18. Oktober 2017
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Warum heißt der Club „der Club“?

Schon erstaunlich, dass man bereits x Jahrzehnte Fußball in Deutschland verfolgt und trotzdem einige derart offen ins Auge fallende Besonderheiten immer noch nicht geklärt sind. Wie die folgende zum Beispiel.

Man muss ja nicht immer nur Fragen beantworten hier, kann ja auch mal welche in die Runde werfen. Heute kam in einem Zwiegespräch die Frage auf, wieso der 1. FC Nürnberg eigentlich „der Club“ heißt, wenn es doch allerorten Sportvereine gibt, die die Bezeichnung „Club“ im Namen tragen.

Dass das nicht nur eine mit einigem Stolz durch die Fans verwendete Bezeichnung ist, „der Club“, also der einzige, der größte, der Club schlechthin zu sein, zeigt eine Aktion des Vereins, äh, des Clubs aus dem Jahr 2012, welche übrigens auch hier unbemerkt komplett vorüberging, weshalb sie hier auch Erwähnung finden soll. In der Vorbereitung auf die Saison 2012/13 fehlte dem 1. FC Nürnberg noch ein neuer Trikotsponsor. In der Phase, bis ein solcher gefunden wurde, ließ man seine Trikots aber nicht unbeflockt, sondern trat tatsächlich mit dem Schriftzug „Der Club“ auf den Trikots auf die Trainingsplätze. Nachzusehen hier oder hier, kein Fake, ehrlich nicht.

Offenbar bezeichnet sich also „der Club“ wirklich selbst als „der Club“. Doch woher kommt diese Eigenart? Verratet es mir.

9. Oktober 2017
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Sehenswerte Doku: 100 Jahre Schalke

Das 100-jährige Jubiläum des FC Schalke 04 ist naturgemäß schon eine Weile her. Das macht diese sehr ausführliche – 120 Minuten! – Dokumentation von Franz Bürgin über diese 100 ersten Jahre Geschichte des FC Schalke 04 aber nicht weniger sehenswert. Wenn ausnahmsweise mal kein Fußball im Fernsehen läuft (wobei man heute natürlich Island gegen den Kosovo die direkte WM-Teilnahme sichern sehen will), ist diese eine spannende wie lehrreiche Alternative.

Viele Zeitzeugenberichte, natürlich von all den Schalker Helden:

  • Ernst Kuzorra
  • Fritz Szepan
  • Willi Koslowski
  • Berni Klodt
  • Günter Siebert
  • Klaus Fichtel
  • Rolf Rüssmann
  • Mike Büskens (auch hier im Podcast)
  • etliche weitere „Eurofighter“

… und viele mehr.

Dazu viele Fotos aus jener Zeit zu den Geschichten, die man meist kennt, aber keine (bewegten) Bilder dazu hat. Und ab den 1930ern dann eben auch bewegte Bilder. Mehr als die Geschichte eines Clubs, sicher auch eine deutsche Geschichte und eine Geschichte des Fußballs. Zudem kann man herrlich entspannt zuhören, bleibt von allem Marktschreierischen – außer bei manchem Spielausschnitt – verschont. Wie es ja selbst in der Geschichte dieser Skandalnudel Schalke 04 immer auch leise Zwischentöne gab …

3. Oktober 2017
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Die Unendlichkeit der Möglichkeiten – #f95msv

Das Problem beim Fußball ist seine Unberechenbarkeit, die Unmöglichkeit, seriös vorherzusehen, wie sich ein Spiel entwickeln wird. Was es auch leider zu einer ziemlich diffizilen Angelegenheit macht, eine Partie mit Geschick auszuwählen, mit deren Besuch man jemanden für den Fußball begeistern möchte. Jemanden, für die oder den Fußball bislang ein weißes Blatt ist, ein wenig geprägt von WM-Eindrücken und Schlagzeilen über Ultras oder Gewalt in Bahnhöfen und Zügen. Die oder der sich aber durchaus für den Fußball begeistern lassen wollen würde, keineswegs ginge es in diesem Fall um ein Missionieren, sondern um ein offenbar aufrichtiges Interesse daran, was denn die Faszination dessen ausmacht, anderen dabei zuzusehen, wie sie Sport treiben, anstatt dies selbst zu tun. Anstatt selbst einen Triathlon zu gewinnen oder eine Schachpartie, Aktionen, bei denen man schließlich tatsächlich in persona gewinnt und nicht nur passiver Beobachter ist. Gestern wäre eine solche, für diesen Zweck optimale Gelegenheit gewesen, doch weiß das eben niemand vorher. Chance vergeben, Chance vertan. Was auch in anderer Hinsicht charakteristisch für dieses Spiel war.

