„Das klappt gar nicht“, sagt Jorginho

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Wahrscheinlich hat jeder schon überall gelesen, wie es in den letzten Tagen in Brasilien wieder zugeht und wo der Zorn der Massen herkommt. Davon erzählt auch der erste Teil dieses Textes im Tagesspiegel.

Recht unbekannt dürfte aber jener zweite Teil des Textes sein, wie der ehemalige Bundesliga-Star Jorginho mit seiner Fußballschule in Rio de Janeiro und einer nach kurzer Zeit komplett veränderten Vorgehensweise den Mythos vom Fußball/Sport als Heilsbringer für mehr als nur einen aus einer Million entlarvt. Wobei das keine neue Erkenntnis ist, im Falle von Jorginho wird diese aber besonders intensiv illustriert.

Das, was Jorginho mit seiner Fußballschule in Rio da erlebte, sollte man allen hiesigen Sportlern, die Stiftungen gründen, welche dann Kindern in z. B. Südafrika einen neuen Sportplatz bauen und ein paar Trikots hinschicken, ausgiebigst einbleuen.

Wer nicht ganz auf dem Laufenden ist, kann aber den ersten Teil ebenfalls konsumieren.

5 Kommentare

  1. Danke für die Empfehlung. In der Tat sehr interessant.

  2. Liest sich wirklich sehr interessant. Wobei man vielleicht noch über die Ansprüche solcher Stiftungen diskutieren sollte. Wenn ich diese langweiligen „Fußballstar xy baut Fußballplatz in z“-Meldungen halbwegs richtig im Kopf habe, geht es den meisten dieser Kickern ja nicht darum, ihnen eine berufliche Perspektive aufzuzeugen sondern über den Sport das Selbstbewusstsein und andere tolle Fähigkeiten die man ja nur im Sport lernen kann zu verbessern. Mit solchen Ansprüchen könnte der Sportplatz + Trikotsatz eventuell genügen. Für mehr halt aber auch nicht.

  3. Schönes Projekt von Jorghino. Die Schlussfolgerung empfinde ich aber als übertrieben negativ, vielleicht, weil ich sie nicht richtig verstehe. Bolzplätze und Trikots sind schlecht, weil sie übertriebene Hoffnungen auf ein Leben als Fußballmillionär auslösen? Oder ärgert es Dich, dass Stiftungsgelder nicht anderweitig eingesetzt werden?

  4. Für mich hat der Umstand, in ein Entwicklungsland einen nagelneuen Sportplatz zu bauen und Trikots hinzuschicken etwas davon, Eskimos Kühlschränke zu verkaufen und sich nicht zuletzt hinterher dessen noch zu rühmen. Sicher werden da anderer Berater involviert sind, so dass nicht die Spieler (und auch nicht die Stiftungen) alleine entscheiden, was sinnvoll ist und was schließlich gemacht wird. Bei diesen Sportplätzen gibt es zwar sicher den Nebeneffekt, dass die so Beschenkten etwas haben, was sie begeistert und motiviert und so weiter, also durchaus für eine Weile glücklich macht und evtl. sogar ihr Leben verändert. Bin aber trotzdem der recht sicheren und auch nicht aus der Luft gegriffenen Überzeugung, dass jeder entlegenere Ort in Südafrika eigentlich alles dringender braucht als eine neuen Fußballplatz. Wobei das jetzt eher mit Halbwissen garniert ist, wo genau zur WM 2010 gebaut wurde, weiß ich nicht. Ja, es ist eine falsche Investition und sie rührt (meiner Meinung nach) aus dem selben Sermon heraus, dass „football for hope“ und „for the world“ ist und all dieser Marketingsermon, den man doch aber als Spieler nicht selbst glauben darf. Auch wenn es schwerfällt und für jemanden, der nur dieses Leben kennt, vielleicht sogar zu viel verlangt ist. Aber dann muss es doch irgendwo andere Möglichkeiten geben, die Erkenntnisse von z. B. Jorginho weiter zu geben, an jene, welche gerne weiter Sportplätze bauen wollen.

  5. Mir hätte als Kind mal jemand erzählen sollen, dass es Wichtigeres als den Fußballplatz gibt, auf dem ich beinahe jede freie Minute verbracht habe. Zum Glück gab es den schon. Heute nicht mehr. Einfamilienhäuser scheinen hierzulande wichtiger.

    Aber davon ab, wäre es doch erstmal nahe liegend, jedwede Schenkungen, Förderungen zu begrüßen. Unabhängig davon, ob es Wichtigeres gibt. Ich meine, mit meinem Geld mache ich vermutlich nie das Wichtigste. Warum sollten es dann Fußballer mit ihren Stiftungen machen? So wie ich von meinem Überfluss z.B. Weihnachtsgeschenke kaufe, gebe die halt ihr Geld für Dinge aus, welche sie gerne begünstigen wollen.

    Ich habe mal grob die Stiftungsseiten von Lahm, Beckenbauer, Neuer und Metzelder überflogen. Außer bei Lahm haben die meisten Projekte wenig mit Fußball oder Afrika zu tun. Und selbst bei Lahms Fußball-Projekten lese ich, dass diese in Kombination mit Bildung daher kommen.

    Keine Ahnung, wie überflüssig oder anmaßend die FIFA-Projekte sind. Ich hatte jetzt mehr an die „hiesigen Sportler“ angedockt, von denen im Beitrag die Rede war.



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