Seit der VAR Einzug in den Profifußball gehalten hat, sind sie seltener geworden, wenn auch nicht komplett eliminiert: die absichtlichen Handspiele im Fußball, die meist in Tornähe größere Gefahr entweder abwenden oder heraufbeschwören. Hier eine lose Auswahl an denkwürdigen Handspielen, bei der gleich der Einstieg das berühmteste Handspiel der Fußballgeschichte nennt. Damit wäre das auch gleich abgehakt.
Die „Hand Gottes“ habe Diego Maradona geholfen, im Luftduell mit Englands Keeper Peter Shilton den Ball in dessen Tor zu leiten, gab der kürzlich verstorbene Argentinier nach dem WM-Viertelfinale 1986 zu Protokoll. Shilton zeigte sich selbst nach Maradonas Tod nicht willens, diesem sein für alle Welt, bis auf die Schiedsrichter, sichtbares Handspiel zu vergeben. Schiedsrichter war damals im Azteken-Stadion in Mexiko City Ali Ben Nasser aus Tunesien, der aber seinem Assistenten Bogdan Dotschew aus Bulgarien die Schuld dafür gab, dieses Handspiel übersehen zu haben.
Ebenfalls in einem WM-Viertelfinale, diesmal im Jahr 2010, ereignete sich eine kaum minder bekannte Szene. Luis Suárez rettete Uruguay in der letzten Minute der Verlängerung, als er einen Schuss auf der Torlinie mit der Hand abwehrte. In diesem Fall gab es regelkonform Rot für ihn und einen Strafstoß für Gegner Ghana. Diesen vergaben die Afrikaner jedoch und schieden im anschließenden Elfmeterschießen aus.
Besonders weitreichende Konsequenzen hatte das Handspiel von Thierry Henry in den Playoffs der WM-Qualifikation 2009. Im Heimspiel gegen Irland nutzte der Franzose die Hand, um eine Torvorlage zu geben. Dieser Treffer zum 1:1 brachte Frankreich zur WM 2010, den Iren das Aus und dem Fußball möglicherweise die Einführung des VAR ein Stück näher. Da dieser Regelverstoß für alle TV-Zuschauer derart offensichtlich war, zahlte die FIFA den Iren eine Entschädigung fürs Verpassen der Endrunde und kam bezüglich des VAR ins Überlegen.
Handspiel von Thierry Henry gegen Irland im Video
Dass der 1,70 Meter große Lionel Messi kein ausgemachter Kopfballspezialist sein kann, dürfte selbst Laien klar sein. Dass er 2007 in einer Partie seines FC Barcelona gegen den Lokalrivalen Espanyol ein vermeintliches Kopfballtor – beinahe in Kopie jenes von Maradona 1986 – im Luftkampf mit dem gegnerischen Torwart erzielte, hätte den Schiedsrichter stutzig machen können. Tat es aber nicht. Messi hatte die Hand zu Hilfe genommen, was seinem Status als weltweit verehrtes Wunderkind des Fußballs wenig überraschend keinen Abbruch tat.
Und noch einmal das Original, Diego Maradona, der sich vier Jahre nach der „Hand Gottes“ bei der nächsten WM 1990 keineswegs geläutert präsentierte. Im Gruppenspiel Argentinien gegen die UdSSR nutzte er erneut die Hand, um das Spiel entscheidend zu beeinflussen. In seinem Fall hätte sich sogar angeboten, eine Handball Knöchelbandage zu tragen, so nah kam er damit zum wiederholten Mal einer gänzlich anderen Sportart als der seinigen, dem Fußball, als er einen Schuss der Sowjets vor dem eigenen Tor mit der Hand abwehrte. Argentinien gewann im Anschluss 2:0 und schaffte es bis ins Finale, währen die UdSSR schon in der Gruppenphase ausschied.
Torsten Frings rettet Deutschland gegen die USA
Ebenfalls nicht vergessen werden sollte ein Handspiel eines deutschen Nationalspielers, das dessen Team bei einer WM einen nicht ganz irrelevanten Vorteil brachte. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea trafen die Teams von Deutschland und den USA im Viertelfinale aufeinander. Was auf dem Papier möglicherweise eine klare Angelegenheit für den damals noch dreifachen Weltmeister hätte sein können, entpuppte sich als enge Partie auf des Messers Schneide. Erst schoss Michael Ballack Deutschland in Führung, dann drückten die USA. Torsten Frings bewahrte die DFB-Auswahl vor dem Ausgleich, als er einen Ball im eigenen Strafraum vor dem einschussbereiten Greg Berhalter mit der Hand zu Oliver Kahn weiterleitete – ungeahndet natürlich, sonst erschiene auch diese Episode nicht in diesem Beitrag.