Eine exzellente Kulisse aus knapp 42.000 Zuschauern – mehr als der Zuschauerschnitt in der 1. Bundesliga beträgt –, die sich auch noch dadurch auszeichnete, dass eine besondere Rivalität zwischen beiden Parteien gepflegt wird und bedingt durch die räumliche Nähe ein nicht geringes Kontingent an Anhängern des auswärtigen Clubs anwesend war. Diese Rivalität mag man als Außenstehende vielleicht als eher weniger attraktiv empfinden; sie trug aber sicher nicht unwesentlich zum Reiz der anfänglichen Atmosphäre bei. Und doch hätte es nicht eines Jota dieser Rivalität gebraucht, um diese Partie als Einsplusmitsternchen geeignet dafür zu beurteilen, jeden Fußball-Neuling davon zu überzeugen, dass dieses kulturelle Phänomen, zu Tausenden auf seinen Schalensitzen zu hocken und Lieder zu singen, während erwachsene Männer sich um einen Ball streiten, eine Qualität besitzt und Faszination vermittelt, welche sich eben nicht darauf begrenzen, einfach Anhänger einer der beiden Seiten zu sein, geschweige denn sich an der feinen Spielkunst der immerhin einigermaßen besten Fußballspieler des Planeten zu erfreuen. Das kann man auch im Fernsehen und das kann man mittlerweile sogar selbst auf einer Spielkonsole, ohne es tatsächlich zu beherrschen. Doch die Spielkunst an sich ist eben nicht das, was diese Magie ausmacht.

Es ist dieses immer wieder 90 Minuten plus x dauernde Theaterstück, welches an beinahe allen bewohnten Orten des Planeten regelmäßig wieder aufs Neue inszeniert wird, während sein schließlicher Verlauf eben völlig unvorhersehbar ist. Ohne dass irgendjemand tatsächlich aktiv den Plot geschrieben hätte, entwickelt jedes Duell seine eigene Geschichte, und ohne jetzt langweilen zu wollen, weiß jeder Fußballfan, ist dieser in den meisten Fällen genau das: langweilig. Fußball ist langweilig, das hatten wir hier schon öfter auf der Seite, keine neue Erkenntnis, eindrucksvoll aber noch mal bewiesen durch die Freitags- und Samstagsspiele der 1. Bundesliga an diesem Wochenende.

Und bei den diesmal beteiligten Mannschaften war trotz der vielen Gegentore der einen Seite zuletzt nicht unbedingt davon auszugehen, dass man schließlich ein Feuerwerk außerordentlichster Kategorie erleben würde. (Auf dem Rasen wohlgemerkt, Pyro hat genauso wenig mit dem Spiel oder auch nur interessanter Atmosphäre zu tun wie die von Einfältigen gezündeten Böller.) Was sich dann innert dieser 90 Minuten entwickelte, war aber ein Schauspiel Shakespeare’schen Ausmaßes. Vielleicht sogar noch darüber hinaus, wird dort doch vielleicht auch viel gemordet, man zählt aber nicht gleich 46 (!) Abschlüsse in 90 Minuten. Eine Zahl, die mehr als anschaulich einen Eindruck von der Wahnwitzigkeit des Verlaufs dieser Partie vermitteln sollte. Liegt dieser Wert sonst irgendwo bei 5 bis 15 pro Partie, erreichte er hier das Dreifache dessen. Und genauso fühlte es sich auch an: als würde man gleich drei Partien innerhalb von 90 Minuten erleben. Diese Intensität mögen Taktik-Feinschmecker auch als vogelwild oder als eben gerade nicht von Fußballkunst, sondern von der Abwesenheit eines der wichtigsten Elemente im Spiel geprägt interpretieren: jener, sein Tor zu verteidigen.

Doch wenn in den ersten 12 Minuten schon mehr vor beiden Toren passiert als sonst in einem gesamten Fußballspiel und die Partie danach keineswegs – wie es allzu oft der Fall ist – erlahmt, dann war man eben Zeuge eines Spiels, das es in dieser Intensität nur alle paar Wochen mal gibt. Ja, richtig gelesen: alle paar Wochen. Man sollte sie nicht zu sehr überhöhen, schließlich kann eine Partie auch ebenso ein fesselnder Hitchcock-Thriller sein, ohne dass überhaupt je aufs Tor geschossen wird. Doch ist Letzteres der Fall, ist meist großes Gähnen angesagt und man weiß dann, dass man zwar gerne Eintritt zahlte, gerne an diesem Roulette, den ein Besuch eines Fußballspiels immer bedeutet, teilnahm. Leider aber eine der schlechteren der unendlich denkbaren Möglichkeiten des Verlaufs eines Fußballspiels erwischt hat.

