How to fake ein Fußballfan sein

| 10 Kommentare

Heutzutage gehört es ja zum guten Ton, sich für Fußball zu interessieren. Selbst in den oberen Etagen wird das schon mal als Thema aufgebracht. Damit man bei all dem darum herum wabernden Small Talk nicht Fettnäpfchen an Ahnungslosigkeit reiht, wie es beispielsweise Helmut Markwort immer wieder vorzüglich schafft, hier dieses kleine „how to“ für die Aufgabe, vorzugeben, ein Fußballfan zu sein, ohne dass man die geringste Ahnung von der Materie haben muss.

1.1 Suchen Sie sich einen der 18 aktuellen Bundesligisten als Ihren Club aus.
1.2 Informieren Sie sich darüber, welcher Club als dessen ärgster Rivale gilt.
1.3 Reißen Sie während des gesamten Gesprächs flache Witze über diese Rivalität. Je flacher, desto glaubhafter wirken Sie in ihrem vermeintlich authentischem Fantum. Lehnen sie per se alles ab, was dieser Rivale macht, ob Vereinsfarben, Form des Stadions, aktuellen Präsidenten oder Vereinssong.

2.1 Informieren Sie sich, ob Ihr Verein im Vergleich viele oder wenige Fans besitzt.
2.2 Im Falle von vielen Fans: Machen Sie sich darüber lustig, dass andere Vereine nur so lächerlich wenige Anhänger haben.
2.3 Im Falle von wenigen Fans: Weisen Sie darauf hin, dass alleine schon zu einem Verein zu gehen, den nur ganz wenige mögen, ein Kennzeichen authentischen Fantums ist.

3.1 Informieren Sie sich, wer Trainer vor dem aktuellen Trainer war.
3.2 Werfen Sie ein, dass unter dem Vorgänger auch nicht alles schlecht war, besonders das Mittelfeld (so vermeiden Sie, harte, nachprüfbare Fakten wie Tore oder Gegentore diskutieren zu müssen.)
3.3 Sinnieren Sie dennoch, dass es auch für den aktuellen Trainer schon in Kürze eng werden könnte. (Ausnahme: Ihr Verein ist gerade Tabellenführer.) Er sei einfach nicht der richtige Mann für den aktuellen Kader. (Nachfragen nach einer Begründung für diese Einschätzung sind äußerst selten.)

4.1 Informieren Sie sich über die größten Erfolge Ihres Vereins.
4.2 Falls damals schon geboren: Werfen Sie immer wieder ein, dass diese Zeiten ja die besten gewesen sein – die kämen aber nie wieder.
4.3 Falls noch nicht geboren: Werfen Sie immer wieder ein, dass die alten Erfolge wie ein Fluch über dem Club lasten.

5. Plädieren Sie darauf, dass Ihr bevorzugter Verein mehr über außen spielen müsste.

Mit diesen nur 5 kleinen Vorbereitungsschritten kommen Sie unerkannt durch jeden Fußball-Smalltalk, ohne je ein Spiel selbst gesehen zu haben, einen Spieler mit Namen zu kennen, geschweige denn etwas von Taktik verstehen zu müssen. Auf dass auch das nächste angebahnte Geschäft nicht an allzu großer Helmut-Markwort-haftigkeit im Fußball scheitert.

10 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, ob das an meinem Internet liegt, aber so wie diese Webpräsenz sich mir derzeit darbringt empfinde ich das als total verwirrend. Da steht „15 Kommentare“, ich freue mich, in eine lebhafte Diskussion über einen schönen Text einzutauchen und was empfängt mich? Das pure Nichts.

    Ich finde das anderswo schon doof genug, wenn unter soundsoviel Reaktionen jeder Pingback oder Retweet aufgezählt wird. Aber hier sehe zumindest ich genau gar nichts.

    Dabei hätte dieser Eintrag eine breite Resonanz verdient. Manchmal schaut man erstaunt auf den Kalender und denkt, das kann doch nicht sein, dass auf diesen Gedanken in den letzten 30 Jahren noch niemand gekommen ist. Dies hier ist so ein Moment. Allein schon für

    3.2 Werfen Sie ein, dass unter dem Vorgänger auch nicht alles schlecht war, besonders das Mittelfeld (so vermeiden Sie, harte, nachprüfbare Fakten wie Tore oder Gegentore diskutieren zu müssen.)
    3.3 Sinnieren Sie dennoch, dass es auch für den aktuellen Trainer schon in Kürze eng werden könnte. (Ausnahme: Ihr Verein ist gerade Tabellenführer.) Er sei einfach nicht der richtige Mann für den aktuellen Kader. (Nachfragen nach einer Begründung für diese Einschätzung sind äußerst selten.)

  2. Du hast Recht, es ist verwirrend, auch andere Leser haben sich schon geäußert. Ich habe das Plugin jetzt wieder deaktiviert und werde nach Alternativen suchen.

  3. Musste das eine oder andere schmunzeln beim lesen, denn ich habe leider schon sooooo oft mit irgendwelchen „Fakefans“ Small Talk betrieben und in der Regel waren dies Führungskräfte bei uns im Haus..freue mich dann aber regelmäßig auf den Satz „Ehm, der spielt schon seit 5 Jahren nicht mehr beim [passenden Verein vorstellen]“ :P

  4. Pingback: #Link11: Don’t hate the player(s) | Fokus Fussball

  5. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 15 in 2015 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2015

  6. Why would you wanna fake that?

    Ich sage immer, dass Fußball doch hinfallen und weinen ist.

  7. Danke, Trainer. Damit kann ich bei den unvermeidlichen Kantinengesprächen zum genannten Thema endlich mein selbst auferlegtes Schweigen brechen.

  8. Lustiger Beitrag. Teilweise hat man wirklich das Gefühl das einige Zeitgenossen nach dieser Anleitung vorgehen.

    Vor allem sind die Fake Fans oft die die am lautesten schreien und kreischen. Ganz kurz mal. Und dann im Nirgendwo verschwinden.

  9. seit ungefähr 30 Jahren gibt es die „Bluffer’s Guide“-Reihe, die sich millionenfach verkaufte. Darunter auch ein Band „Bluffer’s Guide to Football“.
    Seit der WM2006 und dem in Deutschland aufkeimenden Hype rund um Fußball erschienen auch hierzulande diverse Bändchen, in denen genau solche „Tipps“ gemacht werden. Die alten englischen Originale sind allerdings um Welten witziger und auch treffender.



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.