Blitzkrieg! Hunnen! Fritz, Surrender! Die Panzer rollen nicht mehr endlich wieder!

Unfassbar.

„Wenn Du glaubst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ’n Eigentor her.“

Da machen die englischen Medien nach der fürs Außen-Image doch recht positiv wirksamen WM 2006 in Deutschland und insbesondere dem fußballerischen Auftreten der deutschen Mannschaft in Südafrika endlich mal nicht mehr mit solchen Schlagzeilen wie im Titel genannt auf, als es zur Paarung England gegen Deutschland kommt, da haben wir gleich — mit direktem Draht zur Weiterverbreitung — einen Mann in vorderster Front, um im Bild zu bleiben, der dafür sorgt, dass diese vermaledeiten Assoziationen nicht verloren gehen, wenn die anderen sie nun endlich einmal ad acta legen.

Es ist ja auch wichtig, die Erinnerung nicht verblassen zu lassen. Die Schattenseiten der deutschen Geschichte sind einmalig, unvergleichlich. Das würde heutzutage niemand ernsthaft bestreiten, auch wenn das in der BRD selbst erst irgendwann gegen Mitte der 1960er Jahre dämmerte, als diese extremen Schattenseiten auch schon 20 Jahre her waren.

Der Mann heißt Oliver Kahn. Der Mann hat nicht nur Eier.

Er hat auch ein Management. Und dieses Management betreibt eine Webseite.

Und diese Webseite ist Teil seines zumeist inhaltsleeren ZDF-Pläuschchens vor, zwischen und nach Fußballspielen der WM mit einer Dame, die wiederum selbst gerade in Schwulitäten wegen gewisser Werbeverbandelungen ist, das ist hier aber nicht das Thema.

Den Fanexperten, der die auf dieser Webseite gewonnenen Daten verbreitet, kennt auch jeder, der auf die Öffentlich-Rechtlichen bei der WM-Grundversorgung angewiesen ist.

Irgendjemand der Betreiber hatte jetzt die umwerfend neue Idee, der deutschen Nationalmannschaft so etwas wie einen Spitznamen zu verpassen. „Three Lions“ wird die englische Mannschaft genannt, „Les Bleus“ die französische oder „Die unbezähmbaren Löwen“ (auf französisch) jene von Kamerun. Also muss so etwas auch für die deutsche Mannschaft her. Dass entweder die eingereichten Vorschläge nicht besonders originell waren oder die Jury in ihrer Auswahl mehr als konservativ zu nennen ist, sei dafür unerheblich, schließlich wüsste man hier auch mit keinem guten Vorschlag für einen Spitznamen aufzuwarten. Was daran liegen könnte, dass Spitznamen normalerweise während des Lebens, des Zusammenlebens oder aus irgendwelchen Zusammenhängen irgendwelcher Nationen mit irgendwelchen Tieren oder Sagen oder dergleichen entstehen und nicht per Abstimmung zugewiesen werden können. Tante Käthe hatte jedenfalls damals keine TED-Telefon-Umfrage durchführen lassen, ob sie er so genannt werden will oder doch lieber anders.

Dass also die übrigen Vorschläge auch alle mehrheitlich großer Mist sind („11 Freunde“, „Schlandmän“ oder „Goaliats“ – ja wirklich: „Goaliats“) ist irrelevant.

Einen Vorschlag aber, den die Leute von fanorakel und damit quasi ja auch die Leute vom ZDF und vom Kicker, wie es dort zumindest geschrieben steht, akzeptabel fanden und in ihre Abstimmung aufgenommen haben, den kann man nur noch hirntot nennen.

Die Panzer

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Das ZDF (!) und der Kicker (!) und diese vom Management von Oliver Kahn betriebene Seite fanorakel.de (kein Ausrufezeichen) lassen öffentlich und ohne jegliche Scham darüber abstimmen, ob eine Fußball-Nationalmannschaft aus einem Land, deren Bewohner und Vorfahren mehr als nur halb Europa überfallen, verwüstet und den Tod von ca. 60 Millionen Menschen verursacht haben, ernsthaft einen Spitznamen in Form einer dieser todbringenden und viele weitere Tode ermöglichenden Waffen tragen solle.

Sie schämen sich dann natürlich nicht, auf der Webseite anzuzeigen, dass 4% aller User diesen Spitznamen als ihren Favoriten ausgewählt hatten. Mit insgesamt 4% Idioten könnte man wohl noch ganz gut in jeder Gesellschaft zurechtkommen. Mit Leuten, die in Deutschland öffentlich-rechtliche Medienarbeit verrichten und sich beim Begriff „Die Panzer“ nichts denken, hingegen eher nicht.

Natürlich gibt es in anderen Ländern vielerlei militärische Verwicklungen von Bezeichnungen im Fußballbereich, allein schon, wenn man Fangruppierungen als „Army“ von irgendwas oder in irgendwelchen Farben bezeichnet. Das ist aber irgendwo anders.

Hier ist Deutschland und hier braucht kein Mensch in irgendeiner Form die Bezeichnung einer Waffe, gerade jene Waffe, die im Ausland jahrzehntelang die Metapher für eben jenen Angriffskrieg war, auch wenn nur von Fußball die Rede war, als niedlichen, verharmlosenden, tatsächlich aber wohl Angst einflößen sollenden Spitznamen einer Auswahl von Sportlern.