Gestern war es eines jener Spiele, wie oben gesagt, die ein Einsplusmitsternchen verdienten, selbst wenn man die etwas eingefärbte Brille des Verfassers abnimmt. Denn wenn ein Spiel derart mit Höhepunkten vollgepfropft ist, dass die Zuschauer, obwohl nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird, völlig besoffen nach 90 Minuten auf der einen Seite erschöpft in ihre Sitze sinken und auf der anderen Seite ausgiebig rheinisches Sangesgut zum Besten geben, dann ist das ein doch so seltenes Ereignis, dass man es wirklich herzlich bedauern muss, nicht gerade zu dieser Partie Fußball-Neulinge mitgenommen zu haben.

Immerhin, jede und jeder Anwesende wird diese Feierstunde des Fußballs für ein paar Stündchen mit in den Alltag genommen haben, mit ins eigene Leben, weil man als rasendes Publikum nicht nur stummer Zeuge eines Stückes dieser methalostonen Ausmaße war, sondern eben auch Teil dessen, wenn auch nicht auf dem Platz. Wären die Vorhersagen darüber nicht so unmöglich, wann sich ein solch brillantes Fußballspiel ereignet, hätte der Fußball sicher noch mehr Freunde, die sich bei ihrem ersten Spiel gleich von solch einem infizieren lassen könnten. Vom nächsten 0:0 im Nebel, mit 2:3 Ecken und ebenso vielen Torschüssen, bei uninspiriertem Dauergesang, lässt sich wohl kaum jemand mitreißen.

Zum Glück aber gibt es diese Sternstunden und wenn sie auch selten sein mögen: so selten wie ein Lottogewinn sind sie nicht. Und so bleibt nach Abpfiff – neben dem Abklemmen des Herzschrittmachers, den man hier eigentlich gebraucht hätte – vor allem eins: dass die möglichen Geschichten, die Spielverläufe erzählen können, weiterhin unendlich bleiben und immer wieder derartige Glanzstücke wie in dieser Partie hervorbringen. Man muss nur das Glück haben, dabei gewesen zu sein, bei so einem Spiel wie #f95msv, das allen vorherigen Partien in dieser Saison zeigte, wie Fußball auch immer wieder sein kann: atemberaubend.

18. September 2017
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L‘amour en France

Ich wählte Latein.

Als es in der 7. Klasse darum ging, ob man Französisch oder Latein wählte, wählten nur die, die von den Eltern gezwungen wurden, Französisch. Wer will schön Französisch lernen? Es klingt alles total komisch und kein Wort wird so geschrieben, wie man es spricht. Außerdem singt außer Francoise Dings niemand auf Französisch. Popmusik ist Englisch. Latein hingegen würde man sicher später an der Uni brauchen. Und man müsste auch nicht mit den Schülern aus der Parallelklasse (wir hatten nur eine) zusammen bei doofen Lehrern Französisch lernen.

In der 9. musste man es dann aber sowieso dazunehmen und obwohl kein gänzlich unmotivierter Schüler, habe ich in den gesamten zwei Jahren Französisch eigentlich nichts gelernt außer „links“ und „rechts“ und „la rue est grise et triste“. Und Gemüse. Und Plattenspieler. Aber viel mehr Worte kannte ich nicht, als die Schule vorschlug, einen Schüleraustausch mit der Partnerschule zu machen. Da war ich sofort dabei, ich wäre auch nach Timbuktu gegangen, denn Schüleraustausch hieß: zwei Wochen keine Schule, also keinen Unterricht. Außerdem wollte man ja was erleben.

Abenteuer.

