eine erfolgreiche Gesamtkarriere hinlegten, nie von dieser Melancholie sprechen. Vielleicht empfinden manche sie, ziehen sich zurück, wie Helmut Rahn, wie einige andere, aber äußern sie nicht. Oder ihnen fehlen auch einfach nur die Worte dafür.

Denjenigen, die immer und immer wieder gerne die selben Geschichten erzählen — manche machen gar wie Ente Lippens mit seinem Restaurant, gespickt mit seinen Bonmots, ein Geschäft daraus — die man ständig zu ihren besonderen Taten hört, merkt man zumindest vor der Kamera keine Melancholie oder auch nur Genervtheit an. Nicht vorhanden oder schlicht professionell? Hier stellt man sich das ewigwährende Erzählen des Immerselben, aber vor allem das Fehlen von Aufgaben als die wahre Hölle vor. Weltmeistersein hin oder her, Mann auf dem Mond gewesen sein, hin oder zurück. Ein chinesisches Sprichwort lautet, dass man seinem Feind vor allem eins gönne: dass all seine Wünsche in Erfüllung gehen. Dann lebt man nur noch in der Vergangenheit, streift ziellos durch den immer wieder nächsten Tag, der doch immer nur ein Tag nach dem Erreichten ist.

Horst Eckel ist heute noch nur dieser eine Tag in Bern, Helmut Rahn wird aus bekannten Gründen nicht mehr gefragt, andere schaffen sich neue Aufgaben, wie Uli Hoeneß oder wie Jürgen Klinsmann, andere schaffen wohl die Distanz zu diesem Thema, wie Bodo Illgner oder all jene, welche irgendwelche anderen Berufe ergreifen. Dass aber jemand einmal diese „Melancholie der erfüllten Aufgabe“ erwähnt hätte, ist aus dem Fußballmilieu nicht bekannt, obwohl es deutlich mehr Weltmeister als Männer auf dem Mond gibt.