Bei dieser Abstimmung hat sich eine Mehrheit von über 50% übrigens für irgendwas mit „Adler“ als Spitznamen entschieden, jetzt geht die Abstimmung in die nächste Runde, welche Adler es denn genau sein sollen. Auch hier sind die Vorschläge von exquisiter Güte („Schwarogo Adler“, „Deutsche Adler“ oder „Weißbrust Adler“). Es scheint, im Sinne der vorhergegangenen Abstimmung, wenn es schon nicht die Panzer sein dürfen, fehlt da noch ein gewisser Adler in der Auswahl.

Darum, dass Hirn vom Himmel fiele, wagt man ja schon gar nicht mehr zu bitten.

Entdeckt und zuerst verfolgt von Jogis Jungs.

14 Kommentare

  1. Wie uns die englische Presse bezeichnet ist mir Wurst. Solche Kosenamen kommen ja nicht von ungefähr. Habe es immer sehr amüsiert verfolgt, denn es deutet ja auch auf Respekt den sie vor uns haben. Ich finde, dass sich die anderen um unsere Spitznamen kümmern sollten und nicht wir.

    Titel sind mir wichtiger als schönes Kurzpassspiel und weltweite Sympathien. Will wieder den Hass für schmutzige Siege und unverdiente Titelgewinne. Zwei, drei, zwei und drei ist die Bilanz seit 2002. Es langt!

    Ach wieder sehr inhaltschwerer Artikel mit reichlich taktischem Geplänkel für die Freunde des Rasenschachs. Weiter so und hat mir sehr gefallen ;-)

  2. Markus wenn du das alles ernstes gut findest,dann ist dir nicht mehr lange zu helfen.der autor hier hat absolut recht damit das zu kristisieren.irgentwann ist auxch mal gut mit den ewigen vergleichen aus dem militaer.hass für schmutzige siege willst du?ich kann dich nicht mehr verstehen……

  3. Ob Horst Adler wohl zur Auswahl steht?

  4. Ich bin vor den TV jedesmal aggressiv geworden, wenn ich diesen Fanorakel-Heini von „wir Fans“ habe reden hören. Und wenn dann irgend eine hirnverbrannte Webabstimmung präsentiert wurde und Herr Kahn raunte „Jaaaaaaa, interessant, die Fans haben ein Gespür …“. Das ist Live-Verarschung der übelsten Sorte. Da wundert mich der Panzer-Mist überhaupt nicht.

  5. Na da können wir ja fast froh sein, gegen Francos Enkel unser Waterloo/Stalingrad erlebt zu haben, was? Sonst würde aus dem Bundesjogi noch der GröTaZ…

  6. Danke, Trainer.

  7. Es ist unfassbar. Danke für den Artikel, Trainer.

  8. „Zwei, drei, zwei und drei ist die Bilanz seit 2002. Es langt!“

    Streng genommen ist sie zwei, nix, drei, zwei und drei ;).

  9. De doitschen Panza rrrollen wieder!

  10. „Der multiethnische Panzer“ – das finde ich wiederum sehr witzig.

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1276452203576.shtml

    Übrigens finde ich die Metaphern der Britischen Presse auch eher amüsant; die nehmen das ja selber auch eher mit Humor. Aber „sich“ dann tatsächlich „selbst“ so nennen wollen – das ist an Dämlichkeit kaum zu überbieten…

  11. Danke für den Beitrag. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Außer: Man Man Man, was denken die sich eigentlich dabei?

  12. Hier noch seufzend etwas mit GEZ-Zwangsgebühren einfügen, die das auch noch mitfinanzieren…

    Danke lieber Trainer!

  13. Mal wieder ein großartiger Artikel vom Trainer und man kann sich wirklich nur an den Kopf fassen über die Schlichtheit/Naivität des ZDF….und dabei wie so oft ins Leere greifen. Vom „kicker“ darf man vermutlich nicht viel mehr erwarten, bewegt sich dieser doch auch sprachlich noch in den Fünfzigern, da scheint die entsprechende Geisteshaltung nicht allzu fern.

    Wie der Trainer völlig zurecht schreibt, vergibt man solche „Kosenamen“ nicht per Akklamation, sie werden irgendwann aufgebracht und wenn von einer ausreichend breiten (sic!) Masse akzeptiert, Teil der Fußballhistorie bzw. der fußballerischen Umgangssprache.

    „Die Adler“ wäre natürlich recht nett gewesen, allerdings sind damit ja inzwischen schon die Skispringer in Verbindung konnotiert. Und die Vorstellung, dass aus zehntausenden Kehlen im Stadion „Adler sollen fliegen“ erschallt (um mal den „kicker“-Duktus aufzugreifen) während ein zurückgekehrter Markus Marin das wörtlich nimmt und abhebt, erscheint abschreckend.

    Ich persönlich fände „Jogis Jungs“ ja allein schon aus dem Grunde gut, dass es nicht nur aktuell passt, sondern auch zukunftsträchtig wäre. Denn selbst wenn Herr Löw eines Tages nicht mehr Bundestrainer ist, kann man wunderbar Phrasen wie „Das sind nicht mehr Jogis Jungs“ (wenns schlecht läuft) oder „Noch besser als Jogis Jungs“ (wenns gut läuft) absondern und sich damit bei jedem Public Viewing ein ehrliches Bier über den Kopf verdienen.

  14. Germanico?
    Kann da mal wer ganz dringend die kollektive Klospülung ziehen, all denen ham se ja wirklich ins Gehirn gesch…

    Ich als passiv-aggressiver Ablehner dieses asozialen Netzdrecks muß da mal nachfragen: war BRDigung in der Auswahl?