Dass unsere „Partnerschule“ der unsrigen allerdings so gar nicht glich, hatte man uns nicht erzählt. Wir kamen aus der „Stadt“, zumindest bildeten wir uns das ein. Als ich Jahrzehnte später durch einen Nebenjob neben der Uni an diese, meine Schule für psychologische Forschungen zurückkehrte, sagte mir ein Lehrer: „Hier passiert nichts, hier ist ja auffem Land.“

Das empfanden wir aber damals überhaupt nicht so, schließlich fuhr der Bus nach Düsseldorf, wo man auf der Kö stolzieren und gucken konnte, was man sich alles nicht leisten kann, nur 90 Minuten, über Meerbusch und dann fuhr man da einmal im Monat hin und versuchte, Schnäppchen zu machen. Geile Klamotten, möglichst mit Markennamen drauf, weil dieser Druck schon existierte. Ich las letztens Generation Golf, und erkannte mich in vielen Dingen wieder. Lamy oder Dings. Alles war an der Oberfläche und ich glaube, Tschernobyl noch nicht passiert. Oder doch, ja, aber Gemüse aß ich eh kaum, also gab es auch kaum Einschränkungen.

Also angemeldet für den Austausch, freiwillig. Die Eltern fanden es ohnehin gut, hach, der Junge interessiert sich ja für so viel. Eigentlich interessierte ich mich für gar nix außer Rock‘n‘Roll, was zu meiner Zeit The Cure und Joy Division und The Smiths hieß und … äh, ja, Mädchen. Das immerhin hatte irgendwann in der Zeit davor begonnen und ich fand Mädchen so mysteriös anziehend. Weiterlesen →

15. September 2017
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Der „Club“, der stets verneint

Alle Jahre wieder reist der „Club“ an die nach Wedau, doch fast alle Jahre wieder gibt es für ihn dort wenig zu holen. 23x trat er in Pflichtspielen beim MSV Duisburg an, nur 3x konnte er gewinnen, verlor satte 15x. Erstaunlich, dass sich doch immer wieder so viele Fans der Glubberer auf den Weg machen, um ihrem Team beim Verlieren zuzusehen. Aber man kennt das ja, als Fan lebt man immer von der Hoffnung, die, 2 Groschen ins Schweinderl, stets zuletzt stirbt.

Zuletzt allerdings gewann der 1. FC Nürnberg im DFB-Pokal beim MSV Duisburg vor wenigen Wochen mit 2:1. Damals war der Sieg sicher nicht unverdient, der MSV deutete aber schon an, dass er ein anderes Team als noch vor Zweijahresfrist sein würde. Jetzt ist der „Club“ wieder Gast, genauer gesagt am Samstag. Aus diesem Anlass, dem Zweitliga-Spiel ab 13 Uhr, gaben Alexander Endl von Clubfans United und meine Wenigkeit uns mal wieder dem nur noch Älteren bekannten Brauch hin, vor einer Partie Kenner des Gegners des Vereins des eigenen Blogs/Magazins zu befragen.

Heraus kam nicht nur ein klassisches Prä-Spiel-Interview. Da Alexander mit seinen Fragen inhaltlich ein wenig ausschweifte, kommen auch andere, generelle Aspekte im Fußball zur Sprache, die sich gerade wandeln. Hier geht’s zum Interview mit Clubfans United.

9. September 2017
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Das neue „Duisburg-Lied“

Obacht, Lokal-Content, wer nicht mag, einfach (woanders) weiterlesen.

Wer öfter ins hiesige Stadion geht, kennt das „Duisburg-Lied“ als jenes, welches einst der auch heute noch grandiose Peter Közle und der damalige Stadionsprecher Bülent Aksen aufnahmen. Das läuft auch immer noch vor Anstoß, meistens jedenfalls.

Philipp Eisenblätter hat aber jetzt ein neues Duisburg-Lied geschrieben, welches ohne das Video wohl nur halb so gut wäre – und dennoch sehr den Zeitgeist trifft. Endlich gibt es eine Antwort auf den Song der elendigen „Bandbreite“, der zwar für sich genommen nicht unbedingt verkehrt war, qua seiner Urheber aber ein absolutes No-Go ist. Dieser neue Song klingt ein bisschen nach Element of Crime, und die ganzen Szenen im Video zum Song weiß man wohl auch nur zu schätzen, wenn man von hier wech kommt. Wie dem auch sei, ein gelungenes Stück, am blauen Büdchen, an der Mühlenweide und so weiter aufgenommen. Bei mir umme Ecke eben.

Und ach ja, der MSV Duisburg kommt auch drin vor, wenn auch nur visuell. Weshalb das Lied auch hier ins Fußballblog passt. Allein dafür lohnt es sich nämlich. Und nein, das trifft sonst allgemein nicht meinen Musikgeschmack, aber wer nimmt schon ein Musikvideo in Ruhrort und an der Sechs-Seen-Platte auf … und am Wedaustadion.



15. Juli 2017
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Das andere peinlich

Früher (jetzt kein „TM“) hab ich gerne den Kicker gelesen. Ich hatte kein Abo, wie LizasWelt seit Jahr und Tag, aber ich hab ihn mir immer mal wieder gekauft. Das war kurz nach dem Abi, kurz, nachdem ich meine erste Email ever schrieb (1995 an Sebastian A**) und immer hoffte, vielleicht antwortet mir ja irgendjemand, obwohl ich niemandem außer den alten Haudegen aus der Abi-Stufe überhaupt meine Email-Adresse gegeben hatte. Und worauf hätten sie überhaupt antworten sollen, wenn ich selbst nie etwas schrieb? Ich las meistens. Gerne den Kicker, weil da drin stand, was so „los ist“ in der Bundesliga. Geschämt hab ich mich dann, als ich nach dem Zivi zur Uni ging und da immer noch den Kicker las. Ich studierte xy, da waren sehr viele Mädchen Frauen dabei (nein, kein Laberfach, eine Naturwissenschaft), Fußball war so ungefähr das letzte, mit dem man diese beeindrucken konnte. Also stopfte ich mir den Kicker immer so andersrum in die Tasche, dass es so aussah, als könnte es auch eine normale Zeitung sein. Auf dem Heimweg beim notgedrungen nötigen Pendeln versuchte ich immer zu vermeiden, dass jemand erkennen könnte, dass ich den Kicker las. Nicht, weil der Kicker schlecht war, damals, sondern weil ich mich nicht outen wollte. Ja, ich war heimlicher Nationalmannschaftsgucker, ich guckte Deutschland gegen Georgien. Deutschland gegen Island. Als beide Gegner wie auch „die Mannschaft“ weit davon entfernt waren, irgendwie sowas wie cool zu sein. Ich war heimlicher Gucker in jenen Zirkeln, oh, Du hast Deinen Adorno immer noch nicht verstanden? Nein, ich musste Deutschland gegen Portugal gucken. Ich hab mich – in diesen Kreisen, nicht zu Hause im Fußball – immer geschämt. Oh mein Gott, Fußball, das uncoolste, was es gibt. Ja und? Ich mag es halt. Es interessiert mich.

Dann kam die WM 2006.

Danach war alles anders.

Auf einmal fluteten Menschen mein Metier, von denen ich nicht im Entferntesten gedacht hätte, dass sie sich überhaupt (abgesehen von all der Problematik damit) jemals mit diesen drei Streifen auf der Backe zeigen würden. Die verkackte Nationalmannschaft kam im Mainstream an. Man weiß, wie das Gefühl ist, wenn die Band, die man schon ewig kennt und hört, auf einmal Erfolg hat und jeder andere Hippo erzählt einem auf einmal, wie geil diese Band ist. Ja, man, lass, ich kenne sie doch schon ewig. Ich hab es mir nicht gewünscht, dass Fußball auf einmal im Mainstream ankommt.

Jetzt ist es mir peinlich, dass ich mich für Fußball interesserie, wo jeder Hinz und Kunz zuschaut. Jetzt muss man sich rechtfertigen: „Jede/r schaut Fußball, das ist doch völlig banal, Du etwa auch?“ Jetzt ist es nicht mehr cool, Fußball zu schauen oder sogar irgendwas anderes, jetzt ist Fußball nah am Familien-Tattoo. Jeder mag es, jeder labert darüber. Es ist Mainstream geworden, ein belangloses Gesprächsthema auf einer Grillparty. Man kann nur noch kotzen über die x-te Choreo der Champions League, man hasst die Reinkarnation Blatters, Infantino, mit Inbrunst und alles ist so dermaßen langweilig, wie die Tattoos der Spieler. Die Krönung ist wirklich, dass sich gerade in jener Zeit, in der der Fußball im Mainstream ankam, er sich selbst abgeschafft hat, indem die Champions League auch die nationalen Ligen ruiniert hat. Aber das wiederum interessiert ja keinen. „Du guckst wirklich (immer noch) Fußball?“ OMG, Du hast ja wirklich gar keinen Stil mehr.

Ja, ich schaue weiter Fußball, aber es wäre mir lieber, wenn es mir so peinlich wie früher wäre und nicht so wie heute. Wenn ich könnte, wählte ich das andere peinlich.

30. Mai 2017
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Neunzehnhundert olé!

Irgendwie kam das letztens mal bei Twitter zur Sprache. Jetzt brauchen wir Butter bei die Fische.

Eure Aufgabe: nennt jeweils einen Club, der ein Gründungsjahr im Namen führt, jeweils aufsteigend. Wird sicher schwer bezüglich der beiden Weltkriege, die wir alle zum Glück nicht miterleben mussten, aber es sollte nicht unmöglich sein.

Wer dran ist, muss jeweils einen Club finden, der die nächsthöhere Jahreszahl im Namen führt.

Den Anfang macht der Meidericher SV Duisburg 02.

Wobei wir den Club mit der 01 auch noch suchen. Aber dann Ihr! Jeweils aufsteigend. Und ja, das ist Nerdtum par excellence, aber dafür sind wir doch hier.

Also, wie heißt ein Fußballclub mit „03″ im Namen, dann „04″ (jaja) und so weiter.

16. Mai 2017
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ER ist wieder da!

Janus' kleine Welt Naja, fast. Der große janus, der lange Zeit als ausgemachter Kenner Fortuna Düsseldorfs und der Deutschen Bahn, welche er auf der Anreise zu den jeweiligen Auswärtsspielen lieben lernte, in die Tasten griff. Er ist wieder da. Wie gesagt: aber nur fast. Denn erstmal ist nur seine alte Seite wieder da. 10 Jahre Texte über die Zeit mit Fortuna in der Oberliga, der Regionalliga, der 3. Liga und der 2. Bundesliga. Just, als Fortuna Düsseldorf nach Jahren der Abstinenz wieder in die 1. Bundesliga aufgestiegen war, stellte janus sein Schaffen ein.

Wer ihn lesen mochte, musste nun auf seine Bücher zurückgreifen. Doch seit ein paar Tagen stehen alle seine Beiträge wieder kostenlos online – und insbesondere sind die „Nostalgischen Erinnerungen“ zu empfehlen, bei denen man mit janus zu Spielen auf die Färöer, nach Island oder zu den diversen WM und EM jener Zeit reisen kann.

Und wie er selbst auf der Begrüßungsseite schreibt, schließt er es zumindest nicht völlig aus, dass er mal wieder etwas schreibt. Vorerst aber kann man sich wieder durch diese herrlichen Texte wühlen:

januskleinewelt.de

13. Mai 2017
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Ein Erdbeben-Test

Einmal musste ich in Rheinhausen in ein Internet-Café. Das war in der Prä-Smartphone-Zeit. Rheinhausen ist ein Stadtteil von Duisburg, wobei das genau genommen nicht so stimmt. Eigentlich ist Rheinhausen eine eigenständige Stadt, nur eine Kommunalreform im Jahr 1975 hat diese eigenständige Stadt nach Duisburg eingemeindet. Wie das so ist, mit alten Grenzen, die physisch gar nicht existieren, nur in den Köpfen und dort aber für immer leben, so lange durch die Köpfe noch Blut fließt, die an jüngere Generationen eher implizit als explizit vererbt werden, fühlt man sich in Rheinhausen (ca. 77.000 Einwohner, durchaus fast eine eigenständige Großstadt) nicht so wirklich als Duisburger, wenn man auch aufgegeben hat, auf seiner eigenen administrativen Unabhängigkeit zu bestehen. Anders als im ewigen Kampf von Wattenscheid gegen Bochum beispielsweise.

Rheinhausen ist jedenfalls eine Stadt, die mal extensiv in den Schlagzeilen vorkam, bundesweit, weil hier ein Stahlwerk von Krupp dicht gemacht werden sollte, woraufhin alle Stahlarbeiter in Streik traten und u. a. die von Duisburg nach Rheinhausen führende Rheinbrücke wochenlang blockierten. Wie sie überhaupt vieles blockierten. Was aus heutiger Sicht befremdlich wirkt, mag damals ein Weg gewesen sein, seiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, wahrscheinlich eher seiner Angst als einer Hoffnung. Viele solidarisierten sich, Stahl- und Kohlearbeiter aus Dortmund oder sogar aus dem Saarland rückten an, um die Streikenden zu unterstützen, wirklich, wie gesagt kaum nachzuvollziehen heutzutage.

Wenn sich etwas überlebt hat, warum sollte es man dann noch künstlich am Leben erhalten? Husch, husch, schnell neue Jobs gesucht, neue Firmen gegründet, weiter im Leben.

Aber so war die Mentalität damals nicht, man kannte es eben kaum, dass man überhaupt einmal in seinem Leben seinen Arbeitsplatz bzw. -geber würde wechseln müssen, wenn man einmal bei einem der Großen gelandet war. Thyssen, Krupp, Bayer, you name it, wer einmal drin war, wurde auch mit deren Firmenlogo beerdigt. Sozusagen.

In Duisburg hat man die damals blockierte Brücke dann flugs umbenannt in „Brücke der Solidarität“. Als hätte auf der Straße rumstehen und dagegen protestieren, dass die eigene Firma nun mal mit so vielen unproduktiven Fritzen international nicht konkurrenzfähig ist, etwas mit Solidarität zu tun. Sie haben sich doch einfach nur alle in die Hose gemacht, ahnten noch nicht, dass alle Blumen in ihrem Schlaraffenland schon längst verwelkt waren, aber damals war das normal, dass man sagte: Nee, hier bin ich kurz nach der Schule in die Lehre gegangen, hier will ich auch bis zur Rente bleiben. Flexibilität war ein Fremdwort. Wie das vom Smartphone eben auch.

Und solche gab es noch nicht, als ich in ein Internet-Café in Rheinhausen musste. Ich musste, weil ich irgendetwas Wichtiges für einen Job, den ich gerade im Feld erledigt hatte, per Email übermitteln musste. Rheinhausen galt damals schon als finster, so lange ist es auch noch gar nicht her. Kurz reingehuscht und meine Email getippt, dachte ich. Doch da hatte ich die Rechnung ohne den großen Fernseher an der Wand gemacht, der gerade ein Spiel von Galatasaray übertrug (vielleicht war es auch Fenerbahce).

Während ich an einem der wenigen Rechner in diesem Internetcafé saß und vor mich hintippelte, lief auf dem großen Fernseher an der Wand die Übertragung eines Spiels von Galatasaray (oder Fenerbahce). Die im Internetcafé versammelte Menschenmenge an offensichtlich türkischstämmigen – ausnahmslos männlichen – Menschen wurde immer größer. Wer der Gegner war, vermochte ich anhand der eingeblendeten Mannschaftskürzel nicht zu sagen.

In jedem Fall schien es äußerst wichtig zu sein, wie diese Partie ausging, denn die versammelte Fangemeinde ging nicht nur mit und raufte sich wortwörtlich bei jeder vergebenen Chance die Haare, es gab auch Szenen, in denen Fans mit der blanken Faust auf zufällig unschuldig herumstehende Tische schlugen. Das allgemeine Gebrabbel, aber vor allem Mitgefiebere wurde immer größer, bis ich kaum noch meine eigenen zu tippenden Worte verstand, obwohl ich dafür nur meine Finger auf der Tastatur bewegen musste. Die Zeit drängte, die Deadline rückte näher, ich konnte nicht weiter herausfinden, wer da gegen wen spielte.

Dass es hoch und heiß herging, war aber nicht zu überhören, die vor dem TV versammelte Menschenmenge raunte immer lauter, jede auch nur halbe Chance wurde mit intensiven Flüchen begleitet, so laut, dass man alleine davon schon fast Tinnitus bekam. Die angefragten Daten flogen immer langsamer in die Email, so sehr zischte und rauschte es durch den Saal, der eigentlich nur aus einer kleinen Bude bestand.

Hin und her ging es wohl nicht in diesem Spiel, doch umso mehr Chancen das angefeuerte Team vergab, desto dringlicher seufzte die Menge, rief Allah an und verzweifelte auch mit allen sonstigen Komponenten ihres Körpers. Einige liefen nach vergebenen Chancen nach draußen, ich wartete nur darauf, dass einer eine Pistole zückte und vor Verzweiflung in die Luft schösse.

Ich tippte und tippte auf der Tastatur, bald war das Ende der Dateneingabe schon abzusehen, da, als hätte man es komponiert, fiel dann doch noch das Siegtor für die angefeuerte Mannschaft. Die ganze vorher erlebte Spannung entlud sich in einem orkanartigen Jubel, von dem ich annahm, dass er rein durch seine physische Gewalt alle gerade von mir eingegebenen Daten vernichten würde. Dem war aber nicht so, stattdessen liefen die Zuschauer, Fans, aufgeregt durch den Laden und jubelten, einer verpasste mir einen Kuss auf die Wange und ich dachte, sicher wäre hier gerade die Vorentscheidung in der Meisterschaft gefallen. Zum Glück war meine Email gerade fertig.

Ich klickte auf Senden, drängte mich zum Kassierer durch und sagte: eine Stunde Internet. Macht 2 DM, ok. Beim Rausgehen frage ich einen der Jubelnden, was das denn für ein Spiel gewesen sei.

„War nur ein Testspiel.“

7. Januar 2017
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Ode an Norbert

Jede Mannschaft auf der Welt
braucht nen Norbert, das ist klar
ob Dickel, Meier, Eilenfeldt
Nigbur, Nachtweih, Ringels, Dronia
Janzon, Wagner oder auch Eder
ohne ’n Norbert wird es schwer

3. Januar 2017
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Ein Tag im Deutschen Fußballmuseum

Das Kaffeeservice.

Mitten im Zentrum von Dortmund, direkt vor dem Hauptbahnhof, steht ein angeschrägter, überdimensionierter Schuhkarton. Darin befindet sich das vor Kurzem eröffnete Deutsche Fußballmuseum. Während man in England die Fans des dortigen Fußballs kostenlos die im Falle der Nationalmannschaft zugegebenermaßen deutlich wenigeren Trophäen bestaunen lässt, muss man in Dortmund so viele Euro berappen, wie eine Halbserie in der Bundesliga Spieltage hat: 17 Euro kostet der Eintritt für einen Erwachsenen. Ein äußerst stolzer Preis für ein Museum. So viel kostet nicht mal das Deutsche Museum in München (11 Euro) oder das Louvre in Paris (15 Euro) und Mona Lisa gibt es in Dortmund definitiv nicht zu sehen.

Dafür allerdings über 1.600 Exponate, zudem viel Multimediales und reichlich Informationen. So reichlich, dass die an diesem Tag eingeplanten vier Stunden nicht ausreichten, alles zu erfassen, alle Videos zu sehen und alle ausliegenden weiterführenden Informationen zu ergründen. Wer beabsichtigt, diesem Schuhkarton einen Besuch abzustatten und ernsthaft an allen Inhalten interessiert ist, sollte also sicher eher sechs Stunden und vielleicht sogar noch mehr kalkulieren. Immerhin, für die stolzen 17 Euro bekommt man so also auch sehr dichte Inhalte geboten, wenn man sich denn an den einzelnen Stationen auf diese in aller Tiefe einlässt.

Zunächst muss man beim Einlass aber alle Taschen und auch Jacken (!) abgeben dazu später noch mehr bevor man das Museum nach Kauf einer Eintrittskarte betritt. Diese sollte man schlauerweise ohnehin schon vorher im Internet erworben haben. Das ist erstens etwas günstiger und zweitens ermöglicht es die kostenlose An- und Abreise innerhalb des VRR, was angesichts der Lage des Museums nur wenige Meter vom Dortmunder Hauptbahnhof entfernt ratsam und je nach Distanz dann auch deutlich günstiger ist.

Man beginnt in der oberen Etage der beiden mit Ausstellung belegten Stockwerke. Im Erdgeschoss befinden sich ein Café, ein Geschäft für Sportkleidung und ein kleiner Hallenfußballplatz. Die oberste und erste zu durchschreitende der beiden Etagen ist völlig der deutschen Nationalmannschaft sowie der Entwicklung des DFB gewidmet. Die zweitere dann den Bundesligen sowie den Europapokalen und den Fans des Fußballs.

Als Erstes wird man von 11 Herren in Lebensgröße begrüßt. Es sind jene Elf na, wer kann sie aus dem Gedächtnis alle aufsagen, die Klasse?, die Klasse? welche das Wunder von Bern erreichten, ob nun mit Hilfe von Panzerschokolade oder ohne, wurde nicht diskutiert. Dafür gibts als Aperitif schon mal schöne Devotionalien aller elf Spieler im Zusammenhang mit der WM 1954. Nebenan wird eine Zusammenfassung des Finales in einem Fernseher aus jenem Jahr gezeigt. O Schreck, O Graus es gab nicht nur das Abseitstor von Ferenc Puszkas noch nach dem 3:2 von Helmut Rahn, in der ersten Halbzeit trafen die Ungarn auch einmal per Weitschuss den Innenpfosten. Toni Turek war also nicht nur ein Teufelskerl, er war sogar mit diesem im Bunde. Weiterlesen →

16. Dezember 2016
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Hattrick in Paradoxistan

[…] führte Samoura aus, dass mehr WM-Plätze den kleinen Nationen innerhalb des Weltverband enorm helfen würden.

„Wir werden die Qualität nicht verwässern“, sagte Samoura und nannte die EURO 2016 in Frankreich, bei der erstmals 24 Nationen am Start waren, als positives Beispiel.

(Hervorhebungen von der Redaktion.)